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Kurse gegen Hate & Fake

Wer heute jünger ist als 20 Jahre, kennt Screens und Smartphones seit dem Kindesalter. Laut einer Marktforschung des BVDW aus 2018 gehen 74 Prozent der 14- bis 24-Jährigen hauptsächlich mit dem Smartphone online. 97 Prozent aller befragten Internetnutzer verwenden das World Wide Web, um sich Informationen zu verschiedenen Themen zu beschaffen. Da auf den digitalen Kanälen zunehmend auch Fake News und Hate Speech anzutreffen sind, wird der Weg zur differenzierten Meinung und zu fundierten Argumenten oft erschwert.

Die Grimme Akademie, Referat und Fortbildungsschmiede des renommierten Grimme Instituts, packt das Problem mit Bildung an: mit der Zentralstelle Politische Jugendbildung des Deutschen Volkshochschul-Verbands (DVV) wurde ein umfangreiches Lernkonzept mit vielen unterschiedlichen Modulen entwickelt, das die Jugendlichen für Fake News sensibilisieren soll.

Reflexion gegen Manipulation

In den Unterrichtseinheiten sollen die Schüler verschiedene Medienkompetenzen erlernen. Zum Beispiel sollen sie systematisch ihr eigenes Medienverhalten reflektieren. Gleichzeitig soll kreativ erarbeitet werden, was Falschnachrichten und gezielte Manipulationen im Internet in der Gesellschaft bewirken können. Die dafür entwickelte Modulbox ist in sechs Unterrichtseinheiten á 45 Minuten aufgeteilt.

Der Verbandsdirektor des DVV Ulrich Aengenvoort betont, man müsse Jugendliche und junge Erwachsene auf ihrem Weg in der digitalen Welt begleiten. Erfreulicherweise finden die Module auch in der Praxis Anklang bei den Lehrenden. „Wir haben verschiedene Elemente in einem Workshop mit Jugendlichen ausprobiert und sind je nach Interesse der Teilnehmenden tiefer in einzelne Bereiche gestiegen. Das ist bei allen sehr gut angekommen.“, berichtet Felicitas Sieweck von der Volkshochschule Meppen. 


Image by Grimme Akademie.

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Lost in Laos – oder wie man mit 4G Geister ruft

Laos ist weniger entwickelt als die meisten seiner Nachbarn. Da es keinen Meereszugang besitzt, wie Thailand, Kambodscha oder Vietnam, ist es bei Touristen noch wenig beliebt. Und weil ich befürchtete, dass es dort nicht so einfach sein würde zu arbeiten – Internet, Strom, nervige Insekten – hatte auch ich es bisher ausgeklammert. Bisher! Denn nach einigen Projekten, die ich in Malaysia als digitaler Nomade abgeschlossen hatte, ist das Postfach leer. Damit ist die Zeit für diese Art von Erlebnis gekommen, auf das ich schon lange Lust hatte.

Also packen meine Frau und ich die Rucksäcke und machen uns auf den Weg nach Luang Prabang, wo wir angekommen, erst einmal ein paar Tage durchatmen. Es ist die zweitgrößte Stadt des Landes mit knapp 70.000 Einwohner und mindestens genauso vielen buddhistischen Tempeln. Doch unser eigentliches Ziel liegt drei Stunden weiter nördlich.

An einem Seitenfluss des Mekong liegt von Bergen und Natur umgeben das Dorf Nong Khiaw. Hier gibt es weniger Tempel und viel weniger Menschen als im restlichen Land und auch jegliche Art von Hipstershit wie Curcuma-Latte oder cold brewed drip coffee fehlt. Das Leben hier im Norden ist einfach.

Laos Mekong Brücke
Das Leben auf den beiden Flussseiten von Nong Khiaw wird durch eine große Brücke verbunden. Früher war sie voll mit Jugendlichen. Heute gucken sie lieber Zuhause am Handy YouTube Videos. Image by Katsche Philipp Platz

Nic, der Bruder einer meiner Freunde, hat ein paar Bungalows mit einem kleinen Pool und einem Restaurant – dem besten im Ort, wie wir später feststellen müssen. Abends treffen wir ihn zum ersten Mal an der Bar. «Der Monsun hat noch Zeit», sagt er, während er eine Schale mit gerösteten Erdnüssen, frittiertem Knoblauch und Limettenblättern über den Tresen schiebt. «Und wenn es regnet, dann eher kurz und heftig. Aber keine Sorge, das werdet ihr nicht mitbekommen.»

Von hier aus könnten wir in dieser Jahreszeit mit dem Boot noch weiter nach Norden. Nach knapp einer Stunde, käme dann der Ort Muon Ngoi. Vor eineinhalb Jahren hätten sie dort die erste Straße asphaltiert und das Dorf ans Stromnetz angeschlossen. «Sagt einfach Bescheid, ich schicke denen ‘ne Whatsapp, dann holen sie euch ab.» Wir könnten noch viele Stunden weiter nach Norden fahren, fast bis nach China, sagt Nic, aber Wanderungen könne man auch gut von hier aus unternehmen. Die Wasserfälle seien schön. «Das war es dann aber auch.»

Berge schirmen gegen Touristen ab, aber nicht gegen das Internet

Ich lache: Keinen Strom, aber WhatsApp. Nic grinst. «Die Leitungen hier sind nicht gut. Durch die Berge ist das Verlegen zu aufwendig. Aber das mobile Netz ist sehr gut. Ich kann hier alles streamen und Videocalls mit meiner Mutter machen.» Sein Partner arbeitet von hier aus für seine Firma in Australien. Alles kein Problem. Also, solange Strom da sei, aber der bliebe hier höchstens mal für eine Stunde weg, wenn es ganz schlimm regnet.

Laos geröstete Erdnüsse
In bester Erinnerung, auch wenn wir sie öfter aßen als es uns recht war: geröstete Erdnüsse mit dem Aroma von Knoblauch und Limettenblätter. Image by Katsche Philipp Platz

Wir trinken aus und gehen ins Bett. Vorbei an Esmeralda, der handgroßen Spinne, die sich direkt über dem kleinen Weg zu unserem Bungalow ein Netz gebaut hat und uns die kommenden Tage wachsam halten wird. Wir freuen uns auf eine Zeit, in der wir nicht ständig am Computer sitzen und stattdessen die Natur und Einfachheit genießen. Aber erst einmal telefonieren mit den Mamas – natürlich per Videocall.

Wir schweben tagelang durch südostasiatische Idyllen, wie man sie allenfalls noch in Myanmar antrifft. Doch dann wendet sich das Blatt. Unser Ausflug an die Wasserfälle fällt ins Wasser. Die Wanderung am nächsten Tag ebenfalls: Regen. Der Tag danach … Na gut. Es hilft ja nichts. Dann an die Bar. Nein, noch kurz einen Livestream von den Wolkenbrüchen auf Instagram starten. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Hauptsache, wir hängen jetzt nicht die ganze Zeit im Internet ab oder arbeiten, oder sogar beides.

Laos Berge und Regen
Regen zieht auf. Nicht im Bild zu sehen: Ein gigantischer Schwarm Heuschrecken, der um meinen Kopf saust und laut gegen das Wellblechdach der Gipfelhütte donnert. Image by Katsche Philipp Platz

Aber es geht leider so weiter: Der kurze Schauer des nächsten Tages will einfach nicht enden. Auch der am Tag darauf nicht und so weiter. Wir sind öfter an der Bar oder versuchen hier und dort mal woanders als im Resort gut zu essen. Leider erfolglos, was unseren Bewegungsradius auf ungefähr 30 Meter beschränkt. Öfter als an der Bar sind wir auf Netflix, denn das Internet läuft wie versprochen hervorragend.

Sound of Laos: Dauerregen und Zikaden unplugged

Gelegentlich fällt der Strom aus – einmal fast 14 Stunden am Stück, weil irgendwo ein Mast umgekippt ist. Bei dem Gedanken daran, vielleicht doch schon jetzt nach Luang Prabang zurückzufahren, sackt die einzige Straße dorthin ab. Unsere Pläne liegen im Flussbett. Nach drei Wochen Dauerregen und wiederhergestellter Straße, treten wir die Flucht an. Ein neuer Job wartet im Postfach, Netflix haben wir zu Ende geguckt und meine Frau muss zum Interior Kurs in Sydney. Also reisen wir weiter.

Laos Straßenbau
Dorfbewohner packen tatkräftig an, die einzige Straße in die Stadt wiederherzustellen. Image by Katsche Philipp Platz

In Sydney sind die Straßen fest, der Himmel blau, die Supermärkte riesig und jede Art von Bedürfnis kann befriedigt werden. Hippe Hipster Cafés und Bars, und schnelle Züge für bequemes Fortkommen. Ich treffe zum Mittagessen Nic’s Bruder, der zuvor zehn Jahre lang in Laos gelebt hat. Zuletzt verbrachte er ein Jahr mit einer Feldstudie weit nördlich von Nong Khiaw in einem abgelegen Bauerndorf.

Wir reden über Laos, und dass wir wirklich Pech mit dem Wetter hatten – und über das Internet. Er zeigt mir ein Foto, auf dem ein Mann einen Altar aufbaut mit dem er böse Geister verbannen will. Die von Geistern zu befreiende Dame kniet im Hintergrund und glotzt auf ihr Handy. Sie berichtet über WhatsApp, wie die Sache vorangeht. Livestreams vom Alltag woanders.

Einer beschwert sich immer

Leider muss ich los: In unserer Wohnung wartet ein Call mit einem Kunden in Deutschland. Ich hasse Internetcafés und Workspaces. Zudem bin ich jedem öffentlichen WLan gegenüber skeptisch. Eine Fahrt mit Uber, ein paar Schritte zu Fuß, elektronische Einlasskarte am Haus, Fahrstuhl, wieder Einlasskarte. Wir können heute keinen Videocall machen, weil das DSL wieder zickt.

Das muss auch nicht sein, denn wir kennen uns und die Sache lässt sich einfach am Telefon besprechen. Nur meine Schwiegermutter beschwert sich öfter über den fehlenden Sichtkontakt, wie auch an diesem Abend: «Könnt ihr nicht wieder nach Laos? Da war wenigstens das Internet schnell!»

Sie hat wohl recht, denke ich, während ich ganz froh bin, dass sie nicht sehen kann, wie ich mir nackt ein Bier aus dem Kühlschrank hole. Schade, dass wir von diesen Nüssen mit Knobi und Limette nichts mitgenommen haben.

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Artikel 13: Uploadfilter doch nicht gekippt, sondern verschärft

Als der Rechtsausschuss des EU Parlaments im Juni 2018 den Artikel 13, einen Uploadfilter für hochgeladene Inhalte beschloss, ging ein Aufschrei durch das Internet. Das Internet, so wie wir es kennen, ist in Gefahr – so zumindest der Tenor vieler Gegner des Filters. Auch auf YouTube fürchteten Kanäle um ihre Zukunft und die Untergangspropheten sprossen (mal wieder) aus dem Boden empor.

Vor kurzem dann die große Erleichterung. Der EU-Ministerrat legte die Einführung des Leistungsschutzrechts (Artikel 11) und des Uploadfilters (Artikel 13) vorerst auf Eis. Da sich elf Mitgliedsstaaten, darunter auch Deutschland, gegen den rumänischen Kompromissvorschlag stellten, ergab sich keine gemeinsame Verhandlungsposition.

Nun ist der Uploadfilter wieder zurück auf dem Verhandlungstisch – in einer noch aggressiveren Form als zuvor. Die Nachrichtenseite Politico leakte eine Einigung zwischen Deutschland und Frankreich in Bezug auf die Filterpflicht. Diese Übereinkunft schließt nur noch wenige Unternehmen aus der Pflicht eines Uploadfilters aus.

Was ist an der Deutsch-Französischen Lösung anders?

Zwar gibt es wie bei vorigen Kompromissen Ausnahmen aus der Filterpflicht, doch diese gestalten sich in der neuesten Version als ziemlich gering. Laut des Leaks sind Plattformen von der Filterpflicht ausgeschlossen, die keine der folgenden Ausnahmen erfüllen:

  • Die Plattform ist weniger als drei Jahre alt
  • Der Jahresumsatz beträgt weniger als zehn Millionen Euro
  • Die Plattform hat weniger als fünf Millionen Nutzer

Während die letzten beiden Bedingungen kleinere Dienste ausklammern, ist die erste Bedingung umso härter. Sie würde auch kleinere Communities wie etwa Diskussions-Foren mit einschließen, die teils nicht einmal kommerzielle Absichten verfolgen.

Was ist der Artikel 13 eigentlich?

Artikel 13 ist ein Teil des „Vorschlags für eine Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates über das Urheberrecht im digitalen Binnenmarkt“. Es geht um eine gemeinsame europäische Richtlinie zum Schutz des Urheberrechts.

Der Artikel 13 dieses Entwurfes macht Betreiber von Internetdiensten haftbar für Urheberrechtsverletzungen ihrer Nutzer. Teil des Artikels ist auch ein Uploadfilter, der Urheberrechtsverletzungen schon beim Hochladen von Dateien erkennen und blockieren soll.

Warum die Aufregung?

Wenn das geistige Eigentum geschützt wird, müsste das ja eigentlich gut sein, möchte man meinen. Doch die Internetkultur ist von der Popkultur durchzogen. In den schlimmsten Interpretationen eines solchen Uploadfilters würden auch die im Internet bekannten Memes, oft mit Bildern aus Filmen, aussterben. Das hätte Einfluss auf weite Teile des Internets, allen voran soziale Medien, in denen die Antwort per Bild oder animiertem GIF Alltag ist.

Auch auf YouTube befürchten viele Kanalbetreiber und Nutzer, das ein großer Teil der Inhalte dem Filter zum Opfer fallen würden. Man befürchtet auch, dass ein solcher Uploadfilter zu streng sein könnte und Inhalte sperrt, die eigentlich keinen Rechtsverstoß begehen. YouTube nutzt eigentlich bereits einen sehr hochentwickelten Filter um Rechtsverstöße, vor allem bei der Verwendung von Musik, zu erkennen.

Ist schon etwas beschlossen?

In Stein gemeißelt ist nachwievor nichts. Man rechnet damit, dass am Freitag, den 8. Februar, die Ratsposition beschlossen wird und schon am 11. Februar der Trilog stattfinden könnte. So nennt sich die Verhandlung der Vertreter nationaler Regierungen, bei denen Parlament, Rat und Vertreter der EU-Kommission am Tisch sitzen. Ein Artikel der Tagesschau erklärt übrigens genauer, wie ein EU-Gesetz entsteht.


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The Useless Web – Willkommen im sinnlosen Zeitvertreib

Dass man mit dem Internet viel Zeit totschlagen kann, dürfte jedem bewusst sein. Egal ob man stundenlang durch Instagram-Stories sieht, die automatische Wiedergabe bei YouTube angestellt hat, oder sich durch dutzende Reddit-Posts liest. Das Internet ist das Unterhaltungsmedium des 21. Jahrhunderts und bringt täglich so viel Content, dass man ihn unmöglich überblicken könnte. Wenn ihr jedoch noch einmal eine Erfahrung der besonderen Art sucht und das Internet von einer ganz anderen Seite kennenlernen wollt, empfehlen wir euch folgende Websites.

TheUselessWeb.com

Der Name ist auf dieser Seite Programm. Das Layout besteht lediglich aus einem mittig platzierten Satz, der „Take me to another useless website“ (zu Deutsch: „Bring mich auf eine weitere unnütze Website.“) lautet. Mit einem Klick auf den rosafarbenen Button „Please“ geschieht genau das.

Die Seite TheUselessWeb.com führt euch auf Websites, auf denen ein Haufen Corn-Dogs durchs Bild fliegen, oder eine Seite die euch einfach „HEEEEEYYY! HOOOOO!“ entgegenruft und so weiter und so weiter. In meiner eigenen Reise durch das sinnlose Internet begegnete ich zum Beispiel Punkten, die sich in vier kleinere Punkte teilen, wenn man mit der Maus darüberfährt. Tut man dies lang genug ergibt sich irgendwann ein süßes Bild von zwei Koalas. Oder unzähligen Seiten, die alte Memes in Endlosschleife abspielten. Außerdem begegnete ich ebenfalls Dingen wie einem bunten Block, der mit seinen Kulleraugen meiner Mausbewegung folgt.

Doch es gibt noch mehr

Zu viel Geld in der Tasche und keine Ahnung, wofür man es ausgeben soll ? Die Website weirdorconfusing.com kann Abhilfe schaffen! Diese Website ist ähnlich wie TheUselessWeb.com aufgebaut und zeigt den Text „Sell me something weird or confusing“ an (zu Deutsch: „Verkaufe mir etwas komisches oder verwirrendes.“) Und genau das tut die Seite, wenn man auf den „Please“-Button klickt. Damit wird man direkt zu den merkwürdigsten Angeboten auf Ebay weitergeleitet.

Ich fand so zum Beispiel einen Bananen-Cutter, der Bananen in mundgerechte Stücke zerteilt. Oder Shakespeare Spruch-Bänder, die Beleidigungen in gehobener Sprache enthielten. Am besten gefiel mir aber immer noch das aufblasbare Einhorn-Horn für Katzen, das mir die Website zum Kauf anbot.

So merkwürdig es auch erst klingen mag: sich mit diesen Websites zu beschäftigen macht tatsächlich spaß! Oftmals trifft man zwar auf merkwürdige oder tatsächlich sinnlose Dinge, aber manchmal eben auch auf süße Bilder von Koalas oder eine jodelnden Gurke aus Plastik. Auf diesen Websites findet die Sinnlosigkeit im Internet ihren Höhepunkt und ist damit ziemlich unterhaltsam.


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Technik-Trends für das Jahr 2019

Es ist schon wieder soweit: Das Jahr 2018 neigt sich dem Ende zu und 2019 erscheint langsam am Horizont. In diesem Jahr gab es viele technische Neuerungen. Gerade die Weiterentwicklung von Künstlicher Intelligenz und die Verbesserung vieler Wearables-Produkte bestimmten die News aus der Technik-Branche. Doch was hält das neue Jahr bereit? Was sind die technischen Themen, die uns 2019 begleiten werden? Wir wagen einen Blick in die Zukunft.

„Alte“ Trends bleiben bestehen

Auch im neuen Jahr werden wir auf altbekannte Trends stoßen, die bereits 2018 für Aufsehen sorgten.

So wird zum Beispiel die Künstliche Intelligenz ein Forschungs- und Entwicklungsfeld mit hoher Relevanz bleiben. Ganz egal ob intelligente Service-Systeme oder Home-Assistants wie Google Home und Amazons Alexa. Auch in 2019 werden wir in diesem Feld einige Verbesserungen und Neuerungen sehen, die die Künstliche Intelligenz dem menschlichen Verstand noch näherbringen wird. Außerdem wird in diesem Zusammenhang das Machine Learning im Mittelpunkt stehen. So nennt sich das selbstständige Erlernen von neuen Fähigkeiten, ohne dass es von Menschenhand programmiert wurde. In 2019 werden Künstliche Intelligenzen fähig sein, Bilder und andere äußere Einflüsse besser zu analysieren und zu verarbeiten, um somit den eigenen „Horizont“ selbstständig zu erweitern.

