All posts under mediathekentipp

Screen Radar: Zu viele Mutanten verderben den Brei

Watching a blank screen (adapted) (Image by Kenneth Lu [CC BY 2.0] via flickr)
Für die Netzpiloten stellt Arthur Avenue Kino-Neustarts vor und bespricht die wichtigsten Film-Themen. Dieses Mal mit einem Plädoyer für weniger Charaktere in Superhelden-Filmen, einer Dokumentation über die Aufnahmeprüfung zur Schauspielschule und Daniel Radcliffe als pupsende Leiche im ersten Trailer zu „Swiss Army Man“.   Neu im Kino Muss man sehen: [...]
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Videokolumne: Über queere Musik, Filmkunst und Edward Said

Kulturen (Bild: Screenshot, via Haus der Kulturen der Welt)
In der Videokolumne heute: Grenzüberschreitungen in der Popmusik, ein multimedialer Zugang zu einem streitbaren Intellektuellen und das Erzählen von Geschichten.// von Hannes Richter Der palästinensisch-amerikanische Intellektuelle Edward Said war eine kritische Stimme und hat mit seinem Hauptwerk Orientalism unseren heutigen Blick auf nach-koloniale Gesellschaften entscheidend geprägt. Die Materialien eines Symposiums [...]
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Videokolumne: Über Osterfilme, Kreuzberg und Jerusalem

In der Videokolumne geht es heute um Jerusalem, zu biblischen Zeiten und ganz aktuell. Dazu Schlingensief und ein einzigartiges Video-Archiv// von Hannes Richter Alle Nachrichtenbilder aus mehr als 70 Jahren per Mausklick durchforsten, historische Ereignisse im Wohnzimmer auf Knopfdruck: Im grandiosen Youtube-Kanal der British Pathé ist das möglich. Oft genug [...]
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Videokolumne vom 13. April

In der Videokolumne geht es heute um wahre und wahrhafte Geschichten. Von Menschen die am Rand der Gesellschaft leben und tanzen. Und von Barbara, die mit der DDR hadert.// von Hannes Richter In Deutschland keinen Aufenthaltsstatus zu haben, heißt täglich das Gesetz brechen. Die Abschlussklasse einer Medienschule geht dem Thema [...]
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Videokolumne vom 23. März

In der Videokolumne geht es heute um einen Rückblick auf die letzte Staffel Game of Thrones und ganz reale Machtspiele: in der Ukraine und im ehemaligen Jugoslawien.// von Hannes Richter Bald ist es soweit: die neue Staffel Game of Thrones beginnt. Wie kompliziert die Geschichte vom aufziehenden Winter ist, zeigt [...]
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Videokolumne vom 16. März

In der Videokolumne geht es heute um ein literarisches Meisterwerk, bloggende Frauen aus aller Welt und tolle Antworten auf virale Hits. // von Hannes Richter Ein Autor mit bosnischen Wurzeln schreibt über die deutsche Provinz, mit riesigem Erfolg. Auf der Leipziger Buchmesse plaudert er über die Entstehung seines neuen Buchs [...]
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Videokolumne: Über Frauen, Juri Gagarin, Berlin und Nordkorea

In der Videokolumne geht es heute um große Frauen, einen weitgereisten Mann, den bewegenden Bericht eines ehemaligen Häftlings aus Nordkorea und noch einen Berlin-Film. // von Hannes Richter Es war wieder Frauentag und hier sollen die Frauen vorgestellt werden, die ganz am Anfang standen: arte zeigt Dokus über Marie Curie [...]
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Videokolumne vom 2. März

Bildempfangsstörung (Bild Paulae [CC-BY-3.0], via Wikimedia Commons)
In der Videokolumne geht es heute um die bedrohte freie Kulturszene in den Innenstädten und animierte Filmkunst, passend zur kommenden Oscar-Nacht. // von Hannes Richter Schon wieder ein Schwerpunkt beim Film, so kurz nach der Berlinale. Aber immerhin steht die Oscar-Verleihung an und die New York Times hat vorab ein [...]
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Videokolumne vom 23. Februar 2014

Bildempfangsstörung (Bild Paulae [CC-BY-3.0], via Wikimedia Commons)
In der Videokolumne geht es heute um einen besonnenen Professor, eine quirlige Großstadtclique und brechende Gletscher. Am Ende fährt ein Hund Auto. // von Hannes Richter Wie geht die Gesellschaft mit Pädophilen um? Diese Frage wird wieder heiß diskutiert seit der Fall Edathy die politische Szene durcheinander gewirbelt hat. Mit [...]
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Videokolumne vom 16. Februar 2014

Bildempfangsstörung (Bild Paulae [CC-BY-3.0], via Wikimedia Commons)
In der Videokolumne geht es heute um Menschen, die ihren Vater suchen und einen blinden Jungen der die Liebe sucht. Antworten auf die großen Fragen der Menschheit scheinen die Kreationisten gefunden zu haben. // von Hannes Richter Wenn man erfährt, dass der eigene Vater nicht der biologische Vater ist, bricht [...]
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Videokolumne vom 9. Februar 2014

Bildempfangsstörung (Bild Paulae [CC-BY-3.0], via Wikimedia Commons)
In der Videokolumne geht es heut viel um Film: Lustige Pressekonferenzen auf der Berlinale und herzliche Oscar-Kurzfilme. Und die glamourösesten Momente im Sport: Die Olympia-Eröffnungen. // von Hannes Richter Diese Woche standen mit dem Beginn der Berlinale und den olympischen Winterspielen im russischen Sotchi gleich zwei Großereignisse an. Deshalb geht [...]
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Videokolumne vom 2. Februar 2014

Bildempfangsstörung (Bild Paulae [CC-BY-3.0], via Wikimedia Commons)
In der Videokolumne diese Woche: Das Medienmagazin ZAPP von zwei Seiten, die Macher des Guardians und das Leben des legendären Schriftstellers William S. Burroughs. // von Hannes Richter Es ist so eine Sache mit den Mediatheken und Videoplattformen: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – vieles ist überall [...]
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Videokolumne vom 19. Januar 2014

Bildempfangsstörung (Bild Paulae [CC-BY-3.0], via Wikimedia Commons)
In der Videokolumne diese Woche: NDR und SZ zeigen den Geheimen Krieg der USA (gegen wen eigentlich?), arte zeigt einen Nacktmull und Jean Genet zu viel für seine Zeit. // von Hannes Richter Es ist so eine Sache mit den Mediatheken und Videoplattformen: Für viele Digital Natives sind sie schon [...]
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Videokolumne vom 5. Januar 2014

In der ersten Videokolumne in diesem Jahr geht um die Godmother of Striptease, Intersexualität und Anders-sein sowie einen legendären Berliner Club. // von Hannes Richter

Es ist so eine Sache mit den Mediatheken und Videoplattformen: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – vieles ist überall abrufbar, manches aber nur auf Zeit: Gerade die öffentlich-rechtlichen Programme in den Mediatheken der Sender sind oft nach einer Woche wieder offline. Verlängertes Fernsehen statt digitales Archiv. Bevor sie verschwinden, fischt Hannes Richter die besten Perlen des TV-Vielfalt aus den Online-Archiven und präsentiert sie in seiner wöchentlichen Kolumne.

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Videokolumne vom 29. Dezember 2013

Bildempfangsstörung (Bild Paulae [CC-BY-3.0], via Wikimedia Commons)
In der Videokolumne gibt es heute ein persönliches Best-of aus sieben Monaten Videoempfehlungen, meine Highlights des Jahres 2013! Na gut, und noch eines extra… // von Hannes Richter Es ist so eine Sache mit den Mediatheken und Videoplattformen: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – vieles ist überall [...]
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Videokolumne vom 22. Dezember 2013

Bildempfangsstörung (Bild Paulae [CC-BY-3.0], via Wikimedia Commons)
In der Videokolumne geht heute um neue Helden, ganz normale Leute in der Straßenbahn, herausragende Animationsfilmkunst und eine neue Art Musikvideo //von Hannes Richter Es ist so eine Sache mit den Mediatheken und Videoplattformen: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – vieles ist überall abrufbar, manches aber nur [...]
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Videokolumne vom 15. Dezember 2013

Bildempfangsstörung (Bild Paulae [CC-BY-3.0], via Wikimedia Commons)
In der Videokolumne heute: Die Offenen Karten von Arte und Netzvideos in den Zeiten von Buzzfeed (mit Liste!) //von Hannes Richter Es ist so eine Sache mit den Mediatheken und Videoplattformen: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – vieles ist überall abrufbar, manches aber nur auf Zeit: Gerade [...]
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Videokolumne vom 1. Dezember 2013

Bildempfangsstörung (Bild Paulae [CC-BY-3.0], via Wikimedia Commons)
In der Videokolumne heute unter anderem: Ein Berliner Start-Up erobert das Silicon Valley und Gedanken zum modernen Journalismus. Dazu szenisch dargestellte Youtube-Kommentare (ja, genau das). //von Hannes Richter Es ist so eine Sache mit den Mediatheken und Videoplattformen: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – vieles ist überall [...]
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Videokolumne vom 17. November 2013

Bildempfangsstörung (Bild Paulae [CC-BY-3.0], via Wikimedia Commons)
Die neue Videokolumne: Heute mit spannenden Geschichtsdokus aus und über England und zwei Frauen, die das Land wie kaum andere prägten. Jede auf ihre Weise. //von Hannes Richter Es ist so eine Sache mit Videos im Netz: Fu?r viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – vieles ist u?berall abrufbar, [...]
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Mediathekenumschau vom 10. November

Bildempfangsstörung (Bild Paulae [CC-BY-3.0], via Wikimedia Commons)
In der Mediathekenumschau heute: Antisemitismus in Deutschland und das ZDF und der MDR fassen die ganz heißen Themen an.  // von Hannes Richter Es ist so eine Sache mit den Mediatheken: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – alles ist überall abrufbar. Doch nur auf Zeit: Gerade die öffentlich-rechtlichen Programme [...]
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CULTURE&VIDEO TIPPS vom 7. November

Heute bei Culture&Video: Stephen Fry bereist die Welt und stellt Fragen, Videokunst zeigt das wahre Leben und faszinierende Bilder aus einem nicht ganz so alten China. // von Hannes Richter     Culture&Video durchforstet das Netz nach bewegten Bildern, die bewegen. Dabei werden nicht nur der letzte virale Hype, neue Videos aus Kultur [...]
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Mediathekenumschau vom 27. Oktober

Bildempfangsstörung (Bild Paulae [CC-BY-3.0], via Wikimedia Commons)
In der Mediathekenumschau heute: Dokumentarfilme sind auch nicht das, was sie mal waren. // von Hannes Richter Es ist so eine Sache mit den Mediatheken: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – alles ist überall abrufbar. Doch nur auf Zeit: Gerade die öffentlich-rechtlichen Programme sind oft nach einer Woche wieder [...]
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CULTURE&VIDEO TIPPS vom 24. Oktober

Heute bei Culture&Video: Die ZEIT stellt die Karl-Marx-Allee vor, Banksy wird mit seinen eigenen Mitteln geschlagen und aus London weht Theaterluft durch’s Netz. // von Hannes Richter

 screenshot banksy  

Culture&Video durchforstet das Netz nach bewegten Bildern, die bewegen. Dabei werden nicht nur der letzte virale Hype, neue Videos aus Kultur und Musik oder gar ganze Spielfilme und Dokumentation vorgestellt. Auch der Kontext ist immer mit dabei. Mit Hintergrundinfos und interessanten Links, oft auch einem total subjektiven Kommentar präsentiert die Rubrik aktuelle Video-Highlights.

