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Flipflops und Laptops: Von digitalen Nomaden lernen!

Ach, digitale Nomaden! Wer unter uns professionellen Digital Workern in den Newsrooms, Büros, Coworking-Spaces oder Home Offices da draußen hat sich nicht schon weggeträumt mit Flipflops und Laptop nach Thailand oder Bali? Ich für meinen Teil habe es immer wieder versucht, mich auf Fernreisen in den begehrten Work-Style einzuarbeiten. Zuletzt in Vietnams Hauptstadt Hanoi vor ein paar Wochen. Abends gewissenhaft einen der vielen aufstrebenden Coworking-Places ausgewählt. Morgens brav dort eingecheckt mit Tagespass.

Da die Vietnamesen alle geschäftlichen Vorgänge unglaublich gewissenhaft erledigen, gleicht der Vorgang einer kleinen Einreise. Derweil prüfe ich schon mal mit gierigem Blick die Steckdosen-Situation für mein altersschwaches Laptop. Das Toong ist chic und voll. Vietnam strotzt von jungen Menschen. Der Kaffee ist grauenvoll (wie nirgendwo sonst im Land), die Arbeitsatmosphäre super sympathisch.

Ich platziere mich mittenrein. Kurzes Fremdeln mit Stuhl und Tischhöhe, dann aber zufriedener Saugblick auf den Bildschirm. Das Wifi ist erstklassig schnell! Es geht mit High Speed durch Emails, Anhänge, Redaktionssysteme, Googledocs und VPN-Tunnel. Mit hundert offenen Fenstern und Programmen so viel mehr weggeschafft als im dümpelnden Hotel W-Lan. Irgendwann zwischendurch funke ich Katsche Platz an, der einen Großteil seiner Zeit als Digitaler Nomade unterwegs ist.

Er arbeitet von überall auf der Welt für Kunden in Deutschland. Von ihm will ich wissen, was seine Arbeits- und Lebenswelt prägt, welche Tools er benutzt, wie er sich reintrickst in den Arbeitsmodus unter Palmen. Wir vereinbaren eine kleine Kolumne bei uns – einmal pro Monat Tipps und Tricks und Anekdoten zum digitalen Nomadentum. Hier zur Einführung ein kleines Kennenlern- Interview:

Schreibt nun jeden Monat für die Netzpiloten: Digital Nomad Katsche Platz
Katsche, was ist die meist gestellte Frage mit der du behelligt wirst wenn du von deiner Arbeitswelt erzählst?

„Wie zur Hölle funktioniert das?“ ist die häufigste und natürlich eine sehr verständliche Frage. Denn als digitaler Nomade arbeitet man ja gleich mehrfach exotisch: im Homeoffice, als Dauerreisender und sehr minimalistisch. Und tatsächlich ist es etwas, was man lernen muss und was nicht nur Sonnenseiten kennt. Gleich danach kommt die Frage, für alle potentiellen Nachahmer: „Und wie kommst Du an Aufträge?“

Aus meinen diversen Selbstversuchen weiß ich, wie schwer es mir mitunter fällt, den inneren Tonus herzustellen, um richtig viel geschafft zu bekommen. Wie läuft das bei dir?

Sehr langweilig und rigide: Ich habe einen von Anfang bis Ende durchritualisierten Tag. Sehr früh aufstehen, klischeegerecht meditieren, etwas Sport, Frühstück, Duschen and dann geht die Planung los. Todo-Liste, Zeit für Pausen, das Verspeisen günstiger Schalentiere und Kokosnüsse einplanen, Prioritäten setzen und ab die Post. Natürlich muss ich mich nicht minutengenau an den Plan halten, aber das Erfolgsrezept ist für mich eindeutig, bewusst von Arbeits- auf Freizeit umzuschalten.

Nenn uns ein paar deiner wichtigsten Reisebegleiter

Neben Laptop, Kamera und dem üblichen Zubehör, sind das zwei kleine analoge Notizbücher und ein Füller. In eins schreibe ich nur meine Todo-Listen, in das andere alles andere, was mir sonst so in den Kopf kommt. Nicht viel also, aber es ist gut, ein weiteres dabei zu haben. Achso, und meine Frau!

Hast du einen Überblick über die Szene der Digital Nomads? Existiert eine gute Vernetzung? Gibt’s einen Digital Nomad Codex oder ähnliches?

Surfspots weltweit sind ein guter Nährboden für Nomaden und damit ein gewisses Drehkreuz. Aber die Welt ist groß, die Jobs sehr unterschiedlich und für die meisten ist es doch keine Lebensform, an der man mehr als zwanzig oder dreißig Monate festhält. Ausnahmen bestätigen die Regel. Aber man hilft sich schon gerne, weil wir ja irgendwie anders sind. So anders, wie die ganzen anderen Anderen. Von einem Kodex weiß ich nichts. „Don’t shit where you’re eating“ höre ich öfters, aber das ist glaube ich auch anders gemeint.

Katsche, wir freuen uns, dich mit einer Kolumne an Bord zu haben. Hier als Preview schon der Link auf die erste Ausgabe, die kommende Woche offiziell startet.

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All Doors in Flight @ Fintech Week, Carolin Neumann?

Vom 15. bis 20. Oktober geht in Hamburg wieder die Fintech Week an den Start. Wir Netzpiloten sind als Medienpartner mit dabei, wenn sich wieder alles um die Zukunft der Finanzen drehen wird. Mitten in der heißen Vorbereitungsphase erwischen wir die Journalistin, Medienunternehmerin und Mitbegründerin der Veranstaltung Carolin Neumann noch schnell für drei Fragen:

Ihr habt eine ganze Woche Fintech-Themen für Hamburg auf die Beine gestellt. Respekt! Wie laufen die Vorbereitungen?

Können wir die Fintech Week noch mal um ein paar Wochen verschieben? Nein, im Ernst: Es läuft gut, aber natürlich ist auf den letzten Metern immer noch mal unglaublich viel zu tun. Wir sind der Schirm für rund 30 Veranstaltungen mit insgesamt mehr als 1.500 Besucher*innen. Da laufen so viele Fäden bei uns zusammen, wir bräuchten eigentlich immer noch mehr Zeit. Gerade kann ich nicht fassen, dass es schon soweit ist – und in zwei Wochen werde ich da sitzen und denken: Wie, schon wieder vorbei?

Das Thema Fintech kommt gleich nach Blockchain ja immer recht wuchtig daher. Könnt ihr es auflockern?

Grundsätzlich richtet sich die Woche an ein Fachpublikum, auch wenn wir offen für B2C-Veranstaltungen sind. Und für dieses Publikum – Banken, Versicherer – geht es angesichts der digitalen Umwälzungen tatsächlich um ihre Existenz. Das lässt sich schwer auflockern. Dennoch sind wir in unserer Ansprache eher locker, weil wir als Team auch so sind. Das ist es vermutlich, was der Woche dann trotz ihrer Ernsthaftigkeit einen lockeren, entspannten Charme verleiht.

Was sind deine persönlichen Highlights vom 15. bis 20. Oktober?

Ich freue mich sehr darauf, beim Event „Fintech Stories“ der Fintech Ladies die Geschichten von Female Professionals aus der Fintech-Branche zu hören – und den Nachmittag zu moderieren. Wahnsinnig gespannt bin ich außerdem auf unsere eigene Fachkonferenz am Donnerstag, die FinForward, für die wir uns in den letzten Monaten – neben der ganzen Orga der Fintech Week – ins Zeug gelegt haben. Sie ist ein bisschen wie die Fintech Week auf einen Tag komprimiert: mit den wichtigsten Themen der Branche, als Brückenschlag zwischen alter und neuer Garde, mit Blicken über den Tellerrand in den Talks.

Viel Erfolg! Wir sehen uns.

Tickets für die Fintech Week Hamburg gibt es hier.

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All doors in flight für die NEXT18, Ina Feistritzer?

Am 20. und 21. September geht in Hamburg wieder die NEXT Conference an den Start. Wir Netzpiloten sind als Medienpartner auf der Reeperbahn mit dabei, wenn sich diesmal alles um das Thema „Let’s Fix Digital!“ drehen wird. Wir sind gespannt auf die beiden Tage. Mitten in der heißen Vorbereitungsphase erwischen wir Ina Feistritzer, Head of NEXT bei SinnerSchrader noch für drei schnelle Fragen:

Wie laufen die Vorbereitungen für die NEXT 2018?

Wir sind im Endspurt: In der letzten Woche vor dem Event merkt man doch immer wieder wie schnell so ein Jahr vergeht – von den ersten lockeren Sprecheranfragen bis dann irgendwann das komplette Programm steht, ist es ein ganz schön langer und intensiver Weg. Aber es hat sich mal wieder gelohnt: wir freuen uns auf mehr als 1.500 Digitalentscheider und ein internationales Keynoter-Lineup das von Singapur (Ayesha Khanna, Addo AI) bis Brasilien (Eco Moliterno, Accenture Interactive) reicht.

Was hat es mit dem diesjährigen Motto „Digital Fix – Fix Digital“ auf sich?

Unternehmen müssen sich heute fragen, ob ihre digitalen Angebote wirklich dem Menschen dienen oder ob der Mensch in Wahrheit nur ihr Datenlieferant ist. Wir müssen weg von einer Technokratie, in der das rein technisch machbare der Maßstab für Innovationen ist und hin zu einem Digitalen Humanismus, in dem der Mensch und seine Bedürfnisse im Zentrum steht. Auf der NEXT18 geht es daher um menschenzentrierte Innovationen sowie Technologie-Trends und ihre Auswirkungen auf den Menschen. Unser Motto „Digital Fix – Fix Digital“ spielt natürlich auch mit den verschiedenen Bedeutungen des Begriffs Fix. Wir wollen etwas Reparieren, das längst fester Bestandteil unseres Lebens ist. Genau darin besteht die riesige Herausforderung.

Welches sind deine persönlichen Highlights an den zwei Konferenztagen?

Besonders freue ich mich auf Pamela Pavliscak mit ihrem Talk zu Emotionen im Zeitalter Künstlicher Intelligenz und auf Talks zum Theme Trust, Ethics und den Track „Fix Democracy“. Joseph Lubins Fireside Chat am Freitag um 11:00 Uhr im Schmidts Tivoli zum Thema Blockchain zählt auch zu meinen Highlights. Dort werden wir hoffentlich erfahren, warum der Ethereum-Mitbegründer der Meinung ist, dass die Blockchain-Technologie das Heilmittel für das „alte Web“ sein könnte und ein Weg, die Kontrolle über unsere Daten zurückzuerlangen. Wer sich für die Trends von 2019 interessiert, sollte David Mattin am Freitagmorgen und nachmittags im Gespräch mit Fjord’s Thomas Müller nicht verpassen. Am Ende ist es aber die Gesamtkuration mit der wir überzeugen wollen: vormittags Keynotes internationaler Vordenker, nachmittags Deep-dives und Austauschformate, abends Partys und Konzerte im inspirierenden St. Pauli. Das bietet in Kombination mit einem sehr so tollen Audience nur die NEXT18.

Alle Informationen zur Veranstaltung (auch zu den Live-Streams) gibt es hier.

Beachte auch: CIVEY Umfrage im Vorfeld der NEXT: Deutsche dissen Digital-Riesen

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All doors in flight für die StartupCon, Britta Muzyk-Tikovsky?

Am 18. September geht in Köln zum fünften Mal die StartupCon 2018 an den Start. Wir Netzpiloten sind als Medienpartner in der LANXESS Arena mit dabei, wenn sich wieder alles um Startups und etablierte Unternehmen drehen wird. Wir sind gespannt auf den Austausch. Mitten in der heißen Vorbereitungsphase erwischen wir die energiegeladene Britta Muzyk-Tikovsky (Mitglied des Advisory Board) noch für drei Fragen:

Herzlichen Glückwunsch zum 5-Jährigen! Mit der StartupCon kurbelt ihr die Wirtschaft an. Was war besonders innovativ und kreativ für euch in den letzten Jahren?

Vielen Dank! In den letzten Jahren haben wir beobachten können, dass die Zusammenarbeit zwischen großen Unternehmen und Startups immer weiter gewachsen ist. Viele Corporates sehen das Potential, um über Partnerschaften und Kooperationen mit den Gründern und Young Professionals aus dem Hochschulnetzwerk ihre Innovation im eigenen Haus zu stärken und auch die digitale Transformation umzusetzen. Das lässt sich gut anhand der Beteiligung von großen Konzernen an unseren vier Awards in den Bereichen Chem, Food, Tech und Female Award sehen. Gleichzeitig zeigen Programme wie „Teilzeitgründer“, wie wichtig Gründen in Zukunft und die Zusammenarbeit zwischen großen Firmen und Startups bleiben wird.

Was habt ihr euch zur Jubiläumsausgabe gegönnt?

Dieses Jahr haben wir für die StartupCon ein wahres Feuerwerk an Vielfalt auf der Bühne – Das Programm ist bis zum Schluss um 19 Uhr mit Highlights gespickt. Zum einen bei den Fachthemen, die von AI, Blockchain, Cybersecurity, AR und VR über IoT, Smart City und Mobility bis hin zu FinTech, eHealth und HR/New Work reichen. Zum anderen bei Gründerthemen wie Strategieentwicklung, Geschäftsmodell, Design Thinking, Marketing, Recht und den verschiedenen Arten der Finanzierung über VCs, Corporate Ventures, Inkubatoren und Acceleratoren oder Crowdfunding, das Corporate Client Modell und öffentliche Mittel. Was uns ganz besonders freut, ist der mit über 40 Prozent hohe Anteil an Expertinnen aus den unterschiedlichsten Fachgebieten, die wir für die Startupcon-Bühnen gewinnen konnten.

Analog zum Startup-Zyklus habt ihr die Aufbauphase erfolgreich hinter euch gelassen. Seid ihr momentan in der Wachstumsphase oder gar schon in der Reifephase?

Definitiv noch in der Wachstumsphase. Die Frage ist ja auch, worin das weitere Wachstum besteht. Gerade im Startup-Umfeld bewegt sich so viel. Wir haben für 2019 schon viele superspannende Ideen, mit denen wir aber noch im Stealth Mode unterwegs sind.

Alle Informationen zu den Tickets gibt es hier.

 

 

 

 

 

 


Image by Britta Muzyk-Tikovsky

 

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Guilty Pleasure: Wirtschaftswandel-Bücher schmökern!

Ich gehöre zur Generation der Digital-Unternehmer, die um die Jahrtausendwende angefangen haben ihre Firmen zu starten. Mein guilty pleasure ist es von jeher, dass ich Artikel, Dokumentationen und Bücher verschlinge, die den großen Wandel der Arbeitswelt zum Thema haben.

Vermutlich auch deshalb, weil ich ganz unbescheiden hoffe, dass wir als Pioniere der sogenannten New Economy viele Akzente gesetzt hatten, die heute schließlich die Transformationsprozesse großer Firmen mitbestimmen. Wir wollten uns Mitte der 90er Jahre in absolut allem absetzen von der Old Economy. Wir kamen angezogen wie coole Fahrradkuriere in unsere Büros und spazierten in genau demselben Outfit in die holzgetäfelten Notarräume zur Millionen-Unterschrift.

Nichts konnte uns lässig genug sein, alles musste unkonventionell und total unverstellt daherkommen. Hohen EU-Beamten wurden beim Bürobesuch Sitzbälle angeboten. Meetings fanden im Stehen statt, im Treppenhaus, im Cafe, auf der Parkwiese. Sehr schnell ging uns die Selbstinszenierung in Fleisch und Blut über. Die begeisterte Ungläubigkeit der Old-Economy erfüllte uns mit Genugtuung. – Ich bin ganz froh, dass diese naive Zeit vorbei ist ;)

Selbstvergewisserung für die eigene Arbeitsbiographie

Wie gesagt: Wenn mir heute ein Buch in die Hände kommt, wo vorne draufsteht „12 überraschende Lösungen für Menschen, Wirtschaft und Gesellschaft“, bin ich sofort neugierig. Als wollte ich insgeheim nachschauen, ob aus dem gefeierten Work- und Lifestyle unserer Anfangsjahre etwas Sinnvolles geblieben ist.

Stefanie Kuhnhen und Markus von der Lühe, zwei sympathische Media-Macher (sie ist Geschäftsführerin einer Hamburger Kreativagentur und er macht ein Digitalisierungsfestival in München) spielten mir ihren neuesten Meta-Trend-Reader in die Hände. Sie haben in großer Fleißarbeit „Das Ende der unvereinbaren Gegensätze“ nachgewiesen. Ich fand das Buch inhaltlich sehr anregend, als Publikation aber etwas schwerfällig und recht altmodisch ediert. Empfehlen will ich es mit ein paar O-Tönen der beiden Autoren zu ihrem Wurf:

Markus von der Lühe und Stefanie Kuhnhen; Fotografie von Engels Uli Schneider
Hallo Stefanie, hallo Markus! Vorab eine Frage zur Form eures Buches: Was genau habe hier gelesen? – Ihr hantiert mit vielen wissenschaftlichen Erklärmodellen, ihr führt akribische Quellennachweise. Liest sich streckenweise wie eine Doktorarbeit.

Gute Frage! Was wir geschrieben haben, ist ein Ratgeber mit zwölf Handlungsanweisungen. Wir haben bewusst eine Mischung aus Theorie und Praxis gewählt. Denn der Metatrend, den wir beschreiben, basiert auf harten Fakten, Sekundärstudien und bekannten Theorien. Und um in die konkrete Beweisführung zu gehen, haben wir diese bewusst mit lebendigen und persönlichen Stories aus unserer Lebenswelt kombiniert. So hoffen wir, die beiden Pole Lesespaß und Seriosität auf neue Art und Weise zusammen zu führen.

Eure Beobachtung ist, dass große Spannungsfelder sich derzeit auflösen (z.B. Arbeit – Privatleben, Mensch – Technologie). Eure Schlussfolgerung daraus ist, dass wir alle uns ganzheitlicher wahrnehmen und integrativer agieren müssen. Richtig verstanden?

Richtig verstanden. Wir glauben daran, dass die digitale Transformation nicht damit getan ist, sich einfach systematisch zu digitalisieren. Sie wird die Verflechtung von „allem mit allem“ nach sich ziehen. Das heißt, man muss auch sich selbst ganzheitlicher wahrnehmen, um der Ganzheitlichkeit überhaupt Raum geben zu können. Das Leben besteht aus Ying und Yang, aus Entspannung und Dynamik, aus Hartem und Weichem, aus Natur und Technologie. Es gilt, dem allen viel mehr, viel multioptionaler gerecht zu werden. Das geht nur über Wahrnehmung, Werte und sich immer wieder neu fragen, was jetzt Sache ist. Also, was im Moment das Wichtigste ist. Wir plädieren für eine multioptionale, integrierte Denkweise, die unserem Leben in der ganzheitlichen Welt gerechter wird.

Jetzt meine geltungssuchende Frage: Würdet ihr den Startups der Jahrtausendwende zuschreiben, dass sie die Auflösung vieler der von euch beschriebenen Gegensätze eingeleitet haben?

Wir glauben nicht, dass die Startup-Bewegung sie alleine eingeleitet hat. Startups sind vielmehr das Symptom einer komplexer werdenden Welt, bei denen die Veränderungen besonders stark und frühzeitig zum Ausdruck kommen. Das ist auch ein Phänomen der neuen Gesellschaftsordnung, die gerade entsteht: Ursache und Effekt stehen in keinem klaren Zusammenhang mehr. Wir glauben aber, dass Startups ein wichtiger Teilbereich dieser Bewegung sind, die sich durch unsere Gesellschaft wie ein roter Faden zieht.

So gerne ich eurem harmonischen Leitbild folgen würde, kann ich die Auflösung der Gegensätze auf der großen Weltbühne nicht sehen. Die Trumps und Putins und die ganze Weltmacht Chinas stehen mit genau dem gegenteiligen Verhalten in vollem Saft. Macht mir eher bange. Euch nicht?
Image by Springer Verlag

Im Gegenteil: Trump, Brexit, Erdogan, AfD, Putin und die Datenschutzdebatte sind für uns eher Symptome einer sich radikal verändernden Gesellschaft und somit Übergangsphänomene. Wir spüren alle, dass die Welt, so wie wir sie kennen, für immer der Vergangenheit angehören wird. Das ist es, was den Menschen Angst macht.

Für uns sind die aktuell negativen, nationalistischen, despotischen Symptome jedoch auch Hoffnungsboten für eine neue Zeit. Denn wir sehen sie als Zwischenschritt auf dem Weg in das neue Integrierte, mit dem wir die großen Probleme der Zeit dann auch lösen können. Ganz bestimmt ist das eine Betrachtungsweise in einem 50-Jahre-Zeitraum – so, wie es bei Metatrends der Fall ist. Wir wollen bestimmt nicht sagen, dass alles gut und harmonisch ist. Wir wollen uns alle aber dazu aufrufen, uns für diese integrierte Sicht.

Das Buch „Das Ende der unvereinbaren Gegensätze“ ist erschienen im Springer Verlag und z.B. per Amazon zu bestellen (Provisionslink)

 

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Video-Content selbst produzieren: Nachhilfe bei Smartphone-Videos

Gute Smartphone-Videos: Anton Knoblach zeigt, wie's geht. / Image by Phil Dera für DIE ZEIT

Smartphones werden immer leistungsstärker. Das aktuelle iPhone 7 Plus besitzt beispielsweise eine Dual-Kamera, mit der Videos in einer Auflösung von 3.840 x 2.160 Pixeln gedreht werden können. Mit 30 Bildern pro Sekunde und einer f/1.8-Blende ist das iPhone 7 Plus somit rein technisch bereits fähig, hochauflösende und ansehnliche Smartphone-Videos zu produzieren. Doch die Technik im Smartphone sei lange nicht alles, was für gute und erfolgreiche Handy-Videos nötig ist, sagt Video-Consultant Anton Knoblach, der Mitbegründer der Filmproduktionsfirma „unfourseen“ ist und zum Autoren-Team der Applepiloten zählt. Nun berät er kleine und große Teams beim Aufbau einer eigenen Videoproduktion. Gemeinsam mit Creative Producer Paul Ohmert zieht Knoblach momentan durch Deutschland und gibt Workshops im Bereich Videoproduktion mit dem Smartphone. Ich habe ihm im Interview nach ultimativen Tipps zum Filmedrehen mit dem Smartphone befragt.

„Ton ist eines der wichtigsten Qualitätsmerkmale“

>„Videos zu produzieren ist mittlerweile technisch gesehen einfach geworden. Smartphones können immer mehr im Videobereich und sind in der Anschaffung im Vergleich super günstig“, betont der Wahl-Berliner. Zu einer erfolgreichen Smartphone-Produktion gehöre neben einem Smartphone vor allem auch ein ordentliches Mikrofon. „In der Filmbranche galt lang Zeit der Spaß-Leitsatz ‚Ohne Licht geht’s nicht – ohne Ton geht’s schon.‘ Das ist Quatsch, der Ton ist eines der wichtigsten Qualitätsmerkmale. Vor allem, wenn es um Smartphone-Videos geht. Die eingebauten Mikrofone nehmen Ton nur sehr weiträumig auf – für Interviews ist das einfach nicht nah genug.“ Knoblach empfiehlt hier ein externes Mikrofon in Form eines DSLR-Aufsatzes oder ein klassisches Ansteck-Mikrofon mit oder ohne Funkstrecke.

Smartphone-Videos Workshop
Video-Consultant Anton Knoblach / Image by Eylül Aslan (Blogfabrik)

Smartphone-Videos: Stativ und Gimbal sind viel wert

Schlechter Ton sei laut Knoblach übrigens ein beliebter Anfänger-Fehler. Das Filmen im Hochformat gehörte übrigens auch lange Zeit zu diesen Fehlern. Das sei mittlerweile jedoch anders: „Früher galt das Hochformat-Video als Erkennungsmerkmal für Leute, die keine Ahnung von Video hatten, das einzige akzeptierte Format war quer. Mittlerweile kommt es aber ganz klar darauf an, für welches Format und welches Medium überhaupt gedreht wird. In manchen sozialen Netzwerken ist Hochformat beinahe schon ein Muss. Gerade die jüngeren Generationen sind immer weniger bereit, ihr Smartphone zu drehen, wenn Smartphone-Videos im Querformat in der Timeline erscheinen.“

Für die ultimative Smartphone-Produktion empfiehlt Knoblach zudem eine gute Ausleuchtung der Szenerie. Dazu gehört nicht nur Hardware in Form von beispielsweise LED-Panels, sondern vor allem bei Außendrehs auch die Berücksichtigung des Wetters. Den letzten Schliff erreichen Smartphone-Filmer laut Knoblach mit einem Stativ oder Gimbal, die unschöne Wackler im Bild verhindern. „Hier gilt die selbe Regel wie bei der Smartphone-Fotografie. Eine gute Bildgestaltung gelingt besser, wenn die Kamera unabhängig von einer wackeligen menschlichen Hand ist. Gerade bei Steadicam-ähnlichen Fahrten, etwa bei Eventfilmen, ist solches Zubehör viel wert.“

Gute Hardware muss kein Vermögen kosten

Nun scheint es doch so zu sein, dass Smartphone-Filmer eine ganze Menge Hardware anschaffen müssen, wenn gute Smartphone-Videos entstehen sollen. „Die Kosten für Licht, Stativ und Mikro sind bei der Smartphone-Videoproduktion aber immer noch überschaubar und bei weitem nicht so hoch, wie bei klassischer Ausrüstung mit Kamera“, so Knoblach.

Man müsse bei der Anschaffung der Hardware auch nicht immer das Teuerste kaufen. Explizit fürs iPhone empfiehlt der 26-Jährige beispielsweise die Anstecker-Kombi von Rode. Das smartLav+ Mikrofon gibt es bei Amazon bereits ab 59 Euro. Ein Muss ist hier allerdings der Lightning-auf-Klinke-Adapter, wenn das Mikro mit dem iPhone 7 genutzt wird. Einen richtig günstigen Geheimtipp in Sachen Mikrofon hat Knoblach ebenfalls noch parat: Das Ubegood-Ansteckmikrofon kostet gerade einmal zehn Euro und soll für Smartphone-Produktionen völlig ausreichend sein.

Dieses Wissen und einiges mehr vermittelt das junge Filmemacher-Duo Knoblach und Ohmert am 13. September im Rahmen eines Workshops in der Blogfabrik in Berlin. In neun Stunden zeigen Knoblach und Ohmert interessierten Medienschaffenden und Unternehmensvertretern, wie hochwertige Smartphone-Videos entstehen, die „für Buzz im Netz sorgen“. Dabei steht das Motto „Learning by Doing“ im Vordergrund: „Wir werden mit den Workshop-Teilnehmern alle Phasen der Videoproduktion mit dem Smartphone durchspielen. Von der ersten Idee bis hin zum Skript und schlussendlich zum fertig geschnittenen Film. Dabei zeigen wir, was mit dem Smartphone möglich ist, aber auch, wo noch die Grenzen in diesem Bereich liegen.“

Die Teilnehmerzahl des Workshops ist auf zehn begrenzt. Auf der Website der Blogfabrik sind noch Plätze zum Preis von 360 Euro verfügbar. Im großen Ratgeber-Artikel verrät Anton Knoblach außerdem 7 Tipps, mit denen ihr richtig gute iPhone-Videos erstellen könnt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Applepiloten.