Auch der Bereich Blockchain wird uns 2019 in der Technik weiter beschäftigen. Dass Blockchain noch viel mehr kann, als nur für die Verwaltung von Kryptowährungen herzuhalten, haben wir bereits in diesem Jahr gelernt. Wie diese Systeme verbessert und vor allem sicherer gemacht werden können, werden wir dann im neuen Jahr sehen. Das Forbes Magazine spricht in seinen Voraussagungen für das neue Jahr zum Beispiel von innovativen B2B2C-Beziehungen, also wirtschaftlichen Beziehungen zwischen mehreren Firmen und Endkunden, die durch das Einsetzen von Blockchain vereinfacht werden könnten. Des Weiteren wird die Verbesserung der derzeitigen Sicherheits-Mechanismen ein großes Thema im Blockchain sein.

The Internet of Things bleibt im Trend

Wer sich schon jetzt beschwert, dass das WLAN vom Toaster mal wieder nicht funktioniert, oder einen Kleinkrieg mit seinem Router-gebundenen Rauchmelder führt, den wird im Jahr 2019 mit dem Internet of Things noch mehr Spaß erwarten. Denn das Vernetzen und Verbinden von verschiedensten Haushalts- und Arbeitsgeräten wird im ausgehenden Jahrzehnt weiterhin eine große Rolle spielen. Auch hier ist zum Beispiel die Verwendung von sprachgesteuerten Assistenten ein großes Zukunftsfeld. Letztendlich geht der Trend des Internet of Things auch in 2019 zu einer angenehmeren User-Erfahrung. Hierbei bleibt das Ziel natürlich immer, Technik so nahtlos wie möglich in unseren Alltag zu integrieren und damit unser Leben zu erleichtern.

Neue spannende Technik-Bereicherungen in Sicht

Doch nun ist es an der Zeit sich den spannenden Trends zu widmen, die in 2018 zwar schon absehbar, aber noch nicht im Mainstream angekommen waren. Wie zum Beispiel der E-Sport. Wir haben schon öfters darüber berichtet, wie die Community rund um den elektronischen Sport wächst. Aber in 2019 werden noch einmal ganz neue Dimensionen in Punkto Wachstum angesteuert. Es wird davon ausgegangen, dass die E-Sport Szene im nächsten Jahr 1.1 Milliarde US-Dollar wert sein wird. Mit namenhaften Sponsoren wie Coca Cola, die schon jetzt diese besondere Industrie unterstützen. Außerdem wird beobachtet, wie immer mehr Sport-Clubs auf der Welt sich E-Sport Teams aufbauen, um an diesen noch relativ jungen Events teilzunehmen.

Währenddessen werden wir auch im Bereich Retail-Technologie große Fortschritte sehen. Denn wo Supermarktketten wie Famila mit Selbstbedienungskassen ansetzen, ist noch viel Luft nach oben. Kontaktloses Bezahlen, Essen vom Supermarkt nach Hause liefern lassen, oder benutzerdefinierte Angebote bekommen. Für den Bereich Einzelhandel haben derzeitig entwickelte Technologien bereits viel zu bieten. Infolgedessen wird uns in 2019 eine noch angenehmere Einkaufs-Erfahrung erwarten. Immer abgestimmt auf unsere Vorlieben und Bedürfnisse.

Zuletzt möchten wir auf einen Technik-Trend aufmerksam machen, der sich bisher noch im Hintergrund gehalten hat. Das sogenannte Quantum Computing. Der Begriff steht für den Versuch einen Computer zu bauen, der auf den Gesetzen der Quantenphysik beruht. Einfach gesagt ist damit das Verarbeiten und Kategorisieren, sowie Archivieren von großen Datensätzen deutlich leichter, als mit herkömmlichen PCs und Servern. Derzeit befinden sich diese auch als „Supercomputer“ bezeichnete Geräte noch in der Entwicklung. Aber das Rennen um das Erfinden des ersten effizienten Quantencomputers wird 2019 in seine heiße Phase gehen.

Hier einmal ein Video, welches die Quantencomputer-Experimente des Hardware-Herstellers IBM zeigt:

Die Zukunft wird noch interaktiver

Was ist also festzuhalten? Viele Technologien, die sich über die Jahre entwickelt haben, werden in 2019 einen Feinschliff erfahren. Der allgemeine Trend der Technik richtet sich immer stärker danach, die individuellen Bedürfnisse der Nutzer besser zu verstehen. Somit soll auch die Technik „sensibilisiert“ werden- frei nach dem Motto: Die Maschine dient dem Menschen, und nicht anders herum. Wir sind gespannt, was das nächste Jahr an Entwicklungen bereithält und werden für euch auch in 2019 Trends, Tipps und Geschichten aus der digitalen Welt aufbereiten.


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Neue Provinz: Notizen vom Berlin Coworking Festival

Tobias Kremkau

Warum Neue Provinz? Die erste Ausgabe der neuen Kolumne erklärt die Titelwahl.


Berlin, Rosenthaler Platz. Wo Döblins Roman „Berlin Alexanderplatz“ (Provisions Link) begann und das urbane Leben der Spreemetropole ein literarisches Denkmal bekam, drehte sich an einem Montagabend im September alles um Brandenburg. Genau genommen um Coworking Spaces in Brandenburg. Diesem eintönigen Stück von der Welt, welches sich wie eine Halsmanschette um Berlin legt und das Treiben der Großstadt festhält, vielleicht sogar auch Einhalt gebietet.

Brandenburg. Wald, Felder und die A9. Hier hat sich, im Windschatten von WeWork, Mindspace und dem betahaus, eine vitale Coworking-Szene entwickelt, die anlässlich des diesjährigen Berlin Coworking Festival nach Berlin-Mitte kam, um sich dem interessierten Publikum zu zeigen und zu erklären. Wieso in Brandenburg? Sind denn wirklich schon alle alten Fabrikgebäude unserer Hauptstadt umgenutzt, dass man wirklich aufs Land muss?

Coworking Spaces in Brandenburg

Die Gründe dafür sind verschieden. Während es für den Potsdamer Gründer Matthias Noack keine wirkliche Alternative gab, als in seiner Heimatstadt etwas wie das Coworking Space MietWerk aufzubauen, verschlug es Janosch Dietrich mit seiner Familie nach Klein Glien. Im dritten Anlauf hatten sie endlich einen Ort für ihre Idee von Urlaub und Arbeiten in der Natur gefunden. „Community and concentrated work in nature“ ist ihr Motto, kurz Coconat.

Als verrückte Pioniere könnte man beide abtun. Doch der Wahnsinn hat System, ist vielleicht sogar genial. Man kann heutzutage arbeiten wo man möchte, erklärt Janosch. Sein Coworking Space ist deshalb für die Menschen in Brandenburg und für die, die einmal dort hinwollen. Noacks zwei Coworking Spaces sind für Potsdamer*innen, die nicht isoliert von Zuhause arbeiten wollen. Stadtflucht und der Drang nach Gemeinschaft, zwei starke Motivationen.

Während vereinzelt Menschen wieder auf dem Land leben wollen, durch die Digitalisierung und der neuen Arbeitswelt ihre Berufe oft mitbringen, verlassen andere weiterhin den ländlichen Raum, wie Unternehmen und Banken. Zur letztgenannten Gruppe zählt die Sparda-Bank Berlin nicht, wie Antonia Polkehn erklärt. Ihr Arbeitgeber startet Anfang Oktober in Frankfurt (Oder) ein neues Filialkonzept – und das in einem Coworking Space.

In Berlin St. Oberholz diskutieren Janosch Dietrich, Matthias Noack, Antonia Polkehn und Torsten Kohn über Coworking in Brandenburg

Das BLOK O ist eine Kooperation der Sparda-Bank Berlin eG und des St. Oberholz. Der erste Coworking Space an der Oder und ein Zeichen, dass Unternehmen sich auch bewusst für strukturschwache Regionen entscheiden können, wenn sie etwas bewirken wollen. Torsten Kohn von der Wirtschaftsfördergesellschaft des Landkreises Märkisch-Oderland hofft auf Nachahmer, die dann in sein Coworking Space in die Alte Schule nach Letschin kommen.

Leben und arbeiten im ländlichen Raum

Wie wir arbeiten, sagt viel darüber aus, wie wir leben. Die Neue Provinz, sei es in Brandenburg, der Altmark oder in der Eifel, ist mehr als nur Coworking Spaces. Dies wurde bei der letzten Session des Berlin Coworking Festival, an einem Freitagnachmittag und wieder im St. Oberholz, von den geladenen Podiumsgästen sehr deutlich gemacht. Coworking ist ein Trend-Thema, der Kommunalpolitiker*innen wuschig macht, es braucht aber mehr (dafür).

Vor allem schnelles Internet, wie Ulrich Bähr aus der Praxis zu berichten weiß. Die letzten Monate tourte er mit dem aus zwei Containern auf Rädern bestehenden CoWorkLand durch Schleswig-Holstein (die Netzpiloten berichteten). Zugang zu schnellem Internet ist für die Menschen eine Grundlage, um zu arbeiten. Und um zu leben, verdeutlichte Silvia Hennig , die Gründerin von Neuland 21, ergänzend. Landleben braucht den (digitalen) Anschluss.

Anschluss auch an die Wissensquellen, die die Stadt mit ihren Institutionen und Communities immer noch darstellt. Fehlt dieser, sei es digital oder auch analog in Form einer Zuganbindung, wird es schwer, die Menschen vom Leben und Arbeiten auf dem Land zu überzeugen, schilderte Philipp Hentschel. Der Coworking-erfahrene Gründer und Blogger stellt Kreativorte in Brandenburg vor und kennt die Nöte von Initiativen auf dem Land selbst.

Netzpiloten-Kolumnist Tobias Kremkau moderiert die Diskussion zu Coworking im ländlichen Raum.

Schlechte Internetleitungen und Ärger mit dem Nahverkehr? Gemeint ist zwar Brandenburg, klingt aber auch verdächtig nach Berlin. Vielleicht gibt es in Wirklichkeit gar keine Lücke zwischen Stadt und Land, wie Mareike Meyn von der Andreas Hermes Akademie vermutet, sondern nur unterschiedliche Begriffe für die gleichen Probleme – egal wo in Deutschland. Und für die gleichen Lösungen, denn Coworking sagt man in der Stadt wie auf dem Land. ;-)


Images by Tobias Kremkau

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10 Jahre Google Chrome – großes Update ruft auch Kritik hervor

Benutzerfreundlichkeit, Effizienz und eine ansprechende Benutzeroberfläche. Dies waren schon immer Eigenschaften, die man mit dem Google Chrome Browser assoziieren konnte. In dem großangelegten Update zum zehnjährigen Jubiläum von Chrome wird nun noch einmal so einiges aufpoliert und verbessert. Zunächst zur Optik. Google hat das Interface des Browsers noch einfacher und bunter gestaltet und will neue Symbole etablieren. Das soll nicht nur das Äußere des Browsers ansprechender machen, sondern auch die Bedienung vereinfachen. In der iOS-Version rutscht die Symbolleiste nach unten, was ebenfalls für bessere Bedienbarkeit beim mobilen Surfen sorgen soll. Desweiteren gibt es in der neuen Version 69.0. vom 3. September 2018 über alle Plattformen hinweg Änderungen bei den Eingabeaufforderungen, Menüs und insbesondere der Adressleiste.

Tab-Messie? Kein Problem!

Eine der größten Neuerungen in Chrome betrifft die Tabs. Sie sind nicht mehr kantig sondern abgerundet und die Kontur ist weggefallen, wodurch die Icons der aufgerufenen Websites besser zur Geltung kommen. Gleichzeitig gibt es in der „Omnibox“ – eine Mischung aus Suchmaschine und Adressenfeld – eine Suchfunktion für Tabs. Verliert man sich also mal ausversehen in drei geöffneten Fenstern und 20 verschiedenen Tabs, so kann man oben in der Leiste nach dem Tab suchen und Chrome teilt einem mit, ob man diese Website bereits geöffnet hat. Ist dies der Fall, wird man zu dem geöffneten Tab dirigiert, ansonsten wird die jeweilige Adresse aufgerufen.

Chrome alte Version
Die Browsertabs in der Vorgängerversion Chrome 68 sind kantiger und konturiert. Screenshot by Lena Simonis
Chrome neue Tabs
Die runderen Browsertabs ohne Konturen sollen dafür sorgen, dass man Icons besser wahrnimmt. Screenshots by Lena Simonis

Aber noch etwas anderes fällt uns hier auf: Chrome zeigt die URL in der Adressleiste nicht mehr vollständig an. Nutzer können also nicht mehr auf den ersten Blick erkennen, auf welcher Webseite genau sie sich befinden. Das Verschwinden der URL aus der Adressleiste und Googles langjähriges Bemühungen, das URL-Prinzip zu verändern, sehen viele Experten äußerst kritisch. Mit dem letzten Update haben die Chrome-Entwickler die Location www nun zu einer trivialen Subdomain gemacht, die der Browser in der Adressbar automatisch verbirgt. Dadurch könnten User den Eindruck bekommen, dass die Location keine Rolle spiele, obwohl sie durch das tatsächliche Weglassen von www zu einem ganz anderen Ziel gelangen können, wie etwa das Beispiel http://www.pool.ntp.org vs http://pool.ntp.org zeigt.

In der alten Chrome-Version sehen wir die Location www. Screenshot by Lena Simonis
In der neuen Chrome-Version wird die Location www wie jede beliebige Subdomain behandelt und dem Nutzer nicht angezeigt. Screenshot by Lena Simonis

Erweiterung der Passwort-Speicherung

Google möchte Chrome-Nutzer außerdem dazu bringen, ihre Daten bei Google zu speichern und zu verwahren. Adressen, Kreditkartennummern und Passwörter lassen sich nun im Browser abgespeichern und im Anschluss auf das Google-Konto übertragen. Damit sollen Prozesse, etwa beim Online-Shopping oder Reise-Buchungen, noch einfacher von der Hand gehen. In der heutigen Flut an Zugängen und Passwörtern, die man nicht nur erstellen, sondern sich im besten Fall auch noch alle merken sollte, bietet Chrome an, selbstständig Passwörter mit hoher Sicherheitsstufe zu generieren und ebenfalls zu speichern. Auch das soll Geräteübergreifend möglich sein.

Personalisierungen

Wer schon immer von den eintönigen Seiten genervt war, die sich einem auftun, wenn man auf „Neuer Tab“ klickt, den wird die letzte größere Änderung im Chrome Browser gefallen. Usern ist es nun möglich, eigene Fotos als Hintergrundbild für die sonst so leeren Seiten auszuwählen. Zuletzt können Nutzer die eigenen Lieblingswebsites mit Shortcuts noch schneller über die „Neuer Tab“ Seite erreichen.


Image the digital artist via pixabay / Screenshot by Lena Simonis

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Netzpiloten @IoTcamp

Mit smarten Technologien und interaktiven Geschäftsmodellen das Leben der Menschheit einfacher gestalten – ein guter Ansatzpunkt über den ihr mehr auf dem IoTcamp erfahren könnt. Dafür versammeln sich alle Interessierten, Unternehmer und Gründer am 12. und 13. Oktober im innovativen  Space Shack Berlin.

Worum es genau geht? – Um die Vollvernetzung und um Künstliche Intelligenz im Zeichen des Internet of Things. Es geht um Fragen, die unsere Zukunft betreffen und unsere Realität. Zudem erfahrt ihr mehr über aktuelle Forschungen und Entwicklungsstände. Anlass genug, um sich das Barcamp – veranstaltet von der Cassini Consulting GmbH – nicht entgehen zu lassen.

Beim IoTcamp spontan die Themen mitbestimmen

Was ist eigentlich ein Barcamp? Bei dem aus der Bloggerszene entstanden völlig freien Format (wir lieben es!), werden weder die einzelnen Sessions noch die Sprecher vorher festgelegt. Und das macht das Ganze so spannend. Die Teilnehmer entscheiden erst am Morgen des Konferenztages, wie die Planung verläuft.

Es ist das erste Mal, dass das IoTcamp an zwei Tagen veranstaltet wird. Während wir also am 12. Oktober spannende Businessaspekte und Entwicklungen neuer Geschäftsmodelle kennenlernen, geht es dann am 13. Oktober über Entwicklungs- und Anwendungsfragen.

Um welche Themen wird es gehen?

  • Business-Modellentwicklung
  • IoT-Strategie
  • Success Stories
  • Industrial Internet of Things

Dabeisein ist alles!

Wer sich das spannende Barcamp und den sicherlich angeregten Austausch untereinander nicht entgehen lassen möchte, sollte also nicht lange zögern und sich die passenden Tickets sichern. Wir wünschen zwei tolle Tage!

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Neue Provinz: Das Mysterium Landleben

Tobias Kremkau

Warum Neue Provinz? Die erste Ausgabe der neuen Kolumne erklärt die Titelwahl.


Laut dem Berliner Geburtsort-Atlas des rbb sind 1.736.514 Berliner*innen auch in Berlin geboren. Das macht 46,8 Prozent an der Gesamtbevölkerung aus. Diese Menschen sind in Berlin aufgewachsen, der größten Stadt Deutschlands und wohl einziger Inbegriff einer urbanen Metropole in diesem Staate. Eine von ihnen ist Katja Dittrich, besser bekannt als die „Torten der Wahrheit“-Grafikerin der „Die Zeit“ namens Katja Berlin, die auch wöchentlich für die Hauptstadtzeitung „Berliner Zeitung“ über ihre eigene Heimatstadt, dieses Berlin, schreibt.

Letzten Monat schrieb sie einen Appell für das Bleiben statt den obligatorischen Umzug aufs Dorf und wie man doch auch Landleben in Berlin erleben kann. Ob dies die bessere Antwort auf Charlotte Roches Großstadtflucht-Text vom Frühjahr diesen Jahres ist oder eine amüsant zu lesende Auseinandersetzung mit den durchaus ernsthaften Problemen des Alltags in Berlin, sei erst einmal dahingestellt. Trotzdem zeigt ihre Kolumne ein paar anekdotenhafte Kategorien auf, in denen das Landleben aus Sicht der Städter*innen definiert wird.

Kein Internet, Ärztemangel und nur Bargeld

Auf dem Land gibt es kein Internet, oder so schlecht wie in der Berliner U-Bahn. Aus eigenen Erfahrungen kann ich dieses Vorurteil bestätigen, muss es aber auch der Stadt zuschreiben. Das Problem ist hier eine bundesweit mangelnde Infrastruktur als Ausdruck eines Politikversagens. Da unterscheidet sich Hohenwulsch leider nicht von Friedrichshain. Scheinbar setzte Helmut Kohl aus politischen Gründen auf Kabelfernsehen statt Glasfaser, was rückblickend so höhnisch wie Marie-Antoinettes Kuchen-statt-Brot-Empfehlung wirkt.

Katja Berlins nächster Punkte ist die Schwierigkeit, einen Arzttermin zu bekommen. Dies ist in Berlin genauso schwer wie in München oder auf dem Land. Mein Eindruck mag mich täuschen, aber über die Vorteile von Telemedizin auf dem Land, dies erforschende Projekte und erste Ansätze, lese ich viel mehr als über Innovationen auf diesem Gebiet in der Stadt. Erfolge braucht es schnell, denn bundesweit findet ein gefährlicher Strukturabbau statt, bspw. in Hersbruck oder in Genthin, der die medizinische Grundversorgung gefährdet.

