#FridaysforFuture – Goldene Kamera für Greta!

DAS BEGEISTERT UNS: Weltweit gehen Schüler und Studenten der Fridays for Future-Bewegung freitags auf die Straße. Sie protestieren gegen die derzeitige Klimapolitik und machen auf deren soziale Aspekte aufmerksam. Die Bewegung ist dabei selbst organisiert und baut zu großen Teilen auf die Vorteile von Social Media Diensten. 

Millionen junge Menschen streiken für ihre Zukunft

Am 15. März diesen Jahres erlangte Fridays for Future mit seinem ersten internationalen Streik seinen Höhepunkt. Weltweit nahmen in über 2000 Orten in 125 Ländern mehr als eine Million Jugendliche an Kundgebungen teil und demonstrierten. Alleine in Deutschland waren 230 Städte und Orte mit mehr als 300.000 Schülern und Studierenden Teil der Demonstrationen.

Schüler und Studenten fühlen sich im Stich gelassen

Junge Menschen streiken. Sie sind frustriert. Sie befürchten keine Zukunft mehr zu haben, sollte sich an der derzeitigen Klimapolitik nichts ändern. Wieso sollten sie zur Schule gehen, wieso eine Ausbildung für die Zukunft anstreben, wenn ihnen die ältere Generation diese gerade nimmt? Auf diesen Umstand will die Jugend weltweit aufmerksam machen, in dem sie jeden Freitag die Schule schwänzt, um für einen Wandel in der Klimapolitik zu demonstrieren. Sie fordert von der Politik, den Klimawandel zu stoppen und das Klima besser zu schützen. Konkret fordert der deutsche Ableger der Fridays for Future unter dem Motto „Klimapolitik ist soziale Politik“ zum Beispiel den sofortigen Kohleausstieg.

Die Gründerin – Eine Schülerin aus Schweden

“Why should I be studying for a future that soon may be no more, when no one is doing anything to save that future?” -Greta Thunberg, 16-jährige Klima-Aktivistin im Streik

Gestartet ist die gesamte Bewegung mit der 16-jährigen Schwedin Greta Thunberg. Die damals 15-Jährige begann am 20. August 2018 für drei Wochen die Schule zu schwänzen und setzte sich stattdessen mit einem Schild, das die Aufschrift „Schulstreik fürs Klima“ trug, vor das schwedische Reichstagsgebäude. Heute ist sie zur Leitfigur der Bewegung geworden. In Deutschland erhielt sie am heutigen Abend eine Goldene Kamera

Aus den täglichen Protesten der Schülerin wurden schließlich die Fridays for Future. Greta Thunberg kündigte am 8. September 2018 an, ihre freitäglichen Proteste solange fortzusetzen, bis Schwedens Klimapolitik mit den Grundsätzen des Pariser Klimaabkommens übereinstimmt. Ihre Aktionen teilte sie dabei unter dem Hashtag #FridaysforFuture auf Twitter (346.000 Follower) und Instagram (855.000 Abonnenten).

#FridaysforFuture gelangt zu internationaler Bekanntheit

Die Proteste der 16-Jährigen erlangten schnell internationale Bekanntheit und in immer mehr Ländern ließen Schüler und Studierende den Unterricht ausfallen, um an Freitagen vor Parlamenten und Rathäusern für eine Verbesserung der Klimapolitik zu demonstrieren. Immer mehr Länder wurden Teil der Bewegung und auch die mediale Aufmerksamkeit der Fridays for Future stieg enorm. In Deutschland alleine gibt es über 155 Ortsgruppen der Fridays for Future.

Dabei spielen die sozialen Medien eine wichtige Rolle für Fridays for Future. Nur durch sie konnte die Bewegung so groß werden, wie sie heute ist. Twitter, Facebook und Instagram bieten einerseits die Möglichkeit, die Bewegung über die Hashtags #FridaysforFuture und #ClimateStrike die Schulstreiks bekannter zu machen und mehr Aufmerksamkeit zu erregen. Andererseits helfen sie bei Information und Kommunikation in größerem Maßstab. So ruft die Gründerin zum Beispiel in diesem Tweet die einzelnen Ortsgruppen der verschiedenen Länder dazu auf ihre Streiks auf der internationalen Fridays for Future Website einzureichen, damit die Bewegung alle Zahlen zum 15. März auswerten kann.

