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Destination Check: VivaTechnology 2017

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Vergangene Woche ging die Technik-Messe VivaTechnology in die zweite Runde. Unsere Redakteurin Lisa hat sich nach Paris begeben, sich unter die Menge gemischt und mal unter den Besuchern, Ausstellern und Speakern nachgefragt, wie die Messe so ankommt und ob die VivaTech den Trip wert ist – Paris ja sowieso! Hier könnt ihr zudem nochmal ihren Kommentar zum Event nachlesen und die Artikelreihe, die im Vorfeld zur VivaTech entstanden ist. Jetzt geht’s aber um die Stimmen aus dem – internationalen – Volk!


Speakerin: Rahaf Harfoush, Digitale Anthropologin, Panel „New ways to attract women to science and technology“


Rahaf Harfoush

Wie war dein Gesamteindruck?

Meine allgemeiner Eindruck der VivaTech ist großartig. Ich liebe die Diversität unter den Speakern, dem Content und den Startups, darunter viele Frauen und Menschen verschiedener Nationen. Es ist wunderbar, unter solch internationalen Einflüssen, Ideen, Unternehmern und Experten zu sein.

Welche Erwartungen hattest du und wurden sie erfüllt?

Ja, ich liebe es zu solchen Events zu kommen, weil ich mich immer darauf freue, mit neuen Tools und Technologien herumzuspielen. Virtual Reality macht großen Spaß und ich mag es, herauszufinden, woran Startups gerade arbeiten. Ich finde es toll, Leute zu treffen, die am Rand der innovativsten Bereiche dieser Branche arbeiten und ich liebe es einfach auch, mit ihnen zu reden und dazuzulernen. Ich habe viel über Probleme erfahren, mit denen sich die Unternehmen im Technikbereich ausgesetzt sehen. Sie haben alle möglichen technischen, kulturellen und personelle Probleme. Sie haben sich hier ein ehrgeiziges Ziel gesetzt, all diese Themen in drei Tage Messe zu packen, aber es ist ihnen gelungen!

Wofür interessierst du dich hier und was war dein persönliches Highlight?

Ich interessiere mich vor allem für Themen wie die, wie man mehr Frauen in die Technikbranche bekommt. Ich denke, dass es wirklich wichtig ist, mehr Frauen für diese Bereiche zu begeistern. Außerdem interessiere ich mich auch sehr für die Zukunft der Arbeit und wie Dinge wie Algorithmen und künstliche Intelligenz unsere Arbeit zukünftig verändern werden und wie sie neue Jobs schaffen und alte beseitigen werden und was wir in der Übergangszeit machen.

Ich arbeite an einer Pariser Uni als Dozentin zu den Themen Innovation und Businessmodelle und ich liebe es, die verschiedenen Businessmodelle und die Experimente, die  die Leute ausprobieren, zu untersuchen. Dieses Jahr war in der Hinsicht besonders toll, da viele große Unternehmen angekündigt haben, kleinere Startups zu unterstützen und ich denke, dass das eine gute Sache für das Ökosystem ist, um Leuten Innovation in kleineren Formaten zu ermöglichen.

Und zu meinem Highlight – es gab einen Stand mit Virtual Reality, bei dem man in solche Zylinder ging, die VR-Brille aufsetzte und sich in einer Simulation unter Wasser befand. Das war sehr bizarr und verwirrend. Ich kann schon jetzt sehen, wie disruptiv diese Technologie für die Zukunft sein wird. Ich bin mir auch sicher, dass unsere Enkelkinder uns für diese großen „Helme“ auslachen werden, aber es fühlt sich auch wirklich so an, als ob wir da am Beginn von etwas Großem und Aufregendem sehen würden.

Wie hat sich die VivaTech seit dem letzten Mal verändert?

Ich denke, weil sich durch Innovation alles so schnell bewegt, können wir viel mehr auf Dinge wie KI und Chatbots erkennen. Diese Themen haben die Agenda in diesem Jahr quasi übernommen, aber es gefällt mir, dass dieses Thema so wichtig ist. 

Wem würdest du die Veranstaltung empfehlen?

Jedem, der das hier spannend findet. Ich habe hier viele Studenten gesehen, Investoren, Startups – einfach jeder, der sich für das Ökosystem interessiert. Was mir an dieser Veranstaltung wirklich gut gefällt, ist, dass es die Probleme innerhalb des Ökosystems anspricht – es ist nicht nur für Startups oder die Uni oder nur für Führungskräfte. Die Tatsache, dass alle diese verschiedenen Player miteinander interagieren, spiegelt die echte Welt wieder, und das ist wichtig. Ich würde das Event also jedem empfehlen, der sich auch nur irgendwie für Technik interessiert – egal, ob er von einer großen Firma, einem Startup oder als Investor kommt. Hier werden neue Perspektiven zu anderen Parts des Ökosystems eröffnet, von denen man vielleicht nie wusste, dass sie existieren.


Besucherin: Lisa Boisneault, Communication Officer, IGN


Lisa Boisneault

Wie war dein Gesamteindruck?

Es ist mein zweites Mal hier und ich mag die Atmosphäre und das Ökosystem der VivaTech sehr, sie ist sehr groß – ich mag das Event!

Welche Erwartungen hattest du und wurden sie erfüllt?

Die Konferenzen und Panels interessieren mich sehr. Ich arbeite in der Kommunikation, deswegen interessieren mich Themen wie Video Advertising oder wie man mehr Frauen in die Branche bringen kann. Ich erinnere mich an eine Konferenz aus dem letzten Jahr, in der es um Frauen im Business und großen Unternehmen ging, und das fand ich sehr interessant. Ich interessiere mich auch sehr für das Thema Mobilität, also Transport und so weiter. Für diese Themen gibt es hier viele interessante Startups. 

Was war dein persönliches Highlight?

Ich finde an der Messe toll, dass sie sehr international ist. Es gibt hier nicht viele solcher internationaler Events – die VivaTech ist für mich wie die CES in Las Vegas. Es ist toll, hier Englisch zu hören und zu sprechen und internationale Speaker mitzubekommen.

Wem würdest du die Veranstaltung empfehlen?

Allen, die sich für Technologie interessieren – hier geht es um so viele verschiedene Themen: Transport, Shopping, Banking – also wirklich etwas für Leute aus allen Bereichen.


Aussteller: Henry Harris-Burland, VP of Marketing, Starship


Nicolas Lozacic

Wie war dein Gesamteindruck?

Es ist fantastisch. Hier ist so viel los, das Event ist erstaunlich. Und sehr viele Leute sind an unseren Lieferrobotern interessiert.

Welche Erwartungen hattest du und wurden sie erfüllt?

Meine Erwartungen wurden weit übertroffen. Wir sind nur für einen Tag hier, aber wir versuchen, das Beste daraus zu machen.

Welche Themen interessieren dich besonders?

Alles, was mit selbstfahrenden Autos zu tun hat und alles über Liefer- und Versorgungsketten, egal, ob es um Lebensmittel, Pakete oder Essen geht. Das sind meine Hauptinteressen.

Wem würdest du die Veranstaltung empfehlen?

Ich würde das Event Startups empfehlen, die Menge an Ausstellern ist groß und übertrifft meine Erwartungen.


Besucher: Alexander Demling, Journalist, Handelsblatt


Alexander Demling

Wie war dein Gesamteindruck?

Mich beeindruckt, dass hier neben vielen Franzosen – was ja selbstverständlich ist – auch viele chinesische oder überhaupt asiatische Unternehmen sind, was ich von Konferenzen in Europa eigentlich wenig kenne. Das ist dann immer sehr europazentrisch, so viel Amerika, wie es geht, aber man guckt eigentlich ganz wenig nach Osten, wo ja gerade die neuen Internetgiganten entstehen. Hier ist der Alibaba-CEO und viele andere, auch viele Aussteller, das find ich ganz beeindruckend.

Welche Erwartungen hattest du und wurden sie erfüllt?

Es ist zwar noch ein bisschen kurz, aber als Journalist hab ich natürlich die Erwartung, dass ich hier viele Leute treffen kann, die das Internet der Zukunft erfinden und vordenken. Das ist hier definitiv möglich. Hier trifft man die erste, zweite und dritte Reihe: beeindruckende CEOs, von Eric Schmidt über Benedict Evans bis hin zu Andreessen Horowitz. Der ist zwar auch als Technologie-Vordenker bekannt, aber man sieht, man hat sich nicht nur bemüht, ein paar große Köpfe für das Marketing zu bekommen, sondern es gibt durch die Bank spannende Internetvordenker.

Was war dein persönliches Highlight?

