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Stream Radar – Film & Doku Tipps im März

Die Mediatheken sind voll! Darum haben wir die besten kostenlosen Serien und Dokus herausgesucht, die du im März streamen kannst. Die Themenvielfalt reicht darin von ungewöhnlichen Arztserien über eine Recherche zu den größten Wirtschaftsprüferbanken und bis hin zu einer Reportage über Einsamkeit. Das zeigt dir wie jeden Monat neue Facetten der Welt und sorgt ganz nebenbei für Gesprächsstoff in der nächsten Mittagspause. Viel Spaß beim Streamen.

Dead End (Staffel 1)

Eigentlich wollte die Forensikerin Emma (Antje Traue) nur den 75. Geburtstag ihres Vaters (Michael Gwisdek) feiern. Doch in ihrer verschlafenen Heimatstadt gibt es plötzlich einen Toten nach dem anderen. Und einige sind keines natürlichen Todes gestorben – so wie von Emmas Vater Peter, dem örtlichen Leichenbeschauer, irrtümlich festgestellt. Weil der immer schusseliger wird und Emma zu allem Überfluss menschliche Knochen in seinem Kühlschrank findet, ist sie nicht nur als Tochter, sondern auch als kompetente Kollegin gefragt.

ZDFneo / Verfügbar bis 08.06. / Zur Serie

Neukölln Unlimited

Die Geschwister Lial, Hassan und Maradona wachsen in Berlin Neukölln auf. Ihre Jugend ist von der Leidenschaft für Breakdance und Musik, sowie vom Kampf ihrer Familie für ihr Bleiberecht geprägt. Seit 16 Jahren leben sie schon ohne sicheren Aufenthaltsstatus in Deutschland. Die Doku zeigt, wie sich die jungen Neuköllner behaupten und wovon sie träumen.

bpb / Dauerhaft verfügbar / Zur Doku

Charité (Staffel 2)

Neue Leute, neues Kapitel: In der zweiten Staffel wird die Medizingeschichte von 1943 bis 1945 beleuchtet, die eine höchst politische, aber ebenso perfide gut organisierte ist. Mit Jannik Schümann, Mala Emde, Ulrich Noethen und Hans Löw.

Das Erste / Verfügbar bis 18.04. / Zur Serie

Epidemie Einsamkeit

Immer mehr Menschen vereinsamen – trotz Internet und Großstädten. Denn gerade wegen der Vernetzung sind wir nicht mehr länger darauf angewiesen Familie und Freunde in der unmittelbaren Umgebung zu haben. Und so nehmen wir Jobs am anderen Ende des Landes an und finden uns plötzlich in einer völlig fremden Umgebung wieder. Einsamkeit kann nachweislich Schlafstörungen verursachen und in die Depression führen. Wie soll man aus diesem Teufelskreis ausbrechen?

3sat / Verfügbar bis 15.02.2024 / Zur Doku

Die Berater der Reichen und Mächtigen – Die Macht der „Big Four“

Die vier größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften erwirtschaften nicht nur selber 130 Milliarden Euro im Jahr, sie prüfen auch die Bilanzen nahezu aller multinationalen Konzerne. Ganz nebenbei helfen sie beim Finden von Steuerschlupflöchern. In einer umfangreichen Recherche wollen Reporter von WDR, NDR und Süddeutsche Zeitung herausfinden: Wie mächtig sind diese Beraterfirmen wirklich?

WDR / Dauerhaft verfügbar / Zur Doku

STREAM RADAR 02

Hard Sun (Staffel 1)

Nachdem die Londoner Polizisten Charlie (Jim Sturgess) und Elaine (Agyness Deyn) bei der Arbeit auf streng geheime Dokumente gestoßen sind, ändert sich mit einem Mal alles für die beiden. Denn nun werden sie vom Geheimdienst höchstpersönlich gejagt.

ZDF / Verfügbar bis 07.03. / Zur Serie

Blochin: Die Lebenden und die Toten

Blochin (Jürgen Vogel) heißt der Mann, der schon einmal für tot erklärt war und inzwischen gemeinsam mit Dominik Stötzner (Thomas Heinze) bei der Mordkommission 7 in Berlin arbeitet. Zwei Typen, die gegensätzlicher nicht sein könnten und dennoch zur Nähe gezwungen sind, da Blochin mit Dominiks Schwester angebandelt hat. Als ein neuer Fall ansteht, müssen die Ermittler mehr in Blochins krimineller Vergangenheit graben, als ihnen lieb ist.

ZDF / Verfügbar bis 07.04. / Zur Serie

Exit – Mein Weg aus dem Hass

Die norwegische Filmemacherin Karen Winther gehörte in ihrer Jugend erst einer linksextremen Gruppe an und war später sogar als Neonazi aktiv. Doch ihr gelang der Ausstieg aus dem extremistischen Milieu! Für ihre Dokumentation sprach sie mit Menschen überall auf der Welt, denen es ebenso gelungen ist ihre Radikalisierung hinter sich zu lassen – viele setzen sich heute zum Beispiel für Gewaltprävention ein.

Arte / Verfügbar bis 27.02. / Zur Doku

Das Märchen von der Inklusion

Inklusion ist, wenn jeder Mensch überall dabei sein kann – bei der Ausbildung, am Arbeitsplatz, beim Wohnen und in der Freizeit. Doch leider funktioniert der Alltag längst nicht so märchenhaft, wie man sich das wünschen würde. Das Radio-Bremen-Team begleitet z.B. die zehnjährige Nike mit Down-Syndrom, die in der Regelschule gehänselt wurde und nun wieder eine Förderschule besucht. Die Geschichten der Protagonisten zeigen, dass es längst kein Allheilmittel für Inklusion gibt und wir alle mehr dafür tun müssen.

Das Erste / Verfügbar bis 21.01.2020 / Zur Doku

Früher oder später

Wem gehört die Zukunft in Schönsee? Die Jungen verlassen das Dorf in der Oberpfalz und die Alten sterben. Wir lernen Ernst und Roswitha Schöfl kennen, die einen letzten Versuch unternehmen als Totengräber wenigstens davon zu profitieren. Der Höhepunkt der vier Kapitel (die sich an den Jahreszeiten orientieren), ist der Zuzug einer veganen Kommune, die das leere Hotel im Ort kauft.

BR / Verfügbar bis 28.02.2019 / Zur Doku-Reihe

STREAM RADAR 01

It’s a Free World

Drama von Ken Loach: Als die schlagfertige Angie (Kierston Wareing) ihren Job in einer Personalvermittlung verliert, gründet sie kurzerhand ihre eigene Agentur und steigt in das Geschäft mit Gastarbeitern aus Osteuropa ein. Zusammen mit ihrer Freundin Rose (Juliet Ellis) will sie den Einwanderern etwas zu tun geben – auch wenn sie dabei so manche Gesetze missachten.

Netzkino / Dauerhaft verfügbar / Zum Film

Labaule & Erben

Nach einer Idee von Harald Schmidt: Wolfram Labaule (Uwe Ochsenknecht) muss den Verlegerposten des elterlichen Zeitungsimperiums übernehmen, als sein Vater urplötzlich verstirbt. Völlig unvorbereitet muss er sich nun Vorwürfen über gefälschte Reportagen stellen, Intrigen im Haus abfedern und der allgemeinen Medienkrise trotzen. Mit dabei: Inka Friedrich, Irm Hermann, Lena Dörrie & Lukas Rüppel.

SWR / Verfügbar bis 27.06.2019 / Zur Miniserie

Eine Armlänge Welt

Dokumentarfilm von Susanne Bohlmann: Sven leidet am Usher-Syndrom, durch das er langsam seine Hör- und Sehsinne verliert. Seit 2010 ist er bereits vollkommen blind. Nur einen Traum möchte er sich unbedingt verwirklichen: einmal im Leben den 800km langen Jakobsweg zu laufen. Zusammen mit seiner Assistentin Taubblinden-Almuth macht er sich an die Planung, die allein zwei Jahre dauern soll. Auf dem Weg wechseln sich dann sieben Begleiterinnen dabei ab, sich um ihn zu kümmern.

ZDF/ Verfügbar bis 15.02.2019 / Zur Doku

Smart Cities – Nachhaltig leben in der Stadt

Schon heute lebt über die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten – bis 2050 werden noch einmal 2,5 Milliarden Menschen hinzu kommen. Dadurch nehmen nicht nur die Herausforderungen an Stadtplaner, Bürokratie und Verwaltung zu, sondern auch an die Lebensqualität selbst. Die Doku zeigt Positivbeispiele, wie diese Transformation gelingen kann.

ZDF / Verfügbar bis 17.11.2019 / Zu Doku

STREAM RADAR 12

Das Salz der Erde

Der Fotograf Sebastião Salgado hat auf allen Kontinenten die Spuren unserer sich wandelnden Welt und Menschheitsgeschichte dokumentiert. Der Film von Wim Wenders zeigt auf visuell höchst beeindruckende Weise das Leben und die Arbeit des Brasilianers.

SWR / Verfügbar bis 21.11.2019 / Zur Doku

Where to Invade Next

Was können die USA von anderen Ländern lernen? Michael Moore will es genau wissen und marschiert als Ein-Mann-Armee in Europa und Tunesien ein. Wo immer er seine US-Flagge in fremden Boden rammt, will er keine Territorien und Ölfelder erobern, sondern gute Ideen. Und zwar solche, mit denen Länder wie Deutschland, Frankreich und Italien gute Arbeits- und Lebensbedingungen für ihre Bürger geschaffen haben. Egal ob faire Löhne oder gesundes Schulessen, kostenlose Bildung oder menschenwürdige Gefängnisse: Michael Moore klaut alles, was er kriegen kann.

Arte / Verfügbar bis 09.02.2019 / Zur Doku

Die purpurnen Flüsse – Melodie des Todes (Staffel 1)

Vierteilige Krimi-Reihe in Spielfilmlänge: Kommissar Niémans (Olivier Marchal) und seine Kollegin Camille Delaunay (Erika Sainte) ermitteln in einem abgelegenen Kloster. Ein Mönch starb unter mysteriösen Umständen, und der Schlüssel zur Aufklärung liegt in seiner Handfläche.

ZDF / Verfügbar bis 03.02.2019 / Zur Serie

Precious – Das Leben ist kostbar

Ausgezeichnet mit zwei Oscars: Die 16-jährige Claireece „Precious“ Jones (Gabourey Sidibe) ist schwarz, fettleibig, ungebildet – und bereits zum zweiten Mal schwanger von ihrem eigenen Vater. Ihre einzige Zuflucht sind Tagträume von Reichtum und Glamour. Doch um wirklich etwas zu ändern, müsste sie erst einmal anfangen lesen und schreiben zu lernen. Nur von ihrer Mutter (Mo’Nique) darf sie auf keine Hilfe hoffen.

Watchbox / Dauerhaft verfügbar / Zum Film

Only Lovers Left Alive

Adam (Tom Hiddleston) ist ein depressiver Vampir in Detroit, der die Ewigkeiten auf Erden nur mit viel guter Musik und Kunst aushält. Als ihn aber nicht mal das richtig aufmuntert, muss seine Geliebte Eve (Tilda Swinton) von ihrem Wohnort Tanger zu ihm reisen. Mit ihr findet Adam wieder sein Gleichgewicht. Das ist jedoch nicht von Dauer – denn plötzlich taucht Eves Schwester (Mia Wasikowska) auf und bringt alles extrem durcheinander.

3sat / Verfügbar bis 17.10.2019 / Zum Film

STREAM RADAR 11

Das Hohe Haus – Bewährungsprobe für den Bundestag

Vor genau einem Jahr – am 24. Oktober 2017 – trat der neu gewählte Bundestag zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Erstmals mit vertreten: die AfD. Phoenix hat zu diesem Anlass einen Blick hinter die Kulissen der parlamentarischen Arbeit geworfen und zeigt, mit welchen Bewährungsproben die Demokratie dieser Tage zu kämpfen hat. Hat sich der Ton verändert? Wackeln etwa die Grundpfeiler unserer Republik? Unter dem gleichen Titel („Das Hohe Haus“) hat übrigens schon Roger Willemsen ein empfehlenswertes Buch über den Deutschen Bundestag geschrieben.

Phoenix/ Dauerhaft verfügbar / Zur Doku

Lammbock

Kai (Moritz Bleibtreu) und Stefan (Lucas Gregorowicz) bauen Marihuana an. Getarnt als Pizzalieferanten, verkaufen sie das Zeug, das sie auch selbst gern rauchen. Eigentlich läuft alles gut, aber Stefan beschleichen langsam Zweifel an seinem Lebensstil. Richtig schwierig wird alles aber erst, als Ungeziefer die Graspflanzen befällt. Jetzt brauchen sie Hilfe, die jedoch nicht leicht zu finden ist.

Tele5 / Verfügbar bis 05.11. / Zum Film

24 Hours – Two Sides of Crime (Staffel 1)

Die belgisch-deutsche Thriller-Serie beleuchtet eine Geiselnahme abwechselnd aus den Sichten innerhalb und außerhalb einer Bank. Drinnen sehen wir Geiselnehmer und Opfer, draußen Ermittler und Presse. Erst nach und nach setzt sich für den Zuschauer ein komplettes Bild der Ereignisse zusammen.

ZDF/ Verfügbar bis 17.05.2019/ Zur Serie

Ist es anstrengend, ein YouTube-Star zu sein?

Gesine Enwaldt ist 55 und kennt YouTube nur über ihre Kids. Doch sie weiß, dass Jugendliche heute davon träumen „YouTube-Star“ zu werden. Für das Recherche-Format STRG_F hat sie sich also gefragt, wie eigentlich die Arbeitsbedingungen für Leute wie Dagi Bee, LeFloid und Masha Sedgwick aussehen und wie anstrengend ihr Job wirklich ist.

STRG_F / Dauerhaft verfügbar / Zur Doku

Die Protokollantin (Staffel 1)

Freya (Iris Berben) hat vor elf Jahren ihre Tochter verloren, der Fall ist aber bis heute nicht richtig geklärt. Als der mutmaßliche Mörder aus dem Gefängnis entlassen werden soll und ihre Arbeit beim LKA Berlin ihr einen ganz ähnlichen Fall präsentiert, macht sich Freya selbst auf die Suche nach Antworten.

ZDF / Verfügbar bis 18.04.19 / Zur Serie


Foto-Credit: ZDF, Carolin Ubl, Indi Film

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Digitalpakt so gut wie beschlossen

Die damalige Bundesbildungsministerin Johanna Wanka kündigte im Oktober 2016 ein milliardenschweres Programm an. Schule soll endlich moderner werden, mit WLAN, neuen Computern und digitalen Lernmethoden der heutigen Zeit gerecht werden. Zweieinhalb Jahre später einigt sich der Vermittlungsausschuss von Bundesrat und Bundestag auf eine gemeinsame Formulierung zur Grundgesetzänderung, die diese wichtige Milliardenhilfe ermöglichen soll.

Das umfasst der Digitalpakt

Mit dem Digitalpakt soll der Bund die Länder mit fünf Milliarden Euro bei der Ausstattung der Schulen mit WLAN, Computern und digitalen Lerninhalten unterstützen. Da Bildung allerdings laut Grundgesetz Ländersache ist, ist für eine Förderung durch den Bund eine Änderung des Gesetzes nötig.

Kofinanzierung

Der ursprüngliche Ansatz schrieb eine 50:50-Finanzierung für Projekte vor. Länder sollten also selbst ebenfalls einen finanziellen Anteil in Höhe der Bundesförderung leisten. Stattdessen soll nun aber für jedes Projekt eine eigene Quote zwischen Bund und Länder festgelegt werden. Außerdem sieht die Verfassungsänderung schwächere Kontrollrechte des Bundes vor. Den vorigen Entwurf lehnten die Länder noch geschlossen ab, aus der Gefahr zu viele Kompetenzen an den Bund zu verlieren.

Personal für befristete Ausgaben

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Möglichkeit des Bundes, auch Finanzhilfen für Personal an Schulen zur Verfügung zu stellen. Damit lassen sich unter anderem Systemadministratoren für die Digitalisierung einstellen.

Geld auch für Nahverkehr und sozialer Wohnungsbau

Die Gesetzesänderung soll übrigens nicht nur der Bildung zu Gute kommen. Auch sozialer Wohnungsbau und der Nahverkehr können durch die Änderung vom Bund entsprechend unterstützt werden. Unter anderem plant man Pendler durch den Ausbau des regionalen Schienenverkehrs zu fördern.

Entscheidung schon am 15. März?

Der erzielte Kompromiss muss nun erst einmal von Bundestag und Bundesrat mit Zwei-Drittel-Mehrheit gebilligt werden. Die Gesetzesänderung könnte damit bereits bei der nächsten Sitzung der Länderkammer am 15. März entschieden werden.

Politiker zuversichtlich

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Schwesig, zeigte sich nach der nur 21-minütigen Sitzung erleichtert. Mit der Einigung sei es möglich, dass der Bund nicht nur stärker in Bildung, sondern auch in den sozialen Wohnungsbau investiert. SPD-Vorsitzende Andrea Nahles sprach von einer „sehr großen Annäherung“, die es im Vorfeld gegeben habe. „Ich bin da sehr zuversichtlich“. Auch Alexander Dobrindt, Vorsitzender der CSU-Landesgruppe teilt diese Einschätzung. „Man ist da auf der Zielgeraden“.


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Netzpiloten @hub.berlin

Die hub.Berlin und der Big.Data.AI Summit machen das Konferenz-beliebte Berlin am 10. und 11. April wieder zum Treffpunkt für Zukunftsarbeiter. Es geht wie immer um Technologie, Big Data, Startups und Gesellschaft. Wir Netzpiloten sind zum dritten Mal als Medienpartner mit dabei und freuen uns auf die Begegnung mit 1.000 Startups, 350 Speakern und zahlreichen Besuchern in der Station Berlin.

Welche Speaker werden da sein?

Zu den Speakern gehören unter anderem Sabine Bendiek, Vorsitzende der Geschäftsführung von Microsoft Germany. Auch Bitkom-Präsident und Beiratsvorsitender von FlixBus, Achim Berg, referiert auf der hub.Berlin. Startups werden auf den Bühnen unter anderem von Kitchen Stories-Gründerin Verena Hubertz und Dr. Anna Lukasson-Herzig von der visuellen Suchmaschine Nyris vertreten. Für wissenschaftliche Erkenntnisse sorgt außerdem Prof. Andreas Dengel vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI).

Welche Themen und Formate erwarten dich?

Diese Bühnen erwarten euch auf der hub.berlin:

  • Red Arena & Black Arena: Die großen Köpfe der Branche teilen ihre Visionen und Erfahrungen in Keynotes, Panels und Interviews auf den großen Bühnen der Red Arena und der Black Arena. Freut euch auf Impulse zu smarten Technologien, modernisierter Gesellschaft und weiteren, spannenden Themen.
  • Innovation Stage & Discovery Stage: Innovative Produkte und Best Practise der Digitalisierung findet ihr hier. Auf den beiden Bühnen gibt es unter anderem spannende Vorträge über digitale Transformation und neuste Trends.
  • Auf vier großen Bühnen geht es im Rahmen des parallel stattfindenden Big-Data.AI Summit rund um die KI-zentrierte Zukunft.

Darüber hinaus bietet die hub.berlin einen großen Ausstellungsbereich, Networking-Spaces, sowie das Digital Arts Lab, einen kreativen Spielplatz für Besucher und Kreative.

Und sonst noch?

Alle Tickets enthalten sowohl Zugang zur hub.berlin, als auch zum Big-Data.AI Summit. Die Tickets sind übertragbar oder nicht übertragbar (dann mit günstigerem Preis). Für den halben Preis gibt es zudem den Second Day Pass. Nur noch kurze Zeit profitiert ihr von den Early Bird-Preisen, bei denen ihr bis zu 30 Prozent spart.

Bitkom-Mitglieder erhalten über den Promo-Code „bitkom-special“ übrigens 20 Prozent Rabatt. Startups können sich außerdem für einen kostenlosen Startup Pass bewerben. 

 

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Netzpiloten @Medienforum Mittweida

Wir Netzpiloten sind schon seit Jahren Fans des Medienforum Mittweida! Am 19. und 20. November ist es wieder soweit und wir sind zum fünften Mal dabei, wenn Europas größter von Studenten organisierter Medienkongress an den Start geht. 

Die Panels mit Keynotes, Talks und Meet & Greet sind alle ohne Anmeldung kostenlos zugänglich. Für die begehrten Workshops, bei denen Teilnehmer wertvolle Tipps von Profis aus der Branche bekommen, ist jedoch eine Anmeldung notwendig. In der Recruiting Lounge können Teilnehmer Networking betreiben und bei namhaften Unternehmen der Medienbranche vorstellig werden. 

Welche Speaker werden da sein?

Als Referenten und Panel-Teilnehmer des Medienforums sind unter anderem der Youtuber und Fernsehmoderator Phillip Walulis und VBL-Vizemeister (FIFA 2018) Mirza Jahic eingeladen. Auch German Schulz, Leiter des Markenmanagements vom VFL Wolfsburg und Lasse Scharpen, Drehbuchautor von Dark 2 geben bestimmt spannende Einblicke in ihre Arbeit.

Welche Themen erwarten dich?

  • Content-Marketing im Sport
  • Deutsche und internationale Serienproduktionen
  • E-Gaming
  • Sounddesign
  • Satire
  • Postproduction
  • Medienpolitik

Und sonst noch?

Ihr wart noch nie beim Medienforum Mittweida? Dann schaut euch doch einfach den Aftermovie zur letztjährigen Veranstaltung an.

Falls ihr nicht vor Ort sein könnt, werden die Panels auch per Livestream auf dem Fernsehsender der Hochschule Mittweida gesendet und später auf dem YouTube-Kanal der Fakultät Medien zur Verfügung gestellt.

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FollowUs @Gamescom – Lesetipps aus Blogs & Mags

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    • Für uns Netzpiloten ist die Gamescom natürlich jedes Jahr ein wichtiger Stop-over. Unser Autor

Timo Brauer

    • war dieses Jahr für uns vorort (

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[UPDATE] Artikel 13: Kommt mit dem Upload-Filter das Ende vom Internet wie wir es kennen?

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Die Internet-Community ist mal wieder in Aufruhr. Kurz nach dem kuriosen Instagram-Werbe-Urteil bedroht die Reform Artikel 13 des EU Parlaments jetzt wohl das Internet so wie wir es bisher kannten. Doch worum genau geht es bei dem so genannten Upload-Filter?

Was ist Artikel 13 eigentlich?

Der Rechtsausschuss des EU-Parlaments, allen voran durch den CDU-Politiker Axel Voss, haben im Juni Artikel 13, den Upload-Filter, und Artikel 11, das Leistungsschutzrecht, beschlossen. Sprich, jede Art von Content, der ein Urheberrecht beinhalten kann, dürfte so nicht mehr hochgeladen werden. Damit soll die Nutzung geschützter Inhalte durch „Sharing Provider“ für Online-Content verhindert werden.