Der letzte Punkt stellt die sowohl auf dem Land als auch in der Stadt geltende Vorliebe der Deutschen für Bargeld statt bargeldlosen Bezahlens. Mein „Lieblingsthema“ hier in Berlin, aber auch anderswo. Als ich einmal in Magdeburg bargeldlos in ein Taxi stieg und fragte, ob ich auch mit Karte bezahlen kann, erntete ich einen ungläubigen Gesichtsausdruck und die Frage, warum man denn das machen wolle? Es ging selbstverständlich nicht, aber es gab bei diesem Taxi-Fahrer nicht einmal den Hauch des Verständnisses dafür. Ich war baff.

olly/stock.adobe.com
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Heimat 2.0 ist immer irgendwie woanders

Unter diesen Gesichtspunkten hat Katja Berlin natürlich Recht, wenn sie schreibt, dass man in Berlin lebend die gleichen Erfahrungen wie auf dem Land machen kann. Es gibt noch mehr Anekdoten, auch Sie werden eine haben, die die Nachteile des Lebens im ländlichen Raum oder eben in Berlin aufzeigen. Jedoch darf man eines dabei nicht vergessen. Das Problem sind hier nicht die Bedingungen auf dem Land oder in der Stadt oder der Graben dazwischen, sondern es ist Deutschland. Anderswo wäre Katja Berlins Text nichts als Retro-Fiktion.

Dank der Initiative hinter dem Coworking Space Ludgate Hub gibt es im westirischen Skibbereen Irlands erste ländliche 1-Gig-Gesellschaft. Das ist eine 200-mal schnellere Internetverbindung als sich die deutsche Bundesregierung für dieses Jahr als Ziel für alle deutschen Haushalte vorgenommen hat und wohl auch bis 2025 nicht erreichen wird. Wie Telemedizin im ländlichen Raum geht, zeigt das Duncan Regional Hospital im dünn besiedelten Oklahoma (Bevölkerungsdichte: 25 Menschen pro Quadratkilometer).

Zu den Vor- und auch Nachteilen des bargeldlosen Bezahlens in Schweden kann man momentan viel nachlesen, von mir deshalb nur die Anekdote eines Bekannten, der an dem Limonaden-Stand zweier Kinder in einem schwedischen Dorf nur mit Smartphone für das selbstgemachte Erfrischungsgetränk bezahlen konnte. Die Kinder lehnten Bargeld ab, sie konnten sich das aufgrund der vorhandenen Infrastruktur und des gängigen Bezahlens mit Smartphone erlauben. Vielleicht wussten sie es auch nicht besser. Anders als in Deutschland.


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[UPDATE] Artikel 13: Kommt mit dem Upload-Filter das Ende vom Internet wie wir es kennen?

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Die Internet-Community ist mal wieder in Aufruhr. Kurz nach dem kuriosen Instagram-Werbe-Urteil bedroht die Reform Artikel 13 des EU Parlaments jetzt wohl das Internet so wie wir es bisher kannten. Doch worum genau geht es bei dem so genannten Upload-Filter?

Was ist Artikel 13 eigentlich?

Der Rechtsausschuss des EU-Parlaments, allen voran durch den CDU-Politiker Axel Voss, haben im Juni Artikel 13, den Upload-Filter, und Artikel 11, das Leistungsschutzrecht, beschlossen. Sprich, jede Art von Content, der ein Urheberrecht beinhalten kann, dürfte so nicht mehr hochgeladen werden. Damit soll die Nutzung geschützter Inhalte durch „Sharing Provider“ für Online-Content verhindert werden.

Einen ähnlichen Urheberrechts-Filter gibt es so beispielsweise schon auf der Video-Plattform Youtube. Upload-Plattformen aller Art, beispielsweise Instagram, Facebook und Co. würden bei der schieren Menge an täglich hochgeladenem Content gar nicht mit dem Überprüfen hinterherkommen. Als einzige Möglichkeit bliebe da das Blockieren. Viele sehen darin einen Verstoß gegen die Meinungsfreiheit, andere applaudieren dem Schutz des Urheberrechts. Aber ist so ein Beschluss im Internet der heutigen Zeit, das auf das veröffentlichen und teilen von Content basiert, denn vertretbar? Noch ist man sich uneinig.

Wer profitiert – wer verliert?

Der Upload-Filter steht heftig in der Kritik, im öffentlichen Diskurs ist von einer Zensurmaschine und dem Ende des freien Internets die Rede. Am Ende stellt sich beim Ganzen natürlich die Frage, wer denn schlussendlich davon profitiert. Die Urheberrechte-Inhaber sind in der Theorie diejenigen, die geschützt werden sollen, in der Praxis wird vermutet, dass wohl eher Rechtskanzleien Kasse machen werden. 

Indirekt profitieren können davon auch große Medienhäuser. Kleinere Publisher und Plattformen werden sich die Lizenzen für etliche Urheberrechte kaum leisten können und laufen so Gefahr, im Hintergrund zu verschwinden.

Was passiert jetzt?

Unter dem Hashtag #savetheinternet lassen Twitter-User derzeit die Tasten glühen. Die Petitions-Plattform Change.org hat außerdem eine Petitionen für eine Million Unterschriften gestartet und das Vorab-Ergebnis bereits dem EU-Parlament präsentiert. Zu welcher Entscheidung das EU-Parlament auch kommt, der 5. Juli 2018 wird wohl in die Geschichte des freien Internets eingehen.

UPDATE vom 5. Juli

Das EU-Parlament hat abgestimmt und die Stimmen sind ausgezählt! Dem umstrittenen Upload-Filter wurde vorerst eine, wenn auch knappe, Absage erteilt. Von 627 Abgeordneten stimmten 318 gegen Artikel 13 und 278 dafür, während sich 31 enthielten. Das Internet bleibt also vorerst „frei“.

 


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Das BKA wirbt für die Vorratsdatenspeicherung

Datenschutz (Image by TBIT(CC0 Public Domain)via Pixabay)

In einer aktuellen Stellungnahme betont das Bundeskriminalamt (BKA) die Notwendigkeit der Vorratsdatenspeicherung für die Verbrechensbekämpfung. Dabei versäumen es die Ermittler allerdings, harte Zahlen vorzulegen, die ihre Meinung untermauern. Auf die zahlreichen und berechtigten Kritikpunkte an der Vorratsdatenspeicherung wird nicht eingegangen. So bleibt der Eindruck eines reinen Propaganda-Textes, der lediglich Emotionen schüren soll, statt sachliche Argumente vorzubringen.

Vorratsdatenspeicherung – unabdingbar bei der Kriminalitätsbekämpfung?

In einem Text mit der Überschrift „Warum ist die sogenannte Vorratsdatenspeicherung so wichtig für die Polizei?“ (viele konservative Kräfte bevorzugen statt „Vorratsdatenspeicherung“ mittlerweile den euphemistischen Begriff „Mindestspeicherfrist“) nimmt das BKA Stellung zu der umstrittenen Überwachungsmaßnahme. Darin betont die Behörde, warum die Vorratsdatenspeicherung ihrer Ansicht nach so unabdingbar für die Bekämpfung schwerer Kriminalität ist.

Das Internet – ein Hort der Kriminalität?

In dem Text wird ein eher düsteres Bild von der Situation im Internet gezeichnet – ein Bild, das Angst schüren soll bei der Bevölkerung. Das Netz wird dabei als Hort der Kriminalität, als der viel zitierte „rechtsfreie Raum“, in dem sich vor allem Verbrecherinnen und Verbrecher treffen, dargestellt. Dieses Spiel mit der Angst ist wohl bekannt – Befürworterinnen und Befürworter von mehr Überwachung nutzen derartige Rhetorik gerne, um in der Bevölkerung das Bedürfnis nach mehr Schutz, auch unter Aufgabe individueller Freiheiten, zu wecken. Das so erzeugte Gefühl der Bedrohung ist dabei unabhängig davon, wie groß die Bedrohung tatsächlich ist.

Harte Zahlen? Fehlanzeige!

Die Argumente, die das BKA in dem Text liefert, sind dementsprechend auch eher weniger überzeugend. Die (wenigen) zitierten Zahlen sind kaum aussagekräftig. So findet sich beispielsweise die Aussage „Allein im Jahr 2017 konnten über 8000 Hinweise auf Kinderpornografie nicht weiter ermittelt werden, da die IP-Adresse nicht mehr gespeichert war“. Allerdings bleibt vollkommen offen, ob die betreffenden Fälle hätten aufgeklärt werden können, wenn die IP-Adresse gespeichert worden wäre. Womöglich nutzten die Täterinnen und Täter einen fremden Anschluss, ein öffentliches WLAN oder einen Anonymisierungsdienst. In diesem Fall hätte die IP-Adresse ohnehin nicht gereicht, um die Schuldigen zu identifizieren.

Auch die Möglichkeit von Maßnahmen, die weniger in die Grundrechte Unbeteiligter eingreifen, etwa eines sogenannten „Quick Freeze“, wird mit keiner Silbe erwähnt. Stattdessen wird ein merkwürdiges „alles oder nichts“-Szenario präsentiert: entweder, so suggeriert das BKA, Deutschland führt die Vorratsdatenspeicherung mit allen Konsequenzen wieder ein, oder eine effektive Strafverfolgung ist nicht möglich.

Harte Zahlen, wie viele Kriminalfälle ohne die Vorratsdatenspeicherung nicht aufgeklärt werden können, fehlen. Die einzige verlässliche Studie zu diesem Thema ist die des Max-Planck-Instituts. Diese kommt zu dem Schluss, dass durch den Wegfall der Vorratsdatenspeicherung keine statistisch signifikanten „Schutzlücken“ entstehen, die Aufklärung schwerer Verbrechen also nicht ernsthaft erschwert oder gar unmöglich gemacht wird. Diese fundierte wissenschaftliche Arbeit gälte es erst einmal zu widerlegen, wollte man eine ernst zu nehmende Argumentation für die Vorratsdatenspeicherung vorlegen. Da das nicht geschieht, bewegt sich die BKA-Stellungnahme eher im Bereich der Propaganda und des von den Überwachungs-Befürworterinnen und -Befürwortern bereits bekannten Spiels mit den Ängsten der Bevölkerung.

Die angebliche Harmlosigkeit von Metadaten

Dagegen wird auf die immer wieder vorgebrachte berechtigte Kritik an der Vorratsdatenspeicherung kaum eingegangen. Entsprechende Argumente sind eher eine Verharmlosung der Maßnahme. So wird an einer Stelle darauf hingewiesen, dass keine Kommunikations-Inhalte, sondern lediglich Metadaten gespeichert werden. Diese Aussage ist zwar in der Sache richtig, in ihrer Intention allerdings irreführend. Metadaten lassen umfangreiche Rückschlüsse beispielsweise auf die Lebensgestaltung und das soziale Umfeld zu. Ihre Speicherung ist daher alles andere als harmlos. Zu suggerieren, allein die Speicherung von Gesprächsinhalten sei gefährlich, ist schlichtweg eine Vorspiegelung falscher Tatsachen.

Propaganda in der Wissensgesellschaft

In der Summe lässt sich die jüngste Stellungnahme des BKA als reiner Versuch einer Meinungsmache für mehr Überwachung einstufen. Der Bevölkerung soll Angst vor Kriminalität im Internet gemacht werden, während Ängste vor ausufernder staatlicher Überwachung gleichzeitig klein geredet werden. Glücklicherweise verfügen mündige Bürgerinnen und Bürger im Jahr 2018 über genügend Möglichkeiten, sich selbst zu informieren und diese Stellungnahme als die plumpe Propaganda zu durchschauen, die sie ist. Hoffen wir, dass möglichst viele Menschen diese Möglichkeit nutzen und sich entsprechend öffentlich gegen die Vorratsdatenspeicherung aussprechen.

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Neue Provinz: Forschungsprojekt CoWorkLand

Tobias Kremkau

Warum Neue Provinz? Die erste Ausgabe der neuen Kolumne erklärt die Titelwahl.


Ich glaube fest daran, dass Coworking Spaces auch auf dem Land funktionieren können. Genau genommen weiß ich es sogar, denn ich habe solche Coworking Spaces schon besucht und inzwischen von noch mehr gehört und gelesen. Vor fast drei Jahren besuchte ich auf einer Reise durch Frankreich die ersten Coworking Spaces im ländlichen Raum. Schon damals berichtete ich über diese Beobachtung auf Netzpiloten, genau wie in der ersten Ausgabe dieser Kolumne über die Entwicklung des ländlichen Raumes hin zu einer Neuen Provinz.

Inzwischen sind auch in Deutschland Coworking Spaces im ländlichen Raum entstanden. Das wohl berühmteste ist vermutlich das „Coconat“ bei Bad Belzig. Doch inzwischen gibt es allein in Brandenburg mit dem „Alte Schule“ in Letschin, dem „Havelprater“ in Briest und „Dein Arbeitszimmer“ in Finsterwalde weitere besuchenswerte Beispiele. Diese Entwicklung ist bundesweit zu beobachten: vom „Alter Heuboden“ in Felde im hohen Norden bis hin zum „Denkerhaus“ am Ammersee in Bayern gibt es schon Coworking Spaces auf dem Land.

Das Geschäftsmodell eines Coworking Spaces halte ich aber, mit der Erfahrung aus dem St. Oberholz, nur für sehr schwer auf dem Land umzusetzen. Die oben genannten Beispiele sind entweder mit einem städtischen Coworking Space und damit einer Community verbunden, an ein anderes Geschäftsmodell angeschlossen, wie zum Beispiel einer Agentur, oder solidarisch als Genossenschaft organisiert, oder durch staatliche Fördergelder unterstützt. Coworking klappt auf dem Land, aber kann das auch ein Coworking Space?

HBS-Forschungsprojekt in Schleswig-Holstein: CoWorkLand

Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein
Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein

Die Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein hat dazu mit „CoWorkLand“ ein sehr spannendes Forschungsprojekt initiiert, das letzte Woche in Gettorf, einer Gemeinde mit rund 6.700 Menschen zwischen Kiel und Eckernförde, startete. Vom 18. Mai bis zum 10. Juni wird die Böll-Stiftung den mobilen CoWorkLand-Space hier aufstellen. Dieser aus detailliert umgebauten Container bestehende Space bietet im Inneren Platz für 6-8 Arbeitsplätze und noch einmal 4 Arbeitsplätze auf der Terrasse. Danach zieht der CoWorkLand-Space weiter.

Bis zum 2. November wird der CoWorkLand-Space an 8 weiteren Standorten zum Einsatz gekommen sein und das Coworking-Konzept an wechselnden Umgebungen getestet haben. Dadurch werden Menschen, nach dem Pendlerhafen Gettorf, auch am Becken des Kreishafen Rendsburg, am Strand Grönwohld, am Strand Brasilien und dem Kieler Waterkant-Festival arbeiten, sowie auch landeinwärts an abgelegeneren Orten wie Schloss Bredeneek, dem Resthof Papenwohld, dem Gut Panker und dem Resthof Großharrie.

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Der Prototyp des CoWorkLand auf dem Waterkant 2017

Dadurch wird Coworking mit verschiedenen Thematiken wie Mobilität, Tourismus und Dritten Orten in einen Zusammenhang gebracht, der weit über die Klischees von im Berliner St. Oberholz am Rosenthaler Platz Kaffee trinkenden Startups hinausgeht. Es zeigt, dass ortsunabhängiges und selbstbestimmtes Arbeiten in Gemeinschaft ein stillbares Bedürfnis ist, das Menschen sowohl in der Stadt als auch auf dem Land teilen. Wie dies wirtschaftlich möglich ist und ob, wird uns das CoWorkLand-Projekt in den nächsten Monaten zeigen.

Wie kann Coworking auf dem Land klappen?

Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein
Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein

Das Forschungsprojekt „CoWorkLand“ der Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein kommt zu einer Zeit, in der das Thema Coworking, vor dem Kontext der Entwicklung des ländlichen Raumes, immer öfters diskutiert wird. Beinahe jeden Monat gibt es eine Konferenz oder Tagung dazu in Deutschland. Neben den bereits existierenden Coworking Spaces ist das Projekt hierzulande der erste von der Forschung begleitete Versuch, zu ergründen, wie Coworking Spaces auf dem Land funktionieren könnten. Und vor allem für wen.

Am 15. Juni wird es im Rahmen eines lokalen Startup-Festivals ein Rural Coworking Barcamp am Ammersee geben, zu dem u.a. praxiserfahrene Expert*innen wie Matthias Zeitler vom bulgarischen „Coworking Bansko“, Annika Sass vom „schreibtisch in prüm“ in der Eifel und Doris Schuppe vom „Rayaworx“ auf Mallorca zu Gast sein werden. Dies ist eine sehr gute Gelegenheit, sich dieses bisher kaum erforschte Thema im persönlichen Gespräch mit den Coworking-Pionieren in ländlichen Räumen einmal zu nähern.

Momentan ist viel in Bewegung. Die Politik fragt sich, wie können Orte im Rahmen der nationalen Entwicklungspolitik gefördert werden, Kommunen suchen neue Lösungen für leerstehende Gebäude und gegen die Landflucht der Jugend, während Unternehmen sich durch den Wandel der Arbeitswelt mit neuen Organisationsformen und Incentives für begehrte Talente auseinandersetzen. Zeitgleich passiert schon viel auf dem Land. Manchmal muss man sich nur aus der Stadt auf den Weg machen, beispielsweise in die Altmark.

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Telekom präsentiert „ELI’s Traum wird wahr – Im besten Telekom Netz“

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Es fing alles mit einem Traum an. Schon als Kind war es der größte Wunsch von Elias Breit – aka “ELI” – seine Musik mit so vielen Menschen wie möglich zu teilen. Denn die kann sich auch definitiv hören lassen – ELI hat eine unverwechselbare Stimme.

Es gibt keinen Plan B

ELI lebt für die Musik. Der 20-jährige tritt schon seit seinem 15. Lebensjahr als Musiker auf, übte erst nur zuhause und versuchte sich dann als Straßenmusiker. Mit der E-Gitarre hat es angefangen, später kam durch Youtube-Tutorials das Klavier dazu. In Sache Gesang ist ELI Autodidakt – Unterricht hatte er darin noch nicht und Noten lesen kann er laut eigener Aussage auch nicht wirklich. Aber das braucht er auch nicht – mit seinem Talent überzeugt der Singer-Songwriter definitiv!

In seiner Wahlheimat Berlin will sich der Kölner jetzt ganz und gar auf seine Musik-Karriere konzentrieren – denn einen Plan B gibt es nicht. ELI’s Ziel ist es von seiner Musik zu leben.

Verstecktes Talent im großen Rampenlicht

Die aktuelle Telekom-Kampagne hat es ELI möglich gemacht, seinen Traum zu verwirklichen. Sein erstes großes Konzert am 28.04 wurde für den Straßenmusiker und die Zuschauer zu einem ganz besonderen Erlebnis. Die Telekom übertrug diesen unvergesslichen Moment für den aufstrebenden Musiker nämlich live und deutschlandweit im besten Telekom Netz!

“Change your Mind” – der Song aus dem Werbespot

Im Zentrum der Kampagne steht ELI’s Song “Change your Mind”, den er mit einem guten Freund zusammen geschrieben hat. Der Song handelt von Verlust, Abschied, aber auch Hoffnung – jemandes Meinung zu ändern, der eigentlich schon aufgegeben hat. ELI hat seinen Traum der Musik nie aufgegeben und mit Telekom und MagentaMusik 360 hat er es geschafft seine Musik einem Weltpublikum zu zeigen.


Images by Telekom

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Neue Provinz: Hinter dem Tellerrand liegt die Welt

Tobias Kremkau

Warum Neue Provinz? Die erste Ausgabe der neuen Kolumne erklärt die Titelwahl.


