Alle Beiträge zu KOLUMNE

Neue Provinz: Forschungsprojekt CoWorkLand

Tobias Kremkau
Warum Neue Provinz? Die erste Ausgabe der neuen Kolumne erklärt die Titelwahl. Ich glaube fest daran, dass Coworking Spaces auch auf dem Land funktionieren können. Genau genommen weiß ich es sogar, denn ich habe solche Coworking Spaces schon besucht und inzwischen von noch mehr gehört und gelesen. Vor fast drei [...]
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Ökonomie gone wrong: Wie Vulgärkapitalisten semantisch und faktisch die Welt dominieren

Kolumnen_Gunnar_1
Der Erfolg „exponentieller Organisationen“ wie Facebook und Youtube erklärt sich nach Ansicht des Next Act-Konferenzmachers Winfried Felser ebenso wenig mit alten Vorstellungen von Mensch und Ökonomie wie das Problem innerlicher Kündigungen, wie es von Gallup & Co. dokumentiert wird, die eben deutlich machen, dass der Mensch kein Homo Oeconomicus ist, der deterministisch [...]
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Das Ende des Börsenkapitalismus: Thomas Sattelberger über das Design von Ökologien

Kolumnen_Gunnar_1
Wer über Transformation redet, müsse sich auch selber ein Stück transformieren, so das Credo von Thomas Sattelberger in einer Paneldiskussion mit Heinrich Arnold, Chef der Telekom-Unternehmensberatung Detecon auf der Kölner Konferenz #NectAct2020. Das gilt auch für die neue Phase des politisch Spätberufenen ehemaligen DAX-Vorstand, der mit Ende 60 in den [...]
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Das IoT – Gefahren und Chancen im Internet of Things

Vernetzte Produkte begegnen uns in allen Lebenslagen: Das sogenannte Internet of Things (IoT) berührt zunehmend alle Lebensbereiche. Was vor wenigen Jahren noch Zukunftsmusik war, ist heute praktisch Alltag. Und doch ist das Internet der Dinge gerade am Scheideweg. Einerseits können vernetzte Produkte richtig Spaß machen und, zumindest manchmal, sogar sehr [...]
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Neue Provinz: Der Verlust des Dorfes

Tobias Kremkau
Warum Neue Provinz? Die erste Ausgabe der neuen Kolumne erklärt die Titelwahl. Im Herbst 2008 nahm ich an einer Versammlung im Bürgerhaus des schönen Heidedorfs Lindhorst teil. Mein dort lebender Schwiegervater nahm mich mit, denn mich interessierte dieser demokratische Prozess sehr. Die Menschen aus Lindhorst diskutierten, ob sie im Vorfeld [...]
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Ein Russischer Diplomat muss gehen, 700 US-Unternehmen bleiben

Kolumnen_Rainer2
In Dublin wird wieder an allen Ecken und Enden gebaut. Es gibt einerseits zu wenig Wohnungen und andererseits entsprechen viele Bürogebäude nicht mehr den Ansprüchen zahlungskräftiger Mieter. Gerade im Bereich der sogenannten „Silicon Docks“ am Hafen. Hierbei handelt es sich oft um US-Unternehmen, die ihren Mitbewerbern folgen und ihre Europazentralen [...]
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Regulierungskunst im monopolistischen Datenkapitalismus #Techlash

Kolumnen_Gunnar_1
Demokratie, Daten und schmutzige Tricks, so wird derzeitig über die Techkonzerne im Silicon Valley debattiert. „Sie sind keine Opfer. Sie sind Komplizen: Facebook nach Datenleck-Skandal im Kreuzfeuer“, titelt die absatzwirtschaft. „Durcheinander bei Facebook nach den Whistleblower-Enthüllungen: Die belegen, dass das Social Network zwei Jahre lang ein Datenleck ignorierte, das die [...]
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Neue Provinz: Hinter dem Tellerrand liegt die Welt

Tobias Kremkau
Warum Neue Provinz? Die erste Ausgabe der neuen Kolumne erklärt die Titelwahl. Vor drei Jahren saß ich das erste Mal mit dem Bürgermeister der Einheitsgemeinde Tangerhütte, Andreas Brohm, spätabends in einer Gaststätte. Zusammen sprachen wir über die Altmark und das Potenzial im ländlichen Raum. Andreas war noch nicht lange Kommunalpolitiker, [...]
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Stolpern Amazon & Co. über die Daten-Gier der US-Regierung?

Kolumnen_Gunnar_1
„Digitale Plattformen schaffen Netzwerkeffekte“ – so erklärt der Ökonom Nick Srnicek vom King’s College in London völlig unspektakulär aber dennoch treffend, die uns umgebende und beherrschende Plattform-Ökonomie. Das ist nicht vergleichbar mit verteilten Produktionsketten, Subunternehmen und modularisierten Produkten, die man beispielsweise aus der Autoindustrie kennt. In der Industrie dominieren lineare [...]
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Borderliners: Irland, Trump & Brexit

Kolumnen_Rainer
Am Anfang kommt erst mal das Ende. Ich hatte in meiner Reihe “CheckUp Ireland” für die Netzpiloten über irische Tech-Themen geschrieben. Als die “Chefpiloten” dann wegen einer neuen Kolumne an mich herantraten, lag das Thema Brexit als eine Art Bogen für die Kolumne auf der Hand. Und warum “Borderliners”? Erinnert [...]
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Neue Provinz: Coworking in der Peripherie

Tobias Kremkau
Vor über zwei Jahren trat ich die Stelle als Coworking Manager des St. Oberholz in Berlin an. An diesem urbanen Hotspot hat man viel mit der Zukunft der Arbeit zu tun. Dies liegt wahrscheinlich zum einen in der Natur eines Coworking Space, aber unsere Nachbarn rund um den Rosenthaler Platz [...]
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Von der Bullshit-Ökonomik zur narrativen Netzökonomie