Ich leitete ein Panel zu „Music meets Tech“, mit einem Musikproduzenten, der Gründerin einer musikbasierten Messaging-App und der CFO des größten Radiokonglomerats der USA. Darauf habe ich mich natürlich sehr gefreut. Und generell finde ich es toll, dass man hier mit sehr vielen unterschiedlichen Themen in Kontakt kommt. Es reicht von Machine Learning, KI, Blockchain, also eher technischen Themen, bis hin zu wirklich sehr anwendungsnahen Themen wie zum Beispiel das Musikthema. Man findet alles und es ist wirklich sehr gut besetzt.

Würdest du wieder auf die Veranstaltung kommen?

Bestimmt, auf jeden Fall. Im Vergleich zu Konferenzen in Berlin ist die VivaTech viel größer, viel internationaler und auch thematisch einfach abwechslungsreicher. Ich kann noch nicht sagen, wie ich die Diskussionsformate finde und wie gehaltvoll das ist, weil ich noch nicht viel gesehen hab, aber wenn sie die Qualität dieses Line-ups halten können, dann auf jeden Fall.


Aussteller: Nicolas Lozancic, Head of Marketing & Communication, Speedernet


Nicolas Lozacic

Wie war dein Gesamteindruck?

Mein Eindruck ist sehr positiv! Hier sind viele Besucher vor Ort. Die Viva Technology findet jetzt zum zweiten Mal statt und ich finde, es ist sehr wichtig, ein Event wie dieses in Europa zu haben.

Welche Erwartungen hattest du und wurden sie erfüllt?

Ich habe einige Erwartungen. Vor der Show ist es wichtig, unsere Präsenz hier zu zeigen. Während der Show ist es wichtig, mit vielen Menschen zu kommunizieren, es ist selbstverständlich ebenso wichtig, viele Kontakte zu knüpfen und ihnen unsere Lösungen zu präsentieren. 

Was war dein persönliches Highlight?

Es gibt hier viele spannende Teilnehmer und viele Dinge in den unterschiedlichen Bereichen der Technologie. Wir haben ähnliche Techniken, außerdem gibt es hier immer Unternehmen, mit denen wir Partnerschaften verhandeln und unser Wissen teilen können. Besonders für kleine Unternehmen ist es wichtig, dass man sich mit anderen kleinen Unternehmen zusammentut.

Würdest du wieder auf die Veranstaltung kommen?

Ich würde die VivaTech auf jeden Fall empfehlen. Für alle Startups, denn hier sind Vertreter fast jedes Marktes vertreten, außerdem für die Themen HR, Sales und Energie. Und ich finde es wichtig, dass Unternehmen, egal aus welchem Teil Europas sie sind, zeigen können, was sie tun.


Images by Lisa Kneidl


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Vive la France Digital – Ein Kommentar zur #VivaTechnology

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Vive la France und Viva Technology! In unserer Artikelreihe haben wir euch in den letzten Wochen schon darauf eingestimmt und jetzt waren wir tatsächlich in der Stadt der Liebe zu einem der europäischen Tech-Events des Jahres, der VivaTech, welches in seinem erst zweiten Jahr bereits 50.000 Besucher anlocken konnte.


Zahlreiche Besucher sind ebenfalls zu den Startups gepilgert, einem der Standbeine der VivaTech. Wirft man einen Blick über den Hallenplan, sieht man sich quasi überall umgeben von diversen – manchmal pseudo–trendigen Startups. Rund die Hälfte des Messegeländes ist den Startups gewidmet und namhafte Firmen geben ihnen durch eine Kooperation die entsprechende Plattform auf der Messe.

Diese Stände locken die Besucher dann mit knuddeligen Robotern, oft überflüssigen Virtual-Reality-Demos – für eine durfte ich mich in einen Windkanal stellen um lediglich eine PowerPoint-Präsentation in der virtuellen Realität zu betrachten – und – ja tatsächlich – Fidget Spinner. Und genau das ist sowohl die große Stärke als auch die Schwäche der VivaTech – und nein, nicht die Fidget Spinner, sondern die schiere Größe.

Viel Show – wenig Innovation?

Die VivaTech ist groß bunt und laut, aber ist sie auch innovativ? Quantität ist ja nicht gleich Qualität und wenn man den Blick einmal durch die Startup-Stand-Reihen schweifen lässt, kriegt man nach dem 25. Pepper-Roboter auch irgendwann den Tunnelblick. Versteht das nicht falsch, die Startup-Kultur ist etwas tolles und Frankreich und Paris platzieren sich mit dem Angebot auf der VivaTech definitiv mit beiden Beinen im europäischen Vergleich zu beispielsweise Berlin, Dublin und London. Trotzdem hat man alles zu künstlicher Intelligenz oder Virtual Reality schonmal irgendwo gehört oder gesehen und es stellt sich aber die Frage, wo bei all dem Schall und Rauch um Gimmick-Roboter und die ach-so-neuere-und-bessere VR-Anwendung die Innovation bleibt.

Groß, bunt und laut ist auch die VivaTech Main Stage, diese kann locker mit Konsorten wie den Apple-Präsentationen oder der gleichzeitig zur diesjährigen VivaTech stattfindenden E3 mithalten. Auch das Speaker-Angebot kann beeindrucken – volles Haus gab es bei Eric Schmidts „Case of Optimism“, bei dem der Vorsitzende von Alphabet hoffnungsvolle Worte mit dem Publikum zur Zukunft der Arbeit teilte und in denen er der Meinung war, dass die digitale Transformation auch Arbeit schaffen würde, als vieles durch künstliche Intelligenz zu ersetzen und dass die zwischenmenschliche Kommunikation durch bspw. Messenger doch wieder eher zusammenwächst, als dass sie sie trennen würde.

Vivatech1_Image by Lisa Kneidl

Beim Panel mit dem Titel ‚Future of Entertainment‘ gaben sich führende Persönlichkeiten die Ehre, wie Gilles Pélisson, CEO vom französischen Medienunternehmen TF1 oder Bob Bakish, dem CEO von Viacom. Namedropping und Show können sie auf der VivaTech, große Worte zu großen Themen wie Energie, Entertainment und künstlicher Intelligenz gab es auf der Main Stage en masse, aber viel Neues und Innovatives habe ich dort auch nicht gehört.

 

Wenig Neues, aber viel Menschlichkeit

Die spannenden, disruptiven Themen fanden für mich eher auf den kleineren Stages statt, die sich über die Messe verteilten. Dort wurde dann auch über die Themen gesprochen, die bereits die VivaTech Organisatoren Maxime Baffert und Yael Kusch-Stassart in unserem Interview so betonten, wie ‚Women in Tech‘ oder alles zu ‚Techfugees‘.

Auf der bescheideneren Stage 2 traf ich dann auch auf das Panel ‚How tech is improving the lives of refugees‘, das von Joséphine Goube von der Organisation Techfugees geleitet wurde und Geflüchtete aus Kroatien, Jordanien und Griechenland per Konferenz-Call dazuschaltete, um mit ihnen über ihr technisches Engagement zu reden.

Das Ziel der gemeinnützigen Organisation ist es, zusammen mit Geflüchteten eine Community rund um das Thema Tech zu schaffen und die gemeinsame Begeisterung für Technologie für einen humanitären Zweck zu nutzen. Wie wichtig Technik für Menschen in solchen Situationen ist, wird erst klar, wenn einer der Panel-Teilnehmer erwähnt, dass die Geflüchteten noch vor Essen und Wasser nach WiFi fragen. Joséphine kommentiert, dass das viele überrascht, aber für sie gibt es daran nichts überraschendes, „wenn man vor dem Tod flieht nimmt man sein Smartphone, die Leute müssen verstehen, welche Strapazierfähigkeit es den Menschen gibt, wenn sie mit ihren Familien in Kontakt bleiben können.“

Jopsephine_Image by Lisa Kneidl


Nachgefragt bei Joséphine Goube, CEO von Techfugees

Erzähl uns ein bisschen von deiner Organisation Techfugees.

Techfugees ist eine international agierende, nichtstaatliche Organisation, die sich in eine Bewegung aus Techies, Datenwissenschaftlern, Ingenieuren und vielen weiteren entwickelt hat, die ihre Fähigkeiten nutzen möchten um Technologie mit und für Flüchtlinge zu erschaffen. Wir möchten mithilfe von Technik Flüchtlingen Zugang zu Informationen, Bildung, der Arbeitswelt, zum Gesundheitswesen und der Gesellschaft zu geben.

Wie bist du mit dem Thema in Kontakt gekommen? Gab es einen Moment, an dem du gedacht hast: „Ich muss jetzt etwas tun”?

