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Fund this! – Crowdfunding Tipps im Februar

Wir Netzpiloten durchstreifen regelmäßig die verschiedenen Crowdfunding-Plattformen im Internet. Uns begeistern vor allem Produkte und Aktionen, die durch diese innovative Finanzierungsform erst möglich gemacht werden. Hier unsere Auswahl des Monats. Einige Projekte brauchen noch aktive Unterstützung, andere sind bereits ausreichend finanziert, bieten aber attraktive Vorbestellungspreise an.

Roboter Little Sophia

Little Sophia ist ein KI-gestütztes Robotermädchen in Handpuppengröße für Kinder im Alter von 7 bis 13 Jahren. Sie ist in der Lage Gesichter zu erkennen und auf unterschiedliche Mimiken zu reagieren. Außerdem kann sie singen, einfache Konversationen führen, Witze und Geschichten erzählen, sowie auf AR-Spiele und Games zurückgreifen. Eine Fernsteuerung ist via App möglich. Kontrolliert wird der Roboter über das Smartphone oder Tablet. Die Hersteller betonen auch die Bedeutung von Wissenschaft und technischen Berufen, daher haben sie den Roboter darauf programmiert MINT-Fächer, Kodierung und KI auf unterhaltsame und interaktive Weise vorzustellen. Besonders Frauen sollen ermutigt werden in diesen Bereichen zu arbeiten. Die Crowdfunding-Kampagne ist bereits super erfolgreich verlaufen. Seht selbst:

Little Sophia by Hanson Robotics @Kickstarter (Ziel: 75.000 USD bis 31.März)

Polymeer

Die Erfinder von Polymeer stellen aus recycelten Plastikabfällen wiederverwertbare Produkte her. Sie haben eine Maschine entwickelt, mit deren Hilfe sie Kunststoff schmelzen und pressen können. Die Wiederverwertung einerseits und die Müllproblematik andererseits waren die Hauptbeweggründe für dieses innovative Projekt. Ziel des Projektes ist, einen nachhaltigen und umweltschonenden Umgang mit Kunststoff-Müll zu schaffen. In Zeiten des Klimawandels sind nachhaltige Ideen zur Verbesserung der Umwelt immer eine willkommene Abwechslung zu den sonst eher profitorientierten Gründungsprojekten. Wer diese Idee unterstützen möchte, kann dies über die Crowdfunding-Plattform tun.

Polymeer @Startnext (Ziel: 1.550 Euro bis 28.Februar)

Samaki Aquaponik

Das Projekt Samaki Aquaponik widmet sich ebenfalls einer wichtigen Aufgabe. In den ländlichen Gebieten Afrikas fehlt es meist an den grundlegenden Dingen. Ein geringes Einkommen, Mangelernährung und fehlende Infrastruktur tragen ebenfalls zu dieser Misere bei. 120 Studenten der RWTH und FH Aachen haben eine Fischanlage entwickelt, um den Bedürftigen wenigstens eine gewisse Selbstverpflegung zu gewährleisten. Die Bevölkerung ist dadurch in der Lage nachhaltig und ohne viel Aufwand, Fische für die Eigenversorgung zu züchten oder für Gewinn weiter zu verkaufen. Dadurch wird zum einen die Mangelernährung bekämpft und zum anderen die Möglichkeit geschaffen einen Lebensunterhalt zu bestreiten. Ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit wird durch dieses Projekt wirklich gelebt. Daher haben die Studenten eine Crowdfunding eingerichtet und bitten um Spenden und Unterstützung.

 Samaki Aquaponik @Startnext (1.500 Euro bis 2.März)

Orkenspalter TV

Orkenspalter TV ist ein Video-Kanal für Rollenspieler und Comic Fans auf YouTube. Es versteht sich als ein unabhängiges und selbstverwaltetes Projekt. Seit 2009 dreht sich auf Orkenspalter TV alles um Pen and Paper, LARP oder Comics. Des Weiteren haben sie das Format „Late Nerd Show“ entwickelt, das über Rollenspiele, Comics und alles Nerdige handelt. Außerdem haben sie selber eine Show über Crowdfunding entwickelt, mit dem Namen „Shut Up And Take My Money“. Die Betreuung des Kanals, der technische Aufwand und neue Räumlichkeiten, erfordern ständigen finanziellen Beistand. Auf der Crowdfunding-Plattform Steady, kann man die verspielte Gruppe unterstützen.

Orkenspalter TV @Steady (Ziel: 100 Euro bis 28.Februar)

Piqo-Projektor

Piqo ist ein mobiler Mini-Projektor und ermöglicht durchschnittliche Medien in ein HD-Kinoerlebnis zu verwandeln. Mit Funktionen wie integriertem WLAN, Bluetooth, Hi-Fi-Lausprechern und Spiegelung des Bildschirms, bietet es in Golfballgröße alle notwendigen technischen Finessen. Der Beamer überzeugt mit außergewöhnlichen Leistungen: mit 1080p besitzt der kleine Projektor eine für seine Größe außergewöhnlich hohe Auflösung. Insgesamt überzeugt das Gerät durch seine Kompaktheit. Wen der coole Würfel überzeugt, kann ihn auf der Kampagnenseite vorbestellen zum Early Bird Preis.

Piqo-Projektor @Indiegogo (Ziel erreicht: 1,558,243 EUR )

Micro Drone 4.0

Diese Mini-Drohne stellt die nächste Generation von ferngesteuerten Flugkörpern dar. Bisher konnten nur große und teure Quadcopter flüssiges Bildmaterial liefern. Durch die Integrierung von intelligenter Hovertechnologie ist es den Gründern gelungen, die Drohne mit einer autonomen und fortschrittlichen Flugfähigkeit auszustatten. Eine weitere Neuheit ist der zweiachsige mechanische Kardanring, der für die Bildstabilisierung sorgt. Die Micro Drone gibt es bereits für erschwingliche 130 Euro als Vorbestellung.

Micro Drone 4.0 @Indiegogo (Ziel erreicht: 516,923 EUR )


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Patreon und andere Crowdfunding-Dienste: Wenn die Masse Kunst finanziert

Wer des Öfteren auf YouTube unterwegs ist, fleißig Podcasts hört oder auch Online-Zeitungen und Blogs liest, der wird unweigerlich schon einmal über einen Link gestolpert sein mit der Aussage „Unterstütze mich auf Patreon!“ oder einer ähnlichen Formulierung. Patreon, das ist quasi der Hort für Künstler, Autoren und Podcaster, um ihre Projekte online finanzieren zu lassen. Eigentlich eine super Sache, allerdings gibt es auch Kritiker der Plattform.

Was ist Patreon?

Crowdfunding durch das Internet, das ist keine Neuheit. Bereits 2009 wurde die bis heute erfolgreiche Crowdfunding-Plattform „Kickstarter“ gegründet. Sie ermöglichte es Unternehmern erstmals, ihre Ideen dem Internet zu präsentieren und daraufhin nach Geld für dessen Realisierung zu fragen. Patreon hingegen denkt noch einen Schritt weiter. Hier können Creator ebenfalls ihre Arbeit vorstellen und dann nach einem monatlichen Beitrag fragen, den die Konsumenten spenden können. Dabei erlaubt es Patreon, dass man verschiedene Prämien für die Spender anbietet. Viele Creator, die auf Patreon aktiv sind, bieten zum Beispiel handgeschriebene Briefe oder Treffen mit ihren Fans an, wenn diese monatlich einen gewissen Betrag bezahlen. Oder sie ermöglichen es den Fans, selbst an Ideen für ein YouTube-Video oder einer Podcast-Folge mitzuwirken. Dieses innovative Konzept ermöglicht es vielen Künstlern, sich gänzlich unabhängig zu machen um ihre Kunst quasi Vollzeit zu verfolgen.

Allerdings gibt es auch Kritiker die anprangern, dass es sehr schwer sei, auf Patreon wirklich Geld zu verdienen, das auch zum Leben reicht. Eine Statistik von Graphtreon, einer Website die auf Statistiken rund um Patreon spezialisiert ist, zeigt auf, dass ein Großteil der Creator zwischen einem bis 1.160 Dollar im Monat durch die Website bekommen. Das ist weniger, als sie mit einem normalen Job mit Mindestlohn erhalten würden. Außerdem müsse man von vornerein eine große Community haben und „Hardcore“-Fans, die auch bereit wären zu zahlen, sagt selbst der Co-Founder der Plattform, Jack Conte.

Welche Alternativen gibt es?

Patreon erfreut sich inzwischen einer regen Beliebtheit, ungefähr 12.550.000 Euro werden monatlich über die Plattform gespendet, und das an über 130.000 Künstler, Autoren und Internetpersönlichkeiten. Aufgrund der Kritik lohnt sich jedoch auch einmal der Blick über den Tellerrand, zu anderen Crowdfunding Seiten im World-Wide-Web.

Eine Alternative ist zum Beispiel Steady. Der Service kommt aus Deutschland und funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip wie Patreon: Creator können ihre Projekte vorstellen und Ziele, sowie Prämien für ihre Spender festlegen. Dabei werden die Beträge ebenfalls monatlich überwiesen. Bei der französischen Alternative Tipeee geht es, wie der Name schon vermuten lässt, um einen „Tipp“, also ein Trinkgeld für Creator. Aber auch hier können monatliche Überweisungen eingerichtet werden. Eine dritte Alternative, die ebenfalls ein wenig in Richtung Trinkgeld geht, ist Ko-Fi. Der Name lässt zumindest auf den zweiten Blick erahnen was das Konzept hinter dieser Seite ist. Hier können Spender nämlich Trinkgelder im Wert eines Kaffees übermitteln. Das Motto „jeder Kaffee zählt“ ist weniger direkt, als nach festen Beträgen zu fragen und somit für einige Creator angenehmer. Zudem ist diese Seite für Künstler komplett kostenlos und es wird keine zusätzliche Gebühr fällig.

Auch wenn Seiten wie Patreon sich sicherlich nicht für jeden Creator eignen, so sind sie doch eine wichtige Entwicklung in der Kunst-Szene. Gerade in Zeiten, in denen vieles kostenlos online einsehbar ist, sind es die Unterstützer auf Tippee und Co, die es den Creatorn ermöglichen ihre Passion weiterhin und völlig unabhängig zu verfolgen.


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YouTube: Kanalmitgliedschaften bald in mehreren Abstufungen?

Seit Juni 2018 gibt es auf YouTube die Möglichkeit einer Kanalmitgliedschaft. Diese Mitgliedschaft ermöglicht dem Zuschauer, seine liebsten Kanäle monatlich zu unterstützen. Dafür mussten YouTuber zuvor auf Patreon zurückgreifen. Patreon ist quasi eine Crowdfunding-Plattform, auf der man Künstler nicht nur einmalig, sondern auch monatlich unterstützen kann. Doch nun gibt es auch auf YouTube eine hauseigene Lösung.

Allerdings hat diese Lösung noch einen Haken: Es gibt keine Abstufungen. Bislang kostet die Mitgliedschaft 4,99 Euro – und damit unterstützt man lediglich einen einzelnen Kanal. Für einen Fernsehsender mit nur einer Stunde Sendezeit pro Tag würde man das als glatten Wucher bezeichnen. Doch es ist zumindest Besserung in Sicht.

Bald mit neuen Abstufungen

Ein User des deutschen YTForums ist darauf aufmerksam geworden, dass es erste Kanäle gibt, die eine mehrstufige Mitgliedschaft anbieten. Unter anderem hat der YouTube-Streamer KreekCraft (600.000 Abos) dieses Feature bereits auf seinem Kanal. Auf Twitter schreibt er, dass das Feature noch Early Access ist und vermutlich im Februar breiter ausgerollt wird. Sicher ist er sich dabei aber nicht.

Folgende Abstufungen, sind auf seinem Kanal verfügbar

  • 1,99 Dollar
  • 4,99 Dollar (bisheriger Preis)
  • 9,99 Dollar
  • 14,99 Dollar
  • 24,99 Dollar

Für jede Stufe der Mitgliedschaft lassen sich zudem individuelle Goodies einstellen. Teurere Mitgliedschaften können so also exklusive Vorteile erhalten.

Auf dem Kanal KreekCraft stehen bereits mehrere Abstufungen zur Auswahl | Screenshot by Stefan Reismann

YouTube greift tief in die Tasche

Mit der Kanalmitgliedschaft zog YouTube unter anderem auch im Kampf mit Twitch nach, die eine Mitgliedschaft schon länger anbieten. Doch nicht nur im Konkurrenzkampf macht der Schritt Sinn, sondern auch geschäftlich. YouTube kann mit dieser neuen Finanzierungsmöglichkeit nämlich auch selbst kräftig verdienen.

Auf YouTubes Supportseite gibt das Videoportal nämlich an, dass lediglich 70 Prozent des Mitgliedschaftsumsatzes – nach Abzug der lokalen Mehrwertsteuer – an den Kanalbetreiber gehen. 30 Prozent landen also bei YouTube selbst. Im Vergleich behält sich Twitch mit 50 Prozent allerdings einen noch größeren Teil ein. Patreon verlangt übrigens nur fünf Prozent Patreon-Gebühr + weitere 2,9 Prozent + 0,35 Dollar Service-Gebühr und ist damit deutlich günstiger als die beiden Video-Anbieter.

Besonders clever: Kanalmitgliedschaft und das werbefreie YouTube-Premium sind voneinander unabhängig. YouTube kann also zugleich an Werbung, als auch an den Mitgliedschaften eines Kanals mitverdienen.

Wichtiger Schritt mit Verbesserungspotential

Auch wenn YouTube einen großen Teil vom Kuchen abhaben möchte, ist der Schritt auch wichtig, um attraktiv für Kanäle zu bleiben. Twitch wurde für viele Kanäle immer beliebter, was nicht nur an den Kanalmitgliedschaften lag, sondern auch an den Spenden im Stream – direkt im Geschehen eingebunden zu sein, lässt das Geld oft nochmal lockerer sitzen.

Livestreams erlaubt YouTube mittlerweile schon länger, doch Twitch ist nach wie vor der unangefochtene Platzhirsch auf seinem Kerngebiet. Zeitgleich mit den Mitgliedschaften und den YouTube-Premieren wurde zudem auch der Verkauf von Merchandise über YouTube angekündigt. Dafür ging YouTube eine Partnerschaft mit dem Anbieter Teespring ein.

Merchandise-Artikel lassen sich mittlerweile direkt über YouTube verkaufen. Sie werden gleich unterhalb der Beschreibung platziert. | Screenshot by Stefan Reismann

Die Abstufungen der Mitgliedschaften schließen nun eine Lücke. Schade ist nur, dass es lediglich eine günstigere Stufe gibt, dafür aber gleich drei noch teurere. Hier hätte ich mir lieber noch eine Mitgliedschaft für 99 Cent gewünscht – ein Betrag, der sich auch leichtfertiger für mehrere Kanäle ausgeben lässt. In der Masse ließe sich dadurch womöglich sogar mehr Geld für YouTube und die Kanäle verdienen.

Auch wenn ich selbst das Feature noch nicht nutze, würde ich mir eine Anpassbarkeit der Preisabstufungen wünschen. Nicht jeder Kanal ist gleich und darum sollte der Creator ein Stück weit selbst bestimmen können, wie viel sein Content und die Goodies für eine Mitgliedschaft wert sind. Für manche Kanäle jedoch, könnte eine erfolgreiche Finanzierung über Mitgliedschaften sogar ein Grund sein, auf Werbung zu verzichten oder diese zumindest entsprechend gering zu halten.


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Crowdfund this! Kunst mit Flüchtlingskindern in Berlin

Wir sind große Crowdfunding-Fans und immer begeistert, wenn durch dieses digitale Spenden- und Finanzierungstool tolle Projekte verwirklicht werden. Unsere aktuelle Empfehlung: Die Kampagne Pass The Crayon (sinngemäß lass den Malstift rumgehen) bei Indiegogo. Bis zum 31.Dezember könnt ihr noch dazu beitragen, das sympathische Projekt zu unterstützen.

Worum geht’s?

Angefangen hatte alles 2015, als die Gründer von Pass The Crayon Sevin Özdemir und Martin Ringenbach begannen, Mal- und Bastelmaterialien in die Flüchtlingsunterkünfte zu bringen.

Diese Idee fand schnell Anklang bei vielen Helfern und Freiwilligen, die das Projekt begeistert unterstützten. Bis heute verfolgt Pass The Crayon einen ganz besonderen Ansatz, um Flüchtlingskindern in ihr neues Leben zu integrieren: In verschiedenen Workshops und Projekten sollen die Kinder ihre Kreativität ausleben, Gefühle ausdrücken und dabei einfach eine unbeschwerte Zeit erbringen.

Inzwischen hat Pass The Crayon bereits über 5.000 Kindern den Zugang zu diesen Workshops ermöglicht. Unterstützt wird das Projekt von über Tausend freiwilligen Helfern. Sie berichten, wie sehr es den Kindern helfen kann, sich durch Malen und Basteln frei ausdrücken zu können. Und wie die Kinder durch die Projekte und Workshops wieder offener und fröhlicher werden. Durch diese kreativen Programme verbessern die Flüchtlingskinder ihre sozialen und emotionalen Kompetenzen. Das begünstigt auch die Integration in die neue Umgebung und Kultur.

Nächstes Ziel: Die Erweiterung des Programms

Pass The Crayon hat nun eine Indiegogo-Crowdfunding-Kampagne gestartet, mit deren Erlös sie es noch mehr Kindern ermöglichen wollen, die Bewältigung ihres Traumas ein stückweit durch diese kreativen Arbeiten zu vereinfachen.

Insgesamt sollen 12.000 Euro für die Arbeit mit den Flüchtlingskindern gespendet werden. Mit Unterstützung des chinesischen Contemporary-Art Künstlers Ai Weiwei ist es das gesetzte Ziel der Non-Profit-Organisation, ihr Projekt auch auf die ländlicheren Gebiete Deutschlands auszuweiten. Somit soll noch mehr Kindern, auch aus einkommensschwachen Familien, der Zugang zu künstlerischen Workshops gegeben werden.

Mitmachen?!

