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#FridaysforFuture – Goldene Kamera für Greta!

DAS BEGEISTERT UNS: Weltweit gehen Schüler und Studenten der Fridays for Future-Bewegung freitags auf die Straße. Sie protestieren gegen die derzeitige Klimapolitik und machen auf deren soziale Aspekte aufmerksam. Die Bewegung ist dabei selbst organisiert und baut zu großen Teilen auf die Vorteile von Social Media Diensten. 

Millionen junge Menschen streiken für ihre Zukunft

Am 15. März diesen Jahres erlangte Fridays for Future mit seinem ersten internationalen Streik seinen Höhepunkt. Weltweit nahmen in über 2000 Orten in 125 Ländern mehr als eine Million Jugendliche an Kundgebungen teil und demonstrierten. Alleine in Deutschland waren 230 Städte und Orte mit mehr als 300.000 Schülern und Studierenden Teil der Demonstrationen.

Schüler und Studenten fühlen sich im Stich gelassen

Junge Menschen streiken. Sie sind frustriert. Sie befürchten keine Zukunft mehr zu haben, sollte sich an der derzeitigen Klimapolitik nichts ändern. Wieso sollten sie zur Schule gehen, wieso eine Ausbildung für die Zukunft anstreben, wenn ihnen die ältere Generation diese gerade nimmt? Auf diesen Umstand will die Jugend weltweit aufmerksam machen, in dem sie jeden Freitag die Schule schwänzt, um für einen Wandel in der Klimapolitik zu demonstrieren. Sie fordert von der Politik, den Klimawandel zu stoppen und das Klima besser zu schützen. Konkret fordert der deutsche Ableger der Fridays for Future unter dem Motto „Klimapolitik ist soziale Politik“ zum Beispiel den sofortigen Kohleausstieg.

Die Gründerin – Eine Schülerin aus Schweden

“Why should I be studying for a future that soon may be no more, when no one is doing anything to save that future?” -Greta Thunberg, 16-jährige Klima-Aktivistin im Streik

Gestartet ist die gesamte Bewegung mit der 16-jährigen Schwedin Greta Thunberg. Die damals 15-Jährige begann am 20. August 2018 für drei Wochen die Schule zu schwänzen und setzte sich stattdessen mit einem Schild, das die Aufschrift „Schulstreik fürs Klima“ trug, vor das schwedische Reichstagsgebäude. Heute ist sie zur Leitfigur der Bewegung geworden. In Deutschland erhielt sie am heutigen Abend eine Goldene Kamera

Aus den täglichen Protesten der Schülerin wurden schließlich die Fridays for Future. Greta Thunberg kündigte am 8. September 2018 an, ihre freitäglichen Proteste solange fortzusetzen, bis Schwedens Klimapolitik mit den Grundsätzen des Pariser Klimaabkommens übereinstimmt. Ihre Aktionen teilte sie dabei unter dem Hashtag #FridaysforFuture auf Twitter (346.000 Follower) und Instagram (855.000 Abonnenten).

#FridaysforFuture gelangt zu internationaler Bekanntheit

Die Proteste der 16-Jährigen erlangten schnell internationale Bekanntheit und in immer mehr Ländern ließen Schüler und Studierende den Unterricht ausfallen, um an Freitagen vor Parlamenten und Rathäusern für eine Verbesserung der Klimapolitik zu demonstrieren. Immer mehr Länder wurden Teil der Bewegung und auch die mediale Aufmerksamkeit der Fridays for Future stieg enorm. In Deutschland alleine gibt es über 155 Ortsgruppen der Fridays for Future.

Dabei spielen die sozialen Medien eine wichtige Rolle für Fridays for Future. Nur durch sie konnte die Bewegung so groß werden, wie sie heute ist. Twitter, Facebook und Instagram bieten einerseits die Möglichkeit, die Bewegung über die Hashtags #FridaysforFuture und #ClimateStrike die Schulstreiks bekannter zu machen und mehr Aufmerksamkeit zu erregen. Andererseits helfen sie bei Information und Kommunikation in größerem Maßstab. So ruft die Gründerin zum Beispiel in diesem Tweet die einzelnen Ortsgruppen der verschiedenen Länder dazu auf ihre Streiks auf der internationalen Fridays for Future Website einzureichen, damit die Bewegung alle Zahlen zum 15. März auswerten kann.

Die Kommunikation auf internationaler Ebene läuft außerdem über die Website fridaysforfuture.org. Hier können Betreiber ihre nationalen Webseiten zusammen mit ihren Kontaktdaten angeben. Außerdem können hier weltweite Streiks angekündigt und hinterher Berichte über die Streiks abgeben werden. So hat die Bewegung einen Überblick über die vielen Mitgliedergruppen und die Vernetzung untereinander wird ermöglicht.

Social Media – Das Standbein der Bewegung

Die Organisation von Fridays for Future ist dezentral gestaltet. Viele lokale Gruppen der Bewegung betreiben für ihre Länder oder Städte eigene Social Media Accounts, um so für ihre Mitglieder die lokal relevanten Informationen bereitstellen zu können und sich zu vernetzen. Auf Twitter tummeln sich unzählige Accounts verschiedener Länder und deutscher Ortsgruppen. Hier eine Übersicht der wichtigsten Accounts:

Twitter

Facebook

Neben den großen Accounts gibt es noch etliche kleinere Ortsgruppen mit eigenen Accounts, von denen wir hier nur ein paar aufführen:

Twitter

Facebook

Organisation über WhatsApp, Telegram und Co.

Auf der offiziellen Fridays for Future Deutschland Seite, wird erklärt wie die Organisation über die Messenger-Dienste WhatsApp und Telegram läuft. Um sich zu engagieren, sollen Besucher in den Gruppenchat einer Regionalgruppe in ihrer Nähe eintreten. Dafür findet sich auf der Seite eine Liste mit Zugängen und Einladungslinks zu den Kanälen der über 155 Ortsgruppen in Deutschland. Die logistische Komplexität dieser Kanäle ist dabei teilweise wirklich beeindruckend. So ist die deutschlandweite WhatsApp-Gruppe beispielsweise in neun Untergruppen, zu speziellen Themen wie unter anderem Politik, Mobilität und Ernährung, aufgeteilt. Auch gibt es eine Infrastruktur um neu gegründete Ortsgruppen schnell in dieses System aufzunehmen und so die Kommunikation auszubauen.

Die Streiks entfachen eine Debatte über die Schulpflicht

In Deutschland haben die Streiks der Schüler auch in der Politik eine Menge Aufmerksamkeit erregt. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) spricht sich klar für die Demonstrationen in der Unterrichtszeit aus. „Ich finde es gut, dass diese angeblich so unpolitische Generation den Mund aufmacht und auf die Straße geht“

Wirtschaftsminister Peter Altmeier (CDU) und FPD-Chef Christian Lindner raten den Schülern, lieber außerhalb der Schulzeit zu demonstrieren. So umgehen die Schüler den Vorwurf bloß den Unterricht schwänzen zu wollen.

Auf der Website des deutschen Ablegers von Fridays for Future finden sich Informationen zu dem Thema Schulpflicht und den möglichen Konsequenzen für Schüler, sollten sie die Schule schwänzen. Auch ist dort aufgelistet, wie Schüler zu den Kundgebungen kommen können, ohne dabei die Schule ausfallen lassen zu müssen. So wird beschrieben, wie Schüler versuchen können sich vom Unterricht freistellen zu lassen, oder wie sie ihre Lehrer überzeugen können die Demonstrationen als Schulveranstaltungen anzusehen.


Image by Photocreatief / adobestock.com

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Die Debatte um Geo-Engineering geht uns alle an

White and Blue (adapted) (Image by Willian Justen de Vasconcellos [CC0 Public Domain] via Unsplash)

Es besteht die Möglichkeit, dass wir ein System entwickeln müssen, um gegen die globale Erwärmung anzugehen – und zwar schnell. Das mag wie eine verrückte Idee erscheinen. Allerdings sind mehr als 250 andere Wissenschaftler, Politiker und Interessenvertreter aus aller Welt, unter ihnen auch ich, kürzlich nach Berlin gekommen. Hier wurde über die Versprechungen und Gefahren des Geo-Engineerings diskutiert.