Die Kommunikation auf internationaler Ebene läuft außerdem über die Website fridaysforfuture.org. Hier können Betreiber ihre nationalen Webseiten zusammen mit ihren Kontaktdaten angeben. Außerdem können hier weltweite Streiks angekündigt und hinterher Berichte über die Streiks abgeben werden. So hat die Bewegung einen Überblick über die vielen Mitgliedergruppen und die Vernetzung untereinander wird ermöglicht.

Social Media – Das Standbein der Bewegung

Die Organisation von Fridays for Future ist dezentral gestaltet. Viele lokale Gruppen der Bewegung betreiben für ihre Länder oder Städte eigene Social Media Accounts, um so für ihre Mitglieder die lokal relevanten Informationen bereitstellen zu können und sich zu vernetzen. Auf Twitter tummeln sich unzählige Accounts verschiedener Länder und deutscher Ortsgruppen. Hier eine Übersicht der wichtigsten Accounts:

Twitter

Facebook

Neben den großen Accounts gibt es noch etliche kleinere Ortsgruppen mit eigenen Accounts, von denen wir hier nur ein paar aufführen:

Twitter

Facebook

Organisation über WhatsApp, Telegram und Co.

Auf der offiziellen Fridays for Future Deutschland Seite, wird erklärt wie die Organisation über die Messenger-Dienste WhatsApp und Telegram läuft. Um sich zu engagieren, sollen Besucher in den Gruppenchat einer Regionalgruppe in ihrer Nähe eintreten. Dafür findet sich auf der Seite eine Liste mit Zugängen und Einladungslinks zu den Kanälen der über 155 Ortsgruppen in Deutschland. Die logistische Komplexität dieser Kanäle ist dabei teilweise wirklich beeindruckend. So ist die deutschlandweite WhatsApp-Gruppe beispielsweise in neun Untergruppen, zu speziellen Themen wie unter anderem Politik, Mobilität und Ernährung, aufgeteilt. Auch gibt es eine Infrastruktur um neu gegründete Ortsgruppen schnell in dieses System aufzunehmen und so die Kommunikation auszubauen.

Die Streiks entfachen eine Debatte über die Schulpflicht

In Deutschland haben die Streiks der Schüler auch in der Politik eine Menge Aufmerksamkeit erregt. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) spricht sich klar für die Demonstrationen in der Unterrichtszeit aus. „Ich finde es gut, dass diese angeblich so unpolitische Generation den Mund aufmacht und auf die Straße geht“

Wirtschaftsminister Peter Altmeier (CDU) und FPD-Chef Christian Lindner raten den Schülern, lieber außerhalb der Schulzeit zu demonstrieren. So umgehen die Schüler den Vorwurf bloß den Unterricht schwänzen zu wollen.

Auf der Website des deutschen Ablegers von Fridays for Future finden sich Informationen zu dem Thema Schulpflicht und den möglichen Konsequenzen für Schüler, sollten sie die Schule schwänzen. Auch ist dort aufgelistet, wie Schüler zu den Kundgebungen kommen können, ohne dabei die Schule ausfallen lassen zu müssen. So wird beschrieben, wie Schüler versuchen können sich vom Unterricht freistellen zu lassen, oder wie sie ihre Lehrer überzeugen können die Demonstrationen als Schulveranstaltungen anzusehen.


Image by Photocreatief / adobestock.com

Moritz Stoll

studiert Medieninformatik an der HAW und schreibt für die Netzpiloten. Nebenbei betreibt er einen Comedy-Podcast, und arbeitet als freiberuflicher Programmierer. Die Digitale Welt ist für ihn ein Ort voller Möglichkeiten und spannender Technologien, um damit Neues zu erschaffen und ganz viel auszuprobieren.


Artikel per E-Mail verschicken
Schlagwörter: , , , , , , , , , ,