Bereits mit 45 Euro ist es den Machern möglich, einen Workshop für 15 Kinder zu organisieren. Auf ihrer Crowdfunding-Seite können bereits für fünf Euro nette Perks erstanden werden, die von den Kindern mitgestaltet wurden. Wer lieber direkt Geld spenden will kann dies natürlich auch tun: Pass The Crayon Website.


Image by passthecrayon.com

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Crowd-Juwel: Die BentoStack für Apple-Zubehör

Bild: Netzpiloten

Wir Netzpiloten durchstreifen regelmäßig die verschiedenen Crowdfunding-Plattformen im Internet. Uns begeistern vor allem Produkte und Aktionen, die durch diese innovative Finanzierungsform erst möglich gemacht werden. Hier unser Lieblingsprojekt der Woche: Die Zubehör-Box „BentoStack“

Was ist BentoStack?

Für alle mobilen Digital-Arbeiter unter uns sind Kabel, Akkus und sonstiges Zubehör zu Laptop, Tablet und Smartphone ständige und oft unliebsame Begleiter. Es macht eigentlich keinen Spaß die vielen Kleinteile wie einen Sack Flöhe zu hüten. Bis das ersehnte kabellose Zeitalter endlich eintrifft, suchen wir also nach perfekten Aufbewahrungsorten für das verwirrungsfreude Zeug. Welches Behältnis schafft beste Ordnung und den leichtesten Zugriff? Und welches ist obendrein vielleicht sogar noch bißchen stylish?

Auf dieser Schatzsuche ist uns BentoStack begegnet: Die hübsche mehrteilige Box orientiert sich an den Bentō -Boxen, in denen in Japan gerne Speisen gereicht werden: Eine mehrteilige Box mit verschiebbaren Zwischenwänden bietet Platz für viel Zubehör wie Netzteil, Kopfhörer und sogar den Pencil und Armbänder von Apple. Wir haben die Box getestet und finden sie praktisch und cool. Seht hier das Produkt-Video bei Indiegogo.

Wie ist die Crowd-Finanzierung gelaufen?

War ein Hit! Knapp 164.000 US-Dollar wurden eingesammelt. Das entsprach 454 Prozent der angestrebten Summe. Die glücklichen Macher „Function 101“ aus Las Vegas gehen in die Massenproduktion.

Wo bekommt man BentoStack?

Der BentoStack ist auf dem Indiegogo Market für 39 US-Dollar (plus shipping) zu bestellen. Wichtig: Für Deutschland muss die BentoStack XL gekauft werden, da nur in dieser Box der europäischen Stecker genug Platz findet!

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Crowd-Juwel: Mobiler Roboter Loomo

Foto: Segway

Wir Netzpiloten durchstreifen regelmäßig die verschiedenen Crowdfunding-Plattformen im Internet. Uns begeistern Produkte und Aktionen, die durch diese innovative Finanzierungsform erst möglich gemacht werden. Hier unser Lieblingsprojekt der Woche: Ein mobiler Roboter namens Loomo!

Was ist Loomo?

Freunde, es geht voran mit den androiden Gefährten! Wir sind immer etwas aufgeregt, wenn uns in den Crowdfunding-Plattformen ein Gerät begegnet, das wir womöglich bald weit verbreitet in unserem Alltag wahrnehmen werden. Dieses Mal kommt der Kick aus dem Hause Segway, die ja schon mit den Aufrecht-Fahrzeugen vor allem als Sight-Seeing-Hilfen in den Städten auffallen. Jetzt kommt ein kleiner fahrender Geselle, der sich spielerisch und wie ein Hund folgend in unseren Alltag integrieren soll.

Beim Loomo handelt es sich um einen Mintransporter, gekreuzt mit einem Roboter. Als Mini-Transporter kann man ihn herbeirufen und ganz einfach aufsteigen. Er ist ausgestattet mit Funktionen wie Auto-follow, Video Capture, Touch-Funktionen und einer Stimm- und Bewegungskontrolle. Klingt aufregend – und regt die Fantasie für viele Anwendungen an. Uns erinnert der Kleine ja ein wenig an WALL-E  aus dem gleichnamigen Disney-Film. Seht hier das Produkt-Video bei Indiegogo.

Wie ist die Crowd-Finanzierung gelaufen?

Sagenhaft! 1,1 Millionen US-Dollar wurden eingesammelt – das entspricht ganzen 1092 Prozent der angestrebten Summe. Somit schiebt Segway den Prototypen nun in die Massenproduktion. Wir können gespannt sein, wie schnell und weit sich der mobile Roboter verbreiten wird.

Wo bekommt man den neuen Loomo?

Der Loomo ist auf der Homepage von Segway Robotics für 1499 US-Dollar zu bestellen.

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Crowd-Juwel: Das Gärtnerglück CloudRain

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Supersmarte Gartenbewässerung mit crowd-finanzierter Lösung CloudRain

Wir Netzpiloten durchstreifen regelmäßig die verschiedenen Crowdfunding-Projekte im Internet. Uns begeistern Produkte und Aktionen, die durch diese innovative Finanzierungsform erst möglich gemacht werden. Hier im Telegrammstil unser Lieblingsprojekt der Woche:

Was ist CloudRain? – Ein per App steuerbares Bewässerungssystem (kabellose Controller und Ventile), solarbetrieben und mit bereits vorhandenen Gerätschaften zu verwenden. Der besondere Clou: die innovative Smart Garden- Anwendung bezieht lokale Wetterdaten mit ein. Klingt genial, oder? Detaillierte Infos zum Produkt gibt es bei Kickstarter.

Wie ist die Crowd-Finanzierung gelaufen? – Erfolgreich! Insgesamt haben 131 Unterstützer satte 24.750 Euro beigetragen, um dieses Projekt zu verwirklichen.

Wo bekommt man CloudRain? – Über die Homepage der glücklichen Crowd-Projektstarter Henry Bröker, Mathias Mortag und Nils Borgböhmer: https://cloudrain.de/.

 

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Crowd Juwel: Das Comeback des legendären Spoonfork Magazins!

Wir Netzpiloten durchstreifen regelmäßig die verschiedenen Crowdfunding-Projekte im Internet. Uns begeistern Produkte und Aktionen, die durch diese innovative Finanzierungsform erst möglich gemacht werden. Hier im Telegrammstil unser Lieblingsprojekt der Woche:

Was ist Spoonfork? – von 2005 bis 2012 begeisterte uns das preisgekrönte Online Magazin immer wieder mit seinen innovativen und spielerischen Ideen. Es ging um Musik, Design und viel Humor. Wir sind Fans der ersten Stunde. Schaut euch um im Spoonfork Archiv.

Wofür wird die Crowd-Finanzierung gebraucht? – Um das Schätzchen wieder zum Leben zu erwecken brauchen die beiden Spoonfork-Gründer Katja Neumann und Bashar Farhat das Geld für Entwicklung, Programmierung und Gestaltung. Dieses Jahr soll Spoonfork sein Comeback feiern!

Mitmachen! – Nicht nur um der alten Zeiten Willen finden wir, dass die Spoonfork einen glanzvollen Auftritt verdient hat. Das finanzielle Mindestziel von 10.000 Euro ist zum Zeitpunkt dieses Artikels ein ganzes Stück entfernt. Auf gehts! Bis 20.05.2018 ist noch Zeit.

Wo kann man mitmachen? – Auf der smarten Plattform von Startnext.

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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • ALGORITHMEN zeit: Maas schlägt digitales Antidiskriminierungsgesetz vor: Digital automatisierte Entscheidungsfindungen, beispielsweise Handydaten, die beeinflussen, dass jemand einen Kleinkredit bekommt, sind oft nicht sonderlich transparent. Justiz- und Verbraucherschutzminister Heiko Maas (SPD) möchte das jetzt ändern und plädierte dafür am Montag für ein staatliches Eingreifen. Das sogenannte „digitale Antidirskirminierungsgesetz“ soll dafür sorgen, dass Teile der Bevölkerung durch Softwareentscheidungen benachteiligt werden und dass außerdem mehr Transparenz bei Entwicklern zu ihren Algorithmen herrscht.

  • KÜNSTLICHE INTELLIGENZ heise: Microsoft veröffentlicht KI-Bibliothek für Minicomputer: Microsoft veröffentlicht die Embedded Learning Library (ELL) um Machine Learning auf Mini-Computer zu bringen. Systeme wie der Raspberry Pi oder die Arduino-Plattform sollen so ML-Prozesse auch ohne Cloud-Anbindung bearbeiten können. Noch ist die ELL in einem sehr frühen Entwicklungsstadium, generell soll mit ihr aber ein weiterer Schritt Richtung „Demokratisierung von KI“ gehen, sagt Saleema Amershi, Human-Computer-Interaktionsforscherin bei Microsoft.

  • CROWDFUNDING sueddeutsche: Letzte Hoffnung Crowdfunding: Wenn eine Crowdfunding Kampagne die letzte Hoffnung für die Gesundheit ist und im US-Gesundheitssystem schon eine feste Größe ist. Viele US-Amerikaner haben keine Krankenversicherung, aber können teilweise auch trotz Obamacare ihre Arztrechnungen bezahlen. Weil sich oftmals nicht anders zu helfen gewusst wird, vertrauen viele auf Crowdfunding-Plattformen, wie Gofundme, um die teilweise astronomischen Arztrechungen zu bewältigen. Wie gut funktioniert das und was passiert zur geplanten Trumpcare?

  • G20 netzpolitik: Gegen Überwachung demonstrieren auf der G20-Großdemo in Hamburg: Der G20-Gipfel in Hamburg, bei dem sich die Regierungsverteter der 20 größten Industrie- und Schwellenländern versammeln werden, steht kurz bevor. Die Demonstrationen und Proteste dazu sind ebenfalls schon in vollem Gang. Das Bündnis gegen Überwachung fordert beispielsweise den vollständigen Rückzug der Geheimdienste aus der Zivilgesellschaft. Der G20-Gipfel wird eine Herausforderung für die Infrastruktur der Stadt, aber durch Massenüberwachung auch für den Datenschutz.

  • TECH wired: Kängurus überfordern selbstfahrende Volvos: Die Technologie bei autonomen Fahrzeugen ist schon relativ fortgeschritten, die autonohm fahrenden Testfahrzeuge von Volvo in Australien haben jetzt aber ein ganz bestimmtes Problem: Kängurus! Laut einem Bericht von ABC News bringen hüpfende Kängurus das sogenannte „Large Animal Detection System“ von Volvo durcheinander. Australien ist für Volvo und andere Entwickler von autonomen Fahrzeugen ein anspruchsvolles Testgebiet. LKW mit Gesamtlängen von über 50 Metern, unzureichende Straßenmarkierungen und die anspruchsvolle Topografie fordern die Software der Autos heraus.

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  • WHATSAPP t3n: CSU will Zugriff auf Whatsapp-Gespräche: Über WhatsApp den Terror bekämpfen? Genau das plant jetzt die CDU und fordert den Zugriff auf WhatsApp-Gespräche zur Terrobekämpfung. Terroristische Aktivitäten sollen in der Vergangenheit bereits über die Messenger-App geplant worden sein, eine gesetzliche Kontrollmöglichkeit sei nach Meinung der CDU dringend und würde nach der Wahl weiterverfolgt werden. Gleichzeitig kann sowas jedoch auch Hacker anlocken und ihnen Türen zu sensible Nutzerdatern öffnen.

  • WLAN welt: EU will kostenloses WLAN an Tausenden Orten finanzieren: Im EU-Raum soll es künftig mehr kostenlose Internetzugänge geben. Was in deutschen Großstädten meist kein größeres Problem darstellt, soll in der EU bald massiv ausgebaut werden, so die Pläne aus Brüssel. An tausenden öffentlichen Plätzen sollen EU-Bürger bald über EU-finanzierte Hotspots ins Internet können. Es sollen rund 120 Millionen Euro in das Unterfangen gesteckt werden, weitere Details sollen bis Ende des Jahres geklärt werden. Vor allem für die Touristik und Dienstleistung könnte ein solcher Ausbau des Netzes interessant werden.

  • DISPLAYWEEK golem: Die Display-Welt wird rund und durchsichtig: In Los Angeles hat vergangene Woche die Displayweek stattgefunden – ja, eine ganze Messe allein im Zeichen des Displays. Hersteller und Froscher zeigten dort vor allem einen Trend: flexible Displays. Durch neue Techniken kann das Verbauen von Displays also künftig in allen Formen und an allen Orten möglich sein. Dem südkoreanischen Unternehmen Samsung ist sogar die Entwicklung eines dehnbaren Displays gelungen. In Zukunft werden Displays also in sehr viel mehr Anwendungsbereichen eingesetzt werden können.

  • CROWDFUNDING suedeutsche: Facebook-Nutzer können jetzt bei ihren Freunden Geld einsammeln: Facebook ist nicht das erste Unternehmen, das das Konzept Crowdfunding für sich entdeckt. Die Social Media-Plattform führt jetzt eine neue Funktion ein, über die es möglich werden soll Geld zu sammeln – ob für den Kampf gegen Krebs oder Silikonbrüste ist dabei egal. Facebook verspricht, sämtliche Spendenkampagnen innerhalb von nur 24 Stunden auf ihre Aufrichtigkeit zu überprüfen. Bedenkt man die Art und Weise, wie das Netzwerk bislang die Kommunikation seiner Mitglieder moderiert, darf das allerdings bezweifelt werden.

  • KÜNSTLICHE INTELLIGENZ heise: Künstliche Intelligenz berechnet die Schönheit: Schönheit liegt doch bekanntlich im Auge des Betrachters. Wenn es nach bestimmten Startups und Forschern geht allerdings in der Vermessung durch Algorithmen. Bilderdienste, wie das Online-Angebot “EyeEm” eines Berliner Startups, sollen fortan das Maß an Schönheit in einem Bild errechnen und diese dann möglichst prominent platzieren, um dem Fotografen die Auswahl zu erleichtern. Seit Jahren forschen Wissenschaftler und Unternehmen daran, neuronalen Netzen einen Sinn für Schönheit beizubringen.

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“Der Fetisch um das Wort Innovation nervt!” – Sebastian Esser über die Zukunft des Journalismus

writing-336370_1920 (adapted) (Image by Unsplash [CC0 Public Domain] via pixabay)

Die Ära des klassischen Journalismus scheint vorbei zu sein. Reporter werden durch Algorithmen ersetzt, Redakteure durch Influencer. Ist das also der Tod des Journalismus? Ganz und gar nicht, findet Sebastian Esser, Herausgeber von Krautreporter, einem Onlinemagazin, das seine Anfänge im Crowdfunding hat. Wir haben uns mit ihm über die Entwicklung der Branche im Zeitalter des Internets, neue Finanzierungsmodelle für Journalisten und lesefaule Millennials unterhalten.

Netzpiloten: Hand aufs Herz, ist der Journalismus tot?

Sebastian Esser: Der Pessimismus um die Branche ist teilweise berechtigt, vor allem in den traditionellen Printverlagen. Die aktuellen Honorare für Journalisten sind lachhaft und Printjournalismus ist einfach für eine andere Generation von Lesern gemacht. Die meisten lesen einfach alles online. Ganz klar, wer für Printmagazine bis zur Rente schreiben will, macht sich etwas vor. Doch es gibt auch eine gute Nachricht. Das Internet bietet auch eine Chance für den Journalismus. Wir können uns nun endlich – ohne Umwege – ganz direkt an unsere Leser richten.

Sebastian Esser (Image by Sebastian Esser)
Sebastian Esser (Image by Sebastian Esser)

Inwiefern hilft das dem Journalisten?

Journalisten können so ihre eigene Stimme entfalten und sich mit den Themen, die sie bewegen, direkt an eine Community richten. Es entsteht ein direkter, persönlicher Austausch und der Journalist ist nicht mehr dieser distanzierte, von oben herabschauende Welterklärer im Elfenbeinturm. Die Nutzer können aktiv mit eingebunden werden, es können Themen aufgearbeitet werden, die sie als Leser interessieren und die Leser können natürlich auch direkt über Kommentare oder Soziale Netzwerke wie Twitter direkt reagieren.

Das bedeutet andererseits aber auch, dass man als Journalist auf sich alleine gestellt ist und sich selbst stets vermarkten muss. Wird der Journalist dann nicht vom kritischen Hinterfrager zum Selbstpromoter?

Das ist richtig, man muss natürlich seine Arbeit bekannt machen. Aus meinen Gesprächen mit Journalisten weiß ich auch, dass genau damit sehr viele Schwierigkeiten haben. Hier kommt es natürlich auch darauf an, wie man auf sich aufmerksam macht. Wenn ich zum Beispiel einen Blog schreibe und Leser diesen abonnieren, dann sind diese Newsletter natürlich einerseits Werbung für meine Arbeit, aber andererseits auch etwas, das Nutzer aus Interesse bekommen möchten.

Die Selbstvermarktung wirft dabei auch noch ein ganz anderes Problem auf: die Finanzierung. Wenn plötzlich die Arbeitgeber, also die Verlage, wegfallen, wie können dann die Journalisten Geld verdienen?

Das eine Modell, das wir sehr erfolgreich mit Krautreporter ausprobiert haben, war Crowdfunding. Wir haben insgesamt 40 Projekte mit interessanten Rechercheideen gebündelt und User um Unterstützung gebeten. Da kamen zum Teil Summen von bis zu 15.000 Euro für ein Projekt zusammen. Insgesamt haben wir 250.000 Euro Umsatz gemacht, obwohl uns alle gesagt haben, dass man mit Crowdfunding im Journalismus kein Geld verdienen kann.

Nun ja, so Unrecht haben die Kritiker vielleicht auch nicht. Crowdfunding hat bisher nur sehr vereinzelt zur Finanzierung von journalistischen Projekten geführt. Was habt ihr anders oder besser gemacht?

Es stimmt, Crowdfunding kann ein schwieriges Feld sein. Erhebungen zeigen, dass der Rücklauf bei solchen Kampagnen relativ gering ist. Wenn ein Journalist seine Community um Geld bittet, werden rund 5 Prozent der Befragten im Schnitt einen Betrag von 5 bis 10 Euro spenden. Das heißt, wir haben darauf geachtet, dass die Journalisten bei unserer Crowdfunding-Kampagne bereits eine große und engagierte Community mitgebracht haben. Die Nutzer haben dann auch nicht nur Projekte, sondern tatsächlich Menschen unterstützt. Das war sehr erfolgreich, sodass wir schließlich daraus auch Krautreporter entwickelt haben.

