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AUDIO NOW – RTL Radio Deutschland schafft Plattform für hochwertigen Audio-Content

Am 21. März veröffentlicht RTL Radio Deutschland die Audio Plattform AUDIO NOW unter dem Claim „Hier hörst du alles“. Das Unternehmen will mit dem Audio-Dienst hochwertigen und ausgewählten Audio-Content von Radiosendern, Podcast-Produzenten und anderen Audio-Produzenten bündeln. Die kostenlose App wird es im Google Play Store und App Store zum Download geben.

Podcasts und Co. stehen klar im Vordergrund

Die Audio-Plattform hebt sich ganz klar von bisherigen Audio-Anbietern ab. Bei Spotify, iTunes und Co. steht die Musik im Fokus. Bei AUDIO NOW soll hingegen professioneller Audio-Content im Mittelpunkt stehen. Der Dienst wird dabei auch zur Heimat exklusiver Audio-Angebote der Bertelsmann Content Alliance.

Was könnte AUDIO NOW kosten?

Allerdings ist noch nicht klar, ob und wie der Dienst monetarisiert sein soll. TV NOW, der Video-Streaming-Dienst der Mediengruppe RTL Deutschland, kann zum Beispiel in eingeschränktem Maße kostenlos genutzt werden. Um allerdings erweiterte Funktionen nutzen zu können, kostet TV NOW 4,99 Euro im Monat. Wie eine Monetarisierung im Bereich Podcast und Audio-Content aussehen kann, zeigt bereits der Hörbuch-Anbieter Audible von Amazon. Wer den Dienst für 9,95 Euro abonniert, erhält Zugang zu allen von Audible selbst produzierten Audible Original Podcasts. Nutzer können aber auch ohne Abo einzelne Podcasts für einmalig 9,95 Euro abonnieren.

Ob AUDIO NOW überhaupt etwas kostet, oder wie sich der Dienst ansonsten finanziert steht allerdings noch nicht fest und bleibt abzuwarten.


Image by dekdoyjaidee / adobestock.com

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Press Play! – Die Podcast-Highlights im November

Auf dem Weg zur Arbeit, beim Sport, beim Putzen oder zum Einschlafen: Es gibt fast nichts, wo Podcasts uns nicht auf Schritt und Tritt begleiten. Wir haben die spannendsten Podcast-Highlights des Monats für euch herausgesucht.

Du weißt nicht, was hier los ist? Dann schau erstmal hier rein: Podcast Basics.

Vorlesungswissen mit Spaß: Soziopod

Ohje, Dozenten vor dem Mikro? Hören die sich nicht sowieso schon gern labern? Beim Soziopod wird es zum Glück nie langweilig. Patrick Breitenbach und Nils Köbel nehmen sich soziologische und philosophische Themen oder bekannte Philosophen vor und erklären diese zunächst wissenschaftlich, danach wird der gesellschaftliche Kontext aufgerollt und verständlich erklärt, versprochen. Von Angst in der Gesellschaft über Demokratie bis hin zu Marx, Hegel und Luhmann gibt es hier das kleine Soziologen-101 unterhaltsam und verständlich für euch aufgetischt. Und mitschreiben müsst ihr auch nicht, versprochen!

Soziopod: Press Play!

Erlebte Geschichte: Staatsbürgerkunde

„Mama, Papa, erzählt doch mal, wie war das früher so?“ – Viele Kinder fragen sich im Erwachsenenalter, wieso sie ihre Eltern nicht schon längst über ihr früheres Leben ausgefragt haben. Martin Fischer hat die Chance genutzt und erst seine Eltern, später auch andere Bekannte und Experten in seinem Podcast Staatsbürgerkunde befragt. Stoff zum Nachhaken hat er genug: Martin kommt aus der DDR, war aber noch zu klein, um sich richtig zu erinnern. Also redet er über alle Alltagsthemen, die ihm so einfallen: Schule, Arbeit, Essen, Tierparks, aber natürlich auch über politische Themen wie Überwachung, Flucht und Oppression. So spannend, alltagsnah und unverstellt gibt es Geschichte selten zu hören.

Staatsbürgerkunde: Press Play!

Pechsträhne mit Mehrwert: Talk ohne Gast

Der nächste Podcast ist eigentlich ein Widerspruch: Ein Interview-Programm ohne Interview. Die Gäste, die zu Till Reiners und Moritz Neuemeier hätten kommen sollen, tauchen nämlich gar nicht auf. Das kann immer mal passieren, und meistens fällt solch ein Nicht-Termin unter den Teppich. Anders bei Talk ohne Gast. Dann müssen sich die beiden eben anders behelfen und quatschen dann eben nur zu zweit, aber nicht werniger munter darüber, was sie gern gefragt hätten. So kommen die beiden vom Hölzchen aufs Stöckchen.

Talk ohne Gast: Press Play!

Vom Kleinen ins Große: Anekdotisch Evident

Katrin Rönicke kennt ihr schon aus unseren früheren Empfehlungen, denn sie ist auch Teil des Lila Podcast. Zusammen mit der Autorin und Kulturwissenschaftlerin Alexandra Tobor färbt sie die unterschiedlichsten Themen mit persönlichen Erfahrungen ein. In jeder Folge unterhalten sie sich über ein Thema, das ihnen am Herzen liegt und sie durch den Alltagt begleitet, wie Geld, Wut oder Fotografie – so finden Anekdoten und wissenschaftliche Evidenz auf unterhaltsame Art zueinander.

Anekdotisch Evident: Press Play!

Zum Runterkommen: Einschlafen

Toby Baier sagt von sich selbst, dass er so langweilig ist, dass ihm sogar seine Kinder manchmal beim Erzählen wegschnarchen. Das können wir zwar so nicht ganz bestätigen, aber Tobys Stimme hat schon eine eher beruhigende Wirkung. Aus der Not hat er eine Tugend gemacht: Mit dem Einschlafen-Podcast bietet er entspannte Texte zum Einschlafen oder Zuhören und abgelenkt sein. Er erzählt von seinem Tag oder liest auch einfach mal aus einem (staubtrockenen) Klassiker vor – hauptsache, man kann sich entspannen. Zu Tobys Erstaunen funktioniert das Konzept so gut, dass er viele Dankes-Emails bekommt – obwohl wahrscheinlich die meisten seiner Hörer kaum je eine Folge zu Ende gehört haben dürften. Na dann: Gute Nacht!

Einschlafen: Press Play!

Podcast Tipps Oktober

Hier geht’s ums Wesentliche: Elementarfragen

Nicolas Semak, Mitbegründer des Podcast-Labels Viertausendhertz, hat Fragen. Und zwar viele davon. Trotzdem lässt der seinen Interviewpartnern freien Lauf und so kommen sie in den Elementarfragen vom Hölzchen aufs Stöckchen. Dabei wird Biografisches ebenso angesprochen wie Charaktereigenschaften, bis der Zuhörer die Gäste wirklich kennenlernt. Im offenen Podcastformat waren bereits Medienpersönlichkeiten wie Sascha Lobo, eine Astronautin, eine Seenotretterin, Politikerinnen wie Claudia Roth und Zeitzeugen wie das ehemalige RAF-Mitglied Lutz Taufer oder der Kommune 1-Mitbegründer Rainer Langhans zu Gast.

Elementarfragen: Press Play!

All überall: Sternengeschichten

Das Weltall, unendliche Weiten. Wer sich hier am Besten auskennt, ist der Astronom Florian Freistetter. Er erklärt uns unseren Nachthimmel und löst auch schonmal die eine oder andere Artikelwelle auf, die panisch durch die Medien getragen wird. Wenn also wieder mal eine angebliche zweite Erde gefunden wird, neues Leben im All vermutet oder einfach ein Meteor abstürzt (oder war es ein Komet? Florian Freistetter sagt es euch!) , wird man hier bestens und unterhaltsam informiert. Nicht nur für Physiker!

Sternengeschichten: Press Play!

Frauen an die Mikros: Lila Podcast

Frauen in der Podcastlandschaft? Sind leider noch immer Mangelware. Das kann so nicht weitergehen, dachten sich die Autorinnen und Radiomacherinnen Katrin Rönicke, Barbara Streidl und Susanne Klingner. Zusammen senden sie als Lila Podcast und gelten seit langem als “Klassiker unter den feministischen Podcasts” (zett). Die drei Frauen berichten klischeefrei und angenehm unaufgeregt über die weibliche Sicht auf die Welt und wie sie sich verändert – egal, ob es um #metoo, den Gender Pay Gap, Familienpolitik, Frauenquote, Schminktutorials oder Kunst geht.

Lila Podcast: Press Play!

Serdar Somuncu in den Kopf geschaut: Die Blaue Stunde

Serdar Somuncu ist ein Phänomen. Der Kabarettist, Autor, Regisseur und Politiker (er trat 2017 als Kanzlerkandidat für die Partei DIE PARTEI an) ist ein hochintelligenter Hans Dampf in allen Gassen, dabei aber gern auch völlig schräg umherfantasierend. Ein Hörerlebnis ist die Blaue Stunde auf jeden Fall. Mal ist er allein im Studio und philosophiert vor sich hin, mal wird ein Gast einfühlsam abgetastet. Serdar Somuncu kommt hier innerhalb von 2 Minuten vom Lieblingsjoghurt auf die großen Fragen des Lebens und hat zu allen einen Draht.

Die Blaue Stunde: Press Play!

Was tun, wenn es zu Ende geht: The End

Fast jeder musste es in der Familie oder im Freundeskreis schon einmal miterleben, und am Ende geht es sowieso uns alle an: Der Tod ist mitten unter uns – aber reden tut niemand darüber. Sterben, was macht man da eigentlich? Wie stehen Sie zum Tod? Und was muss man eigentlich alles beachten, wenn es an die Organisation geht? Der Berliner Bestatter Erik Wrede nimmt dem Thema in seinem Podcast den Schrecken und geht einfühlsam und mit viel Interesse an die Fragen heran, die man hat, sich aber nicht zu stellen traut.

The End: Press Play!


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Press Play – Die Podcast-Highlights im August

Auf dem Weg zur Arbeit, beim Sport, beim Putzen oder zum Einschlafen: Es gibt fast nichts, wo Podcasts uns nicht auf Schritt und Tritt begleiten. Wir haben die spannendsten Podcast-Highlights für euch herausgesucht. Du weisst nicht, was hier los ist? Dann schau erst einmal in die Basics hinein.

Reingenerdet: Chaosradio Express

Podcast-Urgestein Tim Pritlove hat so mache Podcast-Reihe geprägt und viele Hörer selbst zum Podcasten angeregt. Mit seinem Chaosradio Express geht er tief in die Materie aller möglichen Themen aus Technik, Kultur und Gesellschaft. Egal, ob es ums Brotbacken geht, um das Internet oder den Mythos der 68er, hier wartet Nerd-Content deluxe auf wissbegierige Ohren.
Chaosradio Express: Reinhören!

Die Medienkritischen: Aufwachen!

Der Journalist Tilo Jung und der Soziologe und Publizist Stefan Schulz besprechen zweimal wöchentlich in ihrem Podcast die aktuellen deutschen Nachrichten. Dabei gehen sie sowohl auf die Nachrichtenlage selbst ein als auch auf die journalistische Darstellung der Themen. Oft kritisch, manchmal kontrovers und immer tagesaktuell Gern in Überlänge. Im dazugehörigen Forum wird oft rege diskutiert.

Aufwachen Podcast: Reinhören!

Die Vielfältigen: hr2 Kultur – Der Tag

Der Hessische Rundfunk bildet mit seinem Feature-Format eine Ausnahmeerscheinung in der Riege der Öffentlich-Rechtlichen. Jeden Abend wird eine Stunde lang ein Thema beleuchtet und dabei unterfüttert mit Beispielen aus der Literatur oder der Popkultur: Hier werden Experten gemacht.

hr2 Kultur – Der Tag: Reinhören!

Für Vielgucker: Das kleine Fernsehballett

Sarah Kuttner und Stefan Niggemeier, selbst ihres Zeichens Medienprofis und -beobachter, schauen sich gemeinsam, manchmal aber auch gegen den Willen des Anderen, die aktuellsten Fernsehformate an. Von der Scifi-Serie auf Netflix bis zum Trash-Format auf RTL 2 wird alles gnadenlos durchanalysiert. Witzig, pointiert und supersympathisch. Die aktuellen Folgen gibt’s bei Deezer.

Das kleine Fernsehballett: Reinhören!

Biografisch: Durch die Gegend

Und noch ein Laber-Podcast: Christian Möller macht mit seinem Format genau das, was der Name ankündigt. Er trifft sich mit MusikerInnen, AutorInnen, PolitikerInnen und vielen mehr und läuft mit ihnen – genau – durch die Gegend: Zu deren Arbeits- oder Lieblingsplätzen oder ganz einfach die Straße herunter. Was ihnen dabei einfällt, ist oft spannender als ein glatt strukturiertes Interviewformat in der angestaubten Sitzgruppe. Motto: “Die besten Gedanken kommen im Gehen.”

Durch die Gegend: Reinhören!

P.S.: Auch die anderen Produkte vom Podcastlabel Viertausendhertz sind sehr empfehlenswert. Einfach mal stöbern.


Image (adapted): Microphone by TheAngryTeddy (CC0 Public Domain), via Pixabay

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Press Play – Was ihr über Podcasts wissen müsst: Eine Anleitung

Auf dem Weg zur Arbeit, beim Sport, beim Putzen oder zum Einschlafen: Es gibt fast nichts, wo Podcasts uns nicht auf Schritt und Tritt begleiten. Wir suchen in dieser Reihe die spannendsten Podcast-Highlights für euch heraus.

Der Bus will nicht kommen und ihr müsst Zeit überbrücken? Na klar: Hörer rein, Smartphone raus, Track abspielen. Wer jetzt an Musik denkt, liegt 2018 nicht zwangsläufig richtig. Wahrscheinlicher ist es, dass jetzt ein Podcast läuft. Denn Podcasts können mehr: Sie schärfen euren Blick für die Welt. Mit ihnen kann man neue Themen und Aspekte kennenlernen, tiefergehende Diskussionen zu aktuellen Debatten verfolgen oder sich ganz einfach die Zeit vertreiben.

Podcast: Die dritte Welle ist da

Die derzeitige “dritte Welle des Podcastings”, wie die der Podcast-Pionier Tim Pritlove sie in seiner Keynote auf der Subscribe9 im Herbst 2017 beschrieb, führt vor, wie vielfältig das Medium Podcast ist. Etwa seit 2016 haben sich Podcasts aus der Nische herausbewegt und sind im Mainstream angekommen. Außerdem lässt sich kein anderes Medium besser parallel nutzen.

Egal, ob beim Bügeln, Kochen, Spazieren, Reisen, Pendeln – Podcasts begleiten uns im Alltag. Die Faktoren Personality und der Promi-Status sind ebenfalls nicht zu vergessen – ähnlich wie bei Youtubern haben sich unter Podcastern bestimmte Filterblasen und eine gewisse Podcasting-Prominenz gebildet. Podcasts füllen inzwischen Kommentarspalten oder es bilden sich Communities, die über die Inhalte diskutieren.

 

Der große Podcast-Guide: Was ihr wissen müsst

Was ist das? Das Podcastformat – abonnierbare Mediendateien, meist im Audioformat, die per RSS-Feed ausgeliefert werden – hat sich seit Anfang der 2000er in der Medienlandschaft etabliert. Podcasts (ursprünglich von Broadcasting, damals noch hauptsächlich über den iPod) sind eigens produzierte Sendereihen mit regelmäßigen Episoden.

Und was passiert da? Mal spricht man miteinander über alles mögliche, mal werden Experten ausgefragt und bestimmte Themen intensiver beleuchtet – die Vielfalt ist schier unendlich. Podcasts sind also mehr als nur Radio oder Fernsehen auf Abruf, denn sie sind spezieller und oft tiefgründiger.

Wer ist alles dabei im Podcast-Universum? Es gibt nicht nur Olli Schulz und Jan Böhmermann – jeder kann Podcaster sein. Mehr als ein Mikrofon, ein Schnittprogramm und einen Webspace, auf dem die fertige Sendung schließlich hochgeladen wird, braucht man nicht. Weil der Einstieg in die Audioproduktion so niedrig ist, haben sich bereits ganze Unterkategorien von Podcast-Filterblasen gebildet.

Was gibt es für Themen? Kurz gesagt: Alles. Im Prinzip findet sich zu jedem Thema jemand, der darüber berichten kann. Hier müssen keinesfalls die Stars der Medien-Szene den Ton angeben – spannender sind oft die Spezialthemen der Nerds! 

Podcast sind sozusagen die Gegenbewegung zur Programmunterhaltung. Aber auch die Öffentlich-Rechtlichen möchten mitmachen. Das On-Demand-Plus wertet auch professionell gestaltete Features und  Radiosendungen auf, die sonst oft ungehört versanden, weil sie oft zu nachtschlafener Zeit gesendet werden. Es lohnt sich also, auch einige Feeds der offiziellen Medienhäuser zu abonnieren.

Wie lange sollte ein Podcast dauern?  Ganz einfach: Bis das Thema zu Ende ist. Das eine oder andere Thema lässt sich eben nicht in dreieinhalb Minuten umfassend darstellen und manche Diskussionen sind auch nach einer Stunde Talkshow noch nicht ausreichend besprochen.

Hier gewinnt der Podcast, denn es gibt keine Zeitbegrenzung. Das heißt noch nicht, dass alle Sendungen stundenlang dauern müssen – mache Formate sind kurz und knackig, manche nehmen sich extra viel Zeit.

Klingt gut, das will ich mir mal anschauen! Wo kann ich das alles hören?  Am Besten installiert ihr euch einen Podcatcher: Ein automatischer Feed, der euch die neuesten Folgen eurer Lieblingspodcasts anzeigt. Für Android-Nutzer gibt es AntennaPod, PodcastAddict oder Podkicker (alle drei sind kostenlos), auch der PocketCast (3,99 Euro bei Google Play) ist einen Blick wert. Bei einigen Podcatchern sind ein paar Feeds schon vorinstalliert, eure Wunsch-Sendungen könnt ihr aber ganz einfach hinzufügen.

Apple-Usern haben es hier leichter: Die vorinstallierte Podcast-Player auf eurem iPhone ist ein verlässlicher Begleiter. Reicht euch nicht? Ein paar andere Apps zum Podcast-Hören könnt ihr hier ausprobieren.

Welche Podcasts empfiehlt die Redaktion? Die August-Highlights gibt es hier.


Image (adapted): Microphone by TheAngryTeddy (CC0 Public Domain), via Pixabay

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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • INSTAGRAM Heise: Instagram TV attackiert Youtube: Hochkant-Videos mit bis zu 60 Minuten Laufzeit: Jeder, der gerne Insta-Storys dreht weiß, dass normalerweise nach 15 Sekunden Schluss ist und die nächste Story gestartet werden muss. Für diejenigen, für die das nicht reicht, soll es bald die Möglichkeit geben 60-minütige Instastorys zu drehen. Das wird der Videoplattform YouTube ganz schön zusetzen, denn Instagram hat es sich fest zum Ziel gemacht, somit die jüngere Zielgruppe anzusprechen, die keine Lust auf klassisches Fernsehen hat. Unter dem Namen IGTV sollen die Hochkant-Videos, die den kompletten Bildschirm auf dem Smartphone ausfüllen, neben Privatpersonen auch Influencer ansprechen. Die Videos werden, ähnlich wie beim klassischen Fernsehen, in Kanälen gesammelt, um einen geordneten Überblick zu schaffen. Schon in den nächsten Wochen soll IGTV weltweit verfügbar sein.

  • FACEBOOK Computer Base: Paywall: Facebook testet kostenpflichtige Gruppen: Muss bald für Facebook-Gruppen bezahlt werden? Derzeit testet Facebook nämlich kostenpflichtige Gruppen, bei denen die Administratoren von ihren Gruppenmitgliedern einen monatlichen Beitrag zwischen fünf und 30 US-Dollar kassieren können. Die sogenannten Subscription Groups beschränken sich testhalber auf eine kleine Anzahl von Gruppen innerhalb der USA. Aber was steckt hinter dem Gedanken von den Gruppenmitgliedern Geld einzufordern? Facebook möchte mit diesen Beiträgen die Arbeit der Gruppen-Administratoren honorieren. Doch hofft das soziale Netzwerk auch, dass somit exklusive Inhalte innerhalb der Gruppen entstehen werden. Nutzer können, sobald sie ein Abo abgeschlossen haben, dieses auch wieder monatlich kündigen.

  • DIGITAL KEY GameStar: Digital Key 1.0 – Autos per Smartphone öffnen und starten: Wie wäre es, wenn man künftig sein eigenes Auto mit dem Smartphone öffnen und auf das lästige Schlüssel suchen verzichten könnte? Car Connectivity Consortium (CCC) möchte genau das möglich machen. Hinter dem Namen CCC versteckt sich eine interindustrielle Kollaboration von Auto- und Smartphone-Herstellern. Mit dem sogenannten Digital Key können Autofahrer dann ihr Auto mit dem Smartphone öffnen, starten und schließen. Zudem können mithilfe dieser Technologie auch weitere Schlüssel für das Auto erstellt oder auch geteilt werden. Was steht dabei im Fokus? Laut dem CCC soll natürlich der Komfort, die Bequemlichkeit und die sichere Nutzung der Fahrzeughalter im Vordergrund stehen.

  • GOOGLE Golem: Google veröffentlicht eigene Podcast-App: Wer ein Fan von Podcasts ist, für den hat Google jetzt eine neue Android-App unter dem Namen Google Podcast vorgestellt. Über den Google Assistant ist die App somit auf allen Geräten integriert. Somit können auch über Googles smarte Lautsprecher per Spracheingabe Podcasts aufgerufen und gehört werden. Startet man beispielsweise einen Podcast auf dem Smartphone, so kann dieser später über ein anderes Gerät weiter gehört werden, da die Hörstücke synchronisiert werden. Zudem können sich die Nutzer Empfehlungen zukommen lassen, die auf die Hörgewohnheiten der jeweiligen Nutzer abgestimmt sind. Wie genau das funktioniert, hat Google bisher noch nicht bekanntgegeben, dennoch steckt hier der Einsatz von künstlicher Intelligenz dahinter.

  • AMAZON Internetworld: Amazon lässt mit Alexa bezahlen: Online Banking ist ja schon was Feines und dann ist es noch so bequem und einfach. Allerdings kann online Bezahlen bald noch einfacher werden. Amazon möchte Kunden nämlich ermöglichen in Zukunft ihre Käufe per Sprachbefehl zu erledigen. Das Ganze wird derzeit noch getestet, aber soll sogar noch in diesem Jahr verfügbar gemacht werden. Ganz ohne Risiken ist diese Bezahlmethode natürlich nicht. Vielmehr bietet sich diese Art zu Bezahlen eher für Produkte des täglichen Bedarfs an, wie etwa Produkte, die man zum Kochen benötigt.

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Die Netzpiloten sind Partner des Medienforum Mittweida

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Schon bald beginnt das Medienforum Mittweida. Am 20. und 21. November findet der größte von Studenten organisierte Medienfachkongress Europas statt. Anders als bei den meisten Veranstaltung lernen hier aber nicht nur die Teilnehmer etwas von den Referenten, sondern vielmehr steht an diesen beiden Tagen der Austausch zwischen allen Beteiligten im Fokus.

Die Teilnehmer erwartet ein umfangreiches Programm. Neben Keynotes von internationalen Referenten wie Friederike Schiller der Hyperbole Medien GmbH oder Thomas Bärsch, Reporter beim ZDF, und vielen spannenden Talks, gibt es auch einige Workshops wie unter anderem:

  • Erlebe unkonventionelles Marketing
  • Megatrends im Eventmanagement
  • Erlerne journalistische Gesprächsführung
  • Zielgruppenansprache auf Facebook
  • Produziere deinen eigenen Podcast!

