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Destination Check: VivaTechnology 2017

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Vergangene Woche ging die Technik-Messe VivaTechnology in die zweite Runde. Unsere Redakteurin Lisa hat sich nach Paris begeben, sich unter die Menge gemischt und mal unter den Besuchern, Ausstellern und Speakern nachgefragt, wie die Messe so ankommt und ob die VivaTech den Trip wert ist – Paris ja sowieso! Hier könnt ihr zudem nochmal ihren Kommentar zum Event nachlesen und die Artikelreihe, die im Vorfeld zur VivaTech entstanden ist. Jetzt geht’s aber um die Stimmen aus dem – internationalen – Volk!


Speakerin: Rahaf Harfoush, Digitale Anthropologin, Panel „New ways to attract women to science and technology“


Rahaf Harfoush

Wie war dein Gesamteindruck?

Meine allgemeiner Eindruck der VivaTech ist großartig. Ich liebe die Diversität unter den Speakern, dem Content und den Startups, darunter viele Frauen und Menschen verschiedener Nationen. Es ist wunderbar, unter solch internationalen Einflüssen, Ideen, Unternehmern und Experten zu sein.

Welche Erwartungen hattest du und wurden sie erfüllt?

Ja, ich liebe es zu solchen Events zu kommen, weil ich mich immer darauf freue, mit neuen Tools und Technologien herumzuspielen. Virtual Reality macht großen Spaß und ich mag es, herauszufinden, woran Startups gerade arbeiten. Ich finde es toll, Leute zu treffen, die am Rand der innovativsten Bereiche dieser Branche arbeiten und ich liebe es einfach auch, mit ihnen zu reden und dazuzulernen. Ich habe viel über Probleme erfahren, mit denen sich die Unternehmen im Technikbereich ausgesetzt sehen. Sie haben alle möglichen technischen, kulturellen und personelle Probleme. Sie haben sich hier ein ehrgeiziges Ziel gesetzt, all diese Themen in drei Tage Messe zu packen, aber es ist ihnen gelungen!

Wofür interessierst du dich hier und was war dein persönliches Highlight?

Ich interessiere mich vor allem für Themen wie die, wie man mehr Frauen in die Technikbranche bekommt. Ich denke, dass es wirklich wichtig ist, mehr Frauen für diese Bereiche zu begeistern. Außerdem interessiere ich mich auch sehr für die Zukunft der Arbeit und wie Dinge wie Algorithmen und künstliche Intelligenz unsere Arbeit zukünftig verändern werden und wie sie neue Jobs schaffen und alte beseitigen werden und was wir in der Übergangszeit machen.

Ich arbeite an einer Pariser Uni als Dozentin zu den Themen Innovation und Businessmodelle und ich liebe es, die verschiedenen Businessmodelle und die Experimente, die  die Leute ausprobieren, zu untersuchen. Dieses Jahr war in der Hinsicht besonders toll, da viele große Unternehmen angekündigt haben, kleinere Startups zu unterstützen und ich denke, dass das eine gute Sache für das Ökosystem ist, um Leuten Innovation in kleineren Formaten zu ermöglichen.

Und zu meinem Highlight – es gab einen Stand mit Virtual Reality, bei dem man in solche Zylinder ging, die VR-Brille aufsetzte und sich in einer Simulation unter Wasser befand. Das war sehr bizarr und verwirrend. Ich kann schon jetzt sehen, wie disruptiv diese Technologie für die Zukunft sein wird. Ich bin mir auch sicher, dass unsere Enkelkinder uns für diese großen „Helme“ auslachen werden, aber es fühlt sich auch wirklich so an, als ob wir da am Beginn von etwas Großem und Aufregendem sehen würden.

Wie hat sich die VivaTech seit dem letzten Mal verändert?

Ich denke, weil sich durch Innovation alles so schnell bewegt, können wir viel mehr auf Dinge wie KI und Chatbots erkennen. Diese Themen haben die Agenda in diesem Jahr quasi übernommen, aber es gefällt mir, dass dieses Thema so wichtig ist. 

Wem würdest du die Veranstaltung empfehlen?

Jedem, der das hier spannend findet. Ich habe hier viele Studenten gesehen, Investoren, Startups – einfach jeder, der sich für das Ökosystem interessiert. Was mir an dieser Veranstaltung wirklich gut gefällt, ist, dass es die Probleme innerhalb des Ökosystems anspricht – es ist nicht nur für Startups oder die Uni oder nur für Führungskräfte. Die Tatsache, dass alle diese verschiedenen Player miteinander interagieren, spiegelt die echte Welt wieder, und das ist wichtig. Ich würde das Event also jedem empfehlen, der sich auch nur irgendwie für Technik interessiert – egal, ob er von einer großen Firma, einem Startup oder als Investor kommt. Hier werden neue Perspektiven zu anderen Parts des Ökosystems eröffnet, von denen man vielleicht nie wusste, dass sie existieren.


Besucherin: Lisa Boisneault, Communication Officer, IGN


Lisa Boisneault

Wie war dein Gesamteindruck?

Es ist mein zweites Mal hier und ich mag die Atmosphäre und das Ökosystem der VivaTech sehr, sie ist sehr groß – ich mag das Event!

Welche Erwartungen hattest du und wurden sie erfüllt?

Die Konferenzen und Panels interessieren mich sehr. Ich arbeite in der Kommunikation, deswegen interessieren mich Themen wie Video Advertising oder wie man mehr Frauen in die Branche bringen kann. Ich erinnere mich an eine Konferenz aus dem letzten Jahr, in der es um Frauen im Business und großen Unternehmen ging, und das fand ich sehr interessant. Ich interessiere mich auch sehr für das Thema Mobilität, also Transport und so weiter. Für diese Themen gibt es hier viele interessante Startups. 

Was war dein persönliches Highlight?

Ich finde an der Messe toll, dass sie sehr international ist. Es gibt hier nicht viele solcher internationaler Events – die VivaTech ist für mich wie die CES in Las Vegas. Es ist toll, hier Englisch zu hören und zu sprechen und internationale Speaker mitzubekommen.

Wem würdest du die Veranstaltung empfehlen?

Allen, die sich für Technologie interessieren – hier geht es um so viele verschiedene Themen: Transport, Shopping, Banking – also wirklich etwas für Leute aus allen Bereichen.


Aussteller: Henry Harris-Burland, VP of Marketing, Starship


Nicolas Lozacic

Wie war dein Gesamteindruck?

Es ist fantastisch. Hier ist so viel los, das Event ist erstaunlich. Und sehr viele Leute sind an unseren Lieferrobotern interessiert.

Welche Erwartungen hattest du und wurden sie erfüllt?

Meine Erwartungen wurden weit übertroffen. Wir sind nur für einen Tag hier, aber wir versuchen, das Beste daraus zu machen.

Welche Themen interessieren dich besonders?

Alles, was mit selbstfahrenden Autos zu tun hat und alles über Liefer- und Versorgungsketten, egal, ob es um Lebensmittel, Pakete oder Essen geht. Das sind meine Hauptinteressen.

Wem würdest du die Veranstaltung empfehlen?

Ich würde das Event Startups empfehlen, die Menge an Ausstellern ist groß und übertrifft meine Erwartungen.


Besucher: Alexander Demling, Journalist, Handelsblatt


Alexander Demling

Wie war dein Gesamteindruck?

Mich beeindruckt, dass hier neben vielen Franzosen – was ja selbstverständlich ist – auch viele chinesische oder überhaupt asiatische Unternehmen sind, was ich von Konferenzen in Europa eigentlich wenig kenne. Das ist dann immer sehr europazentrisch, so viel Amerika, wie es geht, aber man guckt eigentlich ganz wenig nach Osten, wo ja gerade die neuen Internetgiganten entstehen. Hier ist der Alibaba-CEO und viele andere, auch viele Aussteller, das find ich ganz beeindruckend.

Welche Erwartungen hattest du und wurden sie erfüllt?

Es ist zwar noch ein bisschen kurz, aber als Journalist hab ich natürlich die Erwartung, dass ich hier viele Leute treffen kann, die das Internet der Zukunft erfinden und vordenken. Das ist hier definitiv möglich. Hier trifft man die erste, zweite und dritte Reihe: beeindruckende CEOs, von Eric Schmidt über Benedict Evans bis hin zu Andreessen Horowitz. Der ist zwar auch als Technologie-Vordenker bekannt, aber man sieht, man hat sich nicht nur bemüht, ein paar große Köpfe für das Marketing zu bekommen, sondern es gibt durch die Bank spannende Internetvordenker.

Was war dein persönliches Highlight?

Ich leitete ein Panel zu „Music meets Tech“, mit einem Musikproduzenten, der Gründerin einer musikbasierten Messaging-App und der CFO des größten Radiokonglomerats der USA. Darauf habe ich mich natürlich sehr gefreut. Und generell finde ich es toll, dass man hier mit sehr vielen unterschiedlichen Themen in Kontakt kommt. Es reicht von Machine Learning, KI, Blockchain, also eher technischen Themen, bis hin zu wirklich sehr anwendungsnahen Themen wie zum Beispiel das Musikthema. Man findet alles und es ist wirklich sehr gut besetzt.

Würdest du wieder auf die Veranstaltung kommen?

Bestimmt, auf jeden Fall. Im Vergleich zu Konferenzen in Berlin ist die VivaTech viel größer, viel internationaler und auch thematisch einfach abwechslungsreicher. Ich kann noch nicht sagen, wie ich die Diskussionsformate finde und wie gehaltvoll das ist, weil ich noch nicht viel gesehen hab, aber wenn sie die Qualität dieses Line-ups halten können, dann auf jeden Fall.


Aussteller: Nicolas Lozancic, Head of Marketing & Communication, Speedernet


Nicolas Lozacic

Wie war dein Gesamteindruck?

Mein Eindruck ist sehr positiv! Hier sind viele Besucher vor Ort. Die Viva Technology findet jetzt zum zweiten Mal statt und ich finde, es ist sehr wichtig, ein Event wie dieses in Europa zu haben.

Welche Erwartungen hattest du und wurden sie erfüllt?

Ich habe einige Erwartungen. Vor der Show ist es wichtig, unsere Präsenz hier zu zeigen. Während der Show ist es wichtig, mit vielen Menschen zu kommunizieren, es ist selbstverständlich ebenso wichtig, viele Kontakte zu knüpfen und ihnen unsere Lösungen zu präsentieren. 

Was war dein persönliches Highlight?

Es gibt hier viele spannende Teilnehmer und viele Dinge in den unterschiedlichen Bereichen der Technologie. Wir haben ähnliche Techniken, außerdem gibt es hier immer Unternehmen, mit denen wir Partnerschaften verhandeln und unser Wissen teilen können. Besonders für kleine Unternehmen ist es wichtig, dass man sich mit anderen kleinen Unternehmen zusammentut.

Würdest du wieder auf die Veranstaltung kommen?

Ich würde die VivaTech auf jeden Fall empfehlen. Für alle Startups, denn hier sind Vertreter fast jedes Marktes vertreten, außerdem für die Themen HR, Sales und Energie. Und ich finde es wichtig, dass Unternehmen, egal aus welchem Teil Europas sie sind, zeigen können, was sie tun.


Images by Lisa Kneidl


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Vive la France Digital – Ein Kommentar zur #VivaTechnology

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Vive la France und Viva Technology! In unserer Artikelreihe haben wir euch in den letzten Wochen schon darauf eingestimmt und jetzt waren wir tatsächlich in der Stadt der Liebe zu einem der europäischen Tech-Events des Jahres, der VivaTech, welches in seinem erst zweiten Jahr bereits 50.000 Besucher anlocken konnte.


Zahlreiche Besucher sind ebenfalls zu den Startups gepilgert, einem der Standbeine der VivaTech. Wirft man einen Blick über den Hallenplan, sieht man sich quasi überall umgeben von diversen – manchmal pseudo–trendigen Startups. Rund die Hälfte des Messegeländes ist den Startups gewidmet und namhafte Firmen geben ihnen durch eine Kooperation die entsprechende Plattform auf der Messe.

Diese Stände locken die Besucher dann mit knuddeligen Robotern, oft überflüssigen Virtual-Reality-Demos – für eine durfte ich mich in einen Windkanal stellen um lediglich eine PowerPoint-Präsentation in der virtuellen Realität zu betrachten – und – ja tatsächlich – Fidget Spinner. Und genau das ist sowohl die große Stärke als auch die Schwäche der VivaTech – und nein, nicht die Fidget Spinner, sondern die schiere Größe.

Viel Show – wenig Innovation?

Die VivaTech ist groß bunt und laut, aber ist sie auch innovativ? Quantität ist ja nicht gleich Qualität und wenn man den Blick einmal durch die Startup-Stand-Reihen schweifen lässt, kriegt man nach dem 25. Pepper-Roboter auch irgendwann den Tunnelblick. Versteht das nicht falsch, die Startup-Kultur ist etwas tolles und Frankreich und Paris platzieren sich mit dem Angebot auf der VivaTech definitiv mit beiden Beinen im europäischen Vergleich zu beispielsweise Berlin, Dublin und London. Trotzdem hat man alles zu künstlicher Intelligenz oder Virtual Reality schonmal irgendwo gehört oder gesehen und es stellt sich aber die Frage, wo bei all dem Schall und Rauch um Gimmick-Roboter und die ach-so-neuere-und-bessere VR-Anwendung die Innovation bleibt.

Groß, bunt und laut ist auch die VivaTech Main Stage, diese kann locker mit Konsorten wie den Apple-Präsentationen oder der gleichzeitig zur diesjährigen VivaTech stattfindenden E3 mithalten. Auch das Speaker-Angebot kann beeindrucken – volles Haus gab es bei Eric Schmidts „Case of Optimism“, bei dem der Vorsitzende von Alphabet hoffnungsvolle Worte mit dem Publikum zur Zukunft der Arbeit teilte und in denen er der Meinung war, dass die digitale Transformation auch Arbeit schaffen würde, als vieles durch künstliche Intelligenz zu ersetzen und dass die zwischenmenschliche Kommunikation durch bspw. Messenger doch wieder eher zusammenwächst, als dass sie sie trennen würde.

Vivatech1_Image by Lisa Kneidl

Beim Panel mit dem Titel ‚Future of Entertainment‘ gaben sich führende Persönlichkeiten die Ehre, wie Gilles Pélisson, CEO vom französischen Medienunternehmen TF1 oder Bob Bakish, dem CEO von Viacom. Namedropping und Show können sie auf der VivaTech, große Worte zu großen Themen wie Energie, Entertainment und künstlicher Intelligenz gab es auf der Main Stage en masse, aber viel Neues und Innovatives habe ich dort auch nicht gehört.

 

Wenig Neues, aber viel Menschlichkeit

Die spannenden, disruptiven Themen fanden für mich eher auf den kleineren Stages statt, die sich über die Messe verteilten. Dort wurde dann auch über die Themen gesprochen, die bereits die VivaTech Organisatoren Maxime Baffert und Yael Kusch-Stassart in unserem Interview so betonten, wie ‚Women in Tech‘ oder alles zu ‚Techfugees‘.

Auf der bescheideneren Stage 2 traf ich dann auch auf das Panel ‚How tech is improving the lives of refugees‘, das von Joséphine Goube von der Organisation Techfugees geleitet wurde und Geflüchtete aus Kroatien, Jordanien und Griechenland per Konferenz-Call dazuschaltete, um mit ihnen über ihr technisches Engagement zu reden.

Das Ziel der gemeinnützigen Organisation ist es, zusammen mit Geflüchteten eine Community rund um das Thema Tech zu schaffen und die gemeinsame Begeisterung für Technologie für einen humanitären Zweck zu nutzen. Wie wichtig Technik für Menschen in solchen Situationen ist, wird erst klar, wenn einer der Panel-Teilnehmer erwähnt, dass die Geflüchteten noch vor Essen und Wasser nach WiFi fragen. Joséphine kommentiert, dass das viele überrascht, aber für sie gibt es daran nichts überraschendes, „wenn man vor dem Tod flieht nimmt man sein Smartphone, die Leute müssen verstehen, welche Strapazierfähigkeit es den Menschen gibt, wenn sie mit ihren Familien in Kontakt bleiben können.“

Jopsephine_Image by Lisa Kneidl


Nachgefragt bei Joséphine Goube, CEO von Techfugees

Erzähl uns ein bisschen von deiner Organisation Techfugees.

Techfugees ist eine international agierende, nichtstaatliche Organisation, die sich in eine Bewegung aus Techies, Datenwissenschaftlern, Ingenieuren und vielen weiteren entwickelt hat, die ihre Fähigkeiten nutzen möchten um Technologie mit und für Flüchtlinge zu erschaffen. Wir möchten mithilfe von Technik Flüchtlingen Zugang zu Informationen, Bildung, der Arbeitswelt, zum Gesundheitswesen und der Gesellschaft zu geben.

Wie bist du mit dem Thema in Kontakt gekommen? Gab es einen Moment, an dem du gedacht hast: „Ich muss jetzt etwas tun”?

Ich bin jetzt seit sechs Jahren in der Technikbranche. Ich habe 2012 eine Firma mit fantastischen Kollegen gegründet, in der wir eine Technologie entwickelt haben, die einer künstlichen Intelligenz ähnelt. Unsere KI ist einfach erklärt ein Algorithmus, der für Migranten entwickelt wurde und ihnen helfen soll, Visas zu beantragen.

Innerhalb dieser Arbeit haben wir etwas herausgefunden. Denn wenn man die Formulare und Prozesse lesen und verstehen muss, damit man sie dem Algorithmus beibringen kann, stellt man fest, wie schwierig dieser Prozess ist und dass der Rassismus in diesen Gesetzen regelrecht festgesetzt ist. Das ist der Grund, warum viele Flüchtlinge lieber ein Boot nehmen, statt einen Antrag auf ein Visum zu stellen, weil sie wissen, dass sie, obwohl sie vielleicht sogar die richtigen Dokumente vorliegen haben, abgelehnt werden.

So bin ich regelmäßig mit Menschen in Kontakt, die versuchen, ein Visum zu bekommen, oder die ein Boot genommen haben und als Flüchtlinge in ein Land einreisen. Und diese Umstände haben mich immer mehr verärgert, da meine Technologie nicht genug war und das Problem viel tiefer saß. Und so dachten wir, wir brauchen viel mehr Menschen, die mehr Technologie erschaffen als nur eine einzige KI, die Nutzern hilft, Visums-Anträge zu stellen. Wir brauchten Menschen, die den Flüchtlingen sichere Routen nennen können, und die dafür sorgen, dass sie keine Schmuggler bezahlen müssen. Menschen, die ihnen helfen, sich zu vernetzen, die Informationen vermitteln und viele weitere Dinge tun können.

Mike Butcher von TechCrunch wurde darauf aufmerksam und hat auf Facebook gefragt: “Was können wir mit Technologie für Flüchtlinge tun?”. Da habe ich beschlossen, seinem Team beizutreten und etwas zu entwickeln, so dass diese Masse an Menschen denen helfen kann, um die sich gerade nicht gekümmert wird. Und diese Gruppe ständig an – wir haben immer mehr Mitglieder und unzählige talentierte Leute.

Würdest du sagen, dass die VivaTech eine besonderes gute Plattform für dieses Thema ist?

Wo, wenn nicht hier, ist das technikaffine Publikum, die sich darüber austauschen? Wenn ich auf die Bühne gehe und von meinem Projekt erzähle, werden sie es verstehen. Diese Konzentration finde ich nicht, wenn ich vor einem Publikum aus dem humanitären Sektor spreche, oder Politik. Dort werden sie einen Großteil der Dinge nicht sofort verstehen. KI, Blockchain, Chatbots – sie haben vielleicht eine grobe Ahnung, wovon ich rede – oder sie schweigen und tun nur, so als ob sie mich verstehen.

Die VivaTech dagegen ist ein sehr guter Ort, um Gleichgesinnte zu finden und zu rekrutieren. Wir hatten zum Beispiel auch einen Flüchtling, der sein eigenes Startup gegründet hat, das Flüchtlinge unterstützt. Um noch mehr dieser Menschen zu finden ist es wichtig, die Aufmerksamkeit auf diese Bereiche zu werden und zu zeigen: „Schaut, Flüchtlinge tragen zu unserer Gesellschaft bei, und zwar auf einem legalen Weg.“

Das Projekt stellt außerdem ein gute Möglichkeit dar, um ein ichtiges Thema noch besser sichtbar zu machen. Besonders im Techniksektor findet sich so viel Entertainment, Gaming, Sport und ähnliches, die Aufmerksamkeit ist eher auf die nicht wichtigen Dinge gerichtet. Innerhalb der Branche passiert aber so viel. Wir kennen mittlerweile Tricks, um das Dopamin-Level eines Nutzers nur mithilfe eines Instagram-Posts zu steigern. Deswegen ist es wichtig, auf Veranstaltungen wie diese, wo viel Disruption und Potential herrscht, teilzunehmen.


