All posts under Medienwandel

Jugendliche surfen vor allem mobil

adv_preis24_handytarife(image by preis24)

Mehr Internet, mehr mobil, mehr Video. Immer mehr Menschen nutzen in Deutschland regelmäßig das Internet. Gerade bei jungen Leuten nutzt fast jeder häufig das Netz – und das überwiegend mit Smartphones. Dies ermittelten das ARD und ZDF in ihrer jährlichen Onlinestudie.

Das Internet gehört inzwischen zu den Deutschen wie der Fernseher oder das Auto. Laut der aktuellen ARD/ZDF-Onlinestudie 2016. 84 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung online. Das sind noch einmal zwei Millionen Internetnutzer mehr als 2015. Täglich verbringen die Deutschen 2:08 Stunden online, das entspricht einem Zuwachs von 20 Minuten gegenüber dem Vorjahr.

Immer häufiger werden dabei Videoinhalte konsumiert. Der Anteil der Menschen, die täglich online Videos ansehen, liegt inzwischen bei 26 Prozent (17,9 Millionen, 14-29-Jährige: 51 Prozent). Dieser Anstieg lässt sich auch mit der steigenden Popularität von YouTube-Stars erklären, gerade bei jüngeren Nutzern. Für viele Jugendliche haben YouTuber wie Dagi Bee oder LeFloid inzwischen einen höheren Stellenwert als die klassischen Stars aus Sport, Musik, Film und Fernsehen.

Bei der jüngeren Bevölkerung  (14- bis 29-Jährige) ist nahezu jeder regelmäßig oder zumindest gelegentlich online. Das Smartphone ist dabei das meist genutzte Gerät für den Internetzugang. 66 Prozent der Deutschen gehen per Mobiltelefon ins Netz – bei den Jüngeren sind es stolze 95 Prozent! Die meiste Zeit wird mit Kommunikation (39 Prozent) und Medien (25 Prozent) verbracht.

Bei der Informationsbeschaffung, Kommunikation und Unterhaltung führt bei vielen kein Weg mehr am Smartphone vorbei / Quelle: shutterstock/oneinchpunch
Bei der Informationsbeschaffung, Kommunikation und Unterhaltung führt bei vielen kein Weg mehr am Smartphone vorbei / Quelle: shutterstock/oneinchpunch

Wichtig: Der richtige Vertrag für die Generation Smombie

Entsprechend wichtig ist die richtige Wahl des Handytarifs. Das Vergleichsportal preis24.de vermittelt Tarife zwischen 6,99 und 49,99 Euro, damit jeder Nutzer das zu seinem Surfverhalten passende Paket findet. Denn wer zum Beispiel mobil viele Videos konsumiert, dürfte nur mit einem der neuen LTE-Verträge und der damit verbundenen hohen Surfgeschwindigkeit wirklich glücklich werden. Wer vor allem telefonieren und gelegentlich Informationen im Internet suchen möchte, ist auch mit einem günstigeren, aber langsameren Tarif zufrieden. 

Für Personen, die unentwegt auf ihr Smartphone starren und die Außenwelt mehr oder weniger ignorieren, gibt es seit einiger Zeit sogar einen eigenen Begriff: Smombies – eine Mischung aus Smartphone und Zombie. Es wurde 2015 zum „Jugendwort des Jahres“ in Deutschland gewählt.

Advertorial – was ist das?


Images by Shutterstock/oneinchpunch


Weiterlesen »

Reeperbahnfestival: Journalismus und die große Freiheit

Reeperbahn @6:46

Auf dem Reeperbahnfestival ging es in diesem Jahr nicht nur um die Musik. Vor allem der Medienwandel im Journalismus und dem Musikgeschäft standen im Vordergrund der Debatten. // von Jenny Genzmer

Hamburg vor drei Wochen. Tanzende Türme, siebter Stock. Es ist 19 Uhr. 12 Autoren haben 12 Stunden, um eine Geschichte zu schreiben. Bei der WriteNight gibt es zwei Regeln: 7 Uhr fertig sein und eine paar Gegenstände einbauen: ein Telefon, eine Streichholzschachtel. Ein Gutschein für die Große Freiheit, rosa Handschellen, ein Flyer für den Molotov-Club. „Fiancée“ hat jemand draufgekritzelt – „Verlobte“. Ich bin gespannt, in welcher Geschichte die Dame auftauchen wird. Denn „Versprochenes“ passt überhaupt nicht zu dieser Veranstaltung.

Weiterlesen »

Weiterlesen »

Memes und die Wissenschaft des viralen Hits

Grumpy Cat (adapted) (Image by Gage Skidmore [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

WHO LET THE DOGS OUT? WHO-WHO-WHO-WHO-WHO? WHO LET THE DOGS OUT?

Falls du jemals den Baha-Men-Hit „Who Let the Dogs Out“ aus dem Jahr 2000 gehört hast, wirst du wahrscheinlich schon die Erfahrung gemacht haben, dass der etwas nervige, aber sehr eingängige Refrain für mehrere Stunden als Ohrwurm in deinem Kopf herumspukte.

Wenn du ihn im Laufe des Tages leise vor dich hingesummt hast, hat dich vielleicht jemand gehört und sich ein paar Minuten später bei dir beschwert, dass du ihm diesen Ohrwurm in den Kopf gesetzt hast. Der Refrain des Songs scheint die Fähigkeit zu besitzen, von einem Gehirn zum nächsten zu springen. Und vielleicht springt er sogar von dem Webbrowser, den du gerade benutzt, auf dein Gehirn über. In der Tat ist es möglich, dass du dir diesen Refrain gerade selbst vorsingst. Etwas Ähnliches geschieht im Internet, wenn Dinge viral werden – scheinbar ohne Sinn und Verstand liken, teilen, retweeten und beschäftigen sich die Leute online mit bestimmten Dingen.

Zum Beispiel wurde ein Foto der sogenannten Grumpy Cat online so oft geteilt, dass es im Jahr 2013 die Auszeichnung der „größten Einzelleistung des Jahres“ erhielt. Die Besitzerin von Grumpy Cat, deren wirklicher Name Tardar Sauce lautet, macht deutlich, dass sie nicht ahnte, dass das ursprünglich auf Reddit gepostete Katzenfoto überhaupt etwas Besonderes wäre.

Aus heiterem Himmel heben einige Social-Media-Aktionen so sehr ab, dass man sie unmöglich ignorieren kann. Im Jahr 2014 erwähnten und teilten mehr als 3 Millionen Menschen innerhalb von weniger als drei Wochen sogenannte #IceBucketChallenge-Videos. Nachdem diese zum viralen Hit wurden, hat die Challenge mehr als 100 Millionen US-Dollar an Spenden für die ALS Association eingebracht. In anderen Fällen jedoch verkümmern Aktionen in den digitalen Medien. Andere lustige Katzenfotos und Challenges werden ignoriert und weder geteilt noch retweetet.

Warum und auf welche Weise unterliegen wir dem Drang, bestimmte kulturelle Elemente wie Songs, Videos, Texte und Bilder zu reproduzieren und zu teilen? Ist es einfach nur Zufall und die Gnade fremder Internetnutzer? Der Grund mag weniger mit Zufall und mehr mit dem kontroversen Themenfeld der Memetik zu tun haben, das sich mit der Frage beschäftigt, wie sich kleine kulturelle Schnipsel unter uns verbreiten.

Als Leiterin des Zentrums für Urheberrechtsgesetze der Drake University Law School habe ich Memes und ihre Beziehung zu viralen Medien untersucht. Man kann die Verbindung zwischen Memetik und der Frage, was bestimmte Medien dazu befähigt, millionenfach geteilt und reproduziert zu werden, kaum ignorieren. Unternehmen und Einzelpersonen täten gut daran, zu verstehen, ob es tatsächlich eine Wissenschaft des viralen Hits gibt und wie diese für Kampagnen genutzt werden kann.

Die Idee von „Memes“ basiert auf Genen

Der Begriff „Memetik“ wurde erstmals von dem Evolutionsbiologen Richard Dawkins in seinem berühmten Buch „Das egoistische Gen“ von 1976 benutzt. Er stellte eine Theorie darüber auf, wie kulturelle Informationen entwickelt und von Mensch zu Mensch übertragen werden. In der Art, wie ein Gen ein individuelles Paket genetischer Information darstellt, so sein Ansatz, ist ein Mem ein ähnliches Paket kultureller Information. Wenn eine Person eine andere imitiert, wird laut Dawkins ein Mem an den Imitator weitergegeben, in ähnlicher Weise, wie etwa blaue Augen durch die Gene von den Eltern an ihre Kinder weitergegeben werden.

Die Memetik stützt sich auf die Theorie der darwinistischen Evolution. Sie legt nahe, dass Meme miteinander konkurrieren, sich reproduzieren und weiterentwickeln, genau wie Gene dies tun. Nur die stärksten überleben. Meme kämpfen also erbittert um Raum und Vorherrschaft in unserem Gehirn und in unserem Verhalten. Diejenigen, die durch weit verbreitete Nachahmung Erfolg erlangt haben, haben sich für die Wiederholung und Kommunikation am besten entwickelt. Ein Mem kann nicht von einzelnen Individuen kontrolliert werden – viele Menschen können dem Mem gleichzeitig als Träger dienen.

Es ist schwierig, genau zu erklären, was alles unter den Begriff „Mem“ fallen könnte. Gewöhnlich stellen Wissenschaftler jedoch fest, dass ein Mem eine Phrase, eine eingängige Melodie oder eine Verhaltensweise sein kann. Dawkins zögerte, den Begriff klar zu definieren, aber er merkte an, dass Melodien, Ideen, eingängige Phrasen, Kleidermoden, sogar auch bestimmte Arten, wie man Töpfe herstellen oder Torbögen bauen kann, Meme sein könnten. Die Memetik legt nahe, dass Meme schon so lange existieren, wie es Menschen auf der Erde gegeben hat.

Eine geläufige Darstellung ist das Speichenrad-Mem. Es geht zurück auf den Philosophen Daniel C. Dennett„Ein Wagen mit Speichenrädern trägt nicht nur Getreide oder Fracht von Ort zu Ort; es trägt auch die geniale Idee eines Speichenradwagens von Geist zu Geist.“ Die erste Person, deren Hirn das Speichenrad-Mem in sich trug, baut einen Speichenradwagen. Andere werden diesen ersten Wagen sehen, dasselbe Mem reproduzieren und mit dem Bauen von Wagen fortfahren, bis es Hunderte, Tausende oder Millionen von Speichenradwagen gibt. In den frühen Tagen der Menschheit konnte sich so ein Mem schnell fortpflanzen, weil man sich in einer Welt befand, in der Alternativen nur selten vorhanden waren.

In der Memetik geht es um mehr als nur die Frage, was eine Sache populär macht. Die stärksten Meme – jene, die sich in den meisten Köpfen reproduzieren – sind verantwortlich für die Entstehung und Entwicklung der menschlichen Kultur.

Vom Geist ins Internet

Heute ist das Internet-Mem, von den meisten Leute mittlerweile einfach Meme genannt, ein kleines Medium, das online kopiert wird und sich schnell verbreitet. Eine der ersten Verwendungen der Idee des Internet-Mems entstand 1994, als Mike Godwin, ein amerikanischer Anwalt und Experte für Internet-Recht, den Begriff „Meme“ benutzte, um die rasche Verbreitung von Ideen im Netz zu charakterisieren. Er hatte festgestellt, dass in unterschiedlichen Newsgroups und virtuellen Communities bestimmte Nutzer, wenn sie unliebsame Kommentare hinterließen, als „nazimäßig“ oder „Hitler-ähnlich“ etikettiert wurden. Godwin nannte dies das Nazi-Vergleichs-Meme. Es tauchte immer und immer wieder auf, in den verschiedensten Arten von Diskussionen mit Nutzern aus aller Welt, und Godwin staunte über die „eigentümliche Unverwüstlichkeit“ des Memes.

Über 20 Jahre später ist das Wort „Meme“ zu einem festen Bestandteil unseres Lexikons geworden und wurde benutzt um alles Mögliche zu beschreiben, von Ermahgerd Girl über Crying Jordan bis hin zu Gangnam Style. In der heutigen Welt hat jedes Meme eine Menge Konkurrenz. Amerikaner verbringen durchschnittlich 11 Stunden pro Tag damit, mithilfe von digitalen Medien zu interagieren. Australier verbringen 10 Stunden pro Tag mit internetfähigen Geräten, während Lateinamerikaner mehr als 12 Stunden täglich mit Medienkonsum verbringen. Rund um die Welt erhalten die Menschen permanent Tausende von Fotos, Videos und andere Nachrichten. Herauszufinden, welche dieser Elemente die meiste Aufmerksamkeit erlangen, könnte für die Entwickler digitaler Inhalte einen erheblichen Vorteil bedeuten.

Memes manipulieren, damit sie viral gehen?

Das Internet-Meme und das wissenschaftliche Mem sind nicht identisch. Das Internet-Meme wird typischerweise bewusst durch die menschliche Erfindungsgabe variiert, während das wissenschaftliche Mem, das eingeführt wurde, bevor sich das Internet durchsetzte, zufällige Veränderungen und exaktes Kopieren beinhaltet. Darüber hinaus sind Internet-Memes beobachtbar dank ihrer Präsenz in den sozialen Medien, während wissenschaftliche Meme (zumindest bis jetzt) nicht beobachtbar sind, weil sie keine physische Form und keine Spuren hinterlassen. Dawkins hat jedoch festgestellt, dass das Internet-Meme und das wissenschaftliche Mem eindeutig verwandt und miteinander verbunden sind.

Was sind die Ursachen dafür, dass sich ein Meme besser verbreitet als das andere? Einige Forscher sagen, dass Memes bestimmte Eigenschaften entwickeln, die „gute Kniffe“ genannt werden, und die ihnen Wettbewerbsvorteile verschaffen, wie zum Beispiel:

  1. wirklich nützlich für einen menschlichen Träger zu sein
  1. für das menschliche Gehirn leicht nachahmbar zu sein und
  1. Fragen zu beantworten, die für das menschliche Gehirn interessant sind.

Zum Ersten: wenn ein Meme wirklich nützlich für Menschen ist, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass es sich verbreitet. Speichenradwagen haben sich schnell verbreitet, weil die frühen Menschen große Mengen von Fracht transportieren mussten.

Zum Zweiten: Memes, die leicht zu kopieren sind, haben einen Wettbewerbsvorteil gegenüber solchen, die es nicht sind – ein eingängiger Refrain wie „WHO LET THE DOGS OUT“ lässt sich leichter rekonstruieren als die Zeilen in U2s Numb, der als einer der am schwierigsten zu verstehenden Popsongs bezeichnet wird.

Zum Dritten: Memes, die drängende Fragen beantworten, werden sich sehr wahrscheinlich verbreiten. Schau dich in einer beliebigen Buchhandlung um und du wirst zahlreiche Bücher über deine Bestimmung im Leben, über die Frage nach dem Sinn des Lebens, oder darüber, wie man schnell und effektiv Gewicht verliert, finden – alles Themen, die für viele Menschen von großem Interesse sind.

Die Memetik legt nahe, dass große Vorteile darin liegen, ein starkes Mem nach Dawkins ursprünglicher Definition mit digitalen und anderen Inhalten zu kombinieren. Wenn es eine wissenschaftliche Erklärung für starke Reproduktion gibt, können Marketing- und Werbestrategien in Verbindung mit starken Memen die Geheimnisse des Teilens und Verbreitens viraler Medien offenlegen.

Die Antwort auf solche Geheimnisse könnte in Songs wie „WHO LET THE DOGS OUT“ liegen. Summst du es schon vor dich hin?

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Grumpy Cat“ by Gage Skidmore (CC BY-SA 2.0)


Weiterlesen »

Scoopa Dopado: Das war das scoopcamp 2016

Am gestrigen Donnerstag fand zum achten Mal das scoopcamp, eine Innovationskonferenz für Medien, statt. Seit 2009 lädt Hamburg@work – und seit 2014 nextMedia.Hamburg – jährlich zusammen mit der Deutschen Presse-Agentur GmbH (dpa) zu dieser Veranstaltung ein. Experten, Entscheider und Innovatoren der IT- und Medienbranche nehmen daran teil, um über Trends und aktuelle Themen an der Schnittstelle zwischen Redaktion, Programmierung und Produktentwicklung zu diskutieren.

jeremy-gilbert
Jeremy Gilbert über die Washington Post (Image by Marina Blecher)

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Preisverleihung des Scoop Awards und Vorträge über die Zukunft des Journalismus. Verena Pausder, Gründerin von Fox and Sheep, Geschäftsführerin der Haba Digitalwerkstatt und Unterstützerin der Plattform Startup Teens, erhielt den Scoop Award 2016 für ihre zahlreichen Projekte, die Kinder und Jugendliche früh mit der Digitalisierung vertraut machen. In ihrer anschließenden Rede forderte sie dazu auf, dass man Kinder stärker in Sachen Digitalisierung fördert. Außerdem plädierte sie für mehr Programmiererinnen. Um dies zu erreichen, sollte man vor allem Mädchen früher mit dem Thema vertraut machen.

Auch die anderen Speaker Assaf Sagy, Vice President of International Markets bei Playbuzz und Jeremy Gilbert, Director of Strategic Innitiatives bei der Washington Post, hielten sehr interessante Vorträge. Gilbert erklärte insbesondere das Erfolgsgeheimnis der Zeitung und betonte, dass es nicht nur einen speziellen Weg gibt, Nachrichten zu konsumieren, sondern dass jeder Nutzer andere Vorstellungen hat. Um diese abzudecken, nutzt die Washington Post sehr viele soziale Netzwerke.

Nach der Mittagspause fand dann die Abstimmung des scoopcamp-Hackathons statt, dieser wurde gemeinsam mit dem next media accelerator und der Hamburg Media School ausgeführt. Zuerst stellten die drei Hackathon-Teams unter der Leitung von Klaus Weinmaier und Meinolf Ellers ihre Projekte vor.
Ellers ist seit 30 Jahren bei der Deutschen Presse-Agentur tätig und engagiert sich bei der Initiative nextMedia.Hamburg. Außerdem ist er Mitglied im Beirat und Dozent des Studiengangs „Digital Journalism“ an der Hamburger Media School, Klaus Weinmaier arbeitete sehr lange bei Östereichs führender Medienplattform derStandard.at, die er 1995 mitgründete. Im Jahr 2013 machte er sich mit der Medien- und Innovationsberatung „The Engagement Lab“ selbständig. Seine Agentur unterstützt Medien und Brands bei der Entwicklung digitaler Strategien und innovativer Produkte. Außerdem ist er Dozent an der Hamburger Media School.

Im Anschluss stimmte dann das Publikum für das beste Konzept ab – zur Wahl standen der News Ninja, der KI Bot James und der Argubot. Gewonnen hat letztendlich Argubot, ein Bot der seinen Nutzern aussagekräftige Argumente zu aktuellen Themen liefert.

Die Gewinner des Hackathon (Image by Marina Blecher)
Die Gewinner des Hackathon (Image by Marina Blecher)

Am Nachmittag fanden dann noch vier Workshops zu den Themen Social Media, Immersive Storytelling, Investigativjournalismus, Datenjournalismus und Produktinnovationen statt.

Am besten gefiel uns der Social Media Workshop mit Niddal Salah-Eldin (Welt), Miriam Richter und Joachim Dreykluft (SHZ). Sie erklärten, wie ihre Redaktion mit Kommentaren umgehen und mit welchen Programmen sie diese verarbeiten.

In dem Workshop Immersive Storytelling ging es um 360°-Videojournalismus. Isabelle Sonnenfeld, Leiterin vom Google News Lab, und Max Boenke von der Berliner Morgenpost, haben einen Einblick in ihre Arbeit gegeben. Außerdem zeigte Max Boenke, was man alles mit 360°-Kameras machen kann und was es für Unterschiede zwischen den Kameras gibt. Beide haben ausführlich erklärt, wofür und wie sie 360°-Videos einsetzen. Zwischendurch haben sie spannende Beispiele gezeigt.

In dem Workshop Investigativjournalismus berichteten Vanessa Wormer und Jan Lukas Strozyk über das Projekt „Panama Papers“. Sie erklärten, was genau die Panama Papers sind und mit welchen Programmen sie an dem Projekt gearbeitet haben. Zum Abschluss fand dann noch ein Panel über die Bedingungen von Medien-Startups mit Richard Gutjahr, Dirk Zeiler, Janos Moldvay, Sigrun Albert und Isabelle Sonnenfeld statt.

Das Abschluss-Panel zu Startups (Image by Marina Blecher)
Das Abschluss-Panel über Medien-Startups (Image by Marina Blecher)

Insgesamt war das scoopcamp eine tolle Veranstaltung mit einem abwechslungsreichen Programm. Die Themen Startups und Innovationen in den Medien zogen sich als roter Faden durch den Tag. Die diesjährige Moderatorin Eva-Maria Lemke hat sehr gut durch das Programm geführt und hatte immer den passenden Spruch auf den Lippen. Das Theater Kehrwieder war eine schöne Location, die uns vor allem durch die Atmosphäre überzeugte und in der schönen Speicherstadt gelegen war. Die Netzpiloten freuen sich, beim nächsten Mal wieder dabeizusein!


Images by Marina Blecher


Weiterlesen »

5 Lesetipps für den 21. Januar

In unseren Lesetipps geht es heute um Jack Dorsey, den Medienwandel, das Ende des Kapitalismus, Technologie und Mensch, sowie Freunde auf Social Media. Ergänzungen erwünscht.

  • JACK DORSEY Mashable: Twitter CEO Jack Dorsey is no longer a billionaire as of today: Persönlich habe ich keine große Meinung von Jack Dorsey als Geschäftsführer und seine Ideen sind mir bei Square eigentlich egal, tun bei Twitter aber natürlich weh. Mehr als 140 Zeichen, wirklich? Die zurzeit viel diskutierten Kurseinbrüche beider Firmen an den Aktienmärkten sind ihm aber wahrscheinlich egal, denn ich glaube, dass Geld ihm nicht so wichtig sind. Spannender ist der Hinweis von Seth Fiegerman, warum Dorsey sich den doppelten Stress antut: er selbst sieht sich in einer Reihe mit Steve Jobs und Elon Musk.