Einen ähnlichen Urheberrechts-Filter gibt es so beispielsweise schon auf der Video-Plattform Youtube. Upload-Plattformen aller Art, beispielsweise Instagram, Facebook und Co. würden bei der schieren Menge an täglich hochgeladenem Content gar nicht mit dem Überprüfen hinterherkommen. Als einzige Möglichkeit bliebe da das Blockieren. Viele sehen darin einen Verstoß gegen die Meinungsfreiheit, andere applaudieren dem Schutz des Urheberrechts. Aber ist so ein Beschluss im Internet der heutigen Zeit, das auf das veröffentlichen und teilen von Content basiert, denn vertretbar? Noch ist man sich uneinig.

Wer profitiert – wer verliert?

Der Upload-Filter steht heftig in der Kritik, im öffentlichen Diskurs ist von einer Zensurmaschine und dem Ende des freien Internets die Rede. Am Ende stellt sich beim Ganzen natürlich die Frage, wer denn schlussendlich davon profitiert. Die Urheberrechte-Inhaber sind in der Theorie diejenigen, die geschützt werden sollen, in der Praxis wird vermutet, dass wohl eher Rechtskanzleien Kasse machen werden. 

Indirekt profitieren können davon auch große Medienhäuser. Kleinere Publisher und Plattformen werden sich die Lizenzen für etliche Urheberrechte kaum leisten können und laufen so Gefahr, im Hintergrund zu verschwinden.

Was passiert jetzt?

Unter dem Hashtag #savetheinternet lassen Twitter-User derzeit die Tasten glühen. Die Petitions-Plattform Change.org hat außerdem eine Petitionen für eine Million Unterschriften gestartet und das Vorab-Ergebnis bereits dem EU-Parlament präsentiert. Zu welcher Entscheidung das EU-Parlament auch kommt, der 5. Juli 2018 wird wohl in die Geschichte des freien Internets eingehen.

UPDATE vom 5. Juli

Das EU-Parlament hat abgestimmt und die Stimmen sind ausgezählt! Dem umstrittenen Upload-Filter wurde vorerst eine, wenn auch knappe, Absage erteilt. Von 627 Abgeordneten stimmten 318 gegen Artikel 13 und 278 dafür, während sich 31 enthielten. Das Internet bleibt also vorerst „frei“.

 


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Das Ende des Börsenkapitalismus: Thomas Sattelberger über das Design von Ökologien

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Wer über Transformation redet, müsse sich auch selber ein Stück transformieren, so das Credo von Thomas Sattelberger in einer Paneldiskussion mit Heinrich Arnold, Chef der Telekom-Unternehmensberatung Detecon auf der Kölner Konferenz #NectAct2020.

Das gilt auch für die neue Phase des politisch Spätberufenen ehemaligen DAX-Vorstand, der mit Ende 60 in den Deutschen Bundestag eingezogen ist. Erste Erfahrung: „Das Politiksystem ist noch ein Stück hinterhältiger als das Konzernsystem“, so Sattelberger. Letztlich haben wohl alle großen Organisationen ihre Tücken – das gilt für Parteien, Fraktionen und auch Firmen.

Shenzhen in Deutschland

Das wichtigste Ziel von Sattelberger in den nächsten Jahren: Die Schaffung digitaler Sonderwirtschaftszonen. „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir Shenzhen in Deutschland brauchen. Der Fokus auf einzelne Startup-Unternehmen greift zu kurz.“

Das Gleiche gilt wohl auch für Hubs, Labs und sonstige kleinteilige Maßnahmen, um die Gründertätigkeit im digitalen Kontext in Schwung zu bringen. Nach den Zahlen der Kfw bewegen wir uns bei neuen Unternehmen von einem Negativrekord zum anderen. Und das liegt nicht nur an der guten Konjunktur.

„Wir brauchen kreative Ökologien, wo tradierte Firmen mit frischen und jungen Gründerinnen und Gründern zusammenkommen, wo Regelwerke im Arbeitsrecht, Baurecht und Verwaltungsrecht wegfallen, so dass man mit anderen Qualitäten auf der Grünen Wiese wieder Innovationen machen kann“, fordert Sattelberger.

Thermomix wiederholen?

Sollte man dabei dem amerikanischen Weg folgen, der global und zerstörerisch ausgerichtet sei, fragte Arnold in der Kölner Gesprächsrunde. Solle man dem chinesischen Modell folgen, der über Schutzmechanismen läuft? Oder gibt es einen europäischen Weg bei der digitalen Erweiterung des Existierenden? Könne man den Thermomix wiederholen, der eine Metamorphose hinlegte vom popligen Rührmixer zum cyber-physischen Alleskönner? Zur Zeit sieht es nicht danach aus.

„Das weltweit renommierteste Ranking, das des IMD in Lausanne, legt schonungslos offen: Bei Innovation fällt unser Land immer weiter zurück. Horst Seehofer würde sagen: Die Heimat bröckelt. 2014 lag die Innovationskraft dieser Heimat noch auf Platz 6 – heute auf Platz 13. Bei Digitalisierung gar auf Platz 17. Systematischer Sinkflug“, kritisiert Sattelberger. Deutschland laufe Gefahr, „bei Technologien wie Cloud Computing und Künstlicher Intelligenz massiv zurückzufallen“. Zudem hätten die USA und Japan bei den überlebenswichtigen transnationalen Patenten für Industrie 4.0 Deutschland abgehängt. „Im Exportanteil von Spitzentechnologie liegen Schweiz, USA, selbst Frankreich vorne. Deutschland hinkt inzwischen hinterher.“

Erfolgreiche Industrien aus der Kaiserzeit

Wir würden uns auf Industrien ausruhen, deren Ursprung in der Kaiserzeit liegt. Auch die Innovatorenquote im hochgelobten Mittelstand habe sich den vergangenen zehn Jahren fast halbiert. Dies gelte zwar nicht für die 1.600 Hidden Champions hierzulande. „Aber hunderttausende Mittelständler, oft Zulieferer im ländlichen Raum, leiden unter Fachkräftemangel, Digitalisierungsdefiziten, Investitionsschwäche“.

Immerhin bekenne sich die Große Koalition im Koalitionsvertrag zur Förderung von Sprunginnovation. Dies sei überfällig. Denn Deutschland laufe Gefahr, zur Werkbank des Silicon Valley zu verkümmern. 

Agentur für radikale Innovation

Sattelberger fordert eine Agentur für radikale Innovation, wie in der Schweiz, USA und China seit Jahrzehnten etabliert und innovative Freiheitszonen wie Sophia Antipolis in Südfrankreich: „Ich glaube an das Design von Ökologien. Es gibt wunderbare Untersuchungen, warum die Regionalförderung im Silicon Valley funktionierte und beim Projekt Route 128 scheiterte. Letzteres war vertikal und zentralistisch durchorganisiert. Es gab keine Kooperationen und keine Netzwerkstrukturen. Im Silicon Valley ist sind die Sprungkräfte über Netzwerk-Ökologien ausgelöst worden“, erläutert Sattelberger. Alles nachzulesen im Opus von Annalee Saxenian „Regional Advantage – Culture and Competition in Silicon Valley an Route 128“. [PDF]

Company Rebuilding vonnöten

Das von Detecon auf die Tagesordnung gebrachte Thema Company Rebuilding sei nicht nur für große Organisationen relevant. Das gelte auch für die mittelständisch geprägte Optikindustrie in Oldenburg, für die Feinmechanik im Schwarzwald oder für die Medizintechnik in Tuttlingen. Wenn diese Regionen sich nicht in kreative Ökologien weiterentwickeln, werden diese Unternehmen nicht überleben, meint der FDP-Politiker. Gefragt sei ein Talentmagnetismus, menschliche Begegnungsmöglichkeiten und nicht die einseitige Fixierung auf einzelne Unternehmen. Fragwürdig seien auch die Ausgründungen, die von Siemens und Bayer betrieben werden.

„Man bringt sie an die Börse und steuert sie nach der Quartalslogik des Finanzmarktes. Damit nimmt man diesen Firmen die Chance, exponentiell zu wachsen“, warnt Sattelberger. Persönlich ist er davon überzeugt, dass das Ende des Börsenkapitalismus eingeleitet sei. Wer ein junges Unternehmen an die Börse bringe, versündigt sich an der Gestaltungskraft dieses Unternehmens.

Das Notiz-Amt wartet gespannt auf die Sonderwirtschaftszonen und auf das Ende des Börsenkapitalismus :-)

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Die Debatte um Geo-Engineering geht uns alle an

White and Blue (adapted) (Image by Willian Justen de Vasconcellos [CC0 Public Domain] via Unsplash)

Es besteht die Möglichkeit, dass wir ein System entwickeln müssen, um gegen die globale Erwärmung anzugehen – und zwar schnell. Das mag wie eine verrückte Idee erscheinen. Allerdings sind mehr als 250 andere Wissenschaftler, Politiker und Interessenvertreter aus aller Welt, unter ihnen auch ich, kürzlich nach Berlin gekommen. Hier wurde über die Versprechungen und Gefahren des Geo-Engineerings diskutiert.

Es gibt viele mögliche Methoden, um das Klima zu gestalten. Ein paar frühe, jedoch eher absurde Ideen waren die Installation eines „Space Sunshade“: ein massiver Spiegel, der die Erde umkreist, um Sonnenlicht zu reflektieren. Die Ideen, die heute am meisten diskutiert werden, sind vielleicht nicht viel realistischer. Partikel in die Stratosphäre sprühen, um Sonnenlicht zu reflektieren, oder die Ozeane mit Eisen befruchten, um Algenwachstum und Kohlendioxidbindung durch Photosynthese zu fördern.

Doch seit dem Pariser Abkommen ist die Aussicht auf Geo-Engineering wesentlich realistischer geworden. Das Pariser Abkommen von 2015 verpflichtete sich nahezu universell und rechtlich verbindlich, den Anstieg der globalen Temperatur auf deutlich unter 2 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau zu halten und sogar den Anstieg auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) kommt zu dem Schluss, dass diese Ziele erreicht werden können. Doch fast alle Szenarien stützen sich auf den umfassenden Einsatz von Geo-Engineering bis zum Ende des Jahrhunderts.

Das Klima gestalten

Geo-Engineering gibt es in zwei verschiedenen Ausformungen. Die erste ist die Beseitigung von Treibhausgasen. Jene Ideen, die darauf abzielen, Kohlendioxid und andere Treibhausgase aus der Atmosphäre zu entfernen und zu speichern. Die zweite ist die Beeinflussung der Sonneneinstrahlung. Die Idee dahinter ist, dass man versuchen würde, eine gewisse Menge an Sonnenlicht von der Erde wegzureflektieren.

Die Beeinflussung der Sonneneinstrahlung ist umstritten. Hier wird bisher nichts unternommen, um die Ursache des Klimawandels – die Treibhausgasemissionen – zu bekämpfen. Außerdem wirft es eine ganze Menge Bedenken über unerwünschte Nebenwirkungen wie Veränderungen des regionalen Wetterverhaltens auf.

Und dann gibt es noch das so genannte „Beendigungsproblem“. Wenn wir das Klima irgendwann nicht mehr beeinflussen würden, würde die Temperatur weltweit plötzlich wieder auf das Level zurückkehren, wo sie ohne diese Beeinflussung gewesen wäre. Und wenn wir nicht gleichzeitig die Emissionen verringert hätten, würde dies einen starken und plötzlichen Anstieg bedeuten.

Die meisten Klimamodelle, die die Ziele des Pariser Abkommens erreichen, gehen davon aus, dass die Beseitigung von Treibhausgasen, insbesondere Bioenergie und CO2-Abtrennung und -Lagerungstechnologie, genutzt werden. Wie die jüngste Konferenz jedoch gezeigt hat, gibt es trotz der Tatsache, dass die Forschung auf diesem Gebiet immer mehr an Boden gewinnt, eine gefährliche Kluft zwischen dem derzeitigen Stand der Technik und der Durchführbarkeit des Pariser Abkommens über den Klimawandel.

Das Pariser Abkommen – und seine implizite Abhängigkeit von der Beseitigung von Treibhausgasen – ist zweifellos eine der bedeutendsten Entwicklungen auf dem Gebiet des Geo-Engineering seit der letzten Konferenz seiner Art im Jahr 2014. Damit verlagerte sich der Schwerpunkt der Konferenz weg von der umstrittenen und aufmerksamkeitsstarken Beeinflussung der Sonneneinstrahlung hin zu einer banaleren, aber politisch relevanteren Treibhausgasentsorgung.

Umstrittene Experimente

Aber es gab Momente, in denen die Sonnenlicht reflektierende Methoden noch immer allen die Show stahlen. Ein Kernstück der Konferenz war ein Talk, bei dem David Keith und seine Kollegen vom Harvard University Solar Geoengineering Research Programme ihre Experimentierpläne vorstellten. Ziel ist es, ein Instrumentenpaket mit einem Höhenballon auf eine Höhe von 20 Kilometer zu heben und eine kleine Menge reflektierender Partikel in die Atmosphäre abzugeben.

Dies wäre nicht das erste Geo-Engineering-Experiment. Wissenschaftler, Ingenieure und Unternehmer experimentieren bereits mit verschiedenen Ideen, von denen einige in der Öffentlichkeit auf großes Interesse gestoßen sind. Es hat aber auch Kontroversen gegeben. Ein besonders bemerkenswerter Fall war ein britisches Projekt, bei dem im Jahr 2013 aufgrund von Bedenken über das geistige Eigentum die Ausführung gestrichen wurden. Der Plan war, in einer Höhe von einem Kilometer über dem Boden eine kleine Menge Wasser in die Atmosphäre abzugeben, indem man ein Rohr benutzt, das mit einem Ballon verbunden ist.

Solche Experimente sind unerlässlich, wenn Geo-Engineering-Ideen jemals zu technisch tragfähigen Beiträgen beitragen sollen, mit denen die Ziele des Pariser Abkommens erreicht werden sollen. Aber es ist die Steuerung von Experimenten, nicht ihre technischen Qualifikationen, die immer schon das umstrittenste Feld der Geo-Engineering-Debatte war und ist.

Kritiker warnten, dass das Harvard-Experiment ein Dammbruchargument in Richtung eines unerwünschten Aufmarsches sein könnte. Deshalb müsse es zurückgehalten werden. Die Befürworter argumentierten jedoch, dass die Technologie erst entwickelt werden müsse, bevor wir wissen könnten, was wir zu regieren versuchen.

Die Herausforderung für die Governance besteht nicht darin, eines dieser beiden Extreme zu unterstützen. Vielmehr muss ein verantwortungsvoller Weg zwischen ihnen gefunden werden.

Wie regieren?

Der Schlüssel zu einer verantwortungsbewussten Steuerung von Geo-Engineering-Experimenten liegt in der Berücksichtigung öffentlicher Interessen und Anliegen. Geo-Engineering-Experimentatoren, oder jene, die es gerne wären, einschließlich jener in Harvard, versuchen routinemäßig, diese Interessen zu erklären. Hier appelieren sie an ihre Experimente, die von einem kleinen Maßstab und einem begrenzten Umfang sind. Doch wie ich bereits auf der Konferenz argumentiert habe, war in öffentlichen Diskussionen über den Umfang und das Ausmaß von Geo-Engineering-Experimenten ihre Bedeutung immer subjektiv und durch andere Anliegen qualifiziert.

Meine Kollegen und ich haben festgestellt, dass die Öffentlichkeit mindestens vier Hauptanliegen an Geo-Engineering-Experimenten hat. Ihren Grad der Eindämmung, die Unsicherheit darüber, was die Ergebnisse sein würden, die Rückführbarkeit der Auswirkungen und die Absicht dahinter. Ein Versuch, der sich nur in Innenräumen abspielt, könnte daher als unannehmbar angesehen werden, zum Beispiel, wenn er Bedenken in Bezug auf private Interessen hervorruft. Andererseits könnte ein Großversuch im Freien akzeptabel sein, wenn er keine Stoffe in die Umwelt freisetzt.

Unter bestimmten Bedingungen konnten die vier Dimensionen ausgerichtet werden. Die Herausforderung für die Governance besteht darin, diese und wahrscheinlich auch andere Dimensionen der Beherrschbarkeit zu berücksichtigen. Das bedeutet, dass die Beteiligung der Öffentlichkeit an der Gestaltung der Governance selbst im Mittelpunkt der Entwicklung von Geo-Engineering-Experimenten stehen muss.

Es stehen eine ganze Reihe von Methoden des wechselseitigen Dialogs zur Verfügung – Fokusgruppen, Bürgerjurys, Beratungsworkshops und viele andere mehr. Und für diejenigen, die außerhalb der formalen Einbindung in solche Prozesse stehen: Lesen und sprechen Sie viel mehr über Geo-Engineering. Wir müssen einen gesellschaftlichen Dialog darüber beginnen, wie wir solche umstrittenen Technologien beherrschen können.

Die öffentlichen Interessen und Anliegen müssen schon im Vorfeld eines Experiments herausgearbeitet werden. Die Ergebnisse müssen dazu genutzt werden, die Art und Weise, wie wir es regeln, sinnvoll zu gestalten. Dadurch wird das Experiment nicht nur legitimer, sondern auch wesentlich besser.

Sie sollten nicht in die Falle tappen. Es werden Experimente nötig sein, wenn wir den Ideenwert von Geo-Engineering erlernen wollen. Aber dies kann nur geschehen, wenn im Kern die öffentlichen Werte enthalten sind.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „White and Blue…“ by Willian Justen de Vasconcellos (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Digitalisierung und Wertesplit: An welche Zukunft glaubst du?

Spaltung (Image adapted by Pablo Heimplatz [CC0 Public Domain] via Unsplah

Ruhe sanft, öffentlicher Diskurs, du warst der größte Gastgeber aller Zeiten, hattest immer Platz an deinem Tisch, warst für lebhafte Abendessen oder Kneipenbesuche stets zu haben, konntest Kampf sein und Spiel, aber auch Heimat und Ziel.“

So schön verabschiedet sich Juli Zeh in ihrem aktuellen Buch „Leere Herzen“ von dem öffentlichen Diskurs. Fragt man die Schriftstellerin und Juristin, wer Schuld an der oben genannten Entwicklung haben könnte, so sind es ihrer Meinung nach: wir alle. Auch die Bundestagswahlen waren für sie ein Beispiel dafür, dass wir heutzutage an den wichtigen Fragen vorbeireden. Wofür stehen wir als Menschen noch? – diese Frage steht in dem Politthriller im Vordergrund. Doch wie realistisch ist so ein Zukunftsszenario wohl?

Daniel Dettling ist der Meinung, dass die Deutschen in zwei unterschiedlichen Wertewelten leben. In einem Kommentar zur Bundestagswahl schreibt er: Studien zufolge sind 20 Prozent der Deutschen weltoffen und sprechen sich für Zuwanderung und Freihandel aus. Exakt so viele setzten auch auf Kooperation, Konnektivität und Kommunikation in Zukunft – jeder Zehnte lehnt jedoch Freihandel und Flüchtlinge ab. Das bedeutet: Zwei Drittel (70 Prozent) der Deutschen sind orientierungslos. Dettling glaubt, dass die Parteien die Angst vor der Zukunft geschürt haben: „So wenig Zukunft war selten in einem politischen Ideenwettbewerb.

Der Verlust der geteilten Öffentlichkeit

Technologischer Wandel bringt auch immer einen gesellschaftlichen mit sich. Manch einer, wie der Philosoph David Richard Precht, mag sogar behauptet haben, es sei der einzige Wandel, der unaufhaltsam ist. Der Wertewandel, den wir heute erleben, ist anders als je zuvor – denn er wird maßgeblich von der Digitalisierung beeinflusst. 

So erlauben die digitalen Medien eine noch nie dagewesene Meinungsvielfalt und punktuelle Vernetzung, bedrohen jedoch gleichzeitig die geteilte Öffentlichkeit. Denn nach der Philosophin Susanne Hahn sind die Menschen nicht mehr auf die öffentlichen Medien angewiesen. Vielmehr finden sie sich in Communities zusammen und tauschen dort Informationen aus. 

Was damit anhergeht, ist die Gefahr, sich eine persönliche, wasserdichte „Filterblase“ im Netz aufzubauen – man hört nur noch das, was durch den Filter dringt und die Nutzer-Algorithmen je nach Mindset erlauben. Diese Blase erlaubt es nicht, dass die eigene Identität mit anderen Wertewelten konfrontiert und das eigene Mindset weiterentwickelt oder hinterfragt wird. Zudem stellt diese Entwicklungen auch einen Verlust „längerfristigen Bindungen“ dar: Dies kann zu einem Problem für das Gesamtgefüge der Gesellschaft werden, wenn es um Mitwirkung und Respekt geht.

Der Werte-Split der Deutschen

Die Studie „Next Germany“ hat es sich zur Aufgabe gemacht die Wertelandschaft Deutschlands aufzuzeichnen. So kristallisieren sich aus ihren Datenerhebungen zwei kulturelle Wertewelten heraus, die Definitionen lauten folgendermaßen:  

  • Die Gruppe der „starken Gemeinschaft“: Sie wird von Schlagwörtern wie Kooperation, Zusammenhalt und Zukunftshoffnung beschrieben. Menschen mit geringer Bildung sind leicht überrepräsentiert.
  • Die Gruppe der „starken Individuen“: Sie wird von Schlagwörtern wie individuelle Leistung, Wettbewerb, vielen Zukunftsperspektiven beschrieben, denken jedoch in individuellen Kategorien. Menschen mit höherem Einkommen sind in dieser Gruppe leicht überrepräsentiert.

Um zu sehen, welcher Kategorie man angehört, kann man hier den Test machen. Die Datenanalyse der Studie zeigt somit auf, dass Deutschland tief gespalten ist – gleichzeitig wollen die Menschen jedoch auch einen Paradigmenwechsel in Form einer umfassenden Transformation der Gesellschaft und des Lebens. Nach Christian Schuldt muss eine neue Zukunftserzählung her, die eine überzeugende Alternative zu den unterkomplexen „rechten“ oder „linken“ Utopien darstellt. So zeigen die Auswertungen, dass wir als Gesellschaft eine neue Position des „progressiven Wir“ anstreben: Eine Position, die Gemeinschaft will, dafür jedoch auch die Stärke des Einzelnen nutzt. Fakt ist, dass dafür jedoch erst ein neues Mindset entwickelt werden muss.

Dass diese Annahme nicht nur von Datenanalysen getragen wird, zeigt zum Beispiel auch das jüngste Buch des Ökonomen Jeremy Rifkin „Null-Grenzkosten-Gesellschaft“, das von Optimismus nur so strotzt: Hier vertritt Rifkin die Meinung, dass der Kapitalismus, der nur von Effizienz bestimmt ist, an seinen Gegensätzlichkeiten scheitern und von einer gemeinwohlorientierten Gesellschaft ersetzt werden wird. Rifkins Vision ist eine neue und nachhaltige Form der Lebensqualität und eine Besinnung auf das Gemeinsame und das Teilen in der Gesellschaft. Und wie soll das Ganze jetzt genau gehen?

