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CULTURE&VIDEO TIPPS vom 10. Oktober

Culture&Video heute mit einer Nobelpreisträgerin, die sich zu wehren wusste, einer Opernaufzeichnung zum Verdi-Geburtstag und einem Hollywood-Regisseur, der es ein bisschen übertreibt. // von Hannes Richter

NOBELPREISTRÄGERIN: Alice Munro wehrt sich gegen Zensur (1979)

Die 83-jährige Kanadierin Alice Munro hat als 13. Frau den Nobelpreis für Literatur erhalten. Das Echo ist, erstaunlich einhellig, positiv. Ihre Kurzgeschichten spielen meist in der tiefsten kanadischen Provinz, starke Frauenfiguren brachten ihr den Ruf einer feministischen Autorin ein. Gegen Ende der 70er Jahre verschwand die Sammlung „Lives of Girls and Women“ vom Lehrplan der Schulen in Kanada. In seiner Reihe Digital Archives präsentiert der kanadische Sender CBC regelmäßig historische TV-Aufnahmen und erklärt den Kontext. In diesem Interview aus dem Jahr 1979 wehrt sich die heute ausgezeichnete Schriftstellerin gegen die engstirnigen Schulbehörden: „As soon as one step is taken, you have to start resisting“.

WAS SCHÖNES ZUM GEBURTSTAG: Verdis Aida in New York

Heute (oder gestern, so richtig einig ist man sich da nicht) ist der 200. Geburtstag von Giuseppe Verdi und damit der Höhepunkt des Verdi-Jahres 2013. Selbiges ist spannenderweise auch das Wagner-Jahr 2013, was die Zeit im November des letztes Jahres zu einer schönen Frage an allerlei Größen der Musikwelt inspiriert hat: „Verdi oder Wagner?“. Dem Laien fällt der Unterschied vor allem in der Art und Weise heutiger Inszenierungen auf. Während bei Wagner schon mal eine Gaskammer auf der Bühne steht oder gesichtlose Banker die Kanzlerinnenraute imitieren, geht es bei Verdi vor allem um Liebe und Verrat in schöner Kulisse, wie in dieser einmalig opulenten Repertoire-Inszenierung von Aida der New Yorker Met. In besagter Zeit-Befragung zitiert Nike Wagner den italienischen Dirigenten Toscanini: „Wären Tristan und Isolde italienischer Herkunft, hätten sie am Ende des zweiten Aktes sieben Kinder. Aber sie sind Deutsche, also diskutieren sie noch.“ Die Aufzeichnungen aus der New Yorker Metropolitan Opera gehören übrigens zu den schönsten und professionell anspruchsvollsten Bühnenübertragungen und sind auch regelmäßig in deutschen Kinos zu sehen. Arte zeigt zum Verdi-Jahr eine ganze Reihe Mitschnitte aus der ganzen Welt und überträgt zum Beispiel heute um 19:00 Uhr live die Oper Simon Boccanegra vom Opera Festival Szeged. Alles schön aufbereitet auf einer lesenswerten Themenseite: http://www.arte.tv/sites/de/verdi-de/

ZUVIEL DES GUTEN: Alle Lens-Flare-Effekte in Star Trek

Als wenn die Häme über die dünne Story nicht schon genug wäre. Jetzt muss sich J.J. Abrams auch noch Kritik an seinem Lieblingseffekt anhören. 721 sogenannten Lens Flares haben Fans im Star-Trek-Epos Into Darkness gezählt. Dabei handelt es sich um das kurze Aufscheinen eines Lichtsstrahls, wie es in der Natur häufig vorkommt, wenn beispielsweise ein Raumschiff mit Nebelscheinwerfern direkt an der Linse einer Kamera vorbeifliegt. Im Guardian hat sich Regisseur Abrams jetzt entschuldigt. In diesem vierminütigen Video sind potentiell alle Lens Flares zusammengeschnitten. Das faszinierende kleine Gimmick taugt auch prima als Inhaltsangabe und erspart den Kinobesuch.

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Mediathekenumschau vom 6. Oktober

Bildempfangsstörung (Bild Paulae [CC-BY-3.0], via Wikimedia Commons)
In der Mediathekenumschau heute: Ein verstörend guter Film aus der deutschen Theaterlandschaft, radioaktive Landschaften in Weißrussland und Lebensrealitäten am Rand der Gesellschaft. Oder etwa mitten drin? // von Hannes Richter Es ist so eine Sache mit den Mediatheken: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – alles ist überall abrufbar. Doch [...]
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CULTURE&VIDEO TIPPS vom 26. September

CULTURE&VIDEO stellt heute unter anderem ein tolles Projekt aus der Journalistenschule vor. Und in einem neuen Clip singt Madonna mal nicht. 

JUNGE JOURNALISTEN: Ungewöhnliche Interviews zur Bundestagswahl

In der Mediathekenumschau hatte ich vor kurzem schon auf die Radioprogramme der Öffentlich-Rechtlichen aufmerksam gemacht, die sich auch in den Mediatheken finden lassen und die auch ohne Bild kurzweilige Unterhaltung und Information liefern. Genau wie dieses Projekt der Evangelischen Journalistenschule. Studenten haben zur Bundestagswahl mit Menschen gesprochen, für die wählen nicht so einfach ist. Oder gar unmöglich, wie im Fall des 34-jährigen Tobias Lenze. Auf Grund seiner geistigen Behinderung begreife er nicht, worum es gehe, sagt das Gesetz. Er und seine Mutter sehen das anders. Und im Pflegeheim Bethseda in Berlin wird Demenzkranken beim wählen geholfen. Die kurzen Radio-Reportagen gehen Fragen nach, die das Wesen der Demokratie berühren. Ein guter Start für angehende Journalisten.

TOLLES FESTIVAL: Going Underground

Jeder Berliner kennt die kurzen Filmchen, die einmal im Jahr über die Bildschirme in den U-Bahn-Zügen laufen. Das Going-Underground-Festival ist weltweit einmalig (na gut, die U-Bahn von Seoul ist Partner des Projekts) und sorgt für kurzweilige Fahrten und so manchen Lacher. Im Internet lassen sich alle Filme sogar mit Ton anschauen, wobei das faszinierende an den durchweg gelungenen Shorts ist, dass sie auch ohne Ton und zwischen zwei Stationen im Stehen funktionieren.

FINALER HYPE: Im Writer’s Room von Breaking Bad

Es fühlt sich schon fast wie eine weltweite Hysterie an, was sich im Augenblick um das mit Spannung erwartete Finale der US-Serie Breaking Bad abspielt. Gewiss, die Serie spielt in einer Liga mit den Sopranos und The Wire. Aber damals war das Netz noch in den Kinderschuhen, der Serienwahn hatte noch keine globale Dimension. Von irren Fan-Versionen der Titelmelodie über Simpson-Gags (schon ein bisschen älter, aber ich musste es einfach nochmal erwähnen…) bis hin zur herrlich ironischen Bildanalyse ist alles dabei. Und auch die Schreiber um Creator und Showrunner Vince Gilligan tun ihr übriges um den Hype zu nähren. Sie geben Interviews (absolut empfehlenswert im Guardian und auf salon.com) und lassen sich auf die Finger schauen, wie in diesem Zeitrafferblick in den legendären Writer’s Room. Freilich ohne auch nur ein Fitzelchen vom Finale zu verraten. Nächsten Sonntag ist alles vorbei.

Radical Chick: Madonnas Secret Project Revolution

Ein bisschen wirr ist es schon, was die Mutter aller Pop-Provokationen da in einem neuen Kurzfilm erzählt. Es geht um Liebe und Revolution. Alles ist sehr politisch, aber da wo es tatsächlich mal konkret aus den Plattitüden durchschimmert, nimmt man ihr die Freiheitskämpferin nicht ab. Spaß macht es, wenn Madonna sich selbst veralbert. Anlehnend an Gil Scott-Herons Epos The Revolution will not be televised stellt sie in ihrem von Bittorrent unterstützten Video fest: „You won’t be able to download it.“ Den Link zum runterladen gibt es hier. Eine lesenswerte popkulturelle Einordnung findet sich im Slant Magazine. Das Werk sieht vor allem gut aus, dank ihres Freundes Steven Klein. Der mit Unterwäschebildern berühmte gewordene Fotograf hat die Ästhetik der 90er über die Jahrtausendwende gerettet, ist seitdem aber kaum mehr künstlerisch interessant in Erscheinung getreten. Zu Madonna passt er also wie die Faust auf’s Auge.

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Mediathekenumschau vom 23. September

Bildempfangsstörung (Bild Paulae [CC-BY-3.0], via Wikimedia Commons)
In seiner wöchentlichen Mediathekenumschau geht Hannes Richter den letzten 7 Tagen des online gespeicherten Medium Fernsehens auf den Grund. Heute mit Clips vom WDR, Arte und 3Sat. // von Hannes Richter Es ist so eine Sache mit den Mediatheken: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – alles ist [...]
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Mediathekenumschau vom 16. September

Es ist so eine Sache mit den Mediatheken: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – alles ist überall abrufbar. Doch nur auf Zeit: Gerade die öffentlich-rechtlichen Programme sind oft nach einer Woche wieder offline. Verlängertes Fernsehen statt digitales Archiv. Bevor sie verschwinden, fischen wir die besten Perlen aus der TV-Flut.

JUNGE MENSCHEN WÄHLEN: Ich will das sich das ändert!

1LIVE+++ Sendung vom 16. September: Auch Radio gibt’s in den Mediatheken. Und vom Hörspiel bis zur klassischen Reportage, wahrscheinlich sogar mehr als bei den üblich-bewegten Inhalten, geht auch hier so manches Hörenswertes unbemerkt über den Äther. Besonders die Jugendwellen der Öffentlich-rechtlichen bieten spannende Produktionen, die sich im Netz streamen oder als Podcast downloaden lassen. In der Reportage „Ich will, dass sich das ändert!“ (man beachte die bestimmte Aussage im Sendungstitel) auf 1LIVE befragt Nina Fricke junge Leute aus NRW über ihren Alltag und ihre Gedanken zur anstehenden Bundestagswahl: „Was sie nervt und was sich ändern sollte“. Alle Interviewten, so das Fazit der kurzweiligen Porträts, vereint die Einforderung von Anerkennung und Respekt durch Politik und Gesellschaft. Das lesbische Paar Vielca und Anna plant seine Hochzeit und sehen nicht ein, warum Kinder nicht dazu gehören dürfen. Bilal wurde in Deutschland geboren und hat vor kurzem einen lapidaren Brief vom Amt bekommen. Er versteht nicht, warum er sich für eine seiner beiden Staatsbürgerschaften – und damit ein Heimatland – entscheiden muss. 