HINTER DEN KULLISSEN: 60 Minutes before curtain-up at the National Theatre

Noch eine Stunde bis zum Vorhang. Die Schauspieler kommen gerade an, man gönnt sich noch eine Zigarette oder ein Pläuschchen. Durch den kargen Hof des Londoner National Theatres hallen schon die ersten kehligen Laute der Kollegen, die sich einsingen. Nach und nach kommt Leben in die Garderoben und den verwinkelten Hinterbühnenkomplex des berühmtesten Theaters des englischsprachigen Raumes. Aus sechs Abenden mit unterschiedlichen Aufführungen hat sich die britische Dokumentarfilm-Regisseurin Pinny Grylls Material zusammengesammelt. Weil Starregisseur Mike Leigh von seinen Schauspielern verlangt, sich bereits eine Stunde vor der Vorstellung „in character“ zu begeben, taumelt Ruby Bentall schon als trauernde Rebellin Victoria (in Grief) über die Flure, während sich das ganze Ensemble von The Kitchen noch in Straßenklamotten bei einer letzten Probe auf der Bühne befindet. In dem nur 30 Minuten langen Film, der zum 50. Jubiläum des Theaters entstanden ist, verschwimmen die einzelnen Aufführungen zu einem chronologischen Kaleidoskop, unterbrochen vom Staccato der Aufrufe durch die Lautsprecheranlage. Ein für Laien einmaliger Blick ins Theaterleben – eine Stunde voller Humor und Anspannung ist vorbei, wenn für die Schauspieler der Vorhang aufgeht.

MULTIMEDIALES FEATURE: Das neue Leben der Stalinallee

Eine besondere Straße verdient ein besonderes Format: In einem umfangreichen Online-Feature stellt die Wochenzeitung ZEIT Geschichte und Gegenwart der Berliner Karl-Marx-Allee und ihrer Bewohner vor. „Nirgends zeigt sich der Umbruch Berlins klarer“ behauptet die Titelzeile und tatsächlich: Es ist ein weiter Weg von den Anfängen als sozialistische Prachtstraße bis zur coolen Studenten-WG. Aber das nicht an einen Kiez angebundene, sich feindlich zu seiner Nachbarschaft verhaltende Gebäudeensemble (so drückt es der Architekt Thomas M. Krüger in einer sehr sehenswerten fachlichen Analyse aus, das Video ist gespickt mit Archivmaterial und historischen Details über das Baugeschehen) hat noch nie in seine Zeit gepasst. Damals nicht, als der Zuckerbäckerstil so schnell aus der Mode kam, wie er importiert wurde, und heute erst recht nicht. Zu moderat die Mietpreissteigerungen, zu durchwachsen die Einwohnerstruktur, um ins klassische Gentrifizierungs-Klischée zu passen. Wer dort lange wohnt, der bleibt und wer dort hinzieht, setzt ein Statement. Welches, das ist nicht wichtig. Insofern ist Berlin doch wieder ganz bei sich, in der Karl-Marx-Allee.

MIT EIGENEN MITTELN: Coole Reaktion auf Banksy

Dass der wohl bekannteste Guerilla-Künstler unserer Tage, Street-Art-Idol Banksy, zur Zeit in New York sein Unwesen treibt, weiß inzwischen jedes Kind. Mit süßen Plüsch-Farm-Tieren im Viehtransporter hat er international Furore gemacht und sein Ronald McDonald, der sich von einem Straßenjungen die Schuhe putzen lässt, rief die Polizei auf den Plan. Doch das sind nur die auch hierzulande bekannt gewordenen Werke. Auf der offiziellen Seite seiner „Residency on the streets of New York“ finden sich fast täglich neue Bilder seiner Streifzüge. Es scheint, als würde Banksy gerade eine Art Gesamtkunstwerk an New Yorks Wände basteln. Wobei die Reaktion der Öffentlichkeit  nie lange auf sich warten lässt oder: „The city hits back“, wie es das Online-Magazin The Verge nennt. Sei es durch schnelle Übermalungen oder das Anbringen eines Plastikschutzes, um genau diese verhindern. Den coolsten Umgang mit den öffentlichkeitswirksamen Aktionen bewiesen drei andere Künstler. Kurz nachdem Banksy wiedermal auf allen Kanälen war, diesmal weil er am Straßenrand Original-Werke zu Spottpreisen verkaufen ließ, bauten sie einen ähnlichen Stand auf. Lief der Verkauf bei Banksys originalen nur schleppend, gingen die eindeutig als Fake deklarierten Werke nun weg wie warme Semmeln.


Image Screenshot, http://www.banksyny.com/2013/10/18/west-24th-street

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Mediathekenumschau vom 21. Oktober

Bildempfangsstörung (Bild Paulae [CC-BY-3.0], via Wikimedia Commons)
In der Mediathekenumschau heute: Der MDR feiert ein Schlachtfest, Leipzig macht sich und ein politischer Mord, der Italien veränderte. // von Hannes Richter      Es ist so eine Sache mit den Mediatheken: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – alles ist überall abrufbar. Doch nur auf Zeit: Gerade die [...]
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CULTURE&VIDEO TIPPS vom 17. Oktober

Culture&Video heute mit Berichten und Informationen über Menschen, die nach Deutschland kommen. // von Hannes Richter

EXTRA DREI: Die deutsche Asyl- und Flüchtlingspoltik

Lampedusa und der Berliner Hungerstreik, das Flüchtlungsthema kocht wieder hoch. Erfeulich zumindest, dass sich angesichts der katastrophalen Lage vor der italienischen Mittelmeerküste eine neue Sensibilität in der Bevölkerung breit zumachen scheint. Die mediale Schelte, die Innenminister Friedrich für seine Zahlenspielereien und Polemiken auf dem Rücken der Flüchtlinge abbekommt, ist jedenfalls enorm. Immer mehr Menschen scheinen sich für das Thema zu interessieren. Der etliche Male geteilte kleine Erklärbeitrag aus der Redaktion von Extra 3 zur deutschen Asylpolitik seit 1992 spricht jedenfalls dafür. Das es so nicht weitergehen kann, scheint sich rumzusprechen.

GUT ERKLÄRT: Im Berliner Flüchtlingscamp

Doch was passiert eigentlich genau? Eher für Jugendliche Zuschauer bereitet eine Folge des Trigger Crime Reports das Thema auf. Eine Reporterin besucht das Berliner Flüchtlingscamp. Hier zelten, von Behörden geduldet, Asylsuchende seit Oktober letzten Jahres. Sie harren auf dem Platz aus und fordern die Anerkennung als Flüchtlinge und damit Bleiberecht in Deutschland. Trigger Crime Report ist überhaupt ein interessantes neues Format. Ein vom Medienriesen UFA betriebener Youtube-Channel als eine Art monothematischer Mini-TV-Sender mit junger Zielgruppe. Dass das Flüchtlingsthema hier einen Platz findet verwundert anfangs, ist angesichts der Kriminalisierung der Menschen, die auf der Suche nach Hilfe und Schutz sind, aber nur folgerichtig.

NUR ZU BESUCH? Stippvisite im Flüchlingslager Zirndorf

Unter welchen Bedingungen Flüchtlinge und Asylsuchende in Deutschland leben, die im System drin stecken und in den meisten Fällen auf einen Bescheid über ihren Asylantrag warten (dies kann sich über Jahre hinziehen und fällt sehr häufig negativ aus), darüber dringt in den letzten Jahren auch immer mehr nach außen. TV-Magazine wie zum Beispiel die inzwischen eingestellte Jugendsendung on3 des Bayerischen Rundfunks zeigen Bilder von Lagern tief in der Provinz, in Orten wie Zirndorf oder Böbrach. Vier Männer teilen sich ein kleines Zimmer, sanitäre Anlagen verfallen und ganze Familien fahren mit dem Bus zur Tafel in die nächste Kleinstadt, weil das „Taschengeld“ nicht ausreicht. Im Brandenburgischen Luckenwalde begegnete eine Reporterin der Deutschen Welle aber auch dem kürzlich verstorbenen Rainer Höhn vom Arbeiter-Samariter-Bund, der sich für die Flüchtlinge engagiert hat. 

We say hello with skateboarding

Überhaupt: Helfen! Vor einigen Wochen machte dieses Video die Runde durch das Netz. Eine Gruppe Skater reagiert auf die fremdenfeindlichen Proteste gegen eine neue Flüchtlingsunterkunft im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf mit einem Besuch vor Ort, bringt Boards mit und sorgt für ein paar sorgenfreie Stunden auf dem Hof der ehemaligen Plattenbauschule. Und gute Laune beim Anschauen des kleinen viralen Hits.

Der Verein borderline europe (Träger des Aachener Friedenspreises 2012) kämpft gegen die Abschottungspolitik der EU, dokumentiert Menschenrechtsverletzungen an den Grenzen und unterstützt humanitäre Aktionen. Direkt zum Spendenkonto geht es hier. Die Aktivisten um die Facebook-Gruppe Hellersdorf hilft Asylbewerbern organisieren Hilfsaktionen für die Bewohner des umstrittenen Flüchtlingsheims in Marzahn-Hellersdorf und informieren über andere Möglichkeiten, sich zu engagieren.