Image „Workshop“ by Phil Dera für DIE Zeit / Image „Portrait Anton Knoblach“ by Eylül Aslan/Blogfabrik


The Conversation

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Fake News: „Soziale Medien sind Emotionsmedien“

Browser Fake News (adapted) (Image by Pexels) (CC0 Public Domain) via Pixabay

Fake News. Der Begriff ist den meisten mittlerweile bekannt, aber definitiv kein ausschließlich aktuelles Phänomen. Die Bezeichnung Fake News gibt es schon seit dem 19. Jahrhundert, aber seit einigen Jahren ist der Begriff aus der Internet und Nachrichtensprache kaum noch wegzudenken. Gründe dafür sind besonders soziale Medien und die Berichterstattung um den US-Präsidenten Donald Trump, der in seinem Wahlkampf öfter mit „alternativen Fakten“ argumentierte.

Nun gibt es Internetseiten, mit welchen man selbst eine Nachrichtenmeldung fälschen kann. Facebook hat kürzlich angekündigt, dass die Seiten, die Falschmeldungen verbreiten, den Zugang zu Werbung verbieten. Das ist ein weiterer Schritt des sozialen Netzwerks im Kampf gegen Fake News.

Aber wie gefährlich sind Fake News für unser Mediensystem und was können Nutzer tun, um Fake News aus dem Weg zu gehen? Darüber haben wir mit der Journalistin und Fernsehproduzentin Michaela Hummel gesprochen.

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Michaela Hummel / Doclights

Sie entwickelte und produzierte verschiedene Factual-Entertainment-Formate und Dokumentationen, wie die Dokumentation „Auf der Flucht“ für die sie mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde. Weitere Produktionen sind u.a. der ZDFdonnerstalk mit Dunja Hayali, die NDR-Reportagen mit Judith Rakers, die ZDFneo Dokumentation „Der Rassist in uns“. Ihr neustes Projekt dreht sich rund um das Thema Fake News.

Frau Hummel, sie haben gerade in Zusammenarbeit mit Sascha Lobo die Dokumentation, der offizielle Titel ist Social Factual, ein Einzelstück „Manipuliert“ mit dem Thema Fake News produziert. Haben sie sich davor bereits intensiv mit dem Thema beschäftigt?

Ich habe mich schon seit Jahren mit dem Thema Fake News beschäftigt, was auch einen privaten Grund hat. Ich habe einige Jahre in den USA gelebt und ein Teil meiner Verwandtschaft dort ist eher im konservativen Spektrum angesiedelt. Aufgefallen ist mir, dass sie als einzige Nachrichtenquelle Breitbart News genutzt haben. Natürlich hat jeder das Anrecht auf eine eigene Meinung, aber dadurch habe ich mich früh sehr intensiv mit dem Thema Manipulation von Informationen, Emotionalisierung und Polarisierung beschäftigt. Das hat (in der Familie) nicht zu wenig Streit geführt.

Man hat über die Zeit hinweg gemerkt, dass sich der Begriff „Fake News“ gewandelt hat vom rein beschreibenden Begriff, zum Anglizismus des Jahres und schlussendlich zum politischen Kampfschrei. Wie definieren Sie den Begriff „Fake News“?

Ich denke die meisten wissen, was es im wahrsten Sinne heißt, „Falschmeldung“. Über die eigentliche Bedeutung  müssen wir uns nicht unterhalten. Aber mir ist eine Veränderung aufgefallen. Beispielsweise Donald Trump, der in Pressekonferenzen die Medien mittlerweile schon mit „Fake News“ anspricht. Damit bekommt das Ganze einen stark politischen Charakter.

Zudem deckt es für mich das ganze Thema der Verschwörungstheorien, falsche Fakten und Propaganda ab. Fake News gibt es an und für sich schon lange. Aber durch das Internet haben sie eine neue Wirkmacht erreicht.

Interessant ist, was wir im Rahmen der Sendung „Manipuliert“ im Februar 2017 über eine repräsentative Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen herausgefunden haben: 82 Prozent der Befragten kennen das Phänomen „Fake News“, 47 Prozent der Deutschen halten es für ein großes oder sehr großes Problem und fast ein Drittel der Wahlberechtigten denkt, dass es einen starken oder sehr starken Einfluss auf den Ausgang der Bundestagswahl haben kann. Und hierbei machen sich Frauen mehr Sorgen als Männer. Ich nenne diese Zahlen, da sie eine statistische Sicht auf das Thema zeigen und unterstreichen, wie brandheiß es ist.

Herrscht ihrer Meinung nach zu wenig Transparenz und Aufklärung im Umgang mit Fake News?

Meiner Meinung nach gibt es jede Menge Transparenz und Aufklärung, man muss sie natürlich nur finden. Und bei Fake News geht es oft um Geschwindigkeit. Wenn man etwas wiederholt liest, hält man es eher für wahr und durch sharing (das Teilen in Sozialen Medien) erreicht eine solche Nachricht vielleicht eine Millionen Menschen oder mehr –  und von der späteren Richtigstellung erfährt dann keiner.

Es gibt im Netz zwei sehr gute Tools, um Falsche Fakten im Netz zu entlarven: die Rechercheeinheiten MimiKama oder Hoax Map. Aber letztlich bleibt es eine Frage der Geschwindigkeit. Man braucht eine Menge Ressourcen, um am Ball zu bleiben und dagegen anzugehen.

Nehmen Menschen alles, was sie im Internet lesen, zu ernst?

Ich denke nicht, dass die Leser alles zu ernst nehmen.  Ich glaube eher, dass sie oft zu wenig nachdenken. Der Like ist quasi die Währung des Internets und viele denken: „Was meine Freunde geliked haben kann ich in der Hinsicht auch direkt übernehmen“ – meist auch ungefiltert. Die Sozialen Medien sind eben ein sehr schnelles Medium. Daher denke ich, dass viele Nutzer sich nicht die Mühe machen,  den Wahrheitsgehalt der Posts und News zu prüfen.

Was haben Filterbubbles in Sozialen Medien mit Fake News zu tun?

Das Phänomen Filterbubbles gilt für alle Seiten – auch für Journalisten. Jeder kann sich im Internet seine eigene Welt bauen und dann sehen wir nur, was wir selber mögen. Alles was nicht unserem Weltbild entspricht, wird aus der Timeline herausgefiltert. Journalisten sollten allerdings diejenigen sein, die durch Recherche und kritische Prüfung für Meinungsvielfalt sorgen.

Diese Filterblasen bestätigen also letztlich  nur die eigenen Perspektiven und Meinungen. Wenn diese Blasen nur noch aus Fake News bestehen oder von einem Algorithmus entsprechend bestückt werden, kann das fatale Folgen haben.

Finden Sie, die Einrichtung von Löschzentren von beispielsweise Facebook ist der richtige Weg?

Das ist eine schwierige Frage. Allein das Wort Löschzentrum empfinde ich bereits als sehr stark und hart. Erstens ist es traurig, dass wir diese Wege gehen müssen und dass sich solche Abgründe auftun.  Wie ein Artikel in der SZ aufgezeigt hat, müssen auch die Mitarbeiter einiges mitmachen. Mir wäre es lieber, dass die Menschen, die das Netz nutzen, wissen was sie tun. Denn für eine funktionierende Netiquette und einen konstruktiven Austausch in Interessengruppen und Communities gibt es ja sehr viele positive Beispiele.

Aber zweitens, sind wir ja bereit, eine grundsätzliche Kontrolle zu akzeptieren. Und das nur, weil Menschen nicht in der Lage sind, mit dem Medium vernünftig umzugehen. Das ist schon ein großer Schritt. Eigentlich müsste es Social Media Schulen geben und wir müssten ganz früh mit der Aufklärung beginnen.  Dadurch wird es letzendlich zu einer Bildungsfrage.

Sie plädieren für die Einführung von Social Media Workshops schon im Kindesalter?

Absolut. Wir kennen alle kleine Kinder, die schon in der Lage sind, das Smartphone zu bedienen und damit unreflektiert umzugehen.

Sie haben zu Beginn bereits erwähnt, dass sie eine Zeit in den USA gelebt haben. Wie schätzen sie den Umgang der Medien mit Fake News in Amerika im Gegensatz zu Deutschland ein?

Ich hab damals beim Fernsehen gearbeitet und die Sozialen Medien spielten noch keine große Rolle. Aber zum Fernsehen kann ich sagen:  Es wird mehr polarisiert und provoziert, es gibt viel mehr schwarz-weiß Malerei. Wir Deutschen sind da eher in Grautönen unterwegs. Vergangenen November, zur Zeit der Wahlen, war ich zuletzt in den USA, wo sich dieses Bild bestätigte: DieSender greifen sich gegenseitig an. Ich denke Fake News sind auch deshalb ein größeres Thema, weil in den USA mit viel mehr reißerischen Schlagzeilen gearbeitet wird. Das ist mehr Show als Information. Die ausgewogene Information gibt es dort eher im Print. Und man darf nicht vergessen: Soziale Medien sind Emotionsmedien. Es geht um Klicks! Und letztlich sind sie auch ein Kommerz-Medium.

Wie gefährlich denken Sie können Fake News noch werden?

In Deutschland stellen sie in meinen Augen keine große Gefahr dar. Wir haben ein sehr gut funktionierendes Mediensystem, dass die Meinungsvielfaltn abdeckt. Wir haben auch die Möglichkeit, Sendeformate wie Manipuliert mit Unterstützung eines öffentlich-rechtlichen Senders zu entwickeln und damit Aufklärung zu leisten. Deswegen sehe ich Fake News nicht als Gefahr für das deutsche Mediensystem.

Dazu muss man sagen: Wir verteufeln bei unserer Sendung die Sozialen Netzwerke nicht und sind auch nicht mit erhobenem Zeigefinger unterwegs.  Schließlich nutzen wir alle Facebook und Co und wollen Spaß damit haben. Es ist also wichtig, dass Aufklärung nicht als belehrend angesehen wird.

Hat sich durch das Aufkommen von Fake News Verbreitung ihr eigenes Bild der Medien oder ihr Medienkonsum verändert?

Ich denke wirklich, dass wir in Deutschland und auch in vielen Ländern Europas den Luxus der Qualitätsmedien haben. Das gilt nicht für jedes Land.

Aber heute benötigen wir viel mehr Zeit als früher, um alles zu lesen und richtig zu erfassen. Die Medien sind so schnell geworden, dass es manchmal kaum möglich, ist die Menge an Informationen überhaupt zu verarbeiten. Und wenn dann in dieser Masse Falschmeldungen dabei sind, die man eigentlich recherchieren, vergleichen und nachverfolgen sollte, können sie als wahre Meldungen aufgefasst werden. Der Zeitaufwand im Umgang mit den Medien und die Informationsflut haben sich also definitiv erhöht.

Was ist ihr letzter Rat an Leser im Umgang mit Fake News?

Man kann es mit Humor nehmen, wie zum Beispiel die Satireseite „Der Postillion“ immer wieder zeigt. Abgesehen davon, sollte jeder sofort alles hinterfragen und nicht nur schnell klicken, sofort alles liken oder anhand der Überschrift kommentieren. Man sollte sich die Nachrichten genauer anschauen. Aber dabei immer eine Prise Humor behalten.


Image „Browser“ by Pexels (CC0 Public Domain)

Image by Doclights


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Von Wunderlist zu Microsoft To-Do: Die neue Strategie hinter der Aufgaben-App

Microsoft To-Do

Ohne digitale Aufgaben-Listen können viele Wissensarbeiter von heute gar nicht mehr ihren Alltag bestreiten. Wunderlist zählt zu den beliebtesten Apps fürs Task-Management. Daher war das Bedauern groß, als Microsoft bekanntgab, die App zugunsten der Nachfolger-Anwendung Microsoft To-Do einzustellen. Noch größer wurden die Bedenken, als im April 2017 eine öffentliche Vorab-Version von To-Do erschien, die dem Vorbild noch nicht das Wasser reichen kann. Warum Microsoft dennoch diesen Schritt gegangen ist und inwiefern To-Do am Ende viel besser als Wunderlist sein soll, erklärte uns Ori Artmann im Interview. Er ist bei Microsoft Deutschland General Manager für die Task-Management-Tools Microsoft To-Do und Wunderlist. In dieser Funktion verantwortet Artman am Berliner Standort des Unternehmens alle Bereiche der Produktentwicklung: von Design über Engineering, Business Development und Marketing.

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Microsoft-Manager Ori Artmann (Image by Ori Artmann)

Netzpiloten: Die Bewertungen der Preview-Version von To-Do im Play Store und im App Store waren insbesondere kurz nach dem Launch im April 2017 zum Teil vernichtend. Können Sie die Kritik nachvollziehen?

Ori Artmann: Die Kommunikation mit der Community gehört zum Kern der Preview und zur Philosophie von Microsoft, denn wir entwickeln unsere Anwendungen in enger Zusammenarbeit mit den Anwendern und ihren Bedürfnissen. Bei Windows 10 haben wir dadurch beispielsweise sehr wertvolles Feedback erhalten – noch heute kann die Community aktiv an der Gestaltung teilhaben. Durch einen solchen Testbetrieb erfahren wir viel mehr über ihre Anforderungen oder Bedürfnisse als wenn wir versuchen, die App im stillen Kämmerlein zu entwickeln. Ich kann die Kritik also nicht nur nachvollziehen; sie ist sehr willkommen und für die Weiterentwicklung von Microsoft To-Do essentiell.

Eine unfertige Version zu veröffentlichen, selbst wenn sie als Preview gekennzeichnet ist, ist riskant. Inwiefern hat sich das Risiko gelohnt? Was haben Sie bisher aus dem Feedback gelernt?

Man kann das natürlich als riskant bezeichnen – aber auch als Chance. Aus unserer Sicht ist es viel mehr die einzige Möglichkeit, um unser Ziel zu erreichen, Anwendungen zu entwickeln, die den Nutzern wirklich helfen und die Menschen und Organisationen dazu befähigen, mehr zu erreichen. Dafür müssen wir die Anforderungen der Anwender in den Entwicklungsprozess einbeziehen. Anfänglich kritische Stimmen begreifen wir nicht als Risiko, sie sind für uns vielmehr hilfreich. Die Bewertungen in den App Stores haben sich nach den Updates auch bereits verändert. Das Feedback zeigt uns, dass die Grundidee bei den Nutzern sehr gut ankommt. Im Entwicklungsprozess lassen wir nun die weiteren Punkte einfließen.

Viele Nutzer sind enttäuscht, dass Microsoft Wunderlist den Stecker zieht. Wie gehen Sie damit um?

Microsoft To-Do stammt aus der Feder des Wunderlist-Teams, die Idee der App lebt in To-Do also weiter. Wir finden es aber noch wichtiger, dass sich die Idee von Wunderlist in To-Do auch weiterentwickelt, wir möchten sie auf ein neues Level bringen. Die neue Aufgabenverwaltung lebt von der genialen Einfachheit von Wunderlist, wird aber intelligenter, persönlicher und intuitiver sein – und noch tiefer in Office 365 integriert. Wunderlist war ein erster Schritt zum besseren Management von Aufgaben – Microsoft To-Do ist der nächste.

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Microsoft To-Do

Sie haben angekündigt, To-Do enger mit Microsoft Office zu verzahnen. An welche Programme denken Sie: OneNote, Outlook, andere?

Wichtiger als die Verzahnung mit einzelnen Programmen von Office 365 ist die Verzahnung des Task-Managements mit einzelnen Funktionsbereichen. Die Integration von Microsoft To-Do wird dort stattfinden, wo es sinnvoll und notwendig ist: in der Termin- und Aufgabenverwaltung von Outlook zum Beispiel, die sich automatisch mit To-Do synchronisieren und dann überall und auf jedem Gerät synchron zur Verfügung stehen wird. Dazu kommen auch SharePoint, Microsoft Planner, Microsoft Teams oder der Microsoft Graph, der uns dabei unterstützt, die richtigen Informationen und richtigen Funktionen zur richtigen Zeit zur Verfügung zu stellen. To-Do wird sich überall dort integrieren, wo es etwas zu erledigen gibt.

Der Markt mit Aufgaben-Apps ist recht voll. Welche Philosophie steckt hinter To-Do? Was soll die App anders machen als bestehende Task-Anwendungen?

Microsoft To-Do ist integraler Teil von Office 365 – das ist der wichtigste und größte Unterschied. Durch diese Integration wird es möglich sein, nicht nur eigene To-Do-Listen zu führen, sondern solche Listen auch teamintern zu erstellen, zu verwalten und zu teilen. Es geht bei einer Task-App nicht unbedingt darum, etwas ganz anders zu machen, sondern darum, es besser zu machen als andere. Microsoft To-Do ist, wenn Sie so wollen, die organische Weiterentwicklung von Wunderlist und stellt die persönliche Produktivität in den Mittelpunkt. Wir übernehmen die Philosophie der Einfachheit und Benutzerfreundlichkeit von Wunderlist, werden aber mit der Integration in Office 365 auch neue Funktionen und intelligente Technologien aus der Cloud implementieren.

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Microsoft To-Do / My Day

Welche Cloud-Features sprechen Sie konkret an?

Microsoft To-Do ist Teil der hochsicheren Microsoft-Cloud und bietet dieselbe Sicherheit wie Microsoft Azure und Office 365. Daten werden bei Übermittlung und Speicherung verschlüsselt, die Berechtigungen einzelner Benutzer können über Azure Active Directory und Intune ebenso verbindlich und für alle Arten von Anwendungen, Daten und Geräten verwaltet werden, wie für andere Cloud-Dienste von Microsoft.

Wie sieht Ihre Roadmap bei Microsoft To-Do generell aus?

Wir werden in den kommenden Monaten sukzessiv die Integration von Wunderlist in Microsoft To-Do vorantreiben. Dazu gehören zum Beispiel die Option, Listen zu teilen, aber auch Apps für Mac, iPad und Android-Tablets sowie die Integration von To-Do in weitere Microsoft-Services. Die Weiterentwicklung von Wunderlist haben wir bereits im April 2017 eingestellt und liefern seitdem keine Bugfixes und Updates mehr aus. Seit diesem Datum empfehlen wir den Umstieg auf Microsoft To-Do.

Wird die Mac-Version genauso gut integriert werden wie die Windows-Version oder wird es – wie auch bei Office selbst – Unterschiede geben?

Unser Ziel ist es, allen Nutzern von Office 365 überall denselben Bedienkomfort zu bieten. Allerdings ist es, bedingt durch unterschiedliche Hardware und Betriebssysteme, nicht möglich, komplett identische Versionen für alle Geräte zu entwickeln. Zudem verfügen einzelne Geräte über zusätzliche Features; zum Beispiel arbeiten das Surface Book oder das Surface Studio mit dem sehr fein auflösenden Surface Pen, sodass wir dort Windows Ink natürlich auch in Office nutzen. Bei den neuen MacBooks gibt es die Touch Bar, mit der sich die Bedienung auch von Office erleichtern lässt. Gut möglich, dass wir Microsoft To-Do in diese Touch Bar integrieren.

Die Entwicklung von To-Do bleibt, wie die bisherige Arbeit an Wunderlist, in Berlin. Warum keine Verlagerung an die US-Westküste?

Berlin ist ein Hotspot mit vielen faszinierenden Menschen, großer Vielfalt und einer lebendigen Startup-Kultur. Es ist kein Zufall, dass Wunderlist genau hier entstanden ist. Für mich ist es daher ein sehr logischer Schritt, die Weiterentwicklung eines ehemaligen Startups innerhalb von Microsoft Deutschland in Berlin voranzutreiben. Wir glauben, dass die einmalige, kreative Atmosphäre der Stadt auch weiterhin das richtige Umfeld für das Team ist. Nicht nur die Idee von Wunderlist lebt in Microsoft To-Do weiter; für Kontinuität sorgen auch zahlreiche Mitarbeiter von Wunderlist, die jetzt an To-Do arbeiten.

Warum engagiert sich Microsoft in der Hauptstadt?

Unser Standort „Unter den Linden“ in Berlin hat viele Funktionen: Es ist unser Treffpunkt für Dialog und Vernetzung mit Protagonisten aus den Bereichen Politik, Bildung und Gesellschaft. Mit dem Microsoft Accelerator ist er seit vielen Jahren auch eine wichtige Anlaufstelle für Startups. Die Digital Eatery ist ein beliebter Treffpunkt und eine etablierte Veranstaltungslocation. Von diesem spannenden Mix werden auch wir profitieren. Am besten, Sie schauen einmal selbst vorbei.

Sie müssen aus einer beim Publikum beliebten App eine neue, noch bessere machen und außerdem das Erbe eines der gehyptesten deutschen Startup-Exits verwalten. Warum machen Sie diesen Höllenjob eigentlich?

Wie kommen Sie darauf, dass das ein Höllenjob ist? Tatsächlich ist es eine tolle Aufgabe, mit den Machern von Wunderlist und mit vielen anderen kreativen Menschen sowie der Community an der Weiterentwicklung von Wunderlist zu arbeiten – in einer Stadt, in der Innovation großgeschrieben wird, und für ein Unternehmen, das es ernst meint, wenn es davon spricht, Menschen zu mehr befähigen zu wollen. Ich kann mir viele Jobs vorstellen – aber zur Zeit keinen besseren.

Das in Zusammenarbeit mit Microsoft entstandene Interview wurde schriftlich geführt.


Image by Ori Artmann

Images by Microsoft


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Der coole Kanal: Youtuber als Wahlhelfer

YouTuber (adapted) (Image by StockSnap) (CC0 Public Domain) via Pixabay

Bei der Bundestagswahl 2017 spielt YouTube als Plattform für die Kommunikation mit jüngeren Zielgruppen eine besondere Rolle. Auch Kanzlerin Merkel macht mit.

Bereits bei der Wahl von Frank-Walter Steinmeier zum neuen Bundespräsidenten wurde die gestiegene Bedeutung von Youtubern für die Politik sichtbar. In die Bundesversammlung, die das deutsche Staatsoberhaupt wählt, entsenden die Landesparlamente neben Berufspolitikern gerne auch Prominente, die Mitglied einer Partei sind oder ihr nahe stehen. Nach Kulturschaffenden, Stars aus Film und Fernsehen sowie Sportlern hat sich 2017 eine neue Klientel für die Mitarbeit in diesem Verfassungsorgan qualifiziert. Dafür verantwortlich ist nicht nur die Piratenpartei, in deren Fraktion gleich zwei Youtuber mit politischem Profil vertreten waren: Rayk Anders und Tilo Jung. Auch Julien Bam, einer der populärsten deutschen Youtuber, war auf Betreiben der damaligen Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen zum Mitglied der Bundesversammlung gewählt worden. Wobei Hannelore Kraft (SPD) sich selbst schon an einem Video-Blog über ihre Arbeit als Regierungschefin versucht hat. Ihr Oeuvre ist aber nach der Löschung des Profils bei der Video-Plattform nicht mehr verfügbar.

Die neuen Meinungsmacher

Nachdem die Bundeskanzlerin 2015 unter dem Titel “#NetzFragtMerkel” LeFloid im Kanzleramt eine Audienz für ein halbstündiges Interview gewährt hat, wird es im Wahljahr nun eine Nummer größer. Angela Merkel (CDU) trifft am 16. August im YouTube Space Berlin in einem einstündigen Livestream nacheinander auf vier Fragesteller, die unterschiedliche Facetten repräsentieren. Mirko Drotschmann behandelt als MrWissen2go „Allgemeinwissen zu aktuellen und historischen Themen.

Dazu gehört auch die aktuelle Bundestagswahl, zu der er bereits einige Erklär-Clips produziert hat. Lisa Sophie liefert in ihrem Kanal “ItsColeslaw” eher Persönliches aus der Perspektive einer jungen Frau. AlexiBexi präsentiert ein Potpourri vom Technik-Test bis zur Comedy. Und schließlich Ischtar Isik, die laut Pressemitteilungmit gerade einmal 21 Jahren eine der erfolgreichsten deutschen Social-Media-Expertinnen im Bereich Fashion, Beauty und Lifestyle” ist. Formuliert hat diese Einschätzung das Studio71, das das Event produziert und redaktionell betreut. Das Tochterunternehmen der ProSiebenSat.1 Media SE vermarktet zahlreiche Youtuber international insbesondere im Rahmen kommerzieller Kampagnen des Influencer-Marketings.

Das gesamte Setting der Veranstaltung reflektiert einerseits die Kritik an der eher harmlosen Aufzeichnung von LeFloid und entspricht andererseits in etwa dem, was das Weiße Haus unter Obama etabliert hat. Beim US-Präsident war das Format allerdings klar als Regierungskommunikation im Anschluss an seine jährliche Rede zur Lage der Nation ausgerichtet. Hier wie da fungieren die Youtuber als Katalysatoren und Multiplikatoren, die sich im Vorfeld der Veranstaltung mit der durch die Abonnenten ihrer Kanäle konstituierten Community über relevante Themen austauschen und unter dem Hashtag #DeineWahl auch deren Fragen erheben.

So sollen Zielgruppen erreicht werden, die nicht mehr dort anzutreffen sind, wo sie einst Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) vermutet hat, als er die Parole ausgab: „Zum Regieren brauche ich nur BILD, BamS und Glotze.“

Nun hat allerdings gerade die heiße Phase des Wahlkampfs begonnen, und da würde ein Interview ausschließlich mit der Amtsinhaberin ihr doch Vorteile verschaffen. Sei es durch die exklusive Ansprache des Publikums der Youtuber oder dadurch, dass sie ihr Image damit aufpolieren kann, dass über das Event eben bei “BILD, BamS und Glotze” berichtet wird. Die Verantwortlichen scheinen sich dieser Problematik bewusst zu sein und stellen weitere Events dieser Art mit Politikern anderer Parteien in Aussicht.

TV-Duelle und Wahlabend bei YouTube

Unabhängig davon werden am 17. September rund 15 Youtuber in einem mehrstündigen „Community Live Stream“ mit ihren Fans zum Thema “Wahlen” in Dialog treten. Und auch die TV-Duelle am 4. und 5. September werden bei YouTube im Livestream zu sehen sein. Schließlich produziert Studio71 am Abend der Bundestagswahl für das öffentlich-rechtliche Online-Outlet funk.net unter dem Titel “Wahlgemeinschaft” eine mehrstündige Show: “Mehrere Moderatoren (…) führen durch den Abend und begrüßen prominente Youtuberinnen und Youtuber sowie aufstrebende Nachwuchs-Politikerinnen und -Politiker zum Talk. Das Format soll politische Inhalte für 14- bis 29-Jährige interessant aufbereiten, Informationen zum Wahlausgang vermitteln und natürlich unterhalten. Neben den Talks sind Auftritte von Musikerinnen und Musikern und spannende Live-Showelemente geplant.

Challenge und Comedy als politische Bildung

Auch die Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) bedient sich der Influencer und platziert eine zehnteilige ‚YouTube-Reihe zur Sensibilisierung für demokratische Wahl- und Entscheidungsprozesse‘: „Das Angebot ‚#erstewahl2017‚ richtet sich primär an Menschen, die zu ihrer Informations- und Meinungsbildung über gesellschaftliche und politische Zusammenhänge primär Ressourcen der Sozialen Netzwerk-Dienstleister und des Social Web nutzen.”. Dabei wird das Format der “Challenge” genutzt. In der Pilotfolge von Fitness-Vloggerin Sofia Martinez werden verschiedene Optionen vorgestellt. Die Zuschauer können abstimmen, welcher Herausforderung sie sich stellen muss. Es geht also um die Konsequenzen von Abstimmungen. Weitere Beiträge zu diesen und ähnlichen Aspekten des Wählens liefern Alycia Marie, Moritz Garth, Malternativ, Salomé Sylvana und Silvi Carlsson.