MARC-UWE KLING: Neues vom Känguru

Fritz +++ bei den RadionFritzen (nachmittags): Das kommunistische Kanguru ist seine Erfindung. Und es gibt keinen anderen, der sich so etwas ausdenken könnte: das australische Beuteltier ist als Mitbewohner und Sparringpartner für den schludrigen Berliner aus Marc-Uwe Klings Texten so absurd, dass – hat man sich einmal darauf eingelassen – die Welt um das ungleiche Paar herum gar nicht mehr so verrückt erscheint. Und damit nicht so weit entfernt von unserer. Hier hängen zwar noch keine Motivationsplakate in der Gegend rum („Ich schwimm bis nach Birma – für meine Firma“). Doch wenn es mal soweit ist, wünscht man sich ein Känguru, das einen „Anti-Terror-Anschlag“ auf eben die Poster plant. Im Berliner Jugendradio Fritz liest Marc-Uwe Kling regelmäßig Neues vom Kanguru vor.

EIN ANDERES AMERIKA: Junge Schriftsteller und ihr Verhältnis zur Politik

Deutschlandradio Kultur +++ am 17. September, 19:30 Uhr und danach in der Mediathek: Der Korrespondent Matthias Kolb schreibt auf sueddeutsche.de aus den USA. Für Deutschlandradio Kultur spricht er am Dienstag Abend mit jungen Schriftstellern, die sich in die gesellschaftlichen Gräben des Obama-Amerikas begeben. „Die neuen, politischen U-40-Schriftsteller wissen, dass sie weniger bewirken können als Norman Mailer oder Gore Vidal in den sechziger Jahren.“, so der Journalist. „Trotzdem machen sie weiter – und arbeiten an dem Projekt, an dem der Präsident und Bestseller-Autor Barack Obama nach eigenen Aussagen gescheitert ist: Sie suchen nach neuen Storys, die ein ganzes Land zusammenhalten können.“

BALD VORBEI: Tagesschaum

WDR +++ Sendung vom 16. September, noch bis Freitag täglich: Ein bisschen Bewegtbild muss es in der Woche der Bundestagswahl aber schon noch sein. Und sei es nur der schelmig-wissenden Gesichtsausdrücke des Polit-Erkläronkels Friedrich Küppersbusch wegen. Und seine Wortspiele würden auch nur halb so schön rüber kommen, wenn zum Beispiel Philipp Röslers Weg-Ruf nach der verlorenen Landtagswahl in Bayern nicht mit der Ansprache Mel Gibsons in Braveheart unterlegt werden könnte. Tagesschaum geht in die letzte Runde. Von Beginn an war geplant, den kurzweiligen Kommentar zum Wahlkampf (inzwischen fünf Mal pro Woche im WDR und auf youtube) nur bis zur Wahl laufen zu lassen. Vielleicht hat Friedrich Küpeprsbusch aber auch wieder Blut geleckt. Dem deutschen Fernsehen wäre es zu wünschen.

 

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CULTURE&VIDEO TIPPS vom 13. September

GRÜNES TIERLEBEN: Böhmermann schlägt zurück

Die Vorgeschichte: Die Grünen produzieren einen Wahlspot, in dem der skurrile Ansager aus der Talkshow Roche & Böhmermann, William Cohen, einen Tierforscher spielt. Mit der bekannten Stimme charakterisiert er die Gemeine Hausschnecke, meint aber eigentlich – hahaha – die Politiker der schwarz-gelben Koaltion. Schon vor drei  Wochen habe ich mich an dieser Stelle über die Einfallslosigkeit und Berechnung des Spots geärgert. Womt ich nicht gerechnet habe: Jan Böhmermann schlägt zurück. In einer (zugegeben, ein bisschen anstrengend inszenierten) Terrorvideo-Persiflage kündigt er die „Wiederherstellung der parteipolitischen Neutralität William Cohens“ an, während der Sprecher selbst im Hintergrund schluchzt. Dafür wurde ein neuer Spot gedreht und in fünf Versionen jeweils mit den Logos anderer Parteien versehen. Der Forscher alias William Cohen beschreibt nun die „gemeine Filzlaus, besser bekannt als grüne Sackratte“ (die einzelnen Spots gibt es hier, hier, hier, hier und hier). Wem das zu kompliziert, der kann alles nochmal im ehrlich wütenden Brief Böhmermanns an „das Internet“ unter dem Video nachlesen. Fakt ist: Besser kann man „Wer anderen eine Grube gräbt…“ nicht umsetzen. Böhmermann gelingt ein einzigartiger Fernsehstreich.

BERICHT AUF GROSSER BÜHNE: Die Geschichte meiner Geisteskrankheit

Wer auf einer TED-Konferenz redet, spricht nicht nur das Publikum im Saal an. Manche Aufzeichnungen sind virale Hits geworden, seit die Organisatoren der berühmten Wissenschaftsmeetings angefangen haben, die Vorträge auf Ihre Webseite zu stellen. Inzwischen ist die Präsentation im Netz Teil des Konzepts und die Marke TED ein großer Gewinner, wenn Momente wie dieser geschehen. Die Rechtswissenschaftlerin Elyn Saks erzählt von ihren eigenen Erfahrungen mit Schizophrenie. Das ist lehrreich und bewegend für alle, in deren Leben die Krankheit keine Rolle spielt. Und ein Segen für die Betroffenen.

BEZAUBERND: What is Love?

Die Liebe hat bei einem TED-Symposium bestimmt auch schonmal eine Rolle gespielt. Doch auch wenn die Annährung der Wissenschaft an populäre Felder dort offensichtlich zum guten Ton gehört, am Besten ist das Thema da aufgehoben, wo es hingehört: in die Kunst. Wie anders ist es zu schaffen, Elend und Gloria der zwischenmenschlichen Begegnung in drei Minuten zu erzählen. Bitte anschnallen.

ERSCHRECKEND: MAN

Der kurze Comic-Clip, ob es um Liebe oder die Umwelt geht, ist ohne das Internet kaum vorstellbar. Auf der Plattform für Filmemacher Vimeo, vielmehr noch als zum Beispiel bei Youtube, finden sich Unmengen an meist lustigen kleinen Filmchen. Viele davon mit einer Aussage. Wie dieser hier: Die Geschichte der Menschheit und ihrer Beziehung zur Umwelt. Ähnlich wie bei dem Liebes-Video fliegt die Zeit am Zuschauer vorbei, eine Stufe der Zerstörung unseres Lebensraumes durch ein kleines Comic-Männchen (das sind wir) nach der anderen. Traurig.

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Mediathekenumschau vom 08. September

Es ist so eine Sache mit den Mediatheken: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – alles ist überall abrufbar. Doch nur auf Zeit: Gerade die öffentlich-rechtlichen Programme sind oft nach einer Woche wieder offline. Verlängertes Fernsehen statt digitales Archiv. Bevor sie verschwinden, fischen wir die besten Perlen aus der TV-Flut.

MENSCHEN ZUR WAHL: Volksvertreter

3Sat +++ Sendung vom 4. September: Politik mal mit den Mitteln des Dokumentarfilms gezeigt. Das heißt, ohne schnelle Schnitte, mit Zeit zum Nachdenken und Beobachten und, zumindest wirkt es so, ohne dass jedes Wort in PR-Gold abgewogen wird und der politische Gegner einen Strick drehen kann. Siegfried Ressel stellt fünf Bundestagsabgeordnete bei ihrer täglichen Arbeit in Berlin und in ihrem Wahlkreis vor. So entschleunigt zeigt der Film ohne Off-Kommentar, dass Politiker auch Menschen sind. Was abgedroschen klingt wirkt wie Balsam, zum Beispiel wenn die FDP-Abgeordnete Sylvia Canel im Zug von Männer- und Frauensprache spricht und dabei ehrlicher wirkt, als die mächtigen Frauen in Kanzleramt und Ministerien. Die Einzelinterviews – ein toller Einfall der 3Sat-Redaktion – sind übrigens in der Mediathek auch in langer Form abrufbar.

AUCH DABEI: Die Wahl der Migranten

zdf kultur +++ Forum am Freitag +++ Sendung vom 6. September, weitere Folgen: Ganz andere Form, ähnlicher Inhalt. Obwohl, wie ähnlich sind Bundestagskandidatinnen und -kandidaten mit eigentlich ihren Konkurrenten ohne Migrationshintergrund ? Die lockere und distanzlose Caféatmosphäre wie beim Interview mit der SPD-Abgeordneten Aydan Özoguz und der erklärende Off-Ton nerven ab und zu ein wenig, aber auch hier gibt es die Möglichkeit, eine sonst wenig beachtete Form Poltiker kennenzulernen. 5,8 Millionen Wahlberechtigten mit Migrationshintergrund stehen übrigens sieben Millionen Menschen in Deutschland gegenüber, die auf Grund fehlender Staatsangehörigkeit gar nicht erst wählen dürfen. Viele von ihnen zahlen Steuern und sind bestens integriert, wie die Kommentatorin der Berliner Zeitung, Mely Kiyak, empört feststellt. Der Frage nach der demokratischen Teilhabe dieser Menschen müssen sich die bisher befragten Kandidaten in der Sendung nicht stellen. 