Wobei Krautreporter sich nicht durch Crowdfunding finanziert, sondern durch Abonnenten…

Richtig! Krautreporter hat zwar als Genossenschaft Investoren, wir finanzieren uns und die Redakteure, die für uns schreiben, aber durch die regelmäßigen Beiträge unserer Mitglieder. Denn Crowdfunding funktioniert wunderbar für einmalige Finanzierung von Projekten, es ist aber kein Modell, um guten Journalismus nachhaltig finanzieren zu können. Deswegen haben wir noch das Abo-Modell gewählt.

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Krautreporter Logo. Image by Krautreporter

Und das funktioniert? Nutzer zahlen tatsächlich für eure Inhalte und auch so viel, dass eure Journalisten damit gut verdienen können?

Ja! Leser sind durchaus an qualitativ hochwertigem und werbefreien Journalismus interessiert und zahlen dafür auch. Viele Studien belegen das auch: Immer mehr Menschen sind bereit für gute Onlineinhalte zu zahlen. Wir setzen natürlich keine Milliarden um, aber es reicht, auch um unsere zehn Journalisten entsprechend entlohnen zu können.

Warum lehnt ihr von vornherein Werbung ab, das ist schließlich ein Weg, den viele gehen, um ihre journalistischen Projekte zu finanzieren?

Werbung mag ja einige Formate sehr gut finanzieren. Gerade im Entertainment-Journalismus finde ich das auch super. Wenn man sich jedoch, wie wir, auf Themen wie Politik, Wirtschaft oder Soziales stützt, passt es nicht zusammen und es nervt die Leser auch.

Apropos Leser, diejenigen, die am meisten im Internet unterwegs sind, sind ja die Millennials. Andererseits ist gerade die junge Generation oft sehr sprunghaft im Medienkonsum, vor allem wenn es ums Lesen langer Texte geht. Ist das nicht ein Dilemma für Magazine wie eure?

Ach, ich glaube, das ist alles viel weniger dramatisch als viele sagen. Die Medienlandschaft verändert sich, aber auch nicht so stark. Das gedruckte Buch ist ja auch, trotz aller Prognosen, immer noch da und auch Millennials werden älter und lesen tun sie alle.

Einen anderen Weg, um Nutzer für gute Inhalte zu begeistern, probierst du seit Anfang 2017 gemeinsam mit Krautreporter-Geschäftsführer Philipp Schwörbel. Das ist die Plattform “Steady”. Hier können nicht nur Journalisten, sondern auch Blogger, Musiker oder auch Sportler ihre Projekte einstellen und diese, ebenfalls per Abo-Modell, finanzieren lassen. Was genau wollt ihr damit erreichen?

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Steady Team. Image by Steady
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Steady Logo. Image by Steady

Du hast es ja vorher auch schon gesagt, wenn große Verlage oder der klassische Arbeitgeber wegfällt, haben Selbstständige plötzlich ganz andere Probleme. Sie müssen sich nicht nur um Vermarktung kümmern, sondern auch um Themen wie Zahlungsmodelle, Buchhaltung oder internationale Rechnungen. Das sind ja ehrlicherweise nicht gerade die spannendsten Aufgaben, deswegen wollen wir mit unserer Plattform all das für die Nutzer gegen eine Gebühr übernehmen, damit sie sich auf ihre Projekte konzentrieren können.

Könnten Plattformen wie diese also die Zukunft für den Onlinejournalismus sein?

Ach, ich glaube, der Journalismus wird sich gar nicht so stark verändern. Mir geht dieser Fetisch um das Wort „Innovation” auch ein wenig auf den Keks. Ich glaube, die Branche wird sich gar nicht so stark verändern. Journalisten haben immer noch den gleichen Auftrag wie immer. Die Wahrheit herausfinden und in einer Art und Weise aufschreiben, dass viele Leute sie lesen. Insofern ist die Zukunft im Journalismus die Vergangenheit.

Vielen Dank für das Gespräch!


Image (adapted) ‚Writing‘ by Unsplash (CC0 Public Domain)


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Collaborative Economy: Vertrauen in die Gesellschaft

Life is Sharing (adapted) (Image by Alan Levine [CC by 2.0] via flickr)

„Gemeinsam sind wir stark!“ – ist eine allgemein bekannte Floskel, die bereits begann in Vergessenheit zu geraten. In unserer konsumgetriebenen Gesellschaft drehte sich alles darum, noch mehr haben zu wollen, unabhängig davon, ob dringend notwendig oder absolut überflüssig. Ein Wertgegenstand oder Vermögen wurde, wenn überhaupt, meist nur an einen kleinen Personenkreis verliehen oder ihm zum Gebrauch überlassen, bis der Gedanke des Teilens immer weiter in den Mittelpunkt rückte. „Wir lernen zu teilen, noch bevor wir zu kaufen lernen“, so auch die Autorin der Studie Sharity: Die Zukunft des Teilens Karin Frick. Collaborative Economy nennt sich der Überbegriff, der immer stärker aufstrebenden Bewegung, bei der es darum geht, Häuser, Autos, Arbeitsräume und andere Wertgegenstände mit seinen Mitmenschen zu teilen. Hinter dem Oberbegriff verstecken sich verschiedene Geschäftskonzepte mit schön klingenden Namen, wie Crowdfunding, Crowdsourcing, Slacktivism oder Coworking. Ihnen allen zu Grunde liegt der Gedanke der gemeinsamen, zeitlich begrenzten Nutzung von Ressourcen, die nicht dauerhaft benötigt werden. Sich unter Verwandten, Freunden oder im Nachbarschaftskreis zu helfen, war und ist gang und gäbe. Aber auch das Teilen mit Fremden über Sharing-Dienste bietet sich besonders bei kostspieligen Wertgegenständen als tolle Alternative zum Kauf an, bei dem das Internet als positiver Garant mitwirkt. „Das Internet ermöglicht eine neue Kultur und Wirtschaft des Teilens, auch unter Fremden„, so Rohleder der Hauptgeschäftsführer des Digitalverbands Bitkom, welcher eine repräsentative Befragung zum Thema Sharing Economy in Auftrag gab. Der Erhebung zufolge haben 16 Prozent der Internetnutzer schon Gegenstände über einen Sharing-Dienst genutzt, wobei Werkzeuge sowie Sport- und Freizeitgeräte am gefragtesten waren. Von den Personen, die eine Alternative des Teilens bisher nicht genutzt haben, können sich fast 46 Prozent vorstellen, dies zukünftig zu tun.

Kein Hype sondern eine moderne Lebensphilosophie

Bei der modernen Lebensphilosophie geht es vor allem darum, verantwortungsbewusst mit eigenen und fremden Ressourcen unserer Umwelt und Mitmenschen umzugehen. Vor allem soziale Netzwerke leisten ihren Beitrag und tragen zur Förderung dieses Trends bei. Sie ermöglichen es virtuelle Gemeinschaften zu bilden und unabhängig von Raum und Zeit, Personen mit gleichen Interessen auf eine simple Art und Weise zusammenführen. Hinter dem Begriff Collaborative Economy, oft auch als Sharing Economy bezeichnet, steckt nicht ein, wie zu Beginn von so manchen vermuteter Hype, sondern eine immer stärker werdende Bewegung. Mehr und mehr Startup-Unternehmen sprießen aus dem Boden und entfalten ihre Ideen, die sich an einer nicht vom Konsum geleiteten Gesellschaft orientieren. Auch die EU-Kommission hat inzwischen erkannt, dass es keinen Sinn macht der Sharing Economy, gegen die sich zahlreiche Unternehmungen und ganze Staaten wehren, einen Riegel vorzuschieben und unterstützten die kollaborative Wirtschaft. „Die kollaborative Wirtschaft wächst schnell und ist bei den Verbrauchern beliebt, weil sie dort oft bessere und billigere Dienstleistungen finden„, sagte EU-Binnenmarktkommissarin Elzbieta Bienkowska. „Und sie wird nicht wieder verschwinden, egal, ob uns das gefällt oder nicht.“ Während es hierzulande nach wie vor Bestrebungen gibt, die gegen die Sharing-Economy-Entwicklung arbeiten, nennt sich die südkoreanische Hauptstadt Seoul offiziell „Sharing City„. Der Bürgermeister Park Won-soon leitete das Projekt „The Sharing City, Seoul“ bereits im Jahr 2012 ein, um wirtschaftliche, soziale und Umweltprobleme der Stadt den Kampf anzusagen und gegen Ressourcenverschwendungen vorzugehen.

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg

Not macht bekanntlich erfinderisch. Ebenso wie Geldmangel oder übertrieben hohe Preise für Dienstleistungen. So auch bei dem dänische Startup TrunkBird. Eine Plattform, die Menschen, die ihr Hab und Gut von A nach B transportiert haben wollen, mit Fahrern zusammenbringt, die den Weg ohnehin antreten. Aus einem eigenen Bedürfnis an einem solchen Service sowie der „Faszination an der Sharing Economy und dessen Geschäftsmodells heraus, bei dem sich Personen gegenseitig helfen und gleichzeitig ihre Kosten senken“ entstand das Startup. Vergleichbar ist das Konzept mit der Onlineplattform BlaBlaCar für Mitfahrgelegenheiten, nur das bei TrunkBird ein Warentransport erfolgt und nicht Personen mitfahren. Nach einem holprigen Start entwickelte sich die Geschäftsidee und zog Investoren an Land. Und erneut fügte sich ein Puzzleteil in das Bild der Sharing Economy, wie bereits zuvor bei Unternehmen wie dem Zimmervermittler Airbnb, Autovermieter und Transporterverleiher Drivy oder der Flugzentrale Wingly.

Der neue Zeitgeist: Bringt er Gefahren mit sich?

Der Wandel in der Gesellschaft kann zukünftig dazu führen, dass wenige Eigentümer, durch das miteinander teilen, vielen Besitzern gegenüber stehen. Kommt es dazu, werden vor allem Produktionsunternehmen ihre bisherigen Strategien überdenken müssen. Dieser neue Zeitgeist der Sharing Economy soll zwar kurzfristig einen positiven Effekt erzielen, jedoch wird langfristig gesehen befürchtet, dass diese Unausgewogenheit von Eigentum und Besitz zu einer zentralisierten Besitzgesellschaft führt. Dabei stellt sich die Frage, ob es in der hochmodernen, schnelllebigen und zum Teil von Egoismus getriebenen Gesellschaft es wirklich verkehrt ist, näher aneinander zu rücken und Werte miteinander zu teilen. Außer Frage steht jedoch, dass sich ein deutliches Spannungsfeld zwischen den neuen und traditionellen Geschäftsfeldern aufgebaut hat.


Image (adapted) „Life is Sharing“ by Alan Levine (CC BY 2.0)


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Willkommen in der musikalischen Zeitmaschine: Das Radiogefühl unserer Kindheit ist zurück

Vielleicht ist dieses Erlebnis an den Millenials vorbeigegangen, aber ältere Semester dürften diese Erinnerung mit einem nostalgischen Gefühl verbinden: Endlose Stunden im Auto, meist auf dem Rücksitz und auf einer Fahrt in den weit entfernten Urlaub, die Eltern vorn nicht nur am Lenkrad, Gas und Bremse, sondern auch am Autoradio-Knopf – und irgendwann wurden die lokalen Radiosender durchprobiert.

Meistens hat das eine ganze Weile gedauert, bis man etwas gefunden hat, auf das sich alle einigen konnten, denn man kam auf der Suche an einer Menge Ungeliebtem vorbei – von urigen Blasmusiksendern über langweilige Dudelfunk-Gewinnspielsendungen bis hin zu ellenlangen Wortbeiträgen in fremder Sprache. Denn: Nicht immer gab es den Komfort der Auswahl zwischen verschiedenen, sorgfältig zusammengestellten Playlists oder Streams wie heutzutage.

Was vor einigen Jahren wie eine Erlösung vom lokalen Radiodiktat erschien, könnte jetzt aber wieder Trend werden. Eine Homepage stellt sich als mutiger Einzelkämpfer gegen die glattgebügelten, immergleichen, werbefinanzierten und allzeit verfügbaren Streams und gibt sich unberechenbar. Das Projekt radiooooo.com (geschrieben mit mindestens fünf und höchstens etwa 25 „O“) gibt dem Nutzer das unwiederholbare Erlebnis zurück, das es früher nur im Analogradio gab: Sich in Geduld zu üben und einen Song tatsächlich bis zum Ende anzuhören.

Back for Good: Das Radio, das man nicht vorspulen kann

Im Gegensatz zu randomisierten Streaming-Angeboten wie Spotify, Deezer oder den auf Empfehlungen basierenden YouTube-Playlisten, die andere Nutzer erstellt haben, definiert sich radiooooo.com durch seine Zufälligkeit und Unwiederholbarkeit. Eine Pause-Taste gibt es nicht, einen Zurück- oder Vorspul-Button sucht man ebenso vergeblich. Die einzige Auswahlmöglichkeit, die die Hörer haben, besteht darin, dass ungefähre Jahrzehnt und das Land, in das man musikalisch und gedanklich reisen möchte, auszuwählen – die Urlaubs-Assoziation und die Neugierde auf fremde Kulturen und Szenen muss also durchaus gegeben sein. Eine liebevoll gezeichnete Landkarte, auf der man sich zwecks Länderauswahl bewegt, hilft beim Navigieren.

In der Songauswahl kann der Nutzer die etwas ungenaue, aber deshalb nicht unspannende Auswahl zwischen den verschlagworteten Stilrichtungen „Slow“, „Fast“ und „Weird“ treffen. Zusätzlich gibt es noch einen „Taxi-Modus“, der den Hörern an mehrere Ziele bringt und eine Art Playlist erlaubt. Jeder Song, auch die Taxi-Strecke, kann natürlich auf sämtlichen sozialen Netzwerken geteilt und geliked werden – und so hoffentlich noch mehr Inspirationen hereinbringen. Außerdem erlaubt ein Link zum iTunes-Store, die Neuentdeckungen direkt zu kaufen.

Screenshot Homepage (Image via radiooooo.com)

Die Zeitspanne des musikalischen Repertoires umfasst etwa die letzten 100 Jahre – wer immer schon einmal wissen wollte, wie sich chinesische Volksmusik der 30er Jahre, russische Schmusehits der 70er oder echte Merkwürdigkeiten aus Ländern, die man musikalisch sonst eher nicht auf dem Schirm hat (hier sei nur die Antarktis, eine geheimnisvolle Insel namens „Lazy Island“ oder die verheißungsvolle „Party Island“ genannt), anhören möchte, sollte sich hier ausführlicher umschauen.

Mit Crowdfunding zum Radioprojekt

Entstanden ist diese Idee, wie sollte es auch anders sein, beim Autofahren. Benjamin Moreau, ein junger französischer DJ, wollte laut Gründungslegende den Oldtimer-Sportwagen seines Vaters testen – natürlich inklusive laut aufgedrehter Soundanlage. Als er das Autoradio anstellte, machten die kommerziellen Sender ihm aber einen Strich durch die Rechnung: stampfende Beats und verzerrte Autotune-Gesänge wollten so gar nicht zu den edlen Ledersitzen und dem mondänen Fahrgefühl passen.

Natürlich hätte sich Moreau auch einfach einen x-beliebigen YouTube-Stream suchen und auf das Beste hoffen können, doch die Algorithmen sind oft genug enttäuschend oder allzu vorhersagbar – jeder, der sich schon einmal im Laufe eines Abends im YouTube-Dschungel verirrt hat, kann das sicherlich bestätigen. Als DJ verfügte Moreau nicht nur über eine riesige Plattensammlung und jede Menge Unterstützer, sondern wusste auch, wie mühsam es sein konnte, sich seine Songs und Versionen zusammenzusuchen: „Das Internet sorgt dafür, dass man fast alles finden kann. Man muss aber wissen, wo man suchen muss.“ Ein eigenes Projekt musste also her.

Als die Idee der „musikalischen Zeitmaschine“ genug gereift war, wandte man sich an eine Crowdfunding-Plattform. Der Ansatz passte perfekt: Die Community sollte von vorn herein eingebunden werden, zunächst finanziell, später auch mit Inhalten. Die Idee hat sich auch auf die fertige Seite übertragen: Die Nutzer der Seite können in die Community eintreten und Songs aus ihrem Fundus aus allen Epochen hinzufügen, um zu diesem auditiven, weltumspannenden Puzzle etwas beitragen zu können – völlig ohne Algorithmen.

DJs und Musikliebhaber: Das Team von radiooooo.com (Image via radiooooo.com)
DJs und Musikliebhaber: Das Team von radiooooo.com (Image via radiooooo.com)

Die Urheberrechtsfrage wird umgedreht

Die komplizierte Frage nach dem Urheberrecht hat sich natürlich auch bei diesem Projekt gestellt. Die Betreiber operieren hier erfreulicherweise sehr offen: Jeder Song, den ein Nutzer hochlädt, wird zunächst vor der Freigabe von einem Urheberrechtsexperten geprüft. Im Anschluss wird das entsprechende Label angefragt, ob man deren Inhalte nutzen darf, und erst dann findet er Eingang in die Songdatenbank. Auf diese Weise kann eine Fehlermeldung umgangen werden und kein Nutzer muss juristische Konsequenzen fürchten.

In Fragen der Usability muss dem Entwicklerteam hier definitiv ein großes Lob ausgesprochen werden. Auch sollen vorrangig lokale Künstler und die Kulturszene gefördert werden – kommerzielle Hits wird man hier also, abgesehen von dem ohnehin beabsichtigten Zufallsprinzip, eher selten vorfinden.