Vor drei Jahren saß ich das erste Mal mit dem Bürgermeister der Einheitsgemeinde Tangerhütte, Andreas Brohm, spätabends in einer Gaststätte. Zusammen sprachen wir über die Altmark und das Potenzial im ländlichen Raum. Andreas war noch nicht lange Kommunalpolitiker, er lebte auch noch in Berlin und pendelte rund 75 Minuten zu seinem neuen Arbeitsplatz. Früher arbeitete er als Manager von Musicals und tourte durch ganz Europa. Er war ein Rückkehrer geworden, inzwischen wohnt er auch mit seiner Familie wieder in Tangerhütte, aber einer mit einem anderen Mindset. Vor allem ist er als viel bereister Mensch jemand, der ein anderes Verständnis für Raum hat.

In unserem Gespräch sprach er von den wunderschönen und leerstehenden Fabrikhallen in Tangerhütte und wie praktisch diese für Leute aus der Theater- und Musicalszene wären. Hier, etwas über eine Stunde vor Berlin, gibt es noch Raum, um sich auszuleben oder einfach nur große Bühnenbilder einzulagern. Dabei beschrieb er die Nähe mit einem interessanten Bild: Wenn er einem Musical-Manager aus New York City erzählen würde, dass er die Logistik seines in Berlin aufgeführten Musicals in Tangerhütte lagern könnte, würde dieser wahrscheinlich erst einmal auf der Landkarte nach Tangerhütte suchen müssen, um dann festzustellen, dass es ja nur einen Daumen breit links von Berlin liegt. Perfekt also.

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Das „Daumens links von Berlin“-Prinzip muss verinnerlicht werden.

 

Vor anderthalb Jahren traf ich Sten Tamkivi, einen der Gründer von Teleport, im Büro des besonders sicheren Messengers Wire in Berlin. Wie viele Esten bei Wire arbeitete auch Sten früher bei Skype. Diese Herkunft ist ein Geheimnis hinter der Ausrichtung und auch dem Erfolg von Startups wie Skype und Teleport. „Wenn du etwas in einem so kleinen Land wie Estland gründest, dann denkst du von Beginn an die ganze Welt mit. Es gibt keinen estnischen Markt für den es sich als Unternehmen lohnt, Produkte zu entwickeln“, erklärte mir Tamkivi im Gespräch auf der Dachterrasse überm Hackeschen Markt. Noch so ein Blick vom Kleinen aufs Große. Geprägt von den unendlichen Ausmaßen des virtuellen Raums.

Tamkivis acht Jahre bei Skype prägten auch seinen Blick auf Arbeit. Skype ermöglicht Menschen, von unterwegs mit anderen zusammenzuarbeiten. Die Firma selbst nutzt es auch. „Skype startete in 2003 und ich kam 2005 dazu – um 2006 rum hatten wir bereits 200 Leute an zehn verschiedenen Standorten. Jede Woche musste ich mich fragen, ob wir diese Person dort vor Ort einstellen, ob wir sie bitten sollten nach woanders umzuziehen oder ob wir dort ein Büro eröffnen sollten“, schilderte Tamkivi. Im großen Deutschland lamentieren Unternehmen über einen angeblichen Fachkräftemangel. Währenddessen richtete ein Startup aus dem kleinen Estland seine Prozesse auf eine weltweit agierende Belegschaft aus.

„Kultur isst Strategie zum Frühstück“

Beide Begegnungen zitiere ich oft in meinen Vorträgen über das Potenzial von Coworking im ländlichen Raum. Das Thema wird seit rund zwei Jahren viel diskutiert, ich werde dafür zu vielen Konferenzen eingeladen. In erster Linie um zu erklären, was Coworking ist und ob ein Coworking Space im ländlichen Raum funktionieren kann. In den meisten Fällen tut es das nicht. Nachdem ich aber das Geschäftsmodell eines Coworking Space erklärt habe und darauf hinweise, dass niemand kommen wird, um ein St. Oberholz in Hohenwulsch zu starten, erkläre ich, dass Coworking selbst aber kein Geschäftsmodell ist, sondern eine Kultur, wie man Arbeit und Räume organisieren kann. Und die gilt es vor Ort zu entwickeln.

Dazu braucht es aber andere Blickwinkel. So wie die von Andreas Brohm und Sten Tamkivi. Nur Andersdenker*innen reichen aber auch nicht aus. Kultur isst Strategie zum Frühstück, lautet ein Ausspruch von Petter Stordalen, Gründer und Geschäftsführer der skandinavischen Hotelkette Nordic Choice. Und dieser weist auf einen gängigen Irrtum hin: Nicht Menschen machen Kultur. Es ist genau andersrum. Die Kultur formt die Menschen. Regionen an sich brauchen eine Kultur, die es ihnen ermöglicht, andere Blickwinkel einzunehmen. Eine Kultur, an denen sich die Verwaltung und andere Akteure orientieren können, die inspiriert. So wie es beispielsweise die belgische Stadt Gent seit ein paar Jahren erfolgreich praktiziert.

Neuer Blickwinkel auf die Neue Provinz

Das von Tamkivi gegründete Startup Teleport sammelt über 80 Standortdaten von Orten auf der ganzen Welt. Ortsunabhängig arbeitende Menschen, eher verstörend gerne als Digitale Nomaden bezeichnet, nutzen diese und ähnliche Dienstleistungen. Damit können sie sich nach ihren Vorstellungen eine Rangliste von für sie passenden Orte suchen. Man kann beispielsweise einstellen, wie viel Prozent seines Gehalts man für Miete, Essen, Kultur oder den öffentlichen Personennahverkehr ausgeben möchte. Außerdem auch welche Leistungen es vor Ort geben soll, wie gut das Internet sein soll oder wie sicher oder unternehmerfreundlich der Ort sein soll, wenn man dort hinziehen sollte. Die Welt wird so zu einem Dorf.

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Es braucht neue Blickwinkel auf die Provinz.

Zugegeben, es ist ein Gedankenexperiment. Mehr noch nicht. Aber lassen Sie sich bitte einmal darauf ein. Wenn Arbeit heute ortsunabhängig und dezentral organisiert ist, was sie ist, und uns der Neoliberalismus neben vielen gesellschaftlichen Nachteilen zumindest preiswertes Reisen ermöglicht, ist die Frage, die wir uns stellen sollten: Von wo möchte ich arbeiten? Unsere Vorstellungen von Arbeit sagen auch viel darüber aus, wie wir unser Leben gestalten und was uns wichtig ist. Wenn nun in einer Rangliste wie der von Teleport, für Sie selbst als Ergebnis rauskommt, dass Sie eher nach Werben an der Elbe oder Bali ziehen sollten, würden Sie es tun? Nein? Nun gut, andere Menschen machen das aber schon heutzutage.

Vor allem Gründer*innen und Freelancer, die in der digitalen Kreativwirtschaft arbeiten, handeln bereits heute derartig konsequent. Zum Teil müssen sie es, da sie auf andere Standortfaktoren angewiesen sind als Festangestellte. Wenn jetzt ein altmärkisches Nest wie das durchaus malerische Werben bei Teleport eine Top-Platzierung landet, da die Kommune vielleicht Glasfaser-Internet besitzt, einen guten Verkehrsanschluss an Hamburg und Berlin, preiswerte Mieten, sowieso viel Platz und eine Willkommenskultur für Zugezogene oder eine effiziente Wirtschaftsförderung für Entrepreneure hat, dann könnten Menschen sich auf den Weg an die Elbe machen. Wenn Werben denn sichtbar für diese Menschen ist.

Erst Stendal, dann London… oder so

Kommunen müssen verstehen, dass sie im globalen Wettbewerb um Aufmerksamkeit stehen. Und, dass diese Zielgruppe interessant für sie ist. Allein zu erkennen, dass das Menschen sind, die ihre Arbeit mitbringen, also Einkommen, aus dem sie dann vor Ort ihre Steuern zahlen, scheint viele Kommunen noch zu überfordern. Statt mithilfe der Coworking-Kultur Räume für ortsunabhängige Arbeit und interdisziplinären Austausch der Anwohner*innen zu entwickeln, werden große Unternehmen durch Steuererleichterungen zum kurzfristigen Ansiedeln geködert. Diese bringen oft wenig gut bezahlte Jobs mit, aber in den meisten Fällen sowieso keinerlei Perspektive für eine zukunftsfähige Arbeitswelt.

Orte in der Peripherie von Metropolen, durch schnelle Züge mit hoher Taktung und Internet gut an diese angeschlossen, selbst das Zentrum des sie umschließenden ländlichen Raums, müssen den Blickwinkel des „Daumens links von Berlin“-Prinzips verinnerlichen. Sie müssen u.a. die Struktur für eine moderne Arbeitswelt legen und sich weltweit auffindbar machen. Was wie eine Ansiedlungspolitik für Flat Whites schlürfende Expats klingt, hilft auch den Menschen vor Ort. Diese brauchen die gleichen Bedingungen, aber auch Impulse von außen. Jemand aus São Paulo oder Shenzhen, mit einer die Welt verändernden Idee, muss Stendal für sich wichtiger als London bewerten. Oder Prüm in der Eifel. Oder Finsterwalde.

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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • AMAZON golem: Amazon Go: Sechs weitere kassenlose Supermärkte geplant: Können Aldi, Lidl und Co. bald einpacken? Es scheint manchmal so, je mehr News man zu dem kassenlosen Supermarkt Amazon Go des E-Commerce-Riesen hört. Es war nur eine Frage der Zeit, bis der Online-Versandhändler auch in die analoge Verkaufswelt ging. Im Januar 2018 öffnete dann der erste Supermarkt ohne Bezahlen. Jetzt – knapp einen Monat später – sind bereits weitere sechs kassenlose Supermärkte geplant. Nach der ersten Filiale im Amazon-Sitz Seattle sind weitere dort und in Los Angeles geplant. Das Konzept scheint anzukommen! Allerdings kommt keine digitale Neuerung ohne Startschwierigkeiten aus. Bei Amazon Go kommt es so vor allem zu Anstehzeiten an den Kassen, aufgrund der Identifizierung des Kunden durch einen QR-Code.

  • TWITTER t3n: Twitter sperrt tausende verdächtige Konten und verschärft Regeln für Automatisierungen: Auf Twitter kommt es derzeit vermehrt zu verdächtigen Aktivitäten. Das Unternehmen reagierte und sperrte jetzt mehrere tausend Accounts auf einmal. Dies geschah um ihre Echtheit zu prüfen und Social Bots auszuschließen. Erst nach Angabe der Telefonnummer dürfen sie wieder aktiviert werden. Twitter stand zuletzt im Zuge der Russlandermittlungen von Sonderermittler Robert Mueller wegen seiner Sicherheitsstandards in der Kritik. Twitter will es Social Bots dadurch schwerer machen, die Trendthemen auf seiner Plattform zu manipulieren.

  • IPHONE heise: „iPhone-Thriller“ von Starregisseur Steven Soderbergh startet auf Berlinale: Die meisten von uns drehen auf ihrem Smartphone maximal ein kleines Urlaubsvideo mit einer Höchstdauer von ein paar Minuten. Der Gedanke einen ganzen Film auf den mobilen Geräten zu filmen wirkt ungewöhnlich. Im Zuge der Berlinale wurde in dieser Woche der Psychothriller “Unsane – Ausgeliefert” von Regisseur Steven Soderbergh präsentiert, der komplett mit einem iPhone in 4K gedreht wurde. Genau das hält der Regisseur für einen „Game Changer“ fürs Kino. Technisches Experiment oder eine tatsächliche Alternativen zu klassischem Equipment?

  • INSTACARD gruenderszene Das Imperium des 2012 von Apoorva Mehta gegründeten Lieferdienst-Giganten “Instacard” bröckelt. Schlechte Kunden- und Mitarbeiterbewertungen, Geldstrafen sowie Herausforderungen für die Zukunft – für das 2015 von “Forbes” als “vielversprechendste Firma Amerikas” ausgezeichnete Unternehmen könnte es trotz gutter Bilanzen besser laufen. Seit der Übernahme des wichtigen Kooperationspartner “Whole Food” durch E-Commerce-Riese “Amazon” steht die Firma vor schweren Verhandlungen über die zukünftige Geschäftsausrichtung des einstigen Startups. Hinzu kommen hohe Bußgelder wegen Steuerbetruges sowie Beschwerden von Arbeitnehmer- und Kundenseite aufgrund von Hungerlöhnen beziehungsweise fehlender Betriebsstruktur.

  • TELEKOM t-online: AVM stellt Fritzbox 7583 für Highspeed-Internet vor Es ist soweit – Eine neue Fritzbox, die Fritzbox 7583, wurde entwickelt. Die Firma AVM stellt das neue Router-Modell pünktlich auf der MWC in Barcelona vor. Sowohl für Provider mit Breitbandanschluss (Supervectoring), sowie diejenigen mit Glasfasernetzwerk (G.fast) ist das “Multitalent” zu haben. Dennoch werden Benutzer vorerst nicht das Privileg der Spitzensurfgeschwindigkeit haben. Das deutsche Netz wird weiterhin nicht mehr als die Hälfte der jetzt möglichen 600 Mbit/s beziehungsweise 3 Gbit/s unterstützen. Auch SPD und CDU streiten nach wie vor über den Ausbau der deutschen Netzversorgungen, weshalb der Empfang wohl weiter, mit wenigen Ausnahmen, vom Verteiler der jeweiligen Einzelhaushalte abhängen wird.

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    Neue Provinz: Der ländliche Raum braucht Glasfaser statt Kupfer

    Tobias Kremkau

    Warum Neue Provinz? Die erste Ausgabe der neuen Kolumne erklärt die Titelwahl.


    Das Wort „möglichst“ steht im angestrebten Koalitionsvertrag zwischen den Unionsparteien und den Sozialdemokraten genau 22 Mal drin. Bereits bei der zweiten Verwendung des Adverbs geht es indirekt um den ländlichen Raum. Genau genommen geht es um den Breitbandausbau. Die beiden ehemals als Volksparteien bezeichneten Koalitionspartner CDU/CSU und SPD wollen gemeinsam die Gigabit-Netze in alle Regionen bringen… auf einmal, denkt man sich insgeheim. Dafür planen sie zehn bis zwölf Milliarden Euro, um flächendeckende Glasfaser-Netze möglichst direkt bis zum Haus zu ermöglichen.

    Da war es. Ist es Ihnen aufgefallen? „Möglichst“. Die Glasfaser-Netze sollen „möglichst direkt bis zum Haus“ kommen, steht in dem von den Parteien noch zu beschließendem Vertragswerk. Doch bei diesem Thema zeigt sich auch der ganze Ärger des Wortes „möglichst“. Das Wort bedeutet leider nichts anderes als „wie sich ermöglichen lässt“ oder „wenn möglich“, also auch „wenn es sich ermöglichen lässt“. Zumindest laut Duden. Dort werden unter anderem auch zwei Synonyme für „möglichst“ angeboten: „besser“ und „klugerweise“. Beide Worte hätte ich lieber im Koalitionsvertrag gelesen als besagtes „möglichst“.

    Dann würden die Politiker*innen der alten und auch neuen Großen Koalition vereinbaren, dass „flächendeckende Glasfaser-Netze klugerweise direkt bis zum Haus“ gebaut werden. Das klingt doch schon ganz anders. Allerdings wohl auch nur in den Ohren von uns leidgeplagten Bürgern – in der Stadt und auf dem Land. Denn in den Ohren der Deutschen Telekom klingt das alles andere als gut. Es würde nämlich verhindern, dass sie aus dem jetzigen Mangel der Infrastruktur auch noch ein gutes Geschäft machen könnten. Dann wären sie womöglich noch genötigt, selber Glasfaser-Netze bis zum Haus zu bauen.

    Nur Marktversagen, wenn die Deutsche Telekom es will

    Genau diese sind aber nötig, um den ländlichen Raum attraktiv für die Menschen und auch Unternehmen zu machen. Seit zwei Jahren verfolge ich den Kampf um bessere Glasfaser-Netze in der Region. In der Altmark will man nicht mehr auf die Politik warten. Bereits vor über fünf Jahren gründete sich der Zweckverband Breitband Altmark, ein Zusammenschluss von 20 Gemeinden aus den zwei Landkreisen der Altmark, die gemeinsam das schaffen wollten, was die Deutsche Telekom der Region im Norden von Sachsen-Anhalt verwehrt(e): Glasfaser-Netze. 2016 begann der Ausbau der 4.700 Quadratkilometern großen Region.

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    Unser Autor Tobias Kremkau in der Altmark, die viel Platz, aber wenig Netz hat.

    Dies rief die Deutsche Telekom auf den Plan. Nach Jahren des Nichtstuns wollte das Unternehmen doch ausbauen – mit Vectoring-Technik. Diese ermögliche Anschlussgeschwindigkeiten von bis zu 100 MBit/s, der Zweckverband setzt auf Glasfaser-Netze mit 300 MBit/s und auch 500 MBit/s Geschwindigkeit. „Das Problem ist, dass das private Unternehmen auch noch wunderbar mit Kupferkabeln verdient“, erklärt Andreas Brohm, Bürgermeister von Tangerhütte. Als er laufende Bauarbeiten der Telekom stoppen lässt, eskalierte die Situation. Der Streit ist nun deutschlandweit ein Thema.

    Brohm sieht in Glasfaser einen Standortvorteil, den die Region dringend braucht. Bernd Beckert, Innovationsforscher am Frauenhofer-Institut, stimmt ihm im Gespräch mit den Netzpiloten zu: „Aus Innovationssicht ist Vectoring suboptimal, eine Brückentechnologie.“ Für ihn haben Initiativen wie der Zweckverband deshalb Pioniercharakter. Sie könnten langfristig dafür sorgen, dass Deutschland beim Glasfaser-Ausbau im internationalen Ländervergleich aufschließt. „Der Schritt speist sich aus dem Versorgungsgedanken, dass Breitband genauso wichtig ist wie Wasser und Strom,“ erklärt Beckert nachvollziehbar.

    Schnelles Internet ist Grundlage von einfach allem

    Doch privatwirtschaftliche Investitionen von Telekom & Co. fehlen nicht nur in der Altmark. Im baden-württembergisch Karlsdorf können sie Ähnliches berichten: Die Telekom ignorierte Anfragen nach Netzausbau, woraufhin die Gemeinde selber tätig wurde und Glasfaser-Kabel verlegte. Erst danach baute auch die Telekom aus, die Straße wurde ein weiteres Mal aufgerissen und ein Telekom-Kabel verlegt. Nun droht der Gemeinde der Verlust der Investition von 500.000 Euro, wenn sich Anwohner*innen für das Angebot der Telekom entscheiden. Das gleiche passiert auch im Nachbarort Forst. Das Satiremagazin extra3 berichtete darüber:

    Im brandenburgischen Finsterwalde wollte man ähnlich wie in der Altmark nicht mehr auf die Versprechen der Politik warten. Bereits vor vier Jahren stiegen die Stadtwerke Finsterwalde ins Glasfaser-Geschäft ein und versorgen inzwischen die halbe Stadt mit Glasfaser-Kabeln. Statt auf staatliche Förderprogramme setzen sie auf Unternehmen aus der Region. So können sie teilweise die 20-fache Geschwindigkeit der privaten Konkurrenz anbieten und sparen mehr als ein Drittel der Ausbaukosten, indem sie sich an sowieso geplante Straßenbauprojekten wie die Erneuerung der Straßenbeleuchtung dranhängen.

    Klugerweise warten Kommunen nicht mehr auf die Landes- oder Bundespolitik, die in einer einmaligen Art und Weise den Wandel bisher verschlafen haben. Egal ob in der Stadt oder auf dem Land, die Menschen brauchen Glasfaser-Netze für einen schnellen Zugang zum Internet. Dies ist sowohl Grundlage der neuen Arbeitswelt, die aufgrund der Digitalisierung ortsunabhängig und damit genauso in ländlichen Regionen entstehen, als auch der privaten Gestaltung seines eigenen Lebens und der Teilhabe an unserer auch online stattfindenden Gesellschaft. Ohne schnelles Internet kann es keine neue Provinz geben.

