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Instagram: Fast jeder zehnte Account ist fake

Jakob Owens unsplash com

In den letzten Jahren ist es für viele Unternehmen in der digitalen Branche essentiell geworden, dass potentielle Mitarbeiter einen gewissen Status in den Social Media haben. Am meisten zählt die Follower-Zahl auf Instagram. Klar, das Verhältnis zwischen den „Gefällt mir“-Angaben und der Anzahl an Abonnenten sollte stimmen, aber den besonderen ersten Eindruck erzeugt eben das Letztere.

Doch mittlerweile heißt es, die Agenturen seien davon nicht überzeugt. Die Follower würden an Bedeutung verlieren. Das liegt daran, dass ein Research-Unternehmen namens Ghost Data eine Untersuchung durchgeführt hat, bei der teilweise schockierende Informationen rauskamen. Auf Instagram sind 9,5 Prozent der Accounts fake. Solche Profile sind nicht echt. Sie existieren nur, um die Followerzahlen von Influencern zu steigern.

Instagram verwendet immer neue Algorithmen, um die Lücken im Kampf mit Fake-Accounts zu schließen. Doch auch die Leute, die an Bots Geld verdienen, werden schlauer. Mittlerweile gibt es auch echte Accounts, die durch eine Automatisierung Interaktionen führen können. Und in dem Fall ist es deutlich schwieriger, den permanenten Spam wirkungsvoll zu bekämpfen.

Bots sind gefährlich, denn sie sind in großem Maße dafür zuständig, politische Propaganda zu verbreiten.

Was sind die möglichen Folgen der hohen Bot-Anzahl?

Laut Instagram seien die Zahlen der aktiven Fake-Accounts sehr niedrig. Wenn man aber bedenkt, dass Facebook 580 Millionen Profile gelöscht hat und Twitter aktiv und regelmäßig seine User-Liste „reinigt“, dann könnte man behaupten, Instagram sei den Bots gegenüber nicht konsequent genug.

Jetzt sieht man die zwei Extreme, in die die beliebte Plattform verfällt. Auf der einen Seite wurden bereits einige Influencer wegen Werbeanzeigen verurteilt und müssen bei jeder Kleinigkeit mit Abmahnungen rechnen. Andererseits guckt Instagram bei einer steigenden Rate von Fake-Accounts dann abr doch nicht zu genau hin.

Offensichtlich schadet diese Tatsache dem Unternehmen, denn so verliert es an Bedeutung und Glaubwürdigkeit in den Augen der Agenturen. Dies wird nicht das Ende von Instagram sein, doch es ist der erste Schritt in diese Richtung. Jetzt bleibt es nur abzuwarten und zu schauen, ob auch Insta bald eine große Aufräum-Aktion startet.


Jakob Owens / unsplash.com

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Mit SMS informiert: Purple setzt auf 90er-Technik statt Push-Nachrichten

Should we call for help (adapted) (Image by Clem Onojeghuo [CC0 Public Domain] via Unsplash

Das Nachrichten-Startup Purple, das vor Kurzem eine Testphase hinter sich gebracht hat, richtet sich hauptsächlich an Journalisten, die bereits über eine große eigene Followerschaft in sozialen Netzwerken verfügen. Wie sich herausgestellt hat, eignet sich SMS-Messaging besser als der Facebook Messenger für die Art und Häufigkeit von Nachrichten und Informationen, wie sie Purple seinem handybewehrten Publikum liefern will.

Ich glaube, im Messenger-Ökosystem zu sein, macht es Leuten viel einfacher, Purple zu verbreiten. Hier können sie interessanten und wichtigen Content, über den wir [auf Purple] reden, mit ihren Freunden zu teilen”, sagte Rebecca Harris, Purple-Chefin und Mitbegründerin, im letzten Sommer gegenüber dem Lab. Der Dienst konnte einen beachtlichen Erfolg vorweisen: Sein Channel zur US-Wahlberichterstattung im November 2016, der von Harris verwaltet wurde, wuchs auf rund 18.000 Subscriber an, wenn man alle SMS-Messaging- und Facebook Messenger Distributionsoptionen zusammenzählt.

Jetzt lässt Purple sein Angebot für den Facebook Messenger zurück und konzentriert sich auf den Ausbau seiner SMS-Messaging-Plattform für einzelne Schöpfer. Hier können sie eine Gebühr für die Subscriber festsetzen – eine Art reduziertes, SMS-basiertes Patreon. Purple hatte sich dazu entschieden, aus finanziellen und technischen Gründen die Mehrheit seiner Dienste auf Facebook zu verschieben. Dann jedoch drohte der Messenger zu einem unüberschaubaren Ort zu werden, der nur so von Bots wimmelte.

„Facebook Messenger war in vielerlei Hinsicht toll. Er ist gratis – was ein großes Argument dafür ist. Das User Interface gibt einem mehr Flexibilität, man kann seine Buttons nutzen, es gibt mehr Funktionalität. Aber wir hörten wieder und wieder von Nutzern, dass er einfach nicht so persönlich ist“, sagt Harris. „Eine Person beschrieb ihn so: ‘Ich simse mit Freunden und Familie. Auf dem Facebook Messenger schreibe ich mit Leuten, mit denen ich nicht so gut bekannt bin, dass ich Ihnen tatsächlich meine Nummer geben würde.’ Ich denke, das fasst das Verhältnis vieler Menschen zum Messenger zusammen.

„Man ist auch mit dem Hindernis konfrontiert, sicherzustellen, dass Leute verstehen, dass man kein Bot ist, denn die Leute haben viele mittelmäßige bis schlechte Erfahrungen mit Facebook Messenger-Bots gemacht,” fügte sie hinzu. “Es braucht mehr Überzeugungsarbeit als wir uns wünschen würden, dass da wirklich ein echter Mensch auf der anderen Seite ist.“

Der neue Purple-Dienst, momentan in einer privaten Beta-Version erhältlich, richtet sich hauptsächlich an Journalisten, die bereits über eine große eigene Followerschaft in sozialen Netzwerken verfügen. Nach dem Beta-Test wird die Plattform jedem offenstehen, der Interesse am Erschaffen eines Kanals für zahlende Subscriber hat – Creators setzen ihre eigenen Preise fest, beginnend bei drei US-Dollar pro Monat – und Leser kommen zur Plattform, um nach Personen zu suchen, denen sie folgen und die sie finanziell unterstützen möchten. Ein Teil dieses potentiellen Einkommens fließt in die Abdeckung der Messaging-Kosten und die Gebühren für das Bezahlsystem Stripe, das Purple nutzt, um die Subscriptions zu verwalten. Den Autoren bleiben am Ende wahrscheinlich 60 bis 70 Prozent des Geldes, was ihre Leser zahlen, so Harris. Mitbegründer David Heinmann konstruierte den Rest der Plattform betriebsintern.

„Wir stellen uns vor, dass Purple in Zukunft ein Ort sein wird, wo man hingeht, um die besten Quellen zu finden und direkt zu jedem beliebigen Thema zu subscriben. Es soll ein Ort sein, der geschaffen wurde, um Leuten zu helfen, mit jeder individuellen Quelle weiter in die Tiefe zu gehen“, sagte Harris. „Ich glaube nicht, dass wir Mitglieder erleben werden, die mehr als eine Handvoll Purpler, so nennen wir die Content Creators, abonniert haben werden. Du abonnierst ein paar wenige. Das sind deine Experten, deine Personen der Wahl.“

Ein Kanal ist bereits gestartet: Ein News-Service für fünf Dollar im Monat, der von einigen Mitgliedern des Breaking News-Teams betrieben wird. Purple hatte Al Boe und sein Team angefragt, einen Kanal für Eilmeldungen zu starten, sagte Boe – außerdem war er bereits ein früher Purple Nutzer. Für diese Summe erhalten seine Subscriber um die fünf wichtigsten Kurzmeldungen, bald kommen noch Anpassungsoptionen und direkter Zugang zum Nachrichtendienstpersonal hinzu. Der Preis berechnet sich daraus, “was ich für einen Premiumdienst verlangt hatte, den ich über Patreon betrieben habe”, so Boe, und auch seine Patreon-Unterstützer hat er auf Purple verlagert.

„Wir ermuntern unsere Subscriber, uns alle Fragen oder Feedback zu schreiben und wir schreiben direkt zurück. Die Fragen müssen sich nicht einmal auf eine Geschichte beziehen, die wir behandelt haben“, schrieb Boe in einer Email. „Nachrichtenkonsum ist nicht länger einseitig und es bietet eine noch persönlichere Verbindung als eine, wie man sie auf einem Dienst wie Twitter haben könnte.“

Purples Plattform sammelt alle von Nutzern gesammelten Nachrichten und bildet sie in einem dezidierten Slack ab, in dem Creators alle eingehenden Fragen verfolgen und beantworten können. Die Plattform vollzieht auch Analyseparameter wie Churn, Verbleibquote, Klickraten von Links nach und wird mit Beta-Testern arbeiten, um herauszufinden, welche anderen Tools sie vielleicht gerne im Backend zur Verfügung hätten.

