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SPIKE Prime – LEGO Education stellt neues Lernkonzept für die Entwickler von Morgen vor

Mit LEGO in der Schule spielen – Das hört sich für viele vermutlich nach einer traumhaften Schulzeit an. Tatsächliche hat das dänische Spielzeugunternehmen aber eine ganze Reihe von Produkten, die genau dafür gemacht sind. Jüngst stellte LEGO® Education ein neues Lernkonzept vor. Mit SPIKE Prime will man Schüler spielerisch und vor allem praxisnah an MINT-Themen heranführen.

Das beinhaltet SPIKE Prime

SPIKE Prime ist ein Lernkonzept, zugeschnitten auf den MINT-Unterricht (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) der fünften bis achten Klasse. So sind im Paket natürlich eine Menge LEGO-Elemente sowie etliche Sensoren, Motoren und ein programmierbarer Hub enthalten. Der Hub hat dabei die Form eines LEGO Steins, verfügt über sechs Ein- und Ausgänge und kann mit Sensoren oder Motoren verbunden werden. Er stellt das Herzstück des Lernkonzepts dar.

Außerdem kommt SPIKE Prime mit der SPIKE App für Windows, Mac, Android und iOS daher. Diese baut auf der Programmiersprache Scratch auf. Scratch ist eine grafische Programmiersprache, die dafür gemacht wurde, um jüngeren Menschen die Konzepte des Programmierens beizubringen. Mit Scratch können die Schüler einfach Code-Blöcke per Drag and Drop hin und her schieben und aneinander reihen. So lassen sich spielerisch kleine Roboter bauen und programmieren, die mit der Umwelt interagieren.

Technik und Selbstvertrauen

„Unsere Mission bei LEGO Education ist es, die Entwickler, Ingenieure und Techniker von Morgen zu motivieren und auszubilden. SPIKE Prime unterstützt Schüler dabei, Erfolge zu erzielen“, Esben Stærk Jørgensen, Präsident von LEGO Education

Einer von LEGO Education in Auftrag gegebenen Umfrage nach zu urteilen, fördert selbständiges und praxisorientiertes Lernen das Selbstvertrauen der Schüler und sorgt für bessere Lernergebnisse. Laut LEGO Education soll genau das mit SPIKE Prime erreicht werden. Schüler sollen eine Möglichkeit bekommen, sich auszuprobieren und praktisch nach Lösungen zu suchen. So sollen Erfolge erzielt und die Schüler motiviert werden.

Entwickelt von Pädagogen für Pädagogen

LEGO Education gibt an, das Lernkonzept SPIKE Prime mithilfe von Pädagogen und Bildungsexperten entwickelt zu haben. Das habe man auch bei anderen Lernkonzepten schon so gehandhabt. So gehören LEGO® MINDSTORMS® und LEGO Education WeDo 2.0 ebenfalls zu der Reihe und verfolgen ähnliche Ansätze für andere Altersgruppen. Dabei wird SPIKE Prime etwas leichter zu benutzen sein, als sein Vorgänger LEGO MINDSTORMS.

Damit Lehrer das Konzept auch einfach in ihren Unterricht integrieren können, enthält die SPIKE App lehrplanbezoge Unterrichtseinheiten, die sich laut Hersteller bestens in eine 45-minütige Unterrichtseinheit integrieren lassen.

Ab wann wird SPIKE Prime erhältlich sein?

Das neue Lernkonzept wird voraussichtlich ab August diesen Jahres in allen Märkten erhältlich sein. Was das Ganze in Deutschland kosten soll, hat LEGO Education allerdings noch nicht bekannt gegeben. In den USA geht das LEGO-Set für 329,95 US-Dollar über den Tresen.


Image by LEGO Education

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CodePen – Die soziale Entwicklungsumgebung für den Browser

Wenn wir uns das Klischee eines Entwicklers vorstellen, denken viele an einen einsamen Nerd, der alleine vor seinem Computer sitzt. Dieses Bild ist mittlerweile aber völlig überholt. In der Realität ist Software-Entwicklung eine sehr kommunikative Tätigkeit, erfordert eine umfangreiche Teamarbeit und einen regen Austausch. Für Alleingänge sind die meisten Projekte heutzutage schlicht und ergreifend zu komplex.

Aus diesem Grund nutzen viele Entwickler Seiten wie Stackoverflow, Hackernoon oder CodePen um sich mit Anderen auszutauschen, ihre Lösungen auf Probleme zu präsentieren oder Lösungen für ihre eigenen Probleme zu finden. CodePen wurde 2012 von Tim Sabat, Alex Vazquez und Chris Coyier gegründet und wird als eine Art soziale Entwicklungsumgebung zum Testen und Zeigen von Website-Elementen beschrieben.

Was ist eine Entwicklungsumgebung?

Eine Entwicklungsumgebung ist eine virtuelle Umgebung in der man programmiert. So kann eine Entwicklungsumgebung für viele schon aus einem einfachen Text-Editor wie Notepad++ bestehen. Notepad++ ist aber wirklich nicht viel mehr als ein einfacher Text-Editor und außerdem ziemlich alt und unansehnlich. In der Praxis enthalten Entwicklungsumgebungen deutlich mehr Funktionen. Modernere und professionellere Editoren wie Visual Studio Code, Atom oder Sublime Text sind zum Beispiel mit etlichen Plugins erweiterbar um den Entwickleralltag zu erleichtern.

Auch CodePen ist eine Entwicklungsumgebung. In CodePen lässt sich, wie der Name schon sagt, Code schreiben. Allerdings ist die Plattform auf Web-Entwicklung beschränkt. Entwickler können hier in einem Editor direkt im Browser ganze Webseiten, oder nur kleine Ausschnitte davon programmieren. Diese Ausschnitte nennt CodePen Pens. So können Web-Entwickler Funktionen, die sie in ihr eigentliches Projekt einbauen wollen, auf CodePen vorher ausprobieren.

Angenommen ihr wollt für eure Website ein Menü programmieren, das am rechten Bildschirmrand ausgefahren wird. Auf CodePen könnt ihr, ohne dass ihr die gesamte Anwendung um das Menü herum entwickeln müsst, nur diesen kleinen Teil programmieren. Dafür erstellt ihr einfach einen neuen Pen und programmiert drauf los. Wenn alles so funktioniert, wie ihr es euch vorstellt, könnt ihr das Menü in eure eigentliche Website einbauen.

See the Pen Insert Cards from Left and right by Moritz Stoll (@BerndStrommberg) on CodePen.

Was macht CodePen so sozial?

CodePen ist mehr als eine Entwicklungsumgebung. Tatsächlich ist die Seite eine Art Social Network. Zwar kann man CodePen auch ohne Account benutzen, doch mit einem eigenen Profil könnt ihr eure Pens und Projekte in eurem Profil speichern. Wenn jetzt jemand nach „Menu-Bar-Right“ sucht, könnte es sein, dass er auf euer ausfahrbares Menü stößt und dieses dann auch in seine Website integriert. Dieser Aspekt von CodePen ist gerade dann praktisch, falls ihr im Bereich der Web-Entwicklung noch neu seid. Webseiten werden nämlich nicht nur mit einer, sondern mit drei unterschiedlichen Technologien entwickelt.

Da wäre einmal HTML um die grobe Struktur einer Seite festzulegen, dann CSS um der Struktur Form und Farbe zu geben und schlussendlich JavaScript um die Seite interaktiv zu machen. Das kann am Anfang alles ganz schön überfordernd sein und oft steht man vor dem Problem zwar zu wissen, was man erreichen möchte, aber einfach nicht zu wissen, wie man seine Idee am besten umsetzt. Eine kurze Suche auf CodePen kann einem manchmal die nötige Lösung liefern. Außerdem gibt es auf der Seite, neben dem Erstellen von Pens, die Möglichkeit eigene Posts zu erstellen. Hier teilen erfahrene Entwickler ihr Wissen, was ebenfalls sehr nützlich sein kann.

Die Basis-Funktionen sind dabei kostenlos. Wer aber Funktionen wie kollaboratives Arbeiten, Live View, oder das Einbinden eigener Domains nutzen möchte, kann diese mit einem von drei kostenpflichtigen Abonnements freischalten. Das kleinste Paket Annual Starter kostet acht, das Paket Annual Developer zwölf und das umfangreichste Paket Annual Super 26 Dollar im Monat. Der Umfang an Funktionen wächst dabei mit dem Preis der Pakete. Die meisten der kostenpflichtigen Funktionen sind aber gerade am Anfang eigentlich nicht nötig und man kann die soziale Entwicklungsumgebung wunderbar in der kostenlosen Variante benutzen.

CodePen ist nicht nur für Anfänger!

Bisher klingt es so, als sei CodePen nur etwas für Anfänger um bei Anderen abzukupfern und mit reinem HTML, CSS und JavaScript zu arbeiten. In der Realität der Web-Entwicklung werden aber häufig sogenannte Frameworks und Präprozessoren benutzt um eine Website zu entwickeln. Frameworks stellen dabei eine ganze Reihe an Funktionen bereit, um die Programmierung einer Webseite deutlich zu erleichtern. Präprozessoren werden oft zusammen mit HTML und CSS benutzt. Sie erlauben es eine andere, einfachere Schreibweise als die von HTML oder CSS vorgegebene zu benutzen. Die Präprozessoren wandeln dann den Code in normalen HTML- oder CSS-Code um. In CodePen lassen sich diverse gängige Frameworks und Präprozessoren ganz einfach einbinden und benutzen.

Einfach nur stöbern

Ihr könnt auf CodePen auch einfach nur stöbern. Direkt auf der Startseite werden euch aus den Kategorien Pens, Projects, Posts und Collections sogenannte Picks vorgestellt. Also besonders interessante Inhalte, die von anderen Nutzern erstellt wurden. Stöbert man in diesen herum, kommen einem teilweise selbst neue Ideen für eigene Projekte, oder man lernt etwas Neues dazu. Manchmal hat jemand aber auch einfach einen guten Tetris-Klon erstellt und man ist erst mal für fünf Stunden beschäftigt.

Ihr solltet CodePen einfach ausprobieren

Egal ob ihr Anfänger, Fortgeschrittene oder gar keine Entwickler seid, CodePen ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Probiert ein wenig rum, lernt vielleicht das Eine oder Andere, oder setzt gleich ein ganzes Projekt um. Es macht auf jeden Fall Spaß!


Image by Max / adobestock.com

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Skillshare – Lernen im 21. Jahrhundert

Schon seit geraumer Zeit steht in meinem Zimmer diese wunderschöne Western-Gitarre. Mit 17 hatte ich mir in den Kopf gesetzt, in Zukunft Gitarre spielen zu wollen. Und von dort an folgte eine zweijährige Odyssey durch das Internet, auf der Suche nach dem perfekten Gitarrenkurs. Heute kann ich sagen: Ich habe meinen Meister gefunden. In der App Skillshare.

Die meisten Seiten und Apps, die ich vorher probierte, riefen bei mir nichts als Frustration hervor. Natürlich ist es theoretisch möglich, allein anhand von YouTube-Videos ein Instrument zu lernen, aber die schiere Menge an Videos hat mich dann doch überrumpelt. Dazu kam noch, dass gefühlt jeder selbsternannte Gitarren-Guru im Netz wieder seine eigene Herangehensweise an das Thema hatte. Zu oft landete die Gitarre nach einer kurzen Lern-Session wieder in der Ecke. Bis ich eben auf diese wundersame App traf.

Ambivalent und abwechslungsreich

Skillshare gibt es auch als Website. Dort habe auch ich dieses außergewöhnliche Konzept kennengelernt. Die Idee hinter der Website bzw. App ist, dass Lehrer aus der ganzen Welt einen Online-Kurs mit Videos, Arbeitsblättern und sogar dazugehöriger Software erstellen können, den die User von Skillshare sich dann ansehen können. Gegen eine monatliche Gebühr von 14 Euro kann man als User auf tausende von Online-Kursen zugreifen. Und diese tauchen in allen Formen und Facetten auf.

Grob unterteilt sind die Kategorien auf Skillshare in Creative, Business, Technology und Lifestyle. Und zu jeder übergeordneten Kategorie gibt es dann noch einmal viele, viele Unterkategorien mit entsprechend vielen Videos. Egal, ob man ein Instrument lernen will, oder sich die Grundpfeiler des Zeichnens aneignen will, oder seinen Schreibstil verbessern möchte. Ich war selbst wirklich überrascht, wie viele interessante Kurse es gab, bei denen ich sofort auf „Follow“ klicken wollte.

Und wie lernt es sich so?

Ich hatte bereits vor einiger Zeit, als ich Skillshare 30 Tage kostenlos getestet habe, mit einem Musik-Theorie Kurs angefangen, bei dem der Lehrer eine kostenlose Software benutzt hatte, anhand derer man Musikstücke Note für Note analysieren konnte. Er gab seinen Schülern immer eine Art „Hausaufgabe“ in Form von einem Arbeitsblatt, das man sich herunterladen konnte. Jeder Lehrer gestaltet seinen eigenen Kurs natürlich anders. Außerdem kann nicht jeder einfach Lehrer werden. Man muss, wenn man selbst einen Kurs auf Skillshare anbieten möchte, nachweisen, dass man qualifiziert ist. Der Anteil, den man als Lehrer bekommt, ist jedoch allgemein nicht so hoch, dass er unbedingt Betrüger anlocken würde, die nur schnell Geld verdienen wollen.

Auch mit meinem Gitarrenkurs bin ich bis jetzt sehr zufrieden. Nach nur zwei Wochen täglichen Übens kann ich schon zwei Lieder ganz gut spielen. Ich bin jetzt mit Skillshare schon deutlich weiter gekommen, als mit meinen monatelangen Versuchen auf YouTube. Besonders gut gefällt mir, in welchem Tempo die Lernfortschritte auf Skillshare vermittelt werden. In jedem Kurs, in den ich bis jetzt hereingeschaut habe, hat der Lehrer seine „Unterrichts-Einheiten“ in sinnvolle Teilschritte zerlegt und auch immer wieder auf Schwierigkeiten und Tipps hingewiesen. Toll finde ich außerdem, dass Skillshare das erste Online-Lern-Tool ist, bei dem ich bei jeder Fähigkeit, die ich lernen wollte, sehr schnell erste Erfolgserlebnisse hatte. Das finde ich besonders wichtig, da meine Frustrationstoleranz allgemein nicht so hoch ist. Natürlich bleibt es am Ende nicht aus, dass man sich selbst hinsetzen und üben muss. Gitarre spielen, oder Zeichnen lernen geht schließlich nicht rein durchs Zugucken.

Was bleibt noch zu sagen?

Wenn ihr einen passenden Kurs sucht, lohnt es sich auch die Bewertungen der anderen User anzusehen. Es wird wahrscheinlich nicht jeder Kurs so professionell sein wie die, in die ich bis jetzt reingeschnuppert habe. Aber die Bewertungen haben mich bis jetzt noch nie im Stich gelassen. Außerdem gibt es bei Skillshare eben nicht nur kreativ-Kurse, sondern auch Kurse die euch helfen können, eure berufliche Laufbahn voranzutreiben. Oder einen erfolgreichen Blog zu eröffnen, oder euch selbstständig zu machen. Oder, oder, oder. Die meisten Kurse sind dabei in Englisch, aber wer genau sucht, der wird auch einige deutsche Kurse finden.

