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Xbox One S All Digital – Microsoft bringt Variante ohne Blu-ray-Laufwerk

Auf dem PC ist die Digitalisierung bereits stark vorangeschritten. Vor allem digitale Distributions-Plattformen wie Steam oder oftmals günstigere Keyseller, sorgen für einen immer größeren Anteil digitaler Verkäufe. Auch der starke Indie-Sektor profitiert stark davon, Spiele nicht noch ins Presswerk geben zu müssen.

Doch auch auf dem Konsolenmarkt nimmt der Anteil immer mehr zu. Längst schon werden auch Konsolenspiele bereits mit Day-One-Patches versorgt. Monatliche Abos für die Internetdienste der Konsolen locken außerdem jeden Monat mit kostenlosen Spielen – natürlich als Download. Nun bestätigen sich offenbar die Gerüchte um eine Xbox One S All Digital, die komplett auf digitale Inhalte setzt.

Ohne Blu-ray-Laufwerk, dafür mit vorinstallierten Spielen

Wie aus einem Bericht von Winfuture hervorgeht, verzichtet die Konsole auf ein Blu-ray-Laufwerk. Stattdessen werden die Inhalte über den Xbox Games Store erworben. Wie die Xbox One S, verfügt die All Digital-Variante über eine 1 TB Festplatte. Auf dieser sind bereits drei Spiele vorinstalliert: Der Open-World-Klassiker Minecraft, das aktuelle Rennspiel Forza Horizon 4, sowie das Piraten-MMO Sea of Thieves.

Die Xbox One S All Digital könnte aber ohnehin auch ein weiterer Schritt sein, den Xbox Game Pass schmackhaft zu machen, mit dem als monatliches Abo ein großer Spielekatalog zur Verfügung steht. Zu diesem gehören zahlreiche aktuelle Titel wie Red Dead Redemption 2 oder Just Cause 4.

Das Problem mit dem Preis

Als Preis gibt Winfuture 229,99 Euro an. Und genau das ist der Knackpunkt. Die Xbox One S ist mittlerweile bei diversen Anbietern für rund 200 Euro erhältlich (Provisionslink). 30 Euro weniger, dafür, dass man zusätzlich noch ein Blu-ray-Laufwerk für Spiele und Filme zur Verfügung hat.

Hinzu kommt, dass viele Geschäfte die Spiele günstiger anbieten, als es im Xbox Games Store der Fall ist. Nimmt man das Argument des Xbox Game Passes, fällt zugleich der Vorteil durch die vorinstallierten Spiele weg – diese sind nämlich auch im Game Pass enthalten. Damit wäre also die Xbox One S auch als Game Pass-Lösung die günstigere Wahl.

Allerdings muss der Preis nicht in Stein gemeißelt sein. Die Xbox One S ist im Microsoft Store für 299,99 Euro gelistet. Unter diesen Vorraussetzungen ist der mutmaßliche Preis der Xbox One S All Digital tatsächlich um ein gutes Stück günstiger. Der Release der Xbox One S All Digital soll für den 7. Mai geplant sein.


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Kurse gegen Hate & Fake

Wer heute jünger ist als 20 Jahre, kennt Screens und Smartphones seit dem Kindesalter. Laut einer Marktforschung des BVDW aus 2018 gehen 74 Prozent der 14- bis 24-Jährigen hauptsächlich mit dem Smartphone online. 97 Prozent aller befragten Internetnutzer verwenden das World Wide Web, um sich Informationen zu verschiedenen Themen zu beschaffen. Da auf den digitalen Kanälen zunehmend auch Fake News und Hate Speech anzutreffen sind, wird der Weg zur differenzierten Meinung und zu fundierten Argumenten oft erschwert.

Die Grimme Akademie, Referat und Fortbildungsschmiede des renommierten Grimme Instituts, packt das Problem mit Bildung an: mit der Zentralstelle Politische Jugendbildung des Deutschen Volkshochschul-Verbands (DVV) wurde ein umfangreiches Lernkonzept mit vielen unterschiedlichen Modulen entwickelt, das die Jugendlichen für Fake News sensibilisieren soll.

Reflexion gegen Manipulation

In den Unterrichtseinheiten sollen die Schüler verschiedene Medienkompetenzen erlernen. Zum Beispiel sollen sie systematisch ihr eigenes Medienverhalten reflektieren. Gleichzeitig soll kreativ erarbeitet werden, was Falschnachrichten und gezielte Manipulationen im Internet in der Gesellschaft bewirken können. Die dafür entwickelte Modulbox ist in sechs Unterrichtseinheiten á 45 Minuten aufgeteilt.

Der Verbandsdirektor des DVV Ulrich Aengenvoort betont, man müsse Jugendliche und junge Erwachsene auf ihrem Weg in der digitalen Welt begleiten. Erfreulicherweise finden die Module auch in der Praxis Anklang bei den Lehrenden. „Wir haben verschiedene Elemente in einem Workshop mit Jugendlichen ausprobiert und sind je nach Interesse der Teilnehmenden tiefer in einzelne Bereiche gestiegen. Das ist bei allen sehr gut angekommen.“, berichtet Felicitas Sieweck von der Volkshochschule Meppen. 


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Neue Provinz: Digitalisierung als politisches Ziel

Mitte März wurde ich von einer Fraktion des Landtags von Sachsen-Anhalt zu deren Klausurtagung nach Stendal eingeladen. Wer schon ein oder zwei Neue-Provinz-Kolumnen auf Netzpiloten.de gelesen hat, kennt meine Beziehung und Affinität zu Stendal. Ich bin einfach mit meinem ganzen Herz der Altmark verbunden.

Auf der Klausurtagung sollte ich einen Impuls dazu geben, welche Möglichkeiten der ländliche Raum durch die Digitalisierung haben könnte. In der Vorbereitung für meinen Vortrag las ich noch einmal meinen Kolumnenbeitrag vom April 2018, in dem ich mich bereits einmal mit der Situation in Sachsen-Anhalt beschäftigte.

Dabei wurde mir einmal mehr bewusst, dass die Digitalisierung kein einziges Problem des ländlichen Raums lösen kann. Sie ist kein Allheilmittel, dass die Fehler einer falschen Politik für den ländlichen Raum von heute auf morgen verschwinden lassen wird. Es braucht eine Politik, die die Lebensverhältnisse der Menschen verbessert.

Früher war es nicht besser als heute.

Trotz meiner Kritik an der Politik für den ländlichen Raum, muss man lobend betonen, dass bisher keine einzige Landesregierung von Sachsen-Anhalt den ländlichen Raum je aufgegeben hat. Es wurden Fehler gemacht, aber es war stets das Ziel, überall im Land eine Verbesserung der Lebens- und Arbeitsverhältnisse zu erreichen.

Die bisherigen Gemeindegebietsreformen waren voll guter Intentionen. In der Realität haben sie aber zu einem Abbau der Strukturen und der Möglichkeiten der Menschen geführt. Soziale Teilhabe und Mobilität verlangen den Menschen mehr Ressourcen ab als je zuvor. Eine digitale Infrastruktur wurde versäumt zu schaffen.

Es ist auch viel passiert. Wer sich Fotos von den Dörfern und Städten der Altmark kurz nach 1990 anschaut und dann heute durch die Orte kommt, wird sehen, dass sich vieles auch verbessert hat. Noch geht es nicht allen gut, aber vielen geht es wesentlich besser. Nicht wenige sind weggegangen, bevor es soweit war.

Dies darf man niemanden verübeln. Es lohnt sich, sein Zuhause zu verlassen und in die Welt zu gehen. Ein jeder Mensch soll und muss sein eigenes Leben führen. Falls es einen wieder dahin zurück verschlägt, wo man aufgewachsen ist, kann die Region nur von dem Wissen profitieren, das man selbst gemacht hat und mitbringt.

Politische Sackgassen gibt es bereits genug, neue Wege müssen eingeschlagen werden (Bild: Tobias Kremkau)

Es gibt nicht die eine Digitalisierung.

Damit Menschen zurückkommen, damit andere bleiben, müssen sämtlichen Themenfelder der Politik bearbeitet werden. Sei es Infrastruktur, Verkehr, Gesundheit, Soziales, Bildung, Wirtschaft oder Kultur. Sie alle befinden sich in ihrem eigenen digitalen Wandel. Es gibt nicht die eine Digitalisierung. Alles wird digital(er).

Digitalisierung selbst ist kein Ziel und auch keine Strategie. Sie ist ein Element in den verschiedenen Politikfeldern und kann nicht mehr ignoriert werden. Im Vordergrund müssen die Menschen stehen. Das Digitale ist heutzutage sowieso nicht mehr vom Leben der Menschen getrennt zu betrachten; ob in der Stadt oder auf dem Land.


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Out of Office: Über den Wandel der Arbeit

Arbeit verändert sich. Automatisierung und Künstliche Intelligenz führen dazu, dass wir Menschen vielleicht bald gar nicht mehr arbeiten müssen. Oder was anderes machen und das dann Arbeit nennen. Vielleicht kommt es aber auch ganz anders, denn manchmal sind es gerade die Kleinigkeiten, die den Unterschied machen. Wie zum Beispiel die Elektrizität.

Als ich Ende Februar das Hamburger Museum der Arbeit besuchte, war diese Kleinigkeit kurz weg und schon ging kein Gerät mehr. Power is the new Wi-Fi, witzelt man gerne im Berliner St. Oberholz. An diesem Tag führte die Abwesenheit der Elektrizität dazu, dass ich kein Ticket für das Museum kaufen konnte und umsonst in die Ausstellung „Out of Office“ durfte.

Im dritten Stock der 1871 gebauten ehemaligen Fabrik der „New-York Hamburger Gummi-Waaren Compagnie“ in Barmbek, wird sich noch bis zum 19. Mai 2019 dem digitalen Wandel der Arbeitswelt angenommen. In 11 Stationen können sich Museumsgäste der Dimension der Veränderung und den damit einhergehenden Diskussionen unserer Gesellschaft widmen.

Wir sind mitten im Wandel – wie immer

1996 konnte der Schachweltmeister Garry Kasparov noch gegen den Schachcomputer „Deep Blue“ gewinnen, ein Jahr später schon nicht mehr. Die Maschine hatte den Menschen besiegt. Heutzutage nutzen wir Künstliche Intelligenz in Übersetzungsprogrammen, für bessere Bilder mit unserem Smartphone und auch, um besser von A nach B zu kommen.

Dies verändert nicht nur unsere Leben, sondern auch, wie wir arbeiten. Technische Entwicklungen gab es aber schon immer in der Arbeitswelt. Sie sind nicht neu und auch Technologien brauchen stets ein bisschen, bevor sie Alltag in Orten der Arbeit werden. Der Wandel, den wir momentan erleben, ist nur der Wandel unserer Zeit. Mehr auch nicht.

Bisher haben wir allerdings den sozialen Aspekten dieses Wandels nicht die Bedeutung eingeräumt, die sie haben. Dabei drehen sie sich vermutlich um die besten Antworten auf den Wandel, wie uns die Geschichte der Technik selbst lehrt. Die Antwort auf die Industrielle Revolution, der letzten großen Veränderung der Arbeitswelt, war nämlich der Sozialstaat.

Das Eisenwalzwerk (Moderne Cyklopen)“ von Adolph von Menzel, 1872 – 1875, Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin

Es braucht Orientierung im Wandel

Anstatt sich also am Technikdiskurs abzuarbeiten, wie das viel zu viele Panik-Bücher verkaufende Autor*innen gerne machen, bedarf es Orientierung in Zeiten des Wandels. Die Ausstellung „Out of Office“, die mit Adolph von Menzels „Das Eisenwalzwerk“ beginnt und mit Fragen nach nötigen Fähigkeiten in der neuen Arbeitswelt endet, schafft dies ganz hervorragend.

Die Ausstellung belehrt einen nicht, sondern schafft auf angenehme Weise, manchmal mit Anekdoten der technologischen Entwicklung, eine Wissensgrundlage zum Thema. Darauf aufbauend werden auch die gesellschaftlich relevantesten Fragen mitgegeben, die es zu klären gibt. Als ich da war, sah ich auch drei intensiv diskutierenden Schulklassen. Ein schönes Bild der Jugend.


Image: „Tagging Robot“ by Banksy, picture alliance, via Stiftung Historische Museen Hamburg)

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Bike Revolution: Die Vernetzung der Fahrräder

Die digitale Vernetzung ist seit Jahren schon ein großes Thema in der Fahrzeugindustrie. Autos, Busse und viele andere Fortbewegungsmittel verfügen mittlerweile über eine intelligente Kommunikationstechnologie, die zur Unterstützung des Benutzers dienen und das Fahren erleichtern bzw. sicherer machen sollen. Aber auch die Fahrradhersteller statten vermehrt ihre Vehikel mit digitaler Technik aus. Bisher wurden hauptsächlich teure E-Bikes mit IT ausgestattet. Das soll sich nun ändern. Die ungebremste Nachfrage nach Rädern bestätigt diese Entwicklung. Fahrräder werden daher immer mehr zu Super-Vehikeln umgebaut. Nachdem die Fahrrad-Industrie in den letzten Jahrzehnten kaum eine innovative Erneuerung erlebt hat, steht sie mithilfe der Digitalisierung plötzlich vor einer Revolution, mit völlig neuen Ansprüchen und Herausforderungen.

Neben den E-Bikes werden auch Räder ohne elektrischen Motor nun digital aufgerüstet und mit allen technischen Mitteln versehen. Der gute alte Drahtesel soll in naher Zukunft per App steuerbar sein. Eine fundamentale Rolle spielen dabei die Sicherheit im Strassenverkehr und der Schutz vor Diebstahl. Ein weiteres wichtiges Thema ist der Umweltschutz, was erst einmal wie eine vermessene Provokation klingt und in der Auswahl überrascht, da sich kaum ein Radfahrer als Umweltsünder sehen würde. Dennoch macht die Überlegung bei genauerer Betrachtung Sinn. Eine kluge Routenplanung kann nämlich zu einer effizienteren Fahrweise, beziehungsweise zu einer Entlastung des Verkehrs führen und somit auch helfen, Staubildungen zu verringern. 

Sicherheit

Der eine oder andere war sicherlich schon einmal Opfer eines Fahrraddiebstahls. Man geht nichtsahnend zu seinem Gefährt, der Schlüssel klirrt und poltert zwischen den Fingern, nur um Sekunden später die Gewissheit zu erlangen, dass die liebliche Vorfreude des Pedaltretens umsonst war. Dieser Verlust kann mitunter zu unkontrollierten Weinkrämpfen und im schlimmsten Fall zur völligen Verzweiflung führen. Um solche Situationen zu vermeiden, hat man sich vermehrt dem Thema Sicherheit zugewandt. Fahrraddiebstahl ist daher ein wichtiges Unterthema in Sachen Bike-Mobilität. Die alte, händische Codierung hat hingegen ausgedient. Ich erinnere mich noch daran, wie ich zum ersten Mal zur Polizei geradelt bin, um mein Mountainbike mit einer Zahlen-und Buchstabenkombination markieren zu lassen. Ich fühlte mich gleich sicherer. Es wurde trotzdem gestohlen.

Verschiedene Hersteller wie Sherlock, Spybike oder Trojabike haben sich dieser Problematik gewidmet. Da GPS-Systeme für Fahrräder bereits seit geraumer Zeit schon existieren, gibt es auch dementsprechende Gegenmittel. Fahrraddiebe kennen die genauen Schwachstellen und entfernen die Geräte mit wenigen Handgriffen.

Eine unauffälligere Variante und äußerlich nicht sichtbar, bietet nun der Hersteller Sherlock Bike an. Der GPS-Tracker besteht aus einem dehnbaren Material und kann entweder in das Gestell oder in das Lenkradsystem eingebaut werden. Mit einer zugehörigen App lässt sich dadurch der Standort des geklauten Fahrrades ermitteln. Das verhindert zwar keinen Diebstahl, sorgt aber für eine zusätzliche Sicherheit. Eine ähnliche Technik bietet der Fahrradsecure-Dienst Trojabike. Laut den Herstellern ist es praktisch unmöglich für Diebe, das ebenfalls in den Rahmen integrierte Ortungssystem abzuschalten oder zu entfernen. Ein weiterer Vorteil von Trojabike-Trackern sind die Vernetzungen mit der regionalen Polizei-Leitdienststelle. Einen anderen Diebstahlschutz verspricht der GPS-Tracker von Spybike, der bei Diebstahl, den Besitzer über die App alarmiert. Den Tracker gibt es in drei Ausführungen: als TopCap-Tracker, Seatpost-Tracker und als Spylamp. Neben dem Rahmenversteck, kann der Tracker darüber hinaus noch als Sattelstütze oder als Spylamp getarnt werden.