Die Datenbank muss wachsen

Während dieser Beitrag entstanden ist, versuchte die Autorin, einen möglichst diversen Eindruck der Seite zu bekommen. Hierbei tat sich jedoch ein hausgemachtes Problem auf: je abseitiger und genauer die Angaben wurden, desto geringer war natürlich die Songauswahl – aserbaidschanische Musik aus den Zwanzigern hat schließlich nicht jeder auf der Festplatte. Leider ergibt sich hier irgendwann eine gewisse Wiederholung. Doch dieser kann jeder Nutzer entgegenwirken, in dem er selbst teilnimmt und Songs aus seinem Fundus hinzufügt. Einen Effekt hat die Seite auf jeden Fall bewirkt: sie will neugierig machen auf andere Epochen und Kulturen – mit Erfolg!

Mit der Aussage, von nun an müsse man „nie mehr in der Mittelmäßigkeit des Internets herumkramen“, haben sich die Entwickler sicherlich ein hehres Ziel gesetzt – doch diese Herausforderung, seine musikalischen Schätze mit der Welt zu teilen, nimmt sicherlich jeder Musikliebhaber gerne an.


Images by radiooooo.com


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me

  • TECH-FESTIVAL gruenderszene: Tech Open Air bekommt erste Finanzierung und expandiert: Das Berliner Tech Festival „Tech Open Air“ möchte expandieren und hat direkt Investoren für diesen Plan gefunden. SoundCloud, Zalando und Native Instruments sollen überzeugt worden sein. Die Veranstalter möchten das Festival über den Atlantik bringen. Ein Ziel ist die kalifornische Stadt Los Angeles. Das Festival startete 2012 zum ersten mal und wurde die erste Konferenz der Startupbranche. Finanziert wurde das Projekt jedes Jahr durch Crowdfunding. Technologie, Kunst, Musik und Wissenschaft sollten die Themenbereiche des Festivals sein. Neben Los Angeles gaben die Veranstalter bekannt, dass man jedes Jahr auch einen exotischen Ort ansteuern wolle.

  • GOOGLE thenextweb: Google-funded $300 million 60Tbps trans-pacific cable goes live tomorrow: Vor einem Jahr kündigte Google Projekt an, das Japan und die USA verbinden werde. 300 Millionen Dollar steckte Google in dieses Projekt. Es handelt sich um eine Verbindung aus Fiberglas-Kabeln, die eine Geschwindigkeit von 60 Tps bringen sollen. Neben Google haben fünf andere Unternehmen an dem Projekt mitgearbeitet. Die Kabelverbindung soll vor allem Großstädten helfen mit der enormen Datenmenge, die dort unterwegs ist fertig zu werden. Auf amerikanischer Seite sollen Los Angeles, Seattle, Portland und die San Francisco Bay Area von dem Projekt profitieren.

  • CHATBOT t3n: Falschparker, aufgepasst! Dieser Chatbot geht für euch gegen Strafzettel vor: Auch schon einmal einen Strafzettel wegen Falschparkens zu Unrecht bekommen? In London hat ein 19-jährige Joshua Browder jetzt einen sogenannten Chatbot programmiert, um Strafzettel anzufechten – mit Erfolg! Bereits 150.000 Nutzer sollen in London umgerechnet vier Millionen Euro an Strafgeldern gespart haben. Wie das funktioniert? Die Website DoNotPay bietet die Möglichkeit der Eingabe der (angeblichen) Falschpark-Situation und ermittelt mithilfe eines Algorithmus individuell, ob die Strafe berechtigt ist oder nicht.

  • PINTEREST heise: Pinterest verstärkt Fokus auf Online-Handel : Durch die Etablierung eines plattformübergreifenden Warenkorbs für den US-amerikanischen Markt will Pinterest sich im Online-Shopping noch weiter ausbauen und seine Präsenz verstärken. Bei der Suche nach Ideen und Artikel für die Einrichtung oder Mode können diese, auch wenn es sich um verschiedene Anbieter handelt, im Warenkorb abgelegt werden. Die bisherigen Kaufen-Buttons, die Händler den Artikeln hinzufügen können, werden somit erweitert und so soll ein besseres Kauferlebnis gewährleistet werden. In Deutschland steht der Dienst jedoch noch nicht zur Verfügung.

  • APPS mashable: The app that matches surplus food with the hungry: Viele Unternehmen werfen unfassbare Mengen an Lebensmittel weg, die am Ende des Tages nicht gegessen wurde. Anstatt das Essen containerweise vergammeln zu lassen, will eine App nun das übrig gebliebene Essen von Unternehmen über ein Nachfrageportal an Institutionen vermitteln, die Essen für Hungernde bereitstellen. Die App nennt sich „Copia“ und will ein Bewusstsein dafür schaffen, zu überlegen wie verschwenderisch wir mit Lebensmitteln umgehen, während andere hungern.

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Business as usual? Wieso wir Crowdfunding in die Gesellschaft bringen müssen

Ants (Image by culturalibre [CC0 Public Domain], via Pixabay

Rainald Grebe hatte Recht: es gibt kaum eine Küchenparty, in der nicht jemand von seinem neuen Business-Projekt spricht. Und wieso auch nicht? Mit dem Siegeszug des Internet ist eine Firmengründung, auch wenn man kein Großindustrieller ist, nicht mehr so exotisch – und doch ernten die Gründer häufig kritische Blicke. Die typischen Gründerfragen („Was soll das?“ „Wer kauft das?“ „Brauchen wir das überhaupt?“) sind daher meist schon im Schlaf und durch jahrelange Fragerunden von Bekannten und Verwandten erprobt und werden meist ebenso beflissen heruntergebetet. Metropolen wie Berlin gelten hierbei als hoffnungsvolles Pflaster, in denen sich noch viel bewegen kann und wird. Die Umsetzung der Projekte ist heute um vieles erleichtert, immer mehr Gründer setzen hierbei auf Crowdfunding oder Crowdinvesting als Finanzierungsmodell.

Eine Frage der Nachhaltigkeit

Im Mittelpunkt der Gründeridee steht vor allem der Gedanke der Nachhaltigkeit. Der Begriff stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft und ist auch ebenso zu verstehen, frei nach dem Motto ‚Fälle nie mehr Bäume, als du pflanzen kannst, sonst ist eines Tages der Wald nicht mehr da.‘ Dieser Gedanke lässt sich recht direkt auf die Startup-Szene übertragen: die Regenerationsfähigkeit eines Unternehmens muss bewahrt bleiben, so dass es sich schnellstmöglich selbst tragen kann.

Beispiele für diese selbsttragende Geschäftsideen im Gegensatz zum klassischen Raubtierkapitalismus gibt es viele, und die Crowdfunding-Plattformen gelten hier als hoffnungsvolle Innovation: das Projekt wird im Netz auf entsprechenden Plattformen vorgestellt, dann wird die Idee in die Welt hinausgetragen. Denn das Wichtigste ist hier bereits enthalten: eine innovative Idee und ein stimmiges Marketing, das man sich an anderer Stelle erst hätte teuer erkaufen müssen. Das Besondere: Es wird mithilfe der Crowd entwickelt, wohin es mit dem Produkt gehen soll. So haben auch Nischenprodukte und kleine Projekte eine Chance.

Diese Idee ist so nicht nur deutlich kundenfreundlicher, sondern sorgt auch dafür, dass nur produziert wird, was auch wirklich gebraucht wird: „Jede Crowdfundingkampagne ist daher zugleich eine Kommunikationskampagne, der Kunde wird direkt angesprochen und mitgenommen„, meint Markus Sauerhammer von der Crowdfunding-Plattform Startnext. Und die Finanzierung ist transparent: Man legt einen bestimmten Finanzierungsrahmen fest, mithilfe dessen das Projekt verwirklicht werden kann.

Ist die Crowd schließlich überzeugt, stehen die Chancen gut, dass man genug Geld zusammenbekommt und sein Vorhaben verwirklichen kann. Ist sie es nicht, ist das Scheitern nicht so schlimm: Immerhin hat man keinen Kredit aufgenommen, den man jahrelang mühsam zurückzahlen muss. Doch damit ist es nicht getan.

Die Idee ist nicht das Problem

Dieser Gründergeist herrschte auch beim Fachgespräch zum Thema Gründungsfinanzierung für nachhaltige und soziale Startups, das die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen am 3. Juni 2016 im Bundestag ausgerichtet hatten. Neben bekannten Projekten wie der Crowdfunding-Plattform Startnext, die unter Anderem den innovativen Supermarkt „Original Unverpackt“ ermöglicht haben, haben sich auch Gründer in verschiedenen Stadien sowie Finanzexperten eingefunden. Es soll über die wahrscheinlich schwierigste Frage referiert werden: einen stimmigen Businessplan. Denn daran scheitern die meisten Startups.

 Image by Bündnis 90/Die Grünen

Zu Gast war unter anderem auch Dirk Kannacher, Generalbevollmächtigter der Gemeinschaftsbank Leihen und Schenken (GLS). Kannacher sieht zuerst einmal ein ernsthaftes Problem in der Blauäugigkeit der Kunden:

Es ist leider oft so, dass mir der ein oder andere Finanzplan vorgelegt wird, den man einem Banker nicht vorlegen sollte, weil der nicht aufgeht oder die Stärke nicht bei der Erstellung des Finanzplanes liegt. Wenn ich den Plan beurteilen muss und da über Jahre nur Minus steht, dann frage ich dann auch mal nach. Die meisten sagen dann ‚Ja, das wird schon‘. Und ein ‚Das wird schon‘ ist dann doch relevant für mich.

Die GLS-Bank kommt neben der Bremer Aufbaubank mit ihren sozialökologischen Grundsätzen dem Gedanken des nachhaltigen Startup-Gründen recht nahe und unterstützt so den Gemeinschaftsgedanken. Kannacher spricht sich daher auch deutlich für die Idee des Crowdfunding aus: „Ich glaube, dass es noch weitere, neuere und vielleicht auch besser plazierte Instrumente geben muss, um dieses endlose Geld oder diese Unmengen von Kapital, die ja da sind, einfach da hin zu bringen. Und wir versuchen, diese Wege anzubieten.

Die Gesellschaft überzeugen

So einfach und schlüssig sich das Prinzip des Crowdfunding anhört, umso schwieriger ist es jedoch in Deutschland durchzusetzen: Nur ein Bruchteil der Deutschen haben überhaupt je von Crowdfunding gehört, ein noch geringerer Teil kann sich vorstellen, bei einer solchen Finanzierung mitzuwirken. Der Erfolgsquote der Projekte beträgt im ersten Quartal 2016 etwa 51 Prozent. Die Investoren finanzieren derzeit weniger Projekte als in den Jahren zuvor, dafür sind diese aber höher angesetzt. Die Furcht vor dem Scheitern ist offensichtlich. Kannacher wundert sich:

Ich glaube schon, dass die Instrumente da sind. Die Frage ist, warum sie noch nicht gesellschaftlich akzeptiert werden. Das ist doch aber eine Mentalitätsfrage: Wo sind wir denn bereit, Risiken einzugehen?

Für die Unternehmer ist diese Haltung ein echtes Problem: nicht nur beteiligen sich immer die gleichen Menschen an Nischenprojekten, auch die Finanzierungsethik wird durch diese Praxis nicht verändert. Denn das ursprüngliche Gründerproblem bleibt bestehen: der deutscher Mittelstand ist langfristig gewachsen, in vielen Businessmagazinen hört man deutliche Skepsis heraus. Die Deutschen scheinen lieber in sichere Finanzanlagen zu investieren, außerdem möchte man vielerorts eine deutsche Innovation hervorbringen. Die Frage, wie sinnvoll ein noch weiter zerplittertes System hier sein soll, bleibt jedoch auch hier offen – und die Gründer auf der Strecke.

Wagniskapital ist zum Wagen da

Auch politisch kann hier noch einiges verbessert werden. Der sogenannte Gründungszuschuss, den man als Unternehmer beantragen konnte, war bis vor wenigen Jahren eine gesetzliche Pflichtleistung und sorgte dafür, dass Gründer ihre ersten Schritte mit einem neuen Unternehmen wagen konnten. Nach dem Scheitern der Ich-AGs wurde diese Pflichtleistung jedoch gestrichen und in eine „Ermessensleistung“ umgewandelt. Im Klartext: jemand fach- und branchenfremdes entscheidet über die Zukunft der Geschäftsidee, die, sollte sie durchgehen, danach von jemandem ausgeführt wird, dessen Branche gerade stirbt. Sauerhammer ärgert sich:

Das wäre grade so, als würden wir Bauern Geld für neue Ställe geben, aber Leuten, die neue Märkte schaffen wollen, geben wir nichts. Ist sowas gründerfreundlich? Nein, das ist verrückt. Wir müssen zusehen, dass zukunftsorientierte Gründungen gefördert werden dürfen.

Nicht nur die Digitalisierung, auch die Gesetzgebung und der Finanzsektor scheint in Deutschland wenig zukunftorientiert. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis man auch hier erkennt, dass man sich mit derlei Einschränkungen ein Bein im Wirtschaftssektor gestellt hat. Kleinere Unternehmen haben hier eine zukunftsorientiertere Idee entwickelt, hier längerfristig und mithilfe der Gemeinschaft zu bestehen. Was nun noch fehlt, fasst Kannacher schlüssig zusammen: „Wenn wir heut die Welt drehen wollen, müssen wir auch das Risiko wieder eingehen. Wir brauchen eine neue Mentalität.


Image by Bündnis 90/Die Grünen
Titelbild: Image „Ants“ by culturalibre [CC0 Public Domain]


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Crowdfunding muss dringlich wirken! Vier Lehren aus einer spannenden Kampagne

Nur einmal ganz mal kurz zum Dampf-Ablassen: Himmel, war das viel Arbeit! Und wie schade und verhext, dass wir die Zielsumme unserer Crowdfunding Kampagne für ein neues Berlin-Musical nicht erreicht haben! Wir hatten in den letzten Wochen über unsere Erfahrungen mit dem schönen Off-Theater-Projekt berichtet. Hier nun abschließend unsere persönlichen Learnings, die wir an alle diejenigen weitergeben, die ebenfalls mit Crowdfunding ihr Glück versuchen wollen:

1. CROWDFUNDING PRAKTIZIERT IN DEUTSCHLAND KAUM EINER

Jeder der schon eine Crowdfunding Kampagne gemacht hat, wird den Stoßseufzer auf den Lippen haben, wie viel Arbeit es macht, private Geldgeber für das Herzensprojekt zu aktivieren. Phasenweise ein Fulltime-Job! Vor allem dann, wenn es über ein reines Friends & Family-Projekt hinausgeht und man wildfremde Menschen zum Geldgeben überzeugen will. Im Falle des Off-Theater-Projekts Berlin Non Stop haben annähernd 100 freundliche und spendable Leute mit ihrem Ticket-Vorkauf den Traum vom neuen Berlin-Musical unterstützt. Darüber freuen wir uns natürlich – vor allem auch, weil wir jeden von ihnen persönlich kennen! Und genau darin liegt leider auch das Problem: Wir haben es trotz permanenter Social Media-Arbeit, trotz guter Presseresonanz, trotz Radio, trotz Plakaten und Flyern nicht geschafft, größere Kreise von Supportern zu aktivieren. – Und was haben wir uns den Mund fusselig geredet um zu erklären, wie man praktisch teilnehmen kann, was man als Gegenwert für sein Geld bekommt und dass Crowdfunding-Beiträge nur fällig werden, wenn die Zielsumme tatsächlich zusammenkommt. In Deutschland ist Crowdfunding ganz offensichtlich noch überhaupt keine weit verbreitete Kulturtechnik mit der Konsumenten sich an Produkten oder Produktionen beteiligen. Allen zukünftigen Crowdfundern empfehlen wir: Rechnet damit, dass ihr euren Familien, Freunden und Bekannten tüchtig nachhelfen müsst, bis sie tatsächlich ihren zugesagten Beitrag zahlen.

2. CROWDFUNDING-PLATTFORMEN SIND IN ERSTER LINIE TECHNISCHE PLATTFORMEN

Wir haben mit startnext wirklich angenehm zusammengearbeitet. Wir wurden beraten, betreut und mit Media-Leistungen unterstützt (Teaser, Newsletter, Interview, Social Media-Postings). Hatten wir die stille Hoffnung, dass auch aus der Crowdfunding-Community schöne Geldbeträge kämen, wurden wir enttäuscht. Ob es der Stoff war, der zu wenig Interesse weckte oder der fehlende „Gründer-Spirit“ unserer Kampagne, können wir nur raten. Allen zukünftigen Crowdfundern empfehlen wir: Erwartet nicht zuviel von der Plattform eurer Wahl. Es mag Einzelfälle geben, bei denen ein Projekt spektakulär durch die Fans der Plattform zum Fliegen gebracht wurde, aber rechnen sollte man mit diesen Mythen besser nicht.

3. BRANDS, FIRMEN UND KONZERNE INTERESSIEREN SICH NICHT SONDERLICH FÜR CROWDFUNDING

Unsere Ziel-Summe wurde in erster Linie mit Ticketverkäufen an Einzelpersonen kalkuliert. Zusätzlich standen hochdotierte Extra-Pakete bereit, die sich an Firmen richteten. Hierbei haben wir ganz klar unterschätzt, wie viel Zeit es in Anspruch nimmt, bis Unternehmen sich zu solchen Entscheidungen durchringen. Alles in allem erlebten wir eher Desinteresse an der Finanzierungsform. Allen zukünftigen Crowdfundern empfehlen wir: Solltet ihr Zugang zu Firmen haben, die euer Projekt unterstützen, solltet ihr sie bereits zum Start der Kampagne kooperationsbereit wissen.

4. EINE CROWDFUNDING-KAMPAGNE MUSS DRINGLICHKEIT AUSSTRAHLEN

Für Thomas war die Crowdfunding Kampagne ein Experiment, ob man auf diese Weise kleine und mittelgroße Off-Theater-Produktionen finanzieren könnte. Ihm bescherte der Ausgang dieser Aktion einen klare Absage. Vielleicht kam Berlin Non Stop zu wenig mittellos daher und keiner glaubte uns so recht, dass dieses gut aussehende, gut klingende, prominente Vorhaben tatsächlich die Unterstützung durch Crowdfunding braucht. Deshalb unser letzter und wichtigster Tipp an alle zukünftigen Crowdfunder: Macht eure Aktion dringlich! Erklärt allen Unterstützern aus eurem direkten Umfeld, dass die Dynamik der ersten Tage wichtig ist. Verpflichtet sie zu schneller Teilnahme und aktiver Weiterverbreitung an ihre Freunde und Bekannte. Dieser Effekt bringt die Kampagne in Schwung.

