WLAN in Altersheimen sollte eine Gegebenheit sein!

Heutzutage ist es schwer, den Alltag ohne das Internet zu überstehen. Auch die älteren Generationen freunden sich immer mehr mit der Technik, Social Media und digitalen Tools an. So sind auch zahlreiche Senioren auf Plattformen wie Tik Tok oder Instagram vertreten. Aber auch die älteren Menschen, die ihr Leben nicht im Netz teilen, nutzen oft Messenger-Dienste, um mit der Familie in Kontakt zu bleiben. Für alle Aktivitäten im Netz braucht man allerdings einen Internetzugang und am besten WLAN. Mit dem Alter ist es allerdings nicht ungewöhnlich, dass die Großeltern in ein Altersheim kommen – doch nur mit Glück haben sie dort WLAN. In vielen Altersheimen wird das den Bewohnern nämlich nicht zur Verfügung gestellt.

Wir haben über das Thema Senioren und Technik in unserem Podcast Tech und Trara mit Dagmar Hirche gesprochen. Sie setzt sich mit ihrem Verein Wege aus der Einsamkeit e.V. dafür ein, Senioren im Umgang mit Technik zu schulen.

WLAN in Altersheimen – Der Stand der Dinge?

Laut dem Digitalverband Bitkom nutzen mittlerweile 47 Prozent der Menschen ab 65 Jahren ein internetfähiges Smartphone (Stand 2018). Die Verbraucher in den älteren Generationen nehmen stetig zu, denn in 2016 lag der Anteil erst bei 28 Prozent. Der Bedarf von WLAN ist also offensichtlich auch in den älteren Generationen vorhanden. Auch die Corona-Pandemie hat deutlich gezeigt, dass die älteren Menschen der Digitalisierung immer offener entgegenstehen. Bitkom startete im Juli 2020 eine Befragung mit 1000 Menschen, die 65 Jahre alt waren oder älter. 69 Prozent gaben an, dass die Digitalisierung als Chance anzusehen ist. Da es im Januar um die 64 Prozent waren, ist es natürlich kein unfassbar großer Aufschwung, aber dennoch eine beachtliche Menge, die man berücksichtigen sollte.

Das Problem: Viel zu wenig Altersheime bieten ihren Bewohnern den Zugang zu WLAN. Laut Schätzung soll in etwa ein Drittel der Altersheime kabelloses Internet bereitstellen. Das Käthe-Richter-Haus geht hier mit gutem Beispiel voran. Hier gibt es Senioren, wie Rosemarie Fischer (81) und Gisela Bossecker (95), die äußerst internetaffin sind (Stand 2019). Sie verschicken regelmäßig und problemlos Mails und Nachrichten oder spielen Spiele auf ihren Tablets. Auch Begriffe, wie z.B. Airdrop sind den beiden nicht fremd. Und mit dem Wissen sind sie selbstverständlich auch in den älteren Generationen nicht allein. Ganz kostenlos ist das WLAN allerdings nicht. Für 10 Euro können sich die Bewohner ein Ticket holen, mit dem sie dann unbegrenzt surfen können. Toll!

Wofür wird das WLAN im Altersheim genutzt? 

Senioren, die das Internet nutzen, nennt man Silver Surfer – das leitet sich, wie man vielleicht schon ahnen kann – von der Haarfarbe dieser Nutzer ab. So sagt auch Dagmar Hirche im Podcast, sie „versilbere das Netz“. Besagte Silver Surfer nutzen das Netz, genauso wie Rosemarie und und Gisela, sehr vielseitig. Auch sie nutzen oft das volle Programm und sind kaum von dem Nutzungsverhalten der Jüngeren zu unterscheiden. Die älteren Menschen schreiben fleißig Mails, (video-)chatten, betreiben Online Shopping, schauen sich Videos an, spielen Spiele oder Lesen auf ihren mobilen Geräten. Auch Facebook ist als Social Media-Plattform kein Fremdwort. Gerade in der jetzigen Situation – also mitten in der Corona-Pandemie – ist WLAN für diese Menschen unverzichtbar, um mit ihren Lieben zu kommunizieren, ohne dabei ein Risiko einzugehen. Und natürlich ist es ebenfalls praktisch für die Verwandten und Bekannten, die weiter entfernt wohnen.

Warum (würden) auch die Einrichtungen selbst vom WLAN profitieren?

Kabelloses Internet hat eine Menge Vorzüge – nicht nur für die Bewohner. Das WLAN würde die Einrichtung für potentielle Neuankömmlinge attraktiver machen und auch die Arbeit mit Demenzkranken könnte bedeutend verbessert werden. Hier gibt es für die Behandlung entsprechende Tablets, auf denen Kurzfilme, Reaktionsspiele, Gedichte und vieles mehr zur Verfügung stehen. Diese Anwendungen können den Patienten eine Freude bereiten oder sie auch an gewisse Dinge aus ihrer Vergangenheit erinnern. Auch der häufigere Kontakt mit den Angehörigen wird durch digitale Kanäle bedeutend erleichtert. Genauso bereichert die Nutzung von WLAN aber auch die Pfleger, denn die sammeln dadurch zahlreiche Anregungen, die ihre Arbeit noch effizienter und interessanter gestalten können.

Warum ist es ohne WLAN in Altersheimen so problematisch?

Kabelloses Internet ist etwas, das man mittlerweile an allen Orten verlangt und braucht. Wenn z.B. ein Hotel für den Urlaub gesucht wird, filtern die meisten Menschen direkt nach Unterkünften, die (kostenfreies) WLAN anbieten. Genauso wird auch in öffentlichen Räumen Zugang zum Internet erwartet. In Museen, in Restaurants und sogar in Zügen ist WLAN keine Seltenheit mehr. Somit wäre es doch eigentlich unfair, wenn die jetzigen und auch die zukünftigen Senioren auf die uneingeschränkte Nutzung vom Internet verzichten müssen.

Auch die „Generation Smartphone und Internet“ wird früher oder später auf andere angewiesen sein und möglicherweise in einem Altersheim unterkommen. Dann wird es schwierig, von seinen Gewohnheiten abzulassen. Folglich wäre es durchaus sinnvoll, das Bereitstellen von WLAN jetzt schon zu normalisieren.

In diesem Video spricht Christian Olding, ein Pastor, Klartext und zeigt auf, warum WLAN in Altersheimen eine Notwendigkeit und nicht zu unterschätzen ist. Es ist im Grunde sagt er all das, was ihr schon von uns in diesem Artikel erfahren konntet, nur kurz und knapp in einem Video verpackt: 

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Foto von © lordn via Adobe Stock

Yeu-Ching Chen

kann stolz behaupten, dass ihre längste Sprachnachricht 67 Minuten lang war, sie mal 53 Beiträge auf einmal in der Instagram-Story hatte und im Abitur den 1. Platz in der Kategorie „Handysüchtig“ gemacht hat. Aber auch im realen Leben schafft sie einiges. Sie unterstützt das netzpiloten-Team im Bereich Redaktion/Social Media. Geheime Quellen sagen „Das passt wie Arsch auf Eimer“, aber *pssscht* Top Secret!


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