Ein Weg in die Wir-Gesellschaft

Nach Daniel Dettling ist nun vor allem emotionale Intelligenz für das nächste Deutschland gefragt. Dafür hat er drei Vorschläge:

  1. Ein Wettbewerb der Leitkulturen hätte das Ziel, eine möglichst breit akzeptierte Vision des gemeinsamen Zusammenlebens zu ermöglichen. Integration als neue Sicherheit für soziale Katastrophen.
  2. Mehr Bürgerbeteiligung und direkte Demokratie würde den Menschen helfen, sich mehr zuzumuten und ihre eigenen Bizonen zu vertreten – mit Politikern die offen und ehrlich mit ihnen in eine gemeinsame Richtung gehen wollen.
  3. Die Politik der Glokalisierung kann dabei helfen, dass lokale, regionale und globale Identität einander bedingen können und eine kluge Subsidiarität, eine Aufwertung der kleinen Einheiten, entstehen kann.

Dettlingt sagt: “Es geht um das aktive Gestalten der eigenen Lebenswelt, um individuelle und kollektive Sinnstiftung und neue Freiheiten.“

Hello future: Das Prinzip der Selbstorganisation

Für die mögliche Entwicklung eines “progressiven Wir“, wo Veränderungen innerhalb sowie außerhalb der Gesellschaft stattfinden und andere Formen der Solidarität und Gemeinsamkeit hervorgebracht werden, spricht auch ein Muster, das sich in der Auswertung der nextpractice-Daten abzeichnet: die Ausprägung des Prinzips „Selbstorganisation“. Dieses scheint abseits institutioneller und politischer Akteure immer mehr an Bedeutung zu gewinnen und geht mit einem höheren Grad an Selbstverantwortung einher.

Auch „Handelsblatt“-Herausgeber Gabor Steingart schreibt in seinem Buch „Weltbeben. Leben im Zeitalter der Überforderung“, dass sich Umrisse einer Gesellschaft zeigen, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen will und mehr verändern wird als alle Wahlen der vergangenen Jahrzehnte. Ein „selbstbewusstes Bürgertum“ wird entstehen, das die Gewinnung und Ausübung von Macht grundsätzlich verändern wird. Für Steingart werden Transparenz, Teilhabe, Kommunikation und Mitbestimmung als Zeitbegriffe der stillen Revolution gelten.

Dennoch ist es aufgrund des Wertesplits immer noch eine Frage des Blickwinkels. Je nach Wertebasis rückt die Gesamtlage einer expansiven, neuen Entwicklung („Wir gestalten bottom-up alles selbstständig neu!“) oder die restriktive Gegenbewegung („Es ist wichtig, dass das jemand von oben in die Hand nimmt!“) näher. Denn beide ohne Spannung zu vereinen gestaltet sich sehr schwierig.

Die Sehnsucht nach Einigkeit

Die Position der Wir-Gesellschaft stellt meines Erachtens ein Verlangen dar, das mit der Entwicklung der Digitalisierung einhergeht. Die Vielfalt der Meinungen, Lebensstile und Glaubensansätzen führen zu einer Überforderung – die Sehnsucht nach Einheitlichkeit, Gemeinschaft und Kohärenz wird größer. Dennoch wollen die Menschen ihre erlangte Individualität und Freiheit des Denkens und Handels durch den technologischen Fortschritt nicht aufgeben. Sie sollten es auch nicht. Denn Gesellschaften entstehen seit langer Zeit nicht mehr nur analog.

Doch wie realistisch ist so eine Vision für nachfolgende Generationen? Als ich ein Kind war, wollte ich Bäuerin oder Ärztin werden, heute wollen die 8-Jährigen Youtube-Stars werden. Ob sich die Teenies von morgen überhaupt noch für Geschichte interessieren werden? Die Digitalisierung lässt auch Werte verkümmern – die der Nachkriegsgenerationen zum Beispiel.

Während also handwerkliche, soziale Berufe immer uninteressanter und schlechter bezahlt werden, sprießen neue Startups ohne ‚Social Profit‘ und mit kapitalistischen Beigeschmack aus dem Boden. Können Influencer und der Gründungshype in Zukunft eine bessere Gesellschaft formen? Wohl kaum. Und ist der Mensch nicht faul, solange es ihm gut geht? Aber das wäre wohl ein weiterer Artikel.


Image (adapted) „Split“ by Pablo Heimplatz (CC0 Public Domain)


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Handwerk 4.0: Die digitalen Klempner kommen

Workbench and Tools (adapted) (Image by Jeff Sheldon [CC0 Public Domain] via Unsplash) Handwerk 4.0

Die beste Autowerkstatt online finden? Den Fahrradreparaturdienst per Twitter anheuern? Klimaanlage im Netz planen? Die Digitalisierung der Handwerksbranche, auch Handwerk 4.0 genannt, läuft in Deutschland auf Hochtouren.

Handwerk 4.0 – was ist das eigentlich?

Angelehnt an das Prinzip der Industrie 4.0, heißt dies, dass Abläufe und Arbeitsprozesse im Handwerk zunehmend digitalisiert werden. Sprich: Was vorher Menschen erledigt haben, übernimmt nun ein Computer, beziehungsweise eine Software und irgendwann wahrscheinlich ein Roboter. Die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz definiert den Begriff folgendermaßen:

„Handwerk 4.0 beschreibt Betriebsstrukturen, Arbeitsprozessabläufe, Produkte und Dienstleistungen von Handwerksbetrieben, die in einem bisher noch nicht dagewesenen Maß digital vernetzt, adaptiv wissensbasiert und aus Kundensicht höchst intelligent in Erscheinung treten.“

Ganz klar, die Handwerksbranche ist im Wandel. Das hat auch die Politik erkannt, und sieht offensichtlich Handelsbedarf. So hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie als Teil der Förderinitiative „Mittelstand 4.0 – Digitale Produktions- und Arbeitsprozesse“ das Kompetenzzentrum „Digitales Handwerk” ins Leben gerufen. Von Infoveranstaltungen über Webinare bis hin zu Lehrvideos. Hier können traditionelle Handwerksbetriebe wie Dachdecker oder Bäckereien Informationen rund um die Digitalisierung ihres Fachfelds bekommen.

Auch ein Blick auf die Branchenpublikation handwerksblatt.de bestätigt, dass Handwerksbetriebe sich zunehmend digitalisieren. Viele Veröffentlichungen widmen sich explizit dem digitalen Wandel der Branche. Neben einer ganzen Serie „Handwerk 4.0” werden zum Beispiel regelmäßig Artikel mit Titeln wie „Cyberangriffe auf Handwerksbetriebe” oder „Online-Shops lohnen sich auch für Handwerker” veröffentlicht.

Der starke Fokus auf die Digitalisierung des Handwerks ist jedoch keine Einbahnstraße. Sie ist auch eine Antwort auf verändertes – digitales – Kundenverhalten. Nach einer Umfrage der Gelbe Seiten Marketinggesellschaft läuft beispielsweise das Suchen und Finden von Diensten, auch von Handwerkern, zunehmend im Internet ab. Demnach:

  • recherchieren 80 Prozent der 18 bis 39-Jährigen im Web
  • suchen 42 Prozent der Deutschen nach Handwerkern zuerst online statt Bekannte zu fragen
  • werden 25 Prozent aller Anfragen ab 2020 online gestellt

Startups stürmen die Handwerksbranche

Gerade junge Gründer sind sich darüber im Klaren, dass die nächste Welle von Kunden die Digital Natives sind. Und die suchen, wie diese Zahlen belegen, nicht mehr im Telefonbuch nach einem Klempner. Das Handwerk 4.0 ist für diese Kunden keine Entwicklung. Es ist bereits die grundsätzliche Erwartungshaltung an die Branche.

Bastian Scherbeck, Andreas Schmidt und Peter Pawlitzek gründeten zum Beispiel ihr Startup Livecycle, weil ihnen der Service bei Fahrradreparaturen gelinde gesagt, „unterirdisch” erschien, wie sie im Interview verrieten. Der Kunde sei bisher kaum ernst genommen worden. „Wenn dein Fahrrad kaputt ist, musst du es selbst in die Werkstatt bringen und dann auch noch lange auf die Reparatur warten. Wenn das dein Haupttransportmittel ist, ist das eigentlich nicht akzeptabel“, sagt Bastian Scherbeck.

Bei Livecycle drehen die Gründer daher das Prinzip um: Die Handwerker kommen zum Kunden und reparieren das Fahrrad vor Ort. Alles von der Terminvereinbarung über die Preisfrage wird vorab online geregelt. Schneller, zeitsparender, billiger ist auch das Motto von Caroobi. Das Berliner Startup bringt auf einer Online-Plattform Autowerkstätten mit Autobesitzern zusammen. User geben hier ein, welche Reparaturen sie benötigen und können anschließend verschiedene Angebote online vergleichen – und direkt über die Webseite buchen. Damit wollten sie Autoreparaturen übersichtlicher, transparenter, flexibler und einfacher gestalten, sagen die Gründer.

Ein Wandel der klassischen Handwerksdienste

So machen gerade viele klassische Handwerksdienste wie das Bodenhandwerk, Malerbetriebe oder Dachdecker eine digitale Wandlung durch, oft angetrieben durch junge Gründer.

Robin Lanzer ist einer dieser Gründer. Der gelernte Farben- und Lackentwickler mit BWL-Studium arbeitet seit 17 Jahren im Handwerk. Mit seinem Startup Jeez will er den lästigen Baumarkt-Besuch überflüssig machen. Seine Idee ist dabei ähnlich wie der Ansatz von Livecycle. Wenn es für Kunden zu umständlich ist zum Baumarkt zu gehen, kommt eben der Baumarkt zum Kunden. Statt also selbst stundenlang von einer Abteilung zur anderen zu rennen, Farben, Bodenbeläge, Regale und Nägel zu suchen, kommen die Experten von Jeez zu den Kunden in die Wohnung. Die Beratung findet in den eigenen vier Wänden statt. Auch hier wird der Service im Netz gebucht, sodass Kunden so wenig Zeit und Nerven wie möglich verlieren.

Das ist ebenfalls der Ansatz von Stegimondo. Das Startup mit Sitz in Berlin positioniert sich selbst wiederum als „Der Online Dachdecker“ und wirbt mit Attributen wie Schnelligkeit, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit um seine Dienste.

All diese Beispiele zeigen: Das Handwerk 4.0 ist keine Zukunftsvision, es ist bereits Realität. Einige Brancheninsider sind daher der Meinung, dass traditionelle Handwerksbetriebe nur zwei Optionen haben: Voll in die Digitalisierung einsteigen – oder untergehen.


Image (adapted) „Workbench and Tools“ by Jeff Sheldon (CC0 Public Domain)

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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
  • FACE-ID Chip: Apple war stolz darauf: Hacker greifen sicherste Funktion des iPhone X an: So sicher wie versprochen, ist die Gesichtserkennung Face-ID des neuen iPhone X dann wohl doch nicht: Bereits beim ersten Versuch haben es Hacker mithilfe eines Maskenmix geschafft, das sicherste Merkmal des neuen iPhones auszutricksen. Hierfür haben IT-Forscher des vietnamesischen Sicherheitskonzerns Bkov das Gesicht eines iPhone-X-Besitzer mit einem 3-D- und 2-D-Drucker kopiert. Zusätzlich waren Silikon, Make-up und Papierschnipsel nötig (Materialkosten: 150 US-Dollar), um jedes iPhone X entsperren zu können. Nur fünf Tage haben die Forscher an der Maske gearbeitet. Ihr Fazit: „Das hat Apple nicht gut gemacht.“

  • DIGITALISIERUNG Süddeutsche: Fünf digitale Großbaustellen für Jamaika: Bei den Sondierungsgesprächen für eine Jamaika-Koalition der Grünen, FDP und Union für die kommenden Jahre, steht auch die Digitalisierung im Mittelpunkt. Im Wahlkampf wurde dem Thema viel Aufmerksamkeit geschenkt, umso größer sind jetzt auch die Erwartungen der Bürger und Bürgerinnen: Der Rückstand bei Breitbandausbau, digitaler Wirtschaft oder Online-Behördengängen muss aufgeholt werden. Vorschläge, wie eine Digitalpolitik aussehen könnte, gibt es viele – doch der Erfolgdruck für ein schnelles Internet deutschlandweit, sitzt der Politik im Nacken. Um kurzfristige Verbesserung herbeizuführen, sollen nun veraltete und überlastete Telefonnetze modernisiert werden. So steigt die Zahl der schnellen Internetanschlüsse kurzfristig – dies hält zwar die Kosten für den Breitbandausbau niedrig, doch echte Fortschritte werden damit nicht erreicht, da die langsame Verbindungn über die alten Kuperkabel bestehen bleibt.

  • QUANTENCOMPUTER Wired: Was genau sind Quantencomputer – und was können sie?: Quantencomputer werden als Superrechner betitelt, die schneller und besser sind als alles, das wir bisher kennen – die Erwartungen sind dementsprechend hoch. Das Besondere an dem Computer sind die Quantinbits oder auch Quibits genannt. Der Haken an der Sache: Die Quibits sind sehr empflindlich und verlieren schnell ihren Superpositionszustand – wenn das passiert, bevor die Rechnung durch ist, ist sie futsch. Dennoch sind Quantencomputer für Unternehemen wie VW, Google, IBM und Microsoft von großem Interesse. In der Industrie wird geschätzt, dass es noch zehn Jahre noch dauern wird, bis Quantencomputer so weit entwickelt sind, dass sie einen Vorteil bringen.

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Schumpeter, die Linke und der digitale Kapitalismus

Industrie (adapted)(Image by Huskyherz[CC0 Public Domain] via Pixabay)

Die Soziologie taucht nicht zufällig so häufig in den Bonner Vorlesungen des Ökonomen Joseph Schumpeter auf. Als er 1927 seinen ersten Aufenthalt als Gastprofessor an der Harvard Universität antrat, hatten sich die dortigen Soziologen noch nicht vom wirtschaftswissenschaftlichen Institut abgespalten, um eine selbständige „Gruppe für Sozialbeziehungen“ zu bilden. Das erwies sich für Schumpeter als glücklicher Umstand, denn seine eigene Betrachtungsweise der Nationalökonomie orientierte sich immer stärker an der Soziologie.

In Harvard hatte er die Möglichkeit, sich mit den besten Köpfen auf diesem Gebiet auszutauschen und diese Erkenntnisse mit seinen eigenen wirtschaftswissenschaftlichen Arbeiten zu kombinieren. Die Ökonomie blieb der Mittelpunkt seines Denkens – aber auch Geschichte, Soziologie und die Psychologie kamen hinzu. Schumpeter vermied die enge Spezialisierung und stellte sich damit gegen den akademischen Trend seiner Zeit. Er war bestrebt, unangemessene Vereinfachungen zu vermeiden.

Seine Hinwendung zu einer interdisziplinären Sichtweise des ökonomischen Geschehens brachte er bereits 1926 in einem Aufsatz unter dem Titel „Gustav von Schmoller und die Probleme von heute“ zum Ausdruck. Darin würdigt er Schmoller dafür, das Feld der Nationalökonomie über die Grenzen der reinen Theorie ausgeweitet zu haben. Schmoller habe gemeinsam mit Max Weber einer neuen Art von historisch fundierter Wirtschaftssoziologie oder Sozialökonomie den Weg gewiesen. Das war seinen eigenen Forschungen geschuldet und seinen Erfahrungen in Politik sowie Geschäftsleben.

Anachronistischer Klassenstatus

Das belegt auch die Abhandlung von 1928 „Die Tendenzen unserer sozialen Struktur“. Hier untersucht Schumpeter die Diskrepanz zwischen der Wirtschaftsordnung Deutschlands und der Sozialstruktur. Die Wirtschaftsorganisation war kapitalistisch, die deutsche Gesellschaft war aber in ihren Gebräuchen und Gewohnheiten nach wie vor in ländlichen, ja sogar feudalen Denkweisen gefangen – heute industriekapitalistisch.

Zur Reichsgründung 1871 haben nahezu zwei Drittel der Bevölkerung auf Gütern oder Gemeinden mit weniger als 2000 Einwohnern gelebt, noch nicht einmal 5 Prozent in Großstädten von mehr als 100.000 Einwohnern. Bis 1925 hatte sich der Anteil der Stadtbewohner verfünffacht, während der Anteil der Landbevölkerung um die Hälfte zurückgegangen ist. Ursache war vor allem ein sprunghafter Anstieg der Agrarproduktivität. Während 1882 in Deutschland nur 4 Prozent der kleinen Landwirtschaftsbetriebe Maschinen einsetzten, waren es 1925 schon über 66 Prozent. Die Mechanisierung löste eine Landflucht aus und trieb die Landarbeiter in die Städte.

1927 erschien „Die sozialen Klassen im ethnisch homogenen Milieu“ (Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik) – ein wegweisender Beitrag zur noch jungen Disziplin der Soziologie. Schumpeter selbst zählte den Aufsatz zu den wichtigsten Werken, was aus Notizen hervorgeht, die er gegen Ende seiner Forschungstätigkeiten schrieb.

Seine Grundthese: Der Klassenstatus ist das Ergebnis vorhergegangener Ereignisse und daher anachronistisch. Er weist daraufhin, das die meisten reichen Familien, die um die Mitte des 19. Jahrhunderts an der Spitze der Gesellschaft gestanden haben, drei Generationen später dort nicht mehr zu finden waren.

Unaufhörliche Dynamik konkurrierender Neuerungen

Man könnte annehmen, vernünftige Sparsamkeit, eine bescheidene Lebensweise und der Erhalt einer soliden Grundlage seien für Unternehmen ausreichend, um an der Spitze zu bleiben. Hier greift er auf die protestantische Ethik nach Max Weber zurück. Schumpeter vertritt die These, dass jede Firma, die sich auf eine derartige Routine beschränkt, schon bald von offensiver agierenden, risikofreudigeren, wettbewerbsorientierten Unternehmen verdrängt werde: „Die Einführung neuer Produktionsmethoden, die Erschließung neuer Märkte, überhaupt die erfolgreiche Durchsetzung neuer geschäftlicher Kombinationen hat Fehlerquellen, Risiken und begegnet Widerständen, die in der Bahn der Routine fehlen“.

In seinem Werk „Theorie wirtschaftlichen Entwicklung“ schreibt er, Erfolge habe nicht in erster Linie der Innovator, der Erfinder und schöpferische Zerstörer, sondern jener, der das Neue am besten organisiert. Die Deutschen verstanden es im 19. Jahrhundert besser als die Briten, die Textilindustrie zu organisieren, selbst wenn sie wenig zu deren maschineller Technologie beitrugen.

Mentale Irrwege im Digitalen

Sind wir mental nun besser orientiert, um den Wechsel vom Industriekapitalismus zum digitalen Kapitalismus zu bewältigen? 1980 zählte der Industriesektor das erst Mal nicht mehr zur dominanten Branche in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Den Gipfelpunkt hatte das produzierende Gewerbe 1960 erreicht, seit dem geht es stetig bergab.

Seit den neunziger Jahren sind mehr als 75 Prozent der Erwerbstätigen und ein ebenso hoher Prozentsatz der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung durch immaterielle und nachindustrielle Produktion entstanden. Die innere Uhr der politischen Entscheider ist immer noch auf die industrielle Produktion gepolt. Man merkt es an der wenig ambitionierten Digitalen Agenda der Bundesregierung, man erkennt es an den lausigen Akzenten, die in der Bildungspolitik gesetzt werden und man hört es bei den Sonntagsreden der Politiker, wenn es um Firmenansiedlungen geht.

Es gibt keine Konzeption für eine vernetzte Ökonomie jenseits der industriellen Massenfertigung aus den Zeiten des Fordismus. Übrigens auch nicht im linken Spektrum der Politik: „Die Linke war historisch eine Befürworterin des Fortschritts, technologisch und sozial. Diese Rolle hat sie irgendwann verloren. Industrialisierung der Landwirtschaft war eine der zehn Forderungen des Kommunistischen Manifestes, eine damals unerhört futuristische Forderung. Wo ist heute eine Linke, die nur annähernd an solch visionäre Perspektive anknüpfen könnte? Die sich eine Vollendung der durch den fossilen Irrweg des letzten Jahrhunderts unvollständig gebliebenen Elektrifizierung auf die Fahnen schreibt? Die mehr Automatisierung fordert statt weniger?“, fragt sich Timo Daum in seinem neuen Opus „Das Kapital sind wir – Zur Kritik der digitalen Ökonomie“, erschienen im Edition Nautilus-Verlag.

Esoterik macht die Automatisierung nicht schöner

Ähnlich sieht es der CIO-Kurator Axel Oppermann: „Was die meisten als Arbeitsplatz der Zukunft verstehen, ist eigentlich der Arbeitsplatz der Vergangenheit. Sehr viele Ressourcen werden in die falschen Themen investiert. Jeder CIO oder Geschäftsführer ist beseelt von der Idee des Digital Workplace. Man kauft irgendwelche Kollaborationslösungen, dann gibt es mal einen Kurs für agile Arbeit und Teamdynamik. Das führt zu nichts.“

New Work und ähnliche esoterische Denkansätze führen nach Meinung von Oppermann in die falsche Richtung. „In den vergangenen zehn bis 15 Jahren haben es die Leute nicht geschafft, Kollaboration in der Breite hinzubekommen. Die Art und Weise, wie in der Vergangenheit gearbeitet wurde, werden in die neuen Konzepte übertragen. Es muss viel mehr auf Automatisierung und Standardisierung gesetzt werden.“

Da würde dann auch Design Thinking nicht greifen. Das werde von denen gepredigt, die mit Brainstorming gescheitert sind. Wie man das Ganze politisch gestalten kann, sollte so langsam vorgedacht werden. Also die Frage der informationellen Grundversorgung, die Frage von public services, die Frage der Verteilung und vieles mehr. Hier sieht das Notiz-Amt ordnungspolitische Herausforderungen, die auf die netzökonomische Agenda gehören.


Image (adapted)“Industrie“ by Huskyherz [CC0 Public Domain]


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Wie ich als Klimaforscher für Exxon gearbeitet habe

Sturm, Wolken, Löschen, Wetter [adapted) (Image by skeeze [CC0 Public Domain] via pixabay)

Die Versuche von ExxonMobil, an der Existenz und Dringlichkeit des Klimawandels Zweifel zu säen und Spenden des Unternehmens an Gruppen, die falsche Informationen über den Klimawandel verbreiten, sind bereits seit langer Zeit öffentlich bekannt. Im Jahr 2015 wurden investigative Berichte enthüllt, dass Exxon eigene Wissenschaftler beschäftigt, die bereits seit den 1970er Jahren eigene Klimamodelle erarbeiten. Hier haben sie Modelle entwickelt, die nicht nur akkurat waren, sondern auch zu Planungszwecken für die Zukunft des Unternehmens verwendet wurden.

Wie eine Ende August veröffentlichte und viel beachtete Studie nun bestätigt, unterschied sich das, was Exxon intern über den Klimawandel kommunizierte, quantitativ sehr stark von öffentlichen Statements. Die Forscher Geoffrey Supran und Naomi Oreskes fanden dabei insbesondere heraus, dass mindestens 80 Prozent der internen Dokumente und Veröffentlichungen zwischen 1977 und 2015 mit dem Stand der Wissenschaft übereinstimmten: der Klimawandel existiert tatsächlich und wurde vom Menschen verursacht. Außerdem wurden „begründete Unsicherheiten“ identifiziert, denen jeder Klimaforscher zu diesem Zeitpunkt zugestimmt hätte. Nichtsdestotrotz wurden gut 80 Prozent der bezahlten Werbung, die Exxon im gleichen Zeitraum in Auftrag gab, vor allem auf Faktoren wie Unsicherheit und Zweifel ausgerichtet.