Schlößer mit Bluetooth

Aber auch traditionelle Sicherheitstechniken wie das klassische Fahrradschloss, werden mit digitaler Technologie aufgerüstet. Der bekannte Schloßentwickler Abus hat ein Schloss entwickelt, dass sich ganz ohne Schlüssel, dafür aber per Bluetooth öffnen lässt. Das BORDO Alarm Schloss von Abus verfügt darüber hinaus über ein auditives Warnsystem, dass bei massiver, physischer Manipulation losschreit und Warnsignale mit bis zu 100 Dezibel abgibt. Wer keine genaue Vorstellung von 100 dz hat, der sollte sich einen Presslufthammer vorstellen und bekommt dann ansatzweise eine Ahnung von der Lautstärke.

Funktechnologie statt Kabel

Kabelloses Fahren klingt ungewöhnlich, ist jedoch längst Realität. Die Verkabelung der Schaltteile mit verschiedenen Bedienelementen wird durch den Einsatz von Funktechnologie obsolet. Wir brauchen uns dann nicht mehr länger mit unnötigen Kabeln herumzuwinden. Sehr bald schon, sollen Fahrräder mit lose hängenden Kabelelementen der Vergangenheit angehören. E-Bikes hingegen fahren bereits seit längerem kabellos. Nun sollen auch Mountainbikes komplett umgerüstet und mit Funktechnologie ausgestattet werden. Das ganze lässt sich natürlich, wie soll es auch anders sein, über eine App bedienen und programmieren.

Eine dieser raffinierten Gimmicks sind elektrisch steuerbare Sattel, deren Höhe sich ganz bequem per Knopfdruck einstellen lässt. So kann der Fahrer ohne abzusteigen in sekundenschnelle seinen Sattel anpassen und seine Fahrsituation dadurch verbessern.

E-Bikes mit Hightech

Im Fokus der Fahrrad-Industrie steht aber klar das E-Bike. Elektrisch verstellbare Sitze und Sicherheitseinrichtungen spielen dabei aber eher eine untergeordnete Rolle. Sie gehören nämlich zur Standardausrüstung und stellen keine außergewöhnliche Besonderheit dar, zumindest nicht bei E-Bikes. Die Ansprüche sind definitiv höher und gehen mehr in die Hightech Schiene. So liefern beispielsweise unterschiedliche Autozulieferer wie Bosch, Contitech oder Brose hochentwickelte Bausatzteile wie Sensoren oder Motoren für E-Bikes. Andere Hersteller, wie der britische Entwickler Brompton wiederum, fokussieren sich auf den komplizierten Verbau von Motoren bei Falträdern, den sie in das Vorderrad montieren. Daneben erlaubt die digitale Vernetzung von Informationen, einen ökonomischen und nachhaltigen Umgang, indem sie beispielsweise den Widerstand in den Pedalen misst und durch eine automatisierte Schaltung, eine passende oder angemessene Schaltung vorschlägt.

Die Vernetzung geht jedenfalls ungebremst voran und wird in Zukunft zeigen, wie sehr die unterschiedlichen Zweige durch den digitalen Wandel profitieren. Die Industrie ist defintiv in Aufbruchstimmung. Seid gespannt!


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All doors in Flight @NWX19, Lisa Nölting?

Am 7. März geht in Hamburgs wieder die New Work Experience (NWX) an den Start. Wir Netzpiloten sind als Medienpartner mit dabei, wenn sich einen Tag lang alles um den Wandel unserer Arbeitswelt drehen wird. Mitten in der heißen Vorbereitungsphase erwischen wir Xings Partner Relationship Managerin Lisa Nölting noch schnell für drei Fragen:

Ihr setzt ein gigantisches New Work Event in die spektakuläre Hamburger Elbphilharmonie. Wie laufen die Vorbereitungen?

Genau, die NWX findet jetzt zum dritten Mal statt. 2017 das erste Mal im Westhafen in Berlin mit 700 Gästen. Zur NWX19 freuen wir uns auf knapp 2.000 Gäste in der Elphi, die bereits zum zweiten Mal Veranstaltungsort ist. Hier hat sich also in den vergangenen Jahren viel getan – auch was die Organisation angeht. Die Vorbereitungen laufen sehr gut. Jetzt ist Endspurt angesagt, aber wir sind ein super Team, das auf zack ist. Die Vorfreude auf das Event treibt einen zu Höchstleitungen an.

Unter dem Begriff New Work sammeln sich neue Organisationsmodelle und Arbeitsformen. Welche Rolle spielt die Nutzung der Digitalisierung und KI?

Die Digitalisierung ist einer der zentralen Treiber, neben dem demografischen- und dem Wertewandel, der die Veränderungen in der Arbeitswelt beeinflusst. Durch Digitalisierung ist ortunabhängiges Arbeiten überhaupt erst möglich geworden, was völlig neue Formen der Zusammenarbeit eröffnet. Insofern haben diese Punkte eine zentrale Bedeutung.

Was sind deine persönlichen Highlights am 7.März?

Besonders freue ich mich auf Ricardo Semler und Frédéric Laloux. Und natürlich auf die Aftershowparty, die wir jedes Jahr zusammen mit Business Punk veranstalten.

Wir wünschen euch eine super Veranstaltung!

 

Weitere Informationen zum Event

Auf dieses Event freuen wir uns schon seit einiger Zeit: Am 7. März findet zum dritten Mal die New Work Experience (NWX) statt. Das Event rund um das Thema Arbeit (veranstaltet von xing) tagt in Hamburgs neuestem Wahrzeichen, der Elbphilharmonie. Passend: Dort wo sich sonst zahlreiche Musiker aufs Feinste konzertieren, soll es einen ganzen Tag lang um das ideal abgestimmte Zusammenarbeiten im modernen Berufsalltag gehen. Wir Netzpiloten sind zum ersten Mal als Medienpartner mit dabei.

Welche Speaker werden erwartet?

Zu den vielen namenhaften Vortragenden gehört Frédéric Laloux. Er ist Autor von „Reinventing Organizations“ und liefert mit seinem Framework ein wichtiges Besteck, um im eigenen Unternehmen die Hierarchie abzubauen. Kathrin Menges, Personalvorstand der Henkel AG spricht darüber, dass die nächste Generation in Berufen arbeiten wird, die es heute noch gar nicht gibt. Besonders freuen wir uns auf den Blogger-Posterboy Sascha Lobo, der als Vordenker zu einem neuen Arbeitsbegriff (bereits 2006 mit seinem Buch „Wir nennen es Arbeit„) uns sicherlich einige starke Impulse geben wird.

Um welche Themen geht es?

  • Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft
  • Hierarchien in der Arbeitswelt
  • Transformation in Unternehmen
  • Diversität, Dialog, Wertschätzung und die Entwicklung individueller Antworten

Und sonst noch?

Nette Kleinigkeit: Mit dem Kauf eines NWX19 Tickets könnt ihr am Veranstaltungstag den lokalen Nahverkehr HVV kostenlos nutzen. Zudem erhaltet ihr vergünstigte Konditionen, wenn ihr euch für eine Übernachtung in einem der Partnerhotels entscheidet. Dafür müsst ihr euch ganz einfach unter dem Kennwort „New Work Experience“ anmelden. Außerdem gibt es den New Work Award. Hier werden innovative Ideen, die die Arbeitswelt von morgen bereichern, ausgezeichnet. Tickets erhältst du hier. Wir sehen uns lässig-arbeitend in der Philharmonie!

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Digitalpakt so gut wie beschlossen

Die damalige Bundesbildungsministerin Johanna Wanka kündigte im Oktober 2016 ein milliardenschweres Programm an. Schule soll endlich moderner werden, mit WLAN, neuen Computern und digitalen Lernmethoden der heutigen Zeit gerecht werden. Zweieinhalb Jahre später einigt sich der Vermittlungsausschuss von Bundesrat und Bundestag auf eine gemeinsame Formulierung zur Grundgesetzänderung, die diese wichtige Milliardenhilfe ermöglichen soll.

Das umfasst der Digitalpakt

Mit dem Digitalpakt soll der Bund die Länder mit fünf Milliarden Euro bei der Ausstattung der Schulen mit WLAN, Computern und digitalen Lerninhalten unterstützen. Da Bildung allerdings laut Grundgesetz Ländersache ist, ist für eine Förderung durch den Bund eine Änderung des Gesetzes nötig.

Kofinanzierung

Der ursprüngliche Ansatz schrieb eine 50:50-Finanzierung für Projekte vor. Länder sollten also selbst ebenfalls einen finanziellen Anteil in Höhe der Bundesförderung leisten. Stattdessen soll nun aber für jedes Projekt eine eigene Quote zwischen Bund und Länder festgelegt werden. Außerdem sieht die Verfassungsänderung schwächere Kontrollrechte des Bundes vor. Den vorigen Entwurf lehnten die Länder noch geschlossen ab, aus der Gefahr zu viele Kompetenzen an den Bund zu verlieren.

Personal für befristete Ausgaben

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Möglichkeit des Bundes, auch Finanzhilfen für Personal an Schulen zur Verfügung zu stellen. Damit lassen sich unter anderem Systemadministratoren für die Digitalisierung einstellen.

Geld auch für Nahverkehr und sozialer Wohnungsbau

Die Gesetzesänderung soll übrigens nicht nur der Bildung zu Gute kommen. Auch sozialer Wohnungsbau und der Nahverkehr können durch die Änderung vom Bund entsprechend unterstützt werden. Unter anderem plant man Pendler durch den Ausbau des regionalen Schienenverkehrs zu fördern.

Entscheidung schon am 15. März?

Der erzielte Kompromiss muss nun erst einmal von Bundestag und Bundesrat mit Zwei-Drittel-Mehrheit gebilligt werden. Die Gesetzesänderung könnte damit bereits bei der nächsten Sitzung der Länderkammer am 15. März entschieden werden.

Politiker zuversichtlich

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Schwesig, zeigte sich nach der nur 21-minütigen Sitzung erleichtert. Mit der Einigung sei es möglich, dass der Bund nicht nur stärker in Bildung, sondern auch in den sozialen Wohnungsbau investiert. SPD-Vorsitzende Andrea Nahles sprach von einer „sehr großen Annäherung“, die es im Vorfeld gegeben habe. „Ich bin da sehr zuversichtlich“. Auch Alexander Dobrindt, Vorsitzender der CSU-Landesgruppe teilt diese Einschätzung. „Man ist da auf der Zielgeraden“.


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Deus ex digitus: Theater im digitalen Mantel

Klassische Aufführungsorte wie das Theater werden seit geraumer Zeit stilistisch ausgedehnt. Viele Theatermacher bauen in ihre Inszenierungen mediale Elemente ein und formen dabei eine Ästhetik, die den Raum des Denkbaren erprobt. Es finden sich kaum mehr Theaterstücke, die nicht aus dem weiten Datennetz fischen oder digitale Medien als Requisite hinzuziehen. Für manche scheint diese Form der Wendung nicht nur die geschmackliche, sondern auch die veritable Grenze zu sprengen. Man echauffiert sich über diesen Wagemut der Sinne wie erregte Kleriker und verkündet das Ende des Theaters. Eine kategorische Ablehnung ist immer noch die wirksamste Methode, Aufmerksamkeit zu erregen. Der Einsatz von iPads und Live-Streams sei eine Versittung, ein kultureller Niedergang. Die zunehmende Technisierung auf der Bühne, wie das Abspielen von Filmelementen, Projektionen oder anderweitige Video-Installationen, würden dem Stück allmählich seine Identität rauben. Ein Erkennungswert wäre nicht mehr vorhanden und das ursprüngliche Stück entfremdet, da eine illusionistische und werkgetreue Inszenierung fehlen würde. 

Einteilungen und Ordnungen

Interaktionen sind nicht willkommen in bestimmten Kreisen. Die bewusste Vermengung unterschiedlicher Disziplinen verursacht daher bei manchen Menschen einen starken Widerwillen. Widerwillen sollte man allerdings nicht mit politischem Widerstand verwechseln. Nicken und Toleranz suggerieren trifft es am ehesten. Nun ist man Experimentelles oder Spielereien von kleinen Theatern gewohnt, jedoch nicht an den renommierten Häusern, die sich zunehmend zum kultur-elitären Biotop entwickeln. So weit reicht das Verständnis nun doch nicht. Manchmal hat man das Gefühl, dass Kritiker lediglich persönliche Befindlichkeiten kommunizieren, sobald die gewohnte Einteilung oder Ordnung durcheinander gerät. Das Auge fürchtet nämlich nichts mehr als die Disharmonie. So erwartet man eine gemütliche Theateraufführung und ist dann empört über Bilder, die den eigenen Erwartungen nicht entsprechen und wie ein schwarzer Balken im Bilderkosmos erscheinen. Jenen geht es aber nicht nur um die vermeintliche, ästhetische Verunglimpfung eines Stücks, vielmehr lehnen sie ungewohnte, fremdwirkende Methoden kategorisch ab.

Störung führt zum Dissens

Manche haben festgelegte Regeln für gute Kunst, das heißt, die Zusammensetzung muss stimmig sein, einen Konsens ergeben. Selbst „moderne“ Interpretationen bewegen sich innerhalb dieser Vorgabe und folgen einer festgelegten, ästhetischen Logik. Statt eines gemütlichen Theaterabends, ist man plötzlich mit einer Masse von Technik und digitalen Erscheinungen konfrontiert, die mitunter zur Unerträglichkeit wachsen können und Verwirrung stiften, da sie abstrakt wirken und dem Anschein nach logische Lücken aufweisen. Man stört sich an den Bildern und hinterfragt die Sinnhaftigkeit solcher Inszenierungen. Die Störung ist jedoch entscheidend: statt Konsens herrscht nämlich Dissens. Der platzierte Bruch mit herkömmlichen Denk- und Sichtweisen entspricht keinem bekannten Identitätsmuster und folglich ist auch kein Wiedererkennungswert vorhanden. Das Fehlen von klassischen Verhaltens- und Identifikationsmustern löst beim Betrachter Unbehagen und Abwehr aus. Das Fremde oder Andere passt daher auch nicht ins Weltbild.

Während der Konsens oft Ignoranz und Verfehlung zugleich darstellt, da sie die Angleichung sucht, bewirkt der Dissens grade die Akzentuierung der Verfehlung als die notwendige Differenz. Statt Realitäten auszublenden, ist die Einbeziehung digitaler Medien, so unschön sie auf manche wirken mag, eine Notwendigkeit, um die Spannungen zu fühlen und die Interaktion zwischen den verschiedenen Realitäten zu fördern. Die kategorische Verbannung bestimmter Realitäten hingegen ist gleichzeitig die radikale Vereinnahmung des Raumes. Stattdessen sollte Sie jedem zugänglich sein und partizipieren statt auszugrenzen.

Spielplatz

Theater ist mehr als nur ein Ort für pädagogische Aufklärung oder die kritische Auseinandersetzung mit politischen und gesellschaftlichen Themen oder Misständen. Es ist vorallem auch Experimentierstätte und Spielplatz, demnach auch Fläche, wo Beteiligte oder Ereignisse auch den Streit einbringen, Diskrepanzen erproben. Die Aufhebung eines Regelkonstrukts und die Vermischung verschiedener Einteilungen ist ein positiver Nebeneffekt, dass im Spiel, im Experiment entsteht. „Theater ist ein Labor der Gegenwart. Das bedeutet, es kann und darf einem auch um die Ohren fliegen.“ Dieses Zitat stammt vom deutschen Theaterregisseur Kay Voges, der des Öfteren den analogen Theaterraum in eine virtuelle Bühne verwandelte, mit Virtual Reality-Brille, Hologrammen, Videoscreens und allem technischen Know-How. Aufgrund seiner Erfolge und der Aktualität gründete er die „Akademie für Digitalität und darstellende Kunst„, um die Idee des Spiel-Labors aufzugreifen und Platz für alternative Formen zu schaffen. Kunst und Technik können voneinander lernen.


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Netzpiloten @hub.berlin

Die hub.Berlin und der Big.Data.AI Summit machen das Konferenz-beliebte Berlin am 10. und 11. April wieder zum Treffpunkt für Zukunftsarbeiter. Es geht wie immer um Technologie, Big Data, Startups und Gesellschaft. Wir Netzpiloten sind zum dritten Mal als Medienpartner mit dabei und freuen uns auf die Begegnung mit 1.000 Startups, 350 Speakern und zahlreichen Besuchern in der Station Berlin.

Welche Speaker werden da sein?

Zu den Speakern gehören unter anderem Sabine Bendiek, Vorsitzende der Geschäftsführung von Microsoft Germany. Auch Bitkom-Präsident und Beiratsvorsitender von FlixBus, Achim Berg, referiert auf der hub.Berlin. Startups werden auf den Bühnen unter anderem von Kitchen Stories-Gründerin Verena Hubertz und Dr. Anna Lukasson-Herzig von der visuellen Suchmaschine Nyris vertreten. Für wissenschaftliche Erkenntnisse sorgt außerdem Prof. Andreas Dengel vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI).

Welche Themen und Formate erwarten dich?

