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WhatsApp Sprachnachrichten – Endlich auch im Hintergrund aktiv

oatawa - stock adobe com

Kennt ihr das? Ihr habt euren Freunden einiges mitzuteilen, aber keine Lust das Ganze mühselig abzutippen? Und auch ein Anruf passt ausgerechnet in diesem Moment nicht. Dafür gibt es bei WhatsApp ja Gott sei Dank die Sprachnachrichten-Funktion, die bisher noch nicht hundertprozentig ausgereift war.

Beim Abhören der Nachricht ist der Nutzer mehr oder weniger dazu gezwungen den Chatverlauf geöffnet zu haben. Bei kurzen, knappen Nachrichten eigentlich nicht weiter wild. Aber bei mehreren Minuten kann das schon mal nervig sein. Doch sobald man die App schließt, wird auch die Nachricht beendet. Das soll jetzt ein Ende haben.

Mit dem Update auf die Version 2.18.40 können Nutzer in Zukunft die App schließen, während sie eine Sprachnachricht hören und sich somit anderen Dingen auf ihrem Smartphone widmen. Die Nachricht läuft dann einfach im Hintergrund ungestört weiter.

Android-Nutzer müssen sich noch gedulden

So gut die neue Funktion auch klingt – Android-Nutzer müssen leider noch warten. Bisher ist die neue Sprachnachrichten-Funktion nur für iPhones verfügbar. Wann auf Android-Smartphones die Neuerung freigeschaltet ist, ist bisher noch unbekannt.

Allerdings gibt es auch positive Nachrichten für die Nutzer von Android-Smartphones. Schon seit einiger Zeit können Sprachnachrichten auf WhatsApp auch ohne dass der Finger auf dem Mikrofon gedrückt sein muss auf iPhones aufgenommen werden. Jetzt können auch Android-Nutzer auf diese Funktion zurückgreifen. Wer also freihändig eine Sprachnachricht aufnehmen möchte, muss lediglich das Mikrofon-Symbol mit einem Wisch nach oben schieben.


oatawa/stock.adobe.com

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Quartz nutzt AR-Technik bei Apple: Artikel neu darstellen und verstehen

Smartphone (adapted) (Image by janeb13 [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Unter all den aufstrebenden Technologien, die Apple im Blick hat, scheint CEO Tim Cook vor allem besonders von Augmented Reality begeistert zu sein. In Kürze werden viele Menschen „jeden Tag Erfahrungen mit Augmented Reality machen – das wird so normal werden, wie drei Mahlzeiten am Tag zu essen. Es wird ein wichtiger Teil von uns werden“, prognostiziert Cook bei einer Konferenz im vergangenen Jahr.

Entwickler verschwenden keine Zeit, um zu versuchen, Cooks Vision Realität werden zu lassen. Neben der Einführung von iOS 11 aktualisiert Quartz seine iOS App, die Augmented Reality-Eigenschaften nutzt, um einige Artikel zu illustrieren. Zum Beispiel die Berichterstattung vom Absturz des Cassini-Raumschiffs, das mit einem 3D-Modell des Raumfahrzeugs verknüpft wurde, das die Nutzer untersuchen können, als wären sie physisch in demselben Raum.

John Keefe, der Chef des Quartz Bot-Studios, sagt, dass Berichte wie diese das Potential von Augmented Reality veranschaulichen, das Nutzern Geschichten durch genauere Betrachtung von Objekten, die sie sonst nie gesehen hätten, näher bringt. „So wie wir Bilder, Emojis und Gifs nutzen können, um die Geschichten, die wir teilen, lebendig zu machen, können wir AR nutzen, um Menschen zu helfen, die Fakten in den Nachrichten besser zu verstehen“, sagt er und ergänzt, dass die Technologie auch genutzt werden könnte, um Geschichten mit 3D-Landschaften, Modellen von Wahrzeichen und historische Strukturen, oder sogar bestimmte Arten von Datenvisualisierungen zu illustrieren.

Wenn du Menschen bei Berichterstattungen helfen möchtest, ein Objekt oder einen Raum zu erleben – egal ob groß oder klein, glauben wir, dass wir Menschen helfen können, etwas besser zu verstehen, wenn sie es selbst handhaben können.

Die AR-Funktionen sind mit Hilfe von ARKit erstellt, der Augmented Reality-Funktion, die Apple im Juni angekündigt und für Entwickler veröffentlicht hat. Während telefonbasierte Augmented Reality nicht komplett neu ist, wird Apples Erschließung der Technologie auf Betriebssystem-Ebene die neue Technologie noch viel mehr Leuten näherbringen. Es gibt laut BMO Capital Markets momentan 700 Millionen iPhones, die weltweit genutzt werden. Google hat auch sein eigenes AR-Entwicklertool für Android-Entwickler veröffentlicht, das das Potential weiter vergrößert.

Das Ausmaß der iOS- und Android-Userbases wird es für Entwickler, die bereits ARKit genutzt haben, um Demos wie etwa Virtual Pets, Essensbestellungen, Balkendiagramme und Fidget Spinner zu veranschaulichen, verlockender machen, AR-basierte Apps zu konstruieren.

Wenn es um Journalismus geht, hat Augmented Reality bisher deutlich weniger Beachtung bekommen als ihre Schwestertechnologie Virtual Reality. Sie hat die Fantasie von Nachrichtenorganisationen wie etwa der New York Times, dem Guardian und USA Today so ziemlich aus dem Stand erobert. Die VR-Technologie wurde aber bisher aufgrund hoher Entwicklungskosten und der Unzugänglichkeit der Hardware zurückgehalten. Augmented Reality ist im Vergleich dazu schon für jeden mit einem Smartphone zugänglich.

Viele nehmen an, dass Apples momentane Konzentration auf Smartphone-basierte AR ein Vorläufer für zukünftige Augmented-Reality-Brillen ist. Bloomberg hat zu Jahresbeginn berichtet, dass Apple bereits hunderte von Ingenieuren an verschiedenen AR-bezogenen Projekten arbeiten lässt, was suggeriert, dass das Unternehmen große Pläne mit dieser Technologie hat.

Die Frage ist, ob Nachrichtenorganisationen für die Zukunft die sich Apple vorstellt, bereit sind. Manche wie etwa die New York Times, Story[X] und Quartz blicken schon voraus, aber viele andere werden wahrscheinlich auf der Strecke bleiben, wie Joshua Benton, der Herausgeber von Nieman Lab, aufzeigt: „Was einst die Aufgabe des iPhone war, wird jetzt Stück für Stück auf eine Gruppe kleiner und persönlicher Geräte aufgeteilt – die Apple Watch am Handgelenk, die AirPods im Ohr und die AR-Brillen, von denen es in den kommenden Jahren wohl auch ein Modell von Apple geben soll. Und mit der Zeit, wenn diese Geräte leistungsfähiger und miteinander verbunden sind, werden sie dafür sorgen, dass die zentrale Bedeutung des Smartphones immer mehr abnimmt.“

Weiter fragt Benton: „Doch wieso ist das für die Nachrichtenherausgeber wichtig? Das ist ein weiterer Paradigmenwechsel, auf den sie nicht vorbereitet scheinen. Wenn die mobile Aufmerksamkeit von Nutzern sich immer weniger auf einen großen Bildschirm konzentriert, wie können die Produzenten von Nachrichten ihre Aufmerksamkeit erregen und ihnen das geben, was sie brauchen und eine Möglichkeit finden, dies zu monetarisieren?“

Nachrichtenorganisationen werden aber wahrscheinlich froh sein, zu hören, dass die ARKit-Werkzeuge in bereits existierenden iOS-Apps recht unkompliziert zu erlernen und zu implementieren sind. „Es ist nicht unbedingt wie Drag&Drop, aber es kommt dem am Ende sehr nahe“, sagt Keefe. „Apple sorgt dafür, dass jeder AR nutzen kann. Aber sie machen es auch für Entwickler möglich, mit sehr einfachen Werkzeugen zu arbeiten“.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „NiemanLab“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Smartphone“ by janeb13 (CC0 Public Domain)


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Auch im Wartezimmer auf dem aktuellsten Stand mit Sharemagazines

Magazine, vogue, magazine cover and rihanna (adapted) (Image by Charisse Kenion [CC0 Public Domain] via Unsplash)

Kennst du das? Du sitzt in einem Wartezimmer und möchtest gerade nach einer Zeitschrift greifen, doch im letzten Moment wird sie dir von einem anderen Besucher vor der Nase weggeschnappt? Oder das Magazin ist total zerlesen oder nicht mehr auf dem aktuellsten Stand? Mit Sharemagazines – dem digitalen Lesezirkel kannst du um dieses Problem allerdings einen großen Bogen machen.

Sharemagazines bietet dir nämlich über 250 digitale Magazine und Tageszeitungen direkt auf dein Smartphone. Betrittst du eine Location wie beispielsweise ein Café, einen Friseursalon, eine Werkstatt oder ein Restaurant, welches Sharemagazines anbietet, kannst du dich in der App anmelden und direkt drauf los lesen. So musst du auf deine Lieblingszeitschrift im Wartezimmer nicht mehr verzichten.

Das Ganze verläuft zudem sehr einfach. Du musst dir lediglich die App herunterladen und dich registrieren. Wenn du aber auf eine Registrierung verzichten möchtest und nur ein bisschen stöbern willst, dann kannst du das auch ohne dir einen Account anzulegen. Anschließend kannst du schauen, wer als Partner von Sharemagazines in deiner Umgebung aktiv ist und vor Ort kostenlos in einer Riesenauswahl an Zeitungen, Tageszeitungen und Magazinen blättern. Das Ganze verläuft ähnlich wie bei einem Streamingdienst.

Kleine App – viele Vorteile

Was bringt dir diese App eigentlich? Es gibt einige Vorteile, die für die Nutzung von Sharemagazines sprechen. Zum einen musst du nicht bangen, dass ausgerechnet die Zeitschrift, die dein Interesse geweckt hat, dir vor der Nase weggeschnappt wird. Außerdem erfüllt die App auch einen hygienischen Aspekt, indem du deine eigene Zeitschrift auf deinem eigenen Smartphone liest. Die Zeitschriften sind immer auf einem aktuellen Stand – du musst also nicht die News von vor drei Monaten lesen. Außerdem kannst du deine Inhalte auf dich zuschneiden lassen, indem du einfach ein Lesezeichen setzt, um beim nächsten Mal weiterzulesen oder deine Favoriten markierst.

Nichts für schwache Augen

Das Lesen auf dem Smartphone muss einem persönlich gefallen. Wer einen kleinen Bildschirm hat, der muss natürlich ordentlich zoomen. Wer mehr Wert darauflegt, eine Zeitschrift in der Hand zu halten, für den ist die App selbstverständlich nichts. Aber für alle Digitals unter uns, die ohnehin jede Nachricht via Smartphone in sich aufsaugen, ist Sharemagazines wirklich lohnenswert, da du eine große Auswahl an Tageszeitungen, Magazinen und Zeitschriften auf deinen Screen bekommst und direkt – auch ohne sich zu registrieren – drauf los lesen kannst.

Hol dir die App kostenlos im Google Play Store oder im Apple App Store.


Image (adapted) „Magazine, vogue, magazine cover and rihanna“ by Charisse Kenion (CC0 Public Domain)

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Algorithmen und Journalisten: Zusammenarbeit ist Pflicht

Apple (adapted) (Image by Pexels [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Seit die Nachrichten- und Presseagentur Associated Press die Produktion und Publikation von Quartalsberichten im Jahr 2014 automatisiert hat, haben Algorithmen, die automatisch Berichte aus strukturierten, maschinenlesbaren Daten generieren, die Nachrichtenindustrie aufgerüttelt. Die Versprechen dieser Technologie – die oft auch als automatisierter Journalismus bezeichnet wird – sind verlockend: Einmal entwickelt, können solche Algorithmen eine unbegrenzte Anzahl an Berichten zu einem spezifischen Thema und zu geringen Kosten hervorbringen. Und sie schaffen dies schneller, günstiger, mit weniger Fehlern und in mehr Sprachen als es menschliche Journalisten je tun könnten.

Diese Technik bietet die Möglichkeit, mit der Erstellung von Inhalten für sehr kleine Zielgruppen Geld zu verdienen – und vielleicht sogar mit personalisierten Newsfeeds für nur eine Person. Und wenn dies gut funktioniert, nehmen die Leser die Qualität der automatischen News als gleichwertig mit den von Journalisten erstellten Nachrichten wahr.

Als Forscher und Erzeuger von automatisiertem Journalismus habe ich herausgefunden, dass computergestützte Nachrichtenberichterstattung einige wesentliche Stärken zu bieten hat. Ich habe allerdings auch deutliche Schwächen identifiziert, die die Wichtigkeit von Menschen im Journalismus hervorheben.

Die Möglichkeiten der Automatisierung identifizieren

Im Januar 2016 habe ich das „Handbuch zum automatisierten Journalismus“ veröffentlicht, das den Stand der Technik zu dieser Zeit untersuchte. Darin wurden auch Schlüsselfragen für die zukünftige Forschung aufgestellt und potentielle Implikationen für Journalisten, Nachrichtenkonsumenten, Medienkanäle und die Gesellschaft im Ganzen diskutiert. Ich kam zu dem Ergebnis, dass der automatisierte Journalismus sich trotz seines Potentials noch in den Kinderschuhen befindet.

Zum jetzigen Zeitpunkt versorgen Systeme des automatisierten Journalismus vor allem spezielle Zielgruppen unterschiedlicher Größe mit sehr spezifischen Informationen, indem sie beispielsweise Zusammenfassungen von Sportveranstaltungen in unteren Ligen, Finanznachrichten, Kriminalitätsberichte oder Erdbebenwarnungen bereitstellen. Die Technologie ist auf diese Aufgabentypen beschränkt, weil die Informationsarten, die die Systeme aufnehmen und in Texte verwandeln können, die dann für Menschen tatsächlich lesbar und verständlich sind, begrenzt sind.

Am besten funktioniert die Verarbeitung von Daten, die genauso akkurat strukturiert sind wie Aktienkurse. Hinzu kommt, dass Algorithmen nur beschreiben können, was passiert ist – und nicht warum, weswegen sie am besten geeignet sind für routinebasierte Berichte, die auf Fakten beruhen, und entsprechend wenig Spielraum für Unsicherheiten oder Interpretationen bieten, wie beispielsweise Informationen darüber, wo und wann sich ein Erdbeben ereignet hat. Der entscheidende Vorteil von computergestützter Berichterstattung ist, dass sie wiederholte Abläufe schnell und einfach erledigen kann. Daher wird sie am besten eingesetzt, um sich wiederholende Ereignisse abzudecken, für die es erforderlich ist, immer wieder eine hohe Anzahl an ähnlichen Berichten zu produzieren. Dies gilt beispielsweise für Sportveranstaltungen.

Wahlberichterstattung

Ein anderer sinnvoller Bereich für automatisierte Nachrichtenberichterstattung sind Wahlen – im Speziellen im Hinblick auf Ergebnisse der zahlreichen Umfragen, die während der Hauptwahlkampfzeit fast täglich herausgegeben werden. Ende 2016 tat ich mich mit Kollegen aus der Forschung und dem deutschen Unternehmen AX Semantics zusammen, um auf der Grundlage von Prognosen für die US-amerikanische Präsidentschaftswahl in diesem Jahr eine automatisierte Nachrichtenberichterstattung zu entwickeln.

Die Prognosedaten wurden vom PollyVote-Forschungsprojekt bereitgestellt, das ebenfalls die Plattform für die Publikation der produzierten Texte darstellte. Wir etablierten einen vollständig automatisierten Prozess, vom Sammeln und Zusammenführen der Prognosedaten über den Austausch der Daten mit AX Semantics bis hin zur Texterstellung und Publikation dieser Texte.

Im Laufe der Wahlsaison veröffentlichten wir fast 22.000 automatisierte Nachrichtenberichte in englischer und deutscher Sprache. Da diese einem vollautomatisierten Prozess entstammten, gab es in den finalen Texten oft Tippfehler oder fehlende Worte. Wir mussten außerdem deutlich mehr Zeit als angenommen für die Fehlerbehebung aufwenden. Die meisten Schwierigkeiten entstanden auf Grundlage von Fehlern in den Quelldaten. Sie waren also nicht durch den Algorithmus begründet – was eine weitere, wesentliche Herausforderung für den automatisierten Journalismus unterstreicht.

Die Grenzen identifizieren

Der Entwicklungsprozess unserer eigenen textgenerierenden Algorithmen hat uns aus erster Hand die Potentiale und Grenzen von automatisiertem Journalismus aufgezeigt. Es ist unerlässlich, sicherzustellen, dass die Daten so akkurat wie möglich sind. Es ist einfach einen Prozess zu automatisieren, der aus einer singulären Sammlung von Daten einen Text erzeugt, wie beispielsweise die Ergebnisse einer einzigen Umfrage. Aber Einblicke zu liefern, wie zum Beispiel eine Umfrage mit Ergebnissen einer anderen Umfrage zu vergleichen, ist deutlich schwerer.

Die vielleicht wichtigste Lektion, die wir gelernt haben, war, wie schnell wir die Grenzen der Automatisierung erreicht hatten. Als wir die Regeln entwickelten, aufgrund derer der Algorithmus Daten in Text verwandeln sollte, mussten wir Entscheidungen treffen, die auf den ersten Blick einfach erscheinen mögen – zum Beispiel, ob die Strategie eines Kandidaten als „groß“ oder „klein“ beschrieben werden soll, und welche Signale nahelegen, dass ein Kandidat in einer Umfrage an Boden gewinnt.

Die Arten der subjektiven Entscheidungen waren sehr schwierig in vordefinierte Regeln umzuformulieren, die auf alle Situationen, die in der Vergangenheit aufgetreten waren, anwendbar sein sollten – geschweige denn auf Situationen in der Zukunft. Ein Grund ist, dass der Kontext relevant ist: Ein Vier-Punkte-Vorsprung für Clinton im Vorfeld der Wahl beispielsweise war normal, während eine Vier-Punkte-Führung für Trump eine große Nachricht gewesen wäre. Die Fähigkeit, diesen Unterschied zu verstehen und die Zahlen entsprechend für die Leser zu interpretieren, ist unabdingbar. Es bleibt eine Hürde, die Algorithmen nur schwer überwinden können.

Hingegen werden es menschliche Journalisten schwer haben, die Automatisierung zu übertreffen, wenn es um wiederholte und routinebasierte Nachrichten geht, die auf Fakten beruhen, die lediglich einer Überführung der rohen Daten ins Schriftliche bedürfen, so wie Sportveranstaltungen oder die Quartalsberichte eines Unternehmens. Algorithmen werden schneller Anomalien in den Daten feststellen und zumindest erste Entwürfe für viele Berichte generieren können.

Doch für die Menschen ist nicht alles verloren. Journalisten haben eine Menge Möglichkeiten, Aufgaben zu übernehmen, die Algorithmen nicht bearbeiten können, wie beispielsweise die Zahlen im Kontext zu betrachten – sowie die Bereitstellung detaillierter Analysen, Hintergrundberichte und Interviews mit wichtigen Persönlichkeiten. Diese zwei Typen der Berichterstattung werden zukünftig wahrscheinlich eng integriert sein – mit den Computern, die ihre Stärken nutzen, und uns Menschen, die wir uns auf unsere Stärken konzentrieren.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Apple“ by Pexels (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist nicht genug Sicherheit für ‚echte Menschen‘

Data Encryption (adapted) (Image by tashatuvango via AdobeStock)

Regierungsbeauftragte suchen die Hilfe von Technologiefirmen, um Terrorismus und Kriminalität zu bekämpfen. Allerdings würde die am häufigsten vorgeschlagene Lösung die Sicherheit für die Menschen in der Online-Kommunikation enorm einschränken. Außerdem ignoriert sie, dass Regierungen auch andere Möglichkeiten haben, um Ziele von Untersuchungen elektronisch zu überwachen.

Im Juni haben sich Geheimdienstmitarbeiter der Regierungen der Nationen der Five Eyes Alliance im kanadischen Ottawa getroffen, um darüber zu reden, wie sie Technologieunternehmen dazu überreden, „die Verschlüsselung der Nachrichten von Terroristen zu verhindern.“ Im Juli rief der australische Premierminister Malcolm Turnball Technologiefirmen dazu auf, dass man freiwillig alle Systeme, die Nachrichten komplett im Transit vom Sender zum Empfänger verschlüsseln – ein Ansatz, der auch als Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bekannt ist, verbannen müsse. Die britische Innenministerin Amber Rudd machte am 31. Juli weltweite Schlagzeilen mit ihrer Aussage, dass echte Menschen keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselungen benötigen.

Diese Behauptungen ignorieren komplett die eine Milliarde Menschen, die bereits sichere Nachrichten-Apps wie Signal oder WhatsApp benutzen. Außerdem lässt es keinen Freiraum für die Menschen, die sich dazu entscheiden, dass sie diese Art der Sicherheit in der Zukunft nutzen wollen. Trotzdem gibt es einige Technologieunternehmen, bei denen darüber nachgedacht wird, die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zu entfernen – und andere haben Hintertürchen für Zugang durch die Regierung vor Jahren eingebaut.

Es ist einige Jahrzehnte her, dass der sogenannte Clipper-Chip in den Schlagzeilen stand, aber es droht ein Wideraufleben des Krypto-Krieges der 1990er von Regierungsunternehmen und Konsumenten. Eine Sache ist für Computerwissenschaftler wie mich definitiv klar: Wir arbeiten daran, die Sicherheit dort, wo sie am verletzlichsten ist, zu verbessern – auf unseren eigenen Geräten.

Endpunkte sind die schwächsten Punkte

Zumindest haben wir im Moment gute und einfach zu nutzende Lösungen für sichere Kommunikation zwischen Computern, was auch die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung unserer Nachrichten beinhaltet. Die Verschlüsselung bedeutet, dass die Nachrichten beim Sender verschlüsselt werden und nur vom Empfänger entschlüsselt werden können, so dass keine dritte Partei die Nachricht entschlüsseln kann.

Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist wichtig, allerdings haben Sicherheitsexperten schon vor Jahren davor gewarnt, dass der anfälligste Punkt für Daten nicht die Übertragung ist, sondern die Gefahr an den Orten lauert, wo die Daten gespeichert oder angezeigt werden – auf einem Bildschirm, auf einer Diskette, im Speicher eines Gerätes oder in der Cloud.

Wie die geleakten und per WikiLeaks verbreiteten Werkzeuge eines CIA Hackers aufzeigen, kann jemand, der die Kontrolle über ein Gerät hat, auch die Nachrichten lesen, ohne sie entschlüsseln zu müssen. Und Endpunkte – sowohl Smartphones als auch Comupter – zu gefährden, wird immer leichter.

Warum ist die Gefahr am Endpunkt am größten? Weil wir bequem sind und weil das Hinzufügen von mehr Sicherheit unsere Geräte schwerer handhabbar macht, auf die gleiche Art und Weise, wie mehrere Schlösser an einer Tür es schwerer machen, sie zu öffnen, sowohl für den Hauseigentümer als auch für den Dieb. Das Erfinden neuer Schutzmechanismen für unsere digitalen Endpunkte ohne ihren Nutzen einzuschränken, ist sehr anspruchsvoll – aber ein paar neue Technologien könnten hier helfen.

Lösungen der nächsten Generation

Nehmen wir an, eine kriminelle Organisation oder ein bösartiges Regime möchte dich und alle, mit denen du kommuniziert, ausspionieren. Um dich selbst zu schützen, hast du ein Ende-zu-Ende-Verschlüsselungswerkzeug für Nachrichten installiert. Das macht das Abhören für das Regime – auch mit gerichtlicher Genehmigung – um einiges schwerer.

Aber was passiert, wenn das Regime uns austrickst und uns Spionagesoftware auf unsere Geräte installiert? Sie könnten zum Beispiel ein legitimes Upgrade unseres Lieblingsspiels „ClashBirds“ mit einer kompromittierten Version austauschen. Oder das Regime könnte eine Schadsoftware-Technologie als Hintertürchen in unsere Geräte benutzen. Mit der Kontrolle über den Endpunkt kann das Regime unsere Nachrichten lesen, noch während wir sie schreiben – also noch bevor sie verschlüsselt werden.

Um uns gegen alle Arten von Tricks des Regimes zu schützen, müssen wir die Sicherheit unserer Endpunkte durch ein paar Schlüsselwege verbessern:

Zusätzlich wäre es ideal, wenn Benutzer die Sicherheitseinstellungen der App selber kontrollieren könnten, als sich nur auf die vorgegebene Sicherheit im App-Stores durch eine weitere verletzliche Firma verlassen zu müssen.

Computersicherheitsexperten sind begeistert von der Idee, dass die Blockchain uns dabei helfen kann, unsere Endpunkte zu schützen. Blockchain, die Technologie, die Bitcoin und andere Kryptowährungen unterstützt, erschafft überprüfbare, unveränderliche öffentliche Informationsregister.

Das bedeutet für die Sicherheit von Endpunkten, dass Computerwissenschaftler in der Lage sein könnten, auf Blockchain basierende Werkzeuge zu erschaffen, die uns dabei helfen, die Herkunft unserer Apps zu überprüfen. Wir könnten Blockchains auch dafür verwenden, um zu prüfen, dass an unseren Daten nicht herumgepfuscht wurde und um unsere Privatsphäre zu sichern. So lange der Quellcode dieser Programme für uns frei zugänglich und überprüfbar ist – wie der von Signal heute – kann die Sicherheitscommunity prüfen, dass es keine geheimen Hintertürchen gibt.

Wie mit jeder neuen Technologie gibt es einen enormen Hype darum. Es kursieren falsche Informationen rund um die Blockchain und was sie alles tun kann. Es wird einige Zeit dauern, um sich durch all die Ideen zu wühlen und um sichere Werkzeuge zu entwickeln, die einfach zu benutzen sind. In der Zwischenzeit sollten wir alle, wann immer es uns möglich ist, Ende-zu-Ende-Verschlüsselungen benutzen. Wir sollten außerdem wachsam mit unseren Passworten umgehen und welche Apps wir auf unseren Geräten installieren. Schlussendlich sollten wir verlangen, dass echte Menschen immer Zugang zu den besten Sicherheitsmechanismen haben, damit wir selbst entscheiden können, wie wir der Überwachung entgegentreten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Data Encryption“ by tashatuvango/AdobeStock.com


The Conversation

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Die Schlitterpartie des Oligarchie-Medien-Modells

Zeitung (adapted) (image by Free-Photos [CC0] via pixabay)

Am 28. Juli kaufte die Apple-Erbin Laurene Powell Jobs einen Mehrheitsanteil am „The Atlantic“. Das ist der neuste Medienkauf durch die Milliardären-Klasse, eine Gruppe zu der der Amazon-Gründer Jeff Bezos (Washington Post) genauso zählt wie der Eigentürmer der Boston Red Sox, John Henry (Boston Globe), der Milliardär Glen Taylor (Minneapolis Star-Tribune) und der Casino-Magnat Sheldon Adelson (Las Vegas Review-Journal).

Manche haben diesen wachsenden Trend mit dem Argument gefeiert, dass diese wohlhabenden Personen die letzte Hoffnung des Journalismus wären. Und tatsächlich gibt es bemerkenswerte Fälle, in denen reiche Philanthropen wie Pierre Omidyar und Gerry Lenfest beachtliche Spenden an den öffentlich-rechtlichen Journalismus geleistet haben.

Dennoch tauchen mögliche Gefahren auf, wenn Nachrichtenkanäle zunehmend auf Privatkapital und die Spendierhosen von Milliardären angewiesen sind.

Die positive Seite an der Privatisierung von Nachrichten

Private Eigentümerschaft von Nachrichtenorganisationen ist selbstverständlich nichts Neues. Mindestens seit dem späten 19. Jahrhundert besaßen oder kontrollierten reiche Einzelpersonen oder Familien den Großteil der wichtigsten US-amerikanischen Magazine und Zeitungen. Oft grenzen sich diese Besitzer durch ihren Einsatz für journalistische Spitzenleistungen ab: bei der New York Times ist das die Familie Ochs-Sulzberger, bei der Los Angeles Times sind es die Chandlers und bei der Washington Post die Grahams. In der Magazin-Welt werden durch Condé Nast – die durch Advance Communications im Privateigentum der Newhouse Familie steht – stetig Magazine wie der New Yorker oder Wired produziert, die besonders für ihre journalistische Genauigkeit wertgeschätzt werden.

Zwischen den 1970er Jahren und frühen 2000ern jedoch wurden aus Medienfirmen zunehmend Börsenunternehmen, die dann häufig zu großen Ketten expandierten. Gannett, Eigentümer von USA Today und über 100 anderen Tageszeitungen und Sinclair, Inhaber von 173 Fernsehsendern, sind zurzeit zwei der größten börsennotierten Medienunternehmen.

Im Gegensatz zu einem Privatunternehmen – das auf Einnahmen verzichten kann, wenn es dies denn will – hat ein Börsenunternehmen die Verpflichtung, den Unternehmenswert zu maximieren. Wirtschaftlichkeit zu bevorzugen, führt oft zu weniger guten Leistungen oder lässt das zivilgesellschaftliche Engagement abebben. Das geschieht selbst bei Medienhäusern wie der Washington Post, bei der die Gründer die Kontrolle der Stimmrechtsaktien seit dem Börsengang 1971 behalten haben.

Dies bemerkte auch die letzte Herausgeberin der Gründerfamilie der Washington Post, Katharine Weymouth, als sie den Staffelstab an Bezos abgab: „Wenn Journalismus die Mission ist und der Druck, Kosten zu reduzieren und Gewinne zu erzielen, so gegeben ist, dann ist vielleicht [ein Börsengang] nicht der beste Platz für die Post.“

Verglichen mit der Kontrolle durch die Wall Street hat der Privatbesitz einige potenzielle Vorteile. Wie Bezos gezeigt hat, kann ein Privateigentümer kurzzeitige Verluste wegstecken, um langfristige Erfolge zu erzielen. Während viele Nachrichtenorganisationen noch Austeritätspolitik betreiben, erhöht die „neue“ Washington Post ihre Belegschaft und Budgets. Viele glauben, dass sie auch ihre Qualität und ihren Einfluss dramatisch verbessert.

Wie mildtätig ist das Milliardärs-Modell?

Doch Privatbesitz ist weder Garant für kommerziellen noch professionellen Erfolg. Heutzutage ist die am schnellsten wachsende Art des privaten Medienbesitzes die Form der Kapitalanlegegesellschaft, verbunden mit Hedgefonds oder einer anderen Variante von privatem Eigenkapital.

Diese Unternehmen sind genauso zielgerichtet auf Gewinne wie Firmen an der Börse – und möglicherweise sogar mehr gewillt, ein Medienhaus zu schließen, wenn die wirtschaftliche Leistung unzureichend ist. Zu den größten Investment-Gruppen gehören New Media/Gatehouse (mit 125 Tageszeitungen, jetzt größer als Gannett), Digital First Media (62 Tageszeitungen) und Tronc/Tribune (Eigentümer der Chicago Tribune, Los Angeles Times und 17 anderen Tageszeitungen).

Außerdem scheint nahe zu liegen, dass das als „mildtätiges Milliardär-Modell“ bezeichnete Konzept schon einfach daran scheitert, dass nicht alle Milliardäre mildtätig sind. Ein Hinweis darauf ist hier Sheldon Adelson, Casino-Mogul und konservativer Aktivist, der das Las Vegas Review-Journal im Jahr 2015 gekauft hat. Er hielt den Kauf zunächst geheim und seine Vertreter hatten Berichten zufolge die Zeitungsangestellten gedrängt, Adelson und seine Verbündeten in einem positiven Licht darzustellen.

Berüchtigte Presse-Barone von einst, wie William Randolph Hearst und Robert R. McCormick, nutzten ihre Zeitungen oft dafür, um Themen von rechtsaußen zu besetzen. Dazu gehörte auch Bewunderung für Adolf Hitler oder das Einstehen für strikte Isolationspolitik.

Auf subtiler Ebene führt Privatbesitz auch zu Problemen wegen möglicher Parteilichkeit, Selbstkontrahierung und fehlender Transparenz. Donald Trump nutzte diese Angriffspunkte, um Tweets zu posten, die die „AmazonWashingtonPost“ angriffen und drohte mit einer staatlichen Kartelluntersuchung bei Amazon, um Bezos einzuschüchtern.

Auch wenn Trumps Motive verdächtig scheinen, so ist die Sorge doch berechtigt: Je mehr Amazon seine Marktanteile von Industrie zu Industrie steigert, erhöht sich für die Washington Post exponentiell das Potential für ernste Interessenskonflikte.

Der Kauf von The Atlantic von Laurene Powell Jobs durch Emerson Collective (eine gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung) ist in einigen Punkten vergleichbar mit dem Besitz der Tampa Bay Times durch das Poynter Institut. In beiden Fällen überwachen Nonprofit-Organisationen vollständig kommerzielle Medienfirmen.

Der Unterschied zwischen Poynter und Emerson liegt in ihrer Mission. Wo Poynter sich der Ausbildung und Forschung von unparteiischem Journalismus verschrieben hat, umfasst Emersons selbst-verordnetes Mandat die anwaltschaftliche Arbeit zu den Themen Bildung, Einwanderung und Umwelt. Jobs wurde zur Sperrspitze der Bestrebungen das amerikanische Bildungssystem dramatisch zu transformieren. Wird sie The Atlantic als ein weiteres Vehikel sehen, um ihre Ansichten zu verbreiten?

Natürlich ist The Atlantic keine objektive Zeitung. Es ist ein Magazin, das sowohl online als auch offline offline mit einem bestimmten Blickwinkel daherkommt, das jedoch auch Platz für andere Ansichten bereitstellt. So wie die Washington Post ist es auch in den vergangenen Jahren profitabel gewesen. Mit aufmerksamkeitserregendem Journalismus und gekonntem Einsatz der Sozialen Netzwerke hat The Atlantic online bedeutende Gewinne eingefahren, ohne seine Printausgabe aufzufressen, dessen Verbreitung ebenfalls wächst. Hinter den Kulissen generiert The Atlantic auch Einkünfte durch das Veranstalten von Unternehmer- und Regierungsforen sowie besonderen Events.

Dieses Modell könnte eine Formel für wirtschaftlichen Erfolg sein, aber ist es ein ungetrübter Segen für die Demokratie? Der digitale Aufstieg von The Atlantic wurde befeuert durch gesponserte Inhalte (nun 60 bis 75 Prozent der Gesamteinnahmen) – eine Werbeform, die überzeugen will, indem sie aussieht wie Nachrichten – währenddessen könnten die gewinnbringenden Hintertür-Salons des Magazins, wie ein Media-Kolumnist argumentiert, einen korrumpierenden Effekt haben, indem sie „einen Teil des politischen Diskurses aus der öffentlichen Sphäre in eine private“ schieben.

Was ist mit dem öffentlichen Interesse?

Tatsächlich sind The Atlantic und die Washington Post die leuchtenden Beispiele eines zunehmend oligarchischen Mediensystems in den Vereinigten Staaten. Die Werte und Vorteile der Oligarchen müssen allerdings nicht unbedingt mit den demokratischen Zielen übereinstimmen. Ihr Geschäftsmodell – und ihre Definition von journalistischem Erfolg – tendiert dazu, bestimmte Teile des Publikums oder auch Themen auszuschließen, die nicht monetarisiert werden können. High-End Inserenten bevorzugen Inhalte, die gutverdienende Demographien ansprechen. Das wiederum kann dazu führen, dass die Berichterstattung sich von den Belangen der Arbeiterklasse und der Armen wegbewegt.

Statt also unterversorgte Leser anzusprechen, könnten diese Nachrichtenhäuser in Milliardär-Besitz wirtschaftlich und nach Rassenzugehörigkeit spalten, indem sie Ansichten und Stimmen bevorzugen, die eher zu höheren sozioökonomischen Gruppen passen. Wir sollten nicht überrascht sein: Die größten Nutznießer eines höchst gespaltenen ökonomischen Systems werden eher nicht die Vorreiter im Kampf gegen Ungleichheit sein.

Unter Bezos‘ Leitung fiel die Washington Post besonders wegen ihrer stark kritischen Berichterstattung über Bernie Sanders‘ Kandidatur auf, die sich auf Ungleichheit konzentrierte. Powell Jobs geht ohne Frage ehrlich mit ihrem Reformisteneifer um, doch ihr zielstrebiger Druck in Richtung Bildungsinnovation führt bequemerweise dazu, dass die Aufmerksamkeit sich wegbewegt von dem massiven Ungleichgewicht in Bezug auf die zugänglichen Ressourcen in einkommensschwachen Gegenden im Vergleich mit einkommensstarken Schulbezirken. Obwohl die neuen Medien-Oligarchen möglicherweise Profite weniger wichtig nehmen als ihre Landsmänner auf der Wall Street, könnten sie entschlossener sein, die öffentliche Politikdebatte als Vordenker zu prägen und zu beschränken.

Statt in der Knechtschaft dieser Wohltäter zu stehen, ist es wichtig, alle Maßnahmen zu verdoppeln, die sich um die Demokratisierung des Besitzes und die Finanzierung unseres Mediensystems drehen. Eine Möglichkeit wäre, die Erhöhung der staatlichen Unterstützung für die öffentlichen Medien der USA zu fördern. Schließlich sind sie die am schlechtesten finanzierten öffentlich-rechtlichen Medien der Welt.

Untersuchungen zeigen, dass öffentliche Medien eher unabhängiger, ideologisch vielfältiger und kritisch gegenüber dominanten politischen Positionen sind als kommerzielle Nachrichtenorganisationen. Weiterhin korrelieren starke öffentliche Mediensysteme mit höherem politischem Wissen und demokratischem Engagement. Öffentliche Medien sind auch besser in der Lage, um verschiedene Arten von Marktversagen zu überstehen. Etwas, das wahrscheinlich in den kommenden Jahren nur noch häufiger auftreten wird.

Zahlreiche Quellen können dabei helfen, öffentliche Optionen zu finanzieren und strukturelle Diversität in unserem Mediensystem zu fördern. Sie reichen von Frequenzversteigerungen, die Einnahmen generieren, um lokalen Journalismus zu unterstützen, bis dahin, Facebook und Google zu verpflichten, in Fonds für investigativen Journalismus einzuzahlen. Steuervergünstigungen und Schutzpolitik können sicherstellen, dass sich dem öffentlichen Dienst verpflichtet wird, genauso wie von-unten-nach-oben-Steuerung durch Bürger und Journalisten statt abwesende Eigentümer. In der Tat ist ein möglicher Silberstreifen am Horizont der Probleme des kommerziellen Journalismus, dass es eine erneute Suche nach strukturellen Alternativen gibt, insbesondere öffentliche und Non-Profit-Modelle.

Offensichtlich sind dies langfristige Lösungen. In der Zwischenzeit könnte ein wirklich mannigfaltiger Medien-Umweltschutz dazu führen, dass öffentlich-eingestellte Oligarchen eine positive Rolle spielen könnten. Aber sobald sie zu den dominanten Spielern werden – wie es heutzutage zunehmend der Fall ist – könnten sie unsere Demokratie eher bedrohen als stärken.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Zeitung “by Free-Photos (CC0 Public Domain)


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • APPLE Chip: Apple veröffentlicht iOS 11: Darum sollten Sie das Update sofort installieren: Apple hat die finale Version von iOS 11 nun zum Donwload für iPhone, iPad und iPod touch freigegeben. Das Betriebssystem ist zwar keine Revolution, jedoch bringt es spannende Neuerungen mit, die eine Installation lohnenswert machen: Neu ist unter anderem das Kontrollzentrum, das optisch modernisiert wurde sowie die App „Dateien“ die Zugriff auf alle Dokumente erlaubt, die auf dem iPhone oder der iCloud liegen – jedoch auch auf anderen Cloudspeichern wie Google Drive und One Drive. Auch die Kamera strahlt mit neuen Effekten und Filtern. So können Live-Fotos mit drei unterschiedlichen Effekten animiert werden: der Endlosschleife, mit Hüpfen und einem Verwisch-Effekt.

  • FALSCHMELDUNGEN Motherboard: Welche deutsche Nachrichtenseite verbreitet die meisten Falschmeldungen auf Facebook?: Falschmeldungen haben zurecht einen schlechten Ruf: Doch vor welchen Nachrichtsenseiten sollte man sich auf Facebook schützen, wenn man sie umgehen möchte? Dafür hat Motherboard fast 2000 Facebook-Posts nachrecherchiert. Ein Ergebnis: Es sind nicht die absurden Posts, sondern die „nicht ganz korrekten, hoch emotionalen und reißerischen News sind, die falsche Vorurteile fördern und den Leser weniger informiert als vorher zurücklassen.“ Zudem versteckt jedes Medium auf seine eigene Art und Weise Halbwahrheiten in Artikeln und man sollte auch den wirtschaftlichen Anreiz immer im Kopf behalten – denn knallige News bringen Viralität und Reichweite auf Facebook. Ein sehr lesenswerter Artikel!

  • AMAZON Welt: Alexa assistiert künftig auch auf dem Tablet: Auf einen Schlag gibt es Alexa auf Millionen weiteren Geräten: Die Sprachassistentin wird man in Zukunft auf allen Tablets des Internetkonzerns nutzen können, die seit Ende des Jahres 2014 verkauft wurden. Alexa hat bislang 2300 Skills erworben – das sind neue Funktionen, wie z.B. das Bestellen eines Taxis bei MyTaxi über Zuruf. Somit holt Amazon gegen Apples Siri und dem Google Assistant im Kampf um die digitalen Assitenzen auf: Bislang war Alexa nur auf wenigen Smartphones verfügbar, jetzt sorgt Amazon nicht nur für die Verfügbarkeit auf den Tablets, sondern drückt auch den Preis für Geräte mit Alexa-Funktionen weiter nach unten.

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Die Netzpiloten sind Partner der DCX Digital Content Expo

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In Berlin trifft die internationale Nachrichtenbranche aufeinander und ihr könnt dabei sein! Wir verlosen unter unseren Lesern fünf 3-Tages-Tickets für die Digital Content Expo . Um dabei zu sein könnt ihr hier an unserer Verlosung teilnehmen. Zeit dafür habt ihr bis zum 25. September. Wir wünschen euch viel Erfolg!

Teilnahmebedingungen


Vom 10 – 12. Oktober trifft sich die weltweite Nachrichtenbranche zur DCX Digital Content und IFRA World Publishing Expo auf dem Messegelände Berlin. Dieses Jahr werden neben den Verlegern der Zeitungsbranche auch Unternehmen angesprochen. Hauptthema wird dieses Mal die Frage, wie digitale Tools und Geschäftsmodelle für Nachrichtenmedien weiterhin Qualität garantieren und finanzieren können. Neben den messebegleitenden Konferenzen „Digital Media World“ und „Print World“ sind 150 Aussteller vor Ort und präsentieren ihre Produkte. Besucher erwartet ein vielseitiges Proramm mit Diskussionen und Vorträgen zu Best Practice, Trendreports und neuste Forschungen.

Hochkarätiges Programm aus aller Welt

Qualitätsjournalismus aus aller Welt erlebt momentan in der digitalen Welt viele Herausforderungen durch andauernde Veränderung. Deswegen wurden Internationale Medienvertreter eingeladen, die ihre Strategien und Perspektiven in verschiedenen Formaten präsentieren werden. Mit dabei sind unter anderem:

  • Michael Golden, der stellvertretender Vorsitzende der New York Times, wird die Eröffnungskeynote halten über anstehenden Aufgaben der Nachrichtenmedien in Zeiten des Internets.
  • Mathhias Döpfner, CEO der Axel Springer SE, über die wichtige Rolle der Medien in einer Demokratie
  • Rajiv C. Lochan, CEO von Kasturi & Sons Ltd., die mit The Hindu eine der größten englischsprachigen Tageszeitungen Indiens herausgeben, über Leserzentrierte Inhalte und aus der perspektive eines wachsenden Marktes.

