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#FridaysforFuture – Goldene Kamera für Greta!

DAS BEGEISTERT UNS: Weltweit gehen Schüler und Studenten der Fridays for Future-Bewegung freitags auf die Straße. Sie protestieren gegen die derzeitige Klimapolitik und machen auf deren soziale Aspekte aufmerksam. Die Bewegung ist dabei selbst organisiert und baut zu großen Teilen auf die Vorteile von Social Media Diensten. 

Millionen junge Menschen streiken für ihre Zukunft

Am 15. März diesen Jahres erlangte Fridays for Future mit seinem ersten internationalen Streik seinen Höhepunkt. Weltweit nahmen in über 2000 Orten in 125 Ländern mehr als eine Million Jugendliche an Kundgebungen teil und demonstrierten. Alleine in Deutschland waren 230 Städte und Orte mit mehr als 300.000 Schülern und Studierenden Teil der Demonstrationen.

Schüler und Studenten fühlen sich im Stich gelassen

Junge Menschen streiken. Sie sind frustriert. Sie befürchten keine Zukunft mehr zu haben, sollte sich an der derzeitigen Klimapolitik nichts ändern. Wieso sollten sie zur Schule gehen, wieso eine Ausbildung für die Zukunft anstreben, wenn ihnen die ältere Generation diese gerade nimmt? Auf diesen Umstand will die Jugend weltweit aufmerksam machen, in dem sie jeden Freitag die Schule schwänzt, um für einen Wandel in der Klimapolitik zu demonstrieren. Sie fordert von der Politik, den Klimawandel zu stoppen und das Klima besser zu schützen. Konkret fordert der deutsche Ableger der Fridays for Future unter dem Motto „Klimapolitik ist soziale Politik“ zum Beispiel den sofortigen Kohleausstieg.

Die Gründerin – Eine Schülerin aus Schweden

“Why should I be studying for a future that soon may be no more, when no one is doing anything to save that future?” -Greta Thunberg, 16-jährige Klima-Aktivistin im Streik

Gestartet ist die gesamte Bewegung mit der 16-jährigen Schwedin Greta Thunberg. Die damals 15-Jährige begann am 20. August 2018 für drei Wochen die Schule zu schwänzen und setzte sich stattdessen mit einem Schild, das die Aufschrift „Schulstreik fürs Klima“ trug, vor das schwedische Reichstagsgebäude. Heute ist sie zur Leitfigur der Bewegung geworden. In Deutschland erhielt sie am heutigen Abend eine Goldene Kamera

Aus den täglichen Protesten der Schülerin wurden schließlich die Fridays for Future. Greta Thunberg kündigte am 8. September 2018 an, ihre freitäglichen Proteste solange fortzusetzen, bis Schwedens Klimapolitik mit den Grundsätzen des Pariser Klimaabkommens übereinstimmt. Ihre Aktionen teilte sie dabei unter dem Hashtag #FridaysforFuture auf Twitter (346.000 Follower) und Instagram (855.000 Abonnenten).

#FridaysforFuture gelangt zu internationaler Bekanntheit

Die Proteste der 16-Jährigen erlangten schnell internationale Bekanntheit und in immer mehr Ländern ließen Schüler und Studierende den Unterricht ausfallen, um an Freitagen vor Parlamenten und Rathäusern für eine Verbesserung der Klimapolitik zu demonstrieren. Immer mehr Länder wurden Teil der Bewegung und auch die mediale Aufmerksamkeit der Fridays for Future stieg enorm. In Deutschland alleine gibt es über 155 Ortsgruppen der Fridays for Future.

Dabei spielen die sozialen Medien eine wichtige Rolle für Fridays for Future. Nur durch sie konnte die Bewegung so groß werden, wie sie heute ist. Twitter, Facebook und Instagram bieten einerseits die Möglichkeit, die Bewegung über die Hashtags #FridaysforFuture und #ClimateStrike die Schulstreiks bekannter zu machen und mehr Aufmerksamkeit zu erregen. Andererseits helfen sie bei Information und Kommunikation in größerem Maßstab. So ruft die Gründerin zum Beispiel in diesem Tweet die einzelnen Ortsgruppen der verschiedenen Länder dazu auf ihre Streiks auf der internationalen Fridays for Future Website einzureichen, damit die Bewegung alle Zahlen zum 15. März auswerten kann.

Die Kommunikation auf internationaler Ebene läuft außerdem über die Website fridaysforfuture.org. Hier können Betreiber ihre nationalen Webseiten zusammen mit ihren Kontaktdaten angeben. Außerdem können hier weltweite Streiks angekündigt und hinterher Berichte über die Streiks abgeben werden. So hat die Bewegung einen Überblick über die vielen Mitgliedergruppen und die Vernetzung untereinander wird ermöglicht.

Social Media – Das Standbein der Bewegung

Die Organisation von Fridays for Future ist dezentral gestaltet. Viele lokale Gruppen der Bewegung betreiben für ihre Länder oder Städte eigene Social Media Accounts, um so für ihre Mitglieder die lokal relevanten Informationen bereitstellen zu können und sich zu vernetzen. Auf Twitter tummeln sich unzählige Accounts verschiedener Länder und deutscher Ortsgruppen. Hier eine Übersicht der wichtigsten Accounts:

Twitter

Facebook

Neben den großen Accounts gibt es noch etliche kleinere Ortsgruppen mit eigenen Accounts, von denen wir hier nur ein paar aufführen:

Twitter

Facebook

Organisation über WhatsApp, Telegram und Co.

Auf der offiziellen Fridays for Future Deutschland Seite, wird erklärt wie die Organisation über die Messenger-Dienste WhatsApp und Telegram läuft. Um sich zu engagieren, sollen Besucher in den Gruppenchat einer Regionalgruppe in ihrer Nähe eintreten. Dafür findet sich auf der Seite eine Liste mit Zugängen und Einladungslinks zu den Kanälen der über 155 Ortsgruppen in Deutschland. Die logistische Komplexität dieser Kanäle ist dabei teilweise wirklich beeindruckend. So ist die deutschlandweite WhatsApp-Gruppe beispielsweise in neun Untergruppen, zu speziellen Themen wie unter anderem Politik, Mobilität und Ernährung, aufgeteilt. Auch gibt es eine Infrastruktur um neu gegründete Ortsgruppen schnell in dieses System aufzunehmen und so die Kommunikation auszubauen.

Die Streiks entfachen eine Debatte über die Schulpflicht

In Deutschland haben die Streiks der Schüler auch in der Politik eine Menge Aufmerksamkeit erregt. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) spricht sich klar für die Demonstrationen in der Unterrichtszeit aus. „Ich finde es gut, dass diese angeblich so unpolitische Generation den Mund aufmacht und auf die Straße geht“

Wirtschaftsminister Peter Altmeier (CDU) und FPD-Chef Christian Lindner raten den Schülern, lieber außerhalb der Schulzeit zu demonstrieren. So umgehen die Schüler den Vorwurf bloß den Unterricht schwänzen zu wollen.

Auf der Website des deutschen Ablegers von Fridays for Future finden sich Informationen zu dem Thema Schulpflicht und den möglichen Konsequenzen für Schüler, sollten sie die Schule schwänzen. Auch ist dort aufgelistet, wie Schüler zu den Kundgebungen kommen können, ohne dabei die Schule ausfallen lassen zu müssen. So wird beschrieben, wie Schüler versuchen können sich vom Unterricht freistellen zu lassen, oder wie sie ihre Lehrer überzeugen können die Demonstrationen als Schulveranstaltungen anzusehen.


Image by Photocreatief / adobestock.com

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Die Debatte um Geo-Engineering geht uns alle an

White and Blue (adapted) (Image by Willian Justen de Vasconcellos [CC0 Public Domain] via Unsplash)

Es besteht die Möglichkeit, dass wir ein System entwickeln müssen, um gegen die globale Erwärmung anzugehen – und zwar schnell. Das mag wie eine verrückte Idee erscheinen. Allerdings sind mehr als 250 andere Wissenschaftler, Politiker und Interessenvertreter aus aller Welt, unter ihnen auch ich, kürzlich nach Berlin gekommen. Hier wurde über die Versprechungen und Gefahren des Geo-Engineerings diskutiert.

Es gibt viele mögliche Methoden, um das Klima zu gestalten. Ein paar frühe, jedoch eher absurde Ideen waren die Installation eines „Space Sunshade“: ein massiver Spiegel, der die Erde umkreist, um Sonnenlicht zu reflektieren. Die Ideen, die heute am meisten diskutiert werden, sind vielleicht nicht viel realistischer. Partikel in die Stratosphäre sprühen, um Sonnenlicht zu reflektieren, oder die Ozeane mit Eisen befruchten, um Algenwachstum und Kohlendioxidbindung durch Photosynthese zu fördern.

Doch seit dem Pariser Abkommen ist die Aussicht auf Geo-Engineering wesentlich realistischer geworden. Das Pariser Abkommen von 2015 verpflichtete sich nahezu universell und rechtlich verbindlich, den Anstieg der globalen Temperatur auf deutlich unter 2 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau zu halten und sogar den Anstieg auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) kommt zu dem Schluss, dass diese Ziele erreicht werden können. Doch fast alle Szenarien stützen sich auf den umfassenden Einsatz von Geo-Engineering bis zum Ende des Jahrhunderts.

Das Klima gestalten

Geo-Engineering gibt es in zwei verschiedenen Ausformungen. Die erste ist die Beseitigung von Treibhausgasen. Jene Ideen, die darauf abzielen, Kohlendioxid und andere Treibhausgase aus der Atmosphäre zu entfernen und zu speichern. Die zweite ist die Beeinflussung der Sonneneinstrahlung. Die Idee dahinter ist, dass man versuchen würde, eine gewisse Menge an Sonnenlicht von der Erde wegzureflektieren.

Die Beeinflussung der Sonneneinstrahlung ist umstritten. Hier wird bisher nichts unternommen, um die Ursache des Klimawandels – die Treibhausgasemissionen – zu bekämpfen. Außerdem wirft es eine ganze Menge Bedenken über unerwünschte Nebenwirkungen wie Veränderungen des regionalen Wetterverhaltens auf.

Und dann gibt es noch das so genannte „Beendigungsproblem“. Wenn wir das Klima irgendwann nicht mehr beeinflussen würden, würde die Temperatur weltweit plötzlich wieder auf das Level zurückkehren, wo sie ohne diese Beeinflussung gewesen wäre. Und wenn wir nicht gleichzeitig die Emissionen verringert hätten, würde dies einen starken und plötzlichen Anstieg bedeuten.