„Es gibt verschiedene Tools da draußen, die von Leuten benutzt werden, um Lösungen zusammenzubasteln“, sagte Harris, mit Blick auf die Newsletter von Jamelle Bouie und Sam Harris. „Wir haben den ganzen Zahlungsstrom für euch arrangiert. Wir geben euch eine Möglichkeit, eure Mitgliedschaften zu managen. Wir geben der Zielgruppe ein überzeugendes Nutzenversprechen, das letztlich auf exklusives Engagement durch Text hinausläuft.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf „NiemanLab“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Should we call for help“ by Clem Onojeghuo (CC0 Public Domain)


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Wenn Cortana Behördengänge macht: Künstliche Intelligenz in der öffentlichen Verwaltung

Thomas Langkabel bei Microsoft Explained über Künstliche Intelligenz in der öffentlichen Verwaltung

Auto ummelden, Pass verlängern oder Kindergeld beantragen: Behördengänge mag niemand. Denn persönliche Besuche beim Amt und Warteschlangen nerven genauso wie manche Angelegenheiten nur per Brief oder Fax erledigen zu können. Die Verwaltung zu digitalisieren, kommt hierzulande nur schleppend voran. Dabei ließe sich E-Government schneller umsetzen als viele glauben, davon ist Thomas Langkabel überzeugt. Der Technologie-Experte von Microsoft hat eine Vision: Bürger müssen sich nicht mit Ämtern rumärgern, sondern lassen dies Chatbots erledigen. Was Künstliche Intelligenz in der öffentlichen Verwaltung bewirken kann und warum ein Mentalitätswandel noch wichtiger ist als neue Technik, erklärte Thomas Langkabel im Netzpiloten-Interview am Rande der Digitalkonferenz Microsoft Explained in Berlin.

Netzpiloten: Was kann Künstliche Intelligenz in der öffentlichen Verwaltung mir persönlich als Bürger bringen?

Thomas Langkabel: Derzeit sind Behördengänge oft mühselig, weil Bürger sich viele Fragen stellen müssen: Welche Behörde ist zuständig? Auf welchem Weg muss ich sie kontaktieren? Welche Angaben und Dokumente muss ich bereithalten? Das ließe sich drastisch vereinfachen, wenn Cortana oder ein anderer intelligenter digitaler Assistent alles Nötige automatisch mit den zuständigen Behörden-Chatbot klärt.

Das klingt nach Science-Fiction. Wie soll sich das in naher Zukunft umsetzen lassen?

Die Idee ist nicht so weit hergeholt. Bund und Länder stellen derzeit die Weichen für einen Portalverbund im Internet. Damit wird es möglich sein, dass Bürger auf nur einer Webseite alle Behördenangelegenheiten erledigen, egal welche Anlaufstelle in welchem Ort zuständig ist. Zur Idee gehört auch, dass jeder Bürger einen Datensafe hat und entscheiden kann, ob und welcher Behörde er Zugriff darauf gibt. Denkt man das weiter, ist der Schritt nicht weit zu meinem persönlichen digitalen Assistenten, der Zugang zu meinem Datensafe und meinen Outlook-Kalender hat und für mich beim Behördenportal die Verlängerung meines Reisepasses erledigt.

Wie würde so ein Vorgang in der Praxis konkret ablaufen?

Denkbar ist, dass der intelligente Assistent weiß, dass ich bald ins Ausland verreise, dafür einen Reisepass benötige und dieser vorher abläuft. Der Assistent weißt mich darauf hin und fragt um Erlaubnis, ob er alles für die Verlängerung in die Wege leiten soll. Dann ermittelt er das zuständige Amt und „bespricht“ sich dort mit dem Chatbot. Der Bot „beschreibt“ Cortana den Prozess und teilt mit, dass ich einen persönlichen Termin und ein aktuelles Passbild brauche. Cortana wiederum weiß, wann ich Zeit habe und verhandelt mit dem Bot online eine Terminabsprache aus. Das alles könnte ich als Bürger erledigen, in dem ich mit nur einem Wort meiner Künstlichen Intelligenz erlaube, alles vorzubereiten. Wie schön und einfach wäre das bitte?!

Warum braucht es für solche Modernisierungsmaßnahmen eigentlich Künstliche Intelligenz, also selbstlernende Algorithmen, warum reicht nicht „normale“ Software?

Weil es das Ziel sein muss, dass ich die Wünsche mit natürlicher Sprache äußere und nicht formelhafte Kommandos auswendig lernen muss. Ich möchte sagen können: „Ich brauche eine Baumfällgenehmigung“ oder „Ich möchte einen Baum fällen“. Dann soll der intelligente Assistent wissen was zu tun ist, selbst wenn diese Erlaubnis einen ganz anderen amtlichen Namen hat.

Und Sie wollen darauf hinaus, dass Künstliche Intelligenz eben sehr gut beim Erkennen von Zusammenhängen sein kann?

Genau, die Software muss komplexe semantische Zusammenhänge entschlüsseln und wissen, was ich meine, auch wenn ich etwas Anderes sage. Das geht mit Künstlicher Intelligenz viel besser als mit herkömmlicher Software.

KI Verwaltung Cortana Microsoft Explained

Das Beispiel, das Sie schildern, beinhaltet noch viele Detailprobleme. Zum Beispiel müsste ich wirklich alles im Outlook-Kalender eintragen, sonst legt mir Cortana den Behördentermin vielleicht auf ein Zeitfenster, an dem ich mich mit meinem Freund Peter treffen möchte, ohne dass dies im Kalender steht.

Natürlich gibt es noch Herausforderungen. Ich skizziere letztlich eine Vision, keinen Plan, der fertig in der Schublade liegt. Aber in einer idealen Welt ist der intelligente Assistent so auf mich bzw. meine Lebensrealität trainiert, dass er auch dann meine Verhaltensweisen mit hoher Wahrscheinlichkeit vorausplant, ohne dass ich sie schriftlich festhalte. So eine enge Verzahnung von Alltag und Technologie mag zwar für manche erschreckend klingen. Aber wenn es mir persönlich hilft, halte ich so eine Entwicklung für legitim.

Dass Privatnutzer technologisch gewappnet sind, ist das eine. Damit ihre Vision real werden kann, müsste man auf der anderen Seite Künstliche Intelligenz in der öffentlichen Verwaltung flächendeckend einführen. Das geht doch nicht von heute auf morgen.

Ja, so eine Entwicklung geht nicht schlagartig. Aber sie ist auch keine Zukunftsmusik mehr. Es geht schon los! So testet die Stadt Bonn bereits den ‚Botty Bonn‘ als Chatbot, über den Bürger per Smartphone Auskünfte von der Verwaltung erhalten, andere Beispiele entstehen bereits in Krefeld oder dem Landkreis Lüneburg. Das sind alles bereits gute Ansätze, aber noch wichtiger als einfach nur Künstliche Intelligenz in der öffentlichen Verwaltung einzuführen, ist, dass sich auch strukturell etwas in der Verwaltung ändert.

Was meinen Sie damit?

Es geht mir um drei Aspekte. Erstens muss die Verwaltungsausbildung generell reformiert werden. Statt ausschließlich Verwaltungsjuristen, die sich im Paragraphendschungel perfekt auskennen, bräuchten wir auch Personal, das sich mit der Entwicklung von Verwaltungsstrukturen beschäftigt und Prozesse eigeninitiativ hinterfragt.

Zweitens muss die Innovationsfreude gestärkt werden. So wie in der der Wirtschaft der Wettbewerb die Entwicklung antreibt, könnte man in der öffentlichen Verwaltung die Zufriedenheit von Bürgern erheben, vergleichen und hinterfragen, warum sie hier besser ist als dort.

Und drittens müssen Verwaltungen dazu übergehen, Anreize für Verhaltungsänderungen von Bürgern zu setzen. Es reicht nicht einfach, digitale Angebote einzuführen, sie müssen auch beworben werden. Das Maß der Digitalisierung wird häufig nur am Vorhandensein einzelner Angebote gemessen, aber nicht an ihrer tatsächlichen Nutzung. Wir brauchen nicht nur Open Government Data, sondern Open Government Performance Data.

Das setzt einen Mentalitätswandel in der öffentlichen Verwaltung voraus, der häufig noch viel länger dauert als technologische Innovation. Wie lässt sich das erreichen?

Das ist eine Frage des politischen Willens. Sowas passiert nicht von selbst. Zwar glauben manche, dass man bloß warten muss, bis die Generation der Digital Natives im Verwaltungspersonal ausreichend vertreten ist. Aber das halte ich für zu kurz gedacht. Es gibt nämlich auch viele Skeptiker in dieser Alterskohorte. Daher ist es kein generationskulturelles Problem, sondern ein strukturelles Problem, dass nur durch neue Ausbildungsinhalte angegangen werden kann. Aber das System wird sich nicht von selbst reformieren. Daher muss die Politik ran.