Ein Blick hinter die Kulissen beim Medienforum

Zudem können sich die Teilnehmer auf weitere Referenten aus der ganzen Welt freuen, die aus den unterschiedlichen Medienbereichen ihre Unternehmen präsentieren und geben spannende Einblicke hinter die Kulissen von 3D-Animation und Werbeerstellung. Außerdem stellen sie ihren Arbeitsalltag vor und geben neben vielem anderem auch Marketingtricks.

Gerade für Medienmacher gibt es die Recruiting Lounge. Hier können sich Studierende mit Medienvertretern in einer Art Speed-Dating untereinander austauschen und vernetzen. Wer also dieses Event nicht verpassen möchte, sollte sich diese beiden Tage unbedingt merken.

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Wie man der Desorganisation der Gesellschaft entgegenwirken kann – Neubelebung der Agora

Bundestag (Image by LoboStudioHamburg) (CC0 Public Domain) via Pixabay

Die vornehmste Aufgabe der Libertären besteht nach Ansicht des Vulgärkapitalisten und Trump-Freundes Peter Thiel darin, einen „Ausstieg aus der Politik in allen Formen zu finden“.

„Was nach hehrem Ideal klingt, ist bei Lichte betrachtet nichts anderes als ein Freibrief für Steuerflucht und Verantwortungslosigkeit. Auch der konstruierte Antagonismus zwischen Politik und Technologie, der suggeriert, im Internet herrsche die große Freiheit, trägt zur Verkennung der Lage bei. Die Kommunikationsströme im Netz sind vermachtet, und die großen Player Google, Amazon, Facebook und Apple bestellen das Feld, sie schränken genau jene Wahlfreiheit ein, die Thiel beschwört. Er redet letztlich der Demontage der Demokratie das Wort, die Trump auf seine Weise bearbeitet: Für Gewaltenteilung hat er nichts übrig, die Presse betrachtet er als Feind, er spricht per Twitter zu seiner Gefolgschaft. In Peter Thiel hat er offenbar einen Geistesverwandten gefunden“, resümiert die FAZ.

Die Politik sollte da nicht zur Tagesordnung übergehen.

„Sie muss die Banker und Manager mit der politischen Macht konfrontieren, muss sie als scheinbar Allmächtige entzaubern. Sie muss sie entlarven als jämmerliche Söldner“, fordert der Schweizer Publizist Frank A. Meyer.

Aber wird das reichen? Professor Reinhard Pfriem hat das im Utopie-Podcast #KönigvonDeutschland verneint.

Veränderungen über Basisbewegungen

Die Ökonomie sei ein Ausdruck kultureller Verhältnisse, auch was in ihr für wichtig gehalten und wertgeschätzt wird:

„Die gleichen kulturellen Strömungen wirken auch auf die Konstellationen der politischen Kräfte ein. Gerade in einem repräsentativen Parteiensystem. Es war die Vorstellung schon immer naiv, daran zu glauben, dass auf dem Weg des Politischen die Akteure zu Maßnahmen gezwungen werden, die sie selbst nicht machen wollen. Das funktioniert nicht. Wenn man sich das Parteiensystem anschaut sowie das Wahlverhalten der Bürgerinnen und Bürger.“

Man sei vielleicht gattungsgeschichtlich überfordert, die Gratwanderung zwischen Einheit und gemeinsamen Vorgehen sowie Konflikt- und Streitkultur zu bewältigen. Pfriem ist sehr angetan von den theoretischen Arbeiten der belgischen Wissenschaftlerin Chantal Mouffe. „Sie hat den Begriff der Agonistik geprägt – Sprechen ist Kämpfen im Sinne des Spielens. Damit meint Mouffe, dass es möglich sein muss, in der Gesellschaft Streitkultur zu pflegen und sich vom politischen Einheitsbrei zu verabschieden. Konflikte sollten Konflikte zwischen Kontrahenten bleiben und nicht Gegenstand von feindlichen Auseinandersetzungen sein. Das scheint extrem schwierig zu sein.“

Staatliche Regelungen bewirken nach Ansicht von Pfriem nur dann positive Veränderungen, wenn es sozial- und gesellschaftspolitischen Druck gibt. Ohne Basisbewegungen hätte es in den 70er und 80er Jahren keinen Fortschritt in der Umweltpolitik gegeben, die letztlich zum Atomausstieg und zur Einführung des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes geführt haben. Auf anderen Feldern funktioniere das nicht. „Denken Sie an die Mobilität, wo der Lobbyismus von Alexander Dobrindt sich ausleben kann und es in dem Autofahrerland Deutschland nach wie vor nicht möglich ist, auch nur Geschwindigkeitsbegrenzungen durchzusetzen.“

Wie sich Eliten abschotten

Liegt es an der Atomisierung oder Entsolidarisierung der Gesellschaft? Pfriem bejaht das.

Der Netzwerkforscher Manuel Castells hat das gut analysiert: Die alten und neuen Eliten (etwa Vulgärkapitalisten wie Thiel – er zählt gar zu den Protagonisten, die sich mit den alten Eliten koppeln) verbinden sich zur Absicherung ihrer Herrschaft bei gleichzeitiger Desorganisation der Gesellschaft.

Je stärker das Internet die Vernetzung vorantreibt und jeder nicht nur Empfänger von Botschaften ist, sondern auch Sender, desto stärker versuchen sich die alten Eliten abzusetzen, damit es nicht zu einem übermäßigen Vordringen von „gewöhnlichen“ Leuten in die innere Welt der Cliquen und Klüngel kommt. Der Zugang zu den Netzwerken der Herrschenden bleibt versperrt. Nachzulesen im Standardwerk von Castells „Das Informationszeitalter I – Der Aufstieg der Netzwerkgesellschaft“.

Quartiersräte als Bindeglied

Die Zersplitterung der Gesellschaft und der Separatismus elitärer Gruppen ist auch nach Meinung von Pfriem ein großes Problem.

„Es gibt ein grundlegendes Defizit an der Möglichkeit politischer Artikulation“, mahnt der Ökonom Reinhard Pfriem und plädiert für die Entwicklung von institutionellen Formen, die tatsächlich wieder radikale Demokratie ermöglicht: „Es gibt in Berlin in einigen sozialen Brennpunkten der Stadt so genannte Quartiersräte, wo die heterogenen und zukunftsorientiert tätigen Akteure zusammengebracht und mit der darüber liegenden Ebene verkoppelt werden.“

Also ein Bindeglied zu den kommunalen und landespolitischen Instanzen. In der Hauptstadt sind es die Bezirksverordneten-Versammlungen und das Abgeordnetenhaus. Die gegenwärtige Form von repräsentativer Parlamentsdemokratie schwebe schon institutionell über dem, was Menschen wirklich bewegt. Pfriem bringt den Begriff der Agora ins Spiel, also den Ort öffentlichen Verständigung und Kommunikation in der griechischen Antike. Das gilt nach seiner Auffassung auch für die Wissenschaft, die sich transparent zu zeigen und zu rechtfertigen hat sowie ihre von der Gesellschaft alimentierte Funktion unter Beweis stellen muss. Das Notiz-Amt sieht hier eine Nahtstelle zu den Diskussionen dem Future Hub-Diskurs mit der Bundeszentrale für politische Bildung und mit den Vorschlägen von D2030-Beiratsmitglied Professor Dirk Helbing für eine vernetzte Demokratie – analog und digital.


Image (adapted) „Bundestag“ by LoboStudioHamburg (CC0 Public Domain)


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • E3 heise: E3-Konferenz von Sony: Blockbuster-Show für die PS4: Die E3 – also die Electronic Entertainment Expo – ist seit über 20 Jahren eines der Highlight-Events in der Gamingszene, auf dem jährlich die aktuellsten Neuerungen vorgestellt werden. Nach Ankündigungen von neuen Konsolen wie der Xbox One X von Microsoft, ziehen auch andere Entwickler und Publisher wie Ubisoft. Aus dem Hause Sony werden den geneigten Zocker vor allem diverse Eigenproduktionen und mehr Material für die Playstation VR – die hauseigene Virtual-Reality-Brille – erwarten. Bei diversen Spielen wird sich allerdings noch bedeckt gehalten, dafür soll es erst auf der Gamescom im August weitere Infos geben.

  • DIGITALISIERUNG sueddeutsche: Deutschland braucht einen Digitalminister: Man lachte noch über Bundeskanzklerin Angela Merkel’s Aussage “das Internet sei für uns alle Neuland”, aber tatsächlich passiert in Deutschland zu wenig. Am gestrigen Tag reiste die halbe Bundesregierung zum Digitalgipfel in die Rhein-Neckar-Region. Ein Punkt, in dem Deutschland vor allem hinterherhinkt, ist der Ausbau der Glasfaserleitungen und der steht immerhin schon in der neuen Agenda des Wirtschaftsministeriums. Was jetzt wichtig ist, damit das Land innerhalb der Digitalisierung nicht auf der Strecke bleibt, ist eine digitale Agenda mit harten Zielen und idealerweise einem Staatsminister im Kanzleramt, der die Aktivitäten der Fachministerien mit einem entsprechenden Mandat koordiniert.

  • DATENSCHUTZ handelsblatt: Gesichtsscan im Supermarkt ist unbedenklich: Kürzlich machte die News die Runde, dass in Real-Supermärkten die Gesichter von Kunden an den Kassen gescannt und digital erfasst werden sollten. Die Software erfasst demnach, wie lange der Kunde auf den Werbebildschirm schaut, unterscheidet nach Geschlechtern und schätzt das Alter. Bei Datenschützern klingelten da erst mal die Alarmglocken, aber laut dem Bayerischen Landesamt für Datenschutzaufsicht sei datenschutzrechtlich alles in Ordnung.

  • PODCASTS wired: Apple gibt Podcastern mehr Daten – doch die sind skeptisch: Es wird von Produzenten als Meilenstein angesehen – Apples neue Podcasting-Analytics soll es Podcastern möglich machen, zu wissen, wie lange der Hörer mithört und welche Teile möglicherweise übersprungen werden. Aus Previews geht hervor, dass die Podcast Analytics wie die Analytics für iOS Apps dargestellt werden und dass Apple Nutzerdaten anonymisiert. Inhalte und Werbung können demnach nicht zielgruppengerecht auf die Hörer zugeschnitten werden.

  • WORDPRESS Quelle: Zu wenige Mitarbeiter anwesend: WordPress-Firma schließt Büro: Das WordPress-Büro in San Francisco macht dicht. Grund dafür: Mitabreiter der Firma hinter WordPress.com – Automattic – seien zum großen Teil schlichtweg nicht regelmäßig anwesend. Wie das sein kann? Automattic stellt es seinen Mitarbeitern frei, wo sie arbeiten wollen. Dem Firmensprecher Mark Armstrong zufolge war das Büro in San Francisco — ähnlich wie weitere Offices in Kapstadt und Portland – eine Art Coworking-Space.

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Gewaltenteilung für die Maschinenwelt – Warum wir Utopien brauchen

Himmel (adapted) (Image by Alexas_Fotos [CC0 Public Domain] via pixabay)

Wenn Technokraten über Zukunft reden, kommen in der Regel 4.0-Wortungetüme heraus, die sich in Zahlen, Effizienz und Effektivität suhlen. Alles wird besser. Kaum einer formuliert, wie und was wirklich besser werden soll. Welche Ziele, welche Werte und welche Ethik werden angestrebt? Die Silicon-Valley-Himmelsstürmer und die Copy-Cat-Abziehbilder in Deutschland erstreben die Weltherrschaft, verweigern aber den normativen Diskurs. Man will besser werden, neue Horizonte erstreben, Vergangenheit zurücklassen, beginnt Sätze mit dem Adverb „beyond“ und verharrt in Zwischenorten, Zwischenzeiten und in Wartesälen des Denkens.

Digitalisierung im Wartesaal des Denkens

Bei Intellektuellen wie Politikern im Westen scheint heute Stillstand im Fortschritt zu herrschen, jeglicher Richtungssinn verloren gegangen zu sein …“ , schreibt Günter Blamberger im Band „Möglichkeitsdenken – Utopie und Dystopie in der Gegenwart“ , erschienen im Wilhelm-Fink-Verlag. Es dominiert selbst bei den digitalen Vordenkern eine Trägheit des Kopfes, weil man dem kritisierten Bestehenden weder praktisch noch theoretisch etwas entgegenzusetzen hat. Kein futuristisches Denken, keine Utopien und keine Phantasien.

Die Human Resources programmieren die Employer Branding Maschine rasch noch auf die Kohorte der so genannten ‚Millennials‘, während männliche Mittfünfziger in den Chefetagen der Konzerne und auf den Podien der Lobbyverbände Phrasen dreschen vom Internet of Things oder der Industrie 4.0. Kaum einer weiß, was er da redet, geschweige denn, wie er seine Organisation und seine Mitarbeiter dorthin bekommt. Und in einer solchen Situation lässt sich vortrefflich Geld verdienen. So planen die meisten ihren nächsten Karriereschritt hin zur sich bereits andeutenden Vollendung des beruflichen Lebenswerks. Nach mir die Sintflut. Analog oder digital? Mir doch egal“ , so Robert Frankenin seinem Blog „Digitale Tanzformation“.

Graf Zahl an der Unternehmensspitze

Graf Zahl steuert die Unternehmensgeschicke und vielleicht noch Daniel Düsentrieb, der Vorhandenes etwas besser macht. Blinklicht-Innovationen, die Professor Lutz Becker in der dritten Folge des Utopie-Podcast #KönigvonDeutschland im Gespräch mit dem Zukunftsforscher Sven Gabor Janszky angeschnitten hat.

Es fehlen leidenschaftliche Zukunftsbilder, meint Janszky. Es mangelt an Regelbrechern, die die geschriebenen und ungeschriebenen Gesetze in Frage stellen. Wir können noch so viele Digital Hubs gründen und Fördermittel herauspusten, letztlich konzentrieren wir uns auf Tätigkeiten, die die vorhandenen Technologien etwas besser machen.

Das große Gemälde für gesellschaftliche Utopien sucht man vergeblich. „Unternehmen haben heute in den allermeisten Fällen nicht einmal mehr das kleine Einmaleins der Beziehungsarbeit zu ihrer Belegschaft drauf. Sie stiften statt Sinn nur Angst und Verwirrung, wenn sie jedes Individualschicksal der großen Optimierungsmaschine unterwerfen“ , führt Franken aus.

Humankapital wird abgebaut

Humankapital eben. Stellenabbau, permanente Befristung und prekäre Lohnsituation mag kurzfristig dem Shareholder Value dienen – langfristig führt es in die Sackgasse. Statt mutig Neues zuzulassen und alte Systeme auf den Kopf zu stellen, karren wir Busladungen grauer Damen und Herren durchs kalifornische Silicon Valley. Auf dass sie die Muse der digitalen Innovation durchs Busfenster hindurch küssen mögen. Das ist Möglichkeitsdenken auf Sparflamme. Dabei gibt es keinen Determinismus, der uns vorschreibt, wie wir die Zukunft gestalten. Etwa die Rolle von wenigen Super-Computern, die nur von wenigen Menschen beherrscht werden. Gibt es wirklich nur eine Handvoll Götter, die dem Rest der Menschheit diktiert, wie wir leben sollen?

Neue Regeln denken

Wir könnten ja über neue Systeme nachdenken, die eine demokratische Gewaltenteilung für die Maschinenwelt ermöglicht, schlägt Janszky vor. Also neue Regeln, um den Machtmissbrauch von Künstlicher Intelligenz zu verhindern. Algorithmen programmieren, die dezentral, offen und kollaborativ ausgerichtet sind. Szenarien beschreiben und dann Impulse zur Realisierung bieten. Sich nicht mehr als der allwissende Experte inszenieren, das können mustererkennende und musterbrechende KI-Maschinen sowieso bald besser machen, sondern als Erster unter den Lernenden neue Möglichkeitsräume erarbeiten. Nicht konstruierten ökonomischen Sachzwängen hinterherlaufen, sondern lebenswerte Zukunftsentwürfe diskutieren. Die D2030-Initiative hat dazu interessante Skizzen geliefert. So könnte es in gut 20 Jahren ausschauen:

So kann Zukunft aussehen

Die deutsche Wirtschaft entwickelt und fertigt weiterhin erfolgreich in einem zunehmend hochdynamischen Wettbewerb. Grundlage dafür sind neben erfolgreichen mittelständischen Unternehmen vor allem eine breite Innovationskraft durch handlungsfähige Allianzen, ein substanzieller Bürokratieabbau sowie ein offenes Bildungs- und ein vielfältiges Wissenschaftssystem. Auf dem Arbeitsmarkt entsteht eine „Projektwelt“ mit flexiblen Arbeitsverhältnissen, die jedoch nicht in prekäre Beschäftigung mündet, sondern breiten Bevölkerungsgruppen deutlich Wohlstandszuwächse ermöglicht.

Offenheit für Menschen und Ideen sowie eine neue „Wir-Orientierung“ prägen die Gesellschaft.? Es werden neue Formen von Gemeinschaft, bewusstem Konsum und kultureller Offenheit erprobt – unterstützt durch die den Zusammenhalt fördernde, digitale Transformation und die gewachsene Qualität der Medienangebote. Öffentliche Daten stehen den Bürgern in großem Umfang zur Verfügung. Die breite Zuwanderung wird allgemein akzeptiert und als Chance für Veränderung begriffen. Zudem ermöglicht die Migration einen demografischen Ausgleich, und trägt insofern zum Interessenausgleich von Jungen und Alten in einem neuen „Generationenvertrag“ bei.

Der Gegensatz von Wirtschafts- und Umweltinteressen löst sich immer weiter auf. Der Einsatz von Rohstoffen kann deutlich verringert werden. Um der latenten Gefahr eines Rebound-Effektes zu begegnen, werden immer mehr Produkte und Produktionsprozesse in geschlossenen Stoffkreisläufen gehalten.
Es gibt einen akzeptierten Politikbetrieb im Zusammenspiel mit aktiver Zivilgesellschaft.? In der Politik hat sich das Subsidiaritätsprinzip in der Breite durchgesetzt: Entscheidungen werden wo möglich dezentral, wo nötig aber auch auf transnationaler Ebene getroffen. So kann Deutschland von einer vertieften europäischen Integration profitieren. Bürgerschaftliches Engagement erfolgt zudem über direkte Bürgerbeteiligung oder konsultative Elemente. Darüber sollten wir intensiver debattieren. Gefordert ist ein utopisches Denken, das Zeitkritik zur Sprache bringt – also all das, was uns zur Zeit gegen den Stricht geht – und Denkwenden provoziert. In diesem Dickicht möglicher Zukünfte diskutiere ich in der nächsten netzökonomischen Runde in Köln mit Repräsentanten der D2030-Initiative.

Offen, kollaborativ und ohne Teleprompter. Hashtag zum Mitdiskutieren #D2030. Oder einfach vorbeikommen. Das Notiz-Amt wird darüber berichten.


Image (adapted) „Himmel“ by Alexas_Fotos (CC0 Public Domain)


 

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Zwei Jahre Serial – Was hat der Podcast-Hit für das Medium gebracht?

Serial Podcast (adapted) (Image by Casey Fiesler [CC BY 2.0] via Flickr)

Vor zwei Jahren, am 3. Oktober 2014, hat die erste Staffel von Serial begonnen. Der journalistische True-Crime-Podcast über einen Teenager-Mord in Chicago entwickelte sich dann zu einem der erfolgreichsten Podcasts weltweit und verschaffte dazu dem gesamten Medium gehörig Aufmerksamkeit. Kaum jemand hat die Branche seitdem genauer beobachtet als Nicholas Quah. Auch für ihn hat mit Serial ein neues Kapitel begonnen: Der 27-Jährige Quah hat nach dem Serial-Start seinen E-Mail-Newsletter Hot Pod begonnen, verließ seinen Job beim US-Podcast-Netzwerk Panoply und machte sich mit dem Newsletter selbstständig. Mittlerweile gelten Quahs Beobachtungen und Recherchen, aber insbesondere seine Analysen als Standardwerk der Podcast-Branche. Politico porträtierte ihn jüngst als „podcasting’s up-and-coming publisher of record“. Ein Gespräch mit Nicholas Quah über die Rolle von Serial für die US-Podcast-Branche und wie es für das Medium zwei Jahre später weitergehen könnte.

Die erste Staffel von Serial scheint der Durchbruch für journalistische Podcasts gewesen zu sein. Zwei Jahre sind seitdem vergangen. Welche Rolle hat Serial für das Medium Podcast gespielt?

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Nicholas Quah (Image by Nicholas Quah)

Nicholas Quah: Serial ist ein wichtiger Moment der Branche gewesen, es gab einen regelrechten Boom danach. Wobei wir bisher noch klären müssen, ob es ein Boom der Aufmerksamkeit oder ein Boom der Hörerzahlen war. Aber fest steht: Danach waren Podcasts fester Bestandteil der größeren Diskussion über Medien und Journalismus. Denn Serial hat nicht nur neues Interesse für Podcasts angestiftet, beziehungsweise die Aufmerksamkeit dafür neu fokussiert, sondern hat auch für mehr Optimismus und Investitionen für das Medium gesorgt. Es gab daraufhin eine Explosion von neuen Podcast-Unternehmen, daneben haben zahlreiche bereits bestehende Medienorganisationen angefangen, ebenfalls Podcasts zu produzieren. Deren Ansehen und Publikum fließen natürlich auch in das Medium. Ich habe das Gefühl, dass Podcasts gerade in die alltägliche US-Mediennutzung integriert werden.

Derzeit scheint Podcasting in den USA einen nahezu magnetischen Effekt auf Journalisten auszuüben: Erfahrene Magazin-Autoren, erfahrene Radio-Reporter und Neueinsteiger zieht es gleichermaßen an. Zeitgleich sucht das relativ junge Medium noch nach Geschäftsmodellen. Was ist dennoch so anziehend am Podcast?

Ein Teil der Antwort liegt in den Eigenschaften von Podcasts. Um sie zu beschreiben, sprechen viele von einem sehr vertraulichen, intimen Medium. Es erlaubt ein längeres Storytelling, eine stärker involvierte Form des Erzählens und Berichtens, dazu bietet es eine engere Verbindung zwischen Journalisten und ihrem Publikum. Das ist eine Erfahrung, die besonders angesichts der heutigen Architektur und Infrastruktur der Medien selten geworden ist. Mehr und mehr Publikationen werden digital, die Märkte werden dadurch gesättigt und alles fühlt sich weniger eigenständig an. Jede Geschichte ist eine weitere Sensation, eine weitere Schlagzeile. Der andere Teil der Antwort ist: Die Beliebtheit von Podcasts – und in dieser Erweiterung auch die Beliebtheit von Radio – ist eine Folge des Hungers nach einem tiefergehenden Journalismus – einem Journalismus, der Verbindungen herstellt, der Sinn stiftet. Das ist etwas, das heutzutage meiner Meinung nach häufig fehlt.

Vor einem Jahr hast du in einem Interview behauptet, dass wir uns nicht in einer Podcast-Blase befinden, sondern in einer Blase der Aufmerksamkeit für Podcasts. Ist diese Blase mittlerweile geplatzt oder wächst sie weiter?

Was ich mit „Aufmerksamkeits-Blase“ meinte, war dieser gewisse Optimismus, der nach Serial um das Medium Podcast kursierte. Es gab diese Wahrnehmung von diesem „Das ist die nächste große Sache“-efühl, die den Journalismus und/oder die Medien retten wird. Dazu habe ich allerdings ein ambivalentes Gefühl: Ich habe zwar immer geglaubt, dass Podcasting die nächste Phase für Radio sein wird – der Wechsel vom Rundfunk zum Internet. Das halte ich für eine natürliche Entwicklung, die lange erwartet wurde und die wir bei anderen Medien schon gesehen haben, beispielsweise beim Fernsehen, das mit Netflix digitalisiert wurde. Aber ich glaube, der Hype um Podcasting ist etwas zurückgegangen und trifft auf die echten Versuche, eine größere, nachhaltigere und robustere Podcast-Branche zu schaffen. Die Blase wächst nicht mehr, sondern trifft auf den Versuch, einen neuen Normalzustand für die Branche nach Serial zu schaffen.