Außerdem sind in diesem Jahr zwei „Content Stages“ neu in die Konferenz eingebunden, unter anderem mit Präsentationen von Michael Jaschke, Managing Director von ProSiebenSat.1 Digital, warum Video aus seiner Sicht das Medium der Zukunft ist. Auch die Debatte um den richtigen Umgang mit Fake News bleibt nicht aus. Zeitlich befristetes Problem oder Dauerkrise? Darüber referiert der russisch-amerikanische Medienanalyst und Forscher Vasily V. Gatov.

Themen der Podiumsdisskussionen sind ebenfalls weit gefächert. Zum einen geht um Facebook und die Stärken von Printmedien gegenüber diesen neuen Medienformen, zum anderen über die Zukunft von Roboterjounralismus und neue Bezahlmethoden für Online-Journalismus.

Gute Gründe dabei zu sein

Die DCX und die IFRA bieten für Besucher die Möglichkeit mit vielen internationalen Medienunternehmen und Kontakt zu treten und Netzwerke zu knüpfen. Über 6000 Besucher aus vielen Ländern kommen zusammen, viele Unternehemen informieren über aktuelle Trends der Branche. Die Trends sind vielseitig, der Diskussionsstoff wird definitiv nicht ausgehen. Weitere Informationen zu Tickets sind auf der Webseite der Expo zu finden.

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VPN-Zensur: Apple beugt sich erneut Druck aus China

Apple Store (adapted) (Image by Robert_z_Ziemi) (CC0 Public Domain) via Pixabay

Apple hat still und leise zahlreiche Apps, die der Nutzung eines Virtual Private Network (VPN) dienen, aus seinem chinesischen App-Store entfernt. Darüber haben bereits mehrere betroffene Anbieter berichtet. VPNs sind ein wichtiges Werkzeug zur Umgehung von Überwachungs- und Zensurmaßnahmen und als solches der chinesischen Regierung ein Dorn im Auge. Es ist nicht das erste Mal, dass Apple aus opportunistischen Gründen legale und sinnvolle Apps aus seinem App-Store entfernt.

VPNs: Wertvoll gegen Überwachung und Zensur

Ein sogenanntes „Virtual Private Network“ oder VPN ist eine Möglichkeit, Daten sicher über eine eigentlich unsichere Verbindung zu übertragen. Hierzu verbindet sich die Nutzerin oder der Nutzer mit einem VPN-Server, der die Daten dann weiterleitet. Dabei werden die Daten in einem verschlüsselten „Tunnel“ übertragen.

VPNs schützen sensible Daten bei der Übertragung vor unbefugtem Mitlesen. Deswegen betreiben einige größere Unternehmen oder Bildungseinrichtungen ihre eigenen VPNs. Mitarbeiter, die auswärts arbeiten, können so ihre Daten sicher übertragen und dadurch sensible Interna schützen. Internet-Nutzer, die um ihre Privatsphäre besorgt sind oder kriminelle Angriffe auf ihre sensiblen Daten fürchten, können sich ebenfalls durch ein VPN schützen. Es gibt eine Reihe von kostenlosen wie auch kommerziellen Angeboten, die sich im Leistungsumfang unterscheiden.

Neben dem Schutz der Daten vor Überwachung und Angriffen sind VPNs aber auch ein wertvolles Werkzeug zur Umgehung von Zensurmaßnahmen. Durch die Verschlüsselung ist von außen nicht zu sehen, welche Daten wohin übertragen werden. Somit können missliebige Verbindungen nicht identifiziert und somit auch nicht zensiert werden.

Apple entfernt VPN-Apps

Apple hat offenbar eine ganze Reihe von Apps, die der Nutzung von VPNs dienen, aus seinem chinesischen App-Store entfernt. Das hat einen einfachen Grund: China führt im Rahmen der „Great Firewall of China“ umfangreiche Zensurmaßnahmen durch. Für Chinesinnen und Chinesen ist es sehr schwer, sich im Internet unabhängig zu informieren. VPNs würden eine Umgehung der Zensurmaßnahmen ermöglichen. Diese Möglichkeit ist der Regierung natürlich ein Dorn im Auge. Dementsprechend übt sie Druck auf Unternehmen aus, die Nutzung entsprechender Apps zu unterbinden.

Für Apple ist China (nach den USA) der zweitwichtigste Markt. Dementsprechend ist das Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino offenbar schnell bereit, aus wirtschaftlichen Gründen auch Apps, die weder gegen ein konkretes chinesisches (oder US-amerikanisches) Gesetz noch gegen Apples eigene Nutzungsbedingungen verstoßen, aus dem App-Store zu entfernen.

Wie Apple immer wieder politischem Druck nachgibt

Apples Verhalten ist nicht ohne Präzedenzfall. Schon mehrfach hat Apple auf politischen Druck hin legale und sinnvolle Apps aus seinem App-Store entfernt. So löschte der IT-Gigant ebenfalls auf Druck der chinesischen Regierung die App der New York Times aus seinem chinesischen App-Store, weil diese von vielen Chinesinnen und Chinesen genutzt wurde, um sich über Sachverhalte zu informieren, die der Zensur der chinesischen Regierung unterliegen. Dagegen spielte sich ein weiterer, in der Sache ähnlicher Vorfall in den USA ab. Dabei löschte Apple die Info-App „Metadata“. Diese informiert über Drohnen-Angriffe der US-Regierung und wurde von dieser offenbar als Kritik an ihrer Art der Kriegführung ausgelegt. Auf Druck aus Washington hin machte Apple auch diese App – trotz mehrfacher Beschwerden der Entwicklergruppe und zahlreicher Unterstützerinnen und Unterstützer – unzugänglich.

Apple wird seiner Verantwortung nicht gerecht

Apples Verhalten ist, vor allem, da es sich eindeutig nicht um einen Einzelfall handelt, ein Armutszeugnis. Natürlich ist der IT-Konzern ein profitorientiertes Unternehmen und will als solches Geld verdienen. Das darf jedoch nicht um jeden Preis geschehen. Wo freiheitliche Werte so eindeutig hinten angestellt werden – und das ohne ernst zu nehmende Bedrohung, einfach nur um der Bequemlichkeit und Gewinnmaximierung willen – wird Apple eindeutig seiner Verantwortung als einflussreicher Global Player noch nicht einmal ansatzweise gerecht.

Es wird Zeit, dass dieses Verhalten deutlicher kritisiert wird und Apple vor allem auch wirtschaftlich zu spüren bekommt, dass die Nutzerinnen und Nutzer einen solchen Verrat an der Meinungsfreiheit nicht ungestraft hinnehmen. Das Bankkonto und der Aktienwert scheinen nämlich die einzigen Werte zu dein, die Apple verteidigt.


Image (adapted) „Apple Store Hong Kong“ by Robert_z_Ziemi (CC0 Public Domain)


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Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz ist kurzsichtig und gefährlich

Zensur (adapted) (Image by stevepb [CC0 Public Domain] via pixabay)

Das kürzlich verabschiedete Netzwerkdurchsetzungsgesetz soll der effektiveren Bekämpfung von strafbaren Inhalten wie Fake News und Hate Speech in sozialen Medien und Kommentarspalten dienen. Während dies jedoch ein lobenswertes und wichtiges Ziel ist, ist das Endresultat, das eigentliche, nun verabschiedete Gesetz, ein höchst bedenkliches und problematisches Werk. Es steckt voller handwerklicher Schwächen und – versehentlicher oder gewollter – Unklarheiten. Zudem kommen Infrastruktur-Betreiber in eine Position, die sie, in ihrem eigene Interesse wie dem der Allgemeinheit, nicht haben sollten.

Ein Gesetz gegen Hass und Fake News

Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz oder „Gesetz zur Verbesserung der Rechtsdurchsetzung in sozialen Netzwerken“ soll die Bekämpfung von strafbaren Äußerungen in sozialen Netzwerken und anderen Online-Diskussionsplattformen erleichtern. Insbesondere richtet sich das Gesetz gegen hasserfüllte, diskriminierende und verhetzende Äußerungen („Hate Speech“) sowie bewusste, manipulative Falschaussagen („Fake News“).

Wie viele Sicherheitsgesetze der letzten Zeit (darunter das neue Staatstrojaner-Gesetz) wurde auch das Netzwerkdurchsetzungsgesetz mit wenig öffentlicher Diskussion und zudem kurz vor der Sommerpause verabschiedet. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Gesetzesentwurf fand so kaum statt.

Eine problematische Diskussionskultur

Einige der im Gesetzesentwurf angebrachten Punkte sind durchaus richtig und bedenkenswert. So ist es leider tatsächlich zu beobachten, dass sich die Diskussionskultur im Internet in den letzten Jahren deutlich verschlechtert hat und viele beleidigende oder sogar verhetzende Aussagen ihren Weg auch auf Mainstream-Plattformen finden. Im Sinne des sozialen Friedens sollte für diese Problematik eine Lösung gefunden werden.

Auch auf die Verlässlichkeit von Nachrichten und scheinbar faktenbasierten Aussagen kann man sich häufig nicht verlassen. Von Beginn an fanden sich im Internet neben hilfreichen Wissensquellen auch Falschmeldungen, Hoaxes und wilde Verschwörungstheorien. In den letzten Jahren hat diese Problematik jedoch eine neue Qualität angenommen. Staatliche oder anderweitig politisch motivierte Akteure verbreiten ganz bewusst Falschaussagen und Propaganda, die sich als sachliche Berichterstattung tarnen, sogenannte „Fake News“. Für Laien ist der Unterschied oft kaum zu erkennen. Auch dieses Problem harrt einer Lösung.

Gefahr einer Überregulierung

Während jedoch die dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz zugrunde liegende Problematik durchaus zutreffend beschrieben wird, ist die durch das Gesetz präsentierte „Lösung“ des Problems von der denkbar schlechtesten Sorte. Das Gesetz sieht vor, dass den Betreibern sozialer Netzwerke eine kurze Frist – 24 Stunden bei „offensichtlich strafbaren“ Inhalten, eine Woche bei weniger klaren Fällen – eingeräumt wird, problematische Inhalte zu löschen. Kommen sie dieser Pflicht nicht nach, drohen empfindliche Bußgelder.

Innerhalb dieser kurzen Frist ist es kaum möglich, jeden Fall einzeln mit der gebotenen Sorgfalt zu prüfen. Das gilt umso mehr, als es ja die Betreiber der Infrastruktur sind, die diese Prüfung vornehmen müssen. Ihnen fällt somit eine Rolle zu, die niemals vorgesehen war. Einerseits bedeutet das für die Diensteanbieter eine große zusätzliche Belastung, die nichts mit ihrer eigentlichen Aufgabe, nämlich eine Plattform bereitzustellen, auf der andere Menschen sich austauschen können, zu tun hat. Andererseits bringt es sie in eine unpassende Machtposition. Über die Strafbarkeit von Inhalten sollte normalerweise ein Richter entscheiden, nicht irgendein Angestellter eines Online-Diensteanbieters. Natürlich können und dürfen Plattform-Betreiber unerwünschte Inhalte löschen – sie dürfen dabei aber nicht, wie es mit dem neuen Gesetz der Fall sein wird, unter massiven Druck von außen kommen.

Ein wahrscheinliches Szenario, das auch viele Kritiker bereits angesprochen haben, ist, dass die Provider auf Nummer sicher gehen wollen. Um keine problematischen Inhalte zu übersehen und dafür belangt zu werden, könnten sie einfach alle auch nur potentiell anstößigen oder kontroversen Äußerungen löschen. Es ist bekannt, dass viele Unternehmen, wenn sie politischen Druck fürchten, in vorausschauendem Gehorsam auch legale, aber umstrittene oder politisch missliebige Inhalte löschen. Ein ähnliches Verhalten als Reaktion auf das Netzwerkdurchsetzungsgesetz ist also durchaus nicht unwahrscheinlich. So aber wird eine der großen Stärken des Internet, die Möglichkeit einer offenen, kontroversen Diskussion, stark beschnitten und somit das Potential des Mediums, Freiheit und Demokratie zu fördern, massiv eingeschränkt.

Ein hoher Preis für fragwürdigen Erfolg

Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz ist, wie so viele deutsche Gesetze der letzten Jahre gerade im Bereich der Telekommunikation, kurzsichtig und gefährlich. Es versucht ein reales Problem durch ungeeignete und dabei übermäßig restriktive Maßnahmen zu lösen.

Eine alternative Patentlösung für den Umgang mit Hate Speech und Fake News gibt es nicht. Allerdings existieren sehr wohl einige lobenswerte Ansätze, die dabei die Meinungsfreiheit ungefährdet lassen. So erzielen einige Aktivistinnen und Aktivisten im Umgang mit Hate Speech gute Ergebnisse mit sachlicher, höflicher Gegen-Argumentation. So werden zwar selten die geistigen Brandstifter, aber in vielen Fällen doch die mitlesende, noch unsichere Mehrheit erreicht. Auch eine Strafverfolgung derartiger Äußerungen kann natürlich eine sinnvolle Antwort sein – aber unter Einhaltung rechtsstaatlicher Prinzipien und ohne Zensur oder eine verdachtsunabhängige Überwachung heranzuziehen. Gegen Fake News hilft Aufklärung und die Vermittlung von mehr Medienkompetenz, verbunden womöglich mit Einrichtungen wie einem Rating-System für die Verlässlichkeit bestimmter Quellen. Auch der im Netzwerkdurchsetzungsgesetz geforderte neue Posten eines Ansprechpartners, bei dem problematische Inhalte gemeldet werden können, ist eine gute Idee. Last but not least gilt es natürlich auch, die sozialen Probleme anzugehen, die derzeit eine Reihe von Menschen zur Flucht in dumme und hasserfüllte politische Positionen treiben.

Die genannten alternativen Lösungen können das Internet zwar nicht auf magische Weise von seiner problematischen Diskussionskultur befreien. Das aber wird das Netzwerkdurchsetzungsgesetz auch nicht. Dafür zahlen wir für die scheinbare Verbesserung, die das Gesetz bringt, den Preis einer problematischen Zensur-Infrastruktur, die das Potential hat, die Meinungsfreiheit im Netz massiv einzuschränken.


Image (adapted) „Zensur“ by stevepb (CC0 Public Domain)


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Inokulationstheorie: Fehlinformationen benutzen, um Fehlinformationen zu bekämpfen

Tablet (adapted)(image by Kaboompics -Karolina [C00]via pexels)

Als Psychologe, der zum Themenbereich der Fehlinformation forscht, konzentriere ich mich darauf, den Einfluss dieser zu verringern. Im Wesentlichen ist es mein Ziel, meinen eigenen Job irgendwann abzuschaffen. Die neuesten Entwicklungen zeigen, dass ich damit wohl keine gute Arbeit geleistet habe. Fehlinformation, falsche Nachrichten und „alternative Fakten“ sind beliebter denn je. Das Oxford Dictionary benannte „post-truth“ (dt.: „postfaktisch“) als das Wort des Jahres 2016. Wissenschaft und wissenschaftliche Beweise werden gerade massiv attackiert.

Glücklicherweise hat die Wissenschaft einen Weg gefunden, sich selbst zu schützen. Dieser stammt von einem Zweig der psychologischen Forschung, die als Inokulationstheorie bekannt ist. Diese Logik ist abgeleitet von der Impfungen: Eine kleine Dosis von etwas Schlechtem hilft, eine ausgewachsene Krankheit zu verhindern. In meine kürzlich veröffentlichten Forschungsbericht habe ich versucht, Leute einer schwachen Form der Fehlinformation auszusetzen, um sie auf den echten Fall vorzubereiten – die Resultate waren vielversprechend.

Zwei Möglichkeiten, bei denen Fehlinformation schaden kann

Fehlinformation wird schnell generiert und verbreitet. Eine aktuelle Studie, die Argumente gegen Klimawissenschaft mit Argumenten bezüglich Richtlinien gegen Klima-Maßnahmen vergleicht, fand heraus, dass die Verweigerung der wissenschaftlichen Untersuchungen relativ ansteigt. Aktuelle Forschung indiziert, dass diese Art der Anstrengung einen Einfluss auf die Wahrnehmung und auch auf die wissenschaftliche Kompetenz der Menschen hat.

Eine aktuelle Studie, die der Psychologe Sander van der Linden leitete, hat ergeben, dass Fehlinformationen zur Klimawissenschaft einen wesentlichen Einfluss auf die öffentliche Wahrnehmung haben. Die Fehlinformation, die genutzt wurde, ist der am meisten geteilte Klimaartikel des Jahres 2016. Es handelt sich um eine Petition über globale Erwärmung und der Grundthese, dass die Menschen das Klima nicht zerstören, die von 31.000 Leuten mit einem Abschluss in Bachelor of Science oder höher unterstützt wurde. Dieser eine Artikel verringerte die Wahrnehmung der Leute zum wissenschaftlichen Konsens. Dabei akzeptieren die meisten Menschen einen gewissen wissenschaftlichen Konsens. Dieser Zugang ist bei Wissenschaftlern bekannt als „Zugangsglaube“, der die Einstellung zum Klimawandel und der Unterstützung der Aktionen gegen Klimazerstörung stützt.

Zum selben Zeitpunkt, als van der Linden seine Forschung in den USA durchgeführt hat, war ich in Australien mit der Ausführung meiner eigenen Forschung betreffend des Einflusses von Fehlinformationen beschäftigt. Per Zufall habe ich denselben Mythos benutzt und den gleichen Text des Petitionsprojektes genommen. Nachdem ich die Fehlinformation aufgezeigt hatte, habe ich die Leute gebeten, den wissenschaftlichen Konsens der von Menschen verursachten globalen Erwärmung einzuschätzen. Ziel war es, den Effekt zu messen. Ich fand vergleichbare Resultate, dass Fehlinformation die Wahrnehmung der Leute betreffend des wissenschaftlichen Konsens‘ verringert. Weiterhin fand ich heraus, dass Fehlinformation manche Menschen mehr betraf. Je konservativer eine Person war, desto größer der Einfluss der Fehlinformation.

Dies passte gut mit den anderen Forschungsergebnissen zusammen, die herausstellten, dass Menschen Nachrichten gemäß ihren bereits existierenden Überzeugungen interpretieren – völlig egal, ob es nun Informationen oder Fehlinformationen waren. Wenn wir etwas sehen, das wir mögen, ist es wahrscheinlicher, zu denken, dass es wahr ist und es unsere Überzeugungen stärkt. Wenn wir stattdessen Informationen dazu finden, die im Konflikt zu unseren Überzeugungen stehen, ist es wahrscheinlicher, dass wir die Quelle diskreditieren.

Allerdings geht das noch tiefer. Jenseits der fehleraften Information, mit denen der Mensch zu tun hat, besitzt die Fehlinformation einen noch hinterlistigeren und gefährlicheren Einfluss. In der Studie von van der Linden stellte sich heraus, dass die Menschen ihre Meinung nicht änderten, wenn sie sowohl mit den Fakten als auch den Fehlinformationen konfrontiert wurden. Die zwei gegensätzlichen Informationen heben sich also gegenseitig auf.

Fakten und „alternative Fakten“ sind wie Materie und Antimaterie. Wenn diese aufeinandertreffen, gibt es eine Hitzeexplosion, auf die dann nichts mehr folgt. So kann auf subtile Weise gezeigt werden, wie Fehlinformationen Schaden anrichten. Sie geben nicht nur die falschen Informationen preis, sondern hindern die Menschen daran, an Fakten zu glauben. Oder, wie Garry Kasporov es eloquent ausdrückte: Fehlinformationen „vernichten die Wahrheit“.

Die wissenschaftliche Antwort auf Klimaverweigerung

Der Angriff auf die Wissenschaft ist beeindruckend und, wie die Forschung indiziert, ebenso imstande, deutlich zu effektiv zu sein. Passenderweise besitzt die Wissenschaft die Antwort auf Klimaverweigerung. Die Inokulationstheorie bedient sich des Konzeptes des Impfens, bei dem wir einer schwachen Form eines Virus ausgesetzt sind, um gegenüber dem echten Virus eine Immunität aufzubauen. Dies wird auf unser Wissen angewandt.Ein halbes Jahrhundert der Forschung hat nun ergeben, dass wir, wenn wir einer „schwachen Form der Fehlinformation“ ausgesetzt sind, eine Abwehr aufbauen, sodass wir nicht von echter Information beeinflusst werden.

Der sogenannte „Impf-Text“ beinhaltet zwei Elemente. Zuerst enthält er eine explizite Warnung über die Gefahr, von Fehlinformation fehlgeleitet zu werden. Zweitens muss man zusätzlich Gegenargumente bieten, um die Fehler der Fehlinformation aufzuzeigen. Bei der Herangehensweise von van der Linden zeigt er, dass viele Unterzeichner eine gefälschte Identität besaßen (beispielsweise war (beispielsweise war fälschlicherweise eines der Spice Girls auf der Unterschriftenliste aufgeführt), so dass 31.000 Beteiligte nur ein winziger Teil (weniger als 0,3 Prozent) aller US-Wissenschaftsabsolventen seit 1970 darstellen, und dass insgesamt weniger als ein Prozent der Unterzeichner eine Expertise in der Klimawissenschaft aufweisen konnten.

In meinen neulich veröffentlichen Untersuchungen testete ich die Impf-These mit einem anderen Ansatz. Während ich Patienten gegen das Petitionsprojekt geimpft habe, habe ich es überhaupt nicht angesprochen. Stattdessen sprach ich mit ihnen über die Fehlinformationstechnik der Nutzung von „falschen Experten“ – Leute, die gegenüber der Masse den Eindruck erwecken, dass sie Erfahrung besitzen, wobei dies jedoch nicht der Fall ist.

Ich fand heraus, dass die Erklärung der Fehlinformationstechnik den Einfluss der Fehlinformation ohne die spezifische Nennung der Fehlinformation komplett gegeneinaner aufhob. Nachdem ich beispielsweise erklärte, wie falsche Experten in der Vergangenheit für frühere Fehlinformationsprojekte benutzt wurden, waren die Teilnehmer nicht überzeugt, wenn sie von falschen Experten des Petitionsprojektes konfrontiert wurden. Weiterhin wurde die Fehlinformation über das politische Spektrum hinweg neutralisiert. Ob man nun also konservativ oder liberal ist, ist egal – niemand will von irreführenden Techniken getäuscht werden.

Die Inokulation zur Anwendung bringen.