Wie lange würde so eine Reform benötigen, bis sie greift?

Angenommen, wir fangen jetzt an, würde es mindestens drei bis vier Jahre dauern, bevor überhaupt eine Modernisierung jenseits von vereinzelnden und daher insgesamt wenig wirksamen Projekten zu spüren ist, weil solange eben die Verwaltungsausbildung dauert. Ein flächendeckender Impact durch einen Mentalitätswandel kann sogar zehn bis 15 Jahre erfolgt sein – sofern wir jetzt anfangen.

Und wann könnte Cortana für mich Termine vereinbaren?

Wenn alle Beteiligten das wollten, ließe sich Künstliche Intelligenz in der öffentlichen Verwaltung innerhalb von drei bis vier Monaten einführen. Die technische Infrastruktur ist nämlich gar nicht das Problem, weil die meiste Rechenleistung in der Cloud liegt. Man bräuchte also keine neue Hardware, sondern nur harten Willen dafür.

Vielen Dank für das Gespräch. 

Über Thomas Langkabel, National Technology Officer bei Microsoft Deutschland

Thomas Langkabel verantwortet seit 2011 die Technologie-Entwicklung und -Strategie bei Microsoft Deutschland. Cloud Computing, Digitale Transformation und E-Government gehören zu seinen Schwerpunktthemen. In diesem Zusammenhang spricht er auch über Künstliche Intelligenz in der öffentlichen Verwaltung. Thomas Langkabel arbeitet in seiner Rolle auch in verschiedenen Gremien in Verbänden und Institutionen, wie etwa dem Arbeitskreis „Digitale Verwaltung“ des BITKOM oder den Arbeitsgruppen „Innovativer Staat“ und „Ethik“ der Initiative D21. Der diplomierte Ingenieur der Luft- und Raumfahrttechnik diente vor seinem Wechsel in die IT-Beratung als technischer Offizier der Luftwaffe.

Dieses Interview entstand in Zusammenarbeit mit Microsoft.


Images by Berti Kolbow-Lehradt


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Bad News, Everyone: Chatbots ohne Emotionen übernehmen den Kundenservice

Headset (adapted) (Image by ronaldo [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Es ist heutzutage nicht einfach, einen echten Menschen ans Telefon zu kriegen. Nahezu jedes Mal, wenn man seine Bank, seinen Arzt oder irgendeinen anderen Service anrufen muss, wird man höchstwahrscheinlich von einem vollautomatischen Service begrüßt. Dieser wurde scheinbar nur dafür gemacht, um uns davon abzuhalten, mit jemanden zu sprechen, der tatsächlich für das Unternehmen arbeitet. Und dank der auf dem Vormarsch befindlichen Chatbots dürfte das bald noch schlimmer werden.

Chatbots sind Programme, die sich künstlicher Intelligenz bedienen. Sie werden häufig in Apps oder Nachrichtenservices eingesetzt. Die Bots sind darauf ausgerichtet, die Fragen von Leuten im Gesprächsstil zu beantworten, anstatt sie nur in die Richtung der korrekten Antwort zu leiten, wie es eine Suchmaschine tut. Unternehmen wie Uber, Lufthansa und Pizza Express nutzen sie bereits, um die Anfragen von Kunden entgegen- und Buchungen anzunehmen – und für noch vieles mehr.

Sie haben das Potential, einige Aspekte des Kundenservices zu verbessern und sind sicherlich einfacher zu nutzen als automatisierte Telefonsysteme, die schon Schwierigkeiten haben, einfache Angaben zu verstehen. Doch sie sind trotzdem ein weiteres Hindernis, das Kunden von einem realen Menschen trennt, der in der Lage ist, schwierigere Fragen zu beantworten und, ganz wichtig, das Mitgefühl und Entgegenkommen zeigt, das elementar für einen guten Kundenservice ist. Es kann gut sein, dass Chatbots dies sowohl Kunden als auch Unternehmen auf die harte Tour herausfinden lassen werden.

Den Kundenservice, oder zumindest einen Teil davon, zu automatisieren, ist für viele Unternehmen ein verlockender Gedanke. Nicht nur sind die menschlichen Mitarbeiter den Unannehmlichkeiten des Jobs weniger ausgesetzt – es kann auch dabei behilflich sein, viele gängige oder triviale Probleme herauszufiltern, bevor die kostspielige Arbeitszeit eines Menschen dafür geopfert wird. Dies könnte Unternehmen dabei unterstützen Kosten zu sparen. Gleichzeitig werden diejenigen Kunden zufriedengestellt, die lediglich eine einfache Lösung für Standardprobleme benötigen.

Doch menschliche Angestellte durch künstliche zu ersetzen, ist nicht ganz so einfach. Zunächst einmal ist die Sprache mit all ihren Variationen und Fehlern – und obwohl es mittlerweile wirklich beeindruckende Fortschritte im automatischen Sprachverstehen und Übersetzen gibt, bleibt dies eine schwierige Angelegenheit. Vollautomatische Vertreter sind immer noch deutlich weniger kompetent und sprachbewusst. Bei manchen Problemen wäre es daher schwierig, wenn nicht unmöglich, diese zu kommunizieren.

Gut, aber nicht gut genug

Talent ist die Fähigkeit, gute Leistung abzuliefern. Können ist die Fähigkeit, eine ungewöhnlich schwierige Situation zu lösen. Die Ausnahme zu beherrschen, ist eine Kunst, und bei gutem Kundenservice geht es oft um die ungewöhnlichen oder unerwarteten Fälle, die auch noch potentiell verärgerte Kunden mit sich bringen. Während Chatbots überzeugende Antworten auf simple Fragen geben können, ist künstliche Intelligenz dennoch noch nicht schlau genug, mit seltenen und außergewöhnlichen Fällen umgehen zu können.

Unternehmen mögen dies zu Anfang nicht als ein Problem sehen, da Chatbots eine neue Möglichkeit darstellen, um Kunden zu sortieren, deren Anliegen einen gewissen Extraaufwand mit sich bringt. Nur diejenigen Kunden, deren Anliegen den Bot irritieren, werden zu einem menschlichen Angestellten weitergeleitet. Doch die Kommunikation mit einem verwirrten Computer kann schnell als ein frustrierender Vorgang wahrgenommen werden, und kann dazu führen, dass sich der Kunde noch mehr über den Service ärgert als zuvor. Auf lange Sicht könnte er schließlich dazu ermuntert werden, anderswo Geschäfte zu machen – besonders, wenn es schwer ist, zur Problemlösung endlich an einen menschlichen Vertreter weitergeleitet zu werden, sollte der Bot nicht in der Lage sein, zu helfen.

Eine Erfahrung dieser Art habe ich selber gemacht, als ich nach einem Zugausfall versuchte, ein Taxi zu ergattern. Als ich den einzigen lokalen Anbieter, von dem ich die Nummer hatte, anrief, wurde ich zu einem vollautomatischen Service weitergeleitet, der absolut nicht in der Lage war, den Abholort zur verstehen, obwohl ich schon alle Variationen des Namens und der Aussprache probiert hatte, die mir eingefallen waren.

Durch eine glückliche Fügung wurde ich irgendwie zu einem menschlichen Gesprächspartner durchgestellt. Doch bevor ich mein Anliegen vortragen konnte, hieß es: „Ich stelle Sie an das Buchungssystem durch“ – und der Teufelskreis begann von vorn. Die traurige Geschichte endete mit einem sehr langen Fußmarsch, dem glücklichen Aufgelesenwerden durch ein Taxi in einer ansonsten weitgehend menschenleeren Gegend, und dem Schwur, dieses Taxiunternehmen zu meiden, wo nur möglich.

Vollautomatische Systeme mögen in der Lage sein, gängige Probleme zu lösen. Doch sie können sich noch nicht auf außergewöhnliche Umstände einstellen oder gar erkennen, dass die Anpassungsfähigkeit einer menschlichen Interaktion vonnöten ist. Und aus Kundensicht geht das Problem noch weiter: Einige Situationen erfordern nicht bloß menschliches Verständnis und Problemlösefähigkeit, sondern auch eine Spur Mitgefühl und Empathie.

Ein Chatbot kann so programmiert sein, einen bestimmten Gesprächsstil anzunehmen, doch dieser wird sich in unerwarteten oder schwierigen Zusammenhängen dennoch seltsam fehl am Platz anhören. Zum heutigen Zeitpunkt gibt es keinen praktizierbaren Fahrplan in der Forschung im Bereich künstlicher Intelligenz, wie man etwas implementieren könnte, das menschlichem Mitgefühl überzeugend nahekommt.

Neben der tatsächlichen Lösung ihres Problems benötigen verärgerte Kunden manchmal vielmehr ein paar nette Worte und die Möglichkeit, sich bei jemandem auszusprechen, der bereitwillig zuhört. Und häufig beruht guter Kundenservice auf Gesten des Entgegenkommens, die nach Ermessen eines individuellen Angestellten ausfallen, der eher dem eigenen Mitgefühl als einem festen Regelwerk folgt.