Wenn es um die Zukunft des Mediums geht, beschreibst du in deinem Newsletter dabei immer wieder den Konflikt von zwei Gruppen, von zwei Philosophien: „Podcasts als Blogs“ gegen „Podcasts als Zukunft des Radios“. Ist es möglich, dass in den nächsten Monaten oder Jahren die eine Seite die andere vollständig schluckt?

Ich halte es für vollkommen möglich, dass das in den nächsten zwei oder drei Jahren passiert. Die ganze Beschwerde, dass bei Podcasts Entdeckung und Verteilung nicht funktionieren, ist meiner Meinung nach durch den demokratischen Zugang zur Verteilung von Podcasts zwingend bedingt. Ein Beispiel: Wenn in einer 10.000-Einwohner-Stadt wirklich jeder eine Zeitung herausgeben und an die anderen 99,99 Prozent verteilen kann, dann entsteht ein Gefühl der Übersättigung. Und jeder Versuch, die Entdeckung von Inhalten effizienter zu gestalten, ist dann notwendigerweise ein Schritt, der Ungleichheit schaffen wird. Dazu kommt, dass im Podcasting Unternehmen und Organisationen aufkommen, die sich nicht nur selbst finanzieren wollen, sondern auch Profite generieren und deswegen Kontrolle gewinnen wollen. Das steht natürlich dem Gedanken von Podcasts als Teil des offenen Netzes entgegen. Deswegen sehe ich die Open-Web-Befürworter und open-web-nahen Unternehmen wie PRX oder Radio Public in der Pflicht, Räume zu schaffen, in denen Podcasts als Blogs florieren können. Die müssen zusätzlich oder im Gegensatz zu den Räumen entstehen, in denen Unternehmen aus der „Podcasts als Zukunft des Radios“-Ecke ihre Geschäftsmodelle etablieren und sichern können. Ich glaube, wir können beide Philosophien zeitgleich haben. Aber das braucht die Arbeit und Beteiligung von beiden Seiten.

Ist es möglich, nach Serial einen solchen internationalen Podcast-Erfolg zu wiederholen und wieder einen viralen Hit in so vielen Ländern zu schaffen?

Ich glaube, ja. Es wird das nächste ‚Serial‘ des Podcastings geben. Genauso, wie es den nächsten Roman-Erfolg und das nächste Hit-Musical geben wird. Lange Zeit dachten wir, Musicals sind nicht mehr wirklich relevant für die weitere Mainstream-Kultur – und dann kam ‚Hamilton‘. Wenn man sich Serial genauer anschaut, ist es an sich gar nicht so neuartig – aber die Umsetzung war extrem neuartig und bedeutend. Es war Feature-Journalismus, wie wir ihn aus Print-Magazinen wie ‚The New Yorker‘ oder ‚The Atlantic’ bereits kennen. Mit dem Unterschied, dass er seriell erzählt war und sich wie eine Prestige-Fernsehserie angefühlt hat. Es war also eine Kombination aus erstens: Serial als sehr gute Mischung aus Journalismus und Unterhaltung und zweitens: Dem überraschend neuen Gefühl, das die Hörer dabei hatten. Jedes Medium kann so einen Erfolg feiern. Die Frage ist nur, wie man so einen Erfolg entwickeln kann. Ich glaube, das lässt sich nicht konstruieren. Stattdessen muss man möglichst viel Neues schaffen und genügend Leute mit kreativen, neuen Ideen müssen Zugang zum Medium haben.

Aber trifft das beim Podcasting derzeit zu? Ist das Medium Podcast zugänglich und vielfältig genug? Oder versuchen nicht viele, ‚Serial‘ zu kopieren oder wie ‚This American Life‘ zu klingen?

Letztendlich klingen viele Podcasts derzeit gleich, das stimmt. Unabhängig davon, ob das eine Frage der mangelnden Diversität in der Demografie, in der Ausbildung oder in der Ästhetik ist – Podcasting ist immer noch sehr zugänglich. Auch wenn es sich sehr gesättigt anfühlt; es ist nur gesättigt mit dem immergleichen Kram. Wenn du anders klingst und sehr Gutes lieferst, kannst du immer noch den Durchbruch schaffen. Ein gutes Beispiel dafür sind die Leute von Welcome to the Night Vale, die ohne vorherige Audio-Ausbildung so viel Resonanz erzeugt haben, dass sie mittlerweile sogar ein eigenes Label gründen konnten. Oder die Leute von The Black Tapes. Die haben beide gezeigt, dass man aus der Eintönigkeit von Podcasts hervorstechen kann und sie bekommen deswegen so viele Fans und so viel Aufmerksamkeit aus ihrer Gemeinschaft. Beides sind Beispiele, die von Menschen geschaffen wurden, die etwas selbst auf die Beine stellen wollten und die nicht von großen Podcast-Labels fabriziert wurden.

Als Beobachter der Branche hast du natürlich auch von Serial profitiert und profitierst auch weiter vom Wachstum in der Podcast-Landschaft. Wie gut funktioniert deine Arbeit für dich?

Natürlich hat mein Newsletter vom Aufkommen von Podcasts profitiert. Mein Impuls, den Newsletter zu schreiben, ist immer der gleiche geblieben: Da spielt sich etwas ab, aber nicht genügend Leute versuchen, diese Entwicklung zu verstehen. Also wie kann ich dabei helfen, den größeren Zusammenhang nachvollziehbar zu machen? Denn ich glaube, den Kontext zu verstehen hilft – egal, ob du selber in der Branche arbeitest, darüber nachdenkst oder nur ein Fan von Podcasts bist. Also klar, je mehr Leute an Podcasts in irgendeiner Form interessiert sind, umso mehr kommt mir das zu Gute. Es ist nicht viel Geld, aber ich kann davon leben und ich habe bereits eine gewisse Tragfähigkeit erreicht. Außerdem betreibe ich den Newsletter als Unternehmen, weil ich schon immer daran interessiert war, wie Medienunternehmen funktionieren und wie man seinen Lebensunterhalt im Internet verdient. Dadurch beschäftige ich mich mit den selben Fragen, mit denen viele Podcast-Unternehmen ebenfalls zu tun haben. Es ist also eine Art partizipativer Journalismus, auch wenn ich mich selbst nicht als Journalisten verstehe.

Hast du schon einmal daran gedacht, mit deinem Newsletter aufzuhören?

Ich denke ständig darüber nach. (lacht) Mich interessieren so viele Dinge gleichzeitig, aber zufällig bin ich in diese Podcast-Welt geraten und als ich einmal angefangen hatte, wollte ich diese Welt noch weiter erkunden. Derzeit bin ich immer noch sehr glücklich mit dieser Arbeit, weil jede Woche noch etwas Besonderes passiert, sodass ich den Newsletter ohne Probleme weiterschreiben kann. Vielleicht interessiert mich mal ein anderes Thema oder vielleicht gebe ich den Newsletter eines Tages an jemand anderen ab. Aber das sehe ich nicht in der näheren Zukunft passieren. Ein Großteil meiner Arbeit beinhaltet viel Kritik und Skepsis, aber ich bin nicht zynisch. Mehr denn je bin ich optimistisch, dass die Podcast-Industrie eine Zukunft hat und dass Podcasts dauerhaft ein einflussreiches Medium sein werden.


Image (adapted) „Serial Podcast“ by Casey Fiesler (CC BY 2.0)


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Deezer denkt europäisch, sucht aber nach globalen Antworten für die Zukunft

Man with Headphones ? (adapted) (Image by Sascha Kohlmann [CC by 2.0] via flickr)

Es sind die europäischen Startup-Zentren, die die weltweite Innovationskultur vorantreiben – so wünscht es sich zumindest die hiesige Politik und versucht ein wirtschaftliches Umfeld zu schaffen, indem überhaupt noch Konkurrenz zu den bisher den Lauf der Dinge bestimmenden Unternehmen aus den USA entstehen kann. Am besten noch, bevor die asiatischen Unternehmen mit ihren Millionen an Nutzern neue globale Standards setzen. Beim Streaming von Musik sieht die europäische Bilanz eigentlich ganz gut aus. Mit Spotify aus Stockholm, dem Berliner SoundCloud und Deezer aus Paris kommen gleich drei große Streaming-Anbieter, die in Konkurrenz zu Apple und Google stehen, aus Europa. Das ist bei der europäischen Kulturpolitik nicht immer ein Vorteil. Daniel Marhely, der zuvor das Projekt Blogmusik.net gestartet hatte, gründete im Jahr 2007 mit Deezer den ersten legalen Streamingservice Frankreichs. „Wir sind natürlich gerne europäisch“, erkärt Gerrit Schumann, Chief International Officer bei Deezer, beim Interview im Berliner St. Oberholz. Der Gründer des deutschen Online-Musikdienst Simfy ist Ende 2013 als Vice President Europe zu Deezer gekommen, welches im vergangenen Jahr dann auch noch die Nutzer von Simfy übernahm, nachdem das Unternehmen den Dienst einstellte. Die Herkunft ist für Schumann aber nicht entscheidend, viel mehr spielt für ihn das Verhältnis in der Plattform-Landschaft eine entscheidende Rolle.

Ich würde sagen, dass wir ein europäisches Unternehmen sind. Wir sind mit Stammsitz in Paris und 80 Prozent unseres Teams in Europa. Aber ist das jetzt ein Vorteil? Deezer steht gut in den europäischen Märkten dar, aber ist denn die Frage, ob amerikanisch oder europäisch überhaupt wichtig? Es geht eigentlich mehr darum, auch in der Industrie ein gesundes ausgewogenes Verhältnis in der Plattform-Landschaft zu haben.

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Gerrit Schumann, Deezer

Schumann spielt auf den Status Quo der Musikindustrie an. Diese ist in einer starken Abhängigkeit von Google und Apple. Letzeres war es, das damals mit dem iPod und iTunes den Preis von 99 Cent pro Lied festlegte. Die Musikindustrie, damals vom Thema Piraterie besessen, freute sich zumindest, dass es endlich ein technisch gutes Angebot kam, bei dem überhaupt noch für Musik bezahlt wurde. Mit YouTube war Google die Plattform für Musikvideos in den letzten zehn Jahren. Das Verhältnis zu diesen Plattformen ist laut Schumann deshalb ebenso wichtig „für die Musikindustrie, als auch für die Künstler. Darum geht es eigentlich. Das ist entscheidend. Ob wir jetzt europäisch sind oder nicht, das ist daher nicht so wichtig“. Mit mehr Streaming-Unternehmen kann die Musikindustrie auch besser mitreden, zu welchen Preisen ihre Kataloge angeboten werden. Denn der Streaming-Markt wird immer wichtiger für die Musikindustrie:

„Wir sind ein sehr dynamischer Markt. In den letzten Jahren sind wir zu dem geworden, was wir vor fünf Jahren gesagt haben, was es sein wird: der Ort, an dem der Hauptkonsum für Musik stattfindet. Mittlerweile ist der Musikmarkt an sich digital und hat den physischen Markt überschritten – Musikstreaming macht im Schnitt inzwischen 15 Prozent am Gesamtumsatz aus und der Trend schreitet fort.“

Doch auch die Online-Musikdienste sind sich dieser Bedeutung bewusst. Schumann meint, dass man alle zwei Jahre, spätestens aber nach fünf Jahren, die Lizenzstrukturen noch einmal überprüfen sollte. Denn neben der wirtschaftlichen Bedeutung von Streaming verändern sich auch die Produkte der Online-Musikdienste und solche Verträge sollten stets „den aktuellen Bedarf und die aktuelle Marktsituation abbilden“. Bei neuen Produkten arbeitet auch Deezer mit den Plattformen zusammen. Während auch Apple und Google ebenfalls im Streamingbereich aktiv sind, arbeitet Deezer mit beiden Firmen beim Thema Auto zusammen. Deezer ist sowohl bei CarPlay als auch dem Android Auto mit unterwegs. Mit Amazon, das immer mehr auch für den Musikbereich spannende Geräte anbietet, sucht Deezer ebenfalls die Kooperation. Schumann spricht von „Frenemies“ – Freundfeinden. Der Begriff beschreibt das Verhältnis zwischen den USA und Europa oft recht treffend. Doch Unternehmen wie Deezer müssen internationaler denken als geopolitische Konzepte es ermöglichen. Zur Fußball-Europameisterschaft der Männer wird es die aus nationalen Ligen bekannten Livestreams der Fußballspiele geben. Neben Fußball soll es bald auch Content zu anderen Themen geben. Und nicht nur Musik, sondern auch News und Entertainment, wie Schumann aufzählt. Aufgrund der Masse an Content ist für ihn deshalb die Frage wichtig: „Wie bringe ich ihn dem Nutzer eigentlich möglichst einfach näher?“ Deezer setzt zurzeit auch auf Kuration durch die eigene Musikredaktion, das Hauptthema der Zukunft ist aber Personalisierung: Eine internationale Herausforderung für Content-Anbieter.


Image (adapted) „Man with Headphones ?“ by Sascha Kohlmann (CC BY-SA 2.0)


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Vom Hörbuch zum Podcast: Audible wandelt sich (und macht sogar Nachrichten)

Audible (adapted) (Image by Johan Larsson [CC BY 2.0] via flickr)

Wer Hot Pod bei Nieman Lab oder die Podcast-Neuheiten allgemein verfolgt hat, wird bereits erfahren haben, dass Audible sein Team mit Audio-Talenten vornehmlich aus dem öffentlichen Rundfunk verstärkt hat, um seine eigenen Inhalte auszubauen, und er wird wissen, dass die Podcast- und Audio-Welt bereits darauf gewartet hat, was Audible als Teil des Onlineshopriesen Amazon auf den Markt bringen würde – denn sie können weitaus mehr als nur Hörbücher produzieren. Die lang ersehnten eigenen Inhalte sind nun erschienen, und zwar in der Form eines neuen Bereichs für „Channels“ in der Audible-App. Diese Abteilung, die sich aktuell im Beta-Stadium befindet und auf iOS- und Android-Geräten von einigen Audible-Mitgliedern getestet wird, streamt jetzt ausgewählte kurze Audioformate. Sie reichen von vorgelesenen Versionen von Artikeln der New York Times bis hin zu kompletten Shows von „PRI’s The World“ und Episoden des Formats von Charlie Rose. Neben speziellen Nachrichtenstreams tischt Audible mit seiner eigenen Multi-Quellen-Sammlung (Beispiele: „The Daily Rush“, „The Weekender“, „The Conversation: Guns“), die auch relevante Geschichten von Nachrichtenkanälen mit einbeziehen wird, ordentlich auf. Die Guns-Sammlung beinhaltet zum Beispiel eine Lesung der Kolumne von Fred Hiatt über eine waffenfreie Gesellschaft. Fred Hiatt ist bekanntlich redaktioneller Herausgeber der Washington Post, die wie Audible und Amazon von Jeff Bezos geleitet wird. Die geposteten Inhalte sorgen in den Audible-Kanälen für eine hohe Absatzrate, jedoch scheinbar keine höhere als andere Kanäle wie die Times und das Wall Street Journal; die Wichtigsten werden in alphabetischer Reihenfolge angezeigt. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von weiteren Angeboten abseits von Nachrichten – Lesungen von Tschechow-Geschichten, Comedy-Mixtapes und mehr. Hier soll der Fokus aber auf den Nachrichten-Angeboten liegen. Die Benutzer können speziellen Streams folgen und Beiträge im kostenfreien Bereich namens „Channels“ herunterladen. Es gibt keine reine Suchfunktion, jedoch können registrierte Benutzer Standard-Kategorien wie Kunst und Unterhaltung, Wirtschaft, Nachrichten, Politik und Globales sowie Wissenschaft durchsuchen. Es gibt außerdem eine Kategorie für Shows und Podcasts, die spezielle Audible-Inhalte bietet. (Wir haben eine aktuelle Liste von Verlegern angehängt, die einen Teil der Nachrichten-Kategorie ausmachen). Für Verleger, die bereits Audioinhalte produzieren, erscheint die Kooperation mit Audible unkompliziert: PRI arbeitet beispielsweise schon seit dem letzten Jahr mit Audible zusammen und liefert jetzt täglich Episoden von „The World“ und einige eigene Programmausschnitte via RSS Feed, so der Abteilungsdirektor des digitalen Vertriebs, Morgan Church. Kurzinhalte in der Kanal-Auswahl werden von Audible-Redakteuren ausgesucht, textbasierte Geschichten werden von einem Sprecher vorgelesen („Mein Name ist Christy Burns, und ich lese aus der U.S.-Rubrik der New York Times“). Die Markteinführung geschah im Stillen, da sich Channels noch im Beta-Stadium befindet und noch nicht für jeden Nutzer zugänglich ist. Gerüchte darüber wurden online jedoch schon im Herbst letzten Jahres laut und vor ein paar Tagen postete ein Reddit-User dazu:

„Um ehrlich zu sein, wollte ich mein Abonnement im nächsten Monat kündigen, aber mir gefällt die Idee der neuen Kanäle sehr gut“, schreibt Reddit-Nutzer Karmometer. Ein Verantwortlicher von Audible antwortete und wies darauf hin, dass die Kanäle keine vollständigen Hörbücher beinhalten würde und die Inhalte stattdessen immer zwischen einer Minute und einer Stunde lang seien. Die Basis-Mitgliedschaft von Audible kostet 14,95 US-Dollar im Monat; das Streamen der neuen Inhalte ist frei und unbegrenzt für die Mitglieder möglich. Neue Inhalte würden während der Beta-Phase regelmäßig hinzugefügt, so ein Audible-Sprecher, und sobald das Produkt offiziell auf den Markt komme (jedoch verriet er kein Wort über den Zeitpunkt), würden sogar noch mehr eigene Inhalte von Audible verfügbar gemacht. Auf die Frage, ob nichtregistrierte Benutzer ebenfalls Zugriff auf die Channels hätten, heißt es:

Wir streben danach, unsere Innovationen für mehr und mehr Kunden zugänglich zu machen und planen, die Ergebnisse aus der Beta-Phase in unsere Vertriebsstrategie einfließen zu lassen. Bleiben Sie auf dem Laufenden!

Die möglichen Auswirkungen von Audibles Schritt in Richtung Kurz-Audios, insbesondere im Bereich der Nachrichten, ist offensichtlich. Amazon ist ein gigantisches Unternehmen. Audible hat eine große und etablierte Zahl an Abonnenten. (Wenngleich sie im Stile Amazons keine Mitgliederzahlen veröffentlichen, heißt es, dass die Benutzer letztes Jahr 1,6 Milliarden Stunden Audio-Dateien heruntergeladen haben). Es ist leicht abzusehen, wie die „Washington Post“ mit ein bisschen Investition der treibende Motor der Audio-Nachrichten werden könnte. Wie Nicholas Quah in einer Aushabe von Hot Pod vom letzten Sommer sinnierte:

Ich warte auf den Augenblick, in dem Audible den Boden mit unseren Gesichtern wischt. Ich meine, wir können rennen und kämpfen wie wir wollen, doch am Ende kriegt Bezos uns alle.

Wie wir bereits erwähnten und wie Adam Davidson bereits ausführlich beschrieben hat, scheint es, dass wir eine Phase erreicht haben, in der sich Podcasts – traditionell verbreitet durch offene RSS-Kanäle, die jeder Podcast-App den Download erlauben – vertikalisieren und zu einer vom Produzenten bestimmten Erfahrung werden. Denken Sie an Earwolfs Howl, Acasts App, Gimlets Mitgliedschaft und jetzt Audibles Channels. Audible hat in diesem Kampf einen entscheidenden Vorteil: Es startet mit einer Grundlage von festen, zahlenden Mitgliedern, statt wieder bei Null anfangen zu müssen. Es bleibt abzuwarten, wie erfolgreich diese Art der Silo-Strategie auf dem Markt sein wird, doch Davidson argumentiert, dass dieser Ansatz die vielversprechende Hoffnung für die Etablierung eines substantiellen Nachrichten-Ökosystems außerhalb des öffentlichen Radios sein könnte:

  • Schon bald wird es einen oder zwei große Hauptakteure mehr geben, die einen Senkrechtstart versuchen werden, bei dem Podcasts an erster Stelle stehen: sie werden eine mächtige App haben, mit einer großen öffentlichen Präsenz zum Teilen, Suchen und Entdecken. Sie werden das ganze Geschehen kontrollieren, von der Konzeption der Inhalte bis hin zum Vertrieb und den Werbeanzeigen. Sie werden ein bisschen wie die Produkte von Facebook und Apple funktionieren, indem sie davon profitieren, ihre Benutzer innerhalb ihrer eigenen Angebote zu halten und ihnen stetig neue fesselnde Inhalte bieten.
  • Sie werden es auf das Genaueste so machen und gutes Geld damit verdienen. Sie werden führende Shows haben wollen, die eine beträchtliche Menge an Aufmerksamkeit und Lob bringen, selbst wenn sie Verlust machen. An diesem Punkt werden wir die Entstehung neuer, großer Shows beobachten können. Sie werden wahrscheinlich mit anderen Partnern kooperieren – vielleicht mit ProPublica oder der NY Times oder sogar NPR. Mein Eindruck ist, dass sich Audible, Panoply, Acast und Scripps/Earwolf möglicherweise bereits in diese Richtung bewegen…
  • Diese großen Hauptakteure werden bestrebt sein, neue Zielgruppen zu gewinnen und sicherzustellen, dass die bereits vorhandenen Mitglieder die App jeden Tag besuchen, eine längere Zeit dort verweilen und nicht zu einer anderen App wechseln. Ich schätze, dass die Nachrichten ein essentieller Teil dieser Wettbewerbsstrategie werden. Nachrichten allein werden den Katalog nicht füllen, während Dauerbrenner-Shows keinen unmittelbaren Grund darstellen, unbedingt sofort weiterzuhören. So wird eine Menge an Shows, zu der auch die Dauerbrenner gehören (wie zum Beispiel bedeutende Shows wie Planet Money, die einem dabei helfen, aktuelle Ereignisse aus den Nachrichten zu verstehen) neben einer täglichen Nachrichtensendung – mit einem leidenschaftlichen, smarten, engagierten Moderator sowie substantiell und überzeugend produziertem Inhalt – in den Mittelpunkt gestellt. Diese werden aller Vorraussicht nach eine unwiderstehliche Mischung und keine Niete sein.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Audible“ by Johan Larsson (CC BY 2.0)


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Wie wird ein Podcast zum iTunes-Hit?