Kolumnen_Gunnar_1
Birger P. Priddat, Professor für Wirtschaft und Philosophie, hat einen genialen Weg gefunden, das Lehrgebäude der Ökonomik in seinen Grundfesten zu zerlegen. Die Wirtschaftswissenschaftler betrachten ihre akademische Disziplin bekanntlich wie eine soziale Physik, weil sie so genau, präzise und logisch sei. Problem: Dieser Glaube existiert nur in den Köpfen der [...]
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Kommentar: Ein Jahr Huffington Post in Deutschland

Huffington Post Deutschland (Bild: t3n)
Die Huffington Post Deutschland feiert am Freitag Geburtstag – Zeit für eine bis jetzt versäumte Kritik zum Jubiläum. // von Tobias Schwarz Diesen Herbst erlebt die deutsche Medienlandschaft eine Neuerung nach der anderen. BuzzFeed ist hierzulande gestartet, Krautreporter folgt bald und die deutsche Wired erlebt gerade einen Erneuerungsprozess. Mit einem [...]
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Damals war’s… als ich in der Zukunft war

High Speed Internet (adapted) (Image by ReindeR Rustema [CC BY SA 2.0], via flickr)
Als ich Ende 2011 von München nach Berlin zog, ließ ich nur mein schönes Zimmer im Schlachthofviertel links der Isar zurück, sondern auch meinen 100 Mbit/s-Internetanschluss, den ich damals seit rund einem Jahr von einem lokalen Telekommunikationsanbieter bezog. Diese Geschwindigkeit kannte ich bis dahin nur von meinem Arbeitsplatz bei CHIP [...]
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Das „Recht auf Vergessen“ gefährdet die Pressefreiheit

zensur (adapted) (Image by httpmoty66.ipernity.com [CC BY 2.0] via Flickr)
Das vermeintliche „Recht auf Vergessen“ entwickelt sich immer mehr zur Grundlage von willkürlicher Zensur – die Pressefreiheit ist in Gefahr. Im Mai 2014 urteilte der Europäische Gerichtshof, dass es ein „Recht auf Vergessen“ geben würde und „unter bestimmten Umständen“ Google Verweise auf Artikel aus den Suchergebnissen der eigenen Suchmaschine entfernen [...]
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Wir sind WWW-eltmeister!

Die Mannschaft auf dem Weg zur Fanmeile, Berlin (15.07.2014) (adapted) (Image by mw238 [CC BY-SA 2.0] via Flickr)
Cloudcuckoohome – Geschichten aus der digitalen Wolke! Hier resümiert die Netzpiloten Kolumnistin Miriam Pielhau regelmäßig über ihr tagtägliches Leben in der digitalen Welt. Wir sind Weltmeister!“ Oder phonetisch korrekter: „Wiä sind Wältmeistaaaaaaa!“ Seit dem magischen Sonntagabend habe ich diesen Satz gefühlte hundert Male glücklich gequiekt, gelacht, gesungen. Auch Tage später [...]
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WordPress sei Dank

Wordpress Button Closeup (adapted) (Image by Titanas [CC BY-SA 2.0] via Flickr)
WordPress ist die Grundlage einer Community, die sich vielleicht stärker als solche auch wahrnehmen muss. Mitte Juni nahm ich in Hamburg an meinem ersten WordCamp teil und dieses Treffen mit der WordPress-Community offenbarte mir eine bis dahin übersehene Tatsache: Ohne WordPress wäre ich heute nicht da, wo ich bin. Zeit [...]
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#FTOJ14: Sechs Lehren für den Online-Journalismus

Beim 10. Frankfurter Tag des Online-Journalismus des Hessischen Rundfunks sprach der Journalist Holger Schmidt über die Monetarisierung von Online-Journalismus. // von Katharina Brunner Unser Autorin Katharina Brunner ist heute beim 10. Frankfurter Tag des Online-Journalismus (#ftoj14) des Hessischen Rundfunks und hat in einem Storify den Vortrag des Journalisten Holger Schmidt, [...]
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Wie das Berufspendeln bekämpft werden kann

17 Millionen Menschen kommen in Deutschland am Tag auf die Strecke zur Sonne und zurück. Vom täglichen Irrsinn des Berufsverkehrs. Früher haben sich die Menschen – mangels Verkehrsmittel – ihre Arbeit dort gesucht, wo sie lebten: „Im Jahr 1900 verließ gerade einmal jeder zehnte Erwerbstätige auf dem Weg zur Arbeit seinen Wohnort. Vor 60 Jahren war es noch jeder vierte. Heute verlassen 60 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ihre Gemeindegrenze, um zu arbeiten – in Deutschland sind das über 17 Millionen Menschen“, schreibt „Zeit“-Redakteur Claas Tatje. 67 Prozent der Berufspendler fahren mit dem Auto zur Arbeit, versauern im Stau, belasten die Umwelt und ärgern sich über den Verlust an Lebensqualität. Der durchschnittliche Besetzungsgrad im Berufsverkehr liegt nach Analysen des Umweltbundesamtes bei rund 1,2 Personen pro PKW und ist damit der niedrigste aller Fahrtzwecke. 8,5 Millionen sind täglich länger als eine Stunde unterwegs. Rund sechs Millionen fahren mehr als 25 Kilometer zu ihrem Arbeitsplatz.

Allein Letztere bringen es – alle zusammengerechnet – am Tag auf die Strecke zur Sonne und zurück. Und obwohl viele von ihnen leiden, sucht kaum ein Unternehmen nach Antworten auf die Frage, wie es seinen Pendlern das Leben erleichtern könnte, damit sie gesund bleiben und vor allem entspannt“, so Tatje. Dabei läge es doch im Interesse der Wirtschaft, Lösungen für die Folgen des täglichen Pendelwahnsinns zu finden. Arbeitgeber stellen Kindergartenplätze, bieten Genderseminare an, bemühen sich um den Betriebssport und legen Programme für die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter auf. Doch kaum einer macht sich in den Führungsetagen ernsthafte Gedanken, wie man die Belastungen im Berufsverkehr reduzieren könnte.