Ab dem 11. September 2017 beschäftigt sich dann das Comedy-Duo Space Frogs in ihrer „Space Cabin“ im Auftrag der BpB mit unterschiedlichen Themen der Wahl. “In fünf Folgen, die täglich vom 11.-15. September 2017 auf ihrem YouTube-Kanal ‘Space Radio’ erscheinen, fragen sie etwa: Wie funktioniert die Bundestagswahl überhaupt? Welchen Stellenwert nehmen Bildung oder Digitalisierung in den Programmen der Parteien ein? Und welche Gestaltungsideen haben die Parteien für die Zukunft der Rente oder Europas?

Abseits solcher koordinierten Aktivitäten wird Tilo Jung zur Bundestagswahl wieder mit exponierten Vertretern von Parteien in seinem bekannten “Jung & Naiv”-Format reden. Pointiert setzt er dabei einen Kontrapunkt zum Kanzlerinnen-Interview indem er mit dem Spitzenkandidaten der AfD, Alexander Gauland, gestartet ist. Und dem “Alex” fast zwei Stunden lang “naive” Fragen stellt.


Image (adapted) „YouTube“ by StockSnap (CC0 Public Domain)


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
  • #DEINEWAHL spiegel: Vier YouTuber befragen die Kanzlerin: Im September ist in Deutschland wieder Bundestagswahl und alle Parteien sind im Wahlkampf. Wie wichtig Influencer, besonders auf die junge Erstwähler sind, weiß auch Kanzlerin Angela Merkel und stellt sich erneut den Fragen von mehreren Webstars im Interview. Bereits vor zwei Jahren gab es ein großes Interview mit YouTuber „LeFloid“, das einige Kontroversen aufwarf. Dieses Mal sind vier Webstars aus verschiedenen Bereichen vertreten. Das Interview wird per Livestream übertragen, Zuschauer können im Voraus Fragen unter dem #DeineWahl einreichen – und werden dem Kanzleramt vorab nicht zur Freigabe zur Verfügung gestellt.

  • HEYTWITTER t3n: Shahak Shapira: „Wenn es witzig ist, feiere ich das ja auch, so ist es ja nicht“: Der deutsch-israelische Satiriker Shahak Shapira hat Twitter über 300 Hasskommentare gemeldet, das Unternehmen reagierte nur auf einen Bruchteil davon. Der Satiriker kritisierte dieses Verhalten und sprühte kurzerhand die Hasskommentare vor die Twitterzentrale in Hamburg, damit das Unternehmen sie nicht mehr ignorieren kann. In der Bevölkerung sind die Meinungen zwiegespalten. Die einen nennen die Aktion Volksverhätzung, da einige antisemitische und rassistische Beiträge so in der Öffentlichkeit zu lesen waren, andere unterstützen die Aktion. Twitter hat noch nicht reagiert.

  • ÜBERWACHUNG netzpolitik: Berliner Polizei hat letztes Jahr zwei Telefongespräche pro Minute abgehört: Aus dem Aktuellen Bericht der Berliner Polizei geht vor, dass letztes Jahr über eine Millionen Telefonate abgehört wurden. Der häufigste Grund sind Drogen oder ein Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz. Neben der Abhörung von Telefonaten hat sich auch die Überwachung von Internet-Anschlüssen verdoppelt. Diese Zahlen gehen aus dem aktuellen Jahresbericht hervor. Netzpolitik.org hat die Zahlen aus dem Bericht gesammelt und Visualisiert.

  • ALGORITHMEN wired: Google’s New Algorithm Perfects Photos Before You Even Take Them: Google Forscher haben kürzlich einen neuen Alortihmus vorgestellt, der Bilder in kürzester Zeit optimieren kann, wie ein professionelles Bildbearbeitungsprogramm. Das Programm erkennt alle Teile des Bildes die Verbesserungsmöglichkeiten bieten und kann sie innerhalb von 20 Millisekunden ändern. Diese Schnelligkeit ermöglicht, dass dem Nutzer das schon bearbeitete Bild im Bildsucher angezeigt werden kann, bevor das Foto überhaupt gemacht wurde. Die Software ist außerdem so gestaltet, dass sie sogar auf Smartphones eingearbeitet werden kann.

  • ANDROID O heise: Android O: Diese Geräte bekommen ein Update: Bisher haben nur wenige Hersteller sich dazu geäußert, ob ihre Geräte ein Systemupdate zu Android O erhalten werden. Gerüchten zufolge soll das Update bald veröffentlicht werden. Bekannt sind unter anderem die Flagschiff-Smartphones von Samsung und LG. Neuster Zugang sei das neue Sony Xperia. Jedoch müssen sich viele Android Nutzer selbst nach Release des Neuen Systems gedulden, da zum Zeitpunkt der Sourcecode von Google noch nicht freigegeben ist. Für viele Herrsteller muss die Oberfläche noch auf ihr Gerät angepasst werden.

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Chelsea Manning: Niemand hat mich zu Leaks angestiftet

Chelsea E. Manning auf Instagram (adapted) (image by xychelsea87 [CC BY-SA!] via instagram)

Chelsea Manning, Whistleblowerin und WikiLeaks-Informantin, hat erstmals nach ihrer Entlassung aus dem US-Militärgefängnis am 17. Mai ein ausführliches Interview gegeben. Darin betonte sie, dass das WikiLeaks-Team sie keineswegs aufgefordert habe, geheime Dokumente weiterzugeben. Dies habe sie vielmehr aus eigenem Antrieb getan. Anders lautende Gerüchte, die immer wieder aufgebracht und auch von der US-Regierung zitiert wurden, sind somit wahrscheinlich ein Versuch, WikiLeaks zu diskreditieren und seinen Status als journalistische Publikation in Zweifel zu ziehen.

Erstes Interview seit der Haftentlassung

Manning gab dem US-TV-Sender ABC ein Interview, das aufgezeichnet und am Freitag, den 9. Juni, im Rahmen der Sendung „Good Morning America“ ausgestrahlt wurde. Es handelt sich um ihr erstes großes Interview seit ihrer Entlassung aus der Haft am 17. Mai. Zuvor hatte die Whistleblowerin allerdings bereits per Twitter und Instagram der Öffentlichkeit einige Einblicke in ihr Leben in Freiheit gegeben.

„Niemand hat mich aufgefordert“

In politischer Hinsicht besonders wichtig und interessant ist Mannings Aussage, dass sie die Geheimdokumente, unter anderem das als ‚Collateral Murder‘ bekannt gewordene Video eines US-Helikopterangriffs, bei dem mehrere Zivilisten zu Schaden kamen, Dokumente über die US-Militäreinsätze im Irak und in Afghanistan sowie eine Vielzahl diplomatischer Telegramme der USA aus mehreren Jahrzehnten, nicht auf Aufforderung des WikiLeaks-Teams weitergegeben habe. „Alles, was ich getan habe, das bin ich. Es gibt niemand anderen. Niemand hat mich aufgefordert, das zu tun. Niemand hat mich angewiesen, das zu tun. Das bin ich. Es ist meine Verantwortung,“ erklärte die 29-jährige Ex-Militäranalystin.

Eine perfide Kampagne der US-Regierung

Die US-Regierung unter Donald Trump hatte WikiLeaks, insbesondere dessen Chefredakteur Julian Assange, zuvor vorgeworfen, die später veröffentlichten Geheimdokumente von Manning aktiv angefordert zu haben. WikiLeaks habe „Chelsea Manning bei ihrem Diebstahl spezifischer Geheiminformationen angeleitet“, erklärte CIA-Direktor Mike Pompeo im April. Über WikiLeaks sagte Pompeo: „Das sind Leute, die aktiv Agenten rekrutieren, um amerikanische Geheimnisse zu stehlen, mit dem einzigen Ziel, die amerikanische Lebensweise zu zerstören.“

Abgesehen von der konservativen bis nationalistischen Rhetorik – leider Standard bei der aktuellen US-Regierung – ist diese Behauptung auch faktisch falsch. Das haben Mannings Aussagen im ABC-Interview noch einmal bestätigt. Manning handelte auf eigene Faust und – wie sie immer wieder betont hat – aus idealistischen Motiven heraus. Die Behauptung, WikiLeaks habe sie angestiftet oder angeworben, ist schlichtweg ein Versuch, WikiLeaks zu kriminalisieren und eine Strafverfolgung seiner Aktivistinnen und Aktivisten zu ermöglichen. Obwohl Donald Trump WikiLeaks vor der Wahl sogar ausdrücklich lobte, ist es seit seinem Amtsantritt ein erklärtes Ziel seiner Regierung, WikiLeaks strafrechtlich zur Rechenschaft zu ziehen. Das ist der Hintergrund der wiederholten Versuche, WikiLeaks die Legitimität als journalistische Publikation abzusprechen.

Verlogen und undemokratisch

Mannings Aussagen haben noch einmal bewiesen, was von der aktuellen Kampagne der US-Regierung zu halten ist: Es handelt sich schlichtweg um eine ebenso verlogene wie undemokratische Taktik, die einer Strafverfolgung von WikiLeaks den Weg bereiten soll. Ein derartiges Vorgehen gegen Vertreter der investigativen Presse ist ein weiteres Indiz dafür, wie verlogen, undemokratisch und autoritär die Trump-Regierung ist.


Image (adapted) „Chelsea-E.-Manning-auf-Instagram“ by xychelsea87 (CC BY-SA)


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„Irgendwann kommen die ganz Großen auch aus Deutschland.“ – Gespräch mit Dr. Alex von Frankenberg

Titelbild_Dr.Alex von Frankenberg

Gründen ist schick. Viele junge Unternehmer entscheiden sich zu gründen, während sich der digitale Wandel zunehmend beschleunigt. Deswegen ist es besonders für Investoren wichtig, disruptive Innovationen rechtzeitig zu erkennen. Dr. Alex von Frankenberg, Geschäftsführer des High-Tech Gründerfonds (HTGF), finanziert mit seinem Team seit über zehn Jahren junge Startups in der Startphase der Gründung. Das Portfolio zeigt eine Vielzahl erfolgreicher Exits auf, unter anderem das Berliner Startup 6 Wunderkinder, das 2015 für eine dreistellige Millionensumme von Microsoft übernommen wurde.

In Bonn hat Frankenberg im Rahmen des Family Day 2017 vor mehr als 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Wirtschaft, Politik und Startup-Szene das First Closing des HTGF III mit einem Volumen von 245 Millionen Euro verkündet. Zu den Investoren gehören neben öffentlichen Partnern wie dem Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) und der KfW derzeit 26 Unternehmen aus Industrie und Wirtschaft. Der High-Tech Gründerfonds III investiert damit ab Herbst 2017 bis zu drei Millionen Euro, in Ausnahmefällen auch mehr Risikokapital, pro Unternehmen.

Wie schwer es ist, erfolgreiche Innovationen zu erkennen, die richtigen Unternehmen zu finanzieren und wie es um die deutsche Startup-Szene steht, erzählt er im Interview.

Melina Mork: Sie haben mit 6 Wunderkinder und ihrer App „Wunderlist“ eines der populärsten deutschen Startups finanziert. Wann finden Sie das nächste „Wunderlist“?

Alexander von Frankenberg: Ich glaube, wir haben ganz viele „Wunderlists“ im Portfolio. Das kann man an verschiedenen Dingen festmachen. Zum Beispiel mit den Bewertungen im dreistelligen Millionenbereich, wie Mister Spex, Outfittery und vielen anderen. Ich glaube die Zeiten sind so, dass sich immer mehr neue Wunderkinder zur Gründung entscheiden und ein erfolgreiches Unternehmen aufbauen.

Startups gelten besonders dann als erfolgreich, wenn sie eine Branche nicht nur ein kleines bisschen, sondern gleich fundamental durchschütteln. Wie erkennt man eine solche disruptive Innovation?

Ich würde sagen, Startups sind auch erfolgreich, wenn sie eine inkrementelle Innovation haben, die den Markt nicht komplett durchschüttelt oder verändert. Es gibt auch viele tolle Beispiele, wie disruptive Innovationen erst Jahre danach als solche erkannt wurden. Mein Lieblingsbeispiel ist der Strategiechef von Nokia, der Ende 2009 gesagt hat, dass das iPhone, ähnlich wie der Macintosh, irgendwo in einer Nische hängen bleiben wird. Er hat die disruptive Innovation damals nicht erkannt. Wie erkennt man diese Situationen also als Investor?

Mein Geheimnis ist: Man denkt, es sei vielleicht Quatsch. Dann gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder es ist wirklich Quatsch oder es ist eine disruptive Innovation. Man denkt nur, dass es Quatsch ist, weil es etwas komplett Neues ist, das nicht in unser Weltbild passt. Oft erkennt man die Innovation erst Jahre danach.

30 bis 50 Prozent von geförderten Startups scheitern. Warum können selbst Profis wie Sie nicht immer die Spreu vom Weizen trennen?

Das ist eine gute Frage. Hierbei gibt es viele Sollbruchstellen und Punkte, an denen ein Startup scheitern kann. Erstens, das Team hat noch keine Betriebserfahrung, hat noch nie zusammengearbeitet oder hat noch nie ein Produkt verkauft. Zweitens, die Technologie ist noch nicht fertig und der Markt ist den Gründern noch unklar.

Auf dem Weg von der Gründung bis zum erfolgreichen Unternehmen gibt es so viele Dinge, die schief gehen können. Auch die besten Gründer schaffen es nicht immer, alle Sollbruchstellen erfolgreich zu passieren. Und dann scheitern auch Unternehmen, die eigentlich gut aussehen, weil es durch ein Risiko doch nicht klappt.

Haben Sie Fehlervermeidungsvorschläge für Gründer?

Man kann zum einen schauen, an welchen Dingen andere Unternehmen gescheitert sind. Das ist zu allererst Streit. Das ist natürlich, man ist sich nicht immer einig. Man streitet, aber man muss auch irgendwann damit aufhören. Ansonsten ist das Unternehmen zum Scheitern verurteilt. Die zweite Fehlerquelle ist die Gefahr, zu viel Geld auszugeben. Man ist optimistisch und plant auch die Umsätze zuerst sehr optimistisch. Das Geld geht allerdings ganz schnell aus, wenn die eingeplanten Umsätze erst später eintreffen. 

Ein weiterer Fehler ist, dass man etwas macht, von dem man nicht zu hundert Prozent überzeugt ist. Heutzutage ist es einfach schick zu gründen – meine Freunde haben gegründet, jetzt muss ich auch gründen. Das ist schwierig, weil dann die Innovation des Unternehmens so gering ist, dass es zu nichts führt. Man muss von seiner Idee auch wirklich überzeugt sein. Erst dann kann man auch andere davon überzeugen.

Auf dem dem PIV-Branchentalk haben Sie Bitcoin, KI (Watson) und Carsharing (Uber) als drei Bereiche mit besonders großem Disruptions-Potenzial bezeichnet. Warum empfehlen Sie in diese Bereiche zu investieren?

Ich glaube, diese Bereiche sind nicht die einzigen Felder, die man beobachten sollte. Aber sie sind mögliche Beispiele für disruptive Innovationen, für die ich mich durchaus auch aus dem Fenster lehnen würde. Ich glaube, Bitcoin und Blockchain kann unser System von Grund auf verändern, es kann aber auch scheitern. Es kann sein, dass wir in zwei Jahren gar nicht mehr davon reden. Wer weiß schon, was die Zukunft bringt. Und das Schöne an Innovation und an der Zukunft ist, ist dass wir sie nicht kennen. Es ist nicht klar, was sie uns bringt – im Positiven wie im Negativen. Was bedeutet, dass es noch viele Möglichkeiten geben wird.

Die genannten Beispiele für Trends und Startups kommen nach wie vor aus den USA. Wird die deutsche Startup-Szene jemals aus dem Schatten des Silicon Valley treten können?

In der Tat kommen viele Innovationen aus den USA. Es gibt aber auch mehr Amerikaner, die offener sind, neue Dinge auszuprobieren. Das liegt an der Innovationsfreudigkeit, die dort höher ist als in Deutschland. Kommen diese Sachen irgendwann mal aus Deutschland? Mit Sicherheit. Ich glaube wir haben so eine derartige Dynamik, dass Unternehmer, die auch zum zweiten oder zum dritten Mal gründen, mehr Mut haben werden, neue Sachen auf den Markt zu bringen.

Tolles Beispiel ist Frank Thelen mit seiner Investition in ein fliegendes Auto. Noch ist unklar, ob es was wird. Es gibt positive Anzeichen, es gibt aber auch Skeptiker – aber Frank ist jemand, bei dem man merkt, wie er sich emanzipiert und den Mut hat, etwas ganz großes zu machen. Deswegen bin ich mir sicher, irgendwann kommen die ganz Großen auch aus Deutschland. Wir brauchen uns auch nicht vor der Geschichte verstecken, weil die großen Marken historisch aus Deutschland kommen. Auto erfunden, Computer erfunden – es gibt ganz viele Sachen, die aus Deutschland kommen und das wird wieder so sein.

Sie sagen, wie wichtig die Unterstützung von Startups ist, die Auslandstandorte aufbauen wollen. Heißt das, der deutsche Markt ist Ihrer Meinung nach gesättigt?

Wir reden ja immer vom deutschsprachigen Raum, der ist ja sehr groß. Es gibt 100 Millionen Menschen, die dort leben, was ein unheimlich großer Markt ist. Man kann auch sehr erfolgreich sein, wenn man sich nur in diesem Markt bewegt. 

Um wirklich richtig groß zu werden, um Weltmarktführer zu werden, oder in die Weltspitze vorzudringen, muss man natürlich aus Deutschland, wahrscheinlich sogar aus Europa raus. Es gibt DAX-Unternehmen, die Auslandsumsatzanteile von um die 80 Prozent haben, das ist heutzutage nichts Besonderes mehr. Eigentlich steht es in der Tradition der deutschen Firmen, dass die Wirtschaft von hier kommt, und dass wir aber auch sehr erfolgreich im Ausland sind.

Nach Nokia und Kodak haben ja viele große Technologie-Firmen Angst davor, von disruptiven Startups aus dem Spiel genommen zu werden. Inwiefern könnte die Zusammenarbeit mit Startups auch innerhalb von großen Firmen Innovationen fördern? Welche Möglichkeiten haben Corporates dafür?

Die meisten Innovationen sind inkrementell. Und genau da ist das Potential für Zusammenarbeit. Firmen können davon profitieren. Durch die Startups haben sie Zugang zu Innovation und die Startups bekommen im Gegenzug Zugang zu Ressourcen, zu Know-How und die Möglichkeiten, Partnerschaften einzugehen. Aber es gab auch schon Fälle, in denen die Innovationen der Startups so stark waren, dass eine Firma vom Markt verdrängt wird. Aber der Normalfall ist, dass man sehr gut zusammenarbeiten kann.

Sie können über Startups alles im Netz recherchieren: Inwiefern bleibt das persönliche Beschnuppern auf Gründer-Konferenzen wie dem Family Day 17 weiterhin wichtig?

Solche Termine sind definitiv noch wichtig! Das persönliche Treffen, das Bild, das man sich durch das Treffen in einem Raum macht, ist gerade am Anfang einer Beziehung super wichtig. Auch mit vielen jungen Unternehmern, die auf mich zukommen, sage ich immer wieder, dass ich sie persönlich kennenlernen möchte, egal ob am Anfang oder auch zwischendrin bei Vertragsverhandlungen oder Kooperationen. Natürlich muss man nicht alles persönlich machen, man kann in den Arbeitsphasen den Kontakt per E-Mail oder Telefon halten. Aber ganz ohne persönlichen Kontakt wird es sehr schnell sehr schwer.

Nehmen wir an, ich bin Entrepreneurin mit einer bahnbrechenden Idee. Wo genau kann ich Sie antreffen und meine Idee vorstellen?

Den High-Tech Gründerfond kann man überall antreffen. Zum einen über die Investmentmanager, zum anderen sind wir, die Geschäftsführer Michael Brandkamp und ich, auch viel unterwegs. Wir geben viele Vorträge, sind auf Messen und Wettbewerben. Und wir sind auch immer bereit dafür, wenn uns junge Unternehmer ansprechen und sagen: „Hallo hier bin ich, das ist meine Idee, was haltet ihr davon?“. Wir schauen uns alle Unterlagen an, die wir bekommen. Und durch unseren neuen Fond, haben wir nicht nur mehr Partner aus der Wirtschaft und Industrie, sondern auch mehr Mittel zur Verfügung, um Unternehmen zu finanzieren, die bis zu drei Jahre alt sein können. 

Haben Sie auch schon Unternehmen finanziert, die neben einer guten Idee noch keine ausgereiften Pläne vorzuweisen hatten?

Ja, in der Tat.  Manche kommen schon mit kleinen Umsätzen, aber manche haben auch nur einen groben Businessplan. Natürlich ist es leichter zu finanzieren, wenn ein Unternehmen schon Umsätze hat, weil dann ein paar Risiken und Sollbruchstellen wegfallen. Aber als Seed-Investor muss man sich auch auf sehr unreife Konzepte freuen. Und wir haben auch schon Unternehmen finanziert, die noch nichts vorzuweisen hatten, außer einer sehr guten Idee und einem motivierten Team.


Image (adapted) by Alexander von Frankenberg

Image (adapted)“Gedanken“ by TeroVesalainen (CC0 Public Domain)


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Innovations- und Technologie-Experte Kian Saemian: „Virtual Reality ist nicht der heilige Gral“

Image (adapted) by szfphy (CC0 Public Domain) via Pixabay

Praktisch jedes Unternehmen sehnt sich danach, „innovativ“ zu sein. Vor lauter Aktionismus tappen deswegen viele blindlings in die Falle von Technologie-Hypes. Wie Unternehmen auf sinnvollem Weg ihre „Zukunft durch Innovation“ sichern, stand jetzt im Mittelpunkt des gleichnamigen Branchentalks des Photoindustrie-Verbands (PIV). Über die Chancen und Risiken von Virtual Reality im Unternehmenseinsatz sprachen wir am Rande der Konferenz mit Kian Saemian. Er ist Senior Manager Business Development bei Mackevision, einem deutschen Spezialisten für Computer Generated Imagery, der unter anderem visuelle Effekte für die Blockbuster-Serie Game of Thrones produziert hat.

Julia Froolyks: Guten Tag, Herr Saemian. Wie viel Hype steckt noch im VR-Thema? Wie viel Wertschöpfung können Unternehmen tatsächlich schon damit generieren?

Kian Seamian: Stellen Sie sich vor, Sie stehen an einer Türe, hinter der sich ein extrem langer Gang befindet. Da, wo wir nun im Bereich VR stehen, haben wir die Türe aufgemacht und sind ein bis zwei Schritte gegangen. So würde ich den Stand von VR momentan beschreiben, in Bezug auf die Nutzung und Ausschöpfung dieser Technologie. Das heißt, es ist noch ein extrem langer Weg mit vielen Verbesserungen. Der tatsächliche Hype um VR ist mittlerweile aber stark abgeflacht, da VR-Brillen seit über einem Jahr final für den Massenmarkt existieren. Für mich sind VR, AR und Mixed Reality zukunftsweisend. Sie werden wichtige Bestandteile für Industrien in der Zukunft sein.

Welche Vorteile bietet Virtual Reality im Marketing gegenüber echten Erfahrungen?

Nehmen wir das Beispiel der Automobilbranche. Neue Showrooms und Flagship-Stores sind meistens direkt in der Innenstadt – also ist der Platz hier sehr begrenzt. Etwa in den Mercedes ME Stores stehen mittlerweile nur noch ein bis zwei Auto im Showroom. Das heißt, dass Kunden oft nicht mehr die Möglichkeit haben, ihr Wunsch-Auto anzufassen. Durch ein VR-Erlebnis kann der Kunde seine Wunschausstattung trotzdem erleben. Hierbei sitzt der Kunde tatsächlich in einem Autositz, kann sich bewegen und die Umgebung erkunden. Dann hat er die Möglichkeit die Materialien und Ausstattungen zu wechseln. Wir haben Zugang zu den Konstruktionsdaten der Hersteller. Von Design bis Engineering können wir die Daten verwenden, die ein Abbild der Realität quasi ein digitaler Zwilling sind. Dadurch können wir Logos, Knöpfe, Materialien und vieles mehr eins zu eins umsetzen. In diesem Sinn hilft VR-Technologie dabei, Sales-Prozesse zu verkürzen.

VR-Marketing sehe ich als riesigen Zukunftsmarkt. Nicht nur bei Autos, sondern auch in den Bereichen Architektur und Bauen. Hier können Gebäude und Räume geplant werden, Wohnungen können final in einer ausgesprochen guten Qualität konfiguriert werden. Ich sehe auch im Unterhaltungsbereich großes Potenzial. Zum Beispiel beim Konsumieren von Filmen. Virtuelle Realitäten bieten hier nicht nur das passive Ansehen von Filmen, sondern ermöglichen eine direkte Interaktion. Ein weiterer Punkt ist die Tourismus-Industrie. Mittels VR-Brille können Menschen andere Länder erkunden, die sie sonst niemals sehen würden.

Finden Sie das nicht erschreckend? Dann reist ja niemand mehr.

Es geht hier vor allem um Menschen, die nicht mehr reisen können oder nicht die finanziellen Mittel zur Verfügung haben. Erschreckend finde ich das nicht – die jüngeren Generationen werden eine ganz andere Sicht auf diese Technologien haben. Als das Internet noch jung war, da fanden Menschen das auch erschreckend und ungewohnt – heute sagt niemand mehr, dass er die Möglichkeiten des Internets erschreckend findet. Die Perspektiven auf die Technologien ändern sich generationenbedingt ständig und das wird meiner Meinung nach immer so bleiben.

PIV Mitgliederversammlung NETZ (100 von 259)
Kian Saemian – Image by Photoindustrie-Verband e.V.

Welche Breitenwirkung wird VR haben? Bleibt das vielleicht bloß eine Nische? Sollten Unternehmen VR vielleicht gleich überspringen und auf AR setzen?

Das ist ganz stark vom Nutzen der Technologie abhängig. Virtual Reality sowie Augmented Reality haben ihre Daseinsberechtigung. VR und AR konkurrieren nicht miteinander, sondern sind für unterschiedliche Zwecke sinnvoll. Beispielsweise wird es AR niemals schaffen, eine emotionale Situation so zu erzeugen, wie man es mit VR kann. Das liegt vor allem daran, dass eine VR-Brille den Verbraucher komplett abkapselt – dadurch liegt der Fokus komplett im Produkt und dem Erlebnis, da keine Ablenkungen stattfinden, wie sie bei AR durch die offene Umgebung passieren können. Das ist also ganz stark Situationsabhängig.

VR oder AR – wie können Unternehmen für sich die passende Technologie finden?

Zunächst einmal sollten Sie sich nicht von der Euphorie rund um eine Technologie in die Irre führen lassen. Die Konzentration auf einen Hype kann dazu führen, dass Unternehmen ihr Marketing völlig ineffizient ausrichten. Denn es kann sein, dass für das eigentliche unternehmerische Problem eine ganz andere Technologie in Frage kommt, die besser zum Unternehmen und zum Kunden passt. Dabei muss eine Firma sich selbst sehr gut kennen und wissen, wo überhaupt die Überlappung von Unternehmen und entsprechender Technologie stattfindet.

Wo liegt die Gefahr darin, wenn Unternehmen auf den falschen Trend setzen?

