Technische Innovationen gegen den Klimawandel

Das Thema Klimawandel ist bereits seit den 1980ern ein Dauerbrenner in der Politik. Die vom Menschen gemachte Erwärmung des globalen Klimas ist von wissenschaftlicher Seite nicht mehr von der Hand zu weisen. Laut dem Umweltbundesamt in Deutschland wird damit gerechnet, dass bis zum Ende des Jahrhunderts, also bis 2100, ein Temperaturanstieg von bis zu 5,5 Grad stattfinden könnte. Das würde gerade in großen Teilen Europas als auch in der restlichen nördlichen Hemisphäre für einige Probleme sorgen. Stärkere Unwetter, heißere Sommer und ein Ansteigen des Meeresspiegels wären nur einige der Folgen. Das Jahr 2019 verzeichnete bereits einen Hitzerekord in Deutschland von bis zu 42,5 Grad Celsius. Die Dringlichkeit nach neuen Innovationen gegen den Klimawandel wächst also.

Kaum auszudenken, was passieren würde, wenn 2100 auf einmal 47 Grad ganz normal sind. Waldbrände, Ernteausfälle und eine starke Veränderung der Flora wären nicht mehr abzuwenden. Doch bei all dem Pessimismus, der bei Betrachtung der aktuellen Klimaentwicklung aufkommt, gibt es auch immer mehr Menschen, die sich bewusst für den Kampf gegen die Klimakatastrophe entscheiden.

Gerade in dem vergangenen Jahr war die Jugendbewegung Fridays For Future eine der zentralen Akteure in der Debatte. Die dort engagierten Jugendlichen kämpfen darum, mehr Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken. Und neben Diskussionen über eine CO₂-Steuer, stärkere Umwelt-Auflagen für die Industrie und eine endgültige Abkehr von der Kohle-Energie, gibt es auch immer mehr Startups, die auf technische Innovationen setzen, um der Erderwärmung Einhalt zu gebieten. Hier sind einige aktuelle Innovationen gegen den Klimawandel, aus der Welt der Technik.

Technische Innovationen um CO₂ aus der Luft filtern

Kohlenstoffdioxid in unsere Atmosphäre ist heute eine der gravierendsten Verstärker der Erderwärmung. Unter normalen Umständen schwankt der CO₂ Gehalt auf der Erde immer wieder, je nachdem, ob sich die Erde in einer Erwärmungs- oder Abkühlungsphase befindet. Sobald die Erwärmungsphase vorüber ist, sinkt auch der Anteil des CO₂ in der Luft. Jedoch hat man die letzte Eiszeit und deren Ende vor 19.000 Jahren untersucht. Und dabei festgestellt, dass das CO₂ wie ein Katalysator unseren Planeten weiter und weiter erwärmt hat. Bis dann das Ende der Eiszeit angebrochen ist. Eine ähnliche Verstärkung der natürlichen Klimaschwankungen sehen wir gerade jetzt. Je mehr CO₂ in unsere Atmosphäre vorhanden ist, desto schneller und radikaler vollzieht sich also die Erwärmung. (Weitere Informationen zu den Wechselbeziehungen zwischen Klimawandel und CO₂ findet ihr hier.)

Innovation gegen den Klimawandel: Der künstliche Baum

Deshalb ist die Idee, das CO₂ aus der Luft zu filtern und wieder in Sauerstoff zu wandeln, ein guter Anhaltspunkt um den Klimawandel zumindest abzubremsen. Doch wie genau soll das geschehen? Eine Idee zur CO₂ Filterung ist natürlich das Pflanzen von Bäumen auf der ganzen Welt. Allerdings brauchen diese gut 30 Jahre, bis sie ihr volles Potential an CO₂ Filterung ausschöpfen können. Aus diesem Grund gibt es immer mehr technische Innovationen gegen den Klimawandel in Richtung künstlicher Bäume und Pflanzen. Ein entsprechendes Projekt stammt aus Mexiko, von dem Unternehmen BiomiTech. Im vergangenen Jahr stellte die Firma einen künstlichen Baum vor, der nach eigenen Angaben so viel CO₂ aufnehmen können soll, wie 368 echte Bäume. Dabei funktioniert der künstliche Baum nach den Regeln der Photosynthese wie ein echter, um Energie zu generieren.

