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5 Lesetipps für den 12. Juni

In unseren Lesetipps geht es heute um Virtual Reality im Journalismus, das Filesharing-Urteil des BGH, Netzneutralität, ein Manager-Ranking und Twitter. Ergänzungen erwünscht.

  • VIRTUAL REALITY PBS: Is Virtual Reality the Future of Narrative Journalism?: Ganz so dunkel ist der Medienwandel dann doch nicht immer. Spannend ist es, wenn Leute im Journalismus mal über den Tellerrand schauen und nachdenken, wie denn andere Technologien vielleicht im eigenen Schaffen eingesetzt werden können. Virtuelle Realität ist einer der Trends der Zukunft, weshalb Meg Dalton der Frage nachgeht, ob den virtuellen Realitäten nicht eine mögliche Zukunft des Journalismus sind und was es braucht, um diese Dimension zu erobern.

  • FILESHARING Die Welt: Sieben Fragen und Antworten zum Filesharing-Urteil: Zur Freude der auf Abmahnungen statt Innovationen setzenden Musikindustrie, hat der Bundesgerichtshof in mehreren Filesharing-Fällen die Regeln zur Haftung von Mehrpersonenhaushalten bestätigt (Az.: I ZR 7,19,75/14). Kein gutes Signal für Anschlussinhaber, die entweder ihr WLAN solidarisch auch anderen zugänglich machen oder nicht wissen, wie man ein Netz sichert. Die dpa hat eine Übersicht der wichtigsten Fragen zu dem Urteil zusammengestellt, die Welt.de übernommen hat.

  • NETZNEUTRALITÄT Golem: „Das Internet gehört nicht uns“ stellt ein Netzbetreiber fest: Man kann Monopole nicht mit Monopolen bekämpfen. Eine wichtige Erkenntnis, die auf einer Diskussionsrunde des Verbands VATM auf der Branchenmesse Angacom in Köln entstand. Dienste wie Netflix oder YouTube, die die Infrastruktur der Netzbetreiber nutzen, seien „kein Problem, wenn der stark genug ausgebaut ist, spielt das keine so große Rolle„, erklärte Theo Weirich, Chef von Wilhelm.tel. Deshalb dürfe die Netzneutralität nicht zum Vorteil von großen Telekommunikationsunternehmen wie der Deutschen Telekom geopfert werden. Dies würde kleine Anbieter ausgrenzen und ein Monopol schaffen, unter denen am Ende auch die Kunden leiden werden, die keine Wahl mehr hätten, wenn sie Zugang zu bestimmten Diensten wollen.

  • RANKING Entrepreneur: The 10 Most Influential Leaders in Tech Right Now: Wer sind die einflussreichsten Leute in der Technologie-Branche? Juniper Research hat ein Ranking erstellt, dass auch die Visionen der Kandidaten berücksichtigt, inwiefern sie Innovationen fördern und wie groß ihr persönliches Kapital ist. Microsofts CEO Satya Nadella führt die Liste an, denn Windows Dienste plattformneutral zu gestalten, beeindruckte die das Ranking erstellende Firma. Ansonsten sind natürlich viele Bekannte auf der Liste, wie Uber-Gründer Travis Kalanick (Platz 4), Netflixs CEO Reed Hastings (Platz 5) oder Elon Musk (Platz 9).

  • TWITTER CNET: Snoop Dogg wants to be Twitter’s new CEO: Man könnte fast meinen, Nick Bilton hat seine ganz unterhaltsame Twitter-Biographie zwei Jahre zu früh geschrieben. Stand damals war Jack Dorsey der Unfähige bei dem Microblogging-Dienst und Dick Costolo die wichtige Führungsposition. Jetzt musste Costolo gehen und Dorsey kann sich Hoffnungen machen, wieder zurück in einer mit Macht gesegnete Position zu rücken. Wenn da nicht der Rapper Snoop Dogg wäre, der unter dem Hashtag #SnoopForCEO seine Kandidatur auf Twitter bewirbt. Wem das nicht Meldung genug ist, dem empfehle ich die Analyse von Kevin Kelleher auf PandoDialy und die Zusammenfassung weiterer Änderungen bei Twitter von Molly McHugh auf Wired.com, ansonsten bleibt eigentlich nur abzuwarten, wann Snoop Dog die Geschäfte übernimmt.

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Wieso man sich bei Racked einen Redakteur leistet

Macbook Air Keyboard - Macworld 2008 (adapted) (Image by randy stewart [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Um sowohl kurze als auch längere Stories besser aufzubereiten hat die Fashion- und Beauty-Website Racked an Redakteuren aufgestockt. Zwar mag Longform-Journalismus momentan alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen, aber Racked – die Seite für Styles, Shopping und Beautythemen, die 2013 von Vox Media mit eingekauft worden ist, als sie das Netzwerk Curbed.com erstanden haben – sieht noch Freiraum in der Mitte. Am Dienstag wurde bekannt, dass man Meredith Haggerty, die frühere Gastgeberin des Podcasts TLDR als Nachrichtenredakteurin eingestellt hat. Auf diesem Posten wird sie Beiträge bearbeiten, die etwa 1.000 bis 1.500 Worte umfassen.

Der Posten des Nachrichtenredakteurs ist keine Seltenheit bei Vox Media, auch andere Marken wie The Verge haben jemanden auf der Position. Für Racked ist dies jedoch die erste Redakteursstelle auf diesem Posten und laut Chefredakteurin Leslie Price war die Stelle notwendig, da sich Racked immer weiter in Richtung Berichterstattung bewege. Zudem wurde noch Julia Rubin eingestellt, die früher Onlineredakteurin bei der Teen Vogue war. „Wir haben im letzten Jahr gesehen, dass wir Redakteure ihres Kalibers benötigen, die unsere Marke und unseren Traffic begutachtet. Wir kamen zu dem Schluss, dass wir jemanden brauchten, der Texte redigieren kann„, auch bei kürzeren Geschichten. Rubin ist nun Redakteurin der Features und ist für Geschichten ab 2.000 Worten zuständig, während Haggerty die etwas kürzeren Texte bearbeitet: Fragebögen, wiederkehrende Reihen wie die Putzkolumne von Jolie Kerr, Buch- und TV-Kritiken und Kunst- sowie Museumsthemen.

Alle Redakteure dort draußen werden froh sein zu hören, dass gute Textaufbereitung tatsächlich für mehr Traffic sorgt, zumindest bei Racked war das der Fall. „Wir wollen Geschichten erzählen„, sagte Price, „und in der Welt von Fashion und Beauty machen dies nicht viele. Diese Stimme ist für uns sehr wichtig, und auch der Redakteur hat hier etwas zu sagen, denn er sorgt dafür, dass alles, was wir anbieten, interessant und unwiderstehlich ist.Einer dieser Artikel, über die junge Verkäuferin Brandy Melville, „hat sich als sehr erfolgreich herausgestellt„, denn die Marke „kam aus dem Nichts und ist nun überall, und bisher hatte nie jemand darüber berichtet„. Geschichten über solche Marken, die „von einem gewissen Klientel Käufern geliebt werden und wir verbreiten sie nur ein wenig mehr„, zahlen sich schließlich in Klicks aus.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Niemanlab. Übersetzung von Anne Jerratsch.


Image (adapted) „Macbook Air Keyboard – Macworld 2008“ by Randy Stewart (CC BY-SA 2.0)


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Nachrichten als Designherausforderung

MIT (adapted) (Image by Andrew Hitchcock [CC BY 2.0] via Flickr)

Studenten und Mitglieder des Nieman Lab haben ein ganzes Semester damit zugebracht, neue Lösungen für die Einbindung des Publikums zu bauen, bessere Tools für die Datenauswertung zu erfinden und Ideen für Medienstartups zu sammeln. Jedes Frühjahr gibt Ethan Zuckerman einen Kurs mit dem Titel „Future of News and Participatory Media“. (dt.: „Die Zukunft der Nachrichten und die teilnehmenden Medien“). Der Kurs wurde speziell für Nieman Lab-Leser entwickelt, denn der Anspruch den Zuckerman daran hat, ist die Nachrichten als „Herausforderung in Design und Konstruktion“ zu sehen. (Und es ist kein Zufall, wenn man in diesem Kurs öfters Mitglieder und Mitarbeiter des Nieman Lab antrifft.)

Aus dem Unterrichtsprogramm: „Wir untersuchen die Systeme, die Journalisten nutzen, um Nachrichten zu senden und zu verbreiten, aber wir konzentrieren uns darauf, unsere eigenen Tools und Methoden anzuwenden, um diese Herausforderungen anzugehen„.

Einer der interessantesten Teile des Kurses sind die Abschlussprojekte der Studenten, die der Beschaffung und Verbreitung von Informationen gelten. Der diesjährige Ertrag der Projekte bestand aus Hilfsmitteln, um mehr Inhalt in die Nachrichten hineinzubringen, neue Plattformen der Publikumseinbindung, neue Ideen für Medienstartups und Daten auszuwerten.

Manche dieser Ideen entwickeln sich auch außerhalb des MIT-Kontextes weiter. FOLD, eine Plattform die es Nutzern ermöglicht, Kontext durch multimediale Elemente zu erschaffen, wurde als erstes in den Kursen von Zuckerman entwickelt und schließlich veröffentlicht. Ein paar der Projekte aus dem letzten Jahr, die ich besonders interessant fand, habe ich aufgelistet. Die komplette Projektliste finden Sie hier.

Backstori.es

Was moderne Fernsehshows und die Nachrichten gemeinsam haben ist, dass permanente Bedürfnis die Leute darüber zu informieren, was sie vielleicht verpasst haben. Wenn Sie „Scandal“ oder „Game of Thrones“ gesehen haben, kennen Sie die „Was bisher geschah“-Zusammenfassung am Anfang, bei denen vorherige Folgen zusammengefasst werden. So ähnlich fühlt es sich an, wenn man in eine gerade stattfindende Newsstory einsteigt und noch nicht alles über die Hintergründe von Themen wie Amtraks Safety-Record oder die vorherigen Erdbeben in Nepal weiß.

Das Team hinter Backstori.es, bestehend aus dem Nieman-Mitglied Celeste LeCompte, dem früheren Mitarbeiter Liam Andrew und Sean Flynn, wollten es Journalisten einfacher machen, Zusammenfassungen für Nachrichten zu erstellen. Hier findet man Links für alle möglichen Stories und Hintergrundinfirmationen, sowie Bilder und Texte für kurze Videos.

Backstori.es ist ein webbasiertes Tool, das es Journalisten ermöglicht, semi-automatisch eine Hintergrundstory in Videoformat für alle möglichen Nachrichten zu erstellen. In weniger als fünf Minuten können sich die Nutzer eine Liste an relevanten Berichten zusammenstellen (indem man die inline-Links und anderen Strukturdaten benutzt), die wichtigsten Schlagzeilen und Bilder heraussuchen und diese entsprechend der Veränderungen arrangieren.

Ein fertiges Video würde dann etwa so aussehen:

Peanut Gallery

Leserkommentare sind so etwas wie der weiße Wal für Journalisten: manche wollen sie jagen und vernichten, andere wollen sie lieber retten. Das Team, das Peanut Gallery erfunden hat, bestehend aus Bianca Datta, Vivian Diep und Nieman-Mitglied Kitty Eisele, setzt darauf, Kommentare durch mehr Sprachnuancierungen, Design und User Experience der derzeitigen Systeme festzusetzen.

Um ein ideales Kommentarsystem aufzubauen (beispielsweise eine Diskussion, die themenrelevant und höflich bleibt und zudem neue Ideen mit einbringt), konzentriert sich das Team darauf, welche visuellen Hinweise es geben könnte, wenn man die Leserkommentare anschaut. Sie schreiben: „Wir erforschen das Design der Kommentare, um die Emotionen und den Tonfall der Nutzer durch eine Mischung aus Stimmungsanalyse, typographischem Verhalten und einer neuen Art der Zensur zu reflektieren.

Das sieht dann so aus, als würde ein Kommentartool „positive“ Worte in roter und „negative“ Worte in blauer Farbe markieren, oder bestimmte Worte, auf die viele Ausrufezeichen folgen, auslassen. Das Ziel wäre es, ein Messgerät zu entwickeln, wie die Leser auf Inhalte reagieren, um den Einfluss der Berichterstattung nachzuvollziehen.

WeCott

In den letzten Jahren versuchten manche Medienunternehmen, den Einfluss ihrer Arbeit in der echten Welt zu messen. Ab und zu betonten Reporter und Redakteure die Verabschiedung oder Verhinderung mancher Gesetze anekdotisch. Bei den meisten Artikeln ist es jedoch vergleichsweise schwer herauszubekommen, wie diese einen signifikanten Wandel eingeleitet haben könnten. Eine Lösung wäre es den Lesern Werkzeuge in die Hand zu geben, um sich mit dem kürzlich gelesenen Thema weiter zu beschäftigen. WeCott ist eine Plattform, die es den Menschen ermöglicht, sich um ein aktuelles Thema herum zu organisieren. Die Leser sollten ihre Informationen dann mit WeCott teilen, Spenden sammeln oder Aktionen planen, die nach der Berichterstattung stattfinden.

Stellen Sie es sich wie ein Kickstarter für Aktivisten vor, die alles aus den Nachrichten erfahren haben. Ein Beispiel: Die Nieman-Mitglieder Alicia Stewart und Wahyu Dhyatmika, Amy Zhang, Giovana Girardi und Anna Nowogrodzki tun gerade alles dafür, dass Nagelstudios in New York gemieden werden, nachdem die New York Times über die Arbeitsbedingungen der Salonmitarbeiter berichtete.

Periodismo de Barrio

Nieman-Mitglied Elaine Diaz Rodriguez nutzt die Zeit während Zuckermans Kurs, um die Idee zu Periodismo de Barrio zu entwickeln. Das ist ein gemeinschaftliches Journalismusprojekt, das Meldungen und Informationen in den Gegenden zusammenträgt, die sich gerade von Krisenzeiten erholen. Diaz kommt aus Kuba und plant das Projekt in ihrem Heimatland aufzubauen:

Ich versuche, die persönliche Tradition eines menschlichen und respektvollen Journalismus aufrechtzuerhalten, der dem Elend anderer Leute gegenüber sensibel geblieben ist. ‚Periodismo de Barrio‘ will eine komplexere Perspektive auf die Situation anbieten. Auch wenn es in Kuba schwierig sein kann, an bestimmte Quellen heranzukommen, wenn man jedoch nahe bei dem Menschen bleibt, und nicht zu sehr in Richtung der Institutionen geht, und sich Instrumenten wie der Gemeindeversammlung bedient, so sollte die Entwicklung des Projekts durchaus Erfolg haben.

Die Idee wäre, dass Periodismo de Barrio in Paketen oder „paquetes“ anzubieten, die auf USB-Sticks passen und Artikel von Diaz und anderen Mitarbeitern enthalten würden.

Zuerst erschienen auf niemanlab.org. Übersetzung von Anne Jerratsch.


Image (adapted) „MIT“ by Andrew Hitchcock (CC BY 2.0)


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Kann man aus Yelp ein Herzstück der lokalen Presse machen?

Yelp Sticker and Reviews (adapted) (Image by StickerGiant Custom Stickers [CC BY 2.0] via Flickr)

Der Preis für Yelp wäre nicht gering, aber er könnte es wert sein, um einen Teil der alten Zeitungen wiederzubeleben: die Lokalnachrichten und den Service. Yelp steht zum Verkauf, und man vermutet die gewohnten Interessenten, die hier aufgelistet sind: Google, Amazon, Apple, Yahoo und Facebook. Es ist, als wäre alles Geld der Unternehmenswelt vom Tisch gefegt und ins Silicon Valley gespült worden. Vergessen Sie die alten Experimente von wegen „eine-Woche-ohne-Internet“! Ist es überhaupt noch möglich, eine einzige Woche zu verbringen, ohne über diese Firmen zu sprechen?

Man spekuliert, dass der Angebotspreis von 3,5 Miliarden US-Dollar für diese Unternehmen (oder auch jeden anderen) vielleicht zu hoch angesetzt sein könnte. Das Publikum von Yelp nimmt noch immer zu – bis zu 7,5 Prozent jährlich bis hin zu 142,5 Millionen US-Dollar im ersten Quartal, aber die Einnahmen und das Mitgliederwachstum verlangsamt sich. Insgesamt wird das Einkommen in diesem Jahr bei etwa 580 Millionen US-Dollar liegen. Das Unternehmen hat im laufenden Jahr etwa 40 Prozent seiner Marktkapazität verloren, die Investoren haben festgestellt, dass es sein Wachstums-Mojo verloren hat.

Ich habe eine kleine Idee, falls einer der digitalen Kolosse nicht vorher zuschnappen wird: Nachrichtenagenturen sollten Yelp kaufen und es als Quelle für Seiten und Apps im Bereich Lokalnachrichten nutzen. Bevor wir uns anschauen, wie das funktionieren kann, denken wir doch kurz über die Rolle von Yelp nach und was das über den Glamour aussagt, den lokale Nachrichtenagenturen momentan besitzen.

Yelp hebt sich in unserem digitalen Universum ab. Es hat eine Smartphone-App (Android | iOS), die ortsgebunden funktioniert. Versuchen Sie es gleich mal. Wie viele Ihrer Apps können das von sich behaupten? Natürlich gibt die Wetter-App das Wetter vor Ort wieder, und die Major League versorgt Sie mit den neuesten Infos und Videos Ihres Lieblingsbaseballteams, aber welche anderen Apps sind überhaupt lokal angesiedelt? Haben es überhaupt örtliche Nachrichtenportale auf ihren Homescreen geschafft? Lokale Apps sind bisher ein echtes Desaster, vor allem, seitdem alle Welt, inklusive der Leser, mobil geworden ist. Zugegeben, die Browser leiten die Leser zu den Webseiten der lokalen Nachrichten, egal, wie mittelmäßig diese sind. Trotzdem sind die Einsatzraten, monatlich gesehen und im Vergleich zur Verweildauer auf anderen Seiten, eher gering. Warum das? Teilweise weil es darum geht, nur zu lesen, und nichts zu tun.

Andererseits geht es bei Yelp ausschließlich um lokale Infos: um die Zugänglichkeit vor Ort, was man wo ausprobieren sollte und was man lokal nutzen kann. Jeremy Stoppelman hat Yelp im Jahr 2004 gegründet und hat den Wert solcher örtlichen Nutzbarmachung erkannt, genau wie das Zeitungsgeschäft sich darauf konzentriert, seine Inhalte von einem Print- in ein Onlinesystem umzuwandeln. Stoppelman sah, was direkt vor den Augen der Medien geschah: Die Menschen wollten Hilfe in ihrem Leben haben, und diese Leben finden nun mal an einem bestimmten Ort statt. Die erste und wichtigste Funktion von Yelp war es, den Wert der lokalen Informationen zu erhöhen.

Yelp entwickelte seine Zugkraft in seiner natürlichen Umgebung. Ich erinnere mich noch, wie nützlich es war, die omnipräsenten, aber unwichtigen Restaurants von denen der Schätze in San Francisco zu trennen. Wir nutzen Yelp, das mitterweile schon viele Personen erreicht hat, ziehen die paar vorhersehbaren, fast schon fanatisch positiv auffallenden Standardreviews ab, und entdecken tolle neue Orte. Sogar die Restaurantkritiken des San Francisco Chronicle und der San Jose Mercury News wurden hier überholt, weil es insgesamt mehr erfrischendere und manchmal auch qualitätsvollere Besprechungen gab.

Diese Kritiken waren seit Jahrzehnten der Standard für jede Lokalzeitung und hatten vor allem durch die Mundpropaganda eine ziemliche Macht. Das Internet und Yelp haben das gleiche getan. Genau wie die Zeitungen den Ausrufer ersetzt haben, dessen Neuigkeiten sich von Dorf zu Dorf verbreiteten, hat Yelp die Kritiken der Zeitungen ersetzt.

Spulen wir auf heute vor: Yelp kann das Wachtum, das es benötigt, nicht erzeugen. Lokale Nachrichtenfirmen und Informationsunternehmen, also auch Zeitungen, werden immer unwichtiger im täglichen Leben der Leser, denn das Smartphone verweist die Menschen auf örtliche Karten, Verkäufe, Veranstaltungen, und noch viel mehr.

Daher die Idee: Könnte man Yelp mit einer Nachrichtenplattform verbinden, könnte man diese je nach Ort anpassen. Vielleicht könnte man die Verbindung zwischen den täglichen (jetzt: stündlich und permanenten) Nachrichten und dem Leben, das die Menschen in den Städten führen, wieder herstellen. Man könnte die lokalen Dienste, Restaurants und den Einzelhandel mit den Nachrichten verbinden.

Schließen Sie kurz Ihre Augen und denken Sie darüber nach wie es wäre, in eine Welt zurückzukehren, welche von einer Tageszeitung geschaffen und beliefert wurde (so profitabel für die Besitzer und befriedigend für die Leser und Werbekunden), bis zum großen digitalen Erdrutsch. Dieser Erdrutsch beinhaltet: die wichtigsten Nachrichten, Werbung und anderes teilte sich untereinander auf, von Kleinanzeigen (Craigslist, eBay, Monster) über die Google-Suche und Facebook im sozialen Bereich.

Warum sollte man hier aufhören? Man kann auch andere nützliche Apps hinzufügen, zum Beispiel durch Partnerschaften. Da gäbe es Angie’s List (Android | iOS) für Haushaltsservices oder OpenTable (Android | iOS) für Reservierungen. Uber (Android | iOS) und andere Mitfahrservices sorgen für den Transport. Legt man sich Yelp zu, hätte man auch Eat24 (Android | iOS) dabei, die Restaurant-App hat Yelp im Februar 2014 schon für 134 Millionen US-Dollar gekauft. Außerdem hätte man Zugriff auf den Onlineservice SeatMe.

Okay, also wer fängt an und wirft als erstes ein Angebot von guten 3 Milliarden US-Dollar in die Runde?