Der starke Kontrast zwischen der internen und topaktuellen Diskussion zur Klimaforschung, während nach außen eine Desinformationskampagne zum Thema Klimawandel stattfand, ist genug, um zu verblüffen. Was ging bei Exxon vor sich? Ich kann hier eine neue Perspektive liefern – denn ich war selbst dabei.

Von 1995 bis 1997 hat Exxon zu einem Teil meine Masterarbeit unterstützt, die sich auf chemische Reaktionen von Methan und dessen Emissionen konzentrierte. Ich verbrachte 1996 einige Wochen als Praktikant im Exxon-Forschungslabor in Annandale, New Jersey. Außerdem habe ich jahrelang an kollaborativer Forschung teilgenommen, welche zu drei veröffentlichten Studien führte, die in Supran und Oreskes neuer Analyse zitiert werden.

Klimaforschung bei Exxon

Ein Forscher ist ein Forscher, egal, wo er arbeitet – und meine Kollegen bei Exxon waren keine Ausnahme. Bedacht, umsichtig und in voller Übereinstimmung mit dem wissenschaftlichen Konsens zum Thema Klima – dies sind Charakteristika, auf die jeder Forscher stolz wäre. Hatte Exxon eine Agenda für unsere Forschung? Natürlich – Exxon ist keine Wohltätigkeitsorganisation. Ihre Forschung und Entwicklung verfolgte Ziele. In meinem Fall war dieses Ziel, nichts zutage zu fördern, das im Bereich der Klimaforschung für Aufsehen sorgen würde. Ich sollte die Vorzüge der Reduktion von Methan quantifizieren.

Methan ist ein Abfallprodukt, das beim Abbau von Kohle und bei natürlichen Gaslecks auftritt. So finden wir es beispielsweise in Abwasseranlagen, bei furzenden und rülpsenden Kühen, Schafen, Ziegen und sonstigen Tieren, die wiederkäuen, bei der Zersetzung von organischem Müll in Abfallbehältern oder innerhalb gigantischer Termitenhügel in Afrika. Es tritt sogar in kleinen Mengen bei laktoseintoleranten Mitmenschen auf.

Methan absorbiert auf einer Massenbasis etwa fünfunddreißig Mal so viel Erdwärme wie Kohlendioxid. Methan hat eine weit kürzere Lebenszeit als Kohlendioxid, und wir produzieren weit weniger davon. Dass die Überproduktion des Kohlendioxid aufhören muss, ist also eine Tatsache. Wir beobachten mit Sorge, wie schnell die Erde sich erwärmt. Es lohnt sich also, den Methanausstoß so schnell wie möglich zu reduzieren, während wir langfristig kohlendioxidbasierte Brennstoffe abschaffen.

Für die Gas- und Ölindustrie bedeutet die Reduktion von Methanausstoß eine enorme Energieeinsparung. Es ist also nicht überraschend, dass ich während meiner Forschung keine merkliche Anleitung oder einen Eingriff in meine Forschung erfuhr. Niemand schlug vor, meine Kennzahlen zu überarbeiten oder meine Erkenntnisse „anzupassen“. Die einzige Auflage war, dass ein Zeitschriftenartikel mit einem Co-Autor einer internen Prüfung standhalten musste, bevor es zur Begutachtung freigegeben werden konnte. Dieses Vorgehen entspricht einer Richtlinie wie in vielen Bundesanstalten.

Wusste ich darüber Bescheid, was sonst zu dieser Zeit vor sich ging? Ich hätte es mir nicht vorstellen können. Gerade aus Kanada hergezogen, war ich mir nicht darüber bewusst, dass es Menschen gab, die Klimaforschung nicht akzeptierten – so wenig bewusst, dass es fast ein halbes Jahr dauerte, bis ich verstand, dass ich jemanden geheiratet hatte, der genau dies war. Abgesehen davon finanzierte Exxon zur gleichen Zeit, zu der meine Forschung als zweckmäßigste Art, den Einfluss des Menschen auf das Klima zu reduzieren, eine riesige Fehlinformationskampagne.

Dennoch haben die Entscheidungen von Seiten Exxons direkt zu der Lage beigetragen, in der wir uns heute befinden und die sich in vielerlei Hinsicht surreal anfühlt. In dieser Situation stellen sich viele gewählte Repräsentanten den Maßnahmen für das Klima entgegen, während China die USA in Bezug auf Windkraft, Solarenergie, wirtschaftliche Investitionen in saubere Energien und sogar die Existenz einer nationalen Obergrenze und Handelspolitik ähnlich des verhängnisvollen Waxman-Markey-Gesetzes von 2009 vorführen.

Persönliche Entscheidungen

Diese neueste Studie unterstreicht, warum viele Exxon dafür verantwortlich machen, wissentlich die Öffentlichkeit hinsichtlich eines so wichtigen Themas in die Irre geführt zu haben. Für Wissenschaftler und Akademiker jedoch wird es eine andere, moralisch ähnliche Debatte auslösen. Sind wir gewillt, finanzielle Unterstützung anzunehmen, die uns im Gegenzug für die Beschwichtigung des öffentlichen Bewusstseins angeboten wird?

Das Konzept, für sündhaftes Vergehen zu bezahlen, ist nicht neu. Von Völlereien im Mittelalter bis hin zur Kritik, die einige heute der Klimakompensation zugeschrieben haben: Der Mensch hat schon immer versucht, die Folgen seines Handelns abzuschwächen und sein Gewissen durch gute Taten zu beruhigen, insbesondere auf finanzielle Art und Weise. Heutzutage folgen viele Industrieunternehmen dieser Logik: Einerseits wird die Wissenschaftsleugnung unterstützt, andererseits wird topaktuelle Forschung und Wissenschaft gefördert.

Das Globale Klima- und Energieprojekt der Stanford University führt grundlegende Forschungen zu effizienten und sauberen Energietechnologien durch – mit Exxon als Sponsor. Der Philantroph und politische Gönner David Koch spendete 2015 einen bisher nie dagewesenen Betrag von 35 Millionen US-Dollar an das Smithsonian National Museum of Natural History, woraufhin drei Dutzend Wissenschaftler das Museum aufforderten, sich von Koch loszusagen, da er Lobbygruppen unterstützt, die die Klimaforschung „falsch repräsentieren“. Shell hat das „Atmosphere“-Programm des London Science Museum unterschrieben, um dann seinen Einfluss dazu zu nutzen, die Perspektive auf das, was Forscher über das Klima wissen, zu verzerren.

Es ist einfach, mit dem Finger auf andere zu zeigen, wenn es jedoch um uns selbst geht, mag die Wahl oft nicht so klar sein. Was ist am wichtigsten – der Nutzen von Forschung und Bildung, oder die Ablehnung von beschmutzten Geldern?

Die richtige Antwort auf moralisch fragwürdige Angebote ist ein uraltes Problem. Im Buch der Korinther antwortet der Apostel Paulus auf die Frage danach, was mit Lebensmitteln, die den Göttern geopfert wurden, geschehen soll: Essen oder vernichten?

Seine Antwort führt die Komplexität dieses Themas vor Augen. Essen ist immer Essen, sagt er – nach der gleichen Logik könnten wir heutzutage sagen, dass Geld immer Geld ist. Sowohl Nahrung als auch finanzielle Mittel können jedoch Bündnis oder Zustimmung bedeuten. Falls andere Parteien involviert sind, wird eine noch kritischere Antwort benötigt.

Was sollen wir Akademiker also tun? In unserer offenen und transparenten Welt, in der Informationen so leicht zugänglich sind, ist die Offenlegung von finanziellen Unterstützern sowohl wichtig als auch notwendig. Manch einer würde außerdem argumentieren, dass ein finanzieller Unterstützer, egal wie eng oder lose die Verbindungen sind, einen Schatten auf die  Forschungsergebnisse wirft. Andere hingegen würden sagen, dass die Gelder für das Gute genutzt werden können. Welches Argument hat das größte Gewicht?

Nach zwei Jahrzehnten im Bereich der Klimaforschung bin ich nicht länger so unschuldig, wie ich einst war. Ich bin mir derer nun viel zu bewusst, die Klimaforschung als „liberalen Unfug“ abtun. Jeden Tag attackieren sie mich auf Facebook, verteufeln mich auf Twitter und schicken mir gelegentlich sogar handgeschriebene Briefe – was immerhin Wertschätzung gegenüber der Kunstfertigkeit erbittet, wenn schon nicht des Inhalts. Was würde ich also nun tun, wenn Exxon mich anriefe?

Es gibt auf diese Frage nicht die eine richtige Antwort. Um für mich selbst zu sprechen: Ich würde sie bitten, die Gelder den Politikern zu geben, die eine sinnvolle Klimapolitik verfolgen – und ihre Zuwendungen an die, die dies nicht tun, einzustellen. Ich bewundere die praktische Antwort eines Kollegen: er schlägt vor, ein von Koch stammendes Honorar zu nutzen, um eine lebenslange Mitgliedschaft im Sierra Club zu erwerben.

Trotz der Tatsache, dass es keine einfache Antwort gibt, ist es eine Frage, die sich uns mehr und mehr jeden Tag stellt, und wir können diese Gratwanderung nicht länger machen. Als Akademiker und Wissenschaftlicher müssen wir einige schwierige Entscheidungen treffen; und nur wenn wir die weitreichenden Implikationen dieser Entscheidungen erkennen, können wir diese Entscheidungen mit Weitsicht treffen, statt mit halbgeschlossenen Augen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Sturm, Wolken, Löschen, Wetter“ by skeeze (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Gelten Facebook-Likes als Äußerung der Meinungsfreiheit?

Tasten Facebook (adapted) (Image by bykst [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Australier sind oft überrascht, wenn sie erfahren, dass ihre Verfassung kein Recht zur freien Meinungsäußerung beinhaltet. Auch das Recht zur politischen Rede, die verfassungsrechtlich impliziert ist, wird dort immer komplizierter, wo die Menschen auf Internetplattformen ihre Meinung äußern können.

Der kürzlich von der „Australian Public Service Comission“ (APSC) veröffentlichte Leitfaden für öffentlich Bedienstete hat dieses Problem genauer herausgestellt. Dieser erklärt Angestellten, dass sie gegen ihre Verhaltensregeln verstoßen könnten, wenn sie regierungskritische Artikel auf Facebook liken oder teilen.

Fallen Facebook- oder Twitter-Posts unter den Schutz der freien politischen Meinung? Es kommt darauf an. Es gibt Spannungen im Gesetz, zum Beispiel den Umfang, in dem Arbeitgeber die Äußerungen ihrer Angestellten kontrollieren können.

Der frühere australische Defense Force-Reservist und konservative Katholik Bernard Gaynor testet diese Grenzen immer weiter aus. Er ficht seine Kündigung von der Armee an, die er erhalten hatte, nachdem er die Regeln für Onlinekommentare missachtete, in dem er Anti-LGBTQ-Kommentare verfasste. Der Hohe Gerichtshof wird in Kürze entscheiden, ob dieser Fall aufgenommen wird. Falls dem so ist, könnte der Umfang der politischen Kommunikation Australiens endlich geklärt werden.

Australiens begrenzter Schutz für politische Reden

Für mehr als zwanzig Jahre gab es in Australien einen Glaubenssatz, der besagt, dass freie Kommunikation über die Regierung und Politik ein unverzichtbarer Teil des Regierungssystems ist – einer der „vom Volk ausgewählt“ wurde. Dies wurde im Jahr 1997 einstimmig vom Hohen Gerichtshof in Langes Fall erklärt.

Der Gerichtshof meinte, dass die Garantie der Meinungsäußerung in Bezug zu öffentliche und politischen Themen stets von den verfassungsrechtlichen Prinzipien der Regierung vorausgesetzt werden muss. Im Fall von Lange setzte der Gerichtshof einen zweistufigen Test ein, der die Gültigkeit von Gesetzen festlegt, die die Freiheit störten:

  1. Ob das Gesetz die Freiheit der Kommunikation über die Regierung oder politische Themen einschränkt, egal ob in seinen Begriffen, Handlungen oder Effekten.

  2. Wenn es dies tut, ob das Gesetz „vernünftigerweise angebracht und angepasst ist, um einem legitimen Ende zu dienen, auf eine Weise, die mit dem verfassungsrechtlich vorgeschriebenen System der präsenten und verantwortlichen Regierung vereinbar ist“.

Der zweite Teil des Tests ermöglicht der Regierung die politische Rede zu regulieren, sofern es angemessen ist.

Was ist politische Rede?

Das Konzept „politisch“ deckt eine Bandbreite an Themen ab, aber hier sind nicht alle öffentlichen Angelegenheiten inbegriffen. Im Fall von Lange meinte der Hohe Gerichtshof: „Die Verfassung verlangt, dass das Volk in der Lage ist, miteinander zu kommunizieren in Bezug auf Angelegenheiten, die ihre Entscheidung bei Bundestagswahl oder Verfassungsreferenda beeinflussen könnte oder das ein Licht auf die Ausführung des Ministers und das Verhalten der Exekutive der Regierung.

Der Hohe Gerichtshof hat seine Untersuchungen, wie und wo die vorausgesetzte Freiheit der politischen Kommunikation entsteht, noch nicht beendet. Nicht jeder Austausch über öffentliche Angelegenheiten oder Themen im öffentlichen Interesse wird geschützt. Diskussionen über gesetzliche Regeln über Wohlfahrtsleistungen, auswärtige Angelegenheiten oder den Klimawandel könnten bereits als politische Diskussionen gelten.

Gleichermaßen kann Kritik der Ausführung der Parlamentarier, des Gemeindevorstands oder der Polizei als Rede gelten, wenn der Kommentar oder die Kritik vernünftig und nicht unehrlich oder mit Bosheit geäußert wurde.

Wann sind Sie „bei der Arbeit“?

Es wird immer offensichtlicher, dass der Gebrauch von sozialen Medien die Grenze zwischen dem Arbeitsleben und dem Privatleben verwischt. Laut den Gerichtshöfen war es üblich, dass „ein Arbeitgeber nur unter besonderen Umständen das Recht hat, private Aktivitäten seiner Angestellten zu überwachen“. In der Regel mussten relevante Verbindungen zwischen dem schlechten Verhalten eines Angestellten und dem Arbeitsverhältnis herrschen.

Jedoch hat sich der Kontext für diese Prinzipien in den letzten zwei Jahrzehnten dramatisch verändert. Frühere Arbeitsgesetze beschrieben, dass Aktivitäten in sozialen Medien im Wesentlichen eine private Aktivität waren, während Reporter herausgefunden haben, dass aktuelle Entscheidungen die Kontrollrechte der Arbeitgeber erhöhen.

Die Regeln für öffentlich Bedienstete

Öffentlich Bedienstete sind eindeutig eingeschränkt, was politische Rede betrifft. Ihnen ist es nicht erlaubt, zur Wahl für die Verfassung anzutreten und es gibt klare Argumente, dass sie vorsichtig sein müssen, wenn sie politische Meinungen äußern. Die Regel ist, dass der „Australian Public Service“ (APS) apolitisch ist.

Dies erhöht die Spannung zwischen konkurrierenden Werten: Die Regierung hat ein gerechtfertigtes Interesse daran, unparteiische Arbeitskräfte zu behalten, aber öffentlich Bedienstete müssen private Meinungen haben und müssen das Recht haben, ihre politischen Meinungen zu äußern.

Mit dem zweistufigen Test des Hohen Gerichtshofes ist es wahrscheinlich eine verhältnismäßige Begrenzung für die APSC-Regel, um festzulegen, dass der politische Ausdruck in einer angemessen Weise eingeschränkt wird.

Andere Begrenzungen, die zu streng, unvernünftig oder unangebracht sind, könnten vom Gerichtshof abgelehnt werden. Verbote für Wahlwerbung und Wahlspenden wurden aus diesen Gründen ausgeschlagen. Dennoch bleibt das Gesetz sehr unklar für öffentlich Bedienstete, die ihre politischen Sichtweisen ausdrücken wollen, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen.

Der Fall Bernard Gaynor

Der Fall Bernard Gaynor, der von der Armee entlassen wurde, weil er homosexuellenfeindlichedie Kommentare auf Facebook verfasst hatte, könnte Klarheit in diese Probleme bringen. Im Jahr 2015 argumentierte Gaynor erfolgreich vor einem einzigen Bundesgerichtshof, dass seine Kündigung die Freiheit der politischen Meinungsäußerung, die in der Verfassung verankert ist, verletzt.

Der Chef der Verteidigungskräfte erhob Einspruch zu dieser Entscheidung und behauptete, dass die Freiheit der politischen Rede nicht mit den Regeln übereinstimmt, die ermöglichen, dass ein Offizier entlassen wird, wenn sein Dienst nicht im Interesse der Verteidigungskraft liegt. Früher in diesem Jahr stimmte der Bundesgerichtshof mit den Argumenten der Verteidigungskraft überein und verkündete, dass die Entlassung vom Gaynor keine Verletzung der Prinzipien von Lange war.

Sie merkten an, dass „die implizierte Freiheit persönliche Rechte von Individuen weder beinhaltet, noch anerkennt oder zuerkennt“. Stattdessen ist es eine Freiheit von Regierungstaten oder Gesetzen, die die politische Meinungsäußerung beschränken. Der korrekte Ansatz, so meinte der Bundesgerichtshof, war derjenige, ob die Genehmigungsregel selbst ungültig war, weil sie unangebrachterweise die implizierte Freiheit einschränkte.

Im Fall von Gaynor war die Regel der Entlassung „passend, nötig und angebracht im Gleichgewicht mit Respekt zu jeder Last, die sie auferlegt“ in Bezug auf politische Kommunikation – so wurde Gaynors Entlassung als gültig befunden.

Gaynor hat dem widersprochen und der Hohe Gerichtshof wird entscheiden müssen, ob sein Fall die erneute Überarbeitung des Bundesgerichtes verdient. Die Freiheit, politische Themen zu diskutieren, ist eine der wenigen garantierten Verfassungsrechte, die wir haben. Wegen immer mehr Fragen zur politischen Rede in den sozialen Medien werden wir zum Hohen Gerichtshof aufsehen, in der Hoffnung, dass er diesen Schutz in vollem Umfang klären kann.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Tasten Facebook“ by bykst (CC0 Public Domain)


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Wir brauchen das Digitalministerium für den großen Sprung #BTW17

Flagge (adapted) (Image by karlherl [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Wir wollen, wir werden, es gilt, es muss, wir möchten, es soll. Die Inflation der Unverbindlichkeiten in der Politik der Bundesregierung zur digitalen Agenda hatte in den vergangenen vier Jahren Wackelpudding-Niveau.

Mangels zentraler Zuständigkeit und politischem Nachdruck wird die Digitalisierung in den verschiedensten Ministerien nur mit minimaler Sauerstoffzufuhr versorgt. Im Tagesgeschäft blockiert man sich mit Ressort-Eitelkeiten. Jeder kocht sein eigenes Süppchen. Wird sich das ändern? Schaut man sich das Wahlprogramm der CDU an, kann das bezweifelt werden.

„In den nächsten Jahren entscheidet sich, welche Länder bei der Digitalisierung erfolgreich und ganz vorne mit dabei sind. Dafür stellen wir die Weichen: Digitalisierung ist Chefsache. Deshalb wird im Bundeskanzleramt die Position eines ‚Staatsministers für Digitalpolitik’ neu geschaffen. Wir werden einen Kabinettsausschuss ‚Digitalpolitik’ einrichten, damit die Koordinierung zwischen den Ministerien weiter verbessert wird. Die Bundeskanzlerin wird einen ‚Nationalen Digitalrat’ berufen, der einen engen Austausch zwischen Politik und nationalen sowie internationalen Experten ermöglicht. Wir wollen, dass die klügsten Köpfe sich in den Dienst dieser Umgestaltung stellen“, heißt es hier.

Laber-Rituale auf Staatsminister-Niveau

Es geht wieder nur um interne Koordinierung, um Sitzungen, Konferenzen, Gremien und Posten – Laber-Rituale. Auf Bundesebene ist der Titel „Staatsminister“ eine auf Vorschlag des Bundeskanzlers oder der Bundeskanzlerin im Einvernehmen mit dem zuständigen Bundesminister vom Bundespräsidenten verliehene Bezeichnung, an einen parlamentarischen Staatssekretär des Bundes für die Dauer seines Amtsverhältnisses oder für die Wahrnehmung einer bestimmten Aufgabe, ohne dass damit eine größere Machtfülle verbunden wäre. Und bei den Etats sieht es wohl auch eher mager aus. Wie viel wird wohl in den Haushaltsplan eingestellt für den Breitband-Ausbau – ohne auf die ausbau-unwillige Telekom oder die Wettbewerber zu verweisen? Was im CDU-Programm steht, sind Placebo-Maßnahmen.

Politik wird mit Etats gemacht

Die Relevanz von politischen Themen lässt sich abmessen an den Finanzgrößen im Haushaltsplan der Bundesregierung. Mit Etats wird Politik gemacht. Internet Governance-Experte Professor Wolfgang Kleinwächter hält ein Digitalministerium für unwahrscheinlich. Sollte es funktionieren, wäre es ein Superministerium, das in Kernbereiche nahezu aller anderen Ministerien hineinregieren müsste. „Auch im Verteidigungs- und im Entwicklungshilfeministerium sind ‚Cyber’ und ‚Digital’ mittlerweile Führungsschwerpunkte. Sinnvoller wäre es, einen mit entsprechenden Kompetenzen ausgestatteten Internet-Koordinator im Bundeskanzleramt anzusiedeln – das geht in die Richtung des CDU-Vorschlags. Eine solche Koordinierung haben die Chinesen 2013 eingeführt, wo die sogenannte ‚Cyber Administration of China’ (CAC) als Scharnier zwischen dem Präsidenten und den einzelnen Ministerien fungiert.“

Wir benötigen die Internet Plus-Schubkraft

Ich schätze Kleinwächter sehr. Aber der Vergleich mit China hinkt. Entscheidend ist die KP China – der Regierungskoordinator hat nichts zu melden. Die Parteinormen regieren das Land. Und hier ist das Programm Internet Plus entscheidend beim Umbau des Landes. Was Kleinwächter und die Merkel-Partei ins Spiel bringen, ist nach Ansicht von Professor Tobias Kollmann vom Beirat „Junge Digitale Wirtschaft“ beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie eindeutig zu wenig. „Wir brauchen ein eigenständiges Digitalministerium, um das Tempo der Digitalisierung zu erhöhen. Zur Zeit laufen wir international hinterher. Wir müssen jetzt aber doppelt so schnell laufen, um wieder nach vorne zu kommen.“

Gründung des Umweltministeriums war ein programmatisches Statement.