Resümee: Alles so schön bunt hier. Es gibt aber auch Wichtiges.

Inmitten all der bunten Stände, der Gimmick-haften Roboter, VR-Brillen oder riesigen Daddel-Touchscreens gibt es in diesem Jahr erstaunlich wenig Innovation. Wenn man jedoch genau hinsieht, enteckt man zwischen dem üblichen Tech-Messen-Einheitsbrei auch Themen abseits des Entertainment-Sektors, wie eben die Techfugees, die Technik wirklich disruptiv und humanitär anwenden.

Vivatech2_Image by Lisa Kneidl

Es spricht sehr für die VivaTech, auch Themen solcher Art zu unterstützen und ihnen eine Plattform mit derartiger Größe und Einfluss zu bieten. Auch wenn die Messe meiner Meinung nach noch mehr mit dem Strom der Trends als dagegen schwimmt – das ewige Streben der Tech-Messen nach Innovation resultiert wohl langsam in einer Art Berufsblindheit – ist das schiere Angebot und der Einfluss der Messe in der Techie-Szene, die sich gerade mal in ihrem zweiten Jahr befindet, schier beeindruckend.

Luft nach oben ist definitiv noch, doch die Messe scheint sich auf einem guten Weg zu befinden. Für weitere Stimmen aus dem Volke zur zweiten VivaTech folgt kommende Woche unser Destination Check, also Augen auf und à bientôt!


Images by Lisa Kneidl


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„Innovation ist eine Geisteshaltung“ – Interview mit VivaTech-Managing Director Maxime Baffert

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Dieser Beitrag ist Teil einer Artikelreihe im Vorfeld der internationalen Tech-Konferenz Viva Technology, zu der vom 15. bis 17. Juni 2017 rund 50.000 Teilnehmer und über 5.000 Startups nach Paris kommen. Die Netzpiloten werden als Medienpartner der Viva Technology mit vor Ort sein. Und hier gibt es Tickets für das Event zu gewinnen.


In etwas weniger als zwei Wochen öffnet die Tech-Konferenz VivaTechnology im Konferenzort Porte de Versailles zum zweiten Mal ihre Tore. Was Ende 2015 als spontanes Projekt startete, soll nach der erfolgreichen ersten Auflage im letzten Jahr 2017 nun bis zu 50.000 internationale Besucher versammeln. Ein selbstbewusstes Vorhaben, aber Managing Director Maxime Baffert ist zuversichtlich.

Maxime Baffert arbeitet für die Publicis Groupe, ist CEO von Proximedia und ist seit mehr als 10 Jahren im digitalen Marketing tätig. Im letzten Jahr war er Teil des Teams, das die VivaTech aus dem Nichts startete. Er beschreibt diese Zeit als sehr dynamisch und spaßig. Zusammen mit Yael Kusch-Stassart – sie ist Head of Communication and Media Partnerships der VivaTech – konnten wir ihn im Vorfeld der VivaTech zum Interview einladen.

Lisa Kneidl: Die VivaTech ist schon bald – In welcher Phase der Vorbereitung seid ihr gerade?

Maxime: Das Gute ist, dass wir sehr zuversichtlich hinsichtlich der Konferenz sind und hinsichtlich der Sachen, die wir in die Veranstaltung einbringen wollen. Wir haben eine großartige Reihe an Rednern und viele Innovationen, die vorgeführt werden. Mehr als 1.000 Startups werden mit großen Unternehmen während der drei Konferenztage zusammenarbeiten, um Workshops anzubieten. Inhaltlich steuern wir wirklich auf etwas Großartiges zu, aber bevor wir das erreichen, müssen wir eine Million Details klären, arrangieren, vorbereiten und ausführen – es ist schon ein bisschen stressig.

Letztes Jahr war die erste Auflage der VivaTech. Wie kam das alles zusammen?

Maxime: Es war eine Idee, die Maurice Lévy, der CEO der Publicis Groupe, schon seit Jahren im Hinterkopf hatte. Wir wollten etwas haben, das eine große und globale Veranstaltung sein sollte und in Paris stattfinden könnte. Wir wollten diese Art von Treffen erschaffen, die mit dem Web Summit, sowie dem CES in Las Vegas konkurrieren kann. Wir wollten mit dem Standort Paris eine neue Anlaufstelle für die großen Veranstaltungen schaffen. Ende 2015 haben wir uns mit unserem Geschäftspartner, der Wirtschaftszeitung Les Échos, getroffen und sie hatten die gleiche Idee. Also haben wir uns dazu entschlossen, den Weg gemeinsam zu gehen und unsere Kräfte zu bündeln, um dieses Event auf die Beine zu stellen. Es war komplett verrückt, weil wir uns erst Anfang Dezember 2015 getroffen haben und überzeugt waren, dass diese Veranstaltung im Juni 2016 stattfinden sollte. Wir hatten viele Leute dabei, die dachten, dass das verrückt sei, aber das hat uns erst recht motiviert, schneller daran zu arbeiten. Letztendlich haben wir es geschafft, während der drei Konferenztage insgesamt 45.000 Leute zu versammeln und ein Event zusammenzustellen, das interessant ist und sich von den anderen unterscheidet. Jetzt wollen wir dieses Niveau übertreffen, es sogar noch weiter vorantreiben und daraus ein jährliches Treffen für die digitale Welt machen.

Wie würdet ihr die letztjährige VivaTech beschreiben?

Yael Kusch-Stassart (adapted)
Image by Yael Kusch-Stassart

Yael: Für die erste Auflage hatten wir 45.000 Teilnehmer und für die zweite Auflage nehmen wir uns 50.000 Teilnehmer vor. Wir wollen es noch nicht zu groß machen.

Maxime: Wir wollen in diesem Jahr internationaler werden und Leute aus den wichtigsten Ländern, die für digitale Entwicklung stehen, erreichen. Daher sind wir sehr an dem deutschen und dem britischen Markt interessiert. Israel und natürlich China sind auch stark vertreten.

Wo sind Frankreich und Paris in der Tech-Gemeinde positioniert, was können sie anbieten? Ist Paris das Silicon Valley Frankreichs oder gar Europas?

Maxime: Ich denke, dass wir zunächst in Paris wirklich einen „Boom“ in Bezug auf Startups und die digitale Wirtschaft sehen. Wir haben jetzt eine riesige Zusammenstellung, die sich auf dem gleichen Niveau abspielt wie Konferenzen in London oder Berlin. Wir haben viele Startups, die hier gegründet worden sind, sowie viele große, besonders amerikanische, Firmen, die in Frankreich vor allem in die Qualität der Belegschaft investieren. Facebook gründet gerade sein „Artificial Intelligence Lab” in Paris.

Es gibt eine wirkliche Dynamik, die heutzutage in Paris und in ganz Frankreich stattfindet und wir spiegeln das mit der VivaTech-Konferenz wieder. Wir sind keine französische Veranstaltung, wir werden Redner sowie Sponsoren aus der ganzen Welt haben – aber ich denke, wenn wir nicht dieses dynamische Personal aus dem französischen Ökosystem hätten, hätten wir auch keine Konferenz.

Du hast Startups erwähnt. Wie wichtig sind sie für die VivaTech?

Maxime: Neben den 1.000 Startup-Ausstellern sind zudem 4.000 zu Besuch. Es ist tatsächlich eine Veranstaltung, die für Startups entworfen wurde. Unsere Spezialität ist, dass wir an das Modell der offenen Innovation glauben und wir glauben, dass es einen europäischen Weg für Startups gibt, sich zu entwickeln. Dieser europäische Weg beruht darauf, die Stärken von großen Firmen, die eine digitale Wandlung durchlaufen, zu vermischen. Startups können ihr Wachstum auf diesen großen Unternehmen gründen, weil sie Kunden oder Anteilseigner der Startups werden. Natürlich haben wir in Europa weniger Geld als in Kalifornien oder im Rest der Vereinigten Staaten zur Verfügung, aber wir glauben, es gibt eine Art Übereinstimmung zwischen großen Firmen und Startups, die sie schnell wachsen lassen.

„Innovation“ ist ein zentraler Begriff in Bezug auf Startups – Was ist „Innovation“ für dich?

Maxime: Ich denke, es erstreckt sich auf Bereiche außerhalb der Technologie, die natürlich ein großer Teil von Innovation ist, aber man kann auch Innovation in einem Geschäftsmodell erreichen. Ich denke, Innovation ist eine Geisteshaltung, die besagt, dass man sich nicht mit der Art und Weise zufrieden geben sollte, wie etwas gerade durchgeführt wird. Bei Innovationen geht es wirklich um den Versuch, um das Scheitern und darum, immer wieder zu experimentieren, bis man Erfolg hat.

Was können Besucher von der diesjährigen VivaTech erwarten?

Maxime Baffert (adapted)
Image by Maxime Baffert

Maxime: Wir haben wirklich gute Talks und tolle Redner wie Eric Schmidt von Alphabet, Daniel Zhang von Alibaba, Oliver Samwer von Rocket Internet und viele CEOs unserer Top-Sponsoren wie beispielsweise die Telekommunikationsfirma Orange. Es werden Verleger da sein, die aus den USA, Israel, Großbritannien und so weiter kommen. Mit unseren mehr als 250 Talks decken wir ein unglaublich breites Spektrum an Themen ab. Von Technologiethemen über Virtuelle Realität, künstliche Intelligenz, Robotik und Handelsthemen – wir haben einen sehr generalistischen Ansatz.

Mein Lieblingsdetail ist folgendes: Wir organisieren eine Reihe mit dem Namen „#nextechs“ und hier werden alle Themen angesprochen, von der jeder in ein paar Jahren reden wird, so wie wir heute von der Blockchain sprechen. Wir haben quantengestützte Informatik und all diese Technologien, die auf genetischer Manipulation basieren. Wir haben auch Vorträge zu Nanorobotik – die Leute, die wirkliche Tech-Nerds sind, werden wohl zufrieden sein, weil wir versuchen, detailliert auf Technologie als Themengebiet einzugehen. Das passt auch für Leute, die einfach nur wissen wollen, was in einem Bereich gerade los ist.

Was sind die drei hauptsächlichen Trendthemen der diesjährigen VivaTech?

Maxime: Das erste beinhaltet alles, was mit Data und künstlicher Intelligenz verbunden ist. Wir haben viele Vorträge dazu, weil es gerade ein wirklich heißes Thema ist. Wir haben einen sehr überzeugenden Vortrag über Fintechs. Es ist eines der Themen, an dem unsere Besucher am meisten interessiert sind. Der dritte Aspekt ist unsere Reihe mit dem Namen „#positiveimpact“, was bedeutet, dass wir zu verstehen versuchen, wie Technologien unserer Wirtschaft und Gesellschaft als Ganzes helfen kann. Zum Beispiel haben wir ein Panel namens „Techfugee“ das die Kernfrage bedient, wie Technologie den Flüchtlingen helfen kann.

Welches Thema ist für dich eine Herzensangelegenheit und auf was freust du dich?

Maxime: Mir gefällt das „#nextechs“-Projekt am besten, das ich gerade erwähnt habe. In diesem Jahr haben wir ein sehr wichtiges Ziel: Wir wollen das Problem der technischen Vielfalt und den Technologie-Konferenzen in Angriff nehmen – 40 Prozent der Referenten sollen Frauen sein. Unser Konferenzteam arbeitet intensiv daran, sicherzustellen, dass dieses Ziel erreicht wird. So haben wir beispielsweise alle Panels, in die sich ausschließlich Männer eingetragen hatten, abgeschafft. Bei Tech-Konferenzen hat man üblicherweise 10 Prozent oder maximal 20 Prozent Frauen – wir wollen darüber hinauskommen und zeigen, dass man, wenn man sich die Zeit nimmt, wirkliche Vielfalt auf der Bühne haben kann.

Bewerbt ihr die Veranstaltung auch aktiv auf diese Weise?

Yael: Es ist sehr wichtig und um ehrlich zu sein, gibt es kaum weibliche Hauptredner oder überhaupt Frauen in hohen Positionen mit wirklich interessanten Jobs. Noch seltener ist es, wenn sie auch noch auf der Bühne oder in der Öffentlichkeit sein wollen. Wir werben also aktiv mit weiblichen Speakern, weil uns das besonders wichtig ist.

Wer sollte an dem Event teilnehmen?

Maxime: Wir haben zwei Tage, die auf B2B ausgelegt und die wirklich für Fachleute sind. Der letzte Tag ist für B2C-Kunden gedacht. Demnach besteht unser Publikum innerhalb der ersten zwei Tage mehr aus Startups, Gründern, CEOs, Investoren und Journalisten. Am letzten Tag zielt es mehr auf Studenten und Projektverantwortliche ab, die ihre eigene Firma gründen wollen.

Yael: Es wird eine „Entdeckerzone“ geben, wo viele neue Projekte vorhanden sind, die sie entdecken können und die sie noch nicht im TV oder anderswo gesehen haben. Die zwei Tage, die B2B beinhalten, sind für uns der Schlüssel. Während des B2B-Teils wird alles auf Englisch sein und am Tag, an dem es um B2C geht, wird alles auf Französisch sein, weil wir denken, dass es eher die französischen Besucher als die internationalen Medien anzieht.

Was wollt ihr mit der diesjährigen VivaTech erreichen?

Maxime: Das erste Ziel ist, dass wir Leute anziehen, die aus mehr als 50 Ländern zur VivaTech kommen. Wir wollen uns weltweit aufstellen können. Unser zweites Ziel ist, dass wir unseren Besuchern auf der VivaTech etwas bieten, das sie noch nicht zuvor gesehen haben. Das kann ein Redner sein, den sie vorher noch nicht gehört habe oder eine Idee, über die sie vorher noch nicht nachgedacht haben. Dann wollen wir auch, dass die Leute sehen, dass die Technik etwas Positives ist. Besonders während des Wahljahres in Frankreich ist das wichtig. Wir hören viel über negative Folgen der Technik, aber wir glauben, dass die Chancen, die die Technik uns bietet, wichtiger sind als mögliche negative Auswirkungen.

Danke euch!


Images by Maxime Baffert, Yael Kusch-Stassart


Die Netzpiloten sind Partner der Viva Technology und werden vor Ort berichten. Wir verlosen Tickets für das Event, das vom 15. Bis 17. Juni 2017 in Paris stattfindet. Um an der Verlosung teilzunehmen, macht einfach mit und nutzt eure Chance auf Tickets for free für die Viva Technology! Zeit habt ihr dafür bis Dienstag, den 06. Juni. Viel Glück!

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Stowe Boyd über Slack, Coworking und die Zukunft der Arbeit


Dieser Beitrag ist Teil einer Artikelreihe im Vorfeld der internationalen Tech-Konferenz Viva Technology, zu der vom 15. bis 17. Juni 2017 rund 50.000 Teilnehmer und über 5.000 Startups nach Paris kommen. Die Netzpiloten werden als Medienpartner der Viva Technology mit vor Ort sein. Und hier gibt es Tickets für das Event zu gewinnen.


Der Futurist und Forscher Stowe Boyd hat schon den ein oder anderen Trend in der vermeintlichen Arbeitswelt von morgen aufgespürt, getestet und kommentiert – und manche davon dann auch wieder spurlos verschwinden sehen. Nicht alles, was die Zukunft der Arbeit sein soll, hat dann auch die Macht, wirklich etwas zu verändern. Wir haben uns mit ihm im Vorfeld der VivaTech, auf der er auch als Redner auftreten wird, über Slack, Coworking, und wie Künstliche Intellligenz die Zukunft der Arbeit verändern wird, etwas genauer unterhalten: 

Tobias Schwarz: Vor beinahe neun Jahren haben Sie ein Interview mit einem meiner Vorgänger, Peter Bihr, bei Netzpiloten durchgeführt und erklärt, warum die E-Mail nicht mehr funktioniert. Was denken Sie heute über die E-Mail?

Stowe Boyd (adapted)
Image by Stowe Boyd

Stowe Boyd: Ich wette, dass ich so etwas Ähnliches wie das Folgende gesagt habe: Wir wollen die E-Mail für ein weites Spektrum von Anwendungsfällen anwenden, es stellt sich jedoch heraus, dass es am besten für Applikationen, die Spaminhalten sehr ähnlich sind, geeignet ist, wie beispielsweise E-Mail-Newsletter. Die Stelle, an der E-Mail nur schlecht funktioniert, ist exakt dieselbe wie die, bei der die Menschen eine Art der Arbeitskommunikation anwenden wollen – wie beispielsweise Slack, Hipchat und Microsoft Teams –, speziell rund um Kommunikationen in kleinen Gruppen. Die E-Mail ist geschäftlich, während ein Chat dialogorientiert ist.

Die E-Mail ist überhaupt nicht tot, die sofortige Nachrichtenübermittlung nimmt jedoch zu. Diese Veränderung geschah sogar in Unternehmen mit Programmen wie Slack, Circuit und Microsoft Teams. Ist das lediglich ein Trend der Kommunikation – oder wird dies der neue Standard sein?

Ja, dies sind Arbeitskommunikationsprogramme. Sie sind chatraumbasiert und unterscheiden sich etwas gegenüber sofortiger Nachrichtenübermittlung, basierend auf Freundeslisten. Arbeitskommunikation ist grundsätzlich eine Ablehnung der dominanten Entwurfsmetapher der vorangegangenen Ära, der seriellen Datenübertragung auf der Arbeit, wie sie mit den Programmen Yammer, Chatter und IBM Connections gefunden werden kann.

Die Arbeitskommunikation agiert hauptsächlich auf der Basis eines kleineren Teams, also mit weniger als zehn bis zwölf Mitarbeitern, während sich die serielle Datenübertragung an die Arbeit auf einer höheren sozialen Ebene, wie mit dutzenden oder hunderten von Menschen  orientiert. Man muss dabei bedenken, dass die meiste Arbeit in kleinen Teams vollbracht wird.

Vor einigen Monaten kritisierten Sie Slack aufgrund der geringeren Effektivität der  Gruppenchats mit einer Gruppe, die größer als zehn Leute ist. Wie können sich Ihrer Meinung nach, auf die Bürokommunikation zugeschnittene Programme, verbessern?

Sie stellen den Sinn des Gesagten falsch dar. Zunächst wies ich darauf hin, dass die optimale Gruppengröße bei der Arbeitskommunikation – wie bei Slack – bei unter zwölf Personen liegt. Zweitens vermerkte ich das Phänomen der „sozialen Vermengung“, die in Organisationen passiert, die Slack-Kanäle offen lassen. Eine Menge Leute von Außerhalb fangen an, den Chaträumen beizutreten und die Arbeit des Kernteams zu unterbrechen, indem sie zu viele Fragen stellen und eine Menge Lärm machen. Drittens passieren eine Menge verborgener Sachen in Chaträumen, weil diese Räume intransparent sind. Intransparent kann jedoch, abhängig vom Kontext, sowohl gut als auch schlecht sein.

Das stimmt, aber wie wir arbeiten, ändert sich grundlegend – es wird mehr dezentralisiert und miteinander verbunden sein, wenn es nicht jetzt schon der Fall ist. Welches sind Ihrer Meinung nach die anderen Veränderungen, abgesehen von Bürokommunikation, die wir in den nächsten zehn Jahren sehen werden?

Wir haben die vollen Auswirkungen der etablierten Erfindungen des 21. Jahrhunderts – wie beispielsweise mobile, soziale und Kommunikationstechnologien, die das menschliche Leben umorganisiert haben – nicht voll integriert und der Durchbruch zu dem, was als digitale Transformation im Unternehmenssektor bezeichnet wird, ist eine direkte Konsequenz aus diesen Megatrends.

Wir werden allerdings nicht die Zeit haben, um diese Welle zu Ende zu reiten, weil wir von einer Vielzahl anderer Technologien getroffen werden, die wahrscheinlich gleichwertige oder größere Auswirkungen auf uns haben werden: Künstliche Intelligenz, erweitere Realität und das Internet der Dinge. Insbesondere die KI stellt außergewöhnliche Herausforderungen für die Zukunft der Arbeit dar. Gerade die KI kann zu einer Zukunft ohne Jobs führen, wenn sie sich in jeder Ecke und Nische ansiedelt, während die Welt immer „führerloser“ wird. Ich arbeite an einem Buch zu diesem Thema, es trägt auch den Arbeitstitel „Führerlos“.