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Crowdfunding ist kein Glücksspiel – 9 Tipps aus erster Hand

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Vor zwei Wochen haben wir zum ersten Mal von unseren Erfahrungen bei der Begleitung des großen Crowdfunding Projekts von Entertainer und Showmacher Thomas Hermanns berichtet. Jetzt stecken wir mitten in der laufenden Kampagne. Wer den Artikel über die 5 Tipps zur Vor-Phase bereits gelesen hat, springt am besten zu unseren neuesten Tipps aus den ersten zwei Kampagnenwochen: JUMP

Alle anderen Leser bitte hier weiter im Text:

Zum Hintergrund: Thomas Hermanns will im Herbst ein modernes, mehrsprachiges, wildes Berlin-Musical auf die Bühne bringen. Buch und Musik sind schon vorhanden und mit einer Starbesetzung für den ganz großen Erfolg vorbereitet. Der Stoff soll es allerdings bewusst als Off-Theaterproduktion nach oben schaffen. Das soll mit einer Finanzierung durch Crowdfunding gelingen.

Die Netzpiloten sind Partner dieses schönen Projekts. Ehrensache für uns, da Thomas ein Netzpilot der ersten Stunde ist. Und lehrreich ist es obendrein. Wir werden in den kommenden fünf Wochen in einer kleinen Serie unsere Erfahrungen mit dem Crowdfunding-Projekt hier weitergeben.

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Wir haben Thomas (mit fachlicher Unterstützung von Wolfgang Gumpelmaier) das Crowdfunding-Modell ausführlich empfohlen. Die Verbindung aus Theater und Netz ist für uns Onliner total sinnvoll. Die Unterstützer sind von Anfang an in die Produktion involviert und sitzen im Erfolgsfall stolz in den ersten Vorstellungen. Die Darsteller und Macher ihrerseits haben im Erfolgsfall ein Publikum vor sich sitzen, das die Geburt der Show maßgeblich möglich gemacht hat und ihr vom Start weg nur das Beste wünscht.

Seit Herbst 2015 arbeiten wir Netzpiloten mit Thomas an dem Projekt. Hier ein paar Learnings aus der Phase vor dem Start:

  • Nehmt Euch Zeit zur Vorbereitung!
    Allen Schritten (die Story, die Argumentation, die Zielgruppe, der Kommunikationsplan) gehen viele Diskussionen und Recherchen voraus. Idealerweise begreift ihr die bevorstehende Kampagne nicht nur als reine Geldsammelaktion, sondern auch als eine Phase intensiven Marketings und Netzwerkens für euer Produkt. Spezifisch für Berlin Non Stop galt es, herauszuarbeiten, warum ein erfahrender Produzent wie Thomas innovativ auf diesem Wege sein Geld für ein Theaterprojekt einsammelt. Es war also wichtig, den Off-Theater-Aspekt zu erklären. Wenn das Projekt gelingt, wird es vielen kleinen und mittelgroßen Theaterproduktionen Mut machen zu dieser Art der Finanzierung.
  • Sprecht mit eurer Crowdfunding-Plattform!
    Je nachdem, was ihr finanzieren wollt, bieten euch die am Markt befindlichen Anbieter unterschiedliche Stärken. Recherchiert, welches inhaltliche Umfeld, welche Reichweiten, welche Zahlungsmittel für euer Projekt wichtig sind. Auf alle Fälle sucht das persönliche Gespräch und profitiert von wertvollen Tipps und Tricks! Spezifisch für Berlin Non Stop haben wir uns für startnext entschieden, da sie einen klaren kulturellen Schwerpunkt haben (sie fördern viel Musik- und Theaterprojekte). Außerdem sind sie nach Jahren im deutschsprachigen Markt sehr erfahren mit den hiesigen Gewohnheiten (insbesondere Zahlungsmitteln). – Und auch nicht unwichtig: sind sie alle sehr nett und hilfsbereit!
  • Denkt euch gute Dankeschöns aus!
    Kaum zu glauben, wie viel Zeit man damit verbringt, an dieser Liste der Gegenwerte zu arbeiten. Hat man alles bedacht bei der Kalkulation? Auch die Steuer, die womöglich noch obendrauf kommt? Auch die Prozente für Plattform? Was sind attraktive Gegenwerte für den finanziellen Support? Fragt bei euren Freunden und Bekannten herum, welches Dankeschön sie sich wünschen. Spezifisch bei Berlin Non Stop war es einerseits aufwändig, die bevorstehende Theaterproduktion realistisch zu kalkulieren – andererseits taten wir uns mit den Dankeschöns nicht schwer, weil die Aktion quasi ein Kartenvorverkauf ist. Was Thomas besonders daran gefiel, ist der klare Deal, der nichts mit Spenden-Bittstellerei zu tun hat, sondern bestensfalls ein hochinvolviertes Publikum in die Show bringt.
  • Bereitet euren Kommunikationsplan vor!
    Ohne Frage wird die heiße Phase der Kampagnenzeit jede Menge Ideen und Kontaktarbeit in Gang setzen. Trotzdem beruhigt es ungemein, wenn man vorher zum Beispiel die wichtigen Keyaccounts seiner Zielgruppe in Facebook, Twitter und Instagram recherchiert hat. Wenn möglich, kontaktiert die Accounts und bittet die Inhaber um Verbreitungshilfe. Spezifisch bei Berlin Non Stop haben wir als Zielgruppen adressiert:  die Musical-Fans (hauptsächlich zu erreichen über die Facebook-Aktivitäten der großen Stars), die LGBT-Community (ebenfalls bei Facebook zu finden) sowie alles rund um das Berliner Stadtleben und den Tourismus (hier ist Twitter durchaus ein guter Kanal).
  • Macht eine Kick Off-Veranstaltung!
    Wir können allen Crowdfunder nur empfehlen, wenn möglich eine kleine Veranstaltung zum Start zu machen, auf der ihr eure Idee und die Mitwirkenden vorstellt. Das macht die digitale Sache greifbarer – und außerdem muss Crowdfunding immer noch und immer wieder erklärt werden (viele denken, es seien Spenden, die auch dann flöten gehen, wenn das Projekt nicht zustande kommt – dem ist nicht so). Also, sammelt Freunde, Familie und Mitstreiter um euch und tretet die Aktion mit einem netten Abend los. Spezifisch bei Berlin Non Stop haben wir mit Thomas etwa 100 Leute in den Quatsch Comedy Club eingeladen (Pressevertreter, Partner und Freunde). Auf der Bühne gab es eine knackige Vorstellung der Idee, der Dankeschöns und des Kampagnenvideos, außerdem kurze Interviews mit zwei Musical-Experten und ein kurzes Interview mit dem startnext-Gründer Denis Bartelt. („Crowdfunding-Supports sind keine Spenden! Man erhält einen Gegenwert und zahlt nichts, wenn das Projekt nicht zustande kommt.“). Die Krönung des Abends war die Live-Performance von drei Sängern und einem Pianisten. Die Gäste gingen mit einem starken Eindruck von der zukünftigen Show nach Hause und viele von ihnen sahen wir auf tags darauf auf der Unterstützer-Liste wieder.

Und hier ein paar Learnings aus den ersten beiden Kampagnen-Wochen:

  • Trommelt was das Zeug hält!
    Sobald der Startschuss der Kampagne gefallen ist, gibt es nur noch ein Thema für euch, in allen Gesprächen: Eure Crowdfunding-Kampagne! Habt ihr gedacht, dass es schon bis hierhin viel Arbeit war, dann macht euch auf weitere Anstrengungen gefasst. Jetzt beginnen Wochen der unablässigen Kommunikation, des Erklärens und des Insistierens, euer Umfeld zum Support zu bewegen ohne dabei alle um euch herum komplett zu nerven. Spezifisch bei Berlin Non Stop hat die Presse in Berlin sehr ausführlich und unterstützend das Projekt vorgestellt (hier die Presseschau). Das hilft enorm als Feedback, dass die Aktion interessant, innovativ und unterstützenswert ist!  Unsere tägliche Kommunikationsarbeit spielt sich hauptsächlich auf Facebook ab, wo wir die meisten Musical-Fans identifiziert hatten. Auf der Kickoff-Veranstaltung hatten wir reichlich Interviews und Fotos produziert, die wir entlang eines Kommunikationsplans täglich auf Facebook, dem Startnext-Blog, auf Twitter und auf Instagram veröffentlichen. Zusätzlich gibt es wohldosierte Emails an die Supporter und Fans und wir nehmen jede Gelegenheit wahr, auf Veranstaltungen und Partys unsere Sache zum Gespräch zu machen.
  • Starrt nicht unablässig auf den Funding-Zähler!
    Die Versuchung ist groß, dass ihr unmittelbar nach dem Start x-Mal am Tag die crowdfunding-Seite neu ladet um den Geldzähler nach oben klettern zu sehen. Macht euch nicht verrückt damit! Eure crowdfunding Plattform ist kein Glückspielautomat. Vor allem am Anfang werden es erstmal Familie, Freunde und Bekannte sein, über deren Unterstützung ihr euch freut.  Spezifisch bei Berlin Non Stop haben wir zudem schnell kapiert, dass nur ein geringer Teil der angesprochenen Zielgruppen tatsächlich mit Crowdfunding vertraut war. Viele Freunde und Bekannte waren sehr intessiert daran, über uns dieses Thema kennen zu lernen. Aber bis sie tatsächlich Zeit dafür fanden, sich damit zu beschäftigen, dauert zum Teil bis heute an. Wir (versuchen!) nur 3 Mal am Tag auf den Zähler zu starren ;)
  • Lernt euer Mantra: Crowdfunding ist keine Spendenaktion!
    Das wird euch ständig begegnen: die meisten Leute sehen ihren crowdfunding Beitrag als Spende an. Das mag mit dem Aspekt der Solidarität zusammenhängen, der jeder crowdfunding Kampagne natürlich innewohnt. Es gibt aber einen großen Unterschied zur herkömmlichen Charity-Aktion: Das eingesetzte Geld ist nicht in jedem Fall ausgegeben. Nur wenn das Finanzeirungsziel erreicht ist, wird der Betrag fällig. Das gilt es immer wieder klar zu machen.  Spezifisch bei Berlin Non Stop hatten wir darauf geachtet, dass die Kampagne eigentlich wie ein Kartenvorverkauf funktioniert. Die Unterstützer erhalten etwas Tolles für ihr Vertrauen in unsere Aktion. Wenn wir ausreichend viel Publikum interessieren können, ein Ticket für eine Show zu kaufen, die es noch gar nicht gibt, dann kann das Stück gespielt werden. Wenn es nicht klappt, dann haben wir Macher alle immens viel Arbeit investiert, haben viel gelernt – aber die Unterstützer haben natürlich keinen cent verloren.
  • Steuert eure Aufmerksamkeit gezielt über den eigenen Bekanntenkreis hinaus!
    Wenn die erste Freude verflogen ist, dass eure engen Freunde und Bekannte allesamt in der Unterstützerliste mit aufgetaucht sind, sollte eure Anstrengung systematisch auf Supporter gerichtet werden, die ihr noch nicht persönlich kennt. Insbesondere wenn ihr einen größeren Geldbetrag sucht. Spezifisch bei Berlin Non Stop haben wir Social Media-aktive Schlüsselpersonen aus den Bereichen Musical, LGBT, Berlin-Tourismus kontaktiert und um Unterstützung gebeten. Damit das Tweeten und Posten auch für Vielbeschäftigte so einfach wie möglich wird, erhielten sie konkrete Textvorschläge, inklusive Hashtags und Bilder, so dass sie bequem per copy & paste helfen konnten.

Die nächsten Tipps aus unseren Erfahrungen erscheinen demnächst

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Können Mikrozahlungen Nachrichtenagenturen helfen?

Headlines... (adapted) (Image by Thomas Leuthard [CC BY 2.0] via flickr)

Es gab einmal eine Zeit, in der der Unterschied zwischen einem wenig angebotenen, aber oft nachgefragten Gut, nämlich rechtzeitige und verlässliche Nachrichten, enorme Einkünfte für die Nachrichtenverlage einbrachte. Aber in den vergangenen etwa 15 Jahren hat die digitale, soziale und mobile Revolution diesen Unterschied zunichte gemacht.

Als Antwort darauf suchen die Verlage nach neuen Einkommensströmen. Besondere Aufmerksamkeit fiel in der letzten Zeit auf Mikrozahlungen: man zahlt einen relativ kleinen Betrag, um Zugriff auf einen vergleichbar kleinen Ausschnitt an Informationen, beispielsweise einen einzelnen Artikel, zu erhalten.

Die traditionelle Medienwelt besteht aus gebündelten Informationen mit vielen unterschiedlichen Inhalten, immer darauf bedacht, möglichst allen etwas anzubieten. Die digitale Welt wiederum ist eine ungebündelte. Sie erlaubt es jedem Einzelnen, eine Sache aus einer Milliarde angebotener Dinge auszuwählen. Sind wir bereit, dafür zu zahlen? Ja, manchmal – siehe iTunes.

Aber die Frage, die sich die Nachrichtenagenturen stellen, ist, ob personalisierte Nachrichten genauso wie personalisierte Unterhaltung Interesse und vielleicht sogar Einkommen generieren kann.

Bis jetzt wird an Initiativen für Mikrozahlungen lediglich gearbeitet. Die größte Aufmerksamkeit wird dabei einem niederländischen Service namens Blendle zuteil, der behauptet mehr als eine Million registrierte Nutzer in Europa zu haben, zudem dazu bereit, den US-Markt anzugreifen. Die meisten Angebote auf Blendle, die von unterschiedlichen Quellen kommen, kosten zwischen zehn und 90 Cent und werden mit einer Geld-zurück-Garantie angeboten: Man zahlt nur für Artikel, die man wirklich liest – und wenn einem nicht gefallen, kannst man seine paar Cent zurückverlangen.

Das professionelle Interface spricht Fans an, genauso wie der Fakt, dass es keine Werbeeinblendungen gibt (oder Clickbait, was die Werbung begleitet). Andere haben jedoch geradeheraus vorhergesagt, dass das Konzept zum Scheitern verurteilt ist. Nachrichtenkonsumenten wollen nichts bezahlen sagen sie, und selbst ein so kleiner Betrag ist nicht nichts.

Wer gibt den Ton an?

Aber vielleicht ist das Modell hier kein “iTunes für Journalismus”, wenn wir mit Journalismus den Content mit dem Siegel der großen Nachrichtenorganisationen meinen. Vielleicht kann eine Crowdfunding-Seite wie Kickstarter ein besseres Vorbild sein: die Möglichkeit, dass Nutzer ihr Geld in Ideen investieren, die sie verwirklicht sehen wollen und nicht in existierende Geschichten, die sie lesen möchten.

Experimente, die Journalismus crowdfunden, haben sich stark vermehrt. Eine Ausprägung ist im Grunde genommen eine Mitgliedschaft mit niedrigen Kosten, die es den Mitgliedern, oder Spendern, erlaubt, die Journalisten in die Richtung ihrer Interessen zu steuern. MinnPost, eine gemeinnützige Seite in Minnesota, nutzt diesen Ansatz zu ihrem Vorteil. Beispielsweise wurde im vergangenen Oktober begonnen, über neue Amerikaner, also die Gemeinschaften der Immigranten und Flüchtlinge im Staat zu berichten, basierend auf den Investitionsversprechen interessierter Spender.

In Schottland verfolgt eine neue investigative News-Seite namens The Ferret (zu deutsch: das Frettchen) ebenfalls Themen, von denen die Nutzer sagen, dass diese sie interessieren – Fracking war ein frühes Beispiel. Und in den Niederlanden erhielt de Correspondent mehr als eine Million Euro in nur acht Tagen für das Versprechen, Storys in hoher Qualität zu wichtigen Themen zu bringen, anstatt nur den “neuesten Hype” zu verfolgen.

Der andere Ansatz dreht den Prozess sozusagen um und ist näher am bekannten Crowdfunding-Konzept – Journalisten schlagen Ideen vor, die sie gerne verfolgen möchten und die Nutzer unterstützen die, die ihnen gefallen. Artikel, die ihre Zielförderung erreichen, werden geschrieben, die anderen nicht. Das vielleicht innovativste Beispiel kam von einer britischen Seite namens Contributoria, unterstützt von der Guardian Media Group. Innerhalb eines Zeitraums von 21 Monaten zwischen 2014 und 2015 veröffentlichte Contributoria fast 800 Artikel über Themen von der städtischen Regeneration Beiruts bis hin zum Leben eines Buchmachers; die Journalisten verdienten dabei 260.000 Pfund, der größte Teil davon besteht aus kleinen individuellen Zahlungen.

Nachhaltigkeit

Trotzdem sind solche Experimente schwer zu halten. Contributoria wurde im Oktober 2015 geschlossen, wobei einer der Mitbegründer erklärte, dass Crowdfunding nur ein Teil des Puzzles sei. Was die Initiative wirklich zeigte, sagte er zu journalism.co.uk, war, dass die Menschen einen “unersättlichen Appetit haben… sich an dem Journalismus-Prozess zu beteiligen, inklusive der Art der Finanzierung”.

Vielleicht ist es das, was man bis jetzt von Mikrozahlungen mitnehmen kann. Der Wunsch danach, eine Stimme zu erhalten, ist weniger eine Frage der Bezahlung des Journalismus als der Wunsch danach, einen Anteil daran zu haben. Nachrichtenorganisationen hoffen inbrünstig, dass dieser Anteil finanziell ist, aber für die Nutzer ist das “Besitzen” viel wichtiger als die Zahlung.