Die Inokulation ist eine mächtige und vielseitige Form der wissenschaftlichen Kommunikation, die unterschiedlich genutzt werden kann. Mein Ansatz war es, meine Erkenntnissse zur Inokulation mit der kognitiven Psychologie der Widerlegung zusammenzutun, um einen Trugschluss aus Fakten und Mythen zu schaffen.

Diese Strategie beinhaltet die Erklärung der Fakten, gefolgt von der Einführung eines Mythos, der in Verbindung zu diesen Fakten steht. An diesem Punkt werden den Menschen zwei gegenseitige Informationen präsentiert. Der Konflikt wird damit in Einklang gebracht, dass erklärt wird, wie die Technik funktioniert, die einen Mythos benutzt, um den Fakt zu verzerren.

Wir haben den Ansatz in größerem Umfang in einem kostenfreien Onlinekurs über Fehlinformation zum Klima benutzt, um die Klimaverweigerung zu erklären. Jede Vorlesung nahm die Struktur einees Trugschlusses aus Fakten und Mythen an. Wir begannen damit, eine Tatsache zum Klima zu erklären und führten dann einen verwandten Mythos ein, daraufhin folgte eine Erklärung des Trugschlusses, auf dem die Annahme basierte. Auf diesem Weg bereiteten wir unsere Studenten gegen die 50 häufigsten Klimamythen vor, während wir zugleich die Grundlagen der Klimaveränderung erklärten.

Wir wissen beispielsweise, dass wir Menschen die globale Erwärmung verursachen, weil wir in der Klimaveränderung viele Muster beobachten, die typisch für Treibhauseffekte sind. Anders ausgedrückt kann der menschliche Faktor beim Klima beobachtet werden. Jedoch besagt einer der Mythen, dass das Klima sich in der Vergangenheit auf natürliche Weise verändert hat, bevor es die Menschen gab; deswegen muss das, was nun passiert, auch natürlich sein. Dieser Mythos geht dem Irrtum nach, dass man in vielen Fällen (unlogische) Schlüsse zieht, in denen die Prämisse nicht zur Schlussfolgerung führt. Es ist, als ob man eine Leiche mit einem Messer im Rücken findet und argumentiert, dass Menschen bereits zuvor an natürlichen Effekten in der Vergangenheit gestorben sind, also muss dieser Tot ebenso von natürlichen Ursachen herbeigeführt worden sein.

Die Wissenschaft hat uns darüber aufgeklärt, dass die Antwort auf die Klimaverweigerung der Menschen nicht sein kann, diese Menschen mit Wissen zu bombardieren. Die Fehlinformationen stellen eine Realität dar, deren Ignoranz wir uns nicht leisten können – wir können die Verleugnung der Wissenschaft nicht verleugnen. Wir sollten es stattdessen als eine Möglichkeit der Bildung betrachten. Fehleinschätzungen im Klassenzimmer znzusprechen, ist eines der mächtigsten Werkzeuge, um Wissenschaft zu lehren. Es stellt sich heraus, dass der Schlüssel zur Beendigung der Wissenschaftsverleugnung darin liegt, die Leute nur ein bisschen der Wissenschaftsverleugnung auszusetzen.


Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.

Image (adapted)„Tablet“ by Kaboompics-Karolina (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Leaks und Fake News bei der Frankreich-Wahl

Frankreichleaks

Im Umfeld der französischen Präsidentschaftswahl wurden angebliche Leaks über den Kandidaten Emmanuel Macron gepostet. Den Wahlausgang konnten sie nicht nachhaltig beeinflussen. Sie zeigen aber zweifellos, wie kompliziert das Internet und die Suche nach der Wahrheit mittlerweile geworden sind. Das sollte uns natürlich nicht dazu bewegen, die Suche nach der Wahrheit aufzugeben – wohl aber dazu, Informationen und die Motive ihrer Urheber und derjenigen, die sie weiter verbreiten, stets kritisch zu hinterfragen.

Leak gegen Emmanuel Macron

In Frankreich wurde gewählt. Nachdem der parteilose Kandidat Emmanuel Macron und Marine Le Pen von der rechtspopulistischen Front National aus dem ersten Wahlgang als stärkste Kandidaten hervorgegangen waren, kam es zwischen ihnen am 7. Mai 2017 zu einer Stichwahl. Diese konnte Macron deutlich für sich entscheiden und wird somit nun das höchste Staatsamt in Frankreich bekleiden.

Das Wahl-Wochenende wurde allerdings von einigen spektakulären und chaotischen Meldungen überschattet. Im Internet tauchten große Mengen geleakter Dokumente über Macron, erbeutet in einem „spektakulären Hacker-Angriff“. Publiziert wurden diese von der „En Marche!“-Bewegung. Deren Identität ist unklar – Verbindungen zu WikiLeaks stellten sich bald als Gerücht heraus – doch es wird vermutet, dass sie rechtspopulistischen Bewegungen nahe stehen. Weiter verbreitet wurden die Dokumente jedenfalls ganz gezielt von Macrons politischen Gegnern.

Spekulationen, dass der Hack von russischen Kräften initiiert wurde – womöglich von denselben, die auch die US-Wahlen durch gezielte Leaks gegen Hillary Clinton zu beeinflussen versuchten – haben eine gewisse Plausibilität, lassen sich aber aktuell nicht endgültig beweisen.

Veröffentlichungs-Verbot

Den französischen Medien wurde untersagt, über die Leaks zu berichten. Auch Macron selbst und seine politische Gegnerin Le Pen durften sich nicht dazu äußern. Dabei handelt es sich allerdings nicht um eine sinistere Zensurmaßnahme. In Frankreich hat es vielmehr Tradition, dass in den letzten Stunden vor der Wahl keine politische Diskussion mehr stattfinden darf.

Zudem, so die französische Wahlkommission, enthalte der Leak falsche oder zumindest auf die Schnelle nicht überprüfbare Informationen. Das ist zweifellos richtig. In dem gigantischen Datenpaket finden sich sogar Dokumente, die Macron gar nicht direkt betreffen. Andere bedürfen einer wochen- oder gar monatelangen Recherche, um die Relevanz und den Wahrheitsgehalt zu überprüfen.

Ein taktisch günstiger Moment?

Was also bezweckte dieser Leak – und warum wurde er so kurz vor der Wahl an die Öffentlichkeit gebracht, obwohl der dahinter stehende Hackerangriff wahrscheinlich bereits Anfang April erfolgte?

Die wahrscheinlichste Antwort lautet, dass es sich um eine taktische Entscheidung von Leuten handelte, die Macron nicht gerade wohl gesonnen sind. Auch und gerade, wenn der Leak wenig inkriminierendes Material hergibt, stiftet seine Präsentation so kurz vor der Wahl und ohne Möglichkeit zur Stellungnahme reichlich Verwirrung. Dass Macron sich – wie viele andere Akteure in Zeiten des Internet – bereits zuvor mit Fake News und Desinformation herumschlagen musste – so wurde ihm ohne belastbare Anhaltspunkte Steuerhinterziehung unterstellt – macht dieses Szenario noch wahrscheinlicher.

Rund um die Vorfälle entwickelten sich schnell allerhand abstruse Theorien. Gerade über die Rolle der Russen wurde hitzig diskutiert. In vielen Fällen waren die vertretenen Thesen wohl eindeutig ins Reich der Verschwörungstheorien einzuordnen. Für eine sachliche politische Diskussion sorgte all das nicht gerade.

Kritisch bleiben – auch gegen Leaks

Auch wenn der Ausgang der Wahl letztendlich nicht beeinflusst wurde, sind die Geschehnisse in Frankreich sowohl interessant als auch Besorgnis erregend. Klar ist: Leaks sind eine effektive Waffe gegen Machtmissbrauch und unangemessene Geheimnistuerei von Regierungen und anderen Führungspersönlichkeiten.

Wie jedes Werkzeug kann allerdings auch dieses missbräuchlich eingesetzt werden. Genau das ist wohl im vorliegenden Fall geschehen. Wo Leaks nicht mehr der Suche nach der Wahrheit, sondern im Gegenteil nur noch der Desinformation und dem Anschwärzen missliebiger Personen dienen, verfehlen sie ihren eigentlichen Zweck meilenweit. Das müssen wir anprangern.

Der Fall Macron zeigt, wie wichtig es ist, Nachrichten kritisch zu hinterfragen und angeblichen Leaks ebenso wie jeder anderen Information zunächst mit Skepsis zu begegnen. Medienkompetenz war nie schwerer – doch sie war auch nie wichtiger.


Image (adapted) „227710“ by Gandosh Ganbaatar (CC0 Public Domain)


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“Der Fetisch um das Wort Innovation nervt!” – Sebastian Esser über die Zukunft des Journalismus

writing-336370_1920 (adapted) (Image by Unsplash [CC0 Public Domain] via pixabay)

Die Ära des klassischen Journalismus scheint vorbei zu sein. Reporter werden durch Algorithmen ersetzt, Redakteure durch Influencer. Ist das also der Tod des Journalismus? Ganz und gar nicht, findet Sebastian Esser, Herausgeber von Krautreporter, einem Onlinemagazin, das seine Anfänge im Crowdfunding hat. Wir haben uns mit ihm über die Entwicklung der Branche im Zeitalter des Internets, neue Finanzierungsmodelle für Journalisten und lesefaule Millennials unterhalten.

Netzpiloten: Hand aufs Herz, ist der Journalismus tot?

Sebastian Esser: Der Pessimismus um die Branche ist teilweise berechtigt, vor allem in den traditionellen Printverlagen. Die aktuellen Honorare für Journalisten sind lachhaft und Printjournalismus ist einfach für eine andere Generation von Lesern gemacht. Die meisten lesen einfach alles online. Ganz klar, wer für Printmagazine bis zur Rente schreiben will, macht sich etwas vor. Doch es gibt auch eine gute Nachricht. Das Internet bietet auch eine Chance für den Journalismus. Wir können uns nun endlich – ohne Umwege – ganz direkt an unsere Leser richten.

Sebastian Esser (Image by Sebastian Esser)
Sebastian Esser (Image by Sebastian Esser)

Inwiefern hilft das dem Journalisten?

Journalisten können so ihre eigene Stimme entfalten und sich mit den Themen, die sie bewegen, direkt an eine Community richten. Es entsteht ein direkter, persönlicher Austausch und der Journalist ist nicht mehr dieser distanzierte, von oben herabschauende Welterklärer im Elfenbeinturm. Die Nutzer können aktiv mit eingebunden werden, es können Themen aufgearbeitet werden, die sie als Leser interessieren und die Leser können natürlich auch direkt über Kommentare oder Soziale Netzwerke wie Twitter direkt reagieren.

Das bedeutet andererseits aber auch, dass man als Journalist auf sich alleine gestellt ist und sich selbst stets vermarkten muss. Wird der Journalist dann nicht vom kritischen Hinterfrager zum Selbstpromoter?

Das ist richtig, man muss natürlich seine Arbeit bekannt machen. Aus meinen Gesprächen mit Journalisten weiß ich auch, dass genau damit sehr viele Schwierigkeiten haben. Hier kommt es natürlich auch darauf an, wie man auf sich aufmerksam macht. Wenn ich zum Beispiel einen Blog schreibe und Leser diesen abonnieren, dann sind diese Newsletter natürlich einerseits Werbung für meine Arbeit, aber andererseits auch etwas, das Nutzer aus Interesse bekommen möchten.

Die Selbstvermarktung wirft dabei auch noch ein ganz anderes Problem auf: die Finanzierung. Wenn plötzlich die Arbeitgeber, also die Verlage, wegfallen, wie können dann die Journalisten Geld verdienen?

Das eine Modell, das wir sehr erfolgreich mit Krautreporter ausprobiert haben, war Crowdfunding. Wir haben insgesamt 40 Projekte mit interessanten Rechercheideen gebündelt und User um Unterstützung gebeten. Da kamen zum Teil Summen von bis zu 15.000 Euro für ein Projekt zusammen. Insgesamt haben wir 250.000 Euro Umsatz gemacht, obwohl uns alle gesagt haben, dass man mit Crowdfunding im Journalismus kein Geld verdienen kann.

Nun ja, so Unrecht haben die Kritiker vielleicht auch nicht. Crowdfunding hat bisher nur sehr vereinzelt zur Finanzierung von journalistischen Projekten geführt. Was habt ihr anders oder besser gemacht?

Es stimmt, Crowdfunding kann ein schwieriges Feld sein. Erhebungen zeigen, dass der Rücklauf bei solchen Kampagnen relativ gering ist. Wenn ein Journalist seine Community um Geld bittet, werden rund 5 Prozent der Befragten im Schnitt einen Betrag von 5 bis 10 Euro spenden. Das heißt, wir haben darauf geachtet, dass die Journalisten bei unserer Crowdfunding-Kampagne bereits eine große und engagierte Community mitgebracht haben. Die Nutzer haben dann auch nicht nur Projekte, sondern tatsächlich Menschen unterstützt. Das war sehr erfolgreich, sodass wir schließlich daraus auch Krautreporter entwickelt haben.

Wobei Krautreporter sich nicht durch Crowdfunding finanziert, sondern durch Abonnenten…

Richtig! Krautreporter hat zwar als Genossenschaft Investoren, wir finanzieren uns und die Redakteure, die für uns schreiben, aber durch die regelmäßigen Beiträge unserer Mitglieder. Denn Crowdfunding funktioniert wunderbar für einmalige Finanzierung von Projekten, es ist aber kein Modell, um guten Journalismus nachhaltig finanzieren zu können. Deswegen haben wir noch das Abo-Modell gewählt.

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Krautreporter Logo. Image by Krautreporter

Und das funktioniert? Nutzer zahlen tatsächlich für eure Inhalte und auch so viel, dass eure Journalisten damit gut verdienen können?

Ja! Leser sind durchaus an qualitativ hochwertigem und werbefreien Journalismus interessiert und zahlen dafür auch. Viele Studien belegen das auch: Immer mehr Menschen sind bereit für gute Onlineinhalte zu zahlen. Wir setzen natürlich keine Milliarden um, aber es reicht, auch um unsere zehn Journalisten entsprechend entlohnen zu können.

Warum lehnt ihr von vornherein Werbung ab, das ist schließlich ein Weg, den viele gehen, um ihre journalistischen Projekte zu finanzieren?

Werbung mag ja einige Formate sehr gut finanzieren. Gerade im Entertainment-Journalismus finde ich das auch super. Wenn man sich jedoch, wie wir, auf Themen wie Politik, Wirtschaft oder Soziales stützt, passt es nicht zusammen und es nervt die Leser auch.

Apropos Leser, diejenigen, die am meisten im Internet unterwegs sind, sind ja die Millennials. Andererseits ist gerade die junge Generation oft sehr sprunghaft im Medienkonsum, vor allem wenn es ums Lesen langer Texte geht. Ist das nicht ein Dilemma für Magazine wie eure?

Ach, ich glaube, das ist alles viel weniger dramatisch als viele sagen. Die Medienlandschaft verändert sich, aber auch nicht so stark. Das gedruckte Buch ist ja auch, trotz aller Prognosen, immer noch da und auch Millennials werden älter und lesen tun sie alle.

Einen anderen Weg, um Nutzer für gute Inhalte zu begeistern, probierst du seit Anfang 2017 gemeinsam mit Krautreporter-Geschäftsführer Philipp Schwörbel. Das ist die Plattform “Steady”. Hier können nicht nur Journalisten, sondern auch Blogger, Musiker oder auch Sportler ihre Projekte einstellen und diese, ebenfalls per Abo-Modell, finanzieren lassen. Was genau wollt ihr damit erreichen?

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Steady Team. Image by Steady
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Steady Logo. Image by Steady

Du hast es ja vorher auch schon gesagt, wenn große Verlage oder der klassische Arbeitgeber wegfällt, haben Selbstständige plötzlich ganz andere Probleme. Sie müssen sich nicht nur um Vermarktung kümmern, sondern auch um Themen wie Zahlungsmodelle, Buchhaltung oder internationale Rechnungen. Das sind ja ehrlicherweise nicht gerade die spannendsten Aufgaben, deswegen wollen wir mit unserer Plattform all das für die Nutzer gegen eine Gebühr übernehmen, damit sie sich auf ihre Projekte konzentrieren können.

Könnten Plattformen wie diese also die Zukunft für den Onlinejournalismus sein?

Ach, ich glaube, der Journalismus wird sich gar nicht so stark verändern. Mir geht dieser Fetisch um das Wort „Innovation” auch ein wenig auf den Keks. Ich glaube, die Branche wird sich gar nicht so stark verändern. Journalisten haben immer noch den gleichen Auftrag wie immer. Die Wahrheit herausfinden und in einer Art und Weise aufschreiben, dass viele Leute sie lesen. Insofern ist die Zukunft im Journalismus die Vergangenheit.

Vielen Dank für das Gespräch!


Image (adapted) ‚Writing‘ by Unsplash (CC0 Public Domain)


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Die Konsequenzen von Facebook Live für den Journalismus

Corridor View (adapted) (Image by Sonya Mann [CC BY 2.0], via flickr)

Es scheint, als würde mittlerweile jede Woche ein neues verheerendes Facebook-Live-Video gepostet. Im Januar tötete ein Teenager aus Florida sich selbst live im Internet. Eine Frau in Schweden wurde vergewaltigt, die drei Angreifer übertrugen die Tat im Internet, wo sie von Hunderten nachverfolgt werden konnten, ebenso wurde der Suizid eines 12-jährigen Mädchens in den sozialen Netzwerken übertragen.

Währenddessen gibt es andere Fälle von Livevideos, zum Beispiel Erschießungsmanöver durch die Polizei oder Foltervideos aus Chicago. Sie sind zur Schlüsselfigur in den Kontroversen von öffentlichen Debatten um Rasse und Gewalt geworden. Zusammengefasst wurden im vergangenen Jahr 57 Fälle von live im Internet übertragender Gewalt verzeichnet.

Diese Ereignisse rufen Fragen von Ethik und Verantwortlichkeit von sozialen Netzwerken hervor. Sie zeigen außerdem den Kern der Verlagerung der Medien: Das Übertragen eines Live-Videos im Internet war bisher ein komplexes technisches Unterfangen, man benötigte Fernsehkameras, Fahrzeuge sowie Satelliten. Die heutige Allgegenwertigkeit des Smartphones und den sozialen Netzwerken macht die Liveübertragung so einfach wie das Antippen einer App. Das Ergebnis ist eine neue Welt von Livevideos, welche das Gute, das Böse und das Hässliche der Gesellschaft dokumentieren und uns zum Nachdenken über visuelle Informationen, die durch Augenzeugen öffentlich gemacht werden anregen, sogar, wenn es um journalistische Mode geht.

Hier sind fünf Beobachtungen, um zu verstehen, wie die Liveübertragung von Diensten wie Facebook Live und Periscope den heutigen Journalismus herausfordern.

1. „Live-Sein“ und Zeugnis ablegen

Fotos und Videos besitzen eine realistische Perspektive, die von den Zuschauern für sehr authentisch gehalten wird. Der Medienphilosoph John Durham hat gezeigt wie das „Live-Sein“ von audiovisuellen Medien den Sinn für Authentizität betonen kann, durch die Bedeutung des kollektiven Zeugnisablegens. Journalisten handeln zum Beispiel als Zeugen für Ereignisse und die Zuschauer legen für die übertragenen Neuigkeiten und Berichte Zeugnis ab.

Im Juli 2016 legte Facebook Live die Tötung von Philando Castile durch die Polizei offen. Dieses Video diente, um Zeugnis abzulegen und wurde zu den öffentlichen Diskussionen um Polizeibrutalität hinzugefügt.

Aber das Video von Castile zeigte außerdem die zwei Seiten der Medaille: Die überwältigenden und zugleich die herausfordernden Aspekte Zeugnis zu live Ereignissen abzulegen: Videos können das Bewusstsein der Bevölkerung verbessern, während in manchen Fällen explizites, pornografisches oder raubkopiertes Material vorhanden ist.

2. Visuell betriebener Inhalt

Unser kulturelles Milieu, Nachrichten und soziale Medien eingeschlossen, orientiert sich zunehmend visuell. Die Einbeziehung von visuellen Elementen erhöht die Zuschaueraufmerksamkeit und die Bildsprache kann zu unmittelbaren emotionalen Reaktionen führen. Bilder sind einfacher abzurufen als Worte, außerdem können sie humanitäre Handlungen herbeiführen, obwohl diese Effekte nur kurzlebig sind. In einem Umfeld von sozialen Netzwerken können Bilder die Bindung steigern, was häufig ein Kernziel für die Nutzer ist.

Nachrichtenagenturen und Plattformen für soziale Medien wissen sehr gut über diese Effekte Bescheid. Facebook designt, wie andere Anbieter von sozialen Medien, sein Interface so, dass Bilder betont werden. Hinzu kommt das phänomenale Wachstum von Videos – Youtube hat inzwischen mehr als eine Milliarde NutzerNachrichten und Webseiten von sozialen Medien versuchen ihre Formate und Werkzeuge anzupassen, um zu profitieren, deshalb auch die Entwicklung von Facebook Live.

Facebook hob diese Funktion ursprünglich für professionell handgemachte Videos hervor, es wurden sogar Verlage für die Nutzung der Livefunktion bezahlt. Nun jedoch scheint das soziale Netzwerk die normalen Nutzer stark zu drängen, sowohl Livevideos zu konsumieren, als auch selbst eigene Livevideos zu erstellen. Facebook sagt, dass Livevideos zehnmal mehr Kommentare generieren als normale Kommentare.

3. Berichtende Bürger

Während Nachrichteninhalte sehr stark von Medienorganisationen dominiert werden, die als Wächter fungieren, zeigt die Do-it-yourself Informationsweitergabe und das Teilen, dass die Presse nicht unbedingt die letzte Hürde sein muss. Zuschauerbasierte Formen von Journalismus, wie zum Beispiel das Teilen von Videos von Schlagzeilen, sind in keinem Fall neu, aber die weitverbreitete Nutzung von Smartphone-Kameras und die Veröffentlichung mithilfe eines Klicks hat den Bürgerjournalismus zu einer beinahe selbstverständlichen Form der zeitgenössischen Medien gemacht.