Ich bin jetzt seit sechs Jahren in der Technikbranche. Ich habe 2012 eine Firma mit fantastischen Kollegen gegründet, in der wir eine Technologie entwickelt haben, die einer künstlichen Intelligenz ähnelt. Unsere KI ist einfach erklärt ein Algorithmus, der für Migranten entwickelt wurde und ihnen helfen soll, Visas zu beantragen.

Innerhalb dieser Arbeit haben wir etwas herausgefunden. Denn wenn man die Formulare und Prozesse lesen und verstehen muss, damit man sie dem Algorithmus beibringen kann, stellt man fest, wie schwierig dieser Prozess ist und dass der Rassismus in diesen Gesetzen regelrecht festgesetzt ist. Das ist der Grund, warum viele Flüchtlinge lieber ein Boot nehmen, statt einen Antrag auf ein Visum zu stellen, weil sie wissen, dass sie, obwohl sie vielleicht sogar die richtigen Dokumente vorliegen haben, abgelehnt werden.

So bin ich regelmäßig mit Menschen in Kontakt, die versuchen, ein Visum zu bekommen, oder die ein Boot genommen haben und als Flüchtlinge in ein Land einreisen. Und diese Umstände haben mich immer mehr verärgert, da meine Technologie nicht genug war und das Problem viel tiefer saß. Und so dachten wir, wir brauchen viel mehr Menschen, die mehr Technologie erschaffen als nur eine einzige KI, die Nutzern hilft, Visums-Anträge zu stellen. Wir brauchten Menschen, die den Flüchtlingen sichere Routen nennen können, und die dafür sorgen, dass sie keine Schmuggler bezahlen müssen. Menschen, die ihnen helfen, sich zu vernetzen, die Informationen vermitteln und viele weitere Dinge tun können.

Mike Butcher von TechCrunch wurde darauf aufmerksam und hat auf Facebook gefragt: “Was können wir mit Technologie für Flüchtlinge tun?”. Da habe ich beschlossen, seinem Team beizutreten und etwas zu entwickeln, so dass diese Masse an Menschen denen helfen kann, um die sich gerade nicht gekümmert wird. Und diese Gruppe ständig an – wir haben immer mehr Mitglieder und unzählige talentierte Leute.

Würdest du sagen, dass die VivaTech eine besonderes gute Plattform für dieses Thema ist?

Wo, wenn nicht hier, ist das technikaffine Publikum, die sich darüber austauschen? Wenn ich auf die Bühne gehe und von meinem Projekt erzähle, werden sie es verstehen. Diese Konzentration finde ich nicht, wenn ich vor einem Publikum aus dem humanitären Sektor spreche, oder Politik. Dort werden sie einen Großteil der Dinge nicht sofort verstehen. KI, Blockchain, Chatbots – sie haben vielleicht eine grobe Ahnung, wovon ich rede – oder sie schweigen und tun nur, so als ob sie mich verstehen.

Die VivaTech dagegen ist ein sehr guter Ort, um Gleichgesinnte zu finden und zu rekrutieren. Wir hatten zum Beispiel auch einen Flüchtling, der sein eigenes Startup gegründet hat, das Flüchtlinge unterstützt. Um noch mehr dieser Menschen zu finden ist es wichtig, die Aufmerksamkeit auf diese Bereiche zu werden und zu zeigen: „Schaut, Flüchtlinge tragen zu unserer Gesellschaft bei, und zwar auf einem legalen Weg.“

Das Projekt stellt außerdem ein gute Möglichkeit dar, um ein ichtiges Thema noch besser sichtbar zu machen. Besonders im Techniksektor findet sich so viel Entertainment, Gaming, Sport und ähnliches, die Aufmerksamkeit ist eher auf die nicht wichtigen Dinge gerichtet. Innerhalb der Branche passiert aber so viel. Wir kennen mittlerweile Tricks, um das Dopamin-Level eines Nutzers nur mithilfe eines Instagram-Posts zu steigern. Deswegen ist es wichtig, auf Veranstaltungen wie diese, wo viel Disruption und Potential herrscht, teilzunehmen.


Resümee: Alles so schön bunt hier. Es gibt aber auch Wichtiges.

Inmitten all der bunten Stände, der Gimmick-haften Roboter, VR-Brillen oder riesigen Daddel-Touchscreens gibt es in diesem Jahr erstaunlich wenig Innovation. Wenn man jedoch genau hinsieht, enteckt man zwischen dem üblichen Tech-Messen-Einheitsbrei auch Themen abseits des Entertainment-Sektors, wie eben die Techfugees, die Technik wirklich disruptiv und humanitär anwenden.

Vivatech2_Image by Lisa Kneidl

Es spricht sehr für die VivaTech, auch Themen solcher Art zu unterstützen und ihnen eine Plattform mit derartiger Größe und Einfluss zu bieten. Auch wenn die Messe meiner Meinung nach noch mehr mit dem Strom der Trends als dagegen schwimmt – das ewige Streben der Tech-Messen nach Innovation resultiert wohl langsam in einer Art Berufsblindheit – ist das schiere Angebot und der Einfluss der Messe in der Techie-Szene, die sich gerade mal in ihrem zweiten Jahr befindet, schier beeindruckend.

Luft nach oben ist definitiv noch, doch die Messe scheint sich auf einem guten Weg zu befinden. Für weitere Stimmen aus dem Volke zur zweiten VivaTech folgt kommende Woche unser Destination Check, also Augen auf und à bientôt!


Images by Lisa Kneidl


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„Innovation ist eine Geisteshaltung“ – Interview mit VivaTech-Managing Director Maxime Baffert

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Dieser Beitrag ist Teil einer Artikelreihe im Vorfeld der internationalen Tech-Konferenz Viva Technology, zu der vom 15. bis 17. Juni 2017 rund 50.000 Teilnehmer und über 5.000 Startups nach Paris kommen. Die Netzpiloten werden als Medienpartner der Viva Technology mit vor Ort sein. Und hier gibt es Tickets für das Event zu gewinnen.


In etwas weniger als zwei Wochen öffnet die Tech-Konferenz VivaTechnology im Konferenzort Porte de Versailles zum zweiten Mal ihre Tore. Was Ende 2015 als spontanes Projekt startete, soll nach der erfolgreichen ersten Auflage im letzten Jahr 2017 nun bis zu 50.000 internationale Besucher versammeln. Ein selbstbewusstes Vorhaben, aber Managing Director Maxime Baffert ist zuversichtlich.

Maxime Baffert arbeitet für die Publicis Groupe, ist CEO von Proximedia und ist seit mehr als 10 Jahren im digitalen Marketing tätig. Im letzten Jahr war er Teil des Teams, das die VivaTech aus dem Nichts startete. Er beschreibt diese Zeit als sehr dynamisch und spaßig. Zusammen mit Yael Kusch-Stassart – sie ist Head of Communication and Media Partnerships der VivaTech – konnten wir ihn im Vorfeld der VivaTech zum Interview einladen.

Lisa Kneidl: Die VivaTech ist schon bald – In welcher Phase der Vorbereitung seid ihr gerade?

Maxime: Das Gute ist, dass wir sehr zuversichtlich hinsichtlich der Konferenz sind und hinsichtlich der Sachen, die wir in die Veranstaltung einbringen wollen. Wir haben eine großartige Reihe an Rednern und viele Innovationen, die vorgeführt werden. Mehr als 1.000 Startups werden mit großen Unternehmen während der drei Konferenztage zusammenarbeiten, um Workshops anzubieten. Inhaltlich steuern wir wirklich auf etwas Großartiges zu, aber bevor wir das erreichen, müssen wir eine Million Details klären, arrangieren, vorbereiten und ausführen – es ist schon ein bisschen stressig.

Letztes Jahr war die erste Auflage der VivaTech. Wie kam das alles zusammen?

Maxime: Es war eine Idee, die Maurice Lévy, der CEO der Publicis Groupe, schon seit Jahren im Hinterkopf hatte. Wir wollten etwas haben, das eine große und globale Veranstaltung sein sollte und in Paris stattfinden könnte. Wir wollten diese Art von Treffen erschaffen, die mit dem Web Summit, sowie dem CES in Las Vegas konkurrieren kann. Wir wollten mit dem Standort Paris eine neue Anlaufstelle für die großen Veranstaltungen schaffen. Ende 2015 haben wir uns mit unserem Geschäftspartner, der Wirtschaftszeitung Les Échos, getroffen und sie hatten die gleiche Idee. Also haben wir uns dazu entschlossen, den Weg gemeinsam zu gehen und unsere Kräfte zu bündeln, um dieses Event auf die Beine zu stellen. Es war komplett verrückt, weil wir uns erst Anfang Dezember 2015 getroffen haben und überzeugt waren, dass diese Veranstaltung im Juni 2016 stattfinden sollte. Wir hatten viele Leute dabei, die dachten, dass das verrückt sei, aber das hat uns erst recht motiviert, schneller daran zu arbeiten. Letztendlich haben wir es geschafft, während der drei Konferenztage insgesamt 45.000 Leute zu versammeln und ein Event zusammenzustellen, das interessant ist und sich von den anderen unterscheidet. Jetzt wollen wir dieses Niveau übertreffen, es sogar noch weiter vorantreiben und daraus ein jährliches Treffen für die digitale Welt machen.