Die meisten Klimamodelle, die die Ziele des Pariser Abkommens erreichen, gehen davon aus, dass die Beseitigung von Treibhausgasen, insbesondere Bioenergie und CO2-Abtrennung und -Lagerungstechnologie, genutzt werden. Wie die jüngste Konferenz jedoch gezeigt hat, gibt es trotz der Tatsache, dass die Forschung auf diesem Gebiet immer mehr an Boden gewinnt, eine gefährliche Kluft zwischen dem derzeitigen Stand der Technik und der Durchführbarkeit des Pariser Abkommens über den Klimawandel.

Das Pariser Abkommen – und seine implizite Abhängigkeit von der Beseitigung von Treibhausgasen – ist zweifellos eine der bedeutendsten Entwicklungen auf dem Gebiet des Geo-Engineering seit der letzten Konferenz seiner Art im Jahr 2014. Damit verlagerte sich der Schwerpunkt der Konferenz weg von der umstrittenen und aufmerksamkeitsstarken Beeinflussung der Sonneneinstrahlung hin zu einer banaleren, aber politisch relevanteren Treibhausgasentsorgung.

Umstrittene Experimente

Aber es gab Momente, in denen die Sonnenlicht reflektierende Methoden noch immer allen die Show stahlen. Ein Kernstück der Konferenz war ein Talk, bei dem David Keith und seine Kollegen vom Harvard University Solar Geoengineering Research Programme ihre Experimentierpläne vorstellten. Ziel ist es, ein Instrumentenpaket mit einem Höhenballon auf eine Höhe von 20 Kilometer zu heben und eine kleine Menge reflektierender Partikel in die Atmosphäre abzugeben.

Dies wäre nicht das erste Geo-Engineering-Experiment. Wissenschaftler, Ingenieure und Unternehmer experimentieren bereits mit verschiedenen Ideen, von denen einige in der Öffentlichkeit auf großes Interesse gestoßen sind. Es hat aber auch Kontroversen gegeben. Ein besonders bemerkenswerter Fall war ein britisches Projekt, bei dem im Jahr 2013 aufgrund von Bedenken über das geistige Eigentum die Ausführung gestrichen wurden. Der Plan war, in einer Höhe von einem Kilometer über dem Boden eine kleine Menge Wasser in die Atmosphäre abzugeben, indem man ein Rohr benutzt, das mit einem Ballon verbunden ist.

Solche Experimente sind unerlässlich, wenn Geo-Engineering-Ideen jemals zu technisch tragfähigen Beiträgen beitragen sollen, mit denen die Ziele des Pariser Abkommens erreicht werden sollen. Aber es ist die Steuerung von Experimenten, nicht ihre technischen Qualifikationen, die immer schon das umstrittenste Feld der Geo-Engineering-Debatte war und ist.

Kritiker warnten, dass das Harvard-Experiment ein Dammbruchargument in Richtung eines unerwünschten Aufmarsches sein könnte. Deshalb müsse es zurückgehalten werden. Die Befürworter argumentierten jedoch, dass die Technologie erst entwickelt werden müsse, bevor wir wissen könnten, was wir zu regieren versuchen.

Die Herausforderung für die Governance besteht nicht darin, eines dieser beiden Extreme zu unterstützen. Vielmehr muss ein verantwortungsvoller Weg zwischen ihnen gefunden werden.

Wie regieren?

Der Schlüssel zu einer verantwortungsbewussten Steuerung von Geo-Engineering-Experimenten liegt in der Berücksichtigung öffentlicher Interessen und Anliegen. Geo-Engineering-Experimentatoren, oder jene, die es gerne wären, einschließlich jener in Harvard, versuchen routinemäßig, diese Interessen zu erklären. Hier appelieren sie an ihre Experimente, die von einem kleinen Maßstab und einem begrenzten Umfang sind. Doch wie ich bereits auf der Konferenz argumentiert habe, war in öffentlichen Diskussionen über den Umfang und das Ausmaß von Geo-Engineering-Experimenten ihre Bedeutung immer subjektiv und durch andere Anliegen qualifiziert.

Meine Kollegen und ich haben festgestellt, dass die Öffentlichkeit mindestens vier Hauptanliegen an Geo-Engineering-Experimenten hat. Ihren Grad der Eindämmung, die Unsicherheit darüber, was die Ergebnisse sein würden, die Rückführbarkeit der Auswirkungen und die Absicht dahinter. Ein Versuch, der sich nur in Innenräumen abspielt, könnte daher als unannehmbar angesehen werden, zum Beispiel, wenn er Bedenken in Bezug auf private Interessen hervorruft. Andererseits könnte ein Großversuch im Freien akzeptabel sein, wenn er keine Stoffe in die Umwelt freisetzt.

Unter bestimmten Bedingungen konnten die vier Dimensionen ausgerichtet werden. Die Herausforderung für die Governance besteht darin, diese und wahrscheinlich auch andere Dimensionen der Beherrschbarkeit zu berücksichtigen. Das bedeutet, dass die Beteiligung der Öffentlichkeit an der Gestaltung der Governance selbst im Mittelpunkt der Entwicklung von Geo-Engineering-Experimenten stehen muss.

Es stehen eine ganze Reihe von Methoden des wechselseitigen Dialogs zur Verfügung – Fokusgruppen, Bürgerjurys, Beratungsworkshops und viele andere mehr. Und für diejenigen, die außerhalb der formalen Einbindung in solche Prozesse stehen: Lesen und sprechen Sie viel mehr über Geo-Engineering. Wir müssen einen gesellschaftlichen Dialog darüber beginnen, wie wir solche umstrittenen Technologien beherrschen können.

Die öffentlichen Interessen und Anliegen müssen schon im Vorfeld eines Experiments herausgearbeitet werden. Die Ergebnisse müssen dazu genutzt werden, die Art und Weise, wie wir es regeln, sinnvoll zu gestalten. Dadurch wird das Experiment nicht nur legitimer, sondern auch wesentlich besser.

Sie sollten nicht in die Falle tappen. Es werden Experimente nötig sein, wenn wir den Ideenwert von Geo-Engineering erlernen wollen. Aber dies kann nur geschehen, wenn im Kern die öffentlichen Werte enthalten sind.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „White and Blue…“ by Willian Justen de Vasconcellos (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Die Netzpiloten sind Partner des CSR Kommunikationskongresses 2017

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Unternehmensverantwortung und Nachhaltigkeit sind Schlagwörter unserer Zeit – nicht nur in der öffentlichen Diskussion, sondern auch innerhalb von Unternehmen bildet sich das CSR-Management zu einem erfolgskritischen Faktor heraus. Die gelungene Kommunikation von Verantwortung und die Verantwortung innerhalb der Kommunikation sind für den Unternehmenserfolg unabdingbar – deswegen ist der 2. Deutsche CSR Kommunikationskongress am 9. und 10. November in Osnabrück diesen Themen gewidmet.

Der Kongress ist eine Initiative des gemeinsamen Arbeitskreises CSR-Kommunikation der Deutschen Public Relations Gesellschaft (DPRG) und des Deutschen Netzwerk Wirtschaftsethik (DNWE) und wird in Kooperation mit dem Zentrum für Umweltkommunikation der Deutschen Bundesstiftung Umwelt umgesetzt.

Vor allem für CSR-Manager und Kommunikationsmanager aus kleinen und mittelständischen Unternehmen sowie Großunternehmen, Konzerne und Vertreter aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Lehre ist der Kongress von Bedeutung.

Diese Themen erwarten euch

Bei der CSR- Kommunikation gibt es noch viele ungelöste Fragen, die der Kongress zu beantworten versucht: Welche Verantwortung trägt das Unternehmen hinsichtlich der Auswirkungen seiner Geschäftstätigkeit? Welche Bedeutung haben diese Entwicklungen für die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens? Doch auch Fragen zu Energie- und Ressourceneffizienz, Klimawandel, Globalisierung und Demographie stellen die Unternehmen im Rahmen des CSR-Managements unter Handlungsdruck.

Unter den Referenten werden unter anderem Prof. Götz W. Werner, Geschäftsführer und Gründer des dm-Drogeriemarkts, und Dr. Holger Hoff, Senior Scientist am Stockholm Environment Institute und am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung, erwartet.

Lasst euch diese einmaligen Kongress nicht entgehen! Weitere Informationen zur Anmeldung und zum Programm findet ihr hier.

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Wie ich als Klimaforscher für Exxon gearbeitet habe

Sturm, Wolken, Löschen, Wetter [adapted) (Image by skeeze [CC0 Public Domain] via pixabay)

Die Versuche von ExxonMobil, an der Existenz und Dringlichkeit des Klimawandels Zweifel zu säen und Spenden des Unternehmens an Gruppen, die falsche Informationen über den Klimawandel verbreiten, sind bereits seit langer Zeit öffentlich bekannt. Im Jahr 2015 wurden investigative Berichte enthüllt, dass Exxon eigene Wissenschaftler beschäftigt, die bereits seit den 1970er Jahren eigene Klimamodelle erarbeiten. Hier haben sie Modelle entwickelt, die nicht nur akkurat waren, sondern auch zu Planungszwecken für die Zukunft des Unternehmens verwendet wurden.

Wie eine Ende August veröffentlichte und viel beachtete Studie nun bestätigt, unterschied sich das, was Exxon intern über den Klimawandel kommunizierte, quantitativ sehr stark von öffentlichen Statements. Die Forscher Geoffrey Supran und Naomi Oreskes fanden dabei insbesondere heraus, dass mindestens 80 Prozent der internen Dokumente und Veröffentlichungen zwischen 1977 und 2015 mit dem Stand der Wissenschaft übereinstimmten: der Klimawandel existiert tatsächlich und wurde vom Menschen verursacht. Außerdem wurden „begründete Unsicherheiten“ identifiziert, denen jeder Klimaforscher zu diesem Zeitpunkt zugestimmt hätte. Nichtsdestotrotz wurden gut 80 Prozent der bezahlten Werbung, die Exxon im gleichen Zeitraum in Auftrag gab, vor allem auf Faktoren wie Unsicherheit und Zweifel ausgerichtet.

Der starke Kontrast zwischen der internen und topaktuellen Diskussion zur Klimaforschung, während nach außen eine Desinformationskampagne zum Thema Klimawandel stattfand, ist genug, um zu verblüffen. Was ging bei Exxon vor sich? Ich kann hier eine neue Perspektive liefern – denn ich war selbst dabei.