Ich muss selbst zugeben, dass ich mir Skillshare nur geholt habe, weil ich Gitarre lernen wollte. Mal eben in einem Monat alle Lektionen des Gitarrenkurses durchgucken und Skillshare schnell wieder deabonnieren, bevor die nächste Abrechnung kommt. Das war mein Plan. Aber beim Stöbern durch die App, die es übrigens für Android und iOS gibt, sind mir viele tolle Kurse aufgefallen, die ich mir unbedingt noch angucken will. Wieso denn nicht lernen wie mein ein professionelles Video mit dem iPhone aufnimmt, oder wie man tolle Kurzgeschichten schreibt? Und seit ich wieder Gitarre spiele kam in mir auch wieder der Wunsch hoch, mir eine E-Gitarre zuzulegen und diese ebenfalls spielen zu lernen. Wie praktisch, dass es auch dafür einen passenden Kurs auf Skillshare gibt.


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Die Höllenmaschine bändigen – Computerkurse für Senioren

Eigentlich wollte Ruth Schmidt mit Internet und Computern nichts mehr zu tun haben. Als sie Anfang der 2000er in Rente geht, ist das Internet noch in seinen Kinderschuhen. Mark Zuckerburg geht zur Uni, Überweisungen schreibt man in der Regel noch mit der Hand, und das Internet auf dem Handy löste bei den meisten Menschen eher Panik und Angst vor der nächsten Handyrechnung aus.

Für die Rentnerin gibt es keinen Grund, sich nochmal mit dem neuen Medium zu beschäftigen. Doch über die Jahre hinweg tauchen immer mehr Dienste auf, die selbst das analoge Leben revolutionieren – und nur noch im Internet stattfinden.

In München kann man sich auf Sozialwohnungen nur noch online bewerben. Termine im Bürgerbüro lassen sich vom Sofa aus festlegen. Und während immer mehr Bankfilialen schließen, wird das Onlinebanking populärer. Wer nicht mit PC und Internet umgehen kann, steht auf verlorenem Posten – und wird vom gesellschaftlichen Leben abgeschnitten. Gerade für Senioren wird die digitale Welt zunehmend zur Herausforderung.

Zeit, etwas zu ändern

Irgendwann bemerkt auch Ruth Schmidt, dass sie den Anschluss verliert und lernen muss, wie Computer und Internet funktionieren. Sie besucht Computerkurse, die speziell auf Senioren ausgerichtet sind.

In genau so einem Kurs sitzt sie an einem Montagmorgen gemeinsam mit knapp einem Dutzend anderer Senioren im Untergeschoss der Arbeiterwohlfahrt München. Mehrere Tischreihen mit Bildschirmen stehen in diesem umfunktionierten Kellerraum. Vorne steht der Tutor und spricht über Betreff, CC und BCC. Heute steht Mails verschicken auf dem Stundenplan. Kurz nach dem Vortrag geht es in die Einzelbetreuung. Ein Tutor betreut zwei Senioren und zeigt, wie sich die Teilnehmer untereinander Mails schicken können. Ständig ploppen auf den Bildschirmen unten rechts neue Benachrichtigungen auf. Das Zeichen des Erfolgs.

Solche Kurse sollen dabei helfen, dass Senioren auch in Zukunft am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Während jüngere Generationen mit dem Internet aufgewachsen sind, müssen Senioren oft bei den Basics anfangen. Wie starte ich einen Computer? Was ist ein Browser? Wie funktioniert der Doppelklick? Beim Moosacher Computerclub aus München haben die meisten Teilnehmer aber in der Regel schon ein paar Vorkenntnisse, berichtet Ursula Roseeu. Die 77-Jährige leitet den Club und ist selbst Tutorin.

Die Angst, etwas falsch zu machen

Viele Senioren haben jedoch Angst, etwas falsch zu machen und sich dadurch zum Beispiel im Internet einen Virus einzufangen. Eine „ganz große Hürde“ sei das, erklärt Roseeu. Dementsprechend legt der Kurs an diesem Morgen auch besonderen Wert auf Spam und Phishing. Verdächtige Mailadressen, angsteinflößende Betreffs. „Ganz wichtig: überhaupt keine Buttons anklicken, wenn die Mail verdächtig erscheint“, so der Tutor. Für die „Generation Internet“ scheint das offensichtlich, doch für Senioren ist das nicht selbstverständlich.

Darum seien ältere Tutoren besser als jüngere, meint Ruth Schmidt. Die könnten sich besser in die Senioren hineinversetzen. „Es wird auf die alten Köpfe eingegangen“, sagt die 78-Jährige und muss lachen. Einige der heutigen Tutoren waren einst selbst Teilnehmer am Kurs und wollen ihr Wissen nun weitergeben.

Trotzdem bleiben viele Senioren von solchen Angeboten abgeschnitten. Schließlich sind Tablets oder Kurse an Volkshochschulen nicht gerade günstig. „Das kann sich ein normaler Rentner nicht leisten“, meint Ruth Schmidt. Selbst geringe Gebühren belasten Menschen, die Grundsicherung beziehen.

Gebühren sind das geringere Problem

Jedoch sieht Clubleiterin Ursula Roseeu ein noch viel größeres Problem. Die Kursgebühren könne man zur Not erlassen, sagt die 77-Jährige. „Die finanziell Schwachen finden nicht zu uns“, beklagt Roseeu. Ärmere Senioren müssen erstmal erfahren, dass es solche Kurse überhaupt gebe. Für Marketing habe der Moosacher Club aber nicht genügend Geld. Dabei könnten solche Kurse gerade für ärmere Senioren nicht nur eine Hilfe im Umgang mit dem Internet sein. Sie könnten von anderen Senioren lernen.

Genau wie Ruth Schmidt hat auch Gerda Dillmeier ihr Leben lang nichts mit Computern zu tun gehabt. Seit einiger Zeit besitzt sie ein Smartphone. Bis heute bezeichnet Gerda Dillmeier das Gerät nur als „Höllenmaschine“. Doch sie habe sich viel selbst beigebracht und den Computerkurs in Moosach besucht. Vor Kurzem entschied sie sich dann zusätzlich für einen Computer- und Internetkurs, bei dem sie noch mehr lernen wollte. „Wenn ich noch ein paar Jahre älter werde, kapiere ich gar nichts mehr.“ Viele der teilnehmenden Senioren seien überfordert von der Technik, meint Wolfgang Ebert, einer der Tutoren im Computerclub. Um damit anzufangen, sagt Ebert, sei niemand zu alt. Auch für Gerda Dillmeier scheint es sich gelohnt zu haben. Ihre „Höllenmaschine“ hat sie heute jedenfalls ganz gut im Griff.

Hilfe im Internet gibt es auch als Buch auf Amazon (Provisionslink)


Image by pathdoc via stock.adobe.com

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Das Atelier als New Work-Gegenkonzept

Art studio with wall graffiti (adapted) (Image by Matthieu Comoy [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Der Bildungsethiker Christoph Schmitt beschäftigt sich in seinem neuen Buch „Digitalisierung für Nachzügler: Einsichten eines digitalen Immigranten“ mit der Frage, wie wir es schaffen können, die alten Bilder von Arbeit und Beruf in unseren Köpfen zu überschreiben. „Sie preiszugeben, um offen zu werden für völlig neue Ansätze, Erlebnisse, Erfahrungen und Erkenntnisse. Wir setzen uns unerwarteten Entdeckungen aus, die durch einen glücklichen Zufall möglich werden.“

Zufallsbegegnungen

Also das von Niklas Luhmann erprobte Verfahren „Serendipity“ – etwas zu finden, was man gar nicht gesucht hat. Man begegnet einem unbekannten Thema und wird davon magisch angezogen. Schmitt beschreibt seine MOOC-Erlebnisse – seine Expeditionen in Massive Open Online Course-Formaten – etwa das von Anja C. Wagner organisierte Leuchtfeuer-Projekt.

Unzählige beeindruckende Videos dokumentieren, wie viele ’neue Räume‘ des Lernens und Arbeitens es quer über den Planeten schon gibt: Coworking Spaces in total unterschiedlichen Ausprägungen, Makerspaces in allen Formen; wie die entstanden sind und sich etablieren. Was ihnen wichtig ist: nach welchen Werten sie arbeiten.

Neue Räume für digitale Kultur

Es gehe um neue Räume, die im Kontext der Digitalisierung so wichtig sind. Und diese physischen Umgebungen sollte man anders gestalten, um auch die Ökonomie im Ganzen zu verändern. „Klassisch hierarchische Strukturen – also annähernd 100 Prozent der KMU und Konzerne – ersticken Coworking im Keim. In solchen Monokulturen gedeiht Coworking nicht, weil hier das Querdenken und Querarbeiten strukturell verhindert wird“, schreibt Schmitt. Das klassische Modell der Arbeitswelt wird dominiert von Belohnung und Bestrafung, von Kontrolle und Reglement – das genaue Gegenteil von Coworking und Kollaboration.

Klassische Organisationen kann man nicht revolutionieren

„Oft höre ich, dass sich doch auch in traditionellen Kulturen einzelne Schollen bilden und sich quasi unter der Oberfläche (‚unterm Schirm‘) klammheimlich vernetzen können und die Orga von unten her revolutionieren. Mit solchen Hypothesen positionieren sich im Moment vor allem klassische Consulting-Anbieter, die aus der zunehmenden Hilflosigkeit auf den Chefetagen Profit schlagen. Die Annahmen hinter diesem ‚Coworking light‘ funktionieren aber nicht“, konstatiert Schmitt. Und er hat recht. Was mit Begriffen wie Industrie 4.0 oder New Work beschrieben wird, kaschiert nur die alte industriekapitalistische Organisationsform, die fast alle Volkswirtschaften auf unserem Planeten dominieren. Der überkommene Taylorismus der Massenfertigung bekommt nur einen digitalen Anstrich. Nach wie vor sind die Lebens- und Arbeitswelten nach funktionalistischen Prinzipien auseinandergerissen.

New Work-Berater kaschieren die alte Arbeitswelt

Da können New Work-Berater herumlabern, wie sie wollen: Man muss aus diesem Käfig ausbrechen: „Menschen und ihre Ideen entwickeln sich aus solchen Organisationen hinaus und bilden neue Netzwerke. Überall – nur nicht in der Organisation selbst“, so die Erkenntnis von Schmitt. Für den Ausbruch hat Schmitt eine gute Metapher ins Spiel gebracht: Das Atelier. „Der Begriff stammt aus dem Französischen und steht für Werkstatt. Und ein Atelier ist noch mehr: Es ist der Arbeitsplatz eines Kreativen, beispielsweise die Werkstatt einer Künstlerin oder eines Fotografen, oder auch eine Produktionsstätte wie beim Filmatelier. Es ist auch ein Ort der Selbstinszenierung und der Ausstellung. Das Atelier ist ein Ort, an dem Menschen zugleich leben, arbeiten, lernen, wo sie ihre Produkte oder Dienstleistungen präsentieren und verkaufen. Ein Atelier birgt Werkstatt und Schaufenster in einem. Wohnen, leben und arbeiten wachsen hier zusammen… Hier verweilen Menschen und kommen miteinander ins Gespräch.“

Nachhause kommen

In der Vorstellung von Schmitt ist das Atelier in seiner ganzen Vielfalt die Art und Weise, wie Lernen und Arbeiten sich in Zukunft verbinden werden: Lernen als Kunst, als Lebenskunst, als eine Kunst des Entstehens von Leben. Leben und Lernen als Kunst. Die Kunst, das Leben zu entfalten als Lernvorgang.

Im Interview auf dem Watson Summit in Luzern verweist Schmitt auf die Initiative „Neustart Schweiz“ mit dem Motto „Nachhause kommen“. Diese Atelier-Ideen sind der wahre Katalysator für New Work. Und heute haben wir gegenüber den Ateliers im 18. oder 19. Jahrhundert einen entscheidenden Vorteil: Wir können lokal tätig sein und uns dennoch die ganze Welt erschließen. Das Notiz-Amt ist davon überzeugt, dass man mit der Idee des Ateliers eine neue Form der digitalen Kultur begründen kann, jenseits von aseptischen Glasfassaden-Büros und dem Optimierungswahn von Effizienz-Einpeitschern.


Image (adapted) „Art studio with wall graffiti“ by Matthieu Comoy (CC0 Public Domain)


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Die Netzpiloten sind Partner des WTF

Partnergrafik_wtf

Bei uns könnt ihr drei Tickets für das We Transform Communications Festival in Berlin gewinnen. Hier könnt ihr mitmachen und euer Glück versuchen! Zeit habt ihr übringes bis zum 07. Juni.
Teilnahmebedingungen


In Berlin findet am 20. und 21. Juni, von Quadriga veranstaltende, We Transform Communications Festival (WTF) statt. Das zentrale Thema der Veranstaltung sind die großen Veränderungen, die sich in den letzen Jahren auf dem Gebiet der Kommunikation ereignet haben. Es herrscht viel Unsicherheit über den Einsatz und Umgang mit neuen Kommunikationsmethoden.

Statt Veranstaltungen, auf denen viel über Wandel gesprochen wird, ohne zu thematisieren, wie konkret dieser umzusetzen ist oder wie eine bestimmte Software funktioniert, wollen Menschen heute lieber Gleichgesinnte treffen und sich mit ihnen austauschen. Den Rahmen dafür bietet das WTF in Berlin. Hier könnt ihr Erfahrungen austauschen, diskutieren und gemeinsam Lösungen finden. Darüber hinaus bekommt ihr Input von Fachexperten und könnt vor allem viel ausprobieren.

Spannende Speaker

Zu den Speaker auf der Veranstaltung gehören:

Folgende fünf Formate stehen an der Tagesordnung:

  • HOT SEATS: Ihr könnt den Speakern eure Fragen stellen und exklusive Antworten bekommen.
  • INTERACTIVE: Gemeinsam mit dem Referenten probiert ihr Dinge aus, erarbeitet Lösungen oder diskutiert.
  • CASE STUDIES: Hier bekommt ihr Informationen zu erfolgreichen und progressiven Praxisbeispielen, von denen es sich zu lernen lohnt.
  • SIMULATION GAMES: LARPing (Life Action Role Playing) mit drei zentralen Themen, jeweils einem Szenario und mehreren Teams, die gegeneinander spielen
  • ME, MYSELF & I: Tipps, um ohne große Anstrengung auf der Karriereleiter aufzusteigen

Die Location ist die Palais Kulturbrauerei in Berlin. Hier könnt ihr euch für das Event anmelden.

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Fabian Westerheide über Künstliche Intelligenz

Neural (adapted) (Image by geralt [CC0 Public Domain] via pixabay)

Dieser Beitrag ist Teil einer Artikelreihe im Vorfeld der Digitalkonferenz EXPLAINED von Microsoft Deutschland. Die Konferenz findet am 23. März 2017 in Berlin statt.


Künstliche Intelligenz (KI) und die Frage, was den Menschen und die Maschine zusammenbringt, treibt den Unternehmer, Venture Capitalist, Autor und Redner Fabian Westerheide um. Nachdem er in verschiedene Unternehmen investierte, ist er seit 2014 Geschäftsführer von Asgard – human VC for AI und leitet die KI-Konferenz Rise of AI. Außerdem ist er Koordinator für Künstliche Intelligenz beim Bundesverband Deutscher Startups. Ich habe mich mit ihm im Vorfeld zur Digitalkonferenz EXPLAINED von Microsoft Deutschland, bei der er als Speaker auftreten wird, zum Interview getroffen.

Was fasziniert Sie an Künstlicher Intelligenz?