Wie würdet ihr die letztjährige VivaTech beschreiben?

Yael Kusch-Stassart (adapted)
Image by Yael Kusch-Stassart

Yael: Für die erste Auflage hatten wir 45.000 Teilnehmer und für die zweite Auflage nehmen wir uns 50.000 Teilnehmer vor. Wir wollen es noch nicht zu groß machen.

Maxime: Wir wollen in diesem Jahr internationaler werden und Leute aus den wichtigsten Ländern, die für digitale Entwicklung stehen, erreichen. Daher sind wir sehr an dem deutschen und dem britischen Markt interessiert. Israel und natürlich China sind auch stark vertreten.

Wo sind Frankreich und Paris in der Tech-Gemeinde positioniert, was können sie anbieten? Ist Paris das Silicon Valley Frankreichs oder gar Europas?

Maxime: Ich denke, dass wir zunächst in Paris wirklich einen „Boom“ in Bezug auf Startups und die digitale Wirtschaft sehen. Wir haben jetzt eine riesige Zusammenstellung, die sich auf dem gleichen Niveau abspielt wie Konferenzen in London oder Berlin. Wir haben viele Startups, die hier gegründet worden sind, sowie viele große, besonders amerikanische, Firmen, die in Frankreich vor allem in die Qualität der Belegschaft investieren. Facebook gründet gerade sein „Artificial Intelligence Lab” in Paris.

Es gibt eine wirkliche Dynamik, die heutzutage in Paris und in ganz Frankreich stattfindet und wir spiegeln das mit der VivaTech-Konferenz wieder. Wir sind keine französische Veranstaltung, wir werden Redner sowie Sponsoren aus der ganzen Welt haben – aber ich denke, wenn wir nicht dieses dynamische Personal aus dem französischen Ökosystem hätten, hätten wir auch keine Konferenz.

Du hast Startups erwähnt. Wie wichtig sind sie für die VivaTech?

Maxime: Neben den 1.000 Startup-Ausstellern sind zudem 4.000 zu Besuch. Es ist tatsächlich eine Veranstaltung, die für Startups entworfen wurde. Unsere Spezialität ist, dass wir an das Modell der offenen Innovation glauben und wir glauben, dass es einen europäischen Weg für Startups gibt, sich zu entwickeln. Dieser europäische Weg beruht darauf, die Stärken von großen Firmen, die eine digitale Wandlung durchlaufen, zu vermischen. Startups können ihr Wachstum auf diesen großen Unternehmen gründen, weil sie Kunden oder Anteilseigner der Startups werden. Natürlich haben wir in Europa weniger Geld als in Kalifornien oder im Rest der Vereinigten Staaten zur Verfügung, aber wir glauben, es gibt eine Art Übereinstimmung zwischen großen Firmen und Startups, die sie schnell wachsen lassen.

„Innovation“ ist ein zentraler Begriff in Bezug auf Startups – Was ist „Innovation“ für dich?

Maxime: Ich denke, es erstreckt sich auf Bereiche außerhalb der Technologie, die natürlich ein großer Teil von Innovation ist, aber man kann auch Innovation in einem Geschäftsmodell erreichen. Ich denke, Innovation ist eine Geisteshaltung, die besagt, dass man sich nicht mit der Art und Weise zufrieden geben sollte, wie etwas gerade durchgeführt wird. Bei Innovationen geht es wirklich um den Versuch, um das Scheitern und darum, immer wieder zu experimentieren, bis man Erfolg hat.

Was können Besucher von der diesjährigen VivaTech erwarten?

Maxime Baffert (adapted)
Image by Maxime Baffert

Maxime: Wir haben wirklich gute Talks und tolle Redner wie Eric Schmidt von Alphabet, Daniel Zhang von Alibaba, Oliver Samwer von Rocket Internet und viele CEOs unserer Top-Sponsoren wie beispielsweise die Telekommunikationsfirma Orange. Es werden Verleger da sein, die aus den USA, Israel, Großbritannien und so weiter kommen. Mit unseren mehr als 250 Talks decken wir ein unglaublich breites Spektrum an Themen ab. Von Technologiethemen über Virtuelle Realität, künstliche Intelligenz, Robotik und Handelsthemen – wir haben einen sehr generalistischen Ansatz.

Mein Lieblingsdetail ist folgendes: Wir organisieren eine Reihe mit dem Namen „#nextechs“ und hier werden alle Themen angesprochen, von der jeder in ein paar Jahren reden wird, so wie wir heute von der Blockchain sprechen. Wir haben quantengestützte Informatik und all diese Technologien, die auf genetischer Manipulation basieren. Wir haben auch Vorträge zu Nanorobotik – die Leute, die wirkliche Tech-Nerds sind, werden wohl zufrieden sein, weil wir versuchen, detailliert auf Technologie als Themengebiet einzugehen. Das passt auch für Leute, die einfach nur wissen wollen, was in einem Bereich gerade los ist.

Was sind die drei hauptsächlichen Trendthemen der diesjährigen VivaTech?

Maxime: Das erste beinhaltet alles, was mit Data und künstlicher Intelligenz verbunden ist. Wir haben viele Vorträge dazu, weil es gerade ein wirklich heißes Thema ist. Wir haben einen sehr überzeugenden Vortrag über Fintechs. Es ist eines der Themen, an dem unsere Besucher am meisten interessiert sind. Der dritte Aspekt ist unsere Reihe mit dem Namen „#positiveimpact“, was bedeutet, dass wir zu verstehen versuchen, wie Technologien unserer Wirtschaft und Gesellschaft als Ganzes helfen kann. Zum Beispiel haben wir ein Panel namens „Techfugee“ das die Kernfrage bedient, wie Technologie den Flüchtlingen helfen kann.

Welches Thema ist für dich eine Herzensangelegenheit und auf was freust du dich?

Maxime: Mir gefällt das „#nextechs“-Projekt am besten, das ich gerade erwähnt habe. In diesem Jahr haben wir ein sehr wichtiges Ziel: Wir wollen das Problem der technischen Vielfalt und den Technologie-Konferenzen in Angriff nehmen – 40 Prozent der Referenten sollen Frauen sein. Unser Konferenzteam arbeitet intensiv daran, sicherzustellen, dass dieses Ziel erreicht wird. So haben wir beispielsweise alle Panels, in die sich ausschließlich Männer eingetragen hatten, abgeschafft. Bei Tech-Konferenzen hat man üblicherweise 10 Prozent oder maximal 20 Prozent Frauen – wir wollen darüber hinauskommen und zeigen, dass man, wenn man sich die Zeit nimmt, wirkliche Vielfalt auf der Bühne haben kann.

Bewerbt ihr die Veranstaltung auch aktiv auf diese Weise?

Yael: Es ist sehr wichtig und um ehrlich zu sein, gibt es kaum weibliche Hauptredner oder überhaupt Frauen in hohen Positionen mit wirklich interessanten Jobs. Noch seltener ist es, wenn sie auch noch auf der Bühne oder in der Öffentlichkeit sein wollen. Wir werben also aktiv mit weiblichen Speakern, weil uns das besonders wichtig ist.

Wer sollte an dem Event teilnehmen?

Maxime: Wir haben zwei Tage, die auf B2B ausgelegt und die wirklich für Fachleute sind. Der letzte Tag ist für B2C-Kunden gedacht. Demnach besteht unser Publikum innerhalb der ersten zwei Tage mehr aus Startups, Gründern, CEOs, Investoren und Journalisten. Am letzten Tag zielt es mehr auf Studenten und Projektverantwortliche ab, die ihre eigene Firma gründen wollen.

Yael: Es wird eine „Entdeckerzone“ geben, wo viele neue Projekte vorhanden sind, die sie entdecken können und die sie noch nicht im TV oder anderswo gesehen haben. Die zwei Tage, die B2B beinhalten, sind für uns der Schlüssel. Während des B2B-Teils wird alles auf Englisch sein und am Tag, an dem es um B2C geht, wird alles auf Französisch sein, weil wir denken, dass es eher die französischen Besucher als die internationalen Medien anzieht.

Was wollt ihr mit der diesjährigen VivaTech erreichen?