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Mediathekenumschau vom 14. Oktober

Bildempfangsstörung (Bild Paulae [CC-BY-3.0], via Wikimedia Commons)
In der Mediathekenumschau heute: Erinnerungen an einen alten Mann aus dem Kiez und was die Nachbarn damit zu tun haben. Außerdem: Der lange Weg zur Staatsbürgerschaft und Erotik bei den Öffentlich-Rechtlichen. // von Hannes Richter Es ist so eine Sache mit den Mediatheken: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – [...]
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CULTURE&VIDEO TIPPS vom 10. Oktober

Culture&Video heute mit einer Nobelpreisträgerin, die sich zu wehren wusste, einer Opernaufzeichnung zum Verdi-Geburtstag und einem Hollywood-Regisseur, der es ein bisschen übertreibt. // von Hannes Richter

NOBELPREISTRÄGERIN: Alice Munro wehrt sich gegen Zensur (1979)

Die 83-jährige Kanadierin Alice Munro hat als 13. Frau den Nobelpreis für Literatur erhalten. Das Echo ist, erstaunlich einhellig, positiv. Ihre Kurzgeschichten spielen meist in der tiefsten kanadischen Provinz, starke Frauenfiguren brachten ihr den Ruf einer feministischen Autorin ein. Gegen Ende der 70er Jahre verschwand die Sammlung „Lives of Girls and Women“ vom Lehrplan der Schulen in Kanada. In seiner Reihe Digital Archives präsentiert der kanadische Sender CBC regelmäßig historische TV-Aufnahmen und erklärt den Kontext. In diesem Interview aus dem Jahr 1979 wehrt sich die heute ausgezeichnete Schriftstellerin gegen die engstirnigen Schulbehörden: „As soon as one step is taken, you have to start resisting“.

WAS SCHÖNES ZUM GEBURTSTAG: Verdis Aida in New York

Heute (oder gestern, so richtig einig ist man sich da nicht) ist der 200. Geburtstag von Giuseppe Verdi und damit der Höhepunkt des Verdi-Jahres 2013. Selbiges ist spannenderweise auch das Wagner-Jahr 2013, was die Zeit im November des letztes Jahres zu einer schönen Frage an allerlei Größen der Musikwelt inspiriert hat: „Verdi oder Wagner?“. Dem Laien fällt der Unterschied vor allem in der Art und Weise heutiger Inszenierungen auf. Während bei Wagner schon mal eine Gaskammer auf der Bühne steht oder gesichtlose Banker die Kanzlerinnenraute imitieren, geht es bei Verdi vor allem um Liebe und Verrat in schöner Kulisse, wie in dieser einmalig opulenten Repertoire-Inszenierung von Aida der New Yorker Met. In besagter Zeit-Befragung zitiert Nike Wagner den italienischen Dirigenten Toscanini: „Wären Tristan und Isolde italienischer Herkunft, hätten sie am Ende des zweiten Aktes sieben Kinder. Aber sie sind Deutsche, also diskutieren sie noch.“ Die Aufzeichnungen aus der New Yorker Metropolitan Opera gehören übrigens zu den schönsten und professionell anspruchsvollsten Bühnenübertragungen und sind auch regelmäßig in deutschen Kinos zu sehen. Arte zeigt zum Verdi-Jahr eine ganze Reihe Mitschnitte aus der ganzen Welt und überträgt zum Beispiel heute um 19:00 Uhr live die Oper Simon Boccanegra vom Opera Festival Szeged. Alles schön aufbereitet auf einer lesenswerten Themenseite: http://www.arte.tv/sites/de/verdi-de/

ZUVIEL DES GUTEN: Alle Lens-Flare-Effekte in Star Trek

Als wenn die Häme über die dünne Story nicht schon genug wäre. Jetzt muss sich J.J. Abrams auch noch Kritik an seinem Lieblingseffekt anhören. 721 sogenannten Lens Flares haben Fans im Star-Trek-Epos Into Darkness gezählt. Dabei handelt es sich um das kurze Aufscheinen eines Lichtsstrahls, wie es in der Natur häufig vorkommt, wenn beispielsweise ein Raumschiff mit Nebelscheinwerfern direkt an der Linse einer Kamera vorbeifliegt. Im Guardian hat sich Regisseur Abrams jetzt entschuldigt. In diesem vierminütigen Video sind potentiell alle Lens Flares zusammengeschnitten. Das faszinierende kleine Gimmick taugt auch prima als Inhaltsangabe und erspart den Kinobesuch.

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Mediathekenumschau vom 6. Oktober

Bildempfangsstörung (Bild Paulae [CC-BY-3.0], via Wikimedia Commons)
In der Mediathekenumschau heute: Ein verstörend guter Film aus der deutschen Theaterlandschaft, radioaktive Landschaften in Weißrussland und Lebensrealitäten am Rand der Gesellschaft. Oder etwa mitten drin? // von Hannes Richter Es ist so eine Sache mit den Mediatheken: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – alles ist überall abrufbar. Doch [...]
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CULTURE&VIDEO TIPPS vom 26. September

CULTURE&VIDEO stellt heute unter anderem ein tolles Projekt aus der Journalistenschule vor. Und in einem neuen Clip singt Madonna mal nicht. 

JUNGE JOURNALISTEN: Ungewöhnliche Interviews zur Bundestagswahl

In der Mediathekenumschau hatte ich vor kurzem schon auf die Radioprogramme der Öffentlich-Rechtlichen aufmerksam gemacht, die sich auch in den Mediatheken finden lassen und die auch ohne Bild kurzweilige Unterhaltung und Information liefern. Genau wie dieses Projekt der Evangelischen Journalistenschule. Studenten haben zur Bundestagswahl mit Menschen gesprochen, für die wählen nicht so einfach ist. Oder gar unmöglich, wie im Fall des 34-jährigen Tobias Lenze. Auf Grund seiner geistigen Behinderung begreife er nicht, worum es gehe, sagt das Gesetz. Er und seine Mutter sehen das anders. Und im Pflegeheim Bethseda in Berlin wird Demenzkranken beim wählen geholfen. Die kurzen Radio-Reportagen gehen Fragen nach, die das Wesen der Demokratie berühren. Ein guter Start für angehende Journalisten.

TOLLES FESTIVAL: Going Underground

Jeder Berliner kennt die kurzen Filmchen, die einmal im Jahr über die Bildschirme in den U-Bahn-Zügen laufen. Das Going-Underground-Festival ist weltweit einmalig (na gut, die U-Bahn von Seoul ist Partner des Projekts) und sorgt für kurzweilige Fahrten und so manchen Lacher. Im Internet lassen sich alle Filme sogar mit Ton anschauen, wobei das faszinierende an den durchweg gelungenen Shorts ist, dass sie auch ohne Ton und zwischen zwei Stationen im Stehen funktionieren.

FINALER HYPE: Im Writer’s Room von Breaking Bad

Es fühlt sich schon fast wie eine weltweite Hysterie an, was sich im Augenblick um das mit Spannung erwartete Finale der US-Serie Breaking Bad abspielt. Gewiss, die Serie spielt in einer Liga mit den Sopranos und The Wire. Aber damals war das Netz noch in den Kinderschuhen, der Serienwahn hatte noch keine globale Dimension. Von irren Fan-Versionen der Titelmelodie über Simpson-Gags (schon ein bisschen älter, aber ich musste es einfach nochmal erwähnen…) bis hin zur herrlich ironischen Bildanalyse ist alles dabei. Und auch die Schreiber um Creator und Showrunner Vince Gilligan tun ihr übriges um den Hype zu nähren. Sie geben Interviews (absolut empfehlenswert im Guardian und auf salon.com) und lassen sich auf die Finger schauen, wie in diesem Zeitrafferblick in den legendären Writer’s Room. Freilich ohne auch nur ein Fitzelchen vom Finale zu verraten. Nächsten Sonntag ist alles vorbei.

Radical Chick: Madonnas Secret Project Revolution

Ein bisschen wirr ist es schon, was die Mutter aller Pop-Provokationen da in einem neuen Kurzfilm erzählt. Es geht um Liebe und Revolution. Alles ist sehr politisch, aber da wo es tatsächlich mal konkret aus den Plattitüden durchschimmert, nimmt man ihr die Freiheitskämpferin nicht ab. Spaß macht es, wenn Madonna sich selbst veralbert. Anlehnend an Gil Scott-Herons Epos The Revolution will not be televised stellt sie in ihrem von Bittorrent unterstützten Video fest: „You won’t be able to download it.“ Den Link zum runterladen gibt es hier. Eine lesenswerte popkulturelle Einordnung findet sich im Slant Magazine. Das Werk sieht vor allem gut aus, dank ihres Freundes Steven Klein. Der mit Unterwäschebildern berühmte gewordene Fotograf hat die Ästhetik der 90er über die Jahrtausendwende gerettet, ist seitdem aber kaum mehr künstlerisch interessant in Erscheinung getreten. Zu Madonna passt er also wie die Faust auf’s Auge.

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Mediathekenumschau vom 23. September

Bildempfangsstörung (Bild Paulae [CC-BY-3.0], via Wikimedia Commons)
In seiner wöchentlichen Mediathekenumschau geht Hannes Richter den letzten 7 Tagen des online gespeicherten Medium Fernsehens auf den Grund. Heute mit Clips vom WDR, Arte und 3Sat. // von Hannes Richter Es ist so eine Sache mit den Mediatheken: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – alles ist [...]
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Mediathekenumschau vom 16. September

Es ist so eine Sache mit den Mediatheken: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – alles ist überall abrufbar. Doch nur auf Zeit: Gerade die öffentlich-rechtlichen Programme sind oft nach einer Woche wieder offline. Verlängertes Fernsehen statt digitales Archiv. Bevor sie verschwinden, fischen wir die besten Perlen aus der TV-Flut.

JUNGE MENSCHEN WÄHLEN: Ich will das sich das ändert!

1LIVE+++ Sendung vom 16. September: Auch Radio gibt’s in den Mediatheken. Und vom Hörspiel bis zur klassischen Reportage, wahrscheinlich sogar mehr als bei den üblich-bewegten Inhalten, geht auch hier so manches Hörenswertes unbemerkt über den Äther. Besonders die Jugendwellen der Öffentlich-rechtlichen bieten spannende Produktionen, die sich im Netz streamen oder als Podcast downloaden lassen. In der Reportage „Ich will, dass sich das ändert!“ (man beachte die bestimmte Aussage im Sendungstitel) auf 1LIVE befragt Nina Fricke junge Leute aus NRW über ihren Alltag und ihre Gedanken zur anstehenden Bundestagswahl: „Was sie nervt und was sich ändern sollte“. Alle Interviewten, so das Fazit der kurzweiligen Porträts, vereint die Einforderung von Anerkennung und Respekt durch Politik und Gesellschaft. Das lesbische Paar Vielca und Anna plant seine Hochzeit und sehen nicht ein, warum Kinder nicht dazu gehören dürfen. Bilal wurde in Deutschland geboren und hat vor kurzem einen lapidaren Brief vom Amt bekommen. Er versteht nicht, warum er sich für eine seiner beiden Staatsbürgerschaften – und damit ein Heimatland – entscheiden muss. 