Das war ein Prozess. Ich komme vom Land und habe schon immer an Computern herumgebastelt und mich für die Auswirkungen zwischen Mensch und Maschine interessiert. Dann bin ich Unternehmer geworden und habe in insgesamt 35 Firmen investiert, von denen die meisten aus dem Softwarebereich stammen. Irgendwann wusste ich, dass das Thema Künstliche Intelligenz, was mich durch Science-Fiction-Literatur schon seit den Achtzigern beschäftigt hat, endlich greifbar wurde. Mich fasziniert vor allem, dass es so ein komplexes Thema ist und wirtschaftliche, gesellschaftliche, militärische und politische Konsequenzen hat. Es betrifft sowohl Unternehmen als auch den einzelnen Menschen, es betrifft letztlich die ganze Menschheit. Das ist ein Thema, bei dem ich meine ganze Begeisterung für Politik und Gesellschaft einfließen lassen kann. Und ich fühle mich sehr wohl damit, weil es um mehr als Geldverdienen geht. Künstliche Intelligenz kann wirklich die Menschheit verändern – in die eine oder in die andere Richtung.

Was ist der nächste Entwicklungsschritt für die Künstliche Intelligenz?

Die Maschine muss noch besser lernen zu lernen. Das bedeutet, dass sie mit wenige Daten zurecht kommt und mit weniger Transferwissen arbeiten kann. Zum Beispiel kann man derzeit eine KI, die ein bestimmtes Auto fährt, nicht einfach in ein anderes selbstfahrendes Auto verpflanzen. Man kann sie auch nicht benutzen, um mit ihr mit Aktien zu handeln oder ein Flugzeug zu fliegen. Sie ist eigentlich ziemlich idiotisch angelegt und genau auf ihre Hardware programmiert. Innerhalb dieser Grenzen kann sie aber jederzeit weiterlernen. Wir müssen also den Schritt schaffen, dass die Software Hardware-unabhängig wird und Vorwissen aufbauen kann. Vor ein paar Wochen hat Google Deep Mind ein sehr interessantes Paper veröffentlicht, wo sie mit einer KI ein Spiel gespielt haben. Dieselbe KI wurde verwendet, um ein neues Spiel zu lernen. Die KI wurde also deutlich besser, weil sie über das Wissen verfügt, wie man so ein Spiel spielt. Sie konnte es auf ein anderes Spiel übertragen und dadurch besser werden als eine KI, die nur auf dieses eine Spiel hin programmiert wurde.

Ist das der Schritt zwischen einem gut funktionierenden Algorithmus und einem denkenden Wesen? Ich gebe zu, ich scheue mich etwas, diesen Prozess schon als Denken zu bezeichnen. Ich würde eher sagen, es ist eher ein Weiterverarbeiten. Oder fängt das Denken hier schon an?

Das ist schwierig zu sagen, hier fängt eigentlich eher die nächste Diskussion an: Denkt der Mensch wirklich, oder sind wir nicht viel eher hormon- und instinktgetrieben? Wie viel davon ist durch unser Unterbewusstsein bestimmt? Die meisten Menschen treffen Entscheidungen im Bruchteil einer Sekunde. Wir nennen das Bauchgefühl oder Instinkt. Eigentlich ist es aber eine Erfahrungskurve. Wir brechen unsere Erfahrungen herunter und denken nicht darüber nach, sondern handeln. So ist es bei der Maschine auch. Sie können noch nicht auf 20 Jahre Berufserfahrung zurückgreifen oder auf eine jahrelange Erziehung. Wir als Menschen hingegen haben ungeheuer viel Input verarbeitet und sind biologisch dafür ausgelegt, alles abzuspeichern. Seit es im Jahr 2012 den großen Durchbruch mit den neuronalen Netzen gegeben hat, haben die Maschinen auch ein Kurzzeitgedächtnis. Was noch fehlt ist ein Langzeitgedächtnis und das Abstraktionslevel. Und genau das passiert gerade: Wir bauen Schritt für Schritt ein kollektives Gedächtnis auf, eine Art Schwarmintelligenz. Wir müssen also noch nicht einmal eine menschenähnliche KI haben, um zu erreichen, dass sie denkt, sondern wir brauchen eine KI, die untereinander kommuniziert und kollektiv Wissen verarbeitet. Wenn ein Auto beispielsweise einen fatalen Fehler macht, wie es bei dem Tesla-Unfall mit dem LKW geschehen ist, dann passiert ihm das ein einziges Mal. Seit diesem Vorfall können alle hunderttausende Teslas da draußen LKWs erkennnen. Das ist eine Intelligenzleistung, die mehr schafft als ein einzelner Mensch.

Image by Fabian Westerheide
Image by Fabian Westerheide

Wir müssen die KI also nicht nur schulen, sondern auch erziehen?

Genau das. Der Hirnforscher Danko Nikolic sagt, wir brauchen einen KI-Kindergarten, eine Art DNA für künstliche Intelligenz. Ich finde diese These sehr interessant. Wir müssen es schaffen, diese Lernalgorithmen einer KI beizubringen. Sie muss lernen zu lernen, damit sie weiß, wie man selbst Wissen generiert. Das können wir Menschen besonders gut. Die KI kann das noch nicht, also wird der Durchbruch im Lernalgorithmus die nächste Stufe sein. Dann muss man sie trainieren, ausbilden und erziehen, wie man Kinder erzieht. Wenn das passiert, wird das, was wir jetzt haben, schneller und auch deutlich interessanter. Eine KI hat noch keine Eigenmotivation, ich weiß aber, dass Teams bereits daran arbeiten.

Welche Jobs sind bisher immer noch nicht vollständig durch Maschinen ersetzbar? Wo geht hier die Entwicklung hin?

Momentan sind es zwei: Menschen und Komplexität. Wir sind Menschen und wollen deshalb natürlich weiterhin menschliche Interaktion. Ich behaupte, dass ‚Made by Humans‘ irgendwann bei Produkten ein Qualitätsmerkmal sein wird, für das die Leute mehr bezahlen werden. Bei der Interaktion kann es zu einer Mischung kommen: In der Pflege werden wir Pflegeroboter haben, die uns beispielsweise dabei helfen, den schweren alten Mann zu wenden, aber die menschliche Komponente muss erhalten bleiben. Eine KI nimmt dich nicht in den Arm, sie kann aber konkrete Ergebnisse liefern. Das dauert wohl aber noch gut 10 bis 15 Jahre. Eine KI kann erkennen, wie Prozesse am besten durchzuführen sind, aber bei emotionaler Intelligenz muss sie eben passen. Wir brauchen keinen menschlichen Maler, aber einen menschlichen Innenarchitekten. Je einfacher der Job ist, desto eher können wir ihn durch die Maschinen erledigen lassen. Sie hat aber noch immer ein Problem mit der Motorik, das haben wir noch nicht gelöst. Softwaretechnisch hingegen ist sie uns natürlich haushoch überlegen, jeder Taschenrechner kann besser rechnen als du und ich.

Wir müssen der KI auch Kontext beibringen, damit sie uns wirklich helfen kann.

Bei Service-KIs funktioniert das sogar schon. Die KI kann erkennen, ob der Kunde gut oder schlecht gelaunt ist, ob er etwas umtauschen will und ob sie ihm noch mehr Angebote machen soll oder nicht. Das würde ich schon als Kontext bezeichnen. Jeder, der schon einmal Kundensupport gemacht hat, wird das kennen – man muss Zweideutigkeit erkennen und das kriegen schon wir Menschen manchmal nicht ordentlich hin. Wie wollen wir da erwarten, dass die KI es besser macht? Der erste Schritt ist also: Sie muss lernen, es zumindest schon einmal besser zu machen als der Schlechteste von uns.

Wenn man manche Artikel liest, werden die Maschinen oft sehr dystopisch als unser Untergang beschrieben, sowohl gesellschaftlich als auch arbeitstechnisch. Wie gehen Sie mit dieser Angst der Menschen um?

Ich erlebe es ab und zu, dass die Menschen bei einem gewissen Level fast schon technologiefeindlich sind und regelrecht Angst vor der KI haben. Aber ich finde, dass Probleme wie die globale Erwärmung, der Terrorismus oder auch nur zu viel Zucker im Blut viel gefährlicher für die Menschheit sind. Wir sollten wirklich versuchen, etwas unaufgeregter an das Thema KI heranzugehen. Ja, die Digitalisierung frisst eine Menge Jobs. Aber das ist doch super! Niemand muss mehr langweilige Jobs machen, wir haben viel mehr freie Zeit. Wir können die KI benutzen, um in unserer Tätigkeit noch produktiver zu sein. Wir können so sogar mehr Jobs nach Europa holen, weil es günstiger und effektiver ist, die Handgriffe an eine KI outzusourcen als an irgendwelche ausgebeuteten Clickworker in Indien. Das Ganze bringt einen enormen strukturellen Wandel mit sich, weil wir uns von der Industriegesellschaft zur Servicegesellschaft und auch zu einer Wissensgesellschaft wandeln.

Die Großkonzerne von heute haben bereits begriffen, dass sie sich entwickeln müssen, sie tun sich damit aber noch etwas schwer. Das sind reine Industrieunternehmen, die aus einer ganz anderen Hierarchie und einer anderen kulturellen Epoche kommen. Künstliche Intelligenz ist hier nur die Spitze des Eisberges, denn unsere Industrie ist nicht für digitale Umbrüche gerüstet. Wir sind an dieser Stelle in kultureller Hinsicht noch komplett falsch aufgestellt.

Wie steht es um die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz in Deutschland?

Das deutsche Problem daran ist, dass wir mal wieder den Trend verschlafen. Es gibt kaum KI-Unternehmen hierzulande – wir sind eher auf den abgeschlagenen Plätzen zu finden. Im Moment sind die US-amerikanischen KI-Unternehmen besser finanziert und es gibt viel mehr Firmen als hier, obwohl der Markt nicht so groß ist wie unserer. Es geht auch nicht darum, noch etwas zu entwickeln, dass uns unser Essen schneller liefert, sondern darum, dass uns eine strategische Entwicklung entgeht. Wir brauchen endlich mehr Forschung, mehr Kapital und mehr Unternehmen in Deutschland und Europa, um eine strategisches, wirtschaftliches und politisches Gegengewicht herstellen zu können. Nur dann können wir auf Augenhöhe miteinaner verhandeln.


Image (adpated) „Neural“ by geralt (CC0 Public Domain)


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MOOCs – eine gute Option für die Vermittlung von Wissen

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Veränderungen und neue Möglichkeiten werden beinahe täglich durch innovative Ideen und fortschreitender Technik geschaffen. Auch im Bildungssystem sucht man stetig nach neuen Wegen, wie das Wissen noch einfacher für jeden zugänglich gemacht werden kann. So öffnet digitales Lernen den Menschen dahingehend viele neue Türen.

Sarah Holstein arbeitet im Zentrum für mediales Lernen (ZML) des Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und beschäftigt sich ganz besonders mit dem Thema E-Learning und ist an der Erstellung von sogenannten MOOCs beteiligt – Massiv Open Online Courses. Zu diesem Thema wird Sarah Holstein auch auf der bevorstehenden OPEN!2016 – die Konferenz für digitale Innovation – sprechen. 

MOOCs kommen aus dem amerikanischen und stehen kostenfrei für Millionen von Menschen zur Verfügung, die ihr Wissen auch außerhalb von Hochschulen erweitern möchten. Derzeit ist das ZML schon bei einigen spannenden MOOC-Projekten beteiligt.

In einem Interview erklärt uns Sarah Holstein, was genau MOOCs sind, welche Vorteile sie haben und wie wir sie am besten nutzen können:

Jennifer Eilitz: MOOCs werden in Deutschland immer bekannter und immer mehr interessierte Menschen nehmen an diesen Online-Kursen teil. Wie sehen Sie die Entwicklung? Ist das nur eine Art Trend, der irgendwann wieder nachlassen wird, oder können MOOCs ein fester Bestandteil für Hochschulen werden?

Sarah Holstein: Ich denke schon, dass MOOCs einen festen Platz an den Hochschulen einnehmen werden. Wobei nicht in der Dimension, wie man teilweise ursprünglich propagiert hatte. Sie werden die Hochschullehre nicht ersetzen, sondern an bestimmten Stellen einfach zusätzliche neue Optionen eröffnen. Viel mehr als für Studierende sehe ich den Wert von MOOCs für die breite Öffentlichkeit, die auf diesem Weg die Möglichkeit erhält, partiell an Hochschullehre teilnehmen zu können, um zum Beispiel über die eigene Hochschulzeit hinaus über aktuelle Entwicklungen im eigenen Fach informiert zu bleiben. Und für die Hochschulen haben die MOOCs einen hohen Marketingwert. Sie können sich mit tollen Lehrprodukten international darstellen.

Man sitzt ja nicht direkt in einer Präsenzvorlesung. Ist der Lerneffekt dennoch derselbe?

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Image by Sarah Holstein

Das kommt immer auch auf den eigenen Lerntyp an. Es gibt sicher Personen, die besser in einer Vorlesung und andere die besser in einem MOOC lernen. So wie manche Personen lieber etwas erklärt bekommen und andere es lieber selbst in einem Buch nachlesen. Eine Präsenzvorlesung hat den Vorteil, dass ich als Studierender direkt mit dem Dozenten in Kontakt treten kann, um beispielsweise Fragen zu stellen, ein MOOC ermöglicht mir dafür zum Beispiel ein individuelles Lerntempo. In einer Vorlesung muss ich ja als Studierender gleichzeitig mitdenken und mitschreiben und wenn ich einen Gedankengang verpasse, ist es oft schwer den Faden wieder aufzunehmen.

Bei einem MOOC kann ich ein Video nochmal anschauen oder zu einer Stelle zurückspringen, bis ich den jeweiligen Aspekt verstanden habe und erst dann gehe ich zum nächsten Thema. So haben beide Formate ihre Vor- und Nachteile.

Wenn man erstmal die Hochschule verlassen hat und im Berufsleben steht, ist es ja häufig nicht mehr so einfach, im eigenen Fachgebiet „up to date“ zu bleiben. MOOCs sind hier eine tolle Möglichkeit, weiterhin über neueste Entwicklungen informiert zu bleiben oder auch, um sich neue Themengebiete zu erschließen. Hier ermöglichen MOOCs zum einen den Zugang zum Wissen und sind durch das sehr flexible Kursdesign sehr gut mit dem Arbeitsalltag zu vereinen. Was ich damit also sagen will, ist, dass die Bewertungsperspektive nicht von „zuerst hatte ich eine Präsenzveranstaltung und jetzt nur noch einen MOOC“ sondern von „zuerst hatte ich zu bestimmten Informationen gar keinen Zugang und jetzt habe ich über einen MOOC immerhin digital vermittelten Zugang“hin reicht.

Wenn ich mir einen MOOC von der Stanford University in den USA anschaue, wäre es natürlich noch toller, wenn ich vor Ort sein könnte, diese Option bietet sich mir leider aber gar nicht. Aber überhaupt an einer Veranstaltung der Stanford University teilnehmen zu können, ist doch ein großer Gewinn, oder?

Auf jeden Fall! Der Unterschied zwischen xMOOCs und cMOOCs ist ja, dass die xMOOCs eher einen Vorlesungscharakter haben und im Anschluss an eine Prüfung anknüpfen. Die cMOOCs hingegen gleichen eher einem Workshop oder auch Seminaren. Welche Form der MOOCs präferieren Sie? Welche könnte sich besser auf den Lernerfolg auswirken?