Eine der großen Zeitungsketten (Gannett, New Media Investment oder Tribune Publishing) wäre denkbar. Jeder von ihnen benötigt eine Kapitalbeteiligung, bei New Media wäre das derzeit das Unternehmen Fortress. Wie sieht es bei Apollo Global Management aus? Die Verhandlungen mit Digital First Media (DFM) wurden neulich abgebrochen.

DFM wäre eine krasse Wende und würde ziemliche Kopfschmerzen bereiten. DFM als erster Stein eines national, lokalen Informations-Stadtführer-Review-Betriebs wäre ein völlig neues Angebot.

Wie würden die ungefähren Zahlen aussehen? Nun ja, das kommt auf die Fähigkeit der entsprechenden Unternehmen an. Der Besitzer muss dafür sorgen, dass das Publikum vor Ort angesprochen wird und Geld dafür zahlen möchte. Ich habe mit einigen Verlegern gesprochen, die zumindest laut darüber nachdenken, in ihr Geschäft zusätzlich E-Commerce einzuführen. Eine Verlegerplattform, die von Yelp durchdrungen ist, würde hier das Feld völlig neu aufrollen. Es kommt darauf an, wie viel Publikum man gewinnen und wie viel Ertrag man erwirtschaften kann. Die Verleger könnten eine ihrer größten Wachtumsinitiativen mit Yelp verbinden: dem digitalen Marketingservice.

Sicherlich sind 3 Milliarden US-Dollar eine ganze Menge Geld, aber erinnern wir uns an die drei Milliardäre, die sich neulich in das Zeitungsbusiness eingekauft haben. Stellen Sie sich vor, was John Henrys Boston Globe, Glen Taylors Minneapolis Star-Tribune, oder Jeff Bezos‘ Washington Post mit einer derartigen, um Yelp erweiterten, Plattform tun könnten. Könnte ein Netzwerk, das ihnen ganz oder zum Teil gehört, funktionieren?

Natürlich wäre Bezos hier der Platzhalter, schaut man sich seinen Reichtum an, seine Position und seine Querdenkerart. Wir warten alle darauf, dass die nächste Schuhlinie für die Washington Post hergestellt wird. Das wäre mal ein Geschäft, das aus heiterem Himmel kommt. Man denke weiter über die Vorteile eines möglichen Zusammenschlusses von Amazon und Yelp nach und könnte hier auch die Interessen von Amazon, nämlich superschnellen Lieferservice, mit einfließen lassen.

Noch viele Andere haben das Geld und die Ideen, um solch eine Idee in die Tat umzusetzen. Vielleicht wird es auch Verizon, die ein Medienunternehmen werden wollen, den Wetteinsatz vedoppeln und ihre GPS-Verbindungen mit den lokalen Medien und ihrem Service verbinden könnten. Viele Unternehmer erkennen, wie es funktionieren kann, aber wir hoffen, dass es jemand wird, der Respekt für die (ortsabhängigen) Nachrichten wertschätzt und in der Lage ist, sie für die digitale Ära aufzubereiten.

Was soll ein potentieller Käufer von einem Erwerb von Yelp halten? Die erste logische Frage: Warum sollte man ein sterbendes Unternehmen kaufen, das gerade vom Markt abgewertet wird? Zuerst einmal, der Preis ist günstig und nimmt stetig ab, also lohnt sich der Kauf. Zudem sind es nicht die Finanzen von Yelp, die hier die größte Rolle spielen. Die große Frage ist: Was passiert, wenn man das derzeitige Engagement und die Ertragskraft von Yelp mit der des größten Medienunternehmens und mit einem riesengroßen Publikum und deren Kaufkraft kombiniert? Und zu guter Letzt, was kann man verdienen, wenn man von einem lokalen, digitalem Nachrichten-Unternehmen auf einen lokalen, digitalen Nachrichten- und Reiseführer-Betrieb umstellt und zugleich den angestammten Platz der Zeitungen für sich selbst verlangt?

Zuerst erschienen auf niemanlab.org. Übersetzung von Anne Jerratsch.


Image (adapted) „Yelp Sticker and Reviews“ by John Fischer (CC BY 2.0)


 

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Wie BBC News mehrsprachige Social News zusamenfassen will

BBC News setzt auf mehrsprachige Nachrichten in Instagram und Line (Image: BBC)

Mit mehrsprachigen Nachrichten in den unterschiedlichsten Formaten erreicht die BBC vollkommen neue Zielgruppen. // von Joseph Lichterman

BBC News setzt auf mehrsprachige Nachrichten in Instagram und Line (Image: BBC)

Wir wollen einem Publikum, das normalerweise eine festgesetzte Meinung über die BBC hat, zeigen, dass sie auch mit der neuen Zeit mithalten kann„, begründet Hernando Alvarez die Versuche der BBC, Nachrichten in den unterschiedlichsten Sprachen in den verschiedensten Formaten auf den mannigfaltigsten Medien zu verbreiten. Und das mit Erfolg.

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„Quartz ist eine API“ und wird digitale Nachrichten umformen

Quartz Offices (Image: Mia Mabanta)

Quartz sieht sich selbst als eine API und nicht als Medium – doch auch wenn der Vergleich hinken mag, das Unternehmen verändert den digitalen Journalismus. // von Zachary M. Seward

Quartz Offices (Image: Mia Mabanta)

Wenn wir sagen, dass Quartz eine API ist, meinen wir nicht, dass man Dinge einmal veröffentlicht und sie überall hin schickt. Wir meinen, dass Quartz dorthin gehen kann, wo unsere Leser sind, welche Form auch immer benötigt wird.“ In einem Gastbeitrag für das Niemand Journalism Lab erklärt Quarts Produktmanager und leitender Redakteur Zachary M. Seward die Entwicklung der letzten drei Jahre und wohin das nur schwer zu beschreibende Medien sich entwickeln möchte.

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5 Lesetipps für den 19. Mai

In unseren Lesetipps geht es heute um die ganz großen Themen unserer Zeit: Google, Netzneutralität, Periscope, Geld und den Medienwandel. Ergänzungen erwünscht.

  • GOOGLE Wall Street Journal: Can Google Outsell Amazon and eBay?: In den nächsten Wochen möchte das Suchmaschinenunternehmen Google laut einem Artikel des „Wall Street Journal“ einen „Kaufen“-Button in der mobilen Suche einbauen. Klingt erst einmal nach einer guten Idee im Wettbewerb mit Amazon und Ebay, was aber noch lange nicht heißt, dass es klappt. Wenn aber, dann dreht Google am ganz großen Rad und wird den Online-Handel mächtig vorantreiben.

  • NETZNEUTRALITÄT Techdirt: European Mobile Networks Plan To Block Ads, Not For Your Safety, But To Mess With Google: Letzte Woche wurde über die Pläne von europäischen Telekommunikationsanbietern berichtet, mobile Werbung auf Smartphones und Tablets zu blocken. Was in erster Linie sehr nutzerfreundlich aussieht, und nur nebenbei eine Möglichkeit der Finanzierung von Journalismus verhindert, ist eigentlich nur ein Versuch, Geld von Google zu erpressen und die Freiheit im Internet ein Stück weiter einzuschränken. Mike Masnick bringt das wie gewohnt gut auf den Punkt.

  • PERISCOPE The Independent: Periscope keeps videos, and can edit and transmit them after they’ve been deleted: Der Titel hat Ihnen schon verraten, dass es sich in dem Artikel um die Livestreaming-App Periscope handelt. Hätte ich Ihnen aber über die in dem Artikel behandelten Probleme des Unternehmens erzählt, hätten sie sicher nicht gewusst, um welches Startup es sich handelt. Bestimmt nicht mal, ob der Artikel überhaupt aus diesem Jahr ist. Periscope speichert die angeblich verschwindenden Livestreams seiner Nutzer auf seinen Servern, und muss gerade sehr viel gegen Pornographie und Urheberrechtsverletzungen tun. Kommt Ihnen das alles bekannt vor? Wie so bei jedem Startup der vergangenen fünf Jahre, die auf von Nutzern generierte Inhalte setzen? Genau, mir auch.

  • GELD Mitteldeutsche Zeitung: Dänemark verabschiedet sich vom Bargeld: Sebastian Wolff schreibt über eine aktuelle Entwicklung in Dänemark, die auch die hiesige Diskussion um Bargeld wieder anfachen wird: Dänische Händler haben jetzt die freie Wahl, ob sie Bargeld überhaupt noch annehmen oder auf elektronische Bezahlung bestehen. Was auch Ökonomen fordern, ist der Albtraum von (deutschen) Datenschützern. Doch die Verbreitung bargeldloser Bezahloptionen wird steigen, wie PayPal-Deutschland-Chef Arnulf Keese mir im Interview erklärte.

  • MEDIENWANDEL American Journalism Review: News Partnerships Increase in Digital Age: Auf der Website des American Journalism Review schreibt Martha Hamilton über eine interessante Entwicklung im Journalismus: Kooperationen zwischen Redaktionen nehmen zu. Ein Grund dafür sind die finanziellen Einsparungen der letzten Jahre, denn oft fehlt es auch genug eigenem Personal. Sich aber aus seiner vertrauten Umgebung herauszugehen, mit anderen zu unterhalten und Alternativen kennenzulernen, ist zugleich auch die Grundlage für Innovationen, wie Hamilton an bekannten Beispielen aufzeigt.

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5 Lesetipps für den 18. Mai

In unseren Lesetipps geht es heute um das Versagen der Merkel-Regierung, Verantwortung auf YouTube, Streaming, den Medienwandel bei Condé Nast und Lyft. Ergänzungen erwünscht.

  • ÜBERWACHUNG Süddeutsche.de: Das große Merkel-Versagen: Thorsten Denkler hat den Text geschrieben, der rückblickend wohl das Ende der Regierung von Angela Merkel bedeuten könnte. Es ist der Text, der in klaren Worten aufzeigt, dass sämtliche Affären dieser Bundesregierung, immer auch Merkel-Affären waren. Mit dem Unterschied, dass sie jetzt zum ersten Mal, durch die direkte Verantwortung des Bundeskanzleramts für den Bundesnachrichtendienst, sich nicht aus der Verantwortung stehlen kann. Es wird wohl ein Abgang mit einem großen Knall.

  • YOUTUBE Broadmark: Verantwortung durch Reichweite: Mit großer Reichweite geht auch eine gewisse Verantwortung einher. Diese an Spidermans Motto orientierte Aussage mag in ihrer Logik selbstverständlich sein, doch gerade in den Medien muss darum jeden Tag neu gekämpft werden. Auf YouTube ist dies nicht anders, weshalb dieser Meinungsbeitrag von Lisa Haala auf Broadmark ein sehr wichtiger Text für eine Community ist, die oft in sehr jungen Jahren „was mit Medien“ machen, ohne je darüber nachgedacht zu haben, was das bedeutet.

  • STREAMING Fast Company: Why I’m Giving Up Streaming Music And Going Back To MP3s: Jared Newmans Abgesang auf Streaming-Dienste hat mich mein eigenes Musiknutzungsverhalten hinterfragen lassen. Mit dem Ergebnis: Streaming von Musik kann sehr nützlich sein. Während ich früher versuchte, alles auf MP3 zu bekommen und Stunden damit verbrachte, die Dateien mit Informationen zu versehen, zu ordnen und zu sichern, höre ich heute viel bewusster Musik und wenn mir etwas gefällt, dass ich gestreamt habe, kaufe ich mir die Vinyl (die entweder via Amazon auch gleich als MP3 kommt oder bei Erwerb in einem Plattenladen dann von mir digitalisiert werden muss). Newman mag mit seiner persönlichen Beobachtung Recht haben, doch das habe ich auch mit meiner persönlichen Beobachtung. Die Nützlichkeit von Diensten kommt daher, wie sie genutzt werden.

  • MEDIEN Digiday: Digital drives culture change at Condé Nast: Während die klassische Zeitung wohl dem Untergang geweiht ist, was auch das Verhalten der meisten Presseverlage erklärt, haben Magazine wohl eine vielversprechende Zukunft als Printprodukte vor sich, was man wiederum auch am Verhalten dieser Verlage erkennt. Condé Nast ist ein internationales Beispiel dafür, welches Bob Sauerberg im Interview mit Ricardo Bilton verdeutlicht. Hier lohnt sich der Kulturwandel noch, den die Digitalisierung ausgelöst hat und er wird mit gut begründetem Optimismus angegangen.

  • LYFT Handelsblatt: US-Großanleger Icahn investiert in Uber-Konkurrenten Lyft: Geld soll ja angeblich glücklich machen, aber wenn es dir der New Yorker Finanzinvestor Carl Icahn gibt, kann dies bezweifelt werden. Icahn, der milde gesagt als ungemütlich gilt, hat für 100 Millionen US-Dollar Anteile am Uber-Konkurrenten Lyft erworben. Das Unternehmen wird jetzt mit etwa 2,5 Milliarden US-Dollar bewerten (Uber: 41 Milliarden US-Dollar). Bemerkenswert ist dies, da es nicht Icahns Art ist, in Startups zu investieren. Das Geschäftsmodell beider Unternehmen wird als äußerst lukrativ angesehen.

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Trotz Hype interessiert sich niemand für Periscope und Meerkat

Twitter's Periscope App (Image by Anthony Quintano [CC BY 2.0], via Flickr)

Periscope und Meerkat sind der Trend in der Digital- und Tech-Welt, zumindest in den Medien – in der Realität treffen die Apps eher auf Desinteresse. Glaubt man den Berichten in den einschlägigen Medien, steht die nächste Revolution in der Tech-Branche nicht nur unmittelbar bevor, sondern ist bereits in vollem Gange. Periscope und Meerkat sind die neuen Apps der Stunde und Live-Videostreaming ist plötzlich das, worauf alle gewartet haben. Doch ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass die beiden Apps doch nicht so viel genutzt werden und Livestreaming von Videos auf Mobilfunkgeräte nicht die gewünschte Revolution ist. Es bleibt also die Frage, was nach dem Hype übrig bleibt.


Warum ist das wichtig? Live-Videostreaming von Mobile-Geräten ist der nächste große Hype, wenn man der Tech-Presse Glauben schenkt – die Zahlen lassen eher auf Desinteresse seitens der Nutzer schließen.

  • Meerkat und die zu Twitter gehörende App Periscope sind der letzte große Hype in der Tech-Welt.

  • Das Streamen von Live-Videos über das Smartphone soll nach Ansicht vieler Beobachter die Berichterstattung im Netz revolutionieren.

  • Der Hype scheint allerdings nur in der Tech-Blase zu existieren, denn die Nutzer interessieren sich nur in ganz wenigen Ausnahmesituationen für die beiden Apps.


Die Geburt eines Hypes

Mobiles Internet und vor allem Social-Media-Kanäle wie Twitter haben die Liveberichterstattung von Geschehnissen überall auf der Welt bereits massiv verändert. Noch bevor Kamerateams und professionelle Reporter vor Ort sind, sind bereits die ersten Fotos und Videos im Internet zu finden. In den letzten Wochen hat sich aber ein neuer Hype gebildet, der die Online-Berichterstattung nochmals auf eine neue Ebene heben soll: Live-Videostreaming. Genauer sollen die beiden Apps Meerkat und Periscope diese Aufgabe übernehmen, wie es aus massiver Berichterstattung der einschlägigen Tech-Presse hervorgeht.

Demnach müssten die beiden Apps in den Appstores auch entsprechend hoch gerankt werden. Schaut man sich die Bestenlisten allerdings genauer an, muss man lange suchen, um die Apps zu finden. Laut App Annie ist die zu Twitter gehörende App Periscope in Deutschland nur auf Platz 329 und in den USA auf Platz 161 der beliebtesten iOS-Apps zu finden. Seit Ende Mai gibt es auch eine Android-Version. Der direkte Konkurrent Meerkat hat den Weg in den Google Play Store etwas schneller gefunden, belegt dort in den USA aber nur Platz 475 und unter den iOS-Apps sogar nur Platz 1469. Doch wie lässt sich diese Diskrepanz zwischen der Berichterstattung über die Apps und deren tatsächliche Popularität erklären?

Don’t believe the Hype!

Sind die Zahlen von App Annie vielleicht gar nicht aussagekräftig? Wie sieht die Aktivität denn direkt bei Twitter aus? Sieht man sich die Mentions bei der Social Media Suchmaschine Topsy an, ist am 2. Mai eine auffällig hohe Aktivität zu verzeichnen – diese ist dem Pacquiao vs. Mayweather-Boxkampf geschuldet. Nun sind die beiden Apps mit Sicherheit nicht gerade die beste Plattform, um einen Boxkampf zu verfolgen. Da viele Nutzer technische Probleme mit den legalen Pay-per-View-Angeboten hatten, wurden Periscope und Meerkat aber dankbar angenommene Alternativen. Abgesehen von diesem Ausschlag sind die Zahlen aber sehr übersichtlich. Twitter und Periscope vertreten zwar die Meinung, dass die Anzahl der Tweets, die die Apps nennen, nichts darüber aussagen, wie viele Nutzer über die Apps livestreamen, da die Ankündigungs-Tweets, dass man die App nutzt, ausgeschaltet werden können, allerdings ist das irrelevant, denn der generelle Rückgang der Mentions spiegelt durchaus das generelle Interesse an den Apps wieder.

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Mobile-Live-Streaming ist einfach nicht das nächste große Ding, das die Medienlandschaft revolutionieren wird, egal wie sehr die Medien dies auch versuchen herbeizuschreiben. Das liegt nicht nur daran, dass zumindest hierzulande die mobilen Datennetze und die Datentarife der Provider noch nicht ausgereift genug sind – in den USA ist dies durchaus bereits der Fall – sondern eher am Mangel der livestreaming-werten Ereignisse. Großereignisse wie der Boxkampf werden sicher immer wieder für einen Anstieg in der Nutzung sorgen, doch diese werden die Ausnahme bleiben – abgesehen davon, verspüren die meisten Menschen heutzutage einfach noch nicht das Bedürfnis, ihren Alltag im Livestream zu präsentieren, bzw. sich dies anzusehen. Und wenn wir mal ganz ehrlich einen Blick auf unseren eigenen Alltag werfen, wie viele Ereignisse finden sich da, die man gerne live mit anderen teilen möchte, beziehungsweise für die sich andere interessieren würden? Das heißt aber nicht, dass Meerkat und Periscope komplett gescheitert sind – sie haben durchaus ihre Daseinsberechtigung. Sie werden eine Nische finden und bedienen – aber dem herbeigeschriebenen Hype werden sie beim besten Willen nicht gerecht.


Teaser & Image „Twitter’s Periscope App“ (adapted) by Anthony Quintano (CC BY 2.0)


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Facebook baut Dominanz über die Medienlandschaft weiter aus

Facebook (Image by bykst [CC0 Public Domain], via Pixabay)

Facebook dominiert die Medienlandschaft inzwischen wie kein ein anderes Unternehmen und dieser Einfluss wird in naher Zukunft auch noch weiter zunehmen. Während hierzulande noch über das Leistungsschutzrecht und den Einfluss Googles auf die Medienlandschaft heiß diskutiert wird, ist im Windschatten dieser Debatte längst ein Unternehmen an der Debatte vorbei gerauscht: Facebook. Das Social Network ist inzwischen für die Medienunternehmen zu einem der wichtigsten Traffic-Lieferanten angewachsen. Die New York Times und Buzzfeed wollen testweise sogar Content direkt auf Facebook veröffentlichen. Doch was passiert mit kleineren Seiten, wenn das Social Network mal wieder an seinen Algorithmen schraubt und die Sichtbarkeit für Seiten minimiert?


Warum ist das wichtig? Je mehr sich Medienunternehmen in eine Abhängigkeit von Facebook begeben, desto stärker sind sie in Gefahr, wenn das Unternehmen Änderungen an den Algorithmen für den Newsfeed vornimmt.

  • Facebook ist inzwischen eine der wichtigsten Informationsquellen im Internet.

  • Von den steigenden Werbeeinnahmen von Facebook profitieren auch die Medienunternehmen.

  • Veränderungen am Newsfeed und der Sichtbarkeit können für Unternehmen, die zu sehr von Facebook abhängig sind, schnell gefährlich werden.


Es geht voran… für und mit Facebook

An Facebook kommt man inzwischen kaum noch vorbei und das Unternehmen dominiert dabei nicht nur, wie wir uns, unsere Katzen und unser Essen öffentlich präsentieren, sondern auch, wie wir unsere Nachrichten und Medieninhalte konsumieren. Die Zeiten, in denen die Mehrheit der Erwachsenen morgens zur Zeitung gegriffen und diese zum Großteil durchgelesen hat, um zu wissen, was in der Welt und der eigenen Stadt passiert, sind lange vorbei. Längst hat der Griff zum Smartphone oder Tablet die Zeitung ersetzt – und auf diesen Geräten sind nicht etwa News-Reader-Apps oder Twitter die Informationsquelle für das Weltgeschehen, sondern immer häufiger Facebook. Diese Entwicklung und, dass Facebook längst den Sprung von Desktop auf Mobile geschafft hat, zeigt auch der jährliche Statusbericht vom Pew Research Center.

Laut dem Bericht haben vergangenes Jahr allein fünf Unternehmen die Mehrheit (61 Prozent) der digitalen Werbeumsätze generiert: Facebook, Google, Microsoft, Yahoo und AOL. Facebook hat zudem die eigenen digitalen Werbeumsätze in den letzten zwei Jahren verdoppelt und hat 2014 5 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet. Von dieser Summe wird bereits ein Viertel aller Einnahmen durch Display-Ads über Mobile-Geräte generiert. Lange war nicht klar, ob sich die Werbeeinnahmen von Desktop-Services auch auf Mobile-Geräten entsprechend halten oder ausbauen lassen und zumindest Facebook ist dies gelungen. Während die Werbeeinnahmen im Desktop-Bereich um 20 Prozent gefallen sind, sind sie im Mobile-Bereich um 20 Prozent gestiegen. Mit anderen Worten: Die bereits vorhandene Dominanz von Facebook wird vorerst noch weiter steigen, denn von den den Werbeeinnahmen profitieren auch die Medienunternehmen, da Facebook nur einen Teil einbehält.