  • MEDIENWANDEL Medium: Untangling the Web: Papier gab schon immer die Grenzen einer Zeitung vor, denn nur eine bestimmte Menge an Nachrichten kann in einer Ausagbe gedruckt werden. Das Internet hat diese physische Begrenzung aufgehoben, viele Medien sind aber noch sehr printorientiert fokussiert. João Paulo macht sich in seinem Blogpost auf Medium.com am Beispiel der New York Times Gedanken, wie eine Zeitung in Zukunft organisiert werden kann.

  • KAPITALISMUS ABC Radio National: The threat Uber poses to competition and productive capitalism: Das Taxi-Gewerbe meckert ja gerne über Uber, das die traditionellen Ideen von Personenbeförderung mächtig durcheinander wirbelt. Antony Funnell geht der Frage nach, ober die Disruption predigenden Technologiefirmen vielleicht mehr als nur ein Gewerbe verändern, sondern Kapitalismus an sich verändern (bis zerstören). Denn die Regulierung umgehenden bzw. einfach überrollenden Firmen greifen den Kern des Kapitalismus an, die Existenz von funktionierenden Märkten. Ein spannender Gedanken, wieviel Disruption und Monopole der Kapitalismus vertragen kann.

  • TECHNOLOGIE CBS News: The mobile phone of the future will be implanted in your head: Erik Brynjolfsson vom MIT nennt es das zweite Maschinenzeitalter. Computer sind immer mehr dazu in der Lage, auch mit uns als menschliche Maschine zusammenzuarbeiten. Im Kopf eingebaute Smartphones, so dass wir per Gedankensteuerung ein Telefonat beginnen können, sind nur eine Idee. Wesentlich wichtiger, denn wer telefoniert heute schon, sind beispielsweise mit dem 3D-Drucker gemachte Ersatzorgane.

  • SOCIAL MEDIA ABC News: 150 is the limit of real friends on social media: Was im Analogen gilt, dass man nicht mehr als 150 bis 200 Freunde haben kann bzw. Kontakte, die man regelmäßig trifft, gilt auch fürs Digitale. Und Freunde sollte man auch mal persönlich treffen, trotz Facebook und Twitter. Trotzdem haben wir oft mehr Kontakte, Leute die man einmal getroffen hat, die einem folgen, weil man den gleichen Beruf nach geht oder Freunde von Freunde (oft auch nur Kontakte von Kontakten). Als eine bekannte oder öffentliche Person bzw. Organisation folgen einem natürlich auch Fans, die man natürlich auch nicht mit Freunden verwechseln sollte. Aber jetzt mal zur grundlegenden Frage: Wer von euren Facebook-Kontakten sind auch eure Freunde?

CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

Nutze Netzpiloten 1-Klick: Mit nur einem Klick werden dir bequem alle 40 Sekunden die hier besprochenen Seiten „vorgeblättert“ START.

Weiterlesen »

Spot on Snapchat: Wall Street Journal jetzt bei Snapchat dabei

Snapchat (adapted) (Image by AdamPrzezdziek [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Das Wall Street Journal gibt es jetzt auch bei Snapchat. Liegt die Zukunft der Zeitungen in den Apps der nächsten Generation? Das Journal ist neben der Tatsache, dass es jetzt als erste US-Zeitung bei Snapchat gelistet ist, auch noch die erste businessorientierte Veröffentlichung, die ein sehr junges Publikum anspricht. Für eine Tageszeitung mit einer 126-jährigen Tradition ist das durchaus bemerkenswert. Das Journal ist somit der neunzehnte Herausgeber, der einen Kanal beim “Snapchat U.S. Discover Wednesday” bekommen hat. Es ist die erste US-amerikanische Zeitung, noch dazu eine Wirtschaftszeitung, die auf der Plattform erhältlich ist (und sogar erst die zweite Zeitung überhaupt – die britische Daily Mail ist dort ebenfalls zu finden).

Das Snapchat-Team des Wall Street Journals besteht aus fünf Leuten, die an jedem Wochentag acht Artikel posten, teilt Recode mit. Bisher sieht der Snapchat-Inhalt des Journals so aus, dass es auf ein Publikum ausgelegt ist, welches älter und ernsthafter ist als das Publikum der anderen Herausgeber. Unter den Angeboten von vor ein paar Tagen findet sich eine Geschichte darüber, was man von der CES 2016 erwarten kann, eine Geschichte über die steigende Durchschnittsmiete für US-Apartments und eine Kategorie mit Angeberwissen, welche besagt, dass das Gehalt der letzten Absolventengeneration gestiegen ist.

Laut comScore waren im März 2015 45 Prozent der Snapchat-Besucher zwischen 18 und 24 Jahre alt – Benutzer unter 18 Jahren werden gar nicht erst erfasst, also lassen diese Zahlen die vielen Benutzer aus, welche sich in oder kurz vor dem Teenageralter befinden. Um es anders zu sagen, viele Menschen die sich diesen Inhalt ansehen sind nicht mal ansatzweise in der Lage, einen Universitätsabschluss zu erlangen (oder sogar einen Abschluss der weiterführenden Schule), oder sich eine eigene Wohnung mieten zu können.

Snapchat denkt wohl, dass das etwas Gutes ist. “Ein 19-jähriger Teenager weiß vielleicht nicht, was der US-Iran-Deal sein soll, aber wenn er oder sie diese Fakten durch Snapchat mitbekommt, wo er sich ohnehin den ganzen Tag aufhält, so empfinde ich das als eine soziale und gute Sache”, sagt der Snapchat-News-Chef Peter Hamby im vergangenen Herbst. (In diesem Fall bezog er sich auf Snapchats Live-Stories-Funktion. Man kann durch einen Wisch nach links auf dem Kamera-Screen der App zu den Live Stories und den Entdeckungen kommen.)

Dabei handelt es sich um eine Langzeit-Wette, meint Carla Zanoni, Leitende Medienredakteurin des Journals. Die über 100 Millionen Benutzer von Snapchat sollen “die Grundwerte unserer aktuellen Leser teilen… wir hoffen, dass wir eine lange Beziehung mit ihnen führen werden, schrieb Zanoni mir in einer Email.

Zanoni sagte, dass die Pläne des Journals für Snapchat folgendes beinhalten: “Ein Mix aus Kernberichterstattung, wie Märkte, Business und Weltnachrichten, zudem Themen wie Luxus und Lifestyle. Wir glauben, dass das den perfekten Inhalt für die Plattform darstellen wird.” Sie fügte hinzu: “Als wir verstanden haben, dass wir hier unsere legendären getupften Bilder hier weiter nutzen können, wussten wir, dass dieses Format gut zu uns passt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) “Snapchat” by Adam Przezdziek (CC BY-SA 2.0)


 

Weiterlesen »

Die Podcasting-Szene wird explodieren

Podcasting (adapted) (Image by Nicolas Solop [CC BY 2.0] via flickr)

Einige Medienanalytiker sehen eine Blase, die kurz davor ist, zu platzen; andere sehen schrittweises Wachstum in Bezug auf Podcasting. Ich sehe etwas Radikaleres: Einen vollständigen Regimewechsel in der Audioszene. Na endlich! ­“Medienfirmen werden das Anpassen ihrer Franchise an Podcasts fortführen, Agenturen werden Handelsmarken zur Erschaffung neuer Shows befähigen, Podcasting-Netzwerke werden neue akustische Experimente entwickeln und immer mehr Unabhängige werden in den unterschiedlichsten Bereichen erscheinen.”

Im Augenblick dominiert das Radio. Dieses nimmt 52 Prozent des gesamten audiovisuellen Konsums der Erde ein; Satelliten weitere acht Prozent. Insgesamt umfassen diese beiden 74 Prozent aller Audio-Einnahmen (Musikstreaming und Downloads machen einen Großteil des Rests aus.)

Doch sie versagen. Sie versagen bei der User-Experience und sie versagen als Content-Quelle.

Das Satellitenradio versagt hierbei ganz besonders. Es besitzt ein beschämendes Interface, der Großteil der Inhalte ist grauenvoll und es kostet auch noch Geld. Es ist das schlimmste kostenpflichtige Format. (SiriusXM verdient unerklärlicherweise $4.2 Milliarden im Jahr.) Wenn es denn überhaupt jemals eine Branche bereit für den Zusammenbruch gab…

Aber bevor wir uns von in wildeste Prophezeiungen stürzen, honorieren wir das Offensichtliche: Das Vorhersagen des Wachstums von Podcasting ist eine Geschichte so alt wie Odin, oder zumindest wie Odeo. Und nach Jahren hoffnungsvoller Vermutungen, umfasst Podcasting gerade mal zwei Prozent des gesamten Audiokonsums. Aber drei Faktoren – alle relativ neu – werden das Podcasting massenkompatibel gestalten:

  • Besseres Erlebnis. Eine der guten Dinge am Radio ist die Tatsache, dass, wenn du ins Auto steigst, “es einfach funktioniert”. Aber jetzt, da sich mobile Geräte ganz unkompliziert mit Bluetooth-fähigen Autos verbinden können, ist der Nutzeffekt des Radios vermindert. Außerdem bieten eine Reihe von Podcasting Apps ihren Nutzern diverse Wiedergabeoptionen, welche wiederum weitere Innovationen und verbesserte Verfahren für den Nutzer vorantreibt.

  • Besserer Content. Als der Podcast ‘Serial’ zum Ende des letzten Jahres 3,5 Millionen Downloads pro Folge angesammelt hatte, wurde “Was ist dein Lieblingspodcast?” ein bekannter Gesprächseinstieg, welcher Netzwerke wie Gimlet und Panoply dazu angetrieben hat weitere hochwertige Shows zu produzieren. Beinahe über Nacht wurde die zu hohe Anzahl guter Shows zum Hauptproblem der Podcasts.

  • Besseres Einkommen. Selbst mittelgroße Podcasts können über 20 bis 50 US-Dollar pro CPM (Berechnungseinheit pro Tausend Hörer) für einen 60-Sekunden-Spot verfügen. (Radio greift weniger als 2 bis 10 US-Dollar pro CPM.) Einige der vielen Gründe hierfür sind: Qualität des Contents, Begehrtheit der Audienz, Vertrautheit der Werbungen.

Podcasting ist nun bereit, das alternde Radio endlich hinunterzuschlingen. Durch überragendes Programmieren wird ein besseres Erlebnis zu geringeren Kosten geboten, es gibt keinen Grund dafür, dass Podcasting das Satellitenradio nicht überholen sollte. Dies wird überraschend schnell geschehen.

Lehnt man sich ein wenig aus dem Fenster, lassen sich einige spezielle Prognosen definieren:

  • HBO wird Bill Simmons für den Aufbau eines neuen Mediennetzwerks nutzen. Der größte Teil des Einkommens von Grantland lässt sich von Podcast Netzwerken ableiten, welche langsam von HBO wiederhergestellt werden. Eines der größten medialen Mysterien ist die Frage, welche Form seine neue HBO-Website annehmen wird. Ich erwarte etwas, das weniger wie das textlastige Grantland und mehr wie eine medienfixierte Plattform aussehen wird.

  • Serial wird neue Rekorde brechen. Mit Hilfe von Echtzeit-Eilmeldungen wird das Publikum des neuen Serial noch größer als bei der ersten Staffel sein.

  • Gimlet Media werden eine Salve neuer Shows einführen. Einige werden scheitern, aber das gehört dazu. Zum Ende des Jahres wird das Netzwerk die iTunes Charts anführen. Innerhalb von zwei Jahren wird das Unternehmen eine Wertung von $100 haben.

  • Einkommensmöglichkeiten werden steigen. Derzeit sind Mailchimp und Squarespace wie die DraftKings und FanDuel des Podcastings – sie beherrschen die Szenerie auffallend. Doch hochqualitative Marken klopfenan die Tür, um hochqualitative Podcasts zu sponsern. Denn die Nachfrage ist immer noch groß, und die riesigen Downloadraten werden nicht sinken. Es wird aber eine vielfältigere Kultur an Werbungstreibenden entstehen.

  • Howard Stern wird der “Loser”-Revolution beitreten. Viele Experten sagten – fälschlicherweise voraus, dass Howard Stern seinen SiriusXM-Vertrag nicht erneuern wird, in der Hoffnung, er könnte stattdessen zu Spotify, Netflix oder Apple Music wechseln. (Ein weiteres Zeichen für die Antipathie gegenüber Sattelitenradios: Diese Prognose war mehr eine gewünschte Massenprojektion denn tatsächliche Wahrsagerei.) Aber dies ist nicht passiert – oder doch? Falls du es noch nicht bemerkt hast, die Howard Stern-Show wurde von Youtube und Soundcloud still und heimlich verbannt- nach Jahren von quasi illegalen Accounts. (Ich sage “quasi”, da es sich verdächtig nach eigens erstellten Usernamen anhört.) “Podcasts”, sagte Howard Stern in diesem Jahr, “erwecken seine alte Rolle des anstößigen Radiomoderatoren” und “sind für Loser”. Aber das sind klassische Stern-Ausreden – seine Show wurde bereits zum Podcast.

  • Podcasting wird sterben- aber es entwickelt sich weiter. Es ist wahr, Podcasting im Jahr 2015 ist wie Bloggen im Jahr 2004. Und Bloggen ist auch nicht gestorben, sondern wurde Zum Maß aller Dinge. Das Podcasting wird eine ähnliche Entwicklung durchleben. Allerdings wird das mit so viel Anpassung geschehen, dass “Podcasting” als Begriff nicht mehr eindeutig und als Form allgegenwärtig wird. Die traditionellen Silos der Medienindustrie nehmen bereits Form an, mit neuen Unternehmen welche die Analytik, den Vertrieb, die Produktion und die Werbung gut zu handhaben scheinen. Sei bereit für die Entstehung von mehr “Studios” und “Netzwerken”.

  • Content-Quellen werden sich vermehren und sie werden überraschen. In einem Jahr voller Highlights, zu welchen das Interview von Marc Maron mit Barack Obama in seiner Garage, dem sogenannten “GE Podcast Theater” mit dem Hit “The Message” und einer Beteiligungskapitalfirma, welche einen der besten Podcasts des Jahres produzierte, zählen, können wir noch einiges von unbekannten Themen und Orten erwarten. Medienfirmen werden das Anpassen ihrer Franchises an Podcasts fortführen, Agenturen werden Handelsmarken zur Erschaffung neuer Shows befähigen, Podcasting-Netzwerke werden neue akustische Experimente entwickeln und immer mehr Unabhängige werden in den unterschiedlichsten Bereichen erscheinen.

Das wird ein gutes Jahr zum Zuhören.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) “Podcasting” by Nicolas Solop (CC BY 2.0)


 

Weiterlesen »

Was der Guardian von seinem Live-Chat mit WhatsApp lernte

WhatsApp iOS (adapted) (Image by Álvaro Ibáñez [CC BY 2.0] via flickr)

Als Teil von seinem Mobile Innovation Lab berichtete der Guardian von der GOP-Debatte mit der beliebten Chat-App WhatsApp. Die republikanische Präsidentschaftsdebatte vor Weihnachten war von zwei Konfrontationen geprägt: Marco Rubio und Ted Cruz diskutierten über Immigration und ISIS, während Donald Trump und Jeb Bush darüber stritten, ob Trump ein „Chaos-Kandidat“ sei. Die Reporter Sabrina Siddiqui und Paul Lewis schreiben von Las Vegas aus für den britischen Guardian und berichteten, dass Trump und Bush „kaum über das Niveau einer Spielplatzstreiterei darüber, wer der stärkste war, herauskamen“, während Rubio und Cruz mit „einer Serie von feurigen Austauschen“ beschäftigt waren.

Adam Gabbatt, ein Guardian-Reporter, der über die Chat-App WhatsApp als ein Teil eines Experiments mit dem Mobile Innovation Lab des Guardians berichtete, wählte einen anderen Blickwinkel, um die Konfrontationen zu beschreiben: „Hier ist eine Nachstellung der Streitereien auf der Bühne“, schrieb Gabbat im Chat.

Der WhatsApp-Chat des Guardians war eines der ersten Experimente, die das Mobile Innovation Lab ausführte, das im Herbst 2015 gegründet wurde. Das Ziel des Experiments war, herauszufinden wie der Guardian in einer Chat-App über ein Event berichten könnte und wie es sich anfühlt, WhatsApp als eine Plattform für Neuigkeiten zu benutzen, sagte Sasha Koren, Leiter des Labs.

Die gesprächige Natur der Plattform war sowohl für die Teilnehmer, als auch für Gabbat ein Highlight, der sagte, dass er die Mischung zwischen der Ernsthaftigkeit politischer Debatten und unbeschwerten Momenten sehr genossen hat – wie z.B. die Nachstellung der Debatte mit Stockpuppen. Er sagte, dass er die Rückmeldung der Teilnehmer schätze, die aufmerksame Fragen stellten, Scherze machten und ihn gelegentlich sogar verbesserten.

Es fühlte sich an, als würde ich mit meinen Freunden reden. Ich benutze WhatsApp sowieso viel, um mit Leuten in diesem Land und Leuten Zuhause zu sprechen. Da ich nicht auf der Guardian-Website war, die nicht ewig im Internet sein wird, fühlte es sich so an, als könne ich mich entspannen und reden, als würde ich ganz normal reden – ein paar weniger Schimpfwörter, aber generell fühlte ich mich entspannt.

Gabbatt sandte während der Debatte 62 Nachrichten und obwohl er davon ausging, dass die meisten Teilnehmer die Debatte auch im Fernsehen schauen würden, versuchte er den Chat so zu strukturieren, dass auch Leute, die die Übertragung nicht anschauten, informiert waren. „Man kommentierte was passierte und erwartete, dass Leute das wussten, aber ich habe versucht das so zu machen, dass man es auch versteht wenn man nicht dabei war“, sagte er.

Wenn du es nicht angeschaut hättest, würdest du das meiste durch den WhatsApp-Überblick nicht verstehen, aber durch den Live-Blog. In meinem Kopf dachte ich: ‚Hey, wir gucken das alle zusammen, lasst uns Spaß damit haben.’ Es waren nicht nur Witze. Ich war nicht auf der Bühne, um Stand-Up-Comedy zu machen, aber ich hatte das Gefühl, dass man mehr Spaß haben kann, wenn man es nochmal auf einem zweiten Bildschirm sieht.

Der Guardian nutzte eine WhatsApp-Broadcast-Liste um den Chat abzuhalten. Broadcast-Listen machen es den Teilnehmern möglich, Nachrichten an viele Kontakte gleichzeitig zu senden. Diejenigen, die die Nachrichten erhalten, können aber nur demjenigen antworten, der die Originalnachricht geschickt hat. Deshalb berichtete Gabbat während des Chats den Zuschauern regelmäßig, was die einzelnen Teilnehmer ihm schrieben.

WhatsApp setzt ein Limit von 256 Teilnehmern pro Broadcast-Liste, daher limitierte der Guardian die Anzahl der Leute, die am Chat teilnehmen konnten. Senior-Produktmanagerin Sarah Schmalbach sagte, dass die Debatte nicht so vertraulich gewesen wäre, wenn Gabbat mehrere Broadcast-Listen genutzt hätte.

Andere Firmen nutzten WhatsApp, um Benutzerdaten zu sammeln oder um Informationen so zu senden wie man Push-Mitteilungen senden würde. Schmalbach verwies auf Globe And Mail, die diesen Herbst per WhatsApp Neuigkeiten über die kanadischen Wahlen an mehr als 1.700 Abonnenten verschickten.

Das ist ein bisschen einfacher zu messen, weil man nur eine Nachricht an alle schickt, die sich angemeldet haben. Man muss keine Konversation leiten oder ein Gespräch unter vier Augen mit dem Endnutzer führen. Was das hier wirklich anders und interessant gemacht hat und warum wir die Teilnehmerzahl auf höchstens 256 Leute reguliert haben, war die Tatsache, dass wir genug Zeit haben wollten, um Antworten von Nutzern zu lesen und wenn möglich zu antworten.

Der Guardian begann zwei Tage vor der Debatte mit einem Post auf der Website für den WhatsApp-Chat zu werben. Der Chat war nicht am Limit seiner Leistung als die Debatte startete, aber die Live-Blogger des Guardians empfahlen sie ihren Lesern im Live-Blog und am Ende versuchten über 400 Leute, am Chat teilzunehmen.

WhatsApp ist nicht wirklich für das Veröffentlichen von Nachrichten gedacht und Koren sagte, dass diese Tatsache es schwierig machte, den Chat zu ermöglichen. Andere Nachrichtenorganisationen fanden es ebenfalls schwierig, WhatsApp zu nutzen um große Menschenmengen zu erreichen und Koren erklärte, dass Nutzer frustriert seien, wenn sie nicht einfach miteinander chatten könnten. „Es war wirklich schwierig zu verwirklichen“, sagte sie. „Das Programm macht es schwer Leute auszuschließen und hinzuzufügen. Während Adam chattete, arbeiteten Sarah und ich daran und es war wirklich kompliziert, den Überblick über die Antworten und Anfragen der Leute zu behalten.

Zwar wird das Lab WhatsApp in Zukunft wohl nicht mehr verwenden, plant aber weiterhin mit Chat-Apps und anderen Formen zu experimentieren, die es ermöglichen, live auf Smartphones zu berichten. Das Mobile Innovation Lab ist ein zweijähriges Projekt, das durch einen Zuschuss über 2,6 Millionen US-Dollar von der Knight Foundation finanziert wird. (Nieman Lab und The Guardian sind Partner und teilen die Ergebnisse, Nieman Lab bekommt ebenfalls Finanzierungen von der Knight Foundation.)

Basierend auf den Resultaten einer Umfrage, die das Lab nach der Debatte durchführte, scheinen Nutzer an dieser Art der Handy-fokussierten Live-Berichterstattung durchaus interessiert, wie Schmalbach erklärt:

Menschen mögen kurze kleine Videos, wie das von Adams nachgestellter Szene“, sagte Schmalbach. „Sie mögen Bilder. Sie mögen GIFs. Sie mögen es zu wissen wo wir sind und was wir machen. Das sind Anwendungen, die Chat-Apps übersteigen. Es gibt ein Verlangen nach dieser Art von Möglichkeit, über Sportereignisse, Events auf dem roten Teppich und weitere live zu berichten. Eher als das Experiment zu wiederholen, eröffnet es drei, vier oder fünf weitere Möglichkeiten für alle Arten von Plattformen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „WhatsApp / iOS“ by Álvaro Ibáñez (CC BY 2.0)


Weiterlesen »

Produktmanagement ist der neue Journalismus

Pulse (adapted) (Image by Johan Larsson [CC BY 2.0] via flickr)

Das Gestalten von Medienprodukten ist grundlegend für die journalistische Arbeit. Leider wird das bisher nicht von allen als Journalismus angesehen. Im Jahr 2016 werden Medienunternehmen und Journalistenschulen anfangen, Produktmanagement zu verstehen, zu definieren und es als maßgeblichen Karriereweg zu akzeptieren, der durchaus Kritik beinhaltet. Sollten Leute in dieser Funktion nicht darauf trainiert werden, die erzählerische, ethische und juristische Denkweise eines Medienschaffenden anzunehmen?