Wie man am Women’s March und an den Flughafenprotesten gegen Trumps Beschlüsse sehen konnte, bedeutet das heutzutage, gleichzeitig live zu dokumentieren, um die eigene Reichweite vor dem Hintergrund der Protestorte auszudehnen.

Das Besondere dabei: Plattformen für soziale Medien wie Facebook tendieren zu einer privatisierten, an Freunden und Familie orientierten Form, steigend sind die Plattformen für die Erstellung und Teilen von nutzergenerierten Nachrichten, die die Nachrichtenorganisationen alle umgehen. Die Ausbreitung von nutzergenerierten Inhalten ist wichtiger.

4. Livevideos, die Nachrichten verbreiten

Livevideos können zunehmend Ziel der formaleren Berichterstattung werden, wenn sie genug Traffic haben. Im Endeffekt führt die soziale Zirkulation sich selbst zum Problem des Aufgesammelt Werdens von Nachrichtenorganisationen. Dies führt wiederum zu einer weiteren sozialen Konversation wie zum Beispiel im Fall von Castiles Tod, live gedreht und erhalten, damit andere es sich ansehen können.

Dies bedeutet nicht etwa, dass Livevideos bei Facebook zu einer Schlagzeile in den Nachrichten werden – dies wird nur bei sehr wenigen der Fall sein. Facebook-Livevideos können eher einen Zyklus generieren, in dem Videos von sozialen Medien zu einer breiteren Berichterstattung eines bestimmten Ereignisses oder Problems führen und damit höheres Bewusstsein in der Bevölkerung erzielen – das bedeutet, dass wahrscheinlich mehr Leute neue Livevideos zu diesem Thema teilen werden.

5. Ethik

Journalistische Vorschriften der Ethik sind vor allem die Suche nach der Wahrheit und die Verringerung von Schaden. Facebook muss natürlich nicht die gleichen ethischen Bestimmungen befolgen, wir haben schon häufiger enorme ethische Verfehlungen des Medienriesen mitverfolgt. Zudem sehen sich ganz normale Facebook-Nutzer, die Livevideos erstellen nicht, als Journalisten, daher sollte auch nicht von ihnen erwartet werden, dass sie journalistische Verantwortung dabei im Blick haben.

Was reflektiert werden sollte, ist unsere kollektive Verantwortung als Facebook Nutzer, Live-Übertragende oder auch: Was für Werte leiten wir her? Wie viele tausende Menschen haben die Liveübertragung des Selbstmordes des 12-Jährigen Mädchen gesehen, darauf reagiert und sogar kommentiert? Sind wir so abgestumpft?

Facebook will, dass wir Voyeure werden. Und während Livevideos genutzt werden können, um die menschlichen Erfahrungen und die Bildung der Öffentlichkeit zu bereichern, tendieren sie eher dazu, von dem Hässlichen und Gottlosen zu handeln. „Vergnügen wir uns nur bis zum Tod“ mit dem Alltäglichen, so wie es der Medienwissenschaftler Neil Postman über ein weiteres Video andeutete?

Letzte Überlegungen

Liveübertragene Videos beschmutzen den Knotenpunkt von Facebook und Journalismus. Facebook hat mehr als eine Milliarde Nutzer am Tag, 66 Prozent der User konsumieren Nachrichten dort. Das macht Facebook, nach dem was man hört, zum weltweit führenden Nachrichten-Gatekeeper.

Es hat strenge Untersuchungen bezüglich der aufbauenden Beweise der Zensurgegeben, bis hin zu Bereitstellung von Filterblasen und Echokammern.

Während Facebook seine Rolle als Medienfirma verneint hat, gibt es dennoch Hinweise darauf, dass die Plattform seine Verantwortlichkeit neu bewertet, zum Beispiel indem frühere Journalisten eingestellt werden, um neue partnerschaftliche Teams zu führen und die Entwicklung von Facebook.- Projekt zu Journalismus zu entwickeln, obwohl Kritiker andeuten, dass diese Handlungen mehr zynischen Anstrengungen zur Schadenskontrolle gleichen.

Es ist eindeutig, dass die Liveübertragung per Video in den sozialen Medien uns dazu zwingt, darüber nachzudenken, wie wir über Nachrichten denken – ihre Schnelligkeit, ihre Verbreitung und ihr bestimmender Einfluss Zeugnis im öffentlichen Leben abzulegen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) Corridor View by Sonya Mann (CC BY 2.0)


The Conversation

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Du bist der neue Gatekeeper der Nachrichten

strategy (adapted) (Image by PDPics [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Als Nachrichtenkonsument sieht man sich heutzutage mit einer Flut sogenannter Fake News und falscher Informationen konfrontiert. Zwischen Fakten und Fiktion zu unterscheiden, wird dabei zunehmend schwieriger.

Früher durchsiebten Nachrichtenagenturen die Nachrichten und versuchten, deren Stichhaltigkeit und Wahrheitsgehalt zu ermitteln. Vertrauen in die von ihnen berichteten Inhalte wurde ein wichtiger Teil der Reputation eines Journalisten. Aber das war einmal.

Du bist Teil des Problems

Die Rolle des Gatekeepers, die die traditionellen Zeitungs- und Fernsehnachrichten einst innehatten, fällt heute uns allen zu. Heutzutage nimmt jeder die Position eines Herausgebers ein. Neue Technologien haben den Prozess des Nachrichtenverbreitens oder -ausdenkens demokratisiert. Es entscheiden nicht länger die Journalisten, was publik gemacht wird. Informationen fließen ungehindert und unkontrolliert durch das Internet. Dabei füllen sie eine Vielzahl von Webseiten, Blogs und Tweets.

Das alles gelangt über soziale Netzwerke auf unsere Laptops, Tablets und Smartphones. Jeder, der auf Facebook eine Nachrichtenmeldung postet, teilt oder auf Twitter einen Link retweetet,  nimmt eine Rolle ein, die früher nur mächtige Medienmitarbeiter innehatten. Das heutige Problem liegt darin, dass die meisten „Herausgeber“ in sozialen Netzwerken ihre Verantwortung für das, was sie posten, nicht bedenken.

Fake News sind allerdings nichts Neues. Thomas Jefferson klagte schon 1807: „Nichts, das in einer Zeitung steht, kann heute noch geglaubt werden.“ Jeffersons Kommentar zeigt nur eine von vielen Sichtweisen bezüglich Nachrichten, nicht nur in den USA, sondern auch in Europa. Fake News gab es bereits im Jahr 1475 in Italien, als ein Priester falsche Behauptungen über das Verschwinden eines Kindes verbreitete. Sogar in der politische Schlacht zwischen Marcus Antonius und Octavian um die Nachfolge des ermordeten Julius Cäsar wurden Fake News genutzt: Octavian nutzte Fake News, um Cäsars Nachfolge anzutreten.

Es ist nicht so, dass die früheren Gatekeeper unfehlbar oder konsequent unpolitisch waren. Aber in der heutigen digitalisierten Welt befinden wir uns in Hinblick auf Informationen in einer Verkettung unglücklicher Umstände. Die Gleichung, die ich dafür anstellen würde, wäre: Geschwindigkeit + Menge = Unbeständigkeit. All die Nachrichten im Internet verbreiten sich so schnell und überrennen uns mit so viel, dass das Ergebnis unberechenbar gefährlich wird.

Einige Leute, die soziale Netzwerke nutzen, überprüfen, was sie veröffentlichen. Andere retweeten oder leiten Informationen einfach weiter, ohne sie genau zu lesen oder sie gar mit angemessener Sorgfalt auf Richtigkeit zu überprüfen. Das spielt denjenigen in die Karten, die Fake News produzieren. Während einige glauben, dass es ihr Ziel sei, den Leuten etwas vorzumachen, erklärt der Pressekritiker Tom Rosenstiel: „Das Ziel von Fake News ist nicht, dass die Leute sie glauben sollen. Es geht darum, sie alle Nachrichten anzweifeln zu lassen.“

Manche mögen glauben, dass junge Menschen mit ihrem Verständnis für soziale Medien besser in der Lage sein könnten, die Informationen, die sie konsumieren, zu bewerten. Eine Studie der Universität Stanford kam zu dem schockierenden Ergebnis, dass viele von ihnen nicht in der Lage waren, „die Glaubwürdigkeit solcher Informationen zu beurteilen“. Die Studie stellte heraus, dass mehr als 80 Prozent der Schüler der sechsten bis achten Klasse gesponsorte Inhalte als tatsächliche Nachrichten wahrnahm. Oberstufenschüler überprüften Bilder nicht. Die meisten Hochschulstudenten erwarteten keine Voreingenommenheit in Tweets von Aktivistengruppen.

Verbessere deine Fähigkeiten

Was sollen Nachrichtenkonsumenten also machen? Wie können sie als ihre eigenen Gatekeeper handeln und Wachsamkeit und Prüfung walten lassen wie die besten Herausgeber und Journalisten der alten Schule?

So kann es klappen:

  1. Überprüfe die Quelle. Das scheint vielleicht sehr grundlegend, aber es ist leicht, nur die Überschrift zu lesen, ohne darauf zu achten, wer der Verfasser ist. Autoren und Webseiten nutzen ihre eigenen Sichtweisen. Manche wollen einen ausgeglichenen Einblick geben, manche vertreten eine bestimmte Meinung, wieder andere wollen dich täuschen.

Informiere dich über Autor und Inhalt. Kennst du die Quelle, den Twitter-Account oder den Blog? Hast du dort schon einmal etwas gelesen? Lies andere Werke von ihnen. Schau, ob Autoren, denen du vertraust, auch darauf verweisen.

  1. Überprüfe die Informationen. Bestätigen andere Quellen, was du liest, siehst oder hörst? Hast du Überprüfungsseiten wie Snopes, Politifact oder FactCheck.org benutzt?

Snopes berichtete beispielsweise, dass  ein paar der vertwitterten Bilder der Amtseinführung von Donald Trump im Januar 2017 bereits Wochen oder Jahre früher aufgenommen wurden. Eines war ein Bild vom Treffen des Kansas Royal-Baseball-Teams. Politifact wies darauf hin, dass die Behauptung von Trumps Pressesprecher, die Amtseinführung hätte das größte Publikum gehabt – und hier durfte es keine Widerrede geben – von anderen Messungen wiederlegt wurde. FactCheck.org stellte fest, dass der frühere Präsident Barack Obama „fälschlicherweise behauptet hat, dass ein Vertrag, den er 2011 mit Russland unterzeichnet hat‚ ‚unsere nuklearen Bestände wesentlich reduziert hat, sowohl die von Russland als auch die der USA.'“

Dick Grefe, Bibliothekar an der Washington und der Lee University, wies mich darauf hin, dass zwei Professoren an der University of Washington beabsichtigen, einen Kurs mit dem Titel „So sieht Blödsinn aus: Im Zeitalter von Big Data“ anzubieten. Der Kurs hätte „den Schwerpunkt, den Bullshit, der verkleidet als wissenschaftlicher Diskurs daherkommt“. Fakes beschränken sich nicht auf Nachrichten.

  1. Hüte dich vor deiner eigenen Voreingenommenheit. Denke daran, dass wir dazu neigen, Nachrichten mit unseren eigenen vorhandenen Vorurteilen zu lesen, zu hören und anzusehen. Wir bewerten Informationen danach, ob sie das unterstützen, was wir bereits glauben. Es kann leicht sein, das abzuwerten, was unser Weltbild durcheinanderbringt oder in Frage stellt. Berichte über den Confirmation Bias sind reichlich vorhanden. Wie Studien und Autoren festgestellt haben, glauben wir hauptsächlich das, was wir glauben wollen.

Die Sorge darüber, wie irreführend und verwirrend Nachrichten sein können, hat einige Journalisten dazu veranlasst, ihre eigenen Richtlinien zum Umgang mit Fake News anzubieten. Journalistin und Medienexpertin Alice Shepard hat mehrere Vorschläge, um zu vermeiden, auf Fakes hereinzufallen. Alan Miller, Pulitzer-Preis-Gewinner und Gründer des News Literacy Projekts, geht den Confirmation Bias frontal an. Steve Inskeep vom öffentlichen Hörfunk in den USA bietet eine Anleitung für Fakten an.

Bekämpfe deine eigenen Confirmation Bias damit, dass du deine Quellen ausweitest. Sei offen gegenüber verschiedenen Standpunkten. Lies viel und viel unterschiedliches. Lies auch Gegendarstellungen. Sieh dich nach Medieninnovationen um. Eine kürzlich veröffentlichte Studie auf MarketWatch platziert zum Beispiel verschiedene Nachrichtenquellen auf einer „Wahrheits“-Skala. Ein anderer, älterer Beitrag auf businessinsider.com könnte dir helfen, die gedankliche Richtung, die deiner Lieblings-Nachrichtenquelle zu Grunde liegt, zu identifizieren.

Es gibt keinen Grund, den Zugang zu den Nachrichten zu verschließen, aber man sollte sicherstellen, dass man weiß, was dort hineingelangt. Das ist wirklich wichtig.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „strategy“ by PDPics (CC0 Public Domain)


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High Five für das Hochformat: Die BBC geht neue Wege

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Als BBC News im vergangenen Jahr begonnen hat, in ihrer App hochformatige Videos zu testen, waren viele Mitarbeiter skeptisch – doch die Entwicklung des Videoplayers hat laut Kreativdirektor Ryan O’Connor dabei geholfen, „einige neue Abteilungen in die Welt des wiederkehrenden, benutzerzentrierten Designs mitzunehmen,“ und die Ergebnisse sind vielversprechend.

Im vergangenen Herbst, nachdem die vertikalen Videos intern in der App getestet wurden, hat BBC News eine Neuauflage ihrer mobilen App präsentiert. Obwohl nur ein Bruchteil der BBC-Zuschauer die App benutzen, werden 48 Prozent der digitalen BBC News-Videos dort angeschaut. Gut ein Viertel der Nutzer schauen sich mehr als fünf Clips pro Woche an. Der Sender wollte diese Videos für mobile Geräte optimieren und mehr als nur neuverpackte TV-Beiträge anbieten.

Inzwischen gibt es zwei Komponenten in der BBC App, die vertikale Videos abspielen. „Videos of the Day“ ist eine Snapchat-artige Wiedergabeliste mit Kurzbeiträgen, durch die die Nutzer blättern können. Die Ausgaben enthalten Informationen von Meryl Streeps Rede bei den Golden Globes bis hin zu im Schnee spielenden Katzenbären. Im vergangenen Dezember wurde außerdem BBC Stories vorgestellt, wo eher dokumentarische Berichte im Vordergrund standen.

Manchmal war es schwierig, die Redaktionsteams mit ins Boot zu holen, teilte der Mobilproduktmanager James Metcalfe mit, da sie dafür verantwortlich wären, neue Arten von Video-Inhalten zu erstellen. Zur Zeit der internen Tests waren „eine Mehrzahl der Beiträge, die wir produziert haben, noch Videos im Querformat“. Aber „durch diesen internen Beta-Test [haben wir gesehen], dass das vertikale Format weitaus besser ist. Es hat Klick gemacht, und wir haben verstanden, dass wir mehr Inhalte in diesem Format produzieren müssen“.

„Eine Geschichte in diesem Format zu erzählen, macht sie persönlicher“, ist O’Connor überzeugt. „Die Nutzer werden hier ähnlich wie bei FaceTime dargestellt […] das [erlaubt es uns], sich mit einer Geschichte auf eine andere Art verbunden zu fühlen und gleichzeitig verschiedene Zielgruppen anzusprechen.“

Die hochformatigen Videosegemente der BBC sind höchstens 90 Sekunden lang, außerdem sind sie untertitelt, sodass die Zuschauer sie auch ohne Ton ansehen können. Viele der Videos werden direkt auf Facebook oder anderen sozialen Netzwerken geteilt, und die BBC entwickelt auch hochformatige Videoanzeigen.

Bei vorherigen Projekten war das Digitalteam hauptsächlich für die Entwicklung von Produkten für vorbestimmte Redaktionsinhalte zuständig. Mit der Initiative für hochformatige Videos haben die Mitarbeiter des Digitalteams auch bei der Gestaltung der redaktionellen Berichterstattung mitgewirkt, meint Produktleiter Alex Watson.

„Dies ist wahrscheinlich eines unserer ersten Projekte, bei dem das Nutzererlebnis, die Produkte und die Technologie ein zentraler Bestandteil der Gestaltung des Inhaltsangebotes waren“. Die BBC hat im Juli 2016 eine Beta-Version veröffentlicht und das Produkt dann mit Hilfe des Feedbacks der Tester verbessert. Zum Beispiel haben Nutzer oft mehrere Videos gleichzeitig angeschaut, also sorgte das Team dafür, dass man durch Wischen mit dem Finger einfach zwischen den Videos hin- und herwechseln kann.

„Jüngere Zuschauer, vor allem Frauen, werden von dieser stärker visuellen Herangehensweise und Videos angezogen“, findet O’Connor. „Die Zuschauer berichten, dass sie sich so fühlen, als ob sie sich einfach zurücklehnen können. Wenn sie mehr wissen wollen, nehmen wir sie mit auf eine Reise, aber wir werden sie nicht auf 500 Reisen mitnehmen. Wir versuchen, das Gefühl der Überforderung durch zu viele Alternativen, das ein Hauptbestandteil typischer App-Erfahrungen ist, zu begrenzen.“

Die BBC nannte keine genauen Zuschauerzahlen, Metcalfe ließ aber verlautbaren, dass die Erweiterung des Angebots gut angenommen wurde. Während die Ergänzung um Hochformat-Videos für die Benutzer der App problemlos erschien, ist das Produktionssystem für die Inhalte des BBC noch immer vorranging auf Fernsehen und einen querformatigen Output ausgerichtet. Häufig müssen die horizontalen Videos für den vertikalen Player angepasst werden.

Die Markteinführung der App war „ein gutes Beispiel für einen Kompromiss, um auf den Markt zu kommen und zu beweisen, dass vertikale Videos funktionieren können“, meint Watson. „Wie bei allen Arbeitsabläufen gibt es auch hier eine Henne-und-Ei-Situation: Die Leute wollen nichts ändern, solange es noch nicht greifbar ist und den Zuschauern über das Frontend präsentiert wird – wenn man sich aber radikal verändern möchte, muss man natürlich die Inhalte ändern, bevor die Zuschauer das Produkt zu sehen bekommen.“

Watson hofft, dass die Einführung der vertikalen Videos durch BBC News auch andere Bereiche des BBC dazu ermutigen wird, mit dem Format zu experimentieren. „Hochformatige Spielfilme gibt es noch nicht“, sagt Watson. „Aber wahrscheinlich wird das noch kommen. Das Schöne ist, da wir es getan haben, wird es auch bei der BBC ein Gespräch über hochformatige Videos geben. Im Sport wird man es sicherlich schon bald sehen.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Nieman Journalism Lab“ unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image: Screenshots by Niklas Hamburg. Adapted by Nils Hansen.


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Acht (oder mehr) Geschäftsmodelle für E-Mail Newsletter

mail-newsletter-home-mailbox (adapted) (Image by Anne-Onyme [CC0 Public Domain], via pixabay

Als ich vor einigen Jahren begann, die redaktionellen E-Mail-Newsletter der Financial Times zu überarbeiten, wurde ich schnell mit positiver Bestätigung, technischer Frustration und Quellen tiefer Zufriedenheit konfrontiert.

Die gute Nachricht war, dass wir am Höhepunkt eines wiedererstarkten Interesses für E-Mails von Medienfirmen waren, das gerade wieder angestiegen ist. Dies legte nahe, dass wir auf dem richtigen Weg waren. Von legendären Printunternehmen wie der New York Times bis hin zu digitalen Unternehmen wie BuzzFeed – fast jeder erkennt den Wert des Mediums.

Das Frustrierende war, dass E-Mails und das kommerzielle System, in das sie eingebunden waren, nur wenig an die Bedürfnisse von Journalisten und Lesern angepasst waren. Das Senden von E-Mails bedarf einer Navigation durch ein komplexes Labyrinth aus technischen Systemen und vermehrten regulatorischen Anforderungen. Es bedeutet, Systeme anzupassen, die hauptsächlich auf die Bedürfnisse von Spezialisten abgestimmt sind, die in Marketingabteilungen mit Programmierfähigkeiten für verschiedene Anwendungsfälle von Journalisten mit engen Deadlines sitzen.

Trotz dessen waren wir mit den Antworten, die wir erhielten, zufrieden: Viele gaben an, sich durchgängig für E-Mail-Newsletter einzutragen, diese dann auch zu öffnen und auf Artikel zu klicken. Viele gaben sogar ein regelmäßiges, positives Feedback. Das, was wir taten, hatte Ähnlichkeit mit einer „Heilung“: Wir durften die besten Stücke aus den Nachrichten und Analysen auswählen. Entwickelt werden sollte ein Narrativ für Leser, die unter Zeitdruck standen und geradezu in Informationen ertranken. Wir konnten so außerdem eine direkte Beziehung zu unseren Lesern herstellen.

Dan Oshinsky, Leiter der Newsletter-Abeilung bei BuzzFeed, berichtete mir: „Uns geht es darum, Geschichte zu erzählen, die die Leute teilen möchten. Deshalb ist die E-Mail so ein natürlicher Startpunkt. Es ist sicherlich nicht die schillerndste oder neueste Plattform. Aber sie hat eine gewisse Reichweite, bringt Leute zurück auf die Seite und verteilt unsere Inhalte.“

Wie bei so vielem in den Redaktionen sind auch die Ressourcen stark begrenzt und Medienunternehmen suchen immer noch den besten Weg, um E-Mails als Teil eines größeren Engagements zu monetarisieren. Dies brachte mich dazu, mit Kollegen von anderen Medienorganisationen zu sprechen – in Nachrichtenabteilungen und kommerziellen Abteilungen – um die Trends zu verstehen, die ich in einem neuen Bericht für das Reuters Institute for the Study of Journalism an der Universität Oxford hervorhob.