Dominanz und Abhängigkeit

Mit der Entwicklung weg von der Lektüre einer Tageszeitung geht auch eine Veränderung im Leseverhalten der Nutzer einher. Kaum ein Nutzer verbringt seine Zeit damit, sich auf einer Website durch einen Artikel nach dem anderen zu klicken, wie es bei einer Tageszeitung der Fall wäre. Im Januar dauerte der durchschnittliche Besuch auf der Website oder in der App der New York Times nur 4,6 Minuten. Der durschnittliche US-amerikanische Smartphone-Nutzer verbringt dagegen laut Mark Zuckerberg mehr als 42 Minuten am Tag auf Facebook oder in der entsprechenden App. Dort entdeckte Artikel werden also gezielt angesurft und gelesen, mehr Zeit wird aber selten auf den News-Seiten verbracht. Dementsprechend werden Medienunternehmen immer abhängiger von Facebook, wenn es um den Traffic geht. Noch ist die Seite zwar nicht die einzige Informationsquelle, aber das könnte sich bald schon ändern. Vergangene Woche haben mehrere große Medien, darunter die New York Times und Buzzfeed, verkündet, dass sie planen, ihre Inhalte bald direkt bei Facebook zu veröffentlichen. Medienunternehmen gehen derzeit häufig Beziehungen mit Tech-Unternehmen wie Facebook ein, um ihre Inhalte zu verbreiten, allerdings geben sie damit auch die Kontrolle und damit einen großteil der Einnahmen weitestgehend an diese Firmen ab.

Diese neuen Beziehungen bergen aber auch recht große Gefahr, denn Facebook und andere Social-Media-Unternehmen haben die Angewohnheit mit den Einstellungen für die Newsfeeds zu experimentieren. Facebook hat zum Beispiel kürzlich Pläne bekannt gegeben, den Newsfeed umzukrempeln und den Nutzern mehr Inhalte von Freunden als von geliketen Seiten zu zeigen. Für viele Unternehmen die bei den Besucherzahlen stark von Facebook abhängig sind, könnte sich diese Entwicklung sehr negativ auswirken. Facebook erhält die Entscheidungsgewalt darüber, welche Nachrichten welchem Nutzer gezeigt werden. Das Urteil von dem Nachrichtensprecher Facebook wird allerdings schwer nachvollziehbar und fragwürdig, da es auf jeden Nutzer, basierend auf seinem Verhalten und seinen Likes zugeschnitten wird, ohne dass der Nutzer oder die Medien dieses Urteil durchschauen, geschweige denn steuern können. Zum Glück ist es ja noch nicht soweit, dass Facebook die einzige Nachrichtenquelle im Internet ist, aber die Dominanz des Social Networks steigt doch stetig und damit auch die Abhängigkeit von Medienunternehmen.


Teaser & Image „Facebook“ (adapted) by bykst (CC0 Public Domain)


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Medienethik: Jörg Sadrozinski über heutigen Journalismus

Medienethik-Gespräch zwischen Alexander Filipovi? und Jörg Sadrozinski über Journalismus

Jörg Sadrozinski diskutiert in der zweiten Folge der Sendung „Medienethik“ über den Status Quo des Journalismus. // von Tobias Schwarz

Medienethik-Gespräch zwischen Alexander Filipovi? und Jörg Sadrozinski über Journalismus

Der Leiter der Deutschen Journalistenschule (DJS), Jörg Sadrozinski, diskutiert mit Moderator Alexander Filipovi? den Status Quo des Journalismus, zeigt aktuelle Tendenzen auf, was neu ist und wo es seiner Meinung nach Grund zur Kritik gibt.

In der ersten Folge der sechsteiligen Sendereihe „Medienethik“ ging es schon um den Journalismus und den Anspruch, den die Gesellschaft an ihn stellt. Mit dem Gespräch zwischen Filipovi? und Sadrozinski wird der erste Themenblock beendet. Sadrozinskis einleitender Satz kann auch als Fazit stehen: Journalismus befindet sich „in einem gravierenden, wirklich umwälzenden Wandel.“

Zwei Bedingungen sind dabei prägend: die wirtschaftliche Krise von traditionellen Medien und der Vertrauensverlust seitens der Gesellschaft. Dieser betrifft zwar auch andere Institutionen wie die Politik, führt aber zu direkter Konkurrenz für den Journalismus: bloggender Bürgerjournalismus. Dieser teste neue Formen der Berichterstattung und zeigt, dass es auch ohne den verlagstypischen Verwaltungsapparat geht. Ein Zeichen für den kreativen Nachwuchs, der durch die wirtschaftliche Krise sowieso schwerer auf die bisherigen Stellen in den Medien vorrücken kann. Not führt meist zu sie lösen wollenden Innovationen – mit den Krautreportern, Crowdspondent und Correctiv nennt Sadrozinski drei seine Theorien sehr bestätigende Beispiele.

Für Sadrozinski ist es die Aufgabe von Journalismus, Missstände anzusprechen und auf Verbesserung zu drängen (Correctiv), dabei sollte aber nicht ausschließlich Schnelligkeit im Vordergrund stehen, sondern tiefgründige Analytik (Krautreporter… an guten Tagen) und das Publikum für mehr Transparenz eingebunden werden (Crowdspondent). Grundlage dieser Lösungsansätze ist aber eine journalistische Ausbildung – sagt der Leiter der Deutschen Journalistenschule – um sich als Profession von dem engagiertem Bürgerjournalismus im Netz zu unterscheiden.

Sadrozinski irrt aber meiner Meinung nach in der Annahme, dass die für den Journalismus notwendigen Regeln nur durch eine Ausbildung erlangt werden können und andere Publizierende diese nur selten auch verinnerlicht haben. Gewisse Regeln ergeben sich durch den Anspruch an Qualität meist von selbst, andere Regeln verdienen es auch herausgefordert zu werden und die meisten Verstöße beobachte ich – als jemand mit Vertrauen in die Medien – bei traditionellen Akteuren und nicht bei den Blogs.

Den von Filipovi? angesprochenen „Ethos der Genauigkeit und Kritik“ können sich eben auch nur noch die leisten, die den wirtschaftlichen Druck nicht spüren – sei es durch einen anderen Beruf oder anderen Einnahmequellen (und dann oft trotzdem nichts auf Ethik geben, wie Bild.de oder die deutsche Ausgabe der Huffington Post).

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Newsonomics: Sind Lokalzeitungen die Taxis der Uber-Ära?

Taxi cabs at Penn Station (adapted) (Image by Marcin Wichary [CC BY 2.0] via Flickr)

Lokalzeitungen verhalten sich noch immer so, als ob sie das Monopol hätten, ungeachtet der neuen Akteure auf dem Markt, die ihnen die Aufmerksamkeit der Leser stehlen. Kann man sich hier noch anpassen? Als ich neulich reisen musste, brauchte ich eine Transportmöglichkeit von einer entlegenen Autovermietung in der Nähe des Flughafen von Portland. Ich rief ein mir empfohlenes Taxiunternehmen an und fragte, ob man mich dort abholen und in die Innenstadt bringen könne. „Ja„, lautete die Antwort. „Wie lange dauert das?“ – „So schnell wir können„, war die nicht gerade hilfreiche Antwort.

Ich hätte auch Uber nutzen können, aber Portland schlägt sich gerade mit den üblichen Problemen zwischen Taxis und Uber-Nutzern herum. Manche sind ernstzunehmen, manche eher lächerlich, und alle gelten mittlerweile als ziemlich überholt durch die kreative Zerstörung der digitalen Effizienz. Bald will sich der neue Uber-Chef David Plouffe mano a mano mit Bürgermeister Charlie Hales bei einer Veranstaltung namens TechFestNW zeigen („Eine offene Unterhaltung über Innovation und Wachstum rund um die Sharing Economy„), denn die größte Stadt Oregons wird Uber bald auf die Straße schicken.

Als ich Uber im vergangenen Monat bei der hyperkinetischen und mit Taxis vestopften SXSW-Konferenz in Austin genutzt habe, wurde ich ziemlich verwöhnt. Das Hotel und die Konferenz trennten nur zwanzig Minuten. Taxis? Wenn man überhaupt zu einer Taxizentrale durchgekommen war, gab es die Möglichkeit, innerhalb von drei bis fünf Stunden abgeholt zu werden. Mit Uber konnte ich, wenn ich mich wie Pac-Man geschickt um die angsteigenden Preise herummanövrierte, selbst eine potentielle Mitfahrgelegenheit auf meinem iPhone auswählen.

Alle Infos, die ich brauchte, waren schnell und einfach auf dem Telefon einzusehen, und auch die Bezahlung ging leicht vonstatten. Die Wagen waren auch besser in Schuss, sogar die Sicherheitsgurte funktionierten. Die Fahrer, von denen zwei erst ein paar Tage zuvor bei Uber eingestiegen sind, um rechtzeitig für SXSW bereitzustehen, boten mir einen freundlichere Konversation als ein normaler Taxifahrer.

Wenn man einmal diesen Service genutzt hat, hat man sicherlich einen kleinen Aha-Moment erlebt, wenn man sich klargemacht hat, dass der Transport von einem Ort zum anderen viel einfacher geworden ist. Dann fragt man sich vielleicht: Wie kommt es, dass das Uber so leicht fällt, wenn Taxis genau das nicht hinbekommen?

Darüber musste ich nachdenken. Man setze hier mein pathologisches Interesse für die Zukunft des Nachrichtenbusiness voraus. Waren nicht vielleicht zu viele Lokalnachrichtenunternehmen sozusagen die Taxivermittler der Nachrichten? Sie reden noch immer (jedenfalls habe ich dies neulich in ein paar Diskussionen mitbekommen, bei denen es um den Kauf und Verkauf von Nachrichtenbesitz ging) darüber, ein Territorium zu „besitzen“ – ungeachtet des Wettbewerbs, der sich neben ihnen aufgebaut hat. Sie benehmen sich immernoch wie Monopolisten. Ihre Vorstellung vom Zugang zum Verbraucher hält nicht mehr mit dem mit, was andere Unternehmen heutzutage erreicht haben. Es gibt immer noch zu viele Hürden, um an Nachrichten und neue Informationen heranzukommen. Sie machen es schwieriger als es sein sollte, bei ihnen Werbung einzukaufen.

Um fair zu bleiben, muss gesagt werden, dass die Vorstellung, Zeitungen seien die Taxis der Uber-Ära, vielleicht etwas zu einfach gedacht ist. Sicherlich ist auch der Zweck von Uber ziemlich simpel: Bring mich von A nach B. Uber mindert viele Aspekte der Spannungen, die hier involviert sind – die der Sorge, des Wartens, der Bezahlung und der Sicherheit. Wir als digitale Menschen lieben die Vermeidung von Spannungen in allen Bereichen. Angefangen bei der Voicemail-Abfrage, über Rechnungen bezahlen, bis hin zur Buchung von Eintrittskarten.

Sobald wir gesehen haben, dass Uber (und Lyft) jede Menge Ärger vermeiden kann und unser Leben vereinfachen würde, haben wir es übernommen. Natürlich haben auch die Mitfahrgelegenheitsunternhemen einige komplexe und schwierig zu managende Gewichte zu stemmen, um den Konsumenten diese Einfachheit anbieten zu können, inklusive gerechten Verhandlungen als Antrieb für die Fahrer. Außerdem ist es ein beeindruckendes Stück Technik, aber viel wichtiger noch, ein knallharter Fokus darauf, was der Konsument verlangt.

Es ist diese Obsession des Nutzers – oder eben das Fehlen derselben – die zu viele Lokalnachrichtenunternehmen zu den Taxiunternehmen in dieser Metapher macht. Genau wie die Taxis ihre Plaketten überbewertet haben (und jetzt nach einem Bailout fragen, denn die digitale Unterbrechung hätte angeblich einen Wert zerstört, den es aber so nie gegeben hat), hat die größtenteils monopolistische Tagespresse angenommen, dass man ihrer Marke auch in den neuen Bereichen Respekt zollen müsste, genau wie das in den alten geschehen war. Brauchen Sie eine Mitfahrgelegenheit? Rufen Sie sich ein Taxi. Wollen Sie wissen, was es Neues gibt? Lesen Sie Zeitung.

Haben wir vor sechs Jahren Uber aus dem Nichts auftauchen sehen? Nein, aber sobald wir es entdeckt hatten, wussten wir, was wir damit anstellen sollen. Gibt es heute Uber-ähnliche Nachrichten, die irgednwo auftauchen? Eher nicht. Man könnte sich nun streiten, ob Seiten wie von Billy Penn („What are They Thinking: Jim Brady’s Mobile Millenial Philadelphia Local News Adventure“ sich hier ein wenig Boden erobert hat, aber es gibt eigentlich kaum Startups, die sich um Lokalnachrichten kümmern und versuchen, hier frischen Wind hereinzubringen.

Meistens ist es doch so, dass diese Experimente auf nationaler oder weltweiter Ebene ausprobiert werden, von Vox über Circa bis hin zu Daily Beast, AJ+, BuzzFeed und so weiter. Hier wird mit neuen Ideen um die Reibungsreduzierung von Nachrichten herumgespielt. Das ganze Erklären des Wie und Wo bringt sie voran, beantwortet die Fragen der Leser und geht auf sie ein, und das kann ein Puzzleteil im Bild der Reibungsreduzierung in den Nachrichten sein.

In der Lokalnachrichtenwelt können wir bei den „Informationen“ die tiefgreifenden Übergriffe auf früheres Zeitungsterritorium sehen, dass jetzt die Mitbewerber in Uber-Manier übernehmen. Seit 20 Jahren hat Angie’s List Service angeboten. Seit zehn Jahren hilft uns Yelp dabei, Chiropraktiker, Klempner, Ärzte und neue tolle Orte zu finden. Seit 17 Jahren nimmt uns Open Table das Warten auf einen Restauranttisch ab. Seit 15 Jahren hat sich StubHub immer weiter verbessert, obwohl man hier ebenfalls mit der Reibungsreduzierung arbeitet. Kontrollieren Sie den ersten Desktopscreen auf Ihrem Smartphone und schauen sich mal all die lebensvereinfachenden Services an, die die Nachrichtenapps verdrängen.

Neulich erst bemerkten wir eine neue Art der Reibungsreduzierung rund um lokale Neuigkeiten, denn Amazon und Google investieren großflächig in die Industrie der Heimdienstleistungen.

Ironischerweise dienten einst die lokalen Nachrichtenunternehmen als Marktplatz für eben diese Nachrichten, Informationen und Services. Brauchen Sie ein lokales Unternehmen? Wollen Sie wissen, wohin Sie am Samstag zum Essen gehen können? Wollen Sie herausbekommen, wo man seine Eintrittskarten kauft? Die Zeitung, obwohl sie einstuft, eine Richtung angibt, Werbung schaltet und redaktionell auflistet, bot eine analoge Möglichkeit, Dinge in unseren Gemeinden zu erledigen.

Und dennoch, inmitten dieser ungelenken digitalen Umstellung haben die Nachrichtenunternehmen ihre Vorteile verspielt und sehen sich eher als Wettbewerb für Naschereien, zuerst für das Publikum und dann für die Einnahmen, die unmittelbar folgten. Natürlich haben manche Unternehmen auch versucht, sich mit diesen Angeboten zusammenzuschließen, aber es gibt kaum je sinnvolle Ergebnisse. Die meistverbreitete Wahrheit lautet, dass die meisten Transaktionen auf den Domains von Anderen stattfinden. Die Wahrheit ist: Zeitungen waren nie nur für die harten Fakten da, die die Homepages der Nachrichtenseiten einnehmen. Sie haben so viel für die Leser getan, dass man ihnen ruhig ihre 20 Minuten täglichen Engagement zugestehen kann.

Was ist nun also zu tun? Ist es zu spät? Lasst uns unser Denken in zwei Bereiche aufteilen: Neuigkeiten und Informationen.

Informationen – zusammenhängende, verfügbare Informationen ist das, was StubHub, OpenTable, Angie’s List und Yelp (neben vielen Anderen) bisher sehr gut hinbekommen haben. Sie neu zu erfinden, ergibt nur wenig Sinn. Vielleicht liegt die Antwort in einer Kuratierung – nicht der Nachrichten, sondern innerhalb der Gemeinde. Kann sich die nächste Generation der Lokalnachrichtenunternehmen, wer auch immer diese dann besitzen wird, als den Mittelpunkt dieser Informationen wiederherstellen? Wie würde das aussehen? Unsere wichtigste Frage lautet: Was brauchendie Nutzer von Lokalnachrichten, was sie noch nicht bekommen, oder was könnte man besser machen? (Schibsted führt hier die Diskussion an.)

Die Nachrichten sind endlos. Wir kennen bereits die Einstellung, dass man kaum Geld verdienen kann mit örtlichen Digitalnachrichten. Beinahe die kompletten 500 Millionen US-Dollar der Investitionen in digitale Nachrichten sind wenigstens national oder weltweit orientiert. Für diejenigen, die eine Art Uber in den Lokalnachrichten etablieren wollen, ist das super – es ist ein weites Feld mit wenig Konkurrenz. Wenn ich ein örtlicher Verleger, Redakteur, Journalist oder Händler wäre, würde ich mit der unten stehenden Tabelle beginnen und anerkennen, dass tatsächlich manche Unternehmen zu sehr wie Taxifirmen arbeiten.

Wieso Lokalnachrichten sich zu Uber-Zeiten wie Taxis aufführen:

 

Taxi

Nachrichten-Medien

Erreichbarkeit

niedrig

niedrig

Zeit

Bezahlung, Quittungen, zeitaufwändig, Kreditkartenzahlung möglich, auf gut Glück

Übersicht in einer Liste, zu wenig Möglichkeiten, eine Informaton schnell aufzufinden, mangelhafte Verbindung zwischen Lesen und Einkaufen

Arbeit

Nummer finden, Warteschleife

Navigation wie bei einer Zeitung, nicht leserorientiert, wenig Verbindung zu Lokalservice und „Aktionen“

Erinnerung

Wenig/keine Information

Kein Storyverlauf, „meine Artikel“, wenig bis gar nicht verbunden mit Artikeln, die bereits gelesen wurden

Marke

Kein überregionales Unternehmen, wen ruft man an, wenn man in einer einen Stadt unterwegs ist?

Kein Zugang zu Lokalnachrichten

Kosten

Meist nicht vorher bestimmbar, meist zu hoch

Wenn es eine Sperre gibt, sind Kosten/Nutzen eher enttäuschend

Sprechen Sie es alles durch, finden Sie die Fehler, fügen Sie ruhig etwas hinzu. Danach stellen sie eine dritte Spalte für Uber auf und füllen Sie diese aus. Fragen Sie sich:

  • Welche Art der Reibungsvermeidung könnten Leser von Lokalnachrichten wollen?

  • Wie kann es vereinfacht werden und dennoch Spaß machen, wie kann das in einer Redaktion umgesetzt werden?

  • Was kann man sich von den großen nationalen Innovatoren abgucken?

In den Wirren der neuen Lokalmedien ist alles vorhanden, von Risikokapital bis hin zu sicheren Investitionen in Boston oder Washington D.C. bis hin zu den neuen, vor Ideen für neue lokale Konzepte sprühenden Konferenzen in NAB TV in Las Vegas – es gibt auf jeden Fall ein Verlangen nach Innovation. In dieser Art der Sharing Economy ist es vielleicht Zeit für die Lokalzeitungesunternehmen, den Weg mitzugehen und sich auch Konzepte aus anderen Bereichen auszuleihen.

Zuerst erschienen auf niemanlab.org. Übersetzung von Anne Jerratsch.


Image (adapted) „Taxi cabs at Penn Station“ by Marcin Wichary (CC BY 2.0)


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5 Lesetipps für den 14. April

In unseren Lesetipps geht es heute um Fotografie, die Zukunft des Journalismus, Datenschutz bei WordPress, Cyberkriminalität und Filesharing. Ergänzungen erwünscht.

  • FOTOGRAFIE PetaPixel: An Interview with Photographer Arne Svenson: Der deutsche Datenschutz-Michel muss jetzt sehr stark sein: ein Gericht hat im August 2013 die Fotos des bekannten Fotografen Arne Svenson, der seine Nachbarn durch ihre Fenster fotografierte, als Kunst eingestuft (der Fall geht gerade in Berufung). Im Interview mit Ken Weingart spricht Svenson über seine voyeuristisch wirkende Fotokunst.

  • JOURNALISMUS OSK-Blog: „Journalisten hängen an Klickzahlen wie Junkies an der Nadel“: Deutschlands erster Social-Media-Redakteur am Newsdesk einer Regionalzeitung, Lars Wienand, erklärt im Interview mit Yannick Schiep für das OSK-Blog, welche Medien es zukünftig schwer haben werden und warum er beispielsweise eigene Magazine für YouTube und Instagram spannend fände.

  • WORDPRESS Tobias Gillens Blog: 6 Praxis-Tipps und Plugins für mehr Datenschutz beim WordPress-Blog: Gestern erklärte Sven Venzke-Caprarese beim Medien-Branchendienst turi2, wie man sein Blog sicherer und vor allem datenschutzkonformer gestalten kann. Tobias Gillen gibt auf seinem Blog sechs Ergänzungen mit den passenden Plugins und Praxis-Tipps zum Text von Venzke-Caprarese, den alle Blogger lesen sollten (beide Texte).

  • CYBERKRIMINALITÄT taz.de: Medien sind hilflos gegen Hacker: Längst sind nicht mehr nur internationale Wirtschaftsunternehmen von Cyberkriminalität bedroht, in den letzten Wochen waren vor allem europäische Medienunternehmen Ziele von Hacker-Angriffen. Eric Bonse zeigt auf taz.de auf, dass sowohl die Unternehmen als auch die Europäische Unternehmen vollkommen unvorbereitet sind, wenn es um derartige Attacken geht. Politikern wie EU-Digitalkommissar Günther Oettinger fällt auf Anhieb auch nur mehr Law-and-Order ein.

