Flipflops und Laptops: Von digitalen Nomaden lernen!

Ach, digitale Nomaden! Wer unter uns professionellen Digital Workern in den Newsrooms, Büros, Coworking-Spaces oder Home Offices da draußen hat sich nicht schon weggeträumt mit Flipflops und Laptop nach Thailand oder Bali? Ich für meinen Teil habe es immer wieder versucht, mich auf Fernreisen in den begehrten Work-Style einzuarbeiten. Zuletzt in Vietnams Hauptstadt Hanoi vor ein paar Wochen. Abends gewissenhaft einen der vielen aufstrebenden Coworking-Places ausgewählt. Morgens brav dort eingecheckt mit Tagespass.

Da die Vietnamesen alle geschäftlichen Vorgänge unglaublich gewissenhaft erledigen, gleicht der Vorgang einer kleinen Einreise. Derweil prüfe ich schon mal mit gierigem Blick die Steckdosen-Situation für mein altersschwaches Laptop. Das Toong ist chic und voll. Vietnam strotzt von jungen Menschen. Der Kaffee ist grauenvoll (wie nirgendwo sonst im Land), die Arbeitsatmosphäre super sympathisch.

Ich platziere mich mittenrein. Kurzes Fremdeln mit Stuhl und Tischhöhe, dann aber zufriedener Saugblick auf den Bildschirm. Das Wifi ist erstklassig schnell! Es geht mit High Speed durch Emails, Anhänge, Redaktionssysteme, Googledocs und VPN-Tunnel. Mit hundert offenen Fenstern und Programmen so viel mehr weggeschafft als im dümpelnden Hotel W-Lan. Irgendwann zwischendurch funke ich Katsche Platz an, der einen Großteil seiner Zeit als Digitaler Nomade unterwegs ist.

Er arbeitet von überall auf der Welt für Kunden in Deutschland. Von ihm will ich wissen, was seine Arbeits- und Lebenswelt prägt, welche Tools er benutzt, wie er sich reintrickst in den Arbeitsmodus unter Palmen. Wir vereinbaren eine kleine Kolumne bei uns – einmal pro Monat Tipps und Tricks und Anekdoten zum digitalen Nomadentum. Hier zur Einführung ein kleines Kennenlern- Interview:

Schreibt nun jeden Monat für die Netzpiloten: Digital Nomad Katsche Platz
Katsche, was ist die meist gestellte Frage mit der du behelligt wirst wenn du von deiner Arbeitswelt erzählst?

„Wie zur Hölle funktioniert das?“ ist die häufigste und natürlich eine sehr verständliche Frage. Denn als digitaler Nomade arbeitet man ja gleich mehrfach exotisch: im Homeoffice, als Dauerreisender und sehr minimalistisch. Und tatsächlich ist es etwas, was man lernen muss und was nicht nur Sonnenseiten kennt. Gleich danach kommt die Frage, für alle potentiellen Nachahmer: „Und wie kommst Du an Aufträge?“

Aus meinen diversen Selbstversuchen weiß ich, wie schwer es mir mitunter fällt, den inneren Tonus herzustellen, um richtig viel geschafft zu bekommen. Wie läuft das bei dir?

Sehr langweilig und rigide: Ich habe einen von Anfang bis Ende durchritualisierten Tag. Sehr früh aufstehen, klischeegerecht meditieren, etwas Sport, Frühstück, Duschen and dann geht die Planung los. Todo-Liste, Zeit für Pausen, das Verspeisen günstiger Schalentiere und Kokosnüsse einplanen, Prioritäten setzen und ab die Post. Natürlich muss ich mich nicht minutengenau an den Plan halten, aber das Erfolgsrezept ist für mich eindeutig, bewusst von Arbeits- auf Freizeit umzuschalten.

Nenn uns ein paar deiner wichtigsten Reisebegleiter

Neben Laptop, Kamera und dem üblichen Zubehör, sind das zwei kleine analoge Notizbücher und ein Füller. In eins schreibe ich nur meine Todo-Listen, in das andere alles andere, was mir sonst so in den Kopf kommt. Nicht viel also, aber es ist gut, ein weiteres dabei zu haben. Achso, und meine Frau!

Hast du einen Überblick über die Szene der Digital Nomads? Existiert eine gute Vernetzung? Gibt’s einen Digital Nomad Codex oder ähnliches?

Surfspots weltweit sind ein guter Nährboden für Nomaden und damit ein gewisses Drehkreuz. Aber die Welt ist groß, die Jobs sehr unterschiedlich und für die meisten ist es doch keine Lebensform, an der man mehr als zwanzig oder dreißig Monate festhält. Ausnahmen bestätigen die Regel. Aber man hilft sich schon gerne, weil wir ja irgendwie anders sind. So anders, wie die ganzen anderen Anderen. Von einem Kodex weiß ich nichts. „Don’t shit where you’re eating“ höre ich öfters, aber das ist glaube ich auch anders gemeint.

Katsche, wir freuen uns, dich mit einer Kolumne an Bord zu haben. Hier als Preview schon der Link auf die erste Ausgabe, die kommende Woche offiziell startet.

Wolfgang Macht

ist Gründer und Vorstand der Netzpiloten und zählt zu den Pionieren der deutschen Internet-Macher. Er hat den Internet Boom seit 1995 mit allen Höhen und Tiefen erlebt. Die Plattform www.netzpiloten.de begleitet die digitale Revolution erst als virtueller Reiseführer für Netz-Neulinge (Webtouren) und heute als smartes Autoren-Magazin aus der Mitte der Digital-Szene. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.


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