Da sich Informationen oft wie Wildwuchs verbreiten, wollen die Konsumenten ein wenig Kontrolle darüber erlangen. Die digitalen Medien geben die Fähigkeit selber Reporter zu werden, aber vor allem wollen sie scheinbar Redakteure sein; die Türsteher, die entscheiden welche Nachrichten sie sehen werden, in dem sie einen Artikel in Auftrag geben oder ein investigatives Team in eine Richtung lenken oder jene Nischennachrichten-App nutzen, aber nicht diese.

Die richtige Mischung finden

Für Nachrichtenorganisationen sind daher Mikrozahlungen nur eine Option unter vielen in einer zerbrechlichen und zerschlagenen digitalen Umwelt – etwas, das man zu den Zahlungsströmen hinzugeben kann, wenn es nur ein kleines Budget an Zeit, Arbeit und Geld erfordert.

Auch wenn Experimente in eine gute Richtung zu gehen scheinen, ist die Ausbeute aus dieser Option grundsätzlich eher gering. Der größte Teil der Online-Nutzer zahlt heute nicht für digitale Nachrichten und hat auch nicht vor, dies zu ändern. Es gibt keine Hinweise auf eine massive Nachfrage der Nutzer, im vorneherein für den Inhalt einer Nachricht bezahlen zu können – und selbst, wenn sie bereit wären, der kleine Einkommensfluss würde von Tag zu Tag, je nach Angebot, stark schwanken. Das ist nicht das wünschenswerteste Finanzierungsmodell einer Organisation, die eine stabile finanzielle Basis benötigt, um ihre Mitarbeiter, die Infrastruktur und die Fähigkeit, die Mächtigen zur Verantwortung zu ziehen, zu finanzieren.

Die gegenteilige Option – den Konsumenten zu ermöglichen, die Richtung der journalistischen Untersuchungen zu steuern – scheint plausibler zu sein und die verschiedenen gemeinnützigen Unternehmen, die ich erwähnt habe, sind unter denen, die Beispiele aufzeigen, wie es funktionieren könnte. Aber Nachrichtenkonsumenten sind nicht die Einzigen, die gerne die Kontrolle haben. Journalisten tendieren dazu, sich sehr stark dem Unabhängigkeitsgedanken des Verlegers zu verschreiben – mit anderen Worten, sie wollen lieber selber entscheiden, was Nachrichten sind und was nicht. Ob sie gewillt sind diese Kontrolle zu teilen – und falls, was sie dafür im Austausch vom Nutzer erhalten können – bleibt abzuwarten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) “Headlines…” by Thomas Leuthard (CC BY 2.0)


The Conversation

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Kann Crowdfunding den Journalismus retten?

Newspaper (image by bykst [CC0 Public Domain] via Pixabay)2-1

Der Journalismus steckt in einer existenziellen Krise: Die Erträge der Nachrichteneinrichtungen sind innerhalb der vergangenen zwei Jahrzehnte ins Bodenlose gefallen, und noch immer ist kein wirkliches Geschäftsmodell in Sicht, um Nachrichten auch im digitalen Zeitalter aufrechtzuerhalten.

Im letzten Teil unserer Serie über Geschäftsmodelle für die Nachrichtenmedien betrachtet die Journalistin und Akademikerin Angela Phillips die Möglichkeit des Crowdfundings und wie es zukünftige Nachrichtenprojekte finanziell unterstützen könnte.

In Schottland gibt es Pläne für eine neue Sportzeitung. Die angekündigte Zeitschrift soll wöchentlich erscheinen und Kolumnen von Prominenten wie der Tennistrainerin Judy Murray und dem Footballexperten Pat Nevin beinhalten. Um die erste Ausgabe im Mai zu veröffentlichen, sind lediglich 50.000 britische Pfund nötig, die aus Crowdfunding-Beiträgen bis zum 25. Februar zusammenkommen sollten. Von einer Gruppe schottischer Journalisten entwickelt und auf der Nachrichtenseite AllMediaScotland präsentiert, garantiert das Projekt ein Exemplar der ersten Ausgabe für jeden Unterstützer als Belohnung für ihren Beitrag.

Die Verwirklichung des Projekts scheint unwahrscheinlich. Zwar sehen viele im Crowdfunding das Potential, Journalismus für die Zukunft denkbar zu machen; allerdings hat die Scottish Sports Weekly bis zum Stichtag nur 211 Unterstützer gefunden, die insgesamt knapp 10.000 £ beitragen hätten, seit das Vorhaben Ende Januar angekündigt wurde. Der zugehörige Twitter-Account (der mittlerweile gelöscht ist, Anm. Netzpiloten-Redaktion) zählte gerade mal 1.200 Follower.

Crowdfunding erfordert eine große Anzahl an Menschen, die bereit sind, in eine Idee zu investieren. Die erfolgreichsten Projekte beinhalten meist ein Produkt, sodass man schlicht im Voraus zahlt, bevor es tatsächlich entwickelt und geliefert wird. Zugegeben, das war wohl auch der Plan hinter dem Vorschlag aus Schottland. Allerdings hätten sie wohl bestenfalls erwarten können, dass sich durch die Beiträge der Unterstützer eine Datenbank aufbaut, die den Grundstein für einen Abonnentenstamm legen könnte. Ohne die Unterstützung der schottischen Zeitungen, die das Projekt eher als Konkurrenz ansehen dürften, lag es beim Entwicklerteam, möglichst hohe Wellen zu schlagen.

Lichtblicke

Es gibt vereinzelte Beispiele von erfolgreichen journalistischen Projekten, die als Start-Ups durch Crowdfunding finanziert wurden. So wurde die niederländische Newsseite Der Correspondent mit einem durch Crowdfunding gesammelten Betrag von 1,7 Millionen US-Dollar (umgerechnet ca. 1,2 Mio. britische Pfund oder 1,55 Mio. Euro) gestartet, was es der Firma ermöglichte, renommierte Journalisten einzustellen. Aus den 19.000 Unterstützern wurden schnell 28.000 Abonnenten und binnen eines Jahres wurde die Webseite zu einem praktikablen Modell, welches sich über Abonnements und Paywalls finanzieren konnte. Mittlerweile ist die Newsseite ein etablierter Bestandteil der niederländischen Medienszene.

Nichtsdestotrotz bestätigt diese berühmte Ausnahme hier wieder einmal die Regel. Der Correspondent traf auf ein Medienfeld, das reif für etwas Neues war. Zudem bekam die Zeitschrift von Anfang an Unterstützung und das Crowdfunding sollte von Beginn an nur die Gründung der Zeitschrift unterstützen – was das spätere eher klassische Finanzierungsmodell erklärt.

Eine weitere Crowdfunding-Initiativen in diesem Bereich ist die von The Bristol Cable, einer englischen Lokalzeitung und Website, die von 600 Anteilhabern mit je 2,50 Pfund pro Monat “finanziert” wurde. Seit der Gründung  im Jahr 2014 ist die Zeitung eine beliebte, unabhängige Stimme in der lokalen Nachrichtenwelt, welche meist von großen Ketten dominiert wird, die ihren journalistischen Ehrgeiz aus Kostengründen zurückfahren.

Dennoch reicht das Crowdfunding nicht aus, um die Lohnzahlungen zu decken. Die Bristol-Journalisten arbeiten allesamt ehrenamtlich, gemäß der Tradition der radikalen Lokalzeitungen der 70er Jahre, die in lokalem Enthusiasmus aufblühte, um kurz darauf wieder zu vergehen. Langfristig ist die einzige zukunftsfähige Finanzierungsmöglichkeit für The Bristol Cable wohl das Abdrucken von Werbeanzeigen im Magazin. Wie Christopher Thomson, der Geschäftsführer des Verlags DC Thomson, dem Mehrheitsausschuss im britischen Oberhaus im Jahr 2013 mitteilte, macht digitale Werbung nur fünf bis zehn Prozent der Einnahmen seiner Lokalzeitungen aus. Lokalnachrichten sind typischerweise noch immer auf die Printausgaben angewiesen.

Das wahrscheinlich größte Experiment im britischen Crowdfunding bisher stellt das Mitgliedschaftssystem von The Guardian dar. Die Zeitung, die sich hauptsächlich aus Werbeeinnahmen und Treuhandfonds finanzierte, startete sein Mitgliedschaftssystem bereits 2014, um damit die jährlichen Verluste zu minimieren und die Nachrichtenorganisation zurück auf den richtigen Kurs zu holen. Laut Business Insider haben sich in den ersten sechs Monaten 35.000 Menschen registriert (Guardian.com erreicht täglich ca. 8 Millionen Menschen). Die Guardian Media Group hat kürzlich ihren Verlust von £100 Millionen innerhalb des letzten Jahres offengelegt, was einer Einsparung im Personalbereich von ca. 20% entspricht. Offensichtlich ist ein nachhaltigerer Einkommensfluss nötig, als die Spenden von besorgten Mitgliedern der Öffentlichkeit erzeugen.

Finanzierungsgeschichten

Wenn es um das Finanzieren individueller journalistischer Projekte ging, zeigte sich Crowdfunding allerdings ein wenig ergiebiger. Eine Reihe von Crowdfunding-Plattformen, wie beispielsweise Kickstarter, haben hierfür eigene Bereiche, während sich Seiten wie Byline voll und ganz dem einen Zweck widmen. Eine Analyse von journalistischen Kickstarter-Projekten der amerikanischen Forschungseinrichtung PEW bezifferte den Betrag an finanzieller Unterstützung auf 1,7 Millionen Dollar im letzten Jahr. Der Großteil davon ging für eine spezifische Recherche an einzelne Journalisten. 22% erhielten etablierte Organisationen, wie die durch Fonds finanzierte Einrichtung ProPublica, um spezielle Projekte zu ermöglichen.

Eine akademische Erhebung der amerikanischen journalistischen Crowdfunding-Website Spot.us suchte nach den Projekten, die am bereitwilligsten unterstützt werden. Dabei kam man zu dem Ergebnis, dass Spenden vor allem an “ausgewählte Themen” gehen, die “für die Unterstützer in ihrem Alltag von unmittelbarem Nutzen” waren. Besonders, wenn sich diese mit dem Gesundheitswesen oder der städtischen Infrastruktur auseinandersetzten. Leider musste Spot.us dennoch vor einem Jahr aussteigen.

Wenn Crowdfunding also nur eine relativ begrenzte Möglichkeit bietet, eine Art “Wachhund-Journalismus” zu unterstützen, der ein kritisches Auge auf die Mächtigen des Landes und der Welt wirft, ist eine Finanzierung auf anderem Wege erforderlich. Wir leben in einer Zeit, in der die klassische Finanzierung durch sinkende Zeitungsverkäufe und Werbeeinnahmen immer schwieriger wird. Paywalls und gebührenpflichtige Inhalte stellen bei größeren Onlinepublikationen eine vielversprechende Finanzierungsform für den Weg in die Zukunft dar. In Amerika beinhalten mittlerweile mehr als ein Drittel aller Nachrichtenseiten Paywalls.

Ein neues Experiment ist die Aufteilung der Abonnements in Kleinstbeträge (Micropayments). Sie könnten für Nachrichten die Bedeutung bekommen, die Spotify inzwischen für Musik hat. Beispiele sind die niederländische Seite Blendle, die von der New York Times und Axel Springer finanziert wird, oder Piano Media, welche in Osteuropa aktiv sind. Ob dem umstrittenen Scottish Sports Weekly irgendetwas davon helfen hätte können, muss an anderer Stelle behandelt werden. Aber eines ist im heutigen digitalen Zeitalter so sicher wie in der grauen Vorzeit der Druckerpresse: Guter Journalismus ist nicht umsonst.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image “Newspaper” by bykst (CC0 Public Domain)


The Conversation

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100p – Bugattis schnelles Flugzeug

Bugatti Model 100 (Image by Flugkerl 2 [CC BY-SA 3.0.] via wikipedia)

Der italienische Konstrukteur Ettore Bugatti träumte vom Weltrekord des schnellsten Flugzeugs, doch seine speziell konzipierte Maschine kam nie zum Fliegen. Und viele glaubten, dass der für die späten 1930er Jahre extrem fortschrittliche Entwurf gar nicht erst flugfähig war. Enthusiasten und Fans haben mit einem Nachbau nun bewiesen, dass Bugattis Rekordflugzeug sehr wohl fliegt. Nur bei der Landung hatten sie leider Pech.

Wenn Flugbegeisterte von einem schnellen Flugzeug träumen, mit dem sie bei klarem Himmel einfach ohne Hemmungen Gas geben können, dann sehen viele von ihnen die Bugatti 100p. Bugatti wollte Ende der 1930er Jahre den weltweiten Geschwindigkeitsrekord aufgreifen und am damals recht bekannten Coupe Deutsch-Luftrennen teilnehmen. Zwei hintereinander eingebaute Bugatti-Motoren von je 450 PS aus dem Rennsport sollten das Flugzeug antreiben. Doch durch die Kriegswirren wurde die Maschine zwar gebaut, flog aber nie. Bugatti selbst starb bereits im Jahr 1949 und sein einziges Flugzeug geriet in Vergessenheit.

Nun ist Bugattis Designidee doch in der Luft. Eine Gruppe von Enthusiasten hat in mehrjähriger Arbeit eine Replik gebaut, den “Reve Bleu”, zu deutsch “Blauer Traum”. Am 20. August 2015 flog dieser Nachbau im amerikanischen Tulsa zum ersten Mal. Im Cockpit saß Scott Wilson, ein erfahrener Pilot und zugleich Initiator des Projekts. Doch der Weg dahin war weit.

Die Idee wird wahr

Noch 2013 sah es so aus, als würde es der “Reve Bleu” genauso gehen wie der Originalmaschine, und sie würde nie in die Lüfte steigen, denn der Mannschaft um Scott Wilson ging das Geld aus. Aber die Enthusiasten halfen sich auf sehr moderne Weise: Sie starteten einen Aufruf auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter. So kamen 62.000 Dollar (55.000 Euro) zusammen. Die Unterstützer waren dann per Livestream beim Erstflug dabei.

Für Wilson und die Unterstützergruppe erfüllte sich damit ein Traum, auf den alle Beteiligten seit 2009 hingearbeitet haben: Die Maschine hob endlich ab. Und mehr noch: Wilson brachte das Flugzeug auf eine Geschwindigkeit von 110 Knoten (zu Land: 198 km/h).

Die Landung ging jedoch schief. Beim Aufsetzen versagte nun ausgerechnet die Bremse am rechten Fahrwerksbein, das Flugzeug brach nach links aus und bohrte sich mit der Nase in den Rasen neben der Rollbahn. Wilson blieb unverletzt, doch die Propeller waren zerstört.

Wilson bestellte Ersatzpropeller bei seinem Projektpartner in Großbritannien. Am 17. Oktober flog der “Reve Bleu” zum zweiten Mal. Diesmal dauerte der Flug deutlich länger und verlief ohne Probleme. Abgesehen von der rauen Landung war Wilson aber schon mit dem ersten Flug zufrieden: “Das Flugzeug ist vorzüglich zu fliegen und sehr leicht steuerbar.

Nachbau mit modernen Mitteln

Die Geschichte des zweiten Bugatti-Fliegers begann bereits einige Jahre zuvor, im Jahr 2009. Damals stellte der frühere US-Air-Force-Pilot Scott Wilson ein Team zusammen, um eine originalgetreue und vor allem flugfähige Replik des Bugatti-Flugzeuges zu bauen. Auch Ladislas De Monge schloss sich der Gruppe an. Er ist der Großneffe von Louis de Monge, der das Original nach Ettore Bugattis Vorstellungen entworfen hatte.

Den Antrieb liefern zwei 200 PS starke Suzuki-Motorradmotoren, mit denen das Flugzeug rund 320 km/h erreichen kann. Wie beim Original liegen beide Motoren leicht nach links und rechts versetzt hintereinander auf der Mittelachse. Die Motorwellen führen etwa in Ellenbogenhöhe an beiden Seiten am Piloten vorbei und treffen sich im Getriebe direkt vor dem Cockpit. Dort treiben sie einen Doppelpropeller an, also zwei hintereinander montierte Luftschrauben, die sich gegenläufig drehen.

Leider existieren die Konstruktionszeichnungen der 100p heute nicht mehr, daher wertete das Team Fotos aus, die zum Teil beim Bau der 100p entstanden waren, zum Teil bei den beiden Restaurierungen des Flugzeugs. Außerdem wurde das Original sorgfältig vermessen. Der “Reve Bleu” besteht aus Balsaholz in Schichtbauweise. Komponenten wurden in Schweden, Brasilien, Großbritannien und Deutschland gebaut, wobei der gegenläufige Propeller aus Großbritannien kam. Details wie die Motorenkühlung oder der gekoppelte Gashebel mussten völlig neu konzipiert werden, weil sie nur auf Fotos zu sehen waren. Das Team nutzte an manchen Stellen auch moderne Materialien, wo er erforderlich war: “Wir verwendeten modernen Kleber anstelle von Resorcinol und Glasfasergewebe anstelle von Leinen, um die Oberfläche des Flugzeugs zu bedecken”, so Simon Birney, der kommerzielle Leiter des Projekts.

Die Zukunft von “Reve Bleu”

Wenn die nächsten Flüge gut verlaufen, will die Gruppe um Scott Wilson das Flugzeug zwar in der Öffentlichkeit präsentieren, aber nicht in der Luft. “Wir werden nicht auf Air Shows fliegen, weil das Flugzeug kein Zuschauermagnet ist: Es ist klein, nicht laut, es hat keinen Raucherzeuger und ist nicht kunstflugtauglich”, meint Birney. Auch einen Versuch, die Höchstgeschwindigkeit des Originals zu erreichen, wird es nicht geben. Immerhin wären das rund 800 Kilometer pro Stunde. Die Gruppe meint, das Flugzeug sei eher für eine Ausstellung geeignet, beispielsweise themenbezogen auf Flugschauen, in Museen oder als Präsentationen in Kunstgalerien, und auch ein Abstecher nach Europa ist vorstellbar.

Das Original wurde während des Krieges im Umland von Paris versteckt und gelangte schließlich über mehrere Eigner in die USA. Heute steht es im Air Venture Museum im amerikanischen Oshkosh, Virginia. Und obwohl es sich nie in die Lüfte schwingen konnte, gilt die schlanke Rennmaschine im Art-Deco-Design vielen immer noch als das schönste Flugzeug seiner Zeit.