In einem Interview, das Sie mit Jennifer Magnolfi geführt haben, sagten Sie einmal, dass Sie fasziniert sind von der Vorstellung, dass Unternehmen sich Coworking und Räume wie Nährböden anschauen – Sie nannten das den „Laufstall des Coworking“. Da ging es um Tischtennisplatten, Nerf-Waffen und so weiter. Was wurde zur modernen Antwort des Cubes und dem Arbeitsbereich des 21. Jahrhunderts, der sich durch geschlossenen Türen auszeichnet? Was denken Sie heutzutage über Coworking?

Ich denke, dass Coworking als ein Element der modernen Umwelt des Arbeitsplatzes fest etabliert ist. Die Ökonomie ist für Freiberufler, Startups, kleine Teams und sogar in größeren Unternehmen gerade sehr spannend. Zur selben Zeit ist Coworking ein Teil des Trends, weil es überall vorkommt. Die Ästhetik, die jeden Arbeitsplatz auf dieselbe, unpersönliche und entmenschlichte Weise ausschauen und funktionieren lässt. Der Umstand, dass ich für ein paar Stunden mit wenig Ausrüstung und geringen Kosten zu einem Coworking-Space kommen kann, oder einem Café oder einer öffentlichen Bibliothek, erscheint wie ein Schnäppchen.

Auf der anderen Seite: wenn ich gehe, ist es so, als ob ich nie da gewesen wäre. Ich bin nicht davon überzeugt, dass alle unserer Arbeitsplätze – und zu einem wachsenden Umfang gehört auch unser Zuhause dazu – keine Spur von uns aufweisen sollten, wenn wir einmal gehen.

Auf der jährlichen deutschen Coworking-Konferenz COWORK wurde diskutiert, dass Coworking als ein kleiner Trend zu einer kleineren Industrie kommerzialisiert wird und ersetzt, was davor war. Denken Sie, dass Coworking im Unternehmensbereich oder Lösungen des  Büro-Sharings von Immobilienunternehmen wie WeWork die Zukunft dieser Bewegung darstellen?

Kommerzielles Coworking ist eine Antwort auf die fehlende Verwurzelung und die geringen Margen, die mit der Ökonomie von Freiberuflern und Startups verbunden wird. Die Zahl der Freiberufler nimmt zu, zumindest in den vereinigten Staaten, und zwar aufgrund der Verschiebung der Arbeitsstruktur von Vollzeitangestellten zu auftragsbasierten „Arbeitnehmern“ und Unternehmen. Also wird der Trend weitergehen.

Vor einigen Wochen beriet ich eine Gruppe, die von dem Bundesministerium für Bildung und Forschung eingeladen wurden, um darüber nachzudenken, wie die Zukunft der Arbeit im Jahr 2030 aussehen wird. Sie beschrieben Dinge, die sie im Jahre 2030 haben möchten, die bereits Realität sind – von denen sie nur nichts wussten. Wie wird Arbeit im Jahr 2030 aussehen?

Alfred North Whitehead sagte einmal: „Es ist das Geschäft der Zukunft, gefährlich zu sein“. Tatsächlich zu erraten, wie die Zukunft aussehen wird, kann erschreckend sein. Die Leute werden angehalten, keine weiteren Änderungen vorzunehmen, selbst wenn sie danach gefragt werden. Sie tun lieber so, als wäre morgen genau wie gestern, obwohl sie es nicht wirklich glauben. Die Alternative wäre, ihre grundlegenden Prämissen zu hinterfragen, die unsere heutigen Gesellschaft darstellt.


Image by Stowe Boyd


Die Netzpiloten sind Partner der Viva Technology und werden vor Ort berichten. Wir verlosen Tickets für das Event, das vom 15. Bis 17. Juni 2017 in Paris stattfindet. Um an der Verlosung teilzunehmen, macht einfach mit und nutzt eure Chance auf Tickets for free für die Viva Technology! Zeit habt ihr dafür bis Dienstag, den 06. Juni. Viel Glück!

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„Ich sehe die Blockchain als eine ökonomische Innovation“

Viva-Technology

Dieser Beitrag ist Teil einer Artikelreihe im Vorfeld der internationalen Tech-Konferenz Viva Technology, zu der vom 15. bis 17. Juni 2017 rund 50.000 Teilnehmer und über 5.000 Startups nach Paris kommen. Die Netzpiloten werden als Medienpartner der Viva Technology mit vor Ort sein. Und hier gibt es Tickets für das Event zu gewinnen.


Die VivaTech existiert nach eigenen Angaben, um Innovation zu zelebrieren. Die Blockchain ist die wohl wichtigste Innovation der letzten Jahre. Und auch wenn es so scheint, dass es sich bei dem Verfahren, das die technische Basis für sogenannte Kryptowährungen darstellt, um eine technische Innovation handelt, sieht Claire Balva dies etwas differenzierter. Sie ist die Gründerin des Pariser Startups Blockchain France und für sie ist die Blockchain vor allem eine ökonomische Innovation, wie sie auf der diesjährigen VivaTech im Juni erklären wird und dies bereits bei uns im Interview verständlich macht.

Tobias Schwarz: Sagen wir, ich frage für die Tochter eines Freundes: Könnten Sie mir bitte eine Erklärung für Fünfjährige geben, was die Blockchain ist?

Claire Balva: Eine Blockchain ist wie ein Buch. Jeder hat eine Kopie dieses Buchs. In diesem Buch können die Leute ihre Transaktionen festhalten. Sagen wir, ich gebe Ihnen zwei Äpfel. Ich schreibe in das Buch, dass ich, Claire, Ihnen, Tobias, zwei Äpfel geschickt habe und ich unterschreibe diese Aussage. Jeder kann Transaktionen senden, aber dies muss von anderen Mitgliedern des Netzwerks validiert werden: Sie kontrollieren dann, ob ich wirklich zwei Äpfel besitze. Sie schauen sich die vorhergehenden Seiten des Buchs an und sehen, dass ich gestern tatsächlich drei Äpfel von meinem Freund Steve bekommen habe. Sie bestätigen die Transaktion und schreiben sie mit einem dokumentenechten Stift auf eine neue Seite, zusammen mit anderen validierten Transaktionen.

Eine Blockchain ist in ihrer einfachsten Form ein digitales Buch oder Konto, das sich viele Computer und Server teilen, sozusagen ein Knotenpunkt. Die Seiten, die wir in der Buch-Analogie erwähnt haben, sind in Wirklichkeit Blöcke, die dieses digitale Konto darstellen. Sie sind durch eine kryptographische „Kette“, die sie voneinander abhängig macht, verbunden. Wenn der Inhalt eines Blocks geändert wird, wird die Kette gelockert. Das bemerkt der Rest des Netzwerks dann auch. Wenn ein Block von Transaktionen einmal validiert ist, wird er „unveränderlich“, grundsätzlich kann ihn dann also niemand mehr bearbeiten.

Bitcoin ist die erste Blockchain. Es erlaubt den Menschen, Bitcoins, digitale Wertmarken, die monetären Wert haben, ohne Mittelsmänner zu tauschen. Die Teilnehmer des Netzwerks, die Miner genannt werden, geben ihre Rechenleistung an den Service, der die Transaktionen validiert: Es wird überprüft, dass der Absender ausreichend Mittel für den Vorgang besitzt, indem die Historie der Transaktionen durchgegangen wird, und dass er das Recht auf den Zugriff zu den Mitteln hat, indem die Unterschrift verifiziert wird.

Claire Balva (adapted)
Image by Claire Balva

Was kann man mit der Blockchain machen? Wann benutzen wir die Blockchain tatsächlich?

Wie wir bereits zuvor mit Bitcoin gesehen haben, können wir mit jedem, der will, immer und überall Beträge austauschen. Dies geschieht zu sehr geringen Transaktionskosten und unabhängig von der getauschten Menge. Blockchains können außerdem mit jeder Wertmarke Daten in einem bestimmten Slot aufbewahren. Sehr kleine Transaktionen auszuführen und eine kleine Menge an Informationen einzufügen, sichert die Information. Zu viele Daten können nicht eingefügt werden, da es komplizierter wäre, die Blockchain auf mehreren Computern zu hosten. Aber man kann einen kryptographischen Beweis, eine Reihe von Buchstaben und Zahlen, die den Status eines beliebigen Dokuments repräsentieren, einfügen.

Dies kann zum Beispiel dazu verwendet werden, Zeugnisfälschungen zu verhindern. Manche Schulen haben bereits begonnen, die Zeugnisse ihrer Schüler mit der Bitcoin-Blockchain zu zertifizieren. So können Firmen überprüfen, ob ein Zeugnis von seinem ursprünglichen Zustand (zum Beispiel mit Photoshop) abgewandelt wurde. Die Vollständigkeit von Daten, Verfolgbarkeit und Zertifizierung sind die Schlüsselanwendungen für Blockchains wie Bitcoin.

Andere Blockchains ermöglichen es, dezentralisierte Anwendungen, die „smarte Verträge“, die sich selbst ausführende „Wenn-Dann“ Programme sind, zu programmieren. Zum Beispiel könnte eine Versicherungsgesellschaft einen smarten Vertrag entwickeln, der automatisch Landwirte basierend auf den Daten verschiedener Webseiten für Wetterprognosen entschädigt, wenn es mehr als 30 Tage nicht geregnet hat.

Ich sage immer „die“ Blockchain, aber tatsächlich gibt es nicht nur eine Blockchain. Blockchains stehen für Banken und öffentliche Ämter in der Diskussion. Werden wir mehrere Ketten nebeneinander sehen oder wird es nur einige wenige wirkliche Anwendungsfälle in der Zukunft geben?

Es gibt viele Blockchains, die verschiedene Mechanismen und verschiedene Führungssysteme verwenden. Manche davon sind je nach Anwendungsfall besser geeignet als andere. Manche in öffentlich, wie die Bitcoin-Blockchain, das heißt, dass jeder Zugriff auf die gesamte Transaktionshistorie hat und seine eigenen Transaktionen ausführen kann. Andere sind private oder zugriffsbeschränkte Blockchains, bei denen Arbeitsgemeinschaften entscheiden, wer Zugriff hat und wer die Transaktionen validieren kann.

Die Anwendungsfälle von öffentlichen Blockchains unterscheiden sich sehr von denen privater. Auch wenn Blockchain-Experimente im Finanzsektor begannen, sehen wir jetzt Experimente in der Lebensmittelindustrie, dem Energiesektor, dem Verkehrswesen und, wenn man es mal weltweit betrachtet, bei jeder Art von Versorgungsketten. Man kann sicher sagen, dass alle bedeutenden Wirtschaftssektoren von dieser neuen Technologie beeinflusst werden.

Meiner Meinung nach wird es in der nahen Zukunft einige wenige große, öffentliche Blockchains und viele private Blockchains, die untereinander kooperieren können, geben. Es ist schwierig, die fernere Zukunft vorauszusehen, aber es ist möglich, dass nur eine öffentliche Blockchain, mit Privatsphäre-Einstellungen für empfindliche Informationen, geben wird. Als naheliegender Vergleich hatten viele Firmen zu Beginn des Internets Intranets entwickelt. Mittlerweile arbeiten viele, wenn nicht alle, Firmen auf sicheren Internet-Plattformen.

Würden Sie die Blockchain eher als ökonomische, soziale oder technologische Innovation beschreiben?

Das Interessante an der Blockchain ist, dass sie mehrere Forschungsbereiche neu zusammenstellt: Kryptographie, Wirtschaft, Programmierung, Mathematik… Auch wenn Blockchains noch in der Entwicklung sind, stellen sie keine Innovation im technologischen Sinne dar. Sie verwenden Techniken, die in einzelnen Bereich bereits genutzt wurden. Die Größe der Blockchain entsteht durch die Aggregation dieser Techniken. Öffentliche Blockchains sind auf die Teilnahme von Individuen angewiesen und viele kritische Annahmen beruhen auf dem Verhalten dieser Individuen.

Ich sehe die Blockchain als eine ökonomische Innovation, weil sie das Potenzial hat, die Grundfeste unseres aktuellen Systems zu verändern. Dennoch wird es keine Auflösung, sondern viel mehr eine neue Definition der Rolle der Mittelsmänner geben – und das in jedem großen Sektor der Wirtschaft.

Wir haben immer versucht, Systeme gegenseitiger Kontrolle zu bilden, um Gruppen für Verstöße verantwortlich zu machen. Riskieren wir es dabei nicht, womöglich die Kontrolle zu verlieren, wenn jede einzelne Person wegen der Blockchain in einer leitenden Position ist?

Das Validierungssystem funktioniert dank der Rechenleistung der Teilnehmer. Dennoch „leitet“ niemand die Blockchain. Die Blockchain ist so konzipiert, dass sie dezentralisiert ist, das heißt, kein Individuum und keine Gruppe hat die Möglichkeit, das Protokoll zu ändern. Es sei denn, mindestens 51 Prozent der Netzwerk-Teilnehmer stimmen diesen Änderungen zu. Das wird in den meisten Blockchain-Führungssystemen so gehandthabt. Je mehr Teilnehmer in einem Netzwerk sind, desto sicherer und robuster ist es.

Auch wenn sich die Teilnehmer in großen Mining-Pools umgruppieren, heißt das nicht notwendigerweise, dass sich alle den gleichen Standpunkt in Bezug auf die Entwicklung der Technologie teilen. Außerdem haben sie kein Interesse daran, dem Netzwerk zu schaden, da sie mit den Wertmarken der Währung des Netzwerks entlohnt werden. Dem Netzwerk zu schaden, würde den Wert ihrer Marken zerstören.

Glauben Sie, dass die Blockchain-Technologie reguliert werden muss, bis es nur eine Art Protokoll ist, das im Hintergrund abläuft?

Natürlich müssen die Regulierungen und die Blockchain zusammenkommen, um sich von der Aufbauphase weg, hin zu einer ernsteren Implementierung von Anwendungsfällen mit einem echten Wert für den Endverbraucher zu entwickeln. Kontrollorgane sind in den meisten Ländern vorsichtig in Bezug auf Blockchain-Technologien. Sie lassen die Technologie ausreifen, bevor sie sie festlegen. Manche Länder, wie beispielsweise Russland, verbieten die Nutzung von Krypto-Währungen, andere wiederum befürworten Blockchain-Technologien. Zum Beispiel wurde im Bundesstaat Arizona ein Gesetz verabschiedet, das die Validität von Unterschriften, die in einer Blockchain gesichert wurden, als digitale Unterschriften und smarte Verträge als legale, durchsetzbare Verträge anerkennt. Auch in Japan wurde kürzlich Bitcoin als Zahlungsmittel anerkannt.

Die wichtigsten regulatorischen Angelegenheiten betreffen heute KYC („Know your Customer“, dt.: „Kenne deinen Kunden“), Probleme mit Geldwäsche und Finanzierung von terroristischen Aktivitäten. Nutzer einer Blockchain können sich theoretisch tatsächlich hinter ihrer öffentlichen Adresse, die einfach als eine Reihe von Zahlen und Buchstaben verschlüsselt ist, „verstecken“. Dennoch ist es nicht komplett anonym. Das sehen wir, weil innerhalb der letzten fünf Jahre bereits mehrere Kriminelle von den Vollzugsbehörden dadurch identifiziert wurden, dass die öffentliche Besitzerhistorie von Bitcoins nachverfolgt wurde und diese Daten mit den Daten von Webseiten, die illegale Produkte verkauft haben, abgeglichen wurden.

Der öffentliche Charakter der Transaktionshistorie mag eine gute Neuigkeit für die Strafverfolgung sein, doch Banken wollen natürlich nicht die Historie ihrer Finanztransaktionen, die im Netzwerk vonstattengehen, mit der ganzen Welt teilen. Es gibt ein Paradoxon für mehr Transparenz, welches mit der Privatsphäre der Benutzerdaten vereint werden muss.

In Bezug auf das Ende der Frage ist die Idee, dass die Blockchain in ein paar Jahren nicht mehr für den Benutzer ersichtlich sein wird und nur wenige Menschen werden wissen, wie sie wirklich funktioniert. Sie wird die technologische Schicht hinter den Anwendungen, die auf ihr laufen, sein. Genauso wie beim Internet heutzutage verstehen wenige Menschen das TCP/IP Protokoll, aber dennoch benutzt es jeder.

Wenn Sie einen Blick auf die aufstrebende Forschung über künstliche Intelligenz werfen, glauben Sie, dass die Blockchain die Infrastruktur für eine globale KI-Bewegung sein könnte?

Ich glaube, dass Blockchain-Anwendungen und smarte Verträge mit KI-Cloudcomputing-Schnittstellen interagieren, mit der man Bildanalyse, Übersetzungsdienstleistungen und Spracherkennung anzapfen kann, um nur ein paar Beispiele für KI-Anwendungen zu nennen. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass zukünftige Anwendungen komplett dezentralisiert sein werden, während sie direkte Interaktionen zwischen Benutzern und neue Arten von smarten Dienstleistungen für Kunden zur Verfügung stellen.


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Die Netzpiloten sind Partner der Viva Technology und werden vor Ort berichten. Wir verlosen Tickets für das Event, das vom 15. Bis 17. Juni 2017 in Paris stattfindet. Um an der Verlosung teilzunehmen, macht einfach mit und nutzt eure Chance auf Tickets for free für die Viva Technology! Zeit habt ihr dafür bis Dienstag, den 06. Juni. Viel Glück!

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Das Startup der 100 Ideen – Valentin Stalf über N26

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Dieser Beitrag ist Teil einer Artikelreihe im Vorfeld der internationalen Tech-Konferenz Viva Technology, zu der vom 15. bis 17. Juni 2017 rund 50.000 Teilnehmer und über 5.000 Startups nach Paris kommen. Die Netzpiloten werden als Medienpartner der Viva Technology mit vor Ort sein. Und hier gibt es Tickets für das Event zu gewinnen.


Mit N26 ist Berlin Sitz der wohl zurzeit interessantesten mobilen Bank Europas. Das ehemalige Fintech-Startup, das heutzutage als volllizenzierte Bank tätig ist, hat in den letzten anderthalb Jahren seine Nutzerbasis auf 300.000 verdreifachen können. Im gleichen Zeitraum hat das einst von Maximilian Tayenthal und Valentin Stalf in Wien gegründete Startup auch die Internationalisierung vorangetrieben und operiert heute in 17 europäischen Ländern.

Unser Autor Tobias Schwarz hat sich mit Valentin Stalf, der Mitte Juni auch auf der Viva Technology als Speaker auftreten wird, zum Interview getroffen und über die Unternehmenskultur von N26, das Recruiting als mobile Bank und den Arbeitsbedingungen bei N26 unterhalten:

Tobias Schwarz: Ich habe neulich von einer Firma gehört, die einen Buchhalter gesucht hat und die hat jede Rechnung mit ein bis drei Cent zu viel überwiesen und dem Buchhalter der anderen Firma, der sich gemeldet hat, haben sie ein Jobangebot gemacht. Um ein guter Buchhalter zu sein, muss man keinen tollen Lebenslauf schreiben. Wie findet man smarte Mitarbeiter für eine Bank? Wie definiert man, was ein smarter Mitarbeiter für ein ehemaliges Startup ist?

Valentin Stalf Image by Valentin Stalf
Image by Valentin Stalf

Valentin Stalf: Wir sind keine Bank im traditionellen Sinn, sondern aufgrund dessen, was wir unseren Kunden bieten, beispielsweise auch Problemlösungsstrageien. Darum versteht man uns als kundennahe Bank. Wenn man sich unser Unternehmen von der Mitarbeiterseite anschaut, sind wir ein Technologieunternehmen wie Spotify oder Soundcloud. Wir sind ein Unternehmen, das davon lebt, dass wir hier eine große Technologiekultur innerhalb der Company etabliert haben.

Wenn es darum geht, die richtigen Mitarbeiter für so ein Umfeld zu finden, haben wir einen sehr strukturierten Bewerbungsprozess. Wir haben die freien Stellen auf unserer Website ausgeschrieben, setzen im Technologiebereich aber auch viel auf direkte Ansprache. Wir führen einen sehr strukturieren Bewerbungsprozess, bei dem wir verschiedene Merkmale aus dem Lebenslauf des Kandidaten anschauen und danach etwa drei bis fünf Gespräche führen. Während dieser Gespräche lernt man verschiedene Mitarbeiter uns kennen. Das gibt und die Möglichkeit zu prüfen, ob der Kandidat zu unserer Kultur passt.