  • FILESHARING Zeit Online: Mit Popcorn auf den Eisernen Thron: In den letzten Monaten hätte man fast meinen können, dass der Trend zum Streaming und Dienste wie Netflix oder Amazon Prime unautorisiertes Filesharing fast überflüssig macht. Doch der Eindruck täuscht, denn mit Diensten wie Popcorn Time setzt die Szene etablierte Anbieter nur noch stärker unter Druck. Dies liegt vor allem an den Ländersperren, die im Internet immer noch wie ein Anachronismus wirken, wie Eike Kühl auf Zeit Online erklärt.

Die morgendlichen Lesetipps und weitere Linktipps am Tag können auch bequem via WhatsApp abonniert werden. Jeden Tag informiert dann Netzpiloten-Projektleiter Tobias Schwarz persönlich über die lesenswertesten Artikel des Tages. Um diesen Service zu abonnieren, schicke eine WhatsApp-Nachricht mit dem Inhalt arrival an die Nummer +4917622931261 (die Nummer bitte nicht verändern). Um die Nachrichten abzubestellen, einfach departure an die gleiche Nummer senden. Wir werden, neben dem Link zu unseren morgendlichen Lesetipps, nicht mehr als fünf weitere Lesetipps am Tag versenden.

Nutze Netzpiloten 1-Klick: Mit nur einem Klick werden dir bequem alle 40 Sekunden die hier besprochenen Seiten „vorgeblättert“ START.

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Distributed Content: Wie werden die Verlage reagieren?

Paperboy in 1963 (image (adapted) by Joyner Library at East Carolina University)

Die New York Times macht es, genauso wie BuzzFeed – der Trend hin zu Distributed Content erhöht die Abhängigkeit der Verlage von den sozialen Plattformen. Statt ihre eigenen Webseiten zu veröffentlichen, werden Nachrichtenunternehmen gefragt, ob sie direkt auf Plattformen publizieren wollen, auf denen sie keine Kontrolle haben. Ist die Jagd auf Leser genug, um den teilweisen Verlust seiner Freiheit zu rechtfertigen?

Im vergangenen August, als BuzzFeed ein etwa 50 Millionen US-Dollar schweres Venture-Kapital als Investment verkündete, hörten viele Journalisten eine Phrase zum ersten Mal: Distributed Content (deutsch etwa: geteilter Inhalt). Das Unternehmen verkündete, dass man etwas von dem Fördergeld nutzen würde, um einen neuen Teilbereich namens BuzzFeed Distributed zu gründen. Dies beinhaltete ein Team aus 20 Mitarbeitern, die “eigenen Content allein für Plattformen wie Tumblr, Imgur, Instagram, Snapchat, Vine und diverse Nachrichten-Apps erstellen sollten”. Mit anderen Worten, es gab nun ein Team, das Inhalt produzieren sollte, der nie auf BuzzFeed.com erscheinen sollte.

Sich auf sozialen Plattformen herumzutreiben ist für die Verleger nichts Neues. Die meisten Nachrichtenseiten nutzen Twitter und Facebook als Marketinginstrumente, um den Traffic zurück zur eigenen Seite zu leiten. BuzzFeed Distributed lebt allein in den sozialen Netzwerken und bleibt dabei völlig eigenständig. Es ist kein passender Vergleich, aber stellen Sie sich vor, wie es wäre, wenn die Seattle Times 20 Reporter anstellen würde, deren einziger Job es wäre, Stories für den Miami Herald zu schreiben.

Warum sollte BuzzFeed Millionen darauf verwenden, Inhalt für andere Plattformen zu erstellen und das auch noch ohne offensichtlichen finanziellen Verdienst? Nun ja, manche Risikokapitalgesellschaften geben ihnen weiterhin Geld, und für irgendwas muss es ausgegeben werden. Was aber viel wichtiger ist, BuzzFeed will die Aufmerksamkeit der Nutzer verfolgen. Und genau diese Nutzer bewegen sich zu sozialen Plattformen, bei denen die alten Tricks der Verleger nicht mehr funktionieren.

Ich denke, es ist sehr wahrscheinlich, dass das Internet in fünf Jahren völlig anders aussehen wird, genau wie es auch schon vor fünf Jahren war, erläuterte Anne Burton, die Chefin von BuzzFeed Distributed in einem Interview im vergangenen Herbst. Einer dieser Trends könnte sein, dass die Menschen ihren Medienkonsum an dem Ort betreiben, wo sie auch ihr Networking mit ihren Freunden betreiben. Wir wollen das herausfinden, und auch, was die Menschen liken und teilen, und genau dort auch ein Publikum erreichen, um ihm zu zeigen, dass wir die Besten darin sind, Dinge zu produzieren, die die Leute gerne teilen.

Aufbauen auf dem Eigentum der anderen

Wenn man ein bisschen aufgepasst hat, konnte man in den verganenen Monaten ein paar Schritte in eine ähnliche Richtung bemerken:

  • Reported.ly, das neue Startup von Pierre Omidyars First Look Media, wurde im Dezember ohne eigene Webseite gestartet. Der Kern fand auf Medium statt, aber die Arbeit lebt vor allem auf sozialen Plattformen. “Wir versuchen die Leute nicht von ihrer liebsten Onlinecommunity wegzuzerren, nur um ein paar Seitenaufrufe zu bekommen”, schrieb der stellvertretende Chefredakteur Andy Carvin in seinem ersten Posting. “Wir sind stolz darauf, aktive Mitglieder bei Twitter, Facebook und Reddit zu sein, wir sind nicht besser als alle anderen dort.”

  • Im Januar veröffentlichte Snapchat, die bei Teenagern extrem beliebte Chat-App, ein neues Programm namens Snapchat Discover. Dies ist ein neuer Ort, an dem ein Dutzend Verleger ihre Artikel direkt in die App spülen, die speziell für das Snapchat-Format designed worden sind. Zwar gibt es kaum offizielle Zahlen, aber es gibt Anzeichen dafür, dass Snapchat ein riesiges Publikum erreicht und erfolgreich erstaunlich hohe Werbekosten ansetzt.

  • NowThis, ein weiteres vielgerühmtes Startup, mit dem man kurze Videos für soziale Plattformen drehen kann, hat keine Kosten und Mühen gespart, im Februar ein Publikum auf ihrer Seite zu versammeln. Das Fazit: Die Homepage machte schlapp. “Für uns ist es leichter, die Leute an unsere Videos heranzuführen, wenn sie in den Feeds platziert werden. Das ist einfacher, als sie auf unsere Seite zu verlinken”, sagt deren Vizepräsident für soziale Medien.

  • Facebook argumentierte, dass das Verlinken auf fremde Seiten für die Nutzer ein negatives Erlebnis bedeuten würde. Also versuche man, Unternehmen immer wieder aufs Neue zu überzeugen, ihre Artikel direkt bei Facebook zu veröffentlichen, anstatt sie auf einer separaten Webseite zu präsentieren. Der Reiz hierbei ist, dass Facebook seine elaborierten Daten und Technik benutzen will, um mehr Geld daran zu verdienen, weil sie Werbeanzeigen entgegen des Content verkaufen, als ihr eigener Verlag es tun könnte – und alle zu gleichen Teilen. “Wir wollen für die Verlage ein besseres Klima schaffen”, sagte der leitende Produktverantwortliche im vergangenen Februar.

Man kann hier sehr gut die Gemeinsamkeiten erkennen: Den Triumph der sozialen Plattformen. Auf der einen Seite ist das alles nicht neu – Facebook hat das Verhalten der kompletten Welt kolonisiert, und das sogar schon vor einiger Zeit. Dann aber hat sich der Tonfall gegenüber den Entwicklern verändert. Früher hieß es: Verbringen Sie Ihre Zeit, in dem Sie ein paar Follower unseres Netzwerkes kultivieren – wir schicken Ihnen einfach eine Tonne an Traffic. Das hat sich heute entwickelt: Geben Sie Ihre Unabhängigkeit ab und treten Sie ein. Wir geloben, dass es die Mühe wert sein wird.

Dieser Umschwung ist ein verständliches Ergebnis des Erfolgs von Smartphones. Als ich das Internet in den 90er genutzt habe, war jede Seite technisch auf einem ähnlichen Level, egal, ob es NYTimes.com war oder der Foodblog von jemandem. Jede Seite hatte eine URL, die ich in den Browser eingeben konnte. Sowohl das größte Unternehmen als auch die kleineste Seite wurden in meinem Browsertab nebeneinander angezeigt und der Link, die bescheidene kleine blau unterlegte Zeile, verband sie alle als gleichwertige Bürger auf einer offenen Plattform. Aber das iPhone und der Aufstieg der Smartphones an sich, der darauf folgte, hat das Internet in Apps eingeteilt. Das grenzenlose Netz wurde zu einer weiteren App, die neben den anderen einherging. Innerhalb jeder Stunde, die der durchschnittliche US-Amerikaner an seinem Smartphone verbringt, nutzt er den Webbrowser nur sieben Minuten lang.

Der Link wird abgewertet

Eine zunehmende Menge der Teenager und jungen Leser sind nicht nur Digital Natives, sondern Smartphone Natives. Die sozialen Plattformen haben ihre volle Aufmerksamkeit. Die späteren Wiederholungen dieser Plattformen sind absichtlich nicht so designet, dass hier nette Nachrichten ausgetauscht werden, sondern dass hier die Aufmerksamkeit hergezogen wird.

Gerade Facebook und ganz besonders Twitter sind um Links herum gebaut worden. Sie sind Knotenpunkte, die einen an andere Stellen spülen. Deshalb sind sie so gute Motoren, um Nachrichten zu verbreiten. Instagram, Snapchat, Vine und all die anderen sorgen dafür, dass man innerhalb des Erlebnisses eingebunden bleibt. Instagram erlaubt beispielsweise keine Verlinkungen. Der einzige Weg, bei Instagram etwas in seinem Post zu verlinken, ist, indem man einen Werbung schaltet. Bei Snapchat geht das auch nicht, hier muss man als Unternehmen auftreten, um Teil der Discover-Plattform zu werden.

Sogar die Apps, die etwas offener gegenüber den Verlegern auftreten, sind normalerweise nicht sehr daran interessiert, die Nutzerfreundlichkeit nach eigenen Wünschen zu optimieren. Ein paar Nachrichtenportale haben mit der beliebten Chat-App WhatsApp experimentiert, indem sie sie als eine Art Liveticker genutzt haben. Aber die App macht es einem nicht so einfach. Hier werden Nachrichten nur an weniger Nutzer verschickt, und generell ist sie eher nervig. As er nach den Beschwerden der Verleger gefragt wurde, sagte der Sprecher von WhatsApp im Prinzip, dass diese App nicht für sie gedacht wäre und man kein Interesse daran hätte, sie danach anzupassen, was die Verleger gern hätten.

Verteilen oder nicht verteilen, das ist die Frage

Man hat nun also diese ganzen Apps und Plattformen, die die riesige Aufmerksamkeit von den Nutzern bekommen. Immer weniger Leute suchen sich ihre Nachrichten direkt heraus, sondern stolpern in den sozialen Medien darüber, die eher weniger nach den Interessen der Verleger ausgebaut worden sind. In diesem Zusammenhang werden die Inhalte geteilt: man veröffentlicht unter der Nase eines Anderen.

Was soll ein schlauer Verleger hier tun? Es gibt keine einfachen Lösungen, aber ein paar Ideen:

  • Auf Native Advertising setzen. Das ist das Ding von BuzzFeed. Ihre Argumentation gegenüber den Werbern ist: Wir wissen besser als alle Anderen, wie man Inhalte für sie sozialen Medien aufbereitet. Man verlässt sich nicht auf Werbebanner, also auch nicht auf Seitenaufrufe wie sonst immer. Wenn man bei Instagram erfolgreichen Content zusammenstellen kann, kann man das auch hier. Native Advertising wird in der nächsten Zeit noch größer werden.

  • Die Energie auf offene Plattformen setzen. Woher kam dieser kleine Trend der Email-Newsletter? Ein Grund dafür wäre: Email ist immer noch eine offene Plattform und niemand kontrolliert den Zugang zum Posteingang. Was ist mit Podcasts? Ein offenes Standardformat, bei dem jeder selbst veröffentlichen kann. In beiden Fällen kann der Nutzer entscheiden, in welchem Verhältnis er zum Veröffentlichenden steht. Es gibt keinen Mittelsmann.

  • Eigene Premium-Dienste anbieten. Wettbewerb gegen Aufmerksamkeit (und Werbeeinnahmen) wird immer härter im offenen Netz. Finden Sie heraus, wo man hochwertige Produkte für ein kleineres Publikum aufbauen kann.

  • In großem Maßstab denken. Der Grund, wieso so viel Venture-Kapital in BuzzFeed und Vox Media gespült wird ist, dass die Investoren glauben, sie könnten riesige Ausmaße erreichen, also die nächsten Time Inc. oder Reuters werden. Wenn man die Welt der sozialen Plattformen durchwandert, ist es am einfachsten, wenn man groß genug ist, um auch bemerkt zu werden.

Zuerst erschienen auf niemanlab.org. Übersetzung von Anne Jerratsch.


Teaser & Image „Paperboy in 1963“ (adapted) by Joyner Library at East Carolina University


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Livestreaming: Journalismus und Kampagnen in Echtzeit

Jaros?aw Kaczy?ski (adapted) (Image by Piotr Drabik [CC BY 2.0] via Flickr)

Die neuen Möglichkeiten, die Livestreaming bietet, haben einen Hype ausgelöst. Aber verändern sie auch politische Kommunikation und Berichterstattung? Es begann mit der Einführung der iOS-App Meerkat beim diesjährigen Szene-Treff “South by Southwest” (SXSW), nun hat Periscope ebenfalls mit einer Anwendung für das mobile Livestreaming via Twitter nachgezogen. Obgleich die Video-Übertragung von Ereignissen mittels Smartphone kein neues Phänomen darstellt, wird von den aktuellen Anwendungen sowie speziellen Geräten ein Durchbruch erwartet, der auch Bürgerjournalismus und Kampagnenkommunikation betrifft. Experten gilt der individuell erstellte Livestream gar als Game Changer für den anstehenden Wahlkampf um die US-Präsidentschaft.

Nach seinen Innovationen für die digitale Regierungskommunikation von Obama hatte Dan Pfeiffer gerade den Dienst für das Weiße Haus quittiert, da entdeckte er beim Festival SXSW in Austin etwas Neues. “How Meerkat is Going to Change the 2016 Election for Every Campaign, Reporter and Voter”, erklärte er in einem Mini-Manifest. Darin zeigte er sich spontan begeistert von der Möglichkeit, die Gatekeeper-Funktion der Massenmedien auch im Bereich der Live-Berichterstattung weiter zu relativieren. Ähnlich wie bei den von ihm arrangierten Interviews des Präsidenten mit Plattformen wie Buzzfeed und Vox, hat er dabei vor allem den Strukturwandel der Öffentlichkeit im Auge: Die audio-visuellen Inhalte sind nun für das Endgerät optimiert, das für wichtige Zielgruppen im Zentrum ihrer Mediennutzung steht.

The revolution will be livestreamed!

Die Integration in das Twitter-Universum unterscheidet die Apps auch von anderen Optionen, die schon länger genutzt werden, deren Videos aber den Umweg über den Browser gehen. Bereits der Arabische Frühling und die Occupy-Bewegung wurden mit Livestreams auf Plattformen wie Bambuser und Ustream begleitet. Periscope sieht sich selbst in dieser Tradition des medialen Empowerment, wie das von Twitter erworbene Startup in einem Beitrag zur Einführung der App nahelegt: “What if you could see through the eyes of a protester in Ukraine?”. Der Livestream im sozialen Netzwerk steigert dabei die Unmittelbarkeit sowie die virale Verbreitung der Übertragung, gleichzeitig ist eine bruchlose Interaktion via Chat mit dem Ein-Personen-Sender möglich.

Derweil liegen schon spezifischere (Hardware-)Lösungen vor: Die Plattform Livestream.com hatte bereits eine App für Google Glass programmiert und stellte kürzlich ein neues Gerät vor. “Broadcaster mini” ist eine kleine Box, die Kameras mit HDMI in Verbindung mit einer Smartphone-App kabelloses HD-Livestreaming ermöglicht. CNN berichtet darüber, dass dieses System in den USA zum professionellen Tracking im Wahlkampf genutzt wird: Der politische Gegner wird von einem einzelnen Kameramann bei seinen öffentlichen Auftritten gefilmt und das Material in einer Zentrale direkt ausgewertet. So kann jede problematische oder peinliche Äußerung in wenigen Minuten zum viralen Video des Negative Campaigning werden.

Das panoptische Potenzial des Periskops

Andere feiern die neuen Anwendungen als Killer-Applikation des Bürgerjournalismus:

We’re ready for the new news, and that’s the promise that Periscope, Meerkat and whatever else comes next delivers. News told as first-hand streams: this is what I’m seeing, you can see it too. (…) It’s the hundreds of potential cameras live on the scene before the media truck arrives. It’s the citizens‘ right to record materialized

, schreibt Sarah Perez. Das erinnert dann allerdings schon an die Dystopie, die Dave Eggers in seiner Google-Kritik “The Circle” entwirft: Zu Beginn des Romans stellt das Unternehmen “SeeChange” vor, eine Mini-Kamera, deren Livebilder mittels des sozialen Netzwerks verbreitet werden und zu einer umfassenden politischen Transparenz führen sollen, die freilich Überwachungscharakter hat.

“Livestream ist der neue Mainstream„, meint Richard Gutjahr, der Periscope vorab getestet hat und die Nutzung der App wenig später am Beispiel einer Gasexplosion in New York diskutiert. Sein Fazit relativiert vor allem die zu vermutende Diskrepanz zwischen Profis und Amateuren hinsichtlich einer informativen Berichterstattung. Dirk von Gehlen erkennt in den diversen Live-Formaten hingegen einen Trend, bei der die Berichterstattung nur eine Facette eines übergreifenden Livejournalismus darstellt: “Durch die Digitalisierung werden Inhalte nicht mehr nur dokumentierbar, man kann sie erleben”, proklamiert der Leiter des Bereichs “Social Media/Innovation“ bei der Süddeutschen Zeitung auf seiner gerade gelaunchten Website LIVEjournalismus.de. Von Gehlen präsentiert unter diesem Titel eine Sammlung von Ideen für ereignishafte und kollaborative Angebote mit dem Ziel, neue “Geschäftsmodelle im digitalen Raum” zu eruieren. Die Livestreaming-Apps sind also ein weiterer Anwendungsfall des durch digitale Medien evozierten Wandels, der eine echte Herausforderung für viele etablierte Akteure darstellt.


Image (adapted) „Jaros?aw Kaczy?ski“ by Piotr Drabik (CC BY 2.0)


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Digitales Publishing: Medien mit Vertrauen sind im Vorteil

Interview mit Mitch Green und Klaasjan Tucker von Adobe über die aktuellen Herausforderungen im digitalen Publishing. // von Tobias Schwarz

Mitch Green im Interview mit Tobias Schwarz (Bild: Berti Kolbow-Lehradt/Adobe)

Anfang der Woche fand der diesjährige „Digital Innovators‘ Summit“ in Berlin statt. Über 600 Besucher diskutierten auf der von den Branchenverbänden FIPP und VDZ organisierten Konferenz über digitale Publishing-Themen. Darunter auch Mitch Green, Adobes Produktchef für die Adobe Digital Publishing Suite, und sein Kollege Klaasjan Tucker, die sich beide mit uns über den Medienwandel und die digitalen Herausforderungen der Verlage unterhielten.

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Medien: Ist Satire die Zukunft der Politikvermittlung?

Last Week Tonight: John Oliver und das Cookie Monster

#Varoufake, „Der Postillon“ in Deutschland oder „Die Tagespresse“ aus Österreich: Wer ein junges Zielpublikum erreichen will, der muss auf satirische Inhalte setzen. // von Jakob Steinschaden

Last Week Tonight: John Oliver und das Cookie Monster

Die Anschläge auf die Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ in Paris, der Medien-Coup des Jan Böhmermann (#Varoufake) und stark wachsende Zugriffszahlen bei satirischen Webseiten in Deutschland und Österreich: Können Medienmacher mit Hilfe der Satire aus ökonomischen und politischen Zwängen ausbrechen?

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Über die Macht von WhatsApp & Co. und das Teilen von Nachrichten

iOS iPhone (adapted) (Image by Álvaro Ibáñez [CC BY 2.0] via Flickr)

WhatsApp kann Websites viel Traffic bringen, manchmal sogar noch mehr als Facebook. Brauchen Medien einen WhatsApp-Button? Vor fünf oder sechs Jahren war es nicht unüblich, am Ende eines Blogposts reihenweise winzige Symbole zu sehen, die auf verschiedene soziale Netzwerke hinweisen sollten und dabei fast wie frei erfunden wirkten. In der letzten Zeit sind Facebook und Twitter enorm gewachsen, also reduzierten viele Seiten diese Stelle auf diese beiden Dienste.

Vor einigen Jahren wäre der Spitzenkandidat, der sich in diese Reihe einfügt, noch Google+ gewesen. Manchmal taucht der Dienst auch noch auf. Die neuen Anwärter hiefür kommen jedoch aus der Generation der Chat-Apps, allen voran WhatsApp, das mittlerweile von Facebook für 19 Milliarden US-Dollar aufgekauft wurde.

WhatsApps Primärfunktion ist der bilaterale Austausch, im Gegensatz zum Massencharakter von Twitter und Facebook. Mittlerweile haben Chat-Apps aber eine große und kontinuierlich wachsende Alltagspräsenz im Leben und auf den Mobilgeräten der Menschen, so dass sie immer wieder deren Aufmerksamkeit fordern.

