Das Startup der 100 Ideen – Valentin Stalf über N26


Dieser Beitrag ist Teil einer Artikelreihe im Vorfeld der internationalen Tech-Konferenz Viva Technology, zu der vom 15. bis 17. Juni 2017 rund 50.000 Teilnehmer und über 5.000 Startups nach Paris kommen. Die Netzpiloten werden als Medienpartner der Viva Technology mit vor Ort sein. Und hier gibt es Tickets für das Event zu gewinnen.


Mit N26 ist Berlin Sitz der wohl zurzeit interessantesten mobilen Bank Europas. Das ehemalige Fintech-Startup, das heutzutage als volllizenzierte Bank tätig ist, hat in den letzten anderthalb Jahren seine Nutzerbasis auf 300.000 verdreifachen können. Im gleichen Zeitraum hat das einst von Maximilian Tayenthal und Valentin Stalf in Wien gegründete Startup auch die Internationalisierung vorangetrieben und operiert heute in 17 europäischen Ländern.

Unser Autor Tobias Schwarz hat sich mit Valentin Stalf, der Mitte Juni auch auf der Viva Technology als Speaker auftreten wird, zum Interview getroffen und über die Unternehmenskultur von N26, das Recruiting als mobile Bank und den Arbeitsbedingungen bei N26 unterhalten:

Tobias Schwarz: Ich habe neulich von einer Firma gehört, die einen Buchhalter gesucht hat und die hat jede Rechnung mit ein bis drei Cent zu viel überwiesen und dem Buchhalter der anderen Firma, der sich gemeldet hat, haben sie ein Jobangebot gemacht. Um ein guter Buchhalter zu sein, muss man keinen tollen Lebenslauf schreiben. Wie findet man smarte Mitarbeiter für eine Bank? Wie definiert man, was ein smarter Mitarbeiter für ein ehemaliges Startup ist?

Valentin Stalf Image by Valentin Stalf
Image by Valentin Stalf

Valentin Stalf: Wir sind keine Bank im traditionellen Sinn, sondern aufgrund dessen, was wir unseren Kunden bieten, beispielsweise auch Problemlösungsstrageien. Darum versteht man uns als kundennahe Bank. Wenn man sich unser Unternehmen von der Mitarbeiterseite anschaut, sind wir ein Technologieunternehmen wie Spotify oder Soundcloud. Wir sind ein Unternehmen, das davon lebt, dass wir hier eine große Technologiekultur innerhalb der Company etabliert haben.

Wenn es darum geht, die richtigen Mitarbeiter für so ein Umfeld zu finden, haben wir einen sehr strukturierten Bewerbungsprozess. Wir haben die freien Stellen auf unserer Website ausgeschrieben, setzen im Technologiebereich aber auch viel auf direkte Ansprache. Wir führen einen sehr strukturieren Bewerbungsprozess, bei dem wir verschiedene Merkmale aus dem Lebenslauf des Kandidaten anschauen und danach etwa drei bis fünf Gespräche führen. Während dieser Gespräche lernt man verschiedene Mitarbeiter uns kennen. Das gibt und die Möglichkeit zu prüfen, ob der Kandidat zu unserer Kultur passt.

Wir prüfen auch, ob N26 zu dem potenziellen Mitarbeiter passt. Dazu führen wir praktische Cases innerhalb der Bewerbungsgespräche durch, ziehen dabei Situation aus dem täglichen Leben heran. Am Ende der Gespräche kommt das ganze Team zusammen und es wird gemeinsam eine Abwägung getroffen, ob der Kandidat ein Mitarbeiter wäre, der gut zum Team passt.

Porsche hat mir erzählt, dass sie ein Technologieunternehmen sind, Zalando hat das getan, und jetzt auch ihr. Wenn aber N26 keine klassische Bank ist, sondern auch ein Technologieunternehmen, was macht dann eure Kultur genau aus?

Bei N26 setzen sich die Leute mit digitalen Produkten auseinander. Jeder, der hier bei uns im Team ist, ist ein Digital Native oder nutzt täglich seine Apps auf dem Smartphone. Alle sind sehr engagiert, das ganze digitale Produkt zu verstehen. Das heißt, dass Mitarbeiter in einer verantwortungsvollen Rolle oder Mitarbeiter, die Verantwortung übernehmen, beispielsweise als Product-Owner – Verständnis für digitale Produkte mitbringen müssen. Da sind wir sicher auf einem ganz anderen Niveau als traditionelle Banken oder wie ein traditioneller Autohersteller. Wir arbeiten auch ein bisschen anders, als eine traditionelle Sparkassenfiliale.