Im Journalismus sind neue Rollen entstanden, die die digitalen Produkte unterstützen und Daten und Verbindlichkeiten integrieren soll. Jeder, der sich mit Internet- und Mobilentwicklung auskennt, wurde aufgerufen, sich an der Gestaltung von besonderen Projektseiten, Appentwicklung und der Weiterentwicklung von interaktiven Benutzeroberflächen zu beteiligen.

Die meisten Gestalter dieser Medienprodukte wurden bisher nicht als Journalisten angesehen und wurden größtenteils von der Fachwelt und der Forschung ignoriert. Diese Stellen im Produktmanagement werden oft einfach als technischer Support betrachtet, und nicht als grundlegend für die journalistische Arbeit, die daraus entsteht. Doch diese öffentlich zugänglichen Produkte helfen dabei, neue Zielgruppen zu erschließen und bieten Möglichkeiten der Teilnahme, Mitwirkung und Interaktion mit den Medien.

Das publikumsnahe Wesen dieser technischen Produkte macht sie genauso zu einer Art ‘Journalismus’ wie traditionelle Artikel. Und jene, die in den Teams arbeiten, die diese Produkte entwickeln, fällen oft redaktionelle Urteile und Entscheidungen. Im Jahr 2016 werden Medienunternehmen und Journalistenschulen anfangen, Produktmanagement zu verstehen, zu definieren und es als maßgeblichen Karriereweg zu akzeptieren, der durchaus Kritik beinhaltet.

Sollten Leute in dieser Funktion nicht darauf trainiert werden, die erzählerische, ethische und juristische Denkweise eines Medienschaffenden anzunehmen? Wie sieht der Markt für Personen aus, die sehr technisch versiert und medienverständig sind? Wie können wir diese Denkweise in den journalistischen Lehrplan integrieren?

Nehmen wir beispielsweise den Fall, dass man Sharing-Icons für Social Media auf seine Webseite integriert. Dieser Umstand erfordert jemanden, der die spezielle Funktionalität versteht, der entscheiden kann, welche Seiten repräsentiert werden sollen, und der weiß, was der Nutzer auf der jeweiligen Seite tun und die Interaktion zwischen dem Unternehmen und dem Inhalt planen kann. Die Daten, die mit dieser Funktion verknüpft sind, müssen gesammelt und verstanden werden, und der Stellenwert dieser Tätigkeit muss in die allgemeine Social-Media-Strategie des Unternehmens eingegliedert werden.

Hier ist noch ein weiteres Beispiel: Bei der Entwicklung von datengesteuerten Nachrichten-Applikationen müssen Entscheidungen darüber getroffen werden, wie die App genutzt wird, wie der Nutzer die Präsentation individuell anpassen kann und welche Daten und Inhalte dargestellt werden. Diese Aufgaben gehen weit darüber hinaus, einfach nur eine Webseite zu programmieren. Werden diese Entscheidungen immer von Personen getroffen, die die journalistische Mission und Ethik verstehen? Oder lagern Nachrichtenportale diese Aufgaben oft aus und hoffen schlichtweg das Beste?

Es ist offensichtlich, dass die Funktion des Produktmanagement durch die Ausbreitung von technischen Produkten der Nachrichtenunternehmen erfüllt wird. Aber die speziellen Elemente dieser Aufgaben sind unklar und nur schwammig definiert. Die Kombination aus Strategie, Führungsqualitäten, Kommunikation und Technologie wird eine begehrte Kompetenz werden.

Im kommenden Jahr werden Medienunternehmen versuchen, diese entstehenden Aufgaben besser zu verstehen und die journalistischen Fähigkeiten berücksichtigen, die bei Entscheidungen bezüglich technischer Produkte eine Rolle spielen sollten, insbesondere in Bezug auf die bürgerliche und demokratische Teilnahme der Leserschaft.

Journalistische Ausbilder sollten also anfangen, Themen zum Management von Medienprodukten und Medienbindung in ihre Kurse aufzunehmen. Sie sollten auch über eine mögliche Lehrplanänderung und die fakultätsinterne Einstellung nachdenken, die wichtig für die Unterstützung der Vorbereitung dieser Aufgaben ist.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) “Pulse” by Johan Larsson (CC BY 2.0)


 

Weiterlesen »

Eine Studie gliedert und analysiert Podcasting-Geschäftsmodelle

Mikrophon (Teaser_ martinsandofer [CC0 Public Domain], via Pixabay)

Podcasting war ein Trend des Jahres 2015. Das Tow Center For Digital Journalism hat die Geschäftsmodelle verschiedener Podcasts genauer analysiert.

Im Jahr 2015 gab es immer wieder Neuigkeiten über Podcasts – wenn man sich aber die besagten Nachrichten genauer durchliest, ist es schwierig, größere Trends auszumachen. Deshalb ist der Bericht des Mitglieds des Tow Center for Digital Journalism, Vanessa Quirk, so wertvoll. Der Bericht befasst sich mit aktuellen Geschäftsmodellen in der Podcasting-Industrie, indem er diese in Verbindung mit seiner Geschichte und einer coolen, interaktiven Chronik bringt.

Quirks Bericht ist besonders nützlich bei der Gliederung und Analyse von Geschäftsmodellen, die von verschieden Podcast-Formen verwendet werden. Einige dieser Modelle führt sie in dem Abschnitt “Operating Philosophies” am Ende des Berichts auf. Der Bericht kann hier nachgelesen werden.

Es sind keine “festen und schnelllebigen” Kategorien, schreibt Quirk, sondern “allgemeine Philosophien, die Wege beeinflussen, wie Podcasts Umsätze erzielen und Umsatzströme priorisieren”.

Universell: Erreiche jeden, den du erreichen kannst.

Beispiele: This American Life, New York Public Radio, Intelligence Squared.

Wir wollen keine Bezahlschranke vor dem tatsächlichen Inhalt, da das nicht unserer Idee entspricht, den Inhalt an das größtmögliche Publikum heranzubringen”, zitiert Quirk den Betriebsvorstand bei This American Life, Seth Lind. Universal-Podcasts verfolgen eine Reihe unterschiedlicher Umsatzströme, einschließlich des direkten Supports und Stiftungspreise, “vertrauen aber stark auf sowohl statische als auch dynamische Werbung.”

Premium: Stelle eine Beziehung zum Publikum her.

Beispiele: Gimlet Media, Earwolf (Howl), Slate (Slate Plus), 99% Invisible

Podcasts und Netzwerke in dieser Kategorie zielen darauf ab, die Beziehung mit dem ihrem Publikum zu kultivieren und die “Premium-Erfahrungen” zu steigern. Die Podcasts selbst können kostenlos angehört werden, es wird aber zu Spenden und Abonnements ermutigt.

“Die Mehrheit derjenigen, die Slate Plus beitreten, sind Podcast-Hörer”, erklärt Andy Bowers, Content Manager der Panoply Media Group. “Sie können VIP-Tickets zu Live-Shows bekommen und die Gastgeber dort treffen. Das sind unsere Hardcore-Fans.” Quirk fügt hinzu, dass “Podcasts, die auf diese Weise ohne Abonnements arbeiten (vielleicht, weil sie zudem nach einer universellen Philosophie handeln), stark auf Live-Events und Crowdfunding-Kampagnen setzen, um die Hörerschaft zu vergrößern und das Gemeinschaftsgefühl zu stärken.

Wertbeitrag: Verändere deinen Inhalt/deine Marke.

Beispiele: BuzzFeed, Audible (deutschsprachige Version), Panoply (Podcasts schaffen Wert für die Publikationspartner)

Nach diesem Modell “werden Podcasts als Möglichkeit gesehen, Werte sowohl für die Konsumenten als auch die Netzwerk-Marke zu schaffen. Die Hörspielfirma Audible zum Beispiel baut derzeit eine Sammlung hochwertiger Originalinhalte auf, um das Angebot für seine Nutzer zu vergrößern.

Jenna Weiss-Berman, Vorstand des Audio-Bereichs von BuzzFeed, erklärt Quirk, warum BuzzFeeds Podcasts nicht unbedingt viral gehen müssen:

Wir versuchen nicht, 10 Millionen Zuhörer zu bekommen. Wir haben Dinge auf unserer Seite, die ganz einfach 10 Millionen Klicks bekommen. Wir versuchen etwas zu tun, das zeigt, dass BuzzFeed vielseitig ist. Wir versuchen weiter zu gehen… Darin ist BuzzFeed erfolgreich – Dinge, die eine Menge Geld einbringen, subventionieren die Dinge, die weniger lukrativ sind.

Der komplette Bericht kann hier eingesehen werden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf NiemanLab unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image “Mikrophon” by martinsandofer (CC0 Public Domain)


Weiterlesen »

5 Lesetipps für den 16. Dezember

In unseren Lesetipps geht es heute um den Datenschutz in Europa, Hass im Netz, Künstliche Intelligenz von Facebook, Terrorismus und den Podcast-Trend. Ergänzungen erwünscht.

  • DATENSCHUTZ Zeit Online: Gleicher Datenschutz für alle: Habemus EU-Datenschutzgrundverordnung. Also fast, denn der gestern Abend per Pressemitteilung präsentierte Kompromiss muss noch vom EU-Ministerrat und dem EU-Parlament angenommen werden, was an sich als Formalie gilt, aber halt auch noch zu Änderungen führen könnten. Man wird sehen, vor allem was dieses für Brüssel fast schon typische Kompromisspapier taugt. Zum einen werden die Nutzer in einigen Rechten egstärkt, zum anderen könnte die Wirtschaft gehemmt werden.

  • HATE SPEECH Süddeutsche.de: Facebook-Nutzer sollen nur noch 24 Stunden hetzen dürfe: Es ist Aktionismus, wie ihn nur die Politik und an der Börse notierte Unternehmen als Erfolg verkaufen können: Die Bundesregierung möchte mit den großen Internet-Firmen und anderen Akteuren zusammen etwas gegen Hass-Kommentare unternehmen. Innerhalb von 24 Stunden sollen demnächst Hass-Tiraden und Drohungen gelöscht werden. Das grundlegende Probleme löst dies nicht, nur die Wahrnehmung. Sogenanntes Hate Speech ist älter als das Netz und hat seine Ursachen in der Gesellschaft, nicht dem Internet.

  • KÜNSTLICHE INTELLIGENZ Ars Technica: Facebook’s open-sourcing of AI hardware is the start of the deep-learning revolution: Facebook veröffentlicht die vom Unternehmen entwickelte Hardware für Künstliche Intelligenz unter open source und führt die Technologien damit heraus aus den Forschungslaboren auf die nächste Ebene der Produktentwicklung. Auf Ars Technica sieht Steven Max Patersson darin einen großen Meilenstein in der Entwicklung von Maschinenlernen, denn Facebooks Entscheidung ermöglicht Kooperationen, die aufeinander aufbauen und somit die Entwicklung weiter vorantreiben als dies ein Unternehmen alleine geschafft hätte.

  • TERRORISMUS Vox: The problem at the heart of Saudi Arabia’s Muslim anti-ISIS coalition: Max Fisher arbeitet in seinem Artikel für Vox.com einen sehr wichtigen Punkt heraus, wenn es um die politischen Koalitionen gegen den Terrorismus geht: sie allen funktionieren innerhalb des von ISIS selbst gesetzten Narrativs und vor allem das diktatorische Saudi-Arabien scheint den Punkt der IS-Terroristen eines „falschen Islams“ wie kein anderes Land zu bestätigen, denn die Alternative zu den Terroristen soll eine Diktatur darstellen. Was sich Diplomaten und Wirtschaftspolitiker auf der ganzen Welt noch schön reden können, funktioniert einfach nicht als die Menschen gegen Terrorismus vereinende Erzählung.

  • PODCAST Nieman Journalism Lab: The podcasting scene will explode: Zum Jahresende holen die meisten Medien ihre Glaskugel raus und versuchen sich in Vorhersagen fürs neue Jahr. Die meisten Aussagen kann man getrost vergessen, da es entweder sowieso anders kommt oder es ihnen einfach an Relevanz fehlt. Eine Ausnahmen könnte der Text des Medienberaters Rex Sorgatz sein, der zwar nur einen schon oft besprochenen Trend vorhersagt, diesen aber ausgezeichnet begründet. Nächstes Jahr werden Podcasts ein ganz neues Level erreichen.

CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

Nutze Netzpiloten 1-Klick: Mit nur einem Klick werden dir bequem alle 40 Sekunden die hier besprochenen Seiten „vorgeblättert“ START.

Weiterlesen »

Storyful verwandelt Slack in eine Erweiterung seines Dienstes

Storyful_SLack_Image (image adapted by Tobias Schwarz)

Die Nutzung der Messaging-Anwendung Slack boomt. Das Unternehmen gibt an, es habe 1,25 Millionen tägliche Nutzer, eine Verzehnfachung in nur einem Jahr, und allerlei Nachrichtenagenturen – von der New York Times bis zu uns hier beim Nieman Lab – verwenden Slack. Storyful, die Social Media nutzende Nachrichtenagentur, ist dabei keine Ausnahme. Im Besitz der News Corp hat Storyful seinen Hauptsitz in Dublin, hat aber auch Firmensitze in New York, Hong Kong und Sydney, und es verwendet Slack, um über die Zeitzonen hinweg in Kontakt zu bleiben.

Anfang diesen Jahres war eine Gruppe Angestellter von Storyful in einer Bar, als sie zu der Erkenntnis gelangten, dass sie Slack für einen anderen Zweck verwenden könnten: Um Kunden Inhalte zu übermitteln.

“Es verpackt Inhalte in ein sehr nützliches vorgefertigtes Benachrichtigungsformat”, sagte Storyful Produktleiterin Alexandra Pressland. “Es gibt nichts, was sie noch machen müssen, denn sie haben es schon auf ihren Desktops und ihren Mobiltelefonen.

SlackStoryful11

 Storyful, das 2013 von der News Corp gekauft wurde, verwendet eine Mischung aus Software und einem Team von Journalisten, um Videos und Social-Media-Inhalte zu finden, zu verifizieren und zu lizensieren. Obwohl Storyful unlängst durch das Arbeiten mit Marken und die Hervorhebung von viralen Inhalten expandiert hat, bleiben Eilmeldungen das Kerngeschäft.

Das Unternehmen verteilt Inhalte mittels ihrer Nachrichtendienst-Plattform, doch es hat auch andere Mittel, wie etwa einen geschlossenen Twitter-Account, um Kunden auf Eilnachrichten oder Inhalte, die Storyful verifizieren konnte, aufmerksam zu machen. Die Integration von Slack ist eine weitere Möglichkeit für das Unternehmen, um mit seinen Kunden zu interagieren.

In Zusammenarbeit mit dem Entwickler Jon Hope hat das Unternehmen die Integration in etwa einem Monat erstellt und eine kleine Anzahl von Storyful-Klienten, einschließlich des Wall Street Journals, Mashable und AJ+, ersucht, um den Dienst zu testen.

Brian Ries, Mashables Echtzeit-Nachrichtenredakteur, sagte, dass so gut wie alle von Mashables Eilmeldungen von Slack ausgeführt werden. Mashable hat Bots eingerichtet, größtenteils RSS verwendend, die hereinkommende Nachrichten von der Associated Press, Reuters, Breaking News und anderen in einen dafür gedachten Slack-Kanal senden.

“Es hat den Entdeckungsprozess vollkommen optimiert und Storyfuls Inhalte viel näher zu unserem redaktionellen Arbeitsfluss gebracht”, erzählte mir Ries in einer E-Mail.

Zuvor war es auf ein Dashboard verwiesen, das von mir verlangte, mich anzumelden und nach Inhalten zu suchen, was ich selten tue – wir haben ein System errichtet, das uns meistens auf Neuigkeiten aufmerksam macht, über die wir Bescheid wissen sollten. Das bedeutet, dass wir weit mehr Angebote von Storyful sehen und nie eine Gelegenheit oder einen Bericht verpassen.

Storyful erstellte dieses Tool, um sich mit Slack zu verbinden, unter Verwendung von OAuth, welches Nutzern die Integration genehmigen lässt, auf die gleiche Weise, wie wenn sie einer Applikation Zugriff auf deren Facebook- oder Twitter-Accounts gewähren würden. Nutzer können dann den Slack-Kanal wählen, in dem sie ihre Updates zugestellt haben wollen und ebenso wählen, über welche Themen sie News-Updates erhalten wollen.

StoryfulSlackIntegration

Nutzer können jeden beliebigen Kanal, den sie abonnieren, in Storyfuls Nachrichtendienst nehmen – wie etwa virale Nachrichten, das Wetter oder eine Berichterstattung über die Wahl 2016 – und diesen Output in Slack integrieren. An dieser Stelle ist auch zu sagen, dass nur manche Videos, die Storyful in Slack teilt, tatsächlich innerhalb des Tools anschaubar sind.

Aufgrund der Art und Weise, wie Slack funktioniert, bekommen Nutzer eine Benachrichtigung für jeden Bericht, den Storyful sendet. Unabhängig davon ist, ob sie sich für diesen Bericht interessieren oder nicht, wenn sie sich dafür entscheiden, den Storyful-Bot zu einem Kanal hinzuzufügen, in dem sie Benachrichtigungen erhalten können. Doch sobald die Integration von Slack jenseits der ursprünglichen Tester auf den Markt gebracht wird, plant Storyful, weitere Funktionalität hinzuzufügen.

Storyfuls Ziel ist es, mehr differenzierte Angebote zu ermöglichen – beispielsweise könnte es Nutzern die Möglichkeit geben, spezifische Themen oder Nachrichtenmeldungen zu abonnieren, die an einem bestimmten Tag trenden. Und Pressland sagte, das Unternehmen arbeite gemeinsam mit Slack an Wegen, verbesserte Analytik oder bessere Benachrichtigungen zu integrieren.

“Falls es, zum Beispiel einen riesigen Eilmeldungsvorfall gibt, könnten wir einen Slack-Abonnenten ermutigen wollen, dieser [bestimmten Meldung] zu folgen”, sagte sie. “Slack arbeitet mit uns, um herauszufinden, wie man dies hinbekommt.

Storyful sucht außerdem einen Weg für die eigenen Angestellten, über die App mit Kunden zu chatten. “Das erste Anzeichen, dass wir von unseren Kunden bekommen ist, dass dies ein wirklich bedeutendes Tool für sie sein wird”, sagte sie.

Eines von Storyfuls Zielen mit der Slack-Integration ist es, mehrere Menschen in Nachrichtenabteilungen jener Art der Arbeit auszusetzen, die Storyful verrichtet. Pressland sagte, sie sei hoffnungsvoll, dass Menschen, die nicht auf Storyfuls eigenen Nachrichtendienstservice zugreifen mögen, es auf Slack sehen werden, nachdem sie ohnehin schon so viel Zeit dort verbringen.

Es ist in meinem Interesse, dass eine große Menge Leute Zugriff auf diese Inhalte haben, sagt sie. Es wird keinen besseren Weg für mich geben, dies zu tun, als sich Slack zunutze zu machen. Das Schöne dabei ist, dass es nicht so auffällig ist, denn die Organisationen selbst sind es, welche die Kanäle errichten, in die die Inhalte kommen.

Da Storyfuls Geschäft darauf aufgebaut ist, für die eigenen Kunden nützlich zu sein, erklärt Pressland, dass Storyful letztlich die eigenen Dienste zusätzlich zu Slack mit anderen weitverbreiteten Nachrichtentools verflechten möchte; welche dafür in Frage kommen, möchte sie jedoch nicht sagen.

Wir sind sehr darauf fokussiert, unsere Inhalte dorthin zu bekommen, wo es am einfachsten für unsere Kunden ist, sie zu konsumieren”, sagte Alexandra Pressland.

Dieser Artikel erschien zuerst auf  “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Teaser & Image by Storyful and Slack, combined by Tobias Schwarz


CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

Weiterlesen »

Schöne neue Zukunft im Journalismus?

tech-startup-computer-matrix (Image by Tumisu (CC0) via Pixabay)

Ist der traditionelle Journalismus tot? US-amerikanische Journalisten und Programmierer zeigen, welche neuen Wege der Journalismus gehen kann. Journalismus fusioniert immer mehr mit Technik. Das ist vor allem im Online-Journalismus sichtbar, geht aber weit darüber hinaus. Viele US-amerikanische Journalisten, Programmierer und Webdesigner glauben, dass die Zukunft der Branche in einer Kombination von Journalismus und Technik liegt. Sie zeichnen eine neue Welt der unbegrenzten technischen Möglichkeiten für den Journalismus der Zukunft.


Warum ist das wichtig? Journalismus beeinflusst, wie Menschen Informationen aufnehmen, verarbeiten und interpretieren. Neue interdisziplinäre und interaktive Wege im Journalismus könnten auch unsere Wahrnehmung von Informationen komplett verändern.

  • Eine bisher unbekannte Vielfalt an verschiedenen Disziplinen wie Forscher, Webdesigner, Programmierer, Code-Experten sowie Redakteure kommen zusammen, um gemeinsam journalistische Inhalte aufzubereiten.

  • Informationen werden nicht mehr linear, sondern können nun durch neue Technologien visuell dargestellt werden. Komplexe Sachverhalte können so im Journalismus einfacher präsentiert werden.

  • Nachrichtenleser bekommen eine aktivere Rolle – anstatt Nachrichten nur zu passiv zu konsumieren, können sie mit den neuen journalistischen Formen die Daten selbst nachvollziehen und interpretieren.


Der Nachrichtenjournalismus ist tot, es lebe der Datenjournalismus – das verkündete vor Kurzem das Laboratorium der New York Times. Daran sind drei Dinge interessant. Zum Einen: Die Voraussage, dass Journalismus in seiner klassischen Form der Nachrichtenberichterstattung ausgedient hat. Zum Zweiten: Die New York Times beschäftigt ein eigenes Laboratorium, das sich mit Fragen zur Zukunft des Journalismus befasst. Zum Dritten: Die New York Times hat ein Laboratorium! Die Zeichen im Journalismus stehen auf Forschung, Entdeckung und vor allem Umbruch. Alle Regeln, die bisher galten, werden in Frage gestellt, neu interpretiert, überworfen. Kein Wunder, dass eine der größten Tageszeitungen der Welt in der Zukunft im Journalismus auch ganz vorne mitspielen will.