MODERNE REPORTER: Deals mit Waffen

zdf kultur +++ VICE-Reports +++ Sendung vom 6. September: Beängstigend, die Neue Welt, in die einen die Investigativ-Hipster der VICE-Reports ziehen. Sie besuchen Waffenmessen und stellen verschwiegenen Einkäufern und gesprächigen „Drone-Dealern“ nach. Wie schon bei den anderen Reportagen über Designer-Drogen oder Massentierhaltung zeichnet sich das Format durch einen erfrischenden Hands-on-Journalismus aus, der mit reichlich Chuzpe daher kommt. Geschickt verwebt die Produktion auch immer mehr deutsche Beiträge in die Sendereihe, die sich auch aus dem für ein internationales Publikum gemachten Material vom Youtube-Kanal des VICE-Magazines bedient. Das ehemalige Skater-Label operiert inzwischen weltweit mit einem sehr profitablen Kultstatus. Die Partnerschaft tut dem ZDF gut, auch wenn das Mutterhaus aus den USA inzwischen einiger Kritik ausgesetzt ist, besonders nach dem Einstieg des Murdoch-Imperiums vor wenigen Wochen.

AUFNAHMEZUSTAND: Dillon

3Sat +++ Sendung vom 5. September: 

Die junge Musikerin Dillon aus einer deutsch-brasilianischen Familie klingt schön. Die Musik an sich – Dillon verwebt ihre kindliche Ausnahmestimme mit zauberhaft leisen elektronischen Arrangements – ist schon ausreichend, um in diese Studioaufnahme reinzuhören. Doch es geht hier auch um mehr: Die Produktionen aus dem Berliner „Funkhaus der DDR“ gehören zu dem besten, was man im Musikfernsehbereich zur Zeit geboten bekommt. Die wunderschön geschnittenen Darbietungen im Tonstudio schaffen eine besondere Atmosphäre, ganz anders, als es eine Konzertaufnahme vermag. Hinzu kommen kurze Interviewsrecken und zauberhafte Situationen, die sich quasi während der Arbeit im Studio ergeben. Schön gemacht. Auch die Auswahl der eingeladenen Künstler zeugt von Geschmack: Von Boy über CocoRosie bis Little Dragon sind tolle Indie-Perlen dabei.

 

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CULTURE&VIDEO TIPPS vom 05. September

Culture&Video heute mit einer überfälligen Erklärung, zur Abwechslung mal Literatur und zwei Geburtstagen.

VIRALES MISSVERSTÄNDNIS: I Forgot My Phone

Jede Woche auf’s Neue stellt sich die Frage, ob ein tolles Video neu genug ist. Worüber ich selbst seit Montag lache oder nachdenke, hat bestimmt auch schon seinen Weg auf andere Monitore oder in andere Mittagspausen gefunden. Auch das Video mit einer jungen Frau ohne Handy hat die Runde gemacht. Sie beobachtet, wie alle Menschen in ihrer Umgebung lieber mit ihren Telefonen kommunizieren, Bilder machen oder Videos aufnehmen, als mit ihr zu reden. Niemand nimmt wahr, was um ihn herum passiert. Das Mädchen sieht irgendwie unglücklich darüber aus und eine ganze Online-Welt paternalistischer Besserwisser stimmt das Klagelied auf die modernen Zeiten an (bis heute fast 20 Mio. Abrufe). Dabei scheint niemandem der Titel des Videos aufzufallen: I Forgot My Phone. Und auf einmal sieht der Clip anders aus: Hätte die hübsche Hauptdarstellerin ihr Telefon nicht liegen gelassen, würde sie dazu gehören. Vielleicht ist sie gar so traurig und genervt, weil sie jetzt gerade gern ein Foto geschossen oder ihren Status upgedated hätte. Interessante Gespräche scheint es in ihrem Freundeskreis ja nicht zu geben.

DOKU AUF DEM LITERATURFESTIVAL: Erlesene Welt

Vom 4. bis zum 15. September findet in Berlin das 13. internationale literaturfestival statt. Es hat seit langer Zeit schon den Ruf, mehr ein Forum für Gespräche oder zum Kennenlernen interessanter Autoren zu sein als eine Leistungsschau des Literaturbetriebs wie die Buchmessen in Frankfurt und Leipzig. Auch Filme werden im Rahmen des Festivals gezeigt: Die liebenswerte Dokumentation Erlesene Welt stellt drei besondere Menschen vor, die in Umzugskartons, auf Booten und Kamelen Bücher zu den entlegensten Winkeln der Welt bringen. arte zeigt den Film der Grimme-Preisträgerin Elisabeth Schwehm am 13. Oktober. Mitternachtskinder nach einer Vorlage von Salman Rushdie ist ebenfalls auf dem Festival zu sehen. Der weiltweit gefeierte Autor wird in einem Gespräch mit Eva Mattes auch seine vor Kurzem erschienene Autobiografie Joseph Anton vorstellen.

LORIOT: Skat

Gestern hatte Skat Geburtstag. Jedenfalls wurde der Begriff erstmals am 4. September 1813 erwähnt. Gut, dass es Tage gibt, an denen man nicht lange nach einem Grund suchen muss, um einen Sketch von Loriot anzuschauen.

I WANT TO BREAK FREE

Und noch ein Geburtstag: Heute vor 67 Jahren wurde Freddie Mercury in Sansibar geboren. Zwei gut gemachte Dokumentarfilme gibt es über das Leben des großen Künstlers. Queen aus dem Jahr 2009 ist eine solide arte-Dokumentation, lohnt sich aber vor allem wegen der ersten 30 Sekunden: Ringo Starr ein bisschen Off-Topic. Freddie Mercury: The Great Pretender hat Furore gemacht (hier leider mit französischen Untertiteln bei Myvideo und hier auf DVD erhältlich) . Die Dokumentation aus dem letzten Jahr enthält jede Menge neues Material: Schnipselchen der Kollaberationen mit Rod Stewart oder Michael Jackson und viele bisher unentdeckte Aufnahmen. Auf seinem 39 Geburtstag ging es im legendären „Travestie-Lokal Mrs. Henderson’s“ heiß her, auch die Outtakes zum Videodreh von I Want To Break Free sind köstlich. Die BBC-Doku hat keine Scheu vor der Schwulenikone Mercury, unerlässlich für ein ehrliches Porträt des 1991 an den Folgen von AIDS gestorbenen Sängers.

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Mediathekenumschau vom 02. September

Es ist so eine Sache mit den Mediatheken: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – alles ist überall abrufbar. Doch nur auf Zeit: Gerade die öffentlich-rechtlichen Programme sind oft nach einer Woche wieder offline. Verlängertes Fernsehen statt digitales Archiv. Bevor sie verschwinden, fischen wir die besten Perlen aus der TV-Flut.

SCHICKSALSSTUNDE: Der Kanzlersturz

3Sat +++ Sendung vom 22. August: In Zeiten, in denen Stefan Raab das TV-Duell gewinnt und nicht mal ein drohender Krieg oder die Ausspähung der Welt durch Verbündete Pfeffer in den Wahlkampf bringen kann, wirken die Machtkämpfe der alten Bundesrepublik nahezu erfrischend. In der Dokumentation Der Kanzlersturz erzählen Zeitzeugen, wie vor 31 Jahren ein Polterer aus der Provinz mit Tricks und Chuzpe (und der Hilfe der untreuen FDP) an die Macht kam. Der selbe Kanzler, der später mit seiner Aussitzpolitik die letzten Jahre der Bonner Republik sedierte. Von ihm hat Angela Merkel viel gelernt.

PORTRÄTS: Drei Deutsche – Ein Beruf

RTL +++ SPIEGEL TV +++ Sendung vom 1. September: Mit Helmut Kohl beginnt auch die Spiegel-TV-Ausgabe vom Duell-Wochenende. Das Magazin versucht sich seit jeher an der Mischung aus Boulevardthemen und ernsthaftem Journalismus, was manchmal mehr und manchmal weniger gelingt. Über die Jahre ist allerdings ein beachtliches Archiv zusammen gekommen. Spiegel-TV ist immer dann sehenswert, wenn es daraus schöpfen kann. Drei Lebensläufe im Zeitraffer.

SEHENSWERT GESCHEITERT: Ein Apartment in Berlin

3Sat +++ Sendung vom 31. August: Viele junge Israelis zieht es nach Berlin, wo nur noch wenig zu sehen ist von dem einstigen Zentrum jüdischen Lebens in Mitteleuropa. In ihrer Dokumentation konfrontiert die Filmemacherin Alice Agneskirchner drei junge Erwachsene mit dem Alltagsleben einer jüdischen Familie, die vor der Deportation in Prenzlauer Berg wohnte. Anhand von Listen, auf denen die damaligen Bewohner ihre Einrichtungsgegenstände vermerken mussten, sollen die Protagonisten die Wohnung der Familie rekonstruieren. Die Versuchsanordnung scheitert. Nach wenigen Tagen fühlen sich die Yael, Yoav und Eyal von dem verkopften Konzept verschaukelt, eine Art metaphysische Parallele lässt sich mit den Mitteln der eher aus dem Privatfernsehen bekannten Dokusoaps nicht erzwingen. Doch im Scheitern des Konzeptes erreicht der Film etwas ganz anderes: „Es ist ein Film über das Leben in Berlin geworden. Das dreier junger Israelis. Und das der Familie Adler.“ So schreibt es die Tagesspiegel-Autorin Verena Mayer in einem langen, sehr anschaulichen Artikel, der unbedingt vor oder nach dem Film gelesen werden sollte. Man lernt trotzdem viel: Zum Beispiel, wie es ist, mit einer Naziuniform durch Berlin zu laufen. Oder was junge Menschen in Israel überhaupt noch zu tun haben wollen mit dem Schicksal ihrer Großeltern. Und über die Anmaßung einer deutschen Filmemacherin, die ein erzwungenes Konzept über ihre Protagonisten stellt und damit – man muss es sagen – ihrerseits ein deutsches Klischee erfüllt. Sie wird eines Besseren belehrt und beweist Größe, indem sie am Ende die Menschen und damit die Geschichte für sich sprechen lässt.

URKOMSICH: Alte Schachteln

arte +++ laufende Reihe: Manchmal braucht es nur ein einfaches Rezept, um aus Fernsehen und Internet das Beste rauszuholen. Im Hauptprogramm als lockere Pausenfüller eingestreut, sind diese kleinen Clips in der Mediathek eine schöne Abwechslung im grauen Büroalltag. Warum sich nicht mal zwischendurch von alten Damen einen schmutzigen Witz erzählen lassen? Die Französinnen sitzen dabei so sympathisch und ein bisschen aufgeregt auf ihrer Couch, dass es richtig heimelig wird und man eigentlich nach der Pointe schockiert einen großen Schluck Pastis nehmen möchte. Oder schnell in die Kantine zu den Kollegen rennen.