Es werden zurzeit mindestens acht verschiedene Geschäftsmodelle getestet:

  1. Internetraffic generieren oder konvertieren. Die Klicks, die durch die E-Mail-Newletter hereinkommen, können die Gesamtzahl der Pageviews erhöhen. Dies unterstützt das breitere Geschäftsmodell und erhöht Anmeldungen und Werbeumsätze. Die Washington Post, die mehr als 70 redaktionelle E-Mails betreut, nennt dies eine „Zugbrücke“. Sie erhöht die Reichweite und zieht eine größere Zahl potentieller Leser an. Der New Yorker sagt, dass die Antwortquote höher ist als in den sozialen Medien. Für kleinere und jüngere Organisationen ist es eine wertvolle Möglichkeit, um Aufmerksamkeit zu bekommen und Lesegewohnheiten bei den Nutzern aufzubauen. Blendle generiert so ein Drittel des Traffics. Die Firma hat ein Mikrozahlungsmodell adaptiert, das nach dem Prinzip „Pay as you go“ funktioniert. Man zahlt, wenn ein Link von einer teilnehmenden Mediengruppe angeklickt wird.
  2. Einzelabonnement: Der Espresso (und die App) von The Economist, The Browser und Brief.me in Frankreich rechnen alle für die E-Mail selbst ab und bieten einen einzigartigen Inhalt oder die Entdeckung von anderen Artikeln auf Grundlage eines starken Urteilsvermögens und einer besonderen Schreibqualität. Laurent Mauriac, Gründer von Brief.me sagt: „Der beste Weg, eine starke Beziehung mit dem Leser aufzubauen, ist, sie dszu zu bringen, zu zahlen.“ In Großbritannien überlegt die „Red Box“ der Times, die die aktuelle Politik behandelt, ein solches Modell einzuführen.“
  3. Spenden oder verschiedene Beiträge: Eine bestimmte Anzahl Newsletter wird umsonst gesendet, aber verlangt regelmäßig Beiträge, wie beispielsweise Johnson’s Russia List. Diese aggregiert Medien und akademische Artikel über Russland und die ehemalige Sowjetunion. Genauso ProMed, die Krankheitsausbrüche mit ansteckendem Charakter abbildet. Manche werden umsonst an Privatpersonen und Akademiker ausgegeben, aber an Geschäftskunden und gewerbliche Abonnenten verkauft.
  4. Zusatz zu Abonnement: Free Lunch, Brexit Briefing und andere spezielle Newsletter werden gratis an Standard oder Premium-Abonnenten versandt. Sie stellen einen alternativen Weg für Leser dar, um Inhalte zu konsumieren. Sie helfen auch dabei, Artikel von der Financial Times im Netz zu verbreiten und das Engagement zu erhöhen, indem mehr Artikel gelesen werden. Auf diese Weise bindet man seine Leser oder kann sie zu Upgrades bewegen.
  5. Werbung: Viele Newsletter enthalten Werbung oder Banner wie Red Box. Immer mehr beinhalten auch native Werbung oder gesponserten Inhalt, wie beispielsweise Quartz’s Daily Brief, The Monocle Minute und TTSO (Time to Sign Off) in Frankreich.
  6. Querverkauf: E-Mails enthalten oft eine Leseprobe, um die Reichweite durch neue Leser zu erhöhen. Man bekommt ungewohnte Inhalte präsentiert und generiert Loyalität und Klicks zu einem Abonnement oder einer Abo-Paywall. Manche tun dies mit ihren eigenen Seiten in Kopperation mit kommerziellen Seiten. Beispielsweise haben die Washington Post und BuzzFeed sich mit Amazon zusammengeschlossen. Andere bewerben Bezahl-Events oder bauen Adresslisten auf, mit denen man verschiedene Zielgruppen adressieren kann.
  7. Markenwahrnehmung: Kostenlose Newsletter sollen größeres Interesse an einer Nachrichtenorganisation oder einem Produkt auslösen. Auch kann das Wissen über die Organisation oder ihren Inhalt vergrößert werden, genau wie die Wahrnehmung von neuen Inhalten oder Services.
  8. Gemeinschaftsbildung: Newsletter, die bestimmte Interessen, Themen oder Leute in bestimmten Regionen ansprechen, bieten eine Möglichkeit, um eine tiefergehende Vernetzung zu speziellen Gruppen herzustellen und eine direkte Beziehung aufzubauen. Auch die Loyalität wird vergrößert und Mitgliedschaften und Eventteilnahmen werden angeboten.

Nicht jedes dieser Modelle funktioniert für jeden – und diejenigen ohne starkes, redaktionelles Urteilsvermögen, eigenen Inhalt oder andere Arten der Abgrenzung werden an dem zunehmend umkämpften Newslettermarkt sehr zu leiden haben. Der Newsletter closure of This, bei dem Leseempfehlungen erteilt werden, ist eines dieser Beispiele.

Neben größerer Experimentierfreude mit diesen Modellen müssen auch andere Zukunftsthemen für redaktionelle E-Mails berücksichtigt werden, wenn es um die Entwicklung von journalistenfreundlicheren Plattformen geht: die Veränderung der Regulierung (vor allem in Europa) und die Rolle der Algorithmen, die bei der Entdeckung von Inhalten eine Rolle spielt.

E-Mails sind ein Hybridmedium, das weit davon entfernt ist, perfekt zu sein. Zur Zeit füllen sie aber eine Lücke für Nachrichtenabteilungen. Ihre Einschränkungen bieten eine wichtige Plattform für Experimente, deren Eigenschaften auch in anderen Medienformen tragen können, die sie vielleicht eines Tages ersetzen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „NiemanLab” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image “mail-newsletter-home-mailbox” (adapted) by Anne-Onyme (CC0 Public Domain)


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Vom Gefühl zur Nachricht: Was tun gegen Fake News?

fragezeichen-image-by-qimono-via-pixabay

Barack Obama glaubt, dass Fake News eine Bedrohung für die Demokratie darstellen. Der scheidende US-Präsident sagte, er sei besorgt über die Art und Weise, wie „so viele Fehlinformationen sehr gut verpackt“ und in den Social-Media-Feeds der Menschen als Tatsachen dargestellt werden können. Auf einer Konferenz in Deutschland sagte er:

Wenn es uns nicht ernst ist mit den Tatsachen und damit, was stimmt und was nicht, wenn wir nicht unterscheiden können zwischen ernsthaften Argumenten und Propaganda, dann haben wir ein Problem.

Aber wie unterscheiden wir zwischen Tatsachen, legitimer Debatte und Propaganda? Seit der Brexit-Abstimmung und dem Wahlsieg Donald Trumps ist sehr viel darüber geschrieben worden, inwiefern die Auswirkungen sozialer Medien und der Verbreitung von Fake News auf den politischen Diskurs, das Funktionieren der Demokratie und den Journalismus zu erklären sind. Detaillierte sozialwissenschaftliche Forschung ist noch im Entstehungsprozess begriffen, doch es kann bereits eine Menge aus bestehenden Studien zu Online- und Offline-Verhalten gelernt werden.

Vertrauenssache

Beginnen wir mit einer allgemeinen Definition von Fake News als Informationen, die über ein Medium verbreitet werden – oft zugunsten bestimmter sozialer Akteure – und sich dann als unüberprüfbar oder im Wesentlichen falsch erweisen. Wie bereits erwähnt, hat man Fake News bislang als Propaganda bezeichnet. Und es gibt umfangreiche sozialwissenschaftliche Literatur über Propaganda, ihre Geschichte, Funktion und Verbindungen zum Staat – sowohl zu demokratischen als auch diktatorischen.

Tatsächlich ist Russland, wie die Untersuchungen aus den USA und Italien zeigen, eine der wichtigsten Quellen der Fake News. Full Fact, eine Website aus Großbritannien, untersucht die Quellen der Medienberichte, die es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen – und an solchen mangelt es nicht.

Man könnte argumentieren, dass die „Mainstream“-Medien in den Augen ihres Publikums als weniger vertrauenswürdig (ob gerechtfertigt oder nicht) wahrgenommen werden, und es dadurch schwerer geworden ist, zwischen Medien zu unterscheiden, die vermeintlich ein echtes Interesse daran haben, die Wahrheit zu sagen, und solchen, die nicht unbedingt dieselbe ethische Grundlage haben. Wie kann der Mainstream-Journalismus, der von allen Seiten politisch voreingenommen ist, die moralische Deutungshoheit behalten? Dieses Problem geht sicherlich noch auf die Zeit vor der digitalen Technologie zurück.

Filterblasen und Echokammern

Hier stellt sich die Frage, ob Social Media das Problem noch schlimmer macht. Fast ebensoviel wurde über die Diskussionen der sogenannte „Filterblasen“ in den sozialen Medien geschrieben – wir neigen alle dazu, uns eher mit Menschen zu umgeben, die unsere Perspektive teilen. Das gilt nicht unbedingt nur für das digitale Zeitalter und funktioniert auf zwei verschiedene Weisen:

Filterblasen sind ein Produkt der Klasse und der kulturellen Position. Eine aktuelle britische Studie über gesellschaftliche Schichten geht weiter darauf ein. Ein wichtiges Detail ist hierbei, dass sich diejenigen mit einem höheren sozialen Status sehr wahrscheinlich am ehesten zusammenfinden, dabei aber dennoch vielfältigere soziale Kontakte haben werden als diejenigen, die sich in den niedrigeren Einkommens- und Statusgruppen befinden. Sie werden wahrscheinlich auch eine größere Vielfalt von Medien, vor allem Internet-Angebote, nutzen. Nicht alle Blasen sind gleich groß oder gleichartig und unsere Social-Media-Blasen spiegeln unsere alltäglichen „Offline“-Blasen wieder.

Und tatsächlich können Social-Media-Blasen für Interaktionen zwischen Journalisten und Politikern sehr relevant sein, denn eine der am klarsten definierten Twitter-Blasen ist die, die Politiker und Journalisten umgibt. Damit werden ältere Modelle von Medieneffekten in den Fokus gerückt, wie etwa das Kommunikationsmodell nach Lazarsfeld, demzufolge wichtige „Meinungsführer“ – einflussreiche Knotenpunkte in unseren sozialen Netzwerken – einen beträchtlichen Einfluss auf unseren Medienkonsum haben. Analysen eines Fake-News-Artikels deuten darauf hin, dass es nicht um Social Media an sich geht, sondern darum, wie Geschichten, die in den sozialen Medien kursieren, von führenden Seiten und Akteuren mit vielen Anhängern aufgegriffen und verbreitet werden können.

 

 

Eine falsche Annahme in einem Tweet von einer Einzelperson wird zu Fake News auf einer ideologisch motivierten Nachrichten-Website oder ein Tweet von einem Präsidentschaftskandidaten wird für viele automatisch zu einer „Tatsache“. Wir sorgen uns heute mehr denn je darüber, da die sozialen Medien sowohl die Nachricht an sich als auch die Art und Weise ihrer Verbreitung sehr sichtbar machen.

Fake News aufdecken

Was ist hilfreich und wie können wir da herangehen? Erstens, die Ökonomie der sozialen Medien favorisiert Klatsch, Neues, Geschwindigkeit und „Teilbarkeit“. Sie verwechselt Belustigung mit sozialem Wert. Es gibt Hinweise darauf, dass Fake News, die bestehenden Vorurteilen in die Hände spielen, eher geliked werden und somit mehr Umsatz für die Schöpfer erzeugen. Das ist das gleiche Prinzip wie bei den sogenannten Promi-Magazinen. Hier ist es unwahrscheinlicher, dass man mit gut recherchierten und dokumentierten Nachrichten eine vergleichbare Reichweite erreicht.

Der andere wichtige Punkt ist hier, dass es – auch laut Obama – schwierig ist, die ‚Fakes‘ von den echten Nachrichten zu unterscheiden, und viele Leute scheinen ihre Schwierigkeiten damit zu haben. Wie meine Kollegen und ich bereits vor fast 20 Jahren argumentierten, machen digitale Medien es schwieriger, die Wahrhaftigkeit von Inhalten einfach durch das physikalische Format zu unterscheiden (Printzeitung, qualitativ hochwertige Nachrichtenübertragung, Lehrbuch oder Boulevardzeitung). Online-Nachrichten sind schwerer zu unterscheiden.

Das nächste Problem besteht darin, dass die Rücknahme von Fake News in den sozialen Medien derzeit von der Technologie eher unzureichend unterstützt wird. Obwohl Beiträge gelöscht werden können, ist dies ein passiver Akt, sogar noch weniger wirksam als die aus einem kleinen Absatz bestehenden Richtigstellungen in Zeitungen. Um eine Wirkung zu erzielen, wäre es notwendig, nicht nur Beiträge zu löschen, sondern sie sichtbar zu markieren und zu verlangen, dass Nutzer bestimmte Elemente als Fake News erkennen und dies bestätigen.

Ob Fake News nun eine Erscheinung des digitalen und sozialen Medienzeitalters sind oder nicht – es ist zumindest wahrscheinlich, dass soziale Medien dazu neigen, die Verbreitung von Fehlinformationen zu verstärken. Ihre Ökonomie begünstigt Teilbarkeit gegenüber Wahrhaftigkeit und Verbreitung gegenüber Richtigstellung. Dabei handelt es sich nicht um technologische „Gegebenheiten“, sondern um Entscheidungen – und zwar seitens der Systemdesigner und ihrer Regulatoren, wo immer es dann solche gibt. Darüber hinaus haben Mainstream-Medien ihren eigenen Ruf durch „Falschmeldungen“ und sichtbar ideologische Berichterstattung getrübt und somit die Tür für andere Nachrichtenquellen geöffnet.

 

 

Das Verständnis dieser komplexen Mischung von Faktoren ist die Aufgabe der Sozialwissenschaften. Aber vielleicht ist die eigentliche Botschaft hier, dass wir uns als Gesellschaft und als Individuen der Frage zu stellen haben, wie wir die Menschen zum verantwortungsvollen Nachrichtenkonsum erziehen können – und ob wir nicht die Wahl haben, unser eigenes Verhalten zu ändern, statt die sozialen Medien zu regulieren, wie wir es mit Printmedien und Fernsehen tun. Fragen Sie sich doch einmal: Wie oft prüfen Sie die Faktenlage einer Nachricht, bevor Sie sie verbreiten?

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Fragezeichen“ by qimono (CC0 Public Domain)


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Maschinen polarisieren unseren Informationskonsum – Genau so wollen wir das!

Man (Image by Karolina Grabowska.STAFFAGE [CC0 Public Domain] via Pexels)

Ein Artikel, der vor kurzem im American Journal of Political Science veröffentlicht wurde, behauptet, den Beweis dafür gefunden zu haben, dass das Internet eine ständige Polarisation antreibt. Der Artikel basiert auf Daten von 2004 bis 2008, die zeigen sollen, dass Menschen mit besserem Internetzugang größere Mengen an parteiischen Medien konsumieren. Weiterhin geht aus ihnen hervor, dass Menschen, die tendenziell eher voreingenommene Nachrichtenquellen konsumieren, genauso geneigt sind, sich schneller feindlichen politischen Ansichten zu widersetzen.

Die Autoren schließen daraus, dass eine solche Animation, parteiische Medien zu konsumieren, etwa zwei Prozentpunkte höher wäre, wenn alle US-Staaten Richtlinien umsetzen würden, die zu größeren Bandbreiten führen würde. Aber macht uns Internetzugang intoleranter? Sind wir nicht ohne ihn besser dran?

Es gibt gute Gründe, über Veränderungen der Verteilung von Medien für Nachrichten oder deren Unparteilichkeit besorgt zu sein. Allerdings ist eine digitale Ungleichheit nicht die beste Art, sie zu verstehen oder zu messen.

Polarisation und die menschliche Natur

In den Jahren 2004 bis 2008, als die Daten gesammelt wurden, haben US- Amerikaner bewusst die Medien, die sie konsumieren wollten, über Online-Nachrichten-Seiten oder über Suchmaschinen ausgewählt. Es ist also genauso denkbar, dass diejenigen, die ihre Medien in Papierform bevorzugen, die gleiche Verstärkung ihrer Ansichten erlebt haben, wenn sie mehr von den Medien, die sie tagtäglich konsumieren,  erworben haben.

Was diese Untersuchungen uns also zeigen, ist, dass wir gerne mit solchen Dingen konfrontiert werden, durch die wir uns selbstsicherer fühlen. Wie es der Moralpsychologe Jonathan Haidt gezeigt hat, folgt die Polarisierung aus unserer evolutionären Veranlagung – unserem Wunsch, Selbsterzählungen zu schaffen, die größeren politischen Erzählungen entsprechen, um uns gegenüber anderen zu verpflichten: „Die Besessenheit von der moralischen Gerechtigkeit (die zwingend zu Selbstgerechtigkeit führt) entspringt der menschlichen Natur. Sie ist eine Eigenschaft unseres evolutiven Designs, kein Fehler, der sich in den menschlichen Verstand eingeschlichen hat, der sonst objektiv und rational wäre.“

Das Internet ist ein Mittel, durch das wir Selbstgerechtigkeit schaffen. Mit anderen Worten: Es ermöglicht uns nicht, jemand zu sein, aber es ermöglicht uns, sein zu dürfen, wer auch immer wir sind oder wer wir sein wollen. Studien, die sich mit der digitalen Spaltung beschäftigen, zeigen, dass nicht nur die digitale Integration entlang sozioökonomischen Linien verläuft, sondern auch, dass diejenigen mit niedrigerem sozioökonomischem Status weniger wahrscheinlich im Netz nach Chancen suchen, ihre Lebensumstände zu verbessern, wie etwa nach einer Arbeitsstelle oder entsprechender Bildungsangebote im Netz.

Zu erwarten, dass eine stärkere Nutzung des Internets zu einer gleichberechtigteren und toleranteren Gesellschaft führt, widerspricht dem, was wir über die Nutzung des Internets wissen: die Art und Weise wie wir mit dem Internet umgehen entspricht unserer sozialen Welt und unseren Kapazitäten.

Was ist also die genaue Beziehung zwischen einem Internetzugang und einer derartigen Parteifeindlichkeit gegenüber den Medien, wie wir sie gerade erleben? Das Problem, das wir genauer untersuchen sollten, ist nicht unsere eigene Auswahl von Medien oder unsere Parteilichkeit, sondern das, was durch Maschinen dargestellt wird.

Medienethik und Auswahl durch Algorithmen

Heutzutage beziehen vier von zehn US-Amerikanern ihre Medien unter anderem von Facebook. Der Zugang zu Nachrichten über soziale Netzwerke basiert auf einem Geschäftsmodell, das dasselbe Bedürfnis nach Selbstbestätigung ausnutzt, das von Haidt beschrieben wurde.

Um mit dem Getöse des Internets und der Informationsflut umzugehen, hat Facebook Algorithmen entwickelt, die dabei helfen sollen, Informationen auszuwählen und zu ordnen und zwar auf der Grundlage von Likes, Lesezeit, Kommentaren und darauf, wie häufig bestimmte Inhalte geteilt wurden. Im Juni hat Facebook bekanntgegeben, es würde stärker die Inhalte hervorheben, die von Freunden und Familie geteilt wurden. Das bedeutet, Nutzer erhalten eher Informationen direkt aus ihrem eigenen Netzwerk, als direkt von den Nachrichtenportalen.

Nachdem daraus hervorging, dass der einzelne Nutzer solche Medien schneller verbreiten kann, die später auch für andere als beliebt angezeigt werden, hat Facebook betont, es werde den Nutzer aus einem solchen Prozess auskoppeln und das Vorgehen stärker durch die Einbindung von Algorithmen unterstützen. Das Problem ist jedoch, dass so auch gefälschte Artikel zum Verbraucher durchdringen und diejenigen, die große Beliebtheit erreichen, oft genug aus dubiosen Quellen stammen, die eher dazu dienen sollen, Klickzahlen zu generieren, als tatsächlich zu informieren.

Eine Möglichkeit, dieses Problem zu begreifen, besteht darin, die Medienethik derjenigen, die solche Artikel produzieren, zu hinterfragen und neu aufzustellen – nicht die Ethik der Medienkonsumenten. Facebook hat, möglicherweise genau aus diesem Grund, betont, es werde Inhalte weniger priorisieren, deren Überschriften Informationen zurückhalten und beispielsweise auf folgende Weise enden: „…Du wirst nicht glauben, was als nächstes passiert ist.“

Den Algorithmus einfach anzupassen, ist für Facebook natürlich eine einfache Möglichkeit, um auf solche Umstände zu reagieren. Es ist kein Nachrichtenportal, sondern ein soziales Netzwerk und daher vergleichsweise einfach aus dem Schneider.

Wie Tarleton Gillespie von Microsoft Research bereits betont hat, haben Social-Media-Plattformen lange um ihre eigene Unabhängigkeit gekämpft – vor allem, wenn es um ihre rechtliche Verantwortung ging. Allerdings werden sie sich genau wie öffentliche Institutionen verhalten, wenn es ihnen passt, zum Beispiel indem sie Hassreden, fundamentalistische Videos oder Obszönität überwachen. 

Die ideale Interaktion zwischen Mensch und Maschine?

Facebook hat unser eigenes Verhalten – unseren unersättlichen Appetit dafür, was wir bereits selbst glauben, genommen und automatisiert. In dem Buch „Our Robots, Ourselves“ hat der KI-Experte David A. Mindell beobachtet, dass die am weitesten entwickelte Technologie nicht diejenige ist, denen die Menschen am entferntesten gegenüberstehen, sondern solche, die gerade dazu entworfen ist, uns zu helfen,  gerade weil sie in unsere menschlichen Netzwerke besser eingebunden ist und demensprechend viel empfänglicher für menschliche Interaktion ist.

Mindell behauptet, wir sollten unsere Ansichten gegenüber Maschinen ändern: man sollte eher versuchen, zu verstehen, wie man mit ihnen arbeiten kann, als sich vor der Automatisierung zu fürchten. Möglicherweise bedarf es einer Plattform, die es gerade darauf anlegt, unsere bestehenden Ansichten herauszufordern, auf der wir aktiv die entsprechenden Algorithmen kontrollieren können – und zwar in eine Richtung, wenn wir durch transparente aussagekräftige Informationen herausgefordert werden wollen und in die andere Richtung, wenn wir uns selbst eher in Sicherheit wiegen wollen.