Maxime: Das erste Ziel ist, dass wir Leute anziehen, die aus mehr als 50 Ländern zur VivaTech kommen. Wir wollen uns weltweit aufstellen können. Unser zweites Ziel ist, dass wir unseren Besuchern auf der VivaTech etwas bieten, das sie noch nicht zuvor gesehen haben. Das kann ein Redner sein, den sie vorher noch nicht gehört habe oder eine Idee, über die sie vorher noch nicht nachgedacht haben. Dann wollen wir auch, dass die Leute sehen, dass die Technik etwas Positives ist. Besonders während des Wahljahres in Frankreich ist das wichtig. Wir hören viel über negative Folgen der Technik, aber wir glauben, dass die Chancen, die die Technik uns bietet, wichtiger sind als mögliche negative Auswirkungen.

Danke euch!


Images by Maxime Baffert, Yael Kusch-Stassart


Die Netzpiloten sind Partner der Viva Technology und werden vor Ort berichten. Wir verlosen Tickets für das Event, das vom 15. Bis 17. Juni 2017 in Paris stattfindet. Um an der Verlosung teilzunehmen, macht einfach mit und nutzt eure Chance auf Tickets for free für die Viva Technology! Zeit habt ihr dafür bis Dienstag, den 06. Juni. Viel Glück!

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Stowe Boyd über Slack, Coworking und die Zukunft der Arbeit


Dieser Beitrag ist Teil einer Artikelreihe im Vorfeld der internationalen Tech-Konferenz Viva Technology, zu der vom 15. bis 17. Juni 2017 rund 50.000 Teilnehmer und über 5.000 Startups nach Paris kommen. Die Netzpiloten werden als Medienpartner der Viva Technology mit vor Ort sein. Und hier gibt es Tickets für das Event zu gewinnen.


Der Futurist und Forscher Stowe Boyd hat schon den ein oder anderen Trend in der vermeintlichen Arbeitswelt von morgen aufgespürt, getestet und kommentiert – und manche davon dann auch wieder spurlos verschwinden sehen. Nicht alles, was die Zukunft der Arbeit sein soll, hat dann auch die Macht, wirklich etwas zu verändern. Wir haben uns mit ihm im Vorfeld der VivaTech, auf der er auch als Redner auftreten wird, über Slack, Coworking, und wie Künstliche Intellligenz die Zukunft der Arbeit verändern wird, etwas genauer unterhalten: 

Tobias Schwarz: Vor beinahe neun Jahren haben Sie ein Interview mit einem meiner Vorgänger, Peter Bihr, bei Netzpiloten durchgeführt und erklärt, warum die E-Mail nicht mehr funktioniert. Was denken Sie heute über die E-Mail?

Stowe Boyd (adapted)
Image by Stowe Boyd

Stowe Boyd: Ich wette, dass ich so etwas Ähnliches wie das Folgende gesagt habe: Wir wollen die E-Mail für ein weites Spektrum von Anwendungsfällen anwenden, es stellt sich jedoch heraus, dass es am besten für Applikationen, die Spaminhalten sehr ähnlich sind, geeignet ist, wie beispielsweise E-Mail-Newsletter. Die Stelle, an der E-Mail nur schlecht funktioniert, ist exakt dieselbe wie die, bei der die Menschen eine Art der Arbeitskommunikation anwenden wollen – wie beispielsweise Slack, Hipchat und Microsoft Teams –, speziell rund um Kommunikationen in kleinen Gruppen. Die E-Mail ist geschäftlich, während ein Chat dialogorientiert ist.

Die E-Mail ist überhaupt nicht tot, die sofortige Nachrichtenübermittlung nimmt jedoch zu. Diese Veränderung geschah sogar in Unternehmen mit Programmen wie Slack, Circuit und Microsoft Teams. Ist das lediglich ein Trend der Kommunikation – oder wird dies der neue Standard sein?

Ja, dies sind Arbeitskommunikationsprogramme. Sie sind chatraumbasiert und unterscheiden sich etwas gegenüber sofortiger Nachrichtenübermittlung, basierend auf Freundeslisten. Arbeitskommunikation ist grundsätzlich eine Ablehnung der dominanten Entwurfsmetapher der vorangegangenen Ära, der seriellen Datenübertragung auf der Arbeit, wie sie mit den Programmen Yammer, Chatter und IBM Connections gefunden werden kann.

Die Arbeitskommunikation agiert hauptsächlich auf der Basis eines kleineren Teams, also mit weniger als zehn bis zwölf Mitarbeitern, während sich die serielle Datenübertragung an die Arbeit auf einer höheren sozialen Ebene, wie mit dutzenden oder hunderten von Menschen  orientiert. Man muss dabei bedenken, dass die meiste Arbeit in kleinen Teams vollbracht wird.

Vor einigen Monaten kritisierten Sie Slack aufgrund der geringeren Effektivität der  Gruppenchats mit einer Gruppe, die größer als zehn Leute ist. Wie können sich Ihrer Meinung nach, auf die Bürokommunikation zugeschnittene Programme, verbessern?

Sie stellen den Sinn des Gesagten falsch dar. Zunächst wies ich darauf hin, dass die optimale Gruppengröße bei der Arbeitskommunikation – wie bei Slack – bei unter zwölf Personen liegt. Zweitens vermerkte ich das Phänomen der „sozialen Vermengung“, die in Organisationen passiert, die Slack-Kanäle offen lassen. Eine Menge Leute von Außerhalb fangen an, den Chaträumen beizutreten und die Arbeit des Kernteams zu unterbrechen, indem sie zu viele Fragen stellen und eine Menge Lärm machen. Drittens passieren eine Menge verborgener Sachen in Chaträumen, weil diese Räume intransparent sind. Intransparent kann jedoch, abhängig vom Kontext, sowohl gut als auch schlecht sein.

Das stimmt, aber wie wir arbeiten, ändert sich grundlegend – es wird mehr dezentralisiert und miteinander verbunden sein, wenn es nicht jetzt schon der Fall ist. Welches sind Ihrer Meinung nach die anderen Veränderungen, abgesehen von Bürokommunikation, die wir in den nächsten zehn Jahren sehen werden?

Wir haben die vollen Auswirkungen der etablierten Erfindungen des 21. Jahrhunderts – wie beispielsweise mobile, soziale und Kommunikationstechnologien, die das menschliche Leben umorganisiert haben – nicht voll integriert und der Durchbruch zu dem, was als digitale Transformation im Unternehmenssektor bezeichnet wird, ist eine direkte Konsequenz aus diesen Megatrends.

Wir werden allerdings nicht die Zeit haben, um diese Welle zu Ende zu reiten, weil wir von einer Vielzahl anderer Technologien getroffen werden, die wahrscheinlich gleichwertige oder größere Auswirkungen auf uns haben werden: Künstliche Intelligenz, erweitere Realität und das Internet der Dinge. Insbesondere die KI stellt außergewöhnliche Herausforderungen für die Zukunft der Arbeit dar. Gerade die KI kann zu einer Zukunft ohne Jobs führen, wenn sie sich in jeder Ecke und Nische ansiedelt, während die Welt immer „führerloser“ wird. Ich arbeite an einem Buch zu diesem Thema, es trägt auch den Arbeitstitel „Führerlos“.

In einem Interview, das Sie mit Jennifer Magnolfi geführt haben, sagten Sie einmal, dass Sie fasziniert sind von der Vorstellung, dass Unternehmen sich Coworking und Räume wie Nährböden anschauen – Sie nannten das den „Laufstall des Coworking“. Da ging es um Tischtennisplatten, Nerf-Waffen und so weiter. Was wurde zur modernen Antwort des Cubes und dem Arbeitsbereich des 21. Jahrhunderts, der sich durch geschlossenen Türen auszeichnet? Was denken Sie heutzutage über Coworking?

Ich denke, dass Coworking als ein Element der modernen Umwelt des Arbeitsplatzes fest etabliert ist. Die Ökonomie ist für Freiberufler, Startups, kleine Teams und sogar in größeren Unternehmen gerade sehr spannend. Zur selben Zeit ist Coworking ein Teil des Trends, weil es überall vorkommt. Die Ästhetik, die jeden Arbeitsplatz auf dieselbe, unpersönliche und entmenschlichte Weise ausschauen und funktionieren lässt. Der Umstand, dass ich für ein paar Stunden mit wenig Ausrüstung und geringen Kosten zu einem Coworking-Space kommen kann, oder einem Café oder einer öffentlichen Bibliothek, erscheint wie ein Schnäppchen.

Auf der anderen Seite: wenn ich gehe, ist es so, als ob ich nie da gewesen wäre. Ich bin nicht davon überzeugt, dass alle unserer Arbeitsplätze – und zu einem wachsenden Umfang gehört auch unser Zuhause dazu – keine Spur von uns aufweisen sollten, wenn wir einmal gehen.