Von 1995 bis 1997 hat Exxon zu einem Teil meine Masterarbeit unterstützt, die sich auf chemische Reaktionen von Methan und dessen Emissionen konzentrierte. Ich verbrachte 1996 einige Wochen als Praktikant im Exxon-Forschungslabor in Annandale, New Jersey. Außerdem habe ich jahrelang an kollaborativer Forschung teilgenommen, welche zu drei veröffentlichten Studien führte, die in Supran und Oreskes neuer Analyse zitiert werden.

Klimaforschung bei Exxon

Ein Forscher ist ein Forscher, egal, wo er arbeitet – und meine Kollegen bei Exxon waren keine Ausnahme. Bedacht, umsichtig und in voller Übereinstimmung mit dem wissenschaftlichen Konsens zum Thema Klima – dies sind Charakteristika, auf die jeder Forscher stolz wäre. Hatte Exxon eine Agenda für unsere Forschung? Natürlich – Exxon ist keine Wohltätigkeitsorganisation. Ihre Forschung und Entwicklung verfolgte Ziele. In meinem Fall war dieses Ziel, nichts zutage zu fördern, das im Bereich der Klimaforschung für Aufsehen sorgen würde. Ich sollte die Vorzüge der Reduktion von Methan quantifizieren.

Methan ist ein Abfallprodukt, das beim Abbau von Kohle und bei natürlichen Gaslecks auftritt. So finden wir es beispielsweise in Abwasseranlagen, bei furzenden und rülpsenden Kühen, Schafen, Ziegen und sonstigen Tieren, die wiederkäuen, bei der Zersetzung von organischem Müll in Abfallbehältern oder innerhalb gigantischer Termitenhügel in Afrika. Es tritt sogar in kleinen Mengen bei laktoseintoleranten Mitmenschen auf.

Methan absorbiert auf einer Massenbasis etwa fünfunddreißig Mal so viel Erdwärme wie Kohlendioxid. Methan hat eine weit kürzere Lebenszeit als Kohlendioxid, und wir produzieren weit weniger davon. Dass die Überproduktion des Kohlendioxid aufhören muss, ist also eine Tatsache. Wir beobachten mit Sorge, wie schnell die Erde sich erwärmt. Es lohnt sich also, den Methanausstoß so schnell wie möglich zu reduzieren, während wir langfristig kohlendioxidbasierte Brennstoffe abschaffen.

Für die Gas- und Ölindustrie bedeutet die Reduktion von Methanausstoß eine enorme Energieeinsparung. Es ist also nicht überraschend, dass ich während meiner Forschung keine merkliche Anleitung oder einen Eingriff in meine Forschung erfuhr. Niemand schlug vor, meine Kennzahlen zu überarbeiten oder meine Erkenntnisse „anzupassen“. Die einzige Auflage war, dass ein Zeitschriftenartikel mit einem Co-Autor einer internen Prüfung standhalten musste, bevor es zur Begutachtung freigegeben werden konnte. Dieses Vorgehen entspricht einer Richtlinie wie in vielen Bundesanstalten.

Wusste ich darüber Bescheid, was sonst zu dieser Zeit vor sich ging? Ich hätte es mir nicht vorstellen können. Gerade aus Kanada hergezogen, war ich mir nicht darüber bewusst, dass es Menschen gab, die Klimaforschung nicht akzeptierten – so wenig bewusst, dass es fast ein halbes Jahr dauerte, bis ich verstand, dass ich jemanden geheiratet hatte, der genau dies war. Abgesehen davon finanzierte Exxon zur gleichen Zeit, zu der meine Forschung als zweckmäßigste Art, den Einfluss des Menschen auf das Klima zu reduzieren, eine riesige Fehlinformationskampagne.

Dennoch haben die Entscheidungen von Seiten Exxons direkt zu der Lage beigetragen, in der wir uns heute befinden und die sich in vielerlei Hinsicht surreal anfühlt. In dieser Situation stellen sich viele gewählte Repräsentanten den Maßnahmen für das Klima entgegen, während China die USA in Bezug auf Windkraft, Solarenergie, wirtschaftliche Investitionen in saubere Energien und sogar die Existenz einer nationalen Obergrenze und Handelspolitik ähnlich des verhängnisvollen Waxman-Markey-Gesetzes von 2009 vorführen.

Persönliche Entscheidungen

Diese neueste Studie unterstreicht, warum viele Exxon dafür verantwortlich machen, wissentlich die Öffentlichkeit hinsichtlich eines so wichtigen Themas in die Irre geführt zu haben. Für Wissenschaftler und Akademiker jedoch wird es eine andere, moralisch ähnliche Debatte auslösen. Sind wir gewillt, finanzielle Unterstützung anzunehmen, die uns im Gegenzug für die Beschwichtigung des öffentlichen Bewusstseins angeboten wird?

Das Konzept, für sündhaftes Vergehen zu bezahlen, ist nicht neu. Von Völlereien im Mittelalter bis hin zur Kritik, die einige heute der Klimakompensation zugeschrieben haben: Der Mensch hat schon immer versucht, die Folgen seines Handelns abzuschwächen und sein Gewissen durch gute Taten zu beruhigen, insbesondere auf finanzielle Art und Weise. Heutzutage folgen viele Industrieunternehmen dieser Logik: Einerseits wird die Wissenschaftsleugnung unterstützt, andererseits wird topaktuelle Forschung und Wissenschaft gefördert.

Das Globale Klima- und Energieprojekt der Stanford University führt grundlegende Forschungen zu effizienten und sauberen Energietechnologien durch – mit Exxon als Sponsor. Der Philantroph und politische Gönner David Koch spendete 2015 einen bisher nie dagewesenen Betrag von 35 Millionen US-Dollar an das Smithsonian National Museum of Natural History, woraufhin drei Dutzend Wissenschaftler das Museum aufforderten, sich von Koch loszusagen, da er Lobbygruppen unterstützt, die die Klimaforschung „falsch repräsentieren“. Shell hat das „Atmosphere“-Programm des London Science Museum unterschrieben, um dann seinen Einfluss dazu zu nutzen, die Perspektive auf das, was Forscher über das Klima wissen, zu verzerren.

Es ist einfach, mit dem Finger auf andere zu zeigen, wenn es jedoch um uns selbst geht, mag die Wahl oft nicht so klar sein. Was ist am wichtigsten – der Nutzen von Forschung und Bildung, oder die Ablehnung von beschmutzten Geldern?

Die richtige Antwort auf moralisch fragwürdige Angebote ist ein uraltes Problem. Im Buch der Korinther antwortet der Apostel Paulus auf die Frage danach, was mit Lebensmitteln, die den Göttern geopfert wurden, geschehen soll: Essen oder vernichten?

Seine Antwort führt die Komplexität dieses Themas vor Augen. Essen ist immer Essen, sagt er – nach der gleichen Logik könnten wir heutzutage sagen, dass Geld immer Geld ist. Sowohl Nahrung als auch finanzielle Mittel können jedoch Bündnis oder Zustimmung bedeuten. Falls andere Parteien involviert sind, wird eine noch kritischere Antwort benötigt.

Was sollen wir Akademiker also tun? In unserer offenen und transparenten Welt, in der Informationen so leicht zugänglich sind, ist die Offenlegung von finanziellen Unterstützern sowohl wichtig als auch notwendig. Manch einer würde außerdem argumentieren, dass ein finanzieller Unterstützer, egal wie eng oder lose die Verbindungen sind, einen Schatten auf die  Forschungsergebnisse wirft. Andere hingegen würden sagen, dass die Gelder für das Gute genutzt werden können. Welches Argument hat das größte Gewicht?

Nach zwei Jahrzehnten im Bereich der Klimaforschung bin ich nicht länger so unschuldig, wie ich einst war. Ich bin mir derer nun viel zu bewusst, die Klimaforschung als „liberalen Unfug“ abtun. Jeden Tag attackieren sie mich auf Facebook, verteufeln mich auf Twitter und schicken mir gelegentlich sogar handgeschriebene Briefe – was immerhin Wertschätzung gegenüber der Kunstfertigkeit erbittet, wenn schon nicht des Inhalts. Was würde ich also nun tun, wenn Exxon mich anriefe?

Es gibt auf diese Frage nicht die eine richtige Antwort. Um für mich selbst zu sprechen: Ich würde sie bitten, die Gelder den Politikern zu geben, die eine sinnvolle Klimapolitik verfolgen – und ihre Zuwendungen an die, die dies nicht tun, einzustellen. Ich bewundere die praktische Antwort eines Kollegen: er schlägt vor, ein von Koch stammendes Honorar zu nutzen, um eine lebenslange Mitgliedschaft im Sierra Club zu erwerben.

Trotz der Tatsache, dass es keine einfache Antwort gibt, ist es eine Frage, die sich uns mehr und mehr jeden Tag stellt, und wir können diese Gratwanderung nicht länger machen. Als Akademiker und Wissenschaftlicher müssen wir einige schwierige Entscheidungen treffen; und nur wenn wir die weitreichenden Implikationen dieser Entscheidungen erkennen, können wir diese Entscheidungen mit Weitsicht treffen, statt mit halbgeschlossenen Augen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Sturm, Wolken, Löschen, Wetter“ by skeeze (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Internet immer, Schlafen nimmer: Die Menschheit im Jahr 2167

uge (adapted) (image by geralt [CC0] via pixabay)

Wir leben in einer von Technologie geformten Welt. In den kommenden 150 Jahren des Fortschritts und der Entdeckung wird sie sich noch mehr verändern. Das Leben im Jahr 2167 wird erstaunlich, aufregend, praktisch – und ist trotzdem noch vorstellbar für jemanden aus dem Jahr 2017.

Jede konkrete Vorhersage darüber wie das 22. Jahrhundert wohl aussehen wird, wird fast mit Sicherheit falsch sein. Dennoch könnten bahnbrechende Entwicklungen in der Wissenschaft und reine Annahmen aufzeigen, was die Zukunft bereithalten könnte. Es ist unausweichlich, dass wir mit unseren eigenen Körpern experimentieren werden. Die Wohlhabenden werden routinemäßig ihre Gene überarbeiten und ihre Babys designen. Ob reich oder arm, fast jeder wird einen implantierten Internet-Chip tragen, sodass wir innerhalb eines Wimpernschlags online sein können. Und nachdem wir die Notwendigkeit zu schlafen beseitigt haben, werden wir sowohl sehr viel produktiver sein als auch weit mehr Zeit für Freizeit haben.