Wir prüfen auch, ob N26 zu dem potenziellen Mitarbeiter passt. Dazu führen wir praktische Cases innerhalb der Bewerbungsgespräche durch, ziehen dabei Situation aus dem täglichen Leben heran. Am Ende der Gespräche kommt das ganze Team zusammen und es wird gemeinsam eine Abwägung getroffen, ob der Kandidat ein Mitarbeiter wäre, der gut zum Team passt.

Porsche hat mir erzählt, dass sie ein Technologieunternehmen sind, Zalando hat das getan, und jetzt auch ihr. Wenn aber N26 keine klassische Bank ist, sondern auch ein Technologieunternehmen, was macht dann eure Kultur genau aus?

Bei N26 setzen sich die Leute mit digitalen Produkten auseinander. Jeder, der hier bei uns im Team ist, ist ein Digital Native oder nutzt täglich seine Apps auf dem Smartphone. Alle sind sehr engagiert, das ganze digitale Produkt zu verstehen. Das heißt, dass Mitarbeiter in einer verantwortungsvollen Rolle oder Mitarbeiter, die Verantwortung übernehmen, beispielsweise als Product-Owner – Verständnis für digitale Produkte mitbringen müssen. Da sind wir sicher auf einem ganz anderen Niveau als traditionelle Banken oder wie ein traditioneller Autohersteller. Wir arbeiten auch ein bisschen anders, als eine traditionelle Sparkassenfiliale.

N26 office meeting (Image via N26)
Image by N26

Wir sitzen hier gerade im Ballsaal des ehemaligen Fernmeldeamtes der DDR-Regierung in der Berliner Klosterstraße. Der Raum ist nicht mehr in seinem ursprünglichen Zustand, eure Arbeitsplätze würde ich aus einer Mischung von Hot-Desking-Bereichen und Fixed Desks beschreiben. Ist das jetzt das klassische N26-Büro?

Man will das neue Arbeiten auch repräsentieren, mit viel Glas, viel Transparenz – das ist einerseits einer unserer Werte, die wir haben. Andererseits zeigt es auch die offene Kommunikation im Team und eine gewisse Kreativität, die wir beim Kreieren digitaler Produkte einfach mit hineinbringen wollen.

Neue Arbeit setzt aber auch sehr auf Selbstverwirklichung der eigenen Persönlichkeit. Inwiefern gebt ihr Leuten Raum, sich bei N26 selber zu verwirklichen?

Wir haben im Technologiebereich eine Idee namens Product Chance. Hier gibt es alle paar Wochen Tage, an denen sich das Team eigene Themen aussucht, die es verwirklichen will. Ein ganz spannendes Thema, an dem wir letztens gearbeitet haben, war ein Bot im Customer Management. Dieser Bot kann schätzungsweise 60 Prozent unserer Serviceanfragen vorselektieren und beantworten. Die Zeit, die dadurch gewonnen wird, kann man intensiver für andere Themen verwenden, beispielsweise wenn ein Kunde seine Karte verloren hat und Hilfe braucht.

Gute und innovative Ideen entstehen, wenn man seinem Team Zeit gibt. Ich glaube, das ist ein wichtiges Thema, um innovativ zu bleiben. Natürlich gibt es immer einen gewissen Konflikt in einem Startup, weil man mit einer sehr engen Timeline arbeitet. Für N26 gäbe es wahrscheinlich noch über 100 gute Ideen, die wir umsetzen würden. Wir haben aber nur Kapazität für zehn in den nächsten sechs Monaten. Und das steht dann natürlich in einem gewissen Kampfverhältnis zu unseren eigentlichen Zielen. Aber es ist wichtig für uns, dass unsere Mitarbeiter regelmäßig frei an anderen Innovationen arbeiten.

N26 Office Ballroom (Image via N26)
Image by N26

Was habe ich vergessen zu fragen. Worüber würdest du eigentlich gerne reden, aber niemand fragt dich danach?

Da muss ich jetzt kurz nachdenken. Das Wichtigste ist, man versteht, dass N26 nicht nur ein neues Bankprodukt ist, sondern dass wir Banking grundsätzlich verändern: Wie wir die Produkte gestalten, wie wir Mitarbeiter, aber auch Kunden in unseren Produktentwicklungsprozess mit einbeziehen. Es geht nicht darum, kurzfristig ein besseres Girokonto aufzubauen, sondern die Idee ist, langfristig faires, gutes Banking zu besseren Konditionen anzubieten. In der Kombination aus Technologie mit einer viel besseren Kostenstruktur und mit sehr innovativen und sehr guten Mitarbeitern.

Danke. Das ist mal eine gute Antwort.


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Die Netzpiloten sind Partner der Viva Technology und werden vor Ort berichten. Wir verlosen Tickets für das Event, das vom 15. Bis 17. Juni 2017 in Paris stattfindet. Um an der Verlosung teilzunehmen, macht einfach mit und nutzt eure Chance auf Tickets for free für die Viva Technology! Zeit habt ihr dafür bis Dienstag, den 06. Juni. Viel Glück!

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Die Netzpiloten sind Partner der Viva Technology

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+++ Verlosung +++

Wir verlosen nämlich Tickets. Um an der Verlosung teilzunehmen, macht einfach mit und nutzt eure Chance auf Tickets for free für die Viva Technology! Zeit habt ihr dafür bis zum 06.06. Viel Glück!

Teilnahmebedinungen


In Paris findet vom 15. bis zum 17. Juni 2017 die Viva Technology statt. Zum zweiten Mal kommen in der französischen Hauptstadt Start-Ups und große Unternehmen und deren Ökosysteme zusammen, um miteinander zu verschmelzen. Die Publicis Groupe und Les Echos Groupe ermöglichen als Co-Organisatoren das Event und haben damit einer Veranstaltung erschaffen, die Start-Ups und kleinen Unternehmen aus aller Welt zugutekommt.

Das Programm sieht vor, dass die ersten beiden Tage den Medien sowie Menschen und Meinungsführern der Branche vorbehalten sind, die mit den Unternehmen, Start-Ups, VCs, Medien und Investoren in Dialog gehen wollen. Am dritten Tag dann ist die Messe für jedermann geöffnet, der sich für Unternehmensideen und neuste Entwicklungen interessiert.

Bedeutende Unternehmen

Einer der Speaker auf der diesjährigen Veranstaltung ist Valentin Stalf, CEO und Gründer von N26. Zu den Unternehmen, die auf Viva Technology vertreten sind und die interessiert sind an einer Zusammenarbeit mit Start-Ups, gehören unter anderem:

Die Location ist die Paris Expo Porte de Versailles. Wenn ihr euch bis zum 30. April anmeldet, erhaltet ihr dank Early-Bird-Tickets bis zu 30 Prozent Rabatt.

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Paris lohnt sich. Ein Jahr nach den Attentaten vom 13. November 2015

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Der 13. November. Er erscheint auf der Anzeige der Bahn, die ich an dem Tag nehme und ich bekomme Gänsehaut – ganz ähnlich, wie es mir jahrelang mit dem 11. September ging, nur dass die Erinnerungen aus dem persönlichen Erleben und nicht aus Fernsehberichten belebt werden.

Diese schreckliche, kalte Nacht, in der so viele Unschuldige ihr Leben lassen mussten. Paris war in der Schockstarre und ich war mittendrin.

Was hat sich seitdem getan? Die Pariser Terrassen sind wieder voller Leben. Wer sich unweit der Tatorte auf einen Kaffee trifft, spürt nichts mehr von dem Grauen. Den Hashtag #jesuisenterrasse (zu deutsch: „Ich bin auf der Terrasse“), der nach den Attentaten kursierte, haben sich die Pariser zu Herzen genommen. Ihnen kann kein Terror die Lebensfreude nehmen.

Und auch das Bataclan hat, frisch renoviert, wieder seine Pforten geöffnet.

Doch die Touristenmassen bleiben aus. Vereinzelt sieht man sie in den Gemäuern des Louvres die Mona Lisa fotografieren oder in den endlosen Schlangen des Eiffelturms, in dem der Sicherheitscheck mehr als Ernst genommen wird. Seiteneingänge von öffentlichen Gebäuden werden wegen „Alerte Attentat“ (Alarm Attentat) weiterhin gesperrt und Haupteingänge sind nur mit Taschenkontrolle zugänglich.

Ähnlich war es bei der EM 2016, die erst freudig und dann ängstlich in Frankreich erwartet wurde. Ich arbeitete in einem deutschen Radio-Team, das teilweise schon für das Deutschlandspiel am 13. November 2015 in Paris war. Schon in der Teambegrüßung stand das Thema Sicherheit selbstverständlich ganz oben auf der Agenda. Wie verhalte ich mich in einer Notsituation? Wenn ein Kollege verletzt oder bedroht wird? Ich machte Straßenumfragen und oft kam das Gespräch – gewollt oder ungewollt – auf die Attentate. Die Ansichten waren unterschiedlich, das Thema aber durchweg omnipräsent und passte so gar nicht zu einem französischen Sommermärchen. Es musste noch nicht mal die Fussball-Elite nach Frankreich kommen, um zu zeigen, wie sehr die Attentate die Stadt auf merkwürdige Weise lähmten.

An einem Abend saßen wir ruhig draußen auf der Terrasse. Immer noch mit einem mulmigen Gefühl, denn genau in so einer Situation wurden Menschen aus dem Leben gerissen. Plötzlich platze eine Glühbirne mit einem lauten Knall. Wäre das vor ein paar Wochen passiert, hätten die Menschen sich umgedreht und gewundert, woher das Geräusch kam. Dieses Mal sprangen allen wie paralysiert auf, einige schrien sogar und rannten ins Innere des engen Cafés. Kein Gewehrschuss- nur eine Glühbirne. In solchen Situationen weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll und mir wurde bewusst, dass wir (Wahl-) Pariser lange brauchen würden, bis diese Wunden verheilt sind.

Betroffenes Schweigen, wenn ich von meiner Paris-Zeit erzähle, das mir immer den Impuls gibt, meine zweite Heimat in den Schutz zu nehmen. Denn so grausam das Erlebte war, so berührend war das gemeinsame Trauern, Aufmuntern und Unterstützen in den Tagen danach.

Ich war eine von Vielen, die zum Place de la Republique pilgerte. Dem Platz, an dem schon nach Charlie Hebdo für die journalistische Freiheit demonstriert wurde. Blumen- und Kerzenmeere zwischen weinenden Menschen, die sich gegenseitig stützten. Noch nie fühlte sich Paris so vereint an – #NousSommesUnis (#Wirsindvereint).

Das, was laut in den Medien verbreitet wurde, war jedoch nichts gegen die leise Anteilnahme vor Ort. Die riesige Schlange vor den Krankenhäusern der Freiwilligen, die Blut spendeten. Mein Bäcker, der mir am Morgen danach sagte, dass er glücklich sei, mich lebend anzutreffen. Meine Freundin, die trotz eines schweren Verlustes nicht aufgegeben hat und am Leben festhält. Meine Professoren, die verstanden, dass der Journalismus-Master gerade pausieren musste – keiner von uns Studenten war in der Lage, sachlich über Aktualität zu diskutieren. Sie setzten sich stattdessen mit uns hin und analysierten die Rolle der Journalisten und Medien. Eine großartige Transferleistung, haderten wir alle doch mit dem angestrebten Berufsbild, das durch den Sensationsjournalismus dieser Tage ins Wanken geriet.

Das, was mich meine Zeit in Paris gelehrt hat, war dieser bewundernswerte Stolz und das Durchhaltevermögen der Franzosen, die diese Stadt wieder zum Leben erweckt haben. So konnte man schon kurz nach den Attentaten lesen:

Wenn einen Trinken gehen, ein Konzert- oder Fussballspielbesuch zum Kampf wird, dann zittert, Terroristen! Denn darin sind wir gut trainiert!!

Wir geben nicht  auf und wir sind stärker als das, was uns für ein paar Momente den Atem nahm. Deswegen prägen meine Erinnerungen trotz der grausamen Taten auch intensive Begegnungen, viel Menschlichkeit und bewundernswerte Stärke Einzelner.

Das macht die Stadt so langsam wieder zu dem, was sie ist: Ein riesiges Labyrinth aus Kulturstätten, wunderschönen Häusern im Haussmann-Stil, vollen Metros mit ihren modebewussten Mitfahrern und teuren, aber außerordentlich leckeren französischen Restaurants, in denen es sich wunderbar zu Kerzenschein Rotwein trinken lässt. Buchen Sie ihr nächstes Ticket in die Metropole! Es lohnt sich!


Image Solidarity with the victims of the Paris Attacks in November 2015 by Christian Michelides (CC BY SA 4.0)


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • Startup gruenderszene: Wird Berlin nach dem Brexit zur Fintech-Metropole?: Schon vor dem Ergebnis des Referendums in Großbritannien dachten einige Londoner Startups über ihren Verbleib in der Hauptstadt des Vereinigten Königreiches nach. Es sind vor allem Fintech Startups, die darüber nachdenken in anderen Städte wie Berlin oder Paris zu ziehen, da die Zahlungsrichtlinien der EU für ihr Geschäft essenziell seien. Auch wenn es bis zum vollkommenen Ausstieg der Briten gute zwei Jahre dauern wird, ist sich Fintech-Experte Jochen Siegert sicher: „London als Europas führender Fintech-Standort hat gerade Selbstmord begangen.“
  • EXTREMISMUS reuters: Exclusive: Google, Facebook quietly move toward automatic blocking of extremist videos: Facebook und Google benutzen ein Programm, das extremistische Inhalten von jeglichen Plattformen der beiden Konzerne automatisch entfernt. Das Programm soll in kürzester Zeit in Videos und anderen Beiträgen erkennen, ob extremistisches Gedankengut propagiert wird. Ursprünglich wurde es geschrieben, um Videos zu erkennen, bei denen die Nutzer gegen Copyrights verstoßen. Sollte das der Fall sein, wurden diese Videos vom Programm entfernt.
  • SICHERHEIT sueddeutsche: „MacOS hat weniger Angriffe, aber Windows ist besser“: „Viele Dinge haben sich geändert. Wir sollten Snowden für sein Opfer dankbar sein. Er kann immer noch nicht nach Hause wegen der Opfer, die er für uns, die Nutzer des Internets, gebracht hat.“ Mikko Hypponen ist Leiter der Forschungsabteilung von F-Secure und ein Experte in IT-Sicherheit. Die jüngsten Veränderungen und Verschlüsselungen im IT-Bereich sieht er als direkte Folge auf die Enthüllungen des Whistleblower Edward Snowden. Und auch bei Microsoft sieht er Verbesserungen.
  • ADBLOCKER stadt-bremerhaven.de: OLG Köln urteilt: Whitelist in Adblock Plus verstößt gegen UWG: ‚Die Axel Springer AG hat bekanntlich gegen die Eyeo GmbH geklagt, es geht um den Einsatz von Adblockern, genauer geht es um Adblock Plus. Der 6. Zivilsenat des Oberlandesgerichtes Köln hat mit dem heutigen Urteil das klageabweisende Urteil des Landgerichts Köln teilweise zu Gunsten der Axel Springer AG abgeändert. Zwar sei ein Adblocker an sich nicht wettbewerbswidrig, wohl aber das Whitelisting, welches sich die Eyeo GmbH von den Werbern bezahlen lässt. Durch das neue Urteil, welches allerdings noch nicht rechtskräftig ist und nur durch Zahlung einer erheblichen Sicherheitsleistung von der Axel Springer AG vorläufig vollstreckt werden kann, ist es der Eyeo GmbH in Deutschland untersagt, Adblock Plus zu vertreiben oder bereits bestehende Versionen zu pflegen.‘
  • YOUTUBE nyctimes: YouTube Red Buys ‘Step Up,’ Its First Big-Budget TV Drama: Youtube will mehr mit Netflix konkurrieren und hat nun seine erste Big-Budget TV-Show. „Step Up“ soll über Youtube Red empfangen werden können. Die Streaming Plattform soll 10 Dollar im Monat kosten. Kevin Beggs, Lionsgates TV-Vorsitzender, sieht die neue Step Up Serie als ein Projekt, das von vielen Netzwerken gesucht wird.
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OuiShare Fest 2016: After the Goldrush – Die Zukunft kommt erst noch

(Portraits Francesca Pick May2015) Francesca Pick by Olivier Ezratty

Vom 18. bis 21. Mai 2016 findet in Paris zum vierten Mal das internationale OuiShare Fest statt. Im Vorfeld der Konferenz, die die Netzpiloten als Medienpartner unterstützen, hat sich Tobias Schwarz mit der Organisatorin Francesca Pick über OuiShare, die Sharing Economy und das Festival unterhalten. Ein Gespräch über das, was nach dem Goldrausch noch alles kommen kann.

Tobias Schwarz (TS): Ich habe OuiShare in den vergangenen vier Jahren sehr mit der Thematik der Sharing Economy verbunden. Jetzt – nach dem Aufstieg von Firmen wie Uber und Airbnb – widmet Ihr euch Fragen der Zukunft und Transformation der Arbeit. Habt Ihr den Kampf um die Deutungshoheit verloren?

Francesca Pick (FP): Aus meiner eigenen Perspektive heraus haben wir auf jeden Fall nicht verloren. Ich bin nicht so ideologisch, dass ich sage, etwas muss so sein und nicht anders. Deshalb hat niemand irgendwas verloren. Wir müssen jedoch die aktuelle Situation betrachten und überlegen, wie es weitergehen könnte und wie wir beeinflussen können, dass ein für die Gesellschaft langfristig vorteilhaftes Szenario eintritt.

Selbstverständlich gibt es jetzt ein paar riesige Plattformen, die sich nicht besonders viel vom vorherigen Status-quo unterscheiden, und das heißt, dass wir es nicht wirklich geschafft haben, dass ein anderes Szenario, in dem solche Plattformen mehr kooperativ aufgebaut sind, auch eintritt. Ich glaube aber, man muss die Entwicklung längerfristig betrachten. Was wir jetzt sehen, ist ja nur die erste Welle. Und ich bin eigentlich ganz dankbar, dass es AirBnB und Uber gibt, dass die wirklich diese Ideen in die Öffentlichkeit gebracht und den Diskurs darüber angestoßen haben.

TS: Also „They don’t walk the talk“, wie man im Englischen sagt. AirBnB und Uber nutzen nur den Begriff der Sharing Economy, stört dich das denn gar nicht?

FP: Und trotzdem haben diese Unternehmen einen Impuls gestartet. Die Existenz von Firmen wie Uber, die auch mit dem Begriff „Plattform-Kapitalismus “ beschrieben werden, haben auch die zur Gründung einer Gegenbewegung mit bewirkt, zum Beispiel „Platform Co-Op“. Das ist eine sehr aktivistische Bewegung aus einem akademischen Umfeld in New York City, die ein Modell für digitale Genossenschaften entwickeln möchte. Auf dem OuiShare-Festival wird auch Nathan Schneider von der Occupy-Bewegung sprechen, der im November 2015 zusammen mit Trebor Scholz die zweitägige Konferenz „Platform Cooperativism“ organisiert hat, die als Coming-Out-Party des kooperativen Internets angepriesen wurde.

Diese Bewegung nimmt einen eher ideologischen Standpunkt ein in dem Sinne, dass die Genossenschaft als bessere Rechtsform angesehen wird, dann bist du auch nicht gut. OuiShare positioniert sich dazwischen. Es geht immer darum,  zu schauen, was die eigentlichen Intentionen sind. Und vielleicht sollte man da nicht so rigoros sein bezüglich der eigentlichen Unternehmensstruktur.

Das heißt, wir sehen die Gegenreaktion zu Extremen wie Uber und das finde ich richtig toll. Weil wir dadurch sehen: Okay, da ist etwas, was dagegen drückt. Und Leute sehen: Okay, vielleicht ist doch nicht dieses eine Extrem, das was wir wollen. Und es führt dazu, dass die Leute sich wirklich in Bewegung setzen.

Image: Stefano Borghi, CC BY-NC-SA
Image: Stefano Borghi, CC BY-NC-SA

TS: Das diesjährige Motto des OuiShare-Festivals, „After The Goldrush“, lässt vermuten, dass du den Höhepunkt der Sharing Economy schon hinter uns vermutest. Du schreibst, dass nach fünf Jahren der Zauber vorbei ist.