Die Macht der Berufspendler

Täten sich alle Pendler in Deutschland zusammen, dann würden sie mehr Stimmen auf sich vereinen, als CDU und SPD zusammen bei der Europawahl erreichen werden, sie hätten mehr politischen Einfluss als der ADAC und eine größere Kaufkraft als alle Rentner. Pendler sind eine sehr unterschätzte Macht am Arbeitsmarkt. Und eine sehr unzufriedene. Der durchschnittliche Berufstätige verabscheut nämlich nichts so sehr wie den Weg ins Büro“, führt der „Zeit“-Wirtschaftsredakteur weiter aus, der zu diesem Thema ein Buch geschrieben hat, das Ende Mai erschienen ist: „Fahrtenbuch des Wahnsinns – Unterwegs in der Pendlerrepublik.

Viele Organisationen könnten Abhilfe schaffen:

Für nahezu alle Berufszweige und jede Unternehmensgröße stehen Technologien zur Verfügung, um Arbeit intelligenter zu organisieren. Video und Mobilität sind dabei entscheidende Treiber. Durch die Videotechnologie bekommt die Kommunikation eine ganz neue, persönlichere Qualität. In kürzester Zeit hat sie sich im privaten Bereich durchgesetzt und greift nun auch immer stärker auf die Geschäftswelt über. Dank mobiler Lösungen können via Internet dezentrale Arbeitsplätze organisiert werden. Arbeitszeiten lassen sich leichter von der Rush Hour entkoppeln, die Präsenz in Unternehmen ist seltener notwendig. Beide Aspekte können sich positiv für Berufspendler auswirken“, so die Empfehlung von Jürgen Signer, Deutschlandchef von Aastra, Spezialist für Kommunikationstechnologien.

Der Boss steht nicht im Stau

Marketing-Professoren prognostizierten schon in den 1980er-Jahren ein Ende der Dienstreisen als die ersten noch recht umständlichen und teuren Systeme für Videokonferenzen in den Vorstandsetagen eingeführt wurden.

Heute könnten komplette Abteilungen und selbst Universitätsvorlesungen über Cloud-Technologien organisiert werden. Dennoch dominiert weiterhin das Dogma der Präsenz in Organisationen von Wirtschaft und Staat. Tätje erwähnt in seinem Pendler-Opus die Arbeitspsychologin Antje Ducki, die die betriebliche Mikropolitik untersucht hat: „Je mehr ich mich im Unternehmen zeige, desto eher spiele ich dabei mit. Hier ein kleines Lächeln, dort ein Plausch auf dem Flur und jeden Mittag eine Verabredung zum Essen.“

Karriere wird mit Sichtbarkeit am Arbeitsplatz gleichgesetzt. Diese Illusion hegen und pflegen zumindest viele Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Fast alle Chefs sehen keinen Vorteil darin, wenn sich Pendler – wann immer möglich – selbst die Arbeitszeit einteilen. Amerikanische Wissenschaftler veröffentlichten im Blog der „Harvard Business Review“ eine Untersuchung darüber, welche Mitarbeiter bei ihren Chefs am beliebtesten sind. Das Ergebnis: Wer früh um 7 Uhr anfängt, schneidet in der Gunst der Vorgesetzten besser ab als einer, der den exakt identischen Job um 11 Uhr antritt. „Der Boss steht ja nicht im Stau. Und wenn, dann in der klimatisierten Limousine“, so Tätje.

Zentralisierung nimmt zu, Ballungszentren überlastet

Begleitet wird das Credo „Nur wer im Büro sitzt, arbeitet auch“ vom Trend zur Zentralisierung. Der „Zeit“-Redakteur nennt einige Beispiele: Etwa Verlage wie Gruner & Jahr, die Zeitschriftenredaktionen zur Verlagszentrale nach Hamburg umsiedeln. Selbst Kirchen zentralisieren wie etwa das Diakonische Werk, das mit dem Evangelischen Entwicklungsdienst zum Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung fusionierte und nur noch in Berlin stationiert ist. Obwohl fast jeder technologisch so ausgestattet ist, um mit seinem Laptop dezentral zu arbeiten, gibt es immer weniger Beschäftigte, die überwiegend oder manchmal von zu Hause arbeiten, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung nachgewiesen hat: Seit 2008 ist die Zahl dieser Erwerbstätigen um 800.000 zurückgegangen, obwohl die Zahl der Beschäftigten insgesamt um 1,5 Millionen angestiegen ist.

Die Ballungszentren werden voller und teurer, ländliche Regionen hingegen verlieren Unternehmen und Arbeitskräfte. Bislang hat man diese Entwicklung nur in Ostdeutschland vermutet, mittlerweile gibt es diese Entwicklung auch in Westdeutschland. Es ist also ein generelles Problem, dass manche Regionen regelrecht ausbluten, da die Überalterung zusätzlich damit verbunden ist, dass die jungen und mobilen Leute diese Regionen verlassen.

Wenn Arbeitsministerin Andrea Nahles den Abschied vom Anwesenheitswahn in Unternehmen fordert, sollte Infrastruktur-Minister Alexander Dobrindt schleunigst mit Taten folgen. Wir sollten es für eine Industrienation technisch uneingeschränkt können und müssen die Arbeit dort hinbringen, wo die Menschen leben. Gerade für dezentrales Arbeiten als Cloudbelegschaft in räumlich verteilten Teams brauchen wir eine Breitbandigkeit, die diesen Namen auch verdient. Strukturschwache Regionen muss man mit einer besseren digitalen Infrastruktur aufwerten“, fordert Thomas Dehler vom Berliner Dienstleister Value5.

Ein Teufelskreis: „Jene Regionen, in denen Firmen abwandern oder Nachwuchskräfte das Dorf oder den ländlichen Raum verlassen, büßen entsprechend Steuer- und Gebühreneinnahmen ein. Es fehlen Finanzmittel, um Infrastruktur zu finanzieren. Eine Kommune kann diese Beträge dann nicht mehr selber stellen“, erläutert Dehler.

Kompetenz für Distanz-Management entwickeln

Wer Vertrauen in die eigenen Mitarbeiter habe, kann sich auch mehr mit den Möglichkeiten dezentraler Arbeit beschäftigen. Es gebe inzwischen viele Instrumente, Teams virtuell zu führen und stärker am Ergebnis zu messen als an der Präsenz im Unternehmen.