Diese Bühnen erwarten euch auf der hub.berlin:

  • Red Arena & Black Arena: Die großen Köpfe der Branche teilen ihre Visionen und Erfahrungen in Keynotes, Panels und Interviews auf den großen Bühnen der Red Arena und der Black Arena. Freut euch auf Impulse zu smarten Technologien, modernisierter Gesellschaft und weiteren, spannenden Themen.
  • Innovation Stage & Discovery Stage: Innovative Produkte und Best Practise der Digitalisierung findet ihr hier. Auf den beiden Bühnen gibt es unter anderem spannende Vorträge über digitale Transformation und neuste Trends.
  • Auf vier großen Bühnen geht es im Rahmen des parallel stattfindenden Big-Data.AI Summit rund um die KI-zentrierte Zukunft.

Darüber hinaus bietet die hub.berlin einen großen Ausstellungsbereich, Networking-Spaces, sowie das Digital Arts Lab, einen kreativen Spielplatz für Besucher und Kreative.

Und sonst noch?

Alle Tickets enthalten sowohl Zugang zur hub.berlin, als auch zum Big-Data.AI Summit. Die Tickets sind übertragbar oder nicht übertragbar (dann mit günstigerem Preis). Für den halben Preis gibt es zudem den Second Day Pass. Nur noch kurze Zeit profitiert ihr von den Early Bird-Preisen, bei denen ihr bis zu 30 Prozent spart.

Bitkom-Mitglieder erhalten über den Promo-Code „bitkom-special“ übrigens 20 Prozent Rabatt. Startups können sich außerdem für einen kostenlosen Startup Pass bewerben. 

 

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Netzpiloten @KI Summit

Der KI Summit Handelsblatt ist der führende und visionäre Treffpunkt für die Realisierung von KI in Unternehmen. Am 21. und 22. März findet er zum 2. Mal in München statt. Wir Netzpiloten sind als Medienpartner mit dabei und sind gespannt darauf, wie die Unternehmen den digitalen Umbruch mithilfe der KI-Technologie bewältigen.  Zu den zahlreichen internationalen Rednern gehört unter anderem Wanli Min, Vice President des chinesischen IT-Giganten Alibaba Cloud. Er wird über den Zusammenhang von KI und Cloud Computing reden. Wir freuen uns drauf!

Welche Speaker werden da sein?

Weitere Vortragende sind unter anderen Sebastian Matthes, der Head of Digital beim Handelsblatt. Er wird zusammen mit Prof. Dr. Johann Füller von der Universität Innsbruck, die Eröffnungsrede halten. Spannend wird es außerdem mit Prof. Sabina Jeschke, Vorstand Digitalisierung und Technik bei der Deutschen Bahn. Ihr Fokus liegt auf digitaler Mobilität und welche Rolle KI im Bahnnetzwerk spielen kann. Ihr Thema lautet „KI revolutioniert die Mobilität“. Weitere Impulse zu dem Thema KI wird Monica Epple liefern. Sie ist Head of Digital & Smart Analytics EMEA, bei Swiss Re Management und wird über das Thema „So entfesseln Sie das Potenzial von datengetriebenen Lösungen“ referieren. Sie gibt ebenfalls einen Einblick in KI gesteuerte Versicherungsformen und dem daraus erwachsenen Mehrwert für den Kunden.

Welche Themen und Formate erwarten dich?

  • Future Lounge
  • Business Matching
  • Umfangreiche PR- und Kommunikationsleistungen
  • Networking
  • Partnerangebote
  • Best Practices und Bench Marks

Und sonst noch?

Die zweitägige Veranstaltung bietet eine Menge Input mit vielseitigen Gästen und Themen, die spannende Beiträge und Diskussionen versprechen. Es besteht die Möglichkeit eine Expertise zu einem Thema im Handelsblatt Journal zu präsentieren, um die Reichweite seines Unternehmens zu vergrößern. Die nötigen Informationen darüber findet ihr hier. Für Startups besteht außerdem die einmalige Gelegenheit vergünstigte Tickets zu erwerben. Ganz nach unserem Geschmack Preise und Konditionen findet ihr hier.

 

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Schumpeter lesen und danach die Plattform-Giganten zerschlagen

„Die Informationstechnologie ist möglicherweise nicht mit einer Marktwirtschaft vereinbar, zumindest nicht mit einer Wirtschaft, die in erster Linie von Marktkräften reguliert wird.“ Diese These von Paul Mason elektrisiert nicht nur den Autor Professor Lutz Becker, sondern ist sinnbildlich für den Forscherdrang aller Wirtschaftswissenschaftler, die am Band „Schöpferische Zerstörung und der Wandel des Unternehmertums – Zur Aktualität von Joseph A. Schumpeter“ (Provisionslink) mitgewirkt haben – der Autor dieser Kolumne zählt dazu (Disclaimer).

Schumpeter eignet sich in besonderer Weise, auch die aktuellen netzökonomischen Tendenzen unserer Volkswirtschaften zu diskutieren, ohne profan beim Begriff der „schöpferischen Zerstörung“ stehen zu bleiben, wie es fast alle sogenannten Keynote Speaker für die digitale Transformation betreiben. Sie zitieren Schumpeter, sie lesen ihn aber nicht. Das ist schade. Denn Schumpeter sieht die Ökonomie nicht als Glasperlenspiel, sondern als sozialwissenschaftliches Phänomen. Darauf macht Lambert T. Koch im Vorwort des Schumpeter-Buches aufmerksam. Mit ihm gelingt es, die dogmatische Verkrustung der Ökonomik zu durchbrechen und sie wieder als entwicklungsoffene Wissenschaft zu formieren.

Befreiung aus der ökonomischen Statik

Heinz D. Kurz fragt in der Einleitung zurecht: „Wie nur konnte die Profession Schumpeters Verdienste bei der Befreiung der ökonomischen Analyse aus der ökonomischen Statik und seine Pionierleitung bei der Durchdringung der Welt der Dynamik die gebührende Achtung versagen?“ Teilweise gilt das heute noch, wenn man beispielsweise sieht, wie Apologeten der Makroökonomie den Faktor der unternehmerischen Innovationen vernachlässigen. Selbst der Präsident der Europäischen Zentralbank könnte da noch etwas lernen. Lars Hochmann bringt es auf die Formel „Wer über Wirtschaft spricht, darf über Unternehmen nicht schweigen“ – vor allem von jenen Wirtschaftseinheiten nicht, die ihr Geld nicht mit finanzkapitalistischen Hütchenspielen „verdienen“. Letztere sollte man endlich mit einer satten Transaktionssteuer zur Kasse bitten, denn sie wirken kontraproduktiv für die Realwirtschaft.

Wichtig sei es zu verstehen, so Hochmann, dass Unternehmen nicht einfach nur neue Dinge den bestehenden Dingen hinzufügen. „Sie verändern absichtsvoll oder beiläufig, just durch ihr Tätigwerden, die gesellschaftlichen Verhältnisse und damit ihre eigenen erwerbswirtschaftlichen Bedingungen im Sinne strategischer Wettbewerbsvorteile.“ Es geht dabei nicht nur um Technologien, sondern um eine Veränderung der kulturellen Praxis. Innovationen können sich nicht nur zu ökonomischen Erdbeben entwickeln, sie können auch komplett das Staatengefüge verändern und als gesellschaftliche Interventionen wirken.

Vulgärkapitalist Thiel sollte Schumpeter studieren

Oder wenn man den vulgärkapitalistischen Vordenkern des Silicon Valley, wie dem Donald Trump-Adepten Peter Thiel, die kritischen Passagen von Schumpeter über den Laissez-faire-Liberalismus unter die Nase reibt. Schumpeter, so schreibt es Hans Frambach, übt harsche Kritik am Utilitarismus – also am reinen Nützlichkeitsdenken. Man dürfe die Gesamtheit menschlicher Werte nicht auf ein einziges Schema reduzieren und dabei das, was wirklich zähle, außen vor lassen. Es herrsche eine Philosophie, die an Flachheit nicht zu überbieten ist. Etwa wenn man vordergründige Korrelationen zwischen Intelligenz und hohem Einkommen konstruiert für ressentimentgeladene Ausfälle gegen Bundestagsabgeordnete. 

Alles andere als flach sind Schumpeters Thesen vom Untergang des Kapitalismus, mit denen sich Lutz Becker auseinandersetzt, ganz und gar nicht. Sie können sogar dazu beitragen, mögliche Fehlentwicklungen und Risiken von Digitalisierung und der Plattformökonomie deutlich zu machen. „Bereits in den 1980er Jahren stellten meine akademischen Lehrer Reinhard Rock und Klaus Rosenthal fest: ‚Die Informationswirtschaft ist der pointierteste Ausdruck der ökonomischen Entwicklungsgeschichte, die sich jetzt allerdings in ihrem Fortschreiten zu radikalisieren scheint.‘ Ohne Zweifel ist die Digitalisierung, die Informationswirtschaft, inzwischen in unserem Leben angekommen“, schreibt Becker in seinem Beitrag für den Schumpeter-Band.

Die Moloch-Systeme des Silicon Valley

Inzwischen seien die digitalen Artefakte in unserer gesellschaftlichen und ökonomischen Lebenswelt allgegenwärtig. „Dafür stehen Google, ein Unternehmen, das uns das Bedürfnis nach allgegenwärtigem Informiertsein und ubiquitärem Wissen erfüllt und uns durch die Straßen dieser Welt navigiert, Facebook, eine Plattform, die unsere sozialen Kontakte managen will, oder Amazon, schon lange nicht mehr nur der digitale Buchhändler, sondern ein global agierender Moloch, der dabei ist, den gesamten Warenverkehr in den Unternehmen und um die Unternehmen herum unter seine Fittiche zu nehmen“, so Becker.

Wettbewerb sei etwas für Loser, propagiert US-Investor Peter Thiel (PayPal) – Wert schafft man in seiner Logik nur durch Monopole. Und dieser ideologische Überbau ist tatsächlich das ökonomische Schmiermittel im Silicon Valley. Die Plattformen der Internet-Giganten sind in der Lage, durch Internalisierung bestimmter ökonomischer und gesellschaftlicher Übereinkünfte, Regeln und Prozeduren, sowie deren Unterwerfung unter die eigenen Geschäftsmodelle (nennen wir es „take-over“), die Spielregeln von Angebot und Nachfrage, von Märkten und Branchen, von Kultur und Gesellschaft, von Arbeit und Kapital, substanziell und radikal zu verändern und damit den Markt und in der Folge Gesellschaften digital zu kolonialisieren, nämlich spätestens dann, wenn die Plattformen faktische Voraussetzung zur Teilnahme an Markt oder Gesellschaft werden, erläutert Becker. „Netzöffentlichkeit“ würde ich noch ergänzen.

Plattformen vernichten Märkte

Professor Becker spricht gar trefflich von der Marktfiktion, die die digitalen Plattformen erzeugen. Der Markt als sozio-kulturelle Veranstaltung verschwindet in den Untiefen der Plattform-Algorithmen. „Man mag nun angesichts des gerne beschworenen Begriffes vom ‚Digital Marketplace‘ meinen, dass Plattformen, wie Amazon, Facebook und Uber, die Funktionen des Marktes reproduziert und dazu noch zu einem größeren Angebot (durch Vergrößern des Marktes und Senken von Marktschranken), Effizienz (durch Senkung von Transaktionskosten und mehr Transparenz) geführt hätten“, so Becker. Das ist Mimikry.

Auf Chatbot- und KI- basierten Plattformen, insbesondere unter den Bedingungen von (Big-) Nudging sieht das anders aus. Es dominieren mehr oder weniger fest verdrahtete Sequenzen von Regeln, die sozio-technische Abläufe präzise strukturieren, automatisieren und/oder bewerten, um bestimmte ökonomische Ziele zu erreichen.

„Der Nutzer reagiert einseitig auf die Plattform, während auf der Plattform nur ein algorithmisches System, also in einem einseitig kontrollierten Prozess, eine Illusion wechselseitiger Kontingenz erzeugt wird, die mit einem ‚Verlust von Partitäten‘ einhergeht“, führt Becker aus.

Entscheidend ist also das Geschäftsmodell und nicht mehr, dass sich die Preise über Angebot und Nachfrage bilden, sondern von einem Algorithmus die Profitraten der Plattform durch Werbeeinnahmen oder Vertriebsprovisionen und am Ende den Shareholder-Value maximiert. Man könnte auch sagen, dass die Plattformen wie ein Schwarzes Loch den Markt ansaugen und verschlucken. Es bleibt einfach nichts mehr übrig. Also schnell den Schumpeter-Band besorgen und nach der Lektüre Pläne entwicklen, wie man Amazon und Co. zerschlagen kann. Das Notiz-Amt verweist auf die Telekommunikation und den Energiesektor in den USA. Möglich ist das.

 

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Das Digitale Denken

Unlängst finden Debatten statt, inwiefern die Digitalisierung der Gesellschaft einen Nutzen bringt. Mittlerweile haben sich unterschiedliche Disziplinen mit dem Thema befasst. Verschiedene Parteien haben sich gebildet und ihre Anhänger positionieren sich. Es wird eifrig geschrieben und hart gebattlet. Während die einen von einem neuen Zeitalter schwärmen, verkünden die anderen das Ende der zivilisierten Welt. Ganz im Sinne von Kraus´ Endzeit Epos befinden wir uns im Niedergang. Eine digitale Übermacht droht nämlich unsere geistige Existenz zu vernichten, so die Kritiker, Defätisten und Verweigerer. Neulich entdeckte ich einen Kommentar („Wir Fingerwesen- eine Kritik der Digitalisierungsideologie“) in der Neuen Zürcher Zeitung über zügellose Umtriebe digitaler Machenschaften. Es klang wie eine unheilvolle Prophezeiung, wie ein verzweifelter Aufruf an eine leblose Leserschaft. Bevor wir aber in ferne Parallelwelten vorstürmen und herumspekulieren: Pioniere der Neuzeit, Transhumanisten und Anhänger neuronaler Schaltkreise – Macht euch auf die dunkle Seite gefasst.

Digitalisierungsideologie

Im Kommentar ist nämlich die Rede von Digitalisierungsideologie und Homogenisierung. Gemeint ist damit die Epidemiologie der Gesellschaft durch künstliche Intelligenz. Den einzigen Nutzen sehen die Kritiker in praktischen und alltäglichen Dingen, während die Mär von „We make life better“  bloß eine Phantasmagorie sei, die Erleichterung mit Fortschritt verwechsle. Wir seien zu Fingerwesen verkommen, da nur noch das Tippen und Wischen mit dem Smartphone unser Handeln und Tun bestimme. Wir würden subtil gesteuert und versklavt. Der freie Wille und das Bewusstsein würden dadurch sukzessive abgeschafft, die Eigenständigkeit des Denkens und unsere Handlungsfähigkeit dezimiert. Dies führe langfristig zu einer Vereinheitlichung des Menschen und letztendlich zu seiner Abschaffung. Digitalisierung könne darüber hinaus keine gesellschaftspolitischen Lösungen anbieten. Eine ominöse Herrschaft, die er mit Intelligenzen tituliert, bemächtige sich der Vorteile und ziehe materiellen Nutzen, während der Rest der Gesellschaft in der Einfallslosigkeit monotoner Tastaturwischerei verschwinde. Die Lösung sei „natürliche“ Intelligenz zu fördern.

Das Unbehagen

Der Autor zeichnet das Bild einer debilen, vollkommen desillusionierten Menschheit nach, welche durch die zunehmende Digitalisierung allmählich in eine irreversible Schieflage gerät, bevor sie im Datensumpf undurchsichtiger Codes und Zahlen versinkt. Ziemlich düstere Aussichten und eine befremdliche Entwicklung würde ich behaupten, angesichts vieler Tatsachen die unerwähnt bleiben. Die Kritik wirkt auf mich stellenweise grotesk und einseitig, stellenweise aber auch nachvollziehbar. Es gibt Tendenzen die absolut beunruhigend sind. Geistige Amputation ist zweifellos eine schlimme Sache, manchmal vergisst man aber die Wahrheit. Ist diese Angst der Einverleibung begründet? Oder unterliegen wir wieder der maßlosen Hysterie unserer Eindrücke, die diese Ängste schüren?

Dystopien

Hybridwesen sind längst Realität. Anderes wiederum könnte in Zukunft Wirklichkeit werden. Der slowenische Philosoph Slavoj Zizek etwa sinniert in einem Beitrag in der NZZ („Das Ende der Menschlichkeit“) über Formen der Symbiose als nächste Evolutionsstufe. So stelle man sich eine Maschine oder Apparatur vor, die nahezu fehlerfrei arbeitet und mehr von uns weiß als wir selbst. In diesem digitalen Hirn, so Zizeks Gedankenexperiment, wird unser komplettes Ich erfasst, selbst unsere Stimmungen, Ängste und Bedürfnisse.