Eine Sache haben Nachrichtenagenturen in ihren Berichten über Apps wie WhatsApp vergessen: eine ausführliche Analyse. Es gibt keine einfache Möglichkeit herauszufinden, ob der Besucher einer Internetseite durch eine Chat-App herfand, da diese keine Verweise hinterlassen. So definiert sich ein Phänomen namens „dark social„. Ohne Statistiken ist kaum zu ermitteln, wie man den WhatsApp-Datenverkehr weiter optimieren kann.

Recode berichtete im Februar 2014, dass bei BuzzFeed viel Traffic beim Teilen von Inhalten zu herrschen schien. Die Daten waren allerdings immer noch nur geschätzt:

Jedes Mal, wenn wir auf unsere WhatsApp-Zahlen geschaut haben, fielen wir beinahe hintenüber‘, sagte der damalige BuzzFeed-Präsident Jon Steinberg. ‚Wir wussten seit April, dass es sich hierbei um ein großes Netzwerk handelte, und wurden immer mehr davon eingenommen.‚ Im Oktober integrierte BuzzFeed einen Teilen-Button für WhatsApp in die iOS-Software, und seitdem wurde damit doppelt so oft geteilt, ließ BuzzFeed-Vizepräsident Ashley McCollum verlauten. Doch die Funktionen von WhatsApp sind noch immer eher einfach gehalten. ‚Wir haben nur die Datenangaben von Klicks, aber keine Verweisdaten‘, sagt McCollum. ‚Wir wissen durch die Mobilversion, wer den Teilen-Button angeklickt hat. Wir wissen aber (noch) nicht, ob man dies innerhalb einer Gruppennachricht an 15 Leute getan hat und ob diese 15 alle den Button angeklickt haben oder ob es nur an eine einzelne Person weitergeleitet wurde.‘

Anders ausgedrückt, haben vielleicht viele Leute den Teilen-Button benutzt, es gab nur bisher keine geeignete Möglichkeit herauszufinden, ob sich diese Tatsache zugleich wesentlich auf den Datenverkehr ausgewirkt hat.

Der soziale Eckball

Darum gibt es jetzt tolle Neuigkeiten für den Leser: Man ist nun in der Lage, ein paar konkrete Fakten benennen zu können, die sich sowohl auf den Aspekt des Teilens, als auch auf den Datenverkehr beziehen. Sie stammen aus einer ungewöhnlichen Quelle: der spanische Fußballclub FC Valencia.

Wie die meisten Fussballmannschaften besitzt auch der FC Valencia eine eigene Homepage, auf der Nachrichten über das Team veröffentlicht werden. Die Mobilversionen der Nachrichten enthalten vier Teilen-Buttons: Twitter, Facebook, Google+ und WhatsApp. Hier werden sowohl Klickzahlen erfasst (beispielsweise wie oft die jeweiligen Buttons angeklickt werden), als auch, was noch viel entscheidender ist, der Datenverkehr, indem man ein URL-Parameter einbaut, der bei der Datenerfassung hilft und anzeigt, von welcher Quelle der Leser auf die entsprechende Seite gelangt ist. So gerüstet, kann der FC Valencia herausfinden, auf welchen Plattformen am ehesten ein entsprechender Link geteilt wird. (Die Daten stammen von Daniel Ayers, Mitarbeiter von Seven League, einer sportaffinen digitalen Beratungsstelle, die auch für die aktuelle Leitung des Bereichs für digitale Marktleitung des FC Valencia tätig ist).

Und folgendes wurde herausgefiltert:

Welcher Anteil der Userklicks ging an welchen Button?

  • Facebook: 35 Prozent

  • WhatsApp: 33 Prozent

  • Twitter: 19 Prozent

  • Google+: 13 Prozent

WhatsApp schneidet hier bemerkenswert gut ab – und umso mehr, wenn man bedenkt, dass der WhatsApp-Button nicht auf der Desktopversion für Laptops oder am PC erscheint, sondern nur auf den mobilen Geräten (aus technischen Gründen erscheint er eigentlich in allen Browsern in einer Breite von maximal 740 Pixeln und entspricht dabei ziemlich genau der durchschnittlichen Smartphone-Größe.).

Was passiert also, wenn man sich die Zahlen für die Mobilversionen anschaut? Dann erreicht man folgende Zahlen:

  • Facebook: 25 Prozent

  • WhatsApp: 48 Prozent

  • Twitter: 15 Prozent

  • Google+: 11 Prozent

Hier geht beinahe die Hälfte der Anteile in der mobilen Version an WhatsApp.

Aber was ist mit dem Traffic? Haben diese Klicks viele Seitenaufrufe generiert? Werfen wir noch einmal einen Blick zurück auf den größeren Datensatz, der Mobilversion und PC-Version zusammenzählt.

Welcher Anteil der Seitenaufrufe wurde durch welchen Teil der Buttons produziert?

  • Facebook: 27 Prozent

  • WhatsApp: 48 Prozent

  • Twitter: 22 Prozent

  • Google+: 3 Prozent

Anders gesagt, über WhatsApp wurde öfter geteilt (48 Prozent), als dass es selbst Klickzahlen hervorrief (33 Prozent).

Und wenn wir nun noch einmal die Mobilversion anschauen? Dann kommt folgendes heraus:

  • Facebook: 15 Prozent

  • WhatsApp: 69 Prozent

  • Twitter: 16 Prozent

  • Google+: 0 Prozent

Verrückt, oder? Von all den Teilen-Buttons in der Mobilversion macht WhatsApp mehr als zwei Drittel der Besuche beim FC Valencia aus.

Tabelle 1: WhatsApp im Journalismus Tabelle 2: WhatsApp im Journalismus

Zwei gelbe Karten

Bevor jetzt jeder los zieht, um auf seiner Website einen riesigen grünen WhatsApp-Button zu integrieren, sollte er noch zwei Warnhinweise in Bezug auf die Daten beachten.

Der erste dreht sich um den nationalen Kontext. Das Nutzerverhalten in Spanien entspricht unter Umständen nicht dem Nutzerverhalten im eigenen Land. Zu einem früheren Zeitpunkt hat sich herausgestellt, dass 65 Prozent der Nutzer von mobilem Internet in Spanien WhatsApp benutzen, im Vergleich dazu aber nur etwa 8 Prozent in den USA. (Eine Auswahl aus anderen Ländern: Frankreich 6 Prozent, Australien 15 Prozent, Kanada 16 Prozent, Großbritannien 36 Prozent, Deutschland 57 Prozent, Brasilien 59 Prozent und Mexiko 64 Prozent. In anderen Ländern, vor allem in Asien, bestimmen andere Chat Apps den Markt: Kakao Talk, Line und WeChat).

In den USA haben sich Chat-Apps noch immer nicht durchgesetzt, zumindest nicht in dem Maße, wie in vielen anderen Teilen der Welt, in denen Betreiber von SMS- oder speziell auf Smartphone zugeschnittene Plattformen (iMessage, BBM) beliebter sind. Aber ob man nun WhatsApp oder andere Dienst nutzt, es ist ziemlich wahrscheinlich, dass diese Art der Plattformen weiter wachsen werden.

Der zweite Warnhinweis bezieht sich darauf, wenn Meldungen aufgeplustert werden und viral werden. Sicherlich hat der Leser bei den obigen Tabellen bemerkt, dass die Titel eine Veröffentlichung einer „Spitzenstory“ ausschließen. Das liegt daran, dass während der Zeit, in der die Daten vom FC Valenncia ausgewertet wurden, nur eine Story wirklich hervorgehoben wurde: Es handelt sich dabei um eine Anzeige, die besagt, dass der Club seinen Untestützern Eintrittskarten bezuschussen würde, wenn sie einem Spiel mit dem Gegner Levante beiwohnen wollen. Wie man sich sicher leicht vorstellen kann, explodierte die Meldung und bekam mehr als 1.800 Tweets und würde über 12.000 mal geliked, geteilt und ernete Kommentare bei Facebook.

In den oberen Tabellen wurde diese Gechichte ausgelassen, da dieses Ereignis so einmalig war. Berechnet man es mit ein, erscheint plötzlich ein völlig anderes Bild:

Tabelle 3: WhatsApp im Journalismus Tabelle 4: WhatsApp im Journalismus

Auf einmal gewinnen hier Facebook und Twitter deutlich an Einfluss, auch in der Mobilversion. Warum ist das so? Dies erklärt sich durch die Lücke zwischen den bilateralen/gruppeninternen und den massenbeschallenden Plattformen. Die meisten Tweets gehen ins Nichts – aber wenn einer doch mal hochgepusht wird, dann passiert dies teils bis ins Extreme. Da die öffentlichen Plattformen auf Grundlage von Followern und Freunden aufgebaut sind, ist es für Facebook und Twitter sehr viel einfacher, Meldungen zu generieren, die an eine größere Öffentlichkeit gelangen, als dies beim eher privaten und individualfokussierten WhatsApp passiert.

Dies hat auch Ayers vom FC Valencia in diversen Emails bestätigt:

Kurz gesagt, WhatsApp übertrifft Facebook, Twitter und Google+ bei weitem, wenn man ’normale‘ Bedingungen anbringt, z.B. nicht virale Meldungen, die auch keine ‚Spitzenstories‘ sind. Hier kommt man beinahe jedes Mal auf zwei Empfehlungen pro Teilung, im Vergleich zu wenigstens einer Empfehlung bei den anderen Plattformen.

Wenn man einen großen Artikel hat, funktioniert WhatsApp sehr zuverlässig und es wird entsprechend oft geteilt. Das größere Reichweitenpotential von Facebook und Twitter ist hier jedoch durchaus gegeben – diese Kanäle beginnen gerade, bis zu zehn Empfehlungen pro Teilung zu generieren…

Man kann also annehmen, dass sich für eine Seite mit einem Besucherprofil, das häufig durch Spitzenstories verfälscht wird (z.B. BuzzFeed, oder große Nachrichtenportale), der Einfluss von WhatsApp verringern wird, da dort das Reichweitenpotental von Twitter und Facebook tatsächlich mit einberechnet wird. Aber Viele Club- oder Markenseiten werden ein ähnliches Profil aufweisen, wie es valenciacf.com tut.

Gesamtbewertung

Was soll man nun also aus dieser Untersuchung ziehen, wenn man eine Nachrichtenseite betreibt?

Erstens: Befindet man sich in einem Land, in dem WhatsApp intensiv genutzt wird, scheint es ratsam, neben dem Blau der Facebook- und Twitter-Buttons einen kleinen grünen Button auf seine Website zu integrieren. Man sollte ein paar der größeren landesspezifischen Nachrichtenseiten ausfindig machen, denn dies findet bemerkenswert selten statt. Besonders interessant für die iPhone-Nutzer ist hier, dass WhatsApp sich nicht nahtlos in das Betriebssystem einfügt, wie es bei Facebook oder Twitter der Fall ist. Daher könnte der Button eine weitgehende Verhaltensänderung nach sich ziehen.

Zweitens: Beginnen Sie mit der Datenerfassung. Integrieren Sie ein Parameter in die WhatsApp-URLs und messen Sie das Nutzerverhalten, das sich hieraus ergibt.

Drittens: Befinden Sie sich in einem Land, in dem eine andere Chat-App den Markt bestimmt, wie es zum Beispiel in Asien der Fall ist, kann sich die Extraarbeit der Pixelgenerierung für einen spezifischen Button lohnen.

Und Viertens: Wenn Sie sich in den USA aufhalten, kann es ebenso passieren, dass keine dieser Apps überhaupt Aufmerksamkeit generieren – aber es geht langsam in diese Richtung. Die Nutzer sind noch unverhältnismäßig jung und nutzen hauptsächlich Mobilgeräte – hier muss man also die Neuigkeiten auf dem Markt im Auge behalten. Versuchen Sie, ein paar A/B-Test zu etablieren und Ihre eigene Datenbank zu verwalten, denn hier könnte sich ein Trend etablieren, dem es sich lohnen kann voraus zu sein.

Zuerst erschienen auf niemanlab.org. Übersetzung von Anne Jerratsch.


Image (adapted) „iOS / iPhone“ by Álvaro Ibáñez (CC BY 2.0)


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Slate verdoppelt sein Podcast-Publikum

Mikrofon (adapted) (Image by florantevaldez [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Das Online-Magazin Slate konnte im letzten Jahr seine Podcast-Hörerschaft verdoppeln – auf Audio und gegen Video gewettet zu haben, macht sich bezahlt. Das Serial Spoiler Special – der Podcast von Slate, der wöchentlich die neuesten Serienepisoden analysiert – war der schnellste veröffentlichte Podcast, wenn man die Zeit misst, die zwischen Idee und Debüt vergangen ist.

Vier Wochen, nachdem der Podcast ‚Serial‘ veröffentlicht wurde, hat jeder darüber gesprochen, sagt Andy Bowers, der ausführende Produzent des Podcast auf der Website. Ich habe einen Anruf von einem Redakteur bekommen, der vorschlug: ‚Wieso nehmen wir nicht einfach die Gespräche auf, die wir so führen, und machen einen Podcast über den Podcast?‘ Und ich meinte: ‚Super Idee!‘ Zwei Tage später haben wir ihn dann gegründet.

Manche fanden, dass die Idee eines Podcasts über einen Podcast ein bisschen zu sehr auf der Metaebene angesiedelt sei, und nannten sie absurd. Es gibt ein lustiges Video auf Youtube, das sich über die Fans von Serial lustig macht, über ihre Besessenheit und wie sie Willens waren, noch tiefer in den Kaninchenbau einzudringen.„Mann, erzähl mir nichts über den Slate-Podcast – ich liebe den Slate Podcast!“, sagt eine Figur in dem Video.

Ich habe jede Folge gehört. Jetzt hab ich sogar angefangen, den Podcast über den Slate Podcast zu hören, und jede Woche, wenn eine neue Folge vom Slate Podcast veröffentlicht wird, gibt es auch von dem anderen eine neue Folge, und sie sprechen darüber, was sie im Slate-Podcast besprechen werden.

So absurd sich das wahrscheinlich für Leute anhören mag, die keine Fans von Serial sind – das Serial Spoiler Special war ein Riesenhit und hat hunderttausende von Downloads pro Folge generiert.

„Eine Riesenmenge von Leuten, die auch Fans vom Serial Podcast waren, haben auch angefangen, diesen Podcast zu hören. Außerdem gelangten völlig neue Hörer in die Reichweite des Slate-Podcasts, und wir fanden das super“, meint Julia Turner, Chefredakteurin von Slate.

Die Reichweite, von der sie sprach, hat innerhalb der letzten Jahre erheblich zugelegt. Laut Bowers haben die rund 14 Podcasts im Monat etwa sechs Millionen Downloads, und das Publikum hat sich in einem Jahr verdreifacht. Natürlich verdankt man einen Teil dieser Zahlen dem Erfolg von Serial, das Millionen neue Hörer in das Medium gespült hat. Aber Slate hat auch ziemlich früh recht hoch gepokert, noch lange bevor man davon ausgehen konnte, dass Podcasts überhaupt in den Mainstream gelangen würden. Man investierte stark in das Audioformat und machte sich bereit, auf der Trendwelle zu reiten, als sich endlich Millionen neuer Kunden ein Smartphone zugelegt hatten und erkannten, dass sie sich damit auch Audiodateien zum zeitsouveränen Nachhören herunterladen konnten.

Die Wette lief noch, während viele der Medienkonkurrenten ihre Aufmerksamkeit vermehrt auf Onlinevideos lenkten. Man ließ sich von der hohen TKP-Rate und den Werbeclips verführen, die vor dem eigentlichen Video eingeblendet werden konnten. Viele der etablierteren Printmedien investierten beträchtliche Summen, um ihren Online-Videos und das zugehörige Personal etwas aufzumöbeln. Im Jahr 2013 veröffentlichten die beiden Medienunternehmen Meredith und Scripps diverse neue Webserien. Noch im gleichen Jahr stellte die New York Times Rebecca Howard ein, die vorher Vizepräsidentin bei 20th Century Fox gewesen war. Sie sollte die Videoabteilung leiten und vergrößern.

Aber wahrscheinlich hat kein Unternehmen so sehr auf das Videoformat gesetzt wie BuzzFeed. Das Unternehmen hat gerade erst ein Angebot von 50 Millionen US-Dollar angenommen, hauptsächlich um die Abteilung BuzzFeed Motion Pictures zu vergrößern, die überwältigende 4,5 Milliarden Views im Jahr 2014 erzielen konnte.

Slate hat derweil das Videoformat nicht ignoriert (tatsächlich produzieren sie damit einige ihrer eigenen Programme und stellen regelmäßig virale Videos aus dem ganzen Internet zusammen), aber die Podcastangebote sind wesentlich bedeutender. Hier hat sich eine eifrige, beinahe fanatische Hörerschaft gebildet – viele von ihnen stehen sogar freiwillig Schlange, um bei einer Livesession dabei zu sein. Aber wieso erkannte Slate, dass sie mit ihrem Format einen solchen Erfolg haben würden, während andere Absatzmärkte, wie die New York Times und der Boston Globe ihr Audioangebot eher zurückgeschraubt haben, um das Videoformat mehr zu fördern?

Wenn man von Slates ersten Schritten in die Podcastwelt hört, lernt man alles über die Entstehung des Mediums selbst, denn man konnte fast von Anfang an daran teilnehmen. Es erschien kurze Zeit, nachdem Dannie Gregoire das Wort ‚Podcast‚ geprägt hat.

Seit fast einem Jahrzehnt hat Bowers nun für NPR gearbeitet, immer in Phasen, die ihn von London bis zum Weißen Haus brachten. Im Jahr 2003 entstand schließlich eine Zusammenarbeit zwischen Slate und NPR – eine Nachrichtensendung mit dem Namen „Day to Day„.

Ich bin bei Slate als Mitarbeiter von Day to Day eingestiegen, sagte Bowers. So konnte ich meinen Posten bei NPR behalten, aber die Mitarbeiter auswechseln. Außerdem war es meine Aufgabe, den Leuten bei Slate zu zeigen, wie man Radiosendungen produziert und wie man Studios in die Büros baut, damit diese von NPR benutzt werden konnten.

Auf diese Weise gelangte Bowers in die richtige Position, um Slate ans Podcasting heranzuführen. Er experimentierte mit der Plattform und las anfangs Artikel von Slate einfach direkt vor, so dass die Leser sie unterwegs anhören konnten. Sogar mit diesem eher spärlichen Angebot erreichte man pro Veröffentlichung über 10.000 regelmäßige Hörer. Bowers leitete auch eine wöchentliche Diskussionsrunde mit John Dickerson, dem Berichterstatter aus der Politiksparte.

Aber die wirklich wichtige Erkenntnis kam Bowers, als er bei den wöchentlichen Redaktionskonferenzen seine Ohren spitzte:

John und seine Kollegen in Washington führten irrsinnig witzige Unterhaltungen. Es hörte sich an, wie ich es von Reportern nur an der Bar oder nach Talkshows gewohnt war. Ich dachte mir, wenn ich einfach ein Mikrofon in den Konferenzraum stellen könnte – das wäre super lustig. Die Leute würden die wirklichen Unterhaltungen hören, die die Reporter miteinander führen.

Diese Eingebung wurde zu einer Show namens „Political Gabfest“ (dt.: etwa: ‚politischer Kaffeeklatsch‘), eine einstündige Show, präsentiert von Dickerson, dem ehemaligen Redakteur David Plotz und Emily Bazelon und ist heute einer der beliebtesten Podcasts.

Es wurde daher bald angenommen, dass Bowers die Macht hatte, all seine Kraft in das Podcast-Netzwerk von Slate hineinzustecken, als NPR die Absetzung von „Day to Day“ beschloss. Ihn erstaunte die Intimität, die dieses Format ausmachte. Nachdem er ein Jahrzehnt beim Radio verbracht hatte, hatte er vermutet, dass dies das intimste und direkteste Medium wäre. Jedoch stellte er fest, dass Podcasting einen Schritt weiter ging. Die Zuhörer abonnieren eine Sendung und fühlen sich so als Mitglied eines Clubs. Nie war dies offensichtlicher als bei der ersten Aufnahme des Political Gabfest, das von Slate vor einem Livepublikum veranstaltet wurde.

Ich glaube, das erste Mal war so um die Zeit der Amtseinführung von Obama im Jahr 2009„, erinnert er sich. „Wir entschieden uns für eine Liveshow, weil wir dachten, es wären eine Menge Leute wegen der Amtseinführung in der Stadt. Also buchten wir einen Veranstaltungsraum. Wir hatten wirklich keine Ahnung, ob nun 10 oder eher 100 Leute auftauchen würden. Es endete damit, dass die Leute um den ganzen Häuserblock herum Schlange standen.

Dieses glühende Fatum zeigt, wieso Slate und die anderen Podcast-Netzwerke in der Lage sind, solche hohen Werbesätze einzufordern – viel mehr als man normalerweise für Onlinewerbung verlangen kann. Weil die Werbung oft von den Gastgebern selbst vorgelesen wird – oftmals auf eine kreative Weise – fühlen sich die Podcast-Hörer nicht genötigt, vorzuspulen.

Während einer unserer ersten Liveshows, die von Audible.com gesponsert wurde, spielte David Plotz die Audible-Werbung vor dem Publikum nach, sagt Bowers. Er sagte: ‚Political Gabfest wird präsentiert von … naja, das wissen Sie ja sowieso alle‘, und das ganze Publikum rief ‚Audible.com‘. Als das geschah, meinte ich, ok, das scheint ziemlich effektiv zu sein.

Weil Slate sich nicht den Beschränkungen der traditionellen Radiosender unterwerfen muss, konnte man mit dem Format innerhalb der letzten zehn Jahre viel herumexperimentieren. Zusätzlich zu den regelmäßigen Shows versuchte man sich an inoffiziellen Audiotouren, die an berühmten Touristenattraktionen vorbeiführten. Eine von ihnen wurde von einem Kritiker in der Met aufgezeichnet.