Ich würde einen xMOOC eher mit einer Lehrveranstaltung mit klarem Lernziel und definiertem Lernweg vergleichen und einen cMOOC eher mit einem BarCamp, in dem der Erfolg viel von den Teilnehmern selbst abhängt und sich auch jeder selbst sein Ziel setzt. Welches Format geeigneter ist, hängt meiner Meinung nach davon ab, welchen Kenntnisstand ich in einem Thema habe. Wenn ich mir ein neues Thema erschließen will, sind xMOOCs besser geeignet, da sie mir eine klare Struktur vorgeben, der ich folgen kann.

Ein cMOOC überfordert Themeneinsteiger, da auf den Teilnehmer sehr viele Informationen und Diskussionsstränge einprasseln. Aus diesen vielen Optionen muss er dann selbst eine Auswahl treffen und Gewichtungen vornehmen, was einen in einem neuen Thema überfordert. Als Experte in einem Thema wiederum sind cMOOCs eine tolle Option spannende Diskussionen zu starten und ein Thema aus vielen Blickwinkeln zu beleuchten. cMOOC geben einem dann hierbei die Freiheit eigene Schwerpunkte zu setzen und Themen mitzugestalten.

Wie stellt man sich den Ablauf eines solchen Online-Kurses vor? Sitzt der Lernende vor dem Bildschirm, sieht sich das Video an und macht sich gegebenenfalls Notizen? Oder können diese auch aktiver an den Kursen teilnehmen?

Das kommt auf die Gestaltung des jeweiligen Kurses an. Die MOOCs – an deren Erstellung ich beteiligt war – hatten immer mehrere Komponenten. Zum einen die Videos als Wissensinput, die ich mir als Teilnehmer anschaue, aber auch Übungsaufgaben, in denen ich als Teilnehmer dazu aufgefordert bin, das vermittelte Wissen anzuwenden. Außerdem sind Diskussionsaufgaben ein wichtiger Bestandteil der Kurse. Diese erfüllen zwei Aufgaben. Zum einen erwecken Sie den Kurs zu Leben und machen ihn zu einer Gruppenerfahrung. Die Materialien kommen ja quasi „aus der Konserve“, aber durch die Interaktion mit den anderen Kursteilnehmern, beispielsweise über den Austausch in Diskussionsforen, erlebe ich als Teilnehmer, dass da noch andere an den gleichen Themen arbeiten wie ich.

Dieser häufig auch internationale Austausch ist sehr bereichernd. Was wir auch häufig erleben, ist, dass sich lokale Gruppen bilden. Einzelne Teilnehmer fragen im Forum, ob aus ihrer Region weitere Teilnehmer im Kurs sind und diese treffen sich dann. Zum anderen sind die Diskussionsaufgaben eine tolle Möglichkeit, die vermittelten Inhalte zu reflektieren und auch mit den eigenen (Berufs-)Erfahrungen zu verknüpfen und von den Perspektiven der anderen Teilnehmer auf einen Aspekt zu profitieren.

Welche Möglichkeiten sehen Sie in diesen Online-Kursen? Welche Vorteile können Lernende und Lehrende daraus ziehen?

Für Lernende sehe ich vor allem die Vorteile, Zugang zu Wissen zu erhalten, den sie vorher nicht hatten, von tollen Dozenten aus der ganzen Welt profitieren zu können, auch nach der eigenen Ausbildung noch an Hochschullehre partizipieren und in Austausch mit Tausenden von Teilnehmern treten zu können.

Für Lehrende ist es eine tolle Möglichkeit, mit der eigenen Lehre in die Öffentlichkeit zu treten oder auch ein Thema bekannter zu machen. Aktuell produzieren wir beispielsweise einen MOOC unter anderem mit der Zielsetzung, auf ein eher unbekanntes Fachgebiet aufmerksam zu machen und so auch mehr Studierende für dieses Fach zu begeistern. Als Lehrender erhält man durch einen MOOC eine internationale Plattform. Für unsere Dozenten haben sich aus den MOOCs auch fruchtbare Kontakte für zukünftige Zusammenarbeiten entwickelt.

Gibt es auch Probleme, die durch die Online-Kurse entstehen?

Dass durch einen Kurs Probleme entstehen, sehe ich nicht. Was man sagen kann, ist, dass das erfolgreiche Absolvieren eines Online-Kurses hohe Anforderungen an die Selbstmanagementfähigkeiten der Teilnehmer stellt. Das bedeutet, ich kann mir schon vorstellen, dass es auch Personen gibt, für die ein MOOC nicht das geeignete Lernmedium darstellt. Personen, die mehr Anreize von außen brauchen, haben es in einem MOOC wahrscheinlich schwer. Aus meiner Erfahrung würde ich sagen, dass speziell die Personen sehr gut in einem MOOC lernen können, die eine hohe intrinsische Motivation für ein Thema mitbringen.

Auf iversity.org sind ja auch unter anderem MOOCs, wie beispielsweise der videobasierte Online-Kurs für besseres Selbst- und Zeitmanagement vom ZML zu finden. Dort habe ich gesehen, dass man am Ende ein Zertifikat oder auch ECTS – also Credit Points – erhalten kann. Inwieweit werden in Deutschland diese Nachweise ernst genommen? Habe ich mit diesen Nachweisen gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt?

Das kann ich schwer beantworten. Ich würde MOOCs vor allem empfehlen, wenn es mir als Teilnehmer primär darum geht, mir das Wissen anzueignen. Wenn im Vordergrund steht, ein Zertifikat zu erwerben, das ich beispielsweise meiner Bewerbungsmappe hinzufügen kann, würde ich eher klassische Weiterbildungskurse empfehlen. In unseren MOOCs kontrollieren wir auch nicht, ob vor dem PC auch tatsächlich die Person sitzt, die auf dem Papier angemeldet ist. Somit hat so ein Zertifikat, wenn es nicht mit einer kontrollierten Prüfung abgeschlossen wurde, per se nur bedingte Aussagekraft. Wenn wir selbst ECTS für einen MOOC vergeben, müssen die Studenten vor Ort unter kontrollierten Bedingungen noch eine Prüfung ablegen.

Würde es Sinn machen, wenn auch andere Institutionen oder Bildungszentren – außer die Hochschulen – MOOCs anbieten würden? Beispielsweise vielleicht Bibliotheken, Gesamtschulen oder auch Unternehmen?

Das tun sie bereits. Die Frage lässt sich aus zwei Perspektiven beantworten. Zum einen die der Anbieter. Hier würde ich sagen, dass MOOCs für viele Institutionen ein toller Weg sind, neue Zielgruppen zu erreichen und das eigene Portfolio zu erweitern. Aus Sicht der Teilnehmer wird es natürlich immer schwieriger, die Qualität der MOOCs einzuschätzen, je weniger ich über den Anbieter und dessen Absichten weiß. Gerade bei Unternehmen wäre natürlich immer zu hinterfragen, wie neutral die Informationen sind, die ich in einem solchen MOOC erhalte.


Image „elearning“ by geralt (CC0 Public Domain)


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Mädchen schneiden in der Schule besser ab – sind aber weniger zufrieden

child (image by KokomoCole [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Die übliche Diskussion über die Erfahrungen von Kindern in der Schule fokussiert sich auf akademische Leistungen, persönliche Entwicklung sowie Bewertung der Schule. Fragt man Lehrer, Eltern oder politische Entscheidungsträger, was das wichtigste Angebot einer Schule sei, wird die Antwort eindeutlig sein: Bildung. Sie möchten, dass Kinder Wissen und Fähigkeiten entwickeln, die ihnen helfen, eine Karriere aufzubauen und erfolgreiche Erwachsene zu werden.

Natürlich befassen sie sich auch mit den persönlicheren Aspekten der Schule. Niemand möchte, dass ein Kind gemobbt wird oder unter Unsicherheit leiden muss. Dennoch wird es angesichts der steigenden Bedeutung von Qualifikation, Performanz, Schulbewertung und Verantwortlichkeit von Lehrern einmal Zeit, sich anzuschauen, ob und wie die sozialen Aspekte der Schulumgebung in bildungsbezogenen Diskursen als gegeben betrachtet oder zumindest überschattet werden.

In den vergangenen drei Jahren hat unsere Forschungsgruppe der Universität von Cardiff die unterschiedliche Wahrnehmung der Schulerfahrungen von Mädchen und Jungen analysiert. Unsere Studie bezieht ca. 1500 Schüler an 29 verschiedenen Grund- und Sekundarschulen in ganz Wales ein und förderte eine Fülle an Informationen zu Tage – nicht zuletzt, dass Mädchen in der Schule einfach weniger zufrieden sind als Jungen.

Wie ist das möglich? Gewöhnlich erzielen Mädchen in der Schule besser Noten als Jungen, aber warum sind sie nicht ebenso zufrieden wie ihre männlichen Pendants? Wir haben Schüler zu einer Vielzahl von Faktoren befragt, einschließlich der Lernumgebung ihrer Schule und der Eigenschaften der Institutionen als Ort der Sozialisierung, persönlicher Leistung sowie subjektives Wohlbefinden. Insgesamt haben wir mehrere wichtige, geschlechtsspezifische Unterschiede hinsichtlich der Wahrnehmung des eigenen Schulbesuchs aufgedeckt.

Beispielsweise waren weibliche Schüler gegenüber der Schule als Institution positiver eingestellt als Jungen. Sie hatten den Eindruck, dass das Schulpersonal große Erwartungen an sie hat, gute Noten und Fortschritt belohnt und sich für ihre akademischen Leistungen interessiert. Dennoch waren ihre Aussagen zur Wahrnehmung der Schule sehr unterschiedlich.

Knapp 25 Prozent der weiblichen Schüler sagten, dass sie sich Sorgen um ihre schulischen Leistungen machen würden, im Vergleich fanden sich hier nur 16,5 Prozent bei den Jungen. Circa 24 Prozent der Mädchen hatten das Gefühl, nicht in die Schule zu gehören, verglichen mit nur 8,8 Prozent bei den Jungen. Zusätzlich konnten fast 20 Prozent der Mädchen nicht mit der Aussage übereinstimmen, dass die Schule ein Ort sei, an dem „meine Lehrer mich gut kennen“, verglichen mit 12 Prozent der teilnehmenden Jungen. Leider werden die Antworten der Teilnehmer nicht besser mit dem Fortschreiten in der Schule. Die Befragungen wurden in zusätzlichen jährlichen Durchläufen wiederholt und die negativen Antworten wurden nicht nur beibehalten, sondern haben in einigen Fällen sogar zugenommen.

Geschlecht und Schulausbildung

Frühere Untersuchen der American Psychological Association und der britischen Organisation UCAS fanden heraus, dass Mädchen insgesamt in den meisten (oder allen) Schulfächern bessere Leistungen erbringen als Jungen und dass sich dieser Trend in vielen Ländern seit dem frühen 20. Jahrhundert manifestiert hat. Die Medien verbreiten diese Erkenntnisse häufig in Verbindung mit einer Art moralischer Panikmache, in der Interessenvertreter händeringend versuchen, den Diskurs in die Richtung der wahrgenommenen Bedrohung der Entwicklung und des zukünftigen Erfolgs männlicher Schüler zu lenken.

Die Geschlechterkluft in der Bildung wird oft dem Mangel an männlichen Lehrern beigemessen. Dennoch hat eine Studie nach der anderen festgestellt, dass das Geschlecht des Lehrers keinen messbaren Einfluss auf die akademischen Leistungen von Schülern hat. Vielmehr scheinen Mädchen bessere Leistungen zu bringen, weil sie laut einer amerikanischen Studie eine positivere Auffassung von Bildung haben, mehr lesen, mehr lernen und ein besseres Verhalten aufweisen als Jungen. unsere Forschung bestätigt diese Behauptung.

Auch wenn die geringeren akademischen Leistungen der Jungen in der Schule besorgniserregend sind, muss Folgendes bedacht werden: auch wenn Mädchen in der Schule bessere Leistungen bringen als Jungen, sind diese Erfahrungen oft genug mit Zweifel, Entfremdung und Angst behaftet.

Schulen als soziale Räume

Schulen sind weit mehr als ein Ort des Lernens, sie sind ebenso komplizierte Schauplätze sozialer Aktivitäten. Dieselben gesellschaftlichen Einstellungen, Praktiken und Diskurse, die auch außerhalb der Schule präsent sind, existieren auch innerhalb dieser mikrosozialen Umgebung. Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass Schüler nicht die Komplexität des Erwachsenenlebens ablegen, wenn sie die Schulräume betreten. Wenn überhaupt werden sie für einige noch intensiviert.

Die Schülerinnen, die an der Studie teilgenommen haben, sind der Auffassung, dass die gegenwärtige Situation junger Frauen in einer patriarchalisch organisierten Gesellschaft implizit und explizit auf die sozialen Praktiken im Schulwesen zurückzuführen ist. Die Wahrnehmung des Körpers und die Aktivität in sozialen Medien sind beispielsweise aktuelle Themen, die mit dem sozialen Druck in Verbindung gebracht werden, der potenziell die emotionalen Probleme von Mädchen vergrößert. Die Reaktionen darauf fokussieren sich meistens auf den Einfluss dieser Probleme auf das Leben von Mädchen, ohne jedoch mit einzubeziehen, wie das Bild des weiblichen Körpers in der Gesellschaft konstruiert und reproduziert wird. Die Schulen bilden in diesem Prozess das Instrument.

Obwohl behördliche Versuche unternommen werden, um diese Geschlechterkluft zu schließen, muss ein größerer Aufwand betrieben werden, um die gesellschaftlichen Erfahrungen und das Wohlbefinden von Schülern (und insbesondere von Mädchen) in der Schule zu verstehen und zu verbessern.

Das Einbeziehen von Konzepten wie Gender Fluidity in die Prozesse des Schulalltags sowie Unterrichtsmaterialien kann glaubwürdige Lernmöglichkeiten liefern, um sich mit Konzepten von Identität und Geschlecht auseinanderzusetzen.

Organisationen wie die Association of Teachers and Lecturers und die Gender and Education Association sind bereits an vorderster Front, um Lehrer bei der Implementierung von kritischen, transformativen Praktiken im Klassenzimmer anzuleiten. Zusätzlich zum praktischen Engagement zu den Themen Geschlecht und Identität – Faktoren, die das Leben jedes Schülers in der Schule betreffen – können die philosophischen Strömungen, die in die neuen und entstehenden Lehrpraktiken eingebettet sind, informieren und einen inklusiveren Bildungsethos für Schulen kräftigen und eine unterstützende und angenehme Umgebung für alle Schüler schaffen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Child“ by KokomoCole (CC0 Public Domain)


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Paradoxe Interventionen gegen Steuerungsobsessionen

Dr Who Cybermen (adapted) (Image by Chad Kainz [CC BY 2.0] via flickr)

In Reaktion auf den allerletzten Live-Hangout der „Weltgeschichte“ über kybernetische Technokraten bin ich auf Facebook ermahnt worden, doch etwas demütiger vor die Großdenker der kybernetischen Front zu treten. Gemeint ist dabei vor allem Stafford Beer, der eine kybernetische Managementlehre predigte: „Tja Gunnar …. der ‚olle’ Stafford …… ;-) ich erwarte von Dir nicht, dass Du Beers Framework über das Potenzial der Integration einer fraktalen Selbstähnlichkeit verstehst … zumal das VSM auch eine Nähe zu den ‚Laws of Form’ besitzt … anstatt von Naivität zu sprechen, wäre etwas Demut wohl besser gewesen.