Es beinhaltet jedes erfassbare Detail und ergibt ein Gesamtbild, das dem Selbstbild nicht nur ähnelt. Es ist praktisch ident mit ihm, mit dem Unterschied, dass es als Einheit besteht, während das Menschen-Selbst amorph lebt und nur eine brauchbare Fiktion darstellt, um uns zu beschreiben. Ein beunruhigender Gedanke, wie ich spontan urteile. Er sieht darin aber zuerst einmal ungeahnte Möglichkeiten. Da der Mensch in seinen Gedanken oft diffus bzw. strukturlos vorgehe, habe er oftmals keine klare Vorstellung über seine Absichten, sobald er sie artikuliert. Die Abrufgewalt ist auch nicht immer verfügbar. Zu viele Faktoren behindern ihn dabei.

Daten und Variablen

Diese Inkohärenz des Selbst wirke sich auf unsere Entscheidungen aus und entspreche nicht immer der äußeren Realität. Die Maschine hingegen könne die gesammelten Eindrücke und Inhalte besser eruieren, da es zunächst die Daten liest und unnötige Variablen ausschließt. Mir scheint als würde man dem Menschen hier einiges an Unvermögen attestieren. Doch lesen wir weiter. Diese Erkenntnis könnte schließlich auch auf andere Bereiche erweitert werden. Konkret spricht er von politischen Wahlen. Die Maschine würde demnach alle Faktoren ausrechnen und ein fertiges Ergebnis präsentieren. Sie sei rationaler als der Mensch.

Es sei daher auch möglich, dass die Maschine bessere Entscheidungen trifft als der Mensch. Sobald er aber die Entscheidungsmacht abgibt oder weiter delegiert, verliert er einen Teil seines Selbst. Dem Menschen entgleite damit die Kontrolle. So führe die Digitalisierung der Gesellschaft schrittweise zum Selbstverlust. Folglich diene sie auch der Menschheit nur begrenzt.

Die Mensch-ine

Vieles scheint obsolet. Mein Unmut ist davon ausgenommen. Die Mensch-ine entwickelt sich zu einem Überwesen, während die Biomasse Mensch zu einem Geisterwesen schrumpft. Wie weit ließe sich so eine Supermaschine weiterentwickeln? Wer hätte Zugriff darauf? Die Rede ist vom Homo deus, einer gottähnlichen Maschine, die unumschränkte Macht besitzt. Zizek befürchtet, dass solche Maschinen innerhalb der Gesellschaft zu Konflikten führen könnten. Auf der Suche nach Optimierung würden sie zur grenzenlosen Bedrohung ausarten.


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Netzpiloten @New Work Experience

Auf dieses Event freuen wir uns schon seit einiger Zeit: Am 7. März findet zum dritten Mal die New Work Experience (NWX) statt. Das Event rund um das Thema Arbeit (veranstaltet von xing) tagt in Hamburgs neuestem Wahrzeichen, der Elbphilharmonie. Passend: Dort wo sich sonst zahlreiche Musiker aufs Feinste konzertieren, soll es einen ganzen Tag lang um das ideal abgestimmte Zusammenarbeiten im modernen Berufsalltag gehen. Wir Netzpiloten sind zum ersten Mal als Medienpartner mit dabei.

Welche Speaker werden erwartet?

Zu den vielen namenhaften Vortragenden gehört Frédéric Laloux. Er ist Autor von „Reinventing Organizations“ und liefert mit seinem Framework ein wichtiges Besteck, um im eigenen Unternehmen die Hierarchie abzubauen. Kathrin Menges, Personalvorstand der Henkel AG spricht darüber, dass die nächste Generation in Berufen arbeiten wird, die es heute noch gar nicht gibt. Besonders freuen wir uns auf den Blogger-Posterboy Sascha Lobo, der als Vordenker zu einem neuen Arbeitsbegriff (bereits 2006 mit seinem Buch „Wir nennen es Arbeit„) uns sicherlich einige starke Impulse geben wird.

Um welche Themen geht es?

  • Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft
  • Hierarchien in der Arbeitswelt
  • Transformation in Unternehmen
  • Diversität, Dialog, Wertschätzung und die Entwicklung individueller Antworten

Und sonst noch?

Nette Kleinigkeit: Mit dem Kauf eines NWX19 Tickets könnt ihr am Veranstaltungstag den lokalen Nahverkehr HVV kostenlos nutzen. Zudem erhaltet ihr vergünstigte Konditionen, wenn ihr euch für eine Übernachtung in einem der Partnerhotels entscheidet. Dafür müsst ihr euch ganz einfach unter dem Kennwort „New Work Experience“ anmelden. Außerdem gibt es den New Work Award. Hier werden innovative Ideen, die die Arbeitswelt von morgen bereichern, ausgezeichnet. Tickets erhältst du hier. Wir sehen uns lässig-arbeitend in der Philharmonie!

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Netzpiloten @DigiDay

Wenn wir schon alle durch die digitale Transformation müssen, dann wenigstens experimentell – vernetzt – begeistert. Das ist jedenfalls die Haltung des dritten Digital and Innovation Day am 5. Dezember in Frankfurt. Wir Netzpiloten sind erstmals als Medienpartner mit dabei wenn das German Convention Bureau der Frage nachgeht „How to become a Digital Hero“. 

Was erwartet euch?

Wir freuen uns auf Chritiane Brandes-Visbeck, die uns aufzeigen wird, wie wir zum Digital Hero werden könen. Jeder muss sich die Frage stellen, ob er oder sie bereit ist für die digitale Transformation. Wie steht es um Fach-und Führungskräfte mit neuen Kompetenzen auf fachlicher und methodischer Ebene? Deshalb geht es auf dem #Digiday um praxisorientierte Skillsets, Mindsets und Toolsets für die Digitalisierung.

Und sonst noch? – DB Tickets!

Verlängert euren Aufenthalt in Frankfurt und profitiert einen Tag vor dem DigiDay von dem Seminar zum Thema Storytelling. Zusammen mit der Deutschen Bahn könnt ihr ein Spezialticket für 109,00 Euro für die Hin-und Rückfahrt in der 1. Klasse erwerben. Das Angebot ist gültig vom 3. Dezember bis zum 07. Dezember. Sichert euch jetzt hier die Tickets. 

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Netzpiloten @Rethink! MAD Minds

Rethink! MAD Minds by we.CONECT

Bei den rasanten Entwicklungen im digitalen Marketing kann man sich ja nicht genug fortbilden in Technologien und Strategien. Wir empfehlen das Event Rethink! MAD Minds vom 18. bis zum 20. November in Berlin. Wir Netzpiloten sind auch dieses Mal Medienpartner des Veranstalters We.Conect. So wie auch im letzten Jahr, treffen sich die MAD Minds in Berlin. Dieses Jahr findet die Konferenz im TITANIC Chaussee Hotel statt. Vor allem erwartet die Gäste ein volles Programm rund um das Thema Marketing. Und die Netzpiloten sind diesmal live dabei.

Welche Speaker werden da sein?

Wir sind gespannt auf den Marketing-Chef von Philip Morris – Thorsten Scheib, der über die Chancen und Hürden der Digitalisierung sprechen wird. Auch spannend wird sicherlich der Vortrag vom Philips Marketingchef Thomas Schönen über die Wandlung einer Traditionsmarke hin zu einem Health-Brand. Besonders freuen wir uns auf Martin Drust den Leiter im Marketing und Vertrieb beim FC St. Pauli.

Das sind die Themen

  • Imageveränderung eines Unternehmens am Beispiel der Berliner Verkehrsbetriebe BVG
  • Light your last Cigarette – Kunden mit neuen Strategien, Technologien und innovativen Ideen begegnen und begeistern
  • Kundenbeziehung und Digitalisierung – CRM… oder doch CxM?
  • B2C oder B2B – eCommerce und Marketing Automation gehören zusammen

Und sonst noch? – 20% Netzpiloten Rabatt!

Ladet euch am besten die kostenlose MAD Minds App herunter und seid damit ständig auf dem Laufenden (App Store und Google Play Store). Mit folgendem Code erhaltet ihr einen Nachlass von 20 Prozent: NetzxMAD18. Tickets in verschiedenen Versionen findet ihr hier.

Wir sind live dabei. Sprecht uns an!

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Wie war’s auf der OMK, Sophie Vogel?

Wenn Wissenschaft auf Wirtschaft trifft – so war auch in diesem Jahr einiges los auf der Online Marketing Konferenz am 27. September in Lüneburg. Die OMK – veranstaltet von der Online Agentur web-netz – fand bereits das siebte Mal im Verbund mit der Leuphana Universität statt und hat auch dieses Mal wieder vielen Besuchern interessanten Input geboten. Wir haben Sophie Vogel vom Veranstalter web-netz um ein kurzes Fazit gebeten.

Wie ist dein Gesamteindruck von der diesjährigen OMK?

Es war die 7. OMK und gleichzeitig die größte OMK aller Zeiten, aber auch meine erste. Dieses Jahr wurde ein neuer Besucher-Rekord mit mehr als 1.200 Online-Marketing-Machern und Interessierten aus den unterschiedlichsten Branchen verzeichnet. Bei vier gleichzeitigen Slots gab es zu jeder Uhrzeit eine gute Auswahl an interessanten Vorträgen. Die Vorträge waren vollgepackt mit Informationen. Bei so vielen Tipps von Experten an einem Ort hat bestimmt jeder hilfreiche Informationen mit nach Hause genommen. Sehr gut kam auch die kostenfreie Verpflegung den ganzen Tag über an: Bioäpfel, Energydrinks, Franzbrötchen, Laugenstangen, Food-Trucks, Kuchen & Kaffee. Beste Stimmung herrschte auch auf der After-Show-Party mit Live-Band und DJ – einige wollten gar nicht mehr nach Hause. Bei uns im Team steigt schon die Vorfreude auf die OMK 2019!

Worüber wurde am meisten gesprochen?

Mit größter Spannung wurde der Auftritt von Thomas Middelhoff erwartet. Im Interview mit web-netz-Gründer Patrick Pietruck und dem Chefredakteur der Lüneburger Landeszeitung Marcel Rath im größten Hörsaal sprach der ehemalige Bertelsmann- und Arcandor-Chef über die Anfänge der Digitalisierung sowie über die erfolgreichsten Gründer weltweit. Seine Tipps für Studenten und junge Unternehmer, die aus seinen Fehlern lernen sollen, kamen gut an. Außerdem begeisterte der YouTuber Gil Grobe vom Kanal „Ice Cream Rolls“ die Besucher. Der Hamburger mit der weltweit größten virtuellen Eisdiele trug ebenfalls zu den Top-Themen bei, indem sein YouTube-Account am Vorabend des Konferenztages die 2 Mio. Abonnenten geknackt hatte. Zudem verriet er die wichtigsten Tipps und Insights für Erfolg auf YouTube. Auch über den Vortrag von Felix Loesner, dem Head of Social Media vom FC Bayern München – der auch an der Diskussionsrunde Sportmarketing u.a. mit Ex-Nationalspieler und Unternehmer Marcell Jansen teilnahm – wurde viel gesprochen. Bekleidet in einer knallroten Trainingsjacke, erklärte er etwa, dass die Fans vom FC Bayern München im Durchschnitt nur 1,7 Sekunden auf einem Facebook-Post bleiben und somit interessanter Content einen der relevantesten Punkte im Bereich Social Media darstellt.

Was war dein persönliches Highlight?

Mein persönliches Highlight eröffnete den Tag – die Keynote von Prof. Skibicki. Hier konnte ich viele Gedankenanstöße zu Themen rund um die Digitalisierung mitnehmen. Unterhaltsam und überraschend wurden neue Sichtweisen zum digitalen Strukturwandel skizziert – wirklich ein gelungener Auftakt für einen tollen Konferenztag.


Image by Sophie Vogel

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Das Rehkitz und der fahrerlose Mähdrescher

Bei den Nutzfahrzeugen findet aktuell ein noch größerer Transformationsschub statt als bei den herkömmlichen Autos, findet der Digital-Berater Daniel Khafif. Wir haben ihn uns zum Interview geschnappt, als er frisch aufgeladen wie ein E- Car von der Nutzfahrzeugmesse aus Hannover zurückkam. Wir haben viel gelernt:

Wie war es auf der 67. IAA Nutzfahrzeuge, Daniel Khafif?

Umwerfend! Das Internet of Things hat die gesamte Mobilitätsbranche voll erfasst. Mein Eindruck: Das Auto ist heute mehr Showroom des IoT als Mantel für Motoren. Was das für die Netzwelt bedeutet, ist heute nur zu ahnen: Eine aktuelle Studie von Cisco identifiziert im Connected Car-Universum drei ineinander verzahnte Geschäftsfelder: Automotive OEM (Original Equipment Manufacturer), web Digital und Mobile.

Wer treibt die Digitalisierung?

Die großen Player in der globalen IT treiben die Automobilwirtschaft voran: High Tech Unternehmen wie Bosch, Magna, Continental oder Denso operieren immer stärker direkt am Automobilmarkt. Längst kann man nicht mehr von „Autozulieferern“ sprechen, sondern von Innovationsgebern, denn diese Unternehmen operieren genau an der Schnittstelle zwischen der IT und der Automobilproduktion.

Haben die Programmierer die Fahrzeug-Entwicklung übernommen?

Ja, so sieht’s aus! Das klassische Auto, sei es PKW oder Nutzfahrzeug, wird immer mehr zum Markt für das IoT, wird immer mehr zum Datensender (Stichwort „cloud based security“) als zum Datenempfänger. Die IT Programmierer gestalten das Auto von morgen in hohem Maße mit, nicht mehr ausschließlich die Fahrzeugentwickler.

image: Daniel Khafif
Warst du auch beim angeschlossenen CarIT Kongress?

Ein Highlight! Hier gab es hochkarätigen Input von Speakern wie Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management (CAM) oder Qiang Wang, General Manager of IoT Connectivity von HUAWEI Technologies. Besonders beeindruckt hat mich die Keynote von Anoop Nannra, Global Head of Cisco Blockchain Initiative. Für ihn stellt Blockchain die neue weltweite industrielle Revolution dar. Er sieht neue Industriezweige entstehen, die neue Formen der Verteilung und Zulieferung, aber auch Bereitstellung von Energie zur Verfügung stellen werden. Bezahlprozesse und Dienstleistungssektoren wie wir sie heute kennen, werden komplett ihre Bedeutung verlieren – während gleichzeitig neue Wertschöpfungsketten in Proliferation (Erweiterung des Modell- und Variantenangebots) und Abnahme entstehen werden.

Das heißt, die Autoindustrie hat den Schuss der Digitalisierung gehört und stellt sich um?

Die Branchen Fahrzeugbau, Energie (und charge/battery ohnehin) haben den Hebel umgelegt: Das E-Car stellt kein lästiges Additiv, keine Nische und erst recht keine politisch oktroyierte Notwendigkeit mehr dar. Es bietet vielmehr ein veritables und langfristig ausbaufähiges und solides Geschäftsmodell. Vor allem weil die Vernetzung all dieser technischen, wie ökonomischen Bereiche eine starke Agilität und Dynamik entfaltet, die neue Anforderungen braucht und neue Geschäftsfelder bildet.

Wo liegt der Unterschied in der Entwicklung von PKW und Nutzfahrzeugen?

Der Trend zur Elektromobilität bzw. E-Mobility ist auch bei den Nutzfahrzeugen unumkehrbar. Innerhalb der E-Mobility werden zuhauf neue digitale Produkte verbaut. Deshalb ist die Logistikbranche derzeit sehr aktiv, die Personenkraftwagen bei der Automatisierung von Fahrfunktionen zu überholen.

Cool. Was können wir uns da vorstellen?

Zum Beispiel Bagger, die in und über Erzminen oder Erdstollen schaufeln, Mähdrescher, Fahrzeuge im öffentlichen Personennahverkehr und vieles mehr. – Sie alle bekommen bald das fahrerlose Fahren. Einer der letzten Helden der Landstraße, der Trucker, wird sukzessiv durch digitale Systeme ersetzt. Denn ein Kraftfahrer sitzt beruflich und nicht zum Spaß auf dem Sattel. Ein privater Autofahrer hingegen möchte weiterhin „Freude am Fahren“ spüren, um einen bekannten Autobauer zu zitieren. Und viele werden weiterhin selbst fahren wollen. Das wird auch noch eine ganze Weile so bleiben.

Das fahrerlose Fahren bei Nutzfahrzeugen ist sicher nicht weniger heikel als bei den PKW

Genau. Was passiert mit einem aufgeschreckten Rehkitz, das im gerade noch schützenden Kornfeld auf einen vollautomatisierten Mähdrescher mit 60 km/h trifft? Da sitzt kein Bauer mehr, der die Wildtiere erkennt.

Es braucht also weiter die menschliche Maschinensteuerung?

Im Moment läuft alles auf digitale Fernsteuerung hinaus: Remote drive ist zur Überwachung des Fahrzeugs, dessen Umgebung sowie der mitgeführten Ware oder Insassen enorm wichtig.

Dürfen wir dich zum Schluss noch um ein Fazit bitten. Was sind die wichtigsten digitalen Trends im Nutzfahrzeugbau?