Es gibt viele mögliche Methoden, um das Klima zu gestalten. Ein paar frühe, jedoch eher absurde Ideen waren die Installation eines „Space Sunshade“: ein massiver Spiegel, der die Erde umkreist, um Sonnenlicht zu reflektieren. Die Ideen, die heute am meisten diskutiert werden, sind vielleicht nicht viel realistischer. Partikel in die Stratosphäre sprühen, um Sonnenlicht zu reflektieren, oder die Ozeane mit Eisen befruchten, um Algenwachstum und Kohlendioxidbindung durch Photosynthese zu fördern.

Doch seit dem Pariser Abkommen ist die Aussicht auf Geo-Engineering wesentlich realistischer geworden. Das Pariser Abkommen von 2015 verpflichtete sich nahezu universell und rechtlich verbindlich, den Anstieg der globalen Temperatur auf deutlich unter 2 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau zu halten und sogar den Anstieg auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) kommt zu dem Schluss, dass diese Ziele erreicht werden können. Doch fast alle Szenarien stützen sich auf den umfassenden Einsatz von Geo-Engineering bis zum Ende des Jahrhunderts.

Das Klima gestalten

Geo-Engineering gibt es in zwei verschiedenen Ausformungen. Die erste ist die Beseitigung von Treibhausgasen. Jene Ideen, die darauf abzielen, Kohlendioxid und andere Treibhausgase aus der Atmosphäre zu entfernen und zu speichern. Die zweite ist die Beeinflussung der Sonneneinstrahlung. Die Idee dahinter ist, dass man versuchen würde, eine gewisse Menge an Sonnenlicht von der Erde wegzureflektieren.

Die Beeinflussung der Sonneneinstrahlung ist umstritten. Hier wird bisher nichts unternommen, um die Ursache des Klimawandels – die Treibhausgasemissionen – zu bekämpfen. Außerdem wirft es eine ganze Menge Bedenken über unerwünschte Nebenwirkungen wie Veränderungen des regionalen Wetterverhaltens auf.

Und dann gibt es noch das so genannte „Beendigungsproblem“. Wenn wir das Klima irgendwann nicht mehr beeinflussen würden, würde die Temperatur weltweit plötzlich wieder auf das Level zurückkehren, wo sie ohne diese Beeinflussung gewesen wäre. Und wenn wir nicht gleichzeitig die Emissionen verringert hätten, würde dies einen starken und plötzlichen Anstieg bedeuten.

Die meisten Klimamodelle, die die Ziele des Pariser Abkommens erreichen, gehen davon aus, dass die Beseitigung von Treibhausgasen, insbesondere Bioenergie und CO2-Abtrennung und -Lagerungstechnologie, genutzt werden. Wie die jüngste Konferenz jedoch gezeigt hat, gibt es trotz der Tatsache, dass die Forschung auf diesem Gebiet immer mehr an Boden gewinnt, eine gefährliche Kluft zwischen dem derzeitigen Stand der Technik und der Durchführbarkeit des Pariser Abkommens über den Klimawandel.

Das Pariser Abkommen – und seine implizite Abhängigkeit von der Beseitigung von Treibhausgasen – ist zweifellos eine der bedeutendsten Entwicklungen auf dem Gebiet des Geo-Engineering seit der letzten Konferenz seiner Art im Jahr 2014. Damit verlagerte sich der Schwerpunkt der Konferenz weg von der umstrittenen und aufmerksamkeitsstarken Beeinflussung der Sonneneinstrahlung hin zu einer banaleren, aber politisch relevanteren Treibhausgasentsorgung.

Umstrittene Experimente

Aber es gab Momente, in denen die Sonnenlicht reflektierende Methoden noch immer allen die Show stahlen. Ein Kernstück der Konferenz war ein Talk, bei dem David Keith und seine Kollegen vom Harvard University Solar Geoengineering Research Programme ihre Experimentierpläne vorstellten. Ziel ist es, ein Instrumentenpaket mit einem Höhenballon auf eine Höhe von 20 Kilometer zu heben und eine kleine Menge reflektierender Partikel in die Atmosphäre abzugeben.

Dies wäre nicht das erste Geo-Engineering-Experiment. Wissenschaftler, Ingenieure und Unternehmer experimentieren bereits mit verschiedenen Ideen, von denen einige in der Öffentlichkeit auf großes Interesse gestoßen sind. Es hat aber auch Kontroversen gegeben. Ein besonders bemerkenswerter Fall war ein britisches Projekt, bei dem im Jahr 2013 aufgrund von Bedenken über das geistige Eigentum die Ausführung gestrichen wurden. Der Plan war, in einer Höhe von einem Kilometer über dem Boden eine kleine Menge Wasser in die Atmosphäre abzugeben, indem man ein Rohr benutzt, das mit einem Ballon verbunden ist.

Solche Experimente sind unerlässlich, wenn Geo-Engineering-Ideen jemals zu technisch tragfähigen Beiträgen beitragen sollen, mit denen die Ziele des Pariser Abkommens erreicht werden sollen. Aber es ist die Steuerung von Experimenten, nicht ihre technischen Qualifikationen, die immer schon das umstrittenste Feld der Geo-Engineering-Debatte war und ist.

Kritiker warnten, dass das Harvard-Experiment ein Dammbruchargument in Richtung eines unerwünschten Aufmarsches sein könnte. Deshalb müsse es zurückgehalten werden. Die Befürworter argumentierten jedoch, dass die Technologie erst entwickelt werden müsse, bevor wir wissen könnten, was wir zu regieren versuchen.

Die Herausforderung für die Governance besteht nicht darin, eines dieser beiden Extreme zu unterstützen. Vielmehr muss ein verantwortungsvoller Weg zwischen ihnen gefunden werden.

Wie regieren?

Der Schlüssel zu einer verantwortungsbewussten Steuerung von Geo-Engineering-Experimenten liegt in der Berücksichtigung öffentlicher Interessen und Anliegen. Geo-Engineering-Experimentatoren, oder jene, die es gerne wären, einschließlich jener in Harvard, versuchen routinemäßig, diese Interessen zu erklären. Hier appelieren sie an ihre Experimente, die von einem kleinen Maßstab und einem begrenzten Umfang sind. Doch wie ich bereits auf der Konferenz argumentiert habe, war in öffentlichen Diskussionen über den Umfang und das Ausmaß von Geo-Engineering-Experimenten ihre Bedeutung immer subjektiv und durch andere Anliegen qualifiziert.

Meine Kollegen und ich haben festgestellt, dass die Öffentlichkeit mindestens vier Hauptanliegen an Geo-Engineering-Experimenten hat. Ihren Grad der Eindämmung, die Unsicherheit darüber, was die Ergebnisse sein würden, die Rückführbarkeit der Auswirkungen und die Absicht dahinter. Ein Versuch, der sich nur in Innenräumen abspielt, könnte daher als unannehmbar angesehen werden, zum Beispiel, wenn er Bedenken in Bezug auf private Interessen hervorruft. Andererseits könnte ein Großversuch im Freien akzeptabel sein, wenn er keine Stoffe in die Umwelt freisetzt.

Unter bestimmten Bedingungen konnten die vier Dimensionen ausgerichtet werden. Die Herausforderung für die Governance besteht darin, diese und wahrscheinlich auch andere Dimensionen der Beherrschbarkeit zu berücksichtigen. Das bedeutet, dass die Beteiligung der Öffentlichkeit an der Gestaltung der Governance selbst im Mittelpunkt der Entwicklung von Geo-Engineering-Experimenten stehen muss.

Es stehen eine ganze Reihe von Methoden des wechselseitigen Dialogs zur Verfügung – Fokusgruppen, Bürgerjurys, Beratungsworkshops und viele andere mehr. Und für diejenigen, die außerhalb der formalen Einbindung in solche Prozesse stehen: Lesen und sprechen Sie viel mehr über Geo-Engineering. Wir müssen einen gesellschaftlichen Dialog darüber beginnen, wie wir solche umstrittenen Technologien beherrschen können.

Die öffentlichen Interessen und Anliegen müssen schon im Vorfeld eines Experiments herausgearbeitet werden. Die Ergebnisse müssen dazu genutzt werden, die Art und Weise, wie wir es regeln, sinnvoll zu gestalten. Dadurch wird das Experiment nicht nur legitimer, sondern auch wesentlich besser.