Aufgrund der starken Kontextabhängigkeit der Situation ist es für die künstliche Intelligenz sehr schwer, dies nachzubilden. Meiner Meinung nach ist Kontextverständnis noch immer eines der extrem schwer fassbaren und ungelösten Probleme der künstlichen Intelligenz – und wird es auch noch für eine ganze Zeit bleiben.

Davon abgesehen werden Chatbots und andere Kundendienste, die auf künstliche Intelligenz zurückgreifen, aufgrund des kostensparenden Versprechens und anderer Vorteile, die Automatisierung mit sich bringt, in den kommenden Jahren drastisch auf dem Vormarsch sein. Das wahrscheinliche Ergebnis ist ein umso technokratischerer Umgang mit Problemen und weniger Flexibilität. Schlimmer noch: Sollte der Algorithmus deutlich verfeinert werden, wird der Prozess der Entscheidungsfindung immer intransparenter und lässt immer weniger Raum für die mildernde menschliche Intervention.

Wenn wir das verhindern wollen, müssen wir uns bewusst werden, dass der Weg zur Hilfe nicht mit guten Vorsätzen gepflastert ist, sondern darin liegt, zu verstehen, wie eingeschränkt die künstliche Intelligenz ist, wenn es um das Verstehen von Kontexten, Ausnahmefällen und menschlichen Umständen geht.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Headset“ by ronaldo (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Das Startup der 100 Ideen – Valentin Stalf über N26

Logo Valentin_Viva Technology (Image by Netzpiloten)

Dieser Beitrag ist Teil einer Artikelreihe im Vorfeld der internationalen Tech-Konferenz Viva Technology, zu der vom 15. bis 17. Juni 2017 rund 50.000 Teilnehmer und über 5.000 Startups nach Paris kommen. Die Netzpiloten werden als Medienpartner der Viva Technology mit vor Ort sein. Und hier gibt es Tickets für das Event zu gewinnen.


Mit N26 ist Berlin Sitz der wohl zurzeit interessantesten mobilen Bank Europas. Das ehemalige Fintech-Startup, das heutzutage als volllizenzierte Bank tätig ist, hat in den letzten anderthalb Jahren seine Nutzerbasis auf 300.000 verdreifachen können. Im gleichen Zeitraum hat das einst von Maximilian Tayenthal und Valentin Stalf in Wien gegründete Startup auch die Internationalisierung vorangetrieben und operiert heute in 17 europäischen Ländern.

Unser Autor Tobias Schwarz hat sich mit Valentin Stalf, der Mitte Juni auch auf der Viva Technology als Speaker auftreten wird, zum Interview getroffen und über die Unternehmenskultur von N26, das Recruiting als mobile Bank und den Arbeitsbedingungen bei N26 unterhalten:

Tobias Schwarz: Ich habe neulich von einer Firma gehört, die einen Buchhalter gesucht hat und die hat jede Rechnung mit ein bis drei Cent zu viel überwiesen und dem Buchhalter der anderen Firma, der sich gemeldet hat, haben sie ein Jobangebot gemacht. Um ein guter Buchhalter zu sein, muss man keinen tollen Lebenslauf schreiben. Wie findet man smarte Mitarbeiter für eine Bank? Wie definiert man, was ein smarter Mitarbeiter für ein ehemaliges Startup ist?

Valentin Stalf Image by Valentin Stalf
Image by Valentin Stalf

Valentin Stalf: Wir sind keine Bank im traditionellen Sinn, sondern aufgrund dessen, was wir unseren Kunden bieten, beispielsweise auch Problemlösungsstrageien. Darum versteht man uns als kundennahe Bank. Wenn man sich unser Unternehmen von der Mitarbeiterseite anschaut, sind wir ein Technologieunternehmen wie Spotify oder Soundcloud. Wir sind ein Unternehmen, das davon lebt, dass wir hier eine große Technologiekultur innerhalb der Company etabliert haben.

Wenn es darum geht, die richtigen Mitarbeiter für so ein Umfeld zu finden, haben wir einen sehr strukturierten Bewerbungsprozess. Wir haben die freien Stellen auf unserer Website ausgeschrieben, setzen im Technologiebereich aber auch viel auf direkte Ansprache. Wir führen einen sehr strukturieren Bewerbungsprozess, bei dem wir verschiedene Merkmale aus dem Lebenslauf des Kandidaten anschauen und danach etwa drei bis fünf Gespräche führen. Während dieser Gespräche lernt man verschiedene Mitarbeiter uns kennen. Das gibt und die Möglichkeit zu prüfen, ob der Kandidat zu unserer Kultur passt.

Wir prüfen auch, ob N26 zu dem potenziellen Mitarbeiter passt. Dazu führen wir praktische Cases innerhalb der Bewerbungsgespräche durch, ziehen dabei Situation aus dem täglichen Leben heran. Am Ende der Gespräche kommt das ganze Team zusammen und es wird gemeinsam eine Abwägung getroffen, ob der Kandidat ein Mitarbeiter wäre, der gut zum Team passt.

Porsche hat mir erzählt, dass sie ein Technologieunternehmen sind, Zalando hat das getan, und jetzt auch ihr. Wenn aber N26 keine klassische Bank ist, sondern auch ein Technologieunternehmen, was macht dann eure Kultur genau aus?

Bei N26 setzen sich die Leute mit digitalen Produkten auseinander. Jeder, der hier bei uns im Team ist, ist ein Digital Native oder nutzt täglich seine Apps auf dem Smartphone. Alle sind sehr engagiert, das ganze digitale Produkt zu verstehen. Das heißt, dass Mitarbeiter in einer verantwortungsvollen Rolle oder Mitarbeiter, die Verantwortung übernehmen, beispielsweise als Product-Owner – Verständnis für digitale Produkte mitbringen müssen. Da sind wir sicher auf einem ganz anderen Niveau als traditionelle Banken oder wie ein traditioneller Autohersteller. Wir arbeiten auch ein bisschen anders, als eine traditionelle Sparkassenfiliale.

N26 office meeting (Image via N26)
Image by N26

Wir sitzen hier gerade im Ballsaal des ehemaligen Fernmeldeamtes der DDR-Regierung in der Berliner Klosterstraße. Der Raum ist nicht mehr in seinem ursprünglichen Zustand, eure Arbeitsplätze würde ich aus einer Mischung von Hot-Desking-Bereichen und Fixed Desks beschreiben. Ist das jetzt das klassische N26-Büro?

Man will das neue Arbeiten auch repräsentieren, mit viel Glas, viel Transparenz – das ist einerseits einer unserer Werte, die wir haben. Andererseits zeigt es auch die offene Kommunikation im Team und eine gewisse Kreativität, die wir beim Kreieren digitaler Produkte einfach mit hineinbringen wollen.

Neue Arbeit setzt aber auch sehr auf Selbstverwirklichung der eigenen Persönlichkeit. Inwiefern gebt ihr Leuten Raum, sich bei N26 selber zu verwirklichen?

Wir haben im Technologiebereich eine Idee namens Product Chance. Hier gibt es alle paar Wochen Tage, an denen sich das Team eigene Themen aussucht, die es verwirklichen will. Ein ganz spannendes Thema, an dem wir letztens gearbeitet haben, war ein Bot im Customer Management. Dieser Bot kann schätzungsweise 60 Prozent unserer Serviceanfragen vorselektieren und beantworten. Die Zeit, die dadurch gewonnen wird, kann man intensiver für andere Themen verwenden, beispielsweise wenn ein Kunde seine Karte verloren hat und Hilfe braucht.

Gute und innovative Ideen entstehen, wenn man seinem Team Zeit gibt. Ich glaube, das ist ein wichtiges Thema, um innovativ zu bleiben. Natürlich gibt es immer einen gewissen Konflikt in einem Startup, weil man mit einer sehr engen Timeline arbeitet. Für N26 gäbe es wahrscheinlich noch über 100 gute Ideen, die wir umsetzen würden. Wir haben aber nur Kapazität für zehn in den nächsten sechs Monaten. Und das steht dann natürlich in einem gewissen Kampfverhältnis zu unseren eigentlichen Zielen. Aber es ist wichtig für uns, dass unsere Mitarbeiter regelmäßig frei an anderen Innovationen arbeiten.

N26 Office Ballroom (Image via N26)
Image by N26

Was habe ich vergessen zu fragen. Worüber würdest du eigentlich gerne reden, aber niemand fragt dich danach?

Da muss ich jetzt kurz nachdenken. Das Wichtigste ist, man versteht, dass N26 nicht nur ein neues Bankprodukt ist, sondern dass wir Banking grundsätzlich verändern: Wie wir die Produkte gestalten, wie wir Mitarbeiter, aber auch Kunden in unseren Produktentwicklungsprozess mit einbeziehen. Es geht nicht darum, kurzfristig ein besseres Girokonto aufzubauen, sondern die Idee ist, langfristig faires, gutes Banking zu besseren Konditionen anzubieten. In der Kombination aus Technologie mit einer viel besseren Kostenstruktur und mit sehr innovativen und sehr guten Mitarbeitern.