Deshalb sei eine zentrale Kraft vonnöten, die dieses Thema mit den entsprechenden Budgets anzieht. Man dürfe sich nicht wieder in verschiedenen Ressorts verlieren. „Es dauert viel zu lange, in allen Ministerien die digitale Kompetenz auf der Arbeitsebene einzuziehen. Wir brauchen ein starkes Digitalministerium, das diese Misere beseitigt und eine eigene politische digitale Identität entwickelt. Die haben wir im Moment nicht. Wir haben auch keine zentrale Stimme in Brüssel zu dieser Thematik.“

Kollmann vergleicht die Sogwirkung einer solchen Entscheidung mit der Schaffung des Umweltministeriums im Jahr 1986. Auch Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Ökologie sind Querschnittsthemen – von Verkehr, Bauen, Landwirtschaft, Wirtschaft bis Bildung. Als Klaus Töpfer sein Amt als Bundesumweltminister antrat, war das ein klares programmatisches Statement für die Relevanz des Umweltschutzes. „Wenn man sieht, was sich danach entwickelt hat und wie wichtig die Umweltpolitik geworden ist, dann war es auch eine richtige Entscheidung“, erläutert Kollmann im StudioZ-Interview auf der Kölner Fachmesse Zukunft Personal.

Man müsse die Digitalisierung gleichberechtigt an den Kabinettstisch bekommen. „Ein Staatsminister darf zuhören, aber nicht viel entscheiden. Das ist zu wenig. In dieser Funktion wird mit einem überschaubaren Thema nur koordiniert. Deswegen hoffe ich inständig, dass man sich besinnt und das Thema größer denkt und den großen Sprung für eine große Vision wagt. Das geht nur aus einer Hand“, so Kollmann.

Das Notiz-Amt findet vor allem den Vergleich mit dem Bundesumweltministerium einleuchtend. Die neue Bundesregierung sollte dem Rat von Kollmann folgen.


Image (adapted) „Flagge“ by karlherl [CC0 Public Domain]


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Sag mir, wo du herkommst, und ich sage dir, wie schlau du bist? – Neue Studie wirft Fragen auf

Students having a test in a classroom (adapted) (Image by luckybusiness via AdobeStock)

Lust auf einen kleinen Test? Lesen Sie den obigen Titel einmal, decken Sie ihn dann ab und schreiben Sie Wort für Wort auf, woran Sie sich erinnern. Haben Sie Schwierigkeiten dabei? Wie gut Sie sich schlagen, könnte abhängig davon sein, in welchem Land Sie leben.

Dies geht aus einer neuen Studie hervor, die in der Psychological Science veröffentlicht wurde, bei der 200.000 Frauen und Männer aus 27 verschiedenen Ländern auf fünf Kontinenten getestett wurden. Es zeigte sich, dass Frauen aus eher konservativen Ländern in Gedächtnis-Tests schlechter abschnitten als Frauen aus Ländern, in denen Geschlechtergerechtigkeit herrscht.

Demographie-Experte Eric Bonsang und seine Kollegen analysierten Daten von über 50-jährigen Testpersonen aus verschiedenen Ländern. Sie nutzten vorhandene Daten zu kognitiver Leistung, um die episodische Gedächtnisleistung zu ermitteln, also deren Erinnerung an autobiographische Ereignisse. Diese beinhalteten die Aufgabe, sich innerhalb von einer Minute an so viele wie möglich der vorgelesenen Wörter zu erinnern – entweder direkt danach oder nach einer kurzen Verzögerung. Das Team ermittelte für jedes Land das Level der Geschlechtergleichheit auf Basis der Menge an Personen, die der folgenden Aussage zustimmten: „Wenn Jobs knapp sind, sollten Männer das größere Recht haben, einen Job auszuüben als Frauen“.

Die Frauen übertrafen die Männer in Bezug auf die Gedächtnisleistung in wie Schweden, Dänemark, den Niederlanden, den USA und anderen europäischen Staaten. In Ghana, China, Südafrika und in einigen weiteren Staaten mit traditionelleren Geschlechterrollen (wie auch Russland, Portugal, Griechenland und Spanien) war das Ergebnis genau andersherum. Frauen aus diesen Ländern schnitten schlechter ab als die Männer – und genau das hatten die Forscher vorausgesagt. Interessanterweise schnitten Männer aus Ländern, in denen Geschlechtergerechtigkeit herrscht, ebenfalls besser ab als Männer aus konservativen Staaten (wenn auch geringfügig).

Die Ergebnisse waren nicht von der Region oder der ökonomischen Entwicklung eines Landes (BIP pro Kopf aus dem Jahr 2010) abhängig. Ein potentiell ausschlaggebender Faktor ist hingegen, dass moderne Staaten (wie viele der oben genannten Länder) über bessere Gesundheitsversorgung verfügen. Ältere Erwachsene mögen schlicht gesünder sein. Doch dies erklärt nicht zwingend die Unterschiede zwischen den sozialen Geschlechtern – die Studie kam immerhin zu dem Schluss, dass dieser Effekt für Frauen stärker war als für Männer.

Die Autoren argumentieren stattdessen, dass die Einstellungen einer Gesellschaft zu Geschlechterrollen bestimmt, welche Verhaltensweisen und Charakteristiken für Frauen und Männer als angemessen angesehen werden. Diese sozialen Erwartungen wiederum beeinflussen die Lebensziele, Berufswahl und Erfahrungen von Frauen (und Männern). Daraus resultierend kann es vorkommen, dass Frauen in Staaten mit eher klassischem Rollenverständnis weniger Zugang zu kognitiv stimulierenden Aktivitäten aus Bildung und Arbeitswelt haben. Teilhabe an Bildung und Arbeit erklärte tatsächlich die Ergebnisse in 30 Prozent der Fälle.

Schädliche Stereotype

Während die Studie einen Beweis dafür liefert, dass auf Stereotypen basierende Einstellungen unsere Fähigkeiten beeinflussen, bedürfte es für einen umfassenden Test dieser Theorie einer Untersuchung der Fertigkeiten, die stereotypisch als feminin angesehen werden – so wie soziale Sensibilität oder Sprachkompetenz.

Würden zum Beispiel Männer aus Staaten mit traditionellem Rollenverständnis in Tests zur sozialen Sensibilität im Vergleich mit den Frauen schlechter abschneiden? Eine Studie, die mit amerikanischen Studenten durchgeführt wurde, hat genau das gezeigt. Und es ist durchaus möglich, dass dieser Effekt in konservativeren Staaten noch viel stärker ausgeprägt ist.

Die Ergebnisse dieser Studie wurden in Form von „Stereotyp-Bedrohung“ erklärt – die Angst, etwas zu tun, womit negative Eigenschaften, die typischerweise mit Mitgliedern einer stigmatisierten Gruppe assoziiert werden, bestätigt oder verstärkt würden. Sagen wir, Sie sind eine Frau und sitzen in einem Mathe-Test. Die allgemeine Auffassung, dass Frauen in Mathe nicht gut sind, spukt in Ihrem Hinterkopf herum, und ihr Ergebnis fällt womöglich schlechter aus, weil Sie Schwierigkeiten haben, sich zu konzentrieren. Die Angst nimmt uns unsere kognitiven Ressourcen und führt zu Leistungsschwäche bei Aufgaben, die für die stereotypisierte Gruppe als Herausforderung angenommen werden.

Dieser Effekt ist sehr stark und wurde in einer Reihe von Studien belegt. Erinnerte man sie an negative Stereotype, schnitten beispielsweise Frauen in Mathe-Tests oder Afroamerikaner in Tests zu intellektuellen Fähigkeiten schlechter ab. Tatsächlich könnte die neue Studie also mit der „Stereotyp-Bedrohung“ erklärt werden.

Wir haben uns die neurologische Untermauerung dieses Effekts angesehen. In unserer neuen Studie, die in der Frontiers Aging Neuroscience veröffentlicht wurde, wurde eine Gruppe älterer Teilnehmer gebeten, einen Artikel über im Alter nachlassende Erinnerungsleistung zu lesen (Altersstereotyp). Wir zeigten, dass daraus resultierend ihre Reaktionszeiten in kognitiven Tests verlangsamt waren. Mehr noch, die Gehirnwellen-Aktivitäten der Testpersonen zeigte, dass ihre Gedanken über sich selbst negativer waren. Dies zeigten EEG-Daten, die mit Hilfe von Elektroden Gehirnwellen maßen und aufzeichneten.

Unsere Studie zeigt, dass kurzfristige Konfrontation mit negativen Stereotypen einen beeinträchtigenden Effekt auf kognitive Funktionen hat. Ähnliche Prozesse mögen bei Frauen, die in Staaten mit konservativem Rollenverständnis ständig negativen Geschlechter- und Altersstereotypen ausgesetzt sind, gewirkt haben – was wiederum ihr schlechtes Abschneiden im Gedächtnistest erklären kann.

Was macht einen Staat sexistisch?

Ein weiterer Faktor, den zukünftige Studien in Betracht ziehen sollten, ist das erweiterte politische System eines Staates – nicht nur die Geschlechter-Einstellungen als solche. Eine Studie nimmt an, dass Modernisierung fortschreitend zu Demokratisierung und Liberalisierung führt – auch in Bezug auf Geschlechterrollen. Das gesellschaftliche Erbe, ob politisch oder religiös, beeinflusst die Werte einer Gesellschaft.

Tatsächlich zeigen unsere Studien zu kulturübergreifenden Einstellungen zu Frauen und Männern, dass diese in langjährigen Demokratien wie Großbritannien liberaler sind als in Staaten, die noch auf dem Wege zu einer Demokratie sind (wie Polen oder Südafrika). Wir haben außerdem herausgefunden, dass Einstellungen zu Geschlechtern auch von dem vorherrschenden politischen System beeinflusst werden: Diese waren in Südafrika nach der Apartheid konservativer ausgeprägt, während sie im post-kommunistischen Polen weniger konservativ waren. So hat also die Geschichte institutionalisierter Ungleichheit (Apartheid) gegen die aufgezwungene Emanzipierung (Kommunismus) einen langanhaltenden Einfluss auf den nationalen Level an Sexismus.

Vielleicht ist es also kein Zufall, dass die Staaten mit einer besonders lange bestehenden Demokratie auch diejenigen mit der größten Geschlechtergleichheit sind. Wie meine Forschung nahelegt, sind sowohl Demokratisierung als auch die Verminderung der „Stereotyp-Bedrohung“ – insbesondere durch die Massenmedien wie zum Beispiel durch Werbung mit nicht-traditionellen Geschlechterrollen – wichtige Faktoren. Dies sollte unser Fokus sein, um bei einer Menge von Fähigkeiten eine größere Gleichheit von Männern und Frauen rund um den Globus zu erreichen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Students having a test in a classroom“ by luckybusiness/AdobeStock.com


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • DIGITALISIERUNG sueddeutsche: Deutschland braucht nicht ein Digitalministerium, sondern viele!: Digitalisierung muss gefördert und gestaltet werden. Diese Aussage findet sich in abgewandelter Form in den Wahlprogrammen aller Parteien. Aber wer dafür in Zukunft maßgeblich verantwortlich sein soll, ist nicht klar. In der Diskussion taucht dabei immer wieder die Idee eines Ministeriums für Digitales auf, sie fand beim IT-Gipfel der Bundesregierung Erwähnung, und auch Verkehrsminister Alexander Dobrindt sowie Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir haben dies gefordert. Die Analyse des Wahlkompass Digitales des Humboldt Instituts für Internet und Gesellschaft ergibt, dass die FDP ein Digitalministerium fordert, die Unionsparteien einen Staatsminister für Digitales im Kanzleramt und einen Kabinettsausschuss „Digitalpolitik“. Beim G-20-Gipfeltreffen lud Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries sogar zu einem Treffen der Digitalminister der Staaten ein.

  • DIGITALISIERUNG II zeit: Games für den Klassenkampf: 1986. Eine Zufahrtsstraße und eine öffentliche Telefonzelle sind die einzigen Verbindungen von Schwarzenberg im Erzgebirge zur Außenwelt. Während die meisten Einwohner traditionellen Handwerksberufen nachgehen, sitzt André Weißflog im Wohnzimmer seiner Eltern und programmiert. Seinen schmalen Computer hat er an den Fernseher angeschlossen. Auf dem Bildschirm bewegt sich ruckelnd eine gelbe Spielfigur, die Gespenster jagt – Weißflog hat soeben seine ganz eigene DDR-Version von Pac-Man fertiggestellt.

  • DATENSCHUTZ heise: Gefährdeter Datenschutz: Firefox löscht lokale Datenbanken nicht: Mozillas Browser Firefox räumt die durch Websites gespeicherten Daten nicht vollständig auf. Eine aktuelle Diskussion auf einem Admin-Forum förderte ein jahrelanges Versäumnis des Browser beim Datenschutz zutage. Selbst nachdem ein Anwender die Firefox-Chronik aufgeräumt hat, kann eine Website mühelos auf zuvor im Browser gespeicherte Daten zugreifen.

  • MOBILITÄT golem: Bosch und Siemens scheitern mit Pilotprojekten: Es hört sich alles ziemlich einfach an: Sensoren überwachen künftig permanent die Parkplätze in der Stadt und zeigen den Autofahrern auf einer App oder im Navi an, wo sie ihr Fahrzeug abstellen können. Viel überflüssiger Verkehr bei der Parkplatzsuche könnte damit vermieden werden. Doch in der Praxis ist die Detektion der freien Parkplätze nicht so einfach wie gedacht. Selbst große Konzerne wie Bosch und Siemens haben damit ihre Probleme, wie erste Pilotprojekte zeigen.

  • BUNDESTAGSWAHL gruenderszene: Welche Partei setzt sich für Gründer ein?: Bei der Bundestagswahl kämpfen sechs große Parteien um die Stimmen der Wähler. Aber wie stehen die zu den Themen Startups und Gründen? Eine Übersicht

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Computerspiele: Ein Kulturgut des 21. Jahrhunderts

Computerspiel (adapted) (Image by Cello Armstrong via AdobeStock)

Auf der Spielemesse GamesCom gab es neben Spiele-Neuigkeiten und Entertainment auch netzpolitische Aussagen rund um die Gaming-Welt. Eine der interessanten Entwicklungen: Videospiele wurden erstmals vor großem Publikum durch Politiker als Kulturgut anerkannt. Es wird Zeit, dass dies endlich erkannt wird, denn viele Spiele sind weder ein stumpfer Zeitvertreib noch eine Nischen-Beschäftigung für Nerds, sondern erzählen spannende und inspirierende Geschichten.

Besucherrekord bei der GamesCom 2017

Ende August fand in Köln die Spielemesse GamesCom statt. Sie stand dieses Jahr unter dem Motto „The Heart of Gaming“. Auf der Messe kamen natürlich vor allem die Freundinnen und Freunde der aktuellen Videospiel-Titel, ebenso wie eSport-Interessierte, Cosplay-Begeisterte und andere Fans digitaler Unterhaltung auf ihre Kosten. Daneben gaben sich natürlich auch Vertreterinnen und Vertreter der Industrie und der Fachmedien ein Stelldichein, um sich über neue Produkte auszutauschen. Insgesamt besuchten über 350.000 Menschen die Veranstaltung – ein neuer Rekord.

Wahlkampf auf der GamesCom

Neben ihrer Funktion als Anlaufpunkt für die Branche zog die GamesCom natürlich auch Politikerinnen und Politiker an. Das ist bei Messen einer gewissen Größe und Relevanz nicht ungewöhnlich, zumal in einem Wahlkampf-Jahr wie diesem. Dem trug die GamesCom sogar mit einer eigens eingerichteten „Wahlkampfarena“ Rechnung. Dort fanden sich am Mittwoch, den 23.08., einige hochrangige Politikerinnen und Politiker ein, um über Spiele zu diskutieren. Die Parteien des aktuellen Bundestages schickten ihre Generalsekretäre oder Bundesgeschäftsführer. Anwesend waren Peter Tauber (CDU), Hubertus Heil (SPD), Matthias Höhn (Die Linke) und Michael Kellner (Die Grünen) sowie Nicola Beer für die FDP.

Computerspiele als Kulturgut anerkannt

Eine der interessantesten Aussagen der Podiumsdiskussion: Computerspiele sind auch in den Augen der Politik endlich Kulturgut. Dieses soll zukünftig, neben dem bereits existierenden Deutschen Computerspielpreis unter der Schirmherrschaft von Alexander Dobrindt (CSU), weitere politische Förderung erhalten.

Vor allem sieht die Politik die Computerspiele natürlich als zu fördernden Wirtschaftsfaktor. Gerade in Köln hat sich schon seit Jahren eine richtiggehende Gaming-Industrie angesiedelt. Von Spieleentwicklern über den Veranstalter einer eSport-Liga und zugehörige Clans bis hin zu Fachmedien bietet die Rhein-Metropole alles rund um Computerspiele. Das kann die Politik kaum ignorieren. Daneben dürfte natürlich auch der Versuch, in der Gunst der jüngeren Generation der Wählerinnen und Wähler zu steigen, eine Rolle bei den Aussagen der Politikerinnen und Politiker spielen. Nach eigenen Angaben spielen mittlerweile 42 Prozent der in Deutschland lebenden Menschen irgendeine Form von Computerspielen. Das ist eine zu wichtige Zielgruppe, um sie zu ignorieren oder vor den Kopf zu stoßen. Die Motive der Politik dürften also zumindest teilweise opportunistisch sein. Dennoch ist die Anerkennung von Computerspielen als Kulturgut ein erfreuliches Signal.

Von der Schmuddelecke in die Öffentlichkeit

Die Anerkennung von Videospielen als Kulturgut kommt nach langen Jahren, in denen Spielerinnen und Spieler von Konservativen in die Schmuddelecke gedrängt wurden. Computerspiele würden Amokläufe fördern, hieß es da beispielsweise, auch wenn dieser Zusammenhang von keiner seriösen wissenschaftlichen Studie untermauert werden konnte. Auch andere abwertende Klischees über Gamer wurden gerne verbreitet. Zockerinnen und Zocker seien sozial isoliert, hielten nicht viel von Hygiene und seien schulisch und beruflich eher weniger erfolgreich, wurde gerne suggeriert.

Von dieser Situation haben wir uns – zum Glück – ein gutes Stück entfernt. Immer mehr Menschen spielen elektronische Spiele, sei es auf ihrem Computer oder auf ihrem Mobilgerät. Die Zeiten, in denen Spielerinnen und Spieler angesichts von durch die Politik unterbundenen eSport-Events in „Gamer-Demos“ für ihr Hobby auf die Straße gehen mussten, scheinen jedenfalls endgültig vorbei zu sein.

Es scheint, als folgten Computerspiele einem ähnlichen Muster, wie es viele neue Formen der Unterhaltung zunächst durchliefen. Auch Romane galten schließlich erst als verdummend und gefährlich – das ist zwar lange her, sagt aber viel über den konservativen Reflex aus, unbekannte Phänomene der Unterhaltungskultur erst einmal ohne große Betrachtung zu verdammen, bevor sie irgendwann als legitimer Teil des kulturellen Kanons anerkannt werden. Auch viele Musik-Genres, von Rock’n’Roll über Beat bis hin zu Heavy Metal, durchliefen eine ähnliche Entwicklung.

Computerspiele: Inspiriert und inspirierend

Die Anerkennung von Computerspielen als fördernswertes Kulturgut ist längst überfällig. Vieles, das sich in diesem Bereich entwickelt hat, ist erwachsen, professionell und anspruchsvoll. So ist der eSport längst eine etablierte Disziplin des sportlichen Wettkampfs. Wer anzweifelt, dass Computerspielen „echter Sport“ ist, sei an anerkannte Sportarten wie Schach und Bogenschießen erinnert, die ebenfalls keine körperlichen Extremleistungen, wohl aber Konzentration, Taktik und spezifische, in langer Übung erworbene Fähigkeiten fordern. Die Szene hat alles, was dazu gehört: Teams und Manager, Sponsoren, eine Fangemeinde mit entsprechenden Ritualen und eine teilweise hochprofessionelle mediale Berichterstattung.

Schon lange gibt das Genre der Computerspiele eine Vielfalt großartiger Geschichten her, egal, ob diese nun in einem epischen Rollenspiel, den Cutscenes eines Strategiespiels oder in Form eines textbasierten „Choose your own Adventure“-Titels auf dem Smartphone daher kommen.

Auch der künstlerische Anspruch vieler Spielegrafiken ist erheblich und bietet viel Raum zur Entfaltung, gerade im Fantasy- und Science-Fiction-Bereich. Was hier erdacht und in jahrelanger Arbeit digital umgesetzt wird, braucht sich oft vor keiner traditionellen Kunstform zu verstecken.

Ein ebenfalls beachtenswertes Phänomen sind sogenannte „Serious Games“. Diese greifen aktuelle, gesellschaftlich relevante Themen auf und regen so die Spielerinnen und Spieler zum Nachdenken beispielsweise über Krieg, Krankheiten oder soziale Missstände an. So tragen sie zur Bildung der Menschen, vielleicht sogar zum Entwickeln von Empathie bei.

Daneben sind Spiele, vor allem für junge Menschen, auch schlichtweg ein Thema, über das sie sich austauschen und soziale Kontakte knüpfen können. Fernab vom Klischee des einsamen Zockers zuhause im Keller wird heute vielfach in Gruppen gespielt, egal, ob mit- oder gegeneinander. Und spätestens Augmented Reality Games wie „Project Ingress“ und „Pokemon Go“ stellen den sozialen Aspekt und das Treffen mit anderen Menschen, ebenso wie den sportlichen Wettkampf zwischen verschiedenen Spielerparteien, klar in den Vordergrund.

Angesichts all dieser Phänomene sollte klar sein, dass Computerspiele eine Anerkennung als Teil unserer Kultur längst verdient haben. Es ist erfreulich, dass die Politik das endlich, wenn auch nur widerwillig und sicher nicht ohne Hintergedanken, anerkennt.


Image (adapted) „Computerspiel“ by Cello Armstrong/stock.adobe.com


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Verfolgt WikiLeaks eine politische Agenda?

Moscow Rooftops (adapted) (Image by Evgeny) [CC0 Public Domain] via Pixabay

WikiLeaks wird in einem Bericht der Website “Foreign Policy” beschuldigt, Dokumente, die die russische Regierung inkriminieren, abgelehnt zu haben. Es wird spekuliert, dass das politische Gründe haben könnte. In den letzten Jahren häufen sich Indizien dafür, dass WikiLeaks auf Betreiben von Chefredakteur Julian Assange seine politische Neutralität zumindest ein Stück weit aufgegeben hat und nun eine politische Agenda verfolgt. Sollte es so sein, wäre dies höchst problematisch und würde den Idealen, auf die WikiLeaks sich beruft, widersprechen.

Ignorierte WikiLeaks Dokumente aus Russland?