Menschlichkeit

Wir werden sicherlich länger leben als jetzt und wir werden größtenteils gesund bleiben, bis wir unser Ende erreichen. Allerdings werden frühere Versprechen von Verjüngung oder Unsterblichkeit niemals verwirklicht werden. Und was ist mit den kryogenisch eingefrorenen Köpfen? Sie werden immer noch gelagert werden.

Mehr verwegene Experimente werden versuchen, die eigentliche Definition von Bewusstsein zu verändern: Computer werden ein Bewusstsein erlangen und viele (aber nicht alle) von uns werden akzeptieren, dass Maschinen die gleichen Rechte haben werden wie wir Menschen. Einige werden sogar damit beginnen, sich in die gegenteilige Richtung zu bewegen, indem sie ihr Bewusstsein auf Software überspielen, um sich selbst von den Einschränkungen des verfallenden menschlichen Körpers zu befreien. Kernfusionen oder andere Energiequellen werden unbegrenzte, billige Energie hervorbringen. Demzufolge kann das fliegende Auto wirklich existieren.

Keine Wunder

Kanada wird jedoch auch nach 300 Jahren kein Land der Wunder sein. Unser Leben findet mitten im permanenten Klimawandel statt – der Schaden wird dann bereits angerichtet sein. Kriege sind ausgefochten, Regierungen gefallen und die Schere zwischen arm und reich dramatisch auseinandergegangen. Aber in den großen Städten Nordamerikas, die wir dem Meer abgetrotzt haben werden, sieht die schonungslose Wirklichkeit so aus, dass Menschen sich anpassen werden und das Leben weitergehen wird.

Über den Tellerrand hinaus betrachtet, deutet die atemberaubende Anzahl an Sternen in unserer Galaxie, der Milchstraße, darauf hin, dass wir Kontakt mit anderem intelligenten Leben hergestellt haben werden – und wir werden mit den Konsequenzen ringen. Tatsächlich könnten wir in jenen Tagen damit begonnen haben, selbst mit langsamen, schwerfälligen Schiffen eine ewig lange Reise zu den Sternen zu machen.

Realitäts-Check

So futuristisch all das auch klingen mag – die utopische Zukunft im Star-Trek-Stil, wie sie viele von uns erhoffen, wird Fiktion bleiben. Teleporter könnten theoretisch möglich sein, sind aber absolut unpraktisch. Und egal ob Warp-Antrieb oder Wurmlöcher, wir werden nicht mit Überlichtgeschwindigkeit durch die Galaxie schwirren. Wir werden noch keine Post-Mangelgesellschaft erreicht haben, in der Geld nicht mehr länger existiert.

Und was ist abschließend mit dem besten aller Science-Fiction-Träume, dem Zeitreisen? Nun ja, es gibt einen Grund, warum jede Geschichte über Zeitreisen voll mit Widersprüchen ist: Weil es traurigerweise etwas ist, das (zumindest meiner Meinung nach) niemals in der echten Welt passieren wird.

Auch im Jahr 2167 wird es nur einen Weg geben, durch die Zeit zu reisen: Jahr für Jahr und mit allen zusammen – hinein in eine ungewisse Zukunft.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Auge“ by geralt (CC0 Public Domain)


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Fünf Gründe, warum wir die Klimaforschung der NASA brauchen

Comet landing - Kometenlandung (adapted) (Imag by DLR German Aerospace Center [CC BY 20] via flickr)

Würde Präsident Trump tatsächlich die finanzielle Unterstützung der NASA kürzen? Das Thema wurde bereits angesprochen, jedoch nicht von den führenden Wissenschaftlern. Schuld daran sind die Lobbygruppen der fossilen Brennstoffindustrien und die Politiker, die bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten Zweifel säten, Fakten verschleierten oder mit Lügen argumentierten, dass die Menschen nicht der Grund für die signifikanten Klimaveränderungen seien.

Dieser Umstand wird das Trump-Team, das für PR aus Skeptikerkreisen verantwortlich ist, sicherlich ärgern. NASA-Organisationen wie das Goddard Institute for Space Studies und das Jet Propulsion Laboratory haben grundlegende Beiträge zu unserem Verständnis, wie Menschen das Erdklima verändern, erbracht. Und der US-Steuerzahlern hat es bezahlt. Würde man aufhören, die Forschung der Klimaveränderungen der NASA zu finanzieren, wäre, als würde man sich die Finger in die Ohren stopfen und sich ein Liedchen pfeifen. Dem Klima ist die Politik egal, denn es wird weiterhin auf den Ausstoß von Treibausgasen reagieren. Das Einzige, was sich verändern würde, wäre die führende Position der USA in diesem Forschungsbereich, mit dem Risiko, dass nicht nur Amerika, sondern die gesamte Menschheit am Ende als Verlierer dastünde.

Daher sind hier fünf Gründe, weshalb die Kürzung (oder auch die mutwillige Zerstörung) der Mittel für die Klimaforschung der NASA eine außergewöhnliche Dummheit wäre.

1. NASA-Satelliten sind unsere Augen auf unsere Welt

Zurzeit arbeitet die NASA mit mehr als einem Dutzend Satelliten im Erd-Orbit und überwacht die Veränderungen der Ozeane, des Festlands und der Atmosphäre. Ihre Forschungen umfassen die Solaraktivitäten, den Anstieg des Meeresspiegels, die Temperatur der Atmosphäre und der Ozeane, die Ozonschicht, die Luftverschmutzung und Veränderungen im Meer sowie der Eismassen.

Alle diese Faktoren haben einen direkten Einfluss auf den Klimawandel, aber sie stellen auch wichtige Erkenntnisse der verschiedenen Komponenten der Erde selbst dar. Es wurden Milliarden in diese Programme investiert, die Daten produziert haben, die von einer internationalen Wissenschaftsgemeinschaft genutzt werden, um verschiedene erdbezogene Themen zu studieren.

2. Klimaforschung ist ein Schlüsselbereich der Mission der NASA

Wir können die Satelliten vielleicht nicht abstellen, aber wir können die Regierung dazu bringen, die Daten nicht mehr zu nutzen, um die Forschung um den Klimawandel voranzutreiben. Die NASA wurde mit dem „National Aeronautics and Space Act“ von 1958 mit dem Auftrag gegründet, Technologien für die Weltraumbeobachtung zu entwickeln, nicht jedoch für die Geowissenschaften – das war die Aufgabe anderer Bundesbehörden.

Das Model der querfinanzierten Forschung scheiterte allerdings in den 1970er Jahren aufgrund des Finanzierungsmangels. Die Budgets wurden gekürzt und schließlich konnte die die NASA ein paar wisseschaftliche Untersuchungen anhand der Daten durchführen, die sie vorher erstellt hatten. Außerdem wurde angekündigt, dass die Forschung auf „nationale Bedürfnisse“ wie Energieeffizienz, Umweltverschmutzung, Ozonabbau und, ja, auch den Klimawandel ausgerichtet würde. So ist die Erd- und Klimaforschung zu einer zentralen Aufgabe der Behörde geworden, die auch eine weltweit führende Position innerhalb der Problematik innehat.

3. Die NASA hat die Besten der Besten

Die NASA kennt man auf der ganzen Welt – besonders wegen Programmen wie Apollo, das Menschen zum Mond gebracht hat. Aber ihr Ruhm geht weit über das generelle Interesse an der Weltraumfahrt hinaus. Die NASA kann einige der besten Erd- und Klimaforschung vorweisen, weil ihre Programme einzigartige Möglichkeiten der Forschung in enormer Bandbreite bieten. Und sagen zu können, dass man für die NASA arbeitet, ist immer noch ziemlich cool.

Die Klimaforschung nicht weiter zu finanzieren, würde bedeuten, dass viele Forscher, von denen manche gerade am Anfang ihrer Karriere stehen, aus ihren Jobs gedrängt werden würden. Manche würden wohl rasch und mit offenen Armen von Einrichtungen in anderen Ländern empfangen werden – tatsächlich bin ich ziemlich sicher, dass einige Jobangebote bereits auf dem Postweg zu den Wissenschaftlern sind. Für die USA wäre das jedoch ein ziemlicher Verlust.

4. Die NASA hat das Image des Klimawandels verändert

Ein Besuch auf der Klima-Homepage der NASA macht sofort klar, wie viel Einfluss die NASA im Forschunsgbereich zum Thema Erde genommen hat. Das Thema Klimaforschung ist komplex. Die NASA hat zusammen mit anderen US-Agenturen wie der National Oceanic and Atmospheric Administration einzigartige Darstellungen des Klimawandels veröffentlicht. Diese werden von anderen Agenturen und Kommunikatoren auf der ganzen Welt genutzt. Auf diese Weise werden das Profil und die Reputation der NASA und den USA als führende Wissenschaftler gestärkt.

5. Die Klimaforschung könnte das nächste große Vermächtnis der NASA werden

Es ist recht leicht, die NASA-Missionen zu verklären. Die Apollo-Mission war definitiv eine beeindruckende Leistung. Doch während US-Astronauten den Mond ‚für die gesamte Menschheit‘ besuchten, sollten wir uns daran erinnern, dass der Wettlauf ins All im Kalten Krieg durch die UdSSR mit vorangetrieben wurde. Die Tatsache, dass die Menschen danach nie wieder zum Mond zurückkehrten, sollte uns verdeutlichen, dass dort bei gelegentlichen Besuchen wohl einfach nicht sonderlich viel zu holen ist.

In Bezug auf das Vermächtnis denke ich, dass Eugene Cernan, der Leiter der Apollo 17-Mission und somit der letzte Mensch, der auf dem Mond war, es am besten zusammenfasste: „Wir sind aufgebrochen, den Mond zu erforschen, und tatsächlich entdeckten wir die Erde.“

Ein Besatzungsmitglied der Apollo 17 war es, das das Foto mit der Kenung AS17-148-22727 machte, als sie am 7. Dezember 1972 den Orbit verließen. Dies war das Foto, das später unter dem Namen „Blue Marble“ bekannt wurde. Das Bild wurde zu einem der meistkopierten Fotos der Geschichte. Seit das Bild aufgenommen wurde, fanden auf der Erde enorme Veränderungen statt. Mittlerweile leben dort doppelt so viele Menschen, die Zahl der Wildtiere hat sich halbiert. Der CO2-Gehalt in der Atmosphäre ist höher als in den tausenden Jahren zuvor. Und tatsächlich haben sich die Erdoberfläche und die Ozeane erwärmt, die Gletscher schmelzen und der Meeresspiegel steigt.