Lenkbare Kleintiere

Die fraktale Replik haut mich jetzt nicht vom Hocker. Soll ich in ersatzreligiöser Anbetung auf die Knie gehen vor den Thesen eines Mannes, der von Selbstregulation und diskreter Steuerung redete und begeistert war von bio-mathematischen Experimenten mit Wasserflöhen, die von Kybernetikern mit Eisenspänen gefüttert wurden? Völlig überraschend lassen sich die Bewegungen der hüpfenden Kleintierchen in metallisierten Schwärmen mit einem Magneten an einen gewünschten Ort leiten, um sie dort wieder ihrer Eigendynamik zu überlassen. Kybernetiker werten das als eine selbstregulierende Dynamik des Schwarms, die man einer zweckgerichteten Maschine unterordnet. Für Stafford Beer werden durch diese Möglichkeiten des Umgangs mit natürlichen Körpern vollkommen andersartige Verkettungen vorstellbar.

Parasitäre Strategien

So könnten Manager auf die Selbstregulierung zugreifen und eine zweckgerichtete Lenkung bewirken. Der Manager stülpt das Interesse seines Unternehmens in einer parasitären Strategie der organischen Selbstregulierung über. Funktioniert die Verbindung als Maschine, wird der Organismus in seinem Gleichgewicht kaum beeinträchtigt und bleibt seinem Parasiten lange Zeit erhalten. Leider mutiert der selbstregulierende Organismus so weit, dass das parasitäre Unternehmen nicht mehr den erwünschten Nutzen aus ihm ziehen kann. Der Wasserfloh geht an den Eisenspänen zugrunde.

Worthülsen auf Wasserfloh-Niveau

Egal, welche Begriffskaskaden Stafford Beer und seine Jünger nachlieferten, etwa die Homöostase zur Aufrechterhaltung eines Gleichgewichtszustandes eines offenen sowie dynamischen Systems „durch einen regelnden Prozess“, ob sie noch eine Portion Ethos in ihre Zirkelschluss-Aussagen draufpacken oder aus Arschloch-Unternehmen vernünftige Organisationen stricken wollen, es sind Modellschreiner auf Wasserfloh-Niveau. Ihren Worthülsen fehlen schlüssige und überprüfbare Theorien und saubere Beweisführungen. Jede Annahme steht unter Voraussetzungen, die ihrerseits wieder hinterfragt werden müssen.

Disputation und Rechtfertigung

Auch das Geschäft der Kybernetiker, die sich in der Managementlehre austoben, Menschen und sogar Staaten regulieren wollen oder gar sozialwissenschaftliche Ausflüge unternehmen, steht unter der Bedingung der Rechtfertigung. Mit Demut kann sich eine Disputation nicht entfalten. Wer das verlangt, sollte häufiger den Gottesdienst besuchen und mich in Ruhe lassen. Das Notiz-Amt nimmt sich die Freiheit, Geistesgrößen wie Stafford Beer oder den Google-Chefdenker Ray Kurzweil unter die Lupe zu nehmen. So erklärt Kurzweil Eingriffe in den menschlichen Geist für wünschenswert, weil dadurch Charakterfehler behoben und Leistungssteigerungen ermöglicht werden könnten. Klingt irgendwie nach der Psychotherapie im Zukunftsroman „Clockwork Orange“ von Anthony Burgess. Es ist an der Zeit, solche Steuerungsheinis in der Öffentlichkeit mit einer kritischen Debatte zu konfrontieren. Helfen könnten paradoxe Interventionen: Steuerungssysteme entlarven, so dass ihre Modelle ins Leere laufen. Systeme mit Daten zu scheißen, so dass am Ende falsche Muster rausspringen. Mein eigenes Verhalten kann dafür sorgen, dass das System durch die Aufdeckung der dahinter stehenden Logik nicht mehr funktioniert – ganz ohne Demut.


Image (adapted) „Dr Who Cyberman“ by Chad Kainz (CC BY 2.0)


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Unternehmen öffnen sich der Idee des Deep Learning

Exercise Plays Vital Role Maintaining Brain Health (adapted) (Image by A Health Blog [CC by 2.0] via flickr)

In dem Film Transcendence spielt Johnny Depp Dr. Will Caster, einen Forscher im Bereich der künstlichen Intelligenz an der University of California, Berkeley, der versucht, einen empfindungsfähigen Computer zu bauen. Stuart Russel ist sozusagen der Will Caster im echten Leben. Er arbeitet wie sein filmisches Abbild im KI- Bereich in Berkeley und ist Co-Autor des maßgeblichen Fachbuchs über künstliche Intelligenz. Zudem äußerte er sich eindringlich zu den Risiken, dass Forschung im Bereich der künstlichen Intelligenz Erfolg hat. Zu Beginn des Jahres brachte DeepMind von Google einem Computerprogramm innerhalb weniger Stunden bei, eine große Auswahl an Atari-Spielen auf einem enorm hohen Niveau zu spielen. Dem Programm wurde kein Hintergrundwissen gegeben, es lernte jedes Spiel von Grund auf. Stuart stellte fest: „Wenn das ein Neugeborenes getan hätte, würde man denken, es wäre besessen“. Sollten wir beeindruckt oder besorgt über solch einen Fortschritt sein?

Die Geheimzutat

Das Geheimnis hinter dem Erfolg von DeepMind ist Deep Learning, ein aufregender und sehr lebendiger Teil des maschinellen Lernens. Maschinelles Lernen treibt die nächste Revolution in Datenverarbeitung an. Statt einen Computer mühsam per Hand zu programmieren, eine Aufgabe auszuführen, bringen wir den Computer einfach dazu, zu lernen, die Aufgabe zu lösen. Spiele sind ein besonders guter Bereich, in dem man maschinelles Lernen anwenden kann. Es gibt sehr genaue Regeln, die man einhalten muss. Es ist einfach, herauszuarbeiten, wer gewinnt und der Computer kann seine Leistung selbständig laden, indem er sich selbst millionenfach spielt. Deep Learning ist jedoch zu viel mehr gut als zu lernen, wie man Spiele spielt. Es wandelt um, wie Computer eine Rede in einen Text übertragen, Bilder erkennen, Suchergebnisse einordnen, und viele andere Aufgaben durchführen, die Intelligenz erfordern. Deep Learning benutzt ein „tiefes“ neurales Netzwerk, welches lose am Beispiel des menschlichen Hirns modelliert ist. Es ist „tief“, weil es ein halbes Dutzend Schichten besitzt. Diese Schichten sind entscheidend für den Erfolg. Sie erlauben dem neuralen Netzwerk, bestimmte Merkmale auszuwählen. Bei der Bilderkennung können die Schichten bestimmte Merkmale wie Ecken und Kanten ausmachen. Ebenfalls entscheidend für den Erfolg sind die Datenmenge und die Rechenleistung. Deep Learning braucht viele Beispiele, von denen es lernen kann. Und das Lernen selbst wird oft auf mehreren spezialisierten Grafikprozessoren ausgeübt (GPUs).

Für was ist es nicht geeignet?

Deep Learning ist dem Anschein nach eine wichtige Komponente für die künstliche Intelligenz. Jedoch ist es unwahrscheinlich, dass es alle Belange der künstlichen Intelligenz lösen können wird. Deep Learning hat vor allem bei tiefergehenden Aufgaben wie der Sprach- und Bildverarbeitung seine Stärken. Bei komplexeren Aufgaben oder bei Aufgaben, die strategisches Denken erfordern, stellt die Anwendung eine Herausforderung dar. Man denke nur an die Planung des Baus einer Fabrik oder daran, ein komplexes mathematisches Problem zu lösen. Das Programm von DeepMind hat gelernt, einfache reaktive Spiele wie „Pong“ und „Space Invaders“ zu spielen. Aber es hat sich bei „PacMan“ nicht besonders gut angestellt, da hier im Umgang mit den Gegnern in Gespensterformat vorausschauend gedacht werden muss. Hier sind weitere Herausforderungen zu nennen. Deep Learning erfordert beispielsweise eine Menge an Daten. Menschen hingegen lernen im Vergleich dazu bereits anhand einiger weniger Beispiele. Es gibt viele Bereiche, in denen Lernen schwierig, schmerzlich oder tödlich enden kann. Wir brauchen daher auch Methoden, welche schnell er durchzuführen sind. Deep Learning ist weitestgehend eine Blackbox. Es gibt viele Bereiche, in denen wir vom Computer eine Begründung für seine Schlussfolgerungen haben wollen oder er seine Antwort rechtfertigen muss. Schließlich gibt es auch viele Bereiche, in denen wir eine Garantie brauchen: Das Programm für die Luftsicherung sollte auf keinen Fall den gleichen Luftraum für zwei Flugzeuge freigeben. Das selbstfahrende Auto sollte immer an einer roten Ampel halten. Deep Learning bietet von Hause aus keine solche Garantie. Nichtsdestotrotz gibt es immer mehr Firmen, die mit der Idee spielen, neue Dienstleistungen mit Hilfe von Deep Learning aufzubauen. Es spielt sicher eine kritische Rolle bei selbstfahrenden Autos, wenn man Suchergebnisse einstufen möchte oder Produkte empfehlen, Spam-Mails identifizieren, mit Aktien handeln oder medizinische Aufnahmen interpretieren will.

Wohin wird das alles führen?

Deep Learning verwendet tausende von Neuronen und Millionen an Verbindungen. Doch das menschliche Gehirn verfügt über Milliarden Neuronen und viele Billionen Verbindungen. Es bleibt eine große wissenschaftliche und technische Herausforderung, wenn man auf die Größe des menschlichen Gehirns kommen möchte. Nach allem, was wir bisher kennen, ist das menschliche Gehirn das komplexeste System im ganzen Universum. Außerdem gibt es noch einen Haufen Probleme zu lösen, wie beispielsweise Bewusstsein oder Emotionen und sie scheinen unmittelbar mit unserer Intelligenz verbunden zu sein. Wir müssen diese nun verstehen oder sie als Silikonmodell nachbilden. Wir sind noch ein gutes Stück von dem Vorbild aus Transcendence entfernt: Der technischen Singularität, also dem Moment, in dem Computer anfangen, sich selbst zu verbessern, in einem merklichen Tempo Intelligenz entwickeln und schon bald menschliche Grenzen übersteigen. Viele Wissenschaftler im KI-Bereich zweifeln momentan, ob wir diesen Moment überhaupt erreichen. Sie vermuten eher, dass wir recht bald an unsere wissenschaftlichen, technischen oder andere Grenzen stoßen, was uns daran hindert, der Intelligenz der Maschinen zu entkommen. All das wird uns trotzdem nicht aufhalten, Maschinen zu bauen, die unser Leben verändern werden. Wir müssen jetzt damit anfangen, für die Zukunft zu planen und uns auf die Zeiten vorzubereiten, in der viele Aufgaben automatisiert sein werden. Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Exercise Plays Vital Role Maintaining Brain Health“ by A Health Blog (CC BY 2.0)


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Tablet für Kinder – Sorgen für Eltern

487093020 (adapted) (Image by verkeorg [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Viele Eltern haben große Bedenken, wenn ihre Kinder E-Books auf Tablets lesen. Einer aktuellen Studie zufolge , bei der 1500 britische Eltern mit Kindern unter acht Jahren befragt wurden, ging es um ihre Einstellung gegenüber der Nutzung von Technik und E-Books zu Hause. Hierbei hatten nur 8 Prozent der Eltern keine Bedenken wegen der Nutzung von Tablet-PCs bei ihren Kindern. Bei der Frage nach der Nutzung digitaler Medien machten sich nur 16 Prozent der Eltern keine größeren Sorgen.

Bei dem Vergleich der Ergebnisse mit einer ähnlichen Studie, die vom Joan Ganz Cooney-Zentrum in den USA im Jahr 2014 durchgeführt wurde, stellte sich heraus, dass Eltern in Großbritannien und den USA verschiedene Gründe für die Nutzung oder die Nichtnutzung von digitalen Geräten für ihre Kinder hatten. Beispielsweise gaben mehr amerikanische als britische Eltern an, die digitalen Geräte gemeinsam mit ihren Kindern zu nutzen, um sicherzustellen, dass sie mit keinem unangemessenen Inhalten konfrontiert werden.

Unsere Umfrage, die von der gemeinnützigen Organisation Book Trust in Auftrag gegeben wurde, stellte die Sichtweisen britischer Eltern für “richtig und falsch” in Bezug auf Technik heraus. Beispielsweise dachten 35 Prozent der Eltern, dass die Nutzung von E-Books das Interesse an gedruckten Büchern schwinden lässt. 26 Prozent der Befragten waren besorgt, dass die Technik die Konzentrationsfähigkeit der Kinder beeinflussen könnte und 14 Prozent der Befragten hatten Bedenken, dass sie den Lernprozess behindern würden.

Dafür bevorzugen Eltern mit kleineren Kindern unter acht Jahren gedruckte anstelle von digitalen Büchern. Sie erkennen jedoch den Wert digitaler Bücher in Bezug auf konkrete Lernziele an. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass wohltätige Erziehungs- und Bildungsorganisationen im offenen Dialog mit Eltern über die zahlreichen Möglichkeiten der Mediennutzung stehen müssen.

Es stellt sich jedoch auch die elementare Frage, wer Zugang zu dieser Technik hat. Eine weitere amerikanische Umfrage wurde mit fast 1200 geringverdienenden Eltern mit schulpflichtigen Kindern und mit Familien spanischer herkunft in drei finanziell schwachen Gemeinden in Arizona, Kalifornien und Colorado geführt. Hierbei stellte sich heraus, dass ein Großteil der Familien (94 Prozent) zwar über einen Internetanschluss verfügten, dieser jedoch oftmals zu langsam oder unterbrochen wäre oder über ein mit anderen Parteien geteiltes Empfangsgerät lief. Diese Umstände beeinflussten die Lernmöglichkeiten der Kinder tiefgreifend.

Strategien für Eltern

In ihrem neusten Buch “Tap Click Read” (dt.:“Tippen Klicken Lesen”) greifen der Vorstandsvorsitzende des Joan-Ganz-Cooney-Zentrums Michael Levine und die Journalistin Lisa Guernsey die Verschiedenheit von Familien auf und stellen die unbequeme Frage:“Was passiert, wenn die technologischen Unterschiede die Bildungsschere zwischen Arm und Reich noch weiter auseinandertreibt?”

Die Autoren beschreiben weiterhin, wie die Nutzung digitaler Medien sich zwischen Armen und Reichen, aber auch jungen Müttern, technikerfahrenden Eltern oder Immigrantenfamilien unterscheidet. Das Buch beinhaltet zusätzlich einige Kurzvideos zu Programmen und Initiativen, die versprechen allen Kindern gleichermaßen den Zugang zu technischen Lehrmöglichkeiten zu ermöglichen.

Die Bandbreite der Erwartungen und Motivationen von Familien betreffend der Technik für Kinder ist wichtig für alle mit Kindern arbeitenden Interessenvertretern, einschließlich Technikproduzenten und Gesetzgebern. Bisher lag der Aufmerksamkeitsschwerpunkt auf dem gesteigerten Zugang zu und Besitz von Technik durch junge Kinder, besonders auf Geräten mit Touchscreens.

Ein Drittel der Kinder unter fünf Jahren besitzt ein Tablet

Eine andere britische Umfrage unter 2000 Familien fand heraus, dass 31 Prozent der Kinder unter fünf Jahren einen eigenen Tablet-PC zu Hause haben. Im Bericht des Projekts  “Tech and Play” der Universität von Sheffield wird empfohlen, dass Kinder in Schulen Zugang zu Tablets haben sollten, falls sie zu Hause nicht über ein solches Gerät verfügen. Die Forscher fördern zudem die Entwicklung für ein besseres Design bei Apps für Kleinkinder, indem sie die Entwickler über Aspekte informieren die Spiel und Kreativität zufördern.