Sie sollten nicht in die Falle tappen. Es werden Experimente nötig sein, wenn wir den Ideenwert von Geo-Engineering erlernen wollen. Aber dies kann nur geschehen, wenn im Kern die öffentlichen Werte enthalten sind.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „White and Blue…“ by Willian Justen de Vasconcellos (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Wie ich als Klimaforscher für Exxon gearbeitet habe

Sturm, Wolken, Löschen, Wetter [adapted) (Image by skeeze [CC0 Public Domain] via pixabay)

Die Versuche von ExxonMobil, an der Existenz und Dringlichkeit des Klimawandels Zweifel zu säen und Spenden des Unternehmens an Gruppen, die falsche Informationen über den Klimawandel verbreiten, sind bereits seit langer Zeit öffentlich bekannt. Im Jahr 2015 wurden investigative Berichte enthüllt, dass Exxon eigene Wissenschaftler beschäftigt, die bereits seit den 1970er Jahren eigene Klimamodelle erarbeiten. Hier haben sie Modelle entwickelt, die nicht nur akkurat waren, sondern auch zu Planungszwecken für die Zukunft des Unternehmens verwendet wurden.

Wie eine Ende August veröffentlichte und viel beachtete Studie nun bestätigt, unterschied sich das, was Exxon intern über den Klimawandel kommunizierte, quantitativ sehr stark von öffentlichen Statements. Die Forscher Geoffrey Supran und Naomi Oreskes fanden dabei insbesondere heraus, dass mindestens 80 Prozent der internen Dokumente und Veröffentlichungen zwischen 1977 und 2015 mit dem Stand der Wissenschaft übereinstimmten: der Klimawandel existiert tatsächlich und wurde vom Menschen verursacht. Außerdem wurden „begründete Unsicherheiten“ identifiziert, denen jeder Klimaforscher zu diesem Zeitpunkt zugestimmt hätte. Nichtsdestotrotz wurden gut 80 Prozent der bezahlten Werbung, die Exxon im gleichen Zeitraum in Auftrag gab, vor allem auf Faktoren wie Unsicherheit und Zweifel ausgerichtet.

Der starke Kontrast zwischen der internen und topaktuellen Diskussion zur Klimaforschung, während nach außen eine Desinformationskampagne zum Thema Klimawandel stattfand, ist genug, um zu verblüffen. Was ging bei Exxon vor sich? Ich kann hier eine neue Perspektive liefern – denn ich war selbst dabei.

Von 1995 bis 1997 hat Exxon zu einem Teil meine Masterarbeit unterstützt, die sich auf chemische Reaktionen von Methan und dessen Emissionen konzentrierte. Ich verbrachte 1996 einige Wochen als Praktikant im Exxon-Forschungslabor in Annandale, New Jersey. Außerdem habe ich jahrelang an kollaborativer Forschung teilgenommen, welche zu drei veröffentlichten Studien führte, die in Supran und Oreskes neuer Analyse zitiert werden.

Klimaforschung bei Exxon

Ein Forscher ist ein Forscher, egal, wo er arbeitet – und meine Kollegen bei Exxon waren keine Ausnahme. Bedacht, umsichtig und in voller Übereinstimmung mit dem wissenschaftlichen Konsens zum Thema Klima – dies sind Charakteristika, auf die jeder Forscher stolz wäre. Hatte Exxon eine Agenda für unsere Forschung? Natürlich – Exxon ist keine Wohltätigkeitsorganisation. Ihre Forschung und Entwicklung verfolgte Ziele. In meinem Fall war dieses Ziel, nichts zutage zu fördern, das im Bereich der Klimaforschung für Aufsehen sorgen würde. Ich sollte die Vorzüge der Reduktion von Methan quantifizieren.

Methan ist ein Abfallprodukt, das beim Abbau von Kohle und bei natürlichen Gaslecks auftritt. So finden wir es beispielsweise in Abwasseranlagen, bei furzenden und rülpsenden Kühen, Schafen, Ziegen und sonstigen Tieren, die wiederkäuen, bei der Zersetzung von organischem Müll in Abfallbehältern oder innerhalb gigantischer Termitenhügel in Afrika. Es tritt sogar in kleinen Mengen bei laktoseintoleranten Mitmenschen auf.

Methan absorbiert auf einer Massenbasis etwa fünfunddreißig Mal so viel Erdwärme wie Kohlendioxid. Methan hat eine weit kürzere Lebenszeit als Kohlendioxid, und wir produzieren weit weniger davon. Dass die Überproduktion des Kohlendioxid aufhören muss, ist also eine Tatsache. Wir beobachten mit Sorge, wie schnell die Erde sich erwärmt. Es lohnt sich also, den Methanausstoß so schnell wie möglich zu reduzieren, während wir langfristig kohlendioxidbasierte Brennstoffe abschaffen.

Für die Gas- und Ölindustrie bedeutet die Reduktion von Methanausstoß eine enorme Energieeinsparung. Es ist also nicht überraschend, dass ich während meiner Forschung keine merkliche Anleitung oder einen Eingriff in meine Forschung erfuhr. Niemand schlug vor, meine Kennzahlen zu überarbeiten oder meine Erkenntnisse „anzupassen“. Die einzige Auflage war, dass ein Zeitschriftenartikel mit einem Co-Autor einer internen Prüfung standhalten musste, bevor es zur Begutachtung freigegeben werden konnte. Dieses Vorgehen entspricht einer Richtlinie wie in vielen Bundesanstalten.

Wusste ich darüber Bescheid, was sonst zu dieser Zeit vor sich ging? Ich hätte es mir nicht vorstellen können. Gerade aus Kanada hergezogen, war ich mir nicht darüber bewusst, dass es Menschen gab, die Klimaforschung nicht akzeptierten – so wenig bewusst, dass es fast ein halbes Jahr dauerte, bis ich verstand, dass ich jemanden geheiratet hatte, der genau dies war. Abgesehen davon finanzierte Exxon zur gleichen Zeit, zu der meine Forschung als zweckmäßigste Art, den Einfluss des Menschen auf das Klima zu reduzieren, eine riesige Fehlinformationskampagne.

Dennoch haben die Entscheidungen von Seiten Exxons direkt zu der Lage beigetragen, in der wir uns heute befinden und die sich in vielerlei Hinsicht surreal anfühlt. In dieser Situation stellen sich viele gewählte Repräsentanten den Maßnahmen für das Klima entgegen, während China die USA in Bezug auf Windkraft, Solarenergie, wirtschaftliche Investitionen in saubere Energien und sogar die Existenz einer nationalen Obergrenze und Handelspolitik ähnlich des verhängnisvollen Waxman-Markey-Gesetzes von 2009 vorführen.

Persönliche Entscheidungen

Diese neueste Studie unterstreicht, warum viele Exxon dafür verantwortlich machen, wissentlich die Öffentlichkeit hinsichtlich eines so wichtigen Themas in die Irre geführt zu haben. Für Wissenschaftler und Akademiker jedoch wird es eine andere, moralisch ähnliche Debatte auslösen. Sind wir gewillt, finanzielle Unterstützung anzunehmen, die uns im Gegenzug für die Beschwichtigung des öffentlichen Bewusstseins angeboten wird?

Das Konzept, für sündhaftes Vergehen zu bezahlen, ist nicht neu. Von Völlereien im Mittelalter bis hin zur Kritik, die einige heute der Klimakompensation zugeschrieben haben: Der Mensch hat schon immer versucht, die Folgen seines Handelns abzuschwächen und sein Gewissen durch gute Taten zu beruhigen, insbesondere auf finanzielle Art und Weise. Heutzutage folgen viele Industrieunternehmen dieser Logik: Einerseits wird die Wissenschaftsleugnung unterstützt, andererseits wird topaktuelle Forschung und Wissenschaft gefördert.

Das Globale Klima- und Energieprojekt der Stanford University führt grundlegende Forschungen zu effizienten und sauberen Energietechnologien durch – mit Exxon als Sponsor. Der Philantroph und politische Gönner David Koch spendete 2015 einen bisher nie dagewesenen Betrag von 35 Millionen US-Dollar an das Smithsonian National Museum of Natural History, woraufhin drei Dutzend Wissenschaftler das Museum aufforderten, sich von Koch loszusagen, da er Lobbygruppen unterstützt, die die Klimaforschung „falsch repräsentieren“. Shell hat das „Atmosphere“-Programm des London Science Museum unterschrieben, um dann seinen Einfluss dazu zu nutzen, die Perspektive auf das, was Forscher über das Klima wissen, zu verzerren.

Es ist einfach, mit dem Finger auf andere zu zeigen, wenn es jedoch um uns selbst geht, mag die Wahl oft nicht so klar sein. Was ist am wichtigsten – der Nutzen von Forschung und Bildung, oder die Ablehnung von beschmutzten Geldern?