Wer mehr Autonomie über Zeit und Ort in der Arbeitswelt zulässt, erhöht extrem die Zufriedenheitswerte bei Mitarbeitern. Wer weniger Zeit im Berufsverkehr verbringt, ist ausgeglichener und kann sich mehr um seine sozialen Kontakte kümmern“, betont Dehler.

Räumlich verteiltes Arbeiten sei technologisch lösbar. Kompetenzen im Distanz-Management könne man lernen: „Jeder weiß aus eigener Erfahrung, dass die Anwesenheit im Büro nicht gleichgesetzt werden kann mit guter Arbeit. Wenn diese Erkenntnis in der Wirtschaft wächst, ist ein erster Schritt getan, um die Belastungen für Berufspendler zu reduzieren“, so die Erfahrung von Dehler.

Nachweisbare Medienkompetenz sollte nach Ansicht von Josephine Hofmann vom Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO deshalb zu einem zentralen Auswahlkriterium für Führungs- und Koordinationsaufgaben avancieren und auch bewertbare Größe in Führungssystemen werden.

Wenn wir uns vom Status der Pendlerrepublik verabschieden wollen, reichen Placebo-Maßnahmen wie Shuttle-Services, Fahrgemeinschaften oder der Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel nicht aus. Insofern sind die Mobilitätskonzepte der liebwertesten Gichtlinge von Umweltbundesamt und Verkehrsministerium etwas kurzatmig, da sie nur den Umstieg auf Bahn, Bus oder Fahrrad empfehlen.

Wir müssen die Arbeit zu den Mitarbeitern bringen und dürfen Arbeit nicht mit Anwesenheit verwechseln. Um den Stress des Pendelns für Mitarbeiter zu reduzieren, sollten die Ursachen und nicht die Symptome bekämpft werden. Jeder nicht gefahrene Kilometer entlastet den Verkehr, senkt die Emission von klimarelevanten Treibhausgasen um 141 Gramm pro Personenkilometer und macht Menschen stressfreier.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf The European.

 

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Schreiben & Lesen – früher & heute

Cloudcuckoohome – Geschichten aus der digitalen Wolke! Hier resümiert die Netzpiloten Kolumnistin Miriam Pielhau regelmäßig über ihr tagtägliches Leben in der digitalen Welt.

Es war ein Krickel und Krackel. Mit Eselsohren und eingerissenen Seiten. Und es hatte am Ende nicht viel Schönes. Ehrlich gesagt. Egal, wie man es drehte und wand: Als ich die ausgedruckte Buchfahne zu „Radiergummitage“ – also, mein, ähm, „Werk“ auf 351(!) DIN A4 Seiten – zum dritten Mal durchgearbeitet hatte, sah sie aus, wie eine lange, penibel korrigierte Deutsch-Leistungskurs-Klausurarbeit. Eine sehr, sehr, SEHR lange Klausurarbeit. Und SEHR akribisch korrigiert. Durchgestrichene Passagen mit Kuli. Angemarkerte Sätze, die nicht wegfallen durften. Ideen zur späteren Ausarbeitung mit Bleistift am Rand. Farblich gekennzeichnet waren überdies durch die Gegend geschobene Absätze. Und nicht zu vergessen die 1 Millionen Post-Its mit Anmerkungen.