Während der Tech-and-Play-Bericht auf den Daten von Familien basiert, die bereits Tablet-PCs zu Hause haben, bestätigen auch Studien mit national repräsentativen Stichproben die Tatsache, dass zunehmend junge Kinder Zugang zu unterschiedlichster Technik haben oder diese zumindest besitzen.

In Großbritannien stellte man beispielsweise mit Hilfe der Ofcom-Umfrage fest, dass 71 Prozent der Fünf- bis 15-Jährigen zuhause über einen Zugang zu einem Tablet verfügen. In den USA berichtete im Jahr 2013 die Common Sense Media über diesen steigenden Trend und fand heraus, dass die Anzahl an Kindern mit Tablets unter acht Jahren auf das Fünffache gestiegen ist im Vergleich zum Jahr 2011.

Inwieweit Kleinkinder von einem Tablet-PC profitieren oder lernen können, wird gegenwärtig in der Amerikanischen Vereinigung für Kinderheilkunde (American Association of Pediatrics, kurz: APA) diskutiert. Diese hat sich zum Ziel gesetzt, einen erneuerten Leitfaden für den Herbst 2016 herzustellen.

Was auch immer die APA empfehlen wird, die Kultur innerhalb der Familie und die Sichtweisen der Eltern formen die Herangehensweisen, die die Techniknutzung ihrer Kinder bestimmt. In der aktuellen Diskussion geht es nicht nur darum, wer wozu einen Zugang zur Verfügung gestellt bekommt, sondern auch darum, was Eltern für ihre Kinder für wichtig erachten.

Wir müssen jedoch dringend Strategien entwickeln, um die tiefgreifende Ungleichheit auszugleichen, die herrscht, sobald es um die Nutzung von Technik geht.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „487093020“ by verkeorg (CC BY-SA 2.0)


The Conversation

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Entscheidungsmacht von Algorithmen: Mensch versus Algorithmus

Algorithmus (Bild by geralt [CC0] via pixabay).jpg

Algorithmen bestimmen mittlerweile unser tägliches Leben. Aber ist eine von Menschen getroffene Entscheidung richtig, auch wenn der Algorithmus das anders sieht? Algorithmen versuchen ein Problem zu lösen, in dem sie den Vorgang der Problemlösung genau beschreiben. Sie werden von Menschen entwickelt, um dann eigenständig nach vorgegebenen Parametern Ergebnisse zu liefern. Google präsentiert uns nach einem von Experten erarbeiteten Algorithmus die Suchergebnisse auf unsere gestellte Frage. Amazon versucht uns Empfehlungen nach einem Algorithmus vorzuschlagen und Facebook passt unsere Timelines nach einem Algorithmus an. Doch wie fehlerfrei kann etwas von Menschen entwickeltes sein?


Warum ist das wichtig? Durch die umfassende Digitalisierung unserer Gesellschaft sind Algorithmen ein fester Bestandteil unseres Lebens.

  • Algorithmen bestimmen unsere Gesellschaft, aber ohne Transparenz können sie nicht ethisch bewertet werden.

  • Entwicklungen wie Deep Learning treiben die „Menschwerdung“ von Algorithmen voran, ohne die Schwachstellen des menschlichen Denkens.

  • Erst das Ergebnis zeigt uns, ob Mensch oder Algorithmus Recht haben. Vorhersagen lässt sich das oftmals nicht.


Auch das Navigationsgerät eines Autos funktioniert nach einem Algorithmus: es erfasst den besten, schnellsten oder energieeffizientesten Weg. Was aber, wenn ich, als Mensch, einen schnelleren Weg kenne? Wenn ich eine andere Entscheidung treffe als mir der Algorithmus des Navigationsgerät vorgibt? Bin ich dann immer noch im Recht?

Das Beispiel mit dem Navigationsgerät wirkt einfach zu lösen: Solange das Ziel erreicht wird, war die Entscheidung richtig, unabhängig von der gewählten Strecke. Ob die Strecke, die das Navigationsgerät berechnet hat, oder die man letztlich gefahren ist, schneller war, kann kein Auto fahrender Mensch beurteilen. Außerdem spielen weiteren Faktoren wie der Verkehr, Baustellen und auch Ampeln eine Rolle.

Wie sieht es aber mit Algorithmen in einem Krankenhaus aus? In der ersten Folge von „Looking into Black Boxes“ wird erklärt, wie im Krankenhaus Berlin-Marzahn das „Manchester Triage System“ verwendet wird. Dieses beinhaltet einen Algorithmus, der die Patienten nach Symptomen einteilt und sie dementsprechend in einem bestimmten Zeitraum behandelt werden. Andere Algorithmen überwachen beispielsweise die Dosierung von Medikamenten.

Hier stellt sich wieder die gleiche Frage: Wie weit kann der Mensch auf die Maschine vertrauen? Und: Wenn der Mensch dem Algorithmus widerspricht, wer hat dann Recht?

Ethische Aspekte von Algorithmen

Algorithmen kann eine Ethik beiwohnen, solange sie Konsequenzen für unser tägliches Leben haben, so Zeynep Tufekci gegenüber der taz. „Sie sind zwar nicht lebendig, aber sie sind handlungsmächtig.“ Die Frage, die sich nun stellt, ist die ethische Verantwortung der Menschen hinter dem Algorithmus.

Es gibt immer einen Entwickler, welcher aus einer Formel einen funktionierenden Algorithmus entworfen hat. Letztlich setzt dieser die Parameter fest, nach denen der Algorithmus dann arbeitet und handlungsmächtig agiert. Im Endeffekt entscheiden diese dann auch, was richtig und falsch ist.

Um eine Entwicklerethik festzulegen und auch kontrollieren zu können, müssten Algorithmen transparent gemacht werden. Bisher sind die meisten Algorithmen nur für die Unternehmen dahinter zugänglich. Alles, was wir kaufen, recherchieren oder lesen, wird in Datenbanken gesammelt, ist für Unternehmen jederzeit verfügbar und kann einfach per Fernzugriff geändert werden.

Fehlende Transparenz

Für die Nutzer gibt es allerdings keinerlei Transparenz oder Kontrolle. Mit jedem Nutzer-Account, das wir uns zulegen, tragen wir wieder ein neues Konto in die Datenbank einer Firma ein, die Informationen über uns sammelt und aus diesen versucht, uns ein Erlebnis zu schaffen, was sich in irgend einer Form monetarisieren lässt.

Ohne Transparenz können wir als Gesellschaft nicht entscheiden, ob der Algorithmus nach ethischen Parametern entscheidet oder nicht. Arbeitet ein Algorithmus nach unethischen Vorgaben, sollte sein Ergebnis anzuzweifeln sein. Entspricht die vom Menschen getroffene Entscheidung den ethischen Vorgaben, ist sie klar als richtig zu bewerten, auch wenn der Algorithmus etwas anderes sagt.

Jedoch wird es ein schwieriges bis unmögliches Unterfangen, die Unternehmen zur Offenlegung ihrer Algorithmus-Parameter zu bringen. Daher wird eine ethische Bewertung so schnell nicht möglich sein.

Deep Learning – die neue Zukunft?

In der Forschung rund um Algorithmen werden immer mehr Fortschritte erzielt. Deep-Learning-Algorithmen sind auf dem Weg, ähnlich des menschlichen Gehirn zu funktionieren, in dem menschliches Lernen imitiert wird. Damit gehen die Entwickler einen großen Schritt Richtung Künstliche Intelligenz.

Lernfähige Algorithmen geben die Hoffnung, dass man Ihnen ethisches Verhalten „beibringen“ kann und sie somit irgendwann evaluieren können, was ethisch nicht vertretbar ist. Sind die Ergebnisse solcher Algorithmen dann bald besser als die Entscheidungen, die Menschen treffen? Und wer hat dann die Handlungsmacht?


Teaser & Image (adapted) by geralt (CC0)

 

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5 Gründe, warum Slack die Lernplattform der Zukunft ist

Eingabe Tastatur (adapted) (Image by StartupStockPhotos [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Aktuell kann man in Echtzeit beobachten, wie eine zeitgemässe, moderne Schnittstelle entsteht, bei der man die ganze Zeit denkt: Warum gibt es das nicht schon längst? Jeder Mensch, der gewohnt ist, agil zu arbeiten, weiss es: Am besten qualifiziert man sich, wenn man sich auf den Weg macht und versucht, ein sehr konkretes Problem zu lösen. Mit Slack steht nunmehr Teams und Communities eine agile Umgebung zur punktgenauen, aktiven Weiterbildung zur Verfügung.

Hier meine 5 Gründe für Smarter Working Learning

Grund Nr. 1: Arbeiten, Leben und Lernen wachsen zusammen.

Es ist allseits bekannt: Man lernt am besten, wenn man ein konkretes Problem lösen WILL. Vielleicht bringt man schon etwas Vorerfahrung oder eine Übersicht über angrenzende Themenfelder mit ein. Richtig Spass macht ein Projekt aber erst, wenn es eine konkrete Herausforderung mitbringt, die man überwinden muss.

Eine Nuss, die man knacken muss. Eine Hürde. Hat man dann noch ein Team um sich oder kompetente Mitstreiter/innen im Zugriff, steht dem Flow kaum noch etwas im Wege. Man fragt sich durch und experimentiert im Verbund und fügt einen Baustein auf den anderen. Ist das Problem auf einmal gelöst, blickt man voller Stolz darauf und empfindet etwas Glück. Wenn man Glück hat.

Während diese Arbeitsweise schon eine ganze Weile state-of-the-art ist in Programmiererkreisen (und nebenbei die Dynamik erklärt, die in technologischen Entwicklungen steckt), realisieren auch andere Berufsgruppen jetzt im Zuge der Digitalisierung: Hoppla, wir müssen auf sämtlichen Baustellen unseres Lebens gerade immerfort weiterlernen. Nicht nur die Technik treibt uns. Auch die Kultur, die sich durch die sozialen Netzwerke und kollaborativen Werkzeuge verändert. Nicht nur bei denen, die sie nutzen, sondern überall.

Es gibt auf einmal kein Plateau mehr, auf dem man sich zurücklehnen und genussvoll das Erreichte betrachten kann. Es geht immer weiter. Immer bergauf.

Das klingt jetzt erst einmal für viele sehr anstrengend. Aber nehmen wir es für diesen Moment als Herausforderung. Als Aufforderung, in Flow zu kommen.

Grund Nr. 2: Austausch ist wichtiger als Content.

Und hier kommt auf einmal Slack ins Spiel. Eine kleine App mit mächtigem Wirkungskreis. Wobei Slack nur ein Platzhalter ist für all die kleineren Kommunikationstools, die derzeit im Arbeitskontext aufpoppen und diese sehr agilen, kommunikativen Prozesse unterstützen helfen. Man braucht als agiles Team (Amazon sagt 5-8 Personen sind ideal, andere Forschungen nennen 7 oder 9 als ideale Grösse) heutzutage keine Riesen-Firmenplattform mehr. Keine Software im eigentlichen Sinne.

Why No One Uses the Corporate Social Network

Man braucht eigentlich nur ein Mittelding zwischen Facebook, Twitter und Skype. Mit weniger Ablenkung und etwas mehr Kontrolle und Organisation. Boing: Auf einmal nutzen alle Slack. Slack ist der absolute Renner im Silicon Valley und entsprechend hoch dotiert. Die bereit gestellten Geldmengen wachsen in ähnlichem Tempo wie die Funktionalitäten. Sein Erfolg liegt in der radikalen User Experience begründet.

Und zwar von den sich gerade radikal verändernden Lebensumständen in der Arbeitswelt der User aus gedacht – oder besser: getrieben. Es ist ein wenig so wie in den Anfangsjahren von Twitter. Es geht nicht um sich anbiedernde Oberflächlichkeiten, die dem User gefallen, um ihm irgendwelche Konsumgüter anschliessend zu verkaufen. Keine Servicequalität. Da haben wir Deutschen Glück gehabt.

Es geht um die Bereitstellung einer optimalen Arbeitsumgebung, die sich selbstverständlich in den gewünschten Lebensalltag FLEXIBEL einfügt. Man braucht einen virtuellen Ersatz für das Gemeinschaftsbüro mit Kaffeemaschine und Raucherecke. Wenn man eben nicht an einem Ort sitzen will oder kann. Et voilà!

Dann braucht es lediglich einer Kommunikationsschnittstelle, die die dezentralen Prozesse koordinieren hilft. Und um sich wechselseitig zuzurufen, woran man gerade sitzt und diese beliebte Frage stellen zu können: „Hat irgendwer von euch auch schon mal dieses Problem gehabt?

Grund Nr. 3: Kollaboration ist die Schlüsselkompetenz im 21. Jahrhundert.

Klar kann man das auch am Telefon lösen. Mühsam, weil man der Reihe nach die Leute durchtelefonieren muss. Zudem sind alle Wissensarbeiter/innen, die konzentriert einer Arbeit nachgehen, irgendwann genervt von diesen lauten Zwischenrufen. Und stellen das Telefon auf „abwesend“. Solche Anfragen mag man lieber beantworten, wenn man seinen aktuellen Micro-Flow (s.o.) gelöst hat. Eben asynchron.

Und so verbindet Slack auf einmal sehr leichtfüssig die Arbeit mit dem Lernen. Man legt einen geschlossenen Account für sein Team an, sortiert ein wenig die Kanäle und verbindet all seine Tools, die man ansonsten sowieso nutzt, mit der Umgebung. Klingt jetzt sehr technisch, ist es aber gar nicht. Die Umgebung wächst sehr smart entsprechend des Bedarfs – man benötigt keinen Techniker, um sie aufzusetzen. Maximal eine halbe Stunde Einarbeitung pro Person – los geht’s.

Kollaboration ist jetzt angesagt – und eine entsprechende Kompetenz gefordert. Das Überraschende an dieser Geschichte ist: Man muss diese Kompetenz nicht mühsam in einem Kurs lernen. Vielmehr entwickelt sie sich beim Tun. Es braucht dazu lediglich einer wertschätzenden, vertrauensvollen Arbeitsumgebung. Und eine verständige Projektleitung. Schon wächst man da rein. Es sei denn, man hat es mit blöden Egomanen zu tun. Dann wird’s etwas nervig.

Das Gros der Menschen aber, denke ich, bringt die persönlichen Voraussetzungen mit, sich in den kollaborativen Fluss an Informationen und Kommunikation einzubringen. Und wächst daran. Es geht um nicht weniger als einen transparenten, fairen, demokratischen, flexiblen Arbeitsalltag. Und wer will das nicht – ausser den (Bald-)Pensionären?

Grund Nr. 4: Lebenslanges Lernen ist keine Forderung, sondern Realität.

Das deutsche Arbeitsministerium hat die Zeichen der Zeit erkannt. Chapeau, möchte man sagen. Nicht noch 3-5 Jahre zugewartet, sondern verhältnismässig zeitig reagiert. Arbeiten 4.0, so heisst die Losung unserer Zeit. Vermutlich, weil es als schöner Counterpart zur Industrie 4.0 gedacht wird. Mitbestimmung 2.0 sozusagen. Aber anyway. Es ist ein wichtiger Schritt.

Grünbuch Arbeiten 4.0

Neben der Veränderung unserer volkswirtschaftlichen Grundlagen, wollen die Menschen mitgenommen werden und einen positiven Blick in die Zukunft erlangen. Das Arbeitsumfeld will neu gestaltet werden. Inklusive der Rahmenbedingungen.