Die richtige Antwort auf moralisch fragwürdige Angebote ist ein uraltes Problem. Im Buch der Korinther antwortet der Apostel Paulus auf die Frage danach, was mit Lebensmitteln, die den Göttern geopfert wurden, geschehen soll: Essen oder vernichten?

Seine Antwort führt die Komplexität dieses Themas vor Augen. Essen ist immer Essen, sagt er – nach der gleichen Logik könnten wir heutzutage sagen, dass Geld immer Geld ist. Sowohl Nahrung als auch finanzielle Mittel können jedoch Bündnis oder Zustimmung bedeuten. Falls andere Parteien involviert sind, wird eine noch kritischere Antwort benötigt.

Was sollen wir Akademiker also tun? In unserer offenen und transparenten Welt, in der Informationen so leicht zugänglich sind, ist die Offenlegung von finanziellen Unterstützern sowohl wichtig als auch notwendig. Manch einer würde außerdem argumentieren, dass ein finanzieller Unterstützer, egal wie eng oder lose die Verbindungen sind, einen Schatten auf die  Forschungsergebnisse wirft. Andere hingegen würden sagen, dass die Gelder für das Gute genutzt werden können. Welches Argument hat das größte Gewicht?

Nach zwei Jahrzehnten im Bereich der Klimaforschung bin ich nicht länger so unschuldig, wie ich einst war. Ich bin mir derer nun viel zu bewusst, die Klimaforschung als „liberalen Unfug“ abtun. Jeden Tag attackieren sie mich auf Facebook, verteufeln mich auf Twitter und schicken mir gelegentlich sogar handgeschriebene Briefe – was immerhin Wertschätzung gegenüber der Kunstfertigkeit erbittet, wenn schon nicht des Inhalts. Was würde ich also nun tun, wenn Exxon mich anriefe?

Es gibt auf diese Frage nicht die eine richtige Antwort. Um für mich selbst zu sprechen: Ich würde sie bitten, die Gelder den Politikern zu geben, die eine sinnvolle Klimapolitik verfolgen – und ihre Zuwendungen an die, die dies nicht tun, einzustellen. Ich bewundere die praktische Antwort eines Kollegen: er schlägt vor, ein von Koch stammendes Honorar zu nutzen, um eine lebenslange Mitgliedschaft im Sierra Club zu erwerben.

Trotz der Tatsache, dass es keine einfache Antwort gibt, ist es eine Frage, die sich uns mehr und mehr jeden Tag stellt, und wir können diese Gratwanderung nicht länger machen. Als Akademiker und Wissenschaftlicher müssen wir einige schwierige Entscheidungen treffen; und nur wenn wir die weitreichenden Implikationen dieser Entscheidungen erkennen, können wir diese Entscheidungen mit Weitsicht treffen, statt mit halbgeschlossenen Augen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Sturm, Wolken, Löschen, Wetter“ by skeeze (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Fünf Gründe, warum wir die Klimaforschung der NASA brauchen

Comet landing - Kometenlandung (adapted) (Imag by DLR German Aerospace Center [CC BY 20] via flickr)

Würde Präsident Trump tatsächlich die finanzielle Unterstützung der NASA kürzen? Das Thema wurde bereits angesprochen, jedoch nicht von den führenden Wissenschaftlern. Schuld daran sind die Lobbygruppen der fossilen Brennstoffindustrien und die Politiker, die bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten Zweifel säten, Fakten verschleierten oder mit Lügen argumentierten, dass die Menschen nicht der Grund für die signifikanten Klimaveränderungen seien.

Dieser Umstand wird das Trump-Team, das für PR aus Skeptikerkreisen verantwortlich ist, sicherlich ärgern. NASA-Organisationen wie das Goddard Institute for Space Studies und das Jet Propulsion Laboratory haben grundlegende Beiträge zu unserem Verständnis, wie Menschen das Erdklima verändern, erbracht. Und der US-Steuerzahlern hat es bezahlt. Würde man aufhören, die Forschung der Klimaveränderungen der NASA zu finanzieren, wäre, als würde man sich die Finger in die Ohren stopfen und sich ein Liedchen pfeifen. Dem Klima ist die Politik egal, denn es wird weiterhin auf den Ausstoß von Treibausgasen reagieren. Das Einzige, was sich verändern würde, wäre die führende Position der USA in diesem Forschungsbereich, mit dem Risiko, dass nicht nur Amerika, sondern die gesamte Menschheit am Ende als Verlierer dastünde.

Daher sind hier fünf Gründe, weshalb die Kürzung (oder auch die mutwillige Zerstörung) der Mittel für die Klimaforschung der NASA eine außergewöhnliche Dummheit wäre.

1. NASA-Satelliten sind unsere Augen auf unsere Welt

Zurzeit arbeitet die NASA mit mehr als einem Dutzend Satelliten im Erd-Orbit und überwacht die Veränderungen der Ozeane, des Festlands und der Atmosphäre. Ihre Forschungen umfassen die Solaraktivitäten, den Anstieg des Meeresspiegels, die Temperatur der Atmosphäre und der Ozeane, die Ozonschicht, die Luftverschmutzung und Veränderungen im Meer sowie der Eismassen.

Alle diese Faktoren haben einen direkten Einfluss auf den Klimawandel, aber sie stellen auch wichtige Erkenntnisse der verschiedenen Komponenten der Erde selbst dar. Es wurden Milliarden in diese Programme investiert, die Daten produziert haben, die von einer internationalen Wissenschaftsgemeinschaft genutzt werden, um verschiedene erdbezogene Themen zu studieren.

2. Klimaforschung ist ein Schlüsselbereich der Mission der NASA

Wir können die Satelliten vielleicht nicht abstellen, aber wir können die Regierung dazu bringen, die Daten nicht mehr zu nutzen, um die Forschung um den Klimawandel voranzutreiben. Die NASA wurde mit dem „National Aeronautics and Space Act“ von 1958 mit dem Auftrag gegründet, Technologien für die Weltraumbeobachtung zu entwickeln, nicht jedoch für die Geowissenschaften – das war die Aufgabe anderer Bundesbehörden.

Das Model der querfinanzierten Forschung scheiterte allerdings in den 1970er Jahren aufgrund des Finanzierungsmangels. Die Budgets wurden gekürzt und schließlich konnte die die NASA ein paar wisseschaftliche Untersuchungen anhand der Daten durchführen, die sie vorher erstellt hatten. Außerdem wurde angekündigt, dass die Forschung auf „nationale Bedürfnisse“ wie Energieeffizienz, Umweltverschmutzung, Ozonabbau und, ja, auch den Klimawandel ausgerichtet würde. So ist die Erd- und Klimaforschung zu einer zentralen Aufgabe der Behörde geworden, die auch eine weltweit führende Position innerhalb der Problematik innehat.

3. Die NASA hat die Besten der Besten

Die NASA kennt man auf der ganzen Welt – besonders wegen Programmen wie Apollo, das Menschen zum Mond gebracht hat. Aber ihr Ruhm geht weit über das generelle Interesse an der Weltraumfahrt hinaus. Die NASA kann einige der besten Erd- und Klimaforschung vorweisen, weil ihre Programme einzigartige Möglichkeiten der Forschung in enormer Bandbreite bieten. Und sagen zu können, dass man für die NASA arbeitet, ist immer noch ziemlich cool.

Die Klimaforschung nicht weiter zu finanzieren, würde bedeuten, dass viele Forscher, von denen manche gerade am Anfang ihrer Karriere stehen, aus ihren Jobs gedrängt werden würden. Manche würden wohl rasch und mit offenen Armen von Einrichtungen in anderen Ländern empfangen werden – tatsächlich bin ich ziemlich sicher, dass einige Jobangebote bereits auf dem Postweg zu den Wissenschaftlern sind. Für die USA wäre das jedoch ein ziemlicher Verlust.

4. Die NASA hat das Image des Klimawandels verändert

Ein Besuch auf der Klima-Homepage der NASA macht sofort klar, wie viel Einfluss die NASA im Forschunsgbereich zum Thema Erde genommen hat. Das Thema Klimaforschung ist komplex. Die NASA hat zusammen mit anderen US-Agenturen wie der National Oceanic and Atmospheric Administration einzigartige Darstellungen des Klimawandels veröffentlicht. Diese werden von anderen Agenturen und Kommunikatoren auf der ganzen Welt genutzt. Auf diese Weise werden das Profil und die Reputation der NASA und den USA als führende Wissenschaftler gestärkt.