Mic (adapted) (Image by mindthaw [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Der monatliche Podcast-Konsum steigt stark an. Mehr als einer von fünf Amerikanern gibt den auf einem neuen Blog von Edison Research veröffentlichten Daten zufolge an, im letzten Monat einen Podcast angehört zu haben. Genauer gesagt berichten 21 Prozent (schätzungsweise 57 Millionen), dies getan zu haben, was einen ziemlich deutlichen Anstieg im Vergleich zum Jahr 2015 darstellt, als 17 Prozent aller befragten Amerikaner dieses Verhalten zu Protokoll gaben. 2014 lag diese Zahl bei 15 Prozent, das Wachstum scheint sich also zu beschleunigen. Eine andere nette Art es auszudrücken: Der monatliche amerikanische Podcast-Konsum wuchs zwischen 2015 und 2016 um ungefähr 24 Prozent. Muss man Statistik nicht einfach lieben? Die Daten sind in jedem Fall ermutigend für alle Podcast-Enthusiasten, die Podcasts als die Zukunft des Radios/Audios/Bloggings ansehen. Da könnte man natürlich leicht das Gefühl bekommen, dass all die Begeisterung und all der Hype, den das Podcasting im letzten Jahr erlebt hat, tatsächlich zu messbarem, weitreichendem Wandel führt. Als plausibles Gegenargument könnte man sich aber fragen: Ist diese Zahl ein echtes Abbild von solidem, unverfälschtem, nachhaltigem Konsumentenzuwachs (und dessen Erhalt), quer durch das Medium, oder repräsentiert sie eher eine Periode, in der Leser lediglich das Format ausprobieren? Diese Frage ist, bis zu einem gewissen Grad, aus zwei Gründen irrelevant. Erstens ist es eine Frage ohne aussagekräftige, direkte Antwort, da der Prozess noch im Gange ist. Und zweitens ist die Zahl selbst ein Einflussfaktor – es ist leicht vorstellbar, dass diese Statistik als ein positiver, öffentlicher Indikator, der die Vision und die Selbstdarstellung der Branche antreibt, in die Pitch Decks unzähliger Leute einfließen wird, die sich ein neues Geschäft innerhalb des Mediums aufbauen wollen. Damit wird sie zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung. Was heißen soll: Diese Daten sind sehr gut und ich werde meine Mama anrufen und ihr sagen, dass ich mein Leben nicht versaut habe, indem ich in diese Branche gegangen bin. Ja? Gut. Jedenfalls ist Edisons Datenmaterial hier ein Auszug aus der viel größeren Studie namens Infinite Dial 2016, die später ein paar Tage später veröffentlicht werden soll. Die Studie ging aus einer Partnerschaft zwischen Edison Research und Triton Digital hervor, einem Unternehmen für Werbung und digitale Audiotechnologie. Darüber werde ich später in einem anderen Artikel berichten.

Midroll verschlankt seine Marke

Die zu Scripps gehörende Midroll Media gibt diese Woche ihr Wolfpop Podcast-Netzwerk auf. Wolfpop war zuvor als Midrolls eigenbetriebener, Popkultur-orientierter Zweig vermarktet und von Komiker Paul Scheer kuratiert worden — als Gegenstück zu der Comedy-orientierten Marke Earwolf, dem Aushängeschild des Unternehmens. (Jep, es ist ein bisschen verwirrend. Ich könnte mir vorstellen, dass das vermutlich der Grund für diesen Zusammenschluss ist). Zehn von Wolfpops 13 Podcasts werden nun unter der Schirmherrschaft von Earwolf weiterlaufen. Die drei Sendungen, die ihre Verbindung zu Midroll nicht weiterführen werden, sind “Rotten Tomatoes”, “Picking Favorites“ und “Off Camera with Sam Jones”. Das Unternehmen gab außerdem bekannt, dass “Hello From the Magic Tavern”, ein heiß geliebter und ausgesprochen merkwürdiger Podcast, der bisher von der “Chicago Podcast Cooperative” unterstützt wurde, sich dem Netzwerk anschließt. Midrolls Programmchef Chris Bannon machte vor wenigen Tagen in den Earwolf Foren eine Ankündigung. Er sagte: “Diese Veränderung ist eine Möglichkeit für uns, Earwolf zu einem größeren, besseren und integrativeren Netzwerk zu machen”. Ich kontaktierte Bannon, der zuvor Vizepräsident für Contententwicklung und Produktion bei WNYC war, und fragte ihn, ob wir in nächster Zeit eine Nachrichtensendung von Earwolf erwarten können. “Ich werde definitiv gründlich darüber nachdenken, wie wir dazu beitragen können, das Bedürfnis unserer Hörer nach einem intelligenten Nachrichtenprogramm zu decken”, schrieb er zurück. “Im Moment sieht es allerdings so aus, als würden viele der Nachrichtenleute ziemlich tief in den Bereich Comedy vorstoßen. Wir werden bald Ankündigungen machen, welche die Nachrichtenfront betreffen.” Zurückhaltend, dieser Bannon. Sehr zurückhaltend. Diese Entwicklung ließ sich dank einer Stellenanzeige, die das Unternehmen letzte Woche postete, vorausahnen. Sie enthielt die folgende Selbstbeschreibung:

Diese Gruppe, die von unserem Leiter der Geschäftsentwicklung angeführt wird, erkennt tolle neue Podcasts und deren Schöpfer und holt sie an Bord zu unseren drei Hauptgeschäftszweigen: Midroll, der Marktführer in Sachen Werbeeinnahmen für Podcasts, Earwolf, unser eigenproduziertes Podcast-Netzwerk; und Howl, unser Premium Audio-Abodienst.

Wo wir schon bei Midroll sind: Das Unternehmen hat auch Jenny Radelet, die zuvor ausführende Medienproduzentin für den Launch von Apples Beats 1 Dienst war, als leitende Redakteurin für Howl, den Abodienst des Unternehmens, eingestellt. Sie begann gestern mit der Arbeit.

Lokaljournalismus mit begrenzter Laufzeit

Vor wenigen Tagen hat WNYC die neue Produktion “There Goes the Neighborhood” gestartet, eine limitierte Podcast-Serie, die sich mit dem Thema der Gentrifizierung in Brooklyn auseinandersetzen wird. Ich persönlich bekomme alle meine New Yorker Gentrifizierungs-Nachrichten von “The Awl”, aber ich finde es interessant zu sehen, dass die Sendung in Zusammenarbeit mit The Nation produziert wird – ein weiteres Beispiel für die Zunahme der Kollaborationen zwischen Audiounternehmen und existierenden Sendeformaten (siehe “Modern Love” von WBUR, die “New Yorker Radio Hour” von WNYC, das kürzlich beendete “The Awards Show” von KPCC und den Großteil von Panoplys Geschäftsmodell). Die Sendung umfasst acht Folgen und wird von Kai Wright, dem Kulturredakteur der Nation, moderiert. “There Goes the Neighborhood” sticht meiner Meinung nach aus zwei Gründen hervor. Erstens sieht es nach einem starken Stück Lokaljournalismus aus, etwas, von dem ich nicht viel im Podcastland sehe. Klar, es ist in New York ansässig, dem wahrscheinlich am meisten übersättigten Medienmarkt der Welt, aber trotzdem. Zweitens ist es das erste größere Audioprojekt, in das Rebecca Carroll involviert ist, die letzten Oktober als Produzentin von Sondersendungen über Rasse in New York City zu WNYC kam.

Ich bin hier, um Ideen zu entwickeln, meinte Carroll vor wenigen Tagen zu mir, als ich sie nach ihrer Rolle innerhalb des Senders fragte. Wir erleben einen Zeitpunkt innerhalb der amerikanischen Kultur, an dem unser berühmtester Intellektueller Ta-Nehisi Coates ist, an dem wir die #BlackLivesMatter-Bewegung, Black Twitter und eine Wahl haben, die von den Stimmen der Schwarzen entschieden werden wird. Es ist ein Zeitpunkt, an dem den Schwarzen und der schwarzen Kultur zugehört wird, und mein Ziel ist es, diesen Moment zu ergreifen und ihn auf die kreativste, innovativste, interessanteste und am meisten  lebensverändernde Art zu nutzen und zu verbreiten.

Der Podcast “There Goes the Neighborhood” ist Anfang März angelaufen.

Ein Indielabel erwacht zum Leben

Night Vale Presents, das neue Indie Podcast Label – so nenne ich es jetzt einfach mal – gegründet von Joseph Fink und Jeffrey Cranor, den Schöpfern des extrem beliebten Podcasts “Welcome to Night Vale”, veröffentlicht heute seinen ersten Titel. “Alice isn’t dead” ist ein Hörspieldrama von Fink, der eine Folge wöchentlich über zehn Wochen verteilen wird. “Alice” ist auf vielerlei Art die Quintessenz von “Night Vale”. Es teilt die spezielle Art von Grusel seines Vorgängers – das heißt, es konfrontiert den Hörer abwechselnd mit banalen Dingen und fetten Momenten des Horrors – und wie Night Vale auch zeigt “Alice” Finks Faszination mit der Americana-Kultur. Wo “Night Vale” eine Liebeserklärung an das Kleinstadtamerika darstellt, ist “Alice” eine Betrachtung der weitläufigen, trostlosen Bildsprache der Highways, welche die Mitte des Landes prägen. Ich habe Ausschnitte aus den ersten zwei Folgen gehört und die haben mir verdammt gut gefallen. “Night Vale Presents” entstand aus einer logistischen Notwendigkeit heraus. Fink und Cranor wollten weitere Projekte abgesehen von ihrer Kernsendung entwickeln und bauten Night Vale Presents als Stützbalken für diese Projekte auf. “Wir haben keine Pläne, zu versuchen es zu einem Imperium auszuweiten oder Investorengelder für Technik zu nehmen oder irgendwie sowas”, teilte mir Fink in einer E-Mail mit. “Wir hoffen, weiterhin neue Podcasts machen zu können –   sowohl unsere eigenen als auch Arbeiten von anderen Künstlern, die bisher noch nicht im Podcast-Bereich gearbeitet haben”.

Über iTunes, Teil 1

Die häufigste Frage, die ich von unseren Lesern gestellt bekomme, kommt in Form einer Beschwerde: “Wie genau funktionieren die iTunes-Charts?” (Die zweithäufigste Frage, für die Neugierigen: “Wie viel verdient Derundder?” Das ist… ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Das hebe ich mir für später auf.) Es ist eine Frage, von der ich mich aus einem einfachen Grund fernzuhalten versuche: Ich denke nicht, dass das etwas ist, worauf man seinen Fokus legen sollte. Klar, 70 Prozent aller Podcasts werden über iTunes oder die native iOS Podcast-App gehört (zumindest habe ich das gehört – es ist ehrlich gesagt unmöglich zu überprüfen, wenn man den Entwicklungsstand der Podcastmessung betrachtet). Aber es gibt viele, viele andere Wege für Podcastmacher, ein potenzielles neues Publikum zu erreichen, die bisher noch nicht ausreichend genutzt wurden, einschließlich ziemlich grundlegender Sachen wie Search-and-Social-Netzwerken. Außerdem würde es dem Medium als Ganzes zu Gute kommen, wenn sich mehr Schaffende stärker auf Kanäle konzentrieren würden, die nicht iTunes sind. Denkt mal darüber nach: Versuche, über die Plattform iTunes ein neues Publikum zu gewinnen, sind ein Spiel um abgenutzte, vermutlich schon voll ausgelastete Podcasthörer. Und wenn jeder Podcastmacher eine Strategie verfolgt, in deren Zentrum iTunes steht – und damit die Plattform im Allgemeinen und die Charts im Besonderen – dann konkurrieren alle Podcastmacher im Grunde um genau denselben Pool an Ohren. Das war also mein Gedankengang. Aber je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr hatte ich das Gefühl, dass es einen Vorteil bringen könnte, sich einmal gründlich durch die Theorie und den Kontext der iTunes-Charts zu denken und die Frage zu stellen: Wie formen die Charts den Raum? Aber um das zu tun, würde ich erst versuchen müssen, zu verstehen, wie sie überhaupt funktionieren. Und das ist genau das, was ich in den letzten Wochen versucht habe. An diesem Punkt werde ich zwei Kernhypothesen aufstellen, und ich werde ihre theoretische Genauigkeit untermauern, indem ich erkläre, dass sie sich auf eine Kombination dieser Dinge stützen: Eine Umfrage, die ich neulich unter Hot Pod-Newsletter-Abonnenten durchgeführt habe (ich habe 18 repräsentative Antworten herausbekommen, die ihr euch hier anschauen könnt), Gespräche mit vielen, vielen, vielen Podcastmachern, Zeug, das von anderen Podcastleuten veröffentlicht wurde, die in der Vergangenheit mit Vertretern von iTunes zu tun hatten, und meine eigene Erfahrung mit meinem alten Arbeitgeber. Vertreter von iTunes haben es verständlicherweise abgelehnt, öffentlich Kommentare abzugeben. Meine Hypothesen lauten folgendermaßen:

  • Die Charts berücksichtigen insbesondere neue Abos und in gewissem Maße auch Interaktionen mit dem iTunes-Link und Engagement in Form von Reviews.Das erscheint sinnvoll: iTunes, wie auch Facebook und jede andere Plattform, die aktiv davon profitiert, ihre Nutzer innerhalb des Ökosystems zu halten, hat einen Anreiz, das Engagement zu maximieren. Daher wird das Erreichen von einer halben Million Downloads außerhalb von iTunes sich für eine Sendung nicht so sehr lohnen, wie dieselbe Zahl auf iTunes zu schaffen – und so weiter.
  • Die Charts sind hauptsächlich als ein Entdeckungswerkzeug gestaltet worden, und sie erfüllen ihre Pflicht, in dem sie Podcasts mit einer gewissen Schwungkraft identifizieren und belohnen. Was also belohnt wird, ist die relative positive Veränderung – wenn man 1000 Interaktionen zusätzlich zu einer Basis von 10000 Interaktionen (sagen wir, Abonnenten) bekommt, dann wird einen das schneller aufsteigen lassen als zusätzliche 1000 bei einer Basis von 100000. Auch das klingt logisch: Wenn die Charts dazu gedacht wären, ein Auflistung der erfolgreichsten Sendungen zu zeigen, dann würden sich die Top-10 Platzierungen schlicht und einfach nie ändern, da die bestehenden größten Shows einfach immer größer werden. Und weil iTunes einen guten Grund hat, eine Liste zur Verfügung zu stellen, die tatsächlich einen Mehrwert für die Nutzer darstellt, um sie auf der Plattform zu halten, müssen sie sich auf einen Entdeckungsmechanismus verlassen, der es den Topplatzierungen erlaubt, sich ständig zu ändern. Auf vielerlei Art und Weise sind die Charts ziemlich demokratisch.

Diese zwei Hypothesen erklären die Charts nicht in ihrer Gesamtheit (nichts könnte das so wirklich, es sei denn, der Algorithmus entwickelt ein eigenes Bewusstsein), aber ich glaube, sie sind gute Startpunkte, um die Charts zu verstehen. Um es zusammenzufassen: Die Charts sind zur Entdeckung gemacht, aber der Mechanismus, auf dem sie aufbauen, sind iTunes Interaktionen – und so klettern Podcasts in den Charts, weil sie mehr Abos und Downloads auf iTunes erzeugen, denn Aufstieg ist eine Form der Belohnung. Wenn man sich damit angefreundet hat, fangen einige Dinge an, Sinn zu ergeben. So rutscht ein Podcast für Disney-Fans in die Top 5 zwischen den neuesten Folgen von “Serial” und “Alice Isn’t Dead” – so geschehen am 4. März 2016 um 16 Uhr. So gelangt zur gleichen Zeit auch ein satirischer Sportschau-Podcast auf die Top-Platzierung, ob wohl es davon nur eine Vorschau gibt. (Das Erfolgsrezept hierbei ist relativ eindeutig: Wenn du in den Charts mitmischen willst, dann optimiere dein Marketing für iTunes Interaktionen. Das wollte ich eigentlich nicht erwähnen, aber zur Hölle, jetzt bin ich schon so weit gegangen). Und hier kommen wir zurück zu meiner eigentlichen Frage: Welchen Einfluss hat dieses spezielle Chartsystem auf den Podcastingbereich? Wenn ich von dem Inhalt meines Posteinganges ausgehe, dann verursacht es eine Menge Unsicherheit. Ich würde behaupten, dass dieses Gefühl aus der Interpretation herrührt, dass die iTunes-Podcast-Charts als Mechanismus dienen sollten, die auf angemessene Weise den Wert eines Podcasts wiedergeben. Was eine verständliche Interpretation ist, da (und hier bediene ich mich einer weitgefächerten Verallgemeinerung) so etwas wie Charts typischerweise als ein Werkzeug zur Anzeige von Wert entwickelt werden. Und die Sache ist die: Dafür sind die iTunes Charts nicht gedacht. Sie wurden entwickelt, um das Engagement auf ihrer Plattform zu optimieren und nicht, um eine direkte und eindeutige Repräsentation dessen aufzuzeigen, was wertvoll ist. (Obwohl der raketenhafte Aufstieg eines Podcasts in den Charts einen gewissen Wert anzeigt – wir bekommen jedoch nur einen Platzhalterwert gezeigt.) Aber es gibt eine starke Tendenz, iTunes als den wichtigsten Vermittler von Wert anzusehen, denn, nun ja, wir haben nichts anderes. Ohne weiteren Kontext und Mittel zur Auswertung führt eine einzelne Rangliste dieser Art zu einer eher wirren Repräsentation der Podcastinglandschaft, da sie jede Interpretation relativer Werte zwischen Podcasts fast unmöglich macht. Und dies stellt eine schlechte Feedbackschleife für Podcastmacher dar, denn ein großer Teil des Wissens um den Gesundheitszustand einer Sendung wird davon ausgemacht, dass man weiß, wie sie sich im Vergleich zu anderen Sendungen behauptet. Aber hier ist die andere Sache: Für mich ist das hier kein Artikel über das Problem mit iTunes – was mich betrifft, gibt es kein Problem mit iTunes, denn iTunes ist eben iTunes. Es ist eher ein Artikel darüber, dass das Medium sich selbst nicht richtig kennt, und über die Tatsache, dass die Branche sich hauptsächlich auf eine einzelne, unglaublich unvollständige Sichtweise verlässt. Okay, jetzt geht mir gerade der Platz aus und ich wollte eigentlich noch über zwei andere Sachen sprechen: Wie die iTunes Charts die Beziehung zwischen Podcastmachern und Werbekunden beeinflussen, und welche Vermarktungsmöglichkeiten sich in dieser Situation verbergen. Mit Ersterem fangen wir in einem anderen Artikel demnächst an.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Mic“ by mindthaw (CC0 Public Domain)


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WNYC stellt Audiogramme für soziale Medien vor

Headphone (Image by Unsplash (CC0 Public Domain) via Pixabay)

Wir denken kompakter und sollten deshalb den Weg der kürzeren Inhalte einschlagen. Wenn man darüber nachdenkt, wie die sozialen Medien jeden Tag genutzt werden, bemerkt man, dass dies häufig nur Stichprobenartig geschieht – durch einen Artikel scrollen und den Inhalt überfliegen oder ein kurzes Video ohne Ton ansehen.

Es ist bislang nicht vollständig klar, wie Audio hier seinen Platz findet. “Ich komme aus der TV-Welt, in der es viele Videos gibt, die wir nutzen”, sagte mir Delaney Simmons, Social Media Direktorin von WNYC. “[Im Radio] haben wir ein einzigartiges Problem, dass unser Inhalt nicht notwendigerweise teilbar ist.” Wie kann ein Podcast quergelesen oder ein Audio-Clip angehört werden, wenn dieser stumm geschaltet ist?

WNYC arbeitet daran, dieses Problem mit einem neuen Tool namens “Audiogramme” zu lösen, welches ein Stück einer Tondatei in eine Videodatei umwandelt. Das Ergebnis ähnelt einem Audio-Player, welcher jedoch einen Film abspielt. Die Audiogramme können auf Facebook, Twitter und Instagram gepostet werden und der Benutzer kann diese auch einbetten. Jedoch der beste Weg sie zu erklären ist, sie selbst zu sehen:

Der neue Podcast “There Goes the Neighborhood” wird in Zusammenhang mit “The Nation” hergestellt und die erste komplette Episode wurde am Mittwoch, dem 9. März ausgestrahlt. In der Zwischenzeit jedoch, erstellte WNYC mehr als zehn Abschnitte des Audio-Inhaltes für Werbung auf den sozialen Netzwerken. (Simmons erfand das Konzept für dieses Werkzeug und es wurde von Noah Veltman programmiert, einem Entwickler des WNYC-Data-News-Teams.) “Wir hoffen, dass es ein Start einer neuen sozialen Strategie ist”, sagte Simmons. “Unser bester Inhalt wird immer unser Audioinhalt sein.”

Das Team hat bereits seit einer Weile mit dem Konzept des Audio-Inhaltes im Bereich soziale Medien experimentiert. Vor zwei Jahren war es ein früher Herausgeber, der die Möglichkeit von Twitter nutzte, Audio in einem Tweet einzubetten. Im Februar begann WNYC mit Anchor zu experimentieren, einer iOS-App, die den Nutzern ermöglicht, kurze Audio-Clips zu teilen.

Anchor jedoch ist mehr auf nutzergenerierte Inhalte ausgelegt als etwa die eigenen Inhalte von WNYC auf sozialen Plattformen zu veröffentlichen. Im vergangenen Dezember veröffentlichte der Sender eine Folge in voller Länge von “Here’s the Thing” auf Facebook. “Aus dieser Erfahrung haben wir gelernt, dass es einen Appetit für Audio auf sozialen Medien gibt.”, sagte Simmons. Dennoch hörten sich viele Leute nicht die gesamte Folge auf Facebook an. Einige taten es, aber die meisten hörten sich nur den ersten Teil an.

“Wir denken, dass kürzere, leicht verdauliche Inhalte die Strategie beschreiben, die wir verfolgen sollten”, sagte Simmons. “Die Menschen in den sozialen Medien scrollen immer durch ihre Nachrichten-Feeds, auf der Suche nach der nächsten Sache und nachdem wir einen Blick auf die Backend-Analyse warfen (für diese Folge), entschieden wir, dass kürzer gleich besser ist: Lass die Leute herein, lass die Leute hinaus, gib Menschen das beste Stück eines Inhalts, das sie zu dieser Zeit haben können und hoffentlich finden sie es wirklich interessant und motivierend.”

Danach werden sie nach iTunes, der WNYC App oder andere Podcasting-Apps geschleust, um die gesamte Folge herunterzuladen.

Wie kurz ist kurz? “Wir sagen den Produzenten, dass sich alles unter einer Minute richtig anfühlt, obwohl ich immer vorschlage, Qualität vor alles Andere zu stellen”, sagte Simmons. Eine der jüngsten erfolgreichen Experimente: WNYC hat einen Chris Christie–Themen Podcast namens “The Christie Tracker”. In einer Episode lesen die Gastgeber laut einige der interessantesten und lustigsten Tweets der republikanischen Debatten vor. “Wir nahmen einen der Tweets, den der Host las und erstellten daraus ein Audiogramm und twitterten es”, sagte Simmons. “Es war nur eine Audio-Version des Tweets, der in der Nacht davor veröffentlicht wurde! Aber die Leute liebten es, ihn zu hören.”

Wenn ich das alles höre, wundert es mich, warum Facebook selbst noch keine Audiogramm-ähnlichen Audios ins Leben gerufen hat. Simmons wies darauf hin, dass sie nicht für das Unternehmen sprechen kann, sagte aber: “Ich denke, dass sie an Audio interessiert sind und ich weiß, dass sie auch einige Test gemacht haben.” Einer dieser Tests fand für den Podcast “Serial” statt.

“Auf unserer Seite haben wir soziale Videos abheben sehen und der Algorithmus [von Facebook] bevorzugt Videoinhalte über Links und Fotos, also werden wir Hals über Kopf in die Erstellung von so vielen Audio-Videos eintauchen, wie wir können. Wenn in sechs Monaten Facebook sagt ‘hier ist ein Audio-Player’ werden wir es auch testen”, sagte Simmons.

Vorerst plant WNYC nur vorhandene Audios von Podcast-Episoden in Audiogrammen zu verwenden. Schlussendlich jedoch: “… möchten wir gesellschaftlich-spezifische Audios erstellen” sagte Simmons. Das könnte “Clips, die auf dem Redaktionsboden liegen geblieben sind” oder zusätzliche Inhalte, die aus Gründen der Länge entfernt wurden, beinhalten. Und es ist noch etwas geplant: Untertitel. Viele Benutzer sehen sich Videos ohne Ton an, aber das funktioniert offensichtlich nicht für Audios. Jetzt zumindest, zeigen Audiogramme Schallwellen an, um deutlich zu machen, dass der Benutzer den Ton aktivieren oder einen Kopfhörer aufsetzen soll, um hören zu können.