Foreign Policy berichtet, WikiLeaks habe 2016 Dokumente angeboten bekommen, die inkriminierende Interna über die russische Regierung enthüllen. Diese habe die Website jedoch abgelehnt. Foreign Policy beruft sich bei seinem Bericht auf einen der Whistleblower, der der Website gegenüber sagte:

    „Wir sorgten dafür, dass mehrere Leaks, darunter der russische Hack, an WikiLeaks geschickt wurden. Das hätte russische Aktivitäten aufgedeckt und gezeigt, dass WikiLeaks nicht von russischen Sicherheitsbehörden kontrolliert wird.Viele WikiLeaks-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter und Freiwillige oder ihre Familien haben unter russischer Korruption und Grausamkeit gelitten, wir waren sicher, dass WikiLeaks es veröffentlichen würde. Assange nannte uns Ausrede um Ausrede.“

Zum Beweis legte der Informant Foreign Policy Teile eines Chatlogs vor, die seine Kommunikation mit WikiLeaks dokumentieren sollen. Schließlich wurden die Dokumente auf einer anderen Plattform veröffentlicht. Diese konnte allerdings nicht das gleiche Ausmaß an redaktioneller Aufarbeitung leisten. Auch erhielten die Dokumente dort weniger Aufmerksamkeit, als es wohl bei WikiLeaks der Fall gewesen wäre.

Julian Assange hat bislang weder gegenüber Foreign Policy noch über den offiziellen WikiLeaks-Twitteraccount Stellung zu den Vorwürfen genommen.

Wenig Leaks aus Russland

Zur Begründung für die Ablehnung der Dokumente führte WikiLeaks-Chefredakteur Julian Assange damals unter anderem an, sich auf den US-Wahlkampf konzentrieren zu wollen, da dieser ohnehin die öffentliche Aufmerksamkeit für sich beanspruche.

Auch sonst gibt es einige mögliche legitime Gründe für die Entscheidung von WikiLeaks. So erklärte Assanges ehemaliger Stellvertreter Daniel Domscheit-Berg (der WikiLeaks nach einem spektakulären Streit verließ und ein Enthüllungsbuch schrieb) bereits im März gegenüber dem französischen TV-Sender France 24: „Es sollte mehr Leaks aus Russland geben.“ Der Grund dafür, dass das nicht der Fall ist, liegt jedoch Domscheit-Bergs Meinung nach eher in der Tatsache begründet, dass die Leserschaft von WikiLeaks primär englischsprachig ist. Deswegen gebe es womöglich schlichtweg nicht genug Interesse an Leaks aus Russland, mutmaßt der Aktivist.

Julian Assange und seine politische Agenda

In den letzten Jahren häuften sich Anzeichen dafür, dass Julian Assange – der zunehmend im Alleingang die Vorgehensweise und das öffentliche Auftreten von WikiLeaks vorzugeben scheint – durchaus eine politische Agenda verfolgt. Schon die Tatsache, dass er politisches Asyl ausgerechnet in Ecuador in Anspruch nimmt – einem Land, das im Pressefreiheits-Ranking von Reporter ohne Grenzen aktuell auf Platz 105 (von 180) steht – macht stutzig, lässt sich allerdings noch mit äußeren Notwendigkeiten erklären.

Ohne Zweifel freiwillig allerdings moderierte Julian Assange im Jahr 2012 eine eigene Show beim Kreml-nahen TV-Sender RT (ehemals „Russia Today“) und führte für diesen Interviews durch. Auch war er nach eigener Aussage maßgeblich daran beteiligt, NSA-Whistleblower Edward Snowden nach Russland zu schaffen, wo dieser bis heute im Exil lebt. Zudem gibt es bereits seit Jahren Gerüchte darüber, dass Assange Leaks über russisches Fehlverhalten nicht oder nur sehr schleppend bearbeitet. Zudem warf er der Presse vor, in der Berichterstattung über die sogenannten „Panama Papers“ westliche Politikerinnen und Politiker zu leicht davonkommen zu lassen und sich stattdessen unter anderem auf Russland einzuschießen, obwohl in den Publikationen durchaus reichlich Berichte über fragwürdige Finanztransaktionen westlicher Polit-Größen auftauchten.

Auch im US-Wahlkampf, auf den sich die Website zeitweise konzentrierte, wirkten die Aktivitäten von WikiLeaks deutlich unausgeglichen. Fast im Wochenrythmus wurden kompromittierende Informationen über die demokratische Kandidatin Hillary Clinton und ihre Verbündeten veröffentlicht. Auch Assange selbst äußerte sich häufig sehr negativ über Clinton. Hingegen gab es keinen einzigen Leak über Clintons republikanischen Widersacher Donald Trump (dessen fragwürdiges Geschäftsgebahren spätestens seit der Trump University weithin bekannt ist, so dass es schwer fällt, zu glauben, er habe eine blütenweiße Weste und keinerlei an Leaks interessierte Feinde).

Im August 2016, kurz vor der Wahl, sagte Assange, er habe Material über Trump, dieses sei jedoch keiner Veröffentlichung würdig. Gegenüber „Foreign Policy“ erklärte er später, WikiLeaks habe „keine Original-Dokumente über die Kampagne erhalten, die nicht bereits öffentlich waren.“

Es gibt Spekulationen, dass die zahlreichen Leaks zu Lasten Hillary Clintons von russischen, der Regierung nahe stehenden Hackern stammen. Sie sollten, so die Theorie, dem Russland-freundlicheren Donald Trump einen Vorteil verschaffen. Schlüssig bewiesen wurden diese Mutmaßungen bislang jedoch nicht.

Rückbesinnung auf Gründungswerte erforderlich

Steckt Assange mit dem russischen Regime unter einer Decke? Möglich, aber unwahrscheinlich. Naheliegender ist, dass der WikiLeaks-Chefredakteur sich – wie auch Daniel Domscheit-Berg vermutet – von seinen eigenen politischen Meinungen und Vorurteilen zu kurzsichtigen und der Demokratie nicht zuträglichen Entscheidungen im Namen von WikiLeaks hinreißen lässt.

Es steht außer Frage, dass auch Journalistinnen und Journalisten politische Meinungen haben und diese öffentlich, auch im Rahmen ihrer Arbeit, äußern dürfen. Fakten selektiv auszuwählen, damit sie zur eigenen Agenda passen, ist jedoch etwas ganz anderes. Wer so vorgeht, betreibt keinen guten, die Demokratie fördernden Journalismus. Guter Journalismus präsentiert die Fakten und gibt den Leserinnen und Lesern, Zuschauerinnen und Zuschauern oder Hörerinnen und Hörern die Möglichkeit, sich eine eigene Meinung zu bilden. Das gilt umso mehr, wenn sich eine Publikation politische Neutralität und das kompromisslose Veröffentlichen von Informationen auf die Fahnen geschrieben hat, wie WikiLeaks.

Durch konsequentes Befolgen der eigenen Grundsätze wären die nun erhobenen Vorwürfe leicht zu vermeiden. So hätte WikiLeaks die angeblich nicht relevanten Informationen über Trump durchaus veröffentlichen und der Leserschaft die Entscheidung, ob diese Informationen einen wertvollen Beitrag zur Diskussion darstellen, überlassen können. Dergleichen wurde in der Vergangenheit oft getan. Von dieser Linie ausgerechnet an einer derart ideologisch aufgeladenen Stelle abzuweichen, ist zumindest taktisch unklug.

Es steht außer Frage, dass eine angebliche Komplizenschaft mit den ‚Bösen Russen‘ seit jeher ein gerne gegen politisch missliebige Personen, insbesondere Aktivistinnen und Aktivisten, erhobener Vorwurf ist. Alle kritischen Nachfragen in diese Richtung jedoch als „neo-McCarthyistische Propaganda“ abzutun, wie es Assange tut, ist angesichts seiner Äußerungen der letzten Jahre ein wenig zu billig. Bekanntermaßen neigt der Australier dazu, in jeder Kritik an seinen Handlungen eine Verschwörung der Mächtigen zu sehen. Dies mag in Einzelfällen zutreffen, jedoch sollte Assange durchaus dazu übergehen, sich zu fragen, ob die Kritik nicht in Einzelfällen doch zumindest teilweise berechtigt ist.

WikiLeaks kann einen wichtigen und wertvollen Beitrag zur Demokratie leisten, auch und gerade in diesen turbulenten Zeiten. Dazu muss es sich jedoch auf seine Gründungswerte besinnen Zu diesen zählt auch politische Unabhängigkeit. Steht diese in Zweifel, muss auch WikiLeaks als Quelle und einflussreiche journalistische Publikation hinterfragt werden. Das jedoch wäre sehr schade. So bleibt zu hoffen, dass bei WikiLeaks doch noch ein Umdenken, hin zu mehr Transparenz und politischer Unabhängigkeit, stattfindet.


Image (adapted) „Moscow Rooftops“ by Evgeny (CC0 Public Domain)


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VPN-Zensur: Apple beugt sich erneut Druck aus China

Apple Store (adapted) (Image by Robert_z_Ziemi) (CC0 Public Domain) via Pixabay

Apple hat still und leise zahlreiche Apps, die der Nutzung eines Virtual Private Network (VPN) dienen, aus seinem chinesischen App-Store entfernt. Darüber haben bereits mehrere betroffene Anbieter berichtet. VPNs sind ein wichtiges Werkzeug zur Umgehung von Überwachungs- und Zensurmaßnahmen und als solches der chinesischen Regierung ein Dorn im Auge. Es ist nicht das erste Mal, dass Apple aus opportunistischen Gründen legale und sinnvolle Apps aus seinem App-Store entfernt.

VPNs: Wertvoll gegen Überwachung und Zensur

Ein sogenanntes „Virtual Private Network“ oder VPN ist eine Möglichkeit, Daten sicher über eine eigentlich unsichere Verbindung zu übertragen. Hierzu verbindet sich die Nutzerin oder der Nutzer mit einem VPN-Server, der die Daten dann weiterleitet. Dabei werden die Daten in einem verschlüsselten „Tunnel“ übertragen.

VPNs schützen sensible Daten bei der Übertragung vor unbefugtem Mitlesen. Deswegen betreiben einige größere Unternehmen oder Bildungseinrichtungen ihre eigenen VPNs. Mitarbeiter, die auswärts arbeiten, können so ihre Daten sicher übertragen und dadurch sensible Interna schützen. Internet-Nutzer, die um ihre Privatsphäre besorgt sind oder kriminelle Angriffe auf ihre sensiblen Daten fürchten, können sich ebenfalls durch ein VPN schützen. Es gibt eine Reihe von kostenlosen wie auch kommerziellen Angeboten, die sich im Leistungsumfang unterscheiden.

Neben dem Schutz der Daten vor Überwachung und Angriffen sind VPNs aber auch ein wertvolles Werkzeug zur Umgehung von Zensurmaßnahmen. Durch die Verschlüsselung ist von außen nicht zu sehen, welche Daten wohin übertragen werden. Somit können missliebige Verbindungen nicht identifiziert und somit auch nicht zensiert werden.

Apple entfernt VPN-Apps

Apple hat offenbar eine ganze Reihe von Apps, die der Nutzung von VPNs dienen, aus seinem chinesischen App-Store entfernt. Das hat einen einfachen Grund: China führt im Rahmen der „Great Firewall of China“ umfangreiche Zensurmaßnahmen durch. Für Chinesinnen und Chinesen ist es sehr schwer, sich im Internet unabhängig zu informieren. VPNs würden eine Umgehung der Zensurmaßnahmen ermöglichen. Diese Möglichkeit ist der Regierung natürlich ein Dorn im Auge. Dementsprechend übt sie Druck auf Unternehmen aus, die Nutzung entsprechender Apps zu unterbinden.

Für Apple ist China (nach den USA) der zweitwichtigste Markt. Dementsprechend ist das Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino offenbar schnell bereit, aus wirtschaftlichen Gründen auch Apps, die weder gegen ein konkretes chinesisches (oder US-amerikanisches) Gesetz noch gegen Apples eigene Nutzungsbedingungen verstoßen, aus dem App-Store zu entfernen.

Wie Apple immer wieder politischem Druck nachgibt

Apples Verhalten ist nicht ohne Präzedenzfall. Schon mehrfach hat Apple auf politischen Druck hin legale und sinnvolle Apps aus seinem App-Store entfernt. So löschte der IT-Gigant ebenfalls auf Druck der chinesischen Regierung die App der New York Times aus seinem chinesischen App-Store, weil diese von vielen Chinesinnen und Chinesen genutzt wurde, um sich über Sachverhalte zu informieren, die der Zensur der chinesischen Regierung unterliegen. Dagegen spielte sich ein weiterer, in der Sache ähnlicher Vorfall in den USA ab. Dabei löschte Apple die Info-App „Metadata“. Diese informiert über Drohnen-Angriffe der US-Regierung und wurde von dieser offenbar als Kritik an ihrer Art der Kriegführung ausgelegt. Auf Druck aus Washington hin machte Apple auch diese App – trotz mehrfacher Beschwerden der Entwicklergruppe und zahlreicher Unterstützerinnen und Unterstützer – unzugänglich.

Apple wird seiner Verantwortung nicht gerecht

Apples Verhalten ist, vor allem, da es sich eindeutig nicht um einen Einzelfall handelt, ein Armutszeugnis. Natürlich ist der IT-Konzern ein profitorientiertes Unternehmen und will als solches Geld verdienen. Das darf jedoch nicht um jeden Preis geschehen. Wo freiheitliche Werte so eindeutig hinten angestellt werden – und das ohne ernst zu nehmende Bedrohung, einfach nur um der Bequemlichkeit und Gewinnmaximierung willen – wird Apple eindeutig seiner Verantwortung als einflussreicher Global Player noch nicht einmal ansatzweise gerecht.

Es wird Zeit, dass dieses Verhalten deutlicher kritisiert wird und Apple vor allem auch wirtschaftlich zu spüren bekommt, dass die Nutzerinnen und Nutzer einen solchen Verrat an der Meinungsfreiheit nicht ungestraft hinnehmen. Das Bankkonto und der Aktienwert scheinen nämlich die einzigen Werte zu dein, die Apple verteidigt.


Image (adapted) „Apple Store Hong Kong“ by Robert_z_Ziemi (CC0 Public Domain)


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Die Netzpiloten sind Partner des INTERACTIVE Festival 2017

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In Köln findet am 16. und 17. August das INTERACTIVE Festival 2017 statt. Bei dieser Veranstaltung treffen die Themen digitale Kultur und Wirtschaft aufeinander. Zum fünften Mal kommen in der Rheinmetropole Experten und Interessierte zusammen und passend dazu gibt es dieses Jahr auch fünf Schwerpunkte der Veranstaltung: Retail, Community, Media/VR, Sports und Growth.

Das Wissen vermitteln euch die Experten mithilfe verschiedener Module. Es handelt sich um Vorträge, interaktive Panels und Workshops, bei denen euch geballtes Wissen und die neuesten Erkenntnisse aus unserer digitalisierten Gesellschaft erwarten.

Darum gibt es das Festival

Ins Leben gerufen wurde das INTERACTIVE Festival im Jahr 2012/ 2013. Ortsansässige Kreative und Macher stellten fest, dass Köln durchaus das Potenzial einer Digitalstadt besitzt. Allerdings gab es zu der Zeit noch kein Forum für diese Strömung. Aus der Not machten sie eine Tugend – und so fand schon im darauffolgenden Sommer, im Juni 2013, das erste Festival statt, damals noch unter dem Namen INTERACTIVE Cologne. Von Anfang an beeindruckte das Festival mit einem außergewöhnlichen Format-Mix, den es sich auch im fünften Jahr bewahrt hat.

Wer hier genau richtig ist

Das INTERACTIVE Festival spricht ein breites Publikum an. Alle, die Teil der Kreativ- und/ oder Digitalbranche sind, sollten sich das Festival nicht entgehen lassen, aber auch User und Bürger, die die digitale Transformation und Disruption verstehen wollen, kommen hier auf ihre Kosten.

Wie wird digitale Technologie unser Leben verändern? Macht sie Dinge einfacher oder komplizierter? Welche Auswirkungen hat sie auf die Wirtschaft, auf die Politik, oder auf jeden von uns? Das Festival wird Antworten auf diese Fragen liefern, indem es sie in Vorträgen, Workshops, bei Hackathons und Parties thematisiert.

Interessante Speaker und spannende Vorträge

Freut euch unter anderem auf diese Speaker:

Das INTERACTIVE Festival findet in der Industrie- und Handelskammer zu Köln statt. Hier bekommt ihr eure Tickets.

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Mit uns kommt ihr günstiger an Tickets! Statt 150 Euro zahlt ihr für euer Ticket nur noch 99 Euro. Gebt dazu einfach den Rabattcode „NETZ2017IAC“ ein und sichert euch eure vergünstigten Tickets.

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Wie man der Desorganisation der Gesellschaft entgegenwirken kann – Neubelebung der Agora

Bundestag (Image by LoboStudioHamburg) (CC0 Public Domain) via Pixabay

Die vornehmste Aufgabe der Libertären besteht nach Ansicht des Vulgärkapitalisten und Trump-Freundes Peter Thiel darin, einen „Ausstieg aus der Politik in allen Formen zu finden“.

„Was nach hehrem Ideal klingt, ist bei Lichte betrachtet nichts anderes als ein Freibrief für Steuerflucht und Verantwortungslosigkeit. Auch der konstruierte Antagonismus zwischen Politik und Technologie, der suggeriert, im Internet herrsche die große Freiheit, trägt zur Verkennung der Lage bei. Die Kommunikationsströme im Netz sind vermachtet, und die großen Player Google, Amazon, Facebook und Apple bestellen das Feld, sie schränken genau jene Wahlfreiheit ein, die Thiel beschwört. Er redet letztlich der Demontage der Demokratie das Wort, die Trump auf seine Weise bearbeitet: Für Gewaltenteilung hat er nichts übrig, die Presse betrachtet er als Feind, er spricht per Twitter zu seiner Gefolgschaft. In Peter Thiel hat er offenbar einen Geistesverwandten gefunden“, resümiert die FAZ.

Die Politik sollte da nicht zur Tagesordnung übergehen.

„Sie muss die Banker und Manager mit der politischen Macht konfrontieren, muss sie als scheinbar Allmächtige entzaubern. Sie muss sie entlarven als jämmerliche Söldner“, fordert der Schweizer Publizist Frank A. Meyer.

Aber wird das reichen? Professor Reinhard Pfriem hat das im Utopie-Podcast #KönigvonDeutschland verneint.

Veränderungen über Basisbewegungen

Die Ökonomie sei ein Ausdruck kultureller Verhältnisse, auch was in ihr für wichtig gehalten und wertgeschätzt wird:

„Die gleichen kulturellen Strömungen wirken auch auf die Konstellationen der politischen Kräfte ein. Gerade in einem repräsentativen Parteiensystem. Es war die Vorstellung schon immer naiv, daran zu glauben, dass auf dem Weg des Politischen die Akteure zu Maßnahmen gezwungen werden, die sie selbst nicht machen wollen. Das funktioniert nicht. Wenn man sich das Parteiensystem anschaut sowie das Wahlverhalten der Bürgerinnen und Bürger.“

Man sei vielleicht gattungsgeschichtlich überfordert, die Gratwanderung zwischen Einheit und gemeinsamen Vorgehen sowie Konflikt- und Streitkultur zu bewältigen. Pfriem ist sehr angetan von den theoretischen Arbeiten der belgischen Wissenschaftlerin Chantal Mouffe. „Sie hat den Begriff der Agonistik geprägt – Sprechen ist Kämpfen im Sinne des Spielens. Damit meint Mouffe, dass es möglich sein muss, in der Gesellschaft Streitkultur zu pflegen und sich vom politischen Einheitsbrei zu verabschieden. Konflikte sollten Konflikte zwischen Kontrahenten bleiben und nicht Gegenstand von feindlichen Auseinandersetzungen sein. Das scheint extrem schwierig zu sein.“

Staatliche Regelungen bewirken nach Ansicht von Pfriem nur dann positive Veränderungen, wenn es sozial- und gesellschaftspolitischen Druck gibt. Ohne Basisbewegungen hätte es in den 70er und 80er Jahren keinen Fortschritt in der Umweltpolitik gegeben, die letztlich zum Atomausstieg und zur Einführung des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes geführt haben. Auf anderen Feldern funktioniere das nicht. „Denken Sie an die Mobilität, wo der Lobbyismus von Alexander Dobrindt sich ausleben kann und es in dem Autofahrerland Deutschland nach wie vor nicht möglich ist, auch nur Geschwindigkeitsbegrenzungen durchzusetzen.“

Wie sich Eliten abschotten

Liegt es an der Atomisierung oder Entsolidarisierung der Gesellschaft? Pfriem bejaht das.

Der Netzwerkforscher Manuel Castells hat das gut analysiert: Die alten und neuen Eliten (etwa Vulgärkapitalisten wie Thiel – er zählt gar zu den Protagonisten, die sich mit den alten Eliten koppeln) verbinden sich zur Absicherung ihrer Herrschaft bei gleichzeitiger Desorganisation der Gesellschaft.

Je stärker das Internet die Vernetzung vorantreibt und jeder nicht nur Empfänger von Botschaften ist, sondern auch Sender, desto stärker versuchen sich die alten Eliten abzusetzen, damit es nicht zu einem übermäßigen Vordringen von „gewöhnlichen“ Leuten in die innere Welt der Cliquen und Klüngel kommt. Der Zugang zu den Netzwerken der Herrschenden bleibt versperrt. Nachzulesen im Standardwerk von Castells „Das Informationszeitalter I – Der Aufstieg der Netzwerkgesellschaft“.

Quartiersräte als Bindeglied

Die Zersplitterung der Gesellschaft und der Separatismus elitärer Gruppen ist auch nach Meinung von Pfriem ein großes Problem.

„Es gibt ein grundlegendes Defizit an der Möglichkeit politischer Artikulation“, mahnt der Ökonom Reinhard Pfriem und plädiert für die Entwicklung von institutionellen Formen, die tatsächlich wieder radikale Demokratie ermöglicht: „Es gibt in Berlin in einigen sozialen Brennpunkten der Stadt so genannte Quartiersräte, wo die heterogenen und zukunftsorientiert tätigen Akteure zusammengebracht und mit der darüber liegenden Ebene verkoppelt werden.“

Also ein Bindeglied zu den kommunalen und landespolitischen Instanzen. In der Hauptstadt sind es die Bezirksverordneten-Versammlungen und das Abgeordnetenhaus. Die gegenwärtige Form von repräsentativer Parlamentsdemokratie schwebe schon institutionell über dem, was Menschen wirklich bewegt. Pfriem bringt den Begriff der Agora ins Spiel, also den Ort öffentlichen Verständigung und Kommunikation in der griechischen Antike. Das gilt nach seiner Auffassung auch für die Wissenschaft, die sich transparent zu zeigen und zu rechtfertigen hat sowie ihre von der Gesellschaft alimentierte Funktion unter Beweis stellen muss. Das Notiz-Amt sieht hier eine Nahtstelle zu den Diskussionen dem Future Hub-Diskurs mit der Bundeszentrale für politische Bildung und mit den Vorschlägen von D2030-Beiratsmitglied Professor Dirk Helbing für eine vernetzte Demokratie – analog und digital.