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CULTURE&VIDEO TIPPS vom 29. August

Culture&Video heute unter anderem mit einem zuckersüßen Coming Out und einer Kampagne, die möglichst viele nach draußen (nämlich auf die Straße) bringen möchte.

COMING-OUT EINES YOUTUBE-STARS: Are you gay?

2008 startete der damals 15-jährige Lucas Cruikshank seinen Höhenflug zum Youtube-Superstar. 2008? Das ist lange her, Youtube war erst drei Jahre alt, der Gangnam-Style noch vier jahre in der Zukunft. Und eine Clipserie mit einem kleinen Jungen mit fiespsiger Stimme, der sich durch den schwierigen Alltag in einer sozial angeschlagener Familie kämpft, sorgte für den ersten Youtube-Kanal mit mehr als einer Million Abonnenten. Hauptfigur Fred Figglehorn ist hierzulande kaum jemandem bekannt. In den USA aber hat es Lucas Cruikshanks Alter Ego zu einer Serie beim “richtigen Fernsehen”, dem Kinderkanal Nickleodeon, und mehreren Filmen gebracht. Seit einiger Zeit videobloggt Cruikshank mit seiner besten Freundin vom Bett aus und beantwortet, ebenfalls millionenfach geklickt, Zuschauerfragen. Vor kurzem antwortet er auf die wohl recht häufig auftretende Frage, ob er schwul sei, mit einem kurzen “Ja”.

GUTE IDEE GEGEN KLIMALEUGNER: Climate Name Change

Er gehört zu den USA-Klischees: der immer größer werdende Einfluss rechts-konservativer Poltiker, die mit abstrusen Forderungen (doppelte Elektrozäune an der mexikanischen Grenze!) oder pseudo-wissenschaftlichen Theorien von sich reden machen. So behauptete der republikanische  Kongress-Abgeordnete Tod Akin einst, der Körper der Frau würde bei ener Vergewaltigung automatisch auf unfruchtbar schalten. Er begründete damit seine konsequente Ablehnung von Abtreibungen. Oft wird übersehen, dass es in den USA auch viele, gerade junge Menschen, gibt, die sich den Irren medial entgegenstellen, sei es durch ein öffentlichkeitswirksames Coming-Out auf Youtube oder diese schöne Idee: Künftig sollten Naturkatastrophen nach den bekanntesten Klimawandel-Skeptikern benannt werden. Was kann denn Sandy Mustermann dafür, wenn ihr Name mit Verwüstung und Chaos verbunden ist? Wäre es nicht schöner, man wüsste sofort, wem man den ganzen Schlamassel zu verdanken hat?

ALLTAGSLEBEN VOM PLATTENTELLER: Record

Menschen hören Musik zu unterschiedlichsten Orten und Gelegenheiten. Das ist jetzt erstmal nix neues. Eine neue Pesepktive auf unterschiedliche Musikgewohnheiten zeigt dieser Beitrag zu einem Wettbewerb der Lincoln Motor Company. Aus der kreisenden Sicht eines Plattentellers (Achtung: Drehwurm!) sind unterschiedlichste private Musikhör-Situationen zu sehen. Wunderschön.

Enough is Enough – Open Your Mouth

Über die amerikanische Art, sich im Internet zu präsentieren und Kampagnen zu organsieren haben wir ja schon gesprochen. Viel davon abgeschaut haben sich die Organisatoren der Demonstration gegen das scheußliche russische Homopropaganda-Gesetz am kommenden Samstag in Berlin. In ihrem Spot appelieren schnell hintereinander geschnittene Prominente abwechselnd mit Menschen von der Straße an das Einfühlungsvermögen der Zuschauer, verdammen Putins Politik und rufen zum Protest auf. Das macht Eindruck und sorgt hoffentlich für eine Menge Zulauf.
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CULTURE&VIDEO TIPPS vom 23. August

Culture&Video heute mit den Parteien zur Wahl, einer flinken Rasur und dem saloppen Umgang mit Geschichte.

BEWEGTER WAHLKAMPF

Alle vier Jahre sorgen sie für Belustigung. Die Wahlwerbespots der Parteien sind ab und zu absichtlich, meistens unfreiwillig und noch öfter gar nicht lustig. Die Grünen versuchen sich an Satire, kommen aber nicht weit. Zu vorhersehbar die Metapher mit der Schnecke, zu kalkuliert der Aufschrei (in den Kommentaren sprechen einige von einem voll nazimäßigen Vergleich von Mensch und Tier). Das Rednerpult der SPD dagegen hat das Zeug zum Web-Maskottchen, es steht im Garten, auf dem Campingplatz und in der Werkstatt. Nur, wenn es da steht, wo es eigentlich hingehört, vor dem Kanzlerkandidaten, wird alles ein bisschen dröge. Viel Spott bekommt auch die Kanzlerin ab. Mit moderner Wackelkamera und in Heldenpose erzählt sie, was sie möchte, für unser Land. Die Partei dahinter (die ja auf dem Wahlzettel steht) kommt nicht wirklich vor. Vielleicht hätte sie doch besser Marmelade kochen sollen?

NACHTRAG: Der „Hamburger Wahlbeobachter“ hat hier ein paar weitere Perlen des Video-Wahlkampfs zusammen getragen. Darin eine lustig gemeinte Parodie der Jungen Liberalen Thüringens auf die Marmeladen-Kandidatin und der Wahlkampfsong des Harzer SPD-Kandidaten Marco Hening. Das selbstgetextete Lied, vorgetragen in leicht leierndem Disco-Fox,  hat das Zeug zum Klassiker, im Video dreht sich eine silberne CGI-Platte. Das Urteil des Polit-Bloggers Martin Fuchs (auch sonst ist der Hamburger Wahlbeobachter absolut empfehlenswert) über einen weiteren trällernden Kandidaten könnte als Fazit seiner schönen Sammlung herhalten: „Programatik Fehlanzeige“.

MIT RASSISMUS UMGEHEN: Cracking the Codes

Ob in der nationalen Debatte um das N-Wort in Kinderbüchern oder bei der Wiederwahl des ersten schwarzen Präsidenten der USA: Man setzt sich wieder mehr mit Rassismus auseinander. Dabei geht es immer mehr auch um Alltagsrassismus. Vorkomnisse, die unterschwellig passieren; Ausgrenzungen die kaum ein anderer mitbekommt als die anders aussehenden selbst. In diesem Video erzählt eine schwarze Frau von einem Vorfall an einer Supermarktkasse. Mit entwaffndender Logik und Charme zeigt sie, was jeder von uns tun kann: Augen auf und einmischen. 

UNAUTORISIERTE WERBUNG: Mercedes Collision-Prevent-Assist-SystemSource

Wenn Filmstudenten sich an Autowerbung versuchen ist das bestimmt nicht im Sinne der Marketingabteilung des Herstellers. Hier könnte man aber meinen, Mercedes hätte heimlich seine Finger im Spiel. Zu ausgetüftelt ist die Idee, zu professionell die Umsetzung. Und lustig ist er auch. Warum mehrfach und in großen Einblendungen darauf hingewiesen wird, dass es keine Verbindung zum Konzern gibt, wird am Ende klar.

BART AB: Stop-Motion-Rasur

Zwei Millionen Klicks in wenigen Tagen. Der Fotograf Ben Garvin hat nur mit seinem iPhone etliche Standbilder  seiner Rasur geknipst und amüsant andeinander geschnitten. Was rauskommt ist wie so viel virale Hits ein nettes Späßchen, nicht mehr und nicht weniger. Für den Feierabend. Schönes Wochenende.

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Mediathekenumschau vom 18. August

Es ist so eine Sache mit den Mediatheken: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – alles ist überall abrufbar. Doch nur auf Zeit: Gerade die öffentlich-rechtlichen Programme sind oft nach einer Woche wieder offline. Verlängertes Fernsehen statt digitales Archiv. Bevor sie verschwinden, fischen wir die besten Perlen aus der TV-Flut.

MEDIENEREIGNIS: Gustl Mollath bei Beckmann

ZDF +++ Sendung vom 15. August: Natürlich ist es irgendwann auch mal gut und natürlich verstellt die Konzentration auf ein Einzelschicksal, bei dem Schuld und Unschuld erst noch geklärt werden müssen, den Blick auf das Große Ganze verstellen. In diesem Fall aber sollte man ihm zuhören. Gustl Mollath kann viel erzählen über die Verhältnisse in deutschen Psychiatrien. Wobei lange für (oder gegen) ihn geredet wurde. Das erste Mal selbst im Fernsehen ist er bei Beckmann gewesen.

GUT NACHGEMACHT: Nicht nachmachen

ZDF +++ Sendung vom 16. August: Mit „Nicht nachmachen“ füllt das ZDF die Sommerpause der heute show mit dem Ziel, das eher jüngere Publikum bei der Stange zu halten. Wobei „eher jünger“ hier für unter dem Altersdurchschnitt des Senders steht. Die Sendung ist dann auch so etwas wie Jack Ass für Erwachsene. Statt sich aber wie Johnny Knoxville berufsjugendlich zu geben, spielen Boning und Hoecker wie gewohnt mit Seriösität und Klamauk Ping Pong im Hipsterlook und treffen den Nerv einer Generation, die für’s ZDF immer noch jung ist.

EUROPA-SEHNSUCHT: Was mir fehlt

arte +++ laufende Reihe:Um Europa steht es nicht gut hört man allenthalben und an jeder Straßenecke. Da wirkt es manchmal geradezu drollig, wie der deutsch-französische Gemeinschaftssender arte die europäische Seele streichelt. Es ist aber auch zu schön, diesen innereuropäischen Migranten zuzuhören, die erzählen, was ihn in ihrer neuen Heimat gerade fehlt. Und wiedermal ist arte weit vorn, was Content und Präsentation im Netz angeht. Die Clips passen nicht so recht in ein klassisches TV-Format. Geben tut es sie trotzdem. Schön.