Ich fragte mich schon bei Abgabe dieser Korrektur sorgenvoll, ob das ein Lektor jemals a) verstehen, b) meiner Idee folgend in eine ansprechende Form und c) überhaupt in den Druck bringen konnte. Um das Finale vorweg zu nehmen: es hat alles geklappt. Holldrijo. Nun, gut. Ich hätte auch eine andere Möglichkeit gehabt. Es gab eine Alternative zur Chaosvariante. Die Erstversion des Romans nach dem gründlichen Lektorat kam digital. Mit nachvollziehbaren Änderungen und Bemerkungen. Mit Randnotizen oder auf dem Bildschirm bunt gemachten Verbesserungsvorschlägen. Ich verstand alles. Nahm alles (was an Änderungen angemerkt war) an. Digital und im Herzen. Und kapitulierte… Jede weitere Arbeit an diesem Dokument, müsste von nun an händisch von statten gehen, stellte ich für mich fest. Dieses Rumfrickeln in diesem übergroßen Word-/Pages-Dokument an dem Computer-Monitor strapazierte meine Geduld und überforderte mich maßlos. Weil sich irgendetwas in mir immer noch gegen „book auf dem macbook“ sträubte. Ich meine, ich bin nicht umsonst bislang noch nicht zur vollends begeisterten eBook-Leserin geworden. (Kann ja noch werden. Ich versuche es immer wieder.) Aber noch liebe ich zu sehr mein Taschenbuch in der Hand. Die Knicke und Falten in den Seiten. Beziehungsweise vielmehr: das Gefühl, dass das Papier angefasst, geblättert und gelesen wurde. Und nicht nur im Regal stand. Ich finde es großartig, dieses haptische Erlebnis der Abendlektüre, das mit einem auf den Bauch gedrehten Buch auf dem Nachtisch endet. Und dieser geherzten Routine folgend, brauchte ich also den Ausdruck für den ultimativen Eindruck vor Andruck. Wie gesagt: es ist nichts schief gegangen. Aber: es hat mich zum Nachdenken gebracht. So romantisch die Vorstellung vom Schriftsteller an seiner Schreibmaschine mit Blick auf provençalische Landschaften sein mag – so wenig hat das mit uns zu tun. Mit der Lebenswirklichkeit der Generation „@“. Und das ist gut so. Ich bin dankbar, nicht jede Seite neu abtippen zu müssen, nur weil ich drei Tage nach ihrer Beschriftung feststelle, dass ich über die Hälfte anders schreiben will. Ich bin glücklich, dass ich keine mehreren tausend Seiten im Copyshop kopieren muss (wie haben die das früher gemacht?), um sie an diverse Verlage zu schicken, die alle Interesse an meinem Roman haben. Ich mache drei Kreuze, dass das Netz uns derlei heute wirklich erspart. Holl-dri-jo. Sagte ich das bereits? Dass das Web die Welt verändert (hat), ja, uns verändert (hat) ist nicht neu. Dass es Bedenkenträger gab und immer wieder gibt – mal zu Recht und mal zu Unrecht – auch nicht. Ich will mich auf das konzentrieren, was meine kleine Welt beschäftigt. Und das war im Schaffensprozess des Buches das eben geschilderte. Und noch etwas mehr. Als es um die Planung und Abwicklung der Lesereise ging, trudelte eine Anfrage ein, die mir kurz Stirnrunzeln machte. Alle Beteiligten, vor allem die Profis vom Verlag, sagten „Doch, doch, das ist seriös. Und auch cool. Mach das.“ Ich stutzte dennoch. Lesung. Für mich hieß das bislang: zu einer Buchhandlung oder in ein kleines Theater fahren – auf interessierte Buch-Afficionados treffen – Kapitel oder mannigfaltige Auszüge präsentieren – danach Fragen beantworten – Bücher signieren – Gespräche haben – nach Hause gehen. Oder eher: ins Hotel. Schlafen, am nächsten Morgen Heimfahren oder zum nächsten Leseort. So. Jetzt kullerte ein neues Wort aufs Spielfeld. Es hieß „Online-Lesung“. Ein zunächst irritierendes Schlagwort, das mich innehalten ließ. Ich sollte, so der Gedanke, eine Lesung abhalten bei meinem Verlag. Nur ohne Publikum. Dafür aber mit Kamera und Ton und Assistenten und Technik und pipapo. Aha. „Und das funktioniert?“ Meine Skepsis war nicht zu überspüren. „Ja. Die Leute lieben das. Hat was exklusives.“ Was Exklusives. Soso. Dabei ist es doch kosten- und aufwandlos. Für alle (die Internet haben). Mehr oder weniger leblos aus dem Netz. Zweidimensional. Und damit nur eine schale Kopie von „echt“. Oder? Hat das wirklich Wert? Das war meine Frage. Am Tag der Lesung herrschte emsiges Treiben. Der Raum und mein spezieller Performance-Ort mit Tisch und Stuhl und Deko wurden hübsch hergerichtet, als würden Staatsmänner empfangen. Das Catering entsprach dem auch. Fast. Noch 10 Minuten bis zum Lesungsbeginn. Als ich den mir zugedachten Platz einnahm, mich allein wähnte mit dem Zimmer, der Wortlosigkeit und den zauberhaften, aber eher stillen Organisatoren dieser Lesung, zögerte ich innerlich. Ich begann ein Paar Absätze aus meinem Buch laut vorzutragen. Die Worte standen regungslos im Raum. Niemand, der sie in sich aufnahm oder reagierte. Konnte ich das so? Wollte ich das so? Noch 5 Minuten. Ich fand erstaunlich schnell eine Antwort. Und die lautete eindeutig: nein. Also stand ich auf und suchte meine Verbündeten. Die Verlagschefin, die Leiterin der Lesungen, die Chef-Assistentin, mein Lektor und so weiter und so fort. Kurzum: alle, die noch zu dieser unbürokratischen Stunde im Büro waren. Noch 1 Minute. Dann legte und las ich los. Zartes Hüsteln und Kichern an der ersten Stelle, an der geschmunzelt werden durfte. Ich fühlte mich ermutigt und erzählte meine Geschichte noch theatralischer weiter. Lautes Giggeln. Plötzlich einige große Lacher. Ich musste auch lächeln, blickte auf in die Kamera, die mich die ganze Zeit bei meiner Vorleserei beobachtete und stellte mir vor, wie die, die uns von Zuhause aus folgten, jetzt auch vor sich hin grinsten. Das fühlte sich gut an. Von diesem Augenblick an. Bis zum Schluss. Als ich am Ende des Vortrags zu Fragen aufrief, ließ sich die Netzgemeinde nicht lange bitten. Im Gegenteil. Schon während der Lesung waren bei Facebook und Twitter jede Menge Interessenten aktiv gewesen und hatten das gepostet, was sie wissen wollten. Also, diametral anders als beim analogen Event. Wo man nicht selten das Publikum gerade am Anfang mit einigen liebevollen Schubsern ermuntern muss, sich einzubringen. Nein. Hier sprudelten die Fragen und ich war dankbar, so viele unterschiedliche Dinge beantworten zu dürfen. Nach über einer Stunde wurde die Sitzung beendet. Meine Wangen glühten. Und die Stimme krächzte ein wenig. Hatte sie doch auch 70 Minuten lang mehr oder weniger ohne Punkt und Komma, in jedem Fall aber ohne Pause erklingen müssen. Dann lehnte ich mich zurück. „Zufrieden, Jungens?“ fragte ich in die Richtung der Organisatoren, die keck hinter ihren Monitoren hervor lugten. „Jawohl. Da war ja einiges los. Schön.“ „Da war einiges los. Stimmt…“ Das Signieren fehlte mir ein wenig. Und das ins-Gespräch-kommen mit Leuten, die das Werk, in dem 3 Jahre Arbeit, viel Liebe und Herzblut drinstecken, bereits konsumiert haben. Dafür, so dachte ich mir, haben das heute vielleicht Leute gesehen, die sonst gar nicht zu einer Lesung gekommen wären. Oder es rein körperlich vielleicht nicht hinbekommen hätten. Es konnte jeder, der wollte. Das kleine kulturelle Event – nur einen Klick entfernt. Für die nächste Online-Lesung beim nächsten, ähm, Bestseller, wünsche ich mir übrigens einen Ohrensessel in einem kleinen Landhaus. Vorzugsweise mit einer dekorativen Schreibmaschine neben mir. Und dem Blick frei auf eine schöne Landschaft. Die Provençe zum Beispiel.

 

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Partei zu ergreifen ist etwas Verkommenes – Warum nur?