Danke. Das ist mal eine gute Antwort.


Images by N26


Die Netzpiloten sind Partner der Viva Technology und werden vor Ort berichten. Wir verlosen Tickets für das Event, das vom 15. Bis 17. Juni 2017 in Paris stattfindet. Um an der Verlosung teilzunehmen, macht einfach mit und nutzt eure Chance auf Tickets for free für die Viva Technology! Zeit habt ihr dafür bis Dienstag, den 06. Juni. Viel Glück!

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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • TWITTER t3n: Studie: Bis zu 48 Millionen Twitter-Nutzer sind in Wirklichkeit Bots: Jeder siebte Twitter-Nutzer ist ein Bot. Das hat die University of Southern California jetzt in einer Studie ermittelt. Das sind bis zu 15 Prozent der rund 319 Millionen aktiven Nutzern, die gar nicht echt, sondern Social Bots sind. Die Studien-Autoren machten dabei eine ganze Reihe verschiedener Account-Klassen aus. Tatsächlich sind laut der Studie nicht alle Bots schlecht, eine Großzahl wird jedoch auch für politische Stimmungsmache genutzt. Vor allem angesichts der deutschen Bundestagswahl sind Social Bots ein brisantes Thema, so hat sich die Bundesregierung gegen den Einsatz derer entschieden.

  • TECHNOLOGIE heise: Männer weich wie Stahl: Von Gendered Technology und Normkörpern: Technologie ist gegenderet. Das ist eine These von Prof. Dr. Sigrid Schmitz, welche sie innerhalb eines Gastauftrags beim Kick-Off Meeting des Promotionskollegs KoMMa.G (Konfigurationen von Mensch, Maschine und Geschlecht) in Braunschweig vorgestellt hat. „Gendered Technology“ beschreibt demnach geschlechtlich beeinflusste Technologie und Schmitz’ Ziel ist es die soziale Konstruktion von Technologie zu verstehen, die „co-construction of gender and technology“.

  • SMART CLOTHING golem: Smarte Jacke ermöglicht Gestensteuerung des Smartphones: Wearables und smarte Kleidung kommen langsam aber sicher auf den Mainstreammarkt. Unter der Zusammenarbeit von Google und Levi’s ist jetzt eine smarte Jeansjacke, die Commuter Trucker, entstanden. Die Jacke für soll schon bald erscheinen und wird innerhalb von Google’s “Project Jacquard”, dabei geht es um Textilien mit leitenden Fasern, entwickelt. Die leitenden Fasern sollen als Touchpads fungieren und so durch Gesten die Smartphonesteuerung ermöglichen, um dieses beispielsweise auf dem Fahrrad nicht mehr aus der Tasche holen zu müssen.

  • AFFECTIVE COMPUTING zeit: Fühlst du es auch?: Gefühle und Emotionen sollten herkömmlicherweise immer die menschlichen Attribute sein, die Computer und künstliche Intelligenzen nicht adaptieren sollten. Auf der noch laufenden Digitalkonferenz SXSW in Austin in Texas wurde jetzt die Zukunft des affecitve computing, also der einfühlsamen Maschinen, vorgestellt. Mehrere Vorträge in diesem Jahr beschäftigen sich mit der Frage, wie diese emotional intelligenten Maschinen aussehen könnten – und welche Regeln sie beachten müssen.

  • CYBERPUNK spiegel: Die Angstmacher lagen ziemlich richtig: Vor allem in den Achtzigerjahren erfreuten sich die düsteren Zukunftsvisionen der Autoren und Filmemacher des Cyberpunk-Genres großer Beliebtheit. Dystopien zeigen im Gegensatz zu Utopien zukunftspessimistische Szenarien einer einer Gesellschaft, die sich zum Negativen entwickelt. Die Kollegen der Spiegel Online-Redaktion geben einen interessanten Überblick über dystopische Thesen der Achtziger, die sich in gewisser Form in 2017 bewahrheitet haben.

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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • DATA heise: Bundestag genehmigt Ausbau der Videoüberwachung: Der Bundestag hat mitten in der Nacht zum Freitag den umstrittenen Entwurf der Bundesregierung für ein „Videoüberwachungsverbesserungsgesetz“ unverändert beschlossen. Mit der damit einhergehenden Änderung des Bundesdatenschutzgesetzes sollen mehr Kameras an „öffentlich zugänglichen großflächigen Anlagen“ angebracht werden dürfen. Das Parlament will damit die Sicherheit vor allem in Sport-, Versammlungs- und Vergnügungsstätten, Einkaufszentren oder Parkplätzen sowie in Einrichtungen und Fahrzeugen des öffentlichen Personennahverkehrs erhöhen.

  • FACEBOOK t3n: Weitere Snapchat-Kopie: Facebook startet „Messenger Day“:Nach Instagram („Stories“) und zuletzt Whatsapp („Status“) hat Facebook jetzt auch seinem Messenger eine Funktion spendiert, die stark an das Stories-Original des Rivalen Snapchat erinnert. Nutzer können mit „Messenger Day“ jetzt Bilder, Videos und persönliche Nachrichten für 24 Stunden teilen. Die Funktion wird ab sofort weltweit für Android und iOS ausgerollt, wie Facebook mitteilt. Die Fotos und Videos können die Nutzer entweder mit allen oder nur mit bestimmten Freunden oder Familienmitgliedern teilen. Die Inhalte verschwinden nach 24 Stunden wieder. Daher, so Facebook, könnten beliebig viele Bilder und Videos geteilt werden. Wer nicht will, dass die Inhalte 24 Stunden lang online sind, kann sie schon vorher aus dem Day-Bereich wieder entfernen.

  • MICROSOFT golem: Microsoft zeigt Werbung im Windows Explorer an: Der in Windows 10 enthaltene Dateimanager wird von Microsoft verstärkt für Werbeeinblendungen verwendet. Erste Hinweise darauf gab es bereits im Herbst 2016, aktuell berichten immer mehr Anwender von solchen Werbeschaltungen. Microsoft bestätigte dies, will die Einblendungen aber nicht als Werbung bezeichnet wissen. In einer Stellungnahme spricht der Windows-Hersteller von einer Benachrichtigung, wie The Verge berichtet. Die vorliegenden Berichte von Windows-10-Nutzern beschreiben hingegen klar eine Werbeeinblendung. Microsofts Cloud-Speicherdienst Onedrive ist bereits Bestandteil von Windows 10. Allerdings ist der maximale Speicherplatz auf 5 GByte beschränkt.

  • FINANZEN Welt: MoneyMap sagt Nutzern, wo sie Geld verschwenden: Das gerade gestartete Portal MoneyMap will künftig alle Verträge seiner Kunden digital verwalten. Der entscheidende Punkt: Das Start-up analysiert dafür das Girokonto des Nutzers. Über eine Anbieterdatenbank ordnet das Unternehmen die bestehenden Verträge auf diesem Weg zu, erkennt also etwa den Strom- oder Mobilfunkanbieter. Der Nutzer bekommt in einem zweiten Schritt konkrete Angebote und kann einen Vertragswechsel automatisch veranlassen. Den Gründern ist bewusst, dass der Einblick ins persönliche Girokonto eine heikle Sache ist. Mit dem sensiblen Thema Datenschutz und Datensicherheit setze sich das Start-up intensiv auseinander, es gebe hohe Sicherheitsstandards, versichert CTO Dmitry Kharchenko.

  • GOOGLE GoogleWatchBlog: Abschaffung der reCAPTCHA-Abfrage: Die Google-Tochter reCAPTCHA hat sich schon vor vielen Jahren Gedanken über das Problem der Captchas gemacht, und stand immer dafür, nicht allzu schwere und für Menschen unlesbare Buchstabenfolgen abzufragen. Zu diesem Zweck hatte man für lange Zeit Texte und Zahlen aus Streetview-Fotos verwendet, durch die man auch gleich noch wertvolle Daten für das eigene Angebot gewinnen konnte. Diese sind mittlerweile aber nur noch sehr selten zu sehen. Vor über zwei Jahren hatte man als Nachfolger der klassischen Captchas das No Captcha angekündigt, bei dem die Eingabe vollständig wegfällt. Stattdessen muss der Nutzer bei dieser Variante nur noch einen Haken setzen und somit bestätigen, dass er kein Bot ist. Da die Unterscheidung zwischen Bot und Mensch im Hintergrund stattfindet, hat man es nun auch geschafft den letzten Schritt zu entfernen und bietet ab sofort die Invisible reCAPTCHA an.

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  • USA süddeutsche: Tausche USA-Visum gegen Facebook-Passwort: Die Themen USA und die Einreise nach ebenda waren in letzter Zeit ohnehin bereits schwierig – jetzt will der US-Heimatschutzminister Visa-Antragsteller noch gründlicher beleuchten. Zu solchen Überprüfungsmaßnahmen einer Person könnte unter anderem auch die Abfrage von Passwörtern für Konten in sozialen Medien zählen. Bereits seit Ende 2016 können USA-Urlauber freiwillig ihre Nutzernamen bei Facebook oder Twitter angeben. Noch ist die Passwort-Abfrage nur eine Idee, wie in vielen Aspekten sollte man aber unter der Regierung auf alles gefasst sein.