Wie alle anderen Bilder der NASA wurde auch „Blue Marble“ für die Öffentlichkeit zur freien Nutzung herausgegeben. Die Forschungsergebnisse, die die NASA errungen hat, werden auf die selbe Weise weltweit geteilt. Die Ergebnisse der Erd- und Klimaforschung repräsentiert nicht nur die Höhepunkte der US-Geschichte, sondern die der kompletten Menschheit. Wir brauchen sie jetzt mehr denn je.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Comet landing / Kometenlandung“ by DLR German Aerospace Center (CC BY 2.0)


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Digitale Lösungen für analoge Probleme – Reloaded

glühbirne-image-by-jniittymaa0-via-Pixabay-[CC0 Public Domain]

Vor nunmehr 4 Jahren hatte ich an dem spannenden Buchprojekt Reboot_D von Ulrike Reinhard und Hendrik Heuermann mitgewirkt, in dem es darum ging, die analoge Welt mit digitalen Vorzeichen neu zu denken. Unter der Überschrift „Digitale Lösungen für analoge Probleme“ hatte ich mich gefragt, in welcher Weise bis dato die Digitalisierung zur Lösung politischer Probleme beigetragen hatte und warum dies in analogen Zeiten vorher nicht möglich gewesen war.

Mit Blick auf die fehlende Nachhaltigkeit unserer Lebensweise, den Klimawandel und die Änderung nicht-nachhaltiger Geschäftspraktiken skrupelloser Alt-Unternehmen, die mit Hilfe von manipulierter Software unserer aller Lebensgrundlage zerstören helfen, ergibt sich erneut die Frage, wie man mit digitalen Tools und Produkten die Welt ein kleines bisschen besser gestalten kann. Einige Filme und Keynotes der letzten Tagen haben aus meiner Sicht gezeigt, wie dies vonstatten gehen könnte.

Der im Netz viel diskutierte desaströs Beginn (Stichwort: Digitale Demenz bei Anne Will) der ARD Themenwoche zur Zukunft der Arbeit hat wieder eines gezeigt: Es fehlt in Deutschland an Vordenkern, die uns einen (Aus-) Blick auf globale Trends und Themen zeigen können und es fehlt weiterhin an entsprechenden Altmedien, die in der Recherche relevanter Themen und dieser internationalen Vordenker auf der Höhe der Zeit sind. Wie kann es sein, dass uns ausgerechnet der Altmeister des deutschen Films Werner Herzog mit über 70 Jahren mit „Lo and Behold“ einen spannenden Blick auf die Zukunft des Internets, der Robotik und damit der Gesellschaft zeigt?

In dieser Woche hatte ich aber Gelegenheit, weitere drei Filme bzw. Präsentationen zu schauen, die uns zeigen, wie sich Geschäftsmodelle mit Hilfe von Blockchain in Richtung sozialer Nachhaltigkeit ändern können (Don Tapscott), in welcher Weise Geschäftsmodelle ökologische Nachhaltigkeit fördern können (SolarCity) und warum wir ein Interesse an diesen Änderungen haben sollten (Leonardo DiCaprio).

National Geographic hat seit drei Tagen den Klimawandel-Film von Leonardo DiCaprio „Before the Flood“ in seinem YT-Channel freigeschaltet. Der Kampf gegen den Klimawandel und die Förderung der Solarindustrie, alles dies waren mal deutsche Kernkompetenzen. Aus und vorbei. Im Film von LDC wird stattdessen die Giga-Factory von Tesla gezeigt und das Geschäftsmodell und die Mission dahinter vorgestellt.

In welchem Kontext die Giga-Factory zu verstehen ist, kann man erahnen, wenn man die aktuelle Keynote von Elon Musk zur Vorstellung des Konzepts der Solardächer anschaut. Die Keynote – unter freiem Himmel – als Chef eines Industrieunternehmens mit der Botschaft zu beginnen, dass 404 ppm CO2 Antrieb für deren Überlegungen sei, ist gerade aus deutscher Sicht erstaunlich. Man stelle sich Zetsche oder Müller vor, wie sie versuchen, „Nachhaltigkeit“ mit ihren Produkten zu bewerben. Was die Keynote zeigt, ist die Erkenntnis, dass Nachhaltigkeit und Business sich nicht ausschließen sondern ganz im Gegenteil gegenseitig bedingen.

Ebenso wie Jobs versteht es Musk, eine Sache, die die Menschen bewegt, mit einem Industrieprodukt und einer Dienstleistung zu verbinden. Wen erinnert der Dreiklang in der Musk-Keynote – Generation, Storage, Transport – und die daraus folgende Ableitung des Produkts nicht an die Jopbs-Keynote zur Vorstellung des iPhones, der damals in ähnlicher Weise drei Produkte zu einem neuen verbünden hatte. Haus, Auto und Energie integriert zu betrachten, ist im Grunde genommen so naheliegend und bleibt schnell im Kopf hängen. Und schon fragt man sich, wieso dies bisher immer getrennt betrachtet worden ist.

Wie sich Geschäftsmodelle mit Hilfe der Blockchain-Protokolle schließlich komplett erübrigen können und inwiefern dies allen Menschen im Sinne sozialer Nachhaltigkeit zugute kommen kann, stellt Don Tapscott in seinem aktuellen TED-Talk vor. Zwischenhändler, die sowieso nur abkassieren, Gatekeeper sind und Ungleichheiten verstärken, können mit der Blockchain-Technik komplett eliminiert werden. Tapscott nennt als Beispiele die Sicherung von Eigentumsrechten bezogen auf Landbesitz, das Peer2Peer-sharen, die individuelle Datensouveränität und die unmittelbare Entlohnung von Inhalte-Schaffenden.

Alle Filme zusammen genommen zeigen uns ein Bild auf, warum es nicht nur Technik ist, über die wir reden sondern warum Technik soziale und politische Implikationen hat und warum dies den herrschenden Akteuren – Ölkonzernen, Banken, Blechebiegern – nicht gelegen kommt. Denn: Es geht um Macht.


Image „glühbirne“ by jniittymaa0 (CC0 Public Domain)


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Die Erkundung des Mars im Kampf gegen den Klimawandel auf der Erde

Mars (adapted) (Image by Moyan Brenn [CC BY 2.0] via Flickr)

Die Oberfläche des Mars ist eine kalte Wüste. Die vernarbte Landschaft lässt ehemals rauschende Flüsse, ruhige Seen und möglicherweise sogar planetenweite Meere erahnen. Jedoch beträgt die Dichte der gegenwärtige Atmosphäre des Mars etwa 0,6 Prozent der Dichte der Erde und ist somit bei Weitem zu dünn, um flüssiges Wasser – oder gar Leben – auf der unfruchtbaren Oberfläche hervorzubringen.

An einem gewissen Punkt in der Geschichte des Planeten muss es jedoch eine dickere, dichtere Atmosphäre gegeben haben, die wahrscheinlich hauptsächlich aus Kohlendioxid (CO?) bestand. Herauszufinden, was mit all dem CO? geschehen ist, könnte uns dabei helfen, mit der ansteigenden Menge des Gases in unserer eigenen Atmosphäre fertig zu werden, die einen gefährlichen Klimawandel herbeiruft.

Also, wohin ist die Atmosphäre des Mars verschwunden? Eine große Menge ging an den Weltraum verloren, abgetragen vom Sonnenwind. Einiges wurde als CO?-haltiges Eis an den Polen gespeichert, wo es bis heute erhalten ist. Ein Teil der Atmosphäre jedoch wurde in kohlenstoffhaltige Mineralien umgewandelt und über Jahrtausende hinweg konserviert. Mithilfe einer Kombination aus Satelliten und Rovern sowie von Hinweisen aus Meteoriten, die vom Mars abgestoßen wurden und auf der Erde gelandet sind, beginnen wir zu verstehen, wie dieser Prozess der mineralischen Karbonisierung die gesamte Atmosphäre eines Planeten verändern kann.

Die Menschheit ist tatsächlich sehr gut darin geworden, CO? mit einer breiten Auswahl an Techniken aus der Atmosphäre zu filtern. Sobald es einmal herausgefiltert wurde, wird das CO? üblicherweise zu einer dichten Flüssigkeit komprimiert. Die Problematik besteht darin, diese Flüssigkeit sicher und stabil zu lagern, und das über Millionen von Jahren hinweg. Eine aufregende neue Entwicklung nennt sich „mineralische Kohlenstoffbindung“. Das beschreibt den Prozess der Umwandlung von gasförmigem CO? in ein stabiles Mineral namens Karbonat.

Die Umwandlung von CO? in Gestein

Wie wird aus gasförmigem CO? massives Gestein? Wenn sich gasförmiges CO? in Wasser auflöst, produziert es eine schwache Säure, genannt Kohlensäure. Kommt diese säurehaltige Flüssigkeit nun in Kontakt mit Steinen, die als Basalte oder Peridodite bekannt sind und die viele der Mineralien Olivin und Pyroxen enthalten, geben diese angereicherte Teilchen von Elementen wie zum Beispiel Magnesium, Eisen und Kalzium an die Flüssigkeit ab.

Weitere chemische Reaktionen zwischen dem Gestein und der kohlenstoffhaltigen Flüssigkeit führen zur Entstehung des stabilen und karbonreichen Minerals Karbonat, das Risse und Porenräume im Gestein auffüllt. Der Kohlenstoff entwickelt sich von einem atmosphärischen Gas zu einer mineralischen Ablagerung. Während dieses Prozesses der Umbildung nehmen die ursprünglichen Gesteinsmineralien enorme Mengen an Wasser in ihre Zusammensetzung auf. Diese Hydratisierung führt dazu, dass das Gestein sich ausdehnt und bricht und damit neues Gestein freilegt, das wiederum mit dem Wasser reagieren kann.

Dieser Prozess der mineralischen Kohlenstoffbindung findet auf der Erde auf natürliche Weise statt, hauptsächlich in Ophiolithen, Teilen der Meereskruste, die sich bewegt und auf die Kontinentalplatten transportiert haben. Die natürliche Reaktion verläuft sehr langsam, über hunderte und tausende von Jahren hinweg und der Kohlenstoff, der aus der Atmosphäre extrahiert wurde, ist eine wichtige Senke für Kohlenstoff, der durch Vulkanausbrüche ausgestoßen wird.

Hellisheidi geothermal power plant (image by ThinkGeoEnergy [CC BY 2.0] via flickr)
Carbonmineralisierung in Island (Image (adapted): Hellisheidi geothermal power plant by ThinkGeoEnergy/Flickr, CC BY 2.0)

Wenn wir diesen Prozess jedoch künstlich nachbilden können und es schaffen, dass er in einem schnelleren Tempo verläuft, können wir das CO?, das wir aus der Atmosphäre entnehmen, sicherer lagern. Mit dieser Art mineralischen Geoengineerings der Aufbewahrung von Kohlenstoff wird derzeit bei einer Reihe von Modellprojekten von Island, Norwegen und den Vereinigten Staaten experimentiert.