der City Tree der Firma Green City Solutions - innovationen-gegen-den-klimawandel
So sieht der City Tree der Firma Green City Solutions aus. – Image by Green City Solutions

Ein ähnliches Projekt lässt sich in Deutschland beobachten. Die Firma Green City Solutions tüftelt seit 2014 an innovativen Konzepten, die gerade in Innenstädten mit schlechter Luft zum Einsatz kommen sollen. Herzstück ihrer Arbeit ist derzeit eine Installation, die mit Moos arbeitet. Sie soll bis zu 80 Prozent des Feinstaubs filtern. Gleichzeitig wird das CO₂, welches von Menschen beim Atmen ausgestoßen wird, sofort wieder in Sauerstoff umgewandelt. Moos eignet sich sogar dazu, die Temperatur in der unmittelbaren Nähe etwas abzukühlen, da es viel Wasser von sich gibt. Schon seit geraumer Zeit gibt es zudem Überlegungen, Hauswände von Hochhäusern mit Moos zu bestücken, um somit für eine bessere Luft zu sorgen. Moos wächst nachweislich fast überall, braucht nur wenig Wasser und Licht zum Überleben und ist ein wahrer Allrounder, wenn es um das Filtern und Verwerten von Schadstoffen geht.

Technische Innovation zum Artenschutz im Meer

Aber nicht nur wir Menschen sind durch die Folgen des Klimawandels in Gefahr. Auch immer mehr Arten leiden unter den derzeitigen Veränderungen und ersticken buchstäblich in unserem Müll. Seit Jahrzehnten werden nämlich Abfälle aller Art einfach achtlos ins Meer geworfen, wo sie sich teilweise zu riesigen Müllinseln ansammeln. Der viele Plastikmüll im Meer gefährdet dabei nicht nur zahlreiche Meeresbewohner, sondern das gesamte Ökosystem. Die bei der Zersetzung entstehenden Mikroplastik-Teilchen können nämlich ins Grundwasser gelangen und sind somit auch für Menschen und das gesamte Ökosystem gefährlich.

Was also tun? Ein besonders ehrgeiziges Projekt zur Befreiung der Meere vom Müll ist The Ocean Cleanup. Auf ihrer Website erzählt die Firma, wie sie von 2013 an eine neue technische Innovation entwickelt haben, die effektiv Plastik aus dem Meer entfernen und gleichzeitig die Tiere, die dort leben, schützen soll. Unter dem Namen System 001 hat The Ocean Cleanup 2018 das allererste Modell zum Reinigen des Meeres losgeschickt. Dabei funktioniert System 001 ganz ohne Energie, denn die Meeresströmung zieht die Erfindung mit sich. Ein Fallschirm-artiger Anker sorgt dafür, dass die Konstruktion nicht zu schnell wegschwimmt.

Fast noch genialer ist allerdings der neue Interceptor, der am 16. Oktober 2019 vorgestellt wurde. Denn das meiste Plastik gelangt über Flüsse in die Ozeane. Um also die Verschmutzung des Ozeans endgültig zu stoppen, müssen die Flüsse und Seen dauerhaft vom Müll befreit werden. Und dafür wird an bereits drei Standorten jetzt der Interceptor der Firma eingesetzt. Er läuft komplett autonom, wird durch Solarenergie angetrieben und kann bis zu 50.000 kg Müll am Tag aus dem Wasser extrahieren. Damit soll ein für alle Mal die Verschmutzung der Meere gestoppt und ein nachhaltigeres Leben für Tiere und Menschen geschaffen werden.

der Interceptor von The Ocean Cleanup - technische-innovationen-gegen-den-klimawandel
So sieht der Interceptor von The Ocean Cleanup aus – Image by The Ocean Cleanup