Im Bereich der VR beobachte ich, dass sehr viele Applikationen herausgebracht werden, die schlichtweg unausgereift sind. Das Potenzial dieser innovativen Energie wird dadurch überhaupt nicht genutzt. Das führt am Ende dazu, dass der Endkunde von der Technologie enttäuscht ist. Der Erfolg bleibt hier dann leider aus. VR ist nicht der heilige Gral. Genauso wenig wie alle dem „mobile first“-Mantra im blinden Gehorsam hinterherrennen sollen. Die Technologie muss zur Customer Journey passen.

Für welche Branchen ist VR-Marketing eher ungeeignet?

Das lässt sich natürlich nicht pauschal sagen. Ein Beispiel aus meiner Erfahrung wäre hier jedoch ein Unternehmen aus der Finanzbranche, das im letzten Jahr Interesse an einer VR-Experience gezeigt hat. Konkret ging es hier um ein VR-Terminal in einer Bank, bei dem ein Avatar mit den Kunden über Finanzfragen kommuniziert. Hier macht VR für mich jedoch absolut keinen Sinn, da eine VR-Anwendung in diesem Fall keinen Mehrwert für den Kunden bietet. Ein klassisches Beispiel für einen Staubfänger, der von Kunden nicht genutzt wird.

Inwiefern kann ein industrieübergreifender Austausch wie beim PIV Branchentalk dabei helfen, die passende Lösung zu finden?

Es gibt zahlreiche Industrien, die aktuelle und neue Technologien überhaupt nicht bewusst wahrnehmen. Deshalb ist es umso wichtiger, dass Entscheider über den Tellerrand hinausschauen und Möglichkeiten nicht verschlafen. Auf branchenübergreifenden Kongressen entstehen oft erst Anregungen für ganz neue Lösungen. Ein Beispiel aus der Medizinindustrie: Es lassen sich mittlerweile Phobien und Ängste mittels VR-Brillen therapieren. Dem ist ein branchenübergreifender Austausch vorangegangen, bei dem Menschen die Brücke zwischen VR und Gesundheitswesen geschlagen haben.

Bei künstlicher Realität geht es in erster Linie um visuelle Erlebnisse, also die Domäne der Imaging-Industrie. Inwiefern können Imaging-Firmen zum weiteren Erfolg dieser Technologien beitragen?

Gute Linsen und Sensoren sind entscheidend für gelungene VR-Erlebnisse. Hier sehe ich eine gute Chance für den klassischen Imaging-Markt, der sich in den letzten Jahren zum Glück immer weiter geöffnet hat – beispielsweise im Bereich 360-Grad-Kameras. Ein gutes Beispiel für Input aus der Imaging-Industrie ist die – allerdings nicht offiziell bestätigte Zusammenarbeit zwischen Zeiss und Apple an einer gemeinsamen Datenbrille.

Gibt es eine Technologie, die Sie neben künstlicher Realität in Zukunft ganz vorne im Bereich Imaging sehen?

Ich sehe quasi eine Explosion in den nächsten Jahren im Bereich der Lichtfeld-Technologie, die es erleichtert, Bilder nachträglich zu refokussieren. Das ist vor allem für den Otto-Normal-Verbraucher interessant, da auf diese Weise ein unscharfes Foto nachträglich gerettet werden kann. Zusätzlich wird die Lichtfeld-Technologie auch Bewegungen innerhalb eines Bildes ermöglichen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit dem Photoindustrie-Verband e.V. (PIV) entstanden.


Image (adapted) „Virtuelle Realität“ by szfphy (CC0 Public Domain)


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Stowe Boyd über Slack, Coworking und die Zukunft der Arbeit


Dieser Beitrag ist Teil einer Artikelreihe im Vorfeld der internationalen Tech-Konferenz Viva Technology, zu der vom 15. bis 17. Juni 2017 rund 50.000 Teilnehmer und über 5.000 Startups nach Paris kommen. Die Netzpiloten werden als Medienpartner der Viva Technology mit vor Ort sein. Und hier gibt es Tickets für das Event zu gewinnen.


Der Futurist und Forscher Stowe Boyd hat schon den ein oder anderen Trend in der vermeintlichen Arbeitswelt von morgen aufgespürt, getestet und kommentiert – und manche davon dann auch wieder spurlos verschwinden sehen. Nicht alles, was die Zukunft der Arbeit sein soll, hat dann auch die Macht, wirklich etwas zu verändern. Wir haben uns mit ihm im Vorfeld der VivaTech, auf der er auch als Redner auftreten wird, über Slack, Coworking, und wie Künstliche Intellligenz die Zukunft der Arbeit verändern wird, etwas genauer unterhalten: 

Tobias Schwarz: Vor beinahe neun Jahren haben Sie ein Interview mit einem meiner Vorgänger, Peter Bihr, bei Netzpiloten durchgeführt und erklärt, warum die E-Mail nicht mehr funktioniert. Was denken Sie heute über die E-Mail?

Stowe Boyd (adapted)
Image by Stowe Boyd

Stowe Boyd: Ich wette, dass ich so etwas Ähnliches wie das Folgende gesagt habe: Wir wollen die E-Mail für ein weites Spektrum von Anwendungsfällen anwenden, es stellt sich jedoch heraus, dass es am besten für Applikationen, die Spaminhalten sehr ähnlich sind, geeignet ist, wie beispielsweise E-Mail-Newsletter. Die Stelle, an der E-Mail nur schlecht funktioniert, ist exakt dieselbe wie die, bei der die Menschen eine Art der Arbeitskommunikation anwenden wollen – wie beispielsweise Slack, Hipchat und Microsoft Teams –, speziell rund um Kommunikationen in kleinen Gruppen. Die E-Mail ist geschäftlich, während ein Chat dialogorientiert ist.

Die E-Mail ist überhaupt nicht tot, die sofortige Nachrichtenübermittlung nimmt jedoch zu. Diese Veränderung geschah sogar in Unternehmen mit Programmen wie Slack, Circuit und Microsoft Teams. Ist das lediglich ein Trend der Kommunikation – oder wird dies der neue Standard sein?

Ja, dies sind Arbeitskommunikationsprogramme. Sie sind chatraumbasiert und unterscheiden sich etwas gegenüber sofortiger Nachrichtenübermittlung, basierend auf Freundeslisten. Arbeitskommunikation ist grundsätzlich eine Ablehnung der dominanten Entwurfsmetapher der vorangegangenen Ära, der seriellen Datenübertragung auf der Arbeit, wie sie mit den Programmen Yammer, Chatter und IBM Connections gefunden werden kann.

Die Arbeitskommunikation agiert hauptsächlich auf der Basis eines kleineren Teams, also mit weniger als zehn bis zwölf Mitarbeitern, während sich die serielle Datenübertragung an die Arbeit auf einer höheren sozialen Ebene, wie mit dutzenden oder hunderten von Menschen  orientiert. Man muss dabei bedenken, dass die meiste Arbeit in kleinen Teams vollbracht wird.

Vor einigen Monaten kritisierten Sie Slack aufgrund der geringeren Effektivität der  Gruppenchats mit einer Gruppe, die größer als zehn Leute ist. Wie können sich Ihrer Meinung nach, auf die Bürokommunikation zugeschnittene Programme, verbessern?

Sie stellen den Sinn des Gesagten falsch dar. Zunächst wies ich darauf hin, dass die optimale Gruppengröße bei der Arbeitskommunikation – wie bei Slack – bei unter zwölf Personen liegt. Zweitens vermerkte ich das Phänomen der „sozialen Vermengung“, die in Organisationen passiert, die Slack-Kanäle offen lassen. Eine Menge Leute von Außerhalb fangen an, den Chaträumen beizutreten und die Arbeit des Kernteams zu unterbrechen, indem sie zu viele Fragen stellen und eine Menge Lärm machen. Drittens passieren eine Menge verborgener Sachen in Chaträumen, weil diese Räume intransparent sind. Intransparent kann jedoch, abhängig vom Kontext, sowohl gut als auch schlecht sein.

Das stimmt, aber wie wir arbeiten, ändert sich grundlegend – es wird mehr dezentralisiert und miteinander verbunden sein, wenn es nicht jetzt schon der Fall ist. Welches sind Ihrer Meinung nach die anderen Veränderungen, abgesehen von Bürokommunikation, die wir in den nächsten zehn Jahren sehen werden?

Wir haben die vollen Auswirkungen der etablierten Erfindungen des 21. Jahrhunderts – wie beispielsweise mobile, soziale und Kommunikationstechnologien, die das menschliche Leben umorganisiert haben – nicht voll integriert und der Durchbruch zu dem, was als digitale Transformation im Unternehmenssektor bezeichnet wird, ist eine direkte Konsequenz aus diesen Megatrends.

Wir werden allerdings nicht die Zeit haben, um diese Welle zu Ende zu reiten, weil wir von einer Vielzahl anderer Technologien getroffen werden, die wahrscheinlich gleichwertige oder größere Auswirkungen auf uns haben werden: Künstliche Intelligenz, erweitere Realität und das Internet der Dinge. Insbesondere die KI stellt außergewöhnliche Herausforderungen für die Zukunft der Arbeit dar. Gerade die KI kann zu einer Zukunft ohne Jobs führen, wenn sie sich in jeder Ecke und Nische ansiedelt, während die Welt immer „führerloser“ wird. Ich arbeite an einem Buch zu diesem Thema, es trägt auch den Arbeitstitel „Führerlos“.

In einem Interview, das Sie mit Jennifer Magnolfi geführt haben, sagten Sie einmal, dass Sie fasziniert sind von der Vorstellung, dass Unternehmen sich Coworking und Räume wie Nährböden anschauen – Sie nannten das den „Laufstall des Coworking“. Da ging es um Tischtennisplatten, Nerf-Waffen und so weiter. Was wurde zur modernen Antwort des Cubes und dem Arbeitsbereich des 21. Jahrhunderts, der sich durch geschlossenen Türen auszeichnet? Was denken Sie heutzutage über Coworking?

Ich denke, dass Coworking als ein Element der modernen Umwelt des Arbeitsplatzes fest etabliert ist. Die Ökonomie ist für Freiberufler, Startups, kleine Teams und sogar in größeren Unternehmen gerade sehr spannend. Zur selben Zeit ist Coworking ein Teil des Trends, weil es überall vorkommt. Die Ästhetik, die jeden Arbeitsplatz auf dieselbe, unpersönliche und entmenschlichte Weise ausschauen und funktionieren lässt. Der Umstand, dass ich für ein paar Stunden mit wenig Ausrüstung und geringen Kosten zu einem Coworking-Space kommen kann, oder einem Café oder einer öffentlichen Bibliothek, erscheint wie ein Schnäppchen.

Auf der anderen Seite: wenn ich gehe, ist es so, als ob ich nie da gewesen wäre. Ich bin nicht davon überzeugt, dass alle unserer Arbeitsplätze – und zu einem wachsenden Umfang gehört auch unser Zuhause dazu – keine Spur von uns aufweisen sollten, wenn wir einmal gehen.

Auf der jährlichen deutschen Coworking-Konferenz COWORK wurde diskutiert, dass Coworking als ein kleiner Trend zu einer kleineren Industrie kommerzialisiert wird und ersetzt, was davor war. Denken Sie, dass Coworking im Unternehmensbereich oder Lösungen des  Büro-Sharings von Immobilienunternehmen wie WeWork die Zukunft dieser Bewegung darstellen?

Kommerzielles Coworking ist eine Antwort auf die fehlende Verwurzelung und die geringen Margen, die mit der Ökonomie von Freiberuflern und Startups verbunden wird. Die Zahl der Freiberufler nimmt zu, zumindest in den vereinigten Staaten, und zwar aufgrund der Verschiebung der Arbeitsstruktur von Vollzeitangestellten zu auftragsbasierten „Arbeitnehmern“ und Unternehmen. Also wird der Trend weitergehen.

Vor einigen Wochen beriet ich eine Gruppe, die von dem Bundesministerium für Bildung und Forschung eingeladen wurden, um darüber nachzudenken, wie die Zukunft der Arbeit im Jahr 2030 aussehen wird. Sie beschrieben Dinge, die sie im Jahre 2030 haben möchten, die bereits Realität sind – von denen sie nur nichts wussten. Wie wird Arbeit im Jahr 2030 aussehen?

Alfred North Whitehead sagte einmal: „Es ist das Geschäft der Zukunft, gefährlich zu sein“. Tatsächlich zu erraten, wie die Zukunft aussehen wird, kann erschreckend sein. Die Leute werden angehalten, keine weiteren Änderungen vorzunehmen, selbst wenn sie danach gefragt werden. Sie tun lieber so, als wäre morgen genau wie gestern, obwohl sie es nicht wirklich glauben. Die Alternative wäre, ihre grundlegenden Prämissen zu hinterfragen, die unsere heutigen Gesellschaft darstellt.


Image by Stowe Boyd


Die Netzpiloten sind Partner der Viva Technology und werden vor Ort berichten. Wir verlosen Tickets für das Event, das vom 15. Bis 17. Juni 2017 in Paris stattfindet. Um an der Verlosung teilzunehmen, macht einfach mit und nutzt eure Chance auf Tickets for free für die Viva Technology! Zeit habt ihr dafür bis Dienstag, den 06. Juni. Viel Glück!

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„Wenn die Möglichkeit da ist, unterrichte ich digital!“: Einblicke in die Lehrerwelt

Read (adpted) (CC0 Public Domain) via pixabay

In Zusammenhang mit der Digitalisierung der Bildung wird auch viel über die Lehrer und Lehrerinnen geredet. Kommen sie mit dem Wandel gut klar? Wollen sie überhaupt irgendwas ändern? Um diese Mutmaßungen zu beenden, haben wir nachgefragt. Im Gespräch mit dem Schweizer Deutschlehrer Philippe Wampfler geht es um seinen eigenen digitalen Unterricht, Tipps für Neueinsteiger und das Mädchen-Jungen-Klischee.


Philippe Wampfler unterrichtet Deutsch, Philosophie und Medienkunde an der Kantonsschule Wettingen (Schweiz). Als Autor und Berater arbeitet er zu digitaler Bildung. Zudem ist er als Dozent für Fachdidaktik Deutsch an der Uni Zürich in der Lehrerausbildung tätig.


Lina Carnap: In Ihrem Buch schreiben Sie “Medienkompetenz ergibt sich aus einer Kombination von Wissensaufbau, Mediennutzung und Medienreflexion”. Können Sie dies näher erläutern?

Philippe Wampfler: Medienkompetenz erlangt man nicht nur darüber, dass jemand vor einem steht und einen Vortrag hält. Um medienkompetent zu werden, muss man die Medien benutzen. Der Umgang mit diesen muss ausprobiert und verankert werden. Gleichzeitig muss man immer wieder die Auswirkung des Einsatzes der digitalen Medien auf einen selber und seine Umgebung reflektieren.

Was bedeutet das für die Lehrkräfte?

Jeder und jede, die unterrichtet, muss auch jedes Mal wieder dazu lernen. Zu belehren ohne zu lernen, führt zu einer sehr einseitigen Angelegenheit. Gerade wenn es um Medien und Mediennutzung geht, muss man sich speziell als Lehrkraft ständig mit neuen, sich wandelnden Trends und Tools auseinandersetzten, mit denen die Schülerinnen und Schüler eventuell besser umgehen können. Passiert dies nicht, kommt es oft dazu, dass Lehrkräfte glauben, ihre Schülerinnen und Schüler vor den Gefahren schützen zu müssen, die das Internet mit sich bringt. Dabei verpassen sie aber oft die richtige Ansprache.

Haben Sie dafür ein Beispiel?

Ein Paradebeispiel ist die Aktion von vielen Lehrkräften, die ihren Schülerinnen und Schülern etwas über Internetsicherheit beibringen wollen. Dabei rufen sie dazu bei Facebook auf, ihr Bild zu teilen, auf dem sie ein Schild hochhalten mit der Aufschrift „Bitte teilt dieses Bild, damit meine Schülerinnen und Schüler sehen können, wie schnell ein Foto bei vielen Menschen auf der ganzen Welt gesehen werden kann“.

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Philippe Wampfler – Image by politik-digital

In dem Fall hat das nicht wirklich viel mit der Realität zu tun. Man erzeugt einen Effekt, der auf die Schülerinnen und Schüler persönlich so nicht zutrifft und verfehlt dabei über Dinge zu reden, die für die Jugendlichen wirklich wichtig sind.

Kommen wir auf Ihren eigenen Unterricht zu sprechen. Ist Ihr Unterricht immer digital?

Wenn in meinem Unterricht die Möglichkeit besteht, etwas digital zu bearbeiten, dann versuche ich das auch umzusetzen. Auch die Schülerinnen und Schüler arbeiten dann an ihren Laptops. Wir nehmen jetzt einen neuen Roman im Unterricht durch. Den versuchen wird biographisch aufzuarbeiten. Dazu sollen die Schülerinnen und Schüler im Internet recherchieren, in Schreibprogrammen dokumentieren und sich dann in Gruppen austauschen.

Spielen Stift und Zettel da überhaupt noch eine Rolle?

Teilweise greifen wir noch zu Stift und Zettel. Aber das, was geht, versuchen wir am Laptop zu erledigen. Dazu muss man sagen, dass dieses Konzept nur umsetzbar ist, da die meisten ihren eigenen Laptop mitbringen. Anders würde es gar nicht gehen.

Abgesehen vom Unterschied zwischen Stift und Tastatur, was ist die Besonderheit Ihres digitalen Unterrichts?

Was ich versuche ist, dass alles, was die Schülerinnen und Schüler schreiben, in irgendeiner Form veröffentlicht wird. Auf einem Blog beispielsweise. So merken die Schülerinnen und Schüler, dass ihre Texte tatsächlich auch wichtig sind, dass es Außenstehende lesen können. Sie bekommen ein Publikum. Dies steigert natürlich auch die Motivation ungemein.

Gab es auch schon Situationen, in denen etwas gar nicht funktioniert hat?

Natürlich funktioniert mal was nicht. Das kommt immer wieder vor. Aber nur so kann man neue Sachen ausprobieren. Manchmal klappt es und manchmal eben nicht. Der Einsatz von digitalen Medien an sich ist noch lange kein Selbstläufer. Daher ist die Reflexion, wie vorhin schon angesprochen, ein sehr entscheidender Schritt.

Sie integrieren auch die Sozialen Medien in Ihren Unterricht. Sind diese unbedingt notwendig?

Für vieles, was man im Unterricht machen möchte, ist der Einsatz von Sozialen Medien nicht direkt notwendig. Dennoch gibt es zwei wesentliche Punkte, weswegen es auch sinnvoll sein kann, Soziale Medien in der Schule zu behandeln. Zum einen ist es für Jugendliche wichtig, die Nutzung von Sozialen Medien zu reflektieren. Beispielweise ist es interessant, sich mit den Schülerinnen und Schülern YouTube-Videos anzugucken, um herauszuarbeiten, welche rhetorischen Mittel benutzt werden. So lernen sie auch diese einzuschätzen und zu bewerten. Zum anderen sind Soziale Medien oft mit dem Image behaftet, dass sie sehr unprofessionell und oberflächlich sind und eigentlich nur der Unterhaltung dienen. Hier ist es mir wichtig aufzuzeigen, wie man die Medien professionell nutzen kann.

Was können Sie Ihren Kolleginnen und Kollegen mitgeben, die gerade überlegen digitale Technologien und Medien im Unterricht zu benutzen? Was sind die drei wichtigsten Regeln für das Digitalisieren des Schulunterrichts?

Das erste ist, dass man es einfach mal ausprobiert. Natürlich muss man auch damit rechnen, dass es nicht gleich funktioniert, dass es auch demotivierend am Anfang sein kann. Davon sollte man sich aber nicht entmutigen lassen. Dies führt dann zur zweiten Regel: Die Interessierten sollten vorerst nicht mit dem größten Projekt anfangen. Sondern sich in kleinen Schritten herantasten. Angefangen eventuell mit der kleinstmöglichen Teststufe: ein Projekt mit einem kleinen Blog zu begleiten. Ganz wichtig ist hierbei natürlich wieder das Reflektieren seitens der Lehrkräfte.

Als drittes ist es natürlich extrem hilfreich, sich mit anderen Lehrkräften zu connecten. Der Austausch mit anderen Lehrerinnen und Lehrern, die sich in ähnlichen Situationen befinden, kann sehr hilfreich sein.

Wo findet dieser Austausch statt?

Für mich ist beispielsweise Twitter da am entschiedensten. Über verschiedene Hashtags kann man sich mit vielen Lehrkräften austauschen und neue Ideen gewinnen. Aber ich weiß auch, dass Twitter nicht bei allen gut ankommt. Muss es auch nicht, denn es gibt auch zahlreiche Gruppen auf Facebook. Dort unterstützen sich die Lehrer gegenseitig und helfen einander. Vor allem auch für Referendare kann das der anfänglichen Überforderung Abhilfe schaffen.

In dem Zusammenhang: unterstützen Sie den Ansatz von Open Educational Resources (OER), Materialien generell zugänglich zu machen?

Generell bin ich der Meinung, dass alle Materialien für alle zugänglich sein sollten. Ich selbst veröffentliche meine Materialien, außer eventuell die, die ich schnell mal in kürzester Zeit und auf den letzten Drücker konzipiert habe. Meine Schülerinnen und Schüler können dann darauf zurückgreifen. Aber so können sich auch andere Kolleginnen und Kollegen Ideen oder Anreize holen.

Ist es mehr oder weniger Arbeit, digitale Medien im Unterricht einzusetzen?

Ich würde nicht sagen, dass das eine mehr oder weniger Arbeit mit sich bringt. Die Arbeitsaufteilung ist aber eine andere. Wenn man digitale Medien im Unterricht einsetzt, ist dabei sehr entscheidend, dass man immer am Ball bleiben muss. Ein konstantes Lernen und sich mit neuen Dingen auseinanderzusetzen, ist sehr wichtig. Denn die Jugendwelt generell, aber vor allem auch in Hinblick auf die digitalen und sozialen Medien verändert sich ständig.

Wenn man jedoch weiß, wie man die Medien einsetzen kann, dann ergeben sich daraus viele Möglichkeiten, den Unterricht effektiv und abwechslungsreich zu gestalten. Dies verschafft einem dann schon eine große Erleichterung.

Sie befassen sich auch mit dem Thema Gender. Können Sie für den Einsatz digitaler Medien schon Bilanz ziehen, ob überhaupt ein Unterschied zwischen Mädchen und Jungen in der Annahme der neuen Unterrichtsmethoden besteht?

Da Mädchen und Jungen unterschiedlich sozialisiert werden, kann man in Bezug auf Technologien schon verschiedene Muster erkennen. Ganz plakativ gesagt tendieren Jungs dazu, die Möglichkeiten zum Spielen oder Video gucken zu nutzen. Bei den Mädchen kann ich feststellen, dass sie sich vor allem mit dem kommunikativen Aspekt der Medien auseinandersetzen. Dies sind grobe Tendenzen, die mir auffallen. Hier ist auch wichtig, diese zu reflektieren. Was ich immer wieder versuche, ist die Mädchen anzuregen, sich auch mal mit einem Computerspiel auseinanderzusetzen und dieses zu spielen. Andersherum gilt das natürlich genauso für die Jungs, denen ich vorschlage, sich an Foren oder Chats zu beteiligen.

Nun wird den Lehrerinnen und Lehrern oft vorgehalten, dass sie nicht digital-affin sind. Was machen Sie für Erfahrungen mit ihren Kolleginnen und Kollegen?

Natürlich lastet dieses Image auf dem Lehrerbild. Aber ich würde nicht meinen, dass man das so einfach sagen kann. Es gibt viele Lehrkräfte, die sehr motiviert sind, Neues dazu zu lernen und sich Kompetenzen in diesem Bereich aneignen wollen. Natürlich gibt es auch andere, die sehr verunsichert sind. Sie empfinden es als große Herausforderung, einen Unterricht mit digitalen Medien glaubwürdig zu gestalten. Vor allen bei jungen Lehrkräften sollten digitale Medien aber keine Hürde sein, die sie nicht überwinden können. Wichtig ist hier, Schritt für Schritt Erfahrung zu sammeln und so Verunsicherungen abzubauen.

Können dabei Weiterentwicklungen in der Lehrerausbildung helfen?

Es gab dazu jüngst einen Beitrag. Darin wurde festgestellt, dass es unbestritten ist das sowohl Schülerinnen und Schüler als auch Lehrkräfte Medienkompetenzen erwerben müssen. Auch das dies in der Ausbildung verankert sein muss, ist akzeptiert. Nicht einig ist man sich jedoch darüber, wie dies in der Ausbildung beigebracht werden sollte. Obwohl es schon Angebote zum Einsatz von digitalen Medien im Unterricht gibt, ist dieses Thema in den einzelnen Fachdidaktiken noch zu wenig präsent. Dies sollte geändert werden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Politik Digital“ unter CC BY-ND 4.0.


Image (adapted)„Read“ von Wokandapix (CC0 Public Domain)


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„Ich sehe die Blockchain als eine ökonomische Innovation“

Viva-Technology

Dieser Beitrag ist Teil einer Artikelreihe im Vorfeld der internationalen Tech-Konferenz Viva Technology, zu der vom 15. bis 17. Juni 2017 rund 50.000 Teilnehmer und über 5.000 Startups nach Paris kommen. Die Netzpiloten werden als Medienpartner der Viva Technology mit vor Ort sein. Und hier gibt es Tickets für das Event zu gewinnen.


Die VivaTech existiert nach eigenen Angaben, um Innovation zu zelebrieren. Die Blockchain ist die wohl wichtigste Innovation der letzten Jahre. Und auch wenn es so scheint, dass es sich bei dem Verfahren, das die technische Basis für sogenannte Kryptowährungen darstellt, um eine technische Innovation handelt, sieht Claire Balva dies etwas differenzierter. Sie ist die Gründerin des Pariser Startups Blockchain France und für sie ist die Blockchain vor allem eine ökonomische Innovation, wie sie auf der diesjährigen VivaTech im Juni erklären wird und dies bereits bei uns im Interview verständlich macht.

Tobias Schwarz: Sagen wir, ich frage für die Tochter eines Freundes: Könnten Sie mir bitte eine Erklärung für Fünfjährige geben, was die Blockchain ist?

Claire Balva: Eine Blockchain ist wie ein Buch. Jeder hat eine Kopie dieses Buchs. In diesem Buch können die Leute ihre Transaktionen festhalten. Sagen wir, ich gebe Ihnen zwei Äpfel. Ich schreibe in das Buch, dass ich, Claire, Ihnen, Tobias, zwei Äpfel geschickt habe und ich unterschreibe diese Aussage. Jeder kann Transaktionen senden, aber dies muss von anderen Mitgliedern des Netzwerks validiert werden: Sie kontrollieren dann, ob ich wirklich zwei Äpfel besitze. Sie schauen sich die vorhergehenden Seiten des Buchs an und sehen, dass ich gestern tatsächlich drei Äpfel von meinem Freund Steve bekommen habe. Sie bestätigen die Transaktion und schreiben sie mit einem dokumentenechten Stift auf eine neue Seite, zusammen mit anderen validierten Transaktionen.