Nun ist dies nicht mit einer politischen Direktive getan, sondern es gilt, einen ordnungspolitischen Rahmen zu spannen, der Möglichkeiten zur Gestaltung bietet. Arbeitgeber/innen und Erwerbstätige benötigen einen Raum, in dem sie flexibel und kreativ die Potenziale entfalten können. Niemand kennt ja derzeit in Gänze sämtliche denkbaren neuen Konstellationen, in denen Menschen und Maschinen zukünftig zusammen arbeiten und leben können – und wollen.

Denn vor diesem offenen Raum stehen wir derzeit. Alle dicht gedrängt. In der Eingangstür. Bislang befinden sich noch kaum Möbel drin. Geschirr, Werkzeuge und Spielzeuge liegen lose herum – und jetzt müssen wir uns alle darin neu positionieren. Als Gesellschaft den neuen Möglichkeitsraum bespielen.

Da wird es vorlaute Mitmenschen geben, die vorgeben, den Weg zu kennen, wie man zu einer sinnvollen Gestaltung gelangt. Und da wird es jede Menge Menschen geben, die sich hinten anstellen, weil es ihnen Angst macht, was da geschieht.

Aber durch diese Tür müssen wir ALLE durch. Dann die losen Teile aufheben, mit ihnen experimentieren, sie zusammen bringen, Neues aufbauen, uns einigen, gemeinsam überlegen, wo wir hin wollen. Das alles ohne einen einzigen Bescheidwisser. Ohne Führung, denn es ist für alle neu.

Es wird die frechen Bengel geben, die lässig an der Wand lehnen und alle Versuche böswillig kommentieren. Und es wird die Gruppen geben, die einfach im Raum stehen, alles blockieren und nichts tun. Alles dies wird es geben – und rund herum entsteht unsere neue Welt. So wie in Second Life, wo einige die alte Welt einfach nachbauten – und andere ihrer Fantasiewelt Ausdruck verliehen. So ähnlich wird unsere reale Welt morgen aussehen.

Wir alle: Mittendrin. Immer am lernen, was man denn so tun könnte in dieser neuen Welt. Mit Werkzeugen, die noch nie jemand gesehen hat. Mit Dynamiken, die niemand vorhersehen konnte. Mit Entwicklungen, die nun wirklich niemand braucht. Das ist unsere Welt von morgen. IN REAL LIFE !!! Herzlich willkommen! Seid ihr gut vorbereitet?

Grund Nr. 5: Zentraler Zugang zu dezentralen Aktivitäten schlägt alles.

Aber was, bittschön, hat dies mit Slack zu tun? Slack ist das derzeit angemessenste Werkzeug, das es schaffen könnte, diese Vielzahl an neuen Aktivitäten persönlich zu koordinieren. Zumindest mittelfristig.

Jeder arbeitet ja dann an unterschiedlichen Baustellen in diesem neu entstehenden Raum. Mitunter werden aber ähnliche Fragestellungen dort aufkommen. Da ist es einfacher, sich wechselseitig zu helfen, wenn man ein kleines Problem gelöst hat, vor dem der andere gerade steht.

Und hier kommt Slack ins Spiel. Gehackt ermöglicht es auch, sehr unterschiedliche Teams miteinander sich austauschen zu lassen. So bin ich in einer Startup-Community auf Slack, in der sich viele Teams aus dem Silicon Valley und aus anderen Hubs zu typischen Fragen im Startup-Alltag nicht unterhalten, sondern austauschen.

Das ist die Kaffeemaschine, unternehmensübergreifend. Nicht jeder muss das Rad immer wieder neu erfinden. Es kommt auch gar nicht darauf an, woran konkret die Einzelnen arbeiten – es geht hier nur um Mikroprozesse, über die man sich austauscht. „Jemand schon mal das Problem gehabt, …?“

Gut, werden jetzt manche fragen, dafür nutze ich bessere Foren oder Quora oder Twitter. Ja, kann man auch weiterhin. In Slack kann man diese ganzen Tools auch einfliessen lassen – es dient sozusagen als Dashboard für die komplette persönliche Arbeitsorganisation. Mit Team-Anbindung – und das ist entscheidend. Es ist damit die perfekte Umgebung für die persönliche Arbeits- und Lernumgebung im kollaborativen, dynamischen Verbund. Quod erat demonstrandum.

Jetzt ihr: Wer nutzt bereits Slack (o.ä.) in der Teamkommunikation?

Wer mag anderen mit seiner Erfahrung helfen?

Schenkt mir 5 Minuten eurer Zeit und beantwortet mir DIESE 5 FRAGEN. Wir von ununi.TV basteln daraus ein Starter-Kit als Open Educational Resource für alle interessierten Nicht-Nerds.

Thema: Wie man auch als normales Klein-Unternehmen die Potenziale der fortschrittlichen Startups für die Arbeitsorganisation selbst nutzen kann?!

Wer mitmacht, wird mit Firma oder Projekt auf einer Übersichtstafel genannt. Lasst uns die Welt ein kleines bisschen dynamischer machen! #merci


Image (adapted) „Eingabe Tastatur“ by StartupStockPhotos (CC0 Public Domain),

HBR.org und Grünbuch Arbeiten 4.0


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Lernen, Lehren und Managen 2.0 – auf dem Weg zur Schule 2020

Schule der Zukunft (Bild by evanst10000 [CC0 Public Domain], via Pixabay)

Das Bundesland Sachsen-Anhalt möchte mit seinem Bildungskonzept „Lernen, Lehren und Managen 2.0“ die Basis für die Schaffung eines integrierten Wissens-, Informations- und IKT-Management im schulischen Bereich des Landes legen. Auf der CeBIT stellte Frank Bonse vom Finanzministerium des Landes Sachsen-Anhalt das Konzept vor und erklärte es im Interview.

Tobias Schwarz: Hier auf der Cebit stehe ich im Zentrum vom Stand des IT-Planungsrates mit Herrn Frank Bonse, Referatsleiter für E-Government, Projekte und Dienste im Finanzministerium von Sachsen-Anhalt. Zur Einleitung: Was ist der IT-Planungsrat?

Frank Bonse: Der IT-Planungsrat ist ein Gremium, das seinen Ursprung im Grundgesetz hat und dort verankert ist. Es geht darum, dass die 16 Bundesländer und der Bund versuchen bzw. aufgefordert sind, gemeinsame Lösungen zu generieren, um Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) in der Verwaltung wirksam einsetzen zu können, also sichere Infrastruktur.

Die 16 Bundesländer haben alle Stände um uns herum und Sachsen-Anhalt ist natürlich auch mit einem eigenen Stand vertreten und zwar mit dem Titel „Sachsen-Anhalt auf dem Weg zur Schule 2020„. Was für ein Projekt ist das?

Das ist ein ganz spannendes Projekt, das wir uns da ausgesucht haben, um es hier auf der CeBIT zu präsentieren. Es geht darum, dass wir Bildung modernisieren und innovativ gestalten wollen. Das Thema Medienkompetenz ist ja an so einem Ort wie der CeBIT in besonderem Maße präsent. Technologien begleiten uns in unterschiedlichster Art und Weise und unser Anspruch und unser Ansatz ist, den Bildungsbereich Schule damit zu konfrontieren und Lösungen zu schaffen.

Bildung mit und an Computern findet in der Schule ja schon statt. Wir versuchen die verschiedenen Lösungen, die wir im Land haben, sei es aus der Landessicht oder aus der Sicht der kommunalen Schulträger, zusammenzuführen. Wenn sie den Titel der Broschüre anschauen – „Lernen, Lehren, Managen 2.0“ –, dann beschreibt es im Grunde genommen die unterschiedlichen Facetten, die wir hier zusammenbringen. „Lernen“ betrifft Schüler – wie können sie lernen, welche Methoden können sie lernen, wie wird ihnen Unterrichtsstoff beigebracht? „Lehren“ betrifft die Lehrer, die aufgefordert sind, Bildung in geeigneter Art und Weise zu vermitteln. Und „Verwalten“, also „Managen“, das heißt, Schule findet ja nicht im rechtsfreien Raum statt, es gibt Regularien, wie Schule stattfindet. Letztendlich gibt es Noten am Ende eines Schuljahres und die entscheiden im Zweifelsfall über Wohl und Wehe der Zukunft eines Menschen. Also auch diesen Bereich der Schulverwaltung wollen wir betrachten und zusammenführen.

Wir haben den Ansatz, eine gemeinsame Infrastruktur zur Verfügung zu stellen, dass Internet als Medium unseres Landeskommunikationsnetz zu betrachten. Wir sehen, dass das Thema der unterschiedlichen Arbeitsplatzausstattung eines ist, das betrachtet werden muss – Stichwort „Bring your own Device“ (BYOD). Der PC-Arbeitsraum in der Schule, der dann einmal in der Woche für zwei Stunden aufgesucht wird, ist sicherlich nicht mehr das aktuelle, zeitgemäße Instrumentarium, sondern wie können wir das, was vorhanden ist, benutzen, damit Bildung innovativ vorangetrieben wird. Also Konzepte, ein sicherer Umgang, im Zweifelsfall mit dem Gerät, das der Schüler mitbringt, das er tagsüber in der Schule benutzt, mit dem er sich im Schulnetz anmeldet und auf Lehrinhalte zugreift. Lernarbeitsgruppen, die durch den Lehrer generiert und begleitet werden, die der Schüler nutzen kann, aber auch am Nachmittag zum Beispiel das Thema mit seinen Freunden, Mitschülern und Mitschülerinnen weiter bearbeitet. Die Lehrer und die Eltern werden eingebunden, also die Akteure, die das Thema Bildung betrifft, sollen hier zusammengeführt werden.

Das betrachten wir letztendlich als einen Infrastrukturansatz, der im Zweifelsfall bis zu den Inhalten hingeht. Das ist aber auch ein Projekt, das wir gemeinsam mit dem Kultusministerium machen, was auch den Kreis zum IT-Planungsrat schließt. Infrastruktur ist unser Ansatz aus dem Finanzministerium, das Kultusministerium hat sich schwerpunktmäßig um die Bildungsinhalte zu kümmern und wir arbeiten auch an der Stelle zusammen, um dieses Programm für Sachsen-Anhalt nach vorne zu treiben.

Wir hören aber nicht an den Grenzen des Landes Sachsen-Anhalt auf, wir schauen natürlich auch, was andere Bundesländer um uns herum an Lösungsansätzen haben und ich nutze auch bewusst hier die CeBIT, um in Kontakt mit Kolleginnen und Kollegen zu treten und zu fragen, was gibt es dort, wo gibt es Ansätze, wo wir vielleicht auch lernen, oder verstehen, dass wir eigentlich mit unterschiedlichen Worten aneinander vorbei reden. Das ist ein Problem, das ich aus der Vergangenheit kenne. Dass wir also eine gemeinsame Zielstellung haben, von der wir noch gar nicht erkannt haben, dass sie existiert, und dass es Wege gibt, dort aufeinander zuzugehen und dann unsere Ressourcen gemeinsam einzusetzen und zu optimieren.

Sie haben die Broschüre angesprochen, die ich hier in der Hand habe, die nennt sich „Lernen, Lehren, Managen 2.0 – Auf dem Weg zur Schule 2020“. Das ist ein Konzept, das die Basis für die Schaffung eines zentrierten Wissens-, Informations- und IKT-Managements im schulischen Bereich aufstellen soll. Welche Signalwirkung wird dieses Konzept auf die anderen Bundesländer haben, wenn es Erfolg hätte?

Signalwirkung insofern, als dass wir zu erkennen geben, dass wir mit anderen zusammenarbeiten wollen, dass wir eine einheitliche Sicht auf das Thema Bildung für unser Land sehen, obwohl verschiedene Beteiligte, also die Kommunen, das Land usw., dort miteinander agieren müssen und dass wir natürlich auch versuchen, über diese Grenzen hinaus, künftige Lösungsansätze modular auszugestalten und zusammen Lösungen zu schaffen. Wir haben ja an der Stelle den Förderalismus. Es gilt die Lösung zu harmonisieren und zu konsulitieren und letztendlich Standards zu generieren und zu schaffen.

Sehe ich mir das Konzept sprachlich an, lese ich: Jede Schule soll über ein Medienbildungskonzept verfügen, die Schulen sollen mit digitalen Medien und moderner Informations- und Kommunikationstechnik ausgestattet werden. Sie sind vom Finanzministerium und sie arbeiten mit dem Kultusministerium zusammen. Habe ich zuletzt etwas über Bildung und Finanzen in Sachsen-Anhalt gehört, ging es eigentlich mehr darum, dass der Bildungshaushalt zusammengestrichen wurde. Wie finanziert das Land das?

Wir setzen zielorientiert, im Rahmen unseres Förderprogramms „STARK III“ Mittel ein, die dazu beitragen, eine energetische und infrastrukturelle Sanierung der Schulen zu ermöglichen, insbesondere im Bereich IKT zu modernisieren und die kommunale Ebene dafür zu unterstützen. Die Schulträger sind die Landkreise und die kreisfreien Städte, ihnen überwiegend Unterstützung zu geben, damit sie Fördermittel einsetzen können. Diese kommen teilweise von der Europäischen Union, teilweise aus dem Landeshaushalt.

Und wenn sie das Wort „soll“ betont haben, dann reflektiert das natürlich auf den Ist-Zustand. Wir haben momentan noch nicht überall bzw. an zu wenigen Stellen, diese besseren oder idealen Zustände, und unser Ansatz ist dazu beizutragen, dass es sich hier verbessert, dass wir eine innovative Bildungslandschaft haben, in der diese guten Lösungsansätze, die vorhanden sind, einer breiteren Schülerschaft oder Lehrerschaft zugänglich gemacht werden. Dass versuchen wir mit diesem Konzept zu vermitteln.

Ein wichtiger Punkt sind auch die Lehrer. Ich bin selber Landeskind und hatte das Glück 1996 auf ein nagelneues Magdeburger Gymnasium mit der neusten Technik zu gehen, aber wir haben sie kaum angewendet. Wie wird dieser Punkt jetzt angegangen? Denn einfach nur neue Computer zu kaufen oder dass die Schüler ihre eigenen Geräte mitbringen, reicht ja nicht aus.

Sie haben natürlich völlig Recht. Medienkompetenz gilt es Schülern zu vermitteln, aber die Vermittelnden, die Lehrer, müssen natürlich auch darüber verfügen. Es gibt natürlich begleitende Aktivitäten, was das Thema in der Lehrerschaft angeht. Wie kann ich eigentlich Technologie sinnvoll und als Unterstützung, nicht als Selbstzweck, für die Themen im Unterricht einsetzen. Natürlich ist es im Sportunterricht zum Beispiel schwerer, Technik einzusetzen, als vielleicht in den klassischen MINT-Fächern.

Man muss natürlich auch sehen, wie weit wir von den Ansätzen unseres Konzepts, zum Beispiel im Land Lehrer zu motivieren oder anleiten können oder dahinzubringen verstärkt diese Möglichkeiten zu nutzen, auch zu kollaborieren, zusammenzuarbeiten, Lösungen gemeinsam zu schaffen, auch über die Schulgrenzen hinweg, kommen. Da gibt es auch viele gute Ansätze, die einerseits vermittelt werden müssen, aber auch da hören wir nicht an den Landesgrenzen auf, sondern auch da muss man den Blick über den Grenzen haben und zusammenarbeiten.