Ich hörte mir das Ganze am nächsten Tag nochmal an, weil ich gerade in New York war, erzählte Bowers. Ich habe mich immer noch tot gelacht, zum Beispiel wenn erzählt wird, wie wertlos ein bestimmtes Gemälde von Picasso sei. Wir haben danach Emails von Leuten bekommen, die erzählten, wie sie vor dem Museum standen und sich vor Lachen kaum halten konnten, und die Museumswächter schauten sie an, als ob sie den Verstand verloren hätten.

Slate hat sogar mit einer One-on-One-Verbindung zwischen Gastgeber und Fans experimentiert. Mit dem Erfolg der Liveshows begann man, Tickets für private Cocktailpartys zu verkaufen, die vor den Shows mit den Gastgebern stattfinden sollten. Mittlerweile sind diese nach wenigen Minuten ausverkauft.

Obwohl man offen für Experimente war, hat Slate die Ressourcen gedrosselt und man wurde wählerisch, wenn man den Mitarbeitern eine neue Show zuteilte. Ich frage mich, ob man Berechnungen über die potentielle Publikumsgröße einer bestimmten Nische gemacht hatte und ob das Publikum Werbeträger annehmen würde. „Es gibt nicht ansatzweise so viel Publikumsanalyse, wie Ihre Frage andeutet“, meint Turner, die ebenfalls Gastgeberin beim Political Gabfest ist.

Ein großer Teil des Erfolgs von Serial macht aus, dass wir selbst viele Podcasts hören, und deshalb darüber nachdenken, was wir mögen. Dies passiert gar nicht so sehr auf strategischem Wege und das hilft uns festzulegen, wie ein Podcast aussehen müsste, der Spaß macht.

Eine der letzten Veröffentlichungen von Slate ist zugleich eine der ehrgeizigsten. Vor einem Jahr hat Mike Pesca, ein langjähriger NPR-Korrespondent, der selbst für „Day to Day“ berichtet hat, verkündet, er würde den Sender verlassen und einen eigenen täglichen Slate-Podcast namens „The Gist“ (dt.: etwa „Das Wesentliche“) ins Leben rufen.

Sobald ich ihn getroffen hatte, hatte ich denselben Eindruck, den viele Leute im Radio hatten: dieser Typ war hinter dem Mikrofon unfassbar talentiert und sollte seine eigene Sendung haben, sagt Bowers. Und aus irgendeinem Grund wollte NPR ihm keine Sendung geben.

‚The Gist‘ ist eine Art tägliches Nahrichtenmagazin, in dem Pesca sein einmaliges Talent für Wortspiele zeigt, während er über aktuelle Geschehnisse referiert. Zum Ruhm verhalf ihm sicherlich auch eine kleine Zusammenfassung auf „This American Life“. „The Gist“ wurde bald zum beliebtesten Podcast bei Slate.

Jeder regelmäßge Podcasthörer hat sicherlich mitbekommen, dass die meisten Podcast-Sponsoren „direct-response advertisers“ sind. Es ist einfach, ihre Berechnung des „Return on Investment“ zu erkennen, denn die Hörer werden angehalten, einen speziellen Werbecode einzugeben, um beispielsweise Rabatt zu bekommen. Die Herausforderung ist, dass Slate nun Marken auf eine Weise ködern muss, die deren Bekanntheit erhöht, aber nicht direkt den Verkauf beinhaltet. Laut Bowers ist Slate in einer einmalig günstigen Position, um diese Firmen ins Boot zu holen, denn Slate ist – anders als die anderen Podcast-Netzwerke – in ein großes Medienunternehmen eingebunden. „Wir sind mit einer großen Webseite verbunden und so hatten wir viele lange Jahre Werbeunternehmen, die bei Slate und bei den anderen Podcasts eingebunden wurden.“ Beispielsweise sponserte Acura die neueste Livetour des Gabfestes und bot ab und zu auch einen Testlauf für Teile des Publikums an. Ein anderer Podcast, bei dem Plotz der Gastgeber ist, wird von Delta gesponsert.

Es gibt noch eine Möglichkeit, wie Slate davon profitieren kann, zugleich Podcast und Nachrichtenseite zu sein – nämlich durch „Fremdbestäubung“ zweierlei Arten von Publikum. Dies erlaubt gleichermaßen, die Recherche auszuweiten und die Marke zu stärken. Man verwandelt gelegentliche Leser in Hardcore-Fans, die einem in fast jedes Medium folgen.

Ich habe durchaus schon Emails von Leuten bekommen, die sagten: ‚Hey, ich höre deinen Podacst jetzt schon seit Jahren und habe endlich auch die Seite angeklickt, um einen Artikel zu lesen, von dem du gesprochen hast. Hier gibt es viel tolle Sachen und ich komme jetzt jeden Tag wieder.‘, sagt Turner. Ich kriege auch Briefe von Leuten, die sagen: ‚Meine Güte, ich habe jeden Tag deine Seite gelesen und du sprichst die ganze Zeit über Podcasts. Ich habe mir schließlich einen angehört und jetzt bin ich absolut bekehrt.‘

In einer Welt, in der Werbung sich weniger für die Pageviews interessiert und sich mehr auf die Loyalität des Publikums konzentriert, kann man sich schwer vorstellen, dass besagtes Publikum einem noch ergebener sein kann als ohnehin schon.

Zuerst erschienen auf simonowens.net. Übersetzung von Anne Jerratsch.


Image (adapted) „Mikrofon“ by florantevaldez (CC0 Public Domain)

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Das Archiv beflügelt die neue Paywall des New Yorker

The New Yorker (adapted) (Image by Esther Vargas [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Seit dem letztjährigen Relaunch von NewYorker.com und der neuen Paywall sind sowohl die Besucherzahlen als auch die Abonnentenzahlen gestiegen. Der Trick, um Leser in eine Horde hamsternder Gierschlunde zu verwandeln, lautet wie folgt: Man teile ihnen mit, sie können tief in das Archiv des New Yorker eintauchen und mit so vielen Geschichten wieder herauskommen, wie sie mit ihren eigenen Händen tragen können.

Statt dass Eltern panisch die Gänge des nächsten Walmart für die aktuelle Version der Elmo-Puppe abgrasen, konnte man zusehen, wie sich die Leute um die Werke von Junot Diaz, Alice Munro oder Davin Grann prügelten, auf die sie schon eine Weile geschielt haben.

Genau das ist vergangenen Sommer passiert, als der New Yorker sein Archiv geöffnet und alle Berichte bis 2007 kostenlos verfügbar gemacht hat. Diese Freifahrtsaktion war Teil des Relaunchs der Webseite des Magazins NewYorker.com. Die Grundidee war, dass man die redesignte Seite den alten und neuen Lesern vorstellen wollte, indem man sich für fünf Monate durch die Berichte wühlen konnte. Es gab nicht nur Einkaufslisten, die zum Bestellen aus dem Backkatalog animierten, es gab auch Listen der Listen, die empfahlen, was noch alles gelesen werden sollte.

Der Goldrausch nach den Artikeln des New Yorker wurde sowohl durch das Talent der Autoren als auch durch das Novum ausgelöst, dass eines der am luftdichtesten abgeschlossenen Abonnementsysteme aufgehoben wurde, denn vor Juli waren nur etwa 25 Prozent der Beiträge während bestimmter Wochen freigeschaltet. Der Redakteur David Remnick teilte der New York Times im Juli mit, dass sich das alte Geschäftsmodell des Magazins „seit seiner Konzeption längst überlebt hat„.

Durch das Redesign und die Freischaltungsaktion im Sommer wurde auf zwei Arten die Frage aufgegriffen, wie man mit einem Zuwachs an Publikum in Zukunft umgehen wolle. Die erste Aufgabe war einfach: eine Website zu erstellen, die unterhaltsam und lesbar ist, und die Nichtabonnenten neugierig genug macht, um Geld dafür zu bezahlen.

Und der Plan ging auf. Wenn auch nicht so, wie erwartet.

Es gab keinen deutlichen Anstieg in den Leserzahlen zwischen Juli und November. Dann gab es einen, aber der war nicht sonderlich hoch, sagt Nicholas Thompson, Redakteur bei NewYorker.com. Seltsamerweise war es so, dass wir die Paywall eingeschaltet haben, und erst dann gab es einen enormen Anstieg.

Im Januar gab es bis zu 30 Prozent mehr neue Besucher, genau wie im vergangenen Jahr. Und, was noch wichtiger war, die Anzahl der zahlenden Leser ist ebenso nach oben gegangen. Nachdem der gebührenpflichtige Zugang eingeführt wurde – das hieß, es gab sechs kostenlose Artikel im Monat – stiegen die Abonnenten um 85 Prozent im Vergleich zum vergangenen Januar. (Die neuesten Zahlen der Alliance Audited Media show besagen, es wurde für den New Yorker insgesamt 1.044.524 mal gezahlt.)

In diesem Jahr feiert der New Yorker seinen 90. Geburtstag und diese Langlebigkeit reiht sich gut ein in die Verfügbarkeit von älterem Material. Der Andrang auf das Archiv im vergangenen Sommer zeigte den Hunger danach, aber es wurde auch deutlich, wie einschränkend die Abo-Planung in ihrem Modell des ‚Alles oder Nichts‘ war. Nun unternimmt der New Yorker erste Schritte, um sein Publikum zu erweitern, in dem er analysiert, welche Menschen die Webseite anzieht, was sie dazu bringt, ein Abo abzuschließen und wie man eine Verbundenheit zu den Lesern aufbaut, die erst jetzt den in Manhattan ansässigen, Monokel tragenden Eustace Tilley kennen lernen. „Wir haben ein Magazin, es ist etwas Besonderes, und ich bewundere es. Ich glaube, es ist das beste Magazin der Welt. Und ich will, dass die Webseite genau danach aussieht“, sagte mir Thompson bei einem Besuch.

Wir saßen im 38. Stock des World Trade Center 1, dem neuen Sitz von Condé Nasts Zeitungsimperium. Der Ort „ist gerade erst dabei, sich an den neuen Vibe zu gewöhnen„, und noch immer sind die Regale im Büro vollgestellt. Die Fenster erlauben einen Blick durch die ganze Innenstadt, den Thompson aber meist ignoriert, während er am Stehpult gegenüber des Fensters arbeitet.

Seit Beginn seiner Anstellung war Thompson dafür verantwortlich, den digitalen Austausch der Seite zu erhöhen, indem er zu schnellerem und pünktlicherem Schreiben ermutigt hat, was sich auch auf die Printabteilung ausgewirkt hat. Dieser Austausch ist natürlich relativ, denn der tägliche Output von NewYorker.com beträgt etwa 15 Artikel und Thompson kann sich nicht vorstellen, dass es je mehr als 20 werden. Andy Borowitz und die täglich eingesandten Texte von Autoren wie John Cassidy, der über Hillary Clintons Emailvorlieben schreibt, rufen einen anhaltenden Traffic hervor, so Thompson. Während der Freischaltungsaktion im Sommer und im Winter, in dem die Paywall eingeführt wurde, waren vor allem ausführliche Features besonders erfolgreich unter den Lesern, wie beispielsweise der Bericht über Angela Merkel von George Packer.

Genauso war es aber auch bei den Werken, die zuerst im Web verfügbar waren, wie Nachrichten, Kulturreporte und die lustigen Artikel, sagt Thompson. Werke wie die Meldungen über Ferguson von Jelani Cobb, Ryan Lizzas Szenenbeschreibungen über das Erwachen einer neuen Republik und die Abteilung „Shouts & Murmurs“ ziehen Leser an und bringen die Leute dazu, ein Abo abzuschließen. Das war für viele Mitarbeiter überraschend, denn sie glaubten, dass die hintergründigen Reportagen hierbei das Wichtigste wären.

Stattdessen suchten viele Leser nach einer bleibenden Verbindung zum Magazin und ihren Lieblingsautoren. Was gab es für Anzeichen, die dafür sprachen? Thompson sagt, die Leser des Newsletters sind am ehesten die, die später auch ein Abo abschließen.

Momentan ist man weniger an Einzelbesuchern oder Seitenaufrufen interessiert, sondern daran, wie viel Zeit lesend verbracht wurde. Man weiß, dass die Leute etwa 17 Minuten damit verbringen, Ian Parkers Steckbrief von Jony Ive zu lesen. Die Anzahl der Magazinkollektionen und stapelweise Geschichten rund um Regisseure, Verbrechen oder Liebe sind sogar noch höher, hier beträgt die durchschnittliche Lesezeit laut Thompson 53 Minuten.

Die Paywalls zu optimieren ist nicht länger eine neue Wissenschaft für die Medien. Laut der Einführung des digitalen New York Times-Abos im Jahr 2011, haben sich im Anschluss hunderte Herausgeber an dem Modell orientiert. Für viele zeigten sich die ersten Erfolge in einer Kombination aus höheren Abonnementzahlen und, zumindest auf den ersten Blick, einem niedrigeren Traffic.

Aber der New Yorker wechselte nicht einfach von kostenlos zu gebührenpflichtig, wie die meisten Zeitungen. Durch das alte Zugangsmodell, bei dem man mit kleinen blauen Schlössern angezeigt bekam, welche Beiträge nur für Abonnenten freigeschaltet waren, bekam man den Eindruck, dass der beste Teil des Magazins versteckt blieb.„Wir wollten mehr Leser für unseren tollen Inhalt gewinnen. Wenn ein Artikel hinter einem kleinen blauen Schloss versteckt bleibt, kannst du ihn nicht bewerben“, sagt Monica Ray, Vizepräsidentin für Verbrauchermarketing für Condé Nast.

Ray rechnet den Anstieg der Leserschaft des New Yorkers der Publikumsrecherche und einer Analyse an, die in den Monaten stattfand, in denen die Seite relaunched wurde und das Archiv offen stand. Anstatt man die Paywall komplizierter machte, in dem Features und Blogposts unterschiedlich bewertet wurden, entschied man sich, dass alle Artikel gleich behandelt werden sollten. Die Gebührenpflicht bei sechs Artikeln im Monat anzusetzen bedeutete, dass die Rubrik „Tagesbuch eines linken Hais“ und Berichte von Adam Green mit dem Namen „Meistertaschendieb Apollo Robbins“ gleich behandelt wurden.„Wir wollten einen Ort finden, wo man genug zu lesen hat, aber wir geben nicht gleich alles heraus“, sagte sie.

Das allgemeine Ziel, durch das neue Design und die Gebührenpflicht, ist die Erreichbarkeit, wohl auf dem technischen Feld als auch in Belangen des Tonfalls.

Wie der Ansturm auf das Archiv gezeigt hat, gibt es bereits ein fest etabliertes und lautstarkes Publikum für den New Yorker. Ray sagt, sie müssten expandieren, was bedeutet, dass sie Leute erreichen müssen, die entweder den New Yorker nicht kennen oder einen falschen Eindruck von dem Magazin haben. „Ich glaube, es hat uns sehr geholfen, dass wir unsere Artikel mehr bewerben konnten, also kommen die Leute deshalb auf unsere Webseite“, sagt sie.

Das Ganze ist Teil einer weitergehenden Adaption, wie die Leser mit dem New Yorker interagieren, sagte mir die stellvertretende Redakteurin Pamela McCarthy. Die neue Seite zu veröffentlichen und einen digital verbesserten New Yorker zu designen, ist ein Vorgang, der verlangt, dass manbewusst bleibt, während wir uns schnell bewegen„. Das Ganze ist nicht so sehr ein technischer Prozess, sondern viel mehr ein redaktioneller, denn das Magazin hat für die anspruchsvollen Teile seinen berühmten faktencheckenden und redigierenden Apparat, der mit der Geschwindigkeit des Internets arbeitet. Wie es aussieht, sagt McCarthy, ist das viel näher an dem dran, wie Zeitungen ihre täglichen Berichte behandeln. „Wir wissen von unseren Kollegen von der Times, der Washington Post – sie haben meistens alles richtig verstanden und haben keine Armee von Leuten, die alles nachprüfen“, sagt sie.

Der Lohn kam in Form von mehr Lesern, die eher täglich als wöchentlich sehen wollen, was die Autoren zu sagen haben. „Mitarbeiter zu haben, die hier schon lange arbeiten und in der Lage sind, auf Geschehen rasch zu reagieren, und das auch noch in der kürzesten Form, ist wirklich wichtig und zahlt sich aus“, fügt sie hinzu.

Während der New Yorker wächst, werden die Unterschiede zwischen den verschiedenen Menschen, die sich mit der Marke identifizieren, immer unwichtiger. Es gibt eine neue Serie auf Amazon und immer mehr Podcasts. Lange Zeit war es wichtig, über Veranstaltungen wie das New Yorker Festival im vergangenen Monat zu berichten, es gab sogar eine Veranstaltung in der Moth Radio Hour, bei der Geschichten erzählt wurden.

Auch wenn sich all das außerhalb von Print bewegt, wird das Ziel immer das Gleiche bleiben, nämlich dem New Yorker eine Identität zu verleihen und diese umzuwandeln, auf die die Menschen reagieren können, sagt McCarthy.

Ich weiß nicht, wohin das alles führen wird. Ich weiß es nicht. Aber unser Ziel ist es, beweglich zu sein. Und in der Lage zu sein, auf das nächste große Ding zu reagieren, das uns entgegenkommt.

Zuerst erschienen auf niemanlab.org. Übersetzung von Anne Jerratsch.


Image (adapted) „The New Yorker“ by Esther Vargas (CC BY-SA 2.0)


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London calling: Ein Blick auf BuzzFeed in Großbritannien

Die viralen Meister von BuzzFeed sind nicht nur daran interessiert, ihr US-Modell auch in Übersee durchzusetzen:

Die Idee ist, dass wir internationale Büros nicht nur als Satellitenbüros wollen, sondern als eigene Zentralen ihrerseits.

BuzzFeed ist natürlich für einen Mix aus Nachrichten mit Listen und Quizze bekannt. Deshalb war es unausweichlich, dass der britische Premierminister David Cameron, als er sich am Montag mit BuzzFeed UK für ein Interview zusammensetzte, nicht nur Fragen zu seiner Position in der Wohnungspolitik und ob er mit seinen Konkurrenten vor den im Mai stattfindenden Wahlen debattieren würde, sondern auch, wer sein Lieblingscharacter in Game of Thrones ist und ob er auf Snapchat ist.

Cameron sagte (ahnungsvoll?), dass er Ned Stark möge und dass er kein Snapchat-Nutzer sei. Aber der Fakt, dass der Premierminister mit einem Interview mit dem britischen BuzzFeed einverstanden war, ist Beweis für das Wachstum der Seite in Großbritannien – auch wenn Cameron Berichten zufolge von „Das BuzzFeed“ und einer „digitalen Zeitung“ gesprochen hat.

Im März vor zwei Jahren gestartet, war BuzzFeed UK die erste internationale Seite von BuzzFeed und dessen Wachstum ist bezeichnend für das Model, welches für den Ausbau weiterer internationaler Seiten genutzt wird. „Die Idee ist, dass wir internationale Büros nicht nur als Satellitenbüros wollen, sondern als eigene Zentralen ihrerseits“, erzählte BuzzFeed UK-Redakteur Luke Lewis, als wir uns Anfang des Monats in einem Coffeeshop getroffen haben, während BuzzFeed im Umzug mit dem Büro war.

BuzzFeed UK hatte nur drei Mitarbeiter, als es im Jahr 2003 startete. Im Verlauf des Jahres expandierte BuzzFeed nach Australien und hat seitdem Ausgaben in Brasilien, Frankreich, Deutschland, Indien, Mexiko und Japan angekündigt oder bereits gestartet.

Die Belegschaft für die britische Ausgabe beträgt momentan rund 50 Mitarbeiter in allen Abteilungen. Es gibt 35 redaktionelle Mitarbeiter, jedoch sagte Lewis, dass er plant, die redaktionellen Mitarbeiter allein in diesem Jahr auf 50 aufzustocken. Während des ganzen Jahres 2013 fokussierte BuzzFeed UK sich auf etwas, was sie Buzz nennen, die Listen und Quizze, die am meisten mit der Seite identifiziert werden. Aber letztes Jahr wurde begonnen, das Berichterstattungsteam zu vergrößern, inklusive einer fünf Personen umfassenden politischen Belegschaft, die von Jim Waterson geleitet wird, welcher Cameron am Montag interviewte. BuzzFeed UK stellte außerdem letztes Jahr die für investigative Berichterstattung bekannte Heidi Blake ein, um ein dreiköpfiges Enthüllungsteam zu leiten.

Nachdem Lewis im Dezember 2011, vor den US-amerikanischen Präsidentschaftswahlen 2012, von BuzzFeed eingestellt worden war, erzählte BuzzFeeds Chefredakteur Ben Smith dem Blog the Lab, dass er„Reporter einstellen [möchte], welche Exklusivmeldungen auf dieselbe Art kriegen, wie sie die immer bekommen haben, mit Telefonanrufen, Trips nach Iowa und Drinks mit politischen Funktionären.“ Durch sein Vorgehen war BuzzFeed einer der größten Gewinner der Wahlperiode 2012 und das Wachstum der Nachrichten-Tätigkeiten wird fortgesetzt, sowie auch die Reichweite weltweit ausgedehnt wurde. Letzten Monat war BuzzFeed einer von einigen wenigen Vertretern der sogenannten neuen Medien, die sich ein Eins-zu-Eins-Interview mit US-Präsident Barack Obama sicherten. (Das Neuste ist bei Vice).

Diesem Schema folgt BuzzFeed UK, da Großbritannien sich der Wahl am 7. Mai nähert.

Die Idee mit der Wahl ist, dass wir auf die Straße gehen und mit Menschen reden – wirklich altmodische Berichterstattung draußen, sagt Lewis.