Image (adapted) „Bundestag“ by LoboStudioHamburg (CC0 Public Domain)


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Warum Daten-Forensik im Politik-Betrieb relevanter wird – Von der Unberechenbarkeit der öffentlichen Meinung

britain-20526 (adapted) (Image by PublicDomainPictures) (CC0) via Pixabay

Wie die Piranhas hat sich die Netzgemeinde auf den Politiker Guttenberg gestürzt. Der Fall des Ministers macht deutlich, wie stark das Netz mittlerweile auf die Politik einwirkt. Massenmedien wie die Bild-Zeitung können ihre Agenda kaum noch setzen. Das schrieb ich in einer Kolumne vor über fünf Jahren: Mit dem Guttenwahn-Drama werden sich Medien, Politikwissenschaft und Demoskopie noch lange beschäftigen. Eingeübte Politikrituale, wie man sie in der Bundesrepublik seit Jahrzehnten kennt, funktionieren nicht mehr. Man braucht zum Regieren mittlerweile nicht nur „Bild, BamS, Glotze“ und Meinungsumfragen. So funktionierten die Leitplanken von Altkanzler Gerhard Schröder und Helmut Kohl. Die politische Willensbildung ist durch das Internet schwieriger und unübersichtlicher geworden. „Wir erleben ein Ende der Leitmedien“, so der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen im Interview mit WDR 2.

Ein Medium wie die Bild könne einen Politiker wie Guttenberg in einer linearen Weise nicht mehr durchsetzen oder halten. Die massive Positivkampagne des größten Boulevardblattes für den baronesken Welterlöser war nicht von Erfolg gekrönt, da man die sich selbst organisierende Netzöffentlichkeit nicht mehr unter Kontrolle bringt.

Schwarmintelligenz contra Bild-Zeitung

„Die Schwarmintelligenz im Netz benötigte gut zwei Tage, um Guttenbergs Dissertation bis auf die Knochen abzunagen“, so FAZ-Redakteur Volker Zastrow. Die blitzschnelle Recherche des GuttenPlag-Wikis habe auch die Qualitätsmedien des Landes beeindruckt, sie mit Material und der nötigen Entschiedenheit versorgt, meint Pörksen. Und nicht zuletzt die Wissenschaftscommunity auf die Barrikaden gebracht.

Die Netzöffentlichkeit positionierte sich sofort gegen den freiherrlichen Plagiator, erst danach setzten die klassischen Medien nach und zerbröselten die bizarren Scheinwelten des ehemaligen Selbstverteidigungsministers. Umfragen im Internet fielen für Guttenberg katastrophal aus. Die Meinungsbefragungen der Demoskopen per Telefon boten ein ganz anderes Bild. Hier votierte eine große Mehrheit für den adligen Propheten und wertete die Plagiatsaffäre als entschuldbare Entgleisung, die eigentlich nichts mit dem Ministeramt zu tun habe.

Das vielfache Meinungsklima

Welche öffentliche Meinung ist also noch relevant? Der Tenor der Massenmedien oder die vielstimmige Netzöffentlichkeit? Was erlebten wir beim Aufstieg und Untergang des adligen Polit-Shootingstars? „Bild“ und „BamS“ scheiterten beim Versuch, den erlauchten Minister im Amt zu halten.

Die Mehrheit der Deutschen trauerte um den Abgang eines Heilsbringers und die Schwarmintelligenz des Netzes entzauberte den Meister der Camouflage. Heute muss man wohl von einem vielfachen Meinungsklima sprechen. Die zunehmende Fragmentierung der Medienwelt und damit auch der Verlust der gemeinsamen Informationsbasis führen auch zu einem Verlust einer gemeinsamen öffentlichen Meinung.

Der YouGov-Triumph

Die traditionellen Meinungsforschungsinstitute und auch die Kommunikationswissenschaften haben das noch nicht vollumfänglich erforscht. Das konnte man bei der britischen Unterhauswahl wieder gut beobachten. Kaum ein Umfrage-Institut hatte die herbe Niederlage von Tory-Chefin Theresa May und den Überraschungserfolg von Labour-Spitzenkandidat Jeremy Corbyn auf der Rechnung – außer YouGov.

Zu einem Zeitpunkt, als alle anderen Umfragen noch von einer satten Mehrheit für die Tories ausgingen, sagte YouGov als erstes Institut einen Verlust der absoluten Mehrheit der Konservativen voraus. Daraufhin griffen Experten und Politikberater die neue Analysemethode öffentlich an. Jim Messina, Berater der Tories, bezeichnete die YouGov-Methode gar als „idiotic“.

„Die Wahlergebnisse vom 8. Juni waren folglich nicht nur ein Erdbeben für die Konservativen in Großbritannien, sondern auch für die klassische politische Meinungsforschung. YouGov errechnete mit seinem neuen Modell für 632 Wahlkreise im Vereinigten Königreicht – ohne die 18 Wahlkreise für Nord-Irland – eine eigene Schätzung für jeden Wahlkreis. Für 93 Prozent dieser Wahlkreise sagte das Modell den tatsächlichen Gewinner richtig voraus. Darüber hinaus prophezeite YouGov, dass die Konservativen den Wahlkreis Canterbury an Labour verlieren würden. Das war eine Sensation, denn die Tories hatten hier seit 1918 bisher jede Wahl gewonnen“, teilt YouGov in einer Presseverlautbarung mit.

Das eingesetzte Berechnungs- und Analysemodell von YouGov verwendet Daten aus kontinuierlichen Befragungen und kombiniert diese entsprechend eines Big-Data-Ansatzes mit weiteren Informationen aus verschiedenen Quellen. Ergänzt um demographische und psychografische Informationen konnten so Schätzungen für die jeweiligen Wahlkreise errechnet werden. „Die Kombination dieser Daten ermöglichte YouGov die außergewöhnlich gute Vorhersage des Wahlausgangs“, teilt das Unternehmen mit. Und das umfasst eben auch das Meinungsbild im Internet.

Social Media-Kampagne von Labour

Früher rühmten sich wie in Deutschland die auflagenstarken Printmedien, Wahlen entschieden zu haben. „Diesmal hatte der Versuch des Boulevards, Corbyn als Terroristen-Freund und marxistischen Extremisten zu entsorgen, keinen durchschlagenden Erfolg. Im Netz machte man sich nach der Wahl über die Zeitungen lustig“, berichtet das ZDF-Auslandsjournal. Etwa John Niven. „This morning I reignited the British spirit with the newsagents entire stock of Suns and Daily Mails.“

Seine Botschaft fand auf Twitter mit rund 11.000 Retweets und 31.000 Gefällt mir-Bekundungen einen riesigen Anklang. Ein Faktor für den Erfolg von Labour lag an der Social Media-Kampagne, so die Süddeutsche Zeitung:

„Das eindeutige Vorbild für die Wahlkampagne von Jeremy Corbyn ist der Wahlkampf von Bernie Sanders in den USA – und hier spielt Social Media eine große Rolle. Corbyn sieht sich als Anführer einer Bewegung, an deren Spitze er steht, und seine Anhänger posten auf Facebook und Twitter im Minutentakt kurze Videos über ihren Helden Corbyn. Das Internet wurde nicht nur genutzt, um Spenden zu sammeln – online wurden auch die Aktivisten rekrutiert und geschult, die für den 68-jährigen Corbyn trommelten.“

Dank Youtube konnte jeder sehen, wie der bärtige Abgeordnete Corbyn 1990 die damalige Premierministerin Thatcher attackierte und die herrschende Armut im Königreich als „nationale Schande“ bezeichnete – oder wie er 2003 vor den Folgen der Invasion in den Irak warnte und sich damit gegen den Parteifreund Tony Blair stellte. „Der war damals Premierminister – und hatte bei seinen Wahlsiegen 1997 und 2001 mit 43 beziehungsweise 40,3 Prozent ähnliche hohe Stimmenanteile erreicht“, so die SZ. Die David-gegen-Goliath-Story war damit rund. Mit kleinem Budget und einer enthusiastischen Fan-Gemeinde im Netz erzielte Labour mehr Wirkung als die staatstragende Kampagne der Tories.

Wo ist nur die repräsentative Stichprobe geblieben?

Mit den klassischen Instrumenten der Wahlforschung lassen sich diese Effekte wohl nicht mehr messen. Gemeint sind damit nicht die Hochrechnungen an den Wahlabenden, sondern die Telefonumfragen im Vorfeld der Wahlen.

„In den 1990er Jahren war es relativ einfach, über Telefonumfragen mit zufällig generierten Festnetznummern repräsentative Stichproben zu ziehen für die Grundgesamtheit, die man untersuchen wollte“, erläutert Johannes Mirus von Bonn.digital: „Das Smartphone ist zwar personalisiert und beseitigt die Herausforderung, die richtige Zielperson ans Telefon zu bekommen. Die Mobilfunk-Nummern sind aber schwerer zu erfassen. Zudem ist eine örtliche Eingrenzung für die Stichprobe nicht möglich.“

Gefragt sind eher Ansätze wie von Professor Simon Hegelich von der TU-München. Er verbindet in seiner Forschung Politikwissenschaft und Computerwissenschaft zu Political Data Science. Dabei geht es sowohl um Themen der Digitalisierung, deren politische Relevanz untersucht wird, als auch um klassische politikwissenschaftliche Fragen, die mit Methoden wie maschinellem Lernen, Data Mining, Computer Vision oder Simulationen bearbeitet werden.

Folgende Fragen sind dabei interessant: Welchen Einfluss haben Bots auf die politische Willensbildung? Wie agieren kleine und besonders aktive Gruppen im Social Web und welche Netzwerkeffekte erzielen sie? Welche Rolle spielen Fake News? Wie oft werden Inhalte von klassischen Medien rezipiert und welchen Stellenwert haben Quellen jenseits des Journalismus? Wie groß ist die Relevanz von digitalen Diensten – also News Aggregatoren, Suchmaschinen, Bewertungsplattformen?

Das Notiz-Amt empfiehlt den Politik-Analysten in Medien, Wissenschaft und Denkfabriken, schleunigst Kompetenzen in der Daten-Forensik aufzubauen. Ansonsten wird man eben weitere Überraschungen im Polit-Geschehen erleben.


Image (adapted) „Britain-20526“ by PublicDomainPictures (CC0 Public Domain)


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Bildungsethik jenseits der Zeigestock-Pädagogik

Classroom (adapted) (Image by Wokandapix)(CC0 Public Domain) via Pixabay

Was Schulen und Hochschulen den Lernenden vermitteln, hat wenig mit Ethik zu tun. Aus Verärgerung über die Vermischung von Moral und Ethik hat Christoph Schmitt ein Buch geschrieben. Titel: „Die Moral ist tot. Es lebe die Ethik – Warum ethische Bildung Schule machen muss.

Der Sinn der Ethik besteht darin, dass wir aus der Differenz zwischen Moral und Ethik lernen, wie wir in Zukunft unsere Gemeinschaft einigermaßen sinnvoll gestalten können.“ Bildungsinstitutionen verharren in einem moralischen Korsett und beflügeln nicht die Weiterentwicklung von Demokratie, Menschenrechte, Ökologie, Gerechtigkeit und Ökonomie.

Moralischer Ablasshandel

Moralvermittlung in Schulen und Hochschulen heißt vor allem, dass wir in der Erziehung lernen, was man tut und was man nicht tut. In der Schule lernen wir ganz bestimmte gesellschaftliche Strukturen, Hierarchien, wir lernen, wer das Sagen und die Macht hat. Und wir lernen eigentlich, dass gut begründetes Argumentieren nicht wirklich weiterhilft“, so Schmitt im ichsagmal.com-Autorengespräch.

Am Ende bleibt nur Fatalismus übrig oder ein moralischer Ablasshandel, den Wissenschaftler wie Professor Karl Homann als Ethik verkaufen. Bewege Dich in den Bahnen der Machbarkeit und schere Dich nicht um utopische Ziele zur Verbesserung der Welt. Dabei könnte eine kritische und reflektierte Haltung in kleinen und großen Zusammenhängen schon eine Menge verändern.

Autonom agierende Menschen sind unerwünscht

Hier setzt der Autor seine Kritik am Bildungssystem an. Welchen Sinn macht es, soviel Energie reinzustecken, um autonom agierende und ethisch handelnde Individuen hervorzubringen, wenn das Entscheidungspotenzial vor allem in der digitalisierten Gesellschaft immer kleiner wird? Wenn uns Maschinen und die großen Konzerne mit ihrem Röntgenblick durchleuchten, digitalisierte Werkzeuge selbst die WC-Zeiten von Mitarbeitern überprüfen und immer weniger Entscheidungsspielräume vorhanden sind. Da hilft dann auch New Work-Propaganda als Beruhigungsmittel nicht weiter. Die Dressur und die von mir so bezeichnete digitale Käfighaltung in Organisationen fangen schon in der Schule an.

Selbstdenker gefährden ihre Karriere

Schülerinnen und Schüler lernen nicht, wie sie selbst zu normativ bewertbaren oder begründbaren Aussagen oder Handlungsoptionen kommen. Wenn mir im Verlauf meiner ganzen Schulkarriere immer vorgebetet wird, was ich zu tun habe, wenn ich also nicht für das verantwortlich bin, was ich mache, sondern nur entscheidend ist, wie ich es mache, dann zählt eben nur die Bewertung der Ausführung von statischen Lernzielen“, kritisiert Schmitt. Da klingeln seine Ohren. Schulen und Hochschulen züchten heteronome, also fremdbestimmte Subjekte heran und nicht autonom denkende und autonom handelnde Menschen. Wer aus diesem Schema ausbricht, riskiert schlechte Noten und seine Karriere.

Wie sich Bildung aus den Fängen des Bildungssystems befreit

Was könnte helfen? Schmitt bringt einen radikalen Schritt ins Gespräch: Er fordert den Abschied vom klassischen Bildungssystem. Wir selber müssten verstehen, dass wir zur Wissensvermittlung keine Schulen, keine Unterrichtsstunden, keine Fächer, keine Noten und keine Lehrpläne mehr brauchen. Dieser Kulturwandel lässt sich nicht verordnen und dürfte in der Kultusminister-Konferenz schwer vermittelbar sein. In einem verfilzten System werde es da keine Umkehr geben. Schmitt erkennt aber immer mehr Initiativen, die die Bildung aus dem Bildungssystem befreit. Das Notiz-Amt sieht das positiv. So steigt der Außendruck auf die Bildungspolitiker und die Spielräume erhöhen sich, um sich von der Zeigestock-Pädagogik zu lösen.


Image (adapted)“Classroom“ by Wokandapix (CC0 Public Domain)


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me

  • FACEBOOK wired: So verhalten sich die deutschen Parteien auf Facebook (INFOGRAFIK): Alle paar Jahre findet in Deutschland ein Großereignis statt, welches viele Bürger und vor allem Politiker sehr bewegt: Die Bundestagswahl. Ein Ereignis bei dem nicht nur viel Kraft und Geld in Werbung und Präsenz gesetzt wird, sondern seit einigen Jahren auch sehr viel Wert auf Facebook und Co. gelegt wird. Doch wie sieht der Status Quo aus, welche Parteien setzen voll und ganz auf Facebook und welche sehen darin immer noch den Teufel? WIRED Germany hat zusammen mit der Digitalmarketing-Plattform Online Marketing Rockstars und dem Social-Media-Analytics-Anbieter quintly die Aktivitäten deutscher Parteien auf Facebook untersucht.

  • POLITIK faz: Meinungsfreiheit im Neuland: Das Jahr 2017 wird in die Annalen als dasjenige eingehen, in dem die deutsche Medienpolitik und die Medienaufsicht das Internet entdeckten. Bis heute wird über die Bundeskanzlerin gewitzelt, die das Netz einmal als „Neuland“ bezeichnete. Dabei hatte sie recht: Politik und Behörden schauten ins Internet und staunten, was auf dieser terra incognita alles vor sich geht – wer dort die Agenda bestimmt und das große Geschäft macht.

  • OPEN DATA heise: Bundestag beschließt halbgares Open-Data-Gesetz: Das Parlament hat einen Gesetzentwurf verabschiedet, mit dem digitale Behördendaten maschinenlesbar und entgeltfrei öffentlich zugänglich gemacht werden sollen. Einen Anspruch darauf gibt es aber nicht, die Ausnahmen sind groß. Elektronisch gespeicherte unbearbeitete Daten von Bundesbehörden sollen maschinenlesbar, entgeltfrei sowie transparent der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Einen entsprechenden Entwurf für ein Open-Data-Gesetz hat der Bundestag nach einem längeren Anlauf ohne weitere Aussprache in der Nacht zum Freitag beschlossen. Die große Koalition stimmte für das Vorhaben, Linke und Grüne enthielten sich.

  • POLITIK II handelsblatt: Hass im Internet beschäftigt den Bundestag: Der Bundestag befasst sich am Vormittag in erster Lesung mit dem umstrittenen Gesetzentwurf der schwarz-roten Regierung gegen Hass und Hetze im Internet. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) will damit die sozialen Netzwerke zwingen, Hassbotschaften konsequenter zu entfernen. Offenkundig strafbare Inhalte sollen innerhalb von 24 Stunden gelöscht werden. In komplizierteren Fällen bekommen die Internetkonzerne sieben Tage Zeit. Wer dem nicht nachkommt, muss mit Bußgeldern von bis zu 50 Millionen Euro rechnen.

  • EMOBILITÄT augsburger-allgemeine: Was wird aus der E-Mobilität?: Angela Merkel verabschiedete sich bei einem Kongress des CDU-Arbeitnehmerflügels von dem Ziel der Bundesregierung, bis 2020 rund eine Million Elektroautos auf die Straßen zu bringen. Die SPD reagierte mit Kritik. Man sollte die Pläne nicht einfach aufgeben, sagte Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries. Wie geht es mit der Zukunftstechnologie weiter? Ist Merkels Eingeständnis eine Überraschung?

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Leaks und Fake News bei der Frankreich-Wahl

Frankreichleaks

Im Umfeld der französischen Präsidentschaftswahl wurden angebliche Leaks über den Kandidaten Emmanuel Macron gepostet. Den Wahlausgang konnten sie nicht nachhaltig beeinflussen. Sie zeigen aber zweifellos, wie kompliziert das Internet und die Suche nach der Wahrheit mittlerweile geworden sind. Das sollte uns natürlich nicht dazu bewegen, die Suche nach der Wahrheit aufzugeben – wohl aber dazu, Informationen und die Motive ihrer Urheber und derjenigen, die sie weiter verbreiten, stets kritisch zu hinterfragen.

Leak gegen Emmanuel Macron

In Frankreich wurde gewählt. Nachdem der parteilose Kandidat Emmanuel Macron und Marine Le Pen von der rechtspopulistischen Front National aus dem ersten Wahlgang als stärkste Kandidaten hervorgegangen waren, kam es zwischen ihnen am 7. Mai 2017 zu einer Stichwahl. Diese konnte Macron deutlich für sich entscheiden und wird somit nun das höchste Staatsamt in Frankreich bekleiden.

Das Wahl-Wochenende wurde allerdings von einigen spektakulären und chaotischen Meldungen überschattet. Im Internet tauchten große Mengen geleakter Dokumente über Macron, erbeutet in einem „spektakulären Hacker-Angriff“. Publiziert wurden diese von der „En Marche!“-Bewegung. Deren Identität ist unklar – Verbindungen zu WikiLeaks stellten sich bald als Gerücht heraus – doch es wird vermutet, dass sie rechtspopulistischen Bewegungen nahe stehen. Weiter verbreitet wurden die Dokumente jedenfalls ganz gezielt von Macrons politischen Gegnern.

Spekulationen, dass der Hack von russischen Kräften initiiert wurde – womöglich von denselben, die auch die US-Wahlen durch gezielte Leaks gegen Hillary Clinton zu beeinflussen versuchten – haben eine gewisse Plausibilität, lassen sich aber aktuell nicht endgültig beweisen.

Veröffentlichungs-Verbot

Den französischen Medien wurde untersagt, über die Leaks zu berichten. Auch Macron selbst und seine politische Gegnerin Le Pen durften sich nicht dazu äußern. Dabei handelt es sich allerdings nicht um eine sinistere Zensurmaßnahme. In Frankreich hat es vielmehr Tradition, dass in den letzten Stunden vor der Wahl keine politische Diskussion mehr stattfinden darf.

Zudem, so die französische Wahlkommission, enthalte der Leak falsche oder zumindest auf die Schnelle nicht überprüfbare Informationen. Das ist zweifellos richtig. In dem gigantischen Datenpaket finden sich sogar Dokumente, die Macron gar nicht direkt betreffen. Andere bedürfen einer wochen- oder gar monatelangen Recherche, um die Relevanz und den Wahrheitsgehalt zu überprüfen.

Ein taktisch günstiger Moment?

Was also bezweckte dieser Leak – und warum wurde er so kurz vor der Wahl an die Öffentlichkeit gebracht, obwohl der dahinter stehende Hackerangriff wahrscheinlich bereits Anfang April erfolgte?

Die wahrscheinlichste Antwort lautet, dass es sich um eine taktische Entscheidung von Leuten handelte, die Macron nicht gerade wohl gesonnen sind. Auch und gerade, wenn der Leak wenig inkriminierendes Material hergibt, stiftet seine Präsentation so kurz vor der Wahl und ohne Möglichkeit zur Stellungnahme reichlich Verwirrung. Dass Macron sich – wie viele andere Akteure in Zeiten des Internet – bereits zuvor mit Fake News und Desinformation herumschlagen musste – so wurde ihm ohne belastbare Anhaltspunkte Steuerhinterziehung unterstellt – macht dieses Szenario noch wahrscheinlicher.

Rund um die Vorfälle entwickelten sich schnell allerhand abstruse Theorien. Gerade über die Rolle der Russen wurde hitzig diskutiert. In vielen Fällen waren die vertretenen Thesen wohl eindeutig ins Reich der Verschwörungstheorien einzuordnen. Für eine sachliche politische Diskussion sorgte all das nicht gerade.

Kritisch bleiben – auch gegen Leaks

Auch wenn der Ausgang der Wahl letztendlich nicht beeinflusst wurde, sind die Geschehnisse in Frankreich sowohl interessant als auch Besorgnis erregend. Klar ist: Leaks sind eine effektive Waffe gegen Machtmissbrauch und unangemessene Geheimnistuerei von Regierungen und anderen Führungspersönlichkeiten.

Wie jedes Werkzeug kann allerdings auch dieses missbräuchlich eingesetzt werden. Genau das ist wohl im vorliegenden Fall geschehen. Wo Leaks nicht mehr der Suche nach der Wahrheit, sondern im Gegenteil nur noch der Desinformation und dem Anschwärzen missliebiger Personen dienen, verfehlen sie ihren eigentlichen Zweck meilenweit. Das müssen wir anprangern.

Der Fall Macron zeigt, wie wichtig es ist, Nachrichten kritisch zu hinterfragen und angeblichen Leaks ebenso wie jeder anderen Information zunächst mit Skepsis zu begegnen. Medienkompetenz war nie schwerer – doch sie war auch nie wichtiger.