Eine Blockchain ist in ihrer einfachsten Form ein digitales Buch oder Konto, das sich viele Computer und Server teilen, sozusagen ein Knotenpunkt. Die Seiten, die wir in der Buch-Analogie erwähnt haben, sind in Wirklichkeit Blöcke, die dieses digitale Konto darstellen. Sie sind durch eine kryptographische „Kette“, die sie voneinander abhängig macht, verbunden. Wenn der Inhalt eines Blocks geändert wird, wird die Kette gelockert. Das bemerkt der Rest des Netzwerks dann auch. Wenn ein Block von Transaktionen einmal validiert ist, wird er „unveränderlich“, grundsätzlich kann ihn dann also niemand mehr bearbeiten.

Bitcoin ist die erste Blockchain. Es erlaubt den Menschen, Bitcoins, digitale Wertmarken, die monetären Wert haben, ohne Mittelsmänner zu tauschen. Die Teilnehmer des Netzwerks, die Miner genannt werden, geben ihre Rechenleistung an den Service, der die Transaktionen validiert: Es wird überprüft, dass der Absender ausreichend Mittel für den Vorgang besitzt, indem die Historie der Transaktionen durchgegangen wird, und dass er das Recht auf den Zugriff zu den Mitteln hat, indem die Unterschrift verifiziert wird.

Claire Balva (adapted)
Image by Claire Balva

Was kann man mit der Blockchain machen? Wann benutzen wir die Blockchain tatsächlich?

Wie wir bereits zuvor mit Bitcoin gesehen haben, können wir mit jedem, der will, immer und überall Beträge austauschen. Dies geschieht zu sehr geringen Transaktionskosten und unabhängig von der getauschten Menge. Blockchains können außerdem mit jeder Wertmarke Daten in einem bestimmten Slot aufbewahren. Sehr kleine Transaktionen auszuführen und eine kleine Menge an Informationen einzufügen, sichert die Information. Zu viele Daten können nicht eingefügt werden, da es komplizierter wäre, die Blockchain auf mehreren Computern zu hosten. Aber man kann einen kryptographischen Beweis, eine Reihe von Buchstaben und Zahlen, die den Status eines beliebigen Dokuments repräsentieren, einfügen.

Dies kann zum Beispiel dazu verwendet werden, Zeugnisfälschungen zu verhindern. Manche Schulen haben bereits begonnen, die Zeugnisse ihrer Schüler mit der Bitcoin-Blockchain zu zertifizieren. So können Firmen überprüfen, ob ein Zeugnis von seinem ursprünglichen Zustand (zum Beispiel mit Photoshop) abgewandelt wurde. Die Vollständigkeit von Daten, Verfolgbarkeit und Zertifizierung sind die Schlüsselanwendungen für Blockchains wie Bitcoin.

Andere Blockchains ermöglichen es, dezentralisierte Anwendungen, die „smarte Verträge“, die sich selbst ausführende „Wenn-Dann“ Programme sind, zu programmieren. Zum Beispiel könnte eine Versicherungsgesellschaft einen smarten Vertrag entwickeln, der automatisch Landwirte basierend auf den Daten verschiedener Webseiten für Wetterprognosen entschädigt, wenn es mehr als 30 Tage nicht geregnet hat.

Ich sage immer „die“ Blockchain, aber tatsächlich gibt es nicht nur eine Blockchain. Blockchains stehen für Banken und öffentliche Ämter in der Diskussion. Werden wir mehrere Ketten nebeneinander sehen oder wird es nur einige wenige wirkliche Anwendungsfälle in der Zukunft geben?

Es gibt viele Blockchains, die verschiedene Mechanismen und verschiedene Führungssysteme verwenden. Manche davon sind je nach Anwendungsfall besser geeignet als andere. Manche in öffentlich, wie die Bitcoin-Blockchain, das heißt, dass jeder Zugriff auf die gesamte Transaktionshistorie hat und seine eigenen Transaktionen ausführen kann. Andere sind private oder zugriffsbeschränkte Blockchains, bei denen Arbeitsgemeinschaften entscheiden, wer Zugriff hat und wer die Transaktionen validieren kann.

Die Anwendungsfälle von öffentlichen Blockchains unterscheiden sich sehr von denen privater. Auch wenn Blockchain-Experimente im Finanzsektor begannen, sehen wir jetzt Experimente in der Lebensmittelindustrie, dem Energiesektor, dem Verkehrswesen und, wenn man es mal weltweit betrachtet, bei jeder Art von Versorgungsketten. Man kann sicher sagen, dass alle bedeutenden Wirtschaftssektoren von dieser neuen Technologie beeinflusst werden.

Meiner Meinung nach wird es in der nahen Zukunft einige wenige große, öffentliche Blockchains und viele private Blockchains, die untereinander kooperieren können, geben. Es ist schwierig, die fernere Zukunft vorauszusehen, aber es ist möglich, dass nur eine öffentliche Blockchain, mit Privatsphäre-Einstellungen für empfindliche Informationen, geben wird. Als naheliegender Vergleich hatten viele Firmen zu Beginn des Internets Intranets entwickelt. Mittlerweile arbeiten viele, wenn nicht alle, Firmen auf sicheren Internet-Plattformen.

Würden Sie die Blockchain eher als ökonomische, soziale oder technologische Innovation beschreiben?

Das Interessante an der Blockchain ist, dass sie mehrere Forschungsbereiche neu zusammenstellt: Kryptographie, Wirtschaft, Programmierung, Mathematik… Auch wenn Blockchains noch in der Entwicklung sind, stellen sie keine Innovation im technologischen Sinne dar. Sie verwenden Techniken, die in einzelnen Bereich bereits genutzt wurden. Die Größe der Blockchain entsteht durch die Aggregation dieser Techniken. Öffentliche Blockchains sind auf die Teilnahme von Individuen angewiesen und viele kritische Annahmen beruhen auf dem Verhalten dieser Individuen.

Ich sehe die Blockchain als eine ökonomische Innovation, weil sie das Potenzial hat, die Grundfeste unseres aktuellen Systems zu verändern. Dennoch wird es keine Auflösung, sondern viel mehr eine neue Definition der Rolle der Mittelsmänner geben – und das in jedem großen Sektor der Wirtschaft.

Wir haben immer versucht, Systeme gegenseitiger Kontrolle zu bilden, um Gruppen für Verstöße verantwortlich zu machen. Riskieren wir es dabei nicht, womöglich die Kontrolle zu verlieren, wenn jede einzelne Person wegen der Blockchain in einer leitenden Position ist?

Das Validierungssystem funktioniert dank der Rechenleistung der Teilnehmer. Dennoch „leitet“ niemand die Blockchain. Die Blockchain ist so konzipiert, dass sie dezentralisiert ist, das heißt, kein Individuum und keine Gruppe hat die Möglichkeit, das Protokoll zu ändern. Es sei denn, mindestens 51 Prozent der Netzwerk-Teilnehmer stimmen diesen Änderungen zu. Das wird in den meisten Blockchain-Führungssystemen so gehandthabt. Je mehr Teilnehmer in einem Netzwerk sind, desto sicherer und robuster ist es.

Auch wenn sich die Teilnehmer in großen Mining-Pools umgruppieren, heißt das nicht notwendigerweise, dass sich alle den gleichen Standpunkt in Bezug auf die Entwicklung der Technologie teilen. Außerdem haben sie kein Interesse daran, dem Netzwerk zu schaden, da sie mit den Wertmarken der Währung des Netzwerks entlohnt werden. Dem Netzwerk zu schaden, würde den Wert ihrer Marken zerstören.

Glauben Sie, dass die Blockchain-Technologie reguliert werden muss, bis es nur eine Art Protokoll ist, das im Hintergrund abläuft?

Natürlich müssen die Regulierungen und die Blockchain zusammenkommen, um sich von der Aufbauphase weg, hin zu einer ernsteren Implementierung von Anwendungsfällen mit einem echten Wert für den Endverbraucher zu entwickeln. Kontrollorgane sind in den meisten Ländern vorsichtig in Bezug auf Blockchain-Technologien. Sie lassen die Technologie ausreifen, bevor sie sie festlegen. Manche Länder, wie beispielsweise Russland, verbieten die Nutzung von Krypto-Währungen, andere wiederum befürworten Blockchain-Technologien. Zum Beispiel wurde im Bundesstaat Arizona ein Gesetz verabschiedet, das die Validität von Unterschriften, die in einer Blockchain gesichert wurden, als digitale Unterschriften und smarte Verträge als legale, durchsetzbare Verträge anerkennt. Auch in Japan wurde kürzlich Bitcoin als Zahlungsmittel anerkannt.

Die wichtigsten regulatorischen Angelegenheiten betreffen heute KYC („Know your Customer“, dt.: „Kenne deinen Kunden“), Probleme mit Geldwäsche und Finanzierung von terroristischen Aktivitäten. Nutzer einer Blockchain können sich theoretisch tatsächlich hinter ihrer öffentlichen Adresse, die einfach als eine Reihe von Zahlen und Buchstaben verschlüsselt ist, „verstecken“. Dennoch ist es nicht komplett anonym. Das sehen wir, weil innerhalb der letzten fünf Jahre bereits mehrere Kriminelle von den Vollzugsbehörden dadurch identifiziert wurden, dass die öffentliche Besitzerhistorie von Bitcoins nachverfolgt wurde und diese Daten mit den Daten von Webseiten, die illegale Produkte verkauft haben, abgeglichen wurden.

Der öffentliche Charakter der Transaktionshistorie mag eine gute Neuigkeit für die Strafverfolgung sein, doch Banken wollen natürlich nicht die Historie ihrer Finanztransaktionen, die im Netzwerk vonstattengehen, mit der ganzen Welt teilen. Es gibt ein Paradoxon für mehr Transparenz, welches mit der Privatsphäre der Benutzerdaten vereint werden muss.

In Bezug auf das Ende der Frage ist die Idee, dass die Blockchain in ein paar Jahren nicht mehr für den Benutzer ersichtlich sein wird und nur wenige Menschen werden wissen, wie sie wirklich funktioniert. Sie wird die technologische Schicht hinter den Anwendungen, die auf ihr laufen, sein. Genauso wie beim Internet heutzutage verstehen wenige Menschen das TCP/IP Protokoll, aber dennoch benutzt es jeder.

Wenn Sie einen Blick auf die aufstrebende Forschung über künstliche Intelligenz werfen, glauben Sie, dass die Blockchain die Infrastruktur für eine globale KI-Bewegung sein könnte?

Ich glaube, dass Blockchain-Anwendungen und smarte Verträge mit KI-Cloudcomputing-Schnittstellen interagieren, mit der man Bildanalyse, Übersetzungsdienstleistungen und Spracherkennung anzapfen kann, um nur ein paar Beispiele für KI-Anwendungen zu nennen. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass zukünftige Anwendungen komplett dezentralisiert sein werden, während sie direkte Interaktionen zwischen Benutzern und neue Arten von smarten Dienstleistungen für Kunden zur Verfügung stellen.


Image by Claire Balva

Die Netzpiloten sind Partner der Viva Technology und werden vor Ort berichten. Wir verlosen Tickets für das Event, das vom 15. Bis 17. Juni 2017 in Paris stattfindet. Um an der Verlosung teilzunehmen, macht einfach mit und nutzt eure Chance auf Tickets for free für die Viva Technology! Zeit habt ihr dafür bis Dienstag, den 06. Juni. Viel Glück!

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#MeetTheBloggerDE: Anne Häusler über Deutschlands größtes Blogger Meet-and-Greet

Red Hands woman creative (adapted) (Image by Kaboompics_Karolina [CC0 Public Domain], via Pexels)

Seit Anfang Mai diesen Jahres findet bereits zum zweiten Mal #MeetTheBloggerDE statt, eine von der Bloggerin Anne Häusler ins Leben gerufende Challenge, bei der sich 14 Tage lang deutschsprachige Blogger*innen auf Instagram porträtieren und miteinander vernetzen. Jeden Tag stellen sie einen anderen Aspekt ihres publizierenden Schaffens vor. Der unter jedem Beitrag verwendete Hashtag #MeetTheBloggerDE vernetzt die verschiedenen Beiträge und erzeugt ein Abbild der hiesigen Blogosphäre auf Instagram.

Anne Haeusler (Image by Anne Häusler)
(Image by Anne Häusler)

Auf ihrem eigenen Blog hat Anne Häusler Ende April den Aufruf gestartet, inzwischen haben nach eigenen Angaben rund 1.400 Blogger*innen an der Aktion teilgenommen. Darunter auch ich, @isarmatrose, der den Hashtag in den letzten 11 Tagen intensiv verfolgt habe. Mir gefällt die Challenge ausgezeichnet, vor allem aber erfreue ich mich daran, neue Blogger*innen und ihre Themen zu entdecken. Und genau darum geht es auch bei der Aktion, wie mir Anne Häusller im Interview erklärt:

Tobias Schwarz: Dieses Jahr hast du inzwischen zum zweiten Mal zur #MeetTheBloggerDE-Challenge aufgerufen. Was hat dich zu dem Projekt im letzten Jahr inspiriert und warum machst du es noch einmal?

Anne Häusler: Am Bloggen hat mich schon immer der Netzwerkaspekt besonders interessiert. Die Möglichkeit, sich mit Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen auszutauschen, von ihnen zu lernen und mit ihnen zusammenzuarbeiten, finde ich total spannend.

Im letzten Jahr habe ich mich ausgiebig mit Instagram beschäftigt. Die große Rolle von Hashtags und der einfache visuelle Zugang zu den Inhalten machen Instagram zu der perfekten Plattform, um Blogger nischenübergreifend zu vernetzen. Also habe ich das einfach mal ausprobiert und die Instagram Challenge #MeettheBloggerDE ins Leben gerufen.

Nachdem einige Influencer die Challenge 2016 aufgegriffen und in ihre Netzwerke getragen haben, wurde die Aktion zum Selbstläufer. Mehr als 600 deutschsprachige Blogger haben mitgemacht und ich habe fast aus Versehen das größte Blogger Meet-and-Greet im deutschsprachigen Raum veranstaltet. Das Engagament hat mich wirklich umgehauen. Bei soviel positivem Feedback war klar: die Aktion mache ich auf jeden Fall nochmal.

Auch wenn die zweite Challenge erst halb rum ist, kannst du schon ein erstes Fazit ziehen, was in diesem Jahr anders war oder ist als bei der ersten Challenge im vergangenen Jahr? Haben in diesem Jahr mehr Blogger*innen teilgenommen?

Was soll ich sagen, die Challenge rockt! Klar hatte ich gehofft, dass ich noch mehr Leute erreichen kann. Aber mit mehr als 1400 aktiven Teilnehmern habe ich nicht gerechnet. Einige sind die ganzen zwei Wochen dabei, andere machen nur an einzelnen Tagen mit. Aber das ist auch total ok so. Es geht bei #MeettheBloggerDE um den Spaß und die Vernetzung, das soll nicht in Stress ausarten.

Ich habe die Challenge in diesem Jahr deutlich gekürzt. 14 Tage statt 30 Tage wie im letzten Jahr sind ausreichend, um sich kennen zu lernen und den Community-Effekt herzustellen. Dadurch trauen sich auch Blogger an die Aktion ran, die bisher vielleicht nicht ganz so Instagram-affin waren.

Es scheinen mir verhältnismäßig sehr viele Frauen mitzumachen, die meisten schreiben zu den Themen Bücher, Reisen, Kinder und DIY. Wie würdest du die teilnehmenden Blogger*innen beschreiben?

Deine Beobachtung ist vollkommen richtig. Rund 95 Prozent der Teilnehmer sind Frauen. Das liegt sicher auch an mir: Mein Blog annehaeusler.de wendet sich speziell an Bloggerinnen und ich habe die Challenge vor allem innerhalb meines eigenen Netzwerks beworben. Außerdem ist Instagram in Deutschland fest in Frauenhand. Schade eigentlich. Die Plattform ist nämlich super, um eine Community rund um den eigenen Blog aufzubauen.

Besonders gut vertreten sind bei der Aktion Buchblogger, Reiseblogger, Elternblogger, Foodblogger und Lifestyle-Blogger. Außerdem habe ich in diesem Jahr gezielt versucht, Selbständige mit Blog für die Challenge zu begeistern. #MeettheBloggerDE ist eine tolle Möglichkeit, sich und sein Unternehmen der Blogger-Community auf Instagram vorzustellen, ohne den Followern mit der Marketing-Fahne im Gesicht rumzuwedeln. Das hat gut geklappt. Es sind eine ganze Reihe von kleinen Unternehmen mit dabei.

Die deutschsprachige Blogosphäre ist schwer zu erfassen und allgemein wahrzunehmen. Zeigt die von die initiierte #MeetTheBloggerDE-Challenge ein realistisches Abbild der hiesigen Blog-Szene?

Nein, die Challenge ist kein Abbild der hiesigen Blog-Szene. Sie zeigt lediglich, welche Blog-Nischen Instagram intensiv nutzen und dort miteinander vernetzt sind. Ich will die Challenge im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder veranstalten, die ersten Anfragen dazu habe ich schon bekommen. Die spannende Frage wird dann sein: wie schaffe ich es, Blog-Nischen anzusprechen, die von der Aktion bisher nichts mitbekommen haben. Und ich will beim nächsten mal mehr Männer dabei haben.

In dieser Woche fand auch wieder die re:publica in Berlin statt. Vor Jahren war dies eine beinahe reine Blogger*innen-Konferenz; heutzutage ist es eine wesentlich vielfältigere Gesellschaftskonferenz. Brauchen wir Blogger*innen vielleicht wieder ein Event nur für uns?

Ich finde die re:publica aus vielen Gründen super, aber die Konferenz der Netzgemeinde ist sie für mich nicht mehr. Es gibt ja eine Reihe von Barcamps und Nischen-Konferenzen für Blogger. Aber bei einer großen, themenübergreifenden Konferenz für deutschsprachige Blogger wäre ich sofort dabei. Netzwerken über alle Nischen hinweg, Wissenstransfer und die Diskussion von Themen wie Monetarisierung versus Blogger-Idealismus, gesellschaftliches Engagement versus Feel-Good-Bloggen oder solche Themen fände ich total spannend.

Zum Schluss bitte noch ein Blick in die Glaskugel: Brauchen wir in Zeiten von snackable Content und mobile Messaging überhaupt noch Blogs? Verschwinden diese nicht vielleicht und Blogger*innen werden nur noch mit dem stets gleichen Nutzernamen plattform- und mediumübergreifend publizieren?

Ich snacke gerne. Aber wenn ich richtig Hunger habe, will ich ne richtige Mahlzeit. Meiner Meinung nach geht der Trend zurück zum Hauptgericht: lange, gut recherchierte und gedanklich ausgereifte Blogposts. Quasi Wissensbomben, die dem Leser jede Menge Infos und Mehrwert bieten. Wenn du in deiner Nische zu einer hörbaren Stimme werden willst, kommst du daran nicht vorbei. Der einzige Ort, an dem du dieses Wissen dauerhaft vermitteln kannst, ist der eigene Blog. Alle anderen Plattformen sind nur Mietwohnungen. Wenn da der Besitzer wechselt, stehst du eventuell auf einmal vor verschlossenen Türen.

Zusätzlich zum Hauptgericht erwarten die Nutzer (es sind ja nicht mehr alles Leser) ein Menü an Appetizern und Häppchen in Form von kurzen, ergebnisorientierten Posts, Live-Videos, Podcasts Infografiken… was auch immer die Zielgruppe anspricht.

Um ehrlich zu sein, ich finde diese Entwicklung ganz spannend. Es nimmt mir den Druck, aus jedem Blog-Post ein preisverdächtiges Werk zu machen. Und gleichzeitig habe ich die Möglichkeit, die wirklich tiefen, arbeitsintensiven Blogposts zweimal, dreimal oder viermal zu verwerten und damit jeweils andere Bedürfnisse bei meinen Lesern anzusprechen. Blogs wurden schon so oft für tot erklärt… und haben sich dann immer als extrem flexible Biester entpuppt. Ich sehe da ganz entspannt in die Zukunft.

Auf annehaeusler.de findet Ihr mehr Informationen zur #MeetTheBloggerDE-Challenge!


Image (adapted) Red Hands Woman Creative by Kaboompics_Karolina (CC0 Public Domain)

Image by Anne Häusler


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Das Startup der 100 Ideen – Valentin Stalf über N26

Logo Valentin_Viva Technology (Image by Netzpiloten)

Dieser Beitrag ist Teil einer Artikelreihe im Vorfeld der internationalen Tech-Konferenz Viva Technology, zu der vom 15. bis 17. Juni 2017 rund 50.000 Teilnehmer und über 5.000 Startups nach Paris kommen. Die Netzpiloten werden als Medienpartner der Viva Technology mit vor Ort sein. Und hier gibt es Tickets für das Event zu gewinnen.


Mit N26 ist Berlin Sitz der wohl zurzeit interessantesten mobilen Bank Europas. Das ehemalige Fintech-Startup, das heutzutage als volllizenzierte Bank tätig ist, hat in den letzten anderthalb Jahren seine Nutzerbasis auf 300.000 verdreifachen können. Im gleichen Zeitraum hat das einst von Maximilian Tayenthal und Valentin Stalf in Wien gegründete Startup auch die Internationalisierung vorangetrieben und operiert heute in 17 europäischen Ländern.

Unser Autor Tobias Schwarz hat sich mit Valentin Stalf, der Mitte Juni auch auf der Viva Technology als Speaker auftreten wird, zum Interview getroffen und über die Unternehmenskultur von N26, das Recruiting als mobile Bank und den Arbeitsbedingungen bei N26 unterhalten:

Tobias Schwarz: Ich habe neulich von einer Firma gehört, die einen Buchhalter gesucht hat und die hat jede Rechnung mit ein bis drei Cent zu viel überwiesen und dem Buchhalter der anderen Firma, der sich gemeldet hat, haben sie ein Jobangebot gemacht. Um ein guter Buchhalter zu sein, muss man keinen tollen Lebenslauf schreiben. Wie findet man smarte Mitarbeiter für eine Bank? Wie definiert man, was ein smarter Mitarbeiter für ein ehemaliges Startup ist?

Valentin Stalf Image by Valentin Stalf
Image by Valentin Stalf

Valentin Stalf: Wir sind keine Bank im traditionellen Sinn, sondern aufgrund dessen, was wir unseren Kunden bieten, beispielsweise auch Problemlösungsstrageien. Darum versteht man uns als kundennahe Bank. Wenn man sich unser Unternehmen von der Mitarbeiterseite anschaut, sind wir ein Technologieunternehmen wie Spotify oder Soundcloud. Wir sind ein Unternehmen, das davon lebt, dass wir hier eine große Technologiekultur innerhalb der Company etabliert haben.

Wenn es darum geht, die richtigen Mitarbeiter für so ein Umfeld zu finden, haben wir einen sehr strukturierten Bewerbungsprozess. Wir haben die freien Stellen auf unserer Website ausgeschrieben, setzen im Technologiebereich aber auch viel auf direkte Ansprache. Wir führen einen sehr strukturieren Bewerbungsprozess, bei dem wir verschiedene Merkmale aus dem Lebenslauf des Kandidaten anschauen und danach etwa drei bis fünf Gespräche führen. Während dieser Gespräche lernt man verschiedene Mitarbeiter uns kennen. Das gibt und die Möglichkeit zu prüfen, ob der Kandidat zu unserer Kultur passt.

Wir prüfen auch, ob N26 zu dem potenziellen Mitarbeiter passt. Dazu führen wir praktische Cases innerhalb der Bewerbungsgespräche durch, ziehen dabei Situation aus dem täglichen Leben heran. Am Ende der Gespräche kommt das ganze Team zusammen und es wird gemeinsam eine Abwägung getroffen, ob der Kandidat ein Mitarbeiter wäre, der gut zum Team passt.

Porsche hat mir erzählt, dass sie ein Technologieunternehmen sind, Zalando hat das getan, und jetzt auch ihr. Wenn aber N26 keine klassische Bank ist, sondern auch ein Technologieunternehmen, was macht dann eure Kultur genau aus?

Bei N26 setzen sich die Leute mit digitalen Produkten auseinander. Jeder, der hier bei uns im Team ist, ist ein Digital Native oder nutzt täglich seine Apps auf dem Smartphone. Alle sind sehr engagiert, das ganze digitale Produkt zu verstehen. Das heißt, dass Mitarbeiter in einer verantwortungsvollen Rolle oder Mitarbeiter, die Verantwortung übernehmen, beispielsweise als Product-Owner – Verständnis für digitale Produkte mitbringen müssen. Da sind wir sicher auf einem ganz anderen Niveau als traditionelle Banken oder wie ein traditioneller Autohersteller. Wir arbeiten auch ein bisschen anders, als eine traditionelle Sparkassenfiliale.

N26 office meeting (Image via N26)
Image by N26

Wir sitzen hier gerade im Ballsaal des ehemaligen Fernmeldeamtes der DDR-Regierung in der Berliner Klosterstraße. Der Raum ist nicht mehr in seinem ursprünglichen Zustand, eure Arbeitsplätze würde ich aus einer Mischung von Hot-Desking-Bereichen und Fixed Desks beschreiben. Ist das jetzt das klassische N26-Büro?

Man will das neue Arbeiten auch repräsentieren, mit viel Glas, viel Transparenz – das ist einerseits einer unserer Werte, die wir haben. Andererseits zeigt es auch die offene Kommunikation im Team und eine gewisse Kreativität, die wir beim Kreieren digitaler Produkte einfach mit hineinbringen wollen.

Neue Arbeit setzt aber auch sehr auf Selbstverwirklichung der eigenen Persönlichkeit. Inwiefern gebt ihr Leuten Raum, sich bei N26 selber zu verwirklichen?

Wir haben im Technologiebereich eine Idee namens Product Chance. Hier gibt es alle paar Wochen Tage, an denen sich das Team eigene Themen aussucht, die es verwirklichen will. Ein ganz spannendes Thema, an dem wir letztens gearbeitet haben, war ein Bot im Customer Management. Dieser Bot kann schätzungsweise 60 Prozent unserer Serviceanfragen vorselektieren und beantworten. Die Zeit, die dadurch gewonnen wird, kann man intensiver für andere Themen verwenden, beispielsweise wenn ein Kunde seine Karte verloren hat und Hilfe braucht.

Gute und innovative Ideen entstehen, wenn man seinem Team Zeit gibt. Ich glaube, das ist ein wichtiges Thema, um innovativ zu bleiben. Natürlich gibt es immer einen gewissen Konflikt in einem Startup, weil man mit einer sehr engen Timeline arbeitet. Für N26 gäbe es wahrscheinlich noch über 100 gute Ideen, die wir umsetzen würden. Wir haben aber nur Kapazität für zehn in den nächsten sechs Monaten. Und das steht dann natürlich in einem gewissen Kampfverhältnis zu unseren eigentlichen Zielen. Aber es ist wichtig für uns, dass unsere Mitarbeiter regelmäßig frei an anderen Innovationen arbeiten.

N26 Office Ballroom (Image via N26)
Image by N26

Was habe ich vergessen zu fragen. Worüber würdest du eigentlich gerne reden, aber niemand fragt dich danach?

Da muss ich jetzt kurz nachdenken. Das Wichtigste ist, man versteht, dass N26 nicht nur ein neues Bankprodukt ist, sondern dass wir Banking grundsätzlich verändern: Wie wir die Produkte gestalten, wie wir Mitarbeiter, aber auch Kunden in unseren Produktentwicklungsprozess mit einbeziehen. Es geht nicht darum, kurzfristig ein besseres Girokonto aufzubauen, sondern die Idee ist, langfristig faires, gutes Banking zu besseren Konditionen anzubieten. In der Kombination aus Technologie mit einer viel besseren Kostenstruktur und mit sehr innovativen und sehr guten Mitarbeitern.