Statt aber nostalgisch einer Zeit nachzutrauern, in der die Nachrichtenportale die Auswahl von Informationen für uns vorgenommen haben, könnte die Lösung eher sein, Algorithmen zu entwickeln, die uns dabei helfen, skeptisch zu sein und besser auf andere Auslegungen zu achten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Man“ by Karolina Grabowska (CC0 Public Domain)


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Jung gegen Alt: Nachrichten werden anders gelesen

french tourists (Image by Ron Porter [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Vergessen Sie die unterschiedlichen Meinungen zu Heirat, Hausbesitz und Politik: die aussagekräftigsten Unterschiede zwischen jungen und alten Menschen liegen in der Art und Weise, wie sie ihre Nachrichten bekommen.

Die neue Umfrage des Pew Research Centers über Trends der modernen Nachrichtennutzung, die mit der Knight Foundation zusammen durchgeführt wurde, zeigt, dass einen großen Unterschied zwischen jungen und alten Nutzern hinsichtlich der Nachrichtennutzung gibt. Während 54 Prozent der 18- bis 29-Jährigen sagen, dass sie ihre Nachrichten am liebsten digital abrufen, geben bloß 38 Prozent im Alter von 30 bis 49 und 15 Prozent im Alter von 50 bis 64 Jahren das gleiche an.

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Image by Pew Research Center

Die Ungleichheit in der bevorzugten Nachrichtennutzung der Jungen und der Alten ist sogar noch deutlicher, was Handys betrifft. Siebzig Prozent der 18- bis 29-Jährigen sagen, dass sie es bevorzugen, nur Nachrichten über mobile Geräte zu bekommen.

Diese Zahl sinkt auf 53 Prozent bei Menschen zwischen 30 und 49 Jahren und sogar nur 29 Prozent zwischen dem 50. und dem 64. Lebensjahr. (Die mobile Nachrichtennutzung insgesamt steigt jedoch: Ungefähr 72 Prozent der Befragten sagten, dass sie Nachrichten über mobile Geräte abrufen. 2013 lag diese Zahl noch bei 53 Prozent.)

Diese Unterschiede zwischen den Generationen könnten schlechte Nachrichten für das Fernsehgeschäft bedeuten. Pews Bericht beweist, was die meisten Fernsehnetzwerke bereits in ihren Zuschauerzahlen bemerkt haben: die Zahl der jungen Zuschauer sinkt.

Während 72 Prozent der Menschen zwischen 50 und 64 Jahren und 85 Prozent derer über 65-Jährigen sagen, dass sie ihre Nachrichten im Fernsehen anschauen, sagen nur 29 Prozent der 18- bis 29-Jährigen das gleiche.

Pew befragt nur Menschen ab 18 Jahren, was eine bedeutende Anzahl von jüngeren Nachrichtennutzer mit eigenen Bevorzugungen für die Beschaffung von Nachrichten auslässt. Es ist trotzdem wahrscheinlich, dass diese Vorlieben schlechte Nachrichten für die traditionellen Medien bedeuten.

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Image by Pew Research Center

Hier sind ein paar Highlights des Berichts:

  • Mehr schlechte Nachrichten für Verlage, die versuchen, dass die Menschen ihre Nachrichtenvideos online anschauen: Pew fand heraus, dass Menschen, die gerne Nachrichten sehen, dies zu 80 Prozent über das Fernsehen tun. Im Gegensatz dazu hat das Internet diejenigen angezogen, die die Nachrichten lieber lesen als sehen wollen.

    Vorhergehende Forschungen vom Oxford’s Reuters Institute for the Study of Journalism behandelten ebenfalls die Herausforderungen von digitalen Nachrichtenagenturen, die Menschen dazu bewegen sollen, sich die die Nachrichten-Videos online anzuschauen.

 

  • Druckerzeugnisse gehen weiterhin zurück: Nur 20 Prozent der Menschen bekommen ihre Nachrichten über analoge Zeitungen; drei Jahre zuvor waren es noch 27 Prozent. Nur 26 Prozent der Menschen, die die Nachrichten lieber lesen, tun dies mit Printerzeugnissen.

 

  • Menschen, die ihre Nachrichten online abrufen, haben öfter eine negative Meinung über die Medien. Ungefähr 67 Prozent der Menschen, die es bevorzugen, die Nachrichten online abzurufen, haben eine positive Meinung über die Medien, im Vergleich zu 81 Prozent der Menschen, die andere Plattformen bevorzugen. Besonders junge Erwachsene sind den Medien generell negativer eingestellt.

 

  • Nachrichten insgesamt scheinen ein Vertrauensproblem zu haben: Nur 20 Prozent der Amerikaner vertrauen den Informationen, die sie von Nachrichtenagenturen online und offline bekommen. Das Vertrauen in Nachrichten der sozialen Medien ist noch geringer,zeigen die Befunde eines Berichts im April vom AP-NORC Center for Public Affairs Research and the American Press Institute

Den vollständigen Bericht finden Sie hier.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „French tourists“ by RonPorter (CC0 Public Domain)


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Facebooks Algorithmen sorgen für mehr redaktionelle Verantwortung

facebook (Image by Simon [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Die kürzliche Kritik an Facebook für das Entfernen eines Posts, das ein ikonisches Bild eines nackten Mädchens während des Vietnamkrieges zeigte, war nicht das erste Mal, dass Facebook mit dem Vorwurf der Zensur beschuldigt wurde. Und zugleich wird es dafür getadelt, hasserfüllte, illegale oder unangebrachtes Material, zuletzt von der deutschen Regierung, nicht schnell genug entfernt zu haben.

Die schwierige Aufgabe, zu entscheiden, ob man etwas veröffentlicht oder zurückzieht, oblag früher menschlichen Redakteuren für Print-Publikationen, Sendern oder Webseiten. Da heute so viele von uns durch die Seiten sozialer Medien, wie beispielsweise Facebook, Zugriff auf Neuigkeiten und Unterhaltung haben, haben sich die Verhältnisse, die kontrollieren, was wir sehen und was nicht, verschoben. Aber Facebooks zunehmender Einsatz von Computer-Algorithmen bedeutet, dass es mehr redaktionelle Verantwortung erhält und nicht weniger – egal, was das Unternehmen uns glauben machen will.

Facebook ist darauf erpicht, eine Titulierung als Herausgeber zu vermeiden. Das würde dazu führen, dass man durch die Medien und durch die Verleumdungsgesetze verunglimpft werden könnte. Der Gründer und CEO Mark Zuckerberg machte dies kürzlich deutlich, als er Berichten zufolge sagte: „Wir sind eine Technikfirma, wir sind keine Medienfirma [Wir bauten] die Werkzeuge, wir produzieren keinen Inhalt.

Die Betreiber der Sozialen Medien argumentieren damit, dass die Algorithmen, die sie benutzen, um festzustellen, was ein Benutzer sieht, nur Empfehlungen liefern, statt Inhalte zu publizieren, zu entfernen oder zu verändern. Aber wie stark die Seite den Inhalt sichtbar macht, hat einen immensen Einfluss darauf, wie weit dieser sich über die Grenzen des Kontos des eigentlichen Beitragenden hinaus verbreitet. Die Art und Weise, wie Algorithem arbeiten, kann einen ähnlichen Effekt haben wie bei einem Herausgeber einer Zeitung, der einen Artikel für die Titelseite auswählt.

Die Torwächter

Ein Bericht des Reuters-Institut für Journalismus hat herausgefunden, dass soziale Medien und Suchmaschinen als editorische Torwächter agieren, die die Natur und die Bandbreite der Nachrichten verändern, zu denen Nutzer Zugriff haben.

Es gibt keine exakten Parallelen für die neuen, hier identifizierten digitalen Mittelsmänner – die meisten sind keine neutralen „Rohre“ wie ISPs, durch die alle Inhalte des Internets fließen (obwohl Twitter dem nahe kommt); ebenso sind sie keine reinen Medienkonzerne, wie zum Beispiel Sender oder Zeitungen, die stark in kreative und redaktionelle Entscheidungen involviert sind. Aber sie spielen dennoch wichtige Rollen dabei, Informationen auszuwählen und zu verbreiten, was auf ein rechtmäßiges öffentliches Interesse an dem, was sie tun, schließen lässt.

Soziale Netzwerke entgegnen, dass die aussortierten und empfohlenen Inhalte nur wie redaktionelle Urteile erscheinen. Weil es durch Computer-Software und nicht durch Menschen erfolgt, ist das Aussortieren rein objektiv. Die Algorithmen wählen die Resultate lediglich auf eine Art und Weise aus, die darauf abzielt, den Nutzern hilfreiche und nützliche Informationen zu liefern.

Es gibt zwei Hauptprobleme bezüglich dieses Arguments. Erstens sind die Algorithmen oftmals noch nicht komplex genug, um gänzlich ohne die Einbeziehung von Menschen arbeiten zu können. Nach der Anschuldigung der politischen Voreingekommenheit hat Facebook sich kürzlich dazu entschieden, die menschlichen Redakteure seiner „neuen“ Nachrichten-Sektion zu feuern und sie gänzlich durch Algorithmen zu ersetzen. Dennoch war diese Software nicht perfekt und die Facebook-Ingenieure kontrollieren nun die automatisch kalkulierten aufkommenden Neuigkeiten, nachdem verschiedene falsche und sexuell eindeutige Posts beworben wurden.

Zweitens ist die Annahme, dass Algorithmen „neutral“ sind und sich auf logische Entscheidungen verlassen, die völlig frei von Vorurteilen sind, äußerst fehlerhaft. Die Software macht „rationale“ Entscheidungen über relative Vorteile verschiedener Posts, welche auf einer Menge an Werten basieren und welche entscheiden, welche Posts beim Nutzer beworben werden sollen.

Diese Werte müssen von einem Entwickler festgelegt werden oder aus seinen Daten ausgewählt werden, und dies gilt auch für die Art der menschlichen Vorurteile, die in das System miteingebaut wurden. Das bedeutet, dass die Verantwortung für redaktionelle Entscheidungen, die durch ein algorithmisches Werkzeug getroffen werden, noch immer auf den Urheber zurückfallen und auch auf die, die für die Festsetzung der Werte verantwortlich sind (in der Regel die Chefs der Firma).

Die Macht, die mit dem redaktionellen Einfluss, den die Sozialen Medien entwickelt haben, einhergeht, bedeutet, dass die Seiten auch eine öffentliche Verantwortung dafür tragen, was sie ihre Nutzer sehen lassen und was nicht. Wie der Reuter-Report sagt, brauchen wir nun Regulatorien, um die Öffentlichkeit vor einem unzulässigen Einfluss oder Manipulation der sozialen Medien zu schützen. Zum Teil bedeutet das Transparenz. Firmen, die sich mit sozialen Medien beschäftigen, sollten die Kritierien, nach denen sie ihre Neuigkeiten für die Bewerbung auswählen, öffentlich machen. Allgemein gesagt bedeutet das, dass Facebook und andere, ähnliche Seiten die redaktionelle Verantwortung, die sie jetzt haben, ernst nehmen müssen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Facebook“ by Simon (CC0 Public Domain)


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Emojis als Bestandteil digitaler Kommunikation

Emoji (adapted) (Image by downloadsource.fr [CC BY 2.0] via Flickr)

Emojis werden so oft genutzt wie noch nie. Kaum jemand schreibt Nachrichten auf WhatsApp oder anderen sozialen Netzwerken, ohne dabei die farbigen Bilder zu benutzen. Sie haben sowohl glückliche als auch traurige Gesichtsausdrücke und bereichern unsere digitale Kommunikation mit Emotionen. Der erste Emoticon „:-)“ wurde im September 1982 von dem Informatikprofessor Scott E. Fahlman genutzt. Dies gilt als der erste Gebrauch eines Smileys, des vermutlich bekanntesten Vertreters der sogenannten Emoticons.

Die Wortkombination aus „Emotion“ und „Icon“ beschreibt Zeichenfolgen, die man erfunden hat, um das Defizit des geschriebenen Wortes gegenüber dem gesprochenen auszugleichen. In den Neunzigerjahren entstanden dann die heute sehr beliebten Emojis (die kleinen, farbigen Bilder von Gesichtern, Speisen, Tieren und allem Möglichen). Damals rechnete noch keiner damit, dass sie eine so große Beliebtheit erlangen würden und dadurch eine Art Digitaldialekt entstand. Außerdem sind sie mittlerweile fester Bestandteil der Tastatur unserer Smartphones und tauchen auch in allen sozialen Netzwerken auf.

Dirk von Gehlen ist Autor, Journalist und Leiter der Abteilung Social Media und Innovation bei der Süddeutschen Zeitung. Er hat den durch die Digitalisierung ausgelösten Medienwandel auf seinem Blog begleitet und sich ausgiebig mit dem Thema Emojis beschäftigt. „Emojis und Emoticons sind zu einem Bestandteil digitaler Kommunikation geworden. Sie schließen die Lücke zu dem, was sich im persönlichen Gespräch durch Gestik und Mimik ausdrückt.“, erklärt von Gehlen. Viele, die Emojis selten nutzen, halten sie für platt und eindimensional. Doch die Frage, welches Symbol man wann benutze, sei sehr vielschichtig, betont von Gehlen.

Es gibt sie für allerlei Kategorien, um möglichst viele Gefühle und Situtationen damit auszudrücken. Interessant ist auch, dass man die Haltung eines Emojis auf der ganzen Welt verstehen kann. Dadurch sehen viele in ihnen die Chance, weltweit ohne Sprachbarrieren miteinander kommunizieren zu können. Da Emojis und Emoticons eine neue Form der Kommunikation sind, stehen sie noch häufig in der Diskussion. „Ich nehme an, dass wir sie schon in naher Zukunft als selbstverständlichen Bestandteil unserer Kommunikation wahrnehmen“, sagt von Gehlen. Für ihn sind sie eine Erweiterung der mündlichen Kommunikation.

shrug (adapted) (Image by Topher McCulloch [CC BY 2.0] via Flickr)
Image (adapted) „shrug“ by Topher McCulloch (CC BY 2.0)

 

Der Lieblingsemoji von Dirk von Gehlen ist der Shruggie ¯\_(?)_/¯  Es handelt sich hierbei um ein japanisches Emoticon (Kaomoji), welches eine Art Schulterzucken symbolisiert. Er streckt seine Handflächen seitwärts nach oben und lächelt, sodass man seine Haltung als ein „Ich weiß es doch auch nicht“ verstehen kann. Der Begriff Shruggie leitet sich von dem englischen Wort „to shrug“ (mit den Achseln zucken) ab.

Es gibt für seine Entstehung zwar keinen eindeutigen Ursprung, aber der Rapper Kanye West könnte ein Grund für seine Popularität sein. Bei den MTV Music Awards 2010 zuckte er beiläufig mit den Schultern, sodass die Zuschauer diese Geste als „Kanye-Shrug“ kommentierten. „Wie die meisten Emoticons war er einfach irgendwann da und wurde genutzt. Darin liegt für mich der besondere Wert digitaler Kommunikation: Es gibt nicht eine Quelle, die vorgibt, wie etwas zu nutzen sei. Die Menschen nutzen Buchstaben und Ziffern und bauen daraus etwas Neues – wie beispielsweise den Shruggie. Das ist wunderbar.“.

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Plädiert für mehr digitale Gelassenheit: Dirk von Gehlen

Symbol einer digitalen Grundhaltung

Es gibt Leute, die sagen, der Shruggie sei Ausdruck des Gefühls, online zu sein. Für mich ist der Shruggie das Symbol einer digitalen Grundhaltung, die sich in einer fröhlichen (aber nicht zynischen) Ratlosigkeit manifestiert, die ich mal als Kulturpragmatismus überschrieben habe“, so von Gehlen. Dieser Kulturpragmatismus zeichnet sich durch die Fähigkeit aus, die eigene Bewertung der Welt und ihrer Entwicklung nicht so ernst zu nehmen.

Zu der digitalen Grundhaltung des Shruggies zählt, dass man mit einem fröhlichem Schulterzucken auf verschiedene Situationen reagiert. Er lebt mit einer optimistischen Offenheit gegenüber der Welt, kennt keine Wahrheiten und bietet allerlei Raum für Interpretationen. Bei dem „Shruggie-Prinzip“ geht es darum, ständig zu fragen: „Was wäre, wenn das Gegenteil richtig wäre?“. Wer sich dafür interessiert, kann in dem regelmäßig stattfindenden Seminar von Dirk von Gehlen mehr dazu lernen. Außerdem steht das japanische Emoji für eine produktive Ratlosigkeit, die uns davor schützt, alles sofort zu bewerten und immer eine Meinung zu haben.

Laut von Gehlen weiß es der Shruggie auch nicht, aber er schämt sich dieser Ratlosigkeit nicht. Er akzeptierte das Nicht-Wissen, denn nur, wenn man nicht auf jede Frage sofort eine Antwort hat, entstehe ein Prozess, an dessen Ende vielleicht eine neue Lösung steht. Zu diesem Lebensgefühl gehört es, fröhlich, ratlos, gelassen und digital zu sein. Zusammenfassend nennt von Gehlen die Haltung auch „Social Media Gelassenheit“. Dies sei der Versuch, das Shruggie-Prinzip auf die Nutzung von Twitter und Facebook zu übertragen, also eine Entschleunigung einzuführen.  Wenn jeder erstmal digital gelassen bleibt, ändert das die Stimmung in sozialen Netzwerken. Dieses Verhalten können wir alle von dem Shruggie lernen, er ist nämlich immer gelassen und distanziert.


Image (adapted) „Emoji“ by downloadsource.fr  (CC BY 2.0

Image via dirkvongehlen.de


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Schlau, aber abgehängt: Smartphones sorgen für eine digitale Zwei-Klassen-Gesellschaft

mobile (Image by cicwdn [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Manch einer würde behaupten, dass der rasche Aufstieg des mobilen Zugriffs in der Theorie keine gute Idee für Einzelpersonen und die Gesellschaft war. Eine Öffentlichkeit, die verknüpfter ist, ist auch informierter. Ein gesteigertes mobiles Vordringen bedeutet, dass sich mehr Menschen öfter als jemals zuvor miteinander verbinden können.

Aber einem neuen Bericht des Shorenstein Center on Media, Politics and Public Policy aus Harvard zufolge gibt es eine dunkle Seite der mobilen Revolution, die befürchten lässt, dass eine weniger beteiligte, „zweitklassige“ Nutzerschaft entsteht, die nicht so sehr von der mobilen Übernahme profitieren wie man annehmen könnte. Eine mobilere Öffentlichkeit könnte, paradoxerweise, eine weniger informierte werden.

Johanna Dunaway, ein ehemaliges Mitglied von Shorenstein und Verantwortliche für den Report, macht die Smartphones selbst für diese Entwicklung verantwortlich. Dank der Kombination von kleineren Bildschirmen, langsamerer Verbindungsgeschwindigkeit und unterschiedlichen Datenpreise sind mobile Geräte in vielerlei Hinsicht keine geeigneten Überträger der Nachrichtennutzung.

Mithilfe einer Eye-Tracking-Software konnten Dunaway und ihre Kollegen beobachten, wie sich Menschen mit Nachrichten auf ihren Handys beschäftigen. Ihr Ergebnis: „Wir fanden heraus, dass im Vergleich zu Computernutzern die Handynutzer weniger Zeit mit dem Lesen von Nachrichteninhalten verbrachten. Sie haben die Links auch nach längerer Nutzung seltener bemerkt und verfolgt.“ sagt Dunaway.

Ihre Befunde wurden von vorherigen Daten von Pew Research unterstützt, die herausfanden, dass, während die meisten Seiten mehr Besucher per Smartphones als über PCs kriegen, die Leser dazu tendieren, weniger Zeit mit dem Lesen als an mobilen Geräten zu verbringen.

Image via Nieman Lab
Image via Nieman Lab

In Anbetracht dessen, dass voraussichtlich bis 2020 zwei Drittel der Onlineaktivität auf mobilen Geräten geschehen wird, sind die Auswirkungen einer mobil dominierten Öffentlichkeit laut dem Bericht recht finster.

Dunaway sieht eine Verbindung zwischen den Risiken von Handys zu vielen anderen Herausforderungen der Nachrichtenagenturen. Diese haben Probleme, die Menschen in einem Medienökosystem zu informieren, das von Auswahl, Fragmentierung und der Anziehung von Nachrichtennutzern zu Quellen, die ihre Ansichten beweisen und Neigungen durchsetzen, dominiert wird.

Letztendlich bedeutet dies, dass Smartphones zwar den Nachrichtenagenturen helfen, mehr Menschen als je zuvor zu erreichen, das Problem jedoch darin besteht, dass diese mobilen Nachrichtennutzer weniger beschäftigt und weniger informiert sind. Sie werden wahrscheinlich mehr Aufmerksamkeit den Sport- und Unterhaltungsnachrichten als der politischen Berichterstattung widmen. Des Weiteren ist die Übernahme des Handys am deutlichsten in Kreisen von Latinos, Schwarzen und Amerikanern mit geringem Einkommen, was noch einmal eigene Herausforderungen hervorbringt, zeigt Dunaway auf:

    „Es könnte richtig sein, daraus zu schließen, dass wir ein Zeitalter einer zweitklassigen digitalen Bürgerschaft betreten, geführt von einer ausschließlich mobilen digitalen Unterschicht.
    Ein denkbares Ergebnis ist eine größer werdende Lücke zwischen denen, die politisch interessiert und informiert sind und denen, die es nicht sind. Setzt man voraus, dass diese Lücke entlang der Einkommens-, Rassen-, Ethik- und Berufsgruppen entsteht, könnte der Effekt eine Beschleunigung der Kluft zwischen Reich und Arm in Amerika nach sich ziehen – und dies zu einer Zeit, in der diese Schwelle bereits der Grund für politische Sorgen und Unruhen sind.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Mobile“ by cicwdn (CC0 Public Domain)


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Zeitgeist Technik: „Sie haben Post!“– Wer braucht denn heute noch E-Mails?

email (image by philippechazal[CC0 Public Domain] via Pixabay)

Das Internet der frühen Neunziger und seine berühmteste Erfindung, die E-Mail, hat einen Sound. Ich meine nicht das ohrenbetäubende Modem-Piepen, sondern den Klang der kühlen Frauenstimme, wie sie standfest verkündet: „Sie haben Post!“. Als das Internet bei uns so richtig durchstartete – das war damals, als noch kostenlose Installations-CDs von AOL oder CompuServe verteilt wurden wie geschnitten Brot – hatte jeder, den ich kannte, so ein elektronisches Postfach und die Frauenstimme war das Synonym für die Zukunft der Kommunikation.