  • SOCIAL MEDIA heise: Steckt in jedem ein Troll?: Jeder der schon mal in den Kommentarsektionen von Social Media Kanälen unterwegs war hat wahrscheinlich Begegnung mit ihnen gemacht – Trolle. Keine Monster unter Brücken, sondern Kommentatoren deren einziges Ziel es ist, ein Maximum an Störung zu verursachen und Streit anzuzetteln. Forscher der Universitäten Stanford und Cornell behaupten in jedem von uns könnte ein solcher Troll stecken. Zu deren Studie soll nun Ende Februar ein Fachaufsatz auf der CSCW 2017 vorgestellte werden.

  • CROWDFUNDING golem: Protonet ist insolvent: Das Server-Startup Protonet aus Hamburg ist insolvent. Einst hatte die Firma über Crowdfunding eine, für deutsche Verhältnisse, Rekordfinanzierung von 3,2 Millionen Euro erhalten. Laut eigener Aussage habe Protonet intern nicht erfolgreich gewirtschaftet und neue Investoren blieben auch aus. Vor fünf Jahren wurde das Unternehmen mit dem Ziel gegründet, sichere und unkompliziert zu betreibende Server für Kunden herzustellen, bei denen Daten nur in Deutschland gespeichert werden sollten.

  • SLACK t3n: Chatbot fürs Firmenwissen: Obie bringt Confluence, Evernote und mehr in eure Slack-Kanäle: Obie zeigt, wie viel Arbeit uns Chatbots schon heute in der Teamkommunikation abnehmen können. Wichtige und arbeitsrelevante Informationen liegen oft genug auf einer Unzahl von verschiedenen Diensten verstreut, von Cloud-Speichern über Notizdienste hin zum firmeneigenen Wiki. Der Bot führt diese jetzt aus diversen Tools zusammen und setzt sich so zum Ziel, Ordnung und Übersicht im Kommunikations-Verlauf zu schaffen. Der Chatbot kann kostenlos zu Slack hinzugefügt werden.

  • WEARABLES googlewatchblog: Smartwatches: Google stellt Android Wear 2.0 sowie LG Watch Style & LG Watch Sport vor: Am gestrigen Abend hat Google sein neues Smartwatch Line-up inklusive neuem Betriebssystem präsentiert. Wofür benutzen Menschen Wearables wie Smartwatches eigentlich? Für diese Frage hat sich der Konzern für den Nachfolger des Android Wear Betriebssystems knapp drei Jahre Zeit gelassen und stellt jetzt das Modell 2.0 in den Fokus. Besonderes Feature ist beispielsweise die Option, mehrere Watch Faces gleichzeitig anlegen zu können, beispielsweise für eine Oberfläche für die Arbeit oder für zu Hause.

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  • FACEBOOK süddeutsche: Ein Selfie mit der Kanzlerin bringt Facebook in Bedrängnis: Trivialer geht es fast nicht – ein Selfie. Das im September 2015 aufgenommene Bild wurde dem jungem Syrer Anas Modamani allerdings zum Verhängnis. Als er gerade einen Monat in Deutschland war, posierte er zusammen mit Angela Merkel in Berlin. Jetzt steht er vor dem Würzburger Landgericht, Grund dafür ist Hetzte auf rechten Seiten, die den Teenager als Terroristen diffamieren. Inwieweit Facebook hier mitverantwortlich ist und ob eine gewisse Sorgfaltspflicht verletzt wurde, soll jetzt entschieden werden.

  • PAYPAL venturebeat: PayPal launches Slack bot for peer-to-peer payments: Chatbots sind gefühlt in aller Munde. Der Bezahl-Dienst PayPal hat jetzt auf der Team-Messaging-App Slack seinen eigenen Bezahl-Bot gelauncht. Der Bot lässt Nutzer mit dem Shortcode „/paypal“ peer-to-peer (P2P) Zahlungen von bis umgerechnet rund 9.300 Euro ausführen. PayPal hat rund 5 Millionen tägliche Nutzer und mit dem Bezahl-Bot nun ihren ersten dieser Art veröffentlicht. Auf Slack gibt es im Gegensatz rund 900 Bots für die Automatisierung von Aufgaben.

  • NETZNEUTRALITÄT zeit: Ein Deregulierer, wie Trump ihn mag: Ajit Pai ist der von Trump eingesetzte neue Vorsitzende der Federal Communications Commission (FCC) und wartet nicht lange, um aktiv zu werden. Er beginnt direkt damit, seine eigene Behörde, die Regulierung zur Netzneutralität in den USA, zu entmachten. Bislang untersagte diese Providern, den Internetverkehr gegen Bezahlung zu bevorzugen. Die Sorge um ein „Zwei-Klassen-Internet“ ist jetzt groß.

  • YOUTUBE cnet: Youtube takes on Facebook Live with mobile live streaming: Youtube zieht, nach Facebook oder Instagram, nun auch mit bei der mobile Live-Streaming-Welle. Was im Juni verpsrohen wurde, soll jetzt bald verfübgar sein und zunächst für beliebte Youtuber, also mehr als 10.000 Abonennten, verfügbar sein. Neu ist Live-Streaming für die Video-Plattform allerdings nicht, seit 2015 ist es über die Sparte “Youtube Gaming” möglich, Gaming-Content zu streamen. Das neue Feature „Super Chat“ soll es zudem Zuschauern ermöglichen, direkt mit den Youtubern zu sprechen, allerdings gegen einen Preis.

  • ROBOTER heise: Fahrender Last-Roboter als Begleiter für Menschen: Gestern war “Liebe-deinen-Roboter-Tag”, klingt komisch, ist aber so. Dieser Tag soll sich auf die Interaktion zwischen Mensch und Roboter fokussieren. Beispielsweise arbeitet derzeit eine US-Tochterfirma des Vespa-Herstellers Piaggio an einem kleinen Roboter, der als Helfer für Menschen fungieren soll und Lasten von bis zu 20 Kilogramm befördern kann. Der blaue, runde Helfer soll, ebenfalls wie der Aktionstag, dazu anregen, über die Rolle der Roboter in unserer Gesellschaft und deren Zukunft nachzudenken.

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Soeben gelandet – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • FACEBOOK New York Times: Facebook Aims to Drive Down Tech Prices to Expand Its Reach: Wenn es nach Mark Zuckerberg geht, wird sich Facebook schon bald um ein Dreifaches vergrößert haben. Mit seinem Wunsch verfolgt er noch immer den Plan, das Internet in Zukunft weltweit für alle zugänglich zu machen. Gerade in ärmeren Ländern ist der Zugang zu Netzwerken längst nicht allen gewehrt, worin der Facebook-Gründer eine große Chance und potenzielle neue Nutzer sieht. Es ist nur ein Teil seiner Vision für die Zukunft. Aus dieser nicht mehr wegzudenken ist vor allem auch die Verbreitung von Virtual Reality. Details und die Hintergründe zu Zuckerbergs Plänen.
  • IOT Golem: Telekom will eigene intelligente Kleidung anbieten: Das Telekommunikationsunternehmen möchte zukünftig mit Kleidungsherstellern zusammenarbeiten, um im Geschäft der intelligenten Kleidung mitzumischen. Damit passt sich die Telekom dem Trend zum Internet der Dinge an, um sich so, laut Vorstand, zu einem „digitalen Lifestyle-Konzern“ entwickeln zu können. In intelligenter Kleidung sieht die Industrie großes Potential. Man schreibt den Wearables sogar eine höhere Bedeutung für die Zukunft zu als Smartphones.
  • SOLARENERGIE National Geographic: Solar Plane Lands in U.S. on Record Voyage: In Kalifornien ist am Sonntag ein solarbetriebenes Kleinflugzeug gelandet und hat damit in der Entwicklung von nachhaltigen Technologien einen neuen Meilenstein gelegt. Nachdem es am vergangenen Donnerstag auf Hawaii gestartet war, flog es über drei Tage eine Strecke von 4.000 Kilometern ab. Zusätzlich zum damit verbundenen wissenschaftlichen Fortschritt setzte der Flug am Earth Day vergangenen Freitag auch ein symbolisches Zeichen. Bevor solarbetriebene Flugzeuge in Zukunft wirklich zuverlässig eingesetzt werden können, muss jedoch noch einiges verbessert werden.
  • ROBOTIK Digital Trends: Buddhism is embracing technology with a cute little Buddha-bot: Unternehmer und Buddhist Xianfan hat einen Roboter entwickelt, der die traditionelle Religion mit modernster Technologie verbindet. Der Bot Xian‘er ist nicht sein erste Projekt. Er basiert auf einen Charakter aus einer von Xianfan entwickelten Cartoon-Serie. Der Entwickler sieht in seinen Erfindungen die Aufgabe, die Verbindung des Buddhismus mit der modernen und gegenwärtigen Kultur aufzuzeigen.
  • RANKING Horizont: Das sind die größten Digital-Dienstleister Deutschlands: Der Bundesverband Digitale Wirtschaft hat sein aktuelles Ranking der größten deutschen Internetagenturen veröffentlicht. Die Plan.net Gruppe und die UDG United Digital Group sind, wie schon im Vorjahr, auf den ersten beiden Plätzen. Dank eines Umsatzplus von 41 Prozent ist das Bremer Familienunternehmen Team Neusta vom vierten auf den dritten Platz hochgerutscht. Innerhalb der Top 30 ist eine allgemeine Steigerung der Umsätze zu erkennen. Ihr gemeinsamer Umsatz macht insgesamt 80 Prozent des Gesamtumsatzes der 60 Top-Agenturen aus.