Außerdem könnte WNYC schlussendlich sein Audiogramm-Tool an andere Publisher lizensieren oder kostenlos zur Verfügung stellen. WNYC mag zwar den ersten Schritt gemacht haben, aber “das bedeutet nicht, dass es nicht auch andere Menschen in der Branche beeinflusst, denn Radio war schon immer ein sehr integratives Umfeld”, sagte Simmons. “Dies ist der erste von vielen Schritten und wir hoffen, dass es der Beginn zur Lösung für das Problem für Audio im Bereich soziale Medien ist.”

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Teaser & Image “Headphones” by Unsplash (CC0 Public Domain).


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Podcaster als Entschärfungskommando – Rezeptur gegen Brandstifter und Maschinen

Die Autorin Nadia S. Zaboura hat eine kurze und sehr treffliche Einleitung für das neue Buch “Wie ich wurde, wer ich bin, und was wir einmal sein werden” (Lübbe-Verlag) des Dream-Teams vom Soziopod, dem sozialwissenschaftlichen Podcast von Patrick Breitenbach und Nils Köbel geschrieben: Wir könnten eine so schöne, sinnerfüllte und vernünftige Welt haben, wo sie doch vernetzter, informierter und selbstbestimmter denn je leben darf. Der Mensch sinnt laut Brecht nach freundlichen Formen des Zusammenlebens, erstrebt eine herrschaftsfreie Kommunikation, die nicht in der grauen Habermas-Theorie verharrt, sondern durchdrungen ist von Pluralität, Freiheit und Toleranz. “Doch unsere Zündschnur scheint kurz, unsere Geduld mit uns und mit anderen ein knappes Gut geworden”, so Zaboura.

Die zunehmende Komplexität und Beschleunigung sei leider ein ideales Spielfeld für Vereinfacher und Verführer. Sie hantieren mit simplen Antworten und stacheln zur Polarisierung an, um nicht komplexe Lösungen für komplexe Probleme anbieten zu müssen. Sie wollen schnelle Siege und provozieren Aufgeregtheiten, inszenieren Ad-hoc-Hysterien und betreiben verbale Brandbeschleunigung. Zaboura bezeichnet die preisgekrönten Podcast-Philosophen als Entschärfungskommando für soziale Sprengsätze.

Es gibt keine einzig wahre Wirklichkeit

Im Zwiegespräch dekonstruieren die beiden Autoren Klischees, Vorurteile und vermeintliche Wahrheiten. Sie geben Impulse für die Kunst der Argumentation und vermitteln dem Leser das Rüstzeug zur Selbstreflexion. Das ist ein schmerzlicher und anstrengender Prozess, wie der Autor der Notiz-Amt-Kolumne bestätigen kann. Die erste sehr fragmentarische Lektüre des frischen Werkes von Breitenbach und Köbel führte direkt zum Konstruktivismus. Patrick Breitenbach sieht ihn eher als eine Haltung und nicht als Weltanschauung:

Die Haltung, die ich hinter dem Konstruktivismus sehe, ist für mich eher ein permanentes Hinterfragen des Selbstverständlichen. Der Wirklichkeit oder, noch weiter, der Wahrheit. Das Hinterfragen setzt wiederum voraus, dass man erkannt, dass die Wirklichkeit nicht die einzig wahre Wirklichkeit ist, sondern jeder Mensch sich seine eigene Wirklichkeit konstruiert, also durch Sinneseindrücke, Bewertungen und Interpretationen zusammensetzt.

Hier und da gibt es einen Wirklichkeitskonsens. Dennoch nimmt jedes Subjekt die Welt anders wahr. Köbel vergleicht das mit dem Lichtkegel mehrerer Taschenlampen, die sich überschneiden und jede für sich einen eigenen Ausschnitt beleuchtet.

Rassismus ist eine Wahrnehmungsstörung

Bei aufgeladenen Themen offenbaren sich die unterschiedlichen Wahrnehmungen und Interpretationen, ergänzt Breitenbach:

Für mich ist Rassismus so eine Art Wahrnehmungsstörung. Das heißt, der Rassist sieht bestimmte äußerliche Merkmale bei Menschen, und diese überstrahlen quasi das Individuum, das Subjekt, die Identität. Wenn also jemand mit rassistischen Vorurteilen einen anderen Menschen mit dunklerer Haut sieht, stellt sich ihm gar nicht mehr neutral die Frage, ob das jetzt ein Freund sein könnte. Allein aufgrund dieser äußeren Andersartigkeit macht es irgendwie Klick, und dieser Mensch ist von vornherein weniger wert als alle anderen.

Es zählen nur noch Stereotypen. “Der” Nordafrikaner, “der” Islamist, “der” Flüchtling, “der” Asylbewerber. Individualität verschwindet hinter einem Schleier von Vorurteilen. Es zählen Urteile, die nicht auf eigenen Begegnungen und eigenen Erfahrungen beruhen, sondern Erzählungen oder Narrative von anderen. Rassismus ist eine Konstruktion, die durch Bilder, Geschichten, Gerüchten, Sprache und bestimmte Begriffe entsteht. Der Mensch erschafft sich immer ein Abbild dessen, was er wahrnimmt. “Aber er kann niemals das Gesamte in aller Pracht und aus allen Perspektiven wahrnehmen, und er hat nur sehr begrenzte, wenn auch sehr vielfältige Mittel der Kommunikation, um das Wahrgenommene wieder nach außen auszudrücken”, so Breitenbach.

Erfahrungswissen aus erster Hand

Diese Zerrbilder kann man nur durch direkte Erfahrungen abbauen. Wenn sich ein rassistischer Jugendlicher bei einem langen Auslandsaufenthalt in ein einheimisches Mädchen verliebt, bricht jeder Rassismus zusammen. Die rassistische Konstruktion wird brüchig und man bekommt genügend Anregungen aus erster Hand, die bisherigen Zerrbilder zu überdenken.

Also wenn ich die Grundhaltung besitze zu sagen, ‚Die Welt ist nicht so, wie sie scheint‘, schafft das überhaupt erst die Voraussetzung, um scheinbar selbstverständliche Dinge zu hinterfragen”, betont Breitenbach. Konstruktivismus in der Kombi mit Bildung ist für ihn ein großes Werkzeug, um jede Art von Vorurteilen zu knacken. Auch die maschinengesteuerten Reduzierungen der Wirklichkeit. Wir neigen dazu, Maschinen als intelligent, unbestechlich und neutral wahrzunehmen und vergessen dabei die Maschinisten, die Konstrukteure.

Nasenlose Maschinen dekonstruieren

Beim Thema Big Data und den zugrundeliegenden Algorithmen verdrängen wir die Programmierer, die nur winzige Teilwirklichkeiten und Gewichtungen in ihre Formeln packen. Erinnert sei an die Session “Wenn Menschen und Maschinen lügen” von Patrick Breitenbach und Brightone-Analyst Stefan Holtel auf der Next Economy Open in Bonn:

Software infiltriert heute jede halbwegs komplizierte Maschine. Das Universum kommunizierender Objekte expandiert weiter. Und damit werden unehrliche Menschen und korrupte Organisationen mehr denn je versucht sein, ihre Produkte nach eigenen Wünschen zu impfen. Nennen wir das einfach mal ‘Lügen zweiter Ordnung’. Und Benutzer können das nicht mehr erkennen. Denn leider wächst den Maschinen keine Nase. So wird Wahrheit oder Lüge plötzlich ein Schlüsselfaktor in der Mensch-Maschine-Interaktion. Und es taucht schlagartig die Frage auf, ob und wie man Maschinen ethisches Verhalten beibringen könnte. Ein sehr verzwicktes Problem. Und es führt zu Verwicklungen, für die wir heute noch nicht mal Denkfiguren haben. Es wird Zeit, die zu entdecken, erklärt Holtel.

Anleitungen zum skeptischen Denken aus der Soziopod-Werkstatt von Breitenbach und Köbel könnten auch auf diesem Feld zur Anwendung kommen. Die Streifzüge durch den Garten der Philosophie in Buchform empfiehlt das Notiz-Amt zur Lektüre – besonders in Schulen.


Image „Mikrofon“ Fotocitizen [CC0] via pixabay


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Mailchimp probiert hinter einer Paywall eine neue Werbestrategie aus

mailchimp-vinyl-toy (adapted) (Image by Tomos [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Mailchimp möchte sein Produkt platzieren – dies geschieht jedoch hinter einer Paywall. Es stellt sich die Frage: Wem nützt das? Ein Forbes-Artikel, der neulich veröffentlicht wurde, beschreibt ein kommendes Hörstück auf dem Abonnement-Service für Premium-Inhalte von Midroll namens Howl, das Produktplatzierungen von Mailchimp, dem Zugpferd für Podcast-Werbegelder, einschließen wird. Gemäß diesem Artikel wird der E-Mail-Newsletter-Service, der auch Hot Pod und das Nieman Lab beliefert, wohl “heimische Inhalte beitragen, die innerhalb der Storyline existieren”.

Der Podcast selbst klingt spannend: Das Drama mit dem Titel “Fruit” ist ein aus der Ich-Perspektive erzähltes Drama über X, einen professionellen, afroamerikanischen Fußballspieler, der homosexuell ist.

Das Projekt wurde durch Issa Rae, bekannt aus der YouTube-Serie The Misadventures of Awkward Black Girl, ins Leben gerufen. Rae entwickelt derzeit die neue HBO-Show “Insecure”, für die das Netzwerk, laut Deadline eine Serienbestellung aufgenommen hat.

Sei’s drum, was ich an der ganzen Produktplatzierung besonders interessant finde – vor allem auf der Seite von Mailchimp – ist folgendes:

  • Fruit wird hinter der Paywall von Howl veröffentlicht, was die Entscheidung von Mailchimp, dort zu werben, zu einer ganz besonderen macht. Das Unternehmen kauft im Grunde Werbespots für mehr Sichtbarkeit in einer strukturell eingeschränkten Gruppe, was eindeutig gegen die typische Verbreitungsstrategie spricht. Es ist unklar, wie viele Menschen Howl tatsächlich abonniert haben. Ich bin mir jedoch ziemlich sicher, dass es weitaus weniger sind als die durchschnittliche Hörerschaft von, sagen wir, einem stärkeren Radiotopia-Podcast. Auf unsere Nachfrage hin lehnte Scripps ab, die Abonnentenzahl zu veröffentlichen.

  • Wenn Werbetreibende Spots auf frei zugänglichem Podcast-Content kaufen, erhalten sie Zugang zu zwei Arten von Mehrwert. Der eine kann von der Zahl der durchschnittlichen Hörerzahl abgeleitet werden – einer Zahl, die weiter gefasst, konzeptionsloser und mit der jetzigen Podcast-Technologie ein wenig ungreifbar ist. Der andere ist der potenziell erzielbare Wert im Falle eines unerwartet starken Wachstums des Podcasts (siehe Serial). Obwohl das letztere Szenario nur relativ selten vorkommt, kann das Potenzial sehr berauschend erscheinen.

  • Eben dieses Potenzial existiert jedoch bei Inhalten hinter Paywalls nicht. Podcasts sind für das Standardpublikum schwer zu greifen und diese Hürde wird durch die Existenz von Paywalls noch vergrößert. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf ist die kleine Hörerschaft von Howl vermutlich zielgerichteter und definierter, wenn man davon ausgeht, dass Midroll mehr granulare Daten von Howl-Usern hat – was wahrscheinlich der Fall ist. Daher kann man mit ziemlicher Sicherheit annehmen, dass Mailchimp einen Mehrwert in dem Zielkonflikt zwischen dieser zielgerichteten, kontrollierten Hörerschaft und einer potenziell chaotisch größeren Menge sieht.

  • Zusätzlich wird die Neuigkeit, dass Mailchimp sein Produkt auf zahlungspflichtigen Inhalten platziert, wohl auch Idioten wie mich dazu bringen, darüber zu reden und so den Namen Mailchimp weiter zu verbreiten. (Für ein weiteres Beispiel von “Neuheit als Strategie” lesen Sie die Berichte rund um die GE Podcast Theater-Kampagne vom letzten Jahr. Haftungsausschluss: Dieser Podcast, The Message, wurde von meinem Arbeitgeber, Panoply produziert.)

  • Auf der anderen Seite ist ein natürlich integrierter Produktplazierungs-Spot vielleicht nur eine Spaßaktion von Mailchimp.

Die Premiere von Fruit soll im Premium-Abonnement-Service von Howl im nächsten Monat stattfinden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „mailchimp-vinyl-toy“ by Tomos (CC BY-SA 2.0)


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Eine Studie gliedert und analysiert Podcasting-Geschäftsmodelle

Mikrophon (Teaser_ martinsandofer [CC0 Public Domain], via Pixabay)

Podcasting war ein Trend des Jahres 2015. Das Tow Center For Digital Journalism hat die Geschäftsmodelle verschiedener Podcasts genauer analysiert.

Im Jahr 2015 gab es immer wieder Neuigkeiten über Podcasts – wenn man sich aber die besagten Nachrichten genauer durchliest, ist es schwierig, größere Trends auszumachen. Deshalb ist der Bericht des Mitglieds des Tow Center for Digital Journalism, Vanessa Quirk, so wertvoll. Der Bericht befasst sich mit aktuellen Geschäftsmodellen in der Podcasting-Industrie, indem er diese in Verbindung mit seiner Geschichte und einer coolen, interaktiven Chronik bringt.

Quirks Bericht ist besonders nützlich bei der Gliederung und Analyse von Geschäftsmodellen, die von verschieden Podcast-Formen verwendet werden. Einige dieser Modelle führt sie in dem Abschnitt “Operating Philosophies” am Ende des Berichts auf. Der Bericht kann hier nachgelesen werden.

Es sind keine “festen und schnelllebigen” Kategorien, schreibt Quirk, sondern “allgemeine Philosophien, die Wege beeinflussen, wie Podcasts Umsätze erzielen und Umsatzströme priorisieren”.

Universell: Erreiche jeden, den du erreichen kannst.

Beispiele: This American Life, New York Public Radio, Intelligence Squared.

Wir wollen keine Bezahlschranke vor dem tatsächlichen Inhalt, da das nicht unserer Idee entspricht, den Inhalt an das größtmögliche Publikum heranzubringen”, zitiert Quirk den Betriebsvorstand bei This American Life, Seth Lind. Universal-Podcasts verfolgen eine Reihe unterschiedlicher Umsatzströme, einschließlich des direkten Supports und Stiftungspreise, “vertrauen aber stark auf sowohl statische als auch dynamische Werbung.”

Premium: Stelle eine Beziehung zum Publikum her.

Beispiele: Gimlet Media, Earwolf (Howl), Slate (Slate Plus), 99% Invisible

Podcasts und Netzwerke in dieser Kategorie zielen darauf ab, die Beziehung mit dem ihrem Publikum zu kultivieren und die “Premium-Erfahrungen” zu steigern. Die Podcasts selbst können kostenlos angehört werden, es wird aber zu Spenden und Abonnements ermutigt.

“Die Mehrheit derjenigen, die Slate Plus beitreten, sind Podcast-Hörer”, erklärt Andy Bowers, Content Manager der Panoply Media Group. “Sie können VIP-Tickets zu Live-Shows bekommen und die Gastgeber dort treffen. Das sind unsere Hardcore-Fans.” Quirk fügt hinzu, dass “Podcasts, die auf diese Weise ohne Abonnements arbeiten (vielleicht, weil sie zudem nach einer universellen Philosophie handeln), stark auf Live-Events und Crowdfunding-Kampagnen setzen, um die Hörerschaft zu vergrößern und das Gemeinschaftsgefühl zu stärken.

Wertbeitrag: Verändere deinen Inhalt/deine Marke.

Beispiele: BuzzFeed, Audible (deutschsprachige Version), Panoply (Podcasts schaffen Wert für die Publikationspartner)

Nach diesem Modell “werden Podcasts als Möglichkeit gesehen, Werte sowohl für die Konsumenten als auch die Netzwerk-Marke zu schaffen. Die Hörspielfirma Audible zum Beispiel baut derzeit eine Sammlung hochwertiger Originalinhalte auf, um das Angebot für seine Nutzer zu vergrößern.

Jenna Weiss-Berman, Vorstand des Audio-Bereichs von BuzzFeed, erklärt Quirk, warum BuzzFeeds Podcasts nicht unbedingt viral gehen müssen:

Wir versuchen nicht, 10 Millionen Zuhörer zu bekommen. Wir haben Dinge auf unserer Seite, die ganz einfach 10 Millionen Klicks bekommen. Wir versuchen etwas zu tun, das zeigt, dass BuzzFeed vielseitig ist. Wir versuchen weiter zu gehen… Darin ist BuzzFeed erfolgreich – Dinge, die eine Menge Geld einbringen, subventionieren die Dinge, die weniger lukrativ sind.

Der komplette Bericht kann hier eingesehen werden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf NiemanLab unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image “Mikrophon” by martinsandofer (CC0 Public Domain)


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Wird Facebook die nächste große Podcast-Plattform?

Facebook Likes (Image by Peter Linforth [CC0 Public Domain], via Pixabay)

WNYC versucht es mit Audiogrammen, andere Firmen werden folgen – denn ein Podcast funktioniert auch im neuen Videoplayer von Facebook.

Würden Sie sich auf Facebook einloggen und einen Podcast anhören? Auf die eine oder andere Art kann das durchaus sinnvoll sein: Menschen verbringen jede Menge Zeit auf Facebook, warum also nicht mal ein wenig Audio anhören wenn man schon online ist? WNYC versucht sich derzeit an folgendem Konzept: Vor Kurzem veröffentlichte der Radiosender eine neue vollständige Episode von “Here’s the Thing” auf seiner Facebook-Seite. In dieser 48-minütigen Episode führt Moderator Alec Baldwin Interviews mit Jimmy Fallon.

Da Facebook keine direkten Audio-Uploads erlaubt, wurde der Podcast als Videodatei hochgeladen. Die Tonspur spielt während eines statischen Bildes. Das bezeichnet WNYC als Audiogramm. Dieses Audiogramm wurde bereits wenige Stunden nach dem Upload mehr als 12.000 Mal gespielt. Ob die Nutzer allerdings die vollen 48 Minuten angehört haben, bleibt unklar.

Wir und andere Audioproduktionsfirmen waren bislang auf unsere eigenen Audioplayer, Player von Drittparteien oder Apps beschränkt, so Delaney Simmons, Leiter der Abteilung Social Media von WNCY. Dieses Experiment ist anders… man muss Facebook nicht mehr verlassen, um Audioprodukte zu konsumieren und die Inhalte werden direkt in ein Feature im Facebook-Universum hochgeladen.

WNYC experimentiert zurzeit auch mit dem Teilen von kürzeren Audiogrammen auf Twitter, was letztes Jahr das erste Mal versucht wurde. Dabei handelt es sich um Tweets von @WNYC bei Sondermeldungen und geteilten Ausschnitten der New Yorker Radio Hour auf deren Twitter-Account.

.@LenaDunham tries to make plans with Allison Williams in “Let’s Get Drinks”—it shouldn’t be hard, should it? pic.twitter.com/CJa1Ki4Fej

— The New Yorker Radio (@NewYorkerRadio) December 8, 2015

Limetown versuchte sich an einem ähnlichen Konzept für ihre frühen Episoden und lud ebenfalls Audio-basierte Teaser in Form von Videodateien mit statischen Bildern hoch. Obwohl jede davon mehrere Tausend Klicks erzielte, verlinkt Limetown neuerdings für neue Episoden einfach zur SoundCloud und iTunes.

Im Gespräch erzählt mir Limetown-Gründer Skip Bronkie:

In Anbetracht der Größe unserer Facebook-Seite waren die Ergebnisse überzeugend (gute Verteilung an Nutzer, die keine Fans der Seite waren und Anzahl der Aufrufe), aber die Retentionen waren niedrig, was, wie ich gehört habe, auf Facebook aber recht häufig ist in Anbetracht des Auto-Play und dem Charakter von News-Feeds. Deswegen haben wir auf Facebook nie eine Episode in voller Länge veröffentlicht.

WNYC plant jedoch ihr Facebook-Audiogram-Experiment weiterzuführen und verschiedene Längen und Designs auszutesten.

“Wir übernehmen viele Signale von der Fernsehindustrie”, so Simmons. Wie können wir unsere Episoden fortschreitend bewerben? Können wir Hörproben in Audiodateien, Bonusclips und Episoden exklusiv für Facebook hochladen?”

Hintergrundaufnahmen – ein Zuhörer streamt einen Podcast, während er anderen Aktivitäten nachgeht – seien ebenfalls ein Interessenbereich. WNYC ist bereits in der Entwicklung von Möglichkeiten für Hintergrundaufnahmen auf seiner eigenen Plattform und Simmons bemerkte, dass auch der neue Videoplayer von Facebook seinen Nutzern erlaubt, ein Video im rechten unteren Eck des Bildschirms anzusehen, während man weiterhin durch Facebook stöbert.

“Wenn ein eigener [Facebook]-Audioplayer erst einmal Realität wird, dann hoffen wir, dass er sich ähnlich verhält”, sagt Simmons.

Dieser Artikel erschien zuerst auf NiemanLab unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image Facebook Timeline (adapted) by Simon (CC0 Public Domain)


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5 Lesetipps für den 16. Dezember

In unseren Lesetipps geht es heute um den Datenschutz in Europa, Hass im Netz, Künstliche Intelligenz von Facebook, Terrorismus und den Podcast-Trend. Ergänzungen erwünscht.

  • DATENSCHUTZ Zeit Online: Gleicher Datenschutz für alle: Habemus EU-Datenschutzgrundverordnung. Also fast, denn der gestern Abend per Pressemitteilung präsentierte Kompromiss muss noch vom EU-Ministerrat und dem EU-Parlament angenommen werden, was an sich als Formalie gilt, aber halt auch noch zu Änderungen führen könnten. Man wird sehen, vor allem was dieses für Brüssel fast schon typische Kompromisspapier taugt. Zum einen werden die Nutzer in einigen Rechten egstärkt, zum anderen könnte die Wirtschaft gehemmt werden.

  • HATE SPEECH Süddeutsche.de: Facebook-Nutzer sollen nur noch 24 Stunden hetzen dürfe: Es ist Aktionismus, wie ihn nur die Politik und an der Börse notierte Unternehmen als Erfolg verkaufen können: Die Bundesregierung möchte mit den großen Internet-Firmen und anderen Akteuren zusammen etwas gegen Hass-Kommentare unternehmen. Innerhalb von 24 Stunden sollen demnächst Hass-Tiraden und Drohungen gelöscht werden. Das grundlegende Probleme löst dies nicht, nur die Wahrnehmung. Sogenanntes Hate Speech ist älter als das Netz und hat seine Ursachen in der Gesellschaft, nicht dem Internet.

  • KÜNSTLICHE INTELLIGENZ Ars Technica: Facebook’s open-sourcing of AI hardware is the start of the deep-learning revolution: Facebook veröffentlicht die vom Unternehmen entwickelte Hardware für Künstliche Intelligenz unter open source und führt die Technologien damit heraus aus den Forschungslaboren auf die nächste Ebene der Produktentwicklung. Auf Ars Technica sieht Steven Max Patersson darin einen großen Meilenstein in der Entwicklung von Maschinenlernen, denn Facebooks Entscheidung ermöglicht Kooperationen, die aufeinander aufbauen und somit die Entwicklung weiter vorantreiben als dies ein Unternehmen alleine geschafft hätte.