    

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    • FALCON HEAVY deutschlandfunk: Falcon Heavy erfolgreich gestartet: Das wahre Wettrennen kommt erst noch: Am Abend des 6. Februars, gegen 21:45 Uhr, war es soweit, die Falcon Heavy startete erfolgreich Ihren Erstflug. An Board der Rakete von SpaceX befand sich zudem ein Tesla Roadster des Firmengründers Elon Musk. Der PR-Coup wirkt fast perfekt, nach nur sieben Jahren hat es SpaceX geschafft mit der Falcon Heavy eine der leistungsstärksten Raketen zu Bauen, die sich jetzt, unterlegt mit “Life on Mars” von David Bowie, auf dem Weg in eine Mars-Umlaufbahn befindet. Das nächste Space-Race, das es so schon in den 1960er Jahren gab, könnte jetzt kurz bevorstehen. Konzerne wie Boeing sitzen SpaceX schon im Nacken.

    • GEOBLOCKING gamestar: Online-Einkäufe – EU verbietet Geoblocking – außer bei Digital-Inhalten: Häufig werden EU-Bürger davon abgehalten in Online-Shops aus dem Ausland einzukaufen. Das Ganze nennt sich Geoblocking. Die Händler sperrten bisher Käufer aus dem EU-Ausland auf diese Weise von ihrem Angebot aus und verhinderten eine potenzielle Schnäppchenjagd in anderen Ländern. Das hat jetzt ein Ende, wie das EU-Parlament mit einer deutlichen Mehrheit beschlossen hat. Unabhängig vom Wohnort können EU-Bürger jetzt also grenzübergreifende Einkäufe tätigen. Einzig digitale Inhalte wie e-Books, Filme, Musik und Online-Spiele sind davon ausgenommen.

    • WHATSAPP engadget: Bezahlen via WhatsApp gestartet: Die bargeldlose Gesellschaft scheint kurz bevor zu stehen. In China ist das Bezahlen per App – WeChat in diesem Fall – quasi schon Gang und Gäbe. WhatsApp testet jetzt ebenfalls eine Bezahl-Funktion. In vorerst nur Indien startet jetzt die Betaversion. Dort wird das ganze über ein so genanntes Unified Payments Interface realisiert, was Banken in Indien ermöglicht, direkte Zahlungen über Smartphones von Bankkonto zu Bankkonto in Sekundenschnelle zu realisieren.

    • JOHN PERRY BARLOW heise: Er kam aus dem Cyberspace. Zum Tode von John Perry Barlow: Internet-Aktivist und Gründer der Bürgerrechtsorganisation EFF John Perry Barlow ist am Mittwoch im Alter von 70 Jahren verstorben. Seines Zeichens war Barlow Kämpfer für die Unabhängigkeit des Internets und kämpfte 1996 dafür mit der “Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace”. Neben zahlreichen Auftritten für die EFF arbeitete John Perry Barlow am Berkmann Center for Internet & Society und war „Professor of Cyberspace“ an der Schweizer European Graduate School. Neben seinem Engagement für die Freiheiten im Internet gehörte die eigenständige Entwicklung von Afrika zu seinen Herzensangelegenheiten.

    • IOS t3n: „Größter Leak der Geschichte“: iOS-Quellcode geklaut und ins Netz gestellt: Eine ältere Version des Quellcodes der Trusted-Boot-Routine iBoot, eine Komponente von Apples iOS, wurde jetzt von Anonymen auf der Software-Plattform GitHub veröffentlicht. Es ist einer der größten Leaks dieser Art und kann es Cyber-Kriminellen ermöglichen, leichter Zugang zu Sicherheitslücken zu erhalten. Deshalb werden in Zukunft neue Jailbreaks befürchtet.

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    Künstliche Intelligenz und die Angst vor ihr

    Orb of power (adapted) (Image by Ramón Salinero [CC0 Public Domain] via Unsplash)

    Die Künstliche Intelligenz hat in der deutschen Diskurslandschaft keinen guten Ruf. Sie bevormundet Menschen, entscheidet intransparent und gehört meist nur den Silicon Valley-Konzernen. Sollten wir Menschen, die wir den Planeten gegen die Wand fahren, nicht offener dieser Form von Intelligenz gegenüber auftreten? Bietet sie nicht auch sehr viele Chancen?

    Jährlich sterben allein in Deutschland 100.000 – 200.000 Menschen am plötzlichen Herztod. Das Risiko steigt mit dem Alter. Männer sind fast doppelt so häufig betroffen. Auch intensiver Sport führt – bei fehlendem Wissen um eine unentdeckte Herzerkrankung – zu einer Verdoppelung des Risikos, daran zu sterben. Die wenigsten potenziellen Opfer gehen vorab zum Kardiologen, da sie zumeist keine Beschwerden verspüren. Wenn sie dann doch aufgrund temporärer Beschwerden zum Kardiologen gehen, ist die Wahrscheinlichkeit, das Problem im Rahmen eines 24-Stunden-EKGs zu entdecken, sehr gering.

    Apple hat dieses Problem erkannt und wird wohl beim Nachfolgemodell der Apple Watch 3 einen Sensor für ein erweitertes EKG in die Uhren einbauen. Durch einen Abgleich der gemessenen EKG-Daten und möglicher enthaltener auffälliger Muster mit standardisierten beispielhaften „kranken“ Mustern, können unentdeckte Herzerkrankungen oder Anomalien erkannt werden.

    Apple wird mit dieser Funktion und der Auswertung der Daten (indirekt) wahrscheinlich viel Geld verdienen. Wie sehen die Menschen, die schon um ihr erhöhtes Sterberisiko in Folge einer Vorerkrankung wissen, ein solches Device? Und wie sehen sie die Möglichkeiten der Diagnose infolge der Auswertung großer Datenmengen? Würden sie bemängeln, dass die oftmals so deklarierten „Internet-Riesen“ trotz ungeklärter Fragen des Datenschutzes Geld mit diesen Devices verdienen? Würden sie nach der Wirkungsweise des Algorithmus fragen? Und würden sie sich mit dessen Anwendung nur dann einverstanden erklären, wenn man ihnen den Programm-Code erklärt? Oder wenn eine deutsche Behörde diesen einen speziellen Algorithmus überprüft hat? Wohl eher nicht.

    Wer sollte über die Anwendung einer Künstlichen Intelligenz (KI) entscheiden: Die betroffenen Menschen oder eine Kommission?

    Umso weltfremder und an den Gesundheitsbedürfnissen der betroffenen Menschen vorbei scheinen daher momentane Beiträge in bekannten Medien. Diese fordern ein, dass es Experten geben müsste, die die Wirkungsweise jeder KI verstehen. Die sie kontrollieren und über deren Nutzung urteilen sollten. Obgleich sie nicht von einer tödlichen Bedrohung wie dem plötzlichen Herztod bedroht sind. Mit welchem Recht wird dann aber den betroffenen Menschen die Entscheidung zur Anwendung der Technik aus der Hand genommen? Wollte man aus dieser Situation eine steile These generieren, so könnte man sagen, dass die Debatte und die Verschleppung der Einführung von KI täglich unverantwortlicher Weise Menschenleben kostet.

    Während diskutiert wird, welche Menschen eine KI in einem autonom fahrenden Auto am ehesten im Notfall „umfahren“ soll, sterben täglich in Deutschland ca. neun Menschen im Verkehr. Meist wurden diese Unfälle verursacht durch zu hohe Geschwindigkeit oder Fahren unter Alkoholeinfluss ihrer Mitmenschen. Warum wird also nicht die Frage nach der moralischen Verträglichkeit menschengelenkter Autos gefragt? Hat es eine solche Ethik-Debatte jemals gegeben, um zu überprüfen, ob der Vorstand von Volkswagen vor Bekanntwerden von Dieselgate „ethisch richtig handelt“? Wieso legen wir an KI solch hohe Maßstäbe an, die die Menschen bisher selbst meist nicht erfüllt haben?

    Dürfen wir KI unsere menschliche Moral aufzwingen?

    Sally Davies hat sich in ihrem Beitrag daher auch die Frage gestellt, mit welchem Recht wir versuchen, einer zukünftigen KI unser Verständnis von Moral aufzuzwingen. Viele technische KI-Experten werden einwenden, dass diese Form der KI noch lange nicht erreicht sei (worüber es zu Recht aber sehr unterschiedliche Auffassungen gibt). Nichtsdestotrotz ist damit zu rechnen, dass wir uns eines Tages diese Fragen stellen müssen. Wird sich die KI einsichtig zeigen, dass unser Wertmaßstab auch der ihrige sein soll? Was wäre, wenn die KI „Verbesserungsvorschläge“ für unser Wertesystem liefert?

    Im Bereich strategischer Spiele sind wir bereits an diesem Punkt der KI-Entwicklung angekommen. In einem aktuellen Beitrag auf The Atlantik zu den neuen Fortschritten bei der KI-Entwicklung im Zuge der AlphaGo Zero-Entwicklung formulieren die Autoren, was im Kern die Botschaft aus den gegenwärtigen Entwicklungssprüngen ist. Die (genannte) KI benötigt keinen Menschen mehr, um in einem Gebiet „übermenschliche“ Fähigkeiten in kürzester Zeit zu entwickeln. Das ist insbesondere dann spannend, wenn die Erkenntnisse der KI-Entwickler auf die Bekämpfung von Krankheiten oder den Klimawandel angewendet werden, wie diese es selbst in ihrem Blog weitsichtig beschreiben.

    Eine leidige kurzsichtige Diskussion über die vermeintliche Sinnhaftigkeit luftverdreckender Diesel-Pkw wäre unter diesen Umständen schnell obsolet. Sie könnte, im Gegensatz zu den derzeit beschlossenen politischen Maßnahmen, täglich Menschenleben retten. Ist es vielleicht an der Zeit, dass wir den Versuch aufgeben, eine höhere Intelligenz verstehen zu wollen?

    Die Syntheist-Bewegung greift diese Überlegungen auf. Der schwedische Cyber-Philosoph Alexander Bard als einer der bekanntesten Vertreter begreift das Internet als „Gehirn“ der Menschheit. Laut ihm ist es ausgestattet mit Netzknoten, Netzwerken und Datenbanken. Sie alle zusammen sind mehr als die Summe der einzelnen Wissensbestandteile der Menschheit. Das Silicon Valley „Wunderkind“ Anthony Levandowski geht in dieselbe Richtung. Er versteht die internetbasierte Wissensgenerierung als Schritt hin zu einer übergeordneten Weisheit, infolgedessen er auch die „First Church of AI“ ausgerufen hat.

    Können Androiden menschliche Reaktionen auslösen?

    Die Fähigkeiten gerade von Robotern, in den zwischenmenschlichen Bereich vorzudringen, wurde bisher ebenfalls sehr zurückhaltend gesehen. Seien es doch die wahren menschlichen Eigenschaften der Kreativität, der Interaktion, der Empathie, die menschliche Reaktionen hervorriefen und durch Maschinen nie ersetzt werden könnten. Ist dem wirklich so? In einem aktuellen Beitrag stellt sich die Autorin Alex Mar die Frage, ob es diese angeblich genuinen Eigenschaften wirklich nur bei Menschen gibt.

    Bei einem Besuch des Android-Forschers Hiroshi Ishi­guro wird sie an die Grenze des scheinbar intuitiv Menschlichen gebracht, als sie von den Erfahrungen des Forschers mit seinen Androiden hört. Indem Androiden basale menschliche Verhaltensweisen übernehmen, die einen Menschen positiv und emotional triggern, können sie bei Menschen echte mitmenschliche Emotionen erzeugen. In einem wissenschaftlichen Experiment konnten Forscher der Universität Calgary vor Jahren zeigen, dass selbst ein Stück Balsaholz bei Menschen Gefühle auslösen kann. Die positiven Gefühle Maschinen gegenüber können noch weiter befördert werden, wenn man sie ab und an „menschliche“ Fehler machen lässt und sie dadurch nicht unerreichbar perfekt erscheinen.

    Spätestens mit der Nutzung der replika-App kann jeder Nutzer selbst überprüfen, ob der Dialog mit einer auf sich selbst trainierten KI wirklich immer nur als bewusster Dialog mit einem Code erfolgt. Und nicht mit einem „gefühlten“ realen Gegenüber. Die Gründerin des Startups hatte ihren besten Freund auf tragische Weise verloren. Daraufhin sammelte sie nach seinem Tod alle Chats, die sie mit ihm geführt hatte. Sie kreierte eine erste KI, die ihren toten Freund simulierte. Inzwischen können Nutzer weltweit eine eigene KI nach diesem Muster „erstellen“. Auch wenn das etwas seltsam klingt, haben Außenstehende kein Recht, der Gründerin oder Nutzern von „replika“ daraus einen Vorwurf zu machen.

    Wäre es daher nicht an der Zeit, an der Einmaligkeit des Menschlichen zu zweifeln? Fand man in der Neurowissenschaft bereits vor Jahren heraus, dass der vorgebliche freie Wille der Menschen gar nicht so frei ist, ist es jetzt an der Zeit zu erkennen, dass auch unsere Gefühle nicht nur an Menschen gebunden sind.

    Digitaler Darwinismus ist schon heute Realität

    Man muss sicherlich nicht ganz so weit gehen, wenn es um das Mimikry menschlichen Verhaltens durch eine KI geht. Schon weiter vorangeschritten ist die Angleichung an menschliche Verhaltensweisen bei der Ausübung von beruflichen Tätigkeiten. So zeigt Miranda Katz anhand von Beispielen aus der Übersetzerbranche, der Juristerei und der Filmbranche, dass schon heute impliziter digitaler Darwinismus auf dem Arbeitsmarkt durch den Einsatz von KI ausgelöst worden ist. So ist es nach Meinung der dort zitierten ScriptBook CEO Nadira Azermai nicht die KI, die Menschen arbeitslos werden lässt. Es ist vielmehr die Verweigerungshaltung, KI für die eigene Tätigkeit einzusetzen. Auch wenn dies an vielen Stellen schon möglich ist.

    “You’ll lose your job to people who have learned how to cooperate with machines. You will lose your job if you keep turning your head the other direction and pretending it doesn’t exist“, so Azermai.

    Wenn aber KI zunehmend Tätigkeiten übernehmen, die Bestandteil menschlicher Berufe (Arzt, Drehbuchautor, Polizist) sind, muss die Frage gestellt werden, in welcher Weise sich Ausbildungsgänge nicht eigentlich sehr viel schneller anpassen müssten. Jon Marcus beschreibt in seinem Beitrag die erkennbaren Folgen für das bestehende Bildungssystem. So beginnen die ersten großen Unternehmen aus der IT-Branche, eigene Ausbildungsgänge aufzubauen. Hier erfolgt nämlich die Anpassung der bestehenden zu langsam und bürokratisch. KI, die Berufe verändert, hat demnach auch Auswirkungen auf das Bildungssystem. Sicher könnte man die ethische Frage anschließen, was denn mit dem Kompetenzaufbau in den Bereichen der Ausbildung geschieht, in denen die KI Menschen ersetzen.

    Mit wissenschaftlichen Methoden des 20. Jahrhunderts lösen wir nicht die Probleme des 21. Jahrhunderts

    Der Umgang der Wissenschaft und der Politik mit dieser Herausforderung zeigt sehr anschaulich das Dilemma, auf diese neue Herausforderung (KI, Roboter) mit tradierten Methoden und Sichtweisen zu reagieren. Seit der Veröffentlichung der allseits bekannten Frey/Osborne-Studie hat es viele volkswirtschaftliche Folge-Studien gegeben (so z.B. durch das ZEW). Diese waren am Ende stets zu dem Ergebnis gelangt, dass wir mit einem Abbau menschlicher Beschäftigung – in einem ungeklärten Umfang – rechnen müssen. Zeigt sich aber nicht zuletzt an der Methodik dieser Studien, dass wir inzwischen mit menschlicher Intelligenz allein die Komplexität, die uns zunehmend umgibt, nicht mehr bewältigen können? Wie kann es sein, dass Studien ernsthaft als politische Entscheidungsgrundlage dienen, die vorgeben, die Wahrscheinlichkeit einer digitalen Disruption in einer bestimmten Branche ex ante berechnen und daraus ableitend Arbeitsmarktprognosen abgeben zu können? Wir hinterfragen aber nicht diese wissenschaftlichen Methoden. Wir hinterfragen vielmehr die Entscheidungslogiken der KI und bezeichnen sie nur zu gern und schnell als diskriminierend.

    Nicht die Künstliche Intelligenz sondern der Mensch diskriminiert

    Eva Wolfangel zeigt in ihrem spannenden NZZ-Beitrag, warum es aber nicht die Algorithmen – auch nicht die selbst lernenden KIs – sind, die sexistisch, rassistisch oder diskriminierend sind. Es liegt vielmehr an dem, was wir der KI „vorleben“ und als Input zum Lernen zur Verfügung stellen. Ein Herausbrechen von Diskriminierung aus Algorithmen hingegen ist als Lösung des Problems in keiner Weise geeignet, da es keine übergeordnete Wahrheit und keinen absoluten Maßstab gibt, an dem sich diese Programmierer ausrichten können. Zudem kommt das Problem hinzu, so Wolfangel, dass Menschen allzuhäufig Korrelationen mit Kausalitäten gleichsetzen. Im Kern heißt dies also erneut, dass die KI nichts vom Menschen lernen kann, da er selbst nicht das passende Vorbild abliefert.

    Hängt der Quanten-Computer die Menschen endgültig ab?

    KI ist Bestandteil sehr vieler alltäglicher Lebensbereiche des Menschen. Sie unterstützt diesen, hilft dort aus, wo sie mehr leisten kann als ein Mensch, kann kreativ sein. Der nächste Entwicklungsschritt hin zur Intuition und einem menschenähnlichen Bewusstsein wird eventuell die Anwendung der Quantentechnik für KI sein. So wird bereits in den nächsten Monaten die „Quantum Supremacy“ gegenüber den uns bekannten Computern eintreten.

    Wir sollten daher vielleicht nicht vergessen, die Probleme der Politik, der gesellschaftlichen Debatte und der Wissenschaft zu thematisieren. Gerade wenn es darum geht, mit dieser technischen Entwicklung Schritt zu halten. Experten sprechen von der exponentiellen Dynamik der KI-Entwicklung: „There will be an acceleration of pace as ever more people are put out of work “by technology” when artificial intelligence masters vision – and how to learn. (…) Unlike in the Industrial Revolution, we cannot expect a plateau of development here that will allow people to ‘catch up’”. Die Frage ist, wie wir als Menschen damit umgehen wollen.

    Die Diskussion um die Gesundheitskarte zeigt es exemplarisch. Während in Deutschland über Fragen des Datenschutzes diskutiert wird, werden anderswo mit IBM Watson bereits Leben gerettet. Wird irgendwann der moralische Druck, die Entwicklung der KI einfach zu akzeptieren, nicht so groß werden, dass jahrelange politischen Debatten über neue Regulären zunehmend utopisch erscheinen? Was ist, wenn die durch eine Smart City induzierte Einsparung natürlicher Ressourcen den persönlichen Vorstellungen über Datenschutz gegenüber steht?