Erstens werden Fahrzeug und Fahrer durch smarte, intelligente connectivity in ihrer täglichen Arbeit unterstützt. Und zwar nicht nur im Fahrzeug selbst, sondern auch nach außen mit den Spediteuren, Logistikunternehmen, Fuhrparkmanagern, Lageristen oder anderen Zentraleinheiten.

Zweitens werden Transport und Logistik voll digitalisiert, automatisiert und überwacht. Das macht ja die Seefahrt schon pionierhaft vor: Automatisierung von Ladeprozessen, Verwahrung, Transport, Sicherung und Auslieferung der Waren.

Drittens werden noch viel mehr digitale Services in der Personenbeförderung eingesetzt werden. Insbesondere im Nahverkehrsbereich, auf den letzten Kilometern, bedarf es der Integration digitaler Services (All in One) für mehr Komfort in der Mobilität. Wir erleben es bereits bei den Bezahlsystemen und bei der Koppelung mit kommunalen Verbundsystemen. Gleichzeitig werden Bedürfnisse des Komforts, nämlich der des „Chauffiert-Werdens“, bleiben.

Danke Daniel!

Daniel Khafif ist Fachautor, Dozent und Berater für die digitale Wirtschaft, für Change- und Innovationsmanagement. Seit 1999 produziert er redaktionelle Inhalte für Automobilhersteller wie BMW, Suzuki, Mercedes, VW Group. Sieben Jahre leitete er die Kommunikation für einen europaweit tätigen IT Systemdienstleister im Energiemarkt. Als Prüfer und Studienleiter für EU-Bildungsprogramme entwickelte er 2015 mit Kooperationspartnern des Energieclusters Berlin-Brandenburg das Berufsbild des IT-Energietechnikers. 

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Neue Provinz: Notizen vom Berlin Coworking Festival

Tobias Kremkau

Warum Neue Provinz? Die erste Ausgabe der neuen Kolumne erklärt die Titelwahl.


Berlin, Rosenthaler Platz. Wo Döblins Roman „Berlin Alexanderplatz“ (Provisions Link) begann und das urbane Leben der Spreemetropole ein literarisches Denkmal bekam, drehte sich an einem Montagabend im September alles um Brandenburg. Genau genommen um Coworking Spaces in Brandenburg. Diesem eintönigen Stück von der Welt, welches sich wie eine Halsmanschette um Berlin legt und das Treiben der Großstadt festhält, vielleicht sogar auch Einhalt gebietet.

Brandenburg. Wald, Felder und die A9. Hier hat sich, im Windschatten von WeWork, Mindspace und dem betahaus, eine vitale Coworking-Szene entwickelt, die anlässlich des diesjährigen Berlin Coworking Festival nach Berlin-Mitte kam, um sich dem interessierten Publikum zu zeigen und zu erklären. Wieso in Brandenburg? Sind denn wirklich schon alle alten Fabrikgebäude unserer Hauptstadt umgenutzt, dass man wirklich aufs Land muss?

Coworking Spaces in Brandenburg

Die Gründe dafür sind verschieden. Während es für den Potsdamer Gründer Matthias Noack keine wirkliche Alternative gab, als in seiner Heimatstadt etwas wie das Coworking Space MietWerk aufzubauen, verschlug es Janosch Dietrich mit seiner Familie nach Klein Glien. Im dritten Anlauf hatten sie endlich einen Ort für ihre Idee von Urlaub und Arbeiten in der Natur gefunden. „Community and concentrated work in nature“ ist ihr Motto, kurz Coconat.

Als verrückte Pioniere könnte man beide abtun. Doch der Wahnsinn hat System, ist vielleicht sogar genial. Man kann heutzutage arbeiten wo man möchte, erklärt Janosch. Sein Coworking Space ist deshalb für die Menschen in Brandenburg und für die, die einmal dort hinwollen. Noacks zwei Coworking Spaces sind für Potsdamer*innen, die nicht isoliert von Zuhause arbeiten wollen. Stadtflucht und der Drang nach Gemeinschaft, zwei starke Motivationen.

Während vereinzelt Menschen wieder auf dem Land leben wollen, durch die Digitalisierung und der neuen Arbeitswelt ihre Berufe oft mitbringen, verlassen andere weiterhin den ländlichen Raum, wie Unternehmen und Banken. Zur letztgenannten Gruppe zählt die Sparda-Bank Berlin nicht, wie Antonia Polkehn erklärt. Ihr Arbeitgeber startet Anfang Oktober in Frankfurt (Oder) ein neues Filialkonzept – und das in einem Coworking Space.

In Berlin St. Oberholz diskutieren Janosch Dietrich, Matthias Noack, Antonia Polkehn und Torsten Kohn über Coworking in Brandenburg

Das BLOK O ist eine Kooperation der Sparda-Bank Berlin eG und des St. Oberholz. Der erste Coworking Space an der Oder und ein Zeichen, dass Unternehmen sich auch bewusst für strukturschwache Regionen entscheiden können, wenn sie etwas bewirken wollen. Torsten Kohn von der Wirtschaftsfördergesellschaft des Landkreises Märkisch-Oderland hofft auf Nachahmer, die dann in sein Coworking Space in die Alte Schule nach Letschin kommen.

Leben und arbeiten im ländlichen Raum

Wie wir arbeiten, sagt viel darüber aus, wie wir leben. Die Neue Provinz, sei es in Brandenburg, der Altmark oder in der Eifel, ist mehr als nur Coworking Spaces. Dies wurde bei der letzten Session des Berlin Coworking Festival, an einem Freitagnachmittag und wieder im St. Oberholz, von den geladenen Podiumsgästen sehr deutlich gemacht. Coworking ist ein Trend-Thema, der Kommunalpolitiker*innen wuschig macht, es braucht aber mehr (dafür).

Vor allem schnelles Internet, wie Ulrich Bähr aus der Praxis zu berichten weiß. Die letzten Monate tourte er mit dem aus zwei Containern auf Rädern bestehenden CoWorkLand durch Schleswig-Holstein (die Netzpiloten berichteten). Zugang zu schnellem Internet ist für die Menschen eine Grundlage, um zu arbeiten. Und um zu leben, verdeutlichte Silvia Hennig , die Gründerin von Neuland 21, ergänzend. Landleben braucht den (digitalen) Anschluss.

Anschluss auch an die Wissensquellen, die die Stadt mit ihren Institutionen und Communities immer noch darstellt. Fehlt dieser, sei es digital oder auch analog in Form einer Zuganbindung, wird es schwer, die Menschen vom Leben und Arbeiten auf dem Land zu überzeugen, schilderte Philipp Hentschel. Der Coworking-erfahrene Gründer und Blogger stellt Kreativorte in Brandenburg vor und kennt die Nöte von Initiativen auf dem Land selbst.

Netzpiloten-Kolumnist Tobias Kremkau moderiert die Diskussion zu Coworking im ländlichen Raum.

Schlechte Internetleitungen und Ärger mit dem Nahverkehr? Gemeint ist zwar Brandenburg, klingt aber auch verdächtig nach Berlin. Vielleicht gibt es in Wirklichkeit gar keine Lücke zwischen Stadt und Land, wie Mareike Meyn von der Andreas Hermes Akademie vermutet, sondern nur unterschiedliche Begriffe für die gleichen Probleme – egal wo in Deutschland. Und für die gleichen Lösungen, denn Coworking sagt man in der Stadt wie auf dem Land. ;-)


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solutions.hamburg: Kollaboration braucht aktives Zuhören

Vielleicht die beste Nachricht von der solutions.hamburg heute: Aktives Zuhören ist DER Softskill, den die Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft auf dem Event immer wieder in Zusammenhang mit Kollaboration betonen. Wer Podcasts hört, ist also auf dem richtigen Weg. Und deshalb haben wir weiter unten auch ein rund zwanzigminütiges Interview mit „Evangelist“ und Berater bei Silpion, Moritz Avenarius für euch; ungeschnitten und zum aktiven Zuhören.

Ihr erfahrt, welche Skills ihr daneben noch braucht und was den FC St.Pauli trotz Niederlagen so erfolgreich macht. Außerdem lernen wir alle zusammen, dass manche Lösungen einfach genial einfach sind: Team-im-Team ist das neue Intim. So ähnlich lesen wir jedenfalls auf den Post-its unter Punkt 6/6 des Digitalen Manifest von Silpion: Digitalisierung ist Teamsport.

solutions.hamburg
Digitales Manifest von Silpion, Punkt 6/6: Digitalisierung ist Teamsport. Image by Lena Simonis

Übrigens lautet so ebenfalls das Motto der diesjährigen solutions.hamburg, die am morgigen Freitagabend in das berühmte Silpion-Sommerfest mündet. Vorher geht es auf Kampnagel aber noch den ganzen Tag um das Thema neue Technologien: Bitcoin, Drohne, Dies-Das. Es bleibt also spannend – sammeln wir neue Kräfte und stärken solange unsere kollaborativen Fähigkeiten:

Aktives Zuhören kann man trainieren – viel Spaß!


Image by Torben Conrad

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Netzpiloten @solutions.hamburg

„Digitalisierung ist Teamsport!“ – Wir finden, das ist ein super Motto unter dem in diesem Jahr die solutions.hamburg vom 12. bis zum 14. September stattfindet. Wir Netzpiloten sind gerne mit dabei wenn sich drei Tage lang in einer von Hamburgs besten Locations – der internationalen Kulturfabrik Kampnagel – alles um die große digitale Transformation dreht. Veranstaltet vom Silpion Team werden in verschiedenen Vortragsräumen und Hallen alle Digitalisierungsinteressierten jede Menge Wissenswertes, Trends, Strategien und Lösungsansätze für Unternehmen im digitalen Wandel erfahren.

Was die solutions.hamburg so spannend macht? Das ausgefeilte Programm! Die drei Kongresstage sind unterteilt in drei Themenbereiche, sodass jeder auf seine Kosten kommt. Erlebt den Mittwoch im Zeichen des Strategy Day. Lasst euch hier zeigen, wie digitale Schlüsseltechnologien auf strategischen Ebenen zu erfassen sind. Der Donnerstag widmet sich ganz dem Thema innovative Technologien und Lösungsansätze aus den Bereichen Künstliche Intelligenz oder Virtual Reality. Den Freitag verbringt ihr mit Themen rund um die Technologie. Blickt gemeinsam mit Experten in die Gegenwart und Zukunft und erlangt praktisches Wissen für eure Arbeit im Unternehmen.

Welche Speaker werden da sein?

Die solution.hamburg fährt rund 500 tolle Experten auf. Das macht sie ganz klar zu einem der größten Digitalisierungskongresse. Wir sind gespannt auf inspierende Vorträge wie etwa vom Wissenschaftsjournalisten und Autor Ranga Yogeshwar, der seine Keynote direkt am Mittwoch halten wird. Zudem wird uns Dr. Markus Durstewitz – Innovation Manager bei Airbus – etwas zum Thema Design Thinking erzählen. Spannend wird auch der Vortrag von Jenny Kornmacher, der Projektleiterin der Hamburg Kreativ Gesellschaft, die uns neue Impulse für die Industrie liefern wird. – Und wir freuen uns natürlich auf unseren Blogger-Freund Sascha Lobo!

Welche Formate und Themen erwarten dich?

  • Erfahrungsberichte, Impulsvorträge, Workshops und Netzwerkveranstaltungen
  • Zukunft Kundenkommunikation
  • KI Revolution
  • New Work & Digital Collaboration
  • Blockchain
  • AI in Brand Management
  • Mensch und Technik im Wandel

Und sonst noch?

Mit mehr als 5.000 Besuchern und mit über 400 Sessions, erwartet die Teilnehmer ein immenser Input. Haushaltet schön mit euren Kräften und wählt gut aus ;) Tickets gibt es hier! Wir seh’n uns auf Kampnagel!

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Neue Provinz: Das Mysterium Landleben

Tobias Kremkau

Warum Neue Provinz? Die erste Ausgabe der neuen Kolumne erklärt die Titelwahl.


Laut dem Berliner Geburtsort-Atlas des rbb sind 1.736.514 Berliner*innen auch in Berlin geboren. Das macht 46,8 Prozent an der Gesamtbevölkerung aus. Diese Menschen sind in Berlin aufgewachsen, der größten Stadt Deutschlands und wohl einziger Inbegriff einer urbanen Metropole in diesem Staate. Eine von ihnen ist Katja Dittrich, besser bekannt als die „Torten der Wahrheit“-Grafikerin der „Die Zeit“ namens Katja Berlin, die auch wöchentlich für die Hauptstadtzeitung „Berliner Zeitung“ über ihre eigene Heimatstadt, dieses Berlin, schreibt.

Letzten Monat schrieb sie einen Appell für das Bleiben statt den obligatorischen Umzug aufs Dorf und wie man doch auch Landleben in Berlin erleben kann. Ob dies die bessere Antwort auf Charlotte Roches Großstadtflucht-Text vom Frühjahr diesen Jahres ist oder eine amüsant zu lesende Auseinandersetzung mit den durchaus ernsthaften Problemen des Alltags in Berlin, sei erst einmal dahingestellt. Trotzdem zeigt ihre Kolumne ein paar anekdotenhafte Kategorien auf, in denen das Landleben aus Sicht der Städter*innen definiert wird.

Kein Internet, Ärztemangel und nur Bargeld

Auf dem Land gibt es kein Internet, oder so schlecht wie in der Berliner U-Bahn. Aus eigenen Erfahrungen kann ich dieses Vorurteil bestätigen, muss es aber auch der Stadt zuschreiben. Das Problem ist hier eine bundesweit mangelnde Infrastruktur als Ausdruck eines Politikversagens. Da unterscheidet sich Hohenwulsch leider nicht von Friedrichshain. Scheinbar setzte Helmut Kohl aus politischen Gründen auf Kabelfernsehen statt Glasfaser, was rückblickend so höhnisch wie Marie-Antoinettes Kuchen-statt-Brot-Empfehlung wirkt.

Katja Berlins nächster Punkte ist die Schwierigkeit, einen Arzttermin zu bekommen. Dies ist in Berlin genauso schwer wie in München oder auf dem Land. Mein Eindruck mag mich täuschen, aber über die Vorteile von Telemedizin auf dem Land, dies erforschende Projekte und erste Ansätze, lese ich viel mehr als über Innovationen auf diesem Gebiet in der Stadt. Erfolge braucht es schnell, denn bundesweit findet ein gefährlicher Strukturabbau statt, bspw. in Hersbruck oder in Genthin, der die medizinische Grundversorgung gefährdet.

Der letzte Punkt stellt die sowohl auf dem Land als auch in der Stadt geltende Vorliebe der Deutschen für Bargeld statt bargeldlosen Bezahlens. Mein „Lieblingsthema“ hier in Berlin, aber auch anderswo. Als ich einmal in Magdeburg bargeldlos in ein Taxi stieg und fragte, ob ich auch mit Karte bezahlen kann, erntete ich einen ungläubigen Gesichtsausdruck und die Frage, warum man denn das machen wolle? Es ging selbstverständlich nicht, aber es gab bei diesem Taxi-Fahrer nicht einmal den Hauch des Verständnisses dafür. Ich war baff.

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Heimat 2.0 ist immer irgendwie woanders

Unter diesen Gesichtspunkten hat Katja Berlin natürlich Recht, wenn sie schreibt, dass man in Berlin lebend die gleichen Erfahrungen wie auf dem Land machen kann. Es gibt noch mehr Anekdoten, auch Sie werden eine haben, die die Nachteile des Lebens im ländlichen Raum oder eben in Berlin aufzeigen. Jedoch darf man eines dabei nicht vergessen. Das Problem sind hier nicht die Bedingungen auf dem Land oder in der Stadt oder der Graben dazwischen, sondern es ist Deutschland. Anderswo wäre Katja Berlins Text nichts als Retro-Fiktion.

Dank der Initiative hinter dem Coworking Space Ludgate Hub gibt es im westirischen Skibbereen Irlands erste ländliche 1-Gig-Gesellschaft. Das ist eine 200-mal schnellere Internetverbindung als sich die deutsche Bundesregierung für dieses Jahr als Ziel für alle deutschen Haushalte vorgenommen hat und wohl auch bis 2025 nicht erreichen wird. Wie Telemedizin im ländlichen Raum geht, zeigt das Duncan Regional Hospital im dünn besiedelten Oklahoma (Bevölkerungsdichte: 25 Menschen pro Quadratkilometer).

Zu den Vor- und auch Nachteilen des bargeldlosen Bezahlens in Schweden kann man momentan viel nachlesen, von mir deshalb nur die Anekdote eines Bekannten, der an dem Limonaden-Stand zweier Kinder in einem schwedischen Dorf nur mit Smartphone für das selbstgemachte Erfrischungsgetränk bezahlen konnte. Die Kinder lehnten Bargeld ab, sie konnten sich das aufgrund der vorhandenen Infrastruktur und des gängigen Bezahlens mit Smartphone erlauben. Vielleicht wussten sie es auch nicht besser. Anders als in Deutschland.