Doch wie sieht diese Zukunft aus? Wenn es nach dem NYT Lab geht, sind klassische Artikel out. Lineares Lesen gehört zur 1.0 Generation. Im Kommen sind dagegen interaktive Artikel sowie Algorithmen, die selbst Links und Zusammenhänge zwischen Artikeln erkennen. Das NYT Lab träumt von einer Welt, in der Journalisten nicht mehr selbst mühsam Links suchen und einbetten und alte Zusammenhänge in jedem Artikel neu aufrollen müssen. Das könnten Computer viel besser: “Es wäre ja schließlich auch Unsinn, wenn jedes Mal, wenn etwas neues in Syrien passiert, Wikipedia einen neuen Syrien-Artikel verfassen würde.”

Eine Graphik sagt mehr als tausend Worte

Mit diesen Ideen steht die New York Times nicht alleine da. Auch die Finanzpublikation Bloomberg vertraut immer mehr auf Codes, wenn es um das Schreiben von Artikeln geht.

Graph-Bloomberg-650x442-Screenshot

NYT-Yield-Graph-650x380-Screenshot

Insgesamt sehen viele Journalisten die Zukunft der Branche in Codes und Algorithmen. So behauptet etwa der US-amerikanische Forscher Daniel Miller, dass Programmierer und Code-Experten die neuen Helden im Journalismus sind. Komplexe Zusammenhänge können viel einfacher in interaktiven Graphiken erklärt werden. Themen, vor denen Journalisten bisher zurückgeschreckt sind, weil sie einfach zu umständlich zu erklären waren, können jetzt mit Codes und D3 Technologie ganz einfach in verständliche Graphiken gepackt werden.

NYT-Migration-650x490-Screenshot

Diese Graphiken sehen nicht nur viel schicker aus als ein klassisches Balkendiagramm, sie erlauben es den Lesern auch, eigene Rückschlüsse zu ziehen. Die Daten werden mit wenigen Worten anschaulich präsentiert und die Leser stellen ihre eigenen Fragen und finden selbst Antworten dazu. Diese neue Form der Darstellung im Journalismus nennt sich Explorable Explorations (etwa: erkundbare Erforschungen).

Polygraph-Hip-Hop-650x350-Screenshot

Dabei beschränkt sich dieser codierte Journalismus nicht nur auf Graphiken und Darstellungsformen. Zeitungen wie die L.A. Times experimentieren etwa schon seit Jahren damit, Algorithmen ganze Artikel selbst schreiben zu lassen. Diese neue Form des Datenjournalismus ist das genaue Gegenteil vom klassischen Nachrichtenjournalismus, in dem Redakteure die Informationen für die Leser aufbereiten und interpretieren.

Hier haben die Leser die Macht. Sie haben einen direkten Zugriff auf die Daten und können die Informationen selbst analysieren und deuten. Ein eindrucksvolles Beispiel, wie ein solcher interaktiver, multimedialer Artikel der Zukunft aussehen könnte, liefert der U.S. TV-Sender Frontline. Hier werden in einem Artikel über ein verlorenes Notizbuch Bilder mit Tönen vereint, historische Dokumente können virtuell durchgeblättert werden, Leser können entscheiden, welches Kapitel sie interessiert und worüber sie mehr erfahren möchten.

Die Zukunft ist bunt

Doch das scheint erst der Anfang zu sein. Ganze Denkschulen widmen sich derzeit in den USA der Zukunft des Journalismus. So will etwa das Nieman Lab, der prestigeträchtige Journalisten Think Tank der U.S. Eliteuniversität Harvard, nicht auf die Zukunft im Journalismus warten, sondern diese selbst miterfinden.

Im Nieman Visiting Fellowship werden junge Denker aus aller Welt eingeladen, um neue Wege im Journalismus auszukundschaften. Die Teilnehmer sollen dabei bewusst nicht nur Journalisten sein, sondern aus allen Bereichen und aus allen Ländern dieser Welt kommen. Von Programmierern über Künstler bis hin zu Architekten, sind alle Interessierten eingeladen, sich über neue Konzepte und Ideen auszutauschen und so den Journalismus neu zu gestalten.

Momentan scheinen all diese Entwicklungen vorwiegend in den USA abzulaufen. In Deutschland werden mit 3D Artikeln erste zögerliche Versuche gewagt, den Journalismus mit den neuen Möglichkeiten der Technik weiter auszuloten. Vielleicht ist hier einfach mehr Experimentierfreude gefragt, denn das Internet und die Weiterentwicklung von Technologien bieten Journalisten bereits jetzt viele neue, bisher unbekannte Möglichkeiten, um mit Darstellungsformen und interdisziplinären Arbeitsweisen zu experimentieren. Denn eines ist klar, welche Form der Journalismus der Zukunft auch annimmt, er ist auf jeden Fall bunt.


Teaser & Image “tech-startup-computer-matrix” by Tumisu (CC0).


Weiterlesen »

Man sollte nicht unterschätzen, wie oft Artikel via SMS geteilt werden

the silent one (adapted) (Image by frankieleon [CC BY 2.0] via Flickr)

Mit der News-App von BuzzFeed teilen Nutzer Artikel viel öfters via SMS als über Facebook oder Twitter. Bereits im letzten Herbst prophezeite Jamie Mottram, vom Unternehmen Gannett, in einer Zusammenstellung von journalistischen Vorhersagen für 2015 auf Niemanlab.org, eine Steigerung der Nutzung des Teilens von Informationen via SMS. Er zitierte dazu, welche Auswirkung der SMS-Share-Button auf seiner Sporthomepage FortheWin hatte.

 

Hier und da habe ich gesehen, dass ein paar weitere SMS-Share-Buttons aufgetaucht sind, aber es scheint unklar inwieweit sie sich für Traffic sorgen (Dark Social!). Also fragte ich eine Nachrichten-Organisation, die sich mit dem sozialen Bereich auskennt – BuzzFeed – was sie für Erfahrungen mit ihrer App gemacht haben.

BuzzFeed News steckt mehr Sorgfalt in ihre Erfahrung über das Teilen als andere, indem sie attraktive Story Cards entwerfen, wie beispielsweise eine zur Verwendung via SMS (zudem auch für andere Plattformen).

Ich habe Stacy-Marie Ishmael von BuzzFeed gefragt, ob sie Information darüber hat, welche Optionen zum Verbreiten am meisten verwendet werden. Ich denke, dass wenn man zwischen Facebook, Twitter und SMS entscheiden soll. Der übliche Gedanke ist, dass Facebook am populärsten ist (der Goliath!), Twitter darauf folgt (was alle Journalisten nutzen!) und SMS auf dem dritten Platz zu finden ist.

Aber es ist genau das Gegenteil:

(Man bemerke auch, dass Reading List vor Pocket und Instapaper gelistet ist. Außerdem wird die klassische Email nach wie vor stark verwendet.) Oft haben wir über den Aufstieg von Chat-Apps als Verbreitungsplattform geschrieben (Snapchat, WhatsApp, WeChat, Line, Kakao, Kik, etc.), was auch zutrifft. Aber man sollte die bescheidene SMS nicht vergessen. Wenn man es seinen Lesern einfacher macht via SMS vom Mobiltelefon zu teilen, werden sie das Angebot sicherlich wahrnehmen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) “the silent one” by frankieleon (CC BY 2.0)


 

Weiterlesen »

Nach Gutenberg: Journalismus muss Sprachgrenzen überwinden

Frontera Chile-Bolivia, Hito Cajo?n (4480 m) (adapted) (Image by Nico Kaiser [CC BY 2.0] via Flickr)

In einer globalisierten Welt stellen Sprachgrenzen die letzten Barrieren der Kommunikation dar. Besonders im Journalismus sind diese Hürden unsinnig, doch der Wandel fängt hier erst an. Wir wissen in Deutschland viel über die neuesten Innovationen in den USA, wie die Huffington Post, Buzzfeed & Co. den Medienwandel vorantreiben und sind gespannt auf die Pläne des Amazon-Gründer Jeff Bezos mit der Washington Post. Außerhalb des englischen Sprachraums kennen wir uns aber kaum aus, was vor allem an den fehlenden Sprachkenntnissen liegt. Doch auch in Brasilien, Polen und Schweden wird der Medienwandel vorangetrieben. Es wird Zeit über den sprachlichen Tellerrand zu schauen.

In einem unbekannten Land

Gazeta Wyborcza” – auf Deutsch “Wahlzeitung”, ist die größte überregionale polnische Tageszeitung und entstand als Ergebnis der Beratungen des Runden Tisches während der politischen Wende im Frühjahr 1989. Ein Stück polnischer Geschichte, ein Stück der medialen Zukunft in Europa. Wenn die Zeitung nicht nur Medienexperten bekannt wäre, doch die auf Polnisch erscheinende Tageszeitung ist hierzulande relativ unbekannt. Dabei lässt sich von ihr vieles Lernen.

Die Gründe für die Schaffung dieser Zeitung sind zwar schon lange Vergangenheit, doch noch immer ist die Gazeta Wyborcza eines der wenigen Medien in Polen, dem die Bürger vertrauen und das sich eine gewisse moralische Unabhängigkeit bewahrt hat. Die Zeitung traut sich noch eine Position zu und für andere Meinungen eine Plattform zu sein. 2010 hatte sich das Blatt zum Ziel gesetzt, 10.000 Ärzte durch die Berichterstattung darin zu schulen, menschlicher mit den Patienten umzugehen. Motto der Zeitung ist: „Uns ist nicht alles egal“. Solche Artikelserien werden stark bei den Lesern beworben, die pointierte, präzise und auch unterhaltsame Berichterstattung über Missstände kommt gut an und hat zum Teil Züge von Sozial-Kampagne. Für seine Reportagen ist die Zeitung berühmt.

Grzegorz Piechota, der Sonderbeauftragte für Neue Medien bei der Gazeta Wyborcza, dessen Büro gleich neben dem von Chefredakteur Adam Michnik ist, erklärte dazu in einem Interview im Deutschlandfunk: “Wir von der Gazeta glauben, dass Zeitungen eine größere Aufgabe haben, als nur Nachrichten zu verbreiten: Wir sind ein Baustein im demokratischen System und tragen Verantwortung für diese Gesellschaft. Wenn wir also der Meinung sind, dass beispielsweise das polnische Gesundheitssystem marode ist, tun wir etwas, um das zu ändern.” Wann haben Sie das letzte Mal von einer deutschen Zeitung gedacht, dass diese Verantwortung für unsere Gesellschaft übernimmt? Wann hat das jemand mal laut gefordert?

Be of the web, not on the web

Um Sprachgrenzen zu überwinden ist Mut gefragt, in Zeiten der globalen Vernetzung durch das Internet aber auch ein Verständnis für die neuen Möglichkeiten. Buzzfeed hat dieses Verständnis schon oft bewiesen. Die von Jonah Peretti gegründete Nachrichtenplattform ist keine Übersetzung der analogen Presse in das Digitale, sie ist durch und durch digital. Deshalb mag die Lösung des Problems mit den Sprachbarrieren im Journalismus beeindrucken und verwundern, aber nicht das Buzzfeed sie gefunden hat. Die Sprachschüler der Duolingo-Lernapp in Stücke zerlegte Artikel als Teil ihrer Aufgaben übersetzen zu lassen ist der ultimativste Schritt die Möglichkeiten des vernetzten Miteinanders im Rahmen neuer Lern- und Arbeitswelten zu nutzen.

Digitales Lernen ermöglicht orts- und zeitunabhängig sich fortzubilden. Bei den Aufgaben in den Duolingo-Übungen stellen die Übersetzungen aber nur ein Nebenprodukt dar, dass bisher kaum genutzt wurde. Die Arbeit der Schüler sinnvoll einzusetzen war das Ziel von Duolingo-Gründer Luis von Ahn, der schon einmal soviel Weitsicht bewies und in ähnlichen digitalen Gefilden wie Peretti denkt. Ahn hat die Captchas erfunden, die etwas verzerrt dargestellten Buchstaben im Anmeldebereich von Websites, mit denen menschliche Nutzer von Bots unterschieden werden. Auch diese Tipparbeit war vergebene Mühe. Bis Ahn für die Identifizierung der Captchas Buchstaben aus eingescannten Büchern nahm. Mit reCaptcha konnten gescannte Bücher schnell digitalisiert werden. Google kaufte das Unternehmen 2009 und digitalisiert damit rund zwei Millionen Bücher im Jahr.

Die Zukunft liegt hinter dem Tellerrand

Das Beispiel der Gazeta Wyborcza ist ein Plädoyer für den mutigen Blick in andere Richtungen. Nicht jede Innovation muss aus dem Silicon Valley kommen und gerade im Journalismus lohnt sich der Blick auf andere Medien in anderen Ländern. Ein so konservativer und einmaliger Zeitungsmarkt wie der deutsche Markt kann davon noch viel lernen. Überhaupt sollten Medien mehr Mut beweisen, neue Sachen auszuprobieren. Dabei muss aber die Ausgangslage ein Verständnis für das Digitale sein. Das etwas wie reCaptcha nicht im Heimatland von Goethe und Schiller erfunden wurde, in dem man heute noch stolz auf seine riesigen Bibliotheken ist, zeugt von der Innovationsfeindlichkeit und digitalen Rückständigkeit in diesem Land. Aber auch der Regionalität unserer Medien. Auch die Süddeutsche Zeitung und die Frankfurter Allgemeine Zeitung sind im Zeitalter des Internets nicht mehr als deutschsprachige Regionalpresse, die selten über den eigenen Tellerrand schauen. Dabei würde mehr Offenheit für internationale Entwicklungen und eine Beteiligung daran nützlich sein. Für uns und für andere.


Dieser Beitrag ist in der Netzpiloten-Kolumne zum Medienwandel „Nach Gutenberg“ erschienen.


Image (adapted) „Frontera Chile-Bolivia, Hito Cajo?n (4.480 m)“ by Nico Kaiser (CC BY 2.0)


 

Weiterlesen »

5 Lesetipps für den 8. Oktober 2015

In unseren Lesetipps geht es heute um die New York Times, das neue Design von Medium, Safe Harbor, Nachrichten für die Zukunft und ein Journalist unter Anklage. Ergänzungen erwünscht.

  • NEW YORK TIMES Nieman Lab: 4 takeaways from The New York Times’ new digital strategy memo: Gestern hat die New York Times das ambitionierte Ziel ausgegeben, den Umsatz von 400 Millionen US-Dollar aus dem Jahr 2014 bis zum Jahr 2020 zu verdoppeln. Der Geschäftsführer der Tageszeitung, Mark Thompson, hat zusammen mit anderen Führungskräften ein Memo veröffentlicht, das verrät, wie das gelingen soll. Joseph Lichterman hat daraus vier Lektionen extrahiert, die auch für andere Medien zukunftsweisend sein könnten.

  • MEDIUM The Next Web: Medium revamps on desktop and mobile, complete with logo redesign: Inzwischen sieht Facebooks Blogging-Funktion Notes aus wie Medium. Kein Wunder, denn Facebook hat das dafür verantwortliche Design-Team aufgekauft. Jetzt zieht Medium nach und ändert sein Design. Auf einer Veranstaltung in San Francisco hat Mediuem-Gründer Ev Williams das neue Design und einige neue Funktionen vorgestellt. Nutzer können beispielsweise jetzt untereinander kommunizieren, eine API gibt Verlegern neue Möglichkeiten Medium zu nutzen und die Blogging-Plattform hat seine mobilen Apps für iOS und Android verbessert.

  • SAFE HARBOR Digiday: What the EU’s safe harbor verdict means for platforms, brands… and you: Mit dem Urteil des Europäischen Gerichtshof vom Dienstag, dass das Datenschutzabkommen der Europäischen Kommission mit den USA, Safe Harbor, das Unternehmen ermöglicht, personenbezogene Daten in Übereinstimmung mit der europäischen Datenschutzrichtlinie aus einem Land der Europäischen Union in die USA zu übermitteln, keinen ausreichenden Schutz ermöglicht, ist ungewiss wie es weitergeht. Lucinda Southern listet die wichtigsten Fragen auf und versucht sie zu beantworten.

  • ZUKUNFT Vox: 7 messages to people 500 years in the future… and beyond: Die Zeit ist eine Barriere, die sich nur schwer überwinden lässt. Die Menschen im antiken Ägypten haben es beispielsweise mit den Pyramiden geschafft, auch noch heutzutage ein präsentes Zeichen gesetzt zu haben. Diese Motivation ist ungebrochen, wie eine interessante Auflistung von Phil Edwards zeigt. Auch heute noch gibt es Versuche, durch Erfindungen, Kunstprojekte und Statements eine Nachricht in die Zukunft zu schicken.

  • ANONYMOUS Ars Technica: Journalist linked to Anonymous found guilty of 3 federal counts of hacking: Dem US-amerikanischen Journalisten Matthew Keys drohen bis zu 25 Jahre Gefängnis für die vermeintliche Zusammenarbeit mit dem Hacker- und Aktivistenkollektiv Anonymous. Das FBI beschuldigt ihn, die Zugangsdaten zu einem Nachrichtennetzwerk preisgegeben zu haben, zu dem unter anderen die Los Angeles Times gehört, so dass Anonymous-Mitglieder Inhalte auf Webseiten ändern konnten. Laut Keys stimmt das aber nicht, denn zu der Zeit arbeitete er gar nicht mehr bei dem Unternehmen. Er vermutet, dass das FBI sch rächen will, weil der über Anonymous recherchierende Journalist nicht kooperieren wollte.

CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

Nutze Netzpiloten 1-Klick: Mit nur einem Klick werden dir bequem alle 40 Sekunden die hier besprochenen Seiten „vorgeblättert“ START.

Weiterlesen »

Wie funktioniert der Journalismus am Handgelenk?

Apple Watch (Image: Sandro Schroeder)

Als die Apple Watch angekündigt wurde, haben nicht nur viele Medien den Hype mitgetragen – sondern sind auch direkt mit eigenen Nachrichten-Apps für die Smartwatch angetreten. Wie sehen die Konzepte aus und wie gut funktionieren die News am Handgelenk? Zwei Herangehensweisen kristallisieren sich bei den Medien heraus. Erstens, die Pflichtversion: Die Watch-App deckt einfach den Kanal “Smartwatch” ab und dient als Filterwerkzeug, mit dem der Nutzer sich hauptsächlich seine Artikel für das Smartphone vorsortieren kann. Zweitens, die spannende Kür: Die App versucht mit angepassten Inhalten der Smartwatch-Nutzung gerecht zu werden und zeitgleich die Verbindung zur Smartphone-App herzustellen.

Ein weiterer Nachrichtenkanal

Allen Nachrichten-Apps gemein: Die Push-Benachrichtigungen funktionieren anstandslos. Außerdem gilt auch das grundsätzliche Konzept aller Anwendungen auf der Apple Watch: Die Uhr spielt dem Smartphone zu. Alle Medien-Apps bieten dafür das Handoff-Feature an: Ist ein Artikel auf der Watch geöffnet, wird auf dem Sperrbildschirm des iPhone das entsprechende App-Symbol angezeigt. Durch Hochstreichen lässt sich dann die Komplettversion des Artikels auf dem Smartphone öffnen.

Die Ladezeiten beim Öffnen sind bei nahezu allen Apps noch immer eine Spur zu lang. Besonders beim Starten der App dreht sich der Ladekreis unangenehm lang. Ein grundsätzliches Problem der Watch, denn die eigentliche Arbeit macht das iPhone – und die Inhalte müssen dann erstmal an die Uhr übertragen werden. Trotzdem gibt es unter den Apps einen (gefühlten, nicht gestoppten) Spitzenreiter: Die minimalistische App des Guardian. Die meisten Watch-Apps setzen auf weißen Text auf schwarzem Grund, das ist angenehm für den Kontrast –und spart stromfressende weiße Pixel.

Die Pflicht: Zeit Online, Süddeutsche Zeitung

Die Süddeutsche Zeitung hat sich gegen den allgemeinen Trend zum dunklen Hintergrund entschieden und bietet stattdessen schwarzen Text auf weißem Grund. Die Schriftart ist sowohl die kleinste als auch schmalste – und damit die größte Herausforderung für die Augen. In Sachen Lesbarkeit hinkt die schlichte App der SZ damit klar hinterher. Mit einem Tippen auf das Stern-Symbol unten rechts lassen sich Artikel für die iPhone-App vormerken. Mit einem festen Druck aufs Display (Force Touch) kann der Kompakt-Modus aktiviert werden, dann werden nur noch die Bilder und Überschriften angezeigt.

Die Watch-App von Zeit Online ist ebenfalls relativ unspektakulär gehalten und erfüllt ihre Aufgabe relativ leidenschaftslos: Den Ausspielweg Apple Watch abdecken und auf die iPhone-App verweisen. Bei einigen Artikeln fehlt das Artikel-Bild, die Force Touch-Geste wird gar nicht unterstützt. Stattdessen findet sich am Ende jedes der zehn Artikel der Hinweis auf die Handoff-Funktion: “Sie können diesen Artikel jetzt auf Ihrem Smartphone lesen”.

Im Mittelfeld: Spiegel Online, Buzzfeed News

Die App von Spiegel Online bietet als eine der wenigen Watch-Apps den Nutzern eine echte Wahlmöglichkeit, welche Inhalte sie sehen möchten. Beim Öffnen der App lassen sich entweder das Wichtigste, das Neueste oder die Leser-Favoriten anzeigen. Die App kann sich die Auswahl entweder dauerhaft merken oder bei jedem Öffnen erneut abfragen. Danach zeigt sich die App in der gewohnten Spiegel-Online-Optik aus breitformatigem Artikelbild, roter Themen-Überschrift und kurzem Teasertext.

Buzzfeed News hat sich bei seiner App für einen endlosen und vertikalen Nachrichten-Stream entschieden, der stark an die Watch-App von Twitter erinnert. Wird auf die einzelnen Nachrichten getippt, gibt es den selben Inhalt noch einmal: Nur mit den zusätzlichen Möglichkeiten, den Text in die Lese-Liste aufzunehmen und dem Thema (z.B. US Politics) nicht mehr zu folgen. Ähnlich wie bei den Push-Benachrichtigungen der Smartphone-App setzt Buzzfeed damit auf personalisierte Inhalte.