5. Die Klimaforschung könnte das nächste große Vermächtnis der NASA werden

Es ist recht leicht, die NASA-Missionen zu verklären. Die Apollo-Mission war definitiv eine beeindruckende Leistung. Doch während US-Astronauten den Mond ‚für die gesamte Menschheit‘ besuchten, sollten wir uns daran erinnern, dass der Wettlauf ins All im Kalten Krieg durch die UdSSR mit vorangetrieben wurde. Die Tatsache, dass die Menschen danach nie wieder zum Mond zurückkehrten, sollte uns verdeutlichen, dass dort bei gelegentlichen Besuchen wohl einfach nicht sonderlich viel zu holen ist.

In Bezug auf das Vermächtnis denke ich, dass Eugene Cernan, der Leiter der Apollo 17-Mission und somit der letzte Mensch, der auf dem Mond war, es am besten zusammenfasste: „Wir sind aufgebrochen, den Mond zu erforschen, und tatsächlich entdeckten wir die Erde.“

Ein Besatzungsmitglied der Apollo 17 war es, das das Foto mit der Kenung AS17-148-22727 machte, als sie am 7. Dezember 1972 den Orbit verließen. Dies war das Foto, das später unter dem Namen „Blue Marble“ bekannt wurde. Das Bild wurde zu einem der meistkopierten Fotos der Geschichte. Seit das Bild aufgenommen wurde, fanden auf der Erde enorme Veränderungen statt. Mittlerweile leben dort doppelt so viele Menschen, die Zahl der Wildtiere hat sich halbiert. Der CO2-Gehalt in der Atmosphäre ist höher als in den tausenden Jahren zuvor. Und tatsächlich haben sich die Erdoberfläche und die Ozeane erwärmt, die Gletscher schmelzen und der Meeresspiegel steigt.

Wie alle anderen Bilder der NASA wurde auch „Blue Marble“ für die Öffentlichkeit zur freien Nutzung herausgegeben. Die Forschungsergebnisse, die die NASA errungen hat, werden auf die selbe Weise weltweit geteilt. Die Ergebnisse der Erd- und Klimaforschung repräsentiert nicht nur die Höhepunkte der US-Geschichte, sondern die der kompletten Menschheit. Wir brauchen sie jetzt mehr denn je.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Comet landing / Kometenlandung“ by DLR German Aerospace Center (CC BY 2.0)


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Facebooks neues Datenzentrum: Die Zukunft liegt in Irland.

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Facebook eröffnet mit dem neuen Datenzentrum in Clonee ein innovatives Quartier. Der Standort könnte Maßstäbe setzen: innovativ und absolut energieeffizient. Facebook hat in seinem Dubliner Hauptquartier schon heute etwa 1000 Beschäftigte in den “Silicon Docks” am Hafen. 100 Kollegen werden dazu kommen, sobald das neue Datenzentrum in Clonee in der Grafschaft Meath fertiggestellt ist. Das Projekt wurde vom Chef gerade persönlich auf seinem sozialen Netzwerk vorgestellt. Kurz darauf wurden Journalisten zu einem noch unscheinbaren Feld “deep in the heart of nowhere” gekarrt, wo der erste Bagger im Blitzlichtgewitter damit begann, den Baugrund für das erste Datenzentrum von Facebook in Irland zu begradigen. Der eigentliche Baubeginn soll in zwei bis drei Monaten erfolgen. Rund 2000 Arbeiter werden beim Bau eingesetzt. Nach Fertigstellung, die für Ende 2017 oder Anfang 2018 geplant ist, werden 100 Facebook-Mitarbeiter dort arbeiten.

Welche Bedeutung hat das Datenzentrum sowohl für Facebook als auch für Irland?

Laut Mark Zuckerberg wird die Anlage – “eine der modernsten Datenzentren weltweit” – unterstreichen, dass Facebook langfristig auf den Standort Irland setzt. Und das nicht nur wegen der geringen Steuerlast.

  • Clonee ist nach Lulea in Schweden der zweite Standort für ein Facebook-Datenzentrum in Europa.

  • Mit erneuerbarer Energie betrieben wird das Datenzentrum eines der modernsten weltweit sein.

  • Klimatisch ist der Standort Irland “gut, aber nicht ideal”. Dennoch spricht Facebook Irland ein klares, langfristiges Vertrauensvotum aus.

Schon im Vorfeld der Baugenehmigung, die vor rund einem halben Jahr erteilt wurde, war das Interesse sowohl der Öffentlichkeit als auch insbesondere der Regierung an diesem Projekt sehr groß. Andere Internet-Giganten wie Google betreiben zwar schon Datenzentren in Irland, das Vorhaben von Facebook, die Daten seiner 1 Billion Nutzer in Irland zu speichern, ist aber doch so was wie die Kirsche auf der multinationalen Torte.

Sobald das Datenzentrum, dass sich Facebook 200 Millionen Euro kosten lässt, in knapp zwei Jahren fertiggestellt ist, werden 100 Mitarbeiter dort beheimatet sein und sich um Daten sowohl von Nutzern in Europa als auch weltweit kümmern. Ihr Arbeitsumfeld wird eines der modernsten weltweit sein.

Nicht etwa, weil es hier, wie bei Facebook üblich, Billardtische, flauschige Sitzgelegenheiten und gute Gehälter geben wird (die sind zum einen Standard und zum anderen bei den Lebenshaltungskosten in Irland nötig). Das Datenzentrum in Clonee, das zu 100 Prozent durch erneuerbare Energie betrieben werden wird, ist laut Mark Zuckerberg welweit eines der fortschrittlichsten & energieffizientesten Gebäude seiner Art. “Dort werden die neuesten Server-, Speicher- & Netzwerk-Designs zu finden sein, die über das Open Compute Project entwickelt wurden.”

Das irische Klima ist laut Zuckerberg zwar einer der Gründe für die Ansiedlung des zweiten europäischen Datenzentrums, absolut perfekt sei der Standort aber, was das Klima anbetrifft, nicht: “Ein interessanter Aspekt für die Bauingenieure ist, dass wir das Gebäude mit Luft von aussen kühlen werden. Weil die irische See nicht weit entfernt ist, werden wir einen indirekten Luftkühlungs-Prozess anwenden, bei dem wir das Salz aus der Luft herausfiltern werden.”

Die Entscheidung für das Datenzentrum wurde laut Niall McEntegart, Leiter der EMEA & APAC Data Centre Operations, getroffen, bevor das Safe-Harbour-Abkommen zum Datentransfer zwischen Europa und den USA für ungültig erklärt wurde. Was er nicht gesagt hat – es kann, je nachdem, wie ein neues Abkommen aussieht, das Safe Harbour ablöst, nicht schaden, mit einem zweiten europäischen Zentrum Flexibilität bei der Speicherung von Daten europäischer Kunden zu haben. Ein Sprecher des Unternehmens sagte, daß Clonee auch dann gestartet wäre, wenn an Safe Harbour festgehalten worden wäre.

Auf den attraktiven, weil niedrigen Körperschaftssteuer-Satz von 12,5 Prozent angesprochen, gab es wie nicht anders zu erwarten keinen Kommentar. Aber auch wenn es regelmäßig von Multinationals und Regierung abgestritten wird – Investitionen in Irland werden durch diesen Steuersatz auf jeden Fall einfacher gemacht. Um fair zu sein, darf man auf der anderen Seite auch nicht den Pool von gut ausgebildeten Fachkräften verleugnen, in dem Unternehmen wie Facebook fischen können.


Teaser & Image “Facebook Data Centre” by Facebook.


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Wie die Medien die COP21-Klimakonferenz auswerteten

Conferencia de la ONU sobre Cambio Climático COP21 (adapted) (Image by Presidencia de la República Mexicana [CC BY 2.0] via flickr)

Die Medien spielen eine entscheidende Rolle in der Erklärung der Klimakonferenz von Paris – eine Untersuchung der britischen und russischen Berichterstattung. Dem Pariser Abkommen wurde in der Presse im Allgemeinen viel Aufmerksamkeit zuteil. Die meisten Berichte im direkten Anschluss legten einen ähnlichen Fokus auf einige wenige Schlagzeilen: Dieser Sieg war ein „Meilenstein“, wenn auch verbunden mit einigen mahnenden Anmerkungen. Trotzdem zeigt eine nähere Betrachtung ein paar bemerkenswerte Unterschiede.