MARC-UWE KLING: Neues vom Känguru

Fritz +++ bei den RadionFritzen (nachmittags): Das kommunistische Kanguru ist seine Erfindung. Und es gibt keinen anderen, der sich so etwas ausdenken könnte: das australische Beuteltier ist als Mitbewohner und Sparringpartner für den schludrigen Berliner aus Marc-Uwe Klings Texten so absurd, dass – hat man sich einmal darauf eingelassen – die Welt um das ungleiche Paar herum gar nicht mehr so verrückt erscheint. Und damit nicht so weit entfernt von unserer. Hier hängen zwar noch keine Motivationsplakate in der Gegend rum („Ich schwimm bis nach Birma – für meine Firma“). Doch wenn es mal soweit ist, wünscht man sich ein Känguru, das einen „Anti-Terror-Anschlag“ auf eben die Poster plant. Im Berliner Jugendradio Fritz liest Marc-Uwe Kling regelmäßig Neues vom Kanguru vor.

EIN ANDERES AMERIKA: Junge Schriftsteller und ihr Verhältnis zur Politik

Deutschlandradio Kultur +++ am 17. September, 19:30 Uhr und danach in der Mediathek: Der Korrespondent Matthias Kolb schreibt auf sueddeutsche.de aus den USA. Für Deutschlandradio Kultur spricht er am Dienstag Abend mit jungen Schriftstellern, die sich in die gesellschaftlichen Gräben des Obama-Amerikas begeben. „Die neuen, politischen U-40-Schriftsteller wissen, dass sie weniger bewirken können als Norman Mailer oder Gore Vidal in den sechziger Jahren.“, so der Journalist. „Trotzdem machen sie weiter – und arbeiten an dem Projekt, an dem der Präsident und Bestseller-Autor Barack Obama nach eigenen Aussagen gescheitert ist: Sie suchen nach neuen Storys, die ein ganzes Land zusammenhalten können.“

BALD VORBEI: Tagesschaum

WDR +++ Sendung vom 16. September, noch bis Freitag täglich: Ein bisschen Bewegtbild muss es in der Woche der Bundestagswahl aber schon noch sein. Und sei es nur der schelmig-wissenden Gesichtsausdrücke des Polit-Erkläronkels Friedrich Küppersbusch wegen. Und seine Wortspiele würden auch nur halb so schön rüber kommen, wenn zum Beispiel Philipp Röslers Weg-Ruf nach der verlorenen Landtagswahl in Bayern nicht mit der Ansprache Mel Gibsons in Braveheart unterlegt werden könnte. Tagesschaum geht in die letzte Runde. Von Beginn an war geplant, den kurzweiligen Kommentar zum Wahlkampf (inzwischen fünf Mal pro Woche im WDR und auf youtube) nur bis zur Wahl laufen zu lassen. Vielleicht hat Friedrich Küpeprsbusch aber auch wieder Blut geleckt. Dem deutschen Fernsehen wäre es zu wünschen.

 

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CULTURE&VIDEO TIPPS vom 13. September

GRÜNES TIERLEBEN: Böhmermann schlägt zurück

Die Vorgeschichte: Die Grünen produzieren einen Wahlspot, in dem der skurrile Ansager aus der Talkshow Roche & Böhmermann, William Cohen, einen Tierforscher spielt. Mit der bekannten Stimme charakterisiert er die Gemeine Hausschnecke, meint aber eigentlich – hahaha – die Politiker der schwarz-gelben Koaltion. Schon vor drei  Wochen habe ich mich an dieser Stelle über die Einfallslosigkeit und Berechnung des Spots geärgert. Womt ich nicht gerechnet habe: Jan Böhmermann schlägt zurück. In einer (zugegeben, ein bisschen anstrengend inszenierten) Terrorvideo-Persiflage kündigt er die „Wiederherstellung der parteipolitischen Neutralität William Cohens“ an, während der Sprecher selbst im Hintergrund schluchzt. Dafür wurde ein neuer Spot gedreht und in fünf Versionen jeweils mit den Logos anderer Parteien versehen. Der Forscher alias William Cohen beschreibt nun die „gemeine Filzlaus, besser bekannt als grüne Sackratte“ (die einzelnen Spots gibt es hier, hier, hier, hier und hier). Wem das zu kompliziert, der kann alles nochmal im ehrlich wütenden Brief Böhmermanns an „das Internet“ unter dem Video nachlesen. Fakt ist: Besser kann man „Wer anderen eine Grube gräbt…“ nicht umsetzen. Böhmermann gelingt ein einzigartiger Fernsehstreich.

BERICHT AUF GROSSER BÜHNE: Die Geschichte meiner Geisteskrankheit

Wer auf einer TED-Konferenz redet, spricht nicht nur das Publikum im Saal an. Manche Aufzeichnungen sind virale Hits geworden, seit die Organisatoren der berühmten Wissenschaftsmeetings angefangen haben, die Vorträge auf Ihre Webseite zu stellen. Inzwischen ist die Präsentation im Netz Teil des Konzepts und die Marke TED ein großer Gewinner, wenn Momente wie dieser geschehen. Die Rechtswissenschaftlerin Elyn Saks erzählt von ihren eigenen Erfahrungen mit Schizophrenie. Das ist lehrreich und bewegend für alle, in deren Leben die Krankheit keine Rolle spielt. Und ein Segen für die Betroffenen.

BEZAUBERND: What is Love?

Die Liebe hat bei einem TED-Symposium bestimmt auch schonmal eine Rolle gespielt. Doch auch wenn die Annährung der Wissenschaft an populäre Felder dort offensichtlich zum guten Ton gehört, am Besten ist das Thema da aufgehoben, wo es hingehört: in die Kunst. Wie anders ist es zu schaffen, Elend und Gloria der zwischenmenschlichen Begegnung in drei Minuten zu erzählen. Bitte anschnallen.

ERSCHRECKEND: MAN

Der kurze Comic-Clip, ob es um Liebe oder die Umwelt geht, ist ohne das Internet kaum vorstellbar. Auf der Plattform für Filmemacher Vimeo, vielmehr noch als zum Beispiel bei Youtube, finden sich Unmengen an meist lustigen kleinen Filmchen. Viele davon mit einer Aussage. Wie dieser hier: Die Geschichte der Menschheit und ihrer Beziehung zur Umwelt. Ähnlich wie bei dem Liebes-Video fliegt die Zeit am Zuschauer vorbei, eine Stufe der Zerstörung unseres Lebensraumes durch ein kleines Comic-Männchen (das sind wir) nach der anderen. Traurig.

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Mediathekenumschau vom 08. September

Es ist so eine Sache mit den Mediatheken: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – alles ist überall abrufbar. Doch nur auf Zeit: Gerade die öffentlich-rechtlichen Programme sind oft nach einer Woche wieder offline. Verlängertes Fernsehen statt digitales Archiv. Bevor sie verschwinden, fischen wir die besten Perlen aus der TV-Flut.

MENSCHEN ZUR WAHL: Volksvertreter

3Sat +++ Sendung vom 4. September: Politik mal mit den Mitteln des Dokumentarfilms gezeigt. Das heißt, ohne schnelle Schnitte, mit Zeit zum Nachdenken und Beobachten und, zumindest wirkt es so, ohne dass jedes Wort in PR-Gold abgewogen wird und der politische Gegner einen Strick drehen kann. Siegfried Ressel stellt fünf Bundestagsabgeordnete bei ihrer täglichen Arbeit in Berlin und in ihrem Wahlkreis vor. So entschleunigt zeigt der Film ohne Off-Kommentar, dass Politiker auch Menschen sind. Was abgedroschen klingt wirkt wie Balsam, zum Beispiel wenn die FDP-Abgeordnete Sylvia Canel im Zug von Männer- und Frauensprache spricht und dabei ehrlicher wirkt, als die mächtigen Frauen in Kanzleramt und Ministerien. Die Einzelinterviews – ein toller Einfall der 3Sat-Redaktion – sind übrigens in der Mediathek auch in langer Form abrufbar.

AUCH DABEI: Die Wahl der Migranten

zdf kultur +++ Forum am Freitag +++ Sendung vom 6. September, weitere Folgen: Ganz andere Form, ähnlicher Inhalt. Obwohl, wie ähnlich sind Bundestagskandidatinnen und -kandidaten mit eigentlich ihren Konkurrenten ohne Migrationshintergrund ? Die lockere und distanzlose Caféatmosphäre wie beim Interview mit der SPD-Abgeordneten Aydan Özoguz und der erklärende Off-Ton nerven ab und zu ein wenig, aber auch hier gibt es die Möglichkeit, eine sonst wenig beachtete Form Poltiker kennenzulernen. 5,8 Millionen Wahlberechtigten mit Migrationshintergrund stehen übrigens sieben Millionen Menschen in Deutschland gegenüber, die auf Grund fehlender Staatsangehörigkeit gar nicht erst wählen dürfen. Viele von ihnen zahlen Steuern und sind bestens integriert, wie die Kommentatorin der Berliner Zeitung, Mely Kiyak, empört feststellt. Der Frage nach der demokratischen Teilhabe dieser Menschen müssen sich die bisher befragten Kandidaten in der Sendung nicht stellen. 

MODERNE REPORTER: Deals mit Waffen

zdf kultur +++ VICE-Reports +++ Sendung vom 6. September: Beängstigend, die Neue Welt, in die einen die Investigativ-Hipster der VICE-Reports ziehen. Sie besuchen Waffenmessen und stellen verschwiegenen Einkäufern und gesprächigen „Drone-Dealern“ nach. Wie schon bei den anderen Reportagen über Designer-Drogen oder Massentierhaltung zeichnet sich das Format durch einen erfrischenden Hands-on-Journalismus aus, der mit reichlich Chuzpe daher kommt. Geschickt verwebt die Produktion auch immer mehr deutsche Beiträge in die Sendereihe, die sich auch aus dem für ein internationales Publikum gemachten Material vom Youtube-Kanal des VICE-Magazines bedient. Das ehemalige Skater-Label operiert inzwischen weltweit mit einem sehr profitablen Kultstatus. Die Partnerschaft tut dem ZDF gut, auch wenn das Mutterhaus aus den USA inzwischen einiger Kritik ausgesetzt ist, besonders nach dem Einstieg des Murdoch-Imperiums vor wenigen Wochen.