Die Kür: New York Times, The Guardian

Die New York Times hat sich bei ihrer schlichten Watch-App ein Ziel gesetzt: “Den Nutzer auf den Nachrichtenstand zu bringen, bevor ihr Arm müde wird.” Und das gelingt der New York Times mit den One-Sentence-Stories: Die Ultrakurz-Nachrichten haben noch weniger Zeichen als ein Tweet. Dabei werden keine Artikel-Überschriften kopiert, sondern Nachrichten auf die Quintessenz komprimiert. Viele One-Sentence-Stories passen somit vollständig auf das 38 Millimeter kleine Display – und können somit ohne scrollen gelesen werden. Die Ein-Satz-Geschichten entsprechen am ehesten der realistischen Watch-Nutzung im Alltag. Und wer mehr braucht, kann das Smartphone rausholen. Acht bunt gemischte Themen geben den Überblick, dann ist Schluss.

Das Watch-Konzept beim britischen The Guardian ist das mutigste: Statt viel Auswahl und Überblick zu bieten, entscheidet die App sich jedes Mal für genau einen Artikel, der bei jedem Öffnen der App gewechselt wird. Kein Scrollen, kein Wischen.

 

Dafür hat das Visuelle beim Guardian mehr Aufmerksamkeit bekommen: Stärker als bei anderen Apps weiß der Nutzer, wo er gerade liest: Die Optik der App hält sich mit dem Farbschema und Layout sehr nah an der Guardian-Optik – und hebt sich damit angenehm vom üblichen Watch-Schema “Weißer Text auf schwarzem Grund” ab, ohne an Lesbarkeit einzubüßen. Außerdem ist die Guardian-App die Einzige, die Werbung ausspielt – beispielsweise einen schmalen Ebay-Banner über den Empfehlungen am Wochenende.

Das Fazit:

Die Journalismus-Apps auf der Apple Watch zeigen deutlich, wie unterschiedlich die Medien das Potenzial und die Bedeutung der Apple Watch einschätzen. Dem Nutzer begegnet momentan die ganze Bandbreite: Von sehr schlichten bis zu sehr aufwendigen, durchdachten Anwendungen. Auch ein halbes Jahr nach Veröffentlichung steht aber noch nicht fest, inwiefern die Smartwatch aus Cupertino überhaupt Verbreitung findet und damit ein relevanter Kanal für die Medienhäuser wird. Somit steht ebenfalls noch aus, ob die schlichten Apps im Vergleich negativ auffallen oder sich die aufwendig entwickelten Watch-Apps tatsächlich lohnen werden.


Teaser & Images by Sandro Schroeder


CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

Weiterlesen »

Field Of Vision: Dokumentarfilmkunst als Online-Journalismus

Field Of Vision

Eine Plattform für Filmemacher will die Produktion dokumentarischer Formate flexibilisieren und visuellen Journalismus neu erfinden. Mit dabei: Laura Poitras. Der von Ebay-Gründer Pierre Omidyar finanzierte Projektzusammenhang First Look Media experimentiert seit einiger Zeit mit unterschiedlichen Online-Formaten: Nach dem investigativen Magazin The Intercept um Glenn Greenwald und dem Team von reported.ly um Andy Carvin, das Beiträge aus sozialen Medien kuratiert, geht es nun um nicht-fiktionale Filme als Medium kritischer Berichterstattung. Auch für dieses Vorhaben steht wieder eine prominente Persönlichkeit, nämlich die für die Snowden-Doku Citizenfour mit dem Oscar ausgezeichnete Laura Poitras.

Geleitet wird Field Of Vision von einem dreiköpfigen Team: Neben Poitras gehört dazu der Filmemacher A.J. Schnack, der etwa Dokumentationen über Musiker gedreht hat (zum Beispiel “Kurt Cobain: About a Son”) und Charlotte Cook, die bis vor kurzem beim Dokumentarfilmfestival in Toronto tätig war.

In einem Interview haben die drei Verantwortlichen ausführlich über ihre konzeptionelle Vision Auskunft gegeben. Grundlegend dafür ist das Selbstverständnis als “filmmaker-driven platform”, die als Aufführungsort für Produktionen fungiert, welche auch anderweitig etwa auf Festivals oder im TV gezeigt werden können.

Insofern ist Field Of Vision aber nicht als Online-Outlet zur Zweitverwertung von Ausschnitten aus fertigen Dokumentarfilmen konzipiert, während die Publikation von Nebenprodukten nicht ausgeschlossen ist. Und schließlich will man auch selbst als Auftraggeber operieren, der die Produktionskosten übernimmt. Redaktionell ist eine Kooperation mit den Journalisten von The Intercept intendiert; das Magazin übernimmt auch das fact-checking und die Veröffentlichung der Beiträge.

Ambitionierter Ausblick

Formal stehen dabei kurze Episoden im Vordergrund, “pairing very artistic filmmaking with journalism” (Cook). “We’re also really excited about episodic, multipart or thematic storytelling”, gibt Schnack zu Protokoll. Zur Konkretisierung werden dazu verschiedene Bezugspunkte genannt: Einer ist Convention, ein Multi-Autoren-Film über den Parteitag der US-Demokraten, auf dem Barack Obama 2008 für die Präsidentschaftskandidatur nominiert wurde.

Ein anderes Vorbild ist das britische TV-Format World In Action, das von 1963 bis 1998 produziert wurde. Es gilt als investigativ, links-liberal, verfolgte einen visuellen Kampagnen-Journalismus und assoziierte sich intensiv mit der zeitgenössischen Pop-Kultur. Auf diese nimmt auch Poitras Bezug, wenn sie das Storytelling bei der Netflix-Erfolgs-Serie House Of Cards als ein weiteres Vorbild nennt.

Und außerdem fühlt man sich dem soziologischen Stil des Cinéma Vérité verpflichtet: Die direkte Interaktion zwischen Filmemacher und Gefilmtem soll nicht verschleiert, sondern zum Gegenstand der ästhetischen Reflexion werden. An solchen Kategorien orientiert kulminiert der Ausblick schließlich in der programmatischen Parole, die Poitras ausgibt: “expand the language of visual journalism”.

Programm-Vorschau

Wie das aussehen könnte zeigen vorab im Netz veröffentlichte Ausschnitte respektive Standbilder mit Titeln von Filmen und den Namen ihrer Macher. Laura Poitras selbst startet mit einer Serie über das Asyl von Julian Assange in der Ecuadorianischen Botschaft in London. Ebenfalls angekündigt sind “Notes from the Border”, ein Beitrag zum Thema Flucht von Iva Radivojevic.

Coming soon from @ivarad

A photo posted by Field of Vision (@fieldofvision) on

Sie hat ihr Debüt mit dem durch Crowdsourcing finanzierten und preisgekrönten Film Evaporating Borders vorgelegt. Heloisa Passos beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Obdachlosen und ihren Hunden in Brasilien, Kirsten Johnson mit militärischer Überwachung in Kabul, Dustin Guy Defa thematisiert Kunst und Rebellion in Detroit und um LGBT-Rechte geht es Michel Palmieri und Donal Mosher unter dem Titel “Peace in the Valley”.

Die Premiere dieser Beiträge findet übrigens offline statt, nämlich beim New York Filmfestival, wo es einen eigenen Programmpunkt dazu gibt: Field Of Vision: New Episodic Nonfiction.

Flexibilisierung des Formats Dokumentarfilm

Ob das Projekt tatsächlich unseren Horizont erweitert, wie sein Name andeutet, bleibt abzuwarten. Die intendierte Innovation scheint zunächst vor allem in der Flexibilisierung des dokumentarischen Formats zu liegen: Kurze Inhalte, die schneller produziert sowie online publiziert werden können und dadurch einen Beitrag zu aktuellen Diskussionen leisten.

Vielleicht könnte also “Field of Vision” nicht ästhetisch, aber strukturell ähnliches bewirken, wie VICE im News-Bereich oder die Streaming-Dienste im Feld der Fernsehserien.


Teaser & Image by Field Of Vision


CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

Weiterlesen »

LinkedIn startet sein Blogging-Feature auch auf Deutsch

Linkedin Chocolates (adapted) (Image by Nan Palmero [CC BY 2.0] via Flickr)

Das Business-Netzwerk LinkedIn lokalisiert seine Blogging-Funktion und ermöglicht ab heute auch deutschsprachigen Mitgliedern ausführliche Artikel zu veröffentlichen. Damit geht LinkedIn den Weg zu einer vor allem auf Content setzenden Plattform konsequent weiter. Die neuen Möglichkeiten könnten LinkedIn hierzulande noch mehr Zulauf bringen, das Netzwerk so an Relevanz gewinnen. Ein erster Test der Funktion überzeugte.

Lokalisierung als Grundlage für Erfolg

Grundvoraussetzung für internationalen Erfolg ist sprachliche Weitsicht – besonders in einer digitalisierten Wirtschaft sollte der Faktor Lokalisierung beachtet werden, schrieb Helmut Juskewycz in einem Gastbeitrag auf Netzpiloten.de. Die Richtigkeit dieser Aussage konnte ich selber schon öfters feststellen.

Bei Tumblr arbeitete ich im Bereich Lokalisierung mit, der spanischsprachige Raum brachte damals den meisten Traffic auf die Blogging-Plattform. Auf meiner Europareise in diesem Sommer stellte ich fest, wie groß Sprachbarrieren sogar noch in der internationalen Coworking- und Startup-Szene sind. Inhalte zu übersetzen ist wichtig, um ein größeres Publikum zu erreichen. Bei den Netzpiloten merken wir das jede Woche. Und die Autoren, deren Texte wir übersetzen, danken es uns. Lokalisierung, gerne verkürzt mit L10N dargestellt, lohnt sich immer.

Das weiß auch LinkedIn. Die Plattform hat inzwischen über 380 Millionen Mitglieder weltweit, davon allein sechs Millionen in den deutschsprachigen Ländern Deutschland, Österreich und Schweiz. Damit wächst LinkedIn alle sieben Monate um rund eine Million neue Nutzer, wie LinkedIns inzwischen ehemaliger DACH-Manager Till Kaestner im Februar diesen Jahres gegenüber dem Tagesspiegel erklärte. Noch führt Xing zwar den Vergleich mit rund acht Millionen deutschsprachigen Nutzern an, doch je internationaler ein Mitglied beruflich organisiert ist, desto wahrscheinlich nutzt er neben Xing auch schon LinkedIn oder zieht die Plattform aus Mountain View ganz vor.

Und Nutzer sind für LinkedIn wertvoll, wie Alexandra Kolleth vom Führungsteams bei LinkedIn DACH erklärt

Diese verfügen über ein enormes Wissen, das ihnen und anderen neue berufliche Möglichkeiten eröffnen kann. Wir wollen unseren Mitgliedern und einflussreichen Meinungsbildnern eine einfach zu nutzende Infrastruktur zur Verfügung stellen, in der sie ihr Knowhow mit anderen teilen können. Unser Ziel ist es, dass LinkedIn die Autoren-Plattform für Berufstätige im deutschsprachigen Raum wird.

Warum Content für LinkedIn relevant ist

LinkedIn geht den gleichen Weg zu einem sozialen Netzwerk für Content, wie ihn Facebook eingeschlagen hat und wie ihn Twitter zwanghaft sucht. Zuerst kaufte LinkedIn im April 2013 die App Pulse, mit der sich Content aus verschiedenen Quellen organisieren und lesen ließ. Ab Herbst 2013 durften dann ausgewählte „Influencer“ auf LinkedIn bloggen, Menschen wie Barack Obama, Bill Gates oder Richard Branson. Im Februar 2014 wurde dieses Feature dann für alle Mitglieder von LinkedIn geöffnet, aber nur auf Englisch.

Eine unserer größten, strategischen Wetten für das Unternehmen ist, dass LinkedIn die ultimative, berufliche Plattform zum Veröffentlichen von Artikeln wird“, erklärte Ryan Roslanski, Leiter der Abteilung Contentprodukte bei LinkedIn, gegenüber TechCrunch. Damit will LinkedIn auch den Reiz erhöhen, sich als neues Mitglied auf der Plattform anzumelden und zu engagieren, denn Content ist Teil der digitalen Identität der LinkedIn-Nutzer. Dadurch können Mitglieder andere Kontakte auf ihr berufliches Wissen und ihre professionelle Meinung aufmerksam machen.

LinkedIn ermöglicht es auf Deutsch zu bloggen

Bisher bloggen rund eine Million LinkedIn-Mitglieder, die bereits mehr als drei Millionen Artikel veröffentlicht haben. Selbstverständlich konnten Artikel auch schon vorher in jeder Sprache der Welt veröffentlicht werden, aber Linkedins Algorithmus erfasste nur den englischsprachigen Content. Jetzt werden auch Texte auf Deutsch in Linkedins Nachrichten-Dienst Pulse angezeigt. Dadurch erreichen Nutzer neben eigenen Kontakten auf Linkedin auch andere Mitglieder. Als Autor auf LinkedIn sieht man, wie oft ein Artikel gelesen, geliked oder geteilt wurden. Andere Mitglieder können die Artikel kommentieren.

Auf Deutsch zu Bloggen erhöht auch den Reiz für deutsche Nutzer und könnte zu einer neuen Anmeldewelle führen, worauf LinkedIn sich auch schon vorbereitet. Letztes Jahr wurde ein Deutsch sprechender News-Kurator für LinkedIn gesucht und diesen Sommer eine Redakteursstelle ausgeschrieben. Die Person soll:

Mitglieder dabei unterstützen, Blogeinträge zu erstellen (…), Redaktionen dabei behilflich ist, ihre Artikel auf LinkedIn einzustellen, Inhalte der englischen LinkedIn-Plattform auszusuchen und in das Deutsche zu übertragen, sowie im Rahmen des Influencer-Programms deutschsprachige Meinungsführer ansprechen und sie dafür zu begeistern, Teil des Programms zu werden.

Demnächst wird es also neben bloggenden Nutzern auch vermehrt deutsche Medien auf LinkedIn geben. Bisher teasern Medien auf LinkedIn ihre Artikel nur an und setzen einen Link zu ihrer eigenen Webseite. Demnächst könnten thematisch passende Artikel auch direkt auf LinkedIn veröffentlicht. Wir Netzpiloten haben bisher unsere Artikel auf LinkedIn in einer Gruppe für interessierte Mitglieder als Statusupdate geteilt.

Letzte Woche durfte ich das neue Blogging-Feature auf LinkedIn schon vorab testen und einen ersten Blogeintrag veröffentlicht. Darin stelle ich Lektionen aus den letzten 30 Monaten als Netzpiloten-Leiter vor. Mein erster Eindruck: auf LinkedIn zu bloggen ist sehr einfach, das Feedback des Fachpublikums kann wertvoll sein. Demnächst werde ich mein Wissen reglmäßig auf LinkedIn teilen.


Image (adapted) “Linkedin Chocolates” by Nan Palmero (CC BY 2.0)


 

Weiterlesen »

Was können freie Journalisten von Startups lernen?

jouvenir_vonstartupslernen 200x200

jouvenir_lernenvonstartups

Das gemeinsam von Kreativ Gesellschaft und Jouvenir veranstaltete Meetup im Hamburger Betahaus versuchte in einer offenen Podiumsdiskussion die Frage zu klären, was freie Journalisten von Startups lernen können. Wie viel Unternehmertum braucht man für Journalismus? Moderiert von Jouvenir-Gründerin Carolin Neumann waren Sanja Stankovic, von der Förderinitiative Hamburg Startups, und Netzpiloten-Gründer Wolfgang Macht als Experten auf dem Podium geladen. Am Ende des Abends überraschten vor allem die Gemeinsamkeiten zwischen Unternehmertum und Journalismus.

Startups und freie Journalisten ähneln sich

Gründer von Startups verkaufen eine Geschäftsidee, Journalisten ihre Geschichte. Beide müssen die passende Zielgruppe für ihr Produkt finden und diese ansprechen. Und das sind nicht die einzigen Gemeinsamkeiten dieser zwei sich selten begegnenden Gruppen. Gerade deshalb kann voneinander gelernt werden.

Schon bei der Gründung müssen ähnliche Fragen geklärt und gleiche Hürden überwunden werden. Das Geschäftsmodell bzw. die Geschäftsidee verlangt dem Startup sowie dem freien Journalisten einiges ab. Die Frage ist letztendlich die: Welche Zielgruppe soll angesprochen werden? Neben dieser Frage muss geklärt werden welches Budget steht einem zur Verfügung und welche Kapazitäten hat man.

Bei der Diskussion wurde auch darauf hingewiesen, dass Startups darauf hin arbeiten, skalierbar zu sein. Das heißt, dass die Anzahl und die Erreichung der Nutzer im Vordergrund stehen. Ist das erreicht, dann kann es um den monetären Aspekt gehen. So ähnlich ist es auch bei den freien Journalisten, die die Wünsche ihrer Leser erfüllen müssen.

Beider Berufe sind auch laut den Erfahrungen des Podiums sehr vielfältig. Startup-Gründer und freie Journalisten brauchen mehr als eine Idee, um erfolgreich ein Geschäft aufzubauen. Finanzen müssen geklärt und das Marketing kreiert werden. An keinem von beiden zieht dieser Aspekt vorbei. Ein weiterer Punkt ist beispielsweise die eigene Marke zu positionieren. Gerade das können vor allem Journalisten von Startups lernen.

Der digitale Wandel steht für Veränderungen

Die Digitalisierung ist die wohl herausforderndste Gemeinsamkeit von Startups und Journalisten. Die sich stetig ändernde Technik verlangt auch eine stetige Veränderung von den Unternehmern und Journalisten ab. Das lässt die Unsicherheit bei beiden wachsen, denn dieser Faktor ist durchgehend da, wie Vertreter beider Seiten auf der Veranstaltung bestätigten. Sowohl junge Unternehmer als auch freie Journalisten müssen neue Ideen wagen, sie ausprobieren und sich gegebenenfalls neu orientieren.

Gerade Journalisten sind in den meisten Fällen alles andere als flexibel, um diese Herausforderung zu meistern. Die Medienbranche macht sich aber das Leben selber schwer. Anstatt beispielsweise schon von Bloggern zu lernen, wird sich zu oft noch von dieser Gruppe neuer Publizierender abgegrenzt. Doch es sind gerade Blogger, die den digitalen Wandel der Medien am besten verkörpern. Journalisten sollten sich von dieser Gruppe viel mehr abschauen und stets lernfähig bleiben.

Wer lernt was von wem?

Doch nicht nur Journalisten können etwas von Startups lernen, beide Gruppen können sich durch ihre jeweils eigenen Erfahrungen bereichern. Startups brauchen für die verschiedensten Aufgaben die unterschiedlichsten Leute. Journalisten sind es gewöhnt, beispielsweise mit Designern zusammen zu arbeiten. Beide braucht ein Startup wiederum für die eigene Website oder das eigene Blog. Nach diesem Abend wurde um so mehr klar, dass beide sich mehr zusammen tun sollten. Vor allem in einer Stadt wie Hamburg, reich an Journalisten und Startups.


Image by Jouvenir


CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

Weiterlesen »

MediaCon 2015: Storytelling fürs TV à la James Joyce

Mediacon

Auf der MediaCon 2015 in Dublin wurde diskutiert, wie sich TV durch das Internet verändert und wohin die Reise gehen kann. // von Rainer Kiebat

Podium auf der MediaCon 2015 (Image: Rainer Kiebat/Netzpiloten)

250 Delegierte fanden sich in dieser Woche zu Irlands erstem TV und Tech Summit MediaCon in Dublin ein. Das Event ist das “Baby” von Lesley O’Connor, die lange beim erfolgreichen Dubliner Web Summit involviert war: “Wir zeigen, wie neue digitale Plattformen die TV-Industrie verändern und helfen Produzenten, neue Wege des Fundings für ihre Formate zu finden.

Stephen McCormack ist einer der Gründer von MediaCon. Er macht deutlich, wie Online und Mobile das TV-Geschäft revolutionieren. “Die Zielgruppe unter 40 hat ein ganz anderes TV-Verhalten. Statt eine Episode pro Woche zu sehen, wollen sie 4 bis 5 am Stück oder gleich die ganze Serie verschlingen – und zwar wann und wo es gerade passt.

Als eine Antwort auf das “Warum so einen Event in Dublin stattfinden lassen?” hatte McCormacks Mitstreiterin Lesley O’Connor ja bereits die positiven Erfahrungen mit dem Web Summit angeführt. Eine weitere Antwort fand die Dubliner Oberbürgermeisterin Criona Ni Dhálaigh. In ihrer Eröffnungsrede sprach sie eine auf Dublins Straßen häufig angewandte Begrüßung an. “What’s the story?” kriegt man hier oft zu hören. Dubliner waren schon immer Geschichtenerzähler und nicht von ungefähr hat die Stadt schon mehrere Nobelpreisträger für Literatur hervorgebracht. Digitale Technologien gepaart mit globaler Reichweite von TV und Film haben die Macht einer guten Geschichte deutlich erhöht. Warum sollte der nächste YouTube-Star, auf den eine Fernsehserie zugeschnitten wird, also nicht aus der Stadt von James Joyce kommen?

Anne-Marie Tomchack von BBC Trending sprach davon, dass es niemals eine aufregendere Zeit für Journalisten gegeben habe und stellte den digitalen Werkzeugkasten der BBC vor, der von Periscope bis Facebook reicht.

Im Facebook-Chat beantwortete Anne-Marie Tomchak sowohl Fragen aus dem Saal als auch von Followern ihrer Seite. Eine Frage war, ob man sich nicht via Social Media die Konkurrenz ins Haus hole. Ein guter Punkt laut Tomchak, denn so mancher YouTuber hat mittlerweile sein Team um sich und agiert wie seine eigene Fernsehstation. “Wir können aber alle voneinander lernen.

Livestreaming mit Periscope ist ein weiteres nützliches Werkzeug, das von der BBC zum Beispiel genutzt wurde, als in den USA Michael Brown erschossen worden war. Es kann aber für eine Journalistin auch bedeuten, dass Trolle angelockt werden.