Der Ohnmacht über das Ausmaß staatlicher Überwachung und das Nichtstun der Bundesregierung folgt… Wut? Ignoranz? Oder wirklich Engagement? Eine Definition für Politik lautet, dass der Begriff „die aktive Teilnahme an der Gestaltung und Regelung menschlicher Gemeinwesen“ bezeichnet. Doch was bedeutet das? Einige von uns waren im Herbst und am vergangenen Sonntag wählen, geändert hat sich aber nichts und wenn, dann nicht gerade zum Guten. Machen wir als Bürger noch genug Politik oder lassen wir das inzwischen andere machen? Machen wir überhaupt etwas?

Fragen über Fragen…

Edward Snowden sitzt immer noch im bald endenden Asyl in Moskau, an der Überwachung soll inzwischen nicht der Staat sondern Unternehmen wie Google Schuld sein, gegen die der Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel gerne rabiat vorgehen möchte, obwohl es staatliche Geheimdienste sind, die die Wirtschaft ausspionieren und gewählten Volksvertretern werden via Bundesregierung rechtliche Konsequenten angedroht, sollten sie die millionenfache Verletzung der Bürgerrechte ohne Einschränkung untersuchen und aufklären wollen. Schaut man sich die Entwicklungen der letzten 12 Monate an, bekommt man es nach der anfänglichen Ohnmacht über das von Edward Snowden aufgedeckte Ausmaß der Überwachung unserer Leben langsam mit dem Gefühl der… was eigentlich? Was fühlen wir gerade? Ist es Wut auf das System? Ist es ein stärkerer Verdruss über die Politik oder Langeweile über die täglichen Berichte?

Was hat sich seit Snowden eigentlich geändert? Bei einigen die Signaturen unter ihren E-Mails. Ich möge doch jetzt bitte meine Kommunikation verschlüsseln. Mit zwei beruflichen Kontakten chatte ich jetzt mit Threema. Es sei denn sie schreiben mir eine Mail von ihrem Gmail-Konto an meine Gmail-Mailadresse. Und sonst? Bei den letzten beiden Wahlen haben sich Parteien durchgesetzt, die zum einen nichts gegen die Überwachung der Bevölkerung durch Geheimdienste haben bzw. wirklich unternehmen seitdem sie die politische Macht im Lande errungen haben und die die Möglichkeiten der Ermittlungsbehörden noch ausbauen wollen, in die Privatsphäre von Bürgern hinein zu schauen. Ist es soviel besser, dass die Überwachung freundliche Gesichter bekommen hat, die keine ernsten Mienen haben, keine US-Uniformen tragen und uns im September noch einen Luftballon oder eine Bratwurst am Wahlkampfstand geschenkt haben?

… und die Suche nach Antworten

Wenn in Dokumentationen die Studentenproteste der 60er Jahre damit begründet wurden, dass es eine Unzufriedenheit über die herrschenden Gesellschaftszustände gab, frage ich mich, warum wir kaum demonstrieren oder überhaupt eine Form von Widerstand leisten. Auf der diesjährigen re:publica forderte Sascha Lobo die scheinbar am Internet interessierte Masse auf, sich politisch zu engagieren (oder zumindest Geld zu geben). Persönlich sehe ich keinen netzpolitischen Verein, der zur Zeit auch nur einen Euro wert ist. Entweder sind sie so parteinah, dass eine Spende jeder für sich ausmachen muss oder sie sind dermaßen elitär und hierarchisch organisiert, das ich sie nicht unterstützen kann, da sie trotz guter Ziele und Kampagnenarbeit meinen persönlichen Idealen nicht entsprechen.

Sollte jemand an dieser Stelle die Lust verspüren, die eierlegende Wollmilchsau der Netzpolitik-Vereine zu gründen, kann er oder sie aufhören weiterzulesen und mir schreiben, wo ich spenden kann. Alle anderen müssen jetzt noch ein paar Gedanken zu politischem Engagement in Parteien lesen.

Obwohl wir in einer parlamentarischen Demokratie leben, in der Parteien eine vom Grundgesetz hervorgehobene Rolle spielen, scheint es so, als ob sich politisch in einer Partei zu engagieren, die gesellschaftliche Ausgrenzung zur Folge hat. Partei zu ergreifen ist etwas Verkommenes. Dabei ist es wichtig zu engagieren, egal in welcher demokratischen Partei. Es gibt natürlich Gründe, warum ich mich für eine bestimmte Partei entschieden habe und nicht für eine andere, aber dass trifft ja auf jedes Mitglied einer Partei zu. Aber allen ist gemeinsam, dass sich Mitmenschen hier für Themen einsetzen, die ihnen wichtig sind. Es ist nicht leicht in einer Partei Mitglied zu sein. So basisdemokratischer eine Partei ist, um so schwerer wird es sogar. In den Parteien werden aber auf unterschiedlichste Art und Weise gesellschaftliche Forderungen in Programme und Agenden formuliert, die bei einem Wahlerfolg in Regierungsprogramme übernommen werden. Das ist jetzt stark vereinfacht ausgedrückt, aber im Grunde trifft es, warum parteipolitisches Engagement viel mit Verantwortung zu tun hat und deshalb wichtig ist. Und zum Glück gibt es nicht wenige Menschen, die dazu noch bereit sind.

Engagiert euch!

Politik in einer Partei geht nicht über Tweets oder Online-Petitionen. Sie erfordert Engagement in Form von Zeit und auch Nerven. Dabei gewinnt und verliert man Abstimmungen, man schließt Kompromisse, macht sich Freunde und Feinde, aber in welcher organisierten Anhäufung von Menschen ist das nicht der Fall? Sich zu engagieren ist wichtig. Auch als jemand aus einer sehr politischen Familien, der Politikwissenschaften studiert hat, wurde mir erst nach Stéphane Hessels Buch „Empört euch!“ richtig klar, wie wichtig es ist, sich selber einzubringen und aktiv an der Gestaltung und Regelung unseres menschlichen Gemeinwesens teilzunehmen. Das muss nicht immer mit Netzpolitik zu tun haben oder in Parteien stattfinden. Für verkehrsberuhigte, autobefreite und radfreundliche Straßen kann man sich genauso engagieren wie gegen Nazis, verfehlte Wohnmarktpolitik oder irgendwie alles, für das Gunnar Schupelius eintritt. Jeder nach seiner Façon. Wichtig ist nur, dass jeder einzelne dazu bereit ist, unsere Gesellschaft mitzugestalten, denn mit jedem Menschen, der das nicht mehr ist, wächst die Macht einiger wenige, die aus anderen Gründen dazu bereit sind.