Image chalabala / 123RF Lizenzfreie Bilder


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Google Bot spielt Go: Der Durchbruch für die KI-Forschung

Another game of Go (adapted) (Image by Chad Miller [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Die Forscher von Google DeepMind haben den ersten Computer entwickelt, dem es gelungen ist, einen menschlichen Go-Champion zu besiegen. Aber warum hat der Online-Gigant Millionen Dollar und einige der fähigsten Köpfe der KI-Forschung dazu eingesetzt, einen Computer zu bauen, der ein Brettspiel spielt? Go ist nicht nur irgendein Brettspiel. Es ist über 2000 Jahre alt und wird von mehr als 60 Millionen Menschen weltweit gespielt – inklusive einiger tausend professioneller Spieler. Einen übermenschlichen Computerspieler zu entwickeln, der dazu fähig ist, diese Profis zu besiegen, war seit Jahrzehnten eine der schwierigsten Herausforderungen der Forschung im Bereich Künstliche Intelligenz. Die Regeln sind täuschend einfach: Zwei Spieler setzen abwechselnd weiße und schwarze Steine auf ein leeres, quadratisches Spielbrett. Ziel ist es, das größte Territorium abzustecken. Und dennoch ergeben diese einfachen Spielregeln ein Spiel von außergewöhnlicher Schönheit und Komplexität, voller Muster und Möglichkeiten. Go hat sogar mehr mögliche Spielzüge als Schach – um genau zu sein, kann man in einer Runde Go mehr mögliche Züge ausspielen, als sie je bei einer Runde Schach möglich wären, selbst wenn wir auf jedem Atom im Universum ein Spielbrett aufstellen würden. KI-Forscher sahen deshalb in Go lange eine “großartige Herausforderung”. Während sogar die besten Schachspieler in den 1990er Jahren an einem Computer scheiterten, blieben sie bei Go ungeschlagen. Dies ist wirklich ein epochaler Durchbruch.

Spiele sind die Laborratten der KI-Forschung

Seit der Terminus der “künstlichen Intelligenz” (oder KI) in den 1950er Jahren zum ersten Mal geprägt wurde, hat sich die Anzahl der Probleme, die sie lösen kann, immer mehr und rascher erhöht. Wir gehen davon aus, dass Amazon eine recht gute Vorstellung davon hat, was wir unter Umständen kaufen wollen, oder dass Google unsere Suchbegriffe vervollständigen kann, obwohl beides auf Fortschritten in der KI-Forschung basiert. Computerspiele sind ein bedeutendes Forschungsfeld für die Entwicklung und den Test neuer KI-Techniken – die „Laborratte“ unserer Forschung. Dies hat dazu geführt, dass wir bei Dame, Schach, Scrabble, Backgammon und in jüngerer Zeit auch bei einfacheren Varianten von Poker gegen übermenschliche Spieler antreten können. Spiele stellen einen faszinierenden Ursprung schwieriger Probleme dar – sie haben alle bestimmte Regeln und ein klares Ziel: Gewinnen. Um diese Spiele zu beherrschen, wird die KI darauf programmiert, mögliche zukünftige Spielzüge zu erkennen und zu entscheiden, welcher Weg zum besten Ergebnis führt – ähnlich wie ein guter menschlicher Spieler seine Entscheidungen trifft. Bisher war es bei Go, aufgrund der enormen Ausmaße der Suchabfrage und der Schwierigkeit, zu berechnen, wer siegen wird, am schwierigsten zu gewinnen. Im Jahr 2001 sagte Jonathan Schaeffer, ein brillanter Forscher, der eine perfekte Spieler-KI für das Spiel Dame entwickelte, dass es noch Jahrzehnte der Forschung und Entwicklung dauern würde, bevor ein Programm für Go auf dem Niveau eines Weltchampion existieren wird”. Und bisher erschien uns diese Idee, sogar wenn man die neuesten Entwicklungen berücksichtigt, noch immer mindestens eine Dekade entfernt.

Der Durchbruch

Im Nature-Magazin gab Google kürzlich Details darüber bekannt, wie die Maschine durch das Analysieren von Millionen früherer Profi-Spiele und der Simulation tausender möglicher zukünftiger Spielzüge “gelernt” hat, wie man Go spielt. Genauer gesagt haben die Forscher bei DeepMind einem “verschlungenen neuralen Netzwerk” beigebracht, auf Basis von Algorithmen die höchste Strukturebene des Denk- und Sehvermögens nachzuahmen, was zu einer Effektivitätssteigerung in der Vorhersage der Züge geführt hat, die nur ein Experte durchführen kann. Dieses Lernen wurde mit der Monte-Carlo-Baumsuche kombiniert, welche die Zufälligkeiten und das maschinelle Lernen nutzt, um den Such-“Baum” nach den logischen möglichen Spielabläufen zu durchforsten. Seit ihrer Erfindung vor zehn Jahren hat diese Suche die Stärke der Computergegner bei Go massiv anwachsen lassen, und auch die Suchfunktionen in anderen Anwendungsbereichen hat zugenommen. Der daraus entstandene Spieler hat alle vorher bekannten KI-Spieler überboten und konnte den derzeitigen europäischen Meister, Fan Hui, unter Turnierbedingungen mit einem Stand von Fünf zu Null besiegen.

KI bezwingt Go

Jetzt, wo Go anscheinend geknackt wurde, braucht die KI neue Herausforderungen – eine neue “Laborratte” – und wie es aussieht, werden einige davon aus der mehreren 100 Millionen Dollar teuren Videospielindustrie kommen. Die Fähigkeit, mit oder sogar gegen Millionen menschliche Spieler zu spielen, bietet eine einzigartige Möglichkeit für die KI-Forschung. Am Zentrum für Intelligent Games and Game Intelligence in York arbeiten wir beispielsweise an Projekten wie der Entwicklung einer KI, die auf den Spielspaß ausgerichtet ist, statt auf Stärke zu setzen, oder Spiele, die das Wohlbefinden von Leuten mit Alzheimer verbessern sollen. Die Zusammenarbeit zwischen interdisziplinären Labors wie unserem, der Spieleindustrie und der Großindustrie wird wahrscheinlich den nächsten großen Durchbruch in der KI-Forschung bedeuten. Trotzdem stellte die Realwelt eine Steigerung dar, die zudem voller schwer definierbarer Fragen steckt, die viel komplizierter sind als das komplizierteste Brettspiel. Die Technik, mit der Go bezwungen wurde, kann sicherlich in Medizin, Bildung, Wissenschaft oder jedem anderen Gebiet genutzt werden, in dem Daten greifbar sind und Ergebnisse ausgewertet werden sollen. Die große Frage ist nun, ob Google uns geholfen hat, den nächsten Schritt hin zu einer Generation von Künstlicher Allgemeiner Intelligenz zu gehen, in der die Maschinen wirklich wie Menschen denken lernen – und vielleicht noch ein wenig darüber hinaus. Ob AlphaGo einen Schritt in die Richtung der Träume (und auch der Alpträume) von Hollywood und den KI sein wird, die mit einem eigenen Selbstbewusstsein, eigenen Emotionen und Motivationen ausgestattet sind, wagen wird, bleibt abzuwarten. Doch der neueste Durchbruch zeigt uns eine schöne neue Zukunft, in welcher die KI uns in unserem Leben besser unterstützen wird, um Entscheidungen in einer immer komplexer werdenden Welt zu treffen. Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) “Another game of Go” by Chad Miller (CC BY-SA 2.0)


The Conversation

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Der Slack-Bot Blossom kann die Viralität von Artikeln vorhersagen

Mandelblüte (image by LoggerWiggler [CC0] via pixabay)

Die New York Times publiziert über 300 Artikel pro Tag. Welche davon sollten die Redakteure in den sozialen Kanälen bewerben? Während die Menschen hinter den Accounts der Times ihr Handwerk verfeinert haben, kann der handbetriebene Prozess der Artikelauswahl dennoch mühsam sein, denn man muss ein bisschen herumprobieren. Auf der Facebook-Seite der Times finden sich beispielsweise nur etwa 50 Artikel pro Tag, an den Wochenenden noch weniger.