In einer Podiumsdiskussion mit dem Titel “Digital Video killed the TV-Star” wurde die Frage diskutiert, ob soziale Medien das Fernsehen für immer überflüssig machen werden. Man war sich hier einig, dass man sich zwar in einer Art Kampf um die Aufmerksamkeit der Nutzer befinde, dass andererseits aber auch soziale Medien einen Weg und somit eine Chance bedeuten, die Nutzer zu sich herein zu holen. Alle Teilnehmer beobachten, wie Zuschauerzahlen bei klassischem TV runtergehen, während gleichzeitig Interaktionen auf sozialen Medien rasant ansteigen. Herausforderung wie Lösung sei hier das Schaffen von interessanten Inhalten, über die in sozialen Medien gesprochen wird. Nur so können auf Dauer diese Nutzer eingebunden werden. Zurück an den Anfang also – zurück zu interessanten Geschichten.

Paul Quigley von NewsWhip sprach davon, wie er und seine Kollegen Kunden wie USA Today Daten über Trends bei sozialen Medien liefern. Zwei Dinge seien wichtig – “Werdet gut verbreitet” und “Lasst über Euch reden”. Quigley erzählte in Sachen Verbreitung davon, dass er sich bei der SXSW auf einer Bühne mit gleich vier berühmten “Mommy-Bloggern” wiedergefunden habe. Es sei deutlich geworden, dass solche Blogs weitaus besser für die Verbreitung von Inhalten zur Familie seien, als so manches traditionelles Medium. Am Bespiel von Game of Thrones wiederum machte Paul Quigley, der den Netzpiloten demnächst ein Blick hinter die Kulissen von NewsWhip ermöglichen wird deutlich, wie Nutzerdaten zeigen, wie eine Serie auch zwischen Staffeln von sich Reden machen kann – mit einem Quiz zum Beispiel:


Im Podcast “Content Convergence” spricht Moderator Steve Rubel mit NewsWhip-CEO Paul Quigley:


Daniel Ravner von Practical Innovation sprach davon, dass Digital zwar cool und innovativ sei, stellte aber auch die Frage “But where is the money?”. Es seien bessere Kosten-Strukturen notwendig. Warum etwas teuer bauen, wenn mir als TV-Sender doch Instagram zur Verfügung steht? “Poste doch einfach für Deine Kochsendung Bilder von leckeren Gerichten!” Das Gerede von Strategie allein sei nicht ausreichend und digital um jeden Preis könne eher zu finanziellen Verlusten führen. Aber was sei mit einer detaillierten digitalen Strategie? Die Antwort von Daniel Ravner: “There is the money!

In weiteren Podiumsdiskussionen waren sich Repräsentanten von TV-Sendern wie BBC, ITV, RTE und Channel 5 Produzenten sowie die Vertreter neuer Medien einig, dass das “alte” TV unter Druck steht. Sowohl von Seiten des “neuen” TV wie Netflix oder Amazon Prime, aber auch durch soziale Medien. Solange sich aber das traditionelle Fernsehen als lernfähig erweist und es schafft, Nutzer sozialer Medien einzubinden, wird die Zukunft ein Zusammenwachsen von “Alt” und “Neu” zeigen. Und solange wie eine interessante Geschichte erzählt wird, kommt es auf das Medium eh nicht so sehr an. Dem hat in der Stadt der Geschichtenerzähler niemand widersprochen.


Image by Rainer Kiebat/Netzpiloten


CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

Weiterlesen »

Die New York Times setzt verstärkt auf Newsletter

The New York Times (adapted) (Image by Alec Perkins [CC BY 2.0] via Flickr)

In einem Bericht von Lucia Moses auf digiday.com wird deutlich, wie viele Gedanken sich die New Yorker Tageszeitung machen muss, damit die Newsletter-Abonnenten weiterhin interessiert bleiben und eventuell sogar zu einem zahlenden Abonnenten werden. Da die vergangenen Newsletter eher wie Erweiterungen der einzelnen News-Bereiche waren, decken die neuen Newsletter noch eine größere Bandbreite an Themen ab und sind vor allem persönlicher gestaltet.

Neben diesen Themen bezogenen Newslettern fokussiert sich die New York Times mit einem Newsletter sogar nur auf eine einzelne Person, den Kolumnisten Nicholas Kristof. Für Dork Alahydoian, den Executive Director der New York Times, war es Zeit, dass Newsletter mehr als nur die Nachrichten abdecken. Also haben sie sich Gedanken gemacht, wie man auch diejenigen ansprechen könnte, die sich für andere Themen interessieren.

Am Ende standen zwei verschiedene Denkansätze zur Diskussion. Der erste Gedanke war, über die schon bestehenden Themen hinauszugehen, sprich auch in Bereiche wie beispielsweise LifeStyle. Der andere Ansatz war, eher einen schmaleren Pfad einzuschlagen. „Es ist nicht mehr so, dass ein Format allen gefällt“, so Alahydoian.

Die Mühe zahlt sich aus

Die New York Times veröffentlicht nicht die Anzahl der Newsletter-Abonnenten, teilte aber eine andere Zahlen mit, die einem einen Eindruck vom Erfolg macht: die Anzahl an Abonnenten ist in den letzen sechs Monaten um 14 Prozent gestiegen. Laut Lucia Moses bedeutet das im Bezug auf den Newsletter, dass aus zehntausenden von Abonnenten einige Millionen geworden sind. Es wird geschätzt, dass wöchentlich 50 Prozent der Newsletter auch wirklich geöffnet werden. Von einigen der neueren Newsletter werden wohl sogar bis zu 70 Prozent geöffnet. Zum Vergleich: die durchschnittliche Newsletter-Öffnungsrate von Medienunternehmen liegt bei 38,5 Prozent.

Zwar verdient die New York Times auch durch Werbung in den Newslettern, aber noch wichtiger sei es, dass sich die Menge an Lesern vergrößert, da sie sehr abhängig von zahlenden Abonnenten ist. Die Newsletter sind der Schlüssel dazu: es ist doppelt so wahrscheinlich, dass ein Leser der New York Times ein zahlender Abonnent wird, wenn er oder sie sich vorher für einen Newsletter eingetragen hat.

Hochwertige Qualität ist das A und O

Da es jedoch immer mehr Newsletter von den unterschiedlichsten Unternehmen gibt, ist es besonders wichtig, seinen Lesern etwas hochwertiges bereitzustellen. Dafür hat die New York Times extra ein zwölfköpfiges Team, das sich genau darum kümmert. Um die Nutzer auf die Newsletter aufmerksam zu machen, wurde mit Social-Media-Posts das Interesse der Leser geweckt. Für den Kristof-Newsletter zum Beispiel haben sich inzwischen 50.000 Nutzer eingetragen, nachdem er sechs Monate lang auf den Social-Media-Kanälen und der Website promotet wurde.

Ein anderer Aspekt, den die New York Times in den Newsletter mit hineinbringt ist, dass sie weg von dem RSS Feed ähnlichen Design, hin zu einem selbst geschriebenen Newsletter gegangen ist, wodurch diese persönlicher wirken. Außerdem ist die New York Times drauf und dran, neue Designs und Layouts auszutesten, die alles noch ansprechender machen sollen.


Image (adapted) “The New York Times” by Alec Perkins (CC BY 2.0)


 

Weiterlesen »

Der Slack-Bot Blossom kann die Viralität von Artikeln vorhersagen

Mandelblüte (image by LoggerWiggler [CC0] via pixabay)

Die New York Times publiziert über 300 Artikel pro Tag. Welche davon sollten die Redakteure in den sozialen Kanälen bewerben? Während die Menschen hinter den Accounts der Times ihr Handwerk verfeinert haben, kann der handbetriebene Prozess der Artikelauswahl dennoch mühsam sein, denn man muss ein bisschen herumprobieren. Auf der Facebook-Seite der Times finden sich beispielsweise nur etwa 50 Artikel pro Tag, an den Wochenenden noch weniger.

Nun soll ein neues Tool des Wissenschaftsteams der Times ein paar Aspekte der Rätselei abbauen, indem es herauszufinden versucht, welcher der richtige Artikel für die sozialen Netzwerke sein könnte. Der intelligente Bot, der mit der Messaging-App Slack läuft, heißt Blossom und soll vorraussagen, wie sich die Artikel und Blogposts in den sozialen Netzwerken machen, außerdem soll herausgefunden werden, welche Artikel die Redakteure bewerben sollen. Die Datenmengen sind riesig, es gibt Infos über Artikelinhalte und Performance, wie beispielsweise das Engagement auf einen Post beiFacebook. Blossom kann auch herausfinden, wo die Postings schon erschienen und wie erfolgreich sie dort sind.

Screenshot NiemanLab
Screenshot NiemanLab

In genau diesem Moment können die Redakteure und eigentlich jeder in der Times-Redaktion, der Slack benutzt, Blossom per Direktnachricht oder über Slack fragen, um herauszufinden, welchen Artikel er oder sie auf Facebook posten soll. Man fragt einfach bei Slack nach „Blossom Facebook?“ und erhält eine Antwort, was dort gut funktionieren könnte. Der Bot hat auch ein „easter egg“-Feature (beispielsweise das Wetter), um die Times-Redakteure zu ermutigen, den Bot zu untersuchen und sich damit vertraut zu machen.

Das Backend des Blossom-Bots ist eine „ziemlich ausgeklügelte, lernende Maschine“, mit Hilfe von Java, Python und MapReduce, und das Frontend ist „ein wirklich freundlicher Chat-Bot“, erzählte mir der Chief Data Scientist der Times, Chris Wiggins. „Wie baut man all diese Daten in einen Algorythmus um? Was ist der beste Weg, um alle diese Daten zu repräsentieren, was sind die Eigenschaften, wie hat sich ein Artikel verhalten, was könnte da wichtig sein?“ so Wiggins. „Wie repräsentiert man Ausgangsdaten auf nachvollziehbare Art und Weise?“

Screenshot NiemanLab
Screenshot NiemanLab

Die Idee zu Blossom entwickelte sich in Gesprächen mit Alexandra MacCallum im vergangenen Herbst, nachdem sie zur stellvertretenden Redakteurin ernannt wurde, die sich um die Entwicklung im Publikumsbereich und weiterführende Dinge kümmerte. Ein Teil der Arbeit ihres Teams beinhaltet Werbeerstellung rund um einen Artikel, bevor er online geht, aber bei Hunderten neuer Artikel, die jeden Tag herausgebracht werden, war es schwierig, eine effektive Methode herauszufinden. Mit Blossom kann ein Redakteur, der sich in den sozialen Medien auskennt und einen bestimmten Artikel bewerben will, herausfinden, wie diese in den sozialen Medien abgeschnitten haben, oder um ein paar Vorhersagen bitten.

Das Tool funktioniert laut Entwickler Colin Russel soweit ganz gut. Er half damals, gemeinsam mit MacCallums Team, Blossom zu bauen. Wenn Blossom Facebookposts empfiehlt, werden diese im Durchschnitt 120 Prozent öfter angeklickt, als diejenigen, die Blossom nicht gefeatured hat. “Typische” Blossom-Posts kriegen sogar über 380 Prozent mehr Klicks als Postings, die nicht von Blossom gefeatured wurden. (Blossom schickt noch keine aktiven Benachrichtigungen darüber, was besonders bei Twitter erfolgreich sein könnte, aber die Redakteure fragten den Bot nach Twitter-Vorhersagen und fanden ein paar Überschneidungen zwischen Postings, die auf Facebook erfolgreich sind, und Twitter-Posts.)


Ein typischer Blossom-Post bekommt 380 Prozent mehr Klicks als ein Post, der nicht von Blossom gefeatured wird.


Unsere Redakteure für den Wachstums- und gesellschaftlichen Bereich haben sehr hektische Jobs, vor allem, wenn an manchen Tagen viel in den Nachrichten passiert, teilte mir Russel in einer Email mit. Es reicht nicht, etwas aufzubauen, von dem man hofft, dass es benutzt wird. Man muss sich umschauen und herausfinden, wie etwas wie Blossom eingebracht werden könnte. Man muss ein Werkzeug drumherum bauen, anstatt die Leute zu zwingen, ihr Verhalten dem Werkzeug anzupassen.

Momentan konzentriert sich Blossom auf die Facebook- und Twitter-Accounts der Times. Es kann sich aber weiterentwickeln und alle sozialen Plattformen abdecken, auf denen die Times publiziert. Francesca Barber, Redakteurin für Wachstum am International Desk erfüllt die Funktionen eines Produktmanagers und hilft Russel dabei, herauszufinden, welche der vielen Funktionen von den verschiedenen Abteilungen der Times bevorzugt werden.

Erst in dieser Woche hat das Team neue Versionen von Blossom bereitgestellt, die für die einzelnen Facebook-Accounts der Redaktionsabteilungen zugeschnitten wurden. Jede Abteilung konnte ihre Quellen „optimieren und in vollem Umfang die Aufmerksamkeit nutzen, die manch andere Accounts schon erreicht haben.“ In diesen Fällen kann Blossom dabei behilflich sein, älteres Material zu finden, das wieder relevant geworden ist, es kann Artikel hervorheben, die das Publikum eventuell verpasst hat, als sie zum ersten Mal veröffentlicht wurden.

Die Technologie ersetzt natürlich nicht die gute alte Beurteilung von Nachrichten und es gibt große Unterschiede zwischen datengestützt und datengetrieben, sagt Wiggins. Niemand schreit nach der Automatisierung des Teilungsprozesses in den sozialen Medien, aber es wurde schon mehrfach nach anderen hilfreichen Funktionen gefragt, die man Blossom hinzufügen kann.

Wenn man ein Technologe ist, der in einem so großen Unternehmen wie der New York Times arbeitet, kann man den eigenen Markt ansprechen: Man kann in einen Raum gehen, in dem sich 20 Redakteure befinden und sie fragen, welcher Teil der Arbeit ihnen schwerfällt und wie die Technik ihnen helfen könnte, sagte Wiggins. Man kann mit einer Reihe Menschen sprechen, die das Tool eventuell anwenden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf NiemanLab. Übersetzung von Anne Jerratsch.


Teaser & Image (adapted) by LoggaWiggler (CC0 Public Domain)


CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

Weiterlesen »

Daten statt Clickbait: Upworthy macht es vor

Upworthy moves from curation to story creation

Mit der Ankunft von Amy O’Leary von der New York Times begann Upworthy die Produktion von Content durch Nutzerdaten voranzubringen. // von Joseph Lichterman

Upworthy moves from curation to story creation

Die Witze, die Eric March in seinem Artikel “Fünf unglaublich gute chinesische Restaurantketten, in denen Sie niemals essen sollten und eine, in der sie es sollten, aber nicht können“ macht, sind unerbittlich.

Weiterlesen »

Weiterlesen »

Push-Benachrichtigungen sind nervig. Geht es auch besser?

Apple - ? Watch Sport (adapted) (Image by Yasunobu Ikeda [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Die meisten Menschen stellen die Push-Benachrichtigungen ihrer Nachrichten-Apps aus. Kann man sie dazu bekommen, das nicht zu tun? Wenn Sie eine Apple Watch besitzen, haben Sie wahrscheinlich als erstes die Systemeinstellungen umgestellt, damit es nicht die ganze Zeit am Handgelenk rüttelt (Entschuldigung, ich wollte natürlich sagen, sanft vibriert). Ein vibrierendes Telefon in der Tasche ist schon relativ nervig, aber ein vibrierendes Handgelenk ist schlichtweg noch anstrengender. Die neuen tragbaren Geräte machen es den Nachrichtenorganisationen schwerer, wenn es um Nachrichtenstrategien für ihre Apps geht. Und dabei kann man ziemlich viel falsch machen.

Versuchen Sie sich an die Entwicklung, die der Updateprozess für die Nachrichten durchlaufen hat, zu erinnern: von den Portalen aus den 90ern über die Twitter- und Facebook-Feeds in den 2000ern bis hin zu den Benachrichtigungen auf den Desktops und Handys von heute. “Wir verzeihen eher mal einen Fehler, der auf einem Portal oder in einem Feed passiert”, sagt Matt Boggie, ausführender Geschäftsführer des New York Times R&D Lab beim “Future of Notifications”-Gespräch des NYC Media Lab.

Bisher schienen die Verleger ungefähr dieselben Strategien für ihre Armbandgeräte zu benutzen, die sie auch für die Smartphones einsetzten, sagt Boggie. Das ist der beste Weg, um seine Nutzer fernzuhalten. “In dem Moment, in dem man entschieden hat, einer App zuzugestehen, einem eine Benachrichtigung zu senden, ist man ein loyaler Nutzer. Jede Benachrichtigung ist eine neue Möglichkeit, diesen Eindruck vollkommen zu zerstören und ihnen wirklich auf die Nerven zu gehen.

Noch komplizierter wird es, wenn die Unternehmen private Daten haben wollen. “Es ist unglaublich mühsam, alles per Hand einzustellen, was man gerne haben möchte”, sagt Steven Levy, Stellvertreter des Backchannel von Medium. Er hat neulich über ein paar Probleme in diesem Themenfeld geschrieben. “Das für jede App voreinzustellen, ist wirklich eine mühselige Angelegenheit. Die Gefahr dabei ist, dass man, obwohl man eigentlich die Kontrolle über die Benachrichtigung haben möchte, die Verantwortung an große KIs wie Google, Apple und Co abgibt. Man gibt also mehr von sich preis, als man will.

In Diskussionen wurde sich schon viel darüber gestritten, wie man das besser machen könnte. “Vielleicht sollten wir Gebühren nehmen”, sagt Dana Karwas, eine Dozentin der NYU Polytechnic School of Engineering. “Wenn wir schon nicht den Präsidenten ans Telefon kriegen, sollten die Provider ein bisschen dafür zahlen, dass sie sich unsere Zeit einfach nehmen.

Otto Toth, CTO bei der Huffington Post, hält das für Blödsinn. Die Leute wollen und erwarten kostenlosen Content mit Qualität. Matt Hartman von Betaworks schlug vor, dass die Apps Zugang zu den Kalendern der Nutzer bekommen sollten. Im Gegenzug würden sie keine Benachrichtigungen schicken, wenn sich die Nutzer beispielsweise in einer Besprechung befänden. Als er aber nachfragte, wie viele Menschen ihm diesen Zugang auf dem Handy gewähren würden, meldete sich nur ein einziger Mensch.

Benachrichtigungen nerven wirklich ziemlich”, sagte Noah Chestnut, Leiter der Produktion der gerade erschienenen Buzzfeed-News-App. Er zitierte einen Artikel aus dem Urban Airshift, der herausgefunden hatte, dass im Jahr 2013 nur 5 von 10 Personen, die eine Nachrichten-App installiert hatten, die Benachrichtigungen eingestellt hatten. Im Jahr 2014 sank die Zahl auf 4 von 10 Personen. “Die Leute sagen nicht einmal, dass sie Ihnen eine Chance geben, sie zu überzeugen. Sie sagen einfach gleich nein.

Die Nachrichtenorganisationen, die für ihre Apps versuchen, die ideale Einstellung der Benachrichtigung herauszufinden, haben zwei Hauptprobleme, sagt Chestnut. “Zuerst müssen wir mit der Last all der anderen Apps und Produkte umgehen, die wir nicht selbst gebaut haben.

Wenn die Leute erst einmal von den Benachrichtigungen aus anderen Apps abgeschreckt worden sind, schalten sie diese wahrscheinlich eher nicht in Ihrer App an, egal, wie durchdacht man sie aufgebaut hat. Und wo wir gerade davon reden: “Wir müssen cleverer einstellen, wofür die App gedacht ist und einstellen, dass man fragen kann: Hey, wollt ihr Benachrichtigungen? Welche Rolle spielt der Kontext?” Beispielsweise, dass man direkt nach der Installation gefragt wird, ob man die Benachrichtigungen einstellen will, oder erst, nachdem man die App eine Weile genutzt hat.

Die Verleger brauchen auch neue Messwerte, um herauszufinden, ob ihre Benachrichtigungen funktionieren.

Die Klickrate ist ein eher merkwürdiges Maß für die vielen Benachrichtigungen, betont Chestnut. Wenn ich eine Schlagzeile aus der Breaking News App oder über Circa kriege, muss ich nicht unbedingt den ganzen Artikel lesen. Ich verstehe das auch so. Die einzigen Maße, die es gibt, sind: Haben wir es abgeschickt? Hat es jemand geöffnet? Hat jemand die App deinstalliert? Es sollte noch mehr sein. Wir müssen es noch besser hinbekommen, herauszufinden, welchen Eindruck eine Benachrichtigung macht und welchen Wert man ihr zumisst.

Dieser Artikel erschien zuerst auf NiemanLab. Übersetzung von Anne Jerratsch.


Image (adapted) “Apple – ? Watch Sport” by Yasunobu Ikeda (CC BY-SA 2.0)


 

Weiterlesen »

Zehn Zahlen, die das Nachrichten-Business definieren

one two three four (adapted) (Image by Jane [CC BY 2.0] via Flickr)

Von Videos bis Social Media, von Smartphones bis Paywalls – diese Daten definieren, wo wir uns gerade in der “Zukunft der Nachrichten” befinden – ob es Ihnen gefällt oder nicht. Wir werden jeden Tag mit unendlich vielen Zahlen überschüttet und manche von ihnen wollen Maße, oder sogar Richtwerte sein. Uns fällt es schwer herauszufinden, welche davon wichtig sind und welche sich in der Geschichte der Nachrichten-Transformation nur als Fußnoten erweisen. Könnte es der ARPU (der durschschnittliche Erlös per Kunde) sein? Oder der TOS (Type of Service, dient der Klassifizierung von Datenpaketen)? Oder die Post-Click-Activity? Ich finde, wenn man versucht, die Zahlen sinnvoll aufzuarbeiten, kann das schon helfen, ein wenig Ordnung in das Chaos zu bringen.

Ich habe vor ein paar Wochen in Menlo Park mit einer Gruppe der Media Impact Funders gesprochen, direkt an der Sand Hill Road, wo viel Geld in potenziell erfolgreiche Unternehmen fließt. Diese Gruppe repräsentiert die Geldgeber des Journalismus, sie haben die Experimente der letzten zehn Jahre gesucht und groß gemacht.

Innerhalb von 15 Minuten habe ich ihnen zehn Zahlen mitgeteilt, von denen ich glaube, dass sie uns zeigen, wo wir heute stehen, in einer noch nicht klaren Zeit für die “Zukunft der Nachrichten”. Und hier sind sie, für Sie zum Grübeln am Strand. Diese Zahlen verdienen Ihre Aufmerksamkeit. Es ist keine ewige Top-Ten-Liste, sondern eine momentane. Sie wird sich sicher nochmal verändern. Ich freue mich über Ihre Anmerkungen.