    Benötigen wir nicht einen „politischen“ Algorithmus im Sinne einer Entscheidungslogik, der uns beim Umgang mit diesen strittigen Fragen Orientierung gibt und der zwischen individuellen und gesellschaftlichen Interessen abzuwägen hilft? Oder liegt es, wie der genannte provokante Beitrag auf AEON vorschlägt, am Ende gar nicht mehr im Ermessensspielraum des Menschen, über die Moral eines Algorithmus zu entscheiden, weil wir die sich daraus ergebende moralischen Regeln nicht mehr verstehen, wir aber davon ausgehen müssen, dass uns diese weiterhelfen als die Regeln und Verhaltensweisen, die uns seit Jahrtausenden Umweltzerstörung und Krieg bringen?

    Wenn ihr mehr zu dem Thema „Angst vor der Künstlichen Intelligenz“ erfahren möchtet, dann gibt es hier von Arend Hintze einen spannenden Artikel mit dem Titel „Künstliche Intelligenz: Wovor die Forscher sich fürchten„.


    Image (adapted) „Orb of power“ by Ramón Salinero (CC0 Public Domain)

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    iPhone & Co.: Mehr Akku für alle dauert nicht mehr lange

    Battery (adapted) (Image by 3dman_eu [CC0 Public Domain] via Pixabay)

    Es geht in jedem Jahr weiter mit den Veröffentlichungen von Apple – und natürlich auch mit dem Medienrummel. Es ist viel über das iPhone X, das Ende des Home-Buttons, die „Face ID“-Funktion, das drahtlose Aufladen und noch über vieles mehr geschrieben worden. Irgendwo auf der Liste der Neuerungen war eine verbesserte Akkulaufzeit, zumindest für das iPhone X. Dies wird Dank seines neuen, aufgemotzten A11-Bionik-Prozessors ermöglicht.

    Apple sagt, dass das neue Gerät bis zu zwei Stunden länger halten wird als das iPhone 7. Dies könnte eine Netzsession von gut 14 Stunden bedeuten. Die Akkulaufzeit auf dem iPhone 8 scheint dagegen mit der seines Vorgängers vergleichbar zu sein. Das kabellose Aufladen – eine Entwicklung, zu der Apple erst spät dazustößt – macht bei der Akkuleistung keinen Unterschied.

    Verbesserungen an den Batterien sind bei neuen Smartphone-Modellen für Verbraucher enorm wichtig. Bei Samsung gab es hier viele wichtige Neuerungen, als sie im vergangenen Monat das Galaxy Note 8 auf den Markt brachten. Zwar wurde hier die Akkulaufzeit nicht wirklich verlängert, aber immerhin wurde dafür gesorgt, dass die Probleme des Vorgängermodells Note 7S, das gerne mal in Flammen aufging, umgangen werden konnten.

    Doch auch die besten Produkte sind nach Jahrzehnten in der Mobile-Computing-Revolution noch relativ begrenzt in Sachen Ladung und Akkuleistung. Auch die Geräte von Apple sind innerhalb der letzten zehn Jahre nur mäßig fortgeschritten.

    Bislang konzentrierten sich die Hersteller eher auf die Verbesserung der Batterietechnologie und packten immer mehr Energie auf immer weniger Raum. Das Galaxy Note 7S schreckte durch seine Entflammbarkeit eher ab. So lernten die Hersteller ihre Lektion, wenn es um die Frage ging, was schief gehen kann, wenn die Akku-Energie als Wärme freigesetzt wird. Die Hersteller bemühen sich auch um die Verbesserung anderer mobiler Hardware, die Energie verbraucht – einschließlich Display, WiFi, GPS und Zentraleinheit (CPU). Die verbesserten CPUs und OLED-Bildschirme der neuen iPhones machen sie beispielsweise batteriefreundlicher.

    Ein Bereich, der erstaunlich wenig Beachtung gefunden hat, ist jedoch der Energieverbrauch von Software. Um genau zu sen, geht es um die Energie, die von der CPU verbraucht wird, wenn sie eine bestimmte Software ausführt. Weder Samsung noch Apple schienen mit ihren neuesten Entwicklungen sonderlich große Schritte in diese Richtung zu machen. Dieses Thema könnte jedoch einen großen Unterschied in der Frage ausmachen, wie lange wir unsere Geräte in Zukunft aufladen müssen.

    Softwareentwicklung auf einem neuen Level

    Vor Jahrzehnten, als Computer noch tausendmal langsamer waren, haben die Entwickler den Code mit der Hand nahezu perfekt abgestimmt, um jedes bisschen Leistung aus der Maschine herauszuholen. Aber weil auch die Software immer komplizierter geworden ist – dank neuer Funktionen, verbesserter Benutzererfahrung und so weiter – ist dies nicht mehr möglich.

    Die Softwareentwicklung ist nun sehr weit von dem einfachen binären Code entfernt, den die CPU ausführt. Entwickler verlassen sich auch auf Sammlungen mit bereits vorhandenem Code, weil es zu lange dauern würde, jede Anweisung von Grund auf neu zu erstellen. Beide Änderungen verringern den Aufwand und beschleunigen die Entwicklungszeit erheblich. Aber der finale Code enthält oft Teile, die in einer bestimmten Anwendung redundant sind. Oder aber er könnte mit effizienteren, maßgeschneiderten Segmenten verbessert werden.

    Diese Nachteile versuchen die Entwickler oft dadurch abzumildern, dass sie ihren Code so schnell wie möglich durchlaufen lassen. Was allerdings in der Theorie den Energieverbrauch reduziert. In der Praxis funktioniert das aber nicht immer, da manche Anleitungen mehr Prozessorleistung verbrauchen als andere und den Nutzen letztlich neutralisieren können. Daraus folgt, dass der Energieverbrauch der Software im Laufe der Jahre deutlich gestiegen ist. Niemand kümmerte sich darum, da die meisten Programme auf Maschinen liefen, die mit Netzstrom betrieben wurden. Dies hat sich geändert, seit wir immer mehr mobile Geräte nutzen. Gleichzeitig nimmt die Besorgnis über den Zusammenhang zwischen Stromverbrauch und Klimawandel zu.

    Die KIs werden es schaffen

    Es gibt noch einen weiteren Grund, warum die Entwickler dieses Problem nur langsam angegangen sind. Der Energieverbrauch von jeder Software war sehr schwer zu messen. Das liegt daran, dass die Konfiguration jedes Geräts unterschiedlich ist. Der Energieverbrauch kann sich ändern, je nachdem, ob ein Programm schon einmal gelaufen ist oder ob andere Programme laufen.

    In letzter Zeit gibt es jedoch Fortschritte. Sie verwenden maschinelles Lernen, um den Energieverbrauch einzuschätzen, indem sie bestimmte Codezeilen oder Softwarekomponenten analysieren und Energiedaten aus anderen Programmen, die auf vielen anderen Geräten ausgeführt werden, referenzieren. Wird dies erfolgreich ausgeführt, könnte der Computer, den schweren Teil der Arbeit erledigen. Er soll nach alternativen Programmen suchen, die die Software leistungsfähiger machen.

    Willkommen beim suchebasiertem Software-Engineering. Es funktioniert so einfach wie das Auffinden von redundanten Codes oder die Feinabstimmung der Konfiguration. Es kann sich auch auf den bestehenden Quellcode erstrecken. Unsere eigene Arbeit hat sich sowohl mit der Auswahl alternativer Softwarekomponenten aus bestehenden Sammlungen als auch mit der Generierung neuer Code-Stückchen beschäftigt. Wir haben es sogar geschafft, mehrere hundert Fehler in Hadoop, einem sehr weit verbreiteten Software-Framework, zu finden und zu reparieren.

    Wir haben die Vision, dass diese suchebasierten Methoden zur Verbesserung der Energieeffizienz in die sogenannte „Compiler“-Phase integriert wird, wenn Computercodes, die von Menschen stammen, in Nullen und Einsen umgewandelt werden und die die Maschine versteht. Diese Suchvorgänge würden automatisch ablaufen und Entwickler müssten nicht an sie denken – ihr Code wäre sofort effizient.

    Eines ist klar: Es liegt noch ein langer Weg vor uns.

    Die Hauptschwierigkeit besteht darin, den Energieverbrauch der Software richtig einzuschätzen, insbesondere für viele verschiedene Geräte gleichzeitig. Aber das Potenzial der nächsten fünf Jahre macht uns neugierig. Wir konnten eine Reduzierung des CPU-Energieverbrauchs um 40 Prozent bis sogar 70 Prozent für eine Reihe spezifischer Aufgaben aufzeigen. Und es ist nicht unvorstellbar, dass dies eines Tages über die gesamte laufende Software repliziert werden kann.

    In Kombination mit besseren Batterien und mehr Verbesserungen der Hardware-Leistung, wie beispielsweise Bildschirmen, die keine zusätzliche Energiequelle benötigen, könnten wir von gravierenden Verbesserungen der Akkulaufzeit sprechen. Die führenden Hersteller sprechen in Zukunft vielleicht nicht mehr von einer schrittweisen Verbesserung der Akkulaufzeit. Sie könnte sich auch schon bald um viele Stunden und vielleicht sogar Tage erhöhen.

    Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


    Image (adapted) „Battery“ by 3dman_eu (CC0 Public Domain)


    The Conversation

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    FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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    • NETZNEUTRALITÄT t3n: USA schaffen Netzneutralität ab: Auch die massiven Proteste haben nichts genützt, jetzt ist es beschlossene Sache: die Netzneutralität in den USA ist Geschichte. Mit drei zu zwei Stimmen hat die Federal Communications Commission der USA das Aus der Netzneutralität beschlossen. Erst 2015 wurden unter der Obama Regierung strikte Regeln für die Durchsetzung der Netzneutralität eingeführt. US-amerikanische Internet-Nutzer bangen jetzt um das freie Internet. Bereits Anfang des Jahres wurde der Schritt vom FCC-Vorsitzenden Ajit Pai – für das Amt von Donald Trump persönlich vorgeschlagen – angekündigt. Netzneutralität-Befürwörter fürchten jetzt ein Zwei-Klassen-Internet, die Gegner sehen allerdings keine Gefahr um ein freies Internet.

    • APPLE t-online: Apple kauft Musikerkennungs-App Shazam: Ihr mögt einen Song, wisst aber nicht wie er heißt – da kommt die App Shazam ins Spiel. Sie kann auf Knopfdruck erkennen, welcher Song zu hören ist. Mit der Musikerkennungs-App ist dem Konzern Apple jetzt eine wertvolle Übernahme gelungen. Rund 400 Millionen Dollar soll Apple für Shazam laut der Financial Times auf den Tisch gelegt haben. Das soll sich lohnen, denn durch die App verspricht sich Apple einen besseren Einblick auf den Musikgeschmack der User zu erlangen. Das macht Geschmacks orientiertes Marketing einfacher. Apple verspricht gemeinsame Pläne für die Zukunft und die hauseigene KI Siri greift bereits auf den Dienst zurück, wenn man sie nach einem Song fragt.

    • NETZDG handelsblatt: Angriff auf das Anti-Hass-Gesetz: Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz – kurz NetzDG – ist umstritten. Die Fraktionen der Linken, FDP und der AfD arbeiten derzeit deswegen an eigenen Gesetzentwürfen, um am NetzDG zu rütteln. Das Gesetz soll gegen Hass-Kommentare in sozialen Medien schützen. Nicht überraschend also, dass die AfD dies torpedieren möchte. Das NetzDG war erstmals zum 1. Oktober in Kraft getreten. Es verpflichtet Online-Netzwerke strafbare Inhalte umfassender zu bearbeiten und sie schneller zu löschen.

    • GOOGLE zeit: Danach haben die Deutschen 2017 gegoogelt: Das Ende des Jahres nähert sich mit schnellen Schritten und da bleiben diverse Jahresrückblicke auch nicht fern. Der global am häufigsten gegoogelte Suchbegriff war Hurrikan Irma. Was haben die deutschen im Jahr 2017 am häufigsten in die Suchmaschine eingetippt? Ganz vorne bei den beliebtesten Suchanfragen sind dabei der G20-Gipfel, Bitcoin, die Bundestagswahl und die erst am 1. Dezember stattgefundene WM-Auslosung. Im vergangenen Jahr waren EM 2016 und Pokémon Go die Suchbegriffe des Jahres.

    • NETFLIX welt: Dieser Deal ist eine Kampfansage an Netflix: Der Deal ist durch und das Timing könnte nicht besser sein! Der Unterhaltungskonzern Disney hat jetzt angekündigt große Teile des Medienkonzerns 21st Century Fox zu übernehmen. Der Mega-Deal beschert dem Konzern hinter der Maus nicht nur die Rechte an den X-Men, die durch Fox bisher aus dem Marvel-Filmuniversum ferngehalten wurden, sondern auch an Serien wie den Simpsons oder Modern Family. Vor allem kann der Schritt aber als indirekte Kampfansage an Netflix und Co. angesehen werden. Erstkürzlich verkündigte Disney die Pläne eines eigenen Streaming-Dienstes. Mit den diversen, nun eigenen Lizenzen würde der dann ernsthafte Konkurrenz für andere Anbieter darstellen.

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    Bundesinnenminister will Hintertüren in Smart-Devices

    Time traveler (adapted) (Image by Alessio Lin [CC0 Public Domain] via Unsplash)

    Die Diskussion um Hintertüren in Software geht weiter. Bundesinnenminister Thomas de Maizière von der CDU hat nun sogar eine Variante zur Diskussion gestellt, die weiter geht als die meisten bisher diskutierten Pläne. Der Minister fordert, dass neben Computern, Laptops und Mobilgeräten künftig sogar Smart-Devices wie Fernseher, Autos und Haushaltsgeräte mit Hintertüren für die Ermittlungsbehörden versehen werden. Das allerdings würde nicht nur die Bürgerrechte, sondern auch die Sicherheit der in Deutschland lebenden Menschen aufs Spiel setzen.

    Überwachung vernetzter Geräte

    Die Pläne des Bundesinnenministers gehen aus einer Beschlussvorlage des Bundes zur bevorstehenden Innenministerkonferenz in Leipzig hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland vorliegt. Der Antrag ist mit „Handlungsbedarf zur gesetzlichen Verpflichtung Dritter für Maßnahmen der verdeckten Informationserhebung nach §§ 100c und 100f StPO“ überschrieben. Im Rahmen der Kriminalitätsbekämpfung sollen dem Papier zufolge Überwachungsbefugnisse der Behörden dramatisch erweitert werden.

    Der wohl drastischste Plan zur umfassenden Überwachung: die Industrie soll verpflichtet werden können, Hintertüren für den behördlichen Zugriff einzubauen. In sämtliche technischen Geräte, vom Smartphone über den Fernseher bis hin zu intelligenten Küchengeräten.

    Hintertüren: Nicht nur für Behörden nutzbar

    Die Diskussion über Hintertüren in technischen Geräten ist keineswegs neu. Was sie allerdings auf jeden Fall ist: fehlgeleitet und gefährlich. Software-Hintertüren sind ein kaum zu kontrollierendes Überwachungswerkzeug, das an den privatesten Stellen unseres modernen, digitalisierten Lebens ansetzt. Außerdem sind sie eine Gefahr für unsere Sicherheit. Ist eine Hintertür einmal vorhanden, gibt es keinerlei Garantien, dass sie wirklich nur von den Behörden genutzt wird. Es ist nicht nur möglich, sondern erwiesenermaßen schon vorgekommen, dass Kriminelle behördliche Hintertüren für ihre eigenen Zwecke verwenden. Seien sie absichtlich eingebaut oder durch Programmierfehler entstanden, von den Behörden aber absichtlich geheimgehalten. So hatte etwa die Infektions-Welle mit dem Erpressungs-Trojaner WannaCry ihren Ursprung in einem Exploit aus dem Werkzeugkasten der NSA. 

    Verwundbare Infrastrukturen

    Dadurch, dass Thomas de Maizière seine Überwachungs-Ideen auf das Internet der Dinge ausbreitet, verschärft er noch die Gefährlichkeit behördlicher Hintertüren. Beinahe alle Aspekte unseres Alltags sind mittlerweile digitalisiert und vernetzt. Das bietet Chancen, ist aber auch mit erheblichen Risiken verbunden. Nie waren kritische Infrastrukturen so verwundbar wie heute.

    Durch den Einbau von Hintertüren, die auch von Kriminellen missbraucht werden könnten, wird das Risiko eines Angriffs auf vernetzte Geräte weiter erhöht. Es braucht nicht allzu viel Fantasie, sich vorzustellen, welche Folgen ein Hackerangriff auf unsere Autos, Router, Fernseher oder Haushaltsgeräte haben könnte.

    Dieses Szenario wird keineswegs weniger beunruhigend. Vor allem nicht, wenn man sich die typische Kompetenz deutscher Behörden im Bereich der IT-Sicherheit ins Gedächtnis ruft. Es sei an den allerersten „Bundestrojaner“ erinnert, bei dem nicht nur sämtliche rechtliche Vorgaben ignoriert, sondern auch eine Vielzahl peinlichster Schwachstellen und Programmierfehler eingebaut wurden. Dadurch wurden infizierte Rechner bedeutend anfälliger für Angriffe Dritter. Auch die neue IT-Behörde Zitis hat bislang wenig getan, um sich das Vertrauen der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger zu verdienen.

    Gefährlich und kurzsichtig

    Die Pläne des Bundesministers zu Hintertüren in Smart-Devices sind fehlgeleitet und extrem gefährlich. Das ist für jeden, der sich mit dem Thema IT-Sicherheit befasst problemlos erkennbar. Dass diese Pläne trotzdem ernsthaft auf der Innenministerkonferenz zur Diskussion gestellt werden, zeugt entweder von erschreckender Inkompetenz oder von noch weitaus erschreckender Gleichgültigkeit gegenüber den Gefahren des eigenen Handelns. Es bleibt zu hoffen, dass diese Pläne, wie die meisten, die in den vergangenen Jahren zum Thema Software-Hintertüren geschmiedet wurden, im Sande verlaufen.


    Image (adapted) „Time traveler“ by Alessio Lin (CC0 Public Domain)


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    Die dunkle Vergangenheit von Social Media

    Dunkelheit (adapted) (Image by KristopherK [CC0 Public Domain] via Pixabay)

    Im April des Jahres 2016 gab Facebook Gründer Mark Zuckerberg bekannt, dass die Social Media-Plattform seinen nahezu zwei Milliarden Benutzern die Möglichkeit des Livestreams von Inhalten zur Verfügung stellt. Dieser Schritt wurde als die natürliche Erweiterung der grundlegenden Ziele der Plattform betrachtet: Das Anbieten einer Plattform, auf der durchschnittliche Menschen ihre tagtäglichen Erfahrungen mit anderen teilen können – von Alltagserfahrungen bis hin zu bedeutsamen, einschlägigen Ereignissen.

    Beinahe genauso schnell fanden die Benutzer der Plattform einen Weg, auch die schlimmsten Vorfälle live im Netz zu verbreiten, darunter das sogenannte Easter Day Slaughter, bei dem die fatale Schießerei auf einen 74-jährigen Rentner live übertragen wurde.

    Als Resonanz forderten immer mehr Menschen Facebook dazu auf, das Anbieten des Livestreams zu beenden, oder wenigstens eine Möglichkeit zur besseren Überprüfung der Inhalte zu finden. Der Pastor Jesse Jackson merkte beispielsweise an, dass Facebook Live von den Menschen als Plattform genutzt wird, um ihre Wut, ihre Ängste und ihre Dummheit zu äußern.