AUFNAHMEZUSTAND: Dillon

3Sat +++ Sendung vom 5. September: 

Die junge Musikerin Dillon aus einer deutsch-brasilianischen Familie klingt schön. Die Musik an sich – Dillon verwebt ihre kindliche Ausnahmestimme mit zauberhaft leisen elektronischen Arrangements – ist schon ausreichend, um in diese Studioaufnahme reinzuhören. Doch es geht hier auch um mehr: Die Produktionen aus dem Berliner „Funkhaus der DDR“ gehören zu dem besten, was man im Musikfernsehbereich zur Zeit geboten bekommt. Die wunderschön geschnittenen Darbietungen im Tonstudio schaffen eine besondere Atmosphäre, ganz anders, als es eine Konzertaufnahme vermag. Hinzu kommen kurze Interviewsrecken und zauberhafte Situationen, die sich quasi während der Arbeit im Studio ergeben. Schön gemacht. Auch die Auswahl der eingeladenen Künstler zeugt von Geschmack: Von Boy über CocoRosie bis Little Dragon sind tolle Indie-Perlen dabei.

 

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CULTURE&VIDEO TIPPS vom 05. September

Culture&Video heute mit einer überfälligen Erklärung, zur Abwechslung mal Literatur und zwei Geburtstagen.

VIRALES MISSVERSTÄNDNIS: I Forgot My Phone

Jede Woche auf’s Neue stellt sich die Frage, ob ein tolles Video neu genug ist. Worüber ich selbst seit Montag lache oder nachdenke, hat bestimmt auch schon seinen Weg auf andere Monitore oder in andere Mittagspausen gefunden. Auch das Video mit einer jungen Frau ohne Handy hat die Runde gemacht. Sie beobachtet, wie alle Menschen in ihrer Umgebung lieber mit ihren Telefonen kommunizieren, Bilder machen oder Videos aufnehmen, als mit ihr zu reden. Niemand nimmt wahr, was um ihn herum passiert. Das Mädchen sieht irgendwie unglücklich darüber aus und eine ganze Online-Welt paternalistischer Besserwisser stimmt das Klagelied auf die modernen Zeiten an (bis heute fast 20 Mio. Abrufe). Dabei scheint niemandem der Titel des Videos aufzufallen: I Forgot My Phone. Und auf einmal sieht der Clip anders aus: Hätte die hübsche Hauptdarstellerin ihr Telefon nicht liegen gelassen, würde sie dazu gehören. Vielleicht ist sie gar so traurig und genervt, weil sie jetzt gerade gern ein Foto geschossen oder ihren Status upgedated hätte. Interessante Gespräche scheint es in ihrem Freundeskreis ja nicht zu geben.

DOKU AUF DEM LITERATURFESTIVAL: Erlesene Welt

Vom 4. bis zum 15. September findet in Berlin das 13. internationale literaturfestival statt. Es hat seit langer Zeit schon den Ruf, mehr ein Forum für Gespräche oder zum Kennenlernen interessanter Autoren zu sein als eine Leistungsschau des Literaturbetriebs wie die Buchmessen in Frankfurt und Leipzig. Auch Filme werden im Rahmen des Festivals gezeigt: Die liebenswerte Dokumentation Erlesene Welt stellt drei besondere Menschen vor, die in Umzugskartons, auf Booten und Kamelen Bücher zu den entlegensten Winkeln der Welt bringen. arte zeigt den Film der Grimme-Preisträgerin Elisabeth Schwehm am 13. Oktober. Mitternachtskinder nach einer Vorlage von Salman Rushdie ist ebenfalls auf dem Festival zu sehen. Der weiltweit gefeierte Autor wird in einem Gespräch mit Eva Mattes auch seine vor Kurzem erschienene Autobiografie Joseph Anton vorstellen.

LORIOT: Skat

Gestern hatte Skat Geburtstag. Jedenfalls wurde der Begriff erstmals am 4. September 1813 erwähnt. Gut, dass es Tage gibt, an denen man nicht lange nach einem Grund suchen muss, um einen Sketch von Loriot anzuschauen.

I WANT TO BREAK FREE

Und noch ein Geburtstag: Heute vor 67 Jahren wurde Freddie Mercury in Sansibar geboren. Zwei gut gemachte Dokumentarfilme gibt es über das Leben des großen Künstlers. Queen aus dem Jahr 2009 ist eine solide arte-Dokumentation, lohnt sich aber vor allem wegen der ersten 30 Sekunden: Ringo Starr ein bisschen Off-Topic. Freddie Mercury: The Great Pretender hat Furore gemacht (hier leider mit französischen Untertiteln bei Myvideo und hier auf DVD erhältlich) . Die Dokumentation aus dem letzten Jahr enthält jede Menge neues Material: Schnipselchen der Kollaberationen mit Rod Stewart oder Michael Jackson und viele bisher unentdeckte Aufnahmen. Auf seinem 39 Geburtstag ging es im legendären „Travestie-Lokal Mrs. Henderson’s“ heiß her, auch die Outtakes zum Videodreh von I Want To Break Free sind köstlich. Die BBC-Doku hat keine Scheu vor der Schwulenikone Mercury, unerlässlich für ein ehrliches Porträt des 1991 an den Folgen von AIDS gestorbenen Sängers.

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Mediathekenumschau vom 02. September

Es ist so eine Sache mit den Mediatheken: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – alles ist überall abrufbar. Doch nur auf Zeit: Gerade die öffentlich-rechtlichen Programme sind oft nach einer Woche wieder offline. Verlängertes Fernsehen statt digitales Archiv. Bevor sie verschwinden, fischen wir die besten Perlen aus der TV-Flut.

SCHICKSALSSTUNDE: Der Kanzlersturz

3Sat +++ Sendung vom 22. August: In Zeiten, in denen Stefan Raab das TV-Duell gewinnt und nicht mal ein drohender Krieg oder die Ausspähung der Welt durch Verbündete Pfeffer in den Wahlkampf bringen kann, wirken die Machtkämpfe der alten Bundesrepublik nahezu erfrischend. In der Dokumentation Der Kanzlersturz erzählen Zeitzeugen, wie vor 31 Jahren ein Polterer aus der Provinz mit Tricks und Chuzpe (und der Hilfe der untreuen FDP) an die Macht kam. Der selbe Kanzler, der später mit seiner Aussitzpolitik die letzten Jahre der Bonner Republik sedierte. Von ihm hat Angela Merkel viel gelernt.

PORTRÄTS: Drei Deutsche – Ein Beruf

RTL +++ SPIEGEL TV +++ Sendung vom 1. September: Mit Helmut Kohl beginnt auch die Spiegel-TV-Ausgabe vom Duell-Wochenende. Das Magazin versucht sich seit jeher an der Mischung aus Boulevardthemen und ernsthaftem Journalismus, was manchmal mehr und manchmal weniger gelingt. Über die Jahre ist allerdings ein beachtliches Archiv zusammen gekommen. Spiegel-TV ist immer dann sehenswert, wenn es daraus schöpfen kann. Drei Lebensläufe im Zeitraffer.

SEHENSWERT GESCHEITERT: Ein Apartment in Berlin

3Sat +++ Sendung vom 31. August: Viele junge Israelis zieht es nach Berlin, wo nur noch wenig zu sehen ist von dem einstigen Zentrum jüdischen Lebens in Mitteleuropa. In ihrer Dokumentation konfrontiert die Filmemacherin Alice Agneskirchner drei junge Erwachsene mit dem Alltagsleben einer jüdischen Familie, die vor der Deportation in Prenzlauer Berg wohnte. Anhand von Listen, auf denen die damaligen Bewohner ihre Einrichtungsgegenstände vermerken mussten, sollen die Protagonisten die Wohnung der Familie rekonstruieren. Die Versuchsanordnung scheitert. Nach wenigen Tagen fühlen sich die Yael, Yoav und Eyal von dem verkopften Konzept verschaukelt, eine Art metaphysische Parallele lässt sich mit den Mitteln der eher aus dem Privatfernsehen bekannten Dokusoaps nicht erzwingen. Doch im Scheitern des Konzeptes erreicht der Film etwas ganz anderes: „Es ist ein Film über das Leben in Berlin geworden. Das dreier junger Israelis. Und das der Familie Adler.“ So schreibt es die Tagesspiegel-Autorin Verena Mayer in einem langen, sehr anschaulichen Artikel, der unbedingt vor oder nach dem Film gelesen werden sollte. Man lernt trotzdem viel: Zum Beispiel, wie es ist, mit einer Naziuniform durch Berlin zu laufen. Oder was junge Menschen in Israel überhaupt noch zu tun haben wollen mit dem Schicksal ihrer Großeltern. Und über die Anmaßung einer deutschen Filmemacherin, die ein erzwungenes Konzept über ihre Protagonisten stellt und damit – man muss es sagen – ihrerseits ein deutsches Klischee erfüllt. Sie wird eines Besseren belehrt und beweist Größe, indem sie am Ende die Menschen und damit die Geschichte für sich sprechen lässt.

URKOMSICH: Alte Schachteln

arte +++ laufende Reihe: Manchmal braucht es nur ein einfaches Rezept, um aus Fernsehen und Internet das Beste rauszuholen. Im Hauptprogramm als lockere Pausenfüller eingestreut, sind diese kleinen Clips in der Mediathek eine schöne Abwechslung im grauen Büroalltag. Warum sich nicht mal zwischendurch von alten Damen einen schmutzigen Witz erzählen lassen? Die Französinnen sitzen dabei so sympathisch und ein bisschen aufgeregt auf ihrer Couch, dass es richtig heimelig wird und man eigentlich nach der Pointe schockiert einen großen Schluck Pastis nehmen möchte. Oder schnell in die Kantine zu den Kollegen rennen.

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CULTURE&VIDEO TIPPS vom 29. August

Culture&Video heute unter anderem mit einem zuckersüßen Coming Out und einer Kampagne, die möglichst viele nach draußen (nämlich auf die Straße) bringen möchte.

COMING-OUT EINES YOUTUBE-STARS: Are you gay?

2008 startete der damals 15-jährige Lucas Cruikshank seinen Höhenflug zum Youtube-Superstar. 2008? Das ist lange her, Youtube war erst drei Jahre alt, der Gangnam-Style noch vier jahre in der Zukunft. Und eine Clipserie mit einem kleinen Jungen mit fiespsiger Stimme, der sich durch den schwierigen Alltag in einer sozial angeschlagener Familie kämpft, sorgte für den ersten Youtube-Kanal mit mehr als einer Million Abonnenten. Hauptfigur Fred Figglehorn ist hierzulande kaum jemandem bekannt. In den USA aber hat es Lucas Cruikshanks Alter Ego zu einer Serie beim “richtigen Fernsehen”, dem Kinderkanal Nickleodeon, und mehreren Filmen gebracht. Seit einiger Zeit videobloggt Cruikshank mit seiner besten Freundin vom Bett aus und beantwortet, ebenfalls millionenfach geklickt, Zuschauerfragen. Vor kurzem antwortet er auf die wohl recht häufig auftretende Frage, ob er schwul sei, mit einem kurzen “Ja”.