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Netzpiloten @Campfire 2018

Journalismus ist lebenswichtig für unsere Gesellschaft! Deshalb finden wir es toll, dass es jetzt ein innovatives, offenes und charmantes Open-Air-Festival zu diesem Thema gibt. Auf dem Campfire 2018 vom 31. August bis 02. September in Düsseldorf wird Journalismus erfahrbar gemacht und viele Macher, Experten und Medien-Interessierte tauschen sich aus und lernen sich kennen.

Drei volle Tage geht es unter anderm um solche Fragen: Wie wird unsere Arbeit, unser Leben, die Kommunikation und die Gesundheitsindustrie in der Zukunft aussehen? Was passiert mit uns, wenn alle diese Bereiche, die uns umgeben von der Digitalisierung durchdrungen sind?

Auf dem Campfire soll die Zukunft des Journalismus beleuchtet werden. Hierbei sind nicht nur Experten oder Journalisten angesprochen, sondern auch Schüler und Studenten sind herzlich willkommen. Namhafte Speaker aus renommierten Unternehmen und Zeitungsverlagen wie beispielsweise Markus Feldenkirchen – Spiegel Journalist und Autor – oder Wiebke Möhring – Professorin für Print- und Onlinejournalismus – werden zudem ihr Expertenwissen auf zwei Hauptbühnen oder aber in mehreren Programmzelten an die Teilnehmer weitergeben.

Tiefere Einblicke in zahlreichen Workshops

Wer tiefer in die Thematik einsteigen möchte, für den bieten sich zahlreiche Workshops mit spannenden Themen an, wie unter anderem:

  • Über alle Grenzen hinweg – wie wir weltweite Themen recherchieren
  • Wie ihr Menschen für eine gemeinsame Aktion begeistert
  • Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen „Design Thinking“ und „Lean Startup“
  • So organisierst du ein Barcamp

Wir finden: Dabei sein lohnt sich auf jeden Fall! Freut euch auf 150 Programmpunkte in 15 Programmzelten, 10.000 tolle Besucher, zahlreiche Speaker und Experten und einen spannenden Austausch. Was das Wichtigste ist, ist natürlich auch die Möglichkeit sich untereinander zu vernetzen und drei lehrreiche und innovative Tage auf dem Festival Campfire 2018 zu verbringen. Und das Allerbeste: das Festival ist kostenlos!

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Netzpiloten @Online Marketing Konferenz

Ihr wollt Tickets für die spannende Online Marketing Konferenz gewinnen? Dann nehmt an unserem Gewinnspiel teil und sichert euch zwei Tickets. 


Wenn ihr mehr über die aktuellen Trends und Entwicklungen rund ums Online Marketing erfahren möchtet, dann ist das kein Problem! Denn die Online Marketing Konferenz öffnet am 27. September genau zu diesem Anlass ihre Tore.

Es ist bereits das siebte Mal, dass die Online Agentur web-netz in Verbundenheit mit der Leuphana Universität Lüneburg alle Interessierten und Begeisterten einlädt, um das Thema Online Marketing und Digitalisierung aus allen Blickwinkeln zu betrachten. Hierfür bietet die OMK alles Wissenswerte für den direkten Einsatz in den B2B- und B2C-Unternehmen.

Von der Online Marketing Konferenz das Beste mitnehmen

Von der OMK geht niemand mit leeren Händen (und Köpfen) in sein Unternehmen zurück. Dafür sorgen über 40 Top-Speaker aus unterschiedlichsten Bereichen, wie beispielsweise Social Media, Wirtschaft und Wissenschaft. Unter den Experten befinden sich Persönlichekteiten wie Dr. Nicolas Dierks – Spiegel Bestseller Autor und Philosoph – und die Bloggerinnen Louisa Dellert & Jil Zeletzki, die einiges zum Thema Influencer Marketing mitbringen.

Alle Teilnehmer erwartet ein großes Spektrum an Vorträgen, aus denen sie das Wichtigste für sich und ihr Unternehmen schöpfen können:

  • Social Media jenseits der Überschriften: Chancen erkennen und ethisch handeln
  • Google Assistant, Alexa & Co.: Wie sich die Welt der Suche verändert
  • Hype oder Game Changer – Wie nachhaltig ist Influencer Marketing wirklich?

Wissenswertes auch zwischen den Vorträgen

Nicht nur innerhalb der Vorträge können die Teilnehmer der OMK etwas lernen. Auch in den Pausen gibt es bei leckeren Snacks und Getränken einiges mit auf den Weg. Kontakte knüpfen, vernetzen und austauschen stehen ganz oben auf der Liste des vielfältigen Programms.

Wer diesen Tag voller Innovationen, Trends und Entwicklungen im Online Marketing nicht verpassen möchte, der sollte sich unbedingt die Tickets sichern oder bei unserem Ticket-Gewinnspiel mitmachen.

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Automatisierte S-Bahnen in Hamburg

flo karr unsplash

Am 12.07.2018 haben die Hansestadt Hamburg, die Deutsche Bahn und der Elektrokonzern Siemens vereinbart, im Oktober 2021 die ersten vollautomatisierten S-Bahn-Züge auf die Gleise Hamburgs zu setzen.

Die neuen Züge sollen auf der Strecke der Linie 21 zwischen den Stationen Berliner Tor und Bergedorf/Aumühle fahren. Dies kann man in der Pressemitteilung lesen. Um die Züge einsetzen zu können, muss die 23 Kilometer lange Strecke dementsprechend für das hochautomatisierte Fahren eingerichtet werden. Parallel dazu werden die ersten vier Fahrzeuge in die erforderliche Technik ausgerüstet.

Die Kosten der Automatisierung betragen 60 Millionen Euro. Die drei Partner werden diese Summe teilen. Die Kosten für den bundesweiten Einbau sind im Vergleich zum Gleisbau überschaubar. Nach der Einschätzung des DB-Vorstandes werden circa drei Milliarden Euro für die Vollautomatisierung ausgegeben. Hamburg wird zu der ersten Stadt mit einem automatisierten S-Bahnnetz. Das Ziel ist die Erfüllung eines Zukunftsprogramms „Digitale Schiene Deutschland“.

Photo by Max Langelott, unsplash.com

Die wichtigsten Fakten

Die Fahrgäste und die Stadt profitieren. Durch die Automatisierung der S-Bahnen können Fahrgäste mit kürzeren Abständen zwischen den Zügen rechnen. Und somit auch mit kürzeren Wartezeiten. Mittelfristig wollen die drei Partner alle Züge in Hamburg automatisieren. Langfristig sollte das Projekt auf ganz Deutschland bezogen werden.

Die Sicherheit der Fahrgäste ist von höchster Priorität. In Deutschland sind die Sicherheitsanforderungen, im Vergleich zu dem Rest der Welt, extrem hoch. In den automatischen Zügen wird weiterhin ein Triebfahrzeugführer anwesend sein. Er kann im Falle einer gefährlichen Situation eingreifen.

Das unterscheidet Hamburg von anderen automatisierten Verkehrssystemen. Die U-Bahn in Nürnberg ist bereits ebenfalls automatisiert. Doch das S-Bahn-Projekt verwendet auf europäischer Ebene standarisierte Technik. Dazu unterscheiden sich die Gesetze für U-Bahn-Systeme und Vollzüge (wie die Hamburger S-Bahnen).

Für die Digitalisierung werden die Züge der Baureihe 474 verwendet. Laut dem Ersten Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, wird das neue Verkehrssystem zuverlässiger, umweltfreundlicher und sicherer sein.

Die vier ersten Züge werden zudem pünktlich zum ITS-Weltkongress 2021 auf den Schienen rollen.


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Gigaset GS185: Kollege Roboter macht das erste Smartphone „made in Germany“ rentabel

Gigaset GS185 Smartphone-Fertigung

Technisch ist das Gigaset GS185 keine Besonderheit. Im Netzpiloten-Test überzeugt das Einsteiger-Smartphone als ein im besten Sinne unauffälliges Modell zum günstigen Preis für unter 200 Euro. Zum Smartphone-Star der Stunde machen es hingegen Art und Ort der Herstellung. Anders als praktisch alle anderen Mobiltelefone läuft es nicht in Asien vom Fließband, sondern entsteht in einem deutschen Werk. Diese Überraschung gelingt dem kleinen Hersteller, weil er zum großen Teil auf moderne, smarte Roboter und das Internet of Things setzt. Bei einem Werksbesuch in Bocholt nahe der niederländischen Grenze ermöglichte uns Gigaset Einblick in ein Musterbeispiel für die Industrie 4.0 und zeigte uns, wie das erste Smartphone „made in Germany“ entsteht.

Ein kleines Kapitel deutsche Industriegeschichte – ein sehr kleines

Ob Smartphones, Fernseher oder Kameras: Unterhaltungstechnik stammt nur noch ganz selten aus Deutschland. Bei Mobiltelefonen ist das nicht anders. Nokia und Siemens machten ihre Produktion hierzulande vor einem Jahrzehnt spektakulär dicht.

Die inzwischen unabhängige Ex-Tochter von Siemens bricht nun mit diesem Trend. In Bocholt, wo bis 2006 Siemens-Handys ohne Apps und modernes Internet das Werk verließen, baut Gigaset nun das erste Smartphone, dass das Siegel „made in Germany“ zieren darf. Zusätzlich bemerkenswert ist, dass es sich um kein Luxusprodukt handelt, bei dem sich hohe Lohnkosten rechnen, sondern eben ein günstiges Einsteiger-Gerät mit deutlich niedrigerer Marge. Egal wie dieses Pilotprojekt ausgeht, ist Gigaset daher ein Eintrag in der deutschen Wirtschaftsgeschichte sicher. Die Zuversicht ist aber so groß, dass der Hersteller uns am Rande der Werkstour bestätigte, noch im Laufe des Jahres ein zweites Smartphone in Bocholt zu produzieren.

Gigaset Smartphone Verpackungsstation
Rund 2.000 Exemplare des Gigaset GS185 verpacken die Mitarbeiter pro Woche in Bocholt. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Trotz allem hebt der kleine Hersteller den weltweiten Smartphone-Markt damit wohlgemerkt nicht aus den Angeln. Denn vorerst verlassen die Fertigungsstrecke auf einer Etage in einem Nebengebäude des Werks pro Woche nur rund 2.000 Exemplare des Gigaset GS185, also etwas über 100.000 Stück pro Jahr. Bei entsprechender Nachfrage ließe sich die Produktion kurzfristig um zwei Schichten und einem Ausstoß von bis zu 6.000 Geräten pro Woche aufstocken. Im Verhältnis zu den 1,5 Milliarden Smartphones, die alle Hersteller zusammen im Jahr 2017 weltweit verkauft haben, ist das jedoch verschwindend gering.

Warum Gigaset das deutsche Smartphone-Experiment wagt

Gigaset verdient sein Geld überwiegend noch mit Festnetztelefonen für Privatkunden. Doch davon verkauft der Hersteller weniger und weniger, weil immer mehr Menschen auch von zuhause aus mit dem Smartphone telefonieren. Stattdessen setzt Gigaset Hoffnung in Sicherheitsprodukte für das Smart Home und mehr noch in Smartphones. Zur Premiere erwies sich High-End-Smartphone Gigaset ME im Jahr 2015 zwar als Flop. Hingegen Einsteiger-Smartphones wie das GS160 oder Mittelklasse-Geräte wie das GS270 und das GS370 finden Gefallen.

Gigasets Smartphone-Geschäft ist jedoch noch ein smartes Pflänzchen. Es droht von den Platzhirschen des Marktes zu zertrampelt werden, wenn der Hersteller nicht eine sichere Nische findet. Daher plant Gigaset sich im Smartphone-Wettbewerb einen Vorteil zu verschaffen, indem der Hersteller großen Mobilfunkprovidern und Händlern ermöglicht, sie ohne große Vorlaufzeit „just in time“ zu beliefern. Holt die Geräte ein Lkw von einem Werk in Deutschland ab, geht das einfacher und flexibler, als wenn asiatische Fabriken erst die Produktion ankurbeln müssen.

Vorteile für Kunden

Schnell und in kleinen Chargen produzieren zu können, versetzt Gigaset zudem in die Lage, Modelle nach Kundenwünschen zu konfektionieren. Großbesteller können schon jetzt Namen auf den Rückseiten eingravieren und eigene Apps auf das Gigaset GS185 aufspielen lassen. Bis diese Form der „Mass Customization“ aber einzelnen Endverbrauchern ermöglicht, ihr Gigaset-Smartphone so individuell zu designen wie etwa einen Sportschuh, braucht Gigaset noch Zeit, das Geschäft auszubauen.

Für Verbraucher am praktischsten an der deutschen Produktion ist aber, dass die Gigaset das GS185 auch in Bocholt repariert. Eine Etage unter der Smartphone-Fertigung beseitigen Beschäftigte Displaybrüche und andere Schäden innerhalb eines Tages. Dadurch müssen Kunden nicht wochenlang auf ein Ergebnis warten. Zudem erhalten sie ihr eigenes Gerät und kein Austauschgerät zurück, sodass alle Einstellungen und installierten Apps dableiben, wo sie waren.

Gigaset Kundenservice Bocholt
Vorteil von „made in Germany“. Gigaset repariert auch Geräte in Deutschland, und zwar innerhalb eines Tages. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Der werbepsychologische Vorteil eines Smartphone „made in Germany“ ist laut Unternehmenssprecher Raphael Dörr nur ein Nebeneffekt und war nicht Vater des Gedanken. Nichtsdestotrotz macht sich das Marketing von Gigaset das Siegel gern zunutze und verwendet es auf dem Gerätekarton, Werbeanzeigen und der Webseite.

Ein 100-prozentiges Smartphone „made in Germany“ ist das Gigaset GS185 nicht

Die Bezeichnung „made in Germany“ sollten Käufer nicht auf die Goldwaage legen. Tatsächlich bezieht Gigaset fast alle Komponenten aus Asien. Die Bocholter Mitarbeiter fügen die Bauteile lediglich zusammen. Anschließend installieren sie die Android-Software, testen die Gerätequalität und packen das Smartphone in den Karton, der als einziger Produktbestandteil von deutschen Zulieferern stammt. Nur die Endmontage unterscheidet das GS185 von anderen Gigaset-Smartphones. Diese importiert Gigaset komplett aus Asien.

Die Voraussetzungen für das Siegel „made in Germany“ erfüllt das Gigaset GS185 dennoch. „Über 60 Prozent der Wertschöpfung rund um das GS185 entstehen in Deutschland. Dazu zählt zum Beispiel auch das äußere Design des Geräts und die Konzeption des Produkts, also, welche Funktionen es besitzen soll“ erklärt Jörg Wißing, Leiter Automatisierung bei Gigaset in Bocholt.

Ein vollständig in Deutschland gefertigtes Gerät ist aber utopisch. Beispielsweise bei Displays haben koreanische und japanische Herstellern die Nase uneinholbar vorn. „Ein 100-prozentiges Smartphone ‚made in Germany‘ wird es bis auf Weiteres nicht geben“, betont Jörg Wißing.

Gigaset Jörg Wißing
Gigaset-Smartphones sollen künftig mehr Komponenten aus eigenem Haus enthalten, Leiterplatten etwa. Eine 100-prozentige Fertigung ist dennoch nicht möglich, so Jörg Wißing von Gigaset.

Dennoch will Gigaset die Lücke verkleinern und den Anteil der Wertschöpfung auf 75 Prozent erhöhen. Denn Gigaset verfügt bereits über die Maschinen für die Kunststoff-Gehäuseschalen und für die grünen Leiterplatten. Noch sind diese zwar mit der Produktion für die DECT-Festnetztelefone ausgelastet, für die Smartphone-Fertigung aber bereits umgerüstet. Diese auch dort einzusetzen, wäre attraktiv. Weil die Anlagen soweit automatisiert sind, dass nur noch wenige Arbeitskräfte benötigt werden, kommt Gigaset eine Fertigung damit günstiger, als die Bauteile gegen Aufpreis bei Zulieferern einzukaufen und anliefern zu lassen.

Industrie 4.0: Roboter und Menschen arbeiten am Gigaset GS185 Hand in Hand

Einsteiger-Smartphones in Deutschland zu fertigen, rechnet sich für Gigaset, weil Roboterarme 60 Prozent der Aufgaben übernehmen. Dadurch kommt der Hersteller mit zehnmal weniger Arbeitskräften aus. „Wenn asiatische Auftragsfertiger 20 Menschen am Fließband benötigen, schaffen wir das in Bocholt mit zwei Beschäftigten“, erklärt Jörg Wißing.

Die Roboter übernehmen keinen Fertigungsschritt exklusiv, sondern arbeiten Hand in Hand mit den Beschäftigten. Es handelt sich nämlich um eine neue Generation „kollaborierender Roboter“, die kleiner, beweglicher und interaktiver sind. Sie müssen nicht in Glaskästen gesichert werden, wie ihre Vorgänger in der Festnetztelefon-Produktion.