Auf der jährlichen deutschen Coworking-Konferenz COWORK wurde diskutiert, dass Coworking als ein kleiner Trend zu einer kleineren Industrie kommerzialisiert wird und ersetzt, was davor war. Denken Sie, dass Coworking im Unternehmensbereich oder Lösungen des  Büro-Sharings von Immobilienunternehmen wie WeWork die Zukunft dieser Bewegung darstellen?

Kommerzielles Coworking ist eine Antwort auf die fehlende Verwurzelung und die geringen Margen, die mit der Ökonomie von Freiberuflern und Startups verbunden wird. Die Zahl der Freiberufler nimmt zu, zumindest in den vereinigten Staaten, und zwar aufgrund der Verschiebung der Arbeitsstruktur von Vollzeitangestellten zu auftragsbasierten „Arbeitnehmern“ und Unternehmen. Also wird der Trend weitergehen.

Vor einigen Wochen beriet ich eine Gruppe, die von dem Bundesministerium für Bildung und Forschung eingeladen wurden, um darüber nachzudenken, wie die Zukunft der Arbeit im Jahr 2030 aussehen wird. Sie beschrieben Dinge, die sie im Jahre 2030 haben möchten, die bereits Realität sind – von denen sie nur nichts wussten. Wie wird Arbeit im Jahr 2030 aussehen?

Alfred North Whitehead sagte einmal: „Es ist das Geschäft der Zukunft, gefährlich zu sein“. Tatsächlich zu erraten, wie die Zukunft aussehen wird, kann erschreckend sein. Die Leute werden angehalten, keine weiteren Änderungen vorzunehmen, selbst wenn sie danach gefragt werden. Sie tun lieber so, als wäre morgen genau wie gestern, obwohl sie es nicht wirklich glauben. Die Alternative wäre, ihre grundlegenden Prämissen zu hinterfragen, die unsere heutigen Gesellschaft darstellt.


Image by Stowe Boyd


Die Netzpiloten sind Partner der Viva Technology und werden vor Ort berichten. Wir verlosen Tickets für das Event, das vom 15. Bis 17. Juni 2017 in Paris stattfindet. Um an der Verlosung teilzunehmen, macht einfach mit und nutzt eure Chance auf Tickets for free für die Viva Technology! Zeit habt ihr dafür bis Dienstag, den 06. Juni. Viel Glück!

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„Ich sehe die Blockchain als eine ökonomische Innovation“

Viva-Technology

Dieser Beitrag ist Teil einer Artikelreihe im Vorfeld der internationalen Tech-Konferenz Viva Technology, zu der vom 15. bis 17. Juni 2017 rund 50.000 Teilnehmer und über 5.000 Startups nach Paris kommen. Die Netzpiloten werden als Medienpartner der Viva Technology mit vor Ort sein. Und hier gibt es Tickets für das Event zu gewinnen.


Die VivaTech existiert nach eigenen Angaben, um Innovation zu zelebrieren. Die Blockchain ist die wohl wichtigste Innovation der letzten Jahre. Und auch wenn es so scheint, dass es sich bei dem Verfahren, das die technische Basis für sogenannte Kryptowährungen darstellt, um eine technische Innovation handelt, sieht Claire Balva dies etwas differenzierter. Sie ist die Gründerin des Pariser Startups Blockchain France und für sie ist die Blockchain vor allem eine ökonomische Innovation, wie sie auf der diesjährigen VivaTech im Juni erklären wird und dies bereits bei uns im Interview verständlich macht.

Tobias Schwarz: Sagen wir, ich frage für die Tochter eines Freundes: Könnten Sie mir bitte eine Erklärung für Fünfjährige geben, was die Blockchain ist?

Claire Balva: Eine Blockchain ist wie ein Buch. Jeder hat eine Kopie dieses Buchs. In diesem Buch können die Leute ihre Transaktionen festhalten. Sagen wir, ich gebe Ihnen zwei Äpfel. Ich schreibe in das Buch, dass ich, Claire, Ihnen, Tobias, zwei Äpfel geschickt habe und ich unterschreibe diese Aussage. Jeder kann Transaktionen senden, aber dies muss von anderen Mitgliedern des Netzwerks validiert werden: Sie kontrollieren dann, ob ich wirklich zwei Äpfel besitze. Sie schauen sich die vorhergehenden Seiten des Buchs an und sehen, dass ich gestern tatsächlich drei Äpfel von meinem Freund Steve bekommen habe. Sie bestätigen die Transaktion und schreiben sie mit einem dokumentenechten Stift auf eine neue Seite, zusammen mit anderen validierten Transaktionen.

Eine Blockchain ist in ihrer einfachsten Form ein digitales Buch oder Konto, das sich viele Computer und Server teilen, sozusagen ein Knotenpunkt. Die Seiten, die wir in der Buch-Analogie erwähnt haben, sind in Wirklichkeit Blöcke, die dieses digitale Konto darstellen. Sie sind durch eine kryptographische „Kette“, die sie voneinander abhängig macht, verbunden. Wenn der Inhalt eines Blocks geändert wird, wird die Kette gelockert. Das bemerkt der Rest des Netzwerks dann auch. Wenn ein Block von Transaktionen einmal validiert ist, wird er „unveränderlich“, grundsätzlich kann ihn dann also niemand mehr bearbeiten.

Bitcoin ist die erste Blockchain. Es erlaubt den Menschen, Bitcoins, digitale Wertmarken, die monetären Wert haben, ohne Mittelsmänner zu tauschen. Die Teilnehmer des Netzwerks, die Miner genannt werden, geben ihre Rechenleistung an den Service, der die Transaktionen validiert: Es wird überprüft, dass der Absender ausreichend Mittel für den Vorgang besitzt, indem die Historie der Transaktionen durchgegangen wird, und dass er das Recht auf den Zugriff zu den Mitteln hat, indem die Unterschrift verifiziert wird.

Claire Balva (adapted)
Image by Claire Balva

Was kann man mit der Blockchain machen? Wann benutzen wir die Blockchain tatsächlich?

Wie wir bereits zuvor mit Bitcoin gesehen haben, können wir mit jedem, der will, immer und überall Beträge austauschen. Dies geschieht zu sehr geringen Transaktionskosten und unabhängig von der getauschten Menge. Blockchains können außerdem mit jeder Wertmarke Daten in einem bestimmten Slot aufbewahren. Sehr kleine Transaktionen auszuführen und eine kleine Menge an Informationen einzufügen, sichert die Information. Zu viele Daten können nicht eingefügt werden, da es komplizierter wäre, die Blockchain auf mehreren Computern zu hosten. Aber man kann einen kryptographischen Beweis, eine Reihe von Buchstaben und Zahlen, die den Status eines beliebigen Dokuments repräsentieren, einfügen.

Dies kann zum Beispiel dazu verwendet werden, Zeugnisfälschungen zu verhindern. Manche Schulen haben bereits begonnen, die Zeugnisse ihrer Schüler mit der Bitcoin-Blockchain zu zertifizieren. So können Firmen überprüfen, ob ein Zeugnis von seinem ursprünglichen Zustand (zum Beispiel mit Photoshop) abgewandelt wurde. Die Vollständigkeit von Daten, Verfolgbarkeit und Zertifizierung sind die Schlüsselanwendungen für Blockchains wie Bitcoin.

Andere Blockchains ermöglichen es, dezentralisierte Anwendungen, die „smarte Verträge“, die sich selbst ausführende „Wenn-Dann“ Programme sind, zu programmieren. Zum Beispiel könnte eine Versicherungsgesellschaft einen smarten Vertrag entwickeln, der automatisch Landwirte basierend auf den Daten verschiedener Webseiten für Wetterprognosen entschädigt, wenn es mehr als 30 Tage nicht geregnet hat.

Ich sage immer „die“ Blockchain, aber tatsächlich gibt es nicht nur eine Blockchain. Blockchains stehen für Banken und öffentliche Ämter in der Diskussion. Werden wir mehrere Ketten nebeneinander sehen oder wird es nur einige wenige wirkliche Anwendungsfälle in der Zukunft geben?

Es gibt viele Blockchains, die verschiedene Mechanismen und verschiedene Führungssysteme verwenden. Manche davon sind je nach Anwendungsfall besser geeignet als andere. Manche in öffentlich, wie die Bitcoin-Blockchain, das heißt, dass jeder Zugriff auf die gesamte Transaktionshistorie hat und seine eigenen Transaktionen ausführen kann. Andere sind private oder zugriffsbeschränkte Blockchains, bei denen Arbeitsgemeinschaften entscheiden, wer Zugriff hat und wer die Transaktionen validieren kann.