Der linksangehauchte Guardian nannte es ein „ehrgeiziges Übereinkommen” und ein „Ende der Erdöl-Ära”. Während auch Kritik herausgelesen werden konnte, war der Grundton überwiegend positiv, sogar euphorisch in seiner Hervorhebung der historischen Natur dieses Erfolgs. Es wurde erwähnt, dass NGOs „sich nie ein Abkommen hätten vorstellen können, das so ambitioniert sei” und, obwohl es immer noch nicht ehrgeizig genug sei, „Aktivistengruppen weitestgehend mit dem Ergebnis sehr zufrieden seien“. Nichtsdestotrotz wurde „die Abschwächung des Abkommens bezüglich des Umgangs mit dem irreparablen Schaden durch den Klimawandel” negativ angeführt.

Der gemäßigtere Independent betonte ebenfalls die historische und revolutionäre Natur des Moments, fügte allerdings strenger warnende Anmerkungen hinzu, so zum Beispiel von Chris Rapley (University College London), der betonte, dass nur „die Zeit die wahre Natur des Pariser Abkommens offenbaren wird“.

Auf der politisch rechten Seite, vertreten durch den Telegraph, war man sehr viel vorsichtiger. Dort wies man zwar auf den Erfolg des Abkommens hin, bevorzugte aber eine Schilderung dessen, was beschlossen worden war anstelle einer Betonung der historischen Wichtigkeit des Moments. Die Zeitung interessierte sich dafür, was dies für die Politik des Vereinigten Königreichs bedeuten wird und was die NGOs von dem Abkommen halten. Zu diesem Zweck verglichen sie die positive Beurteilung durch Christian Aid mit der negativen Bewertung durch Friends of the Earth.

Die Times und die Sunday Times waren dagegen weniger positiv eingestellt. Kurz vor der Bekanntgabe wurde das Abkommen in der Times als Erfolg für kleine Inselstaaten bezeichnet, indem das Vereinigte Königreich und der Rest der Welt stärker zur Verantwortung gezogen werden. Die Kosten technologischer Lösungen waren von größerem Interesse als das Betonen des bahnbrechenden Moments. Die Sunday Times (hier: die irische Ausgabe) des Folgetages schätzte das Abkommen als wichtiger ein, da hier geltend gemacht wurde, es wäre durchaus „historisch“, aber nicht so bedeutend, wie anderswo behauptet. Der Artikel betrachtet Technologie und Eigeninteresse als diejenigen Kräfte, die die globale Erwärmung bekämpfen werden.

Neben den praktischen Grundlagen des Abkommens – den Finanzierungsmechanismen, den getroffenen Versprechungen und so weiter – war eine der eindringlichsten Botschaften der Berichterstattung, dass Investoren und Regierungen nun Entscheidungen treffen könnten, die auf einer kollektiven Festlegung zur Reduktion der Emissionen basieren; dies wird als sehr positiver Schritt angesehen. Ein anderer Schwerpunkt war die Rolle der USA, die auf diese Vereinbarung drängten und die vermittelnde Rolle Frankreichs.

Zwei Arten von Negativität

Indes waren auf den Kommentarseiten stark skeptische/negative Stimmen zu hören, vor allem im Guardian. George Monbiot, der hochgeachtete Umwelt-Kolumnist der Zeitung, behauptete: „Im Vergleich zu dem, was es hätte sein können, ist es ein Wunder. Im Vergleich zu dem, was es hätte sein sollen, ist es ein Desaster.“ Ähnlich bewertete der frühere NASA-Klimaforscher James Hansen das Scheitern:

„Es ist wirklich ein Betrug, ein Schwindel. […] Es ist einfach Blödsinn, wenn sie sagen: Wir haben ein Erwärmungsziel von maximal 2°C und versuchen es dann alle fünf Jahre ein bisschen besser zu machen.“

Darüber hinaus gibt es Berichterstattungen, die der ganzen Idee eines großen Umweltgipfels feindlich entgegenstehen. Die Daily Mail zum Beispiel untersuchte den Einfluss der Konferenz selbst auf die Umwelt und kam zu dem Schluss, dies wäre „ein erstklassiges Beispiel dafür, was für ein verschwenderisches Leben die grüne Lobby führt“. Unterdessen verspottete der Journalist Christopher Booker im Telegraph den COP21 als den Moment, in dem „politische Panik“ über den Klimawandel mit der Realität einer auf Erdöl basierenden globalen Zivilisation zu kollidieren begann.

Diese Sorte der Verleugnung des Klimawandels – oder politischer “Realismus“ – ist allerdings zunehmend selten in den weltweiten Mainstream-Medien. Unsere Recherche beinhaltete auch einen Blick auf die Klima-Berichterstattung in Russland, einem der weltweit größten Kohlenstoffproduzenten und damit einem Land, das jeden Grund hat, öffentlichkeitswirksame Debatten zu vermeiden. Trotzdem finden auch dort Veränderungen statt. Die gewöhnlich eher zurückhaltenden Medien stimmten in die positive Berichterstattung über die Pariser Bekanntmachung überein, vielleicht als logische Konsequenz der starken Stellungnahme durch den russischen Präsidenten, Vladimir Putin, am ersten Tag des Gipfels.

So diskutierte zum Beispiel die staatliche Zeitung Rossiyskaya Gazeta die Erfolge der russischen Delegation, die alle ihre Ziele erreicht hat. Russische Reporter kritisierten die legalen Aspekte des Abkommens, während Aktivisten und NGOs Zweifel am Erfolg des COP21 äußerten, indem sie beispielsweise auf die erhöhte Wahrscheinlichkeit von kontroversen Richtlinien zur Kohlenstoffreduzierung (wie zum Beispiel Chinas möglichen Wechsel zu Nuklearenergie) und Russlands unklare Position zwischen entwickelten und entwickelnden Parteien hinwiesen. Diese Kritik ist aber eher als ein positives Zeichen des Auseinandersetzens mit dem Prozess zu werten als simple Verleugnung oder Fehlinformation.

Für die Kommunikation des Klimawandels war 2015 entscheidend – die Medien spielten eine wesentliche Rolle, als es darum ging, die Risiken für die Umwelt einem breiteren Publikum verständlich zu machen. Die Preise für die klassischen Helden und Bösewichte im Klimawandel-Kommunikationstheater sind noch nicht verteilt, aber die komplette Medienlandschaft verdient ein dickes Lob dafür, dass sie dem historischen Erfolg in Paris zumindest den verdienten Raum in der Berichterstattung gestatteten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Conferencia de la ONU sobre Cambio Climático COP21“ by Presidencia de la República Mexicana (CC BY 2.0)


 

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Warum 600 Fake-Plakate während der COP21 in Paris hingen

Brandalism Street (Image by Thomas Dekeyser)

Die COP21 in Paris hat viel Kritik einstecken müssen. Die Organisation Brandalism entwickelte sogar Fake-Plakate der Teilnehmer. Noch 72 Stunden bis zum offiziellen Start der COP21. Sechzig Freiwillige, bewaffnet mit Steckschlüsseln und 600 Postern, schleichen mit siebbedruckten JC-Decaux-Westen durch die Straßen von Paris. Ihre Mission: Werbeplakate mit Kunst zu ersetzen und ihren Protest rund um das Sponsoring der COP21 durch große Konzerne wie Engie (ehem. GDF Suez), BMW, Dow Chemicals, Coca Cola und Air France zu verdeutlichen.

Den Klimawandel bekämpfen? Natürlich nicht, wir sind eine Fluggesellschaft.“, heißt es auf einem der Fake-Poster. Auf den ersten Blick wirkt dies jedoch überraschend berechtigt. Der Untertitel lautet: „Air France – Teil des Problems“. Das ist nur eins von 600 Postern, die im Rahmen des Brandalism-Projekts aufgehängt wurden. Ein kürzlich erschienener Bericht von Observatories Des Multinationales hat aufgedeckt, dass nur einer von zehn großen COP21-Sponsoren die CO2-Emissionen gemäß der EU-Zielvorgaben gesenkt hat. Brandalism stellt die Frage, ob man als Öffentlichkeit darauf vertrauen kann, dass Großkonzerne trotz ihres Gewinnstrebens auf die aktuelle Klimasituation reagieren.

Ein weiterer Bericht der Corporate Europe Observatory betont, inwiefern die Solutions COP21-Ausstellung, die parallel zu den Gesprächen läuft, die Möglichkeit zum “Coporate Greenwashing” vereinfacht. Es wird befürchtet, dass das Sponsoring eher zu der Problematik beiträgt, indem es den großen Firmen erlaubt, Trittbrettfahrer bei den Lösungen innovativer, kleiner Institutionen zu spielen und so von den Auswirkungen der eigenen Kernaktivitäten abzulenken. Einige der Brandalism-Aktionen greifen die freudige Ästhetik der Markenbildung dieser Veranstaltung wieder auf, um deren Legitimation in Frage zu stellen.