Danke. Das ist mal eine gute Antwort.


Images by N26


Die Netzpiloten sind Partner der Viva Technology und werden vor Ort berichten. Wir verlosen Tickets für das Event, das vom 15. Bis 17. Juni 2017 in Paris stattfindet. Um an der Verlosung teilzunehmen, macht einfach mit und nutzt eure Chance auf Tickets for free für die Viva Technology! Zeit habt ihr dafür bis Dienstag, den 06. Juni. Viel Glück!

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Neue Bloggerreise: Als #AltmarkBlogger durch die Altmark

Neues Schloss im Stadtpark Tangerhütte (adapted) (Image by Björn Gäde [CC BY-SA 3.0] via wikipedia)

Die Altmark wird gern auch als die „Wiege Preußens“ bezeichnet, eine durchaus historisch zu vertretende Beschreibung dieses Landstriches nördlich von Magdeburg, aber doch sehr nichtssagend, was die Region und die Menschen angeht. Viele gibt es davon hier nicht (mehr), Landschaft dafür (noch) reichlich. Das Gebiet westlich der Elbe ist eine leider zu wenig beachtete Ecke, doch dieses soll sich durch eine Bloggerreise jetzt ändern.

Wir haben in den vergangenen Jahren in der südöstlichen und ländlich geprägten Altmark zahlreiche Projekte zur Entwicklung des sanften Tourismus gefördert“, sagt der Vorsitzende der zuständigen LEADER-Aktionsgruppe, Andreas Brohm. „Dazu möchten wir zusammen in diesem Sommer mit einem #AltmarkBlogger die Region an Uchte, Tanger und Elbe bereisen“, so Brohm auf der Webseite der lokalen LEADER-Aktionsgruppe Uchte-Tanger-Elbe.

Von der Europäischen Union geförderte Bloggerreise

Hinter der Abkürzung LEADER verbirgt sich ein Förderprogramm der Europäischen Union, das, dem Wortlaut der französischen Formulierung „Liaison entre actions de développement de l’économie rurale“ sinnhaft folgend, eine „Verbindung zwischen Aktionen zur ländlichen Entwicklung“ schaffen möchte. Es werden also lokale Projekte in ländlich geprägten Regionen gefördert. Die Bloggerreise soll so ein gefördertes Projekt sein.

Der AltmarkBlogger, beziehungsweise die AltmarkBloggerin, erhält freie Kost und Logis während der Rundfahrt sowie eine Aufwandsentschädigung für die An- und Abreise. Drei Tage lang soll die Person durch die Region an Uchte, Tanger und Elbe reisen, vorbei an idyllischen Naturlandschaften und historischen Hansestädten wie Tangermünde und Stendal. Auch ein Besuch von Tangerhütte ist geplant, wo Andreas Brohm als Bürgermeister tätig ist.

Sebastian Esser (Image by Sebastian Esser)
Andreas Brohm: „Die Lust auf’s Land sollte vorhanden sein.“

Facettenreiche Altmark als Motiv für Instagram

Tobias Schwarz: Wieso habt Ihr euch für das Format einer Bloggerreise entschieden, um die Altmark als Tourismusregion bekannter zu machen?

Andreas Brohm: Man muss unsere Region erleben, sich hier bewegen, den Stahlgeruch aufnehmen. Nur dann kann man das authentisch transportieren, was es hier zu entdecken gilt. Das Format der Bloggerreise bietet sich dafür geradezu an. Sicher hat auch meine eigene Affinität zum digitalen Thema eine Rolle gespielt.

Muss man irgendwelche Vorkenntnisse zur Altmark, dem Thema Tourismus oder Arbeiten von unterwegs mitbringen, um AltmarkBlogger oder AltmarkBloggerin zu werden?

Die Lust auf’s Land sollte vorhanden sein und die Bereitschaft sich auf eine Entdeckungsreise einzulassen.

Welche unterschiedlichen Themen kann der AltmarkBlogger oder die AltmarkBloggerin von unterwegs entdecken? Kannst du uns ein paar Beispiele nennen?

Natur pur in einer historischen Kulisse gilt es zu entdecken. Wir haben Entschleunigung, Backsteingotik, Herrenhäuser, Flusslandschaften und gründe Wiese. Wir möchten zeigen, wo tollen Ideen umgesetzt wurden und wo die Unterkünfte in historischen Kulissen, typische altmäkische Feldsteinkirchen oder versteckte Kulturstätten entstanden und liebevoll restauriert wurden.

Auf meiner eigenen Reise als ElbeBlogger stellte ich fest, dass Snackable Content von unterwegs besser zu produzieren ist als lange Textbeiträge, die nach einem langen Tag nur noch mühsam zu erstellen waren. Was erwartet Ihr vom AltmarkBlogger oder die AltmarkBloggerin?

Mit allen Sinnen die Altmark auf sich wirken lassen. Der AltmarkBlogger ist in seiner Umsetzung oder Ausführung völlig frei.

Als ich selbst vor zwei Jahren durch die Altmark gereist bin, habe ich vor allem außerhalb der Ortschaften nur eine schwache Netzabdeckung erlebt. Hat sich dies inzwischen verbessert?

Die Altmark ist eine der wenigen Region in Sachsen-Anhalt, die dabei ist, den FTTH-Ausbau (Glasfaser-Hausanschluss) voranzutreiben. Noch gibt es Schwachstellen in der Netzabdeckung. Ich bin aber sicher, das wird die Kommunikation des AltmarkBloggers nicht einschränken.

Du bist seit zweieinhalb Jahren als Bürgermeister in der Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte tätig. Was hat sich in den letzten Jahren in der Altmark verändert?

Wir sind mutiger geworden unsere schönen Seiten zu zeigen und zu präsentieren. Zukunfsthemen wie FTTH, die für das ganze Land zukunftsweisend sind, werden hier Vorort durch eine große Bürgerbeiteiligung vorangebracht. Durch Formate wir das AltmarkMacherFestival (01.06.2017 in Salzwedel), welches seine Premiere 2016 in Tangerhütte hatte, verknüpfen sich die Zukunfskräfte einer ganzen Region. Wir werden überregional sehr viel positiver wahrgenommen.

Was macht die Altmark für dich, der hier geboren, aber auch schon viel rumgereist ist, zu einem besonderen Ort? Wieso sollte Menschen einmal in diese doch sehr unbekannte Region kommen?

Als Tourist kannst du hier Natur pur erleben, die Schönheiten der Landschaft entdecken, Entschleunigung oder auch Geschichte vergegenwärtigen. Als Rückkehrer oder Zuzügler findest du hier persönliche Entfaltungsmöglichkeiten, ein angenehmes Miteinander und alles an Daseinsvorsorge, was wichtig ist, bist aber dennoch nur 30 Minuten von Magdeburg und Wolfsburg entfernt oder eine Stunde von Berlin.

Was ist dein Lieblingsplatz in der Altmark – oder: was machst du am liebsten, wenn du in der Region unterwegs bist, was man nur hier machen kann?

Die Altmark ist so groß wie das Saarland, es gibt viele Plätze die schön sind. Radeln an der Elbe, beispielsweise am einmaligen Doppelknick bei Polte, Spazieren in den zahlreichen Parks in Krumke, Zichtau oder Briest und Tangerhütte. Ich genieße aber auch täglich unseren eigenen Blick in die Natur vor unserer Haustür. Es hat so viele Facetten, da ist immer ein Altmarkmotiv für Instagram dabei.

Vielen Dank für das Interview.

Anmerkung der Redaktion: Bewerber*innen senden Ihre Unterlagen per E-Mail bitte bis zum 10. Mai an gaede@landleute.eu. Mehr Informationen findet man auf der Webseite www.uchte-tanger-elbe.de.


Image (adapted) „Neues Schloss im Stadtpark Tangerhütte“ by Björn Gäde (CC BY-SA 3.0)


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Check-up Ireland: Niamh Bushnell – die Zarin dankt ab

GRAND CANAL DOCK AREA OF DUBLIN [JUNE 2016]-117259 (adapted) (Image by William Murphy [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Als ich die Dubliner Startup-Beauftragte Niamh Bushnell Ende 2015 zum ersten Mal besuchte, war „The Commish“ von einer irischen Zeitung gerade als Zarin bezeichnet worden. Da die Zarin gerade abgedankt hat, ist nun ein guter Zeitpunkt für ein „Netzpiloten revisited“.

Wenn es um Tech-Themen geht, ist Dublin nicht nur Hauptstadt, sondern gleichzeitig auch ein Dorf. Man hat oft das Gefühl, dass jeder jeden kennt und das ist meistens und eigentlich auch gut so. Kein Wunder also, dass seit Monaten viel geredet, spekuliert und in der Gerüchteküche gearbeitet wurde, was die Zukunft der Dubliner Startup Commission anbetrifft.

Was im Oktober 2014 als Pilotprojekt (oder laut Niamh Bushnell als „Experiment“) begann, wurde von Anfang an sowohl von der Ryan Academy der Dublin City University als auch von der Dubliner Stadtverwaltung tatkräftig und finanziell unterstützt. Hinzu kamen unzählige Unterstützer aus der Tech Community selbst.

Ein Jahr nach meinem Interview mit Niamh Bushnell in ihrem Büro an den „Silicon Docks“ fand an gleicher Stelle ein Boardmeeting statt, nach dessen Abschluss Veränderungen angekündigt wurden. Nicht etwa, weil die Kommission schlechte Arbeit geleistet hatte, sondern gerade weil Niamh Bushnell und ihre Mitarbeiter so viel bewegt hatten, machte es Sinn, Dinge zu verändern. Alle Beteiligten waren sich einig, dass „The Commish & Co.“ etwas erreicht hatten, was für Irland neu und wichtig war – den Charakter und die internationale Reputation Dublins einer Tech- und Innovationsmetropole zu verbessern. Zweifelsohne ein Erfolg vieler Mütter und Väter.

Mit dem Rückblick auf die Erfolge ging sofort der Ausblick auf die Zukunft einher. Zugleich mit ihrem Rücktritt Ende März begann Niamh Bushnell mit der Analyse der verschiedenen Tätigkeitsbereiche der Kommission, verbunden mit einem Plan zur weiteren Entwicklung der einzelnen Felder. Soviel war schon zu Beginn des Jahres klar – auch ohne Niamh Bushnell würden die Startups in Dublin nicht vernachlässigt und wertvolle Arbeit würde unter neuen Dächern fortgeführt werden. Die Publikationen Dublin Globe, The Brekkie und der Tech Concierge-Service gehören nun zum „Digital Hub“, während das Mentoring for Scale-Programm  Teil der DCU Ryan Academy wurde.

Niamh Bushnell (Image by Niamh Bushnell)
Niamh Bushnell (Image by Niamh Bushnell)

Fiach Mac Conghail, der als Geschäftsführer des „Digital Hub“ nunmehr auch die Arbeit von Niamh Bushnell fortführen wird, sprach vom „wichtigen Erbe“, das man angetreten habe. Man sei aber zuversichtlich, dass man der Verpflichtung gerecht werden würde. Niamh Bushnell selbst hat keinen Zweifel daran, dass die Erben um Fiach Mac Conghail weiterhin Erfolg haben werden: „Fiach hat die Visionen und die Energie dazu.“ Visionen und Energie – genau das, was zu spüren war, als ich Niamh Ende 2015 zum ersten Mal für „Netzpiloten“ interviewt habe. Damals sprach sie auch davon, wie sie im April 2014 eine Gruppen-E-Mail über einen „faszinierenden Job“ erhalten und sich sofort beworben hatte. Wie sagt man so schön? „And the rest is history.“

Im Rückblick nennt Niamh Bushnell die Frage, warum es Dublin sein sollte und nicht Startup-Beauftragte für Irland, als eine der am häufigsten gestellten. Heute wie auch damals ist sie davon überzeugt, dass ganz Irland davon profitiert, wenn Dublin in internationalen Rankings weit oben zu finden ist. Sie selbst wird in ihrer neuen Rolle bei TechIreland von ihrer Arbeit im alten Job profitieren können. TechIreland hat eine nationale Agenda – Innovation soll eine irische Marke werden – wie z.B. Kerrygold oder Guinness.

Bei einer der letzten Veranstaltungen, an der Niamh Bushnell als „Commish“ teilnahm, sprach Paschal Donohoe, der Minister für Öffentliche Ausgaben, unter anderem auch über den innovativen Geist Irlands. Sein Zitat aus einem Roman von Donal Ryan ist für sie so etwas wie ein Bogen zwischen alter und neuer Aufgabe: „Gerede ist doch irgendwie nichts anderes als Lügen. Nur, wenn man es wirklich macht, wird es zur Wahrheit.“ Sie habe als Startup-Beauftragte viel darüber geredet, wie toll Dublin doch sei. „Was jedoch als nächstes passiert – da geht es darum, Dinge zu tun. Es geht darum, etwas zu bewegen – für Dublin und zum Wohle des ganzen Landes.“ Große Worte, denen aber, da sie von Niamh Bushnell gesprochen wurden, mit Sicherheit auch Taten folgen werden.


Image (adapted) „GRAND CANAL DOCK AREA OF DUBLIN [JUNE 2016]“ by William Murphy (CC BY-SA 2.0)


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Die Netzpiloten sind Partner der CUBE Tech Fair

Partnergrafik_Cube

Die CUBE Tech Fair feiert vom 10. Bis zum 12. Mai 2017 Premiere in Berlin. Bei der Veranstaltung handelt es sich um eine Weltausstellung der Moderne. Prominente Gäste werden bei der Eröffnung dabei sein, darunter Apple Co-Founder Steve Wozniak, US-Schauspielerin Robin Wright und Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries. Ab 2018 wird die CUBE Tech Fair jedes Jahr in der Hauptstadt stattfinden.

Im Vorfeld der Veranstaltung konnten sich 200 der weltweit innovativsten Startups qualifizieren, um ihre Ideen einem geladenen Publikum zu präsentieren. Die Firmen kommen aus dem B2B-Bereich, unter anderem aus den Branchen Digital Health & Life Sciences, Infrastructure & Interconnectivity sowie Machinery & Manufacturing. Weiterhin sind auf der CUBE Tech Fair über 200 Konzerne auf C-Level vertreten, außerdem 100 internationale Journalisten und Blogger sowie insgesamt rund 3.000 Gäste.

Innovatives Live-Programm

Auf dem Programm stehen Vorträge, Diskussionsrunden und Interviews mit internationalen Experten aus Industrie 4.0, der Digitalbranche und der Start-up-Welt. Live auf der Bühne und an den Messeständen werden konkrete Innovationen vorgestellt:

  • StoreDot & DHL zeigen ihr gemeinsames Projekt erstmalig der Öffentlichkeit
  • der gedruckte 3D Olli Bus von Local Motors wird ausgestellt
  • Team Uniti wird ihre Kuka Robots auf der Tech Fair ausstellen

Ein weiterer Programmpunkt ist das Finale der CUBE Challenge, ein Wettbewerb, bei dem das innovativste Startup eine Million Euro gewinnt, einer der höchstdotierten Preise für Startups weltweit. Der Gewinner wird von einer Expertenjury gekürt, zu der unter anderem Steve Wozniak zählt.

Der Veranstaltungsort ist der CityCube in Berlin. Hier könnt ihr euch Tickets für die Veranstaltung sichern.

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Diese Experten erwarten euch auf der Cyber Conference Week

Image (adapted) by Nils Hansen

Vom 03. bis zum 07. April findet die 2. MARKETING ON TOUR – Cyber Conference Week statt. Jeden Tag gibt es verschiedene Webinare zu unterschiedlichen Themen rund um digitales Marketing. Das Ziel der Veranstaltung ist jedes Jahr, dass die Teilnehmer einen kompakten und umfassenden Überblick über aktuelle Entwicklungen und Trends bekommen. Hier kommt ihr zu der Eventankündigung.

Wir haben drei der Experten, die während der Konferenz Webinare leiten werden, um ein Interview gebeten:


Experte: Sebastian Düring, SEO & CRO Manager, netspirits


Image by Sebastian Düring
Image by Sebastian Düring

Warum bist du dieses Jahr bei Cyber Conference Week dabei?

Der eigentliche Kontakt kam über unseren Geschäftsführer Christian Tembrink. Der ist als einer der führenden SEOs in Deutschland im Jahr auf den einschlägigen Online Marketing Veranstaltungen als Speaker unterwegs und für uns auch einfach ein gutes Vorbild in diesem Bereich.

Was ist deine Kernkompetenz?

Ich würde sagen, dass ich einfach für Online Marketing brenne, klar ist das immer ein bisschen eine Phrase. Aber auch meine Charaktereigenschaft des über den Tellerrand schauens und ein nicht zu stillender Wissenhunger spielen mir da sehr gut in die Karten. Mein Schwerpunkt als SEO hab ich in CRO und UX (deswegen ja auch mein UX Webinar). Ich finde gerade die psychologische Komponenten super interessant. Was löst beim Kunden die Kaufentscheidung aus oder wie kann ich das Weberlebnis verbessern, sind für mich zentrale Fragen.

Welches Ziel hast du dir für diese Veranstaltung gesetzt?

Wenn die Zuschauer am Ende was mitnehmen, bin ich glücklich. Vielleicht noch, wenn sie direkt etwas anwenden und damit ihre Kunden glücklicher machen.

Deine Firma betreut riesige Kunden wie Amazon, die Telekom und Bayer, um nur ein paar zu nennen. Was ist das Geheimnis eures Erfolgs?

Absolut der Spirit! Deswegen liegt unser Name „netspirits“ ja auch nicht so fern. Wir sitzen im Herzen von Köln und ich glaube, der Standort trägt auch dazu bei, dass wir ein offener und bunter Haufen sind. Ich vergleiche das immer gerne mit eine Fußballmannschaft, da gibt es die einzelnen Spezialisten, wie den Spielmacher, aber geht der Ball verloren, wird gemeinsam hinterher gerannt. Das zeichnet uns aus. Dadurch könne wir uns als gesamte Firma agil bewegen und stellen uns sehr individuell auf unsere Kunden ein.


Experte: Cyrill Gross, Senior Consultant, Mayoris AG


Image by Cyrill Gross
Image by Cyrill Gross

Warum bist du dieses Jahr bei Cyber Conference Week dabei?

Ich wurde von artegic vorgeschlagen, um das Thema interaktive E-Mails zu präsentieren. Dies ist ein noch sehr neues Feld und ich gehöre zu einer handvoll Entwickler, welche bisher solche Mailings umgesetzt haben, beispielsweise die Produktauswahl und Bestellung direkt in der E-Mail oder einen kompletten Adventskalender innerhalb der E-Mail.

Was ist deine Kernkompetenz?

Ich bringe technischen Background mit, was mir in der aktuellen Entwicklung des Marketings enorm hilft. Automatisierung, Datenintegration und kanalübergreifende Kampagnen erfordern ein hohes Verständnis für Prozesse und Technologieplattformen. Zudem konnte ich mich als einer der führenden Entwickler von interaktiven E-Mails in Europa etablieren und hierzu bereits mehrere Male international referieren.

Welches Ziel hast du dir für diese Veranstaltung gesetzt?

Ich möchte den Teilnehmern zeigen, was heute mit E-Mail möglich ist. Dass ein Mailing nicht einfach nur aus ein paar Bildern, Texten und Call-to-Action-Buttons bestehen muss, sondern interaktiv sein kann und damit ein noch wirkungsvollerer Auslöser von Kundendialog und Verkauf ist.

Der Postfach-Darwinismus ist gnadenlos! Einfach Nachricht schreiben und „Senden“ drücken ist kein E-Mail Marketing… Was ist stattdessen E-Mail-Marketing?

E-Mail Marketing ist strategisch verankert, eingebettet in das gesamte Kommunikations- und Produktportfolio des Unternehmens. Nicht Massenversände nach dem „Batch & Blast“-Prinzip stehen im Vordergrund, sondern der Kunde in seinem Lebenszyklus und damit bessere Personalisierung, sowohl inhaltlich wie auch taktisch. Der Inhalt ist der Schlüssel zum Erfolg: Attraktiv, aktuell und vor allem relevant für den Empfänger. Nicht die Innensicht des Unternehmens ist entscheidend, sondern die Erwartung des Empfängers.


Expertin: Gabriele Horcher, Geschäftsführerin Möller Horcher Public Relations


Image by Gabriele Horcher
Image by Gabriele Horcher

Warum sind Sie dieses Jahr bei Cyber Conference Week dabei?

Im September 2016 durfte ich bereits bei der Cyber Conference Week vortragen. Schon im vergangenen Jahr war ich total begeistert, welche Vielfalt an Themen und welche unterschiedlichen Blickwinkel aus dem Bereich Marketing dem breiten Publikum in Deutschland Österreich und der Schweiz dargeboten wurden. Das finde ich unglaublich spannend. Und wenn sich dann tatsächlich über 100 Teilnehmer für meinen Vortrag interessieren, bin ich schon ein wenig stolz.

Was ist Ihre Kernkompetenz?

Die Kernkompetenzen unserer Agentur sind die Disziplinen Public Relations, Content Marketing und Lead Management.

Welches Ziel haben Sie sich für diese Veranstaltung gesetzt?

Im letzten Jahr haben über 40 Teilnehmer meine Folien angefordert und danach auch das kostenfreies Workbook „Step-by-Step: Wie Sie Ihren digitalen Vertriebsprozess aufbauen“ unter http://beta.moeller-horcher.de/landingpage/workbook heruntergeladen. Es wäre schön, wenn wir bei den Zuhörern auch in diesem Jahr wieder den Nerv treffen. Diesmal werde ich sogar auf die psychologischen Effekte eingehen und aufzeigen, warum unsere Disziplinen überhaupt wirken.

Seit über 16 Jahren sind Sie Geschäftsführerin der Möller Horcher Public Relations GmbH. Was hat sich in Ihrem Geschäft seitdem verändert?

Oha, eine Menge! Im Jahr 2000 hatten noch die wenigsten Medien Online-Portale, Social Media war noch in den Kinderschuhen und an Lead-Generierung über das Internet war noch überhaupt nicht zu denken. Wir haben also einen kontinuierlichen Anpassungsprozess unserer Dienstleistungen sowie eine Aufsplittung nach Kanälen vollzogen. Sehr spannend bisher und da wird auch in Zukunft noch sehr viel Neues auf uns zukommen.

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Grauzone animierte GIFs: Warum das Daumenkino in Messaging-Apps illegal sein kann

animierte GIFs Giphy Browser-Android-Smartphone (adapted) (Image by Berti Kolbow.Lehradt)

Ein Blick, eine Geste oder ein tougher Onliner genügen oft, um in animierten GIFs eine Kurzgeschichte zu erzählen. Für Millionen Nutzer von Smartphones und sozialen Netzwerken ist es inzwischen alltäglich, mit ihrem Umfeld animierte GIFs auszutauschen. Schließlich sind sie schneller verschickt als eine Nachricht auf dem Touch-Screen eingetippt. Seit Apps wie Facebook Messenger oder WhatsApp die GIF-Suchmaschine GIPHY direkt integriert haben, ist es einfacher denn je, das digitale Daumenkino zu versenden.

Viele GIFs sind Fertigprodukte aus oft unbekannten Webquellen. Sie zeigen häufig Szenen aus Hollywood-Filmen und -Serien. Darf die jeder wirklich einfach so teilen oder gar öffentlich auf Facebook hochladen? Ich sprach darüber mit Christian Solmecke, Rechtsanwalt für IT-, Medien- und Internetrecht bei der Kanzlei Wilde Beuger Solmecke.

Image by Christian Solmecke
Image by Christian Solmecke
Inwiefern ist es legal, animierte GIFs aus dem Netz zu verwenden?

Christian Solmecke: GIFs sind nicht anders als Bilder in anderen Formaten wie JPEG zu behandeln. GIFs sind letztlich nur einzelne digitale Bilder hintereinander. Die Rechtslage ist eindeutig. Zeigen GIFs lustige Szenen konkret erkennbarer Menschen, müssen diese keine Veröffentlichung ihres Bildes ohne ihre Einwilligung dulden. Ist stattdessen ein anderer geschützter Inhalt wie etwa eine Marke oder eine Comicfigur zu sehen, müssen Nutzer den Rechteinhaber diese Inhalte um Erlaubnis bitten. Es sei denn, der Rechteinhaber hat das GIF selbst ins Netz gestellt und es ausdrücklich zur Verwendung freigegeben.

Disney GIF (Screenshot by Berti Kolbow-Lehradt)
Disney GIF (Screenshot by Berti Kolbow-Lehradt)
Wenn ich bei der großen Suchmaschine Giphy animierte GIFs entnehme, ist das doch vermutlich rechtlich ok, oder? Dort laden neben Usern ja auch Giphy-Mitarbeiter GIFs hoch und kuratieren das Angebot.

Wenn das Material von Usern stammt, kann ich mir als Verbraucher nicht sicher sein, ob ich die GIFs verwenden darf. Und selbst, wenn sie von Giphy kuratiert wurden, ist das kein Freifahrtschein. Es bedeutet nicht, das Giphy die Nutzungsrechte dafür hat. Wenn die Rechte nicht vorliegen, kann der Anbieter sie auch nicht an die Nutzer weitergeben. Hier bietet sich ein Vergleich zur Google-Bilder-Suche an. Dort müssen Nutzer auch unterscheiden, ob die Bilder geschützt oder zur Nutzung freigegeben sind. Ebenso dürfen Verbraucher nicht auf GIF-Webseiten sorglos jedes GIF verwenden. Werden die Rechteinhaber darauf aufmerksam, dass geschützte Inhalte genutzt werden, droht eine Abmahnung und gegebenenfalls die Zahlung von Schadensersatz.

Das Quellmaterial fertiger GIFs sind häufig Ausschnitte aus Hollywood-Filmen und -Serien. Giphy geht zum Teil schon Partnerschaften ein und eröffnet eigene Kanäle für Serien oder Musikstars. Müssen sich Nutzer daher wirklich vor den Abmahnungen der Entertainmentbranche fürchten?

Dass US-amerikanische Inhalteanbieter dies in großem Stil verfolgen, ist mir nicht bekannt. In den USA ist die Rechtslage aber auch eine andere. Dort lässt sich urheberrechtlich geschütztes Material zur Bildung oder aus kreativen Zwecken verwenden, ohne das Urheberrecht zu verletzen.

Facebook Messenger (Screenshot by Berti Kolbow-Lehradt)
Facebook Messenger (Screenshot by Berti Kolbow-Lehradt)

Diese sogenannte ‚Fair use’-Rechtsdoktrin gibt es in Deutschland jedoch nicht. Da die Nutzungsrechte zum Beispiel von Filmen und Serien territorial vergeben werden, kann es sein, dass sie für amerikanische Nutzer zur Verfügung stehen, aber nicht von Nutzern in Deutschland verwendet werden dürfen.

Diese Unterscheidung ist für Nutzer im Netz-Alltag natürlich schwer ersichtlich. Schließlich sind ist die GIF-Integration amerikanischer Apps wie Facebook Messenger und WhatsApp auch in Deutschland nutzbar.

Tatsächlich ist das eine Grauzone, da sind wir noch nicht am Ende der Rechtsprechung angekommen. Fakt ist aber: wenn ich Inhalte aus dem Netz nutze, muss ich mir Gedanken darüber machen, ob ich sie nutzen darf. Vielen Nutzern ist das nicht bewusst. Vor Strafe schützt dies im Zweifelsfall nicht.