Wir sind nicht übermäßig darauf fokussiert, ausgefallene Protz-Infographiken oder – Interactives zu bauen. Wir meinen, dass das kein Bereich ist, in dem wir bestehen möchten. Wo wir bestehen möchten, ist auf die Straße zu gehen und kleine Exklusivgeschichten zu bekommen.

Letzten Monat zum Beispiel veranstaltete die konservative Partei eine Auktions-Benefizveranstaltung. BuzzFeed-Reporter Siraj Datoo beobachtete das Event und sprach mit Besuchern bei ihrer Ankunft. Er erhielt das Programm, welche alle Objekte auflistete, die zur Auktion standen, und berichtete, dass Spender 220.000 Pfund für ein Woche Urlaub in einer spanischen Zitadelle aus dem 17. Jahrhundert und 210.000 Pfund für eine Statue von Margaret Thatcher ausgaben.

Sicherlich eine kleine Story – aber Datoos Berichterstattung wurde dann in Pubilkationen wie The Guardian, The Telegraph und The Independent zitiert.

Das britische BuzzFeed zog diesen Februar mehr als 18,8 Millionen einzelne Besucher an; im Februar 2014 waren es noch 13,4 Millionen, zumindest laut Daten von Quantcast. BuzzFeed ist hoffnungsvoll, dass seine ziemlich große Zielgruppe in Großbritannien und auf seinen weiteren europäischen Seiten in der Lage sein wird, Werbekunden anzuziehen. Laut Berichten der Financial Times ersetze BuzzFeed erst letzte Woche seinen europäischen Vizepräsidenten für Werbung, Will Hayward, mit Kate Burns, einer ehemaligen Führungskraft der Huffington Post, welche geholfen hat, die internationale Präsenz der Seite auszubauen. Die Financial Times schreibt außerdem:

Greg Coleman, BuzzFeeds Präsident, sagte, dass das Unternehmen ein ‚Vertriebs-Vollblut‘ braucht, um seine Beziehung mit Werbeagenturen und Marken in Europa zu entwickeln.  Ende 2016 könnte der Kontinent [Europa] bis zu einem Viertel der US-amerikanischen Einnahmen generieren, fügte er hinzu.

BuzzFeed begann sein britisches Vertriebsteam im September 2013 aufzubauen, um mit britischen und europäischem Klienten zu arbeiten. Viele Marken in Großbritannien sind allerdings konservativer als deren US-amerikanische Pedanten, aber Inserenten sehen BuzzFeed UKs Wachstum auf der Nachrichtenseite als eine ansprechende Perspektive, wie Digiday Anfang des Monats berichtete.

Anfangs bemühte BuzzFeed sich um Marken, welche sich richtig für die Plattform anfühlen, erzählte Liam Brennan, Digital Atrategy Director der Werbeagentur Starcom Mediavest, gegenüber Digiday. „Um das zu steigern, müssen sie mehr seriöse Inhalte schaffen, um mehr Menschen an Bord zu bekommen.“ Dennoch, BuzzFeed UK muss auch daran arbeiten, seine eigene Identität zu entwickeln, sagt Lewis, da vieles, was in US-amerikanischen BuzzFeed-Beiträgen gut funktioniert – Nostalgie, Sentimentalität, Aufstiege – nicht immer mit der britischen Zielgruppe funktioniert.

Das Zeug floppt einfach komplett in Großbritannien, sagt Lewis. Niemand möchte etwas übertreiben, aber wenn du diese Artikel lustig und ein bisschen stachelnd und ein bisschen satirisch machst, dann funktionieren sie gut.

Es gibt einige Beiträge, wie #TheDress, welche trotzdem funktionieren und Lewis sagt, das BuzzFeed UK täglich um die 20 Artikel benutzt, welche ursprünglich aus den USA kommen.

Über den Content hinaus arbeitete BuzzFeed UK daran, die Bürokultur, welche den US-amerikanischen BuzzFeed Büros entspringt, zu übernehmen. Mitarbeiter in London kommunizieren kontinuierlich mit ihrem US-amerikanischen Gegenüber via Slack und es gibt einen regelmäßigen Strom von BuzzFeed-Mitarbeitern aus den USA, die das britische Büro besuchen und umgekehrt. BuzzFeed UK hat auch Mitarbeiter zu dem deutschen Unternehmensbüro geschickt, um den Prozess dort fortzusetzen.

Wir tauschen sozusagen Mitarbeiter für eine kurze Periode, sagt Lewis. Die wirklich wertvolle Sache an BuzzFeed ist die Bürokultur und ich denke, es ist wichtig zu versuchen diese so gut es geht zu übernehmen.

Ebenso ist BuzzFeed UK auf der technologischen Seite glücklich, die Produktentwicklung den Mitarbeitern in der USA zu überlassen – aber die britische Seite ist im Prozess der Gründung eines in London sitzenden Team, welches mit neuen Formaten zur Präsentation von BuzzFeed-Inhalten experimentieren soll. Unter dem Spitznamen BuzzFeed Hogwarts wird der Aufwand von BuzzFeed UKs Editorial Director Tim Phillips getragen, welcher ein vierköpfiges Team leiten wird. Der erste Entwickler des Teams startete Ende Februar. Es wird an Ideen wie einem Tool gearbeitet, das Lesern die Möglichkeit gibt, ihre Postleitzahlen einzugeben, um ortsbasierte Informationen zu bekommen. Ebenso sind sie an einer Neudefinition von BuzzFeeds Quiz interessiert, so dass sie sich den Antworten des Nutzer anpassen können und erlauben, dass

du deine eigene Abenteuer-Vorgehensweise wählen kannst, sagt Lewis. Wir wollen die Quizze intelligenter machen, also sie vielleicht abändern, sagt er. Also wenn du eines beantwortest, bringt es dich zu einem anderen Teil des Quiz. Während du das Quiz machst, wird es wandlungsfähig.

Egal was letztendlich gebaut wird, dem neuen Format-Team wird aufgetragen, Produkte zu kreieren, welche dazu bestimmt sind, im ganzen BuzzFeed genutzt zu werden. Häufig werden neue Tools auf BuzzFeed schnell verstanden – wie „Slider“ – weil die Mitarbeiter solche Geschichten an die Spitze von BuzzFeeds Charts steigen sehen und den Erfolg wiederholen. BuzzFeed nennt das „Schwärmen“ und deswegen werden so viele Beiträge um große virale Geschichten veröffentlicht.

Wir sind an der Schaffung neue Formate interessiert, welche die Menschen wirklich, wirklich nutzen und tatsächlich ein Template werden, welche eine Welle von Kreativität zwischen den umfangreichen BuzzFeed-Teams freisetzt, erklärt Lewis. Also kannst du neue Wege schaffen, ein Quiz zu machen und plötzlich hast du um die 200 Redakteure in New York und L.A., welche sagen ‚Das ist großartig‘, es nutzen werden und Tonnen neuer Ideen haben.


Zuerst erschienen auf niemanlab.org . Übersetzung von Alexandra von Heyl.


 

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Journalismus nach Snowden: Wie sieht die Zukunft des Lecks aus?

Clay Shirky (Bild by Joi [CC BY 3.0], via Wikimedia Commons)

Wie wird mit Daten umgegangen, die von Whistleblowern weitergegeben werden? Diese Frage diskutiert Journalismus-Experte Clay Shirky („Here comes everybody“). Die Veröffentlichung interner Dokumente von Unternehmen und Regierungen durch die Plattform Wikileaks war auch eine Kritik an den Massenmedien, die ihre aufklärerische Funktion als “Vierte Gewalt” in Demokratien nicht adäquat erfüllen würden. Mit den von Edward Snowden kopierten Daten der NSA hat sich das diesbezügliche Publikationsmodell weiter transformiert. In einem vorab veröffentlichen Auszug aus seinem neuen Buch „Journalism After Snowden: The Future of Free Press in the Surveillance State“ reflektiert Clay Shirky „The value of digital data„.

Die Bedeutung digitaler Daten für den Vorgang der Veröffentlichung von (Staats-) Geheimnissen ist im Vergleich zu historischen Whistleblowern immens: Noch nie war das „Leaken“ so leicht. Nahezu alle Bürokratien nutzen die Digitalisierung, um Informationen und Inhalte leichter zu prozessieren und innerhalb von Institutionen zu zirkulieren. Die Verfügbarkeit digitaler Daten steht somit bereits im Widerspruch zum Versuch ihrer Geheimhaltung. Die Weitergabe von Daten ist deshalb aus der Perspektive ihrer Geheimhaltung zwar das größte Risiko, sie ist jedoch erforderlich, um etwa als Geheimdienst interessante Zusammenhänge zu erkennen:

This dilemma grows more severe the more is to be kept secret, because large stores of data require increasingly automated processes of indexing and linking, which in turn require reducing barriers between data stores, so as to ‘connect the dots.’ And all this hoped-for dot-connecting requires scores of junior analysts and administrators just to manage basic operations

, schreibt Shirky im Hinblick auf die Stellung von Snowden und seiner direkten Vorgängerin Chelsea Manning am unteren Ende der dienstlichen Hierarchie: Die Quellen von heute müssen also keine exponierte Position mehr in der jeweiligen Organisation einnehmen, um an brisantes Material zu gelangen.

Transnationale Medienöffentlichkeit

Manning überließ ihr Material Wikileaks und damit wurde Julian Assange zur zentralen Figur der Veröffentlichung. Der Charismatiker organisierte dann die Distribution der Daten an diverse internationale Medien-Outlets. Diese Strategie zeichnet Shirky als eine zentrale Bedingung für die effektive Auswertung sowie die publizistische Resonanz aus. Darüber hinaus entzieht die geografische Verteilung das Material sowie seine Veröffentlichung dem Zugriff einer einzigen nationalen Rechtsprechung und verhindert, dass ein Medium allein darüber entscheiden kann, welche Informationen an die Öffentlichkeit gelangen. Dies habe Snowden nun selbst übernommen, indem er Laura Poitras und Glenn Greenwald direkt kontaktiert habe. Darüber hinaus beteiligt er sich nach anfänglicher Zurückhaltung selbst an der öffentlichen Interpretation von Dokumenten sowie an der Diskussion über die gesellschaftlichen Konseqenzen aus der offenbarten Überwachung. Greenwald gründete schließlich mit dem Datenschatz das Journalismus-Startup “The Intercept” unter der Dachmarke von Pierre Omydars „First Look Media„.

Ein öffentlich-rechtliches Wikileaks?

Während Shirky diese Entwicklung nicht weiter problematisiert, wurde sie in Deutschland schon frühzeitig kritisiert. So forderte der Herausgeber der Online-Zeitung „Berliner Gazette“, Krystian Woznicki, „Open the Snowden Files!“ Die Monopolisierung des Zugangs zu den Original-Dokumenten durch die vom Whistleblower autorisierten Gatekeeper blockiere das demokratische Potenzial der Enthüllungen:

Daten gelten als das ‘Öl des 21. Jahrhunderts’. In diesem Sinne könnte man davon sprechen, dass das Snowden-Material privatisiert worden ist von Leuten, die versuchen die Daten im Sinne ihrer eigenen Interessen auszubeuten.

Demgegenüber skizziert Woznicki das gewissermaßen öffentliche-rechtliche Modell einer Plattform, die den offenen Zugang zu geleaktem Material gewährleisten soll. Dieser Ansatz impliziert im Gegensatz etwa zu den investigativen Rechercheverbünden journalistischer Provenienz die strikte Anonymisierung aller Dokumente durch eine vertrauenswürdige Instanz ebenso wie eine nutzerfreundliche Aufbereitung. An diesen und ähnlichen Aspekten ist jedoch bereits der Versuch von Wikileaks gescheitert, das Publikum stärker in den Prozess der Auswertung von publiziertem Material zu involvieren. Nicht zuletzt deshalb vertraut Shirky auch in Zukunft eher auf ein mutiges Mediensystem: „Brave sources are going to require brave journalists and brave publications.


Teaser & Image by Joi (CC BY 3.0)


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Regierungskommunikation 2.0 – Persuasion durch Politainment?

Obama Between two ferns (Bild: Screenshot, via YouTube)

Während das Weiße Haus neue Formate politischer Kommunikation im Digitalen erprobt, betritt die Bundesregierung mit Facebook erst noch Neuland. // von Dr. Erik Meyer

Obama Between two ferns (Bild: Screenshot, via YouTube)

Dan Pfeiffer war bis Anfang März 2015 als Obamas Berater im Weißen Haus für die Kommunikationsstrategie des US-Präsidenten zuständig. Im Zuge seiner Demission hat er sich zum Wandel der Regierungskommunikation in den letzten Jahren geäußert. Seine Überlegungen konfrontieren das Problem einer fragmentierten Öffentlichkeit und die Notwendigkeit, auch im Netz Influencer zu identifizieren und mit ihnen adäquat zu kommunizieren. Wandelt die Bundesregierung nun bei Facebook auf den Spuren Obamas? Weiterlesen »

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Britta Smyrak: „Travel-Blogs sorgen für eine neue Qualität“

Interveiw mit Britta Smyrak über Travel-Blogs und Reisejournalismus

Für Britta Smyrak sorgen Travel-Blogs für eine ganz neue Qualität neben dem traditionellen Reisejournalismus. // von Wolfgang Macht

Interveiw mit Britta Smyrak über Travel-Blogs und Reisejournalismus

Mit unserem Reise-Magazin Hello-Travel.de sprach Britta Smyrak, Gründerin von Smart Family Travel, einem Online-Magazin, das sich Familienreisen zu den „kleinen, feinen Orten abseits des Mainstreams“ widmet, wie Reisen mit Kindern leicht gemacht wird. Wir haben die Chance genutzt und mit der Mutter einer Tochter, die noch nie Lust auf Cluburlaube hatte, über Travel-Blogs und die Unterschiede zum Reisejournalismus gesprochen.

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Ein Experiment: The New York Times auf Spanisch

Se Habla Espanol (Bild by Jairo Zelaya [CC0 Public Domain], via Pixabay)

Auf der Suche nach internationalem Wachstum setzt die Zeitung „The New York Times“ verstärkt auf Übersetzungen, vor allem ins Spanische. Egal, in welcher Sprache man es liest, A.O. Scott hatte eindeutig ein paar Probleme mit Fifty Shades of Grey („Mr. Dornan wirkt so ausdruckslos wie ein Modell, das bedeutet, wie eine Figur aus Balsaholz oder Lego.„). Die Rezension des Filmkritikers der New York Times gibt es jetzt auch auch Spanisch – einer von einer handvoll Artikeln, die die Zeitung an den meisten Tagen übersetzt („Dornan tiene la insípida afectación de un modelo, con lo que quiero decir una figura hecha de madera balsa o de legos.„).

Innerhalb der letzten Wochen hat die New York Times diese Berichte in einer neuen Sparte namens „América“ veröffentlicht, wo sie bisher jedoch eher unbeachtet geblieben sind. Die Beiträge sind eine vielseitige Mischung aus technikorientierten Artikeln über Unternehmen, die sich in virtuelle Realitäten begeben, oder Reiseberichte und Kolumnen, wie die von Paul Krugman. Die dazugehörigen Feeds auf Twitter und Facebook teilen auch Inhalte der New York Times auf Spanisch.

Das Ganze ist Teil eines Übersetzungsexperiments, sagt Lydia Polgreen, stellvertretende Redakteurin der New York Times für Internationales:

Polgreen wollte keine weiteren Aussagen über das Projekt machen, man wäre noch in der Frühphase. Sie gab einen Ausblick auf das Projekt des Nieman Lab’s Prediction for Journalism 2015 Package, an dem sie mitgewirkt hat und das im Dezember 2015 erscheinen soll:

Ich werde das kommende Jahr wie folgt verbringen: Als Leiterin eines unternehmerischen Teams, das herauszufinden versucht, wie man das Publikumsinteresse an der New York Times auch außerhalb der USA steigern kann. Dazu müssen wir herausfinden, was die Leute wollen und wann sie es wollen. Ich kann nicht jedes einzelne Wort der New York Times in jede einzelne Sprache übersetzen. Das hat aber auch sein Gutes, denn die Zukunft der Nachrichten wird zwangsläufig auch beinhalten, den Leuten nicht nur das zu geben, von dem wir denken, dass sie es wissen sollten, sondern was sie eventuell gern wüssten – auch wenn sie davon bisher noch nichts geahnt haben.

Die New York Times hat in den vergangenen Jahren einen erheblichen Aufwand betrieben, um ein weltweites, multisprachliches Unternehmen zu werden. Gelegentlich wurden bereits Geschichten und Leitartikel ins Spanische übersetzt, wenn der Gegenstand des Artikels von besonderem Interesse für die Menschen in Lateinamerika sein könnte (ebenso bei anderen Spachen, zuletzt ins Malaysische).

Das Spanischprojekt unterscheidet sich jedoch von den vorherigen Übersetzungen, denn die hier übersetzen Artikel fokussieren sich nicht ausschließlich auf die Belange der spanischsprachigen oder lateinamerikanischen Welt. Die neuesten Themen behandelten die Ukraine, China und die Serie „Better Call Saul„.

Im Jahr 2012 hat der Herausgeber Arthur Sulzenberger das globale Wachstum als eines der vier Schlüsselpositionen für weitere Investitionen benannt. Im Folgejahr wurde der International Herald Tribune als Handelsmarke der New York Times veröffentlicht. Im vergangenen Monat hat Dan Baquet, der Executive Director der Zeitung, ein Memo an die Mitarbeiter herausgegeben, in dem die ungefähren Ziele für 2015 enthalten waren. Die ausländischen Leser haben nun Vorrang für die Zeitung:

Die Times konnte zunächst einen neuen Markt als die eine nationale Druckschrift erschließen. Nun sehen wir, dass es zwingende Möglichkeiten gibt, unser internationales Publikum zu vergrößern. Wir versuchen noch zu entscheiden, auf welchen Bereich wir zuerst eingehen sollen und wie man das am Besten angeht.

Die Notiz hat jedoch eher gemischte Reaktionen hervorgerufen, als es darum ging, die Reichweite zu vergrößern. Im Jahr 2012 wurde eine chinesische Version der New York Times herausgebracht, zudem gab es auch Personal, das in China ansässig war. Es dauerte nicht lange, bis die Seite von der chinesischen Regierung blockiert wurde. Im Abschluss wurden Artikel über den Reichtum und die Macht der vorherigen Premierminister veröffentlicht (Das letzte Ventil der New York Times innerhalb Chinas waren die Accounts auf Sina Weibo, die aber im Februar abgeschaltet wurden). Es gab Pläne, eine ähnliche Seite für portugiesische Leser in Brasilien aufzubauen, doch diese haben sich mitterweile zerschlagen.

Die New York Times war auch eine der ersten Medienunternehmen, die ihre Aufmerksameit in Richtung Indien gerichtet hat. So kam es zur Initiierung von India Ink im Jahr 2011. Das Blog ist im vergangenen Jahr deaktiviert worden, denn die Bearbeitung der Thematik Indiens floss von nun an in die umfassendere weltweite Berichterstattung der New York Times.

Zuerst erschienen auf niemanlab.org. Übersetzung von Anne Jerratsch.


Teaser & Image by Jairo Zelaya (CC0 Public Domain)


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Snapchat Stories: Was sechs Medien über Snapchat denken

Snapchat (adapted) (Image by Maurizio Pesce [CC BY 2.0] via Flickr)

Von Live Events bis zu Behind-the-Scenes-Touren – The Huffington Post, Fusion, Mashable, NPR, Philly und The Verge berichten, wie sie Snapchat nutzen. Sam Sheffer, Social-Media-Redakteur bei The Verge, letztes Jahr den zum Magazin gehörenden Snapchat-Account startete, sollte es ein einfaches, kleines Experiment sein.

Ich habe es bloß auf meinem persönlichen Twitter-Account promotet, erzählt mir Sheffler. Ich habe es nicht offiziell gemacht, dass es unser Account war, ich habe einfach nur meinen Followern erzählt, ‚Hey Leute, Ich werde dieses Ding machen. Folgt mir, wenn ihr wollt‘.

Schnell wuchs die Zahl der Follower; heute bekommen die Snaps von The Verge 10.000 Aufrufe. The Verge, genauso wie viele andere Nachrichten-Unternhmen, welche aktiv auf Snapchat sind, sehen das Ganze immer noch als Experiment, um auf neue Wege, das Format zu nutzen, auszuprobieren – von Live Events, wie das NBA All-Star Game oder den Oscars, bis hin zu einer regelmäßigen Serie, in der Sheffer Verge-Mitarbeiter erklären lässt, was auf ihren Tischen liegt, wird alles abgedeckt. Snapchats Bekanntheit boomt. Letztes Jahr, so das Unternehmen, sendeten Nutzer mehr als 700 Millionen Snaps täglich. Das Unternehmen ist Berichten zufolge in einer neuen Runde der Finanzierung, in der es auf 19 Milliarden Dollar geschätzt wird. Snapchats Potential für Nachrichtenkanäle wurde letzten Monat mit dem Start von Snapchat Discover deutlich, mit dem eine kleine Zahl von Herausgebern mit gut produzierten Stories, die genau auf die Plattform zugeschnitten sind und Hochglanz-Graphiken und -Videos nutzen, eine neue, jüngere Zielgruppe erreicht. Keiner veröffentlicht bisher genaue Zahlen, aber die Gerüchte sagen, dass diese hervorragend sind. („Im Gespräch mit Menschen von diversen anderen Nachrichten-Unternehmen, kann ich euch aus zweiter Hand sagen, dass die Zahlen, mindestens für den anfängliche Phase des Launches, enorm waren. Wir reden über Millionen Views jeden Tag, bei jedem Herausgeber.“) Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie Abnehmer über Snapchat denken, haben wir sechs Unternehmen – The Huffington Post, Fusion, Mashable, NPR, Philly.com und The Verge – gefragt, zu erklären wie sie die Plattform nutzen und wie die Pläne aussehen, sich weiterhin auf Snapchat zu entwickeln. Die Nachrichten-Unternehmen sagen, dass ihre Präsenz auf Snapchat zu ihrer Art passen muss: Deshalb fokussiert Philly.com, die gemeinsame Webpräsenz des Philadelphia Inquirer und Daily News, seine Kräfte auf die Abdeckung lokaler Events und deshalb endet jeder NPR-Snap mit einem Mitarbeiter, der die Aufzeichnung mit seinem Namen und „NPR News“ beendet, genauso wie die Reporter es im Radio auch tun. Hier ist, was die Herausgeber uns erzählt haben, leicht zusammengefasst und bearbeitet.