Im Zusammenspiel erledigen Roboter stark standardisierte und sich wiederholende Tätigkeiten, die menschliche Mitarbeiter ermüden und langweilen würden. Stattdessen kümmern sich die Beschäftigten um komplexere Aufgaben. So greifen Roboterarme die Bauteile vom Vorratsstapel und halten sie in Position, damit die Beschäftigten sie montieren können. Auch die mechanische Qualitätskontrolle der Tasten und des Touch-Displays nimmt Kollege Roboter vor. Ein anderer Fall ist es, wenn die Schutzfolie vom Display zu entfernen oder Kabel in der Gehäuseschale zu montieren sind. Damit kommen menschliche Hände besser klar.

Gigaset Smartphone-Fertigung Bocholt
Diese kleine Fertigungsstrecke genügt für 2.000 Smartphones pro Woche, weil Mensch und Roboter zusammenarbeiten. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Teilweise fußt die Smartphone-Fertigung zudem auf Ansätze der Industrie 4.0. So müssen die Mitarbeiter bei einigen Teilschritten nicht eingreifen. Stattdessen kommunizieren die Roboter untereinander über das lokale Netzwerk (Internet of Things), um ihre Aufgaben auszuüben. An einer Station, in der die Bauteile mit bis zu 15 winzigen Schrauben fixiert werden, stimmen sich zwei Roboterarme autonom ab, wer welche Schraube aus dem Vorrat entnimmt. Eine Mitarbeiterin fügt das Smartphone lediglich in die Vorrichtung und entnimmt es wieder.

Trotz der Unterstützung durch Roboter behalten die Mitarbeiter die Oberhand. Sie durchlaufen mit dem Gigaset GS185 alle Fertigungsphasen und bestimmen den nächsten Schritt. Dadurch tragen sie mehr Verantwortung als bei monotoner Fließbandarbeit. 

Gigasets Smartphone-Produktion in Deutschland wird wohl kein Jobwunder

Zu Spitzenzeiten arbeiteten im Bocholter Werk 4.000 Menschen, heute sind es noch über 500. Die Smartphone-Fertigung ermöglicht, Arbeitsplätze zu erhalten, wird aber voraussichtlich keinen Jobwunder den Weg bereiten.

An der Fertigungsstrecke des Gigaset GS185 selbst sind acht Männer und Frauen tätig. Zudem verschafft die Smartphone-Produktion 30 weiteren Menschen in der Produktionstechnik, im Produktdesign, Vertrieb und Kundenservice Aufgaben. Das ist die Größenordnung für menschliche Beschäftigung, für die in einer stark automatisierten Produktion hierzulande noch Bedarf ist.

Gigaset Industrie 4.0 Roboterarme
Industrie 4.0. Diese beiden Roboterarme, die die die Smartphones verschrauben, stimmen sich autonom über das Netzwerk ab. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Dennoch stehen die Zeichen auf Wachstum. Die Fertigungsstrecke für das zweite Smartphone-Modell ist schon halb aufgebaut. Daneben bietet die Etage noch Platz für vier weitere Fertigungsstrecken. Mit der Massenproduktion aus vergangenen Jahrzehnten hat das natürlich nichts gemein.

Unser Werksbesuch bei Gigaset verdeutlich daher den neuen Charakter moderner Industrieproduktion. „Made in Germany“ ist im Bereich der Consumer Electronics wieder möglich und verschafft auch kleineren Technologie-Herstellern wie Gigaset Perspektiven im Weltmarkt. Genialer Einfallsreichtum von Erfinderunternehmen und der großflächige Einsatz von Fachkräften wie in vergangenen Zeiten sind dafür aber nicht verantwortlich. Stattdessen sind heute moderne, hochgradig digitalisierte und automatisierte Produktionsmethoden der Schlüssel zum Erfolg.

Das Gigaset-Smartphone bei Amazon (Provisions-Link)


Images by Berti Kolbow-Lehradt

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Destination Check: So war der ForgeRock Identity Live Summit in Berlin

London, Paris, Singapur, Sydney, Texas – und jetzt auch Berlin: Es geht hier nicht um den Tourplan der Nachfolgerin von Lady Gaga. Vielmehr geht es um Visionen: Die internationale Digitalkonferenz Identitiy Live Summit von ForgeRock, dem Plattformanbieter für digitales Identitätsmanagement, bietet jährlich neue Einblicke zum Thema Customer Identity und Access Management.

Vom 12. bis zum 13. Juni 2018 war eine internationale Speakerriege aus Führungskräften, Analysten, Vordenkern und Entwicklern in Berlin zu Gast und boten den gut 250 Besuchern ein spannendes und vielseitiges Programm. Das Thema Trust wird besonders in der Post-NSA-Ära immer wichtiger.

Erstmals wurde zudem am Folgetag nach den Speakerpanels auch ein sogenannter UnSummit abgehalten. Hier wurde der technische Aspekt deutlicher herausgearbeitet. Mit Hands-on-Demos und tiefergehende Workshops konnten sich Entwickler und Visionäre ein genaueres Bild machen. Wie arbeiten Firmen mit den Daten ihrer Kunden, wie kann man das Zusammenspiel mit den Devices verbessern und die Mitarbeiter einbinden? Wie sieht die Kundenidentität im Jahr 2018 aus? Auf welche Weise gewährleisten Entwickler und internationale Firmen Datensicherheit und wie werden vertrauensvolle Verhältnisse zwischen Kunde, Produkt und Firma aufgebaut?

Zu diesem Thema gab beispielsweise die BMW Group oder Steinberg Media Technologies spannende Ein- und Ausblicke zur digitalen Identität und wie diese in den kommenden 100 Jahren aussehen wird. Kurzgefasst: Es wird noch vernetzter und persönlicher. Ein weiteres Highlight stellte zudem der letzte Panel-Talk des Tages dar: Die Softwareentwicklerin Anna Rosling Rönnlund von der Gapminder Foundation stellte mit „Factfulness: Wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist“ ihr aktuelles Werk und damit eines der meistdiskutierten Themenblöcke des Jahres 2018 vor. Das Autorenteam rund um Röslund hält dem gefühlten Wissen um die Welt und die Gesellschaft knallharte Fakten entgegen, und versuchen so, den seit Kellyanne Conways berüchtigten „alternative facts“ mit wissenschaftlichen Methoden entgegenzutreten.

 

Zu diesen Themen haben wir von den Netzpiloten uns mit Hermann Wimmer getroffen. Wimmer, der einstige Senior Vice President for International Business, wurde im Februar 2018 zum Chief Revenue Officer (CRO) bei ForgeRock ernannt und stand uns in Berlin in einer Panel-Pause gern Rede und Antwort.

Netzpiloten: Wofür steht der Digital Identity Summit? Wieso ist es wichtig, hier dabei zu sein?

Hermann Wimmer: Das Event steht dafür, dass digitales Identitätsmanagement eine neue Bedeutung für die Unternehmen bekommt. Vor Jahren war das Thema stark securitylastig, heute wird es immer mehr ein Businessthema.

Wie sind deutsche Unternehmen hier aufgestellt? Was hat sich seit der DSGVO-Diskussion verändert und wohin geht der Trend?

Wo immer man sich einloggt, braucht man eine digitale Identity – bei der Bank, bei Medienunternehmen, wenn man etwas kaufen will. Das eigene Profil soll hier erkannt werden, um zum Beispiel eine funktionierende Transaktion durchzuführen. Aber was geschieht genau mit meinen Daten? Ich denke, jeder Kunde versteht, wenn die Firma die Daten so verwendet, dass sie den Service verbessern können. Ich glaube, dass sich das Verständnis für den Wert der eigenen Daten und die Möglichkeit des politischen Missbrauchs sich demnächst ändern wird – auch durch die Diskussion um die DSGVO. Man müsste, und das sage ich schon seit vielen Jahren, alle Services auch gegen Geld anbieten. Keine Dienstleistung ist umsonst, wir alle zahlen mit unseren Daten. Das klingt wie eine Binsenweisheit, aber es war auch lange ein gut funktionierendes Geschäftsmodell.

Kommt diese Diskussion nicht eigentlich viel zu spät? Hätte sie nicht schon vor mindestens zehn Jahren stattfinden müssen?

Damals gab es das Bewusstsein noch nicht. Ich bin seit über 20 Jahren im Daten- und Analytics-Geschäft, damals haben sich die Leute nicht damit beschäftigt. Und irgendwann zwischendurch ist das Thema aus den Diskussionen verschwunden. Ich glaube, die Begeisterung für die angebotenen Services hat hier überwogen. Jedoch haben viele Menschen nicht realisiert, was mit ihren Daten passiert. Ich glaube außerdem, dass die meisten Firmen anständig mit den Daten umgehen, es gibt nur ein paar Ausreißer. Es ist eine verunglückte Diskussion, dass unser Privacy-Gesetz angeblich geschäftsverhindernd ist. Das sehe ich nicht so. Ich glaube, wir werden in dieser Sache mit der Zeit eher einen Wettbewerbsvorteil erringen als einen Nachteil. Firmen, die nicht vertrauensvoll genug mit den Daten umgehen, werden vom Markt verschwinden, auch wenn sich das heute noch niemand so recht vorstellen kann.

Manche Firmen scheinen sich derzeit in Sachen Datensicherheit und Trustful Relationship alles erlauben zu können. Sie meinen, das geht nicht ewig so weiter?

Irgendwann ist ein Punkt erreicht, an dem das Maß überläuft und man sich nicht ein X-tes Mal für den selben Fehler entschuldigen kann. Das ist im Privatleben so und ich denke, im Geschäftsleben sieht das genau so aus. Wir haben auf dem Summit auch viel über Consent gesprochen, was nichts anderes bedeutet, als die Zustimmung für Unternehmen, die eigenen Daten auch zu sammeln und weiterzuverkaufen. Das ist in Ordnung und das bringt auch den Service weiter. Doch oft kann der Kunde nur ein einziges seitenlanges Dokument absegnen und hat dann keine Macht mehr über seine Daten oder ob die Ergebnisse für politische Zwecke genutzt werden. Das wird und muss sich in den kommenden Jahren stark ändern.

Brauchen wir hier also mehr politische Regulierungen?

Die Politik hat mit der DSGVO schon viel getan. Zusätzlich denke ich, dass intelligentes Management von Firmen, die selber langfristig denken, selbst noch strengere Regeln definieren werden als der Staat und diese Regeln auch klar kommunizieren. Das Bewusstsein für den Wert der eigenen Daten kommt erst langsam in den Köpfen an, wie wir auch in Umfragen wie der vom Economist sehen. Wir wollen mittlerweile unseren privaten Lebensraum in der digitalen Welt ähnlich schützen wie wir ihn in der analogen Welt. Schliesslich gehen wir auch nicht mehr „ins Internet“, als wäre das ein eigener Raum, sondern das Netz ist längst ein Bestandteil unseres Alltagslebens.

Die drei Kernpunkte für die Zukunft der digitalen Identität sind also: Vertrauen, funktionierende Sicherheitsstandards und einfach genug Zeit?

So in etwa. Die Sicherheitsstandards für Transaktionen müssen zunächst einmal je nach Situation angepasst werden. Ob ich nun beispielsweise meinem Sohn von meinem eigenen Device aus etwas Taschengeld überweise oder ob ich in einem anderen Land einer fremden Person einen großen Betrag zukommen lasse, ist etwas Anderes. Hier unterscheiden sich frictionless und high security. Diese Punkte müssen in der nächsten Zeit verschmelzen und das entsprechende Trust-Level bei unseren Kunden aufbauen.


Über ForgeRock:

Immer mehr Firmen übernehmen das Plattform-Konzept von ForgeRock als eigene digitale Identitätsstrategie, um Kundenkontakte und Sicherheitsregulierungen wie die DSGVO im Blick zu behalten. Sie alle tragen zum Gelingen des Internet of Things bei. ForgeRock ist bei der Entwicklung der Customer Identity von Firmen wie Vodafone, GEICO, Toyota oder TomTom beteiligt. ForgeRock managed auch Verwaltungseinheiten in Norwegen, Kanada oder Belgien. Hier geht es zu den Vorträgen des Identity Live Summit

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit ForgeRock


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • iOS 12 t3n: iOS 12: Apple will, dass ihr eure iPhones weniger nutzt: Ab Montag findet in San José, Kalifornien die Worldwide Developers Conference 2018 statt. Apple soll auf dem Event wohl in einer Keynote iOS 12 ankündigen. Mit dem Software-Update sollen iPhone-Nutzer dazu angehalten werden, ihre Smartphone-Nutzung besser unter Kontrolle zu halten. Das neue Feature wird sich darum drehen nicht mehr Zeit am Smartphone zu verbringen, sondern weniger und gezielter. Am Montag wird in der Keynote bekannt gegeben, welche Features bis zum Release noch erwartet werden können.

  • GAMES welt: Dürfen Androiden aus Notwehr Menschen töten?: Mit „Detroit: Become Human“ wurde jetzt das neuste Spiel des Entwicklers Quantic Dream veröffentlicht. In dem düsteren Setting des Spiels sind Androiden die Sklaven der Menschen – sie müssen die schweren und unangenehmen Arbeiten der Menschen verrichten. Das dystopische Game wirft fragen über die Zukunft von künstlichen Intelligenzen auf und trifft den Zeitgeist. Die ganze Review zum Game könnt ihr bei Welt.de nachlesen.

  • ARBEIT politik-digital: Mit dem Turing-Bus durch die Arbeitswelten der Zukunft: Alan Turing war einer der einflussreichsten Theoretiker der frühen Computerentwicklung und Informatik. Die Gesellschaft für Informatik e.V. hat ihr mobiles, digitales Bildungsprojekt nach dem Urvater des Computers benannt – der Turing-Bus. Das Bildungsangebot reist unter dem Motto „Arbeitswelten der Zukunft“ zu Schulen, Jugendclubs und lokalen Institutionen in kleine und mittelgroße Städte in Deutschland. Heute, am 1. Juni, wird die zweite Station Rangsdorf angesteuert.

  • DIGITALISIERUNG gründerszene: Warum die Hypo-Vereinsbank ihre Digital-Pläne zurückdreht: Die Hypovereinsbank stellt Innovationsprojekte ein. Einst wurde beispielsweise der Einstieg beim Finleap-Startup Moneymap hoch angepriesen. Diese Beteiligung wurde jetzt allerdings verkauft. Damit hat die HVB binnen kurzer Zeit ihre beiden offenbar einzigen direkten Fintech-Beteiligungen abgestoßen. Wie kann es sein, dass sich eine der wichtigsten deutschen Banken aus ihren Fintech-Beteiligungen zurückzieht – während die übrige Branche, darunter inzwischen auch die Deutsche Bank, in die entgegengesetzte Richtung steuert?

  • KI handelsblatt: Merkel will Deutschland für KI-Forscher flexibler machen: Viele Forscher im Bereich der Künstlichen Intelligenz verlassen Deutschland. Die Kanzlerin möchte den Trend aufhalten. In einer Diskussionsrunde mit dem portugiesischen Ministerpräsidenten Antonio Costa äußerte sich die Kanzlerin, dass Deutschland in Sachen Digitalisierung und Zukunftstechnologien flexibler und wettbewerbsfähiger werden soll.

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Neue Provinz: Forschungsprojekt CoWorkLand

Tobias Kremkau

Warum Neue Provinz? Die erste Ausgabe der neuen Kolumne erklärt die Titelwahl.


Ich glaube fest daran, dass Coworking Spaces auch auf dem Land funktionieren können. Genau genommen weiß ich es sogar, denn ich habe solche Coworking Spaces schon besucht und inzwischen von noch mehr gehört und gelesen. Vor fast drei Jahren besuchte ich auf einer Reise durch Frankreich die ersten Coworking Spaces im ländlichen Raum. Schon damals berichtete ich über diese Beobachtung auf Netzpiloten, genau wie in der ersten Ausgabe dieser Kolumne über die Entwicklung des ländlichen Raumes hin zu einer Neuen Provinz.

Inzwischen sind auch in Deutschland Coworking Spaces im ländlichen Raum entstanden. Das wohl berühmteste ist vermutlich das „Coconat“ bei Bad Belzig. Doch inzwischen gibt es allein in Brandenburg mit dem „Alte Schule“ in Letschin, dem „Havelprater“ in Briest und „Dein Arbeitszimmer“ in Finsterwalde weitere besuchenswerte Beispiele. Diese Entwicklung ist bundesweit zu beobachten: vom „Alter Heuboden“ in Felde im hohen Norden bis hin zum „Denkerhaus“ am Ammersee in Bayern gibt es schon Coworking Spaces auf dem Land.

Das Geschäftsmodell eines Coworking Spaces halte ich aber, mit der Erfahrung aus dem St. Oberholz, nur für sehr schwer auf dem Land umzusetzen. Die oben genannten Beispiele sind entweder mit einem städtischen Coworking Space und damit einer Community verbunden, an ein anderes Geschäftsmodell angeschlossen, wie zum Beispiel einer Agentur, oder solidarisch als Genossenschaft organisiert, oder durch staatliche Fördergelder unterstützt. Coworking klappt auf dem Land, aber kann das auch ein Coworking Space?