Nun soll ein neues Tool des Wissenschaftsteams der Times ein paar Aspekte der Rätselei abbauen, indem es herauszufinden versucht, welcher der richtige Artikel für die sozialen Netzwerke sein könnte. Der intelligente Bot, der mit der Messaging-App Slack läuft, heißt Blossom und soll vorraussagen, wie sich die Artikel und Blogposts in den sozialen Netzwerken machen, außerdem soll herausgefunden werden, welche Artikel die Redakteure bewerben sollen. Die Datenmengen sind riesig, es gibt Infos über Artikelinhalte und Performance, wie beispielsweise das Engagement auf einen Post beiFacebook. Blossom kann auch herausfinden, wo die Postings schon erschienen und wie erfolgreich sie dort sind.

Screenshot NiemanLab
Screenshot NiemanLab

In genau diesem Moment können die Redakteure und eigentlich jeder in der Times-Redaktion, der Slack benutzt, Blossom per Direktnachricht oder über Slack fragen, um herauszufinden, welchen Artikel er oder sie auf Facebook posten soll. Man fragt einfach bei Slack nach „Blossom Facebook?“ und erhält eine Antwort, was dort gut funktionieren könnte. Der Bot hat auch ein „easter egg“-Feature (beispielsweise das Wetter), um die Times-Redakteure zu ermutigen, den Bot zu untersuchen und sich damit vertraut zu machen.

Das Backend des Blossom-Bots ist eine „ziemlich ausgeklügelte, lernende Maschine“, mit Hilfe von Java, Python und MapReduce, und das Frontend ist „ein wirklich freundlicher Chat-Bot“, erzählte mir der Chief Data Scientist der Times, Chris Wiggins. „Wie baut man all diese Daten in einen Algorythmus um? Was ist der beste Weg, um alle diese Daten zu repräsentieren, was sind die Eigenschaften, wie hat sich ein Artikel verhalten, was könnte da wichtig sein?“ so Wiggins. „Wie repräsentiert man Ausgangsdaten auf nachvollziehbare Art und Weise?“

Screenshot NiemanLab
Screenshot NiemanLab

Die Idee zu Blossom entwickelte sich in Gesprächen mit Alexandra MacCallum im vergangenen Herbst, nachdem sie zur stellvertretenden Redakteurin ernannt wurde, die sich um die Entwicklung im Publikumsbereich und weiterführende Dinge kümmerte. Ein Teil der Arbeit ihres Teams beinhaltet Werbeerstellung rund um einen Artikel, bevor er online geht, aber bei Hunderten neuer Artikel, die jeden Tag herausgebracht werden, war es schwierig, eine effektive Methode herauszufinden. Mit Blossom kann ein Redakteur, der sich in den sozialen Medien auskennt und einen bestimmten Artikel bewerben will, herausfinden, wie diese in den sozialen Medien abgeschnitten haben, oder um ein paar Vorhersagen bitten.

Das Tool funktioniert laut Entwickler Colin Russel soweit ganz gut. Er half damals, gemeinsam mit MacCallums Team, Blossom zu bauen. Wenn Blossom Facebookposts empfiehlt, werden diese im Durchschnitt 120 Prozent öfter angeklickt, als diejenigen, die Blossom nicht gefeatured hat. “Typische” Blossom-Posts kriegen sogar über 380 Prozent mehr Klicks als Postings, die nicht von Blossom gefeatured wurden. (Blossom schickt noch keine aktiven Benachrichtigungen darüber, was besonders bei Twitter erfolgreich sein könnte, aber die Redakteure fragten den Bot nach Twitter-Vorhersagen und fanden ein paar Überschneidungen zwischen Postings, die auf Facebook erfolgreich sind, und Twitter-Posts.)


Ein typischer Blossom-Post bekommt 380 Prozent mehr Klicks als ein Post, der nicht von Blossom gefeatured wird.


Unsere Redakteure für den Wachstums- und gesellschaftlichen Bereich haben sehr hektische Jobs, vor allem, wenn an manchen Tagen viel in den Nachrichten passiert, teilte mir Russel in einer Email mit. Es reicht nicht, etwas aufzubauen, von dem man hofft, dass es benutzt wird. Man muss sich umschauen und herausfinden, wie etwas wie Blossom eingebracht werden könnte. Man muss ein Werkzeug drumherum bauen, anstatt die Leute zu zwingen, ihr Verhalten dem Werkzeug anzupassen.

Momentan konzentriert sich Blossom auf die Facebook- und Twitter-Accounts der Times. Es kann sich aber weiterentwickeln und alle sozialen Plattformen abdecken, auf denen die Times publiziert. Francesca Barber, Redakteurin für Wachstum am International Desk erfüllt die Funktionen eines Produktmanagers und hilft Russel dabei, herauszufinden, welche der vielen Funktionen von den verschiedenen Abteilungen der Times bevorzugt werden.

Erst in dieser Woche hat das Team neue Versionen von Blossom bereitgestellt, die für die einzelnen Facebook-Accounts der Redaktionsabteilungen zugeschnitten wurden. Jede Abteilung konnte ihre Quellen „optimieren und in vollem Umfang die Aufmerksamkeit nutzen, die manch andere Accounts schon erreicht haben.“ In diesen Fällen kann Blossom dabei behilflich sein, älteres Material zu finden, das wieder relevant geworden ist, es kann Artikel hervorheben, die das Publikum eventuell verpasst hat, als sie zum ersten Mal veröffentlicht wurden.

Die Technologie ersetzt natürlich nicht die gute alte Beurteilung von Nachrichten und es gibt große Unterschiede zwischen datengestützt und datengetrieben, sagt Wiggins. Niemand schreit nach der Automatisierung des Teilungsprozesses in den sozialen Medien, aber es wurde schon mehrfach nach anderen hilfreichen Funktionen gefragt, die man Blossom hinzufügen kann.

Wenn man ein Technologe ist, der in einem so großen Unternehmen wie der New York Times arbeitet, kann man den eigenen Markt ansprechen: Man kann in einen Raum gehen, in dem sich 20 Redakteure befinden und sie fragen, welcher Teil der Arbeit ihnen schwerfällt und wie die Technik ihnen helfen könnte, sagte Wiggins. Man kann mit einer Reihe Menschen sprechen, die das Tool eventuell anwenden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf NiemanLab. Übersetzung von Anne Jerratsch.


Teaser & Image (adapted) by LoggaWiggler (CC0 Public Domain)


CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

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5 Lesetipps für den 11. Juni

In den Lesetipps geht es um das TransferWise aus London, Krautreporter, Jaron Lanier, Google will mit Nearby mithören und einen Turing-Test schaffenden Bot. Ergänzungen erwünscht.

  • TRANSFERWISE Jakkse: Richard Branson und Peter Thiel investieren in Londoner Start-up TransferWise: Unser Autor Jakob Steinschaden war kürzlich in London und hat bei seiner Erkundung der Londoner Startup-Szene TransferWise entdeckt, ein junges Unternehmen, dass aus dem Stadtteil Shoreditch heraus die Finanzwelt ins Wackeln bringen will. Auf seinem Blog stellt er das Startup näher vor.
  • KRAUTREPORTER JakBlog: Das Scheitern der Krautreporter ist ein Scheitern der Krautreporter: Das (absehbare) Scheitern der Krautreporter ist ein Scheitern der Krautreporter, wie Christian Jakubetz auf seinem Blog zusammenfasst. Das Projekt hätte aus vielen Gründen Erfolg verdient und es bleibt zu hoffen, dass aus Fehlern gelernt und so ein ambitioniertes Projekt zeitnah noch einmal entwickelt wird, aber nach nicht einmal einen Monat gab es selbst in der einzig erreichten Journalismus-Bubble gemischte Gefühle.
  • JARON LANIER Merkur: Der Friedenspreis für Jaron Lanier – und die Missverständnisse, auf denen er beruht: Ergänzend zu Nico Lummas gestriger Kolumne auf Netzpiloten.de sei dieser Beitrag von Florian Cramer zur Verleihung des Friedenspreis des Deutschen Buchhandels an Jaron Lanier empfohlen, in dem Cramer sich mit der Biographie von Lanier auseinandersetzt.
  • NEARBY Golem: Google möchte mit Nearby mithören: Mit dem im Vorfeld bekannt gewordenen Android-Dienst Nearby möchte Google eine einfache Vernetzung von Nutzern und Geräten ermöglichen – dafür aber Mikrofon, WLAN und die Standortdienste automatisch aktivieren. Auf Golem.de erklärt Tobias Költzsch, warum das für den Schutz unserer Privatsphäre problematisch ist.
  • TURING-TEST Zeit Online: Ein Trickser namens Eugene Goostman: Ein Bot, der sich als 13-Jähriger ausgibt, wird gerade als Meilenstein der Künstlichen Intelligenz gefeiert. Doch vielleicht ist das Programm gar nicht so schlau. Auf Zeit Online begründet Eike Kühl die Zweifel an dem Jubel.

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