Image “Bugatti Modell 100” by FlugKerl2 (CC BY SA 3.0)


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Grundeinkommen per Crowdfunding: eine Utopie wird wahr

Screenshot (Image: Mein Grundeinkommen.de).

Was wäre, wenn wir nicht für unser Geld arbeiten müssten? Wenn wir alle einen monatlichen Festbetrag bekämen – einfach so? Würden alle Menschen dadurch glücklicher und gleichzeitig viel produktiver werden? Oder würden wir alle zu Couchpotatoes werden und unsere Gesellschaft komplett zerstören? Über diese Idee, das bedingungslose Grundeinkommen, diskutieren Philosophen, Wirtschaftsexperten, Politiker und Schriftsteller schon seit Jahrhunderten. Während die Experten sich aber immer noch mit der Theorie beschäftigen, hat Michael Bohmeyer sie mal eben in die Praxis umgesetzt. Auf seiner Webseite Mein Grundeinkommen verlost er seit Juli 2014 bedingungsloses Grundeinkommen. Gewinner erhalten damit ein Jahr lang jeden Monat 1000 Euro – finanziert über Crowdfunding.

Die Seite Mein Grundeinkommen versteht sich dabei nicht als politische Bewegung für das Grundeinkommen. Pressesprecher Christian Lichtenberg erklärt gegenüber den Netzpiloten, es ginge viel mehr darum, dass das Team mit der Seite einfach mal ausprobieren will, wie die Idee in die Praxis umgesetzt werden kann: “Wir verfolgen keine politischen Ziele mit dem Projekt, sondern wollen, dass die Menschen anfangen, über das bedingungslose Grundeinkommen nachzudenken. Wir wollen so die gesellschaftliche Debatte anstoßen.” Und das ist ihnen gelungen. Der Medienrummel um die Webseite ist groß, die nächste Auslosung soll Ende Februar stattfinden.

Ein Grund für diese Aufmerksamkeit ist sicherlich der Erfolg des Projekts. In knapp zwei Jahren wurden über die Webseite 28 Grundeinkommen im Wert von 336.000 Euro finanziert, möglich gemacht durch die Spenden von 33.000 Menschen. Die Idee kommt also nicht nur bei den Medien, sondern vor allem bei den Bürgern selbst gut an.

Utopie oder geniale Idee?

Dabei ist die Idee von einem bedingungslosen Grundeinkommen nichts Neues. Bereits 1518 schrieb der Schriftsteller Thomas Morus in seinem Roman Utopia darüber, Erich Fromm ebenfalls und auch Montesquieu, einer der Helden der französischen Revolution, war von der Idee sehr angetan. Doch auch viele Politiker und Wirtschaftsexperten, von Milton Friedman über Dieter Althaus bis hin zu Götz Werner haben sich mit dem Thema sehr intensiv beschäftigt. Was genau steckt also hinter dem bedingungslosen Grundeinkommen? Die Theorie ist einfach: Jeder Bürger bekommt regelmäßig einen festgesetzten Betrag, ohne eine Gegenleistung dafür erbringen zu müssen. Das unterscheidet sich beispielsweise von Sozialleistungen wie Hartz IV, da die Antragsteller hier tatsächlich beweisen müssen, dass sie dieses Geld bekommen sollen und dürfen. Das bedingungslose Grundeinkommen ist dagegen, wie der Name impliziert, an keine einzige Bedingung geknüpft.

Doch selbst wenn es sich finanzieren ließe, stellt sich dennoch die Frage: Würde es auch funktionieren? Eine Antwort darauf gibt es seit den ersten Ideen von Thomas Morus immer noch nicht. Denn alle mathematischen Berechnungen können eine unbekannte Variable in der Gleichung nicht auflösen: Die menschliche Psychologie.

Ob man diese Idee also befürwortet oder nicht, entscheidet sich meist am persönlichen Menschenbild. Einige glauben, dass die finanzielle Sicherheit die Bürger beflügeln würde genau die Ziele und Projekte zu verfolgen, die ihnen Spaß machen. Sie wären dadurch motivierter, weniger angespannt und einfach glücklicher – und damit auch wertvollere Mitglieder einer Gesellschaft. Auch Eltern, die sich entscheiden, zu Hause bei ihren Kindern zu bleiben anstatt zu arbeiten, würden damit entlohnt, genau so wie ehrenamtliche Helfer. Das ist das positive Menschenbild. Skeptiker befürchten dagegen, dass Menschen ohne Arbeitsanreiz einfach faul auf der Couch liegen und gar nicht mehr arbeiten würden. Auch unbeliebte Jobs würden so ihrer Meinung nach gar nicht mehr besetzt werden.

Rein rechnerisch könnte das Modell sogar umgesetzt werden. Da aber eben niemand so genau weiß, wie Menschen reagieren, wenn es plötzlich Geld regnet, hat sich bisher auch kein Staat so richtig getraut, das Modell gesamtgesellschaftlich umzusetzen. Es gibt verschiedene Versuchsprojekte, wie in Namibia, Indien, Finnland oder auch in Brasilien. Hier hat man sogar das Recht auf ein bedingungsloses Grundeinkommen in seiner Verfassung verankert, die Umsetzung aber auf unbestimmte Zeit erst einmal ausgesetzt. Genau hier setzt Mein Grundeinkommen an und zeigt allen Zweiflern und Grüblern, wie die Idee ganz praktisch funktionieren kann – auch ohne staatliche Initiative.

Bedingungsloses Grundeinkommen per Crowdfunding

Als Michael Bohmeyer 2013 auf einmal selbst über seine Internetfirma eine Art regelmäßiges Grundeinkommen ausgezahlt bekam, fragte sich der Programmierer, ob das nicht auch für andere Menschen funktionieren könnte und startete daraufhin seine Webseite. Hier sammelt er über Crowdfunding eben jenes Grundeinkommen für die Bewerber ein. Bemerkenswert ist, dass tatsächlich so viele Menschen das Projekt unterstützen und gerne Geld für andere spenden. Wie auch viele andere Ideen, die über öffentliches Geldsammeln im Netz finanziert wurden, zeigt sich auch hier: Wenn die Menschen eine gute Idee sehen, die sie begeistert, sind sie gerne bereit, dafür auch zu spenden. Eher vielleicht sogar, als wenn der Staat es ihnen vorschreibt. Somit haben Michael Bohmeyer und sein Team das Dilemma vieler Politiker zu diesem Thema geschickt umgangen – indem sie die Frage direkt an die Bürger weitergeleitet haben. Ob dies auch landesweit umsetzbar ist, könnte sich in der nächsten Volksabstimmung in der Schweiz über das bedingungslose Grundeinkommen zeigen.

Verglichen mit dem politischen Prozess ist der Weg zum bedingungslosen Grundeinkommen auf Mein Grundeinkommen denkbar simpel. Um ein Jahr lang das bedingungslose Grundeinkommen zu erhalten, muss man sich lediglich auf der Webseite anmelden und für das Einkommen bewerben. Jeder kann sich immer nur auf die aktuelle Verlosung hin bewerben. Nach jeder Verlosung startet wieder eine neue Runde. Wer sich bewirbt, muss weder selbst etwas spenden noch andere Bedingungen erfüllen.

Sobald ein oder auch mehrere jährliche Grundeinkommen angesammelt sind, wird per Verlosung darüber entschieden, wer das Grundeinkommen erhält. “Wir wählen nicht selbst aus, auch die Spender haben kein Sagen darüber, wer das Geld bekommt. Sonst wäre es ja auch nicht bedingungslos,” sagt Christian Lichtenberg. Die Gewinner werden also über einen Zufallsalgorithmus ermittelt. An sie werden auch keinerlei Bedingungen gestellt, sie können mit ihrem Grundeinkommen tun und lassen was sie wollen. “Ich erinnere mich an einen Fall, in dem ein Gewinner in der Anfangszeit wirklich erstmal ausgespannt hat und eine Leerlauf-Phase hatte. Aber das war nicht permanent und den meisten Gewinnern, gibt diese finanzielle Sicherheit sehr viel Ansporn,” erklärt Lichtenberg.

Macht Geld doch glücklich?

Wie sie diese Energie umsetzen, berichten die Gewinner im Anschluss auf dem Blog der Webseite. Ein Gewinner war beispielsweise ein trockener Alkoholiker auf Jobsuche. Das bedingungslose Grundeinkommen erlaubte es ihm, in Ruhe nach einem passenden Job zu suchen, statt den erstbesten annehmen zu müssen. Mittlerweile hat er seinen Traumjob gefunden. Eine geschiedene Frau, deren Ex-Mann sich weigerte das gemeinsame Kind finanziell zu unterstützen, konnte es sich durch ihr Grundeinkommen leisten ihrem Sohn das Studium zu finanzieren. Ein neunjähriger Gewinner berichtete davon, wie das Grundeinkommen dafür sorgte, dass sie in der Familie mehr miteinander unternehmen konnten.

Die meisten berichten davon, wie das Grundeinkommen für eine emotionale Sicherheit und auch für ein körperliches Wohlbefinden sorgt. Macht Geld also doch glücklich? “Unsere Gewinner berichten uns, dass sie besser schlafen, sich weniger Sorgen machen und dadurch auch deutlich mehr Energie haben,” sagt Lichtenberg. Dadurch können sie sich die Zeit nehmen, die Projekte zu verfolgen, die sie begeistern. Oder sie haben den Mut endlich das eigene Unternehmen zu gründen.

Christian Lichtenberg glaubt nicht, dass Menschen durch ein regelmäßiges Grundeinkommen faul und nutzlos werden. “Die meisten Menschen wollen ja arbeiten. Aber wenn man sich mal genau anguckt, welche Jobs beispielsweise Hartz IV-Empfängern angeboten werden, also wirklich zum Teil menschenunwürdige Niedriglohnjobs – also da hätte ich auch keine Lust zu arbeiten.” Die Erfolgsgeschichten von Mein Grundeinkommen zumindest scheinen ihm Recht zu geben.

Das Konzept beeindruckt mittlerweile auch viele andere Menschen weltweit. Angespornt vom Erfolg der deutschen Seite will so nun auch ein Team in den USA probieren, per Crowdfunding ein ähnliches Projekt in Kalifornien umzusetzen. Und wer weiß, vielleicht kann so die Utopie von Thomas Morus doch noch Wirklichkeit werden… per Crowdfunding.


Image: Screenshot by Mein Grundeinkommen


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„Die Crowd spürt was echt ist und was nicht“: Paulus Neef im Interview

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New Economy Posterboy Paulus Neef erzählt von seinem neuesten Startup UNYTE und warum er heute auf Crowdinvest setzt. Der Mann war schon unternehmerisch im Digitalgeschäft unterwegs als Multimedia noch gleichbedeutend war mit CD Roms. Paulus Neef baute in den 90er Jahren die berühmte Agentur Pixelpark auf, erlebte Investoren-Push, Börsenwahnsinn und das Platzen der New Ecomomy Blase. – Wir sprechen mit einem der Weggefährten der Netzpiloten über sein neuestes Start Up. 

Netzpiloten (NP): Hallo Paulus! Als den wohl prominentesten Pionier der New Economy haben wir dich natürlich all die Jahre im Blick behalten. Was wir an dir bewundernswert finden: Du hast die Start Up – Energie offenbar nie verloren. Jetzt gründest du wieder. Was soll es werden?

Paulus Neef (PN): Vielen Dank! Für mich hat der Antrieb Themen in die Mitte der Gesellschaft zu tragen, die vorher noch nicht zugänglich für die breite Masse waren, nie nachgelassen. Damals war es mit Pixelpark das Internet und heute ist es Yoga mit UNYTE. Unsere Mission ist es, dass Yoga für mehr Menschen zugänglich wird, denn im Moment interessieren sich zwar bereits 14 Millionen Menschen in Deutschland dafür, aber nur 2,6 Millionen Deutsche praktizieren es auch. UNYTE sind moderne, hochklassige Yogastudios zentral gelegen in deutschsprachigen Metropolen. Unser Team hat ein klares und einfaches Kurssystem entwickelt, das genau auf die Bedürfnisse der Yoga-Intererssierten abzielt. Darüberhinaus können wir arbeitnehmerfreundliche Öffnungszeiten – unter der Woche von 6 bis 23 Uhr und am Wochenende bis 22 Uhr – für 59 Euro im Monat anbieten. Die von Dr. Patrick Broome und Steph Jaksch topausgebildeten Yogalehrer runden das Konzept ab und machen UNYTE zu einem absoluten Herzensprojekt für mich.

NP: Welche Aspekte von Yoga wollt ihr vermitteln? – Eher die gesunde Bewegung oder die ganzheitlich spirituelle Lebensphilosophie?

PN: Das Besondere an UNYTE ist der ganzheitliche Ansatz: Wir möchten unseren Mitgliedern genau das bieten, was sie brauchen. Unser Kurskonzept sieht kraftvolle und moderne Yogakurse vor, aber auch meditative und tiefergehende Klassen. Ein UNYTE-Mitglied soll die Möglichkeit haben, sich im jeweiligen Moment entscheiden zu können was ihm guttut und was es braucht. Unserer Meinung nach lässt sich das eine nicht ohne das andere verwirklichen ohne einen wesentlichen Aspekt des Yoga zu vernachlässigen.

NP: Die Finanzierung soll trendgemäß über Crowdinvest laufen. Warum setzt du auf diese neue Form? Du könntest doch sicherlich einfach direkt auf potentielle Investoren aus deinem Netzwerk zugehen.

PN: Wir haben uns für den Weg des Crowdfunding aus drei Gründen heraus entschieden: ?Zum einen natürlich die Finanzierung selbst: Bei UNYTE verfolgen wir mit dem ‘for everyone’-Konzept einen ähnlichen Ansatz wie die Idee hinter Crowdfundings. Denn Crowdfunding ermöglicht es auch mit kleinen Summen in Unternehmen zu investieren und macht so Venture Capital der breiten Öffentlichkeit zugänglich. ? Das Crowdfunding über Companisto bringt uns dazu eine sehr hohe Reichweite und mediale Aufmerksamkeit gleich zu Beginn des Projektes. So können wir die Menschen mit auf die Reise von UNYTE nehmen und auch die jeweiligen Stimmungen aufgreifen und darauf reagieren. Der dritte Punkt ist die Kundenakquise, denn ein großer Teil der Companisten lebt in Berlin, wo wir unser erstes Studio eröffnen werden. Sie holen wir gleich am Anfang als potentielle Mitglieder und Multiplikatoren ab. Neben dem Crowdfunding gehen wir aber natürlich auch den klassischen Weg der Finanzierung. Crowdfunding ist für uns ein “sowohl als auch” und kein Thema des “entweder-oder”.

NP: Du bist über die Jahre von allen großen Wirtschaftsmedien dieses Landes interviewt oder porträtiert worden. Im Oktober letzten Jahres haben dich die Kollegen von den Krautreportern ausführlich interviewt. Nimmst du einen Unterschied wahr wie der netzorientierte Journalismus heute arbeitet oder mit dir umgeht?

PN: Da ändert sich eigentlich gar nicht so viel. Wer früher schon authentisch war erlebt heute kaum einen Unterschied in der Berichterstattung. Wer früher versucht hat sich im besten Licht darstellen zu lassen wird heute damit Probleme bekommen, da die Crowd recht genau spürt, was echt ist und was nicht. Der netzorientierte Journalismus hat allerdings eher einen 360° Ansatz. Die Fragen kommen von allen Seiten. Es ist facettenreicher, aber manchmal weniger pointiert.

Zum crowdfunding für UNYTE geht es hier.


Teaser & Image (adapted) by Paulus Neef.


 

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5 Lesetipps für den 11. Juni

In unseren Lesetipps geht es heute um Trolle gegen Reddit, Apple Music, Pornhub will ins Weltall, Transparenz in den Medien und Datenhehlerei. Ergänzungen erwünscht.

  • REDDIT The Verge: If this is the beginning of the end of Reddit, then Reddit deserves to die: Reddit setzt zum ersten Mal seine neuen Richtlinien gegen Belästigungen durch und schließt ein paar Subreddits. Der Mob läuft Sturm und spricht von Zensur. Durch Abwanderung wollen sie Reddit jetzt zerstören, wenn es nicht wieder der vermeintlich unkontrollierte Ort wird, der es für viele einmal war. Doch Reddit war nie ein Ort der freien Meinungsäußerung, wie T.C. Scottek in seinem Artikel auf The Verge erklärt. Elitäre Trolle löschten nach eigenen Vorstellungen wie sie wollten. Sollte Reddit nachgeben bzw. den Abgang dieser Trolle nicht verkraften, dann hat es auch nicht verdient, länger zu existieren.

  • APPLE MUSIC t3n: Warum Apple Music erfolgreich werden wird, obwohl es ein minderwertiges Produkt ist: Die hochgelobte Revolution bleibt mit Apple Music aus, findet Moritz Stücker in seinem Kommentar auf t3n zurecht. Das Produkt ist dem wohl bekanntesten Streaming-Dienst Spotify unterlegen und trotzdem erfolgreich sein, denn Apple ist mit seinem iPhones, iPads und diversen Notebooks viel zu groß, um nicht schnell eine relevante Nutzerzahl aufzubauen. Doch das, diese Anmerkung sei mir hier gestattet, kann am Ende dem Thema Streaming allgemein auch nur nutzen, weshalb auch andere Unternehmen grundsätzlich von Apple Vorstoß profitieren werden.

  • PORNHUB Digital Trends: Pornhub wants to film a sex tape in space: Zurzeit gibt es sehr viele Projekte, die ins Weltall wollen. Dazu gesellt sich jetzt auch die Erotikvideo-Webseite Pornhub, die an sich öfters durch ungewöhnliche und teilweise individuelle Ideen auffällt. Pornhub möchte einen Crowdfunding-Kampagne auf Indiegogo starten, um 3,4 Millionen US-Dollar einzunehmen. Ziel ist es, ins Weltall zu fliegen und dort einen Porno zu drehen. Kann man machen.