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CULTURE&VIDEO TIPPS vom 16. August

BUNTER ALLTAG: Incredible Vine Compilation

Mit Vine kann ich noch nicht so viel anfangen. Das “Twitter mit Videos”, die noch dazu besonders kurz sein müssen, erschließt sich mir nicht und ich kann mir auf einmal vorstellen, wie meine Großmutter sich fühlt, wenn ich von Facebook erzähle. In den USA ist der neue Dienst der Hit, besonders bei der mit allerlei sozialen Netzen groß werdenden Jugend. Und mit Hilfe von Vine kann etwas tolles entstehen. Aus den Unmengen naturgemäß ziemlich banaler Alltagsvideos und Nachrichten der User wurde etwas unglaubliches geschaffen. Der gut 10 Minuten lange Clip ist ein Potpourri der amerikanischen Alltagsskultur, von Möchtegern-Rappern über süße Katzen bis zu unbeholfenen Stuntversuchen auf dem Schulhof. Sehr, sehr lustig.

VERKEHRSERZIEHUNG MIT KURZFILM: From One Second To the Next

Das Anliegen scheint ihm wichtig zu sein. So wichtig, dass der legendäre Filmemacher Werner Herzog manchmal schon wie ein grantiger Opa wirkt. Keine Gelegenheit lässt er aus, um vor den Gefahren des Telefonierens und SMS schreibens am Steuer zu warnen. Nur konsequent, dass er sich auch filmisch dem Thema widmet. In einem bewegenden Clip erzählt er die Geschichte von drei Menschen, deren Leben durch die vermeintliche Lapalie bestimmt wird, sei es als Opfer, als Polizist am Unfallort oder – und hier ist der Film besonders beeindruckend – als Fahrer, der ein Unglück verursacht. Ein kurzes “I love you” an seine Freundin hat 3 Menschen das Leben gekostet. Der junger Mann erzählt seine Geschichte für ein Video einer Kampagne für Verkehrssicherheit, das auch in Schulen gezeigt werden soll. Werner Herzog gelingt ein bewegendes Dokument.

DIESE MENSCHEN ZERSTÖREN AMERIKA: The Colbert Report

Seinen Colbert Report würde man bei uns wohl einen kabarettistischen Kommentar zum Zeitgeschehen nennen, wobei im amerikanischen Fernsehen immer auch Show und Entertainment regieren, wie an dieser All-Star-Version von Daft Punks Get Lucky zu sehen ist. In einem politischeren Segment stellt Steven Colbert regelmäßig Leute vor, die den Untergang Amerikas bedeuten. Der comedian, dessen Rolle den geleckten konservativer Meinungsmachern des Kabelfernsehens nachempfunden ist, meint natürlich das Gegenteil. Nur in den Augen des rechten Amerikas a la Fox News ist der schwule Bürgermeister einer Kleinstadt in Kentucky eine Gefahr für die Allgemeinheit. Ein köstliches Lehrstück über konservative Lebenslügen.

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CULTURE&VIDEO TIPPS vom 9. August

CULTURE&VIDEO dreht sich heute um die Kunstwelt. Mit einem Highlight von der Biennale in Venedig, Kunst im Internet und noch was.

KUNST-HIGHLIGHT: An Immaterial Retrospective of the Venice Biennale

Die 55. Biennale von Venedig ist in vollem Gange. Die ersten Artikel sind geschrieben, Freunde kehren schon begeistert nach Hause zurück, einige warten noch auf den etwas kühleren September. Unumstrittener Publikumsliebling: der rumänische Pavillon. Die Attraktion der Saison klingt eher nach einem Highlight für Kunstkenner, seine Komik scheint aber universell. Eine Gruppe Performer stellt in einem kargen Raum Meisterwerke der Biennale-Geschichte pantomimisch dar. Spätestens beim gequälten Stier aus Picassos Guernica lacht auch der Laie.

KUNSTFERNSEHEN AUS NEW YORK: art21.org

Und wir bleiben bei der Kunst in dieser Woche. Art21.org aus New York produziert regelmäßig Porträtreihen, Dokumentationen und kleine Features rund um den internationalen Kunsbetrieb für den nichtkommerziellen US-Sender PBS. Ein Teil davon ist auch online zu sehen. Eine Schatztruhe für alle, die sich für zeitgenössische Kunst interessieren. In der aktuellen Reihe NewYorkCloseUp rollt die Künstlerin Mary Mattingly ihre persönlichen Habseligkeiten in einer Kugel durch die Straßen New Yorks.

KUNSTSCHMARRN: Marina Abramovic Institute

Vielen geht die Ominpräsenz Marina Abramovics auf die Nerven, ich gehöre dazu. Als Fan habe ich lange jedes Fitzelchen Performance ausgegraben und Freunde ausgequetscht, die es nach New York geschafft haben, um ihr im MOMA gegenüber zu sitzen. In Manchester habe ich zugesehen, wie sie Robert Wilson geholfen hat, wieder etwas spannendes zu machen (Fantastisch: The Life and Death of Marina Abramovic). Jetzt reichts. Ein selbst verliebter Spendenaufruf für ein Institut mit ihrem Namen das ihre Methode lehrt? Das Geld der geblendeten Spender sammelt sie über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter, eigentlich als Starthilfe für Indieprojekte gedacht. Aber hey, es gibt ja auch eine Belohnung für die Spende: A Hug from Marina Abramovic.

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CULTURE&VIDEO TIPPS vom 1. August

Bei CULTURE&VIDEO geht es heute um darum, dass Aufklärung unterhalten kann – und schön aussehen. Und Protest manchmal schockieren muss. Und um zeitlose Musik.

MUND ZUGENÄHT: open your mouth

Ihr Protest ist drastisch und die öffentliche Aufmerksamkeit sicher: Die Berliner Drag-Queen Barbie Breakout hat sich den Mund zugenäht um gegen die schlimmen Zustände in Russland zu protestieren. Seit einiger Zeit schon sind Schwule, Lesben und andere, die nicht in das klassische Familienbild passen, zunehmender Repression ausgesetzt. Vorläufiger Höhepunkt: ein Gesetz gegen „Homosexuelle Propaganda“. Jeder Hinweis auf Homosexualität in der Öffentlichkeit kann zu empfindlichen Strafen führen. Auf den ersten Blick kommt einem Barbie Breakouts Form des Protestes vielleicht übertrieben vor. Doch die Statements der sich eigentlich als unpolitisch bezeichnenden Aktivistin machen deutlich, was sie antrieb. Sie habe sich hilflos gefühlt angesichts des Leids der russischen Freundinnen und Freunde und der Tatenlosigkeit westlicher Regierungen. Die Wut darüber steht ihr ins Gesicht geschrieben, das kann jeder sehen, der es bis zum Ende des Videos aushält. Respekt.

GUT VERPACKT: Überwachungsstaat – Was ist das?

Ein komplexes Thema in einfachen Worten erklärt, zu schnell live gezeichneten Comicbildchen. Ein schönes Konzept, das aufklärt und gleichzeitig unterhält, wie gemacht für einen viralen Hit in der (böses Wort) Netzgemeinde. So freuen sich auch diejenigen über kluge Pointen, für die die gestellten Fragen nur rhetorisch sind. Sehen sollten es aber vor allen ihre Eltern, Onkel und Nachbarn, die  immer noch glauben, nichts zu verbergen zu haben.

COMIC-ERKLÄRVIDEO IM ORIGINAL: Crisis of Capitalism

Abgeschaut hat sich der Zeichner des Aufklärungsvideos zum Überwachungsstaat die Methode von dem britischen Think Tank RSA (Royal Society for the encouragement of Arts, Manufactures and Commerce). Vor einigen Jahren schon suchten die Macher einen Weg, das bei ihren Vorträgen vermittelte Wissen anschaulich unter’s (Internet-) Volk zu bringen. Ihre schnellen Animationen sind kleine Meisterwerke des Edutainments, der populärste und gleichzeitig tollste Clip „Crisis of Capitalism“, ein Vortrag des renommierten Sozialwissenschaftlers David Harvey hat inzwischen 2,2 Mio. Klicks. Zur Hochzeit des Banken-Crashs demaskierte er Erklärungsmodelle für die globale Krise.

IKONE: Kate Bush Documentary 1980

Kate Bush war immer was besonderes. Für Nachgeborene kaum erklärbar, wie das mit einer elfenhaften Stimme ausgestattete Wesen mit der experimentell wirkenden Musik in kürzester Zeit zum Superstar avancieren und den Sound von Generationen nachfolgender Musikerinnen prägen konnte. Ihre Songs sind sperrig aber einprägsam. Diese Aufnahme ist etwas besonderes, eine Musikdoku des SWF aus dem Jahre 1980 mit schön-schrägen Konzertaufnahmen und tollen Interviewpassagen, die eine verletzliche junge Frau zeigen. So offen hat sie sich später selten geäußert.

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Die Mediathekenumschau vom 29. Juli

Es ist so eine Sache mit den Mediatheken: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – alles ist überall abrufbar. Doch nur auf Zeit: Gerade die öffentlich-rechtlichen Programme sind oft nach einer Woche wieder offline. Verlängertes Fernsehen statt digitales Archiv. Bevor sie verschwinden, fischen wir die besten Perlen aus der TV-Flut.

WUNDERSCHÖN: Der Riesentintenfisch

arte +++ Sendung vom 27. Juli: So groß wie in den Schauergeschichten von Hoher See sind sie zwar nicht, doch der Reiz dieser mysteriösen Tiefseeart rührt woanders her: Niemand hat je zuvor einen Riesenkalmar gesehen. Gefundene Exemplare sind meist schon vertrocknet und auch aus dem Wasser gefischte Überreste vermitteln keinen Eindruck von ihrem wahren Aussehen. 2005 gelangen das erste Mal Aufnahmen eines blitzschnell an einer Kamera vorbeihuschenden Exemplares, doch erst im vergangenen Jahr konnte die größte Tintenfischart von einem Tauchboot aus in ihrer natürlichen Umgebung gefilmt werden. So bleibt genug Zeit zum Betrachten des stattlichen Tieres. Der goldene Schimmer überrascht die Forscher, faszinierend sind auch die großen Augen, die ihm ein menschliches Antlitz – einen traurigen Blick – zu verleihen scheinen (Wer die leicht schmalzige Einführung überspringen möchte, sieht die spektakulären Bilder etwa ab Minute 32). Genauso schön wie die seltenen Aufnahmen ist es aber auch, dem Team des japanischen Forschers Tsunemi Kubodera zuzuschauenn. Ein Lebenstraum geht in Erfüllung.