Eine Verständnisfrage: Wenn sie jetzt ein neues Konzept für die schulische Ausbildung organisieren, das nächstes Jahr in der Uni gelehrt wird, erst in vier Jahren dann die ersten Lehrer von der Uni kommen und an die Schulen gehen, wie geht die Politik und die Verwaltung mit dieser enormen Zeitspanne um oder rechne ich da vollkommen falsch? Lässt sich das schon viel eher umsetzen?

Ich denke so schwarz-weiß darf man das nicht darstellen, sondern es ist ja ein permanenter Veränderungsprozess. Es finden Fortbildungen statt und im Rahmen dieser Fortbildungsaktivitäten wird selbstverständlich diese Medienkompetenz angereichert und es werden Maßnahmen ergriffen, entsprechend darauf vorzubereiten.

Vielen Dank für das Interview.


Teaser & Image by evanst10000 (CC0 Public Domain)


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Microlearning: Lernen Häppchen für Häppchen

CC0 1.0 Public Domain

Ein Trend im E-Learning sind kurzformatige Trainings: Begriffe wie Learning Nuggets oder häppchenweises Lernen machen momentan die Runde. // von Manuel Yasli

CC0 Public Domain

In den Zeiten der neuen Medien verlieren Menschen ihre Aufmerksamkeitsspanne. Somit haben sie es schwerer, neue Fähigkeiten auf herkömmlichem Wege zu erlernen. Auch die Lernmethoden müssen sich weiterentwickeln, um guter Lernerfolge erzielen zu können.

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Studium Digitale per MOOC

Salford Business School launches unique open access online course (adapted) (Image by University of Salford Press Office [CC BY 2.0] via Flickr)

Mit einigen MOOCs lassen sich jetzt ECTS-Leistungspunkte sammeln. Das fordert das traditionelle Universitätsmodell aus Anwesenheitspflicht und festem Lehrplan heraus. Verschulte, vorgefertigte Bachelor- und Masterstudiengänge lassen heute wenig Raum für individuelle Persönlichkeitsbildung. Ergänzende Online-Kurse – oder MOOCs – zur Verfolgung eigener akademischen Interessen werden immer beliebter, waren bisher aber nicht vom Hochschulsystem anerkannt. Das ändert sich jetzt in Europa. Werden wir uns bald ein Studium digital selbst zusammenstellen können?

Arbeiten, fernsehen, einkaufen – vieles geht heute an jedem Ort und zu jeder Zeit. Immer mehr Menschen arbeiten von zuhause oder unterwegs aus. Man hält sich nicht mehr an feste Sende- oder Ladenöffnungszeiten, sondern lebt nach dem persönlichen Zeitplan. Das Internet macht es möglich: viele Bereiche unseres Lebens können durch Digitalisierung zunehmend individualisiert werden. Doch in anderen scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Die akademische Welt gehört zu dieser Kategorie. Das Universitätsmodell mit physischer Anwesenheitspflicht und einem festen Programm aus Vorlesungen und Seminaren bis zum Examen hat sich seit Jahrhunderten praktisch nicht verändert. Seit der Bologna-Reform ist es sogar noch unflexibler geworden.

Vor 2010 konnten sich Diplomstudenten nach einem zwei- bis viersemestrigen Grundstudium auf ein Fach ihrer Wahl spezialisieren. Nach weiteren vier bis sechs Semestern erwarben sie ihr Diplom. Zwischendurch blieb Zeit für Praktika und Nebenjobs. Nach der Umstellung auf das Bachelor-Master-System kann von individualisierter Persönlichkeitsbildung nicht mehr die Rede sein. Das Studium ist verschult, es gibt kaum Möglichkeiten, es nach den eigenen Interessen auszurichten. Der rasend schnelle Konsum von vorgefertigtem Lernstoff für einen möglichst zügigen Abschluss prägte vor einigen Jahren den Begriff des „Bulimie-Lernens“. Um sich von der Masse der konformen Fließband-Lerner abzuheben, muss man sich auf eigene Faust weiterbilden. Und wieder findet sich die Lösung im Internet.

Massive Open Online Courses – kurz MOOCs – sind kostenlose Online-Kurse von Universitäten. Mit einem Smartphone, Tablet oder Computer kann jeder unabhängig von Ort und Zeit auf Video-Vorlesungen und Lernmaterial zugreifen. Online-Studenten picken sich die besten Kurse von Eliteuniversitäten wie Harvard oder dem MIT heraus. Jeder hat plötzlich Zugang zu Hochschulbildung der Extraklasse, ohne den perfekten NC vorweisen zu müssen – und das alles zum Nulltarif. Die drei weltweit größten (und amerikanischen) Anbieter von MOOCs – edX, Coursera und Udacity – haben zusammen seit der Geburt des MOOCs im Jahr 2008 über 12 Millionen Studenten in Online-Kursen unterrichtet. Ein drittel der Teilnehmer stammt aus den USA und edX gibt an, dass die Hälfte der Studenten aus Entwicklungsländern kommen. Die New York Times waren von diesem Weltverbesserungsappeal so begeistert, dass sie 2012 zum „Jahr des MOOCs“ kürte. Wieso sollte man noch eine Uni besuchen und Studiengebühren zahlen, wenn sich von zuhause aus ein persönlicheres, hochwertiges und kostengünstigeres Bildungsprogramm zusammenstellen lässt?

Bisher unterschied man zwischen formellen und informellen Bildungsangeboten. Onlinekurse waren eine komfortable Fortbildungs-Alternative zum abendlichen Besuch der Volkshochschule. Ein MOOC wurde aber nicht vom Hochschulsystem anerkannt – schon allein aufgrund der fehlenden persönlichen Kontrolle bei der Abschlussprüfung. An einem MOOC teilzunehmen erforderte hohe Eigenmotivation, da man am Ende in manchen Fällen zwar ein Zertifikat bekam, dieses aber nicht vergleichbar mit einer Bescheinigung einer traditionellen Universität war. Viele MOOC-Teilnehmer brachen Kurse vorzeitig ab.

Das kann sich nun ändern. Die MOOC-Plattform iversity.org mit Sitz in Berlin hat als erster Anbieter erfolgreich kostenpflichtige Zertifikate für einige Kurse eingeführt, mit denen Studierende Leistungspunkte nach dem European Credit Transfer and Accumulation System (ECTS) sammeln können. Diese sind gleichwertig mit den Punkten, die an einer Universität gesammelt werden. Studenten in Europa können sich die ECTS-Punkte der Onlinekurse anrechnen lassen und in manchen Fällen sogar Kurse ihres Studiums durch MOOCs ersetzen. Die Zahl der Abbrecher sinkt dadurch, dass Teilnehmer zu Beginn des Kurses entscheiden, ob sie Gasthörer sind oder ein Zertifikat anstreben. Prüfungen können kontrolliert werden- durch Präsenzexamen oder Webcam und Abkopplung des Computers vom Internet. Ein MOOC unterscheidet sich dann nicht mehr groß von einem analogen Kurs, außer das man ihn gemütlich auf seinem Sofa belegen kann, anstatt sich mit 200 Kommilitonen die Luft in einem stickigen Hörsaal zu teilen. Bisher bietet iversity.org drei Kurse an, mit denen ECTS-Punkte erworben werden können. „Für Studierende ist ausschlaggebend, ob ein Kurs vom Hochschulsystem anerkannt wird oder nicht. Für Berufstätige ist die ECTS-Anerkennung ein Qualitätsindikator„, sagt Hannes Klöpper, Gründer und Geschäftsführer von iversity.org.


„How to MOOC – Was ist ein MOOC?“ erklärt von iversity Mitgründer Hannes Klöpper:


Wohin führt das digitale Studieren? Es gibt bereits einige (Fern)Studiengänge, die vollständig online absolviert werden können. Neu ist die Möglichkeit oder das Bedürfnis, sich seine Bildung selbst hochschulübergreifend aus dem besten verfügbaren Angebot zusammenzustellen. Was bedeutet dies für Universitätsgebäude? Wird sie das gleiche Schicksal wie leerstehende Kirchen ereilen? Wenn 100 Professoren einen ähnlichen Kurs in Statistik für Anfänger anbieten der auch im Internet frei verfügbar ist, werden dann 99 Kursangebote und eventuell auch Arbeitsplätze wegfallen? Wieso sollten Universitäten das überhaupt mitmachen? Was bringt es ihnen Kurse für die sonst gezahlt werden umsonst anzubieten?

Tatsächlich nutzen viele Universitäten MOOCs als Eigenwerbung. „Ein Kurs auf iversity.org hat im Schnitt 20.000 Teilnehmer. Das ist ein globaler Reputationsgewinn für Universitäten und kleinere Fachhochschulen„, sagt Klöpper. Am 14. Oktober startete die private Berliner Hochschule Hertie School of Governance einen MOOC auf iversity.org. Knapp 7000 Anmeldungen gab es für den 10-wöchigen Kurs namens „Governance and Policy Advice: How Political Decisions Come to Life„. Politiker und Berufserfahrene sollen den Studenten einen Einblick in die Geheimnisse des politischen Entscheidungsprozesses geben. Am Ende können Studenten ein Zertifikat für 49 Euro von iversity.org erwerben. ECTS-Punkte gibt es leider noch nicht. Die Hertie School verdient nichts; einen gewissen Marketing-Effekt hat der Online-Kurs jedoch. „Der MOOC schafft eine größere Sichtbarkeit unseres Angebots„, so die Leiterin des Kurses, Prof. Andrea Römmele.

Viele Universitäten wie zum Beispiel Oxford und Cambridge wehren sich gegen die Digitalisierung ihres Angebots. Doch es gibt immer Menschen, die das nicht einsehen. Sie möchten das studieren was sie interessiert und sich nicht fühlen als seien sie immer noch in der Schule. Und auch Unternehmen interessieren sich beim Bewerbungsgespräch eher für die Dinge die man neben dem Studium noch erreicht hat. Individuelle Leistungen zählen mehr als die der Masse.

Die Lösung ist eine Kombination aus Online- und Offlineangebot„, sagt Hannes Klöpper. Er hat mit iversity.org nicht die Absicht, traditionelle Universitäten online abzubilden. Studenten sollen ihr Studium durch ein umfassendes digitales Angebot ergänzen und nicht ersetzen. „Menschen kommen immer noch gerne an einem Ort zusammen- Das sieht man zum Beispiel daran wie viele Konferenzen es trotz des Internets noch gibt„, findet Klöpper.

Und es gibt weitere Gründe gegen eine komplette Digitalisierung unserer Bildung: Trotz aller Vorteile der Online-Lehre sollte man sich fragen, ob sie ein traditionelles Studium komplett ersetzen kann. Eine virtuelle Plattform transportiert noch nicht das Gefühl, das erste Mal vor seinen Kommilitonen zu präsentieren, mit ihnen zu debattieren und seine Meinung zu verteidigen. Auch der Geruch von alten Büchern in der Unibibliothek, das schlechte Mensaessen und die leuchtenden Augen des charismatischen Professors finden sich bis jetzt nur in der analogen Welt. Persönlichkeitsbildung und Lebenserfahrung erlangt man nicht nur durch bestandene Prüfungen und Scheine.


Image (adapted) „Salford Business School launches unique open access online course“ by University of Salford Press Office (CC BY 2.0)


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Educamp #ecco12: Flugstunden in Köln

Am vergangenen Wochende war ich in Köln beim neunten Educamp – einem Barcamp über Bildung mit den Neuen Medien. Hier kommt mein kleiner Rückblick – mit Lernapps ohne Programmierkenntnissen, Screencasts in der Schule, digitalen Lerntypen, der Identität in digital sowie einigen Überlegungen zum Verhältnis von Medien, Wissen und Lernen.

Es war mein zweiter Besuch bei einem Educamp – 2009 verschlug es mich nach Ilmenau, die anderen passten zeitlich nicht oder waren zu weit weg. Ausreden, ich weiß. Beim Kölner Educamp konnte ich sie beim besten Willen nicht gelten lassen, und so möchte ich euch hier meine persönlichen Erlebnisse auf dem neunten Educamp schildern. Ihr könnt einzelne Themen gerne überspringen, wenn sie euch nicht interessieren – die Überschriften geben genügend Anhaltspunkte.

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Good School in Hamburg: Are friends electric?

Tweet, blink, chak, boing. Auf Sendung waren in der Good School jedenfalls ALLE und ALLES, soviel ist klar. Eine leuchtend, twitternde, Fleecedecke – eine Loopbox – missmutige, eifersüchtige Sparschweine – ein Nasometer für tweets – ein Stressreaktionsbär – ein twitter Globus – ein Ponyrennen der virtuellen Eitelkeiten – und ein Real-Step-Controller für Minecraft…

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Erfolgreich durch die Prüfung mit Cobocards

logo_cobocardsWer vor einer wichtigen Prüfung steht, stellt sich häufig die Frage, wie er all die wichtigen Vokabeln, das Faktenwissen oder Jahreszahlen rechtzeitig in seinen Kopf bekommt. Viele greifen dabei auf die bewährte Methode der Lernkarten zurück. Die Frage auf der einen, die Antwort auf der anderen Seite. Das System eignet sich somit sowohl zum Selbstlernen als auch zur Kontrolle. Cobocards ist ein Dienst, der das bewährte Prinzip ins Netz überträgt und um einige Funktionen ergänzt. Die grafische Oberfläche ist gelungen, aber wie zeigt sich Cobocards hinter den Kulissen? Weiterlesen »

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Interview: „Wissenschaft muss öffentlicher werden“

maschen

Die Themen Wissenschaft, Bildung, Lebenslanges Lernen und Co. blitzen immer mal wieder in der öffentlichen Debatte auf. Gerade in Wahlkampfzeiten wird gerne mehr Geld für Forschung und Lehre, Wissenschaft und Bildung gefordert oder von der Politik versprochen. Egal, ob aus diesen Absichtsbekundungen auch tatsächlich Projekte werden oder nicht, lassen sich neben diesen politisch motivierten und medial plakativ inszenierten Bildungsoffensiven beim wissenschaftlichen Nachwuchs im Bildungssektor selbst Innovatoren ausmachen, die wirklich etwas bewegen. So zum Beispiel Dr. Christian Spannagel, Juniorprofessor von der PH Ludwigsburg. Im Interview mit den Blogpiloten erläutert er sein Selbstverständnis als „öffentlicher Wissenschaftler“ und erklärt, wie er durch das Social Web zusammen mit anderen Innovatoren ein Netzwerk aufgebaut hat, das die Art und Weise wie wir über Lehren und Lernen nachdenken revolutionieren könnte. Weiterlesen »

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Neue Lerner, neues Lernen, altes Bildungssystem?

Heute morgen bin ich auf ein Video aufmerksam geworden, das ganz schön das aktuelle Problem der Bildung und Ausbildung Jugendlicher veranschaulicht. Zwar am Beispiel der USA, aber in weiten Teilen, denke ich, übertragbar auf Deutschland und andere Länder. Es entsteht und besteht bereits eine große Kluft zwischen der Art und Weise wie Jugendliche mit Blogs, Podcasts, Wikis, Online-Communities etc. umgehen, und dem Wissen, das Lehrkräfte in diesen Bereichen mitbringen. Aber jetzt erstmal: Einschalten, mitlesen, nachdenken! Weiterlesen »

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Linktipp: 100 Arten, mit deinem iPod zu lernen

The iPod Hacker ist zwar offenbar brandneu (bislang bietet das Blog genau einen Eintrag), könnte sich aber durchaus zu einer feinen, kleinen Quelle für iPod-Hacks entwickeln.

iPod Hacker hat eine Liste der besten Lernhilfen für deinen iPod zusammengestellt: „From downloadable podcasts to just-for-iPod study guides and applications, learning on the go has never been easier.“

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