N26 office meeting (Image via N26)
Image by N26

Wir sitzen hier gerade im Ballsaal des ehemaligen Fernmeldeamtes der DDR-Regierung in der Berliner Klosterstraße. Der Raum ist nicht mehr in seinem ursprünglichen Zustand, eure Arbeitsplätze würde ich aus einer Mischung von Hot-Desking-Bereichen und Fixed Desks beschreiben. Ist das jetzt das klassische N26-Büro?

Man will das neue Arbeiten auch repräsentieren, mit viel Glas, viel Transparenz – das ist einerseits einer unserer Werte, die wir haben. Andererseits zeigt es auch die offene Kommunikation im Team und eine gewisse Kreativität, die wir beim Kreieren digitaler Produkte einfach mit hineinbringen wollen.

Neue Arbeit setzt aber auch sehr auf Selbstverwirklichung der eigenen Persönlichkeit. Inwiefern gebt ihr Leuten Raum, sich bei N26 selber zu verwirklichen?

Wir haben im Technologiebereich eine Idee namens Product Chance. Hier gibt es alle paar Wochen Tage, an denen sich das Team eigene Themen aussucht, die es verwirklichen will. Ein ganz spannendes Thema, an dem wir letztens gearbeitet haben, war ein Bot im Customer Management. Dieser Bot kann schätzungsweise 60 Prozent unserer Serviceanfragen vorselektieren und beantworten. Die Zeit, die dadurch gewonnen wird, kann man intensiver für andere Themen verwenden, beispielsweise wenn ein Kunde seine Karte verloren hat und Hilfe braucht.

Gute und innovative Ideen entstehen, wenn man seinem Team Zeit gibt. Ich glaube, das ist ein wichtiges Thema, um innovativ zu bleiben. Natürlich gibt es immer einen gewissen Konflikt in einem Startup, weil man mit einer sehr engen Timeline arbeitet. Für N26 gäbe es wahrscheinlich noch über 100 gute Ideen, die wir umsetzen würden. Wir haben aber nur Kapazität für zehn in den nächsten sechs Monaten. Und das steht dann natürlich in einem gewissen Kampfverhältnis zu unseren eigentlichen Zielen. Aber es ist wichtig für uns, dass unsere Mitarbeiter regelmäßig frei an anderen Innovationen arbeiten.

N26 Office Ballroom (Image via N26)
Image by N26

Was habe ich vergessen zu fragen. Worüber würdest du eigentlich gerne reden, aber niemand fragt dich danach?

Da muss ich jetzt kurz nachdenken. Das Wichtigste ist, man versteht, dass N26 nicht nur ein neues Bankprodukt ist, sondern dass wir Banking grundsätzlich verändern: Wie wir die Produkte gestalten, wie wir Mitarbeiter, aber auch Kunden in unseren Produktentwicklungsprozess mit einbeziehen. Es geht nicht darum, kurzfristig ein besseres Girokonto aufzubauen, sondern die Idee ist, langfristig faires, gutes Banking zu besseren Konditionen anzubieten. In der Kombination aus Technologie mit einer viel besseren Kostenstruktur und mit sehr innovativen und sehr guten Mitarbeitern.

Danke. Das ist mal eine gute Antwort.


Images by N26


Die Netzpiloten sind Partner der Viva Technology und werden vor Ort berichten. Wir verlosen Tickets für das Event, das vom 15. Bis 17. Juni 2017 in Paris stattfindet. Um an der Verlosung teilzunehmen, macht einfach mit und nutzt eure Chance auf Tickets for free für die Viva Technology! Zeit habt ihr dafür bis Dienstag, den 06. Juni. Viel Glück!

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , ,
Tobias Schwarz

Tobias Schwarz

ist Coworking Manager des St. Oberholz und als Editor-at-Large für Netzpiloten.de tätig. Von 2013 bis 2016 leitete er Netzpiloten.de und unternahm verschiedene Blogger-Reisen. Zusammen mit Ansgar Oberholz hat er den Think Tank "Institut für Neue Arbeit" gegründet und berät Unternehmen zu Fragen der Transformation von Arbeit.

More Posts - Website - Twitter - Facebook - Google Plus