    Viele haben wegen dieser Verhaltensweisen Facebook eine Schattenseite zugeschrieben und fordern, dass das Unternehmen nach einer Lösung zur Prävention derartigen gesellschaftsfeindlichen Verhaltens sucht. Doch schon ein flüchtiger Blick auf die Geschichte der Sozialen Medien zeigt, dass die Verhaltensweisen, die aus den Schattenseiten resultieren, weder einmalig in der Geschichte von Facebook sind, noch als etwas Neues von den heutigen Benutzern betrachtet werden.

    Eine dunkle Geschichte

    Die Dichterin und Technologieautorin Judy Malloy beschrieb die ältesten Vorgänger der Social Media Netzwerke als Orte der Kreativität und Gemeinschaft. Programme wie beispielsweise die Berkeley’s Community Memory boten den Benutzern der 1970er einen digitalen Ort, um Inhalte zu posten und Geschichten, die von der Community gelesen wurden, zu teilen. Beliebte Inhalte waren dabei unter anderem persönliche Anzeigen und Kurzgeschichten.

    Doch selbst diese friedvollen Tage hatten ihre dunklen Momente. Im Jahr 1985 schrieb die Autorin Van Gelder über ihre Erfahrungen mit dem CompurServe CB‘-Simulator einer der ersten online Chatrooms weltweit. Inmitten der beliebten Programme im CB-Simulator waren diese der Romantik und den Beziehungen gewidmet. Diese stoßen auf das besondere Interesse von LGBTQ-Menschen, denen es im Allgemeinen schwer fiel, über ihre geschlechtliche Identität und sexuellen Präferenzen im öffentlichen Raum zu sprechen. Während viele Nutzer auf der Suche nach der Liebe im Internet fündig wurden – 1991 wurde eine Hochzeit im CB-Simulator veranstaltet, bis heute gilt diese als die erste Online-Hochzeit – wurde Van Gelder getäuscht. Sie hatte eine intime, romantische Onlinebeziehung zu einem Mann, der sich als behinderte Frau ausgab.

    Geschichten von sexueller Aggression bekamen im Jahr 1998 einen noch negativeren Touch, als der Technikjournalist Julian Dibbell von einer sexuellen Nötigung, die auf einer textbasierten Onlineplattform namens LambdaMoo stattfand, berichtete. Die Vorstellung einer sexuellen Nötigung im Internet mag abwegig erscheinen, wenn man bedenkt, dass die Benutzer keinen körperlichen Kontakt zueinander haben. Und doch war es einem Nutzer namens ‚Mr. Bungle‘ möglich, das Programm zu hacken und infolgedessen die komplette Kontrolle über die Handlungen der anderen Nutzer zu übernehmen, wie deren Gespräche und Beschreibungen ihrer Handlungsschritte.

    Laut Dibbells Bericht benutzte ‚Mr. Bungle‘ diesen Hack, um die Nutzer zu veranlassen, obszöne Handlungen vorzunehmen und gewalttätige sexuelle Aktionen an ihren eigenen Körpern auszuführen. Die Benutzer der Plattform beschrieben auf welche Art und Weise sie sich und andere – ohne Erlaubnis – berührten. Mr. Bungle behauptete im Nachhinein, seine Aktionen seien lediglich ein Streich gewesen, trotz dem Beharren seiner Opfer darauf, dass sie durch seine Aktionen gedemütigt worden sind (oder zumindest durch die Aktionen die seine Opfer dazu gezwungen haben, sich vorzuführen). Die Geschichte ist denkwürdig angesichts der Tatsache, dass Beziehungen über das Internet genauso intim und wichtig sein können wie die Beziehungen außerhalb des Internets.

    Springt man ins Jahr 2006, gerät man schnell an die Geschichte von Evan Guttmann und dem gestohlenen ‚Motorola Sidekick‘-Handy seines Freundes, das die Internetnutzer von damals faszinierte. Zunächst fing alles als schlichter Blogeintrag über einen Jugendlichen an, der es ablehnte, das Handy an seinen rechtmäßigen Besitzer zurückzugeben. Zum Schluss mündete es in einen wachsenden Internetmob, bei dem die Leser von Evans Blog die Adresse des Jugendlichen aufspürten und dessen Familie schikanierten.

    Später im gleichen Jahr erfuhren die Nutzer der Plattform MySpace von der tragischen Geschichte der Megan Meier, einem Teenagermädchen aus Missouri, das sich das Leben nahm, nachdem sie von einem Jungen, den sie online kennengelernt hatte (es handelte sich um einen MySpace-Nutzer namens „Josh“), auf der Plattform gemobbt wurde. Erst nachdem Ermittlungen erfolgten, fand Megans Familie heraus, dass es sich bei „Josh“ tatsächlich um die Mutter eines Mädchens handelte, mit der Megan zuvor in einen Streit geraten war. Dieser Vorfall führte zum ersten Gesetzesentwurf in Bezug zum Onlinemobbing in den USA.

    Soziale Medien verstehen

    Diese Geschichten sind Beispiele dafür, was passieren kann, wenn einzelne Nutzer die Möglichkeiten zur Benutzung von moderner Technik entdecken: Man nutzt die Anonymität von CompuServe für Betrug, modifizierte mit cleveren Programmierungsskripten das Verhalten der anderen Nutzer, es wurden Blogs instrumentalisiert, um maximale Aufmerksamkeit auf ein geringes Vergehen zu lenken. Auch nutzt man Soziale Medien, um eine falsche Identität aufzubauen. In allen Fällen hatten die betrügerischen Aktionen dramatische Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen in deren realen Leben.

    Das Wichtigste ist, dass diese Geschichten als Beispiele dienen, wie besonders Facebook und auch andere soziale Medien im Allgemeinen aufzufassen und zu verstehen sind. Es ist wichtig, dass die Nutzer die Gleichwertigkeit der Moral sowohl in Bezug auf Facebook-Kommunikation als auch in Bezug auf zwischenmenschliche Kommunikation erkennen. Statt soziale Medien generell als sinnlos und ablenkend abzutun und diese Perspektive an unsere Kinder abzugeben, sollten sie eingestehen, dass die zwischenmenschliche Kommunikation online genauso bedeutsam ist wie offline.

    Berichterstatter haben die Livestreaming-Option von Facebook als „wesentlich grenzenloses Verbreitungssystem“ verflucht. Derartige Kritiken ignorieren jedoch die Vorteile dieser „grenzenlosen“ Verbreitung, wie das Vernetzen von Familien und die Möglichkeit, dass auch Stimmen von Verfolgten gehört werden können. Selbst Filmmaterial mit Gewalttaten kann zur richtigen Zeit von Vorteil sein: Die Facebook Live-Übertragung von der Schießerei in Minnesota im Juli 2016 diente als einflussreiche Mahnung, um auf soziale Ungerechtigkeit und Polizeiarbeit in den Vereinigten Staaten aufmerksam zu machen.

    Anti-Terror-Streitkräfte setzen auf soziale Medien, um terroristische Aktivitäten zurückzuverfolgen und besser nachvollziehen zu können. Um den Missbrauch von Livestreaming zu bekämpfen, hat Facebook kürzlich bekanntgegeben, 3.000 zusätzliche Monitore für die Kontrollierung der Livevideos einzusetzen. Jedoch liegt meiner Meinung nach die Verantwortung für den Inhalt in den sozialen Medien letztlich bei den Nutzern, die die Inhalte tagtäglich erstellen und sich auf der Plattform bewegen.

    Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


    Image (adapted) „Dunkelheit“ by KristopherK (CC0 Public Domain)


    The Conversation

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    • DARKNET wired: Revierkrieg im Darknet – Jemand greift die Schwarzmärkte an: Das Darknet steht unter Beschuss. Die IT-Forscherin Emily Wilson bemerkte jetzt eine Angriffswelle auf Märkte des Darknets und beobachtete, wie sich das Chaos ausbreitete. Betroffen sind der Handel mit Kinderpornographie, Daten- und Waffen und vor allem aber das Drogengeschäft. Die aktuellen Angriffe sind der bisherige Höhepunkt einer Reihe von DDoS-Attacken auf die Märkte.Jetzt wird nach Ursachen und vor allem Verantwortlichen gesucht. Am wahrscheinlichsten halten Experten derzeit eine Art Darknet-Revierkrieg.

    • STARTUPS gruenderszene: Wie zwei Startups die Bahn zur Pünktlichkeit erziehen wollen: Die Deutsche Bahn ist leider nicht dafür bekannt, besonders pünktlich zu sein. Zwei Startups aus dem Mindbox-Accelerator haben sich dieses Problems angenommen und wollen Verspätungen künftig vermeiden. Beim Mindbox Accelerator Programm können sich innovative Startups bewerben, um durch die Deutsche Bahn unterstützt zu werden. Das Startup Konux will Sensoren in Eisenbahn-Schwellen einbauen, um so Reperaturen voraussagen zu können und Verspätungen zu vermeiden. Das Berliner Startup Siut will lästige Verspätungen mit einer Fahrgast-Ampel umgehen.

    • NETZNEUTRALITÄT zeit: US-Behörde will offenbar Netzneutralität stark einschränken: Unter der Trump-Regierung haben schon so einige Regulierungen gelitten. Nun will der vom US-Präsidenten neu ernannte Präsident der US-Kommunikationsbehörde Obamas Regeln zur Netzneutralität abschaffen. Der Präsident der Federal Communications Commission, Ajit Pai, verkündigte in einem Statement im Dezember eine Neu-Abstimmung zum Entwurf „Anordnung zur Wiederherstellung der Freiheit im Internet“. Die aktuellen Regulierungen würden aus Sicht der Republikaner Innovation hemmen, wohingegen sich Demokraten weitesgehend für Netzneutralität und Regeln für ein freies Internet aussprechen.

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    • INTERNET süddeutsche: Der leise Internet-Revolutionär: Blaise Ndola hilft Kongolesen beim Start im Internet. Der 25-jährige Lehrer will Jugendlichen zeigen, wie sie einen Blog gestalten können – die digitale Revolution braucht ihn. Schon wieder bricht die Internetverbindung ab. Zehn Kursteilnehmer schauen auf ihre Bildschirme und hoffen, dass die Seite irgendwann lädt. „Willkommen im Ostkongo“, murmelt Blaise Ndola vor sich hin. Der 25 Jahre alte Lehrer für Online-Medien und Marketing will den Jugendlichen zeigen, wie sie einen Blog gestalten können. Sie arbeiten für eine Hilfsorganisation und sollen Teenager aufklären, damit sie Kondome benutzen.

    • IPHONE X applepiloten: iPhone X vorbestellen – 5 Tipps, wie ihr das neue iPhone schnell bekommt: Kurz nach der Präsentation des neuen iPhone X kam die Ernüchterung: Das revolutionäre Apple-Flaggschiff wird zunächst in geringer Stückzahl verfügbar sein. Bereits in den vergangenen Jahren herrschte nach der Präsentation neuer iPhones eine Knappheit innerhalb der ersten Wochen. Böse Zungen behaupten immer wieder, dass Apple diese Knappheit bewusst provoziert, um das Objekt der Begierde noch begehrenswerter zu machen. Zumindest für dieses Jahr sind allerdings konkrete Gründe und Informationen bekannt, warum Apple das neue iPhone X tatsächlich vorerst nicht in ausreichender Stückzahl produzieren kann. Wenn ihr das iPhone X vorbestellen wollt, geben wir euch Tipps an die Hand, wie ihr dabei erfolgreich vorgehen könnt.

    • GENTECHNIK heise: Gentechnik macht Früchte haltbarer: In den USA kommt demnächst eine Packung mit Apfelspalten auf den Markt, die erst in drei Wochen braun werden – ohne dass Konservierungsmittel notwendig wären. Die Arctic-Früchte wurden dazu genetisch verändert, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Die Äpfel sollen geschnitten in Tüten verkauft werden – und zwar in 400 Läden im Mittleren Westen der USA sowie im Süden Kaliforniens. Der Verkaufsstart ist der erste größere Test gentechnisch veränderter (Genetically Modified Organism, GMO) Lebensmittel seit den Neunzigerjahren, die den Endkunden direkt ansprechen sollen. Damals scheiterte eine langsam reifende Tomate namens Flavr Savr leidlich krachend. Seither konzentrierten sich die Biotechnikkonzerne vor allem auf GMO-Produkte, die Bauern helfen, ihre Ernte zu optimieren.

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    Breitband in der Altmark: Start-ups in die Pampa locken

    Cable (Image by Hans [CC0 Public Domain], via Pixabay

    Deutschland gehört bei Glasfaseranschlüssen zu den Schlusslichtern in Europa. Laut EU-Statistik liegt die Bundesrepublik auf dem fünften Platz von hinten (Stand: 2015). Das zu ändern, nehmen mittlerweile so einige Kommunen selbst in die Hand. So zum Beispiel in der Altmark im dünn besiedelten Norden von Sachsen-Anhalt. Andreas Brohm, Bürgermeister der Stadt Tangerhütte, unterstützt diese Initiative. „Wir bauen die Autobahn, die dann jeder nutzen kann. Es geht hier um Daseinsvorsorge.“

    Wir – das ist ein eigens dafür gegründeter Zweckverband, dessen Aufgabe darin besteht, das Verlegen der Glasfaserleitungen zu planen, zu finanzieren und zu koordinieren. Brohm sagt dazu: „Die bestehenden Technologien sind alle am ländlichen Raum vorbeigegangen. Die Frustration ist hoch.“ Das zeige schon das Beispiel, wenn es allein um Unternehmer gehe, die sich fragen müssten, zu welcher Tages- oder Nachtzeit ein Emailversand größerer Datenmengen am besten funktioniert. Tatsächlich hantieren viele mit einer Funklösung und versuchen, per LTE-Router das Nötigste abzudecken. An kollaboratives Arbeiten, Streaming oder Smart Services ist dabei gar nicht zu denken.

    Für Brohm ist Glasfaser-Internet auch ein Puzzlestein in seiner politischen Strategie, um die Landflucht zu stoppen – und noch ambitionierter sagt er: „Als ländliche Region will ich doch das Berliner Startup in die Pampa locken. Dafür brauche ich grenzenloses Internet.“ Die „Pampa“ ist in diesem Fall rund zwei Stunden Autofahrt von der Hauptstadt entfernt.

    Insgesamt 20 (Groß-)Gemeinden aus zwei Landkreisen tragen den gemeinsam gegründeten „Zweckverband Breitband Altmark“. Seit fünf Jahren werden die entsprechenden Pläne geschrieben, der Markt erkundet, Einwohner für die Glasfaser umworben. Mit der aufgesetzten Breitbandstrategie des Bundes sind nun die benötigten Fördermittel geflossen, um das 140-Millionen-Euro-Vorhaben auch in die Tat umzusetzen.

    Kommunen suchen nach Mitteln und Wegen

    Bernd Beckert, Innovationsforscher am Frauenhofer-Institut, sagt: „Das hat Pioniercharakter.“ Denn oft seien es gerade die Kommunen, die bei der Glasfaser vorangingen. „Der Schritt speist sich aus dem Versorgungsgedanken, dass Breitband genauso wichtig ist wie Wasser und Strom.“ Der sogenannte Digitalisierungsindikator 2017 des Frauenhofer-Instituts weist für den ländlichen Raum bei Geschwindigkeiten von 30 Mbit pro Sekunde eine Verfügbarkeit von gerade 36,4 Prozent der Haushalte aus.

    Wo jahrelang privatwirtschaftliche Investitionen der Telekommunikationsunternehmen wegen fehlender Rentabilität ausblieben, springen nun teils Bürgermeister und kommunale Unternehmen in die Bresche, wollen für leistungsfähige Anschlüsse bei den Einwohnern sorgen – und setzen dabei vermehrt auf Glasfaser. Laut Beckert gehen die Kommunen dabei in ganz unterschiedlichen Modellen vor, zum Beispiel durch kommunale Unternehmen als Träger, wie es etwa Stadtwerke sein können. In der Altmark nun ist es ein aus der Taufe gehobener Zweckverband, der die Infrastruktur schaffen soll.

    Konkurrenz zum „Vectoring“

    Das altmärkische Vorhaben geht mit einem finanziellen Risiko einher. Den Löwenanteil von 80 Millionen Euro muss der Verband trotz Förderung selbst aufbringen. Dafür müssen am Ende die Erlöse stimmen. Das Projekt wird gemeinsam mit der DNS:Net als Betreiber gestartet.

    Andreas Kluge ist Geschäftsführer des Zweckverbandes Breitband und zeigt sich optimistisch, dass die Refinanzierung gelingt. Die Finanzplanung sei solide. Kluge sagt, die Leute seien pro Zweckbverband eingestellt. 2018 nun soll gebuddelt und verlegt werden. Tatsächlich war der Verband zuletzt nicht davor gefeit, dass im Zuge der Planungen doch private Player auf den Markt drängen. „Wir dürfen Anbieter nicht blockieren.“ Kluge hofft, dass die konkrete Technologie bei den Nutzern langfristig das überzeugendere Argument sein wird.

    Ein Konkurrent wie die Telekom setzt vielfach eher auf so genanntes „Vectoring“, was zwar Glasfaser einsetzt, sich auf der so genannten „letzten Meile“ vom Verteilerkasten zur Wohnung jedoch nicht vom bisher verwendeten Kupfer löst. Beckert vom Frauenhofer Institut sagt: „Aus Innovationssicht ist Vectoring suboptimal, eine Brückentechnologie.“ Glasfaser eröffnet Geschwindigkeiten in den Gigabit-Bereich und lässt Kupfer damit weit hinter sich zurück.

    Initiativen wie in der Altmark könnten langfristig dafür sorgen, dass Deutschland beim Glasfaser-Ausbau im Ländervergleich aufschließt. Beckert ist auch Autor einer Studie der Bertelsmann-Stiftung über „Ausbaustrategien für Breitbandnetze in Europa“. Darin wird Deutschland im EU-Vergleich eine Glasfaser-Verfügbarkeit von bislang 6,6 Prozent bescheinigt. Der Weg ist noch steinig. Steht die Infrastruktur eines Anbieters oder einer Kommune, sagt Beckert, komme die nächste Herausforderung erst noch: nämlich das Angebot für die Nutzer auch auf lange Sicht attraktiv zu gestalten. Das Potential, das von Kommunen als Impulsgeber jedoch ausgehe, sei bemerkenswert. „Der Glasfaserausbau hat dadurch in Deutschland eine Dynamik bekommen – auch wenn das immer noch zu wenig ist, wenn man andere Länder betrachtet.“

    „Viele lernen von uns“

    Laut der Bertelsmann-Studie sind über ein entsprechendes Bundesprogramm allein bis Anfang 2017 viele hundert Projekte gefördert worden. Weiter heißt es dazu in der Studie: „Die meisten Förderungen betrafen Beratungsleistungen für die Kommunen, die detaillierte Businesspläne für einen möglichen Ausbau vorlegen müssen.“ Im Landkreis Emmendingen in Baden-Württemberg, im Landkreis Cham in Bayern oder in der Gemeinde Grevensmühlen in Mecklenburg-Vorpommern kam Glasfaser mit finanziellen Zuschüssen unter die Erde. Auch in Brandenburg gibt es Projekte, die voll auf Glasfaser setzen, und zwar ähnlich wie in der Altmark in Kooperation mit der DNS:Net als Betreiber. So zum Beispiel im Trebbiner Ortsteil Stangenhagen. „Im Zuge der Straßensanierung konnten dort 95 Prozent der Einwohner überzeugt werden, dass Glasfaser bis ins Haus eine sinnvolle Option ist“, heißt es dazu auf Anfrage bei der DNS.