Schwimmende Städte als Zukunftsmodell

Was aber passiert, wenn wir den Klimawandel nicht aufhalten können und wir irgendwann gezwungen sind, uns umzusiedeln? Sobald der Meeresspiegel ein gewisses Level erreicht hat, werden einige Inseln und auch Städte wie Venedig oder auch Hamburg in Bedrängnis geraten. Deswegen rüsten viele Küstenstädte schon jetzt auf und bauen neue Dämme, um die Wassermassen zurückzuhalten. Das uns diese unmittelbare Gefahr jedoch auch neue Türen öffnen kann, zeigt der Architekt Bjarke Ingels, der für die Firma Oceanix arbeitet. Vor nicht allzu langer Zeit hat die UN einen Wettbewerb ausgerichtet und Wissenschaftler, sowie Architekten und Ökonomen dazu aufgerufen, schwimmende Städte als ein realisierbares Konzept zu entwerfen. Im vergangenen Jahr gewann die Firma Oceanix die Ausschreibung, mit ihrem höchst interessanten und innovativen Konzept zu Floating Cities. Technische Innovationen gegen den Klimawandel können also auch zu einer ganz neuen Herangehensweise an unser alltägliches Leben führen.

Oceanix stellt Konzept für die Stadt der Zukunft vor

Im Kern der Idee stehen Fundamente, die ein wenig wie Honigwaben anmuten. Sie sind also eckig und sollen selbst stärksten Stürmen standhalten können. Auf der Oberfläche einer Scholle soll dann ein Lebensraum für bis zu 300 Menschen geschaffen werden. Im Idealfall soll die kleine Kommune sich komplett autonom versorgen können, durch Landwirtschaft, Fischfang und erneuerbaren Energien. Allerdings soll das Leben auf den Schollen vielseitig gestaltet werden, mit vielen Möglichkeiten in der Gemeinschaft gemeinsam zu leben, durch Parks zu schlendern oder einkaufen zu gehen.

Floating Cities - innovationen-gegen-den-klimawandel
Könnten so die Städte von Morgen aussehen? Wir werden sehen. – Image by Oceanix

Im Grunde also so komfortabel, wie wir es bisher gewohnt sind. Außerdem sollen sich mehrere Schollen ohne Problem verbinden lassen, sodass auch große Städte mit Millionen Einwohnern möglich sein sollen. Die neuen Städte sollen dann nicht nur keinen Müll mehr fabrizieren, sondern auch individuell nach kulturellen und sozialen Vorstellungen anpassbar sein. Wie realistisch die Umsetzung einer solchen Schollen-Stadt auf dem Meer ist, lässt sich nicht abschätzen. Als Idee und Konzept scheint sie aber auf jeden Fall vielversprechend.

Geoengeneering als letzte Chance

Nicht nur technische Innovationen sollen uns vor einer möglichen Klimakatastrophe schützen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf der ganzen Welt arbeiten daran, im Notfall mithilfe technischer Innovation das gesamte Weltklima abzukühlen. Was sich zunächst nach reiner Science-Fiction anhört, könnte im Ernstfall Realität werden.

Es gibt bereits Konzepte zu Siliziumscheiben, die wie ein Sonnenschirm zwischen der Erde und der Sonne aufgespannt werden könnten, um übermäßige Sonneneinstrahlung zu verhindern. Eine andere Idee wäre, die Meere mit Eisen zu düngen, um somit das Entstehen von Algen zu verhindern, welche beim Absterben viele Treibhausgase freisetzen.

Doch das Problem an solcherlei Eingriffen ist, dass sie immer auch unerwünschte Nebeneffekte haben können, die sich vielleicht erst nach Jahrzehnten zeigen. Außerdem bleibt die Frage, wer für solche großen Projekte verantwortlich sein soll und ob sie nicht auch in die falschen Hände geraten könnten. Fakt ist, dass es viele engagierte Menschen gibt, die sich die kreativsten technischen Innovationen einfallen lassen, um unseren Planeten ein wenig grüner zu machen. Sicherlich darf man sich nicht nur auf diese Innovationen verlassen, sondern muss auch auf anderen Wegen für Klimaschutz sorgen, aber die Tatsache, dass wir unser Verhalten jetzt ändern müssen, bedeutet nicht automatisch, dass wir vieles aufgeben müssen. Vielleicht ist der Klimawandel auch unsere Chance ein besseres Leben für alle zu ermöglichen.


Titleimage by Willyam via adobestock

Leonie Werner

interessiert sich für alles, was mit Medien zu tun hat. Insbesondere für Themen im digitalen Bereich ist sie offen und in Sachen Gaming immer auf dem neuesten Stand.


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