HBS-Forschungsprojekt in Schleswig-Holstein: CoWorkLand

Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein
Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein

Die Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein hat dazu mit „CoWorkLand“ ein sehr spannendes Forschungsprojekt initiiert, das letzte Woche in Gettorf, einer Gemeinde mit rund 6.700 Menschen zwischen Kiel und Eckernförde, startete. Vom 18. Mai bis zum 10. Juni wird die Böll-Stiftung den mobilen CoWorkLand-Space hier aufstellen. Dieser aus detailliert umgebauten Container bestehende Space bietet im Inneren Platz für 6-8 Arbeitsplätze und noch einmal 4 Arbeitsplätze auf der Terrasse. Danach zieht der CoWorkLand-Space weiter.

Bis zum 2. November wird der CoWorkLand-Space an 8 weiteren Standorten zum Einsatz gekommen sein und das Coworking-Konzept an wechselnden Umgebungen getestet haben. Dadurch werden Menschen, nach dem Pendlerhafen Gettorf, auch am Becken des Kreishafen Rendsburg, am Strand Grönwohld, am Strand Brasilien und dem Kieler Waterkant-Festival arbeiten, sowie auch landeinwärts an abgelegeneren Orten wie Schloss Bredeneek, dem Resthof Papenwohld, dem Gut Panker und dem Resthof Großharrie.

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Der Prototyp des CoWorkLand auf dem Waterkant 2017

Dadurch wird Coworking mit verschiedenen Thematiken wie Mobilität, Tourismus und Dritten Orten in einen Zusammenhang gebracht, der weit über die Klischees von im Berliner St. Oberholz am Rosenthaler Platz Kaffee trinkenden Startups hinausgeht. Es zeigt, dass ortsunabhängiges und selbstbestimmtes Arbeiten in Gemeinschaft ein stillbares Bedürfnis ist, das Menschen sowohl in der Stadt als auch auf dem Land teilen. Wie dies wirtschaftlich möglich ist und ob, wird uns das CoWorkLand-Projekt in den nächsten Monaten zeigen.

Wie kann Coworking auf dem Land klappen?

Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein
Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein

Das Forschungsprojekt „CoWorkLand“ der Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein kommt zu einer Zeit, in der das Thema Coworking, vor dem Kontext der Entwicklung des ländlichen Raumes, immer öfters diskutiert wird. Beinahe jeden Monat gibt es eine Konferenz oder Tagung dazu in Deutschland. Neben den bereits existierenden Coworking Spaces ist das Projekt hierzulande der erste von der Forschung begleitete Versuch, zu ergründen, wie Coworking Spaces auf dem Land funktionieren könnten. Und vor allem für wen.

Am 15. Juni wird es im Rahmen eines lokalen Startup-Festivals ein Rural Coworking Barcamp am Ammersee geben, zu dem u.a. praxiserfahrene Expert*innen wie Matthias Zeitler vom bulgarischen „Coworking Bansko“, Annika Sass vom „schreibtisch in prüm“ in der Eifel und Doris Schuppe vom „Rayaworx“ auf Mallorca zu Gast sein werden. Dies ist eine sehr gute Gelegenheit, sich dieses bisher kaum erforschte Thema im persönlichen Gespräch mit den Coworking-Pionieren in ländlichen Räumen einmal zu nähern.

Momentan ist viel in Bewegung. Die Politik fragt sich, wie können Orte im Rahmen der nationalen Entwicklungspolitik gefördert werden, Kommunen suchen neue Lösungen für leerstehende Gebäude und gegen die Landflucht der Jugend, während Unternehmen sich durch den Wandel der Arbeitswelt mit neuen Organisationsformen und Incentives für begehrte Talente auseinandersetzen. Zeitgleich passiert schon viel auf dem Land. Manchmal muss man sich nur aus der Stadt auf den Weg machen, beispielsweise in die Altmark.

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„Für Originalität muss man die Welt wahrnehmen“: Technikphilosoph Mads Pankow im Interview

Den Rückruf zum Interview über KI und Kreativität mit Mads Pankow bekomme ich auf einer kleinen Lichtung mitten im Teutoburger Wald. Der 33-jährige Technikphilosoph, Herausgeber und Politikberater sitzt an diesem sonnigen Dienstagnachmittag im Mai gut vorbereitet in seinem Berliner Büro – ihm liegen meine Fragen vor – ich habe immerhin Stift und Papier dabei. Es geht um KI und Kreativität. Dazu gehören das bisschen Bewusstsein, das Computern fehlt, poetisch interessante Ergebnisse, die sie trotzdem liefern und den Mensch als letztverantwortliche Instanz. Mads Pankow wird beim Kongress Mind the Progress eine Keynote zum Thema halten, wie originell die Technik ist. Der Kongress kümmert sich um Themen zu Kreativität und Digitalisierung und findet am 1. Juni in Hamburg statt. Im Anschluss wird auf einem Panel mit Branchenexperten über KI als kreativen Partner diskutiert. 

Lena Simonis (Netzpiloten): Man sagt, Not mache erfinderisch. Wie kann man sich das kreative Potential eines Algorithmus vorstellen, der zwar ein Problem löst, dazu aber nur definierte Schritte durchrechnet?

Mads Pankow: Klar, ein Algorithmus kennt keine Not. Er hat keine Absicht, keine Motivation. Sein einziger Antrieb sind unsere Anweisungen. Der Mut zu ungewöhnlichen Ansätzen und Kombinationen, aus denen sich die Kreativität derer schöpft, die in Not sind, kennt ein Algorithmus nicht. Aber ein Computer kann natürlich trotzdem mutig kombinieren, er weiß nur nicht was er da tut. Da gibt es etwa das All prior arts project: Hier rekombiniert eine Software Millionen von Patenten, aber bisher war keins davon brauchbar.

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Adrian Thompson ließ 1996 einen Algorithmus einen Schaltkreis zur Tonausgabe berechnen. Der Algorithmus kam nicht nur zu einem effektiveren Ergebnis, sondern auch zu einem originellen Lösungsansatz.

Spannend bei „problemlösenden“ Algorithmen sind evolutionäre Algorithmen. Das ist keine KI, aber schon in den 90ern haben Algorithmen nach dem Optimierungsprinzip eigene Schaltpläne entwickelt, die effizienter, aber für Menschen regelrecht unverständlich waren. Man könnte sagen, die Software hätte da etwas Originelles gemacht. Da werden nicht nur definierte Schritte durchgerechnet, sondern wirklich wild kombiniert. Das können Computer gut, weil sie viel, viel schneller sind als Menschen.

Es gibt inzwischen Programme, die bessere Sportmeldungen texten als mancher Redakteur – welche „kreativen“ Jobs können uns Maschinen demnächst noch abnehmen?

Naja, was heißt „bessere“ Sportmeldungen. Wenn sie nur Informationen enthalten, kann man nicht viel falsch machen: Das Spiel ging 7:1 aus, eine Demütigung. Fakten in Phrasen übersetzen ist wirklich nicht aufwändig. Die Frage ist hier nicht, ob die Maschine kreativ ist, sondern ob das, was wir als kreative Arbeit bezeichnen wirklich immer so originell ist, oder doch nur die Anwendung eingeübter Gestaltungs- und Stilregeln. Maschinen können gut Lösungen für Probleme finden, die Menschen nicht durchschauen. Aber sie wissen am Ende nicht, ob die Lösung in der Praxis taugt. Menschen müssen also nach wie vor die Ergebnisse prüfen, einen Realitätscheck machen und auch die Anweisungen und Aufträge so übersetzen, dass Maschinen sie verstehen.

Algorithmen haben also keine Wahrnehmung, sie können weder Mehrdeutigkeit, Intuition, noch Neugier; all die wichtigen Fähigkeiten für kreative Prozesse fehlen ihnen – noch?

Nein, also dieses nachgeschobene “noch“ können wir vorerst streichen. Wir haben keinen Hinweis darauf, dass sich mit digitaler Technik ein Bewusstsein ähnlich dem menschlichen realisieren ließe. Dafür braucht es Selbstbewusstsein, also die Beobachtung der eigenen Beobachtung, eine paradoxe Operation. Aber Paradoxien führen bei Computern zum Absturz, sie lassen sich formallogisch nicht abbilden. Da möchte ich also mindestens bis zur Funktionsfähigkeit von Quanten- oder Biocomputern entwarnen – und wann die mal laufen sollen, ist bisher völlig unabsehbar. Aber klar, viele Formen der Kreativität lassen sich simulieren: etwa Lösungsfindung durch Versuch und Irrtum, wie bei den evolutionären Algorithmen, oder Gestaltung nach Schema F, beziehungsweise gelernten Gestaltungsroutinen. Das sieht tatsächlich häufig besser aus als das, was Menschen so liefern.

Vor 100 Jahren schworen die Post-Impressionisten auf La fée verte. Sind Algorithmen sowas wie der neue Absinth der Kreativbranche, Inspiration und Mode?

Ja klar, Algorithmen können sehr inspirierend sein, weil sie außerhalb unserer eingeübten Denkstrukturen funktionieren. Sie rekombinieren und vermischen völlig ohne Absicht und Einsicht. Da kann durchaus Neues entstehen. Googles Mensch-KI-Kollaboration Deep Dream mit seinem digitalen Surreal-Impressionismus wäre ein Beispiel. Das verfolgt keinen Zweck und dient nur der Inspiration. In der Praxis wird uns die Software vor allem assistieren, indem sie beispielsweise Arrangements nach vorgegebenen oder erlernten Regeln vorschlägt und wir dann nachbessern oder aufbohren. Aber wie gesagt, da geht es vornehmlich um zweckmäßige gestalterische Tätigkeiten. Für die Kunst sind Algorithmen bisher nur Spielzeug, da hilft der gute alte Absinth doch deutlich mehr.

Wir müssen also nicht um unsere Jobs bangen?

Ich denke, die wenigsten Jobs werden durch KI ersetzt werden. In den meisten Fällen erleichtert die KI unsere Arbeit, assistiert uns, rechnet mit, schlägt vor und inspiriert. Aber nichts was KI bisher geliefert hat, hat aus sich heraus schon funktioniert, auch im Kreativbereich noch nicht. Am Ende war alles nur interessant, aber durchschnittlich, uninspiriert eben. Oder Menschen mussten die Ergebnisse nachjustieren, damit sie wirklich ästhetischen Wert hatte. Dennoch reichen ja manchmal auch durchschnittliche Leistungen. Nicht jede Zahnarzt-Homepage muss den Ansprüchen ästhetischen Genusses genügen, da tut‘s dann vielleicht auch die sich selbst erstellende Homepage von the grid.

Vielen Dank für das Interview Herr Pankow!


Images by Mads Pankow

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Das Ende des Börsenkapitalismus: Thomas Sattelberger über das Design von Ökologien

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Wer über Transformation redet, müsse sich auch selber ein Stück transformieren, so das Credo von Thomas Sattelberger in einer Paneldiskussion mit Heinrich Arnold, Chef der Telekom-Unternehmensberatung Detecon auf der Kölner Konferenz #NectAct2020.

Das gilt auch für die neue Phase des politisch Spätberufenen ehemaligen DAX-Vorstand, der mit Ende 60 in den Deutschen Bundestag eingezogen ist. Erste Erfahrung: „Das Politiksystem ist noch ein Stück hinterhältiger als das Konzernsystem“, so Sattelberger. Letztlich haben wohl alle großen Organisationen ihre Tücken – das gilt für Parteien, Fraktionen und auch Firmen.

Shenzhen in Deutschland

Das wichtigste Ziel von Sattelberger in den nächsten Jahren: Die Schaffung digitaler Sonderwirtschaftszonen. „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir Shenzhen in Deutschland brauchen. Der Fokus auf einzelne Startup-Unternehmen greift zu kurz.“

Das Gleiche gilt wohl auch für Hubs, Labs und sonstige kleinteilige Maßnahmen, um die Gründertätigkeit im digitalen Kontext in Schwung zu bringen. Nach den Zahlen der Kfw bewegen wir uns bei neuen Unternehmen von einem Negativrekord zum anderen. Und das liegt nicht nur an der guten Konjunktur.

„Wir brauchen kreative Ökologien, wo tradierte Firmen mit frischen und jungen Gründerinnen und Gründern zusammenkommen, wo Regelwerke im Arbeitsrecht, Baurecht und Verwaltungsrecht wegfallen, so dass man mit anderen Qualitäten auf der Grünen Wiese wieder Innovationen machen kann“, fordert Sattelberger.

Thermomix wiederholen?

Sollte man dabei dem amerikanischen Weg folgen, der global und zerstörerisch ausgerichtet sei, fragte Arnold in der Kölner Gesprächsrunde. Solle man dem chinesischen Modell folgen, der über Schutzmechanismen läuft? Oder gibt es einen europäischen Weg bei der digitalen Erweiterung des Existierenden? Könne man den Thermomix wiederholen, der eine Metamorphose hinlegte vom popligen Rührmixer zum cyber-physischen Alleskönner? Zur Zeit sieht es nicht danach aus.

„Das weltweit renommierteste Ranking, das des IMD in Lausanne, legt schonungslos offen: Bei Innovation fällt unser Land immer weiter zurück. Horst Seehofer würde sagen: Die Heimat bröckelt. 2014 lag die Innovationskraft dieser Heimat noch auf Platz 6 – heute auf Platz 13. Bei Digitalisierung gar auf Platz 17. Systematischer Sinkflug“, kritisiert Sattelberger. Deutschland laufe Gefahr, „bei Technologien wie Cloud Computing und Künstlicher Intelligenz massiv zurückzufallen“. Zudem hätten die USA und Japan bei den überlebenswichtigen transnationalen Patenten für Industrie 4.0 Deutschland abgehängt. „Im Exportanteil von Spitzentechnologie liegen Schweiz, USA, selbst Frankreich vorne. Deutschland hinkt inzwischen hinterher.“

Erfolgreiche Industrien aus der Kaiserzeit

Wir würden uns auf Industrien ausruhen, deren Ursprung in der Kaiserzeit liegt. Auch die Innovatorenquote im hochgelobten Mittelstand habe sich den vergangenen zehn Jahren fast halbiert. Dies gelte zwar nicht für die 1.600 Hidden Champions hierzulande. „Aber hunderttausende Mittelständler, oft Zulieferer im ländlichen Raum, leiden unter Fachkräftemangel, Digitalisierungsdefiziten, Investitionsschwäche“.

Immerhin bekenne sich die Große Koalition im Koalitionsvertrag zur Förderung von Sprunginnovation. Dies sei überfällig. Denn Deutschland laufe Gefahr, zur Werkbank des Silicon Valley zu verkümmern. 

Agentur für radikale Innovation

Sattelberger fordert eine Agentur für radikale Innovation, wie in der Schweiz, USA und China seit Jahrzehnten etabliert und innovative Freiheitszonen wie Sophia Antipolis in Südfrankreich: „Ich glaube an das Design von Ökologien. Es gibt wunderbare Untersuchungen, warum die Regionalförderung im Silicon Valley funktionierte und beim Projekt Route 128 scheiterte. Letzteres war vertikal und zentralistisch durchorganisiert. Es gab keine Kooperationen und keine Netzwerkstrukturen. Im Silicon Valley ist sind die Sprungkräfte über Netzwerk-Ökologien ausgelöst worden“, erläutert Sattelberger. Alles nachzulesen im Opus von Annalee Saxenian „Regional Advantage – Culture and Competition in Silicon Valley an Route 128“. [PDF]

Company Rebuilding vonnöten

Das von Detecon auf die Tagesordnung gebrachte Thema Company Rebuilding sei nicht nur für große Organisationen relevant. Das gelte auch für die mittelständisch geprägte Optikindustrie in Oldenburg, für die Feinmechanik im Schwarzwald oder für die Medizintechnik in Tuttlingen. Wenn diese Regionen sich nicht in kreative Ökologien weiterentwickeln, werden diese Unternehmen nicht überleben, meint der FDP-Politiker. Gefragt sei ein Talentmagnetismus, menschliche Begegnungsmöglichkeiten und nicht die einseitige Fixierung auf einzelne Unternehmen. Fragwürdig seien auch die Ausgründungen, die von Siemens und Bayer betrieben werden.

„Man bringt sie an die Börse und steuert sie nach der Quartalslogik des Finanzmarktes. Damit nimmt man diesen Firmen die Chance, exponentiell zu wachsen“, warnt Sattelberger. Persönlich ist er davon überzeugt, dass das Ende des Börsenkapitalismus eingeleitet sei. Wer ein junges Unternehmen an die Börse bringe, versündigt sich an der Gestaltungskraft dieses Unternehmens.

Das Notiz-Amt wartet gespannt auf die Sonderwirtschaftszonen und auf das Ende des Börsenkapitalismus :-)

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