Wie groß ist das Risiko in der Praxis, eine Abmahnung zu erhalten?  Zumal die Nutzung im Facebook Messenger oder WhatsApp ja nicht öffentlich stattfindet.

Animierte GIFs stehen derzeit nicht im Fokus einer Abmahnwelle. Aber generell werden Bilderrechte in Deutschland sehr ernst genommen und eine unzulässige Nutzung sehr häufig abgemahnt. Wer fremde GIFs aus dem Netz herunterlädt und sie dann zum Beispiel nicht im Messenger, sondern bei Facebook in der Chronik veröffentlicht, muss besondere Vorsicht walten lassen.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Solmecke.

Image & Screenshots by Berti Kolbow-Lehradt


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Interview mit Timo Kohlberg, Product Marketing Manager bei Adobe

Die Netzpiloten hatten auf dem Online Marketing Rockstars Festival die Möglichkeit, mit dem Product Marketing Manager von Adobe, Timo Kohlberg zu sprechen. Timo ist Experte für digitales Marketing und kanalübergreifendes Campaign Management. Bei Adobe arbeitet er als Product Marketing Manager für Adobe Campaign. Dabei setzt er sich mit Themen wie Go-To Marktstrategien, Kommunikation und Business Development auseinander. 

Was ist in deinen Augen Cross-Channel-Marketing?

Wenn ich das jetzt auf eine einfache Formel herunterbrechen müsste, ist es relativ einfach: Es ist die richtige Nachricht zur richtigen Zeit an den richtigen Adressaten auf dem richtigen Kanal oder eigentlich dem richtigen Endgerät. Aus Konsumentensicht ist nicht mehr entscheidend, um was für einen Kanal es sich handelt; relevant ist der Kontaktpunkt, an dem ich das Angebot haben möchte. Oft ist es auch so, dass es eben nicht mehr nur ein Marketing-Angebot gibt, es kann auch eine Nachricht oder eine Information sein, die für mich wichtig ist.

Welche Faktoren sind für die Entscheidung eines Kunden, ob er sich für oder gegen eine Marke entscheidet, relevant?

Heutzutage werden die Standards mit der Erfahrung, die ein Kunde mit einer Marke hat, gesetzt. Wenn ich also eine positive Erfahrung habe, dann setze ich das als Standard für jegliche andere Interaktion, die ich mit Unternehmen habe. Besonders klassische Firmen, die eben diese Konsistenz und Relevanz nicht herstellen können, haben auf lange Sicht Probleme, dem gerecht zu werden. Deswegen muss man da sehr schnell sein. Für den Kunden entscheidend ist Relevanz zum aktuellen Zeitpunkt und Echtzeitinformation basierend auf den Daten, die Unternehmen haben und denen, die mit ihm geteilt werden. 

OMR2017
Timo Kohlberg, Online Marketing Rockstars 2017,
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Was kann ich als Anbieter tun, um den Kunden dazu zu bewegen, sich für meine Marke zu entscheiden?

Es geht klassischerweise, so wie wir es definieren, um drei Bereiche: Um das Thema Daten, um Inhalte – und darum, diese Daten und Inhalte zusammenzubringen und zum richtigen Zeitpunkt auszuspielen. Also personalisierten Content, beispielsweise anhand der Artikel, die sich ein Kunde angeschaut hat oder dessen Transaktionen, zusammenzustellen und den relevanten Kanal auf die Person anzupassen. Die Marken gehen auch vom klassischen Push-Marketing weg, es werden also kaum noch E-Mails mit derselben Nachricht an tausende Kontakte versendet. Es ist wichtig, nicht mehr in Segmenten zu denken, sondern hin zum One-to-one Marketing zu gehen. 

Wie sieht eine – für den Kunden und für mich als Anbieter – erfolgreiche Customer Journey aus?

Eine erfolgreiche Journey ist die, die dem Kunden den meisten Mehrwert bietet. Dazu ist es wichtig, wie der Kunde zu denken, um die für ihn relevantesten Informationen zusammenzustellen. Die Customer Experience muss an jedem Kontaktpunkt gleichwertig gestaltet werden. Es muss Konsistenz und Relevanz hergestellt werden und man muss mit dem Kunden im Gespräch bleiben. Dazu sollte jeder Kontaktpunkt wissen, wo der Kunde vorher schon war, sodass man nicht wieder von vorne beginnen muss. Es ist nicht gut, wenn einem Kunden der Newsletter angeboten wird, obwohl dieser bereits von dem User abonniert worden ist. Mit einer solchen Marke möchte der Kunde möglicherweise nicht mehr interagieren und sucht sich einen Anbieter, mit dem er das besser kann. 

Wird es von Kunden gelegentlich als abschreckend empfunden, wenn sie bemerken, was für ein Aufwand betrieben wird, um ihnen eine personalisierte Customer Journey zu bieten?

Ich denke, Kunden heißen es gut, wenn ein hoher Aufwand betrieben wird, um sie möglichst persönlich anzusprechen. Wo man sicherlich Vorsicht walten lassen muss, ist, wie man verschiedene Datenpunkte zusammenbringt. Wenn sich jemand anonym auf der Webseite verhält, muss die Marke entscheiden, ob sie dessen Aktivitäten mit einem Profil matchen will. Wir von Adobe versuchen, dieses Thema zu unterstützen: Wir haben Tools entwickelt, die angeben, welche Daten man in spezifischen Bereichen nutzen kann. Dementsprechend haben wir auch den Anspruch, voranzugehen und zu beraten. Aber grundsätzlich sieht der Kunde den Aufwand nicht. Und wenn das Ergebnis für sie oder ihn besser ist, ist es irrelevant, wie viel Maschinerie dahinter steckt. 

Welche Werkzeuge bietet Adobe für eine kanalübergreifend konsistente Kampagne an? 

Wir bieten die Marketing Cloud an, die aus acht verschiedenen Lösungen besteht. Besonders in Hinsicht auf das Thema Cross-Channel-Marketing und Kommunikation mit einem identifizierten Kontakt ist Adobe Campaign die Plattform, auf der sich das gut umsetzen lässt, immer aber mit dem Aspekt im Hintergrund, dass ein Kunde auch mehr als eine Lösung nutzen könnte. Da lässt sich wieder der große Vorteil einer Plattform gegenüber einer Single-Point-Solution erkennen: man stellt sicher, dass die Lösungen miteinander sprechen. 


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„Hamburg wird Social Media Hochburg!“ Uriz und Torsten von der #smwhh im Interview

uriz von oertzen torsten panzer

Vom 27. Februar bis zum 3. März findet in Hamburg wieder die kostenfreie Konferenz „Social Media Week“ statt. Sie ist Teil eines weltweiten Konzepts (gestartet 2009 in den USA), das sich mit den Themen rund um Social Media und dem technologischen Wandel befasst. In Hamburg stellt der namhafte Veranstaltungsprofi  Uriz von Oertzen (r.) seit 2012 mit seinem Team die Veranstaltungswoche mustergültig und erfolgreich auf die Beine. Wir haben den Macher und seinen Kollegen Torsten Panzer (l.) zum Interview getroffen

Die Konferenzwoche „Social Media Week Hamburg“ steht vom 27. Februar bis zum 2. März unter dem globalen Motto „Language and the Machine – Sprache trifft Technologie: Algorithmen und die Zukunft der Kommunikation”. In rund 150 kostenlosen Veranstaltungen werden zahlreiche Fokusthemen für eine möglichst breite Zielgruppe an Teilnehmern angeboten: Es geht um „Business und Brands“, „Innovation & Technology“, Gesellschaft und Partizipation, Sport, Reisen und Karriere. Auch junge Unternehmen spielen eine Rolle („Startup Day“ im betahaus).  Zusammen mit prominenten Partnern (u.a. der Standortinitiative nextMedia.Hamburg, der Handelskammer Hamburg, der comdirect bank, dem NDR) werden in zwei Main Locations  (der Hochschule Macromedia und der Markthalle) sowie einigen Satelliten-Orten ( Handelskammer InnovationsCampus (HKIC) betahaus Hamburg, Superbude St. Pauli) die drängenden Fragen der digitalen Zukunft ausgeleuchtet. Die Netzpiloten werden vor Ort sein und live berichten. Das detaillierte Programm findet sich hier.

 

Ich muss die Frage jetzt mal loswerden, weil es mich brennend interessiert: Uriz, woher kommt dein Name?

U: Das ist mein Nachname in der Urform. Das kann man ungefähr 1.000 Jahre zurückverfolgen. Und der Erste hieß halt Uriz. Und aus dem hat sich dann die ganze Sippe gebildet. Der war wohl so eine Art Raubritter.

Du stammst von Raubrittern ab?

U: Der soll nicht so schlecht gewesen sein, der Typ, nach allem, was ich gehört habe.

Ich habe mir deine Vita angekuckt. Du kommst ja eigentlich aus dem Musikbereich, du bist ein bekannter Konzert- und Partyveranstalter. Wie kamst du zur Social Media Week?

U: Das war vor etwas über sechs Jahren, als ich zum ersten Mal von der Social Media Week gehört habe. Eine Bekannte war auf der Veranstaltung in London und kam danach zu mir und meinte, das könne man ja auch in Hamburg machen. Ich kannte das Format gar nicht. Also habe ich mir das angeguckt und mir gedacht, das wäre ideal für uns! Als Agentur müssen wir uns sowieso immer wieder erneuern. Also warum nicht mit einem Thema, das ganz weit vorne ist.

Klingt nach einem Abenteuer…

U: Ja, und zeitlich war das damals alles sehr, sehr knapp. Wir hatten uns im Oktober dazu entschlossen. Ich bin dann sofort hier in der Stadt zu verschiedenen Einrichtungen gegangen und habe versucht, finanzielle Unterstützung zu bekommen. Denn eines war mir klar: das Projekt wird personalintensiv. Und dann haben wir es einfach gemacht. Federführend war damals  Sabine Ewald, die jetzt gerade in Elternzeit ist. Abenteuerlich war auch, dass wir ja am Anfang keine Ahnung hatten. Wir haben also zahlreiche Leute aus der Szene einfach angesprochen, haben uns schlau gemacht, wer macht was, wer ist wer.

Sehr Start-up-Style.

U: Es war wahrscheinlich sogar von Vorteil, dass wir in der Szene so unbekannt waren. Wir hatten keine Berührungsschwierigkeiten. Mit Sabine hatten wir wirklich Glück, sie ist diejenige, die dieses Projekt vorangetrieben und die Leute dazu geholt hat.

Welche Erwartungen hattet ihr, als ihr mit der SMW angefangen hattet?

U: Ich gehe immer grundsätzlich ohne große Erwartungen an neue Projekte heran. Na, bei der SMW vielleicht doch die eine, dass uns das Thema als Agentur weiter voranbringen sollte. Ich war neugierig. Ich fand das Thema gut, weil ich selber auch schon lange in sozialen Medien unterwegs bin. Aber ich würde mich auf keinen Fall als Spezialisten bezeichnen. Wir haben enorm viel gelernt in den letzten Jahren!

Könnt ihr nochmal erklären, welche Ziele das Format „Social Media Week“ verfolgt?

U: Hamburg ist eine der wenigen weltweiten Partnerstädte, die alle Veranstaltungen kostenfrei anbieten. Ich finde das super, dass alle Leute sich zu diesen Themen informieren können, egal, ob sie Anfänger oder Profis sind. Der Bedarf ist da, die Leute rennen uns ja die Bude ein. Es gibt eine große Neugier auf diese sich schnell verändernden Digitalthemen. Wir wissen heute nicht, was 2018 sein wird und wir wussten 2016 nicht, was jetzt gerade auf der Agenda ganz oben steht. Vor allem ist die Social Media Week auch ein Netzwerk, in dem Experten, Unternehmer und Anwender sich treffen.

T: Außerdem passt die Social Media Week perfekt nach Hamburg. Google und Facebook sitzen hier in der Stadt. Hamburg hat als Medienmetropole von jeher eine hohe Affinität zur Digitalbranche und natürlich auch zu Social Media. Zusammen mit unserern Partner wollen wir den Standort als „Social-Media-Hochburg“ weiter ausbauen.

Das klingt nach einer guten Mission, die wir Netzpiloten voll unterstützen. Ist die SMW wirschaftlich profitabel?

U: Ehrlich gesagt wissen wir nie, ob überhaupt Geld überbleibt, wenn wir das machen. Einen gewissen Teil bekommen wir ja von der Stadt finanziert, den Rest müssen wir über Sponsoren hereinbekommen. Das gelingt mal mehr, mal weniger gut. Grundsätzlich ist es ja nicht so, dass wir die schöne Veranstaltung machen, damit wir steinreich werden, sondern weil wir Spaß haben an den spannenden Themen.

Du sagtest mal ‚Es zählte die Lust an der Gänsehaut‘.

U: Genau, darum geht es. Ich muss auch auf das Geld gucken, das ist klar. Ich muss ja auch davon leben und meine Mitarbeiter sowieso. Aber ich komme aus einer anderen Zeit. Da konnte man auch mal so passioniert denken. Heute weiß ich nicht, ob man noch so denken kann. Ich erlaube es mir halt.

Die SMW ist ja auch Schrittmacher für die lokale Branche. Wie nehmen die klassischen Unternehmen das an? Gibt’s es den Impuls ‚Wir müssen uns da jetzt ranhalten‘?

U: Das wäre super, wenn sie das sagen würden. Stattdessen sagen sie ‚Ja. eigentlich müssten wir. Aber wie geht das denn?‘ Die Haltung ist also eher ‚Gucken wir mal‘. Es gab Interesse und Unterstützung seitens der sogenannten Old Economy vor allem am Anfang. Heute arbeiten wir fast nur noch mit Unternehmen, die eher direkt aus dem Bereich Social Media kommen.

T: Ich sehe bei der SMW immer noch eine ganz gute Mischung aus alten und jungen Unternehmen. Alle wissen, dass sie ihre Kommunikation intern und extern ändern müssen, dass sie Dialog-orientierter arbeiten sollten. Auch traditionelle Unternehmen wie Beiersdorf kapieren, dass sie sich zum Beispiel beim Thema Content Marketing auskennen müssen. Damit sind sie übrigens auch auf der SMW vertreten

So kurz vor der großen Veranstaltung: Habt ihr alles im Griff?

T: Wir fühlen uns manchmal wie vor der Herausforderung eines 5000-Teile-Puzzle: Über 3000 Besucher mit rund 150 Sessions, zig Speaker,  mehrere Locations, Live Streams… Manchmal sitzen wir fasziniert und gleichzeitig verzweifelt davor und überlegen uns, wo wir ein bestimmtes Puzzleteil noch reindrücken können.

Zum Abschluss: Die Social Media Week ist für mich…?

U: Ein Must-have.

T: Eine Hammer-Woche (in jeder Hinsicht).

Vielen Dank an Uriz von Oertzen und Torsten Panzer für dieses Interview!


Image by Niklas Hamburg


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Mehr als nur heiße Luft: Mark Williams über den Firefly-Vaporizer

Im St. Oberholz Mark Williams und Tobias Schwarz (Image by Netzpiloten)

tl;dr: Wir Netzpiloten verlosen dank Firefly Vapor einen neuen Firefly 2 (369,00 Euro UVP) in der Farbe Schwarz. Alles, was ihr dafür tun müsst, ist entweder dem Twitter-Account @fireflyvapor oder dem Facebook-Account FireflyVapor zu folgen und mit dem Hashtag #Firefly2 zu schreiben, warum ihr den neuen Vaporizer haben wollt. Falls ihr es noch nicht wisst: Auf Hello Smart findet ihr einen Testbericht unseres Autors Tobias Schwarz zu dem Vaporizer.

Das Gewinnspiel ist beendet!


Vor vier Jahren traten Mark Williams und Sasha Robinson dem Markt für Vaporizer mit einem der revolutionärsten tragbaren Vaporizer bei, der je hergestellt wurde: dem Firefly. Mit ihrem in San Francisco ansässigen Start-up war es ihnen etwas Einmaliges gelungen, was niemand zuvor erreicht hatte: einen tragbaren, elektronischen, umluftgesteuerten Vaporizer herzustellen, der sich in nur 10 Sekunden erhitzt. Nutzer solcher Vaporizer weltweit sind begeistert von diesem neuen und angesagten tragbaren Modell.

LifestyleShotSocialMedia (via Firefly Vapor)
Image by Firefly Vapor

Der Firefly-Vaporizer war jedoch nur ein erster Versuch mit einigen Defiziten, wie beispielsweise seiner Akkuleistung, seiner Größe oder dem Gewicht. Ende 2016 kam der Firefly 2 auf den Markt und es hat den Anschein, als hätten Mark Williams und Sasha Robinson eine steile Lernkurve hinter sich. Vor einigen Wochen traf ich Mark Williams im St. Oberholz in Berlin, um mit ihm nicht nur über seinen persönlichen Neustart als Startup-Gründer und CEO und die Führung von Firefly Vapor zu sprechen, sondern ihn auch danach zu fragen, wie es war, einen Vaporizer zu konzipieren.

Wie wurde aus einem Kerl aus New Jersey der Gründer und CEO eines Vaporizer-Unternehmens in San Francisco?

Mein erstes Unternehmen gründete ich, als ich gerade 20 Jahre alt war. Ich stellte Bongs nach meinem eigenen Design aus Keramik her und konnte genug Geld erwirtschaften, um mein erstes Auto zu kaufen. Nachdem ich mit der Universität fertig war, begann ich im Technologiebereich zu arbeiten. 20 Jahre später konsumierte ich noch immer Cannabis, und zwar auf eine Art, die mein Leben bereicherte. Ich hatte nie ein Problem damit, aber Rauchen an sich fühlt sich eben einfach nicht gut an. Ich wollte trotzdem das Cannabis genießen können. Daraufhin machte ich Erfahrungen mit einem Produkt aus Deutschland, dem Vaporizer von Volcano. Dabei handelt es sich um eine Art riesige Pyramide.

Ich habe Bilder davon gesehen, sie ist wirklich riesig.

Sie ist riesig und sieht auch irgendwie albern aus. Aber sie brachte mich auf die Idee, Pflanzen zu dampfen, statt sie zu rauchen. Und ich war sofort total davon begeistert, weil es offensichtlich so viel besser war. Es schmeckte besser, es fühlte sich besser an und es verursachte kein anhaltendes Schweregefühl. Alles daran war besser, außer, dass das Gerät wirklich albern aussah.

Ich war zu der Zeit bei Apple angestellt und leitete ein Designteam, das an Mac OS 10 arbeitete. Und ich war an einem Punkt angelangt, an dem sich viele Dinge in meiner Karriere wiederholten – ich hatte keine Herausforderungen mehr. Aber die wenigen Jobs in meinem Arbeitsumfeld im Designbereich waren alle von Leuten in meinem Alter oder von etwas älteren besetzt. Manche hatten auch Kinder, für die sie die Universität bezahlen mussten, also würden sie sich nicht weiterbewegen. Ich fühlte mich, als hätte ich einen Punkt meiner Karriere erreicht, an dem sich entweder die gleichen Dinge immer wiederholen würden und ich mich immer öfter langweilen würde – oder an dem ich ein Risiko eingehen könnte. Und ich war bereit für ein Abenteuer. Ich wollte mehr Entwicklung und mehr Herausforderungen. Und hierbei handelte es sich nicht nur um simples Softwaredesign, sondern auch um mechanisches, elektrisches und thermisches Design, was tatsächlich sehr kompliziert ist.

Ich wollte diese Gelegenheit nutzen, mich als Ingenieur weiterzuentwickeln und etwas herzustellen, bei dem ich meine Erfahrungen verarbeiten konnte, die ich mit dem Volcano gemacht hatte. Ich wollte Dinge verändern. Ich wollte die Idee der Vaporizer verbreiten. Es sollte etwas sein, dass jeder ganz einfach benutzen kann und was ich selbst auch benutzen wollen würde. So kam das zusammen, was ich für mich selbst und für die Welt da draußen entwickeln wollte. Ich fing einfach irgendwie an.

Besonders in den USA wurde Cannabis für lange Zeit nur von Kriminellen vertrieben. Um eines klarzustellen: War die Nutzung von Cannabis zu medizinischen Zwecken bereits legal, als Sie sich dazu entschlossen, etwas Besseres als den Volcano zu entwickeln?

In der Tat, ja. Denn man kann den Vaporizer benutzen, um jegliche Arten von Pflanzen zu dampfen. Er ist nicht ausschließlich für Cannabis gemacht, sondern kann für alle möglichen Kräuter verwendet werden. Er könnte ebenso für Tabak benutzt werden, ich habe ihn selbst auch jahrelang mit Pfeifentabak verwendet, bis ich beschloss, keinen Tabak mehr zu konsumieren. Ich empfehle ihn auch nicht dafür, weil ich generell nicht dazu raten würde, süchtigmachende oder sogar illegale Substanzen zu konsumieren.

Vor Kurzem war ich in Großbritannien. Ich möchte auf keinen Fall die Botschaft herüberbringen, dass man irgendetwas nur deshalb tun sollte, weil es im eigenen Land verboten ist. Aber es ist eine Tatsache, dass immer dann, wenn Dinge verboten werden, nach denen die Menschen sich sehen, die daraus entstehende Lücke durch das organisierte Verbrechen besetzt wird. So war es schon in den USA während der Prohibition in den Zwanziger und Dreißiger Jahren.

Ganz offensichtlich ist der Krieg gegen organisierte Kriminalität und Drogen vollkommen gescheitert. Daher hoffe ich, dass die rationalen Entscheidungsträger in den Regierungen weltweit, und vor allem in Deutschland, sich mit den Informationen vertraut machen, die beispielsweise Kalifornien und Colorado zur Verfügung gestellt werden. In Colorado haben die Menschen schon seit Jahren zu Erholungszwecken Zugriff auf Cannabis – und alles läuft bestens. Im Endeffekt können die Informationen, die zeigen, dass man auch konsumieren kann, ohne große soziale Einbußen machen zu müssen, die rationale Entscheidungsfindung begünstigen.

Sie hatten erwähnt, dass man einiges wissen muss, um Geräte wie den Firefly herzustellen. Haben Sie es allein als erfahrener Designer geschafft?

Ich habe zusammen mit meinem Geschäftspartner Sasha Robinson angefangen. Wir haben diese Firma quasi zusammen aufgebaut. Wir beide haben Erfahrung im Bereich Produktdesign, er hat ebenfalls Vorkenntnisse in der Softwareentwicklung und in der Elektrotechnik. Und meine Kenntnisse umfassen Design und wie der Mensch tickt, außerdem weiß ich ein bisschen über Maschinenbau Bescheid. Daher dachten wir uns, dass wir das alles verbinden könnten, um zu sehen, was passiert.

Wir beide hatten kein Fachwissen zur Wärmetechnik, aber es war sehr spannend, mehr darüber zu lernen. Wir haben mit ein bißchen Hilfe alles zusammen gemacht. Wir haben gelernt, mit CAD zu zeichnen. Nachdem wir die Prototypteile erstellt hatten, leiteten wir die Prototypenentwicklung. Wir haben alles selbst zusammengebaut und getestet. Im Prinzip fand der Entwicklungsprozess in Sashas Garage statt, so eine Art Lagerraum im Silicon Valley. Der existiert wirklich. Wir haben sogar ein kleines Museum in seiner Garage eröffnet.

Wie hat sich Ihr Vaporizer in diesem Entwicklungsprozess verändert?

Ursprünglich haben wir mit Butan-Gas gearbeitet. Da es eine so viel dichtere Energiequelle ist als Batterien, wollten wir ein Feuer entfachen und so Hitze erzeugen. Es stellte sich allerdings bald heraus, dass Butan sehr schwer zu kontrollieren ist. Tatsächlich wollen die wenigsten Leute gern Butan-Tanks auffüllen. Die Leute wissen inzwischen teilweise gar nicht mehr, wie das geht.

Also mussten wir von einem butanbetriebenen Produkt auf ein batteriebetriebenes System umstellen, bevor wir überhaupt ein Gerät auf den Markt gebracht hatten. Das ist lange her, so etwa um die Zeit herum, als Lithium-Ionen-Akkus noch überall zu kriegen waren. Diese Akkus hatten eine gute Energiedichte. Als dann Handys immer beliebter wurden, wurden Lithium-Ionen-Akkus deutlich günstiger, sodass sie auch für andere Produkte verwendet werden konnten.

Firefly 2 Vaporizer (Image by Tobias Schwarz)
Ansprechendes Design: Der Firefly 2 von Firefly Vapor (Image by Tobias Schwarz)

Würden Sie die letzte Entwicklerversion des Firefly, besonders die zweite Generation, die Sie auch in Deutschland verkaufen, als ein smartes Gerät bezeichnen, weil es mit unseren Smartphones verbunden ist?

Naja, es kann aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden. Für unsere Kunden ist dieses Gerät eine sehr private Angelegenheit. Ich sehe es nicht so, dass es ein Teil des Internets der Dinge ist, weil wir in kultureller Hinsicht noch nicht so weit sind. Man muss in vielen Gegenden der Welt immer noch sehr diskret damit umgehen.

Die Benutzeroberfläche der App auf einem Handy ist so viel besser als jedes andere kleine Interface, das auf einem Gerät erstellt werden kann. Zugegebenermaßen funktionieren diese auch nicht. Wir ermöglichen dem Benutzer im Endeffekt ein besseres Erlebnis, indem er sein Telefon nutzen kann, das eine viel bessere Benutzeroberfläche habt.

Was war die größte Herausforderung bei der Entwicklung des Firefly?

Die größte Schwierigkeit war die, etwas zu erschaffen, das in etwa die Größe eines Müsliriegels hat, aber sich innerhalb von drei Sekunden bis auf 250 Grad Celsius erhitzen kann, ohne in der Hand zu heiß zu werden. Das ist schwierig, weil es die Regeln der Physik angreift. Letztlich verhält sich die Natur so, wie sie will, aber wir mussten lernen, wie sich Hitze in einem kleinen System bewegt. Das hat unglaublichen Spaß gemacht, war aber auch die schwierigste Aufgabe.

Eine zweite komplizierte Sache war die Werkstofftechnik. Wir mussten Materialien finden, die extreme Leistungsmerkmale aufwiesen. Beispielsweise ist unser Heizelement aus einem Material, das bei Raketenantrieben verwendet wird. Es ist also sehr teuer, wir mussten es daher selbst aus dem unverarbeiteten Material herstellen und zu Draht verarbeiten, sodass es in unserem Heizsystem verwendet werden konnte. Wir hatten schon andere herkömmliche, widerstandsfähige Heizdrähte ausprobiert, aber diese funktionieren nicht in unserem System. Sie heizten zyklisch und es schälte sich Material ab. Außerdem gingen sie zu schnell kaputt. Daher mussten wir einiges an Forschung zu fundamentaler Werkstofftechnik betreiben – und ebenfalls verdammt viele Muster testen, um etwas zu finden, was unseren Leistungseigenschaften entspricht. Es hat ein ganzes Jahr gedauert, das richtige Material zu finden.

Ein drittes Problem war das Konzept für die Fertigung. Es ist nämlich eine Sache, ein Produkt zu gestalten, das gut funktioniert und gut zu handhaben und stabil ist und eine gute Nutzererfahrung bietet. Es ist eine völlig andere Sache, etwas zu designen, das ganz einfach herzustellen ist und durchgängig so produziert werden kann, dass es immer gleich ist. Es ist schwierig, das Produkt so zu konzipieren, dass jedes Einzelteil gleich gut funktioniert, wenn es in einen Karton gepackt und zum Kunden geschickt wurde. Das ist wirklich schwierig zu bewerkstelligen.