Forscher in diesen Ländern haben entdeckt, dass die Reaktion sehr viel schneller von Statten geht, wenn die Temperatur der Flüssigkeit auf etwa 185 Grad Celsius erhöht wird. Diese erhitzte Flüssigkeit wird in ein Bohrloch hinunter in die gewünschte Gesteinsschicht gespritzt, wo sie aufgrund der natürlichen Wärme unter der Erdoberfläche und auch, weil die Reaktion selbst Hitze erzeugt, heiß bleibt.

Jedoch müssen noch viele Fragen beantwortet werden, bevor das Verfahren in einem solchen Umfang durchgeführt werden kann, dass es im Kampf gegen den globalen Klimawandel von Nutzen ist. Im Idealfall benötigen wir hunderte Anlagen für die Kohlenstoffeinspritzung, wie zum Beispiel die Anlage von CarbFix, verteilt über die weitläufigen, basaltenen, wilden Regionen der Erde. Die Herausforderungen bestehen auch darin, die Reaktionen zwischen dem Gestein und Wasser vollständig zu verstehen, zu lernen, wie diese Reaktionen schnell genug ausgelöst werden und genauer zu schätzen, wie schnell sich das CO? mineralisiert und wie viel Raum es dabei einnimmt.

NASA_Mars_Rover (image by NASA JPL Cornell University, Maas Digital LLC (CC0 Public Domaibn) via Wikimedia)
Der Kampf gegen den Klimawandel (NASA JPL Cornell University, Maas Digital LLC/Wikimedia, CC0 Public Domain)

Verlust für den Mars, Gewinn für die Erde

Das ist es, was wir vom Mars lernen können. Es gibt eine nahezu endlose Anzahl an verschiedenen Möglichkeiten, wie das Auftrennen der chemischen Entwicklung des einen Planeten über geotechnische Verfahren auf unserem eigenen besser aufklären könnte. Zum Beispiel wird uns das Verständnis über den langfristigen Verbleib der Kohlenstoffe des Mars und wie sie mit der Atmosphäre und der Hydrosphäre interagieren lehren, wie wirksam diese Form der Kohlenstofflagerung auf der Erde sein könnte.

Die Kohlenstoffe, die auf dem Mars gefunden wurden, die Art und Weise der erfolgten chemischen Reaktionen sowie die sich verändernde Verteilung der Kohlenstoffkonzentration über den Planeten hinweg zu analysieren, können uns vielleicht dabei helfen, den Prozess der mineralischen Kohlenstoffbindung besser zu verstehen. Neue Kohlenstoffarten könnten entdeckt werden und Hinweise auf kohlenstoffbasierte Mineralien liefern, von denen wir zwar glauben, dass sie existieren, die aber noch nicht auf der Erde gefunden wurden.

Das Problem ist, dass es überraschenderweise nur sehr wenig Informationsaustausch zwischen Mars-Wissenschaftlern und Spezialisten für den Klimawandel auf der Erde gibt. Durch die Verknüpfung des Wissens dieser beiden Gruppen sind wir vielleicht in der Lage, unsere weltweiten Klimaprobleme in den Griff zu bekommen, indem wir die Gesteinskruste des Planeten nutzen. Der Verlust der Marsatmosphäre könnte für die Erde irgendwann einmal die Rettung vor dem Klimawandel werden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Mars“ by Moyan Brenn (CC BY 2.0)


The Conversation

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Trends des Monats Januar

Grönlands-Eisdecke-Screenshot-by-NYT

Gemeinsam mit der Standortinitiative der Hamburger Medien- und Digitalwirtschaft, nextMedia.Hamburg, stellen wir euch ausgewählte Trends des Monats vor. Die Medien- und Digitalbranche ist ständig in Bewegung. Fast im Tagesrhythmus gibt es neue, innovative Medienprojekte, praktische Gadgets oder neue digitale Geschäftsmodelle. Wir stellen euch dieses Mal Twenty20, Visual Perceptive Media – die Plattform für individuelle Filme, die schmelzende Eisdecke Grönlands, Piqd und First Draft News vor.

Twenty20 – Für die Fotografen unter uns

Mit Twenty20 kann jeder ein Fotograf sein, denn das US-amerikanische Unternehmen bietet eine Plattform, bei der jeder seine eigenen fotografierten Werke hochladen kann. Egal ob Profi oder Laie. Diese Bilder können dann von Firmen gekauft und verwendet werden. Einzelbilder bekommt man hier für 20 und 80 Cent. Und dabei gehen die Fotografen nicht leer aus: 80 Prozent bekommen sie für Einzelfotos. Bei dem von der Plattform angebotenem Abo-Modell für monatlich 225 US-Dollar bekommt der Urheber immerhin 20 Prozent. Selbst große Unternehmen wie Google oder Viacom sind Kunden des online betriebenen Foto-Portals.

Visual Perceptive Media – Kaum ein Film ist individueller

Wie es denn, wenn sich Filme an ihre Zuschauer anpassen könnten? Mit Visual Perceptive Media ist das möglich. Und dabei ist das Prinzip ganz einfach: Durch die Analysieren der Nutzerprofile, wird genau herausgefiltert, welche Musik der Nutzer zum Beispiel mag und welche Farbe ihm ganz besonders gefällt. Die Filme werden dann so zusammengesetzt, dass er sich ganz nach dem Nutzergeschmack zusammenfügt. Beispielsweise wird die Hintergrundmusik geändert oder bestimmte unerwünschte Szenen werden einfach weggelassen.

Grönland schmilzt und bietet eindrucksvolle Bilder

Die schmelzende Eisdecke Grönlands und der Klimawandel haben zwar viele Nachteile, dennoch bringen sie beeindruckende Bilder mit sich. Die New York Times hat wieder anhand von Drohnen einige tolle Luftaufnahmen geliefert und einen spektakulären Einblick in die Landschaft Grönlands gewährt. Verknüpft mit einer spannenden Geschichte, wirkt die Reportage doppelt so fesselnd. Untermalt mit interaktiven Elementen, wurden auch die sozialen Medien auf die Bilder aufmerksam und so wurde schon auf Twitter die fesselnde Geschichte über den Klimawandel in Grönland bereits über 800 Mal geretweetet.

Piqd – Leseempfehlungen von Experten

Um die Frage zu klären, was man heute so im Internet lesen sollte, gibt es jetzt Piqd. Hierbei handelt es sich um einen News-Aggregator, der sich auch Fachjournalisten, Wissenschaftlern und Politikern zusammensetzt. Ein Mal am Tag empfehlen sie einen Link aus ihrem Fachgebiet. Dazu schreiben sie dann ihre Zusammenfassung oder eine kleine Rezension. Die Themen sind dabei ganz unterschiedlich. Der Nutzer findet hier alles: Von Games bis hin zu gesellschaftlichen Themen oder Politik. Die Registrierung ist hierbei kostenfrei, allerdings kostet die Kommentarfunktion 3 Euro im Monat.

First Draft News – Journalisten und Social Media

Auch für Journalisten bieten die sozialen Medien inzwischen brauchbare Informationen. Doch leider sind diese in der heutigen Zeit kaum noch von Fake-Nachrichten zu unterscheiden. Das Risiko auf eine Falschmeldung hineinzufallen ist ziemlich groß, sodass First Draft News diese entlarvt. Die Plattform bietet Hilfe im Umgang mit der Informationssuche und bei der Verarbeitung der gefundenen News.


Teaser & Image “Grönlands Eisdecke Screenshot” by NYT


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Sechs Dinge, die Sie mit Kaffee machen können

coffee (Image by Christoph [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Kaffee kann weitaus mehr als uns über die morgendlichen Hürden helfen. Auch als Treibstoff, zum Aufsaugen von Schwermetallen, und sogar als High-Tech-Produkt, dient der Wachmacher. Viele von uns sind süchtig nach Kaffee, um Energie zu tanken für frühmorgendliche Meetings, Nachmittagskrisen oder nächtliche Lernsessions. Inzwischen werden die Wörter “Kaffee” und “Treibstoff” halb scherzend als Synonyme verwendet. Mehr als 9 Tonnen der Bohne werden jährlich weltweit produziert und eine riesige Menge Müll entsteht, sobald wir sie aufgebrüht haben. Der größte Teil davon landet auf Mülldeponien.

Forscher aus Südkorea haben jedoch einen Weg gefunden, den Kaffeesatz in einem buchstäblicheren Sinn als Treibstoff zu verwenden. In einer Nanotechnologie-Studie berichten sie davon, wie sie Kaffeereste dafür verwendet haben, um Carbon-Material mit kleinen Poren, welche die Oberfläche vergrößern – “aktiviertes” Carbon genannt – zu produzieren. Dieses neue Material kann Methan und Wasserstoff absorbieren und speichern, welche beide als Treibstoff verwendet werden können.

Die Möglichkeit, diese Treibstoffe in so einem günstigen Material zu speichern, ist sowohl ein großer Schritt, um diese Technologie rentabler zu machen, als auch ein ökologischer Vorteil: Methan ist ein schädliches Treibhausgas.

Kaffee für günstigen Treibstoff verbrennen

Schon seit ein paar Jahren nutzt Nestle den bei seiner Produktion von Instantkaffee anfallenden Kaffeesatz als Heizmaterial. Kaffee wird momentan in mehr als 20 Fabriken auf der Welt dazu verwendet, die Nahrung zu kochen, die produziert wird. Damit werden mehr als 800.000 Tonnen Kaffeesatz, der sonst auf Mülldeponien landen würde, sinnvoll verwendet.

Ein spezialisiertes Unternehmen, die aus London stammende Firma Bio-Bean, versucht den Abfall von lokalen Instantkaffeeproduzenten (fast 200.000 Tonnen allein in London und Südengland) in Biomassepellets zur Energiegewinnung, sowie für Privatwohnungen mit modernen Biomasseheizungen, zu pressen. Die Bohnen verbrennen viel sauberer und enthalten 50 Prozent mehr Energie als traditionelle Holzpellets. Jedoch entfernt Bio-Bean anders als Nestle vorher Öl aus dem Kaffee, was uns zum nächsten Punkt bringt.