14 Millionen

… (US-Dollar) betrugen die monatlichen Werbeeinnahmen der Digitalausgabe der New York Times im ersten Quartal dieses Jahres. Interessanterweise ist das auch genau die gleiche Zahl wie bei der Huffington Post, die neuerdings Verizon gehört. Die Zahl ist für alle Art von Spekulationen offen. Ist sie zu niedrig, wenn man sie mit der Reichweite der beiden Unternehmen vergleicht? Und ist es nicht bemerkenswert, dass die Times mit ihren etwa 1.300 Topjournalisten in etwa gleich hohe Werbeeinnahmen erzielt, wie die Huffington Post, die aber mehr als 100.000 Mitarbeiter weltweit besitzt? Es ist eine Zahl, von der Arianna sagt, dass sie die Millionen erreichen soll, und zwar zusätzlich zu den eigenen durchgängigen Hunderten. Was sagt uns das über den werbetechnischen Wert des Contents? Vergleicht man diese 14 Millionen mit den monatlichen Einnahmen von Google, die 5,7 Milliarden US-Dollar betragen, oder nur den 1,2 Milliarden US-Dollar von Facebook, sieht man, wie es in der Welt läuft. Noch eine Zahl: Rechnet man beide Zahlen zusammen, machen Google und Facebook zusammen mehr als 52 Prozent der nationalen digitalen Werbeeinnahmen aus.

50 Prozent

Heutzutage, so teilen es die Nachrichten-Unternehmen mit, wird über die Hälfte der Nachrichten über mobile Endgeräte konsumiert. Heruntergerechnet ergibt das 2:1 im Kampf von Smartphones gegen Tablets. Ein Bericht von Gartner hat im Voraus berechnet, dass bis zum Jahr 2018 mehr als 50 Prozent des weltweiten Zugriffes von Mobilgeräten ausgehen wird. Gute Nachrichten für die Smartphones. Und das ist auch kein Wunder: Es passiert immer wieder etwas und es bietet sich einfach an, die News unterwegs zu lesen. Die nationalen und weltweiten Verleger interpretieren dies als tiefgreifenden Wandel, primäre Frage und Möglichkeit zugleich, denn die meisten regionalen Nachrichten-Unternehmen tun sich noch immer schwer mit diesem Thema. Egal ob es um Umsatzgenerierung geht, über Produktdesign bis hin zum Engagement der Leser, die Verleger müssen sich an diese neue, unabhängigere, personalisierte Welt gewöhnen.

54.581

… ist die Zahl, die neulich bei LinkedIn genannt wurde. Damit sind alle Jobs im Bereich “Social Marketing”, vom Strategen über den Ausbilder bis hin zum Praktikanten gemeint. Das sind gut 20.000 Jobs mehr als in den Nachrichten-Redaktionen der kompletten USA existieren und eine neue Welt voller “erworbener Medien”. Vergessen Sie OPM (other people’s money), denken Sie an OPT: other people’s time. Unsere Milliarden Shares bewerben (oder verbannen) die Inhalte an ihre angestammten Plätze im Internet, und fast alles davon ist kostenlos. Die großen Nachrichten-Marken (BuzzFeed, Vox, Business Insider , Vice, Mic) verlassen sich alle enorm auf diese Art „erworbener Medien“. Fragen Sie mal einen dieser CEOs, wie viel Geld sie für Bezahlmedien ausgeben, und sehr wahrscheinlich wird die Antwort eine große, fette Null sein.

1:2

Videowerbung ist immer noch effektiver als getextete Werbeinhalte, aber viele Verleger können noch immer nicht genug Nachrichten-Videos produzieren, um genug Publikum anzulocken. Außerdem ist es noch immer zu teuer. Hier kommt Arianna Huffington wieder ins Spiel, die ein Video pro zwei geschriebener Artikel herausbringen will. Dieser Ankündigung folge eine Kaskade von Videoankündigungen der Huffington Post: 11 neue Serienformate, 2,3 Milliarden Videoklicks in etwa drei Jahren, mehr als 30 Millionen Aufrufe innerhalb der ersten sechs Folgen der Sendung ‘The Huff Post Show’. Die Huffington Post hat sogar ein neues Netzwerk gelaunched, dass sie “die nächste Generation des Onlinevideojournalismus” nennen. Es trägt den Namen Outspeak. Und zuletzt gab es folgende Annäherung: Verizon, jetzt mit der Huffington Post als Aushängeschild, hat sich neu erfunden, diesmal als Video-Provider. Eigentlich heißt das: Die großen Unternehmen nehmen Kurs auf die Medienwelt und dieser riesige Trend sagt uns viel darüber aus, wie es mit “Nachrichten” weitergeht.

63 Prozent

… der insgesamt 58 Milliarden US-Dollar schweren US-Werbeindustrie, also etwa zwei Drittel, sind “programmatisch”. Die Verleger spotteten einst darüber, aber nun kommen sie diesem Trend kaum hinterher. Mike Klingensmith, der Verleger der Star Tribune, will sich besser für die digitalen Werbeeinnahmen im programmatischen Bereich wappnen. Wie mir Sebastian Tomich, der stellvertretende Leiter der Abteilung Werbung und Innovation der New York Times mitteilte, können die meisten Zeitungen ihre Werbeprioritäten an drei Fingern abzählen. Diese wären im Bereich Content oder Content Marketing, oder auch Mobile Content, und eben dem programmatischen Bereich. Man kann sich schwerlich ein Szenario vorstellen, in dem die Werbekäufer die Zielgruppeneffektivität der programmatischen Konzepte nicht haben wollen würden, ein perfektes Zusammenspiel zwischen Nutzerdaten und Produkt.

75 Prozent

… lautet die Anzahl des Traffics, den BuzzFeed durch soziale Medien bekommt. Diese Zahl hat Jonah Oeretti und andere dazu gebracht, Facebooks Instant Articles nicht mehr zu teilen. Vergleichen wir diese Zahl einmal mit den von anderen News-Medien: Vorreiter wie Deseret Digital Media aus Salt Lake City generieren etwa 30 Prozent ihres Traffics aus den sozialen Medien. WBUR etwa 33 Prozent, Quartz immerhin schon 60 Prozent. Die meisten Tageszeitungen bewegen sich zwischen 6 und 12 Prozent. Immerhin konnten bestimmte Traditionsmarken in den frühen Tagen des Internets ein großes Publikum außerhalb der sozialen Netzwerke aufbauen, heutzutage sind die sozialen Medien der direkte Weg zu einem neuen, jüngeren Publikum.

1,5 Millionen

… tägliche, zahlende Leser hat die New York Times. Interessanterweise hatten sie vor etwa 20 Jahren die gleiche Leseranzahl, als alle noch für die gedruckten Zeitungen zahlen mussten. Heute zahlen beinahe eine Million Leser für die Digitalausgabe und etwa eine halbe Million für die tägliche Printausgabe. (Sonntags hat die Times etwa 2 Millionen Leser – es lebe die Sonntagszeitung!) Was machen wir nun mit dieser Zahl? Es kommt darauf an, auf welcher Seite Sie stehen – Optimist oder Pessimist? Die Times kann sich freuen, dass sie ihre täglichen Zahlen in etwa gehalten hat, ganz im Gegensatz zu Anderen. Wir könnten auch bestätigen, dass das zahlende intellektuelle Publikum einer nationalen Zeitungsquelle etwa, nun ja, ein halbes Prozent der US-Bevölkerung beträgt, damals wie heute. Lustigerweise hielt man im Jahr 1995 bei den gleichen Leserzahlen die Times für ein enorm erfolgreiches Unternehmen. Heute wurden schon so manche Wetten über ihr Weiterleben als unabhängiges Unternehmen abgegeben.

36.000

… ist in etwa die Zahl der Jobs, die in den US-Redaktionen übrigbleiben, jedenfalls wenn wir uns an den Zahlen der ASNE-Zählung, die im August herauskommen sollen, orientieren. In den vergangenen Tagen gab es kaum Berichte über Verkäufe und Personalabbau. Manche Verleger schlossen daraus, die Probleme der Nachrichten-Industrie würden durch permanente Berichterstattung nur verschlimmert werden. Nun tritt Jim Romenesko zurück und die Schieflage verschlimmert sich noch weiter. Gelegentlich wird von Entlassungen in größeren Redaktionen berichtet, wie beispielsweise bei der Denver Post vor ein paar Wochen. Ein paar Dutzend Entlassungen hier oder dort fallen meist jedoch nicht weiter auf. Redakteur Greg Moore hat es so zusammengefasst: “Man muss schlichtweg… die Ausgaben und die Einnahmen ausbalancieren.” Wenn man nun seit einigen Jahren (seit 2007) keine Einnahmen hatte, muss man eben Jobs wegstreichen. Die Redaktionen leiden darunter. Wir können selbst nur raten: Wie viele Artikel, sowohl online als auch im Print, hätten 20.000 Journalisten produzieren können, die es nun nicht mehr tun? Was wissen die Gemeinden nicht, was sie noch vor etwa 10 Jahren hätten erfahren können?

0,5 Prozent

… ist die Prozentzahl der monatlichen Neubesucher, die der Boston Globe dazu gebracht hat, sich für ein Monatsabo anzumelden. Unter den Digitalzeitungen ist der Globe der Anführer, er vermeldete neulich mehr als 65.000 Digitalabonnenten und etwa 11 Millionen Besucher. Vergleichen Sie das mit der New York Times. Die Times zählt laut comScores neuester Untersuchung mehr als 960.000 Digitalabonnenten innerhalb des US-Publikums. Im Mai hat die Times etwa 60 Millionen Besucher vorzuweisen, und das auch erst zum zweiten Mal. Bei diesen Zahlen ergibt das etwa einen Prozentsatz von 1,5 der Einmalbesucher. Das heißt: Das Modell der Times, seine Inhalte nach den Lesern und dem Erlös auszurichten, funktioniert bei den Regionalzeitungen eher noch schlechter. Die Zahlen des Globe sind gut, aber trotzdem nur etwa ein Drittel von dem, was generiert werden könnte. Die meisten Einnahmen sind deutlich niedriger als die des Globe. Wir warten aber noch immer auf die Zahlen der Newspaper Association of America von 2014. (Im vergangenen Jahr kamen sie im April heraus, nun haben wir Mitte Juni und noch immer keine Zahlen. NAA sagt, sie sind in Arbeit, aber man kann noch kein Datum für die Veröffentlichung bekanntgeben.) Die Flugbahn dieser Hochrechnungen wirkt mittlerweile, als ob man die Paywall-Strategien noch einmal überdenken müsse.

44

… Minuten verbringen die Leser der ‘La Presse’ aus Quebec mit der Tablet-Ausgabe, und zwar jeden Tag. Das ist eine sehr beeindruckende Zahl und es scheint, dass alles, was wir über das Lesen digitaler Nachrichten zu wissen scheinen, falsch ist. Dankenswerterweise wird es ab Mitte September einen Testlauf des The Star aus Toronto geben. Möglicherweise liegt es an den Quebecern, aber falls nicht, wird der Erfolg auch bald auf andere Nachrichtenproduzenten herüberschwappen, die sich dann neu erfinden müssen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf NiemanLab. Übersetzung von Anne Jerratsch.


Image (adapted) „one two three four“ by Jane (CC BY 2.0)


 

Weiterlesen »

Duke-Team testet eine neue Methode des Journalismus

Just one click away... (adapted) (Image by Matthias Ripp [CC BY 2.0] via Flickr)

In diesem Sommer will eine Gruppe Studenten testen, ob das Modell des datenbasierten, strukturierten Journalismus bei Themen wie Stadtpolitik und Uber funktionieren kann. Bill Adair und sein Team vor ein paar Wochen ihre erste strukturierte Story angingen, brauchten sie 40 Minuten, um einen einzigen Satz einzugeben. Bedenkt man, dass die meisten Artikel mehrere hundert Sätze – oder “Events” – beinhalten, fragt man sich, wie diese neue Form des Journalismus sich je durchsetzen will. Und es ist auch ziemlich neu. Das Konzept des strukturierten Journalismus gibt es erst seit ein paar Jahren.

“Traditioneller Journalismus besteht im Wesentlichen nur aus zwei Bereichen: einer Überschrift und dem Text selbst”, teilte mir Adair, Leiter des Duke Reporter’s Lab, mit. “Seit über 100 Jahren haben Journalisten ihre Arbeit so präsentiert.” Man füge diesem Datensatz noch mehr Kategorien hinzu, die den Journalismus noch strukturierter erscheinen lassen: Namen, Daten, Zitate, Objekte und bestimmte Themenfelder, und die Leser werden viel mehr auf die Arbeit des Journalisten eingehen können.

Das ist das Argument, auf das sich zumindest der strukturierte Journalismus stützt. “Wenn wir die Artikel [und] die täglichen Aufgaben richtig strukturieren, können wir etwas aufbauen, was zusammengerechnet größer als seine Einzelteile sein kann und zudem einen Anreiz gibt, die tägliche Berichterstattung weiterzuführen”, schrieb Reg Chua, ausführender Leiter des Verlagswesens, Daten und Innovation bei Reuters, bereits im Jahr 2010 .

Adair ist als Gründer von PolitiFact bekannt geworden. Das Unternehmen war eine Initiative der Tampa Bay Times und gewann den Pulitzerpreis im Jahr 2007 für die Auswertung von Politikeraussagen. Als die Seite gelaunched wurde, nannte Adair es noch nicht “strukturierter Journalismus”. Er wusste nur, dass dies eine neue Möglichkeit war, den Lesern Informationen zu präsentieren. Nach einiger Zeit lernte er andere Journalisten kennen, beispielsweise Laura und Chris Amico von Homicide Watch. Sie experimentierten mit ähnlichen Ansätzen.

Was genau kann man zu strukturiertem Journalismus zählen? Dies beinhaltet “alles, was mehr Struktur als eine altmodische Nachrichtenmeldung hat, und was daher immer mal wieder upgedated wird”, erklärt Adair. Beispielsweise zählen hier die winzigen Elemente von Circa dazu. Die App wurde allerdings neulich abgeschaltet. Auf der anderen Seite gibt es die stack cards von Vox. Was ist mit denen? Sie werden laut Adair nicht zum strukturierten Journalismus gezählt, weil sie “untereinander nicht gut verlinkt sind”. Sobald eine Nachrichtenorganisation eine Datenbank voller Informationen besitzt, “ist das Datenjournalismus<7em>”, qualifiziert sich jedoch nicht als strukturierter Journalismus, sofern es nicht ständig mit den neuesten Informationen versorgt wird.

Nachrichtenevents werden in ihre Bestandteile aufgespalten

Wenn man in der Form des strukturellen Journalismus arbeiten möchte, braucht man einen Ort, an dem man seine Informationen speichern kann. Im vergangenen Herbst hat David Caswell, ein ehemaliger Produktmanager von Yahoo, auf der ONA-Konferenz in Chicago seine Plattform namens Structured Stories präsentiert. Structured Stories ist eine Datenbank, die ausschließlich für die journalistische Arbeit mit Nachrichten erstellt wurde. Reporter können ihre Nachrichten als Datensätze einpflegen und sie zu einem Artikel zusammenbauen, oder, wie es jetzt eben heißt, einer “Structured Story”.

Adair war voller Bewunderung dafür, wie [Caswell] die Nachrichten auf seine Grundelemente reduziert hat. Das Duke Reporters Lab bekam einen Zuschuss von 35.000 US-Dollar der ONA, um auf Caswells Plattform einen New Yorker Ableger der Structured Stories zu erstellen und damit die Berichterstattung über die Regierung in New York City abzudecken.

Adair leitet das Projekt, das den ganzen Sommer über laufen wird und auf einem Coworking Space im Financial District basiert. Mit ihm arbeitet der 22-jährige Ishan Thakore, der im Frühling seinen Uniabschluss machte, und mit ihm zwei Studenten, die 21-jährige Nathalie Ritchie und die 20-jährige Rachel Chason. Thakore kümmert sich um die Wohnungssituation in New York City, Ritchie untersucht die Belastung der Regierung durch die Uber-Thematik und Chason schreibt über das Polizeipräsidium und Bürgermeister Bill de Blasio.

Es ist eine “völlig andere” Art der Berichterstattung, sagt Ritchie, und man braucht eine kleine Weile, um die richtige Handhabe für die Artikel zu finden. Auf dem Blog des Projektes hat Thakore darüber geschrieben.

Ein strukturierter Artikel ist in seiner unbearbeiteten Form, die nur aus Verben und Substantiven besteht, nicht dazu gedacht, dass ein normaler Mensch ihn liest. Und die meisten Leser werden diese Form nicht erkennen können, wenn sie sich auf Structured Stories umschauen. Sie lesen die Hauptaufzählungspunkte oder Zusammenfassungen, die Rachel, Nathalie und ich schreiben. Aufzählungspunkte und Zusammenfassungen bestehen aus ‘normalen’, menschlichen Sätzen nach einem bestimmten Ereignis. Diesem Ereignis liegt ein Netzwerk aus Kommunikationen und formbaren Daten zu Grunde, die dem Leser neue Informationen geben werden. Das konnten sie so vorher nicht. Dieses Projekt sorgt dafür, dass ich mich fühle, als würde ich wieder neu schreiben lernen. Ich bin bei Substantiven besonders aufmerksam und die Verben brechen alles auf ihre Grundbedeutung herunter. Hier scheint es beim Aufschreiben einen immer wieder kehrenden Ruck zwischen der Sprache und der Struktur zu geben. Am Besten ist es, wenn man sich hierbei etwa in der Mitte befindet.

Das sagt Ritchie:

Die Eventframes herzustellen bedeutet, dass man sich mit der Abgrenzung zwischen Spezifizierung und Vereinfachung herumschlagen muss. Wir diskutieren ständig darüber, ob ‚einen Plan zu präsentieren‘ auch ‚Kommunikation‘ beinhalten sollte, oder einen Rahmen, in dem man ein ‚Dokument einreichen‘ müsse. Der Unterschied ist minimal, aber er ist der Schlüssel zu einem größeren Thema: Die Sprache in die Struktur zu übersetzen.

Die Vorgänge werden mit der Zeit schneller, aber am Anfang war es ziemlich mühsam. Adair schrieb über die erste Woche des Projekts:

Ein paar Mal hatte ich den Eindruck, als wären wir Wissenschaftler, die kurz davor waren, die Essenz der Nachrichten zu entschlüsseln. Ich fasste den ersten Tag zusammen: ‚Ich bin total überwältigt!‘ Es gab aber ebenso Zeiten, in denen ich mich fragte, ob wir vielleicht zu viel Struktur in unserer Herangehensweise hatten und dass wir damit letztendlich eine riesige Datenbank aufbauen, mit Hunderten von unnützen Einträgen über die städtische Regierung. Wir mussten sicher gehen, dass wir, auch wenn wir eine besondere Arbeitsweise hatten, dennoch wertvollen, interessanten Journalismus produzieren.

Zunächst dachte ich, wir würden viel reportagenlastiger arbeiten”, sagte Thakore. “Stattdessen fanden viele unserer Recherchen auf den Computer und mit Google statt, und nicht so sehr auf dem Weg des klassischen Journalismus.

Adair merkt an, dass im traditionellen Journalismus auch viel Langeweile herrschen kann. Sobald die Geschehnisse einmal in der Datenbank waren, “muss man ökonomisch denken und braucht nicht alles neu zu beschreiben, was bereits passiert ist”, sagt er. “Es ist schwierig nachzumessen, wie viele Stunden ein Reporter bereits damit verbracht hat, einen Absatz über Dinge zu schreiben, die man bereits formuliert hat. Wenn wir uns daran gewöhnt haben, glaube ich, dass das den Reporten und Lesern eine Menge Zeit ersparen wird.” Die Reporter müssen nicht erneut die Hintergründe aufbereiten (weil die Artikel ja ständig aktualisiert werden), und die Leser, die mit der Thematik nicht vertraut sind, können einfach von vorn anfangen zu lesen, während diejenigen, die bereits besser informiert sind, sich ihre Stelle zum Weiterlesen suchen können und die Hintergründe überspringen können.

Das ist ein Experiment, sagt Adair, und eventuell funktioniert es nicht.

Am Ende kann es sein, dass wir herausfinden, dass wir eine tolle Möglichkeit haben, die Lokalberichterstattung abzudecken”, sagt er. “Es könnte sein, dass wir genau das entdecken, und dass es nur ein bisschen angepasst werden muss. Wir sind uns auch im Klaren, dass es überhaupt nicht funktionieren könnte. Wir versuchen, mit ganz realistischen Erwartungen heranzugehen.

Immer, wenn jemand etwas ausprobiert, das sich so sehr auf Daten stützt, oder so reduziert ist, kann das für den traditionellen Journalismus ziemlich bedrohlich aussehen”, sagt Ritchie. “Es ist nicht so beabsichtigt und es soll auch kein Ersatz sein. Ergänzung, das ist das richtige Wort. Es eröffnet uns einen neuen Blick auf die Dinge.

Dieser Artikel erschien zuerst auf NiemanLab. Übersetzung von Anne Jerratsch.


Image (adapted) “Just one click away…” by Matthias Ripp (CC BY 2.0)


 

Weiterlesen »

Bringt eine technische Änderung bei Google Millionen für Verlage?

Google Food (adapted) (Image by brionv [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Ob sie es aus Wohlwollen, Angst vor Regularien oder aus einem Wettbewerbsvorteil heraus tun – Google könnte der Nachrichtenindustrie und dem Journalismus noch sehr nützlich sein. In den Meldungen aus dem April gab es Beeindruckendes und Spaltendes zu lesen: Google will 150 Millionen US-Dollar für eine Digital News Initiative (DNI) ausgeben, die mit europäischen Nachrichtenfirmen zusammenarbeiten soll. Die Höhe des Betrages war schon beeindruckend genug, auch wenn das nur ein winziger Teil des Googleprofits von 14,4 Milliarden US-Dollar aus dem Jahr 2014 war. Und dennoch war es ein ziemlich hoher Betrag für die Nachrichtenverlage, die jetzt jeden Cent umdrehen müssen. Welche Initiativen könnte man in solch eine “Partnerschaft” mit hineinnehmen? Betrachtet man den Schaden, der durch die digitale Umwälzung in den vergangenen Jahren geschehen ist, muss man sich fragen, ob es irgendetwas gibt, mit dem man diesen Abstieg aufhalten kann.