  • TERRORISMUS Vox: The problem at the heart of Saudi Arabia’s Muslim anti-ISIS coalition: Max Fisher arbeitet in seinem Artikel für Vox.com einen sehr wichtigen Punkt heraus, wenn es um die politischen Koalitionen gegen den Terrorismus geht: sie allen funktionieren innerhalb des von ISIS selbst gesetzten Narrativs und vor allem das diktatorische Saudi-Arabien scheint den Punkt der IS-Terroristen eines „falschen Islams“ wie kein anderes Land zu bestätigen, denn die Alternative zu den Terroristen soll eine Diktatur darstellen. Was sich Diplomaten und Wirtschaftspolitiker auf der ganzen Welt noch schön reden können, funktioniert einfach nicht als die Menschen gegen Terrorismus vereinende Erzählung.

  • PODCAST Nieman Journalism Lab: The podcasting scene will explode: Zum Jahresende holen die meisten Medien ihre Glaskugel raus und versuchen sich in Vorhersagen fürs neue Jahr. Die meisten Aussagen kann man getrost vergessen, da es entweder sowieso anders kommt oder es ihnen einfach an Relevanz fehlt. Eine Ausnahmen könnte der Text des Medienberaters Rex Sorgatz sein, der zwar nur einen schon oft besprochenen Trend vorhersagt, diesen aber ausgezeichnet begründet. Nächstes Jahr werden Podcasts ein ganz neues Level erreichen.

CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

Nutze Netzpiloten 1-Klick: Mit nur einem Klick werden dir bequem alle 40 Sekunden die hier besprochenen Seiten „vorgeblättert“ START.

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5 Lesetipps für den 9. Dezember

In unseren Lesetipps geht es heute um Facebook als Podcast-Plattform, alleiniges Glück, ein RFID-Fahrrad-Projekt in Aarhus, Twitter und Berlin-Gemälden. Ergänzungen erwünscht.

  • PODCAST Nieman Journalism Lab: Could Facebook be the next big platform for podcasts?: Ich habe im Oktober die erste Folge der aktuellen Homeland-Staffel in voller Länge auf Facebook gesehen. Das ging sehr gut und ich war wohl seit Jahren nicht mehr so lange am Stück auf Facebook. Deshalb, und weil gefühlt gerade jede Medienplattform diesen Weg einschlägt, überrascht es mich gar nicht, dass Facebook sich zu einer Podcast-Plattform wandeln könnte. Diese Entwicklung kommt (noch) nicht direkt von Facebook selbst, WNYC hat ein Podcast mit einem statischen Bild in ein Video verwandelt und veröffentlicht. Mit Erfolg: 12.000 Plays in wenigen Stunden und das bei einem 48-minütigen Podcast.

  • EINSAMKEIT The Washington Post: More Americans are dining and traveling alone: Die US-amerikanische Psychologieprofessorin Bella DePaulo berichtet in einem Artikel für die Washington Post über einen inzwischen normal gewordenen Trend, etwas alleine zu machen. Alleine reisen, alleine zum Essen gehen, ist inzwischen vollkommen normal. Ein Grund dafür ist die uns umgebende Technologie, die uns stets mit anderen Menschen verbindet. Deshalb ist dieser Trend nicht auf die USA beschränkt, sondern kann auch hierzulande beobachtet werden.

  • FAHRRAD Grist: Danish cyclists play God, use sensors to turn traffic lights green: Im dänischen Aarhus, immerhin die zweitgrößte Stadt Dänemarks, läuft ein spannender Test: 200 Fahrradfahrer sind mit der Sender-Empfänger-Technologie RFID ausgestattet, die Ampeln meldet, wenn sich die Radfahrer nähern und diese dann umstellen. Dadurch müssen Radfahrer seltener anhalten und sind auch sicherer unterwegs. Ein schönes Projekt, das einen großen Vorbildcharakter für den urbanen Verkehr in anderen Städten hat.

  • TWITTER Wall Street Journal: Twitter Reorders Tweets in Timeline Test: Es sieht so aus, zumindest behaupten das ein paar Beta-Tester, dass Twitter eine nach Relevanz geordnete Darstellung der Tweets testet. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, was ich davon halten soll. Mich überrascht meine erst einmal ablehnende Haltung dieser Neuerung, da mir Twitter wie es jetzt ist, vollkommen ausreicht. Die App wirkt zwar langsam überladen, aber im Grunde ist es ‚das‘ soziale Netzwerk meiner Wahl. Mit diesem neuen Feature würde Twitter kein Echtzeit-Dienst mehr sein.

  • BERLIN iHeartBerlin.de: 19th Century Berlin in Paintings: Ich habe in Venedig studiert und bin viel durch Norditalien gereist. Städte, die man auch in phantastischen Gemälden der Kunstgeschichte sehen kann, sind mir vertraut. Meinen derzeitigen Wohnort Berlin habe ich seltsamerweise nie so gesehen. Berlin war Berlin – nicht sehr schön, aber unglaublich spannend. Im sehr hipsteresquen Berlin-Blog überzeugt mich eine gewisse Kate vom Gegenteil. Ein perfekter Abschluss für die Lesetipps.

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5 Lesetipps für den 7. Dezember

In unseren Lesetipps geht es heute um Virtual Personal Assistant, Spotify setzt auf Kuration, Afriactivistes, Podcast und Emojis in der Politik. Ergänzungen erwünscht.

  • VIRTUAL PERSONAL ASSISTANT TechRadar: Goodbye apps, hello smart agents: Are you ready for the post-app world?: Siri, M, Cortana, Google Now – noch stehen wir am Anfang der Entwicklung von smarten und virtuellen Assistenten, aber die Entwicklung schlägt eine eindeutige Richtung ein. Unsere Smartphones werden zu unseren persönlichen Hilfen, die uns nicht eine Unmenge an Apps zur Verfügung stellen, sondern die einzige Funktion sein werden, die wir noch brauchen. Sie twittern für uns durch Sprachbefehle anstatt dass wir die Twitter-App nutzen müssen, um ein Beispiel zu nennen. Dies wird übrigens noch zu einer weiteren Veränderung führen: UX-Designer sind nicht mehr gefragt.

  • KURATION Fast Company: Why Spotify’s Discover Weekly Playlists Are Such A Hit: Kuration ist das Zauberwort und seit rund zwei Jahren kommen die Einschläge an darauf setzende Trends immer näher. Vor allem Streaming-Apps, die ihren Nutzern für nur wenig Geld eine an sich nicht zu schaffende Menge an Content zur Verfügung stellen, setzen auf Kuration als Service, um ihre Dienste auch nutzbar zu machen. Jüngstes Beispiel ist Spotify, das vor fünf Monaten den Kurationsdienst Discover startete und bereits jetzt 1,7 Milliarden Streams vorweisen kann. John Paul Titlow bewertet den Erfolg des Dienstes für Fast Company.

  • AFRIACTIVISTES Radio Vatikan: Afrikanische Blogger werben für politisches Bewusstsein: Radio Vatikan berichtet über die Afriactivistes, den Verband der afrikanischen Blogger, die sich über die sozialen Netzwerke miteinander vernetzt haben, um koordiniert das politische Bewusstsein der Bevölkerung auf dem ganzen Kontinent zu stärken. Inzwischen sind Afriactivistes-Blogger in über 35 Ländern aktiv. Nicht als anders als in Europa, Asien oder Amerika, spielen auch in Afrika die neuen Medien eine bedeutende Rolle in der politischen Meinungsbildung.

  • PODCAST Re/code: How To Listen To Podcasts: Podcasts sind ein Mediumformat, das seit zehn Jahren ein Nischendasein fristet, doch dem seit Kurzem immer öfters eine große Zukunft prophezeit wird. Natürlich gab es stets eine Podcasts sehr schätzende Community, doch zuletzt setzten auch immer mehr traditionelle Medienunternehmen auf Podcasts. Eric Johnson hat auf Re/code eine Anleitung geschrieben, wie man auf welchen Plattformen und Geräten überhaupt Podcasts hören können.

  • EMOJI Fusion: Argentina’s ‘Facebook president’ announces his cabinet with emojis: Zum Schluss noch eher ein interessanter Hinweis als wirklicher Lesetipp: der frisch gewählte Präsident Argentiniens, Maurico Macri, hat sein Kabinett in einem Facebook-Post mithilfe von Emojis bekannt gegeben. Wir haben schon öfters auf Netzpiloten.de geschrieben, wie Emojis ein immer wichtig werdender Bestandteil unserer Sprache sind. Macri zeigt, dass diese Entwicklung schon in der Politik angekommen sind.

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Podcasting im Jahr 2015 fühlt sich an wie Bloggen 2004

Podcasting (adapted) (Image by Nicolas Solop [CC BY 2.0] via flickr)

Was bei Podcasting passiert, konnte auch schon vor 10 Jahren bei Blogs beobachtet werden – Professionalisierung und neue Akteure betreten den Markt.

Der aktuelle Stand in der Podcast-Welt 2015 fühlt sich sehr nach Bloggen im Jahr 2004 an. Die Vielfalt und Qualität der Werke, die dort zu finden sind, ist wirklich bemerkenswert. Die Aufmerksamkeit von außen wächst und es entwickeln sich neue Formate. Wir erleben gerade dieselbe Art des Freischwimmens von kreativem Potential, die wir schon bei den Blogs erlebt haben – und es wird ein größeres Angebot an toller Arbeit produziert, als das es Zeit gibt sich dieses überhaupt alles anhören zu können.

Die Frage ist jetzt, ob sich Podcasts auch ähnlich entwickeln, wie es die Blogs in den vergangenen Jahren getan haben. Aus der Art, wie sich die wundervoll vielfältige Welt der Blogger in das verwandelt hat, was wir heute kennen, kann man diverse Schlüsse ziehen – sowohl positive als auch negative.

Was könnte das beinhalten?

  • Ein Teil der alten Blog-Welt professionalisierte sich und führte somit zu Ablegern wie der Huffington Post, BuzzFeed, und Vice.

  • Ein anderer Teil wurde von den Plattformen übernommen, wie beispielsweise Facebook und Twitter, die technische Erleichterungen versprachen.

  • Zeitungen und Zeitschriften, die sich von Bloggern bedroht gefühlt hatten, fanden sich irgendwo dazwischen wieder: sie waren nicht gewitzt genug, um mit den neuen digitalen Vorteilen mithalten zu können, und nicht groß und mächtig genug, um es mit den Plattformen aufnehmen zu können.

Die Akteure sind beim Audioformat etwas anders aufgestellt, aber viele Punkte wären dieselben. Werden wir eines Tages vielleicht auf 2015 als die goldene Ära des Podcasting zurückblicken, bevor der Markt sich daran bedient hat?

Schauen wir uns mal drei aktuelle Trends an:

Professionalisierung

Sollten Sie je gezwungen werden, sich alle Podcasts bei iTunes anzuhören, würden sie enorm viel Amateurkram finden. Neben all dem fällt eine gute Qualität ganz besonders auf. Die meistheruntergeladenen Sendungen sind eine Mischung aus den Shows der öffentlichen Radiowochenendshows, intelligenter Comedy und Geschichten, und natürlich qualitativ hochwertiger Diskussionen.

Eine wichtige Entwicklung ist also die Qualität. Alex Blumberg ist Rundfunkreporter und verließ im Jahr 2014 das Radio, um Gimlet Media zu gründen. Er beschreibt im Folgenden, was er als “HBO des Podcasting” aufbauen will:

Wir nehmen uns mehr Zeit, wir geben mehr Geld aus, und wir versuchen, über 95 Prozent der Podcasts da draußen zu verfeinern. Ich glaube, Podcasts haben immer noch den Ruf, dass sie etwas sind, was zwei Typen im Keller zusammenschrauben. Es hat ein bisschen was von Waynes World, in diesen Kellern. Ich sehe sie aber eher als echte Shows: schlank, gut produziert, und man hat Leute dran, die gut in dem sind, was sie tun.

Gimlet hat mittlerweile ein vielgelobtes Podcast-Repertoire, das nun regelmäßig auf Listen mit den meisten Downloads landet und Werbung auf kluge Weise einbindet. Andere Firmen, wie Panoply (von den Slate-Entwicklern) und Midroll (das nun zu Scripps gehört), machen etwas ganz Ähnliches: sie bauen ein Netzwerk auf, das professionell ist und mit dem man seine Produktion und die Abonnements effizienter aufarbeiten kann. Gimlet will vielleicht das neue HBO sein, für mich sind sie aber eher das neue Vox Media. Hier kommen intelligente Inhalte, Produktionstalent und eine bewegliche Geschäftsstrategie zusammen.

Plattformen

Geht es um Plattformen, ist die Podcast-Szene bisher bemerkenswert offen für neue Möglichkeiten gewesen. Alles, was man braucht, ist Zugang zu einem Server, und man kann seine Veröffentlichungen der ganzen Welt zur Verfügung stellen.

Ich denke, wir werden bald erleben, wie diese Offenheit demnächst unter Druck gerät. Fast alle Audio-Podcasts sind im MP3-Format – dasselbe Format, das früher iPods mit Nelly und NSYNC gefüllt hat. Wenn man sie einmal heruntergeladen hat, sind die Dateien seitens der Veröffentlicher nicht mehr einsehbar. Niemand kann sagen, ob die Datei einmal, hunderte Male, oder vielleicht noch nie abgespielt worden ist.

Es ist unmöglich, die individuellen Gewohnheiten des Hörers nachzuverfolgen: man kann weder sehen, welche anderen Podcasts sie sich anhören, nicht welche Werbung sie wegklicken oder aus welcher Folge sie frühzeitig aussteigen.

Eine mögliche Reaktion wäre: ‚Toll! Ich will nicht, dass irgendein Podcast-Typ mein Verhalten nachverfolgt!‘ Aber das Netz hat uns gezeigt, dass viele Menschen, vor allem Werber, diese Daten haben wollen. Und wir können sicher sein, dass es Bestrebungen gibt, sie nutzbar zu machen.

Dafür bräuchte man eventuell ein neues Podcast-Format, etwas jenseits der MP3. Das schwedische Startup Acast verspricht ein verbessertes Podcast-Erlebnis, indem es Bilder und Videos an bestimmten Stellen in den Audio-Podcast integriert, wenn man ganz bestimmte Shows mit ihrer App anhört. Natürlich kann dieser Aufwand auch dazu genutzt werden, um ein etwas weiter entwickelteres Werbeverfahren nach vorn zu bringen: Acast gibt an Firmen weiter, dass sie “dynamisches Abzielen” der Werbung innerhalb einer bestimmten Folge anbieten können.

Die optimistische Sicht auf Acast (und andere Firmen, die dieses Feld betreten) lautet, dass die stumpfe MP3 die Möglichkeiten des Podcast einschränkt, und dass wir uns weiterbewegen sollten, damit sich hier etwas entwickeln kann. Der Pessimist würde sagen, dass, egal welche Technik als nächstes aufkommt, keine je mehr so offen sein wird wie die RSS-Plus-gestützte MP3-Technologie am Anfang des Podcasting-Trends. Und das könnte bedeuten, dass die privaten Plattformen das Feld übernehmen.

Marco Armendt, Erfinder der beliebten Overcast-App für iTunes, verteidigt sich damit, dass die Firmen “dieses offene Medium einschränken und in einen Zustand der urheberrechtlich geschützten Technik versetzen wollen. Sie wollen Imperien mit Mittelsmännern aufbauen, um alles zu kontrollieren und von jedem ein wenig Umsatz abzapfen. So macht man das ganz große Geld. Und meistens funktioniert das auch.

Schauen wir uns nochmal an, was bei den Blogs los ist. Hatte jemand Mitte der Neunziger einen Blog, hat er den Code vielleicht noch per Hand geschrieben. In den frühen 2000ern hat man wahrscheinlich einen Hoster wie Blogspot genutzt. Hier wurde die technische Komplexität heruntergebrochen, indem man das Backend einer Firma wie Google übergab.

Spulen wir vor bis heute, sehen wir, dass das meiste, was wir vor zehn Jahren noch unter Bloggen verstanden haben, mittlerweile auf den sozialen Plattformen wie Facebook und Twitter passiert.

Podcasts sind offen, aber auch kompliziert und technisch eingeschränkt. Es wird einen Mittelsman geben, der das alles verbessert, und daraus ein Geschäft für sich machen wird.

Alteingesessene

Wo bleibt bei der ganzen Sache eigentlich das Radio? Dieser Teil ist für diejenigen von uns besonders wichtig, die sich um den Journalismus kümmern. Das öffentliche Radio und die zusammengehörigen Sender haben den digitalen Umschwung besser überlebt als die meisten Firmen, aber deren Publikum hat sich eingependelt.

Es gibt beunruhigende Anzeichen dafür, dass die Stationen die jungen Hörer verlieren. Podcasts sind Teil dieses Verlusts, weil beispielsweise viele Pendler ihre Telefone und internetfähigen Autos dazu nutzen, sich in Shows wie “WTF with Marc Maron” anzuhören, statt ihre örtliche Morgenshow (Morning zoo) zu unterstützen, oder lieber Shows wie Reply All hören, statt dem vergleichsweise trockenen All Things Considered.

Natürlich sind viele der am besten bewerteten Podcasts mit einer Lokalradio-Ausrüstung produziert worden, aber die meisten davon werden noch immer von den terrestrischen Sendern und deren Ansprüchen angetrieben. Die Sendungen sind eine Stunde lang, weil das der einzige freie Sendeplatz am Samstagnachmittag ist. Sie werden von einer teuren Infrastruktur produziert, die dem Senderprinzip angehörig ist. Sie sind nur beschränkt einsetzbar, denn eine neue Sendung in einem Sender hinzuzufügen, bedeutet normalerweise, eine existierende Show herauszunehmen. (An die Print-Leute: Kommt euch das bekannt vor?)

Es gibt natürlich auch Erfolgsgeschichten im öffentlichen Radio: Zunächst wäre da Serial, aber auch Sendungen wie Invisibilia oder Hidden Brain. Einige der größten Sendestationen in den USA setzt mittlerweile auf Podcast-Produktionen. (Im Oktober hat der WNYC angekündigt, ein 15 Millionen teures Projekt namens WYNC Studios aufzubauen, um damit Podcasts zu erstellen.

Es ist allerding nicht sehr schwer, den Einfluss des Podcast auf die Sendungen vorauszusehen, der in den Sendern stattfinden wird. In den USA gibt es mehr als 900 Radiosender, und die meisten sind nicht wie WNYC, sondern überleben, weil sie am ehesten das öffentliche Radio und dessen Inhalte repräsentieren. Meist müssen sich die öffentlichen Radiostationen kaum oder keiner Konkurrenz stellen. Sollte Morning Edition nur eines von vielen hochwertigen Auswahlmöglichkeiten aktueller Audio-Programme während der Autofahrt darstellen, was passiert dann mit dem Rest ihrer Arbeit, beispielsweise ihrem Geschäftsmodell?

Bei den Zeitungen haben sich ein paar Riesen wie die New York Times der Herausforderung stellen können, indem sie ein paar erstklassige Teams zusammenstellten und mit den Neulingen direkt konkurrieren konnten. Aber in den Vereinigten Staaten gibt es fast 1.400 Tageszeitungen, und die meisten davon haben nicht die Möglichkeiten, die Fähigkeiten oder eine ausgeklügelte Strategie, die Aufmerksamkeit ihres Publikums online zu binden. Trotz all dieser Erfolgsmeldungen können Podcasts keine Lösung zur Krise der Lokalzeitungen liefern. Ich denke, dass wir weiterhin dabei zusehen werden, wie die Schere zwischen den WNYCs und den kleineren Radiozielgruppen auseinandergeht.

Die Zukunft, die ich hier erkennen kann, ist nicht nur schlecht. Es wird mehr tolle Shows geben als man überhaupt gucken kann, und es wird viel mehr hochwertige Sachen online zu lesen geben als je zuvor. Wir haben diese Trends aber auch schon vor 10 Jahren sehen können – Professionalisierung auf der einen Seite, den Aufbau von Plattformen auf der anderen. Und es wird wieder passieren. Somit wird ein weiterer Teil des Journalismus auseinandergerissen – es bleibt ein zweischneidiges Schwert.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) “Podcasting” by Nicolas Solop (CC BY 2.0)


 

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Wie Google die Podcast-Welt organisieren möchte

Podcast (image by Ivsu [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Ende Oktober hat Google, endlich, offiziell verkündet, dass es in das Podcast-Geschäft einsteigt, indem sie eine Pressemitteilung herausgegeben haben, dass der Service Google Play den Zuhörern bald “Podcasts bietet” und das dieser neue Service den “Podcastern den Zugriff auf Millionen von neuen Zuhörern auf Android- und Tablet-Geräten bietet”.

Wann genau dieser neue Service in Kraft treten wird, bleibt ein Mysterium, aber Google hat derzeit ein Portal eingerichtet in dem Podcast-Produzenten ihre RSS-Feeds einreichen können, sodass deren Podcasts in den Google Play Listen auftauchen, sobald dieser Dienst den Betrieb aufnimmt.

Die Firma hat auch, vor dieser Verkündung, angedeutet, dass sie begeistert mit ein paar der größten Podcast-Playern zusammen gearbeitet hat – unter anderem Gimlet, Earwolf, Loud Speakers Network und Panoply (mein wunderbarer Arbeitsgeber) – um in einen Entdeckungs/Lern/Forschungs-Prozess zu kommen, in dem man herausfindet, wie ein solcher Service wirklich arbeitet.

Wie ihr euch vorstellen könnt, war dies eine lang erwartete Bekanntmachung, besonders aus den Podcast-Ecken, die sehr oft beklagen, dass dieses Medium Probleme mit Entdeckbarkeit und dem überwiegenden Leiten durch das Apple-Ökosystem hat. (Erinnert euch, dass die Mehrheit des Podcast-Konsums durch die native iPhone-Podcast-App vonstatten geht.)

“Was hältst du davon? Es könnte ein weiterer Punkt in der Beugung von Apple sein, in der Entscheidung die Podcast App automatisch mit iOS zu bündeln”, schrieb mir ein Leser dazu. Vielleicht, vermutlich, hoffentlich. Wir werden sehen. Ich bin nicht einmal fatalistisch oder so – ich meine, es ist fast garantiert, dass das hier zu einer Art von Bodenwelle in der Hörerschaft von Podcasts führen wird.

Aber die wichtige Frage ist, wie viel wir davon sehen werden und die andere Frage ist, was die Makroeffekte dieses neuen Players sein werden, und die andere wichtige Frage ist, wie dies die Art beeinflussen wird, in der Podcaster die Veröffentlichung, Werbung und die Prioritäten in der Hörerschaft-Entwicklung angehen werden.

Zudem, und um fair zu bleiben, ich bin die Art Mensch, die sich nicht einmal sicher ist, ob seine Wohnung noch da ist, wenn ich am Abend nach Hause komme, also nehmt meinen Optimismus nicht als Messlatte.

Dennoch ist Googles Vorstoß ins Podcasten nicht nur außerordentlich spannend, weil es Podcasts und Android-Benutzer besser verbinden könnte, sondern auch weil sie hoffen, eine einzigartige Hypothese zu bestätigen, dass eine organisierte Playlist, oder eine “Concierge Erfahrung”, der Weg dazu ist, dass Podcast-Konsum mehr kultiviert wird.

Um Googles Ansatz zu verstehen, muss man sich zuerst mit ein paar Insides vertraut machen. Die Person, die Google Plays Aufwand leitet, ist Elias Roman, der eine populäre “Concierge-Musik-App” namens Songza geleitet hat, welche Google im Sommer 2014 erworben hat. Songza wollte Zuhörer mit spezifischen Kontext-Playlisten versorgen – zum Beispiel mit einer für den Weg zur Arbeit, oder einige Töne, die gut zu einem schicken Abendessen mit Steak passen.

Dies ist natürlich keine komplett neue, oder originelle Idee. Spotify hat zum Beispiel eine eigene Version dieses Konzepts unter der “Durchstöbern”-Sektion des Programms. Dennoch hat dieser Service die Idee sehr gut umgesetzt, infolge ihrer Beschaffung, und ich habe ihn geliebt in der Zeit, in der er sehr populär war.