FP: Ja, aber das Wichtige am Goldrausch ist nicht sein Versprechen, sondern die Bewegung, die er schafft und die neuen Gebiete, in die er uns führt. Einmal dort angekommen, ist am Wesentlichsten, was wir daraus machen mit all denjenigen, die mit uns dorthin gekommen sind. Dieser Höhepunkt hat bereits dazu geführt, dass viele Leute angefangen haben, sich in Bewegung zu setzen. Es gab viel Innovation. Es gab viel Investment. Es gab viele Leute, die neue Dinge ausprobiert haben. Das war schon so ein bisschen ein Lichtblick, nachdem es ja eigentlich wirtschaftlich ziemlich viele Probleme gab. An sich hat jetzt nicht alles genau so funktioniert, wie vielleicht ursprünglich gedacht, aber es hat diese Bewegung geschaffen.

Deswegen sehe ich, dass wir jetzt wirklich in einem richtig guten Moment sind, um etwas Neues zu schaffen. Und ein bisschen von dem, was man gelernt und gesehen hat, wie das sich alles entwickelt hat, das Unternehmen der Zukunft, die Institution der Zukunft, wurde durch diesen Diskurs erst angestiftet.

TS: Sollte man deshalb zum diesjährigen OuiShare Fest nach Paris kommen?

FP: Der Hauptgrund, warum es sich zu kommen lohnt, ist wegen der Leute, die kommen werden. Sie reisen aus 40 bis 50 verschiedenen Ländern an und sind alle Experten in verschiedenen Bereichen. Wo sonst kann man eine so seltene Gruppe zusammen antreffen? Wenn die alle zusammen sind, löst das einfach eine wunderbare Energie aus. Mir haben schon sehr viele Leute gesagt, dass das OuiShare Fest ihr Leben verändert hat. Und so eine Möglichkeit will man ja auf keinen Fall verpassen.


Für Kurzentschlossene auf der Suche nach der Zukunft: Wer sich Tickets für das OuiShare Fest 2016 kaufen möchte, kann dies über noch über die offizielle Webseite des Events machen. LeserInnen von Netzpiloten.de bekommen mit dem folgenden Ticket-Code „OSF16NETZPILOTEN“ einen Rabatt von 20 Prozent.


Image by Olivier Ezratty for qfdn.net


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Wie der Ausnahmezustand die Grundrechte untergräbt

Kontrolle ist gut, U?berwachung ist besser (adapted) (Image by Robert Agthe [CC BY 2.0] via flickr)

Kritik von Menschenrechtlern an der Verlängerung des Ausnahmezustands in Frankreich ist exemplarisch: Durch Angst-Rhetorik werden Grundrechte untergraben. Die französische Regierung rief aufgrund der Terroranschläge in Paris den Ausnahmezustand aus. Das gibt den Ermittlungsbehörden zahlreiche Sonderrechte. Bald läuft diese Regelung aus, soll aber nach dem Wunsch der Regierung noch einmal verlängert werden. Amnesty International kritisiert das: Die Situation greife unverhältnismäßig in die Grundrechte ein. Leider passiert dies nicht nur in Frankreich, denn schon seit Jahren wird der Ausnahmezustand zur Regel – mit schlimmen Folgen für unsere Freiheit. Das betrifft auch die Netzpolitik.

Amnesty International prangert Ausnahmezustand in Frankreich an

Frankreich befindet sich seit den am 13. November 2015 verübten Terroranschlägen in Paris im Ausnahmezustand. Damals kamen 130 Menschen ums Leben, viele weitere wurden verletzt. Die Regierung unter Francois Hollande reagierte mit massiven Notfallmaßnahmen. Durch den verhängten Ausnahmezustand, wurden die Befugnisse der Ermittlungsbehörden massiv erhöht. Unter anderem sind damit nächtliche Wohnungsdurchsuchungen ohne richterlichen Beschluss, Versammlungsverbote sowie Hausarrest für mutmaßliche Gefährder zulässig. Seit den Anschlägen wurden auf dieser Grundlage mehr als 3.200 Wohnungen durchsucht, mehr als 400 Menschen wurden unter Hausarrest gestellt.

Das, so befindet die Menschenrechts-Organisation Amnesty International, geht zu weit. Betroffene würden stigmatisiert und teilweise sogar traumatisiert, einige hätten ihre Arbeit verloren. Zudem, so Amnesty, habe es kaum positive Ergebnisse durch dieses Vorgehen der Ermittler gegeben (was in Bezug auf die Verhältnismäßigkeit dieser Maßnahmen durchaus relevant ist).

“In Ausnahmesituationen können Regierungen außergewöhnliche Maßnahmen ergreifen, sie müssen es aber mit Vorsicht tun”, erklärte der Amnesty-Direktor für Europa und Zentralasien, John Dalhuisen. “In Frankreich haben ausgeweitete Exekutivbefugnisse mit nur sehr wenig Kontrolle über ihre Ausübung zu einer ganzen Reihe von Menschenrechtsverletzungen geführt.” Die Organisation spricht sich daher entschieden gegen eine erneute Verlängerung des Ausnahmezustands in Frankreich bis Ende Mai aus.

Ein Extrem – aber kein Einzelfall

Auch, wenn diejenigen, die ungerechtfertigt zum Ziel von Polizeiaktionen oder Verdächtigungen werden, zweifellos am meisten unter der Situation zu leiden haben, betreffen Situationen wie die in Frankreich nicht nur diese Menschen, sondern die ganze Gesellschaft. Das Klima der Angst, das sich durch derart massive Eingriffe der Behörden ausbreitet, erfasst leicht die ganze Gesellschaft und führt zu Konformität, Selbstzensur und einer Einschränkung kontroverser politischer Situationen.

Es ist festzuhalten: Frankreich ist zwar ein Extremfall, steht mit seiner bedenklichen Rhetorik aber nicht alleine. Auch in Deutschland ist es schon seit 2001 üblich, mit einer “erhöhten Bedrohungslage”, der “terroristischen Bedrohung” und ähnlichen Konzepten zu argumentieren. So wird ein ständiges Klima der Angst geschaffen. Der Ausnahmezustand wird so schleichend zum Normalfall.

Das hat Folgen: Sicherheitsmaßnahmen werden, angeblich aufgrund einer Ausnahmesituation extremer Bedrohung, eingeführt. Zurückgenommen oder kritisch überprüft werden sie dann kaum. Gegner und Kritiker dieses Vorgehens bekommen mitunter gar vorgeworfen, Terroristen in die Hände zu spielen oder sich gar eine Mitschuld an ihrem Tun aufzuladen.

Die Politik mit der Angst muss aufhören

Die oben genannte Rhetorik ist ebenso perfide wie gefährlich. Sie verhindert eine sachliche Diskussion und ein Abwägen verschiedener Risiken und Werte. Sie sorgt dafür, dass wir den Wert von Freiheit, Privatsphäre und gelebter Demokratie aus den Augen verlieren.

Zunächst: Die Bedrohung durch Terroristen ist zweifellos real. Sie ist aber dennoch nur ein Risiko unter vielen. In Europa sterben weitaus mehr Menschen an Krankheiten, Verkehrsunfällen oder “gewöhnlicher” Kriminalität als durch Terroranschläge. Absolute Sicherheit kann es nicht geben – wir in Deutschland und wohl auch der durchschnittliche Franzose leben aber trotz allem ziemlich sicher, was den Terror angeht. Das wird von der Politik in keiner Weise reflektiert.

Zudem bleibt festzuhalten, dass viele der mit der Begründung, die Bevölkerung müsse vor dem Terrorismus geschützt werden, eingeführte Maßnahmen, kaum Erfolge bringen. So ergab eine Studie des Max-Planck-Instituts, dass die Vorratsdatenspeicherung die Aufklärungsquote bei schweren Verbrechen nicht nennenswert erhöht – ebenso, wie ja auch Amnesty International auf die mangelnde Effektivität der repressiven Maßnahmen in Frankreich verweist. Doch statt sich um effektivere und innovative Maßnahmen zu bemühen, wird weiter überwacht, mit allen negativen gesellschaftlichen Folgen, die das hat.

Terroristen, das legt bereits die Bezeichnung nahe, erreichen ihr Ziel durch Angst. Um so paradoxer ist es, dass konservative Hardliner – und auch angebliche Politiker der Mitte – versuchen, mit genau dieser Angst Politik zu machen und dabei eben jene Freiheiten, die uns von den Terroristen unterscheiden, schrittweise abzuschaffen versuchen.

Dem müssen wir entgegen wirken. Der Ausnahmezustand darf nicht zur unkritisch hingenommenen Normalität werden. Er darf nicht jeden Eingriff in unsere Grundrechte rechtfertigen. Besinnen wir uns stattdessen auf unsere freiheitlichen, demokratischen Werte. Lassen wir uns nicht verführen, vor lauter Angst in Misstrauen gegen unsere Mitmenschen zu leben, und nehmen wir nicht hin, dass wir gegängelt, überwacht und eingeschüchtert werden. Vielmehr ist es an der Zeit, den Regierungen und Behörden kritisch auf die Finger zu schauen und nicht trotz, sondern gerade wegen der schwierigen und gefährlichen Situation von ihnen besonnenes, verhältnismäßiges und verantwortungsbewusstes Handeln zu fordern, das unseren Grundrechten den Stellenwert einräumt, den sie verdienen.


Image (adapted) “Kontrolle ist gut, U?berwachung ist besser” by Robert Agthe (CC BY 2.0)


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DOT MOVE: Paris tanzt sich zurück in die Herzen

DSC01212 (adapted) (Image by Yannick Loriot [CC BY 2.0] via flickr)

Die französische Hauptstadt hat ein schweres Jahr hinter sich – zwei Attentate erschütterten die Welt und das Image der verwunschenen Modestadt. Zum neuen Selbstbewusstsein verhilft der Tanz-YouTube-Channel “DOT MOVE”. In Paris wird wieder getanzt, geliebt und geküsst. Die Stadt der Liebe möchte wieder positive Schlagzeilen machen. Während auf Instagram die schönsten Pariser Fotos (#Parisphoto) gesammelt werden, bringt der französische Fernsehsender M6 mit der Star-Choreografin Redha Medjellekh einen neuen YouTube-Kanal DOT MOVE heraus. In den Videos dreht es sich um die wohl schönste wortlose Kommunikation: Den Tanz. Am 11. Januar startete der Kanal mit dem ersten Video “Paris is kissing”, dass nach einer Woche bereits über 267.000 Mal angeklickt wurde.

Zwischen Tanz und Terror

Die erste Szene: Der Place de la Republique. Hier wurde noch im letzten Januar für die Pressefreiheit nach Charlie Hebdo demonstriert, einige Minuten Fußweg entfernt liegt das Bataclan und noch immer ist die mächtige Statue in der Mitte des Platzes durch Kerzen, Pariser Flaggen und Plakaten von den Attentaten gekennzeichnet. An diesem eher trostlosen Ort bewegen sich eine Tänzerin und ihr Tanzpartner auf einander zu – und küssen sich. Ihre Lippen dürfen sich während des ganzen Tanzes nicht voneinander lösen. Dieser romantischen aber akrobatisch schwierigen Aufgabe stellen sich weitere Tanzpaare an den Ufern der Seine und in den unzähligen Pariser Gassen.

Paris will always be the city of Love

Zu dem Lied “Dans Tes Yeux”, interpretiert von Tiwayo, wird klassisch, Hip Hop, Kizomba (der “afrikanische Tango”) oder Break Dance getanzt. Diversität in den Tanzstilen und Tanzpaaren, die vereint wird in der universellen Sprache des Tanzes. Die Tänzer bewegen sich wieder mit Leichtigkeit durch die Straßen von Paris. Denn, so wie es nach drei Minuten küssen und tanzen heißt: “Paris will always be the city of Love”. Das bestätigt auch die kreative Direktorin und Choreographin der HuffPost. Nach dem schwierigen Jahr, das alle durchlebt haben, möchte sie wieder an die Grundfesten der Stadt erinnern und ihren ursprünglichen Charakter zeigen: “Paris ist die Stadt der Liebe, eine Stadt, die immer in Bewegung ist.

Die Mischung macht es

Es wird ein YouTube-Kanal, der sich ganz und gar dem Tanz widmet. Zwar gibt es schon unzählige davon, doch soll dieser durch eine geschickte Mischung aus Tanzstilen ein breites Publikum ansprechen. Eine Varietät, die sich auch in den Themen widerspiegelt: Medjellekh wird im nächsten Projekt mit einer befreundeten Tänzerin zusammenarbeiten, die an Krebs erkrankte. Ihr half der Tanz die Krankheit zu bekämpfen. Das wird sie mit dem ausdrucksstarken brasilianischen Tanz “Forró” den YouTubern zeigen, die ihr sogar mit der Kamera bis in das Krankenhaus folgen werden. Weiterhin sind auch humorvolle Projekte mit Passanten geplant, die mit Hilfe von bekannten französischen YouTube-Stars – wie zum Beispiel Aziatomik – zum Tanzen aufgefordert werden sollen.

Wir planen, dass 2016 das Jahr des Tanzes wird, so wie die Legende David Bowie sagte: “put on your red shoes and LET’S DANCE


Image (adapted) „DSC01212“ by Yannick Loriot (CC BY 2.0)


 

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Wie die Medien die COP21-Klimakonferenz auswerteten

Conferencia de la ONU sobre Cambio Climático COP21 (adapted) (Image by Presidencia de la República Mexicana [CC BY 2.0] via flickr)

Die Medien spielen eine entscheidende Rolle in der Erklärung der Klimakonferenz von Paris – eine Untersuchung der britischen und russischen Berichterstattung. Dem Pariser Abkommen wurde in der Presse im Allgemeinen viel Aufmerksamkeit zuteil. Die meisten Berichte im direkten Anschluss legten einen ähnlichen Fokus auf einige wenige Schlagzeilen: Dieser Sieg war ein „Meilenstein“, wenn auch verbunden mit einigen mahnenden Anmerkungen. Trotzdem zeigt eine nähere Betrachtung ein paar bemerkenswerte Unterschiede.

Der linksangehauchte Guardian nannte es ein „ehrgeiziges Übereinkommen” und ein „Ende der Erdöl-Ära”. Während auch Kritik herausgelesen werden konnte, war der Grundton überwiegend positiv, sogar euphorisch in seiner Hervorhebung der historischen Natur dieses Erfolgs. Es wurde erwähnt, dass NGOs „sich nie ein Abkommen hätten vorstellen können, das so ambitioniert sei” und, obwohl es immer noch nicht ehrgeizig genug sei, „Aktivistengruppen weitestgehend mit dem Ergebnis sehr zufrieden seien“. Nichtsdestotrotz wurde „die Abschwächung des Abkommens bezüglich des Umgangs mit dem irreparablen Schaden durch den Klimawandel” negativ angeführt.

Der gemäßigtere Independent betonte ebenfalls die historische und revolutionäre Natur des Moments, fügte allerdings strenger warnende Anmerkungen hinzu, so zum Beispiel von Chris Rapley (University College London), der betonte, dass nur „die Zeit die wahre Natur des Pariser Abkommens offenbaren wird“.

Auf der politisch rechten Seite, vertreten durch den Telegraph, war man sehr viel vorsichtiger. Dort wies man zwar auf den Erfolg des Abkommens hin, bevorzugte aber eine Schilderung dessen, was beschlossen worden war anstelle einer Betonung der historischen Wichtigkeit des Moments. Die Zeitung interessierte sich dafür, was dies für die Politik des Vereinigten Königreichs bedeuten wird und was die NGOs von dem Abkommen halten. Zu diesem Zweck verglichen sie die positive Beurteilung durch Christian Aid mit der negativen Bewertung durch Friends of the Earth.

Die Times und die Sunday Times waren dagegen weniger positiv eingestellt. Kurz vor der Bekanntgabe wurde das Abkommen in der Times als Erfolg für kleine Inselstaaten bezeichnet, indem das Vereinigte Königreich und der Rest der Welt stärker zur Verantwortung gezogen werden. Die Kosten technologischer Lösungen waren von größerem Interesse als das Betonen des bahnbrechenden Moments. Die Sunday Times (hier: die irische Ausgabe) des Folgetages schätzte das Abkommen als wichtiger ein, da hier geltend gemacht wurde, es wäre durchaus „historisch“, aber nicht so bedeutend, wie anderswo behauptet. Der Artikel betrachtet Technologie und Eigeninteresse als diejenigen Kräfte, die die globale Erwärmung bekämpfen werden.

Neben den praktischen Grundlagen des Abkommens – den Finanzierungsmechanismen, den getroffenen Versprechungen und so weiter – war eine der eindringlichsten Botschaften der Berichterstattung, dass Investoren und Regierungen nun Entscheidungen treffen könnten, die auf einer kollektiven Festlegung zur Reduktion der Emissionen basieren; dies wird als sehr positiver Schritt angesehen. Ein anderer Schwerpunkt war die Rolle der USA, die auf diese Vereinbarung drängten und die vermittelnde Rolle Frankreichs.

Zwei Arten von Negativität

Indes waren auf den Kommentarseiten stark skeptische/negative Stimmen zu hören, vor allem im Guardian. George Monbiot, der hochgeachtete Umwelt-Kolumnist der Zeitung, behauptete: „Im Vergleich zu dem, was es hätte sein können, ist es ein Wunder. Im Vergleich zu dem, was es hätte sein sollen, ist es ein Desaster.“ Ähnlich bewertete der frühere NASA-Klimaforscher James Hansen das Scheitern:

„Es ist wirklich ein Betrug, ein Schwindel. […] Es ist einfach Blödsinn, wenn sie sagen: Wir haben ein Erwärmungsziel von maximal 2°C und versuchen es dann alle fünf Jahre ein bisschen besser zu machen.“

Darüber hinaus gibt es Berichterstattungen, die der ganzen Idee eines großen Umweltgipfels feindlich entgegenstehen. Die Daily Mail zum Beispiel untersuchte den Einfluss der Konferenz selbst auf die Umwelt und kam zu dem Schluss, dies wäre „ein erstklassiges Beispiel dafür, was für ein verschwenderisches Leben die grüne Lobby führt“. Unterdessen verspottete der Journalist Christopher Booker im Telegraph den COP21 als den Moment, in dem „politische Panik“ über den Klimawandel mit der Realität einer auf Erdöl basierenden globalen Zivilisation zu kollidieren begann.

Diese Sorte der Verleugnung des Klimawandels – oder politischer “Realismus“ – ist allerdings zunehmend selten in den weltweiten Mainstream-Medien. Unsere Recherche beinhaltete auch einen Blick auf die Klima-Berichterstattung in Russland, einem der weltweit größten Kohlenstoffproduzenten und damit einem Land, das jeden Grund hat, öffentlichkeitswirksame Debatten zu vermeiden. Trotzdem finden auch dort Veränderungen statt. Die gewöhnlich eher zurückhaltenden Medien stimmten in die positive Berichterstattung über die Pariser Bekanntmachung überein, vielleicht als logische Konsequenz der starken Stellungnahme durch den russischen Präsidenten, Vladimir Putin, am ersten Tag des Gipfels.

So diskutierte zum Beispiel die staatliche Zeitung Rossiyskaya Gazeta die Erfolge der russischen Delegation, die alle ihre Ziele erreicht hat. Russische Reporter kritisierten die legalen Aspekte des Abkommens, während Aktivisten und NGOs Zweifel am Erfolg des COP21 äußerten, indem sie beispielsweise auf die erhöhte Wahrscheinlichkeit von kontroversen Richtlinien zur Kohlenstoffreduzierung (wie zum Beispiel Chinas möglichen Wechsel zu Nuklearenergie) und Russlands unklare Position zwischen entwickelten und entwickelnden Parteien hinwiesen. Diese Kritik ist aber eher als ein positives Zeichen des Auseinandersetzens mit dem Prozess zu werten als simple Verleugnung oder Fehlinformation.