ERNSTHAFTE AUSEINANDERSETZUNG: George

ARD/SWR +++ Sendung vom 24. Juli (Achtung: voraussichtlich nur bis 31. Juli online) : Künstler im Dritten Reich. Die Auseinandersetzung mit den tragischen Lebensläufen der von Hitler und Goebbels hofierten Kulturschaffenden hat unsägliche Flops wie die letzte Jud-Süß-Collage und neue Meisterwerke entstehen lassen. Klaus Manns Mephisto ist ein Klassiker und die mit dem Emmy ausgezeichnete Dokumentation „Die Macht der Bilder“ über Leni Riefenstahl (unbedingt anschauen) von 1993 lässt einen noch heute über die lächelnde Torheit des Filmgenies staunen. Der große Schauspieler Heinrich George war auch so einer. Mit den Mitteln des modernen Dokudramas gelingt es hier jedoch einen Schritt tiefer zu gehen, als es die greise Riefenstahl bis zu ihrem Tod zuließ. So spielt Götz George seinen Vater mit einer preußischen Bärbeißigkeit und porträtiert einen Mann mit dem Drang zum großen Schauspiel. Sein unpolitischer Ehrgeiz macht ihn zu einem willfährigen Helfer der Nazis. Damit kommt diese Teamworx-Produktion dem großen Thema des im letzten Jahr gefeierten Hannah-Arendt-Biopics, der Banalität des Bösen, näher als weichgespülte Schuldhalden wie „Unsere Mütter, unsere Väter“, mit denen uns Nico Hofmanns Produktionsfirma sonst gern beglückt.

AUSSTEIGER MIT FREISCHWIMMER: Boat Punk

arte Tracks +++ Sendung vom 16. Februar: Seit Jahren schippern Tyler Bullock, Swoon und andere Aussteiger durch die Gewässer rund um New York, zumeist auf selbstgebauten Floßen. Einige haben keinen festen Wohnsitz mehr, auf den Flüssen und in versteckten Buchten entziehen sie sich auf ihre eigene Art der Kontrolle durch Polizei und Stadtverwaltung. Arte Tracks stellt diese kurze Reportage aus dem Februar noch einmal online, mitsamt einer tollen Begleit-Webseite, die die Geschichten über die porträtierten Seemänner- und frauen zusammenfasst und mit unerwartetem Bonusmaterial aufwarten kann. Schon verständlich, dass es die Geschichte der exhibitionistischen russischen Greise in einem alten Hafenbecken nicht in den Film geschafft hat. Missen möchte man sie trotzdem nicht.

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CULTURE&VIDEO TIPPS vom 1. August

Bei CULTURE&VIDEO geht es heute um Demokratie und Propaganda und einen Politiker bei Gloria an der Theke.

JFK HOCHAKTUELL: „The very word „secrecy“ is repugnant in a free and open society“

Zu Recht geistert diese zuvor eher für ihren Aufruf zur Wachsamkeit im Kalten Krieg beachtete Rede John F. Kennedys vom 27. April 1961 zur Zeit durch’s Netz. Vor der ANPA, der Vereinigung der Zeitungsverleger, reagierte Kennedy seinerzeit auf Vorwürfe im Zusammenhang mit der misslungenen Schweinebuchtinvasion. Er malte ein schauriges Bild der Feinde aus dem anderen Block an die Wand: „Our way of life is under attack“. Heute rückt die historische Rede aus einem anderen Grund in den Fokus: Sie ist ein flammendes Plädoyer für die offene Gesellschafft, für Demokratie und Pressefreiheit. John F. Kennedy wagt einen erstaunlichen Rundumschlug, der aktueller nicht sein könnte. Die Abkehr von den Idealen der Gründerväter erklärt er zum Sargnagel der Demokratie. Heute hören sich einige Passagen an, als würde er dem amtierenden Präsidenten ein Zeugnis ausstellen. Setzen. Sechs.

Dabei erinnert Kennedy die Vertreter der Presse  auch an ihre eigene Verantwortung und sagt nebenbei einen Satz, der eingerahmt in jeder Chefredaktion hängen sollte:  „And that is why our press was protected by the First Amendment —the only business in America specifically protected by the Constitution— not primarily to amuse and entertain, not to emphasize the trivial and the sentimental, not to simply ‚give the public what it wants‘ — but to inform, to arouse, to reflect, to state our dangers and our opportunities, to indicate our crises and our choices, to lead, mould, educate and sometimes even anger public opinion. “ (Transkript/Komplettes Aufzeichnung)

KÖSLTICH: So What Happens When You Make A Fake North Korean Propaganda Film?

Sabine bekommt auf einer Reise nach Südkorea eine DVD zugesteckt. Darauf: Mehrere Teile einer Serie von Propgandafilmen des nordkoreanischen Fernsehens. In typischer Tonlage und mit allerlei bunten Bildchen unterlegt, schimpft eine Stimme über die Auswüchse des westlichen Systems, über Vergnügnungssucht, Kaptitalismus und Krieg. Sabine untertitelt die Videos und stellt sie nach und nach bei Youtube online. Ein viraler Hit, wer einmal Ausschnitte aus dem wirklichen Staatsfernsehen gesehen hat, zweifelt nicht an der Echtheit des Materials. Doch je mehr Videos veröffentlicht werden, desto mehr setzt sich das Bild einer perfiden Dekonstruktion des westlichen Lebensstils zusammen. Wer kann schon widersprechen, wenn die kreischenden Hausfrauen bei Oprah als Opfer des Konsumterrors oder Banken als eigentliche Strippenzieher in Washington dargestellt werden? Es kommt wie es kommen muss: Es handelt sich um einen Fake. Der neuseeländische Regisseur Slavko Martinov hat eine abenteuerliche mediale Konstruktion geschaffen. Dass sie funktioniert, zeigen die vielen Kommentare bei Facebook, Youtube und Co. Etliche nehmen das Machwerk für bare Münze, darunter auch der südkoreanische Geheimdienst. Im Interview mit dem Online-Filmmagazin Indiewire spricht der Regisseur über das Projekt. Auf der Webseite ist der ganze Film zu sehen (auf Grund einer Alterssperre kann es zu Zugriffsproblemen kommen. Der komplette Film findet sich auch hier.)

THEKENSCHLAMPE

Gloria Viagra, Berlins größte Drag-Queen, hat ein eigenes kleines Interviewformat im Netz. Schon zum Start vor einigen Wochen wurde hier darauf hingewiesen, doch nach einigen Holprigkeiten zu Beginn hat sich das Format zu einem kurzweiligen kleinen Juwel entwickelt. In der sechtsen Folge ist der grüne Bundestagsabgeordnete Ulrich Schneider zu Gast. Wohl nur Gloria schafft es, ihrem Gesprächspartner so charmant nach dem Glaubwürdigkeitsproblem der Grünen zu fragen und muss dafür sofort vom Lieblingsgetränk des Gastes probieren („Schmeckt wie die Leber meiner Oma“). Köstlich.

 

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Die Mediathekenumschau vom 21. Juli

Es ist so eine Sache mit den Mediatheken: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – alles ist überall abrufbar. Doch nur auf Zeit: Gerade die öffentlich-rechtlichen Programme sind oft nach einer Woche wieder offline. Verlängertes Fernsehen statt digitales Archiv. Bevor sie verschwinden, fischen wir die besten Perlen aus der TV-Flut.

MÄDCHENGESCHICHTEN: Orchideen in Pankow

3Sat +++ mehrere Folgen: Die Reihe Mädchengeschichten ist etwas ganz besonderes. Kurze Dokumentarfilme, meist eine knappe halbe Stunde lang, porträtieren junge Frauen aus den unterschiedlichsten Weltgegenden. Dabei gelingt die Mischung aus besonderen Schicksalen und den Problemen, die Mädchen überall mit dem Erwachsenwerden haben. Meliha aus Bosnien und Fatima aus Tschetschenien sind beide von Kindheit an mit den Folgen von Krieg und Vertreibung konfrontiert gewesen. Meliha heiratet nun schon zum dritten Mal, der Sprung in ein eigenständiges Leben will der 17-jährigen aus einem kleinen Dorf einfach nicht gelingen. Fatima wünscht sich nichts sehnlicher, als endlich ein erwachsenes Leben führen zu können. Die Folge „Orchideen in Pankow“ erzählt die Geschichte der Berlinerin Giang, die sich entscheiden muss zwischen dem Abitur oder dem Blumenladen der Mutter. Eine Reise zu Ihrer Familie in Vietnam hilft ihr, Antworten zu finden.

LEBENSMITTELDOKUMENTATION: Unser täglich Gift

arte +++ Sendung vom 22. Juli: Irgendwie wissen es alle, aber sei es aus Desinteresse oder Ohnmacht, wir hinterfragen selten, was genau auf den Tisch kommt. Dabei geht es weniger um Lebensmittel aus dem Discounter oder den Bio-Boom. Ganz normale Produkte, millionenfach konsumiert, werden auf ihrem Weg auf den Teller mit oft fragwürdigen und schlecht kontrollierten Chemikalien behandelt. Die französische Dokumentation verfolgt diesen Weg und beginnt ganz am Anfang: auf dem Feld. Sie untersucht die Zusätze und stellt Zusammenhänge her mit Volksleiden wie Diabetes und Krebserkrankungen. Ohne Panikmache werden wichtige Fragen gestellt.

ALTERNATIVE SHOOTING STARS: Austra beim Melt-Festival

ZDF Kultur +++ Sendung vom 22. Juli: In letzter Zeit ist es ein bisschen ruhiger geworden um kanadischen Musiker Austra. Das neue Album Olympia schlug nicht so ein wie erwartet und der Durchbruch mit „Feel It Break“ ist nun auch schon zwei Sommer her. Durch endloses Touren und gefeierte Festival-Auftritte haben sich Austra nichtsdestotrotz einen Ruf als geniale Live-Band erarbeitet, was beim diesjährigern Melt-Festival zu sehen und ZDF Kultur einen Mitschnitt wert gewesen ist. Schön, den sphärischen Klängen  der Sängerin Katie Stelmanis (immer noch ein Hit: „Lose It“ bei Minute 46:15!) und ein bisschen Festivalatmosphäre zu schnuppern.