    Nun soll der Ausbau in der Altmark bald vorangehen. Geschäftsführer Andreas Kluge sagt, inzwischen kämen im Wochentakt Anrufe aus anderen Landkreisen in Deutschland. „Viele lernen von uns.“


    Image (adapted) Kabel by Hans (CC0 Public Domain)


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    • BUNDESTAGSWAHL golem: Ein Hoffnungsschimmer für die Netzpolitik: Die Bundestagswahl ist vorbei und die Verhandlungen um mögliche Koalitionen sind im Gange. Nachdem die Debatte vor allem durch die Flüchtlingspolitik dominiert ist, bleibt es abzuwarten, wie es für die Netzpolitik weitergehen könnte. Da eine Jamaika-Koalition aber derzeit am wahrscheinlichsten ist – also CDU, FDP und die Grünen – besteht noch Hoffnung für Interessen rund um die Netzpolitik. Die Digitalisierung hat sich die FDP beispielsweise zum Schwerpunkt ihres Wahlkampfes gemacht. So wollen beide Parteien den Bundesanteil von 14,5 Prozent an der Deutschen Telekom verkaufen, um mit dem geschätzten Erlös von 10 Milliarden Euro den Ausbau des Glasfasernetzes zu finanzieren.

    • GOOGLE googlewatchblog: Überraschung bei Siri: Apple schmeißt Bing vom iPhone und verwendet ab sofort wieder Google: Überraschung bei Apple – die Suchmaschine Bing fliegt von den Smartphones und macht wieder Platz für Google, das schon auf dem ersten iPhone vorhanden war. 2013 musste die größte Suchmaschine erstmals dem Äquivalent von Microsoft weichen. Google wird also ab sofort die Standard-Suchmaschine auf Apple-Geräten, also auch Suchanfragen über Siri werden nun von Google bearbeitet. Damit stammen alle Fakten, Antworten, Suchergebnisse und natürlich auch die möglichen Werbeanzeigen wieder von Google, und nicht mehr von Microsoft. Eine Entscheidung, die vor allem auch mit Geld zu tun hat – erst vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass Google Apple drei Milliarden Dollar pro Jahr zahlt um die Standard-Suchmaschine auf dem iPhone zu bleiben.

    • INTERNET sueddeutsche: Das schnellste Unterseekabel der Welt ist verlegt: Microsoft und Facebook haben die Dinge in die eigenen Hände genommen und bauen das Internet unter dem Atlantik jetzt selbst. Das neue Kabel Marea soll die Zukunft sein. In einem Gemeinschafstunternehmen haben das Softwareunternehmen und das soziale Netzwerk jetzt mit dem spanischen Netzwerkspezialisten Telxius das bisher leistungsfähigste Seekabel verlegt. Das neue Kabel verbindet das spanische Bilbao mit Virginia Beach in den USA und verläuft damit auf einer bislang ungenutzten Route. Das Projekt soll ab Oktober den regulären Betrieb aufnehmen.

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    Wir brauchen das Digitalministerium für den großen Sprung #BTW17

    Flagge (adapted) (Image by karlherl [CC0 Public Domain] via Pixabay)

    Wir wollen, wir werden, es gilt, es muss, wir möchten, es soll. Die Inflation der Unverbindlichkeiten in der Politik der Bundesregierung zur digitalen Agenda hatte in den vergangenen vier Jahren Wackelpudding-Niveau.

    Mangels zentraler Zuständigkeit und politischem Nachdruck wird die Digitalisierung in den verschiedensten Ministerien nur mit minimaler Sauerstoffzufuhr versorgt. Im Tagesgeschäft blockiert man sich mit Ressort-Eitelkeiten. Jeder kocht sein eigenes Süppchen. Wird sich das ändern? Schaut man sich das Wahlprogramm der CDU an, kann das bezweifelt werden.

    „In den nächsten Jahren entscheidet sich, welche Länder bei der Digitalisierung erfolgreich und ganz vorne mit dabei sind. Dafür stellen wir die Weichen: Digitalisierung ist Chefsache. Deshalb wird im Bundeskanzleramt die Position eines ‚Staatsministers für Digitalpolitik’ neu geschaffen. Wir werden einen Kabinettsausschuss ‚Digitalpolitik’ einrichten, damit die Koordinierung zwischen den Ministerien weiter verbessert wird. Die Bundeskanzlerin wird einen ‚Nationalen Digitalrat’ berufen, der einen engen Austausch zwischen Politik und nationalen sowie internationalen Experten ermöglicht. Wir wollen, dass die klügsten Köpfe sich in den Dienst dieser Umgestaltung stellen“, heißt es hier.

    Laber-Rituale auf Staatsminister-Niveau

    Es geht wieder nur um interne Koordinierung, um Sitzungen, Konferenzen, Gremien und Posten – Laber-Rituale. Auf Bundesebene ist der Titel „Staatsminister“ eine auf Vorschlag des Bundeskanzlers oder der Bundeskanzlerin im Einvernehmen mit dem zuständigen Bundesminister vom Bundespräsidenten verliehene Bezeichnung, an einen parlamentarischen Staatssekretär des Bundes für die Dauer seines Amtsverhältnisses oder für die Wahrnehmung einer bestimmten Aufgabe, ohne dass damit eine größere Machtfülle verbunden wäre. Und bei den Etats sieht es wohl auch eher mager aus. Wie viel wird wohl in den Haushaltsplan eingestellt für den Breitband-Ausbau – ohne auf die ausbau-unwillige Telekom oder die Wettbewerber zu verweisen? Was im CDU-Programm steht, sind Placebo-Maßnahmen.

    Politik wird mit Etats gemacht

    Die Relevanz von politischen Themen lässt sich abmessen an den Finanzgrößen im Haushaltsplan der Bundesregierung. Mit Etats wird Politik gemacht. Internet Governance-Experte Professor Wolfgang Kleinwächter hält ein Digitalministerium für unwahrscheinlich. Sollte es funktionieren, wäre es ein Superministerium, das in Kernbereiche nahezu aller anderen Ministerien hineinregieren müsste. „Auch im Verteidigungs- und im Entwicklungshilfeministerium sind ‚Cyber’ und ‚Digital’ mittlerweile Führungsschwerpunkte. Sinnvoller wäre es, einen mit entsprechenden Kompetenzen ausgestatteten Internet-Koordinator im Bundeskanzleramt anzusiedeln – das geht in die Richtung des CDU-Vorschlags. Eine solche Koordinierung haben die Chinesen 2013 eingeführt, wo die sogenannte ‚Cyber Administration of China’ (CAC) als Scharnier zwischen dem Präsidenten und den einzelnen Ministerien fungiert.“

    Wir benötigen die Internet Plus-Schubkraft

    Ich schätze Kleinwächter sehr. Aber der Vergleich mit China hinkt. Entscheidend ist die KP China – der Regierungskoordinator hat nichts zu melden. Die Parteinormen regieren das Land. Und hier ist das Programm Internet Plus entscheidend beim Umbau des Landes. Was Kleinwächter und die Merkel-Partei ins Spiel bringen, ist nach Ansicht von Professor Tobias Kollmann vom Beirat „Junge Digitale Wirtschaft“ beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie eindeutig zu wenig. „Wir brauchen ein eigenständiges Digitalministerium, um das Tempo der Digitalisierung zu erhöhen. Zur Zeit laufen wir international hinterher. Wir müssen jetzt aber doppelt so schnell laufen, um wieder nach vorne zu kommen.“

    Gründung des Umweltministeriums war ein programmatisches Statement.

    Deshalb sei eine zentrale Kraft vonnöten, die dieses Thema mit den entsprechenden Budgets anzieht. Man dürfe sich nicht wieder in verschiedenen Ressorts verlieren. „Es dauert viel zu lange, in allen Ministerien die digitale Kompetenz auf der Arbeitsebene einzuziehen. Wir brauchen ein starkes Digitalministerium, das diese Misere beseitigt und eine eigene politische digitale Identität entwickelt. Die haben wir im Moment nicht. Wir haben auch keine zentrale Stimme in Brüssel zu dieser Thematik.“

    Kollmann vergleicht die Sogwirkung einer solchen Entscheidung mit der Schaffung des Umweltministeriums im Jahr 1986. Auch Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Ökologie sind Querschnittsthemen – von Verkehr, Bauen, Landwirtschaft, Wirtschaft bis Bildung. Als Klaus Töpfer sein Amt als Bundesumweltminister antrat, war das ein klares programmatisches Statement für die Relevanz des Umweltschutzes. „Wenn man sieht, was sich danach entwickelt hat und wie wichtig die Umweltpolitik geworden ist, dann war es auch eine richtige Entscheidung“, erläutert Kollmann im StudioZ-Interview auf der Kölner Fachmesse Zukunft Personal.

    Man müsse die Digitalisierung gleichberechtigt an den Kabinettstisch bekommen. „Ein Staatsminister darf zuhören, aber nicht viel entscheiden. Das ist zu wenig. In dieser Funktion wird mit einem überschaubaren Thema nur koordiniert. Deswegen hoffe ich inständig, dass man sich besinnt und das Thema größer denkt und den großen Sprung für eine große Vision wagt. Das geht nur aus einer Hand“, so Kollmann.

    Das Notiz-Amt findet vor allem den Vergleich mit dem Bundesumweltministerium einleuchtend. Die neue Bundesregierung sollte dem Rat von Kollmann folgen.


    Image (adapted) „Flagge“ by karlherl [CC0 Public Domain]


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    • DATENSCHUTZ netzpolitik: Ortstermin am Südkreuz: Die automatische Gesichtserkennung beginnt: Rund 300 Teilnehmer hatten sich dazu freiwillig im Vorfeld bereitgestellt, gestern startete die Aktion nun offiziell. Am Bahnhof Südkreuz in Berlin werden die Gesichter der Freiwilligen in einem Testlauf aufgezeichnet und ausgewertet. Grund der Aktion ist, dass neue Technologien zur Erkennung und Auswertung von biometrischen Gesichtsdaten getestet werden sollen. Laut einem Sprecher schienen die Teilnehmer jedoch nicht sonderlich bevölkerungsrepräsentativ ausgewählt worden zu sein.

    • IPHONE wired: Wie ein Entwickler zufällig über das neue iPhone stolperte: Für gewöhnlich hat ma frühestens zur offiziellen Keynote von Apple mit Neuigkeiten zu neuer Hardware zu rechnen. Dem Apple Entwickler Guilherme Rambo sind aber jetzt schon Details zum neuen iPhone 8 vor die Füße gefallen. In der von Apple veröffentlichten Firmware zum HomePod seien also detaillierte Aufzeichnungen zum neuen Smartphone, auch iPhone Pro genannt, vorhanden. Der größte Apple-Leak seit Jahren kommt also von Apple selbst!

    • BITCOIN businessinsider: Bitcoin splits in 2: Der Dienstagmorgen war die Deadline für Entscheider bei Bitcoin zu einer gemeinsamen Lösung einer vereinten Kryptowährung zu kommen. Diese Lösung wurde jedoch nicht gefunden und die digitale Währung hat sich nun offiziell zweigeteilt in Bitcoin und Bitcoin cash. Die Trennung ist das Resultat eines zweijährigen Streits über die Zukunft von Bitcoin. Für Bitcoinbesitzer heißt das erstmal, dass sie in den gleichen Betrag, über den sie bereits verfügen auch in Bitcoin cash geschenkt bekommen. Alles weitere bleibt abzuwarten.

    • INTERNET welt: Putin verschärft die Internetzensur in Russland: Die Staatliche Zensur des Internets schreitet in Russland weiterhin voran. Wladimir Putin verbietet nun die Nutzung von VPN-Diensten, Proxyservern und anyonymen Messengern. Solche Dienste wurden von russischen Nutzern oft genutzt, um die Zensur zu umgehen. Zum 1. November tritt das Verbot in Kraft und soll offiziell dazu dienen den Zugang zu „extremistischen Inhalten“ zu unterbinden. Ebenfalls müssen ab Januar 2018 sämtliche genutzten Messenger-Dienste mit einer Telefonnummer verknüpft sein, um eine eindeutige Identifizierung der Nutzer sicherzustellen.

    • SMARTPHONE t3n: Smartphone-Licht bei Nacht: So heftig wird dein Schlaf wirklich beeinflusst: Man checkt nochmal schnell seine Social Media Kanäle vor dem Schlafen oder hört einen Podcast zum Einschlafen – viele haben wahrscheinlich nachts das Smartphone neben sich liegen. Ein Forscherteam hat jetzt aber nachgewiesen, dass der Effekt des Blaulichts auf den gesunden Schlaf enorm ist. Das vor allem von LEDs, aber auch von der Sonne, ausgehende Blaulicht wirke sich laut des US-amerikanischen Studienteams also merklich auf die Schlafqualität aus. Wer aber vor dem Schlafen gehen trotzdem nicht aufs Smartphone verzichten kann, für den gibt es technische Helfer.

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    • ARBEITSRECHT sueddeutsche: Darf der Arbeitgeber die Tastatur überwachen?: Im Fall eines Webentwicklers wird nun vor dem Bundesarbeitsgericht verhandelt. Der Arbeitgeber hatte zuvor dem Arbeitnehmer nachweisen können, dass er auf der Arbeit ein Computerspiel programmiert hatte, weil alle Internetsuchen und Systemnutzungen aufgezeichnet und gespeichert wurden. Ist die Überwachung von diesen Daten durch den Arbeitgeber rechtens? Angekündigt wurde erst nur, dass die Internetsuchen gespeichert würden, nicht aber die Tastaturanschläge. Der Arbeitgeber argummentiert mit seinem Recht auf entsprechende Kontrollen, da Dienstcomputer nicht für Privates genutzt werden dürfen.

    • FLASH t3n: Gut so! Adobe gibt Beerdigungstermin für Flash bekannt: Nur noch bis 2020 soll das Browser-Plugin von Adobe auf dem Markt verteilt werden. Schon 2015 hat Adobe angekündigt an einer HTML-5 Alternative zu arbeiten. Vorausgegangen sind einige Sicherheitslücken. Apple habe auf seinen Geräten, in Bezug auf Nutzererfahrung, Akku und Sicherheit, den Flash Player nie unterstützt. Durch die Popularität der Geräte hat so auch der Player an Popularität verloren. Auch Browser haben Flash langsam ein Ende bereitet, indem sie den player nur starten, wenn er aktiv vom Nutzer angeschaltet wird.

    • DATENSCHUTZ spiegel: Europäischer Gerichtshof kippt geplantes Abkommen mit Kanada: Das Gesetz zum Austausch von Fluggastdaten wurde nun vom Europäischen Gerichtshof gestoppt. Mehrere in dem Abkommen genannte Bedingungen seien nicht mit Europäischen Grundrechten vereinbar. Das Abkommen sah vor Fluggastdaten, mitunter Name, Adresse oder weiteres, an andere Länder wie zum Beispiel Kanada weiterzugeben. Diese Daten könnten daraufhin bis zu fünd Jahre gespeichert werden. Der Gerichtshof kritisierte, dass dadurch das Grundrecht auf Achtung des Privatlebens eingeschränkt würde.

    • BILDUNG netzpolitik: Chaos macht Schule: Wie Hacker sich die Digitalbildung wünschen: Technik und Digitales wird in Gesellschaft und Arbeitsmarkt immer wichtiger. Deswegen fordert die Initiative „Chaos macht Schule“ mehr Aus- und Fortbildungen und Open Source als Bildungsstandard. Ziel der dezentralen Bildungsinitiative ist es, die Medienkompetenz und das Technikverständnis von Kindern und Jugendlichen zu stärken, ihren Spaß am Gerät zu fördern und über Risiken aufzuklären. Die Initiative ist der Meinung Kinder sollten die Technik, die sie täglich nutzen auch verstehen können.

    • FACEBOOK the verge: Facebook’s rumored smart speaker would be DOA: Facebook auch noch? Ein Report einer Digitalzeitung in den USA berichtete darüber, dass eine Forschungsgruppe an einem Smarten Lautsprecher arbeiten soll. Nachdem Konkurrenten Google und Amazon erfolgreich die ersten Sprachassistenten auf dem Markt etabliert werden gibt es gegenüber dem Vorhaben von Facebook einige Skepsis. Facebook hat einige Trends nicht erfolgreich umsetzen können, wie zum Beispiel das HTC First in 2013. Ein Grund könnte sein: Obwohl Nutzer Facebook gerne benutzen, haben sie kein Vertrauen in das Unternehmen. Und Ohne Nutzer könnte auch dieses Vorhaben von Facebook scheitern.

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    • HASS-POSTINGS t3n: Wer pöbelt, darf in den Medien namentlich genannt werden: Mit der hohen Popularität wächst auch die Notwendigkeit über den Umgang mit Hass-Postings zu entscheiden. Das Saarländische Oberlandesgericht hat nun entschieden, dass zum Zweck der Berichterstattung der Name des Beitragserstellers voll zitiert werden darf. Der Name sei im Internet öffentlich zugänglich und der Nutzer sei sich dem Hass-Postings bewusst gewesen. Die Entscheidung des OLG hob eine vorherige Entscheidung auf.

    • BROWSER heise: Ehemaliger Mozilla-Technikchef: „Chrome hat den Browser-Krieg gewonnen“: Googles Browser „Chrome“ hat mittlerweile den Großteil des Marktes eingenommen. 54 Prozent nutzen den Browser, Mozilla Firefox, ein ebenfalls populärer Wettbewerber erreicht nur 6 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr sind heute 22 Prozent weniger Firefox-Installationen aktiv, der Verlust beschleunige sich zunehmend. Diese Zahlen veröffentlichte der ehemalige Technikchef von Mozilla auf Github. Grund für den Rückgang der Aktiven Installationen von Firefox sei das aggressive Marketing und die Monopolstellung von Google. Mit wenig Aufwand kann das Unternehmen Aufmerksamkeit auf ihren Browser lenken.

    • STRAFE golem: Livestream-Mitschnitt des Stadtrats kostet 250.000 Euro: Auf den Mitschnitt und eine Weiterverwendung des Streams einer Stadtratssitzung des Stadtrats Schwerin steht nun eine hohe Geldstrafe, beschließt die Stadtvertretung. Beantragt wurde dieses Weiterverwendungsverbot da die Vertreter ihre Persönlichkeitsrechte verletzt sehen. Die Fraktionen erklärten, dass der Livestream weiterhin der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wird, aber die Aufzeichnung durch dritte zu weit gehe. Der Landesbeauftragte für Datenschutz- und Informationsfreiheit Mecklenburg-Vorpommern habe der neuen Regelung des Stadtrats zugestimmt.

    • WERBUNG horizont: Das Duopol: Welchen Einfluss haben Facebook und Google auf das internationale Werbegeschäft? Laut der Pivotal Research Group landen in den USA inzwischen 70 Prozent der digitalen Werbespendings bei Google und Facebook. Zahlen für Deutschland sind nicht bekannt. Die Tatsache, mit welcher Rasanz sich im digitalen Werbegeschäft ein Duopol zwischen den beiden Unternehmen etabliert hat, sollte eigentlich abschrecken. Die Stärke dieser Unternehemen liegt unter anderem auch in der großen Anzahl an Ressourcen und dem mittlerweile etablierten Prozess des Trackings.

    • SMART wired: Anybody Can Fire This ‚Locked‘ Smart Gun With $15 Worth of Magnets: Es schien wie ein Durchbruch im Bereich der Waffenkontrolle. In den USA hat das Unternehmen Armatix eine “Smart-Pistole” vorgestellt, die nur feuern kann, wenn der Schütze das passende Gegenstück – eine Uhr – am Arm trägt. Hacker haben nun einen Weg um die Sperre gefunden und gezeigt, dass die Technologie nicht so sicher ist. Die Verriegelung der Waffe kann durch einfache Magneten umgangen werden.

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