Plakat von Bill Posters für Brandalism (Image by Thomas Dekeyser)
Plakat von Bill Posters für Brandalism (Image: Thomas Dekeyser)

Der Solutions21-Tag „Live The Climate Experience” erhält plötzlich einen bitteren Beigeschmack, wenn er zusammen mit einem Mann und einer Frau, die eine überflutete Landschaft vor einer brennenden Öl-Plattform durchqueren, gezeigt wird. Die Frage, die sich hier stellt, ist klar: Wird die COP21 verbindliche Schritte in Richtung einer Umgestaltung der nicht-nachhaltigen Kernaktivitäten großer Konzerne hervorrufen? Oder ist das nur eine weitere Möglichkeit, die Unternehmen in einem umweltfreundlichen Licht erscheinen zu lassen?

Subvertising

Die kulturelle Störungpraxis des “Subvertisings” – ein Kofferwort aus “Subvert” und “Advertising” – ist keine Idee, die es nur im Roman gibt. Die Geschichte des Ad Hijacking reicht zurück bis in die 1970er Jahre, als das australische BUGA.UP-Kollektiv (Billboard Utilising Graffitists Against Unhealthy Promotions) mit der aus seiner Sicht offensiven Tabak-Werbung startete. Ungefähr zur gleichen Zeit initiierte die Billboard Liberation Front die Zerstörung jeglicher Außenwerbung in ganz San Francisco.

Heute erreicht die Praxis des Subvertisings neue Dimensionen. Kollektive beginnen sich global zu vernetzen, um eine immer größer werdende Kraft gegen die visuellen und mentalen Einflüsse der Werbung zu schaffen. Initiativen wie Brandalism, Brigade Antipub und Plane Stupid zielen zunehmend speziell auf die Verbindung zwischen Werbung, fossilen Brennstoffen und dem Klimawandel ab.

Indem sie in Werbebereiche eingreifen, die ursprünglich den Konsum gefeiert haben, leiten sie deren Botschaft in Richtung Anti-Konsum. Joe Elan von Brandalism stellt fest: “Wir nehmen ihre Werbeplätze, weil wir der Werbung, die den nicht-nachhaltigen Konsum fördert, den Kampf ansagen wollen.” Brandalisms neuste “Werbungen” kritisieren nicht einfach nur, sie enthalten auch Vorschläge. Einige der Poster zeigen Worte und Bilder, die poetisch alternative Lebensstile aufgreifen, um die fundamentalen Veränderungen innerhalb unserer Kultur aufzuzeigen, die nötig sind, um den Umweltverfall zu umgehen.

Mehrere Stufen des Notstandes

Subvertising gewinnt nicht nur im Hinblick auf die COP21 an Bedeutung. Initiativen wie z.B. die “£6-Hackpacks” des Strike Magazins – mit Übernahme-Tipps für Buswartehäuschen und einem How-to Guide für nur sechs britische Pfund – betonen die Rolle von Außenwerbung für die Kommerzialisierung von öffentlichen Plätzen und den Menschen, die sie nutzen. Die Rechte innerhalb der Städte sind aktuell ungleich verteilt, mit Werbeplätzen in öffentlichen Plätzen, die nur für diejenigen zugänglich sind, die dafür zahlen können. Dies ist besonders im aktuellen Kontext innerhalb Frankreichs von Bedeutung, in dem die Regierung nach den Anschlägen vom 13. November, und den darauffolgenden Notstand, das Recht zur freien Meinungsäußerung weiter einschränkt.

Plakat von Eubé für Brandalism (Image Thomas Dekeyser)
Plakat von Eubé für Brandalism (Image: Thomas Dekeyser)

In den Wochen vor COP21 wurden Demonstrationen, die als Zentren des Umweltaktivismus gedacht waren, von der Polizei ohne juristische Überwachung beendet. Und während öffentliche Zusammenkünfte wie Fußballspiele und Weihnachtsmärkte weiterhin stattfinden dürfen, werden politische Proteste untersagt. Vor diesem Hintergrund scheint der kreative zivile Ungehorsam, der, wie Aktivist und Climate Games-Organisator John Jorden herausstellt, eine “rechtliche Grauzone darstellt”. Das ist ein guter Weg, öffentlich die Stimme zu erheben. Die Übernahme von Werbeflächen und andere Formen des kreativen Ungehorsams stellen einige der wenigen verbleibenden Mittel dar, die dazu befähigen, einen Platz in der Diskussionrunde der COP21 zu erhalten und weiterhin öffentlich wahrgenommen zu werden.

Brandalism hinterfragt VW (Image Thomas Dekeyser)
Brandalism hinterfragt VW (Image: Thomas Dekeyser)

Diese Eingriffe befähigen sicherlich auf mancher Ebene. Einer der Brandalism-Oragnisatoren sagte, dass sie sich keine besser Antwort der Öffentlichkeit hätten vorstellen können:

Auf den Straßen und auch im Internet haben wir eine große Reihe von “Dankeschöns”, Anfragen für How-to Guides und Anfragen für ausgedruckte Postern erhalten.

Die Poster sind jedoch alle entfernt worden (ohne weitere Kommentare seitens der Polizei oder JC Decaux). Es bleibt immer noch abzuwarten, ob die Kritik überhaupt Einfluss auf die COP21 haben wird.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


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Sieben spektakuläre Wetter-Ereignisse – und was sie verursacht

Storm Clouds Gathering (adapted) (Image by Zooey [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Es scheint als würde uns das Wetter Wochen von ödem, grauem Nieselregen bescheren. Aber es kann ebenfalls eine wirklich sensationelle – und oft tödliche – Show bieten. Doch wie lassen sich diese brisanten Ereignisse erklären?

Die Erdatmosphäre wird durch die Sonnenwärme angetrieben. Wetter ist die Antwort der Atmosphäre auf die ungleichen Muster der Wärmeenergie. Sichtbares und ultraviolettes Licht erwärmt die Erde tagsüber, stärker noch in den niedrigen Breitengraden, aber die Erde stößt einen fast genau identischen Gesamtbetrag an Infrarotstrahlung in alle Richtungen aus.

Im Schnitt erhält die Erde 340 Watt/m² durch die Sonne. Ungefähr ein Drittel dieser Energie wird durch Wolken und das Eis auf der Erdoberfläche direkt zurück ins Weltall reflektiert. Die restliche Energie – entsprechend einem die Erdoberfläche bedeckenden Netz aus im Abstand von zwei Metern platzierten, kleinen Heizkörpern, die durchgehend betrieben werden – wird von der Erdoberfläche und Atmosphäre absorbiert.

Aber die Sonnenenergie ist gebündelt auf der Tagesseite, vor allem in Äquatornähe. Im Durchschnitt absorbieren die Atmosphäre und die Erdoberfläche in den Tropen mehr als 300 Watt/m², in den Polarregionen hingegen weniger als 100 Watt/m². Am Äquator steht die Erdoberfläche im direkten Sonnenlicht, nahe den Polen, wo die gleiche Energiemenge auf eine breitere Oberfläche fällt, jedoch in einem weiten Winkel.

Die Temperatur der Erde selbst zeigt keine extremen Veränderungen, sie schwankt um weniger als 50 Grad Celsius zwischen Äquator und hohen Breitengraden, viel weniger als auf einem Körper wie dem Mond. Grund hierfür ist die Atmosphäre (und in einem leicht schwächeren Ausmaß die Ozeane), die Hitze von wärmeren in kältere Regionen transportiert. Atmosphärische Hitze erreicht Spitzenwerte von ungefähr 5 PW (5 petaWatt oder auch 5 x 1015 Watt). Zum Vergleich: Das größte Atomkraftwerk hat eine Kapazität von 8 GW (8 x 109 Watt) und die gesamte Energiemenge, die in egal welcher Form von den Menschen heutzutage konsumiert wird, beträgt geschätzt 18 TW (1,8 x 1013 Watt), mehr als 250-mal geringer.