 


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„Vom Suchen und Tindern der Liebe“ Miriam Pielhaus neuste Kolumne

Cloudcuckoohome – Geschichten aus der digitalen Wolke! Hier resümiert die Netzpiloten Kolumnistin Miriam Pielhau regelmäßig über ihr tagtägliches Leben in der digitalen Welt. Nine hat das Unmögliche geschafft. Würde es „Wetten, dass…“ noch etwas länger als für drei Ausgaben geben, ich hätte gewettet, dass das niemand jemals hinbekommt. Und: ich hätte mit schlingernden Pauken und jammernden Trompeten verloren. Denn Nine hat es tatsächlich geschafft. Nine ist eine wundervolle Frau aus meinem nahen Umfeld und „Medienmensch“-Kollegin sozusagen. Sie alle kennen Nine vermutlich aus Ihrem Fernseher oder aus Zeitschriften. Nine heißt natürlich in Wirklichkeit nicht Nine. Aber das ist nebensächlich. Das Unmögliche, das ihr gelungen ist: Nine hat mich zu einem Online-Dating-Portal gebracht. Und da bin ich nun. Schon seit 6 Wochen. Und so fing alles an. Nine hat eine Cousine, die kurz davor ist, ein endlos langes Studium zu seinem hoffentlich glanzvollen Ende zu bringen. Diese Cousine schreibt für ihren Bachelor in Soziologie über ein sicherlich hochtrabendes Thema, für das sie Kennenlern-Netzwerke, Dating-Portale und entsprechende Apps testet. Testen muss. Zufälligerweise ist die Cousine auch gerade alleinstehend – aber auch das ist bitte nur eine Randnotiz der Geschichte, die Sie hoffentlich schmunzeln lässt. Nun. So landete die Cousine bei einem dieser Dienste Tinder. Und so war auch meine (im Berufsleben „berühmte“) Freundin Nine, kurze Zeit später mit eigenem Profil dort vertreten. Zunächst kichernd, halb beschämt, halb belustigt. Ein Stück weit „aus purer Neugier, haha“. Weil die App fix geladen ist, so simpel funktioniert und „alles kann – nichts muss“ vermittelt. Aber – der Vollständig- und Ehrlichkeit halber sei angemerkt: Nine trug auch ein kleines Brötchen Hoffnung im Rucksack. Denn Nine ist seit einigen Jahren Single. Nicht ungern, nein nein. Dennoch nicht mit dem Ziel, es für immer zu bleiben. So. Und jetzt halten Sie sich fest: Seit Nine die App am Start hat (2 Monate), hat sie fast schon ein Dutzend Dates gehabt. Echte Dates. Kaffee trinken, Spazieren gehen, Dinner for two, Kino. Und immerhin einmal hat sie sogar geknutscht. Und das sogar „äusserst vielversprechend“. Ich war baff, als sie mir das erzählte. Wie sie es online angestellt habe, dass nicht jeder sofort kapierte, dass sie die Madame aus der Glotze sei, und sie allein aufgrund dieser Tatsache mal „in echt“ treffen wolle, mag ich wissen. Anderer Vorname und nur schemenhafte oder etwas weich gezeichnetere Profilbilder, sagt sie. Sich selbst ein wenig verschlüsseln. Das ginge schon. Außerdem seien ihr sogar einige männliche TV-Kollegen über das Display geschliddert. Also, dieses Dating-Ding, das sei offenkundig Massen- und äääh Medienmenschen-kompatibel. Ich weiß, was sie meint. Und nicke beeindruckt. Sie berichtet. Wer sich anmeldet, erstellt ein Profil. Mit Fotos, Alter und bei Bedarf irgendeinem schlauen Satz oder Absatz zu sich selbst. „Allein das.“ sagt sie, während sie mir die Funktionsweise zeigt, „Wer Carpe Diem oder PartyPartyParty als Lebensmotto angibt oder irgendein Schrott-Zitat aus einem Blümchen-Roman rauskopiert, wird direkt weggeklickt.“ Das Auswahlprinzip ist einfach und erinnert an MTVs „Hot or not“. Wen man nicht sympathisch, spannend oder wenigstens irre attraktiv findet, der wird per „X“ zur Seite gewischt. Jemand, der einen auf irgendeine Art interessiert, den kann man mit einem Klick aufs „Herz“ versehen. Das kriegt dieser Jemand aber nicht mit. Genauso wenig bekommt er die manchmal garstige Ablehnung zu spüren, die mit einem „Nope“-Stempel versehen auf dem eigenen Display erscheint, sobald ein Anti-Kandidat eben für „Anti“ befunden wurde. Erst, wenn ein „Herz“-Mann beim eigenen Profil auf „Herz“ drückt, erscheint das magische „It‘s a match“. Und ab da darf es losgehen. Die App hat eine eigene Kommunikationsplattform, wo gechattet wird. „Und das ist enorm aufschlussreich. Enooorm! Wenn du nur ein bisschen genauer hinliest“, erklärt Nine. Wie einer mit Worten umgehe. Welche Fragen er stelle. Mit welchem Tempo er sich der wildfremden Person nähere. Welche Interessen er habe. Was er von sich preisgebe. Und auf welche Art. Wie fix er ein echtes Treffen und vor allem wo und auf welche Art einfordere und so weiter und so fort. Etliche „matches“ habe sie relativ schnell auslaufen lassen, harte/hartnäckige Fälle könnten blockiert werden, oder aber sie sei freundlich aus der Konversation ausgestiegen. So zum Beispiel bei einem, dem es nur um das Eine ging. Der das Social Network eher als Social Bedwork verstand. Das habe jener aber relativ bald mit immerhin größtmöglichem Stil und in aller Höflichkeit tatsächlich offensiv abgefragt. Nachdem sie die Absicht nicht teilte, wünschten sich beide viel Erfolg bei der weiteren Suche und „einen schönen Sommer in Berlin.