Die Anwendungsfälle von öffentlichen Blockchains unterscheiden sich sehr von denen privater. Auch wenn Blockchain-Experimente im Finanzsektor begannen, sehen wir jetzt Experimente in der Lebensmittelindustrie, dem Energiesektor, dem Verkehrswesen und, wenn man es mal weltweit betrachtet, bei jeder Art von Versorgungsketten. Man kann sicher sagen, dass alle bedeutenden Wirtschaftssektoren von dieser neuen Technologie beeinflusst werden.

Meiner Meinung nach wird es in der nahen Zukunft einige wenige große, öffentliche Blockchains und viele private Blockchains, die untereinander kooperieren können, geben. Es ist schwierig, die fernere Zukunft vorauszusehen, aber es ist möglich, dass nur eine öffentliche Blockchain, mit Privatsphäre-Einstellungen für empfindliche Informationen, geben wird. Als naheliegender Vergleich hatten viele Firmen zu Beginn des Internets Intranets entwickelt. Mittlerweile arbeiten viele, wenn nicht alle, Firmen auf sicheren Internet-Plattformen.

Würden Sie die Blockchain eher als ökonomische, soziale oder technologische Innovation beschreiben?

Das Interessante an der Blockchain ist, dass sie mehrere Forschungsbereiche neu zusammenstellt: Kryptographie, Wirtschaft, Programmierung, Mathematik… Auch wenn Blockchains noch in der Entwicklung sind, stellen sie keine Innovation im technologischen Sinne dar. Sie verwenden Techniken, die in einzelnen Bereich bereits genutzt wurden. Die Größe der Blockchain entsteht durch die Aggregation dieser Techniken. Öffentliche Blockchains sind auf die Teilnahme von Individuen angewiesen und viele kritische Annahmen beruhen auf dem Verhalten dieser Individuen.

Ich sehe die Blockchain als eine ökonomische Innovation, weil sie das Potenzial hat, die Grundfeste unseres aktuellen Systems zu verändern. Dennoch wird es keine Auflösung, sondern viel mehr eine neue Definition der Rolle der Mittelsmänner geben – und das in jedem großen Sektor der Wirtschaft.

Wir haben immer versucht, Systeme gegenseitiger Kontrolle zu bilden, um Gruppen für Verstöße verantwortlich zu machen. Riskieren wir es dabei nicht, womöglich die Kontrolle zu verlieren, wenn jede einzelne Person wegen der Blockchain in einer leitenden Position ist?

Das Validierungssystem funktioniert dank der Rechenleistung der Teilnehmer. Dennoch „leitet“ niemand die Blockchain. Die Blockchain ist so konzipiert, dass sie dezentralisiert ist, das heißt, kein Individuum und keine Gruppe hat die Möglichkeit, das Protokoll zu ändern. Es sei denn, mindestens 51 Prozent der Netzwerk-Teilnehmer stimmen diesen Änderungen zu. Das wird in den meisten Blockchain-Führungssystemen so gehandthabt. Je mehr Teilnehmer in einem Netzwerk sind, desto sicherer und robuster ist es.

Auch wenn sich die Teilnehmer in großen Mining-Pools umgruppieren, heißt das nicht notwendigerweise, dass sich alle den gleichen Standpunkt in Bezug auf die Entwicklung der Technologie teilen. Außerdem haben sie kein Interesse daran, dem Netzwerk zu schaden, da sie mit den Wertmarken der Währung des Netzwerks entlohnt werden. Dem Netzwerk zu schaden, würde den Wert ihrer Marken zerstören.

Glauben Sie, dass die Blockchain-Technologie reguliert werden muss, bis es nur eine Art Protokoll ist, das im Hintergrund abläuft?

Natürlich müssen die Regulierungen und die Blockchain zusammenkommen, um sich von der Aufbauphase weg, hin zu einer ernsteren Implementierung von Anwendungsfällen mit einem echten Wert für den Endverbraucher zu entwickeln. Kontrollorgane sind in den meisten Ländern vorsichtig in Bezug auf Blockchain-Technologien. Sie lassen die Technologie ausreifen, bevor sie sie festlegen. Manche Länder, wie beispielsweise Russland, verbieten die Nutzung von Krypto-Währungen, andere wiederum befürworten Blockchain-Technologien. Zum Beispiel wurde im Bundesstaat Arizona ein Gesetz verabschiedet, das die Validität von Unterschriften, die in einer Blockchain gesichert wurden, als digitale Unterschriften und smarte Verträge als legale, durchsetzbare Verträge anerkennt. Auch in Japan wurde kürzlich Bitcoin als Zahlungsmittel anerkannt.

Die wichtigsten regulatorischen Angelegenheiten betreffen heute KYC („Know your Customer“, dt.: „Kenne deinen Kunden“), Probleme mit Geldwäsche und Finanzierung von terroristischen Aktivitäten. Nutzer einer Blockchain können sich theoretisch tatsächlich hinter ihrer öffentlichen Adresse, die einfach als eine Reihe von Zahlen und Buchstaben verschlüsselt ist, „verstecken“. Dennoch ist es nicht komplett anonym. Das sehen wir, weil innerhalb der letzten fünf Jahre bereits mehrere Kriminelle von den Vollzugsbehörden dadurch identifiziert wurden, dass die öffentliche Besitzerhistorie von Bitcoins nachverfolgt wurde und diese Daten mit den Daten von Webseiten, die illegale Produkte verkauft haben, abgeglichen wurden.

Der öffentliche Charakter der Transaktionshistorie mag eine gute Neuigkeit für die Strafverfolgung sein, doch Banken wollen natürlich nicht die Historie ihrer Finanztransaktionen, die im Netzwerk vonstattengehen, mit der ganzen Welt teilen. Es gibt ein Paradoxon für mehr Transparenz, welches mit der Privatsphäre der Benutzerdaten vereint werden muss.

In Bezug auf das Ende der Frage ist die Idee, dass die Blockchain in ein paar Jahren nicht mehr für den Benutzer ersichtlich sein wird und nur wenige Menschen werden wissen, wie sie wirklich funktioniert. Sie wird die technologische Schicht hinter den Anwendungen, die auf ihr laufen, sein. Genauso wie beim Internet heutzutage verstehen wenige Menschen das TCP/IP Protokoll, aber dennoch benutzt es jeder.

Wenn Sie einen Blick auf die aufstrebende Forschung über künstliche Intelligenz werfen, glauben Sie, dass die Blockchain die Infrastruktur für eine globale KI-Bewegung sein könnte?

Ich glaube, dass Blockchain-Anwendungen und smarte Verträge mit KI-Cloudcomputing-Schnittstellen interagieren, mit der man Bildanalyse, Übersetzungsdienstleistungen und Spracherkennung anzapfen kann, um nur ein paar Beispiele für KI-Anwendungen zu nennen. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass zukünftige Anwendungen komplett dezentralisiert sein werden, während sie direkte Interaktionen zwischen Benutzern und neue Arten von smarten Dienstleistungen für Kunden zur Verfügung stellen.


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Die Netzpiloten sind Partner der Viva Technology und werden vor Ort berichten. Wir verlosen Tickets für das Event, das vom 15. Bis 17. Juni 2017 in Paris stattfindet. Um an der Verlosung teilzunehmen, macht einfach mit und nutzt eure Chance auf Tickets for free für die Viva Technology! Zeit habt ihr dafür bis Dienstag, den 06. Juni. Viel Glück!

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Das Startup der 100 Ideen – Valentin Stalf über N26

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Dieser Beitrag ist Teil einer Artikelreihe im Vorfeld der internationalen Tech-Konferenz Viva Technology, zu der vom 15. bis 17. Juni 2017 rund 50.000 Teilnehmer und über 5.000 Startups nach Paris kommen. Die Netzpiloten werden als Medienpartner der Viva Technology mit vor Ort sein. Und hier gibt es Tickets für das Event zu gewinnen.


Mit N26 ist Berlin Sitz der wohl zurzeit interessantesten mobilen Bank Europas. Das ehemalige Fintech-Startup, das heutzutage als volllizenzierte Bank tätig ist, hat in den letzten anderthalb Jahren seine Nutzerbasis auf 300.000 verdreifachen können. Im gleichen Zeitraum hat das einst von Maximilian Tayenthal und Valentin Stalf in Wien gegründete Startup auch die Internationalisierung vorangetrieben und operiert heute in 17 europäischen Ländern.

