Facebook Paper Teaser

Paper: Facebook hat Nachrichten-App Paper für iOS veröffentlicht

Nach mehreren Meldungen und Gerüchten ist vor wenigen Tagen die neue Nachrichten-App Paper von Facebook erschienen und überraschend gut geworden. // von Daniel Kuhn

Facebook Paper Image

Dass Facebook eine App für Mobile-Geräte herausbringt ist nicht besonders überraschend, dass diese aber tatsächlich Begeisterungsstürme auslöst, ist dann schon verwunderlich. Mit Paper ist Facebook diese Überraschung gerade gelungen. Die Kombination des eigenen Newsfeeds mit einem Newsreader im Stile von Flipboard und das Ganze in unheimlich schickem Design und mit Touch-optimierter Usability ergibt, die mit Abstand beste Facebook-App – zumindest für iOS-Nutzer.


  • Paper ist eine neue Facebook App, die den Newsfeed mit einer Nachrichten-Sektion kombiniert.
  • Die Benutzeroberfläche ist nicht nur sehr schick, sondern auch äußerst intuitiv zu bedienen.
  • Content wird für Facebook immer wichtiger, als die Aktivitätssteigerung im eigenen Freundeskreis.

Facebook und Mobile waren bisher nicht gerade die besten Freunde. Die App für iOS war anfangs ein Albtraum und die Android-Version ließ lange auf sich warten. Ein großes Update hat zwar beide Apps (Android erneut mit deutlicher Verspätung) halbwegs brauchbar gemacht, aber einen Blumentopf gewinnt Mark Zuckerberg damit nach wie vor nicht. Dafür sind die Apps immer noch zu langsam und unintuitiv aufgebaut. Statt nun aber die App, die Millionen Facebook-Nutzer kennen, komplett über den Haufen zu werfen und mit einem neuen Konzept zu ersetzen, hat man sich entschieden, mit Paper eine zusätzliche App passend zum zehnjährigen Jubiläum herauszubringen – quasi eine offizielle Alternative zur offiziellen Facebook-App.

Die bisherige Facebook-App wurde dabei komplett vernachlässigt und Paper von Grund auf neu konzipiert. Zwar beinhaltet sie noch den eigenen Newsfeed, allerdings nicht mehr in der bisher bekannten Form. Statt nun alles von oben nach unten durchzuscrollen, wischt man vielmehr horizontal durch die Beiträge. Dadurch werden die Selfies und Essensfotos zwar auch nicht interessanter, aber zumindest sehenswerter aufbereitet. Und wenn man von derartigen Beiträgen genug hat und etwas Interessanteres lesen möchte, bietet Paper eine News-Sektion an. Diese News-Sektion ist in unterschiedliche Themenbereiche unterteilt, die von einer kleinen Redaktion zusammengestellt werden – die Themen werden der Headlines-Sektion werden zum Beispiel aus bekannten Quellen wie Time, New York Times, NPR und vielen weiteren zusammengestellt.

Der Grund, warum nun die versammelte Tech-Presse Hals über Kopf in Paper verliebt ist, ist nicht die erwähnte Kombination, sondern deren Präsentation. Paper bietet erstmals in der Geschichte der Facebook-Apps ein hochgradig intuitives Konzept, bei dem die Steuerung fast ausschließlich über Wischgesten statt über Buttons passiert. Der Nutzer kann frei aus den 20 Kategorien auswählen und diese nach Belieben anordnen. Anfangs stehen insgesamt nur 40 Nachrichtenquellen zur Verfügung, diese sollen aber im Laufe der Zeit auf das gesamte Facebook-Netzwerk ausgeweitet werden.

Introducing Paper from Facebook on Vimeo.

Facebook vollzieht somit einen wichtigen Paradigmenwechsel – erstmals geht es bei einer App nicht mehr nur darum, die Aktivität im eigenen Freundeskreis zu steigern. Facebook hat vielmehr erkannt, dass es deutlich größer ist und viel mehr interessante Themen zu bieten hat und dass die Versorgung mit Inhalten ein Konzept ist, dass sowohl Usern als auch Unternehmen gefallen könnte. Ob es dem Facebook-Nutzer gelingen wird, mit Paper aus der Informationsblase des Netzwerkes auszubrechen darf allerdings angezweifelt werden – redaktionell ausgesuchte Inhalte lassen eher das Gegenteil vermuten. Die Kritik am bisherigen Vorgehen, die auch die Umstellung der Newsfeed-Algorithmen beinhaltet, ist also durchaus auch weiterhin angebracht.

Paper befindet sich noch in einer frühen Entwicklungsphase, was die limitierte Verfügbarkeit und die ausschließlich englische Sprachversion erklärt. Als Android-Nutzer muss man zumindest in der näheren Zukunft erst mal neidisch auf iPhone-Bildschirme schielen und hoffen, dass das Unternehmen fleißig an der Umsetzung für Googles Mobile-OS arbeitet.

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Daniel Kuhn

Daniel Kuhn

ist Wahl-Berliner mit Leib und Seele und arbeitet von dort aus seit 2010 als Tech-Redakteur. Anfangs noch vollkommen Googles Android OS verfallen, geht der Quereinsteiger und notorische Autodidakt immer stärker den Fragen nach, was wir mit den schicken Mobile-Geräten warum anstellen und wie sicher unsere Daten eigentlich sind.

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