GUTE IDEE GEGEN KLIMALEUGNER: Climate Name Change

Er gehört zu den USA-Klischees: der immer größer werdende Einfluss rechts-konservativer Poltiker, die mit abstrusen Forderungen (doppelte Elektrozäune an der mexikanischen Grenze!) oder pseudo-wissenschaftlichen Theorien von sich reden machen. So behauptete der republikanische  Kongress-Abgeordnete Tod Akin einst, der Körper der Frau würde bei ener Vergewaltigung automatisch auf unfruchtbar schalten. Er begründete damit seine konsequente Ablehnung von Abtreibungen. Oft wird übersehen, dass es in den USA auch viele, gerade junge Menschen, gibt, die sich den Irren medial entgegenstellen, sei es durch ein öffentlichkeitswirksames Coming-Out auf Youtube oder diese schöne Idee: Künftig sollten Naturkatastrophen nach den bekanntesten Klimawandel-Skeptikern benannt werden. Was kann denn Sandy Mustermann dafür, wenn ihr Name mit Verwüstung und Chaos verbunden ist? Wäre es nicht schöner, man wüsste sofort, wem man den ganzen Schlamassel zu verdanken hat?

ALLTAGSLEBEN VOM PLATTENTELLER: Record

Menschen hören Musik zu unterschiedlichsten Orten und Gelegenheiten. Das ist jetzt erstmal nix neues. Eine neue Pesepktive auf unterschiedliche Musikgewohnheiten zeigt dieser Beitrag zu einem Wettbewerb der Lincoln Motor Company. Aus der kreisenden Sicht eines Plattentellers (Achtung: Drehwurm!) sind unterschiedlichste private Musikhör-Situationen zu sehen. Wunderschön.

Enough is Enough – Open Your Mouth

Über die amerikanische Art, sich im Internet zu präsentieren und Kampagnen zu organsieren haben wir ja schon gesprochen. Viel davon abgeschaut haben sich die Organisatoren der Demonstration gegen das scheußliche russische Homopropaganda-Gesetz am kommenden Samstag in Berlin. In ihrem Spot appelieren schnell hintereinander geschnittene Prominente abwechselnd mit Menschen von der Straße an das Einfühlungsvermögen der Zuschauer, verdammen Putins Politik und rufen zum Protest auf. Das macht Eindruck und sorgt hoffentlich für eine Menge Zulauf.
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CULTURE&VIDEO TIPPS vom 23. August

Culture&Video heute mit den Parteien zur Wahl, einer flinken Rasur und dem saloppen Umgang mit Geschichte.

BEWEGTER WAHLKAMPF

Alle vier Jahre sorgen sie für Belustigung. Die Wahlwerbespots der Parteien sind ab und zu absichtlich, meistens unfreiwillig und noch öfter gar nicht lustig. Die Grünen versuchen sich an Satire, kommen aber nicht weit. Zu vorhersehbar die Metapher mit der Schnecke, zu kalkuliert der Aufschrei (in den Kommentaren sprechen einige von einem voll nazimäßigen Vergleich von Mensch und Tier). Das Rednerpult der SPD dagegen hat das Zeug zum Web-Maskottchen, es steht im Garten, auf dem Campingplatz und in der Werkstatt. Nur, wenn es da steht, wo es eigentlich hingehört, vor dem Kanzlerkandidaten, wird alles ein bisschen dröge. Viel Spott bekommt auch die Kanzlerin ab. Mit moderner Wackelkamera und in Heldenpose erzählt sie, was sie möchte, für unser Land. Die Partei dahinter (die ja auf dem Wahlzettel steht) kommt nicht wirklich vor. Vielleicht hätte sie doch besser Marmelade kochen sollen?

NACHTRAG: Der „Hamburger Wahlbeobachter“ hat hier ein paar weitere Perlen des Video-Wahlkampfs zusammen getragen. Darin eine lustig gemeinte Parodie der Jungen Liberalen Thüringens auf die Marmeladen-Kandidatin und der Wahlkampfsong des Harzer SPD-Kandidaten Marco Hening. Das selbstgetextete Lied, vorgetragen in leicht leierndem Disco-Fox,  hat das Zeug zum Klassiker, im Video dreht sich eine silberne CGI-Platte. Das Urteil des Polit-Bloggers Martin Fuchs (auch sonst ist der Hamburger Wahlbeobachter absolut empfehlenswert) über einen weiteren trällernden Kandidaten könnte als Fazit seiner schönen Sammlung herhalten: „Programatik Fehlanzeige“.

MIT RASSISMUS UMGEHEN: Cracking the Codes

Ob in der nationalen Debatte um das N-Wort in Kinderbüchern oder bei der Wiederwahl des ersten schwarzen Präsidenten der USA: Man setzt sich wieder mehr mit Rassismus auseinander. Dabei geht es immer mehr auch um Alltagsrassismus. Vorkomnisse, die unterschwellig passieren; Ausgrenzungen die kaum ein anderer mitbekommt als die anders aussehenden selbst. In diesem Video erzählt eine schwarze Frau von einem Vorfall an einer Supermarktkasse. Mit entwaffndender Logik und Charme zeigt sie, was jeder von uns tun kann: Augen auf und einmischen. 

UNAUTORISIERTE WERBUNG: Mercedes Collision-Prevent-Assist-SystemSource

Wenn Filmstudenten sich an Autowerbung versuchen ist das bestimmt nicht im Sinne der Marketingabteilung des Herstellers. Hier könnte man aber meinen, Mercedes hätte heimlich seine Finger im Spiel. Zu ausgetüftelt ist die Idee, zu professionell die Umsetzung. Und lustig ist er auch. Warum mehrfach und in großen Einblendungen darauf hingewiesen wird, dass es keine Verbindung zum Konzern gibt, wird am Ende klar.

BART AB: Stop-Motion-Rasur

Zwei Millionen Klicks in wenigen Tagen. Der Fotograf Ben Garvin hat nur mit seinem iPhone etliche Standbilder  seiner Rasur geknipst und amüsant andeinander geschnitten. Was rauskommt ist wie so viel virale Hits ein nettes Späßchen, nicht mehr und nicht weniger. Für den Feierabend. Schönes Wochenende.

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Mediathekenumschau vom 18. August

Es ist so eine Sache mit den Mediatheken: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – alles ist überall abrufbar. Doch nur auf Zeit: Gerade die öffentlich-rechtlichen Programme sind oft nach einer Woche wieder offline. Verlängertes Fernsehen statt digitales Archiv. Bevor sie verschwinden, fischen wir die besten Perlen aus der TV-Flut.

MEDIENEREIGNIS: Gustl Mollath bei Beckmann

ZDF +++ Sendung vom 15. August: Natürlich ist es irgendwann auch mal gut und natürlich verstellt die Konzentration auf ein Einzelschicksal, bei dem Schuld und Unschuld erst noch geklärt werden müssen, den Blick auf das Große Ganze verstellen. In diesem Fall aber sollte man ihm zuhören. Gustl Mollath kann viel erzählen über die Verhältnisse in deutschen Psychiatrien. Wobei lange für (oder gegen) ihn geredet wurde. Das erste Mal selbst im Fernsehen ist er bei Beckmann gewesen.

GUT NACHGEMACHT: Nicht nachmachen

ZDF +++ Sendung vom 16. August: Mit „Nicht nachmachen“ füllt das ZDF die Sommerpause der heute show mit dem Ziel, das eher jüngere Publikum bei der Stange zu halten. Wobei „eher jünger“ hier für unter dem Altersdurchschnitt des Senders steht. Die Sendung ist dann auch so etwas wie Jack Ass für Erwachsene. Statt sich aber wie Johnny Knoxville berufsjugendlich zu geben, spielen Boning und Hoecker wie gewohnt mit Seriösität und Klamauk Ping Pong im Hipsterlook und treffen den Nerv einer Generation, die für’s ZDF immer noch jung ist.

EUROPA-SEHNSUCHT: Was mir fehlt

arte +++ laufende Reihe:Um Europa steht es nicht gut hört man allenthalben und an jeder Straßenecke. Da wirkt es manchmal geradezu drollig, wie der deutsch-französische Gemeinschaftssender arte die europäische Seele streichelt. Es ist aber auch zu schön, diesen innereuropäischen Migranten zuzuhören, die erzählen, was ihn in ihrer neuen Heimat gerade fehlt. Und wiedermal ist arte weit vorn, was Content und Präsentation im Netz angeht. Die Clips passen nicht so recht in ein klassisches TV-Format. Geben tut es sie trotzdem. Schön.

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CULTURE&VIDEO TIPPS vom 16. August

BUNTER ALLTAG: Incredible Vine Compilation

Mit Vine kann ich noch nicht so viel anfangen. Das “Twitter mit Videos”, die noch dazu besonders kurz sein müssen, erschließt sich mir nicht und ich kann mir auf einmal vorstellen, wie meine Großmutter sich fühlt, wenn ich von Facebook erzähle. In den USA ist der neue Dienst der Hit, besonders bei der mit allerlei sozialen Netzen groß werdenden Jugend. Und mit Hilfe von Vine kann etwas tolles entstehen. Aus den Unmengen naturgemäß ziemlich banaler Alltagsvideos und Nachrichten der User wurde etwas unglaubliches geschaffen. Der gut 10 Minuten lange Clip ist ein Potpourri der amerikanischen Alltagsskultur, von Möchtegern-Rappern über süße Katzen bis zu unbeholfenen Stuntversuchen auf dem Schulhof. Sehr, sehr lustig.

VERKEHRSERZIEHUNG MIT KURZFILM: From One Second To the Next

Das Anliegen scheint ihm wichtig zu sein. So wichtig, dass der legendäre Filmemacher Werner Herzog manchmal schon wie ein grantiger Opa wirkt. Keine Gelegenheit lässt er aus, um vor den Gefahren des Telefonierens und SMS schreibens am Steuer zu warnen. Nur konsequent, dass er sich auch filmisch dem Thema widmet. In einem bewegenden Clip erzählt er die Geschichte von drei Menschen, deren Leben durch die vermeintliche Lapalie bestimmt wird, sei es als Opfer, als Polizist am Unfallort oder – und hier ist der Film besonders beeindruckend – als Fahrer, der ein Unglück verursacht. Ein kurzes “I love you” an seine Freundin hat 3 Menschen das Leben gekostet. Der junger Mann erzählt seine Geschichte für ein Video einer Kampagne für Verkehrssicherheit, das auch in Schulen gezeigt werden soll. Werner Herzog gelingt ein bewegendes Dokument.