Für die Kommunikation des Klimawandels war 2015 entscheidend – die Medien spielten eine wesentliche Rolle, als es darum ging, die Risiken für die Umwelt einem breiteren Publikum verständlich zu machen. Die Preise für die klassischen Helden und Bösewichte im Klimawandel-Kommunikationstheater sind noch nicht verteilt, aber die komplette Medienlandschaft verdient ein dickes Lob dafür, dass sie dem historischen Erfolg in Paris zumindest den verdienten Raum in der Berichterstattung gestatteten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Conferencia de la ONU sobre Cambio Climático COP21“ by Presidencia de la República Mexicana (CC BY 2.0)


 

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Das Ergebnis der Klimakonferenz in Paris

Paris (adapted) (Image by Walkerssk [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Die Vereinbarungen und Ergebnisse der UN-Klimakonferenz in Paris sind wichtig und tragen eine weitreichende Bedeutung. Die Konferenz endete mit einer Vereinbarung von 195 Staaten, um die globale Erwärmung zu bekämpfen. Diese Vereinbarung ist historisch und wichtig, aber zugleich leider nicht ausreichend. Hier sind fünf Fakten, um besser zu verstehen, was in Paris entschieden wurde: von “ist das genug, um die gefährlichen Klimaveränderungen zu bekämpfen?” bis zu “unvorhergesehene Siege von besonders betroffenen Staaten”.

1. Ein weltveränderndes Ereignis

Das Bedeutsamste an der Vereinbarung ist wohl, dass es sie überhaupt gibt. Für alle Staaten, von den Supermächten über die reichen Stadtstaaten, Königreiche mit Ölvorkommen bis hin zu gefährdeten, weil tiefliegenden Inselstaaten: alle sind überein gekommen, durch gemeinsam koordinierte Aktionen den Klimawandel zu bekämpfen.

Und das sind nicht nur warme Worte. Jede feste Vereinbarung muss vier Elemente besitzen: Zuerst braucht es ein gemeinsames Ziel; dies wurde jetzt definiert. Die Vereinbarung erklärt, dass alle Parteien die Temperatur “deutlich unter” 2°C über den Daten vor der industriellen Revolution halten wollen und sogar Anstrengungen unternehmen werden, es auf 1.5°C zu minimieren.

Zweitens braucht es eine Vereinbarung wissenschaftlich glaubwürdige Reduzierungen in Kohlenstoffdioxid und anderen Treibhausgasen. Die Paris-Vereinbarung ist etwas verschwommen in diesem Bereich, erklärt aber, dass Emissionen “so schnell wie möglich” den Höhepunkt erreichen sollten um dann schnellstmöglich reduziert zu werden. Der nächste Schritt ist:

Erreichen einer Balance zwischen anthropogen (menschlich bedingten) Emissionen und der Beseitigung und Verminderung von Treibhausgasen in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts; basierend auf einer gegenseitigen Gerechtigkeit…

Drittens, da aktuelle Vorhaben der Emissionsreduzierung vor einer Erwärmung bis zu 3°C über den Daten vor der industriellen Revolution warnen, brauchen wir eine Mechanismus, um von dem aktuellen Status hin zu einer “Zero Emission”, also emissionsfreien Politik. Es findet alle fünf Jahre eine Überprüfung der Projekte statt – und “die Bemühungen aller Parteien wird sich im Laufe der Zeit steigern”, was heißt, dass bei jedem Schritt die Staaten ihre Emissionen im Vergleich zum heutigen Stand reduzieren sollen.

Viertens bedeutet dies für die Industrie-Staaten, dass sie schnell von fossilen Energien hin zu erneuerbaren Energien wechseln müssen. Die Herausforderung ist erheblich größer für die Entwicklungsländer; diese Nationen müssen das fossile Zeitalter überspringen. Sie benötigen finanzielle Mittel um dies erfolgreich tun zu können und daher beinhaltet die Vereinbarung, dass 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr bis 2020, danach sogar noch mehr, dafür zur Verfügung gestellt wird.

Es gehen viele positive Dinge mit der Vereinbarung einher; sie kreiert ein gemeinsames Ziel, um die schlimmsten Auswirkungen der globalen Erwärmung zu verhindern, die Reduzierung der Emissionen sind angemessen und glaubwürdig, es gibt einen Mechanismus, um langfristig ganz ohne Emissionen auszukommen und es gibt finanzielle Ressourcen um arme Länder den Übergang zu erneuerbaren Energien zu ermöglichen. Die Vereinbarung gibt den Weg für die Welt vor; weg von der Abhängigkeit der fossilen Energieträger.

2. Es ist nicht genug, um gefährliche Klimaveränderungen zu verhindern

Was ein gefährlicher Klimawandel bedeutet, hängt stark von der Person und dem Ort ab. Für einige arme Menschen ist der Klimawandel schon jetzt mehr als gefährlich; er ist tödlich. The Gefahr steigt durch die kumulierte Emission von Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre. Weil die Gefahr schon so lange angekündigt war, schließt sich das Zeitfenster, in dem man den Anstieg der Temperatur um 1.5°C noch verhindern kann. Dies bedeutet große Einschnitte, insbesondere für tiefliegende Bereiche. Selbst die ehrgeizigsten Konzepte für eine emissionslosen Gesellschaft in den kommenden Jahrzehnten, verbunden mit einer realistischen Chance um unter der 2°C Erhöhung zu bleiben (immerhin 66 Prozent), sind bereits extrem hoch gesteckt. Die Länder haben noch einen langen und harten Weg vor sich, um derartige Reduzierungen der Emissionen zu erreichen.

Man muss zudem anmerken, dass es in der Vereinbarung keinerlei Strafen gibt; zumindest außerhalb der öffentlichen Scham, für Länder, die die vorgegebenen Ziele nicht einhalten. Um die Ziele der Pariser Vereinbarung wirklich umzusetzen, müssen sowohl zivile Organisationen als auch die oppositionellen Parteien in der Politik und Wirtschaft die Regierungen entsprechend kontrollieren. Im Grunde gibt es sowohl für die Menschen als auch für viele Regierungen und Firmen ein gemeinsames Ziel; fast alle sprechen sie gegen die tiefen Taschen der fossilen Energiebranche aus.

Eine der Gefahren und Ängste liegt in der geplanten globalen “Inventur” 2023. Wenn einige Länder sehen, dass Andere sich nicht an die vereinbarten Pläne halten, dann werden möglicherweise einige auch von den eigenen Projekten absehen und die gesamte Pariser Vereinbarung fällt auseinander.

3. Wir müssen Kohlenstoffdioxid von der Atmosphäre entfernen

Die Erwärmung durch den Treibhauseffekt wird angetrieben durch die kumulierte Emission von Kohlenstoffdioxid. Gemessen an den heutigen Emissionen und dem Ziel, die Temperaturanstiege “deutlich unter” 2°C und in der Nähe von 1.5°C zu halten, bedeutet, dass die CO2 Emissionen sehr schnell Richtung Nullpunkt reduziert werden müssen.

Die Gemeinschaft muss dann weitergehen und die Emission abschaffen. Das bedeutet, dass Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre entfernt werden muss und anderweitig gelagert wird. Es gibt dafür verschiedene Optionen; von dem Pflanzen von Bäumen und dem Erhalten von ewigen Wäldern, der Erhöhung der Aufnahmekapazitäten des Bodens und der Nutzung von Biomasse zur Energiegewinnung bis hin zum unterirdischen Speichern von CO2.

4. Veränderungen der Strategie und Konzepte sind zu erwarten

Um noch in diesem Jahrhundert auf null Emissionen zu kommen, müssen viele Richtlinien und Konzepte erstellt und verändert werden. Fossile Energieunternehmen müssen teilweise von ihren Tochterunternehmen getrennt werden. Investitionen in eine hohe CO2-Infrastruktur muss beendet werden und insbesondere Weltbankdarlehen und andere regionale Bankenunterstützungen müssen angepasst werden. Emissionslose Gebäude müssen zur Norm werden. Der tropische Regenwald muss beschützt werden um erst das Abholzen zu reduzieren und schließlich ganz zu beenden.

Gehen Sie von einem größeren Drang zu den aktuellen technologischen Begrenzungen der erneuerbaren Energien aus: mit großen Investitionen, meist in Richtung Energiespeicherung, wenn der Wind mal nicht weht und die Sonne mal nicht scheint. Gehen Sie davon aus, dass die Kosten für erneuerbare Energien weiter sinken, wenn die Technologien auf einer größeren Skala genutzt und weltweit eingesetzt werden. Erwarten Sie, dass signifikante Teile der Welt für die Nutzung durch Windturbinen und Solarparks deklariert werden.

5. Die gefährdetsten Länder der Welt haben ihre Probleme erfolgreich auf die Bühne gestellt.

Paris war die Bühne eines hochpolitischen Pokerspiels. Überraschenderweise haben die Länder mit den schlechtesten Karten besser abgeschnitten als erwartet. Die Klimagespräche waren geprägt durch wechselnde Allianzen, anders als die bekannte Trennung von den reicheren nördlicheren Ländern gegenüber den ärmeren südlichen Ländern. Als zentrales Element war insbesondere die diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und China, da beide Nationen zugestimmt haben, ihre Emissionen zu reduzieren und ihr Einverständnis zu der Gruppierung der “Climate Vulnerable Forum” gegeben haben. Dieses Forum hat kontinuierlich das Thema der Begrenzung der Erwärmung um 1.5°C auf die politischen Agenden der Nationen gesetzt.

Wir haben noch nicht das letzte Wort zu den Ambitionen gehört – eines der Entscheidungen in Paris beinhaltet die Einladung der “Intergovernmental Panel on Climate Change” einen individuellen Bericht über die Auswirkungen des Klimas auf die 1.5°C Erhöhung zu erstellen und gleichzeitig den konsistenten Weg zu dieser Temperatureinschränkung vorzugeben und zu definieren.

Diese Länder haben nicht alles bekommen was sie wollten – Die USA wollten keine finanzielle Haftung übernehmen für Länder, die durch den Anstieg des Wasserspiegels Land verlieren. Aber sie haben in dem Spiel ihre schlechten Karten extrem gut und intelligent ausgespielt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Paris“ by Walkerssk (CC0 Public Domain

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Twitter im Jahr 2015: Die Top-Hashtags

Lots of Hash (adapted) (Image by Michael Coghlan [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Das Jahr 2015 neigt sich dem Ende zu. Es ist viel passiert. Doch welche Themen hat die Twitter-Welt besonders beschäftigt?

Ein turbulentes Jahr liegt hinter der Netzgemeinde – ihr erinnert euch bestimmt noch an ein paar Hashtags, die das Jahr 2015 mitbestimmt haben. Hierbei wird besonders deutlich, wie sehr Twitter mittlerweile Teil unserer modernen Gesellschaft geworden ist. Bestimmte Hashtags haben sich sogar in den ganz alltäglichen Sprachgebrauch eingebracht. Welche das 2015 waren, haben wir in unserem Jahresrückblick für euch zusammengestellt.

10. #CallMeCaitlyn: Ein Mann entdeckt seine Transsexualität – und die Welt schaut zu

Das hat noch nicht mal US-Präsident Barack Obama geschafft: Am 1. Juni meldete sich Caitlyn “Bruce” Jenner bei Twitter an und hatte innerhalb von vier Stunden eine Million Follower. Diese Leistung wurde sogleich honoriert:

“4 Stunden und 3 Minuten! @Caitlyn_Jenner hat gerade einen neuen Rekord im schnellsten Erreichen von einer Million Followern auf Twitter aufgestellt.” Jenner fasziniert mit einem ungewöhnlichen Lebenslauf. Als Mann geboren, war sie in jungen Jahren im Zehnkampf erfolgreich und trat mehrmals bei den Olympischen Spielen an. Später widmete sie sich der Schauspielerei. Von 1991 bis 2015 war sie in dritter Ehe mit Kris Jenner, der Mutter von Kim Kardashian, verheiratet und hat mit ihr zwei leibliche Kinder. Anfang 2015 outete sie sich überraschend als transsexuell und ließ geschlechtsangleichende Operationen vornehmen.

Ich bin so glücklich, nach einem so langen Kampf mein wahres Ich zu leben. Willkommen auf dieser Welt, Caitlyn. Ich kann es gar nicht erwarten, sie/mich kennenzulernen.

9. #TheDress – Welche Farbe hat das Kleid?

Diese Frage stellten sich Ende Februar Menschen auf der ganzen Welt, als ein Foto von einem Kleid im Social Web kursierte. Viele waren der Ansicht, es sei blau-schwarz. Andere hielten es für weiß-gold.

“Ich bin noch nie so frustriert gewesen #TheDress #weißundgold” Britische Medien haben nun den Ursprung dieses viralen Trends herausgefunden. Dahinter steckt keine Werbestrategie eines Modeunternehmens, sondern einer Dame, die mit sozialen Medien so gar nichts zu tun hat. Cecilia Bleasdale hatte das Kleid für die Hochzeit ihrer Tochter gekauft. Dann die Überraschung: In ihrer Familie war man sich uneinig, ob es nun blau-schwarz oder weiß-gold ist. Ihr Tochter habe sogar gesagt, wenn sie denke, dass es blau und schwarz sei, solle sie zum Augenarzt gehen. An die Öffentlichkeit gelangte dieses Mysterium schließlich über eine Freundin ihrer Tochter. Diese postete das Foto des Kleides auf ihrem Tumblr-Blog, von welchem aus es weiter verbreitet wurde. 8. #PlutoFlyby – NASA goes Pluto Mitte Juli erforschte eine Raumsonde der NASA erstmals den Zwergplaneten Pluto. Dabei wurden hochauflösende Fotos geschossen, die ihn von Nahem zeigten. Viele Twitteruser ließen sich das Spektakel nicht entgehen:

“Mein Interesse an Astronomie war irgendwie auf Eis gelegt im letzten Jahr, es ist Zeit, das Teleskop rauszukramen! #PlutoFlyBy

7. #FIFAWWC – Frauen am Ball

Im Juni und Juli fand die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft in Kanada statt. Die Fans fieberten auf Twitter mit und tauschten sich aus.

#FIFA muss noch bestätigen, wer den #FIFAWWC – Pokal am Sonntag dem Gewinnerteam überreichen wird. Man nimmt an, dass es Hayatou sein wird, aber noch gibt es keine Bestätigung” Im Finale gewann übrigens die USA gegen Japan mit 5:2 und sicherte sich somit den Weltmeistertitel. 6. National Elections – die Welt geht wählen 2015 war das Jahr der Wahlen. Argentinien, Kanada, Singapur, Indien und Großbritannien haben ein neues Staatsoberhaupt gewählt. Ein wichtiges Ereignis, über das auch im Vorfeld schon eifrig getwittert wurde.

Oje… die Wahlen sind morgen… meine erste Möglichkeit, zu wählen und ich weiß immer noch nicht, wen ich wählen soll.”

5. #IStandWithAhmed – Solidarität mit US-amerikanischem Schüler

Dass die Angst vor Terroranschlägen permanent präsent ist, musste im September der 14-jährige Ahmed Mohammed aus Texas am eigenen Leib erfahren. Nichtsahnend brachte er seine selbstgebastelte Digitaluhr in die Schule – und wurde prompt festgenommen und in Handschellen abgeführt. Der Grund: Man hatte die Uhr für eine Bombe gehalten. Ein Foto von ihm wurde daraufhin auf Twitter verbreitet und sorgte für Empörung. Sogar Präsident Barack Obama setzte sich mit einem Tweet für den Jungen ein:

Coole Uhr, Ahmed. Möchtest du sie ins Weiße Haus bringen? Wir sollten mehr Kinder wie dich dazu inspirieren, sich für Wissenschaft zu interessieren. Das ist es, was Amerika großartig macht.4. #RefugeesWelcome – Europa zeigt seine Toleranz gegenüber Menschen auf der Flucht 2015 war auch ein Jahr, in dem Menschen aus ihrer Heimat fliehen mussten. Beinahe kein Tag verging ohne Meldungen aus Politik und Nachbarschaft. Viele Menschen solidarisierten sich mit den Asyl suchenden Menschen auf der Flucht und engagierten sich um zu Helfen. Der Hashtag “#RefugeesWelcome” entstand. Er steht für Weltoffenheit, Toleranz und kulturelle Vielfalt. 3. #MarriageEquality – die USA legalisiert die gleichgeschlechtliche Ehe Auch in den USA wurde ein Zeichen der Toleranz gesetzt, und zwar für gleichgeschlechtliche Paare. In allen 50 Staaten ist seit dem 26. Juni die gleichgeschlechtliche Ehe rechtlich erlaubt. Vorher war diese nur in 36 Staaten möglich. Weltweit freuten sich Menschen aller sexuellen Orientierungen über diese Entscheidung.

Ein Gesetzentwurf, den man schon viel eher verabschieden hätte sollen. Was für ein unglaubliches Zeichen der Freiheit. #LiebeGewinnt #MarriageEquality

2. #BlackLivesMatter – Afroamerikaner kämpfen gegen Gewalt und Rassismus

Diese Bewegung gibt es bereits seit 2013, sie nahm auf den sozialen Netzwerken ihren Ursprung. Auslöser war die Vielzahl an Übergriffen seitens der Polizei gegenüber Dunkelhäutigen. 2015 konnten die Aktivisten mit Protesten und Demonstrationen international auf sich aufmerksam machen.

“Bei #BlackLivesMatter geht es nicht nur um die Wertschätzung der Opfer der Polizeigewalt. Es geht um die Wertschätzung aller Schwarzen.1. #PrayForParis – Anteilnahme für die Opfer der Anschläge Nur 10 Monate nach den Anschlägen auf die “Charlie Hebdo”-Redaktion wurde die Hauptstadt von Paris erneut durch Terrorismus erschüttert: Gleich mehrere Attentate rissen am 13. November 130 Menschen in den Tod, mehr als 350 wurden verletzt. Diese traurige Nachricht war auch auf Twitter Thema.

#PrayForParis – das ist furchtbar, ich kann nicht glauben, dass Menschen so herzlos sein können. All meine Gedanken sind bei euch.


Image (adapted) “Lots of Hash” by Michael Coghlan (CC BY-SA 2.0)


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Warum 600 Fake-Plakate während der COP21 in Paris hingen

Brandalism Street (Image by Thomas Dekeyser)

Die COP21 in Paris hat viel Kritik einstecken müssen. Die Organisation Brandalism entwickelte sogar Fake-Plakate der Teilnehmer. Noch 72 Stunden bis zum offiziellen Start der COP21. Sechzig Freiwillige, bewaffnet mit Steckschlüsseln und 600 Postern, schleichen mit siebbedruckten JC-Decaux-Westen durch die Straßen von Paris. Ihre Mission: Werbeplakate mit Kunst zu ersetzen und ihren Protest rund um das Sponsoring der COP21 durch große Konzerne wie Engie (ehem. GDF Suez), BMW, Dow Chemicals, Coca Cola und Air France zu verdeutlichen.

Den Klimawandel bekämpfen? Natürlich nicht, wir sind eine Fluggesellschaft.“, heißt es auf einem der Fake-Poster. Auf den ersten Blick wirkt dies jedoch überraschend berechtigt. Der Untertitel lautet: „Air France – Teil des Problems“. Das ist nur eins von 600 Postern, die im Rahmen des Brandalism-Projekts aufgehängt wurden. Ein kürzlich erschienener Bericht von Observatories Des Multinationales hat aufgedeckt, dass nur einer von zehn großen COP21-Sponsoren die CO2-Emissionen gemäß der EU-Zielvorgaben gesenkt hat. Brandalism stellt die Frage, ob man als Öffentlichkeit darauf vertrauen kann, dass Großkonzerne trotz ihres Gewinnstrebens auf die aktuelle Klimasituation reagieren.

Ein weiterer Bericht der Corporate Europe Observatory betont, inwiefern die Solutions COP21-Ausstellung, die parallel zu den Gesprächen läuft, die Möglichkeit zum “Coporate Greenwashing” vereinfacht. Es wird befürchtet, dass das Sponsoring eher zu der Problematik beiträgt, indem es den großen Firmen erlaubt, Trittbrettfahrer bei den Lösungen innovativer, kleiner Institutionen zu spielen und so von den Auswirkungen der eigenen Kernaktivitäten abzulenken. Einige der Brandalism-Aktionen greifen die freudige Ästhetik der Markenbildung dieser Veranstaltung wieder auf, um deren Legitimation in Frage zu stellen.

Plakat von Bill Posters für Brandalism (Image by Thomas Dekeyser)
Plakat von Bill Posters für Brandalism (Image: Thomas Dekeyser)

Der Solutions21-Tag „Live The Climate Experience” erhält plötzlich einen bitteren Beigeschmack, wenn er zusammen mit einem Mann und einer Frau, die eine überflutete Landschaft vor einer brennenden Öl-Plattform durchqueren, gezeigt wird. Die Frage, die sich hier stellt, ist klar: Wird die COP21 verbindliche Schritte in Richtung einer Umgestaltung der nicht-nachhaltigen Kernaktivitäten großer Konzerne hervorrufen? Oder ist das nur eine weitere Möglichkeit, die Unternehmen in einem umweltfreundlichen Licht erscheinen zu lassen?