Kaffee in flüssigen Treibstoff verwandeln

Wie die meisten Pflanzensamen enthält die Kaffeebohne eine erhebliche Menge Öl, die entweder herausgepresst oder chemisch extrahiert werden kann. Diese kann dann in Biodiesel, eine Flüssigkeit mit ähnlichen Eigenschaften wie normaler Diesel, verwandelt werden.

Meine eigene Recherche ergab, dass aus Kaffee produzierter Biodiesel weder vom Anbauort des Kaffees, der Art der Bohne oder der Aufbrühweise beeinflusst wird. Das ist ein großes Plus, da es bedeutet, dass aus Kaffee produzierter Treibstoff eine vorhersagbare und konstante Energieausbeute beim Verbrennen liefert.

Kaffeesatz kann außerdem fermentiert werden, um Ethanol zu produzieren, oder großer Hitze und Druck ausgesetzt werden, um Bio-Öl, ein Material mit Ähnlichkeiten zu Rohöl, herzustellen. Beide Vorgänge sind jedoch teuer. Biodiesel ist der einzige Brennstoff, der sich in größerer Menge zu lohnen scheint, daher auch Bio-Beans Bemühungen, ihn auf den Markt zu bringen.

Er ist voll mit wertvollen Chemikalien

Kaffee enthält eine Vielzahl an Chemikalien, die nach ihrer Isolation und Reinigung sehr speziellen Anwendungen dienen können. Beispiele sind Chlorogensäure, ein Lebensmittelzusatz, der den Blutdruck leicht senkt; Trigonellin, das bei der Prävention und Behandlung von Diabetes und Erkrankungen des zentralen Nervensystems hilft; Polyhydroxyalkanoate, die für die Herstellung von Bioplastik verwendet werden; und eine Vielzahl an Antioxidantien, die in der Gesundheitsfürsorge benutzt oder zu Treibstoffen und Schmiermitteln hinzugefügt werden, um deren Lebensdauer zu verlängern.

Kaffee kompostieren?

Kaffeesatz ist reich an Stickstoff, einem lebenswichtigen Nährstoff für das Pflanzenwachstum. Das ist einer Vielzahl von Coffee Shops bekannt, weshalb sie den Kunden, die dies wünschen, ihren benutzten Kaffee anbieten. Das reduziert ihren Abfall und könnte in Koffein-gestärkte Bio-Früchte und Gemüse fließen. Welcher Barista kann dazu schon Nein sagen?

Schwermetalle aufsaugen

Kaffeeabfall ist sogar effektiv, um schädliche “Schwermetalle” wie Chrom, Kupfer, Nickel oder Blei, die oft aus Chemiewerken, Höfen oder Fabriken durchsickern und erheblichen Schaden anrichten, aufzusaugen. Es wurde berichtet, dass Kaffeesatz unter besonderen Laborbedingungen bis zu 91 Prozent der Schwermetallionen aus Lösung entfernen konnte – ein gutes Beispiel für seine ökologischen Vorteile.

Kaffee wird High-Tech?

Am komplexesten von allem ist, dass Forscher versucht haben, aus Kaffee Superkondensatoren zu bauen – elektrische Speicher, die mehr Energie speichern und mehr Ladezyklen aushalten als herkömmliche Batterien. Es wurden ultra-dünne porige Carbon-Nanobleche mit guten elektrischen Fähigkeiten hergestellt.

Ob er nun zu Hause für den Gartenkompost, im Labor für Forschungszwecke oder in der industriellen Treibstoffproduktion verwendet wird, es gibt augenscheinlich zahlreiche Verwendungsmöglichkeiten für Kaffeesatz. Diese große Auswahl könnte möglicherweise auch negativ sein. Letztendlich ist die Frage: Wie entscheidet man, was man mit etwas so Vielseitigem macht?

Eines ist jedoch sicher. Wir sollten ihn auf keinen Fall wegwerfen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Teaser & Image „coffee“ (adapted) by Christoph (CC0 Public Domain)


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Bürgermeister schauen nach Konzepten außerhalb der Stadtgrenze

Los Angeles City Hall and sister cities signs(image by Cesarexpo(CC BY-SA 4.0))

Heutzutage sind Bürgermeister Botschafter des guten Willens, wirtschaftliche Schlichter und Vertreter des globalen Wandels. Als unser lieber Kollege und Mitbegründer des “Initiative für Städte”-Programms an der Universität von Boston, der ehemalige Bostoner Bürgermeister Tom Menino verstarb, erreichten uns viele Briefe in unseren Büros an der Universität von Boston. Ein inniges Beileid aus vielen Vierteln Bostons – Hyde Park, Roslindale, Dorchester – war erwartet worden. Aber die Briefe und liebevollen Erinnerungen von Staatsoberhäuptern, Gouverneuren, Botschaftern und zahllosen in- und ausländischen Bürgermeistern überraschten uns. Beide waren ein Testament für den Mann und den Anführer, zu dem er wurde, und eine Erinnerung, dass moderne Bürgermeister mehr als Helden ihrer Heimatstadt sind.

Meisterhafte Netzwerker im In- und Ausland

Die Bürgermeister sind heutzutage enger miteinander vernetzt, als es sich ihre Wähler vorstellen können.

Hier in den Vereinigten Staaten umfassen die nationalen Mitgliedsorganisationen für lokal gewählte Amtspersonen sowohl die United States Conference Of Mayors (USCM) als auch die National League Of Cities (NLC). Jeweils in den Jahren 1933 und 1926 gegründet, dienen beide als Lobbyisten auf Bundesebene und als Veranstalter und Abrechnungsstelle für Best-Practice-Methoden, obwohl sie sich im Aufbau ihrer Mitgliederstrukturen unterscheiden.

Die beeindruckenden Kameradschafts- und Verwandtschaftsbeziehungen, die es zwischen den Bürgermeistern gibt, werden auf diesen nationalen Konferenzen zur Schau gestellt, wobei informelle Gespräche unter vier Augen, das Netzwerken sowie die Beratung der Kollegen, gleichsam Teile des Tagesprogramms wie formale Präsentationen sind.

Die globale Zusammenarbeit zwischen Städten ist zudem nichts Neues. Es gibt hunderte von globalen Netzwerken, die Städte mit gemeinsamen Interessen und Zielen miteinander verbinden.

Das Partnerstadtprogramm wurde zum Beispiel durch den US-Präsidenten Dwight Eisenhower im Jahre 1956 gegründet und basierte auf der Vorstellung, dass die formale Bindung zwischen Städten über die Kontinente hinweg das kulturelle Verständnis fördert. Der Austausch zwischen Partnerstädten wurde über die Jahrzehnte fortgeführt. Die United Cities And Local Governments (UCLG) geht heute davon aus, dass 70 Prozent der Städte und ihrer Verbände an internationalen Partnerstadtprogrammen teilnehmen.

Die themenbezogenen Netzwerke sind eine mehr zeitgenössische Sache, die Themen von der Gegnerschaft zu Kernwaffen, zur Gegnerschaft zu Schusswaffen bis zu der Förderung von Kultur und Handel abbilden.

Am University College London zeigte Michele Acuto in seiner wissenschaftlichen Veröffentlichung “Stadtführung und Lokale Regierung” aus dem Jahr 2013 auf, dass es die Gegnerschaft zur nuklearen Aufrüstung war, die zur Gründung des weltweiten Netzwerks “Bürgermeister für den Frieden” im Jahre 1982 führte.

In den Vereinigten Staaten fanden die Bürgermeister Menino und Bloomberg, und hunderte ihrer Kollegen, ein gemeinsames Ziel um die Gewalt durch Schusswaffen zu bekämpfen und zu mindern und gründeten im Jahre 2006 “Bürgermeister gegen illegale Schusswaffen”.

Aber es war die Umwelt, die ein beständiges, katalysierendes Problem war.

Wie Acuto hervorhob, sind die Vereinten Nationen ein entscheidender Befürworter der Betrachtung der Umweltproblematik auf urbaner und lokaler Ebene. Heute gibt es eine Fülle von kommunalen Netzwerkern, die sich dem Klimawandel und der Nachhaltigkeit widmen: von dem weltweit aktiven International Council For Local Environmental Initiative (ICLEI) bis zu dem EU-zentrierten Konvent der Bürgermeister.

Ein in der Öffentlichkeit stehendes Beispiel ist C40, ein weltweites Netzwerk von Städten, das von Londons Bürgermeister im Jahre 2005 ins Leben gerufen wurde und sich gezielt für die Reduzierung von Treibhausgasen verpflichtete. Ursprünglich war C40 eine Zusammenkunft von sogenannten Megastädten – Städte mit einer Bevölkerung von über 10 Millionen Einwohnern – inzwischen ist die Mitgliedschaft auf 80 Städte angewachsen, inklusive 12 Städte aus den USA.

Das wohl neueste Bürgermeisternetzwerk ist das globale Parlament der Bürgermeister und das geistige Produkt von Ben Barber, einem Politiktheoretiker der City University von New York. Eine globale, selbstregierende Organisation, die vergleichbar mit der Konferenz der Bürgermeister ist (und tatsächlich damit verbunden) und sich agnostisch bei Problemen verhält und alle Bürgermeister ohne Bezug auf deren Prioritäten in der Politik begrüßt.

Aber eine kritische und wenig erforschte Frage bleibt: Wann sind diese Maßnahmen erfolgreich und warum? Unsere Forschung blickt auf eine eng verwandte Frage: Wie sehen die Beziehungen zwischen den Bürgermeistern selbst aus?

Eine Gemeinschaft der gegenseitigen Bewunderung

In einer Studie über die Bürgermeister in den Vereinigten Staaten, die wir im letzten Jahr an der Universität von Boston mit meinen Kollegen Katherine Levine Einstein und David Glick durchführten, fragten wir Bürgermeister nach ihrer Hauptquelle bei der Informationsbeschaffung für ihre Politik, nach Städten, bei denen sie nach Konzepten suchten, nach bestimmten Konzepten, die sie übernahmen und nach ihren Arbeitsbeziehungen.

Wenn Nachahmung die ehrlichste Form der Schmeichelei ist, dann strahlen Bürgermeister in gegenseitiger Bewunderung. Anders als Geschäftsführer sind Bürgermeister begeisterte Nachahmer und ahmen eher Verbündeten denn heftigen Konkurrenten nach.

Nur von in ihrem eigenen Stab übertroffen, verlassen sich Bürgermeister auf andere Bürgermeister bei der Informationsbeschaffung für die Politik. Gleichzeitig liegen ihre stärksten Arbeitsbeziehungen in denen mit den umliegenden Städten. Diese werden nur von den Arbeitsbeziehungen zur Geschäftswelt übertroffen.