DIESE MENSCHEN ZERSTÖREN AMERIKA: The Colbert Report

Seinen Colbert Report würde man bei uns wohl einen kabarettistischen Kommentar zum Zeitgeschehen nennen, wobei im amerikanischen Fernsehen immer auch Show und Entertainment regieren, wie an dieser All-Star-Version von Daft Punks Get Lucky zu sehen ist. In einem politischeren Segment stellt Steven Colbert regelmäßig Leute vor, die den Untergang Amerikas bedeuten. Der comedian, dessen Rolle den geleckten konservativer Meinungsmachern des Kabelfernsehens nachempfunden ist, meint natürlich das Gegenteil. Nur in den Augen des rechten Amerikas a la Fox News ist der schwule Bürgermeister einer Kleinstadt in Kentucky eine Gefahr für die Allgemeinheit. Ein köstliches Lehrstück über konservative Lebenslügen.

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CULTURE&VIDEO TIPPS vom 9. August

CULTURE&VIDEO dreht sich heute um die Kunstwelt. Mit einem Highlight von der Biennale in Venedig, Kunst im Internet und noch was.

KUNST-HIGHLIGHT: An Immaterial Retrospective of the Venice Biennale

Die 55. Biennale von Venedig ist in vollem Gange. Die ersten Artikel sind geschrieben, Freunde kehren schon begeistert nach Hause zurück, einige warten noch auf den etwas kühleren September. Unumstrittener Publikumsliebling: der rumänische Pavillon. Die Attraktion der Saison klingt eher nach einem Highlight für Kunstkenner, seine Komik scheint aber universell. Eine Gruppe Performer stellt in einem kargen Raum Meisterwerke der Biennale-Geschichte pantomimisch dar. Spätestens beim gequälten Stier aus Picassos Guernica lacht auch der Laie.

KUNSTFERNSEHEN AUS NEW YORK: art21.org

Und wir bleiben bei der Kunst in dieser Woche. Art21.org aus New York produziert regelmäßig Porträtreihen, Dokumentationen und kleine Features rund um den internationalen Kunsbetrieb für den nichtkommerziellen US-Sender PBS. Ein Teil davon ist auch online zu sehen. Eine Schatztruhe für alle, die sich für zeitgenössische Kunst interessieren. In der aktuellen Reihe NewYorkCloseUp rollt die Künstlerin Mary Mattingly ihre persönlichen Habseligkeiten in einer Kugel durch die Straßen New Yorks.

KUNSTSCHMARRN: Marina Abramovic Institute

Vielen geht die Ominpräsenz Marina Abramovics auf die Nerven, ich gehöre dazu. Als Fan habe ich lange jedes Fitzelchen Performance ausgegraben und Freunde ausgequetscht, die es nach New York geschafft haben, um ihr im MOMA gegenüber zu sitzen. In Manchester habe ich zugesehen, wie sie Robert Wilson geholfen hat, wieder etwas spannendes zu machen (Fantastisch: The Life and Death of Marina Abramovic). Jetzt reichts. Ein selbst verliebter Spendenaufruf für ein Institut mit ihrem Namen das ihre Methode lehrt? Das Geld der geblendeten Spender sammelt sie über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter, eigentlich als Starthilfe für Indieprojekte gedacht. Aber hey, es gibt ja auch eine Belohnung für die Spende: A Hug from Marina Abramovic.

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CULTURE&VIDEO TIPPS vom 1. August

Bei CULTURE&VIDEO geht es heute um darum, dass Aufklärung unterhalten kann – und schön aussehen. Und Protest manchmal schockieren muss. Und um zeitlose Musik.

MUND ZUGENÄHT: open your mouth

Ihr Protest ist drastisch und die öffentliche Aufmerksamkeit sicher: Die Berliner Drag-Queen Barbie Breakout hat sich den Mund zugenäht um gegen die schlimmen Zustände in Russland zu protestieren. Seit einiger Zeit schon sind Schwule, Lesben und andere, die nicht in das klassische Familienbild passen, zunehmender Repression ausgesetzt. Vorläufiger Höhepunkt: ein Gesetz gegen „Homosexuelle Propaganda“. Jeder Hinweis auf Homosexualität in der Öffentlichkeit kann zu empfindlichen Strafen führen. Auf den ersten Blick kommt einem Barbie Breakouts Form des Protestes vielleicht übertrieben vor. Doch die Statements der sich eigentlich als unpolitisch bezeichnenden Aktivistin machen deutlich, was sie antrieb. Sie habe sich hilflos gefühlt angesichts des Leids der russischen Freundinnen und Freunde und der Tatenlosigkeit westlicher Regierungen. Die Wut darüber steht ihr ins Gesicht geschrieben, das kann jeder sehen, der es bis zum Ende des Videos aushält. Respekt.

GUT VERPACKT: Überwachungsstaat – Was ist das?

Ein komplexes Thema in einfachen Worten erklärt, zu schnell live gezeichneten Comicbildchen. Ein schönes Konzept, das aufklärt und gleichzeitig unterhält, wie gemacht für einen viralen Hit in der (böses Wort) Netzgemeinde. So freuen sich auch diejenigen über kluge Pointen, für die die gestellten Fragen nur rhetorisch sind. Sehen sollten es aber vor allen ihre Eltern, Onkel und Nachbarn, die  immer noch glauben, nichts zu verbergen zu haben.

COMIC-ERKLÄRVIDEO IM ORIGINAL: Crisis of Capitalism

Abgeschaut hat sich der Zeichner des Aufklärungsvideos zum Überwachungsstaat die Methode von dem britischen Think Tank RSA (Royal Society for the encouragement of Arts, Manufactures and Commerce). Vor einigen Jahren schon suchten die Macher einen Weg, das bei ihren Vorträgen vermittelte Wissen anschaulich unter’s (Internet-) Volk zu bringen. Ihre schnellen Animationen sind kleine Meisterwerke des Edutainments, der populärste und gleichzeitig tollste Clip „Crisis of Capitalism“, ein Vortrag des renommierten Sozialwissenschaftlers David Harvey hat inzwischen 2,2 Mio. Klicks. Zur Hochzeit des Banken-Crashs demaskierte er Erklärungsmodelle für die globale Krise.

IKONE: Kate Bush Documentary 1980

Kate Bush war immer was besonderes. Für Nachgeborene kaum erklärbar, wie das mit einer elfenhaften Stimme ausgestattete Wesen mit der experimentell wirkenden Musik in kürzester Zeit zum Superstar avancieren und den Sound von Generationen nachfolgender Musikerinnen prägen konnte. Ihre Songs sind sperrig aber einprägsam. Diese Aufnahme ist etwas besonderes, eine Musikdoku des SWF aus dem Jahre 1980 mit schön-schrägen Konzertaufnahmen und tollen Interviewpassagen, die eine verletzliche junge Frau zeigen. So offen hat sie sich später selten geäußert.

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Die Mediathekenumschau vom 29. Juli

Es ist so eine Sache mit den Mediatheken: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – alles ist überall abrufbar. Doch nur auf Zeit: Gerade die öffentlich-rechtlichen Programme sind oft nach einer Woche wieder offline. Verlängertes Fernsehen statt digitales Archiv. Bevor sie verschwinden, fischen wir die besten Perlen aus der TV-Flut.

WUNDERSCHÖN: Der Riesentintenfisch

arte +++ Sendung vom 27. Juli: So groß wie in den Schauergeschichten von Hoher See sind sie zwar nicht, doch der Reiz dieser mysteriösen Tiefseeart rührt woanders her: Niemand hat je zuvor einen Riesenkalmar gesehen. Gefundene Exemplare sind meist schon vertrocknet und auch aus dem Wasser gefischte Überreste vermitteln keinen Eindruck von ihrem wahren Aussehen. 2005 gelangen das erste Mal Aufnahmen eines blitzschnell an einer Kamera vorbeihuschenden Exemplares, doch erst im vergangenen Jahr konnte die größte Tintenfischart von einem Tauchboot aus in ihrer natürlichen Umgebung gefilmt werden. So bleibt genug Zeit zum Betrachten des stattlichen Tieres. Der goldene Schimmer überrascht die Forscher, faszinierend sind auch die großen Augen, die ihm ein menschliches Antlitz – einen traurigen Blick – zu verleihen scheinen (Wer die leicht schmalzige Einführung überspringen möchte, sieht die spektakulären Bilder etwa ab Minute 32). Genauso schön wie die seltenen Aufnahmen ist es aber auch, dem Team des japanischen Forschers Tsunemi Kubodera zuzuschauenn. Ein Lebenstraum geht in Erfüllung.

ERNSTHAFTE AUSEINANDERSETZUNG: George

ARD/SWR +++ Sendung vom 24. Juli (Achtung: voraussichtlich nur bis 31. Juli online) : Künstler im Dritten Reich. Die Auseinandersetzung mit den tragischen Lebensläufen der von Hitler und Goebbels hofierten Kulturschaffenden hat unsägliche Flops wie die letzte Jud-Süß-Collage und neue Meisterwerke entstehen lassen. Klaus Manns Mephisto ist ein Klassiker und die mit dem Emmy ausgezeichnete Dokumentation „Die Macht der Bilder“ über Leni Riefenstahl (unbedingt anschauen) von 1993 lässt einen noch heute über die lächelnde Torheit des Filmgenies staunen. Der große Schauspieler Heinrich George war auch so einer. Mit den Mitteln des modernen Dokudramas gelingt es hier jedoch einen Schritt tiefer zu gehen, als es die greise Riefenstahl bis zu ihrem Tod zuließ. So spielt Götz George seinen Vater mit einer preußischen Bärbeißigkeit und porträtiert einen Mann mit dem Drang zum großen Schauspiel. Sein unpolitischer Ehrgeiz macht ihn zu einem willfährigen Helfer der Nazis. Damit kommt diese Teamworx-Produktion dem großen Thema des im letzten Jahr gefeierten Hannah-Arendt-Biopics, der Banalität des Bösen, näher als weichgespülte Schuldhalden wie „Unsere Mütter, unsere Väter“, mit denen uns Nico Hofmanns Produktionsfirma sonst gern beglückt.