Image (adapted) „227710“ by Gandosh Ganbaatar (CC0 Public Domain)


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Wie DAX-Vorstände ihre Gehälter festlegen und Martin Schulz zu kurz springt

Tresor (adapted) (Image by DasWortgewand [CC0_Public Domain] via Pixabay)

Im Kreisverkehr der Deutschland AG verlaufen die Karrieren auf C-Level wie geschmiert. Vorstände wechseln über Kamingespräche, Seilschaften und Verbindungen zu mächtigen Aufsichtsräten und finanzstarken Investoren, die seit Ende der neunziger Jahre immer mehr Einfluss auf das Geschehen von börsennotierten Unternehmen bekommen. Oder in den Worten des ehemaligen DAX-Vorstandes Thomas Sattelberger:

„Karrieren werden beim Pinkeln gemacht. Karrierepolitik findet in geschlossenen Räumen statt, wo nicht jeder Zutritt hat. Und sie findet in Räumen statt, wo nur Männer sind. Das ist dann wie im vatikanischen Konklave, das kann ich aus 30 Jahren Erfahrung sagen, denn ich war Opfer und Täter von Karriereentwicklung.“

Und das gilt nicht nur für die Kunst des Postenwechsels, sondern auch für die Festlegung der Vorstandsbezahlung.

Bullshit-Detektor der Volkswirtschaftslehre

Da ist es gut, dass es einen Ökonomen wie Martin Hellwig gibt. Von der Wochenzeitung „Die Zeit“ wurde er vor ein paar Wochen als kritisch, klug und kantig porträtiert. Er deckt immer wieder nicht nur Widersprüche in Theorien auf, sondern beschäftigt sich auch mit den zum Teil fragwürdigen Leistungen der Ökonomik in der wirtschaftspolitischen Beratung. Hellwig, der bis Ende April Direktor des Bonner Max-Planck-Instituts zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern war, ist ein Mythenjäger – ein „Bullshit-Detektor der Volkswirtschaftslehre“, schreibt die Zeit. „Er war Vorsitzender der Monopolkommission und schrieb nach der Finanzkrise einen internationalen Bestseller über die Lügen der Bankenlobby“. Sein Fazit gegenüber der Zeit: „Bei vielen großen Themen kommt mehr zusammen, als dass eine präzise Modellierung möglich wäre.“

Mathematische Modelle versagen in der wirtschaftspolitischen Beratung

Sie würden das Problem erheblich einengen. „Und diese Einengung erfordert wiederum ein Urteil darüber, was bei einem Phänomen wichtig ist und was unwichtig. Dazu fehlt uns aber die Grundlage.“ Mit Mathematik lässt sich eben nicht alles erklären. Auch nicht die hohen Managergehälter, die sich in den vergangenen 30 Jahren immer drastischer von den Durchschnittslöhnen entfernen. Viele Ökonomen erklärten das mit der neuen Macht der Aktionäre.

„Weil die Konzerne sich am Finanzmarkt finanzieren konnten, brauchten sie die Banken nicht mehr, die bei ihnen lange mitregiert hatten. Auch Gewerkschafter oder Staatsvertreter bremsten den Anstieg der Gehälter nicht mehr, so die Theorie. Aktionäre bezahlten demnach nun aus eigenen Stücken so gut dafür, dass die CEOs den Börsenwert ihrer Unternehmen nach oben trieben. Später stellte sich allerdings heraus, dass die CEOs auch dann riesige Summen verdienten, wenn der Börsenwert sank oder die Zukunft gleich ganz verspielt wurde. Und es wurde offenbar, was Hellwig schon länger erkannt hatte: Die Explosion der Chefbezahlung war nicht die Folge von Aktionärsmacht, vielmehr hatten die Manager es wohl selbst so beschlossen“, so die Zeit. Das fing in den USA an und als Daimler den amerikanischen Automobilkonzern Chrysler übernahm, war es auch in Deutschland so weit. Man erinnert sich vielleicht noch an die Exzesse des Herrn Schrempp.

Wer hat die Macht in Großunternehmen?

Die Macht lag und liegt nicht bei den Aktionären, die auf dem Papier das Sagen haben. „Die eigentliche Macht in den Großunternehmen liegt bei den Managern“, sagt Martin Hellwig im Gespräch mit der Zeit. „Die Bedeutung von ‚Shareholder-Value‘, den Börsenkursen und den Boni, ist nicht etwa von den Anlegern erzwungen, sondern von den Managern selbst gefördert worden.“ An dieser Stelle des Zeit-Beitrages kommen dann leider nur Fragen, aber keine Lösungen. Warum? Und warum gerade in den 1990er Jahren? Und ist das nun gut oder schlecht für die Lenkung einer Volkswirtschaft? Nur ein Gedankengang wird noch zur Diskussion gestellt:

„Wenn es stimmt, dass an der Spitze der Großunternehmen gerade keine Rücksicht auf die vielen kleinen Aktionäre genommen wird, dann muss man wohl deren Macht nicht schwächen, sondern stärken, um die Spitzengehälter unter Kontrolle zu halten.“

Wenn das so ist, reicht dann die Forderung von Politikern wie Martin Schulz aus, die Managerbezüge gesetzlich zu begrenzen? Die SPD hat Pläne vorgestellt, die die steuerliche Absetzbarkeit der Managergehälter von Aktiengesellschaften und vergleichbaren Kapitalgesellschaften bei 500.000 Euro im Jahr decken. Die Union will dagegen die Festlegung der Managergehälter der Aktionärshauptversammlung eines Unternehmens übertragen. Auch das greift zu kurz. Warum haben sich denn die Vorstandsbosse von den Interessen der Aktionäre abgekoppelt? Es liegt an den fundamentalen Machtverschiebungen in den börsennotierten Konzernen.

Kein Stimmrecht für Dealmaker

Am Aktienmarkt sind immer häufiger die privaten Anleger die Verlierer. Unternehmen buhlen um Ihre Gunst, um eine stärkere Streuung der Aktien zu erzielen, dann aber werden sie wieder vernachlässigt und die großen Investoren bestimmen den Takt. Inwieweit dient die Finanzwirtschaft eigentlich noch der Realwirtschaft und welche Rolle spielen dabei die Privatanleger am Aktienmarkt? Spielen dabei überhaupt noch unternehmerische Interessen eine Rolle oder geht es nur um den schnellen Gewinn an der Börse?

Es geht um das sogenannte Principal-Agent-Problem – das heißt, die Frage, wie man als Eigentümer die im Auftrag handelnden Personen so steuert und überwacht, dass man nicht systematisch betrogen oder am Nasenring vorgeführt wird. Das Shareholder Value-Prinzip hat das Unternehmertum auf finanztechnische Kennziffern reduziert. Gewinn kann man aber nicht mit wirtschaftlich-unternehmerischer Leistung verwechseln.

Heutzutage sind Shareholder keine Aktionäre mehr im Sinne des unternehmerischen Eigentümers, sie sind Dealmaker.

Die sogenannten institutionellen Anleger halten heute fast 70 Prozent der Aktien, während sie 1950 lediglich neun Prozent besaßen. Den institutionellen Anlegern geht es in erster Linie um die Turnover-Rate, also um Aktienumschichtungen und weniger um unternehmerische Belange, sonst würden diese Manager die Papiere länger halten.

Zusammenspiel von Vorständen, mächtigen Aufsichtsräten und Investoren offenlegen

Mein erster Vorschlag: Wer an der Bestellung des Aufsichtsrates und über diesen Weg an der Corporate Governance mitwirkt, sollte einer Haltefrist unterworfen werden. Wer das nicht tut, darf in der Hauptversammlung kein Stimmrecht haben. Zweiter Vorschlag: Verbesserung der Transparenz bei den Beteiligungsverhältnissen und Offenlegung von Überschneidungen zwischen Top-Management und institutionellen Anlegern.

Institutionelle Investoren und Hedge Fonds schlüpfen auch in Deutschland in die Rolle, die ehedem den Großaktionären vorbehalten war.

„Sie tun so, als wären sie langfristig denkende Mehrheitseigentümer, aber in den meisten Fällen verschwinden sie genauso schnell wieder, wie sie gekommen sind – allerdings erst, nachdem sie das Management ausgetauscht und umfangreiche Ausschüttungen an die Aktionäre, also sich selbst, durchgesetzt haben“, so die Erfahrungen von Werner Seifert, ehemaliger Chef der Deutschen Börse.

Für alle Akteure auf den Kapitalmärkten der OECD sollten Offenlegungspflichten gelten. „Es darf nicht sein, dass Fonds, die auf den Cayman-Inseln registriert sind und so gut wie keine Informationen über ihre Eigentümer oder ihre Geschäftspraktiken herausrücken, zentralen Einfluss darauf nehmen können, wie große und größte Unternehmungen in Deutschland und in anderen Industriestaaten geführt werden“, kritisierte Seifert schon vor dem Ausbruch der Finanzkrise und fand bis heute wenig Gehör. Das Mindeste, was man von diesen Anteilseignern verlangen müsse, sei die Offenlegung ihrer Beteiligungen. Auf Facebook hab ich das ausführlicher dargelegt:

Managergehälter und Allianzen mit Dealmakern #KollaborativeRecherche

Wenn also Vorstände, einflussreiche Aufsichtsräte und institutionelle Anleger in einem Boot sitzen und ihre Geschäftchen aushandeln, gehen die Vorschläge von SPD und CDU ins Leere.


Image (adapted) „Tresor“ by DasWortgewand (CC0 Public Domain)

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Wir sollten die Demokratie digital upgraden #D2030

Bürokratie (adapted) (Image by Geisteskerker [CC0 Public Domain] via pixabay)

Als #KönigvonDeutschland würde Dirk Helbing einen digitalen Katalysator bauen, der uns alle befähigt, bessere Entscheidungen zu treffen, kreativer und innovativer zu sein, sowie die Koordination untereinander auf eine höhere Qualitätsstufe zu stellen. Co-Kreation, kollektive Intelligenz und Co-Evolution sind die Stichworte, die der Professor für Computational Social Science an der ETH Zürich beim netzökonomischen Diskurs der D2030-Initiative thematisierte. Um das zu erreichen, braucht man Plattformen und digitale Assistenten, die sich in den Dienst der res publica stellen und nicht von einzelnen Unternehmen dominiert werden.

Kombination von smarten Technologien mit smarten Bürgerinnen und Bürgern

Wir können die Demokratie digital upgraden“ , so Helbing. Damit meint er nicht die Projekte in Bund, Ländern und Kommunen unter der Überschrift E-Government: Statt intelligente Plattformen zu schaffen, wurde nach dem Prinzip „Bürokratie im Netz“ die Flut von Formularen und Anordnungen einfach online abgebildet. Das Ganze wird zu Tode verwaltet.

Wir benötigen die Kombination von smarten Technologien mit smarten Bürgerinnen und Bürgern. So etwas kann man der Politik nicht alleine überlassen. Für so etwas brauchen wir Investitionen, Kooperationen und eine breite Beteiligung der Bevölkerung“ , betont Helbing in der D2030-Gesprächsrunde.

Res publica-Supercomputer

Wie könnte die Kombinatorik von kollektiver Intelligenz, Big Data und so eine Art res publica-Watson-Supercomputer aussehen? Helbing schweben dezentral organisierte MOODs vor – also Massive Open Online Deliberation Platforms. Virtuelle Verhandlungstische für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

MOODs könnten genutzt werden, um innovativere Politikansätze auszuarbeiten, die über das einfache Mehrheitsprinzip hinausgehen. Es sollen verschiedene Perspektiven integriert werden, die nicht auf der Interessen- und Umverteilungspolitik von minimalen Mehrheiten basieren.

Bei den verschiedensten komplexen Herausforderungen wurde schon oftmals gezeigt, dass in der Kombination von Ideen und in der Interaktion zwischen Menschen sowie von Menschen und Maschinen die besten Resultate erzielt werden können. Ein solcher Ansatz kann nicht nur die Entfaltungsmöglichkeiten vieler Bevölkerungsgruppen und kombinatorische Innovation fördern, sondern auch für eine möglichst große Chancengleichheit und eine ausgeglichene Zufriedenheit unter den Bevölkerungsgruppen sorgen“ , so Helbing.

Komplexe gesellschaftliche Strukturen benötigen Ideenpluralismus und kombinatorische Innovation

Dazu brauche man allerdings die Wissenschaft. Die Komplexität der Welt wachse schneller als die Rechnerleistungen. „Wir brauchen einen anderen Steuerungsansatz mit verteilter Kontrolle und mehr Partizipation. Nur eine pluralistische Gesellschaft ist wandlungsfähig, resilienter und entwickelt mehr kollektive Intelligenz“, sagt Helbing.

Digitale Demokratie sei dann erfolgreich, wenn es gelingt, die digitalen Möglichkeiten so zu nutzen, dass die Ideen von Habermas oder Fishkin zur deliberativen Demokratie umgesetzt werden. Statt einer datengetriebenen Politik basierend auf zentraler Top-Down-Kontrolle und globalen Einheitslösungen plädiert Helbing für einen Weg, der die Komplexität und Vielfalt zu unseren Gunsten nutzen kann – durch den Aufbau von dezentralisierten Kooperationsnetzwerken.

Diskursmöglichkeiten in polarisierten Gesellschaften

In jüngster Zeit wurde mehrfach hervorgehoben, dass in polarisierten Gesellschaften die Suche 51 Prozent-Mehrheiten keine geeignete Lösung darstellt, da sie zu einer Diktatur der Mehrheit über die Minderheit führen kann.

Zusätzlich haben besonders knappe Resultate – man nehme die Abstimmung zum Brexit oder zur Masseneinwanderungsinitiative in der Schweiz – zu Protesten geführt, weil man die Aussagekraft der Resultate und die Fairness des politischen Prozesses anzweifelt. Heute können die Bürgerinnen und Bürger zu einer komplexen, vielschichtigen Frage meist nur ‚Ja‘ oder ‚Nein‘ sagen. Ja oder Nein reicht jedoch oft nicht“ , führt der ETH-Professor aus.

Mit digitalen Plattformen könnten sich die Menschen mit der Komplexität von Politik auseinandersetzen und verstehen eher die Notwendigkeit von diversifizierten Politikansätzen.

Am Ende eines Deliberationsprozesses kann es immer noch einer Mehrheitswahl bedürfen. Aber zu diesem Zeitpunkt enthielte der Lösungsansatz bereits einen substantiellen Anteil an Ideen und Präferenzen der Bürgerinnen und Bürger und es käme daher viel seltener zu polarisierten Ergebnissen.
MOODs haben einen weiteren, gewichtigen Einfluss auf die Modernisierung der Politik. Sie erlauben es, den Puls der Zeit viel schneller aufzunehmen und so rasch auf neue Herausforderungen einzugehen. Die technologische Entwicklung ist heute mitunter rasant und die Politik hinkt oft hinterher. Mittels MOODs wird der Austausch der Technologie-Avantgarde mit Politik und Verwaltung vereinfacht und institutionalisiert“ , erläutert Helbing, Mitglied des D2030-Fachbeirats.

Fakten-Checks mit Künstlicher Intelligenz

MOODs sollten moderiert werden durch von der Gemeinschaft gewählte Moderatorinnen und Moderatoren, um faire und konstruktive Diskussionen zu ermöglichen. Künstliche Intelligenz könne dazu genutzt werden, auffällige Aktivitäten zu erkennen und damit Chat-Roboter und Ghostwriter zu enttarnen. Künstliche Intelligenz könnte zudem die verschiedenen Argumente in einer Diskussion sortieren und organisieren und so zu einer ausgewogenen und übersichtlichen Diskussion beitragen. Also Fakten-Checks, die nicht willkürlich von staatlichen oder privaten Organisationen betrieben werden.

Digitale Demokratie könnte nach Ansicht von Helbing einige der wichtigsten Errungenschaften unserer Gesellschaft wiederbeleben: Selbstbestimmung, Freiheit, Gewaltenteilung, Chancengleichheit, soziale Partizipation und Mitbestimmung sowie Diversität und gesellschaftliche Resilienz. Wer MOODs aufbaut, technologisch zur Blüte bringt, weiterentwickelt, finanziert und organisiert, sollte noch intensiver debattiert werden. Da sehe ich noch einige Fragen, die in der D2030-Initiative aufgegriffen werden sollten. Schließlich will man Impulse geben, Staat, Demokratie, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft neu zu denken. Etwa über den Online-Dialog, der vergangene Woche gestartet wurde auf dieser Webseite. Das Notiz-Amt wird diesen Diskurs begleiten. Man hört, sieht und streamt sich spätestens auf dem Zukunftskongress in Berlin, der am 6. und 7. Juli stattfindet.


Image (adapted) „Bürokratie“ by Geisteskerker (CC0 Public Domain)


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  • GOOGLE golem: Google-Kamera für 17.000 US-Dollar: Google hat sich mit dem Gopro-Konkurrenten Yi zusammengetan, um die nächste Generation seiner VR-Plattform zu bauen. Diese besteht aus 17 Kameras vom Typ Yi 4K. Die Kamera heißt Yi Halo und soll rund 17.000 US-Dollar kosten. Vor zwei Jahren stellte Google bereits die Surroundkamera Jump vor, die aus 16 Gopros besteht. Mit der kreisförmigen Kameraanordnung der Yi Halo können stereoskope Videos mit 8.192 x 8.192 Pixel Auflösung bei 360 Grad Abdeckung und 30 Bildern pro Sekunde aufgenommen werden. Auch 5.760 x 5.760 Pixel mit 60 Bildern pro Sekunde sind möglich. Eine Kamera filmt dabei immer nach oben und unten.

  • DATENSCHUTZ netzpolitik: Im Gesetz zum elektronischen Personalausweis versteckt sich ein automatisierter Abruf für Geheimdienste: Innenminister Thomas de Maizière will Ausweise nur noch mit aktivierter Funktion zur elektronischen Identifizierung ausgeben. Außerdem möchte er die biometrischen Merkmale von Ausweis und Pass in einem automatisierten Verfahren den Geheimdiensten freigeben. Das Gesetz soll noch diese Woche beschlossen werden, im Bundestag findet heute eine Anhörung dazu statt.

  • NSA heise: Geleakte NSA-Hackersoftware: Offenbar hunderttausende Windows-Computer infiziert: Dank eines NSA-Werkzeugs namens „Doublepulsar“ haben Unbekannte in den vergangenen Tagen offenbar fast 200.000 Windows-Computer in aller Welt übernommen. Das haben Sicherheitsforscher von Binary Edge ermittelt, die das Netz täglich nach infizierten Geräten durchsuchen. Besonders stark betroffen sind demnach die Vereinigten Staaten, vor Hongkong und China. Schon zuvor hatten Sicherheitsforscher ermittelt, dass mehr als fünf Millionen Geräte für die NSA-Malware angreifbar sein dürften, obwohl Microsoft bereits einen Patch veröffentlicht hat. Seit die Hacker der Shadow Brokers dieses und andere NSA-Hackingtools veröffentlicht haben, steigt die Zahl der Infektionen aber rasant an.

  • POLITIK handelsblatt: Wie die EU die Brexit-Gespräche angeht: Zuerst schien die Europäische Union wie erstarrt, überrumpelt und tief gekränkt vom Liebesentzug der Briten. Es folgten Trauer und Trotz, Selbstzweifel und Streit. Jetzt aber scheint die Rest-EU der 27 gefasst und bereit für die Verhandlungen über den Brexit. Kühl, präzise und stählern haben sie ihre Ziele formuliert. EU-Ratspräsident Donald Tusk hat das Motto vorgegeben: „Im Kern geht es um Schadensbegrenzung.“

  • GOOGLE googlewatchblog: Google Play Awards: Das sind die Nominierten für die besten Android-Apps 2017: Im Play Store tummeln sich Millionen von Apps in unzähligen Kategorien und allen Qualitätsstufen. Um die besten Apps herauszustellen hat Google im vergangenen Jahr die Google Play Awards geschaffen, mit denen die besten Apps in ihren Kategorien ausgezeichnet werden. Auch in diesem Jahr wird es diese Preisverleihung wieder geben, und jetzt wurden die Nominierten in den 12 Kategorien bekannt gegeben.

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  • EMOBILITÄT golem: Wie kommt der Strom in die Tiefgarage?: Wären benzinbetriebene Automobile so weit verbreitet, wenn jeder Halter sich eine eigene Zapfsäule dafür aufstellen müsste? Was für Eigenheimbesitzer noch vorstellbar wäre, stieße in Städten schnell an seine Grenzen. Doch genau vor diesem Problem stehen derzeit Käufer von Elektroautos. Selbst wer für seinen Wagen einen festen Stellplatz in einer Tiefgarage hat, steht bei der Installation einer Ladesäule vor großen Hürden und hohen Kosten. Falls er überhaupt die Erlaubnis bekommt, die erforderlichen Anschlüsse zu verlegen. Kein Wunder, dass der Verkauf von Elektroautos trotz Prämie von bis zu 4.000 Euro nicht vorankommt.

  • CLOUD heise: c’t empfiehlt: Raus aus den US-Clouds: In puncto Datenschutz sind Deutsche seit dem 25. Januar in den USA Internetnutzer zweiter Klasse. Denn US-Präsident Donald Trump hat per Dekret im Januar erklärt, Nicht-US-Bürger vom US-amerikanischen Datenschutzrecht auszuschließen oder zumindest ihre Rechte diesbezüglich einzuschränken, „soweit dies mit geltendem Recht vereinbar ist“. Die rechtlichen Folgen sind noch ungeklärt, doch Heise-Justiziar Joerg Heidrich schätzt die Chancen hoch ein, dass das Datenschutz-Abkommen Privacy Shield zwischen USA und EU nicht lange überleben wird. In der aktuellen Ausgabe 9/17 widmet sich das Computermagazin c’t diesem Problem und rät Anwendern, ihre Daten auf deutsche oder zumindest EU-Server umzuziehen.

  • FACEBOOK horizont: Facebook will Umgang mit Gewaltbeiträgen überprüfen: Es müsse für Nutzer einfacher werden, gefährliche Beiträge zu melden und die anschließende Prüfung müsse schneller ablaufen. Hintergrund ist ein Video von einem Mord in Cleveland, das am Sonntag zwei Stunden lang online und über die Facebook-App zu sehen war. Der US-Polizei zufolge stellte der mutmaßliche Täter das Video selbst ins Netz, auf dem zu sehen ist, wie er einen älteren Mann erschießt. Die Fahndung nach ihm läuft auf Hochdruck.

  • POLITIK netzpolitik: Treue Gefolgschaft – so twittert die AfD: Die AfD schafft sich auf Twitter eine eigene Öffentlichkeit. Eine umfangreiche Datenanalyse von netzpolitik.org und Tagesspiegel ergibt: Die Partei spielt dabei nicht immer mit offenen Karten. Die Analyse verschiedener Parteien zeigt die Nutzung der Social-Media-Plattform auf und wie diese speziell von der AFD genutzt wird

  • KI heise: Gigabitnetz, KI & Robotik: Zypries will Innovationen ankurbeln: Rund eine Woche vor Beginn der Hannover Messe hat Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) am Dienstag Eckpunkte für eine neue Innovationsagenda vorgestellt. „Wir wollen, dass Deutschland seine Forschungsanstrengungen deutlich steigert“, heißt es in dem Papier des Ministeriums. Ziel sei es, die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) bis 2025 von 3 auf 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu steigern.

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