  • TRANSPARENZ Carta: Vom Nutzen der Transparenz: Transparenz ist kein Selbstzweck, bringt es der österreichische Journalist Konrad Mitschka bei Carta auf den Punkt. Medien, gerade öffentlich-rechtliche, sind im Diskurs um das rechte Maß an Transparenz in zweierlei Hinsicht berührt. Einerseits sollen sie Sachverhalte transparent machen, andererseits selbst transparent sein. Aber es gilt, Asymmetrien zwischen Marktteilnehmern zu verhindern.

  • DATENHEHLEREI Technology Review: Startup will im Dark Web nach gestohlenen Daten suchen: Es ist an sich das „Follow The Money“-Prinzip: ein US-amerikanisches Startup durchsucht das sogenannte Dark Web, also alles was Google im Netz nicht kennt, nach Angeboten für den Kauf von fremden Daten. Ein gutes Zeichen für Datendiebstahl, was dadurch wiederum aufgedeckt werden soll, denn oft wissen Unternehmen gar nicht, dass sie gehackt sind. Das macht diese Daten u.a. so wertvoll. Mit der Erkenntnis eines Angebots können Unternehmen aber schneller Gegenmaßnahmen treffen.

CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

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Interview mit Inga Bremer über die Dokumentarfilm-Regie

Inga Bremer im Schnitt (Bild: Inga Bremer)

Inga Bremer studierte Dokumentarfilm-Regie an der Filmakademie Ludwigsburg. Nach ihrem Studium gründete sie mit drei Kolleginnen die Produktionsfirma soilfilms in Berlin und arbeitet als Regisseurin verschiedener Genre und als Produzentin. // Von Gina Schad

Inga Bremer im Schnitt (Bild: Inga Bremer)

Regie, Schauspiel, Kamera – bei all diesen Ausbildungen handelt es sich um künstlerische Berufe. Bei der Aufnahmeprüfung an den Filmhochschulen wird bereits aussortiert, nach der Ausbildung beginnt jedoch erst das Kämpfen. Es erfordert viel Kraft, sich als Kreative durchzusetzen und von seinem Berufsziel eines Tages leben zu können. Das Internet kann bei dieser Arbeit künftig helfen. Die Dokumentarfilm-Regisseurin Inga Bremer verrät uns daher im Interview, warum Dokumentarfilme oftmals so spät am Abend gezeigt werden, von welchen Institutionen man heutzutage als junge Regisseurin abhängig ist, und ob es sich überhaupt noch lohnt, Dokumentarfilm-Regie zu studieren.

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Light Phone: Einfach schön, schön einfach

Das Light Phone von Joe Hollier und Kaiwei Tang

Das Light Phone kann genau eine einzige Sache: telefonieren. Die ständige Erreichbarkeit werde auf ein Minimum, Telefonanrufe, heruntergefahren. Ganz aufgegeben wird sie nicht. Ein zusätzliches Gerät also, das den Alltag analoger machen soll: Kann die Idee aufgehen? // von Angela Gruber

Das Light Phone von Joe Hollier und Kaiwei Tang

Ein entspannter Alltag fernab von E-Mail-Plings, WhatsApp-Benachrichtigungen und Facebook-Nachrichten: Das versprechen die Macher des Light Phone ihren Kunden. Das Light Phone ist ein etwa visitenkartengroßes Gerät, das nur eine App installiert hat. Mit dieser App lässt sich eine Rufumleitung vom eigentlichen Smartphone des Nutzers zum Light Phone einrichten.

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Eine multimediale Flüchtlingsgeschichte

Darfurians refugees in Eastern Chad (adapted) (Image by European Commission DG ECHO [CC BY-SA 2.0] via Flickr

Der Schweizer Journalist Simon Krieger reist mit seiner Kamera den Weg eines Flüchtlings nach. Über Griechenland über die Türkei bis in den Iran – am Ende soll eine Multimediareportage entstehen. Das abstrakte Flüchtlingsthema wird bei Simon Krieger durch die Reportage Ozra konkret: Es erscheint in Form von Yaved, ein junger Mann aus Afghanistan, der als kleiner Junge von zu Hause weg ist. Mit der Reportage geht das neue multimediale Onlinemagazin WHY ISSUE an den Start.

Die Geschichte von Javed – beispielhaft für viele Flüchtlinge in Europa

Javed wollte eine bessere Zukunft, ein besseres Leben. Und sitzt jetzt in der kleinen griechischen Hafenstadt Patras mit anderen Flüchtlingen zusammen um ein Feuer. Das Leben hier ist nicht leicht für Javed, er hofft, von Griechenland weiter nach Italien zu kommen. Aber das hofft jeder hier. „Ich kann mich nicht mehr an das Gesicht meiner Mutter erinnern“, sagt er zu Krieger, als dieser ihn besucht. Zu lange sei es schon her, als er sie das letzte mal gesehen hat. Plötzlich ist er aus seinem normalen Leben herausgerissen worden. Das Sirren von Bomben ist bei ihm zu Hause Alltag, die Angst allgegenwärtig.

Javeds Geschichte reizt mich, weil sie mich bewegt. Das hat unter anderem damit zu tun, dass Javed gleich alt ist wie ich und ich versuchte mich in seiner Lage vorzustellen. Dass Javed sich nicht mehr an das Gesicht seiner Mutter erinnern kann ist zugleich unfassbar und doch für alle verständlich, sagt Krieger.

Ozra – suche nach der Mutter from Simon Krieger on Vimeo.

Anhand Javeds Geschichte konkretisiert Krieger das komplexe Thema Flüchtlingspolitik: Er geht seinen Fluchtweg rückwärts nach, über Griechenland, die Türkei bis in den Iran zu Javeds Mutter. Drei Monate wird die Reise dauern. Er will mit einem Foto von ihr wieder zu Javed zurück kehren. Nach elf Jahren soll er seine Mutter wieder sehen, wenigstens auf einem Bild. Das ist der rote Faden von Kriegers Geschichte: das Foto der Mutter.

Die Situation von Flüchtlingen ist für uns schon sehr viel abstrakter als die Mutter zu vermissen. Schließlich macht es der emotionale Rahmen der Geschichte auch leichter, Hintergründe einfliessen zu lassen„, sagt Krieger. Die Flüchtlingsthematik beschäftige ihn schon seit längerem. „Es ist ein komplexes und relevantes Thema, das sich nicht in News erklären lässt. Dass das Thema von gewissen Parteien auf eine sehr vereinfachte und gefährliche Art politisch instrumentalisiert wird, macht es umso relevanter.

Sein Ziel sei es, die Situation von Flüchtlingen in Europa und insbesondere in Griechenland nachhaltig zu vermitteln. „Deswegen suche ich nach Methoden, wie gehaltvoller Journalismus überleben und doch zeitgemäß funktionieren kann.

Die Reportage wird im Onlinemagazin WHY ISSUE veröffentlicht

Simon Krieger interessiert sich besonders für neue Wege im Journalismus und möchte mit seiner Arbeit unabhängig sein: „Das Warum statt nur das Was ist mir wichtig. Tiefe, Qualität und Klarheit ist mir wichtig. Kritischer Journalismus ist mir wichtig.

Die Multimediareportage dient als Paradebeispiel für das neue Magazin WHY ISSUE, das mit der Veröffentlichung von Ozra online geht. Er versteht es als Label für qualitativen und innovativen Journalismus, weshalb es Krieger wichtig, mit WHY ISSUE alle Möglichkeiten auszuschöpfen, die sich online für Journalisten bieten. Dass das seiner Meinung nach zu selten gemacht werde, sehe er als eine Ursache für die Medienkrise.

Ein großes Thema bei WHY ISSUE wird auch die Datenvisualisierung sein und die Weiterentwicklung von Datenjournalismus, erklärt Krieger: „In der Kombination von Datenvisualisierungen und Reportagen sehe ich eine Möglichkeit, ein Thema sowohl in der Breite und Tiefe zu behandeln.“ Neben der Funktion als Magazin sollen die Inhalte mitsamt der technischen Umgebung lizenziert werden. Das hat zwei Gründe: Zum einen können so Journalisten bezahlt werden, da das Magazin werbefrei ist. Zum anderen erreicht WHY ISSUE auf diesem Wege eine breitere Masse, da etablierte Medien Inhalte nutzen.

Auf der Crowdfunding-Plattform wemakeit sammelt Krieger Geld für seine Start-Reportage Ozra: https://wemakeit.com/projects/ozra


Image (adapted) „Darfurians refugees in Eastern Chad“ by European Commission DG ECHO (CC BY-SA 2.0)


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5 Lesetipps für den 12. März

In unseren Lesetipps geht es heute um die Vorratsdatenspeicherung, die Zukunft von Facebook, Fashionblogger, Social Media und Terrorismus, sowie Crowdfunding. Ergänzungen erwünscht.

  • VORRATSDATENSPEICHERUNG Golem.de: Vorratsdatenspeicherung in den Niederlanden verboten: Die Niederlande entwickeln sich zum netzpolitischen Vorzeigeland. Erst wird in den Niederlanden die Netzneutralität gesetzlich verankert und wie zuletzt auch konsequent durchgesetzt, jetzt wird das dortige Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung außer Kraft gesetzt, denn die Speicherung verletzte das Recht auf Achtung des Privatlebens, wie ein Gericht nun befand. Das würde übrigens auch in Deutschland passieren, sollte die Vorratsdatenspeicherung wieder eingeführt werden, wie es CDU/CSU und viele Innenpolitiker der SPD wollen.

  • FACEBOOK t3n: Das Ende von Facebook, wie wir es kennen: Beim Thema Dienste eines Unternehmens auf verschiedene Apps zu verteilen, denke ich immer mit einem weinenden Auge an Foursquare und die Swarm-Katastrophe. Dass das aber bei Facebook zum Beispiel wiederum Sinn macht und erfolgreicher funktioniert, zeigt Martin Weigert in seiner Kolumne auf t3n. Strategisch werden Apps wie WhatsApp, der Messenger oder Instagram wertvoller für Facebook als das eigene soziale Netzwerk.

  • BLOGOSPHÄRE LesMads: Läuft Instagram den Blogs den Rang ab?: Im Newsletter des Socialmediawatchblog habe ich diesen interessanten Artikel gefunden, in dem eine Modebloggerin aufzeigt, dass das Blog an sich für die Fashionbloggerszene an Wert verliert, denn der vor allem visuelle Content wird eher auf Instagram (und wahrscheinlich auch Pinterest) veröffentlicht und geteilt. Eine interessante Entwicklung, die zumindest mir, der das Blog jedem sozialen Netzwerk vorziehen würde, ein ganz anderes Verständnis von Medien offenbart.

  • SOCIAL MEDIA BuzzFeed News: How ISIS Uses Twitter To Recruit Women: Morgen erscheint von mir ein allgemein gehaltener Artikel über Social Media nutzende Terroristen in der Printzeitung „Der Freitag“. Nicht mehr berücksichtigen konnte ich die Erkenntnisse dieses interessanten Artikels von Ellie Hall, die in der gewöhnungsbedürftigen Darstellunsgweise von BuzzFeed erklärt, wie die Terroristen des IS zum Beispiel Twitter nutzen, um Frauen in westlichen Ländern zu rekrutieren.

  • CROWDFUNDING ReadWrite: Should we crowdfund ReadWrite? [Und sollten wir Netzpiloten das auch machen?]: Gigaom ist weg. Das Blog wird nicht nur uns fehlen. Wenn so etwas passiert, gehen alle Blog-Betreiber wohl in sich und stellen sich die gleiche Frage: Wie kann ich dieses Schicksal von meinem Blog abwenden? Owen Thomas von ReadWrite fragt sich, ob sich sein Blog per Crowdfunding von der Leserschaft mitfinanzieren lassen soll. Die Frage stellen wir uns bei den Netzpiloten natürlich auch. Was meint Ihr? Mit Flattr haben wir nach zwei Monaten nicht einmal zwei Euro eingenommen. Würde jeder unserer Leser pro Monat einen Euro geben, könnten wir unser Angebot aber um ein Vielfaches ausweiten. Was wir jetzt noch nicht wissen ist, ob Ihr uns mit Geld helfen wollt und wenn ja, wie Ihr das machen wollt. Über Kommentare würde ich mich sehr freuen.

Die morgendlichen Lesetipps und weitere Linktipps am Tag können auch bequem via WhatsApp abonniert werden. Jeden Tag informiert dann Netzpiloten-Projektleiter Tobias Schwarz persönlich über die lesenswertesten Artikel des Tages. Um diesen Service zu abonnieren, schicke eine WhatsApp-Nachricht mit dem Inhalt arrival an die Nummer +4917622931261 (die Nummer bitte nicht verändern). Um die Nachrichten abzubestellen, einfach departure an die gleiche Nummer senden. Wir werden, neben dem Link zu unseren morgendlichen Lesetipps, nicht mehr als fünf weitere Lesetipps am Tag versenden.

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5 Lesetipps für den 9. März

In unseren Lesetipps geht es heute um den Blogger Raif Badawi, Twitter, ein Troll vor Gericht, Amanda Palmer und Crowdfunding, sowie digitale Bibliotheken. Ergänzungen erwünscht.

  • RAIF BADAWI Heise Online: Gabriel will sich in Riad für Blogger einsetzen: Das ist zwar nur eine kurze dpa-Medlung, aber eine, die man gelesen haben sollte: „Vizekanzler Sigmar Gabriel hat zu Beginn seiner Reise nach Saudi-Arabien versprochen, sich für die Freilassung des inhaftierten Bloggers Raif Badawi einzusetzen.“ Man sollte stets auf die Worte und folgenden Taten von Politikern achten, besonders wenn der Budneswirtschaftsminister hier den Spagat zwischen Achtung der Menschenrechte und den wirtschaftlichen Interesse der ihn begleitenden Unternehmen schaffen will.

  • TWITTER NYTimes.com: Study of TV Viewers Backs Twitter’s Claims to Be Barometer of Public Mood: Über die Bedeutung von Twitter kann man wahrscheinlich endlos diskutieren. Für mich persönlich – als jemand, der was mit Medien macht – ist es sehr wichtig. Weniger als Werkzeug für mehr Reichweite statt als Instrument zur Selbstdarstellung und Vernetzung mit den für mich relevanten Leuten. Offensichtlich kann Twitter aber als Secondscreen-Netzwerk viel über das Verhalten von Firstscreen-Nutzern aussagen, wie eine Nielsen-Studie jetzt ermittelt haben möchte.

  • TROLLE CNET: Man trolls lawyer on Web, lawyer sues (guess who wins): An sich klingt die Geschichte einfach: ein Unbekannter trollt einen US-amerikanischen Anwalt und schreibt falsche Bewertungen über ihn. Der Anwalt schafft es, diesen Troll zu identifizieren und erfolgreich zu verklagen. Jetzt wird es aber komplizierter: der Troll ist ein junger Brite, der offensichtlich in keinerlei Verhältnis zu dieser Anwaltskanzlei steht und behauptet, sein Gmail-Konto sei gehackt worden. Wie entscheidet man da? Und da wird es interessant: auf die hohe Sicherheit von Google bei Passwörtern vertrauend, wird der junge Brite schuldig gesprochen, denn es sei wahrscheinlicher, dass er der Troll ist als das sein Konto gehackt worden wäre.

  • AMANDA PALMER Süddeutsche.de: Crowdfunding – Vom Fan zum Mäzen: Amanda Palmer ist quasi der Prototyp des vom Internet lebenden Künstlers. Ihren Erfolg kann sicher nicht jeder kopieren, sie ist aber der Beweis, dass es funktioniert und das gesamte System der Musikbranche und der wirtschaftlichen Abhängigkeit von der reinen Lizenzierung von Nutzungsrechten überdacht werden sollte. Amanda Palmer möchte ihre Werke in Zukunft kostenlos im Internet veröffentlichen und hat deshalb ihre Fans gebeten, ihr eine Art Grundeinkommen zu zahlen, was auch Tausende taten. Es ist nicht der erste MIndchanger in puncto Crowdfunding, den Palmer erfolgreich versucht hat.

  • BIBLIOTHEKEN ZBW MediaTalk: „Bringt die Inhalte zum Nutzer!“: Bibliotheken galten als eines der ersten „Opfer“ der Digitalisierung, besonders da sie sich wie so gut wie jeder andere nur langsam anpassten. Das EU-Projekt EEXCESS möchte diese Entwicklung für Bibliotheken zu einem Erfolgsfaktor machen, wie Maren Lehmann schreibt. Das Programm möchte eine Grundlage für wissenschaftliche Bibliotheken sein, ein zeitgemäßes Angebot für Recherchen anzubieten, dass nicht Google Scholar ist.

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TZOA – Enviro-Tracker schärfen Bewusstsein für Umwelt

Das amerikanische Startup-Projekt TZOA will den Wearable-Markt mit einem so genannten „Enviro-Tracker“ aufmischen. // von Jonas Haller

TZOA (Bild: Pressematrial von TZOA)

Fitness-Tracker sind für viele aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Die kleinen Helferlein dokumentieren jeden kleinsten Schritt und verraten Details über die physische Leistungsfähigkeit. So können wir unsere Gesundheit besser kontrollieren, suggerieren uns die Marketing-Abteilungen. Doch wie steht es um äußere Einflüsse, die wir oft kaum wahrnehmen können? Ein amerikanisches Startup-Unternehmen schickt sich an, unsichtbare Gefahren auf dem Smartphone anzuzeigen und gegebenenfalls zu warnen.

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C3S kann die Alternative zur GEMA werden

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Bislang ist die GEMA die wichtigste Verwertungsgesellschaft auf dem deutschen Musikmarkt. Doch jetzt startet die C3S mittels einer Crowdfundingkampagne ins neue Jahr, um endlich eine Alternative zu bieten. // von Niklas Möller

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Jahrelang war die  GEMA in Deutschland konkurrenzlos, doch das wird sich demnächst ändern. Schon seit längerer Zeit hat die Musikverwertungsgesellschaft mit aufkommender Kritik zu kämpfen. Immer mehr Musiker können oder wollen sich nicht von ihr vertreten lassen. Für all diejenigen stellt die neue Cultural Commons Collecting Society (C3S) einen lang ersehnten Gegenentwurf zur GEMA dar.

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