AUSSTEIGER MIT FREISCHWIMMER: Boat Punk

arte Tracks +++ Sendung vom 16. Februar: Seit Jahren schippern Tyler Bullock, Swoon und andere Aussteiger durch die Gewässer rund um New York, zumeist auf selbstgebauten Floßen. Einige haben keinen festen Wohnsitz mehr, auf den Flüssen und in versteckten Buchten entziehen sie sich auf ihre eigene Art der Kontrolle durch Polizei und Stadtverwaltung. Arte Tracks stellt diese kurze Reportage aus dem Februar noch einmal online, mitsamt einer tollen Begleit-Webseite, die die Geschichten über die porträtierten Seemänner- und frauen zusammenfasst und mit unerwartetem Bonusmaterial aufwarten kann. Schon verständlich, dass es die Geschichte der exhibitionistischen russischen Greise in einem alten Hafenbecken nicht in den Film geschafft hat. Missen möchte man sie trotzdem nicht.

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CULTURE&VIDEO TIPPS vom 1. August

Bei CULTURE&VIDEO geht es heute um Demokratie und Propaganda und einen Politiker bei Gloria an der Theke.

JFK HOCHAKTUELL: „The very word „secrecy“ is repugnant in a free and open society“

Zu Recht geistert diese zuvor eher für ihren Aufruf zur Wachsamkeit im Kalten Krieg beachtete Rede John F. Kennedys vom 27. April 1961 zur Zeit durch’s Netz. Vor der ANPA, der Vereinigung der Zeitungsverleger, reagierte Kennedy seinerzeit auf Vorwürfe im Zusammenhang mit der misslungenen Schweinebuchtinvasion. Er malte ein schauriges Bild der Feinde aus dem anderen Block an die Wand: „Our way of life is under attack“. Heute rückt die historische Rede aus einem anderen Grund in den Fokus: Sie ist ein flammendes Plädoyer für die offene Gesellschafft, für Demokratie und Pressefreiheit. John F. Kennedy wagt einen erstaunlichen Rundumschlug, der aktueller nicht sein könnte. Die Abkehr von den Idealen der Gründerväter erklärt er zum Sargnagel der Demokratie. Heute hören sich einige Passagen an, als würde er dem amtierenden Präsidenten ein Zeugnis ausstellen. Setzen. Sechs.

Dabei erinnert Kennedy die Vertreter der Presse  auch an ihre eigene Verantwortung und sagt nebenbei einen Satz, der eingerahmt in jeder Chefredaktion hängen sollte:  „And that is why our press was protected by the First Amendment —the only business in America specifically protected by the Constitution— not primarily to amuse and entertain, not to emphasize the trivial and the sentimental, not to simply ‚give the public what it wants‘ — but to inform, to arouse, to reflect, to state our dangers and our opportunities, to indicate our crises and our choices, to lead, mould, educate and sometimes even anger public opinion. “ (Transkript/Komplettes Aufzeichnung)

KÖSLTICH: So What Happens When You Make A Fake North Korean Propaganda Film?

Sabine bekommt auf einer Reise nach Südkorea eine DVD zugesteckt. Darauf: Mehrere Teile einer Serie von Propgandafilmen des nordkoreanischen Fernsehens. In typischer Tonlage und mit allerlei bunten Bildchen unterlegt, schimpft eine Stimme über die Auswüchse des westlichen Systems, über Vergnügnungssucht, Kaptitalismus und Krieg. Sabine untertitelt die Videos und stellt sie nach und nach bei Youtube online. Ein viraler Hit, wer einmal Ausschnitte aus dem wirklichen Staatsfernsehen gesehen hat, zweifelt nicht an der Echtheit des Materials. Doch je mehr Videos veröffentlicht werden, desto mehr setzt sich das Bild einer perfiden Dekonstruktion des westlichen Lebensstils zusammen. Wer kann schon widersprechen, wenn die kreischenden Hausfrauen bei Oprah als Opfer des Konsumterrors oder Banken als eigentliche Strippenzieher in Washington dargestellt werden? Es kommt wie es kommen muss: Es handelt sich um einen Fake. Der neuseeländische Regisseur Slavko Martinov hat eine abenteuerliche mediale Konstruktion geschaffen. Dass sie funktioniert, zeigen die vielen Kommentare bei Facebook, Youtube und Co. Etliche nehmen das Machwerk für bare Münze, darunter auch der südkoreanische Geheimdienst. Im Interview mit dem Online-Filmmagazin Indiewire spricht der Regisseur über das Projekt. Auf der Webseite ist der ganze Film zu sehen (auf Grund einer Alterssperre kann es zu Zugriffsproblemen kommen. Der komplette Film findet sich auch hier.)

THEKENSCHLAMPE

Gloria Viagra, Berlins größte Drag-Queen, hat ein eigenes kleines Interviewformat im Netz. Schon zum Start vor einigen Wochen wurde hier darauf hingewiesen, doch nach einigen Holprigkeiten zu Beginn hat sich das Format zu einem kurzweiligen kleinen Juwel entwickelt. In der sechtsen Folge ist der grüne Bundestagsabgeordnete Ulrich Schneider zu Gast. Wohl nur Gloria schafft es, ihrem Gesprächspartner so charmant nach dem Glaubwürdigkeitsproblem der Grünen zu fragen und muss dafür sofort vom Lieblingsgetränk des Gastes probieren („Schmeckt wie die Leber meiner Oma“). Köstlich.

 

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Die Mediathekenumschau vom 21. Juli

Es ist so eine Sache mit den Mediatheken: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – alles ist überall abrufbar. Doch nur auf Zeit: Gerade die öffentlich-rechtlichen Programme sind oft nach einer Woche wieder offline. Verlängertes Fernsehen statt digitales Archiv. Bevor sie verschwinden, fischen wir die besten Perlen aus der TV-Flut.

MÄDCHENGESCHICHTEN: Orchideen in Pankow

3Sat +++ mehrere Folgen: Die Reihe Mädchengeschichten ist etwas ganz besonderes. Kurze Dokumentarfilme, meist eine knappe halbe Stunde lang, porträtieren junge Frauen aus den unterschiedlichsten Weltgegenden. Dabei gelingt die Mischung aus besonderen Schicksalen und den Problemen, die Mädchen überall mit dem Erwachsenwerden haben. Meliha aus Bosnien und Fatima aus Tschetschenien sind beide von Kindheit an mit den Folgen von Krieg und Vertreibung konfrontiert gewesen. Meliha heiratet nun schon zum dritten Mal, der Sprung in ein eigenständiges Leben will der 17-jährigen aus einem kleinen Dorf einfach nicht gelingen. Fatima wünscht sich nichts sehnlicher, als endlich ein erwachsenes Leben führen zu können. Die Folge „Orchideen in Pankow“ erzählt die Geschichte der Berlinerin Giang, die sich entscheiden muss zwischen dem Abitur oder dem Blumenladen der Mutter. Eine Reise zu Ihrer Familie in Vietnam hilft ihr, Antworten zu finden.

LEBENSMITTELDOKUMENTATION: Unser täglich Gift

arte +++ Sendung vom 22. Juli: Irgendwie wissen es alle, aber sei es aus Desinteresse oder Ohnmacht, wir hinterfragen selten, was genau auf den Tisch kommt. Dabei geht es weniger um Lebensmittel aus dem Discounter oder den Bio-Boom. Ganz normale Produkte, millionenfach konsumiert, werden auf ihrem Weg auf den Teller mit oft fragwürdigen und schlecht kontrollierten Chemikalien behandelt. Die französische Dokumentation verfolgt diesen Weg und beginnt ganz am Anfang: auf dem Feld. Sie untersucht die Zusätze und stellt Zusammenhänge her mit Volksleiden wie Diabetes und Krebserkrankungen. Ohne Panikmache werden wichtige Fragen gestellt.

ALTERNATIVE SHOOTING STARS: Austra beim Melt-Festival

ZDF Kultur +++ Sendung vom 22. Juli: In letzter Zeit ist es ein bisschen ruhiger geworden um kanadischen Musiker Austra. Das neue Album Olympia schlug nicht so ein wie erwartet und der Durchbruch mit „Feel It Break“ ist nun auch schon zwei Sommer her. Durch endloses Touren und gefeierte Festival-Auftritte haben sich Austra nichtsdestotrotz einen Ruf als geniale Live-Band erarbeitet, was beim diesjährigern Melt-Festival zu sehen und ZDF Kultur einen Mitschnitt wert gewesen ist. Schön, den sphärischen Klängen  der Sängerin Katie Stelmanis (immer noch ein Hit: „Lose It“ bei Minute 46:15!) und ein bisschen Festivalatmosphäre zu schnuppern.

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CULTURE&VIDEO TIPPS vom 18. Juli

Bei CULTURE&VIDEO kann man diese Woche was lernen – vom Leben Schwuler in der DDR, wie man einen Flügel oder Gummibärchen macht. Und: Wir finden Fehler im Pop-Kulturgut.

HOMOSEXUELLE IN DER DDR: DDR unter’m Regenbogen

Viel geht verloren aus dem Alltag in der DDR. Aufgehübscht für schmackhafte Komödien oder mit der Extraportion Stasi-Grusel: Wie wirklich gelebt wurde, verwischt immer mehr im Historien-Kitsch. Das betrifft auch Lebensgeschichten, die sich zwar (anders als Im Westen) in der Legalität abspielten, aber doch am Rande der Gesellschaft. Jochen Hick erzählt von den Homosexuellen in der DDR streng an ihrer eigenen Geschichte entlang.

SCHÖNE PRODUKTE I: The Making of Steinway

Produktvideos und Imagespots sind ja selten schön. Und einfach so Werbung machen ziemt sich auch nicht in einer unabhängigen Linkempfehlung. Heute gibt’s mal eine Ausnahme: Steinway & Sons zeigt in diesem wunderschönen Video, wie ein Flügel gebaut wird. Zu treibender klassischer Musik wird jeder Arbeitsschritt von einer sonoren 60-er-Jahre-Erklärstimme durchgespielt. Eine Massage für die Seele.

SCHÖNE PRODUKTE II: Gummibärchen

Und woran erinnert uns das? Richtig, die Sendung mit der Maus. Grund genug, diese Version des berühmten Gummibär-Erklärvideos wieder rauszukramen. Ohne viel Musik, aber in ähnlichem Tonfall. Und ganz ohne Markenhinweis. Schön ist übrigens diese Seite, auf der alle Lach- und Sachgeschichten im Netz alphabetisch geordnet verlinkt sind.

ACTUALLY IRONIC

Und wo wir schonmal beim Erklären sind. Die ganze Welt sang 1995 mit, als Alanis Morissette ihren Smash-Hit “Ironic” landete. Die wenigsten haben mitbekommen, dass kaum eines der im Liedtext aufgezählten Beispiele tasächlich ironisch ist. Die Könige unter den Klugscheißern sagen sogar kein einziges! Gut, dass es sich im Internet eine textlich leicht korrigierte Variante findet.

 

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