Philly.com

Erica Palan, Philly.com Social Media Manager Wenn es um alle sozialen Medien geht, denke ich, ist es wichtig die Kultur der Community, welche bereits besteht, zu respektieren; also wollten wir nicht mit Snapchat anfangen, bis wir eine Idee hatten, die für unseren Content und für die Plattform funktioniert. Ich würde mich freuen, wenn ich euch erzählen könnte, dass wir einen kalkulierten Plan für unseren ersten Versuch des Snappings hatten, aber die Wahrheit ist, dass wir die Berichterstattung für Wing Bowl auf unserer Seite vorbereiteten und es schien gut zu passen, also haben wir es ausprobiert. Wing Bowl ist ein jährlicher Chicken-Wing-Ess-Kontest, welcher viel lokale Reichweite bekommt; das meiste dreht sich darum, wie es jeden vom frühmorgendlichen Drängler zum Stripper werden lässt. Es ist laut, chaotisch, ausgelassen und komplett übertrieben. In anderen Worten, es ist ein Event, was danach schreit, geteilt zu werden.

Zwei unserer Fotographen, Colin Kerrigan und Stephanie Aaronson, waren einverstanden für uns zu snappen, während sie eh für das Event die Berichterstattung der Website machten und teilten es auf Instagram, Twitter und weiteren Plattformen. Sie machten über den ganzen Tag verteilt Videos und Fotos und posteten kontinuierlich Updates der Story auf der Seite. Das Ergebnis gab Zuschauern ein Vorgeschmack über die Ereignisse des Tages.

Wir sind immer noch in der Phase des Brainstorming, wie wir es für uns als Nachrichten-Unternehmen bedeutsam machen. Ich würde uns gerne Snapchat mehr als Teil einer Event-Berichterstattungsstrategie nutzen sehen. Ich denke das bietet sich für das „Made in America Musik Festival“ oder den Papst-Besuches in Philadelphia im September an. Ich würde es großartig finden, Reportern die Chance zu geben, es zu nutzen, damit sie einer Story folgen, die fesselnd in kurzen Videoauschnitten durch den ganzen Tag verteilt erzählt wird. Werden Menschen Snapchat genauso gebrauchen, wenn die DNC 2016 nach Philly kommt? Wenn das so ist, wird das eine gute Zeit sein, um es zu nutzen.

The Verge

Sam Sheffer, The Verge Social Media Manager

Aus der redaktionellen Sicht gibt es keine geschriebenen Richtlinen. Wir sind definitiv noch in der experimentellen Phase. Ich habe einige Best Practices für Snapchat geschrieben, aber um es wirklich einfach zu machen, ich höre auf mein Bauchgefühl und mache, was sich nach der richtigen Sache anfühlt.

Zum Beispiel, wir geben immer einen Kontext, es wird also nicht nur etwas oder einfach ein Foto gepostet. Wenn du ein Foto von einer Person mit einem Gegenstand in der Hand machst, hast du den Menschen zu erzählen, was das für ein Gegenstand ist und warum die das interessieren sollte. Auch durch das Hinzufügen von Filtern kann kontextualisiert werden – wie zum Beispiel der Zeit-Filter, der Geolocation-Filter, du kannst darauf malen, diese Art und Weise.

Eine Sache, die ich gerne mache – die ich in letzter Zeit nicht gemacht habe, weil wir zu groß geworden sind und ich meinen richtigen Job machen muss und nicht den ganzen Tag an Snapchat sitzen kann – aber die mir wirklich, wirklich, wirklich Spaß macht ist, mit Lesern interagieren und mit Lesern meine ich Fans von The Verge. Wir kriegen Unmengen von Snaps jeden Tag und viele davon sind personalisierte Antworten auf die Snaps, die wir posten und ich bin immer noch überascht, wie viele Menschen das Text-Feature nutzen. Also bekomme ich Nachrichten, wir antworten auf Nachrichten und ich bekomme Nachrichten wie „Wann geht der Vergecast online?“, so etwas. Ich bin die menschliche Verbindung zwischen Leuten, die uns auf Snapchat und The Verge folgen. Weil The Verge ist, was auch immer geschieht, eine Hashtag-Marke, und einen Snapchat Account zu haben und ihn so wie wir zu nutzen, vermenschlicht es. Es ist interessant, weil Menschen The Verge snappen und zu mir sprechen, weil ich irgendwie das Gesicht davon bin – aber das ist auch etwas, wovon wir versuchen wegzukommen. Die Leute haben gelernt, dass Sam das Gesicht von The Verge ist, aber wir versuchen so viele verschiedene Gesichter dafür zu haben, wie wir können.

NPR

Wright Bryan, NPR Social Media Desk Bei NPR denken wir über Snapchat als einen weiteren Ort, an dem wir mit einer jüngeren Zielgruppe, die nach Nachirchten direkt auf die Hand guckt, verbunden sind. Seit wir unser Snapchat-Experiment im Oktober 2013 gestartet haben, haben wir 6.000 Follower. Das Feedback zu dem, was wir tun, war überwältigend positiv, mit freundlichen Snaps unserer Fans, die regelmäßig unsere Inbox füllen. Unsere Vorgehensweise ist nicht übertrieben und zugeschnitten zu dem, was Menschen von uns erwarten: Berichterstattung von Experten, eine menschliche Stimme und unersättliche Neugier über die gesamte Welt. Das Format, für das wir uns entschieden haben, ist ein „Fact of the Day„, jeden Werktag von einem unserer Journalisten präsentiert. Es ist einfach zu produzieren (wir machen es alles im NPR Washington Headquarter) und passt zu unserer Leitlinie, eine mehr informierte Öffentlichkeit zu schaffen.

Die Frage ist, sollten wir mehr machen? Sollten wir zielstrebiger sein? Wir sind fasziniert von Snapchats Discover-Funktion, das ist super! Und Snapchat, die Plattform und die Community, sind lustig. Bisher war das eher eine zweitrangige Bemühung und wir müssen klar unsere Ziele definieren, bevor wir entscheiden, da mehr Zeit reininvestieren.

Fusion

Margarita Noriega, Fusion Director of Social Storytelling

Ich mag zwar befangen sein, aber ich denke, Fusion ist bei weitem der beste Kanal auf Snapchat, weil wir unseren Nutzern Nachrichten in einer Art anbieten, die zu Konversation auf eine ehrliche Art einlädt. Snapchat Discover ist die perfekte Erweiterung der Multiplattform und für diese zuerst soziale Nutzung ist Fusion bekannt (Fusion ist auf Snapchat Discover außerhalb der USA und UK). Wir kreieren originale Videos und Artikel jeden Tag, fünf mal täglich, nur für Snapchat-Nutzer, und wir haben Glück gehabt, dass wir überwältigend positive Antworten zu unseren Stories erhalten haben (einfach auf Twitter nach „Fusion snapchat“ suchen).

Wir reden über alles von Pop Kultur (der Jahrestag von Selenas Tod), über Wissenschaft (Roboter und Erreger), über Sport (beide Arten von „Football“) bis hin zum Angebot von durch Awards ausgezeichneten Nachforschungen und Interaktionen. Wir bieten Arbeit von Fusions meist bekannten Journalisten, einschließlich Arbeiten von Alicia Menendez, Tim Pool, Anna Holmes und Kevin Roose. Wir schaffen echte Arbeit, die mehr ist als nur eine Zusammenfassung der täglichen Nachrichten ist. Zum Beispiel, Vine- und Snapchat-Künstlerin Anne Horels dreiteilige Video-Serie startete letzte Woche auf Fusion Discover, welches crosspromoted auf Vine, Twitter und Instagram war.

Ich glaube, Fusion ist der einzige Snapchat-Kanal, der eine spezielle Expertise in Stories aus Lateinamerika hat, wo Snapchat besonders populär ist. Unsere lateinamerikansiche Abdeckung erlaubt uns zu glänzen. Letztes Wochenende boten wir ein großartiges Foto-Essay über Tecnobrega an und eine Anomation zum neusten Gerücht über ein Drogenkartell in Mexiko.

Wie passt dieses neue Projekt in unseren Newsroom? Die redaktionelle Abteilung sieht ziemlich aus wie unser typisches Newsbüro, außer dass dort keine Teilung zwischen den kreativen, strategischen und redaktionellen Experten ist. Wir kreieren originelle Kunst für Stories, um unsere Zielgruppe zu Diskussionen einzuladen. Das beinhaltet, zeitweise, komplett neue künstlerische Designs und Medien für Stories zu kreieren, die man zuerst auf Fusion Network oder Fusion.net sieht. Wir glauben stark daran, dass Discover uns unermäßliche Möglichkeiten bietet, junge, global anspruchsvolle und tätige Communities, die sich um das Weltgeschehen kümmern, zu erreichen.

The Huffington Post

Ethan Klapper, The Huffington Post’s Global Social Media Editor

Snapchat gibt die großartige Möglichkeit, sich mit den Millenials zu verbinden. In der Vergangenheit haben wir Content gepostet, der beliebt bei der Zielgruppe ist: Interviews von der Comic Con, süße Hunde, die das Büro besuchen, sowohl die neusten Memes, als auch interessante Gäste, welche die HuffPost besucht haben. Unsere Snapchat-Strategie war mit dieser Zielgruppe im Hinterkopf entworfen worden und wir denken, dass diese helfen wird, die HuffPost bei jüngeren Fans zu stärken.

Wir planen unsere Snapchat-Aktivität aufzustocken. Wir werden Snapchat mehr für Live Events benutzen, wie Zeremonien, Konzerte oder populäre TV Shows. Wir wollen auch Snapchat nutzen, um die News mehr bekömmlich und verfügbar für die Millenials zu machen, die nicht regelmäßig lange journalistische Texte lesen. Es wird außerdem eine der Hauptplattformen für unser gerade angekündigtes wöchentliches Video-Angebot, „the HuffPost Show“, und Snapchat wird ein Eckstein der Social Strategie sein. Wir sind wirklich begeistert vom Potential.

Mashable

Dasha Battelle, Mashable Visual Storyteller

Mashable zeigte früh Interesse in Snapchat. Wir sprangen vor etwas über einem Jahr auf den kurzlebigen Zug auf und richteten einen neuen Kommunikationskanal mit unserer Zielgruppe ein. Unser Ziel war, unser Verständnis der Plattform zu fördern und einen neu entstehenden Weg für den Vertrieb von mobilen Content zu schaffen, sobald wir merkten, dass Snapchats Stärke in seiner einfachen, visuellen Kommunikation und unbearbeiteten Echtzeit-Teilen liegt. Während es eine schwierige Plattform ist, um als Marke zu agieren (das Fehlen von Analytik, Bearbeitungstools, etc.), macht Snapchat damit weiter, unserer Zielgruppe einen einzigartigen Zugang zu unserem Content und unserer Kultur zu bieten.

Unsere Snapchat Stories haben ein weit gefächertes Feld von Themen gefördert. Oft zeigen wir Live Events auf der Plattform, oder kreieren original Geschichten, die in redaktionelle Themen auf unserer Seite eingebunden werden. Andere Stories beinhalten Produktreviews, Fotozusammenfassungen und News Updates. Jede Story ist eine Zusammenstellungen von Bildern und kurzen Videoclips, daher braucht es einen großen Aufwand von Planung um starken visuellen Content um relevanten, interessante Informationen zu liefern. Wir versuchen im Kopf zu behalten, dass echte Energie und Personlichkeit einen langen Weg auf Snapchat brauchen.

Wir sind auch begeistert von Snapchats Start der neusten Produktentwicklung, Discover, Anfang des Jahres. Wir glauben dass es eine gewaltige Möglichkeit für Marken ist und warten gespannt auf den Durchstart von Discover.

Zuerst erschienen auf niemanlab.org. Übersetzung von Alexandra von Heyl.


Image (adapted) „Snapchat“ by Maurizio Pesce (CC BY 2.0)


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5 Lesetipps für den 5. März

In unseren Lesetipps geht es heute um die deutsche Netzkultur, den Medienwandel, CSC Deutschland, Commons und Obamas Interview mit BuzzFeed. Ergänzungen erwünscht.

  • NETZKULTUR Spiegel Online: Deutschland, eine Belehrungsrepublik: Was treibt die Deutschen eigentlich an, wenn sie im Internet unterwegs sind? Spiegel-Online-Blogger Sascha Lobo hat den Grund gefunden: die Belehrung. Der oder die Deutsche hätte unglaublich gerne Recht und lasse auch andere gerne an seiner geistigen Überlegenheit teilhaben. Dieses Bedürfnis erstrecke sich auf alle gesellschaftlichen Gruppen und das gesamte politische Spektrum. In den Debatten, die sich zwischen den Meinungsfronten abspielen, pralle Hysterie auf Gegenhysterie – damit sei niemanden geholfen. Ein bissiger Kommentar zur Diskussionskultur im deutschsprachigen Internet.

  • MEDIENWANDEL taz.de: „Alle Ziele erreicht“: Vor allem Kritikern des umstrittenen Axel-Springer-Verlags dürfte die jüngst veröffentlichte Konzern-Bilanz des abgelaufenen Geschäftsjahrs nicht gefallen. Der Umsatz, den das Unternehmen erwirtschaftet ist nicht nur über acht Prozent gestiegen, der Axel-Springer-Verlag beweist auch, dass er einer der Vorreiter bei der Digitalisierung traditioneller Medien ist – 70 Prozent seines Gewinns erwirtschaftet der Konzern mit digitalen Angeboten. Die Angestellten des Axel-Springer-Verlag scheinen von der positiven Entwicklung jedoch nicht zu profitieren.

  • CSC DEUTSCHLAND Süddeutsche.de: Umstrittener NSA-Dienstleister verliert Ausschreibung: CSC Deutschland hat bei den jüngsten Ausschreibungen IT-Dienstleistungen im Millionenwert verloren, da die Firma mehrere Bundesländer nicht länger beraten darf. Das Unternehmen hat in den letzten 20 Jahren öffentliche Aufträge im Wert von 300 Millionen Euro ausgeführt – seine Aufgaben lagen in besonders sensiblen Bereichen wie Waffenregister und Überwachung. Der Clou: Der CSC-Mutterkonzern ist der größte Dienstleister des US-amerikanischen Geheimdienstes NSA.

  • BUZZFEED The Drum: Wooing a nation: Can British politicians ever embrace ‚BuzzFeedification‘ like Obama?: Nachdem der US-Präsident Barack Obama dem Medienportal BuzzFeed ein umfangreiches und sehr erfolgreiches Interview gegeben und damit bewiesen hat, dass er willig ist neue Wege zu gehen und dazu neue Medien mit ins Boot zu holen, wollen es ihm andere Politiker gleichtun. Vor allem in Großbritannien werfen viele Mitglieder des politischen Establishments einen Blick über den Großen Teich und wollen das Erfolgsrezept des Mannes ergründen, der Social Media unnachahmlich für sich nutzen kann.

  • COMMONS Berliner Gazette: Aufs Gemeinsame besinnen: Im EU-Parlament startet eine neue Arbeitsgruppe zu Commons: Innerhalb des EU-Parlaments formiert sich eine Arbeitsgruppe zu Commons. Commons sind Gemeingüter, die von jedem frei genutzt werden können und vor allem im Internet und Urheberrecht, aber auch in sozialen und ökonomischen Bereichen eine Rolle spielen. Arbeitsgruppen haben zwar keinen direkten Einfluss auf die Gesetzgebung, können aber zur Aggregation von Meinungen und Ressourcen dienen. Es stellt sich aber die Frage, wie effizient die Arbeitsgruppe aufgrund der Heterogenität seiner Mitglieder sein wird.

Die morgendlichen Lesetipps und weitere Linktipps am Tag können auch bequem via WhatsApp abonniert werden. Jeden Tag informiert dann Netzpiloten-Projektleiter Tobias Schwarz persönlich über die lesenswertesten Artikel des Tages. Um diesen Service zu abonnieren, schicke eine WhatsApp-Nachricht mit dem Inhalt arrival an die Nummer +4917622931261 (die Nummer bitte nicht verändern). Um die Nachrichten abzubestellen, einfach departure an die gleiche Nummer senden. Wir werden, neben dem Link zu unseren morgendlichen Lesetipps, nicht mehr als fünf weitere Lesetipps am Tag versenden.

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Barack Obama spricht mit Vox.com

Obama Interview (Bild by Center for American Progress Action Fund [CC BY-SA 2.0], via wikimedia)

Im Podcast „It’s All Journalism“ spricht Vox.com-Chefredakteur Matthew Yglesias über sein Interview mit Barack Obama und die Bedeutung digitaler Medien. US-Präsident Barack Obama ist ein ziemlich großer „Fisch“ in der Welt des Journalismus. Natürlich wäre das jeder amtierende Präsident. Aber Obama hat in in vielen Fällen bewiesen, dass er ein Meister darin ist, sich die Macht digitaler Technologien zunutze zu machen, um seine Botschaft an die Menschen zu senden, die er erreichen will – sei es durch die „We the People“-Seite für Online-Petitionen oder die Social-Media-Anteile seiner zwei Präsidentschaftskampagnen.

Im Podcast, spreche ich mit Matthew Yglesias, Chefredakteur von Vox.com, worum es im Interview von Vox.com mit Präsident Barack Obama ging. Yglesias hat für Slate über Politik und Wirtschaft berichtet, bevor er sich im April 2014 Ezra Klein und Melissa Bell anschloss, um Vox.com zu gründen. Er spricht über die Vorbereitungen vor dem Interview, die Entscheidungen, die dazu führten, wie das Interview online präsentiert wurde und wie es durch Social Media beworben wurde.

Es ist im Moment eine Tatsache, dass es keinen Unterschied macht, über welche Institution man redet.„, sagte Matthew Yglesias. „Es könnte eine Zeitung oder ein Magazin sein. Wenn jemand dieser Tage eine gute Story bekommt, geht diese Story normalerweise zuerst ins Netz, richtig? Ich denke, dass ist gesunder Menschenverstand. Nachrichten leben gewissermaßen in diesem digitalen Raum unabhängig davon was das Gesamtbild ist und wie sich die Webseite entwickelt hat.

Deshalb sollte es niemanden überrascht haben, dass Obama Vox.com, BuzzFeed und YouTube Interviews gegeben hat.

Ob du ein Digital Native bist, oder nicht, merkt jeder, ‚Hast du ein Publikum, mit dem wir reden wollen?‘, ich glaube, dass wir das haben, sagt Yglesias. Und ich denke, das ist die Art, wie es das Weiße Haus sieht.

Trotzdem murren einige Leute über diese digitalen Startups, die denselben Zugang bekommen, der auch traditionellen Medienunternehmen garantiert wird.

Ich erinnere mich an zahlreiche Wogen dieser Art, sagte Yglesias. Ich erinnere mich an das erste Mal, als es eine Digital-Native-Veröffentlichung im Presseraum des Weißen Hauses gab. Jemand, der in der digitalen Welt beheimatet war, wurde auf einer Pressekonferenz herangezogen, um auf eine Frage zu antworten. Jahre zuvor hatte ich dabei schon Schwierigkeiten, eine einfache Presseakkreditierung für den Kongress zu bekommen. Deshalb bin ich der Meinung, dass dies keine Veränderung ist, die mit einem Schlag passiert ist und dass es Menschen tatsächlich schockiert hat, als uns der Präsident ein Interview gab oder mit BuzzFeed gearbeitet hat. Ich denke immer noch, dass das erwähnenswert ist, weil es der Beginn einer Art lang andauernden Trends ist, der dafür sorgt, dass die Arbeit von Digital Natives in Washington umso ernster genommen werden, je mehr Menschen auf unseren Plattformen unterwegs sein werden.


Teaser & Image by Center for American Progress Action Fund (CC BY-SA 2.0)


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BuzzFeed: Journalismus für das Zeitalter von Social Media?

Vortrag von Juliane Leopold über BuzzFeed (Bild: Alexandra von Heyl/Netzpiloten, CC BY 4.0)

Fünf Monate nach dem Start von BuzzFeed Deutschland stellt sich Gründungsredakteurin Juliane Leopold im Hamburger Betahaus den Fragen eines interessierten Publikums. // von Tobias Schwarz

Vortrag von Juliane Leopold über BuzzFeed (Bild: Alexandra von Heyl/Netzpiloten, CC BY 4.0)

Der erste betaclub im neuen Hamburger Betahaus konnte gleich mit einer längst überfälligen Premiere aufwarten: zum ersten Mal sprach mit Juliane Leopold eine Frau auf der Veranstaltungsreihe. Die Gründungredakteurin von BuzzFeed Deutschland sprach über die Pläne von BuzzFeed in Deutschland und welche Unterschiede sie zwischem dem deutschen und US-amerikanischen Markt im Bereich Online Content sieht.

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Der Reporter als Actionheld – Was soll da schon schiefgehen?

Brian Williams von NBC News

Die Medienlogik hinter „If it bleeds it leads“ zwingt Reporter immer näher an das Geschehen, bis sie selber ein Teil der Berichterstattung werden. // von Russell Frank

Brian Williams von NBC News

Lillian Ross, langjährige Mitarbeiterin und Autorin im New Yorker Magazine, ermahnte aufstrebende Reporter, diese sollen nicht über sich selbst schreiben. „Ein Reporter bedient das Thema“, schrieb sie, „und nicht sich selbst. Sagen Sie nicht ‚Schau mich an. Schau, was ich für ein toller Reporter bin!'“ Klingt ein bißchen kurios in Zeiten des Selfies, oder?

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