Wir sehen immerhin schon jetzt, was auf uns zukommt, und wie einschneidend das sein kann. Die acht Gründungsmitglieder der DNI, die Financial Times, The Guardian, die italienische La Stampa, Les Echoes aus Frankreich, die Frankfurter Allgemeine, die Zeit, die spanische El Pais und die NRC aus den Niederlanden versammelten sich zu einem Treffen mit Google aus dem Mountain View Campus, um eine Agenda für ihre neue Zusammenarbeit festzulegen.

Der Guardian führte die Entwicklung des DNI an. Der CEO des Guardian, Andres Miller, machte dabei deutlich, was er bevorzugen würde, als er sich vor einem Monat dazu äußerte: er wollte die Werbeeinnahmen verbessern, Niemanlab berichtete. Das sollte wohl das Hauptziel der Initiative sein, denn alles weitere verblasst neben der Geldfrage, die sich die Verleger weltweit stellen müssen.

“Was kann ich tun, um das zu beeinflussen?”, fragte sich David Gehring und meinte damit die Werbeeinnahmen der Zeitungen. “Es gibt so viele Berichte darüber, wie sich die Werber über ihr fehlendes Zielpublikum beschweren. Wir brauchen eine Technik, die das zielgenau nachfragt.” Gehring sieht sich in dieser Hinsicht als der perfekte Partner. Der Veteran arbeitet seit etwa vier Jahren mit Google im internationalen Bereich zusammen und berät zusätzlich den Guardian seit dem vergangenen Herbst. Er besitzt ein nahezu einmaliges Portfolio: er arbeitet im Bereich der Interessen der Verleger, besitzt zugleich aber auch ausgeprägte Kenntnisse darüber, wie Google funktioniert.

Gehring kennt die Komplexität von Google ganz genau. Wie bei jedem größeren Unternehmen richten sich die Teilbereiche nicht so einfach aus. Die Leute wollen ihre Projekte fertig bekommen. Das weiß er, und daher ist er überzeugt, dass man, wenn man im System von Google herum pfuscht, viel im Gewinnbereich eines Verlegers verändern kann. Wie könnte das funktionieren?

Eigentlich ganz einfach: Die Nachrichtenagenturen wollen ihre Nachrichten mit höheren Werberaten zusammenbringen. Das nennt man heute “Premium”, was in diesem Fall “vertrauenswürdig” bedeutet, im Gegensatz zu den leicht “angepassten”, mit anderen Worten geklauten, Inhalten. Wenn ein Verleger sein Produkt an die Werber verkauft, verkaufen er es als “Premiumprodukt”. Sie verdienen dabei zwischen 8 und 50 US-Dollar (oder CPM). Hierbei stehen natürlich die nationalen und weltweiten Firmen ganz vorn. Wenn sie diese “programmatische” Werbung verkaufen, gibt es jedoch kein “Premiumprodukt” mehr.

Programmatische Erzeugnisse, das beschreibt den großen, alles überragenden Wechsel im Werbegeschäft, passt sich in seinem Algorithmus seinem Publikum an. (Es skaliert hier nach Alter, Geschlecht, Ortsinformationen, und so weiter.) Er unterscheidet jedoch nicht zwischen der Originalquelle und den Heerscharen von Nutzern, die den Inhalt weiterverbreiten. Die großen Verleger können hierbei den einen oder anderen Euro verdienen, genau wie jeder andere.

Das programmatische Format ist eines der am schnellsten wachsenden Formate, zusammen mit dem Video. Schätzungen zufolge wurden allein im laufenden Jahr schon 63 Prozent der Werbeanteile in diesem Bereich verkauft. In den USA entspricht das etwa einem Wert von 15 Milliarden US-Dollar. Man kann es auch so sehen: Es ist schwer, sich vorzustellen, dass dieser Trend demnächst nicht weiter ansteigt. Jeder Werbeeinkäufer will die am besten funktionierende Werbung haben, um sein Zielpublikum zu erreichen und die Effizienz seiner Leistung zu messen.

Das ist Gehrings wichtigste Frage: Was kann Google tun, um es den Werbern zu ermöglichen, ihr Publikum einzuteilen? Wie können diese zwischen Premiummarken und den anderen Marken unterscheiden? Eine Antwort scheint sich hier förmlich anzubieten.

Wie Google echte Nachrichten bevorzugen könnte

Google besitzt einen Newsindex von mehr als 60.000 Publizisten weltweit. Google benimmt sich wie eine Art Zertifizierungsstelle und überprüft Nachrichtenquellen auf ihre Legitimation, bevor sie in ihren Index aufgenommen werden. Neben den benötigten Attributen gibt es hier genaue Richtlinien:

  • Eine Seite, die bei Google News auftaucht, sollte einen zeitnahen Bericht zu wichtigen und interessanten Angelegenheiten ermöglichen.

  • Eigene Berichterstattung und ehrliche Einordnung sind seit vielen Jahren wichtige journalistische Werte. Wenn Ihre Seite zusammengefügten Inhalt veröffentlicht, muss sich dieser von der eigenen Arbeit unterscheiden und dieser Unterschied deutlich gemacht werden. Ansonsten ist eingeschränkter Zugang zu gewähren. Nutzen Sie dazu bitte die „robots.txt“ (Mehr dazu hier).

Was wäre, wenn Google eine anhaltende Kennzeichnung anbieten würde, um mit jeglichen dieser insgesamt 60.000 angebotenen Artikeln verbunden zu werden? Diese beinhalten Tausende Zeitungs- und Magazinmarken, aber auch die Startups, die den Inhalt ebenso hervorheben wollen. Wenn diese programmatischen Systeme nun zielgenaue Inhalte mit den Werbeanzeigen erzielen können, ändert sich das System sehr wahrscheinlich von einem “Premiumpublikum” zu einem “Nicht-Premium-Publikum”. Weiterhin könnte man den Inhalt über die Kategorien wie Technik, Sport oder Gesundheit finden und seinen Wert noch erhöhen. Solche Tags würden auch nicht nur bei Google News auftauchen, sondern immer, wenn etwas per Google gesucht würde.

Keine weitere Internettechnologie müsste sich dem anpassen und die Kosten wären sehr gering. Was ist der Gewinn?

Die Rechenkunst könnte zwingend sein. Gehring schätzt, dass die Publizisten weltweit etwa 480 Millionen US-Dollar für programmatische Werbung einnehmen. Hier kann man kam herunter skalieren, wie sich die Kosten und Raten ändern und steigern könnten. Man kann hier mit Arithmetik herangehen. Gehring sagt, dass ein etwa 25-prozentiger Anstieg bereits für große Veränderungen sorgt. Das wären umgerechnet etwa 120 Millionen US-Dollar. Das würde die Einsätze steigern, wenn diese Theorie sich als wahr herausstellt. Wenn die Werbekäufer wirklich ein ‘Signal’ haben wollen, was sich auf Premiuminhalte und Tagging bezieht, kann man sich ausrechnen, dass der Ertrag von 1 CPM zu 2 US-Dollar steigen wird.

Gehring will ungern etwas vorraussagen, aber nach meinen Berechnungen könnte das bis zu 500 Millionen US-Dollar weltweit bedeuten, das heißt natürlich, nur, wenn das Programm auch Erfolg hat.

Wie groß wäre der Unterschied? Zu Jahresanfang rechnete ich aus, dass allein die Zeitungsindustrie der USA mehr als 1,4 Milliarden US-Dollar zusätzlich bräuchten, um ihrer achtjährigen Durststrecke zu entkommen. Ein erfolgreicher Zuschuss wäre ein eher langwieriges Unterfangen. Außerdem wäre das nicht das Geld, das Google an die Nachrichtenfirmen zahlen würde. Dieses Geld würde von Werbeleuten kommen, um ihre Zielgruppe zu erreichen.

Viele große Verleger haben in den vergangenen Jahren so etwas wie “privaten Austausch” eingerichtet. So können sie direkt an Werber weiterverkaufen, aber hier eben benannte programmatische Features einbauen, die ihnen eine effiziente Zieluntersuchung ermöglicht, dies alles für recht günstige Preise. Die Idee eines größeren, oder gar kollektiven privaten Austausches, das auf ein Google News-System aufbaut, mag hier durchaus sinnvoll sein. Ein neulich erschienener Eintrag bei Pangaea bezeichnet diese Bewegungen und baut sie weiter aus.

Diese Bewegung ist zum Teil eine Art Rückforderung eines alten Bekannten der Verleger: Verknappung. Ja, die Werbeerfindung mag im Internet unerhört scheinen, aber das Premium-Publikum ist limitiert und kann sowohl ausgepreist als auch verkauft werden.

Warum tut Google das gerade jetzt?

Schlicht und einfach handelt es sich hierbei um das Annäherungsproblem, das Google mit den europäischen Verlegern, dem Rechtssystem und der Veröffentlichung der Digital News Initiative hat. Durch den großen Widerstand, der Google in Europa entgegenschlug, musste man sich an einen Tisch setzen. Und das war hier nicht die einzige Macht am Werk.

Google hat gerade auch an anderen Fronten zu kämpfen. Der Traffic der Newsseite nimmt immer weiter ab. Facebook überholt alles, und Twitter und LinkedIn folgen auf dem Fuße. Google News war immer eher im Mittelfeld präsent, denn die Websuche hatte immer den größten Anteil am Kuchen. Nun ist sie nur einer von vielen “Schlüssel”-Partnern der Nachrichtenfirmen, genau wie bei Daten, Video und beim Thema Smartphones. Google muss außerdem seine eigenen Leser versuchen zu halten, um mithalten zu können. Als Facebook der Welt mitgeteilt hat, dass auch sie Nachrichtencontent hosten wollten, um ein besseres Nutzererleben herzustellen, war das durchaus als Kampfansage gemeint.

Seit Jahresbeginn wuchs die Nachrichtenkonkurrenz bei Google sichtlich. Seit Facebook seine Instant Articles angekündigt hat, dazu kamen noch Snapchat Discover und Apple News. In dieser neuen Weltaufteilung wollen die Verleger den kompletten Content mehr denn je anbieten, in der Hoffnung auf reichhaltige Werbeeinnahmen. Google hat nach einer früheren Verhandlung die Associated Press gehostet. Was bedeutet das für die Nachrichten, und was sind die neuen Bedingungen?

Als sich die Google-Leute mit den europäischen Verlegern in Kalifornien trafen, kam zudem eine logische Frage auf: Wieso sollte sich dieses Problem auf nur einen einzigen Kontinent beziehen?

Was wollen und brauchen die Verleger?

Man schimpfte manche in der DNI schon Verräter, weil sie mit Google zusammenarbeiteten. Bei allem Schmerz ist das durchaus verständlich, aber auch recht nutzlos. Die europäischen Justizbehörden haben berechtigte und wertvolle Fragen aufgeworfen, aber die Nachrichtenindustrie wird deshalb keineswegs neu erfunden. Hier herrscht dennoch ein ungewolltes Szenario nach dem Muster “Good Cop – Bad Cop”: Der Erzfeind von Google, Axel Springer, kann den harten Typen markieren, und die europäischen Verleger stellen sich hinter die verlegerfreundliche, nachrichtenliebende, demokratieunterstützende Firma, die sie gerne sein würde.

Nun müssen den Worten auch Taten folgen. Neben der Idee des Tags, was kann Google noch tun? Die Liste hier kann darüber Aufschluss geben, was die größten Herausforderungen und besten Möglichkeiten sind, mit denen sich Verleger heute konfrontiert sehen:

  • Mobilmarkt: Heute nutzen beinahe 50 Prozent die Mobilversionen. Die Verleger haben noch immer Schwierigkeiten mit Werbeformaten auf den Smartphones. Wie kann Android hier helfen?

  • Video: Die Verleger sehen gute Einnahmemöglichkeiten in den Videos, zögern aber noch bei Kosten- und Präsentationsfragen. Außerdem ist Youtube (das Google gehört) nicht unbedingt die beste Umgebung für ein Nachrichtenvideo. Die Firma könnte hier neue Interessensfelder aufmachen. Neulich wurde verkündet, dass es einen News Service von YouTube geben soll, der von Storyful betrieben wird. Youtube ist toll, aber seine Störanfälligkeit hat sein Potential aufgezehrt. YouTube hat seine Kanäle gegen das Chaos eingesetzt. Nun hat der News Service diese Art der nutzergenerierten Nachrichten übernommen. Hier gibt es alles, von Kämpfen im mittleren Osten bis hin zu ausbrechenden Vulkanen. Es gibt kaum eine Ordnung. Storyful hat in weiser Voraussicht bereits im Jahr 2013 News Corp aufgekauft und will zwischen fünf und 15 Videos am Tag herausbringen. Jedes Einzelne wird dabei auf Authentizität überprüft. Dieser Fokus auf inhaltliche Qualität, genau wie Quantität, sollte eines der weiteren Ziele von Google sein.

  • Einnahmen der Leserschaft: Was immer die Verleger tun können, um ihre Einnahmen zu steigern, spielt eine große Rolle. Doch die Lesereinnahmen waren die wichtigsten Punkte in den vergangenen Jahren. Die Paywalls haben funktioniert, wunderbarerweise bei den größten Publikationen, manchmal auch für regionale Themen. Die meisten Verleger verknappen die Anzahl der kostenlosen Artikel, die man kostenfrei lesen kann. Was kann Google hier tun, um diese Einnahmequelle noch auszuweiten?

Zunächst einmal könnte Google ein wenig Integration betreiben, um die Suchergebnisse der digitalen Abonnenten für die Verlage zu personalisieren. Zweitens, könnte man das System des “first click free” noch ausweiten. Diese Idee mag zunächst wie ein Anachronismus erscheinen, verfügt aber darüber, dass die Verleger ihre Paywalls über mehr als fünf kostenlose Artikel ausweiten, die man sich eventuell pro Gerät aussuchen kann. “FCF” (“first click free”) war im Jahr 2008 noch eine gute Idee, man wusste noch nichts über seine Nutzer und wollte sie nicht mit zu restriktiven Paywalls abschrecken. Jetzt könnte Google überlegen, einfach Paywall-Inhalt zu kennzeichnen, wie es bereits bei einigen Seiten geschieht, die für den mobilen Gebrauch optimiert worden sind. Hier ist alles viel komplizierter, seit die sozialen Medien wichtiger geworden sind. Im Jahr 2015 ist es für Google durchaus sinnvoll, herauszufinden, wie man die Zügel lockern kann und den Verlegern ihre eigene Strategie zugesteht, ohne sich einzumischen.

Wie wertvoll sind die News für Google wirklich? Wie wertvoll ist Google für die Zeitungen, wenn man dies am Traffic misst? Es gibt hier viele Statistiken, aber davon soll jetzt nicht die Rede sein.

So interessant diese vagen Annahmen auch sein mögen, sie sollten meiner Meinung nach nicht Fokus der Verhandlung sein. Heute gibt es so viele Störfaktoren, und es geht immer weiter. Um die Reparationen geht es nicht. Es geht, für alle, die die Rolle eines freien und lebendigen Journalismus innerhalb einer Demokratie zu schätzen wissen, darum, wie die zunehmend digitale Welt diesen Inhalten zu Hilfe kommen kann. Mir ist es nicht wichtig, ob Google hierbei mitmischt oder nicht, ob es Werbetags gibt oder irgendetwas anderes, ob es aus Wohlwollen, Angst vor Regularien oder aus einem Wettbewerbsvorteil gegen Facebook oder Apple geschieht. Was zählt, ist, das Geschwätz des vergangenen Jahrzehnts zu überwinden und neue Wege zu erkunden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf NiemanLab. Übersetzung von Anne Jerratsch.


Image (adapted) „Google Food“ by brionv (CC BY-SA 2.0).


 

Weiterlesen »

TV Spielfilm: Von Print zu Digital zu Fernsehen

TvSpielfilm 200x200 Quelle: Mediadaten TV Spielfilm live

In Zeiten des Medienwandels müssen sich bestehende Formate neuen Technologien anpassen. Nach der App startet TV Spielfilm nun einen Livestream. // von Felicitas Hackmann

TvSpielfilm 650x317 Quelle: Mediadaten TV Spielfilm live

Mit einer Printauflage von über 900.000 Exemplaren, ist die Fernsehprogrammzeitschrift TV Spielfilm immer noch in vielen deutschen Wohnzimmern vertreten. Viele andere nutzen die Smartphone App, die 2011 gelauncht wurde. Jetzt möchte das Verlagshaus Burda einen Schritt weitergehen und auch gleich Livestreaming anbieten: TV Spielfilm live. Die Details dazu stellte Sebastian Spang, Mobile und Digital Projektmanager bei BurdaNews, auf der Interactive Cologne vor.

Weiterlesen »

Weiterlesen »

CityBeat: Daten sollen helfen, News zu finden

News (adapted) (Image by MIH83 [CC0 Public Domain] via Pixabay)

CityBeat versucht, durch Instagram-Daten, die mit Geomarkierungen versehen sind, die neuesten Nachrichten zu entdecken. Oft jedoch erfolglos oder zu spät. Am 12. März 2014, kurz nach 9:30 Uhr, explodierten zwei Wohnungen in East Harlem, als eine Wasserleitung in eine Gasleitung stürzte. Acht Menschen wurden getötet und es gab Dutzende Verletzte. Reporter rasten zum Ort des Geschehens, aber vier Redaktionen – The New York Times, BuzzFeed, Gothamist und The New York World – nutzten einen anderen Dienst, um über die Geschehnisse zu berichten: CityBeat, ein Programm, das auf algorithmischer Basis geomarkierte Postings aus den sozialen Medien heraussucht, um in New York neue Stories zu finden. CityBeat wurde von den Forscher der Cornell Tech, genau genommen Cornell’s Außenstelle für angewandte Wissenschaften in New York, und Rutgers entwickelt und wurde zu dem Zeitpunkt gerade von den vier Redaktionen getestet.

Bei CityBeat erschienen Berichte über die eingestürzten Gebäude in den sozialen Medien, aber als man endlich genug Posts zusammenhatte, um einen Algorithmus zu registrieren, wussten die Nachrichtenorganisationen bereits von der Explosion und die Reporter und Fotografen waren auch schon vor Ort. „[Das Feuer von Harlem] war zwar in den Schlagzeilen, aber erst eine halbe Stunde später… in so einem Moment nutzen wir Instagram nicht“, sagte einer der Journalisten, der von den Forschern für ihren Bericht interviewt wurde.

Die Teilnehmer sind überzeugt, dass CityBeat am nützlichsten sei, wenn man Events planen wolle: Konferenzen, Konzerte, Events oder PR-Aktionen, wie das eine Mal, als ein Mann in einem Bärenkostüm durch Manhattan spazierte. Das Programm war weniger effektiv, wenn es darum ging, Nachrichten in Echtzeit zu bespielen. „Wir haben darüber gesprochen, dass das eine Einschränkung ist. Wir verstehen die Basis der Information“, so Raz Schwartz, einer der Mitverfasser der Studie. „Die sozialen Medien sind wahrscheinlich nicht die beste Art, um die neuesten Geschehnisse herauszufinden.“

Schwartz arbeitet jetzt im User Experience Team bei Facebook mit, führte die Studie aber als Teil seiner Forschung im Anschluss an seine Doktorarbeit bei Cornall, zusammen mit Mor Naaman, Professor bei Cornall, und Rannie Teodoro von Rutgers, durch. Die Studie wurde vom Brown Institute For Media Innovation der Columbia-Universität gefördert. Kürzlich präsentierte Schwartz die Ergebnisse auf einer Konferenz im englischen Oxford.

Obwohl die Forscher auf andere Themengebiete ausgewichen sind, gibt es CityBeat noch immer. Die Seite wurde gebaut, um auf großen Bildschirmen in Redaktionsräumen gezeigt zu werden. Sie besteht aus drei großen Teilen. Es gibt die Detected Events List (dt.: Liste der gefundenen Ereignisse), eine Zusammenfassung der Ereignisse, die der Algorithmus innerhalb der letzten 24 Stunden durch seine Instagram-Daten gefunden hat. Es gibt auch ein Fenster, mit dem neue Ereignisse mit Ortsangabe in New York angezeigt werden. Das dritte Element ist eine Seitenleiste, die Statistiken in Tweets, Hashtags und mehr anzeigt.

Um Events rund um New York zu finden, sucht sich der Algorithmus von CityBeat die Instagram-Daten heraus, die eine Geomarkierung haben. Wenn er viele Fotos von einem bestimmten Ort herausfiltert, wird ein ‚Candidate Event‘ aufgemacht, in dem alle Fotos auftauchen, die sich mit dem Ereignis beschäftigen. Wenn dies geschehen ist, wird eine automatische Nachricht an die Mitarbeiter von Amazon Mechanical Turk gesandt, die kontrollieren, ob es sich um ein berichtenswertes Ereignis handelt und nicht etwa um eine Gruppe Menschen, die einfach nur Selfies von ihrem Besuch des Empire State Buildings posten. Diese Vorgehensweise erwies sich jedoch als „problematisch“, wie die Mitarbeiter in ihrem Bericht festhielten. „Oft wurde man bei Amazon Mechanical Turk von der Fülle verschiedener Fotos, die auftauchten und wirkliche Ereignisse als Störung klassifizierten, abgelenkt“, so die Studie.

Algorithmen und Bots sind in der letzten Zeit in den Nachrichten recht alltäglich geworden. Sowohl die Associated Press als auch die Los Angeles Times nutzen Bots, um bestimmte Artikel zu schreiben. Apps wie SmartNews benutzen Algorithmen, um sich durch Millionen von URLs zu suchen und somit ihren Usern Neuigkeiten zu präsentieren; und natürlich ist da noch Facebook, das die Zukunft eines Verlegers mit einem verbesserten News Feed verändern kann.

Während in den Redaktionen noch getestet wurde und man nicht sehr überzeugt vom Nutzen der Plattform war, sagte Schwartz, dass er trotzdem daran glaube, dass man aus dem Experiment namens CityBeat gelernt habe, nämlich etwas über die Rolle, die Algorithmen bei den Nachrichten spielen können. „Das haben wir schon überall gesehen“, sagt Schwartz und bezieht sich dabei auf die zunehmende Nutzung von redaktionellen Algorithmen. „Es wächst und wächst und wir müssen verstehen, was das heißt. Wir müssen verstehen, was passiert, wenn wir dem Algorithmus die Macht über die Auswahl und Erstellung unserer Nachrichten geben.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf Niemanlab. Übersetzung von Anne Jerratsch.


Image (adapted) „News“ by MIH83 (CC0 Public Domain

Weiterlesen »