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CULTURE&VIDEO TIPPS vom 18. Juli

Bei CULTURE&VIDEO kann man diese Woche was lernen – vom Leben Schwuler in der DDR, wie man einen Flügel oder Gummibärchen macht. Und: Wir finden Fehler im Pop-Kulturgut.

HOMOSEXUELLE IN DER DDR: DDR unter’m Regenbogen

Viel geht verloren aus dem Alltag in der DDR. Aufgehübscht für schmackhafte Komödien oder mit der Extraportion Stasi-Grusel: Wie wirklich gelebt wurde, verwischt immer mehr im Historien-Kitsch. Das betrifft auch Lebensgeschichten, die sich zwar (anders als Im Westen) in der Legalität abspielten, aber doch am Rande der Gesellschaft. Jochen Hick erzählt von den Homosexuellen in der DDR streng an ihrer eigenen Geschichte entlang.

SCHÖNE PRODUKTE I: The Making of Steinway

Produktvideos und Imagespots sind ja selten schön. Und einfach so Werbung machen ziemt sich auch nicht in einer unabhängigen Linkempfehlung. Heute gibt’s mal eine Ausnahme: Steinway & Sons zeigt in diesem wunderschönen Video, wie ein Flügel gebaut wird. Zu treibender klassischer Musik wird jeder Arbeitsschritt von einer sonoren 60-er-Jahre-Erklärstimme durchgespielt. Eine Massage für die Seele.

SCHÖNE PRODUKTE II: Gummibärchen

Und woran erinnert uns das? Richtig, die Sendung mit der Maus. Grund genug, diese Version des berühmten Gummibär-Erklärvideos wieder rauszukramen. Ohne viel Musik, aber in ähnlichem Tonfall. Und ganz ohne Markenhinweis. Schön ist übrigens diese Seite, auf der alle Lach- und Sachgeschichten im Netz alphabetisch geordnet verlinkt sind.

ACTUALLY IRONIC

Und wo wir schonmal beim Erklären sind. Die ganze Welt sang 1995 mit, als Alanis Morissette ihren Smash-Hit “Ironic” landete. Die wenigsten haben mitbekommen, dass kaum eines der im Liedtext aufgezählten Beispiele tasächlich ironisch ist. Die Könige unter den Klugscheißern sagen sogar kein einziges! Gut, dass es sich im Internet eine textlich leicht korrigierte Variante findet.

 

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Die Mediathekenumschau vom 14. Juli

Es ist so eine Sache mit den Mediatheken: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – alles ist überall abrufbar. Doch nur auf Zeit: Gerade die öffentlich-rechtlichen Programme sind oft nach einer Woche wieder offline. Verlängertes Fernsehen statt digitales Archiv. Bevor sie verschwinden, fischen wir die besten Perlen aus der TV-Flut.

 

ARTE-THEMA: Summer of Soul

arte +++ ab 13. Juli: Statt auf das Fernsehprogramm zurück, schauen wir heute mal nach vorne. Um von dort wieder zurück zu schauen, oder so ähnlich – auf die Geschichte des Soul nämlich. Arte startet an diesem Wochenende seinen „Summer of Soul“ vollgepackt mit Spielfilmen, Dokus, Konzertaufzeichnungen und einem ganz besonderen Highlight: Ein 8-teiliges Porträt der legendären Musikshow „Soul Train“. Dabei spielt der Kulturkanal die Möglichkeiten seiner übersichtlichen Webseite (wer sich einmal bei zdf.de verlaufen hat weiß, wovon die Rede ist) und seiner Mediathek arte+7 voll aus. Warum sich eigentlich noch termingerecht vor dem Fernseher einfinden, wenn man einen ganzen Sommer-Sonntagnachmittag damit verbringen kann, erst etwas über die Geschichte des Souls zu lernen, dann im „Soul Train“ zu Sly & the Family Stone zu wippen und am Ende vielleicht noch Ray Charles’ Aufstieg zur Ikone zu verfolgen. Oder vielleicht doch lieber Shaft? Toll!

BESCHEID WISSEN: Gasland

arte +++ Sendung vom ab 9. Juli: Fracking ist in aller Munde. Wie weit die neue industrielle Revolution in der Ölgewinnung bereits fortgeschritten ist, wird erst langsam klar; ebenso, wie gravierend die ökologischen Folgen sind. Ausgehend von seiner eigenen Geschichte – er wurde aufgefordert, sein Land für eine Fracking-Bohrung zur Verfügung zu stellen – hat der Filmemacher Josh Fox bereits 2010 eine eindrucksvolle Dokumentation gedreht. Nach „Drogen – Amerikas längster Krieg“ zeigt arte einen weiteren tiefen Einblick in die offenen Wunden Amerikas. Wieder handelt es sich um einen eindrucksvollen politischen Dokumentarfilm.

ZUHÖREN: B.sucht – Autismus

WDR, b.sucht +++ Sendung vom 11. Juli: Wann immer in einem Drehbuch ein kluger Spinner gebraucht wird, sitzt der Griff in die pathologische Mottenkiste: Ein Autist muss her! Seit Rain Man ist dieses Muster fest verankert und bescherte uns so liebevolle Figuren wie Max aus “Mary und Max” oder den kleinen Jungen, der Tausende Schlösser in New York ausprobieren will um das passende für seinen Schlüssel zu finden (“Extrem laut und unglaublich nah”). Das Autismus in vielen Formen auftreten kann und Betroffene oft mehr unter dem Klischee leiden als unter den direkten Folgen, spricht sich nur langsam rum. Die Einfühl-Allzweckwaffe des WDR, Bettina Böttinger, besucht Menschen mit Autismus und hört ihnen zu. Auch mal was.

SOMMERPAUSE: Kulturzeit kompakt

3Sat +++ Montag bis Freitag: Es ist Sommerpause. Das macht sich nicht nur dadurch bemerkbar, dass sich die Mediathekentipps zwar auf dem Balkon, aber eben nicht am See zusammenschreiben lassen. Auch beim Output schalten die Sender einen Gang runter. Schön, dass Kulturzeit wenigstens einen kleines Ersatzangebot bereit hält. „Kulturzeit kompakt“ beschäftigt sich täglich mit nur zwei Themen und (Hochkultur-) Nachrichten des Tages. Das kommt flotter daher als das oft biedere Original. In der letzten Sendung dürfen die armen Kollegen, die nicht im Urlaub sind, einen Comic nacherzählen und es fallen so schöne Sätze: „Ob Joghurt oder Hannelore Kraft, Frank Stauss bewirbt alles“.

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Die Mediathekenumschau vom 7. Juli

Es ist so eine Sache mit den Mediatheken: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – alles ist überall abrufbar. Doch nur auf Zeit: Gerade die öffentlich-rechtlichen Programme sind oft nach einer Woche wieder offline. Verlängertes Fernsehen statt digitales Archiv. Bevor sie verschwinden, fischen wir die besten Perlen aus der TV-Flut.

Drogen: Amerikas längster Krieg

arte +++ Sendung vom 2. Juli: Es ist der persönliche Ansatz, der diese Dokumentation so einzigartig macht. Die Dimensionen des weltweiten „War on Drugs“, den alle Regierungen weltweit gemeinsam führen, sind unfassbar. Kartelle werden mit militärischen Angriffen überzogen und Grenzen zu Festungen ausgebaut. Am Ende der Wertschöpfungskette stehen kleine Fische, die zu Kriminellen gemacht werden und die Gefängnisse verstopfen und User, die mit ihrem Geld die großen aufrüsten. Der Filmemacher Eugene Jarecki zeigt die Opfer dieses Krieges. Seine Reise durch ein von Gewalt und Rassismus geprägtes Amerika erschüttert und informiert zugleich. Durch seine offene Art, Fragen zu stellen, die nicht zu beantworten sind, zeigt er das tödliche Netz aus Aktion und Reaktion und stellt gut verständlich Zusammenhänge her, die an der offiziellen Politik kein gutes Haar lassen. Mit seinem Film hat Jarecki den Jury-Preis des Sundance-Filmfestivals gewonnen. Unbedingt ansehen!

Abschiebung im Schnellverfahren: Justiz gnadenlos

ARD, Report Mainz +++ Sendung vom 2. Juli: Auf einmal ist das Thema wieder auf der Tagesordnung. Edward Snowdon ist ein klassischer politischer Flüchtling, seine Asylanträge werden heiß diskutiert. Doch wie gehen wir mit Flüchtlingen um, die nicht im Fokus der Öffentlichkeit stehen? Während sich zu Snowdens Antrag die Bundesregierung erklären muss, urteilt eine Richterin in Eisenhüttenstadt Asylbewerber reihenweise ab. Im 15-Minuten-Takt wird das Schicksal der “Asyltouristen” (O-Ton aus den Urteilen) besiegelt. 

Bauerfeind 28:30: Tim Bendzko

Katrin Bauernfeind ist sympathisch. Trifft sie auf einen sympathischen jungen Mann wie Tim Bendzko kann es anstrengend werden. In der überraschend hübschen Kulisse der leeren Berliner Waldbühne verhindert der Shootingstar des Deutschpop durch seine offene und reflektierte Art das Abdriften ins Seichte. Man hört den beiden einfach gerne zu. 

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Die Mediathekenumschau vom 30. Juni

Es ist so eine Sache mit den Mediatheken: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – alles ist überall abrufbar. Doch nur auf Zeit: Gerade die öffentlich-rechtlichen Programme sind oft nach einer Woche wieder offline. Verlängertes Fernsehen statt digitales Archiv. Bevor sie verschwinden, fischen wir die besten Perlen aus der TV-Flut.

