Eine Woche lang Klima retten

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Wer kennt das nicht: Das schlechte Klimagewissen beim Buchen einer Flugreise, beim Kauf von Erbeeren im Dezember, beim x–ten Kaffee to go im Pappbecher. Während uns auf der einen Seite Forscher immer eindringlicher deutlich machen, wie stark und schnell der Klimawandel das Leben, wie wir es kennen, bedroht, leben unser Leben aber unbeeindruckt weiter wie bisher.

Der New Yorker Colin Beavan hatte vor ein paar Jahren genug davon. Als „schuldiger Liberaler“, der gerne über ökologisch korrektes Leben moralisierte, aber selbst praktisch nichts dafür tat, beschloss er, für ein Buchprojekt von heute auf morgen auf „no impact“ umzuschalten – also ein Jahr lang so zu leben, dass er kein CO2 emittiert. Hieß für seinen Lebensalltag mitten in der Weltmetropole: Einkaufen, ohne jeglichen Plastikmüll zu produzieren, dutzende Stockwerke und Blocks laufen statt Aufzüge, Taxis oder die U–Bahn zu benutzen, saisionale Biolebensmittel aus 100 km Umkreis essen statt internationale Küche an der Straßenecke. Und das nicht nur allein, sondern mit seiner Frau, einer urbanen Prada–Luxus–Journalistin, seiner kleinen Tochter und einem Hund.

„One year without toilet paper“ titelte die New York Times im März 2007 – und Beavan selbst betreit seit 2007 ein Blog, in dem er seine Erfahrungen Tag für Tag dokumentierte. Im September veröffentlichte er sein Buch über das Jahr, gleichzeitig mit einem Kinofilm. Das einfache, möglichst CO2–neutrale Leben, sagt Beavan heute, habe ihn nicht nur gesünder, sondern auch glücklicher gemacht.

Und damit nicht genug: 4.300 Menschen machen es Beavan nach. Eine Woche lang, seit Sonntag, dem 18.Oktober, läuft das No Impact Experiment: Beavan ruft in einer Videobotschaft dazu auf, wie er ein Jahr lang möglichst klimaneutral zu leben – und sich im Netz mit Text– und Videobotschaft über ihre Erfahrungen auszutauschen. Die Ergebnisse werden auf der Seite der Huffington Post veröffentlicht. Sonntag: kein Konsum. Montag: kein Müll. Dienstag: Keine Autos. Mittwoch: möglichst klimaneutral essen. Donnerstag: Energie sparen. Freitag: Wasser sparen. Samstag: Engagieren und spenden. Ach so, und übrigens: Mitmachen kann jeder.

Meike Laaff

(www.laaff.net) lebt und arbeitet als Journalistin in Berlin. Sie ist stellvertretende Ressortleiterin bei taz.de, schreibt für überregionale Zeitungen, Onlinemagazine und produziert Radiobeiträge. Sie betreut zudem das taz-Datenschutzblog CTRL.


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2 comments

  1. Mehr direkte Demokratie, zum Beispiel durch eine Volksabstimmung über einen Klimawandel in Europa oder weltweit, ändert nichts an den Gegebenheiten, aus denen das Universum besteht. Trotz des mutigen Widerstandes aufrechter Wissenschaftler weltweit hat sich die Lüge über das atmosphärische Spurengas Kohlendioxid in die Hirne von Millionen gläubigen Klimajüngern gefressen und ihr Denken vergiftet. Die Klimajünger vermischen drei Themen, die NICHTS miteinander zu tun haben: Umweltschutz, Wetter und Kohlendioxid. Ein direkter Zusammenhang zu den Schulden der Öffentlichen Hand ist nirgendwo direkt nachweisbar – weder auf kommunaler Ebene noch in Brüssel.

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