Die Mediathekenumschau vom 21. Juli

Es ist so eine Sache mit den Mediatheken: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – alles ist überall abrufbar. Doch nur auf Zeit: Gerade die öffentlich-rechtlichen Programme sind oft nach einer Woche wieder offline. Verlängertes Fernsehen statt digitales Archiv. Bevor sie verschwinden, fischen wir die besten Perlen aus der TV-Flut.

MÄDCHENGESCHICHTEN: Orchideen in Pankow

3Sat +++ mehrere Folgen: Die Reihe Mädchengeschichten ist etwas ganz besonderes. Kurze Dokumentarfilme, meist eine knappe halbe Stunde lang, porträtieren junge Frauen aus den unterschiedlichsten Weltgegenden. Dabei gelingt die Mischung aus besonderen Schicksalen und den Problemen, die Mädchen überall mit dem Erwachsenwerden haben. Meliha aus Bosnien und Fatima aus Tschetschenien sind beide von Kindheit an mit den Folgen von Krieg und Vertreibung konfrontiert gewesen. Meliha heiratet nun schon zum dritten Mal, der Sprung in ein eigenständiges Leben will der 17-jährigen aus einem kleinen Dorf einfach nicht gelingen. Fatima wünscht sich nichts sehnlicher, als endlich ein erwachsenes Leben führen zu können. Die Folge „Orchideen in Pankow“ erzählt die Geschichte der Berlinerin Giang, die sich entscheiden muss zwischen dem Abitur oder dem Blumenladen der Mutter. Eine Reise zu Ihrer Familie in Vietnam hilft ihr, Antworten zu finden.

LEBENSMITTELDOKUMENTATION: Unser täglich Gift

arte +++ Sendung vom 22. Juli: Irgendwie wissen es alle, aber sei es aus Desinteresse oder Ohnmacht, wir hinterfragen selten, was genau auf den Tisch kommt. Dabei geht es weniger um Lebensmittel aus dem Discounter oder den Bio-Boom. Ganz normale Produkte, millionenfach konsumiert, werden auf ihrem Weg auf den Teller mit oft fragwürdigen und schlecht kontrollierten Chemikalien behandelt. Die französische Dokumentation verfolgt diesen Weg und beginnt ganz am Anfang: auf dem Feld. Sie untersucht die Zusätze und stellt Zusammenhänge her mit Volksleiden wie Diabetes und Krebserkrankungen. Ohne Panikmache werden wichtige Fragen gestellt.

ALTERNATIVE SHOOTING STARS: Austra beim Melt-Festival

ZDF Kultur +++ Sendung vom 22. Juli: In letzter Zeit ist es ein bisschen ruhiger geworden um kanadischen Musiker Austra. Das neue Album Olympia schlug nicht so ein wie erwartet und der Durchbruch mit „Feel It Break“ ist nun auch schon zwei Sommer her. Durch endloses Touren und gefeierte Festival-Auftritte haben sich Austra nichtsdestotrotz einen Ruf als geniale Live-Band erarbeitet, was beim diesjährigern Melt-Festival zu sehen und ZDF Kultur einen Mitschnitt wert gewesen ist. Schön, den sphärischen Klängen  der Sängerin Katie Stelmanis (immer noch ein Hit: „Lose It“ bei Minute 46:15!) und ein bisschen Festivalatmosphäre zu schnuppern.

Hannes Richter

wanderte schon früh zwischen den Welten, on- und offline. Der studierte Kulturarbeiter arbeitete in der Redaktion eines schwulen Nachrichtenmagazins im Kabelfernsehen, produzierte Netzvideos und stellte eine Weile Produktionen im Cabaret-Theater Bar jeder Vernunft auf die Beine, bevor er als waschechter Berliner nach Wiesbaden zog, um dort am Staatstheater Erfahrungen im Kulturmarketing zu sammeln. Er baute später die Social-Media-Kanäle der Bayreuther Festspiele mit auf und schoss dabei das erste Instagram-Bild und verfasste den ersten Tweet des damals in der Online-Welt noch fremden Festivals. Seitdem arbeitete er als Online-Referent des Deutschen Bühnenvereins und in anderen Projekten an der Verbindung von Kultur und Netz. 


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