Vergessene Filmschätze

arte +++ Sendung vom 29. Juni: Eine Fundgrube! Regelmäßig sammelt arte historische Filmaufnahmen zusammen und stellt diese in einen oft auch für Auskenner überraschenden Kontext. In der aktuellen Ausgabe zeigt die Reihe Aufnahmen der allierten Siegesfeiern nach dem Ersten Weltkrieg. Seltsam gestellt wirken diese Bilder, dabei gab es doch wirklich einen Grund zu feiern… Im Fernsehen werden sich wohl wenige die Zeit für einen Trip in die Vergangenheit nehmen. In einer Mediathek schnell mal reinschauen, lohnt sich.

Wanted im Netz

3Sat +++ Kulturzeit +++ Sendung 28. Juni: NSA-Skandal, Lauschangriff und Tempora – Im Windschatten der großen Nachrichten segelt so manches deutsche Sicherheitsorgan unter dem Radar. Oder hätten sie gedacht, dass die Polizei inzwischen immer öfter ins Netz geht und gezielt, quasi auf du und du mit dem User, in sozialen Netzwerken auf Gangsterjagd geht. Über Sinn, Unsinn und Zukunft der digitalen Polizeiarbeit hat sich die Redaktion von Kulturzeit Gedanken gemacht.

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Die Mediathekenumschau vom 23.Juni

Es ist so eine Sache mit den Mediatheken: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – alles ist überall abrufbar. Doch nur auf Zeit: Gerade die öffentlich-rechtlichen Programme sind oft nach einer Woche wieder offline. Verlängertes Fernsehen statt digitales Archiv. Bevor sie verschwinden, fischen wir die besten Perlen aus der TV-Flut.

WDR +++ jeden Montag, Dienstag und Donnerstag: Sechs Sendungen vom Tagesschaum sind jetzt schon über den Äther gegangen und das in der ersten Folge noch etwas gewöhnungsbedürftig wirkende neue Format, passgerecht um den politischen Alles-Kommentierer Friedrich Küppersbusch herum gebastelt, hat sich fest im TV-Kalender etabliert. Und das nicht im Dritten Programm am späten Abend, sondern über Youtube. Zwar scheint der Plan, die Sendung bereits am Nachmittag auch auf der Videoplattform anzubieten (Hat jemand eigentlich mal in den Rundfunkstaatsvertrag geschaut? Geht das überhaupt?) nicht ganz aufgegangen zu sein. Doch drei Mal in der Woche lohnt sich das Warten auf die Stimme der Vernunft im manchmal grotesken Politikzirkus. Küppersbuschs Einfälle haben das Zeug zum Klassiker.

  • RALF KÖNIG IM PORTRÄT: Square

arte +++ Sendung vom 23. Juni: Ralf König ist auf dem besten Weg in den Literaturkanon. Und das mit Comic-Büchern wie “Das Kondom des Grauens” oder “Der bewegte Mann”, beide wurden auch erfolgreich verfilmt. Immer mehr Galerien zeigen seine Knollennasenmenschen. Im kurzweiligen und sehr persönlichen Interviewformat “Square” wundert sich der bodenständige Künstler über die Aufmerksamkeit des Feuilletons. Früher hätten seine Comics im WG-Klo rumgelegen, Originale seien für ihn wertlos gewesen. Heute hängen sie im Museum Ludwig.

rbb +++ Sendung vom: 23. Juni: Und, was gemerkt? Ein Mediatheken-Tipp über den Comic-Zeicher Ralf König und kein einziges Mal kam das Wort “schwul” vor. Gut, das war jetzt Absicht. Aber wie erfrischend ist es doch, gewohnte Muster zu verlassen und Schwule, Lesben und alle anderen nicht als etwas Besonderes, sondern als Teil der ganz normalen Vielfalt darzustellen. Ein Anliegen, dass jedem Christopher Street Day wichtig ist. Bei den Paraden fallen “schrille” Kostüme auf, weil jeder auffallen darf und sollte. Dass es sich dabei um ein wichtiges Anliegen handelt, spricht sich immer mehr rum, wie die jährliche Zusammenfassung des Berliner CSDs im rbb mit interessanten Einspielern aus der Vergangenheit der Schwulenbewegung und dem Alltagsleben auch abseits des Feierns zeigt.

3Sat +++ Sendung vom 21. Juni: Gustav Peter Wöhler kennen viele als den kleinen Dicken aus „Bin ich schön?“ oder als einen von Ottos „Sieben Zwergen“. Doch dahinter verbirgt sich nicht nur ein großartiger Schauspieler, der auch mal eben in wenigen Tagen die Haupt- und Traumrolle des überraschend verstorbenen Dirk Bach am Berliner Schlossparktheater übernehmen konnte. Mit seiner sanften Stimme singt der Allrounder seit 2002 auch in nunmehr schon sieben Bühnenprogrammen, immer nah am Kanon der Beatles und ähnlichen Klassikern entlang. Wunderschön – wie in dieser Aufzeichnung des Programms „Get Back“ auf 3Sat zu hören ist.

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Die Mediathekenumschau vom 16.Juni

Es ist so eine Sache mit den Mediatheken: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – alles ist überall abrufbar. Doch nur auf Zeit: Gerade die öffentlich-rechtlichen Programme sind oft nach einer Woche wieder offline. Verlängertes Fernsehen statt digitales Archiv. Bevor sie verschwinden, fischen wir die besten Perlen aus der TV-Flut.

arte +++ Sendung vom 16. Juni: „Walter Jens hat den Deutschen gesagt, was richtig und was gut ist.“ So beginnt ein Film über das Leben des kürzlich verstorbenen Rhetorikprofessors. Bemerkenswert vor allem: Die Deutschen haben zugehört. Anekdoten und Zeitzeugenberichte, Interviews und eine geduldige Erzählstruktur bringen einem das Leben eines Intellektuellen von Format näher. Eines, das fehlt

3Sat +++ Sendung vom 10. Juni: Diese großartige Dokumentation hinterfragt unser Konzept von Freiheit. Junge Aussteiger berichten von ihren Versuchen, sich von gesellschaftlichen Zwängen zu befreien und die renommierte Sozialwissenschaftlerin und Autorin Marianne Gronemeyer erklärt plastisch, warum wir uns in einer Welt von Zwängen trotzdem noch frei fühlen. Unterhaltsam aufbereitet und nie platt ist diese Dreiviertelstunde fernsehtaugliche Philosophie das beste Argument für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

rbb +++ Sendung vom: 11.Juni: So eindeutig lässt sich das von dieser (Seifen-) Doku nicht sagen. Zu begeistert zeigen sich die Protagonisten der Reportage über den Wiederaufbau des Stadtschlosses in Berlin, zu sentimental sind die Geschichten aufbereitet, die die Verfechter des Kolosses dick aufgetragen. Trotzdem lohnt sich der Blick auf die Entstehungsgeschichte des Projektes, dass nach der Grundsteinlegung durch Bundespräsident Gauck in der letzten Woche nun sowieso nicht mehr zu verhindern ist.

SWR: Außer der Berliner Krawall-Chansonnier Pigor setzt sich mit seiner Forderung durch. Selten wurde so pointiert zusammengefasst, was zum Berliner Luftschloss mal gesagt werden musste. Auf dem besten Weg zum Youtube-Hit

 

 

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Die Mediathekenumschau der Woche

Es ist so eine Sache mit den Mediatheken: Sie werden immer beliebter und entwickeln sich für viele Digital Natives schon zum Fernsehersatz. Mehr ist aber noch nicht drin: Zumindest die öffentlich-rechtlichen Programme sind meistens nur eine Woche abrufbar. Verlängertes Fernsehen statt digitales Archiv. Bevor sie verschwinden, fischen wir die besten Perlen aus der TV-Flut.

3Sat Kulturzeit +++ Sendung vom 6. Juni: Den vom Hochwasser bedrohten Menschen gilt die größte Aufmerksamkeit, gefolgt vom Zahlenspiel um „Milliardenschäden“ und Versicherungssummen. Doch wie steht es mit den Kunstschätzen Dresdens oder dem UNESCO-Weltkulturerbe Dessau-Wörlitz? Kulturzeit holt das Thema auf die Tagesordnung. Im Interview zieht der Kultusminister Sachsen-Anhalts Bilanz.

ZDFkultur +++ Sendung vom 8. Juni +++ abrufbar bis 15. Juni: ZDF Kultur ist Medienpartner der „Full Metall Cruise“ und bekommt die Gelegenheit, an Board eine abendfüllende Doku zu drehen. Nachdem schon das Festival in Wacken vom Mainstream entdeckt wurde und jedes Jahr auf’s Neue sprichwörtlich durch’s Dorf getrieben wird, kann der Zuschauer nun von der Couch aus auch den langhaarigen Kerlen dabei zuschauen, wie sie ein ganzes Kreuzfahrtschiff unsicher machen. Schwer zu ertragen, wäre da nicht die charmante Moderation des liebenswerten Hipsterpärchens Nina Sonnenberg und Rainer Maria Jilg, die sich das alles mit nicht gespieltem Staunen anschauen.

3Sat +++ Sendung vom: 5.Juni +++ abrufbar bis: Mittwoch, 12. Juni: Wenn Oma schon Zugang zur Mediathek von 3Sat hat, aber noch nicht wirklich weiß, wozu das gut ist, dieses Internet: In der Dokumentation des Österreichers Hannes M. Schalle wird alles genau erklärt. Zu Wort kommen auch Experten und Digital Natives wie der 11-jährige Aaron. Den wird die Sendung wohl eher langweilen, aber seine Oma kann noch einiges lernen.

  • VORSCHAU: „TAGESSCHAU AUF KOKS“: FRIEDRICH KÜPPERSBUSCH KEHRT INS FERNSEHEN ZURÜCK: „Tagesschaum“

WDR +++ ab 10. Juni, 23:15 Uhr: Das wir das noch erleben dürfen: Jahre nach seinem Rückzug vom Fernsehbildschirm hat der doch irgendwie immer präsente Küppersbusch ein neues Format entwickelt: In „Tagesschaum“ macht er für den WDR, was er am besten kann: Süffisant das politische Geschäft kommentieren. Spannend: die Sendungen werden vor der Ausstrahlung auf Youtube gezeigt. Mal eben nebenbei präsentiert sich Küppersbusch heutiger als alle Rundfunkräte zusammen. Wir bleiben dran!


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