Subvertising

Die kulturelle Störungpraxis des “Subvertisings” – ein Kofferwort aus “Subvert” und “Advertising” – ist keine Idee, die es nur im Roman gibt. Die Geschichte des Ad Hijacking reicht zurück bis in die 1970er Jahre, als das australische BUGA.UP-Kollektiv (Billboard Utilising Graffitists Against Unhealthy Promotions) mit der aus seiner Sicht offensiven Tabak-Werbung startete. Ungefähr zur gleichen Zeit initiierte die Billboard Liberation Front die Zerstörung jeglicher Außenwerbung in ganz San Francisco.

Heute erreicht die Praxis des Subvertisings neue Dimensionen. Kollektive beginnen sich global zu vernetzen, um eine immer größer werdende Kraft gegen die visuellen und mentalen Einflüsse der Werbung zu schaffen. Initiativen wie Brandalism, Brigade Antipub und Plane Stupid zielen zunehmend speziell auf die Verbindung zwischen Werbung, fossilen Brennstoffen und dem Klimawandel ab.

Indem sie in Werbebereiche eingreifen, die ursprünglich den Konsum gefeiert haben, leiten sie deren Botschaft in Richtung Anti-Konsum. Joe Elan von Brandalism stellt fest: “Wir nehmen ihre Werbeplätze, weil wir der Werbung, die den nicht-nachhaltigen Konsum fördert, den Kampf ansagen wollen.” Brandalisms neuste “Werbungen” kritisieren nicht einfach nur, sie enthalten auch Vorschläge. Einige der Poster zeigen Worte und Bilder, die poetisch alternative Lebensstile aufgreifen, um die fundamentalen Veränderungen innerhalb unserer Kultur aufzuzeigen, die nötig sind, um den Umweltverfall zu umgehen.

Mehrere Stufen des Notstandes

Subvertising gewinnt nicht nur im Hinblick auf die COP21 an Bedeutung. Initiativen wie z.B. die “£6-Hackpacks” des Strike Magazins – mit Übernahme-Tipps für Buswartehäuschen und einem How-to Guide für nur sechs britische Pfund – betonen die Rolle von Außenwerbung für die Kommerzialisierung von öffentlichen Plätzen und den Menschen, die sie nutzen. Die Rechte innerhalb der Städte sind aktuell ungleich verteilt, mit Werbeplätzen in öffentlichen Plätzen, die nur für diejenigen zugänglich sind, die dafür zahlen können. Dies ist besonders im aktuellen Kontext innerhalb Frankreichs von Bedeutung, in dem die Regierung nach den Anschlägen vom 13. November, und den darauffolgenden Notstand, das Recht zur freien Meinungsäußerung weiter einschränkt.

Plakat von Eubé für Brandalism (Image Thomas Dekeyser)
Plakat von Eubé für Brandalism (Image: Thomas Dekeyser)

In den Wochen vor COP21 wurden Demonstrationen, die als Zentren des Umweltaktivismus gedacht waren, von der Polizei ohne juristische Überwachung beendet. Und während öffentliche Zusammenkünfte wie Fußballspiele und Weihnachtsmärkte weiterhin stattfinden dürfen, werden politische Proteste untersagt. Vor diesem Hintergrund scheint der kreative zivile Ungehorsam, der, wie Aktivist und Climate Games-Organisator John Jorden herausstellt, eine “rechtliche Grauzone darstellt”. Das ist ein guter Weg, öffentlich die Stimme zu erheben. Die Übernahme von Werbeflächen und andere Formen des kreativen Ungehorsams stellen einige der wenigen verbleibenden Mittel dar, die dazu befähigen, einen Platz in der Diskussionrunde der COP21 zu erhalten und weiterhin öffentlich wahrgenommen zu werden.

Brandalism hinterfragt VW (Image Thomas Dekeyser)
Brandalism hinterfragt VW (Image: Thomas Dekeyser)

Diese Eingriffe befähigen sicherlich auf mancher Ebene. Einer der Brandalism-Oragnisatoren sagte, dass sie sich keine besser Antwort der Öffentlichkeit hätten vorstellen können:

Auf den Straßen und auch im Internet haben wir eine große Reihe von “Dankeschöns”, Anfragen für How-to Guides und Anfragen für ausgedruckte Postern erhalten.

Die Poster sind jedoch alle entfernt worden (ohne weitere Kommentare seitens der Polizei oder JC Decaux). Es bleibt immer noch abzuwarten, ob die Kritik überhaupt Einfluss auf die COP21 haben wird.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Teaser & Image by Thomas Dekeyser


The Conversation

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March4Me – Pariser demonstrieren virtuell mit

Mit der Webseite March4Me können sich Pariser Aktivisten während der COP21-Konferenz online mobilisieren und mit anderen Demonstranten solidarisieren. // von Maren Jentschke

Screenshot March4me Homepage

Die Webseite “March4Me”, die am 25. November 2015 online ging, erlaubt allen, die aus Sicherheitsgründen zum Auftakt des COP21 nicht auf die Straße gehen können, sich virtuell anderen Demonstranten anzuschließen. Von Berlin, über Kampala, Ottawa bis nach Sydney mobilisieren sich über 57 Demonstrationen weltweit. Per Mausklick kann nun symbolisch mitgelaufen werden.
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In Zeiten des Terrors: Sicherheit, aber nicht auf Kosten der Freiheit

chainlink (adapted) (Image by Unsplash [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Die Anschläge von Paris beeinflussen die Netzpolitik-Debatte – Zeit, sich zu erinnern, dass Sicherheit nicht auf Kosten von Freiheit gehen darf (oder muss).

Die Terrorserie von Paris, bei der über 100 Menschen ums Leben kamen und weitere verletzt wurden, bewegt die Gemüter. Auch die netzpolitische Debatte bleibt davon nicht unbeeinflusst. Von einigen Seiten werden Forderungen nach verschärften Sicherheitsgesetzen laut, andere Menschen geben Whistleblowern die Mitschuld an den Attentaten. Beides greift zu kurz und fordert letztendlich eine Politik der Angst. Seien wir stattdessen mutig – und fordern wir wirksame, gezielte Sicherheitsmaßnahmen, die nicht auf Kosten der Freiheit gehen.

Die Anschläge in Paris: Auch ein Thema im Netz

Wenig überraschend für ein Thema, das viele Menschen dermaßen bewegt, waren die Anschläge auch online am Wochenende Diskussionsthema Nummer eins. Viele Menschen wollten vor allem ihre Betroffenheit ausdrücken oder ihre Solidarität mit Frankreich ausdrücken. So kam es zu Hashtags wie #prayforparis und einer Aktion, in deren Rahmen viele Nutzer des sozialen Netzwerks Facebook ihre Profilbilder temporär in den Farben der französischen Flagge einfärbten.

Daneben begannen aber bald auch kontroverse Diskussionen. So bewegte beispielsweise die Flüchtlingsthematik die Gemüter – einige Netzbewohner kritisierten die “Willkommenspolitik” einiger europäischer Regierungen und sahen sich durch die Anschläge darin bestätigt, dass die Geflüchteten eine Gefahr darstellen. Andere verwiesen darauf, dass viele Refugees vor genau der selben Sorte Terror, sogar vor dem wohl auch in Frankreich verantwortlichen IS fliehen, und sahen in den Geschehnissen in Paris somit eher einen Anlass zu mehr Solidarität mit den Geflüchteten. Auch die richtige Reaktion auf die Anschläge und Wege zur Verhinderung weiterer derartiger Taten wurden bald diskutiert. Dabei ging es nicht nur um Pro und Contra Militärschlag. Auch, ob und wie die innere Sicherheit in Europa verbessert werden muss, stand bei vielen Interessierten bald auf der Tagesordnung – und tut dies nach wie vor.

Pro-Überwachung und Contra-Whistleblower: Die Rhetorik der Hardliner

Noch ist es zu früh, um zu sagen, ob die Anschläge tatsächlich die (Netz-)Politik in die eine oder andere Richtung beeinflussen. An Stimmen, die laut werden und Forderungen äußern, fehlt es aber nicht. Vielfach melden sich vor allem die Hardliner zu Wort, die mehr Überwachung als Maßnahme gegen den Terrorismus fordern. So forderte beispielsweise die Gewerkschaft der Polizei (GdP) kaum einen Tag nach den Anschlägen bereits eine massive – und wahrscheinlich verfassungswidrige – Ausweitung der Vorratsdatenspeicherung in Deutschland.

Andere Ermittler, Kommentatoren und Politiker wetterten gegen Verschlüsselung – oder gegen Whistleblower. So warfen die US-Geheimdienste ausgerechnet NSA-Whistleblower Edward Snowden vor, den Terroristen Informationen zugänglich gemacht zu haben, die diesen bei ihren Anschlagsplänen geholfen hätten. Die Dienste hatten bereits im Vorfeld gewarnt, dass die Offenlegung ihres Spähapparates es Terroristen einfacher machen könnte, sich einer Überwachung zu entziehen und Anschläge zu begehen. Nach den Anschlägen von Paris sehen sie sich bestätigt – obwohl es für einen konkreten Zusammenhang bislang keinerlei Beweise gibt.

Sicherheit und Freiheit: Kein Nullsummenspiel

Auch, wenn es in der öffentlichen Diskussion mitunter so aussehen mag: Wir müssen nicht zwangsläufig unsere Freiheit aufgeben, um Sicherheit zu erlangen. Diese sind, wie es der zu Recht bekannte und geschätzte Sicherheitsexperte Bruce Schneier bereits 2008 formulierte, “kein Nullsummenspiel”. Manche Sicherheitsmaßnahmen sind mit keinen oder nur geringen Eingriffen in die Grundrechte Unschuldiger verbunden. Andere dagegen – beispielsweise die Vorratsdatenspeicherung – greifen massiv in die Grundrechte ein, ohne tatsächlich mehr Sicherheit zu versprechen (Schneier bezeichnet derartige Maßnahmen, die lediglich so aussehen, als könnten sie uns schützen, als “Sicherheitstheater”). Bei der Vorratsdatenspeicherung werden Millionen unschuldiger Menschen überwacht und massiv in ihren Rechten eingeschränkt. Im Gegenzug konnte diese Maßnahme aber, wie jüngst in Frankreich, Anschläge oft nicht verhindern. Und auch, dass sie maßgeblich zu deren Aufklärung beiträgt, ist zumindest zweifelhaft: Studien konnten bislang keinen signifikanten Anstieg der Aufklärungsquote bei schweren Verbrechen durch eine Vorratsdatenspeicherung feststellen.

Natürlich wird es auch Situationen geben, in denen wir tatsächlich zwischen mehr Sicherheit und mehr Freiheit (oder zumindest Privatsphäre) abwägen müssen. Uns aber eine Diskussion aufzwingen zu lassen, die diese beiden Werte kategorisch gegeneinander stellt, lähmt die Suche nach sinnvollen, gezielten Lösungen – und dient allein denjenigen, die aus ganz anderen Gründen unsere Grundrechte einschränken wollen. Denn neben denen, die ernsthaft verängstigt sind und sich mehr Sicherheit wünschen (und dabei womöglich mitunter über das Ziel hinausschießen) gibt es auch diejenigen, die mit eben dieser Angst ganz zynisch Politik machen und sie nutzen, um ihre eigene, auf Kontrolle und das Unterdrücken von Dissens bedachte, Agenda durchzusetzen.

Freiheit und Demokratie dürfen nicht Opfer des Terrors werden

Bei der nun beginnenden Diskussion dürfen wir eines niemals vergessen: Freiheit und Demokratie, Werte, auf die sich auch die französische Nation voller Stolz beruft und die sie zurecht wertschätzt. Diese Werte verdienen es, dass wir uns auch in schweren Zeiten für sie einsetzen, und sie unterscheiden uns von den Terroristen. Sie gehören zu den wichtigsten Gütern, die wir als Gesellschaft haben. Wenn wir sie aufgeben, wenn wir statt unserer Ideale nur noch unsere Angst sehen, haben die Terroristen gewonnen. Das gilt auch, wenn es ­“nur” um Telekommunikation geht, denn diese ist im 21. Jahrhundert gleichermaßen Bestandteil und Spiegelbild unserer Gesellschaft; wie wir im Netz miteinander umgehen, beeinflusst das soziale Miteinander auch in der physischen Welt, und umgekehrt. Wenn wir das im Blick behalten, wenn wir besonnen und vernünftig reagieren statt panisch, werden wir auch dieser Bedrohung trotzen können, werden verhindern können, dass aus Trauer und Wut Angst und Hass werden.


Image (adapted) „chainlink“ by Unsplash (CC0 Public Domain)

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5 Lesetipps für den 18. November

In unseren Lesetipps geht es heute um Social Media in der Landwirtschaft, das Guggenheim, Medienkritik, Angst und wie Gawker mit AdBlocking umgeht. Ergänzungen erwünscht.

  • SOCIAL MEDIA Badische Zeitung: Wie Bauern soziale Medien für sich nutzen können: In der Badischen Zeitung ist ein Interview mit der aus Weisweil stammenden Jutta Zeisset erschienen, die Expertin für die wohl ungewöhnliche Kombination Landwirtschaft und Social Media ist. In Zeiten peinlicher Fernsehsendungen mit Landwirten zeigt sie den Bauern, wie sie soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter und Instagram selber nutzen können.

  • GUGGENHEIM Open Culture: The Guggenheim Puts Online 1600 Great Works of Modern Art from 575 Artists: Im Jahr 1937 wurde die private Kunstsammlung der US-amerikanischen Industriellenfamilie Guggenheim der Öffentlichkeit zugänglich gemacht – seitdem sind verschiedene Guggenheim-Museen in der Welt entstanden, die den Menschen den Zugang zu moderner Kunst ermöglichen. Nun wiederholt das New Yorker Guggenheim diesen Schritt im digitalen Zeitalter und veröffentlicht mehr als 1.600 moderne Kunstwerke von 575 Künstlern im Internet.

  • MEDIENKRITIK Columbia Journalism Review: The Paris-Beirut debate: Terrorismus tötet Menschen auf der ganzen Welt, nicht nur in Paris. Doch die mediale Begleitung des Terrorangriffs von Freitagnacht ist nicht vergleichbar mit ähnlichen Tragödien. Das hat viel Kritik verursacht, besonders da es vor wenigen Tagen einen nicht weniger schlimmen Terrorangriff in Beirut gab. David Uberti vom Columbia Journalism Review setzt sich mit den Vorwürfen auseinander und erklärt das Verhalten der Medien.

  • #PARISATTACKS Berlin Sur Seine: Unser Feind ist die Angst: Auf dem französischen Blog Mediapart hat Edwy Plenel einen Leitartikel über die Folgen der Terrorangriffe auf die französische Gesellschaft veröffentlicht, den das deutschsprachige Blog „Berlin Sur Seine“ als Übersetzung zweitveröffentlicht hat. Ein lesenswerter Beitrag über die Angst und wie sie sich durch Offenheit überwinden lässt.

  • ADBLOCKER Digiday: Why Gawker doesn’t fight ad blockers: Gawker gehörte stets zu den interessanteren Blogs in den USA, mit ihrer neuen AdBlocker-Policy schaffen sie es wieder einmal, dass man sich mit ihnen beschäftigen kann. Und die meisten Presseverleger könnten sich auch wirklich ein Beispiel an Gawker nehmen, das sich nicht fragt, wie man AdBlocker umgehen kann, sondern wieso Nutzer überhaupt AdBlocker nutzen und wie man damit trotzdem als Medienseite arbeiten kann.

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Nach den #ParisAttacks: Paris in der Schockstarre

Paris (image by Unsplash [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Paris ist im Ausnahmezustand. Mehr als 120 Menschen kommen am 13. November bei Terroranschlägen ums Leben, rund 250 Menschen sind verletzt. In der Nacht zum Samstag überschlagen sich die Ereignisse und die sozialen Netzwerke werden zu dem Anker, der noch bleibt, wenn alles außer Kontrolle gerät. Facebook fragt mich, ob ich in Sicherheit bin. Erst fand ich die “Überprüfung des Sicherheitsstatus”, die kurz nach den ersten Anschlägen in Paris auf meinem Profil aktiviert wurde, albern. Dann verstand ich, welches Ausmaß die Ereignisse um mich rum haben. Und dass es für dieses eine Mal für Freunde und Familie gut war, dass Facebook genau wusste, wo ich mich befinde und das mit vielen teilen konnte: Und zwar endlich um 2 Uhr nachts “in Sicherheit”.

Die Bar “Le Barav” ist nur wenige Minuten Fussweg von dem Konzertsaal entfernt, in der wir uns gegen Abend trafen. Um 22:44 Uhr bekomme ich eine SMS einer Freundin. Ob alles in Ordnung wäre. Warum sie das schreibt, verstehe ich einige Minuten später, wie auch alle anderen Gäste in der Bar. Die Ereignisse, die darauf folgen, erinnern an den 11. September 2001. Die Stimmung kippt schlagartig. Keiner lacht mehr, alle sitzen nur noch an ihrem Handy oder verfallen in diese merkwürdige Schockstarre, in die die ganze Stadt bis jetzt noch versetzt ist. Die Straßen sind wie leergefegt. Wenn sich jemand draussen bewegt, dann rennend. Die Terrasse ist in wenigen Minuten geräumt – alle werden gebeten in die Bar zu kommen. Und dort zu bleiben. Niemand rechnet zu dem Zeitpunkt mit mehr als 120 Toten und rund 250 Verletzten, davon viele schwer.

Die Informationen überschlagen sich. Erst hört man von einer Schiesserei in der Nähe. Dann wird klar, dass es ein Attentat ist. Mit einer Massengeiselnahme in der Konzerthalle Bataclan nebenan. Es sollen auch Schüsse in umliegenden Cafés fallen. Außerdem gibt es Explosionen am Stade de France. Die interaktive Karte von Paris, auf der alle betroffenen Orte angezeigt werden, muss ständig aktualisiert werden. Gute Freunde von mir sind bei dem Fussballspiel, bei dem gerade von zwei Selbstmordattentätern gesprochen wird. Ich selbst wollte eigentlich an dem Abend auch zu dem Spiel, habe mich aber kurzfristig umentschieden. Dass ich dafür an einem anderen Brennpunkt gelandet bin, ist Unglück im Unglück.

Trotzdem war das Schicksal auf meiner Seite an dem 13. November, der den Franzosen noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Denn wir konnten, nachdem wir zwei Stunden in der Bar ausharren mussten, per Fahrrad zu der Wohnung meiner Freundin flüchten. Ihr Freund fuhr mit dem Roller vor, checkte die Straßen ab und wir folgten ihm durch das sprachlose, gelähmte Paris. Verkehrsregeln waren völlig egal – Hauptsache weg von dem Attentat, das sich in greifbarer, hörbarer und fühlbarer Nähe befand.

Paris ist erschüttert über die neuen Anschläge. Es ist hier eine andere Stimmung als bei Charlie Hebdo, da diesmal nicht eine Institution sondern die Bürger selbst angegriffen wurden. Wahllos wurde auf die Menschen abgefeuert. Und das an mehreren Orten zum gleichen Zeitpunkt. In der Nacht entwickelt sich mit der Dynamik der Ereignisse auch die Aktivität in den sozialen Netzwerken, die ihrer Funktion gerecht werden: Sie vernetzen Menschen, die in dem Chaos aus Angst, Unruhen und Unsicherheit irgendwie einen Anhaltspunkt suchen.

Unter dem Hashtag #PortesOuvertes (Offene Türen) werden Schutzsuchenden, die auf dem Nachhauseweg blockiert sind, Zuflucht in den eigenen vier Wänden geboten. Vermisste Personen werden per Hashtag #rechercheParis gesucht. Solidarität unter allen Parisern, die sich in Worten (#NousSommesUnis – Wir sind vereint) und Gesten (#UneBougiePourParis – Eine Kerze für Paris) ausdrückt. Die Netzwerke werden zu den Plattformen, über die in irgendeiner Weise geholfen werden kann. Denn das, was neben der Fassungslosigkeit und tiefen Trauer am meisten dominiert, ist die Hilflosigkeit.