Erzählen Sie mehr über Ihr Team bei Firefly.

Wir sind acht Leute, mich als Gründer und CEO eingeschlossen. Zur Zeit haben wir verschiedene Ingenieursbereiche und haben außerdem noch Leute, die uns helfen. Wir haben ein Team aus Ingenieuren in Hong Kong und ein Softwareentwicklungsteam für eine App in der Ukraine. Wir nutzen also mehrere Technikberater oder Auftragnehmer, aber um die technische Vision und das Design kümmern sich ausschließlich Sasha und ich. Wir finanzieren uns auch beide selbst, worauf ich sehr stolz bin.

Ich hatte Glück, zum richtigen Zeitpunkt bei Apple zu sein, was mir genug Geld eingebracht hat, um meine Hälfte des Unternehmens zu finanzieren. Es reicht nicht aus, um in Rente gehen zu können, daher bin ich immer noch sehr motiviert, aber es reicht bequem für die Ausstattung mit dem wichtigsten Handwerkszeug und für ein kleines Startkapital, also kann ich noch eine Zeit lang am Produkt arbeiten, ohne dass ich dringend dafür bezahlt werden muss. Dass ich mir dazu Zeit nehmen kann, ist am wichtigsten.

Wie kriegen Sie es hin, dass Ihre Mitarbeiter die Kultur Ihres Unternehmens verstehen, wo Sie doch zwei einzelne Teams haben?

Nun ja, das Team in Hong Kong sehe ich sehr regelmäßig. In der Tat würde ich sogar noch ein bisschen weiter gehen und sagen, dass ich eine sehr enge Bindung mit unserem Hersteller habe. Ich war zum Beispiel gerade vor zwei Wochen in China, ich besuche sie dort sehr oft. Beim Aufbau der Fließbandproduktion sind wir sehr praxisorientiert. Wir wollen sicherstellen, dass alle Gerätetests angemessen ausgeführt werden. Wir sind bei der Qualitätsprüfung sehr sorgfältig. Und es macht Spaß, ich besuche die Fabrik wirklich gern.

Wir haben also eine sehr enge Beziehung zu den Ingenieuren in der Fabrik, zu den Geschäftsleuten, zu den Leuten, die die Lieferkette verwalten und zu unserem Team in Hong Kong, weil ich sie schon seit Jahren kenne. Ich spreche wöchentlich stundenlang über Skype mit diesen Leuten. Ich halte im Wesentlichen seit Jahren ein wöchentliches Meeting über mehrerer Stunden mit diesen Teams über Skype ab, bei denen ich Zeichnungen oder Videos auf den Bildschirm projiziere, die den momentanen Entwicklungsstatus eines Teils darstellen. Deswegen stehen wir trotz der Distanz in engem Kontakt.

Mit dem Team aus der Ukraine telefoniere ich regelmäßig. Wir können alle auf die Benutzeroberflächen zugreifen, die live für die App entwickelt wird. Die eigentliche Anpassung war für mich eher, in einem 24-Stunden-Zyklus zu leben, weil ich mit dem ukrainischen Team um eine bestimmte Uhrzeit telefonieren muss, die für unsere Unternehmen funktioniert. Aber das kann ich natürlich nicht zeitgleich zu meinem Telefonat mit dem Team in Hong Kong tun, also bedeutet das für mich, dass ich mein Unternehmen im Laufe eines kompletten Tages leiten muss. Das ist eigentlich eine viel deutlichere Veränderung. Ich denke, es ist eine sehr moderne Art und Weise, über Unternehmen in der Welt nachzudenken. Das ist das weltweite Business, das heißt, dass immer etwas am Laufen ist.

Es ist wirklich bemerkenswert, so einen 24-Stunden-Arbeitstag zu akzeptieren.

Natürlich gilt dieses 24-Stunden-Arbeitskonzept nur für mich und nicht für den Rest meines Teams. Ein kleines bisschen trifft es auch auf meine Kollegin zu, die Leiterin der Unternehmensverwaltung, die die Transaktionsabwicklung der Direktverkäufe auf unserer Website macht, oder wenn eine Bestellung von Hong Kong versandt wird. Sie ist also die, die eher mal 24 Stunden arbeitet, weil sie immer irgendwie darauf achten muss, was so vor sich geht. Es betrifft uns also beide.

Der Rest des Teams konzentriert sich auf andere Bereiche wie den Markt im Inland oder in Übersee. Aber es gibt sehr klar festgelegte Grenzen. Ich bin in die Produktion mit einbezogen. Die Dinge, die wir herstellen, beinhalten Komponenten für Software und Hardware. Für diese Komponenten habe ich weltweite Beraterteams, also muss ich meine Aufmerksamkeit jederzeit über die ganzen Welt verteilen. Aber mir gefällt das ganz gut – ich sehe mich dabei als eine Art Weltbürger. Ich habe vielleicht so etwas wie eine weltumspannende Geisteshaltung. Daher gefällt mir diese Art zu leben wirklich sehr.


Image „Im St. Oberholz: Mark Williams und Tobias Schwarz“ by Netzpiloten
Image Firefly 2 Vaporizer by Tobias Schwarz
Image by Firefly Vapor


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Filmreife Videospiele: „Es gibt eine Fan-Kultur für gute Synchronisation“

Bei fremdsprachigen Filmen und Serien ist es gang und gäbe. Und auch bei hochwertigen Videospielen gehört es immer öfter zum guten Ton, die Original-Sprache durch prominente Stimmen auf deutsch zu übersetzen. Ebenso wie in einer Hollywood-Produktion befeuert professionelles Stimmhandwerk Emotionen und Atmosphäre. Doch wie verleiht man einem animierten Computerspiel-Helden Authentizität und Gefühl? Wir sprachen darüber mit Peter Flechtner. Als Feststimme von Ben Affleck gehört er zu den meistgebuchten Synchronschauspielern. Mit JD Fenix sprach er den Protagonisten in „Gears of War 4“ , einem Blockbuster für PC und Xbox, der anerkennende Kritiken für die Synchronisation verbucht hat.

Ein Videospiel, na toll. Das ist doch gar keine „echte“ Schauspielerei! Oder?

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Ohne gut synchronisierte Kampfschreie oder toughe Oneliner wären Videospiele wie Gears of War 4 nur halb so populär. Screenshot by Microsoft

Im Gegenteil. Hier ist mehr Handwerk und Erfahrung gefragt als viele denken. Computerspiele zu sprechen ist wahnsinnig herausfordernd. Mehrere Stunden lang am Stück Schreianweisungen eines Soldaten einsprechen und zwischendurch glaubwürdig die Atmosphäre von Action auf Humor oder Enttäuschung zu wechseln – das geht auf die Stimme. Unerfahrene Sprecher haben da ihre Schwierigkeiten. 

Werden deshalb gefühlt immer öfter prominente Synchronschauspieler für Videospiele gebucht?

Das liegt eher am Kino-Effekt, den hochwertige Videospiele erzeugen sollen. Die Produktionen sind inzwischen so „high-class“, dass Spielefiguren sehr realistisch aussehen. Je besser man sich den Charakter vorstellen kann, desto eher wollen und können sich die Leute mit ihm identifizieren. Weniger begabte Stimmen stören diesen Eindruck. Wiederum bekannte Stimmen kommen einem vertraut vor. Ich habe mir zur fertigen deutschen Fassung von Gears of War 4 ein „Let’s Play“ -Video angeschaut. Der Spieler erkannte meine Stimme, konnte sie aber nicht einordnen. Daraufhin haben rund 20 Kommentatoren diverse meiner Rollen aus Film und Serie aufgezählt. Jeder hatte einen anderen Ansatzpunkt. Dieser Wiedererkennungswert trägt auch dazu bei, dass sich Videospiele wie Kino anfühlen.

„Let’s Play“-Video: Welche Synchronstimme ist das?

Geht bei Videospielen – wie bei Filmen auch – mit dem Original-Ton nicht Authentizität verloren?

Eine 1:1-Übersetzung ist tatsächlich fast nie möglich. Einfach, weil deutsche Sätze oft länger sind als englische. Auch Akzente und Dialekte gehen verloren, weil es eher satirisch wirkt, wenn man eine Figur Bayerisch oder Österreichisch sprechen lässt. Dass in Deutschland die Synchronisation dennoch so beliebt ist, liegt daran, dass es als eine Kunstform behandelt wird, die ihren eigenen Beitrag leistet. Oft hat der deutsche Synchronsprecher ja eine andere Stimmfarbe und klingt fast besser als das US-Original. Arnold Schwarzenegger wäre ohne seine deutsche Stimme Thomas Danneberg möglicherweise hierzulande nicht so populär geworden. Genauso wie bei Filmen und Serien bildet sich auch bei Videospielen immer stärker eine Fan-Kultur für gute Synchronisation heraus.

Spiele wie Gears of War 4 stehen nicht für dialogintensive Szenen: Wie viel Storytelling können Sie durch einen Schmerzensschrei oder einen toughen Oneliner vermitteln?

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Im Videospiel Gears of War 4 von Microsoft Studios spricht Peter Flechtner den Helden JD Fenix. Screenshot by Microsoft

Meine Aufgabe als Synchronschauspieler ist es, glaubwürdig zu sein. Dafür kommt es nicht auf die Textlänge an. „Ich bin verletzt“ kann ich unbetont und langweilig oder auch schmerzerfüllt und dramatisch sprechen. Ein Oneliner reicht, um im besten Fall ein Gefühl zu transportieren oder im schlechtesten Fall zu verraten, dass da jemand nur einen Satz abliest. Jede Rolle ist Schauspiel, unabhängig vom Medium. In Gears of War 4 hatte ich übrigens für ein Spiel relativ viele Zeilen, weil es etliche alternative Aktionen gibt, die die Figur JD Fenix kommentiert. 

Wie haben Sie sich auf eine Figur wie JD Fenix vorbereitet? Sie sprechen viele markante Typen, aber keinen 80er-mäßigen, muskelbepackten Action-Helden.

Ben Afflecks Rolle als Batman oder die Figur Johnny Rico in Starship Troopers kommen dieser Rollenbeschreibung schon ziemlich nahe. Daher habe ich mit solchen Typen Erfahrung. Wichtig ist mir, dass ich die Figur nicht als stereotypen Helden spreche, sondern buchstäblich als Mensch. Da darf die Stimme auch mal soft klingen. Und um ehrlich zu sein: Die Produktionszyklen sind in der Branche so kurz, dass ich meist prima vista, also ohne nennenswerte Vorbereitung ins Studio gehe.

Erzählen Sie bitte von der Produktion von Gears of War 4. Wie lief das ab?

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Ob Hollywoodfilme, Netflix-Serien oder Videospiele – Peter Flechtner ist einer der meistgebuchten Synchronschauspieler hierzulande. Image by Tobias Jahn

Aus schauspielerischer Sicht waren die Bedingungen vergleichsweise komfortabel. Es lagen bereits rund 20 Zwischenvideosequenzen vor, sodass ich mir ein Bild von der Figur JD Fenix machen konnte. Das war sehr hilfreich zum Reinkommen. Bei den meisten anderen Computerspielen gibt es nur ein Fact-Sheet und ein Render-Bild zur Figur. Dann höre ich die Original-Audiospur, lese die Übersetzung von einem Display ab und spreche sie in einem vorgegebenen Zeitfenster nach. Bei Gears of War 4 konnte ich für die Videos wenigstens lippensynchron aufs Bild sprechen. Dann sind Ton und Bild noch einen Tick mehr wie aus einem Guss. Ansonsten war die Arbeit im Studio bei weitem nicht so actionreich wie sich das im Spiel anhört. Ich folge zwar dem emotionalen Ausdruck des Originals, aber letztendlich stehe ich mit Kopfhörern vor einem Mikro. 

Weitere Figuren aus Gears of War 4 sind ebenfalls prominent besetzt, etwa mit Oliver Stritzel (Stimme von Philip Seymour Hoffmann) und Maria Koschny (Stimme von Jennifer Lawrence). Waren die Kollegen inspirierend?

Ich denke, man hört es dem Spiel an, dass die beiden ebenfalls sehr profilierte Synchronschauspieler sind. Aber anders als im Theater oder vor der Kamera werden Synchronrollen separat eingesprochen. Insofern konnte ich nicht vom Team-Play profitieren. Das hat auch einen Vorteil. Auf diese Weise ist die Konzentration auf die eigene Figur einfacher. 

Wie attraktiv ist der Markt der Videospiele für Synchronschauspieler?

Mein Eindruck ist, dass bei Computerspielen heutzutage mehr Wert auf gute Synchronisation gelegt, allerdings zum Teil weniger dafür bezahlt wird. Viele Spiele haben ein relativ schnelles Verfallsdatum und stehen unter Kostendruck. Die Honorar-Schere zwischen Haupt- und Nebenrollen ist zudem groß. Generell wird Synchronschauspielerei mehr wertgeschätzt als früher. Insofern ist das ein wachsender Arbeitsbereich, für den sich mehr und mehr Schauspieler interessieren. Allerdings ist die Synchronbranche nicht jedermanns Sache.

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So sieht die deutsche Stimme von Ben Affleck aus. Peter Flechtners Stimme ist bekannter als sein Gesicht. Image by D.B. Brückmann

Ich kenne viele tolle Theaterschauspieler, die nicht mit der engen Taktung der Produktionen klarkommen. Für mich gibt aber nicht das Medium den Ausschlag. Mich reizt es auch, bei etwas Kultigem dabei zu sein. So gesehen habe ich mich über eine Rolle in der „Gears of War“-Reihe ebenso gefreut wie über eine in dem „Star Wars“-Ableger „Rogue One“.

Spielen Sie die Spiele, die sie sprechen, auch privat mal an?

Das beschränkt sich darauf, Videoausschnitte im Internet zu googlen oder meinem Neffen ab und an über die Schulter zu schauen und mich darüber zu freuen, wenn er sagt: „Oh, ich höre dich!“. Meistens widme ich meine Freizeit meiner Liebsten und den Kindern.


Über Peter Flechtner

Schauspieler Peter Flechtner (54) trat bereits in großen Hollywood-Produktion wie „Wie ein Licht in dunkler Nacht“ (1992) und „Schindlers Liste“ (1993) vor die Kamera. Bekannter als sein Gesicht ist jedoch seine Stimme. Mit über 2.650 Synchronsprechrollen in diversen Medien gehört er zu einem der profiliertesten Vertretern seiner Zunft. Unter anderem synchronisiert er Ben Affleck, William Fichtner und David Harbour. Serienfans kennen seine Stimme von Hauptrollen in Lost, Prison Break, Gotham, House of Cards und Modern Family. Gears of War 4 ist nicht Peter Flechtners erste Videospiel-Produktion. Zuvor war er unter anderem in Far Cry 4, Call of Duty: Black Ops III und Halo 5: Guardians zu hören.

Mehr über Peter Flechtner findet ihr bei Wikipedia und in der Synchronkartei


Image (adpapted) „Gears-of-War-4-Marcus-JD-Fenix-Netzpiloten“ by Microsoft


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Jive-CEO Elisa Steele über Social Collaboration

ElisaSteele Headshot (Image by Jive)

Über Portland gibt es nicht viel zu erzählen, wenn man über die Zukunft der Arbeit nachdenkt. Wirtschaftlich interessant ist der von hier gestartete Trend der Mikrobrauereien. Die Stadt hat, bezogen auf die Einwohnerzahl, die meisten Brauereien in den USA. Dass der Softwarehersteller Jive Software hier gleich zwei Zentren für Software-Engineering unterhält, überraschte mich, als Jive-Geschäftsführerin Elisa Steele dies im Interview für die Netzpiloten erwähnte. Ende des letzten Jahres traf ich sie in Berlin zum Gespräch über ihr Unternehmen.

„Portland war eine der ersten Standorte für Jive. Die beiden Gründer kamen früh nach der Gründung des Unternehmens hierher und so wuchs der Standort über die Jahre. Unser Büro in Portland ist nun unser größter Technologie-Standort weltweit und ein Zentrum für exzellente Softwareentwicklung.“– Elisa Steele

Jive Software entwickelt Programme zum Wissensmanagement und zur Kollaboration von Teams in Unternehmen sowie zum Aufbau von Online-Communities. Volkswagen nutzt beispielsweise die auf Jive basierende Social-Collaboration-Plattform „Group Connect“.

Was die Hipsten unter den hipsten Startups weltweit mit Programmen wie Slack oder HipChat lösen, versuchen Großkonzerne mit Social-Collaboration-Plattformen wie Microsoft Teams, Unify oder eben Jive. Nur eben skalierbar und mit der nötigen Brise Corporate.

Digital Workplace für interdisziplinäre Teams

Chat-based Workspaces kommen in den Unternehmen an, wie das unabhängiges IT-Research- und Beratungsunternehmen Crisp Research schreibt:

„In diesem noch jungen Marktumfeld wird sich 2017 einiges tun. (…) Bestehende Anbieter aus verwandten Märkten, wie beispielsweise Citrix/LogMeIn, Unify oder Jive, haben schon sehr ähnliche Lösungen und hohe Synergie-Potentiale, diese auch als Chat-based Workspace-Hub aufzubauen.“– Max Hille

Dieser neuen Tools sind Ausdruck, dass sich mit der Digitalisierung eines Unternehmens auch die Zusammenarbeit ändert. In Zukunft werden wir mehr interdisziplinäre Teams im Digital Workplace sehen. Wenn die Unternehmenskultur diesen Wandel mitmacht. Jive lebt als Unternehmen die Möglichkeiten des ortsunabhängigen Arbeitens mit interdisziplinäre Teams vor, die wie die von ihnen entwickelten Produkte ermöglichen. Doch dies ist kein Selbstzweck fürs eigene Marketing, sondern fast schon eine Notwendigkeit.

Jive_CEO_Elisa Steele_Portrait (Image by Jive)
Digitales Arbeiten und Kommunikation passt gut zusammen, findet Jive-Geschäftsführerin Elisa Steele (Image by Jive)

“Ich würde nicht sagen, dass es [ortsunabhängiges Arbeit] bei uns eine Vorgabe ist, sondern mehr unserem kulturellen Umfeld entspricht. Wir stellen gerne die besten Leute für den Job ein und manchmal bedeutet das, dass die beste Person nicht im Silicon Valley oder im Zentrum von Portland sitzt.“– Elisa Steele

Wir sollten arbeiten wie wir leben – gemeinsam mit anderen

Selbstverständlich kann nicht jeder bei Jive von wo auch immer arbeiten, genauso wenig wie das bei Yahoo ging oder das Microsoft heutzutage praktiziert.

Auch Steele weiß, dass nur ganz bestimmte Positionen und Menschen im Unternehmen dafür geeignet sind. Dass Teams sich treffen, also miteinander arbeitende Menschen persönlich begegnen und miteinander von Angesicht zu Angesicht kommunizieren, ist die Grundlage dafür, dass ein Digital Workplace überhaupt funktionieren kann, dass Team miteinander arbeitet.

“Wir wollen die Leute ziemlich regelmäßig zusammenbringen, denn Arbeit ist wie das Leben. Es geht um Beziehungen, den Austausch mit anderen und sich gegenseitig zu unterstützen, um seine Arbeit zu schaffen. Deshalb ist es wichtig, dass die Leute zusammenkommen und sich persönlich kennen.“– Elisa Steele

Unternehmen müssen oft noch ihre bisherigen Arbeitsweisen den neuen Anforderungen und Möglichkeiten anpassen. Schnelligkeit, Agilität und Vernetzung sind die neuen Maßstäbe für Zusammenarbeit.

Persönliche Freiheit des Einzelnen im Miteinander

Zum Schluss reden Elisa Steele und ich über Coworking und wie dieses noch relativ junge Konzept erst ortsunabhängiges Arbeiten ermöglicht, indem es Menschen einen offenen Raum anbietet, der zugleich ein professionelles Arbeitsumfeld darstellt. Genau für solche Konzepte sind ihrer Meinung nach Social-Collaboration-Plattformen wie Jive geschaffen wurden. Es geht für Steele darum, dass Menschen miteinander vernetzt sind, egal wo auf der Welt, um miteinander Ideen auszutauschen und zusammen zu arbeiten.

“Ich mag das Konzept, dass verschiedene Leute für unterschiedliche Unternehmen im selben Raum arbeiten. Dies passt zu unserer Vorstellung von Community, die von unterschiedlichen Menschen geprägt wird, die verschiedene Herkunft, Hintergründe und Wegen zu Denken haben. Das ist ein Ort, an dem man seine beste Leistung schafft.“– Elisa Steele

Für Elisa Steele zählt dabei aber das Ergebnis des Einzelnen, nicht Kategorien wie Produktivität. Diese Form von Arbeit und neue Tools sollen dem Einzelnen helfen, etwas zu erreichen, was vorher nicht möglich gewesen wäre.


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Das Café, in dem Sascha Lobo die E-Mail für tot erklärte

St. Oberholz in Berlin (Image: Tobias Schwarz)

Dieser Beitrag ist Teil einer Artikelserie in Kooperation mit Microsoft, die sich mit der Digitalisierung in kleinen und mittleren Unternehmen auseinandersetzt:


Das St. Oberholz am Rosenthaler Platz in Berlin ist das wohl bekannteste Café der deutschen Startup-Szene. Hier wurde fast (aber auch nur fast) Coworking erfunden, mit SoundCloud Berlins einziges Unicorn-Startup gegründet, Zalando traf sich im ersten Stock mit ihren ersten Investoren und in dem Coworking Space des St. Oberholz haben einst Startups wie Deliveroo und HelloFresh angefangen.

Aber auch ein Ort wie das St. Oberholz hat inzwischen eine fast zwölf Jahre lange Entwicklung hinter sich. Was sich in dieser Zeit alles veränderte, wie digital die Gastronomie heute arbeitet und was noch immer besser auf die altmodische Art und weise klappt, erklärt Ansgar Oberholz, Gründer und Namensgeber des St. Oberholz, im Interview mit den Netzpiloten.

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Der Gastronom der Berliner Startup-Szene: Ansgar Oberholz.

Wie viel Digitales steckte schon im Sommer 2005 im St. Oberholz, als du zusammen mit deiner heutigen Frau Koulla Louca das Café eröffnet hast?

Wir verschickten unsere wöchentliche Lunchkarte per E-Mail an die umliegenden Agenturen. Und gaben Ihnen den Rat, eine Mailadresse mittagessen@agenturxyz.de einzurichten, damit alle Mitarbeiter diese Mail abonnieren konnten. Das war damals ziemlich weit vorne. Denn Gastronomie und Digitales waren nicht wirklich miteinander verwandt. Aber natürlich war das freie Wifi für die Gäste digitale Herzstück des Unternehmens.

Heutzutage gibt es für fast alles eine App. Wurde im Jahr 2005 wirklich alles noch auf Papier und dem Fax-Gerät organisiert oder ging es „moderner“ zu?

Lieferanten wollten Bestellungen gefaxt haben und haben ihre Angebotslisten auch wöchentlich per Fax verteilt. Aber das wichtigste Tool für Gastronomen im Jahre 2005 war das Telefon. Die meisten Bestellungen und sonstigen Abläufe organisierte man mündlich darüber.

Wie habt ihr beispielsweise Schichtpläne für die Belegschaft im Café organisiert?

Ursprünglich wollten wir die Schichtpläne per E-Mail als PDF verschicken. Es gab damals noch kaum Kalenderdienste wie heutzutage, die wurden erst später gestartet. Aber es gab zu viele Mitarbeiter, die entweder keine E-Mailadresse hatten oder aber das Abrufen ihrer Mails sogar nicht als Push-Dienst verstanden und nur alle paar Tage mal E-Mails in einem Internet-Café abriefen. Manche hatten auch einfach keinen Internetzugang.

Somit schwenkten wir zum guten alten Dienstplan zurück, der im Keller an der Wand hing und auf dem die Mitarbeiter ihre Schichten ablesen konnten. Auch hier war das Telefon wichtig, denn man rief die Kollegen während ihrer Schicht an, damit sie mal auf dem Plan im Keller schauen konnten, wann die nächste Schicht sein würde. Immerhin war das Festnetztelefon im Café bereits drahtlos, sonst hätte das Kabel gar nicht bis in den Keller gereicht.

Wann und was haben eigentlich eure Gäste an digitalisierten Diensten von euch eingefordert und was habt ihr von euch aus angeboten?

Auf dem Tresen hatten wir eine Liste ausliegen, auf der Gäste ihre E-Mailadressen hinterlassen konnten, um unseren Newsletter zu empfangen. Im Sommer 2007 hatte Sascha Lobo, der damals Stammgast war, quer über die Liste geschrieben: „twitter.com/saschalobo checkt das aus. E-Mail ist tot.“ Spätestens da haben wir begonnen, uns mit Social Media zu beschäftigen.

Nach kurzer Zeit hatten wir zwei Stammgäste, die ein starkes Eigeninteresse entwickelten, unser WiFi stabil und schnell zu machen. Beides waren Systemadministratoren von Beruf. Sie brachten ungefragt getunte Router mit, die wir dann gemeinsam verkabelten und in Betrieb nahmen. Der Linksys WRT54 war beliebt, da man die Firmware durch Open-Source-Software ersetzen konnte. Mit OpenWrt konnte man dann beispielsweise viele wechselnde Nutzer besser organisieren als mit den handelsüblichen Geräten. Da die beiden sowieso täglich zu Gast waren, hatten wir auch einen super Support. Ein organischeres Crowdfunding, ist mir seitdem nicht mehr untergekommen.

Welchen Digitaldienst der letzten Jahren fandest du aus Sicht eines Gastronoms am besten und was funktionierte überhaupt nicht?

Aus gastronomischer Sicht sind sicherlich die iPad-Kassensysteme, die sich über das Internet steuern lassen, die wichtigste und mächtigste Neuerung. Was nach wie vor verbesserungswürdig ist, sind alle Online-Schichtverwaltungssysteme. Vor allem bei der Vergabe von offenen Schichten an die „Mitarbeiter-Community“ scheint die analoge Welt recht resistent zu sein. Das Telefon als effektivstes Gerät schlägt noch lange alle halbautomatischen Prozesse einer Schichtplansoftware.

Du warst Juror beim Gastro-Gründerpreis 2016 gewesen. Wie ist dein Eindruck vom Status Quo der Digitalisierung der Gastronomie? What’s next?

Business Intelligence wird immer wichtiger, denn die Branche hat sich selbst bei kleineren Betrieben professionalisiert. Es geht gar nicht mehr anders. Aber immer öfter habe auch ich das Gefühl, dass vor lauter Technikgläubigkeit das eigentliche Produkt vernachlässigt wird. Dann nützt auch die beste digital Strategie nichts.

What’s next? Ich glaube, die größte Veränderung im Foodbereich findet im Zusammenhang mit sich rasant entwickelnden Lieferservices, deren Akzeptanz und der daraus veränderten Märkte, statt. Unter anderem glaube ich, dass genau deshalb aber der Restaurantbesuch wichtiger wird und der Kunde neben dem Vorgang der Nahrungsaufnahme immer dringender noch andere, eher weiche Effekte konsumieren will. Das wird die Gastronomie indirekt verändern. Im besten Fall verlässt der Gast mit einem gefühlten Distinktionsgewinn das Lokal. Und bestellt am nächsten Tag die Produkte zu sich nach Hause.


Image (adapted) „St. Oberholz am Rosenthaler Platz in Berlin“ by Tobias Schwarz


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