Dennoch müssen wir das Offensichtliche ansprechen: Was bei Musik klappt, muss nicht unbedingt für Podcasts oder Hörspiele funktionieren. Zudem muss man mit einbeziehen, dass es zu Situationen kommen wird, in denen die Zugehörigkeit der Podcasts zu der Google Play Music App, für seltsame Benutzererfahrungen führen wird, wenn diese direkt neben der Musik anzufinden sind. (Dieses ähnliche Anliegen habe ich schon damals geäußert, als Spotify verkündet hat, etwas mit Podcasts zu machen. Wo wir gerade davon sprechen, hat jemand diesbezüglich von Updates gehört?)

“Wir haben über viele Sachen nachgedacht”, sagte mir Roman Ende Oktober am Telefon. “Aber uns ist klar geworden, dass wir, wenn wir Podcasts und Musik zu sehr voneinander trennen, dann bieten wir diese nicht den Leuten an, die nicht schon von vornherein danach Suchen.” Diese Ansicht – Podcasts den Leuten zuzuführen, die sie nicht bereits hören oder danach suchen – ist fundamental um Googles Angehensweise bezüglich der Podcastzustellung zu verstehen.

Roman betonte, dass Android-Benutzer, die schon jetzt Podcasts hören, gut versorgt sind. Immerhin haben sie schon aktiv nach einer Podcast-App eines Dritten gesucht. “Ich liebe das Concierge-Format”, sagt er. “Es sieht voraus, was man braucht und bietet es dir dann dar. Interviews und Podcasts sind ein großer Schritt in diese Richtung.

Wie auch immer, hier sind einige der wichtigsten Punkte, über die du Bescheid wissen solltest:

  • Der neue Podcast-Service wird bei der Veröffentlichung auf die USA limitiert sein. Die Idee dahinter ist es, den lokalen Markt zuerst zu erforschen, weil die Konsumerfahrung des US-amerikanischen Podcast-Hörers nicht unbedingt übertragbar ist auf ausländische Märkte. “Wir wollen die Feinheiten des lokalen Kontextes verstehen”, sagte Roman.

  • Die Google Play Podcast-Erfahrung wird wahrscheinlich so ähnlich sein, wie dass, was bereits bestehende Podcast-Hörer von ihren primären Konsumierungsanbieteren erwarten: es wird Podcast-Charts geben, einen Abonnement-Strom und so weiter. Was so viel heißt wie, dass der Benutzer wahrscheinlich keine neue Sprache lernen muss, die sich von dem unterscheidet, was es bereits gibt. Die vorrangigen Bemühungen werden, wie vorher schon gesagt, sein, dass es eine organisierte Playlist-Erfahrung geben wird, welche sich weiter entwickelt von der Concierge-Vision.

  • Es ist noch zu früh, um zu sagen, was wir in Sachen Analytik erwarten können. Roman sagte: “Wir starten mit Abonnenten, Downloads, Zuhörern dieser Episode und dem Level der Show. Und dann werden wir diese über die Zeit weiterentwickeln.

  • Ich habe noch immer keine Idee, was “Google-y” bedeutet.

Okay, jetzt ist es Zeit den Hut der ungezügelten Spekulationen aufzusetzen. Das von der technischen Seite aus Interessanteste ist wahrscheinlich, wie genau Google Play diese Playlisten erstellen wird, vermutlich anhand einer Skala. Ich kann mir vorstellen, dass ein Teil davon auf fortgeschrittenen Prozessen basieren wird, was ausgeklügelte Musikinformationen und Datenplattformen involviert – Sachen wie The Echo Nest, was Spotify letzten Sommer erworben hat, und die Infrastruktur die Pandoras‘ Music Genome Project mit Energie versorgt – welche die Teile auseinanderbrechen, die ein Stück von Audio ausmachen, sodass diese sinnvoll zusammengeführt und gruppiert werden können.

Pandora erklärt in einem Beispiel: Der Song Soundso schließt akustisches Strumming mit ein, zudem ein langsames Tempo, französische Teenager Ennui, und so weiter. Damit wird der Dienst nach diesem Song mit anderen kommen, welche die Narrative dieser einzigartigen Hörererfahrung antreiben. Eine Playlist hat somit eine Art theoretisch-emotionalen Aufbau, welcher versucht einen dazu zu bringen, etwas zu fühlen.

Ich persönlich kenne keine Firma, die diese Paradigmen auf gesprochene Tonaufnahmen anwendet, aber die Gelegenheit ist bereit genutzt zu werden. Sie könnten ein Team aus Forschungsassistenten zusammenstellen, die diese mengenbezogenen, verschlüsselten, qualitativen Erfahrungen anwenden, im Stil einer Graduiertenschule.

Mystery Show ist ein Podcast, der sehr narrativ ist, die Konventionen des Journalismus adaptiert, Musik nutzt, um den Ton zu überbringen und die Handlung voran zu bringen, sie involviert eine weibliche Moderatorin und auch einen Auftritt von Jake Gyllenhaal. Bullseye ist ein Interview-Podcast, der biografisch und erforschend ist und sich um Themen der Kreativität dreht. The Read is* fire hashtag*.

Und so weiter und so weiter, sodass eine zusammengefügte Podcast-Folge so effektiv in seine Metadaten auseinander gebrochen wird, sodass man Handlungsstücke in Reihenfolge bringen und zusammenfügen kann um eine noch bessere Folge zu produzieren.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Teaser & Image by Ivsu (CC0 Public Domain)


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Kleine Podcaster haben Probleme, neue Hörer zu gewinnen

Skullcandy Headphones (adapted) (Image by Brett Levin [CC BY 2.0] via Flickr)

Wie sieht das Podcast-Geschäft für die Betreiber aus? Eine Umfrage deutet an, dass trotz des steigenden Interesses für Podcasts, der größte Teil des Wachstums auf die bereits bestehenden Hörer zurückzuführen ist. /

Es gibt kaum neue Hörer. Die Podcaster sorgen sich nun, wie sie sich neues Publikum und Bezahlmodelle erschließen können. Clammr, ein Unternehmen hinter einer iOS-App, die den Nutzern dabei hilft, Audiocontent zu streamen und zu teilen, führte eine Onlinestudie mit 59 Podcastern durch. Der größte Teil der Befragten setzte sich zusammen aus “wichtigen Podcastern, die den größten Teil der produzierten Podcasts repräsentieren”, sagte Clammr-Mitbegründer Parviz Parvizi, “und keine Shows mit großen Markennamen, die von den großen Sendern kommen.

Das sind vielleicht nicht die beliebtesten Sendungen aller Zeiten, aber diese Leute betreiben ihre Podcasts ohne Hilfe von größeren Unternehmen.

  • Das Interesse an Podcasts hat zugenommen. Zwischen 2014 und 2015 gab es 32 Prozent mehr Suchanfragen bei Google mit dem Stichwort “Podcast”, und 37 Prozent mehr Downloads. Clammr merkt hier aber an, dass dieses “angenommene Wachstum eher von den bereits bestehenden Hörern stammt als von einer gewachsenen Nutzerzahl” und fand heraus, dass “im Mai 2015 die Suchanfragen für Podcasts niedriger waren als beim bisherigen Höchstwert der ersten Podcastwelle im Januar 2006.

  • Das hier sind die Aspekte der Umfrage zur Entwicklung von Podcasts. Die Befragten haben angegeben, mit welchen Entwicklungen sie besonders zufrieden oder unzufrieden sind:

Clammr Podcasts Challenges (Image by Clammr via SlideShare)
Quelle: Clammr

Anders gesagt: es scheint, als wären die Podcaster generell mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln zufrieden. Sie sorgen sich allerdings darum, ob es in ihrem Geschäft demnächst schwieriger werden könnte.

  • Abgesehen von einiger Unzufriedenheit bezüglich der sozialen Medien stellen diese noch immer die wichtigste Quelle für die Verbreitung und Wachstumsraten von Podcasts dar:

Clammr Podcaster Social Media (Image by Clammr via SlideShare)
Quelle: Clammr
  • Apple hat maßgeblich zum Wachstum des Podcastbusiness beigetragen. 82 Prozent derjenigen, die Podcasts auf dem Smartphone hören, tun das auf einem iOS-Gerät, nur 16 Prozent hören sie sich auf Androidgeräten an. Und wiederum hören 78 Prozent der Podcasthörer mit einem iPhone auch über die Apple-interne Podcast-App.

Weitere Ergebnisse der Untersuchung finden Sie hier.

Dieser Artikel erschien zuerst auf NiemanLab. Übersetzung von Anne Jerratsch.


Image (adapted) “Skullcandy Headphones” by Brett Levin (CC BY 2.0)


 

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#LessonLearned: Embedding von Videos, Fotos und Podcasts

Wie geht Embedding im eigenen Blog (Image by geralt [CC0 Public Domain], via Pixabay)

Durch das Embedding von Multimedia-Inhalten, also das „Einbetten“ von beispielsweise Videos, Fotos oder Podcasts, können eigene Beiträge interessanter gestaltet werden. Doch gerade diese für BloggerInnen praktische Funktion ist oft gar nicht bekannt, dabei bieten u.a. mit YouTube, Twitter, Facebook, Instagram und SoundCloud viele große Plattformen die Möglichkeit an, den Content von Dritten rechtssicher zu nutzen und in eigenen Beiträgen zu embedden.

Bei den Netzpiloten nutzen wir die Methode des Embedding von Multimedia-Inhalten, um in unseren Artikeln bestimmte Themen oder Aussagen weiterführend zu behandeln. Anstatt beispielsweise eine angesprochene Rede von jemanden Zitierten wiederzugeben, betten wir das Video der Rede ein, oder geben unseren LeserInnen, durch einen ein Thema behandelnden Podcast, auf unserer Seite die Möglichkeit, über unseren Text hinaus mehr zu erfahren. Hält man sich an die Regeln und achtet darauf, was für Inhalte durch Embedding genutzt werden, stellt dies keinen Rechtsverstoß dar.

Nachfolgend schildere ich für eine Auswahl an sozialen Netzwerken die Möglichkeit des Embedding von Inhalten (grundsätzlich ähnelt sich das Verfahren bei fast allen Plattformen):

1. Videos von YouTube

Embedding von YouTube-Videos im eigenen Blog

Unter jedem YouTube-Video findet sich die Option „Teilen“. Klickt man darauf, gibt es als zweite Möglichkeit das „Einbetten“ von Videos. Hier zeigt YouTube einen HTML-Code an, den man kopieren und in der HTML-Ansicht seines Blog-Editors einfügen kann. Unter der Vorschau des Videos können Nutzer zwischen verschiedenen Größen wählen, in denen das Video angezeigt werden soll oder eine benutzerdefinierte Größe nach den Maßen des eigenen Blogs festlegen. Dadurch können zum Beispiel in einem Beitrag besprochene Videos auch direkt in dem Artikel eingebetten werden, so dass die LeserInnen selber sehen können, ohne die Seite zu verlassen, was gemeint ist. So haben wir am Ende von Patrick Kiurinas Artikel über Slack, den Mitgründer und CEO Stewart Butterfield „selber zu Wort kommen lassen“.

2. Tweets und Videos von Twitter

Embedding von Tweets und Videos von Twitter im eigenen Blog

Während meiner Reise als ElbeBlogger habe ich viele Videos mit der Twitter-App aufgenommen und nach der Aufnahme getwittert. Wenn ich dann über das Erlebte bloggte, habe ich die Videos direkt bzw. die Tweets mit den Videos in den Artikel eingebaut. Ein gutes Beispiel dafür ist mein Artikel über die Elblotsen, in dem es viele kleine Twitter-Videos gibt (am Ende sogar ein Video von YouTube), die den Text perfekt ergänzen. Dazu öffnet man einen Tweet im Browser, klickt auf das Drei-Punkte-Menü und wählt „Tweet einbetten“ aus. Ähnlich wie bei YouTube kann dann ein HTML-Code kopiert und in der HTML-Ansicht des Blog-Editors eingefügt werden. Handelt es sich um ein getwittertes Video, kann dieses auch an sich embedded werden, es empfiehlt sich aber immer den Tweet (auch ohne Foto oder Video) zu embedden, da dann auch der Text angezeigt wird.

3. Fotos und Video von Instagram

Embedding von Fotos und Videos von Instagram im eigenen Blog

Beim Enbedding ähnelt Instagram in der Herangehensweise Twitter. Ist ein Bild oder Video im Browser geöffnet, kann man durch einen Klick auf das Drei-Punkte-Menü am unteren rechten Rand die Funktion des Embedding nutzen. Durch einen weiteren Klick auf den „Embed“-Knopf erscheint der HTML-Code, der wieder kopiert und dann in der HTML-Ansicht des Blog-Editors eingefügt werden kann. Wer in dem HTML-Code die passende Zeile zur Breitenangabe findet, kann auch selber den Code an die Maße des eigenen Blogs anpassen. Fotos und Video werden auf die gleiche Art und Weise eingebettet. Ich habe dies einmal für ein Videoformat genutzt, in dem ich dem Autor Tim Cole interviewte, seine Antworten als Instagram-Videos aufzeichnete und die veröffentlichten Videos hintereinander weg einbettete und nur noch die Fragen in Textform zwischen die Videos setzte.

4. Podcasts und Musik von SoundCloud

Embedding von Musik und Podcasts von SoundCloud im eigenen Blog

Musik nutzen wir (zumindest bis jetzt) auf Netzpiloten.de nicht, allerdings gerne mal einen Podcast oder die Audio-Aufzeichnung eines Interviews. Im Februar haben wir beispielsweise den Vorsitzenden des Bundestagsausschuss „Digitale Agenda“, Jens Koeppen, interviewt und die Aufzeichnung des Interviews auf SoundCloud veröffentlicht und dann die Datei dem Transkript des Interviews vorangestellt. Dazu muss die SoundCloud-Datei im Browser geöffnet und auf „Share“ gedrückt werden. Ähnlich wie bei YouTube wählt man jetzt die zweite Option, „Embed“, und bekommt den HTML-Code angezeigt, den man dann wieder kopieren und in der HTML-Ansicht des Blog-Editors einfügen kann. SoundCloud bietet einem noch die Wahl zwischen drei Größen des eingebetteten Players und noch kleine Individualisierungen, ähnlich wie auch YouTube.


Teaser & Image „Finger“ (adapted) by geralt (CC0 Public Domain)


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5 Lesetipps für den 27. Mai

In unseren Lesetipps geht es heute um Snapchats Börsengang, BuzzFeeds neues Lab, Podcasts, Apples Design und Slack. Ergänzungen erwünscht.

  • SNAPCHAT DIE WELT: Fotodienst Snapchat will an die Börse gehen: Snapchat will an die Börse. Die App ist bis zu 19 Milliarden Dollar wert. Mitgründer und Chef Evan Spiegel sagt, dass der Börsengang notwendig sei, um unabhängig zu bleiben. Allerdings ist der Zeitraum für den Börstenstart noch unbekannt. Anfang des Jahres startete Facebook noch den Versuch, das Unternehmen aufzukaufen, jedoch lehnte das Snapchat Management das Angebot für drei Milliarden Dollar ab. Täglich hat die App 100 Millionen Nutzer, von denen 65 Prozent auch selber Fotos verschicken.

  • BUZZFEED WIRED: BuzzFeed Founder Launches New Lab for Open-Source Invention: BuzzFeed-Gründer Jonah Peretti startet ein neues Open Source Lab für neue Ideen und Erfindungen rund um Journalismus-Technologie. Neue Tools und Technologien, welche Journalismus und die Berichterstattung unterstützen werden als Open Source entwickelt und von 5 Spezialisten weiterentwickelt. Das Ziel des Lab ist es, verrückte neue Ideen zu kreieren, oder wie der Bureau Chef meint: „Screw it. Let’s fly drones.“. Diesen Sommer noch will BuzzFeed Hacker, Journalisten, Ingenieure und Künstler einladen, um deren Ideen zu sammeln. Daraus soll das ein Team zusammengestellt werden, um in dem Lab zu arbeiten.

  • PODCAST SWR2 DOKUBLOG 26.05.2015 Radio und Podcast? Da geht noch was: Sind Podasts lediglich ein Zweitverwertungskanal oder geht da noch mehr? Der Podcast galt als Vehikel einer neuen individualisierten Audiokultur, aber der prognostizierte Wandel ist nicht eingetroffen. Gerade erst hat der WDR 5 einige Podcasts aus Kostengründen eingestellt. Allerdings sollten gerade für öffentlich-rechtliche Sender Podcasts zur Pflichtveranstaltung werden, aus zwei Gründen: Zum Einen ist die Nachfrage gar nicht so gering, zum anderen ist die Kompetenz beim Radio vorhanden, muss also auch genutzt werden. Medien wie Spotify und Soundcloud setzten zunehmend verstärkt auf Podcasts. Zusammenfassend geht es darum, dass wir umschalten sollen, in das Ökosystem Internet.

  • APPLE Horizont: Jony Ive: Der Mann, der es zum Chief Design Officer bei Apple brachte: Jony Ive ist die Schlüsselfigur des Designs der Apple-Geräte. Dieser wurde jetzt zum Chief Design Officer befördert und wird sich damit in Zukunft mehr um das Design der Apple-Stores kümmern und weniger um das Tagesgeschäft. Allerdings wird Ive weiterhin die Verantwortung für das gesamte Apple-Design haben, so Apples Chef Tim Cook. Ive war ein enger Vertrauter von Apple-Gründer Steve Jobs. Ende der 90er Jahre befreite der CDO mit seinem Designkonzept für den iMac das Unternehmen aus der Krise. Auch im aktuellsten Betriebssystem sind Ives Einflüsse deutlich. Auch die Gestaltung des iPods kam aus Ives Feder.

  • SLACK Digiday: Slack is the new favorite tool of newsrooms: Slack ist das neue Lieblingstool der Redaktionen. Der Gruppenchat wird überwältigend in den Verlagen angenommen. Beispielsweise die New York Times: Hunderte von Nutzern posten täglich tausende Nachrichten auf Slack, es existieren über 200 Slack-„Channels“ für diverse Gruppierung innerhalb des Unternehmens. Slack ermöglicht eine verbesserte Zusammenarbeit auch über die eigene Abteilung hinaus, genauso wie es die Transparenz innerhalb der Unternehmenshierarchie vereinfacht. Vox-Media beispielsweise hat einen direkten Channel zur Kommunikation mit dem CEO des Unternehmens. Allerdings besteht das Risiko, dass eine zu häufige Nutzung von Slack die Produktivität senkt. Auch in der Redaktion der Netzpiloten wird Slack mit Begeisterung genutzt.

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5 Lesetipps für den 21. Mai

In unseren Lesetipps geht es heute um Loom-Mitgründer Jan Senderek, sich irrende Algorithmen, Publishing, Spotify und Social Media im Wahlkampf. Ergänzungen erwünscht.

  • STARTUP t3n: Wie ein Kölner Student zum Valley-Millionär wurde: „Loom“ ist ein deutsches Startup, das es mithilfe des Elite-Accelerator Y Combinator nach oben geschafft hat. Mitgründer Jan Senderek hat es an Dropbox verkauft und ist damit nur vier Jahre nach der Universität bereits IT-Millionär. Eine lesenswerte Geschichte, die aber durch die Gestaltung von t3n-Redakteur Moritz Stückler noch einmal aufgewertet wird. Inhalt sowie Design beeindrucken.

  • ALGORITHMUS PandoDaily: Flickr’s and Google’s algorithms are behaving badly: Algorithmen sind heutzutage eine wesentliche Grundlage für eigentlich alles im Digitalen. Wir vertrauen ihnen, aber was ist, wenn sie falsch liegen? Auf Flickr haben Algorithmen Bilder mit falschen Tags versehen – einige davon sind rassistischer Natur. Ähnliches ist Google passiert, denn bestimmte Suchergebnisse, ebenfalls rassistisch, und vor allem durch das Nutzungsverhalten ausgelöst, von dem der Algorithmus lernt.

  • PUBLISHING Digiday: How digital publishers measure their influence: Früher konnte Verlage sich noch damit rühmen, vielleicht das „meist zitierte“ Medium zu haban. In Zeiten digitalen Contents lässt sich das auch für Dritte gut nachvollziehen, zugleich hat das Messen der Reichweite und des Einflusses eine neue Bedeutung bekommen. Doch wie denken Verlage darüber? Lucia Moses hat für Digiday ein halbes Dutzend Verleger gefragt, wie sie ihren Einfluss messen.

  • SPOTIFY Wired: Spotify Wants to Fill an Entertainment Gap That Isn’t There: Manchmal ist man einfach zur falschen Zeit am falschen Ort, so wie vielleicht Spotify. Das schwedische Startup expandiert und möchte bald auch Videos und Podcasts in seiner Streaming-App anbieten. Damit schließt das Unternehmen eine Unterhaltungslücke, die nicht existierte, wie es Issie Lapowsky treffend ausdrückt. Und das könnte das größte Problem werden, denn mit Apple bekommt Spotify einen sehr starken Gegner. Apple verdient im Gegensatz zu Spotify übrigens Geld und könnte den längeren Atem haben, auch wenn Spotify auch spannende Kooperationen setzt.

  • SOCIAL MEDIA Hamburger Wahlbeobachter: Social Media im Bürgermeisterwahlkampf – Deal-Breaker oder Game-Changer?: In einem Gastbeitrag beim Hamburger Wahlbeobachter schreiben Markus Mueller und Thomas Widenka über den von Ihnen verantworteten Online-Wahlkampf für Marian Schreier (SPD), der am 01. März 2015 im Alter von 25 Jahren in der Stadt Tengen zum jüngsten hauptamtlichen Bürgermeister Deutschlands gewählt wurde. Anders als in Kommunalwahlkämpfen üblich, spielten Online-Kanäle in Schreiers Kampagne eine entscheidende Rolle.

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Die beste Podcast-Software für Android, iOS und co.

Mikrofon (image by Ivsu [CC0] via pixabay)

Obwohl Podcasts mittlerweile schon einige Jahre auf dem Buckel haben, werden sie immer noch von vielen Menschen genutzt. Manchen geht es dabei um pure Unterhaltung, andere wollen sich gerne mit bestimmten Themen auseinandersetzen. Doch egal zu welchem Lager man sich selbst zählt, es ist wichtig, einen guten Client zu haben, der die Podcasts verwaltet.

Was kann ein guter Client?

Ein Podcast-Client, oder im englischen Podcatcher, soll im Wesentlichen nur eines tun: Er soll die Podcasts, welche der Nutzer hören will, herunterladen und verwalten. Außerdem soll er dafür sorgen, dass die Podcasts von den jeweiligen abonnierten Kanälen automatisch bezogen werden. Diese Funktionen werden eigentlich von jedem Podcatcher unterstützt. Um aus der Masse der Programme hervorzustechen, muss ein Client über ein einfaches, zugängliches Design verfügen, oder aber viele zusätzliche Funktionen bieten.

Apps für iOS

Apple hatte einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Podcasts. Dieser startet schon beim Namen. Pod wurde sich von dem damaligen Musikplayer iPod entliehen, während das Wort cast vom englischen Wort für Verbreiten stammt. Außerdem fanden die jungen Podcasts auf iTunes eine erste Plattform, mit der sie die Öffentlichkeit erreichen konnten. Auch heute gibt es für Geräte mit iOS die App Podcasts, welche von Apple selbst entwickelt wurde. Die App erfüllt alle Kriterien eines klassischen Podcatchers. Podcasts können sowohl gestreamt als auch heruntergeladen werden, Kanäle können abonniert werden und neue Episoden werden dann direkt nach Veröffentlichung heruntergeladen. Das Design ist sehr einfach gehalten und ist an den normalen Musikplayer auf den aktuellen Apple-Geräten angelehnt. Zusatzfunktionen gibt es wenige, man kann die Abspielgeschwindigkeit ändern und einen Ruhemodus einstellen, welcher einen Podcast nach einer bestimmten Zeit beendet.