Wenn sie konkret nach den Namen von Städten gefragt werden, wo sie ihre Konzepte und zudem die Art der Maßnahmen, die sie von anderen Städten übernahmen, gefunden haben, schrieb jeder Bürgermeister mit Leichtigkeit eine Liste. Die Bereitschaft der Bürgermeister Bindungen jenseits der Stadtgrenze und oft weiter als die unmittelbaren Sorgen der Wählerschaft zu schaffen, ist bezeichnend.

Was ist ihre Motivation für das regionale, nationale und weltweite Netzwerken? Wir würden behaupten, dass der Kontakt mit guten Konzepten, die in der Heimat nachhallen könnten, die bürgermeisterlichen Kooperationen weiter anregen.

Nach bestem Wissen ist unsere Studie mit US-amerikanischen Bürgermeistern, die wir kürzlich als Menino-Bürgermeisterstudie Bürgermeister Menino widmeten, die einzige mit dem systematischen Ansatz, eine repräsentative Stichprobe von Bürgermeistern und den Quellen ihrer Inspiration und den spezifischen Konzepten, die sie von ihren Kollegen übernahmen, zu erheben.

Tatsächlich waren die Bürgermeister, mit denen wir sprachen, äußert begierig die Ergebnisse dieser Studie kennenzulernen, da diese die einzigen Fragen beinhaltete, die wir in den Menino-Studien von 2014 und 2015 wiederholten. (Die Ergebnisse der Studie von 2015 werden am Treffen der “Konferenz der Bürgermeister der Vereinigten Staaten” im Januar 2016 herausgegeben)

Welche Konzepte überschreiten die Grenze?

Die geliehenen Konzepte rangieren dabei von großformatigen Investitionen wie in Nahverkehrsprojekt wie den Bus-Rapid-Transit (bei dem Busse ausschließlich auf speziellen Busstrassen fahren) und erhöhten Parks bis zu bescheideneren Anstrengungen, wie den Treffen von Bürgermeistern aus der Region oder Sommerarbeitsprogramme für Jugendliche.

Vielleicht war es jedoch wichtiger, dass wir herausfanden, dass jene Städte bei denen US-amerikanische Bürgermeister nach Konzepten suchen, sich enorm in der Größe der Stadt, in der Parteizugehörigkeit des Bürgermeisters und im Reichtum der Stadt, unterscheiden und sowohl inländische als auch ausländische Städte von Boston zu Dublin bis Hyderabad mit einschließen.

Unsere Studie zeigte interessanterweise, dass es keine einzige Stadt gibt, die überproportional die Politikkonzepte der Bürgermeister beeinflusst.

Eine weitere Frage bleibt: Können Städte und Bürgermeister erreichen, was die Nationalstaaten nicht können?

Die Zusicherung der Städte den Klimawandel zu bekämpfen – so auch der recht neue Bürgermeisterpakt – beinhaltet enorme Versprechen, die der Rolle, die die Städte bei den Emissionen spielen, entsprechen. Jedoch könnte es schwierig sein, die Wirkung dieser Versprechen ohne bessere Werkzeuge zur Feststellung der Reduktion von Emissionen, zu messen.

Wie bereits eine weitere Kollegin der Universität von Boston, Lucy Hutyra, mit ihren Kollegen in einem kürzlich erschienenen Kommentar im Nature-Magazin herausstellte, ist die Setzung von Emissionszielen nur ein erster Schritt. Sie und ihre Mitautoren argumentieren, dass Städte umfangreiche und vergleichbare lokale Emissionsdaten und Werkzeuge brauchen, die das Kartieren von Emissionen auf genauere Maßstäbe von Raum und Zeit ermöglichen und die die menschliche Dimension bei Karbonemissionen wiederspiegeln. Denken Sie an Straßen, Parks oder einzelne Gebäude.

Nur dann können Städte die Wirkung einzelner Methoden abschätzen, gezielte Einflussnahmen fördern und Fortschritte überwachen. Nur dann werden sie wissen, ob die Konzepte, die sie austauschten und die Anstrengen, die sie unternahmen, wirklich bedeutsam waren. Bürgermeister können große Ziele haben und Teil der globalen Agenda sein. Aber sie werden danach beurteilt, was sie zu Hause erreichen.

Bürgermeister Menino hatte den berühmten Spitznamen: der “Städtische Mechaniker”. Er beurteilte sich selbst nach den Wegen, inwiefern er das Leben der Leute verbesserte, wie sauber die Straßen und Wasserstraßen blieben, und wie die Qualität der Schulen war. Er wusste, wie viele seiner Kollegen, dass es die menschliche Dimension war, die am wichtigsten war.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Teaser & Image “Los Angeles City Hall and sister cities signs”(adapted) by Cesarexpo (CC BY-SA 4.0).


The Conversation

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Videokolumne vom 23. Februar 2014

Bildempfangsstörung (Bild Paulae [CC-BY-3.0], via Wikimedia Commons)

In der Videokolumne geht es heute um
einen besonnenen Professor, eine quirlige Großstadtclique und
brechende Gletscher. Am Ende fährt ein Hund Auto. // von

Hannes Richter

Kein Täter werden - Screenshot

Wie geht die Gesellschaft mit
Pädophilen um? Diese Frage wird wieder heiß diskutiert seit der
Fall Edathy die politische Szene durcheinander gewirbelt hat. Mit
dem Projekt Kein Täter werden hilft Professor
Dr. Dr. Klaus Beier Betroffenen dabei, ihrem Verlangen nicht
nachzugehen. In einem ungewöhnlich langen Interview erklärt er
seine schwierige Aufgabe. Der Klimawandel ist in vollem Gänge,
jedenfalls gewinnt man diesen Eindruck beim Betrachten des Videos
eines gigantischen Gletscherabbruchs. Und ob die Protagonisten des
quirligen Generationenporträts 3 Zimmer/
Küche/Bad
den Zerfall ihrer Freundschaft vor lauter
Ichbezogenheit noch aufhalten können, bleibt bis zum Schluss
spannend.

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CULTURE&VIDEO TIPPS vom 29. August

Culture&Video heute unter anderem mit einem zuckersüßen Coming Out und einer Kampagne, die möglichst viele nach draußen (nämlich auf die Straße) bringen möchte.

COMING-OUT EINES YOUTUBE-STARS: Are you gay?

2008 startete der damals 15-jährige Lucas Cruikshank seinen Höhenflug zum Youtube-Superstar. 2008? Das ist lange her, Youtube war erst drei Jahre alt, der Gangnam-Style noch vier jahre in der Zukunft. Und eine Clipserie mit einem kleinen Jungen mit fiespsiger Stimme, der sich durch den schwierigen Alltag in einer sozial angeschlagener Familie kämpft, sorgte für den ersten Youtube-Kanal mit mehr als einer Million Abonnenten. Hauptfigur Fred Figglehorn ist hierzulande kaum jemandem bekannt. In den USA aber hat es Lucas Cruikshanks Alter Ego zu einer Serie beim “richtigen Fernsehen”, dem Kinderkanal Nickleodeon, und mehreren Filmen gebracht. Seit einiger Zeit videobloggt Cruikshank mit seiner besten Freundin vom Bett aus und beantwortet, ebenfalls millionenfach geklickt, Zuschauerfragen. Vor kurzem antwortet er auf die wohl recht häufig auftretende Frage, ob er schwul sei, mit einem kurzen “Ja”.

GUTE IDEE GEGEN KLIMALEUGNER: Climate Name Change

Er gehört zu den USA-Klischees: der immer größer werdende Einfluss rechts-konservativer Poltiker, die mit abstrusen Forderungen (doppelte Elektrozäune an der mexikanischen Grenze!) oder pseudo-wissenschaftlichen Theorien von sich reden machen. So behauptete der republikanische  Kongress-Abgeordnete Tod Akin einst, der Körper der Frau würde bei ener Vergewaltigung automatisch auf unfruchtbar schalten. Er begründete damit seine konsequente Ablehnung von Abtreibungen. Oft wird übersehen, dass es in den USA auch viele, gerade junge Menschen, gibt, die sich den Irren medial entgegenstellen, sei es durch ein öffentlichkeitswirksames Coming-Out auf Youtube oder diese schöne Idee: Künftig sollten Naturkatastrophen nach den bekanntesten Klimawandel-Skeptikern benannt werden. Was kann denn Sandy Mustermann dafür, wenn ihr Name mit Verwüstung und Chaos verbunden ist? Wäre es nicht schöner, man wüsste sofort, wem man den ganzen Schlamassel zu verdanken hat?

ALLTAGSLEBEN VOM PLATTENTELLER: Record

Menschen hören Musik zu unterschiedlichsten Orten und Gelegenheiten. Das ist jetzt erstmal nix neues. Eine neue Pesepktive auf unterschiedliche Musikgewohnheiten zeigt dieser Beitrag zu einem Wettbewerb der Lincoln Motor Company. Aus der kreisenden Sicht eines Plattentellers (Achtung: Drehwurm!) sind unterschiedlichste private Musikhör-Situationen zu sehen. Wunderschön.

Enough is Enough – Open Your Mouth

Über die amerikanische Art, sich im Internet zu präsentieren und Kampagnen zu organsieren haben wir ja schon gesprochen. Viel davon abgeschaut haben sich die Organisatoren der Demonstration gegen das scheußliche russische Homopropaganda-Gesetz am kommenden Samstag in Berlin. In ihrem Spot appelieren schnell hintereinander geschnittene Prominente abwechselnd mit Menschen von der Straße an das Einfühlungsvermögen der Zuschauer, verdammen Putins Politik und rufen zum Protest auf. Das macht Eindruck und sorgt hoffentlich für eine Menge Zulauf.
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DIY: Klima retten

Die Klimakatastrophe von Kopenhagen war ziemlich gut getimed: Kaum war das Elend beschlossen, schon verabschiedete sich die westliche Welt in familienselige Weihnachterei. Und zwei Wochen später, wenn man all das Rotkohl-Klöße-Gans-Inferno und sogar die Familienfeier heil überstanden hat, hat man das unwürdige Geschacher ums Weltklima schon halb vergessen. Da Obama ja nun leider nicht die Welt gerettet hat und sich auch sonst irgendwie keiner vorgedrängelt hat, sind jetzt erst einmal wieder wir dran. Grund genug, den Weg ins neue Jahr mit ein paar guten Öko-Vorsätzen zu pflastern. Aber wie? Eine Ideensammlung aus dem Netz: Weiterlesen »

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