Diese immense Energiemenge ist es, die die Wärmekraftmaschine der Erdatmosphäre und der Ozeane antreibt – und die daraus resultierenden Bewegungen der warmen Luft in kältere Regionen. Auf dieser Reise wird die Energie in viele andere Formen transformiert und die Erdrotation hat einen tiefgreifenden Einfluss auf die Form, die das Wetter annimmt, speziell in mittleren Breitengraden. Hier verändert sich das grundlegende Mittel des Wärmetransports von den längssymmetrisch umwälzenden Hadley Cells zur wellenartigen Bewegung, der Oberflächenmanifestation aus der die uns vertrauten Hoch- und Tiefdruckwettersysteme entstehen.

Strahlströme sind sehr enge Bänder (ein paar Kilometer tief und vielleicht 100 km breit) sich schnell bewegender Luft, die die Erde umkreisen und die Abgrenzung von wärmeren und kälteren Luftmassen in ungefähr 10 km Höhe bilden. Im Kern eines Strahlstroms können die Winde 200 km/h erreichen und im Jahre 1967 wurden unglaubliche 656 km/h auf den Äußeren Hebriden erfasst. Der Verlauf dieser gebündelten Winde ist entscheidend für die Planung von Flugzeugstrecken und die intelligente Nutzung dieses Wissens ist der Grund, warum es schneller ist von West nach Ost zu fliegen, als wieder zurück.

Der Strahlstrom, der unser Wetter am stärksten beeinflusst, ist der nördliche Polarfrontjetstream, der sich in einer sich verändernden Route windet und den Weg der Wettersysteme um die Welt begleitet, was zu einer Serie an Stürmen und Überflutungen führen kann. Windet sich der Strahlstrom nach Süden, wird kalte Polarluft nach unten geleitet, windet er sich nach Norden, kann warmes und ruhiges Wetter resultieren.

Hurricane Irene Makes Landfall in North Carolina (Image by NASA Goddard Space Flight Center [CC BY 2.0] via Flickr)
Image (adapted) „Hurricane Irene Makes Landfall in North Carolina“ by NASA Goddard Space Flight Center (CC BY 2.0)

Tropische Wirbelstürme, besser bekannt als Hurricanes in den amerikanischen Ländern und als Taifune im Fernen Osten, sind extrem zerstörerische Wetterereignisse, die in niedrigeren Breitengraden als Tiefdruck-Wettersysteme beginnen. Tropische Wirbelstürme formen sich über sehr warmen Meeren, typischerweise im Spätsommer und im Herbst in jeder Hemisphäre. Wenn sie sich verstärken, werden sie durch latente Energie-Freigabe von Wasserdampf angetrieben, der kondensiert, um sich dann zu hohen Wetterwolken zu aufzubauen.

Im Umkreis des Sturmzentrums wurden Windgeschwindigkeiten von über 200 km/h gemessen, doch die Verwüstungen werden hauptsächlich durch den intensiven Regen und Überflutungen als Folge des akuten Anstiegs der Meeresspiegel hervorgerufen. Der durchschnittliche jährliche Niederschlag Großbritanniens fällt in weniger als zwei Stunden aus den Wolken, die das Auge des Sturms umgeben.

Der Bhola-Wirbelsturm im Jahre 1970 war eine der schlimmsten Naturkatastrophen aller Zeiten, eine halbe Million Menschen in Bangladesch und West-Bengal wurde, größtenteils durch immense Überflutungen, getötet. Trotzdem war dieser Sturm, bewertet mit der relativ moderaten Kategorie 3, bei weitem nicht der kraftvollste tropische Wirbelsturm. Die stärksten, Kategorie 5, Stürme beinhalten z.B. Hurricane Katrina im Jahr 2005 mit Windgeschwindigkeiten von über 280 km/h.

“Occluded mesocyclone tornado5 - NOAA” (adapted) by Modern Event Preparedness (CC BY 2.0)
Image (adapted) „http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Occluded_mesocyclone_tornado5_-_NOAA.jpg“ by Modern Event Prepardeness (CC BY 2.0)

Tornados sind kleinere, brutale Wirbelwinde, die sich unter einer Gewitterwolke, einem Gebiet von intensiver vertikaler Konvektion, bilden können. Ein Wolkenschlauch formt sich im Zentrum des Wirbels, obwohl die starken Winde noch viel weiter um das Zentrum herum zirkulieren. Die extremsten Winde erreichen fast 500 km/h und resultieren in extremer Zerstörung entlang ihres Weges.

Der Tri-State-Tornado im März 1925 legte den längsten verzeichneten Weg von über 350 km zurück und tötete 695 Menschen im Mississippi River Valley in den USA. Er war Teil eines Ausbruchs mit einer Gesamtsumme von 747 Todesopfern, doch sogar dies wurde im April 1989 vom Daulatpur-Saturia-Tornado in Bangladesch überschritten, als mehr als 1.300 Menschen starben und 80.000 Menschen obdachlos wurden.

Staubstürme treten in vielen Teilen der Welt auf und transportieren Sand und feine Mineralteilchen von einem Kontinent auf den anderen. In Nordafrika sind diese Stürme bekannt als “Habubs” und beginnen oft mit starken Winden, die mit Unwettern assoziiert werden. Ähnliche Stürme treten in trockeneren Regionen Amerikas und Asiens auf. Habubs können eine Höhe von mehr als 1 km erreichen, bedecken Tausende von Quadratkilometern und dauern Stunden an, während der aufgewirbelte Staub das Sonnenlicht absorbiert, die Luft erhitzt und die Winde am Rand des Sturms intensiviert.

Auf der Erde setzen sich Wassertröpfchen auf den feinen Staubteilchen ab, die diese schließlich binden und damit das Wachstum des Sturms aufhalten, auf dem Mars jedoch, welcher sehr viel trockener ist, können manche Staubstürme den gesamten Planeten bedecken.

Windhosen sind kleine konvektive Wirbel, die durch den Staub, den sie von der Erdoberfläche aufwirbeln, sichtbar gemacht werden. Sie werden ebenfalls durch Wärmeenergie angetrieben, an Orten an denen eine kühlere Atmosphäre in Kontakt zur warmen Oberfläche steht. Dies kommt am häufigsten in wüstenähnlichen Regionen vor, doch sie können auch in gemäßigten Klimazonen entstehen und es gibt Aufzeichnungen von “Schnee-Windhosen” an hell erleuchteten Bergseiten. Auf der Erde können sie 1 km hoch werden und etwa 10 Meter im Durchmesser betragen; auf dem Mars wurden sie bereits mit viel extremeren Maßen entdeckt, die sich bis zu 20km Höhe und 200 Metern im Durchmesser ausdehnen und auf vielen Bilden von umkreisenden Raumschiffen auftauchen.

Storm (Image by Jussi Ollila [CC BY 2.0] via Flickr)
Image (adapted) „Storm“ by Jussi Ollila (CC BY 2.0)

Blitze sind ein häufiges Phänomen in der Erdatmosphäre und treten in Regionen mit starken vertikalen Konvektionen auf. Über 2.000 Gewitter sind zu jedem Zeitpunkt aktiv. Die Luft im engen Zentrum eines Blitztunnels kann kurzfristig 30.000°C erreichen, was fünf Mal der Temperatur der Sonnenoberfläche entspricht. Das Donnergeräusch kommt durch die rapide Expansion der erhitzten Luft und Bäume, die getroffen werden, werden buchstäblich die Luft gejagt, da das Wasser in ihnen umgehend kocht.

Large Hail Stones ( Image by State Farm [CC BY 2.0] via Flickr)
Image (adapted) „Large Hail Stones“ by State Farm (CC BY 2.0)

Hagel wird grundsätzlich in Verbindung mit Unwettern gebracht und ist ebenfalls ein Phänomen warmen, konvektiven Wetters. Die Menschen sehen Hagel oft als Winterereignis an, doch der späte Frühling und Sommer sind die einzigen Zeiten, in denen echter Hagel in Großbritannien auftritt. Wenn es starke Aufwinde gibt, können Hagelkörner sehr groß – bis zu 20 cm im Durchmesser – werden und ein Gewicht von fast 1 kg erreichen. Hagelstürme können wirklich tödlich enden und leider gibt es Aufzeichnungen von vielen Hundert Toden. Der wahrscheinlich tödlichste verzeichnete Hagelsturm tötete im April 1888 mehr als 230 Menschen und 1.600 Nutztiere in Uttar Pradesh, im nördlichen Teil Indiens. Zudem gibt es schriftliche Aufzeichnungen von Todesfällen in Warwickshire in England weit zurück bis Mai 1411.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) “Storm Clouds Gathering” by Zooey (CC BY-SA 2.0)


 

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