“ „Das kann ich gar nicht glauben,“ entfährt es mir. Ich muss ein reichlich dämliches Gesicht gemacht haben seinerzeit. „Dann probiere es halt aus. Du merkst recht schnell, ob das zumindest theoretisch passen könnte. Bis zum Date musst du keine Telefonnummern austauschen. Und selbst dann – eigentlich auch nicht. Verabreden geht auch so diskret über diese App, wie alles davor.“ Soweit war ich damals noch nicht. Ich ließ Nine daten. Und mir von den Erlebnissen erzählen. Nun, was sie kund tat, machte, dass die Augenbrauen in die Höhe stiegen. Bis auf eine Ausnahme waren es ausschließlich kluge, geistreiche, höchst angenehme Typen, die Nine kennengelernt hatte. Schöne Nachmittage verbrachte sie oder Abende. Kein Funkensprühen zwar. Aber auch keine vergeudete Zeit. Ein paar „Huch“-Momente gab es wohl, als die Herren der Schöpfung realisiert hatten, wen genau sie da zum grünen Tee einladen. Aber ansonsten: keine nennenswerten Aussetzer. Keine! Wow. Im Gegenteil. Schönes-neue-Leute-Kennenlernen. Jenseits von „Noch‘n Sektchen?“-Promiparties. Nur mit „ich hatte höhere Erwartungen, vermutlich.“ Was das Scheitern erklärte.Höhere Erwartungen? Tja. Die Erwartungen. Das ist – laut der Cousine, die sich wissenschaftlich mit dem Thema auseinandersetzt – das „kleine, aber entscheidende“ Problem an der Sache. Eine Psychologin, die sie befragt hat, beschreibt das so: wer online kennenlernt, sich über die schriftliche Kommunikation annähert, sehr exklusiv – im Chat-Tète-à-Tète – der baut sich ein Bild auf. Ob er will oder nicht. Und das wird immer bunter und blumenreicher, manchmal auch idealisierter, je länger oder intensiver der Austasuch, das Kennelernen andauert. Das Erkunden des Anderen hat nur das Wort. Kein bewegtes Bild, keinen Klang der Stimme, kein Geruch, keine Stimmung, keinen menschlichen Eindruck. All das wird erst hinzugefügt, wenn sich die beiden Hauptdarsteller der Romantic Comedy im wahren Leben treffen. Und anders als bei der gelernten Analog-Variante (zum Beispiel: Partynight – Boy/Girl meets Girl/Boy in der Bar – beide sehen sich – entscheiden sich dafür, dass genau sie sich die Nacht gemeinsam um die Ohren schlagen wollen – Drama oder Happy End) hat der Erstkontakt im Leben – eine „Vorgeschichte“. Er ist eben nicht jungfräulich. Und daher ist die Fallhöhe groß. Und gewissermaßen das häufige Scheitern vorprogrammiert. Aber – selbst wenn? Ist das verwerflich? Macht es das Daten wertloser? Und erst recht, wenn es das ehrliche Stück Brot im Gepäck dabei gibt – die Hoffnung auf die große Liebe… Ich meine: Wer lernt schon 11 ansatzweise aufregende Menschen in 6 Wochen kennen. Und trifft diese auch noch zum meist höchst entspannten, individuellen Stelldichein. Sie erinnern sich? „Alles kann – nichts muss“ – das war das Angebot. Und dieses Versprechen wurde gehalten, augenscheinlich. Meine Ausbeute zu früheren Single-Zeiten war deutlich ärmer. Insofern: warum eigentlich nicht?! Zack. Nine hatte es geschafft. Ich habe mich angemeldet. 4 Wochen bin ich nun dabei. Sortiere X-se von Herzen. Plaudere mit „It‘s a maaatch“-Kerlen manchmal tagelang nur über gähnend langweiliges Zeug (und sehne das Einschlafen des Chats herbei) oder tausche mich über wirklich faszinierendes aus. Getroffen habe ich noch keinen. Schüchternheit? Rest-Respekt vor der ungewohnten Flirtform? Oder noch keiner, der zu hohe Erwartungen erfüllen oder enttäuschen könnte? Man wird sehen. Denn: ich wurde bereits äusserst kreativ (viele, viele Bonuspunkte vorab) um ein Treffen gebeten. Ich gebe zu: das macht mir ein wenig Flirren ums Herz. Und dabei ist es (fast) egal, wie das Date, das ich ziemlich sicher annehmen werde, wird. Allein dafür, finde ich, hat es sich schon gelohnt. Nine hat sich übrigens vorgestern aus dem Portal abgemeldet. Das jüngste Meet&Greet, dem sehr schnell 3 weitere folgten, scheint vorerst der letzte neue Mann in ihrem Leben zu sein. Vorerst? Oder aber für immer. Ich halte das mittlerweile für mehr als möglich. Unmöglich? Ich würde nicht darauf wetten. (Schlussbemerkung: Bitte, dass Sie das nicht falsch verstehen – ich bekomme kein Geld von diesem kostenlosen Dienst, dessen Namen ich im Text bewusst nur ein einziges Mal erwähnt habe. Das musste nur sein, um die Funktionsweise zu verstehen. Und es gibt bestimmt tausend ähnliche – und mindestens genauso gute. Insofern: daten Sie. Daten Sie, wo und wen Sie wollen. Es war nur ein Beispiel, das mich staunen ließ. Und daran mochte ich Sie gerne teilhaben lassen. Dankesehr.)

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Miriam Pielhau über die neue Generation „Nach unten“

Interrail 07 - D10B - WiFi (adapted) (Image by Mr. Theklan [CC BY-SA 2.0] via Flickr)
„Cloudcuckoohome – Geschichten aus der digitalen Wolke!“ Hier resümiert die Netzpiloten Kolumnistin Miriam Pielhau regelmäßig über ihr tagtägliches Leben in der digitalen Welt. Mit der verbalen „Stempelisierung“ von Umständen, Personengruppen oder Ereignissen,  vorzugsweise durch kreative Wortschöpfungen, macht man mir generell eine große Freude. Unbedeutend in dem Fall, ob dann nach [...]
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