Mittlerweile sind über die Hälfte meiner Facebook-Kontakte der Aufforderung des Netzwerkes nachgekommen: “Ändere dein Profilbild, um deine Unterstützung für Frankreich und die Menschen in Paris zu zeigen”. Ihr Profilbild wird von den französischen Farben geziert. Irgendwie versucht man in dieser Zeit, für die es eigentlich keine Worte gibt, Zeichen zu setzen. Wer nicht zu den vielen Orten des Gedenkens, wie dem Place de la Republique kommen will oder kann, zeigt online seine Anteilnahme.

Wahrscheinlich wird erst in ein paar Tagen dieser Medien-Hype, der an diesem Pariser Wochenende entsteht, hinterfragt. Gerade sind noch ganz andere Fragen wichtig: Wo sind meine Freunde und meine Familie? Kann ich wieder auf die Straße? Und wie geht es jetzt hier weiter?


Teaser & Image “Paris” via Unsplash/Pixabay


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In Paris twittert jede Metro-Linie von ihrem eigenen Account

Metro (adapted) (Image by Peter Daniel [CC BY 2.0] via Flickr)

Die Pariser Metro: Per Twitter versorgt jede Metro-Linie ihre Fahrgäste in Echtzeit über Störungen im Bahnverkehr. Metro-Fahren in Paris bedeutet wenig Platz, stickige Luft und gestresste Menschen. Wer in Paris wohnt, kann sich dem schnellen Rhythmus der Stadt kaum entziehen: “Metro-Boulot-Dodo” (Metro-Arbeit-Schlafen) bestimmen den Alltag. Um bei diesem Takt mitzuhalten, hat sich der staatliche Betreiber RATP des öffentlichen Verkehrs im Großraum Paris etwas Besonderes ausgedacht: Bei Verzögerungen und Störungen des Bahnverkehrs läuft die Kommunikation mit den Fahrgästen nicht nur über die Lautsprecheransagen, sondern ebenso über den Twitter-Account, der für jede einzelne Metro-Linie, Tram und Regionalbahn einzeln geführt wird. Eine Hilfestellung oder Spielerei?

“Guten Morgen auf der Linie 4”

Mit einem freundlichen “Guten Morgen auf der Linie 4. Thierry begleitet sie heute und wünscht eine gute Fahrt” startet der Service für die Pariser Metro-Fahrer. Sollte die Fahrt ruhig verlaufen, wird dem milliardsten Fahrgast gratuliert oder neue Shop-Eröffnungen in Bahnhöfen begrüßt. Die französische Kulturhauptstadt schmückt ihre alten Bahnhöfe mit Kunstprojekten oder lädt zu Auftritten ein, die hier kommentiert werden. So retweetet die Metro 4 gerne mal die Metro 6, bei der Philippe Halsmans fotografisches Werk an 16 Stationen und Bahnhöfen zur Ausstellung gebracht werden.

Sobald eine Störung im Bahnverkehr auftritt, wird diese über den Twitter-Account kommuniziert und bis zur Behebung verfolgt. Warum der Bahnverkehr stockt (“Materialschaden”) und wie lange Bauarbeiten noch auf Bahnhöfen dauern, kann auf dem jeweiligen Account in Erfahrung gebracht werden.

Eine Hilfestellung oder Spielerei?

Je nach Metro-Linie folgen zwischen 2.000 und 8.000 Personen den Twitter-Accounts, die seit 2012 geführt werden. Wenig in Anbetracht dessen, dass ungefähr 4,5 Millionen Fahrgäste tagtäglich die 14 Metro-Linien, zwei Regionalbahnen, sieben Straßenbahnen und über 350 Busse nutzen. Besser schneiden die Regionalbahnen ab, die sich über bis zu 41.000 Follower freuen können. Hier scheinen sich die Tweets mehr Gehör verschaffen zu können, da die Bahnen größere Bereiche im Pariser Raum abdecken und nicht immer im Minuten-Takt fahren.

Die Kommunikation des Unternehmens über ihre Twitter-Aktivität müsste noch ausgefeilt werden, damit mehr Pariser auf die Konten aufmerksam gemacht werden. Einigen dienen sie bereits als kostenfreie Alternative zur App der RATP. Doch ist es vielmehr das Image selbst, das die Twitter-Aktivität der Metro-Linien erklären lässt.

Eine alte Dame setzt Trends

Die Pariser Metro ist eigentlich eine alte Dame: Als viertältestes U-Bahn-System Europas transportiert sie seit Juli 1900 die Pariser von A nach B. Und nun setzt sie Trends in der digitalen Welt, die zu ihrem Image passt.

Für die Pariser Metro ist charakteristisch, dass ihre Stationen oft nur einen Katzensprung voneinander entfernt sind. An jeder Ecke finden sich Eingänge in das unterirdische Verkehrsnetz, die wegen ihrer kunstvoll verzierten Schilder zu einem der beliebtesten Postkartenmotive geworden sind. Spätestens seit Lorànt Deutsch in seinem Buch “Métronome” die Geschichte von Paris anhand der Metro und ihren Stationen erzählte, ist klar, wie sehr sich die Stadt über ihr Bahnnetz strukturiert und charakterisiert. Nicht nur die Stadt, sondern die Pariser selbst definieren sich über das Transportmittel.

Die nächste Station an der Wohnungstür ist in Paris ebenso bezeichnend wie die Wahl des Lieblingsessens. Mottopartys werden veranstaltet, zu denen man als Metro-Station verkleidet eingeladen wird. Somit scheint es fast schon logisch, dass jede Metro per Twitter ihr eigenes Sprachrohr bekommt. Gehören sie doch – jede für sich – zu dem Stadtbild der Metropole dazu und verdienen damit ihre eigenen Plattformen. Und das nicht nur in der Stadt der Liebe selbst, sondern auch in der digitalen Welt.


Image (adapted) “Metro” by Peter Daniel (CC BY 2.0)


 

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Wie Airbnb in Frankreich mit Regulierung umgeht

Airbnb in Paris

Airbnb in Paris

Heute gab Airbnb bekannt, dass es ab 1. Oktober in Paris eine Tourismusabgabe in Höhe von 0,85 Euro einsammeln und an die Stadt überweisen wird. Weitere französische Städte sollen folgen. Möglich gemacht hat das ein Erlass der französischen Regierung, die mit Airbnb konstruktiv zusammenarbeitet. Anders als beispielsweise die deutschen Behörden oder Uber, die beide etwas von Airbnb und der französischen Regierung lernen können: miteinander statt gegeneinander nützt am Ende allen.

Die Qual der Wahl: Gutes WiFi oder Tourismusabgabe

Seit Sonntagabend sind Kati und ich in Paris, genau genommen in einem kleinen Apartment im schönen Stadtteil Montmartre, die wir via Airbnb gebucht haben. Es ist unser zweiter Aufenthalt diesen Sommer in Frankreich, denn schon Anfang des Monats arbeiteten wir im Zuge unserer Reise durch europäische Coworking Spaces in Toulouse, Bordeaux, Nantes und Lyon. Nach unseren Stationen in Turin, Mailand und Stuttgart sind wir wieder zurück in Frankreich, um wieder einmal Paris zu besuchen und am Ende der Woche nach Lille zu fahren.

Wir haben hier in Frankreich in Hotels übernachtet (Bordeaux, Nantes), in kleinen Pensionen (Toulouse) und in Airbnb-Wohnungen (Lyon, Paris). Zwischen all diesen Optionen gibt es zwei markante Unterschiede: das WLAN in Airbnb-Wohnungen ist besser und in Hotels muss man eine Tourismusabgabe an die Stadt bezahlen. Das waren in Toulouse 0,40 Euro pro Person und Nacht, in Bordeaux 1,10 Euro und in Nantes 0,85 Euro. Das sind keine Unsummen, aber buchten wir via Airbnb, mussten wir keine Abgabe zahlen. Bei zwei Personen und einer ganzen Woche in einer Stadt, kann das schon einmal eine gute Flasche französischen Wein mehr oder weniger bedeuten.


Reiseblogger Tyler Braun und seiner Frau berichten über ihre Airbnb-Erfahrung in Paris:


Airbnb arbeitet mit französischer Regierung zusammen

Das ändert sich aber nun, zumindest in Paris. Der US-amerikanische Onlineübernachtungsdienst hat heute im eigenen Blog bekannt gegebenen, dass es ab 1. Oktober eine Tourismusabgabe in Höhe on 0,85 Euro von den Gästen einsammelt und an die Stadt überweist. Bisher waren dafür die Gastgeber selber verantwortlich, aber die meisten der rund 50.000 Pariser Airbnb-Hosts sammelten das Geld erst gar nicht ein. Auch wir mussten jetzt keine Abgabe an unsere Airbnb-Gastgeberin bezahlen.

Möglich macht das eine Anordnung der französischen Regierung, die es Airbnb erlaubt, die Steuer für seine Gastgeber zu erheben und einzusammeln. Dies soll laut Airbnb vollkommen automatisch erfolgen. Dieses Prozedere soll demnächst auch auf andere französische Städte ausgeweitet werden. Vor einem Jahr hat Airbnb schon in San Francisco und Portland angefangen, Tourismusabgaben einzusammeln. Seitdem sind einige Städte in den USA dazu gekommen, in Europa aber erst Amsterdam (seit letzten Dezember) und jetzt Paris.

Frankreichs Airbnb-Direktor Nicolas Ferrary erklärte heute in einer Pressemitteilung, dass er sich erfreut darüber zeigt, wie gut man mit der französischen Regierung zusammenarbeiten kann und diese Methode zum vereinfachten Einsammeln der Tourismusabgabe der Stadt Paris, wo mehr Leute ihre Wohnungen via Airbnb anbieten als irgendwo sonst auf der Welt, ermöglicht. Am Ende haben scheinbar alle etwas von der Zusammenarbeit.


Techdirt-Gründer Mike Masnick diskutiert die Frage, ob Airbnb gut oder schlecht für Städte ist:


Lehrreiches Beispiel für Deutschland… und Uber

Die Kooperation zwischen dem aus San Francisco stammenden Unternehmen und der französischen Regierung ist ein Beispiel, wie man als Staat mit Vertretern neuer Geschäftsmodelle umgehen kann. Deutschland, aus meiner Sicht vor allem Berlin, könnte sich hieran ein Beispiel nehmen.

Vili Lehdonvirta, Programmdirektor am Oxford Internet Institute, wies in einem Artikel auf Netzpiloten.de auf die Vor- und Nachteile von Plattformen wie Uber und Airbnb hin und argumentierte, dass auch Aufsichtsbehörden anfangen müssten, mit denen von der Gesellschaft bevorzugten Diensten zusammenzuarbeiten. Dies kann auch Vorteile haben, denn beispielsweise befinden sich 74 Prozent der Airbnb-Unterkünfte in Regionen, in denen es kaum Hotels gibt. Die Angebote auf der Plattform ergänzen also die touristischen Übernachtungsangebote und helfen Gemeinden noch mehr Einnahmen zu erzielen.

Das ebenfalls aus San Francisco stammende Unternehmen Uber, das Taxi-ähnlich Fahrten vermittelt, könnte ebenso von Airbnb lernen. Im Gegensatz zu Airbnb hat Uber immer noch Probleme in Frankreich und sieht sich seit Monaten der Kritik ausgesetzt. Mark Scott, Tech-Redakteur der New York Times für Europa, weist in einem Artikel von Anfang Juli darauf hin, dass es Airbnb am Anfang nicht anders ging. Doch anstatt weiterhin an Disruption als Strategie festzuhalten, hätte das Unternehmen gelernt, mit den Regulatoren zu arbeiten und nicht gegen sie.


Teaser & Image by Airbnb


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5 Lesetipps für den 12. Januar

In unseren Lesetipps geht es heute um Social Media in Katar, aber auch bei Protesten, das Video von Paris, Polaroid und die Automatisierung unserer Arbeit. Ergänzungen erwünscht.

  • SOCIAL MEDIA I Carnegie: Protest in the Age of Social Media: Ds Autorenkollektiv Joshua A. Tucker, Megan Metzger, Duncan Penfold-Brown, Richard Bonneau, John Jost und Jonathan Nagler hat für Carnegie einen lesenswerten Artikel über Protest in Zeiten von Social Media geschrieben und anhand des letztjährigen Beispiels #EuroMaidan nachgewiesen, dass soziale Netzwerke vor allem als Infrastuktur von Protesten eine wichtige Rolle spielen. Für die Zukunft wird das wohl bedeuten, dass annährend jede Revolution auch in den sozialen Netzwerken stattfinden wird und diese mehr zum Erfolg beitragen werden.

  • AUTOMATISIERUNG t3n: Die Digitalisierung macht uns arbeitslos – zum Glück!: Bei t3n schreibt Stephan Dörner, dass die digitale Revolution endlich an dem Punkt angekommen ist, in der auch die geistige Arbeit von der Automatisierung betroffen ist und wir uns als Gesellschaft die entscheidende wirtschaftspolitische Frage des 21. Jahrhundert angehen müssen: Wie verteilen wir die Früchte der Automatisierungsdividende? Die Gewerkschaft ver.di will dazu in diesem Jahr den Diskurs beginnen.

  • SOCIAL MEDIA II BBC: WhatsApp now clear social media leader in Qatar, including for news: Bei der BBC schreibt Damian Radcliffe über eine Studie des Ministeriums für Information- und Kommunikationstechnologie von Katar, dass sich mit der Nutzung von Social Media im eigenen Land auseinandergesetzt hat. Interessant ist, dass WhatsApp und Instagram in der arabischen Bevölkerung Katars die beliebtesten DIenste sind und das mit Abstand. Facebook zum Beispiel kommt nur auf Platz 5, knapp vor Snapchat und mit nur halb so vielen Nutzern wie WhatsApp.

  • VIDEO Associated Press: Witness to Paris officer’s death regrets video: Nicht ein bestimmtes Foto wird uns von den Terroranschlägen in Paris in Erinenrung sein, sondern ein mit dem Smartphone gemachtes Video, dass die Hinrichtung eines französischen Polizisten zeigt. Sofort kam die Frage auf, wieso man bewaffnete Männer filmt, zufällig den Mord aufzeichnet und dann das Video ins Internet stellt. Im Gespräch mit der Associated Press äußert sich der Urheber, spricht vom Schockzustand, der Reue nach dem Upload und entschuldigt sich dafür. Doch auch wenn das Video nach 15 Minuten wieder offline genommen wurde, war es bereits unkontrollierbar viral. Ab dem Moment oblag die Verantwortung, wie schon immer, den Medien und den Umgang mit diesem Video, was einige Medien besser und andere schlechter geschafft haben.

  • POLAROID Time: „We’re ‚Curators of Innovation‘ Now“: Wir alle kennen Polaroid, ein Unternehmen, dass man sofort mit Fotograie verbindet, mit besonderen Fotoapparten und einem spezillen Format von Bildern. In Zeiten von Smartphones und Instagram kann man mit seiner beeindruckenden Geschichte aber nichts mehr gewinnen. Das Unternehmen musste das in den letzten Jahren auf die harte Tour lernen und scheint jetzt mit einer neuen Vision des Unternehmens wieder da zu sein. Auf der diesjährigen CES zeigte sich Polaroid als „Kurator von Innovation“, wie es Scott Hardy im Gespräch mit dem TIME-Magazin nennt.

Die morgendlichen Lesetipps und weitere Linktipps am Tag können auch bequem via WhatsApp abonniert werden. Jeden Tag informiert dann Netzpiloten-Projektleiter Tobias Schwarz persönlich über die lesenswertesten Artikel des Tages. Um diesen Service zu abonnieren, schicke eine WhatsApp-Nachricht mit dem Inhalt arrival an die Nummer +4917622931261 (die Nummer bitte nicht verändern). Um die Nachrichten abzubestellen, einfach departure an die gleiche Nummer senden. Wir werden, neben dem Link zu unseren morgendlichen Lesetipps, nicht mehr als fünf weitere Lesetipps am Tag versenden.

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Gewinnspiel: Welches Startup will zur LeWeb?

OpenStreetMap GPS trace density in and near Europe (adapted) (Image by Eric Fischer [CC BY 2.0] via Flickr

Wir schicken zwei Startups zur diesjährigen LeWeb nach Paris. Wenn Ihr dabei sein wollt, sagt uns in einem Foto, was euer Startup europäisch macht! Die Europäische Union startete in diesem Jahr ein milliardenschweres Förderprogramm für innovative Startups aus Europa. Ziel soll es sein, dass das nächste Google den Titel „Made in EU“ verdient. Doch was macht ein Startup europäisch? Ist es die geographische Herkunft allein? Mit diesem Gewinnspiel wollen wir der Frage auf den Grund gehen. Die zwei Gewinner-Startups schicken wir zur LeWeb nach Paris!

Die LeWeb ist die größte Internet-Konferenz in Europa. Seit 2005 lädt der französische Unternehmer Loïc Le Meur regelmäßig im Wechsel nach London und Paris ein. Hier versammelt sich im Dezember die globale Tech-Elite, um über die gemeinsame Zukunft des Internets und Europas zu diskutieren.

Wenn auch euer Startup dabei sein soll und Ihr einmal Paris im Dezember sehen möchtet, müsst Ihr uns ein quadratisches Foto und zwei bis drei Zeilen (auf Deutsch und Englisch) schicken, die uns zeigen, was euer Startup europäisch macht und warum Ihr es verdient habt, zur LeWeb zu fahren! Mitmachen können alle Startups aus Deutschland und Österreich.

Wir veröffentlichen jedes Foto und die Erklärungen auf unserem Instagram-Kanal und unserer Facebook-Wall. Aus allen Einsendungen wählen wir die zwei besten Antworten aus und schicken den zwei Gewinnern jeweils eine Eintrittskarte für die LeWeb in Paris. Der englischsprachige Text der beiden Gewinner wird auf den Seiten von LeWeb präsentiert. 

Schickt uns eure Fotos und Erklärungen bis zum 20.10.2014 um 20 Uhr an gewinn@netzpiloten.de. Viel Glück. – VERLÄNGERT BIS 03.11.>/strong>


Image (adapted) „OpenStreetMap GPS trace density in and near Europe“ by Eric Fischer (CC BY 2.0)


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Die LeWeb kommt für eine Nacht nach Berlin!

Bevor im Dezember die größte Internetkonferenz Europas wieder in Paris stattfindet, geht LeWeb auf Europatour und kommt zum Start nach Berlin! // von Tobias Schwarz

Am Samstag, den 6. September 2014, findet zum zweiten Mal die Lange Nacht der Startups in Berlin statt. Natürlich wird auch Netzpiloten.de mit vor Ort dabei sein, aber besonderer Ehrengast in der Spreemetropole wird die LeWeb sein, Europas größte Internetkonferenz. Diese geht nämlich auf Startup-Tour und startet in Berlin, bevor es weiter nach Stockholm, Paris und Barcelona geht. Gesucht werden dabei die vielversprechendsten Startups Europas, die sich der LeWeb in nur 90 Sekunden langen Pitchs präsentieren können. Danach haben die Zuschauer 5 bis 10 Minuten Zeit für Fragen, bevor eine Jury aus lokalen Kennern der jeweiligen Startup-Szenen die Gewinner für das Finale auf der LeWeb 2014 in Paris bekannt geben wird. Dort werden auch die Netzpiloten mit dabei sein und die Gewinner des Berliner Wettbewerbs begleiten.

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Clevere „March of Progress“-Variationen von Maentis

Wenn Evolution zur Devolution wird. Ein Kunstprojekt aus Paris polarisiert im Web.

maentis 99steps of progress

Evolution kann ein kontroverses Thema sein für einige. Das Kunstkollektiv Maentis nimmt sich dieser Sache an und illustriert verschiedene Szenarien des beliebten „March of Progress“-Klassikers in gekonnt humorvoller und manchmal auch herausfordernder Art und Weise. Dabei gehen die Macher auch auf die Frage ein, kann Evolution auch zur Devolution werden? Maentis möchte 99 dieser Grafiken in ebenfalls 99 Tagen erschaffen. Derzeit sind sie gerade einmal bei einem Drittel des Zieles angelangt.

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Rainbow Origami Street Art by Mademoiselle Maurice

Die französische Künstlerin Mademoiselle Maurice hat ihre ganz eigene Vorstellung von westlicher Street Art. Inspiriert vom japanischen Origami hat sie im städtischen Raum in und um Paris kreative Regenbogen-Orgami-Street-Art erschaffen. Gefällt dir was du siehst? Dann schau dir doch auch mal die „Geological Street Art“ von Paige Smith an, die wir auf „thisiscolossal.com“ gefunden haben. Mindestens genauso cool!

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