Unser Autor Tobias Schwarz hat sich mit Valentin Stalf, der Mitte Juni auch auf der Viva Technology als Speaker auftreten wird, zum Interview getroffen und über die Unternehmenskultur von N26, das Recruiting als mobile Bank und den Arbeitsbedingungen bei N26 unterhalten:

Tobias Schwarz: Ich habe neulich von einer Firma gehört, die einen Buchhalter gesucht hat und die hat jede Rechnung mit ein bis drei Cent zu viel überwiesen und dem Buchhalter der anderen Firma, der sich gemeldet hat, haben sie ein Jobangebot gemacht. Um ein guter Buchhalter zu sein, muss man keinen tollen Lebenslauf schreiben. Wie findet man smarte Mitarbeiter für eine Bank? Wie definiert man, was ein smarter Mitarbeiter für ein ehemaliges Startup ist?

Valentin Stalf Image by Valentin Stalf
Image by Valentin Stalf

Valentin Stalf: Wir sind keine Bank im traditionellen Sinn, sondern aufgrund dessen, was wir unseren Kunden bieten, beispielsweise auch Problemlösungsstrageien. Darum versteht man uns als kundennahe Bank. Wenn man sich unser Unternehmen von der Mitarbeiterseite anschaut, sind wir ein Technologieunternehmen wie Spotify oder Soundcloud. Wir sind ein Unternehmen, das davon lebt, dass wir hier eine große Technologiekultur innerhalb der Company etabliert haben.

Wenn es darum geht, die richtigen Mitarbeiter für so ein Umfeld zu finden, haben wir einen sehr strukturierten Bewerbungsprozess. Wir haben die freien Stellen auf unserer Website ausgeschrieben, setzen im Technologiebereich aber auch viel auf direkte Ansprache. Wir führen einen sehr strukturieren Bewerbungsprozess, bei dem wir verschiedene Merkmale aus dem Lebenslauf des Kandidaten anschauen und danach etwa drei bis fünf Gespräche führen. Während dieser Gespräche lernt man verschiedene Mitarbeiter uns kennen. Das gibt und die Möglichkeit zu prüfen, ob der Kandidat zu unserer Kultur passt.

Wir prüfen auch, ob N26 zu dem potenziellen Mitarbeiter passt. Dazu führen wir praktische Cases innerhalb der Bewerbungsgespräche durch, ziehen dabei Situation aus dem täglichen Leben heran. Am Ende der Gespräche kommt das ganze Team zusammen und es wird gemeinsam eine Abwägung getroffen, ob der Kandidat ein Mitarbeiter wäre, der gut zum Team passt.

Porsche hat mir erzählt, dass sie ein Technologieunternehmen sind, Zalando hat das getan, und jetzt auch ihr. Wenn aber N26 keine klassische Bank ist, sondern auch ein Technologieunternehmen, was macht dann eure Kultur genau aus?

Bei N26 setzen sich die Leute mit digitalen Produkten auseinander. Jeder, der hier bei uns im Team ist, ist ein Digital Native oder nutzt täglich seine Apps auf dem Smartphone. Alle sind sehr engagiert, das ganze digitale Produkt zu verstehen. Das heißt, dass Mitarbeiter in einer verantwortungsvollen Rolle oder Mitarbeiter, die Verantwortung übernehmen, beispielsweise als Product-Owner – Verständnis für digitale Produkte mitbringen müssen. Da sind wir sicher auf einem ganz anderen Niveau als traditionelle Banken oder wie ein traditioneller Autohersteller. Wir arbeiten auch ein bisschen anders, als eine traditionelle Sparkassenfiliale.

N26 office meeting (Image via N26)
Image by N26

Wir sitzen hier gerade im Ballsaal des ehemaligen Fernmeldeamtes der DDR-Regierung in der Berliner Klosterstraße. Der Raum ist nicht mehr in seinem ursprünglichen Zustand, eure Arbeitsplätze würde ich aus einer Mischung von Hot-Desking-Bereichen und Fixed Desks beschreiben. Ist das jetzt das klassische N26-Büro?

Man will das neue Arbeiten auch repräsentieren, mit viel Glas, viel Transparenz – das ist einerseits einer unserer Werte, die wir haben. Andererseits zeigt es auch die offene Kommunikation im Team und eine gewisse Kreativität, die wir beim Kreieren digitaler Produkte einfach mit hineinbringen wollen.

Neue Arbeit setzt aber auch sehr auf Selbstverwirklichung der eigenen Persönlichkeit. Inwiefern gebt ihr Leuten Raum, sich bei N26 selber zu verwirklichen?

Wir haben im Technologiebereich eine Idee namens Product Chance. Hier gibt es alle paar Wochen Tage, an denen sich das Team eigene Themen aussucht, die es verwirklichen will. Ein ganz spannendes Thema, an dem wir letztens gearbeitet haben, war ein Bot im Customer Management. Dieser Bot kann schätzungsweise 60 Prozent unserer Serviceanfragen vorselektieren und beantworten. Die Zeit, die dadurch gewonnen wird, kann man intensiver für andere Themen verwenden, beispielsweise wenn ein Kunde seine Karte verloren hat und Hilfe braucht.

Gute und innovative Ideen entstehen, wenn man seinem Team Zeit gibt. Ich glaube, das ist ein wichtiges Thema, um innovativ zu bleiben. Natürlich gibt es immer einen gewissen Konflikt in einem Startup, weil man mit einer sehr engen Timeline arbeitet. Für N26 gäbe es wahrscheinlich noch über 100 gute Ideen, die wir umsetzen würden. Wir haben aber nur Kapazität für zehn in den nächsten sechs Monaten. Und das steht dann natürlich in einem gewissen Kampfverhältnis zu unseren eigentlichen Zielen. Aber es ist wichtig für uns, dass unsere Mitarbeiter regelmäßig frei an anderen Innovationen arbeiten.

N26 Office Ballroom (Image via N26)
Image by N26

Was habe ich vergessen zu fragen. Worüber würdest du eigentlich gerne reden, aber niemand fragt dich danach?

Da muss ich jetzt kurz nachdenken. Das Wichtigste ist, man versteht, dass N26 nicht nur ein neues Bankprodukt ist, sondern dass wir Banking grundsätzlich verändern: Wie wir die Produkte gestalten, wie wir Mitarbeiter, aber auch Kunden in unseren Produktentwicklungsprozess mit einbeziehen. Es geht nicht darum, kurzfristig ein besseres Girokonto aufzubauen, sondern die Idee ist, langfristig faires, gutes Banking zu besseren Konditionen anzubieten. In der Kombination aus Technologie mit einer viel besseren Kostenstruktur und mit sehr innovativen und sehr guten Mitarbeitern.

Danke. Das ist mal eine gute Antwort.


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Die Netzpiloten sind Partner der Viva Technology und werden vor Ort berichten. Wir verlosen Tickets für das Event, das vom 15. Bis 17. Juni 2017 in Paris stattfindet. Um an der Verlosung teilzunehmen, macht einfach mit und nutzt eure Chance auf Tickets for free für die Viva Technology! Zeit habt ihr dafür bis Dienstag, den 06. Juni. Viel Glück!

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Die Netzpiloten sind Partner der Viva Technology

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+++ Verlosung +++

Wir verlosen nämlich Tickets. Um an der Verlosung teilzunehmen, macht einfach mit und nutzt eure Chance auf Tickets for free für die Viva Technology! Zeit habt ihr dafür bis zum 06.06. Viel Glück!

Teilnahmebedinungen


In Paris findet vom 15. bis zum 17. Juni 2017 die Viva Technology statt. Zum zweiten Mal kommen in der französischen Hauptstadt Start-Ups und große Unternehmen und deren Ökosysteme zusammen, um miteinander zu verschmelzen. Die Publicis Groupe und Les Echos Groupe ermöglichen als Co-Organisatoren das Event und haben damit einer Veranstaltung erschaffen, die Start-Ups und kleinen Unternehmen aus aller Welt zugutekommt.

Das Programm sieht vor, dass die ersten beiden Tage den Medien sowie Menschen und Meinungsführern der Branche vorbehalten sind, die mit den Unternehmen, Start-Ups, VCs, Medien und Investoren in Dialog gehen wollen. Am dritten Tag dann ist die Messe für jedermann geöffnet, der sich für Unternehmensideen und neuste Entwicklungen interessiert.

Bedeutende Unternehmen

Einer der Speaker auf der diesjährigen Veranstaltung ist Valentin Stalf, CEO und Gründer von N26. Zu den Unternehmen, die auf Viva Technology vertreten sind und die interessiert sind an einer Zusammenarbeit mit Start-Ups, gehören unter anderem:

Die Location ist die Paris Expo Porte de Versailles. Wenn ihr euch bis zum 30. April anmeldet, erhaltet ihr dank Early-Bird-Tickets bis zu 30 Prozent Rabatt.

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