Auch die App iCatcher erfüllt alle grundlegenden Bedingungen und verfügt über eine Benutzeroberfläche, welche dem normalen Player von iOS-Geräten ähnelt. Doch diese App verfügt über mehrere kleine Funktionen, welche sie hervorhebt. Es wird eine Gestensteuerung unterstützt, damit man Eingaben vornehmen kann, wenn man das Gerät nicht in der Hand hält. Man kann jederzeit um 30 Sekunden vor- oder zurückspringen und es können mehrere Podcasts auf einmal heruntergeladen werden. Außerdem ist es möglich, eigene Feeds mit Passwörtern zu schützen. Aktuell kostet der iCatcher nur 2,99 Euro.

Apps für Android

Auch auf Android-Geräten gibt es eine Fülle von Apps zum Verwalten von Podcasts. Eine davon ist Pocket Cast. Diese App gibt es zwar auch für iOS, doch in der Android-Version kommt sie in Googles Material Design daher und fügt sich somit recht nahtlos an das Design vertrauter Apps an. Auch die Zusatzfunktionen können sich sehen lassen. Es ist zum Beispiel möglich, durch eine Einstellung Sprechpausen zu verkürzen. Somit können bei einem längeren Podcast mehrere Minuten eingespart werden. Außerdem kann die Lautstärke von Podcasts bis über das normale Maß erhöht werden. Dies ist nützlich, wenn die Sprecher zu leise sind oder zu weit vom Mikrofon entfernt sind. Pocket Cast kostet gerade 2,99 Euro.

Die App Podcast Addict hat neben gängigen Features eine Besonderheit im Repertoire. Diese App lässt sich mithilfe einer Smartwatch steuern. Auch Benachrichtigungen über neue Podcasts oder abgeschlossene Downloads können über Android Wear angezeigt werden. Das Programm kann auch als eigener Player für MP3s oder für Streams genutzt werden. Podcast Addict ist im vollen Umfang kostenlos, jedoch muss man dafür ein Werbebanner am unteren Bildschirmrand in Kauf nehmen. Wer dieses entfernen oder den Betreibern eine Spende zukommen lassen will, der kann im Play Store die App Podcast Addict für 2,49 Euro kaufen.

Apps für Windows

Auch für das Windows Phone gibt es einige Apps, mit welchen man Podcasts verwalten kann. Eine davon ist PODCASTS!. Diese App kann man sich ebenfalls auf einen PC mit Windows 8 herunterladen. Das Design ist an den Windows App Store angelehnt und kommt sehr farbenfroh daher. Außerdem kann man den Player auch außerhalb der App jederzeit bedienen.

Die App Podcast Lounge gibt es nur für das Windows Phone. Das Design ist sehr einfach gehalten, sieht aber durch seine dunkle Farbgebung und den verschnörkelten Hintergrund recht schick aus. Die App kann dem Nutzer selbst Playlists aus verschiedenen Podcasts zusammen stellen. Hierbei wird besonders auf das Verhältnis von Audio zu Video geachtet. Der Hersteller wirbt außerdem damit, die stärkste Podcast-Suche auf dem Windows Phone zu besitzen. Podcast Lounge kostet 2,99 Euro, eine Testversion kann man kostenlos herunterladen.

Apps für Linux

Auch für das Open-Source-Betriebssystem Linux gibt es Podcatcher, diese haben jedoch einen deutlich geringeren Umfang als Apps auf anderen Systemen, da sie meist von wenigen Personen erstellt wurden. Der bekannteste Podcatcher dieser Art ist wahrscheinlich gPodder. gPodder ist natürlich Open Source und lässt sich auf vielen Geräten installieren, darunter Linux, Windows, Mac OS und Android. Auf einem Computer sieht das Design nicht sonderlich gut aus (meiner Meinung nach), das Design der Android-Version ist jedoch ganz schick.

Erwähnenswert ist auch jPodder. Bei dem Programm handelt es sich um einen Podcatcher, welcher komplett in Java geschrieben wurde. Auch wenn Java einen eher schlechten Ruf bei Desktop-Programmen hat, so verfügt jPodder doch über alle grundlegenden Funktionen eines Podcatchers. Es hat sogar eine intelligente Download-Funktion, welche immer nur den neuesten Podcast herunterlädt.


Teaser & Image „Microphone“ (adapted) by Ivsu (CC0 Public Domain)


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Soundcloud entwickelt sich zu einer Podcast-Plattform

Soundcloud öffnet sich für Podcasts

Nach erfolgreicher Beta-Phase startet Soundcloud eine Podcast-Funktion und gibt der Plattform ein ganz neues Wesen.

Soundcloud öffnet sich für Podcasts

Seit heute können Nutzer auf Soundcloud auch Podcasts hochladen und von dort aus teilen. Mit verschiedenen Funktionen möchte die soziale Audio-Plattform sich der Podcasting-Community öffnen und somit eine neue Zukunft des Podcastings einläuten. Mit der neuen Funktion von Soundcloud ist es noch einfacher, seine Podcasts auf der Plattform hochzuladen, zu beschreiben und zu teilen.

Wenn man nicht wüsste, dass Podcast bis jetzt auf Soundcloud nicht unterstützt wurden, würde man es wohl nicht glauben. Die Plattform hat sich bisher nur der Musik verschrieben, obwohl es schon seit Jahren auch Podcasts auf Soundcloud gibt. Mit den neuen Funktionen wird dies jetzt noch zunehmen, denn die für Podcast optimierte Oberfläche von Soundcloud ist nun nach einer Beta-Phase mit 15.000 Testern ausgerollt.

Podcasts können nun beispielsweise durch den RSS-Feed in verschiedene Podcast-Apps gespielt werden. Dieser kann unter dem Tab „Permission“ aktiviert und verändert werden. Im Creator Guide von Soundcloud wird genauer beschrieben, welche Möglichkeiten Nutzer damit haben. Der Embedded-Player wurde für den Launch der Podcast-Funktion neu gestaltet und lässt den Zuhörern die Sharing-Möglichkeiten verstärkt wahrnehmen. Twitter Audio Cards, Statistiken und die Integration weiterer sozialer Netzwerke machen den viralen Charakter sozialer Medien jetzt auch für Podcasts möglich.

Soundcloud öffnet sich für Podcasts

Was wie eine Erweiterung der Funktionalität von Soundcloud aussieht, ist viel mehr ein grundlegender Wechsel des Fokus. Anstatt eine Plattform für Musik zu sein (was meiner Meinung nach nie wirklich geschafft wurde), könnte Soundcloud das für Podcasts werden, was YouTube für Videos ist (oder war). Es gibt zwar viele kleinere Podcast-Plattformen, aber bis auf iTunes hat keine eine vergleichbar zentrale Bekanntheit, wie es Soundcloud schon jetzt mitbringt. Und Podcast-Formate werden immer wichtiger für Publizierende.

Doch mit der neuen Ausrichtung auf Podcasts muss Soundcloud das Problem des internationalen Rechtemanagements in den Griff bekommen. Der von Adam Ragusea auf Netzpiloten.de geschilderte Fall der Aberkennung von wesentlichen Rechten eines Journalisten aufgrund verschiedener internationaler Urheberrechtsgesetze, ist ein ernsthaftes Problem. Neben wirtschaftlichen Aspekten der die kostenintensiven Produktionen rechtfertigenden globalen Distributionsmöglichkeiten, werden wesentliche Rechte der Presse- und Meinungsfreiheit davon gestört.

Um das Problem in den Griff zu bekommen, hat Soundcloud sich Unterstützung von dem kalifornischen Unternehmen Zefr geholt, die auch die Rechteverwaltung für YouTube übernommen haben. Ähnlich wie auf der Videoplattform, könnten Beiträge, die gegen das Urheberrecht verstoßen, monetarisiert statt gelöscht und die Rechteinhabern an den Einnahmen beteiligt werden. Soundcloud bezeichnete die Kooperation als „wichtigen Schritt, um ein kreatives Ökosystem, von dem alle Produzenten von Musik und Audio profitieren“ zu etablieren.

Mit dem im Mai startenden Podcast „Curation Talk„, der auch monatlich beim Internetradio Detektor.fm ausgestrahlt werden wird, werden wir Netzpiloten die neue Podcast-Funktion von Soundcloud intensiv testen. Schon jetzt nutzen wir die Plattform für unsere Audio-Beiträge. Daneben versuchen wir aber auch eine Plattform unabhängige Methode, bei der wir den kommenden Podcast auf dem Cloud-Speicherdienst Google Drive hosten werden.


Teaser & Images by Soundcloud


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Slate verdoppelt sein Podcast-Publikum

Mikrofon (adapted) (Image by florantevaldez [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Das Online-Magazin Slate konnte im letzten Jahr seine Podcast-Hörerschaft verdoppeln – auf Audio und gegen Video gewettet zu haben, macht sich bezahlt. Das Serial Spoiler Special – der Podcast von Slate, der wöchentlich die neuesten Serienepisoden analysiert – war der schnellste veröffentlichte Podcast, wenn man die Zeit misst, die zwischen Idee und Debüt vergangen ist.

Vier Wochen, nachdem der Podcast ‚Serial‘ veröffentlicht wurde, hat jeder darüber gesprochen, sagt Andy Bowers, der ausführende Produzent des Podcast auf der Website. Ich habe einen Anruf von einem Redakteur bekommen, der vorschlug: ‚Wieso nehmen wir nicht einfach die Gespräche auf, die wir so führen, und machen einen Podcast über den Podcast?‘ Und ich meinte: ‚Super Idee!‘ Zwei Tage später haben wir ihn dann gegründet.

Manche fanden, dass die Idee eines Podcasts über einen Podcast ein bisschen zu sehr auf der Metaebene angesiedelt sei, und nannten sie absurd. Es gibt ein lustiges Video auf Youtube, das sich über die Fans von Serial lustig macht, über ihre Besessenheit und wie sie Willens waren, noch tiefer in den Kaninchenbau einzudringen.„Mann, erzähl mir nichts über den Slate-Podcast – ich liebe den Slate Podcast!“, sagt eine Figur in dem Video.

Ich habe jede Folge gehört. Jetzt hab ich sogar angefangen, den Podcast über den Slate Podcast zu hören, und jede Woche, wenn eine neue Folge vom Slate Podcast veröffentlicht wird, gibt es auch von dem anderen eine neue Folge, und sie sprechen darüber, was sie im Slate-Podcast besprechen werden.

So absurd sich das wahrscheinlich für Leute anhören mag, die keine Fans von Serial sind – das Serial Spoiler Special war ein Riesenhit und hat hunderttausende von Downloads pro Folge generiert.

„Eine Riesenmenge von Leuten, die auch Fans vom Serial Podcast waren, haben auch angefangen, diesen Podcast zu hören. Außerdem gelangten völlig neue Hörer in die Reichweite des Slate-Podcasts, und wir fanden das super“, meint Julia Turner, Chefredakteurin von Slate.

Die Reichweite, von der sie sprach, hat innerhalb der letzten Jahre erheblich zugelegt. Laut Bowers haben die rund 14 Podcasts im Monat etwa sechs Millionen Downloads, und das Publikum hat sich in einem Jahr verdreifacht. Natürlich verdankt man einen Teil dieser Zahlen dem Erfolg von Serial, das Millionen neue Hörer in das Medium gespült hat. Aber Slate hat auch ziemlich früh recht hoch gepokert, noch lange bevor man davon ausgehen konnte, dass Podcasts überhaupt in den Mainstream gelangen würden. Man investierte stark in das Audioformat und machte sich bereit, auf der Trendwelle zu reiten, als sich endlich Millionen neuer Kunden ein Smartphone zugelegt hatten und erkannten, dass sie sich damit auch Audiodateien zum zeitsouveränen Nachhören herunterladen konnten.

Die Wette lief noch, während viele der Medienkonkurrenten ihre Aufmerksamkeit vermehrt auf Onlinevideos lenkten. Man ließ sich von der hohen TKP-Rate und den Werbeclips verführen, die vor dem eigentlichen Video eingeblendet werden konnten. Viele der etablierteren Printmedien investierten beträchtliche Summen, um ihren Online-Videos und das zugehörige Personal etwas aufzumöbeln. Im Jahr 2013 veröffentlichten die beiden Medienunternehmen Meredith und Scripps diverse neue Webserien. Noch im gleichen Jahr stellte die New York Times Rebecca Howard ein, die vorher Vizepräsidentin bei 20th Century Fox gewesen war. Sie sollte die Videoabteilung leiten und vergrößern.

Aber wahrscheinlich hat kein Unternehmen so sehr auf das Videoformat gesetzt wie BuzzFeed. Das Unternehmen hat gerade erst ein Angebot von 50 Millionen US-Dollar angenommen, hauptsächlich um die Abteilung BuzzFeed Motion Pictures zu vergrößern, die überwältigende 4,5 Milliarden Views im Jahr 2014 erzielen konnte.

Slate hat derweil das Videoformat nicht ignoriert (tatsächlich produzieren sie damit einige ihrer eigenen Programme und stellen regelmäßig virale Videos aus dem ganzen Internet zusammen), aber die Podcastangebote sind wesentlich bedeutender. Hier hat sich eine eifrige, beinahe fanatische Hörerschaft gebildet – viele von ihnen stehen sogar freiwillig Schlange, um bei einer Livesession dabei zu sein. Aber wieso erkannte Slate, dass sie mit ihrem Format einen solchen Erfolg haben würden, während andere Absatzmärkte, wie die New York Times und der Boston Globe ihr Audioangebot eher zurückgeschraubt haben, um das Videoformat mehr zu fördern?

Wenn man von Slates ersten Schritten in die Podcastwelt hört, lernt man alles über die Entstehung des Mediums selbst, denn man konnte fast von Anfang an daran teilnehmen. Es erschien kurze Zeit, nachdem Dannie Gregoire das Wort ‚Podcast‚ geprägt hat.

Seit fast einem Jahrzehnt hat Bowers nun für NPR gearbeitet, immer in Phasen, die ihn von London bis zum Weißen Haus brachten. Im Jahr 2003 entstand schließlich eine Zusammenarbeit zwischen Slate und NPR – eine Nachrichtensendung mit dem Namen „Day to Day„.

Ich bin bei Slate als Mitarbeiter von Day to Day eingestiegen, sagte Bowers. So konnte ich meinen Posten bei NPR behalten, aber die Mitarbeiter auswechseln. Außerdem war es meine Aufgabe, den Leuten bei Slate zu zeigen, wie man Radiosendungen produziert und wie man Studios in die Büros baut, damit diese von NPR benutzt werden konnten.

Auf diese Weise gelangte Bowers in die richtige Position, um Slate ans Podcasting heranzuführen. Er experimentierte mit der Plattform und las anfangs Artikel von Slate einfach direkt vor, so dass die Leser sie unterwegs anhören konnten. Sogar mit diesem eher spärlichen Angebot erreichte man pro Veröffentlichung über 10.000 regelmäßige Hörer. Bowers leitete auch eine wöchentliche Diskussionsrunde mit John Dickerson, dem Berichterstatter aus der Politiksparte.

Aber die wirklich wichtige Erkenntnis kam Bowers, als er bei den wöchentlichen Redaktionskonferenzen seine Ohren spitzte:

John und seine Kollegen in Washington führten irrsinnig witzige Unterhaltungen. Es hörte sich an, wie ich es von Reportern nur an der Bar oder nach Talkshows gewohnt war. Ich dachte mir, wenn ich einfach ein Mikrofon in den Konferenzraum stellen könnte – das wäre super lustig. Die Leute würden die wirklichen Unterhaltungen hören, die die Reporter miteinander führen.

Diese Eingebung wurde zu einer Show namens „Political Gabfest“ (dt.: etwa: ‚politischer Kaffeeklatsch‘), eine einstündige Show, präsentiert von Dickerson, dem ehemaligen Redakteur David Plotz und Emily Bazelon und ist heute einer der beliebtesten Podcasts.

Es wurde daher bald angenommen, dass Bowers die Macht hatte, all seine Kraft in das Podcast-Netzwerk von Slate hineinzustecken, als NPR die Absetzung von „Day to Day“ beschloss. Ihn erstaunte die Intimität, die dieses Format ausmachte. Nachdem er ein Jahrzehnt beim Radio verbracht hatte, hatte er vermutet, dass dies das intimste und direkteste Medium wäre. Jedoch stellte er fest, dass Podcasting einen Schritt weiter ging. Die Zuhörer abonnieren eine Sendung und fühlen sich so als Mitglied eines Clubs. Nie war dies offensichtlicher als bei der ersten Aufnahme des Political Gabfest, das von Slate vor einem Livepublikum veranstaltet wurde.

Ich glaube, das erste Mal war so um die Zeit der Amtseinführung von Obama im Jahr 2009„, erinnert er sich. „Wir entschieden uns für eine Liveshow, weil wir dachten, es wären eine Menge Leute wegen der Amtseinführung in der Stadt. Also buchten wir einen Veranstaltungsraum. Wir hatten wirklich keine Ahnung, ob nun 10 oder eher 100 Leute auftauchen würden. Es endete damit, dass die Leute um den ganzen Häuserblock herum Schlange standen.

Dieses glühende Fatum zeigt, wieso Slate und die anderen Podcast-Netzwerke in der Lage sind, solche hohen Werbesätze einzufordern – viel mehr als man normalerweise für Onlinewerbung verlangen kann. Weil die Werbung oft von den Gastgebern selbst vorgelesen wird – oftmals auf eine kreative Weise – fühlen sich die Podcast-Hörer nicht genötigt, vorzuspulen.

Während einer unserer ersten Liveshows, die von Audible.com gesponsert wurde, spielte David Plotz die Audible-Werbung vor dem Publikum nach, sagt Bowers. Er sagte: ‚Political Gabfest wird präsentiert von … naja, das wissen Sie ja sowieso alle‘, und das ganze Publikum rief ‚Audible.com‘. Als das geschah, meinte ich, ok, das scheint ziemlich effektiv zu sein.

Weil Slate sich nicht den Beschränkungen der traditionellen Radiosender unterwerfen muss, konnte man mit dem Format innerhalb der letzten zehn Jahre viel herumexperimentieren. Zusätzlich zu den regelmäßigen Shows versuchte man sich an inoffiziellen Audiotouren, die an berühmten Touristenattraktionen vorbeiführten. Eine von ihnen wurde von einem Kritiker in der Met aufgezeichnet.

Ich hörte mir das Ganze am nächsten Tag nochmal an, weil ich gerade in New York war, erzählte Bowers. Ich habe mich immer noch tot gelacht, zum Beispiel wenn erzählt wird, wie wertlos ein bestimmtes Gemälde von Picasso sei. Wir haben danach Emails von Leuten bekommen, die erzählten, wie sie vor dem Museum standen und sich vor Lachen kaum halten konnten, und die Museumswächter schauten sie an, als ob sie den Verstand verloren hätten.

Slate hat sogar mit einer One-on-One-Verbindung zwischen Gastgeber und Fans experimentiert. Mit dem Erfolg der Liveshows begann man, Tickets für private Cocktailpartys zu verkaufen, die vor den Shows mit den Gastgebern stattfinden sollten. Mittlerweile sind diese nach wenigen Minuten ausverkauft.

Obwohl man offen für Experimente war, hat Slate die Ressourcen gedrosselt und man wurde wählerisch, wenn man den Mitarbeitern eine neue Show zuteilte. Ich frage mich, ob man Berechnungen über die potentielle Publikumsgröße einer bestimmten Nische gemacht hatte und ob das Publikum Werbeträger annehmen würde. „Es gibt nicht ansatzweise so viel Publikumsanalyse, wie Ihre Frage andeutet“, meint Turner, die ebenfalls Gastgeberin beim Political Gabfest ist.

Ein großer Teil des Erfolgs von Serial macht aus, dass wir selbst viele Podcasts hören, und deshalb darüber nachdenken, was wir mögen. Dies passiert gar nicht so sehr auf strategischem Wege und das hilft uns festzulegen, wie ein Podcast aussehen müsste, der Spaß macht.

Eine der letzten Veröffentlichungen von Slate ist zugleich eine der ehrgeizigsten. Vor einem Jahr hat Mike Pesca, ein langjähriger NPR-Korrespondent, der selbst für „Day to Day“ berichtet hat, verkündet, er würde den Sender verlassen und einen eigenen täglichen Slate-Podcast namens „The Gist“ (dt.: etwa „Das Wesentliche“) ins Leben rufen.

Sobald ich ihn getroffen hatte, hatte ich denselben Eindruck, den viele Leute im Radio hatten: dieser Typ war hinter dem Mikrofon unfassbar talentiert und sollte seine eigene Sendung haben, sagt Bowers. Und aus irgendeinem Grund wollte NPR ihm keine Sendung geben.

‚The Gist‘ ist eine Art tägliches Nahrichtenmagazin, in dem Pesca sein einmaliges Talent für Wortspiele zeigt, während er über aktuelle Geschehnisse referiert. Zum Ruhm verhalf ihm sicherlich auch eine kleine Zusammenfassung auf „This American Life“. „The Gist“ wurde bald zum beliebtesten Podcast bei Slate.

Jeder regelmäßge Podcasthörer hat sicherlich mitbekommen, dass die meisten Podcast-Sponsoren „direct-response advertisers“ sind. Es ist einfach, ihre Berechnung des „Return on Investment“ zu erkennen, denn die Hörer werden angehalten, einen speziellen Werbecode einzugeben, um beispielsweise Rabatt zu bekommen. Die Herausforderung ist, dass Slate nun Marken auf eine Weise ködern muss, die deren Bekanntheit erhöht, aber nicht direkt den Verkauf beinhaltet. Laut Bowers ist Slate in einer einmalig günstigen Position, um diese Firmen ins Boot zu holen, denn Slate ist – anders als die anderen Podcast-Netzwerke – in ein großes Medienunternehmen eingebunden. „Wir sind mit einer großen Webseite verbunden und so hatten wir viele lange Jahre Werbeunternehmen, die bei Slate und bei den anderen Podcasts eingebunden wurden.“ Beispielsweise sponserte Acura die neueste Livetour des Gabfestes und bot ab und zu auch einen Testlauf für Teile des Publikums an. Ein anderer Podcast, bei dem Plotz der Gastgeber ist, wird von Delta gesponsert.

Es gibt noch eine Möglichkeit, wie Slate davon profitieren kann, zugleich Podcast und Nachrichtenseite zu sein – nämlich durch „Fremdbestäubung“ zweierlei Arten von Publikum. Dies erlaubt gleichermaßen, die Recherche auszuweiten und die Marke zu stärken. Man verwandelt gelegentliche Leser in Hardcore-Fans, die einem in fast jedes Medium folgen.

Ich habe durchaus schon Emails von Leuten bekommen, die sagten: ‚Hey, ich höre deinen Podacst jetzt schon seit Jahren und habe endlich auch die Seite angeklickt, um einen Artikel zu lesen, von dem du gesprochen hast. Hier gibt es viel tolle Sachen und ich komme jetzt jeden Tag wieder.‘, sagt Turner. Ich kriege auch Briefe von Leuten, die sagen: ‚Meine Güte, ich habe jeden Tag deine Seite gelesen und du sprichst die ganze Zeit über Podcasts. Ich habe mir schließlich einen angehört und jetzt bin ich absolut bekehrt.‘

In einer Welt, in der Werbung sich weniger für die Pageviews interessiert und sich mehr auf die Loyalität des Publikums konzentriert, kann man sich schwer vorstellen, dass besagtes Publikum einem noch ergebener sein kann als ohnehin schon.

Zuerst erschienen auf simonowens.net. Übersetzung von Anne Jerratsch.


Image (adapted) „Mikrofon“ by florantevaldez (CC0 Public Domain)

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