Die E-Mail stellte eine der revolutionärsten Ideen dar, die das 21. Jahrhundert kommunikationsgeschichtlich hervorgebracht hat: Jederzeit und überall Nachrichten empfangen und senden, weltweit, sekundenschnell und ohne Wartezeit.

Trotzdem gibt es seit einigen Jahren immer wieder Experten, die den endgültigen Untergang der E-Mail prophezeien. Aber wieso eigentlich? Was ist an der einst so guten Idee plötzlich schlecht?

Komplett ausgestorben: Die Mail als persönlicher Briefkontakt

In den Anfangszeiten der Kommunikation über das Internet hatte ich eine Art E-Mail-Freundschaft mit einem Gleichgesinnten. Wir lernten uns in einem rege besuchten Musikforum kennen und tauschten uns aus. Bald reichte das Forum nicht mehr aus und wir schrieben uns E-Mails – sehr, sehr lange E-Mails. Seine Mails waren tatsächlich so lang, dass meine damals noch begrenzte Internetzeit (damals noch reglementiert durch Minutentaktung und Aufzeichnen der Internetzeit ins Muttiheft) rasch zur Neige ging, wenn ich seine Gedanken online verfolgen wollte. Ich musste also bald zu einer eher bei meinen Großeltern bewährten Praxis greifen und die E-Mail ausdrucken, um sie in Ruhe lesen zu können.

Einige dieser Briefe, denn nichts anderes waren sie eigentlich, habe ich heute noch – was ich von den wenigsten anderen E-Mails behaupten könnte, die ich seitdem bekommen habe. Doch bei ihm war es anders. Das Antwort-Prozedere war mindestens ebenso langwierig, schliesslich sollte die Antwort keine mal eben schnell hingeworfene Nachricht, sondern etwas „Richtiges“ sein. Heute muss ich über den Gedanken eher schmunzeln, denn der Umgang mit der elektronischen Post hat sich heute völlig geändert.

Was aus dem Freund geworden ist, weiss ich leider nicht. Irgendwann wurde uns das Geschreibe wohl einfach zu mühsam und der Kontakt schlief ein. Und das sind E-Mails für mich heute eigentlich am Ehesten: mühsam. Die Bedeutung des blinkenden Briefumschlages wandelte sich mit der Zeit, von einer frohen Erwartung wurde es langsam Alltag, bis fast nur noch Spam das Postfach verstopfte.

Extra einloggen? Ist mir zu umständlich!

Dabei sind E-Mails eigentlich so viel praktischer als die sozialen Medien: man muss nicht einmal miteinander „befreundet“ sein, um sich Nachrichten schicken zu können, sondern kann sich ganz einfach und ohne große Ankündigung Texte und Anhänge schicken, verabreden, informieren – eben alles, was Kommunizieren im Netz heute so kann. Aber nutzt heute noch jemand ausschließlich E-Mails? Irgendwo in meiner Wohnung habe ich einen Zettel herumliegen, auf dem alle meine Mailadressen stehen. Die Passworte kann ich mir schon länger nicht mehr merken. Und wozu auch? Meine Freunde erreiche ich viel bequemer per App – und kann hier spontan alles schicken, was ich auch per Mail geschickt hätte. Und hier kann ich sicher sein: sie lesen es sofort.

Denn nach der E-Mail kamen andere Dienste, über die ich schneller – und ja, leider auch unkonzentrierter – kommuniziere: Ich schreibe mit Freunden in Gruppenchats bei WhatsApp, einen Großteil meines Arbeitsalltags bestreite ich mithilfe der Dienste Skype oder Slack, und immer sind mehrere Personen beteiligt.

Zwar schicken wir uns selten mehr als nur einen Satz, der eigentlich Anweisung ist – oder Emojis. Einen ganzen Abend nur für eine Person nehme ich mir eigentlich nur am Telefon oder wenn wir uns direkt gegenübersitzen. Alles andere ist und bleibt: oberflächlich.

Nur selten nehme ich mir heute die Zeit, in mein privates Mailpostfach zu schauen – dabei habe ich, seit ich das erste Mal im Internetcafé meiner Heimatstadt war, also seit ziemlich genau 17 Jahren, die selbe E-Mail-Adresse, die ich auch heute noch nutze. (Möge der Anbieter noch lange bestehen bleiben!) Man kann mich also durchaus erreichen, wenn man will. Aber dass ich die Nachrichten gespannt und mit voller Aufmerksamkeit lese, ist eher unwahrscheinlich. Denn: Wir haben uns das Aufmerksamsein durch die permanente Erreichbarkeit ziemlich gut abtrainiert.

E-Mail-Schwemme im Büro – gibt es keine andere Lösung?

Wenn ich meinen E-Mail-Account im Büro öffne, werde ich oft als erstes mit einer Ladung Spam, überflüssiger Kommentare zu bereits geklärten Problemen und jeder Menge Zeug überspült, das gar nicht für mich bestimmt war. Ich bin kurz genervt, scrolle mich durch die größtenteils unwichtigen Nachrichten und wundere mich, wie lange es in traditionellen Strukturen wohl noch dauert, ein System durchzusetzen, mit dem jeder Mitarbeiter nur mit dem ihn betreffenden Thema behelligt wird. Bis dahin lösche ich wohl weiterhin alte Mails.

Laut einer Untersuchung von McKinsey, die bereits aus dem Jahr 2012 stammt, müssen wir uns jeden Tag um durchschnittlich 122 Nachrichten kümmern. Klingt viel? Ist es auch. Ausserdem wirkt sich die mangelhafte Filterung der nicht für uns bestimmten Nachrichten sogar direkt auf unseren Arbeitsalltag aus: „Mehr als zwei Stunden kostet uns das Freischaufeln der Inbox, Tag für Tag neu“ heisst es in der Studie. Seitdem werden es kaum weniger Spam-Mails und fehlgeleitete Nachrichten geworden sein. Die Berechnungen reichen auch in die Zukunft: „Bis 2019 sollen es laut Marktforscher Radicati Group 126 Nachrichten täglich werden, und jede verlangt Aufmerksamkeit, die anderswo verloren geht.“, heisst es zusammenfassend.

Kein Wunder also, dass ich nach Feierabend eher selten Muße habe, mich dem eigenen Postfach zuzuwenden – nachdem das Tagwerk getan ist, schalte ich an manchen Tagen nur ungern noch einmal den Computer an. Und auch in den Firmen soll nach neuen Lösungen gesucht werden, die übersichtlicher und besser zu händeln sind. Denn die Nachrichtenwut hat sich, trotz schwindender Nutzung der klassischen Mailing-Dienste, eigentlich nur verlagert.

Messenger sind die neuen Mails

Für die Gruppen- und Firmenorganisation haben sich in einigen Firmen bereits Chat-artige Messenger wie Slack durchgesetzt. Die Systeme haben einen entscheidenden Vorteil: Alle können die Unterhaltung zeitgleich verfolgen, mitkommentieren und direkt reagieren – so kann nicht nur ein besseres Gruppengefühl geschaffen werden, sondern auch die Arbeitsabläufe werden deutlich effizienter gestaltet.

Das bedeutet zwar das Ende der endlose Kettenmails mit lyrischen Betreff-Betitelungen wie beispielsweise „Re: Fwd: Re: Fwd: LETZTE DURCHSAGE!! Der Letzte räumt die Spülmaschine aus!!“, aber auf die Meisten dieser Nachrichten können wir sicherlich auch verzichten.
Und überhaupt: alberne Witzchen lassen sich im Messenger genauso reißen – so begrüßt mich ein Kollege jeden Tag im Firmenchat in einer neuen, exotischen Sprache, die wir erst einmal erraten (oder ergooglen) müssen. Nicht zu vergessen: die kleinen Bilderrätsel, die man sich per Emoji stellen kann. Man kann schon seinen Spaß haben mit den neuen Diensten.

Bei Messengern mit VoIP-Funktionen wie Skype, Facetime oder WhatsApp kommt noch die bequeme Funktion des Gruppenanrufes hinzu, die man nutzen kann. Manchmal geht, bei aller Digitalität, Besprechen doch einfacher als Tippen. Und ich höre auch meine Kollegen, die oft über die ganze Welt verteilt sind, gern ab und zu persönlich.

DE-Mail und Verschlüsselungen: Eine gute Idee verläuft im Sande

Doch war da nicht vor ein paar Jahren noch was? Gab es nicht mal die Idee, die E-Mail wiederzubeleben? Allerdings! Ein (letztes?) Aufbäumen hat die E-Mail mit der Initiative der Bundesregierung bereits im Jahr 2008 erlebt: Die als besonders sicher beworbene De-Mail sollte dafür sorgen, dass Behördengänge verringert und Dokumente verschlüsselt (auf Wunsch sogar Ende-zu-Ende) versendet werden können. Doch bisher hat sich wenig getan.

Das Unternehmen scheiterte, weil die Deutsche Post mit ihrem ganz ähnlichen Konzept des E-Postbriefes eine entsprechende Gesetzesänderung des Post-Gesetzes verzögerte. Und tatsächlich: bis heute kenne ich niemanden, der je einen E-Postbrief verschickt hat.

Das DE-Mail-Projekt hat sich wohl wegen des langwierigen Zertifizierungsprozesses nicht weiterführend durchgesetzt, auch wenn seit einiger Zeit die zu 1&1 gehörenden Mailanbieter GMX und web.de den Service von verschlüsselten Emails nach erfolgter Akkreditierung anbieten. Keine allzu schlechte Voraussetzung also für eine Verbreitung einer eigentlich sicheren Idee – zumindest sollte man das meinen. Wenn es nicht so umständlich wäre.

Viele dieser Dienste sind zudem kostenpflichtig – soweit ich weiß, nutzt nur ein einziger Mensch in meinem Umfeld den verschlüsselten E-Mail-Dienst Posteo. Mit einem Euro im Monat ist der Dienst zwar ziemlich günstig – aber, werden viele im Stillen denken, wozu brauche ich etwas nur günstig, wenn ich es auch umsonst haben kann?

Verschlüsselung ist die neue Währung?

Bisher sind nur sehr wenige Leute in meinem Umfeld auf den Verschlüsselungszug aufgesprungen. Ein Grund ist sicherlich schlichtweg die Bequemlichkeit, ein anderer die Umstellung – so banal es klingt, der Mensch gewöhnt sich nicht gern an neue Systeme, vor allem dann nicht, wenn er von deren Nutzen nicht sonderlich überzeugt ist.

Ein grundsätzliches Problem bei den traditionellen Mailanbietern hat mein Kollege Sebastian Haselbeck schon vor einigen Monaten kommentiert: Sie sind miteinander nicht kompatibel und daran hat sich noch immer nichts geändert.

Der siebte Tag ist E-Mail-Tag

Stattdessen gibt der Marktführer WhatsApp die bisher garantierte Verschlüsselung auf und verscherbelt seine Daten an die Datenkrake Facebook. Für datenbewusste Nutzer, zu denen auch ich mich zumindest halbwegs zähle, bedeutet das also wieder einmal, auf die Suche nach einem neuen, sicheren, kompatiblen Messenger gehen zu müssen. Die E-Mail als alleiniger Kommunikator fällt dabei aber – wenig überraschend – erneut hinten über. Nachdem ich mich so schnell und intuitiv an WhatsApp und seine Kollegen gewöhnt habe, sieht die Kommunikation per E-Mail noch viel umständlicher und unübersichtlicher aus als ohnehin schon – und eine Gruppenfunktion gibt es hier eben nicht.

Aber behalten wir im Hinterkopf: Nur durch diesen Schritt der Kommunikation konnten sich die Messenger erst entwickeln, deren Vorteil wir jetzt nutzen. Unsere E-Mails können wir ja dann in Ruhe am Wochenende lesen. Übrigens ist auch der Sonntag statistisch gesehen der beste Tag für Newsletter– der Trend setzt sich, trotz aller Unkerei, weiter durch, da lesen die Leute nämlich viel entspannter. Und ich auch. Bis zum Sonntag dann!


Image ”Posteingang” by philippechazal (CC0 Public Domain)


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Neue Module und Features: Wie die New York Times Artikel auf ihrer Webseite auswählt

The New York Times building, New York City (Image by Alterego [CC BY 3.0], via Wikimedia Commons)

Im September 2014 wurde auf der Webseite der New York Times ein neues Modul erschaffen. Es nannte sich „Watching“ und war eine Art Sammlung von Meldungen aus der Times, aber auch von Material, das, ähnlich wie es bei Twitter funktioniert, anderswo im Netz gefunden wurde – einschließlich Tweets, Fotos und sogar YouTube-Videos.

Dieses Feature ist vor wenigen Monaten verschwunden, während der Newsfeed selbst erhalten blieb. Vor einigen Wochen hat die Times dann ein neues und andersartiges Produkt veröffentlicht, das sich ebenfalls „Watching“ nennt und eine eigenständige TV- und Film-Empfehlungsseite ist.

Auch wenn dieses Angebot noch namenlos ist, nimmt das Modul, das früher als „Watching“ bekannt war, noch immer einen prominenten Platz auf der Webseite der Times ein – ohne zu scrollen, ist es auf dem unteren Drittel eines Desktop-Bildschirms zu finden. Die Inhalte, die der Feed auf der Webseite wochenweise anbietet, befinden sich allerdings im Wandel. Die Meldungen beinhalten in letzter Zeit merkbar weniger Themenhäufungen, am Wochenende ist der Feed abgeschaltet. Liegt das daran, dass die Times entschied, weniger von auswärtigen Quellen anzuzeigen und anstattdessen mehr Inhalte von der Times selbst zu zeigen – insbesondere vom Express-Team, das letztes Jahr aufgestellt wurde um „die Nachrichten, nach denen Leser suchen und über die sie online sprechen“, abzudecken?

„Ich möchte es wirklich deutlich machen: Wir schätzen das Zusammentragen von auswärtigen Quellen sehr, das momentan an verschiedenen Stellen stattfindet, teilte mir Clifford Levy mit. Er ist Redakteur der Times und leitet zugleich die Abteilung NYT Now. „Aber wir versuchen herauszufinden, was die richtige Balance zwischen Ledungen aus der New York Times und von auswärtigen Quellen ist und wie wir intelligente, sinnvolle Auswahlprozesse für unsere Leser durchführen.“
Levy arbeitet mit Migliedern des Express-Teams, mit NYT Now-Mitarbeitern und mit anderen am Nachrichtenpult, um diesen idealen Punkt zu finden, an dem die Anhäufung von Quellen willkommen ist – nicht nur im Modul auf der Webseite, sondern auch auf der Homepage und auf ihren mobilen Apps. Es gibt desöfteren Meldungen vom Express-Team, leichter verdauliche Nachrichten von anderen Büros und ab und zu Informationen über aktuelle Nachrichtenentwicklungen.

Dean [Baquet] hat eine Innovationskulture sehr befördert, er möchte wirklich, dass die Redaktion im Geiste der Innovation erscheint, er möchte versuchen, die Aufteilung dieses Moduls zu verändern. Er will sich den Datenverkehr des Moduls anschauen – wie Leser auf Veränderungen reagieren, ob wir irgendeinen Teil des Moduls nutzen sollten, ob diese Nachrichten in das Modul oder an andere Orte der Webseite gelangen und wo sie in der mobilen Version hineinpassen. Alle diese Fragen sind noch offen“, sagte Levy.

Eine kurze Analyse von dem, was in dem Modul in den letzten paar Monaten gepostet wurde (gemeint ist seit Anfang Dezember 2015), zeigt, wie sehr es sich mittlerwiele auf die Times konzentriert. Von den letzten 932 geposteten Links waren 765 – also über 80 Prozent – Inhalte der Times. (Andere Nachrichtenquellen, die zumindest ab und zu verlinkt wurden, sind: The Associated Press mit 29, Reuters und der BBC mit je sieben, The Atlantic, Bloomberg und der Guardian mit je fünf Verlinkungen und die Washington Post mit vier Verlinkungen. Das Modul ist also nun eher ein eigenes Fenster und eine Art Untergruppierung von allen Artikeln, die die Times täglich veröffentlicht wurden als ein sorgfältig herausgefiltertes Feature mit interessanten Artikeln von überall aus dem Internet.

Ian Fisher, der ehemalige stellvertretende ausführende Redakteur (jetzt Untersuchungsleiter) von Politico, sagte, dass „Watching“ in seiner Anfangsphase ungefähr 40 Prozent negatives Feedback erhielt. Sechs Monate später waren es laut Politicos letztem Update von April eher die Meldungen, die nicht aus der Times stammten, die die bessere Performance lieferten. Außerdem kehrten Leser zur Times-Seite zurück, auch wenn sie auf Nachrichten klickten, die sie von der Seite wegleiteten.

Levy nannte mir keine genauen Zahlen, sagte aber, dass der Feed sich weiterhin gut halte, wenn man die Leser betrachte, die auf Meldungen des Feeds klicken:

Das Modul funktioniert gut. Wir hatten eigentlich keine negativen Rückmeldungen. Ich schaue mir tatsächlich an, wie einzelne Meldungen wirken, verwende aber nicht zuviel Zeit dafür, einzelne Elemente des Feeds miteinander zu vergleichen.

NYTimes.com unterteilt sich grob in drei Kolumnen (von links nach rechts, unterteilt in die Gruppen A, B und C). Meinungsartikel befinden sich oben in der dritten Kolumne, das untere Eck dieser Kolumne erfährt verständlicherweise weniger Beachtung von den Lesern als der linke Teil der Webseite. Das Team dort spielt zum Beispiel mehr mit visuellen Elementen bei vorgestellten Artikeln.

Die linke Seite ist am Neuesten – zu einem gewissen Grad haben wir unsere Leser daran gewöhnt. Ich denke nicht, dass man ein Modul von solcher Größe auf die linke Seite der Webseite setzen könnte„, sagte Levy. „Wir haben damit experimentiert, das Modul in verschiedene Positionen auf der Webseite zu verschieben. Aber wie du weißt, ist die Sache mit der Webseite so, dass sie wie ein überfüllter Marktplatz ist – man muss die Bedürfnisse der Redaktion in Betracht ziehen, jene der Autoren der Meinungsartikel, der Platz, den die Videoabteilung benötigt und natürlich den Platz für Werbung, der sehr wichtig ist. Es gibt viele verschiedene Interessen und viele Einflussträger.

Doch gibt es irgendeine spezifische Richtung, in die die Entwicklung des früheren „Watching“-Moduls gehen wird, irgendeine Idee, die darauf hindeutet, dass es seinen eigenen Platz innerhalb von NYT Now oder sogar in der Times-App bekommen könnte?

„Das Einzige, das ich dir versichern kann, ist, dass wir an auswärtige Quellensammlungen glauben. Wir machen das auf eine Art, die den Lesern hilft, und wir wissen, dass die Redaktion dabei gute Arbeit macht,“ sagte Levy. „Zu einem gewissen Grad ist das eine seismische Verschiebung. Noch vor drei Jahren wäre das etwas gewesen, was wir niemals hätten tun können.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „The NewYork Times building, New York City“ by Alterego (CC by 3.0)


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Journalisten in der Social Media-Falle

Media Scrum (adpted) (Image by Olivia Chow [CC BY 2.0] via Flickr)

Die sozialen Medien haben während des Amoklaufs in München für viel Chaos und Verwirrung gesorgt. Und manche TV-Sender haben sich von wilden Spekulationen verführen lassen. Bereits beim Putschversuch in der Türkei am 15. Juli waren die sozialen Medien eine der wichtigsten Informationsquellen. Seien es die Livestreams der Redakteure aus dem CNN Türk-Gebäude oder die Übersetzung der Ereignisse durch Journalisten, die dem Türkischen mächtig sind: Social Media hatte an diesem Freitag große Vorteile – und das, obwohl die Freiheit der sozialen Netzwerke in der Türkei mehr als fragwürdig ist und Dienste wie Twitter, Facebook und YouTube während des Putsches blockiert wurden. Die Kritik an den klassischen Medien war auf den Social Media Plattformen groß, allen voran die TV-Sender gerieten ins Fadenkreuz. Man denke nur an Phoenix, die mit ihrer Ankündigung auf Twitter, erst ab 9 Uhr des nächsten Tages wieder über den Putsch berichten zu wollen, reichlich Spott ernteten.

Falsche Fotos und die ungeprüfte Veröffentlichung in den Medien

Am 22. Juli, am Tag des Amoklaufs im Münchner Olympia Einkaufszentrums (OEZ), waren die sozialen Netzwerke wiederum eine der schlechtesten Informationsquellen. Unbestätigte Gerüchte, bewusste Falschmeldungen oder das Verbreiten von Spekulationen waren wie bei vielen Anschlägen der Vergangenheit wieder an der Tagesordnung. Falsche Täter- und Tatortfotos kursierten im Netz – unter anderem ein Bild, das Opfer und Blutspuren im vermeintlichen OEZ zeigten. Schnell stellte sich heraus, dass dieses Foto von einem Überfall auf ein südafrikanisches Einkaufszentrum Anfang 2015 stammte. Wir haben uns als Social Media-Nutzer mittlerweile daran gewöhnt, dass solche Fakes in unübersichtlichen Nachrichtensituationen schnell die Runde machen. Problematisch werden solche Materialien erst, wenn sie von Journalisten und Medien ungeprüft übernommen werden. Sat.1 Bayern verbreitete zum Beispiel eben erwähntes Foto über den eigenen Twitter-Account, löschte den Tweet später wieder und entschuldigte sich. „Gewicht verschaffen solchen Videos erst die traditionellen Medien“, resümierte ZDF-Nachrichtensprecher Claus Kleber kurz nach dem Putschversuch in der Türkei in einem Gastbeitrag bei SZ online.

Falschmeldungen in den sozialen Medien

Die meisten Fernsehanstalten berichteten im Laufe des Freitagabends relativ besonnen – vor allem auch aufgrund erfahrener und ruhiger Moderatoren wie Claus Kleber im ZDF oder Peter Klöppel bei RTL. Doch in vielen Fällen ließen sich die Live-Berichterstatter des audiovisuellen Rundfunks von den über Twitter verbreiteten Gerüchten und Spekulationen treiben. Das eindringlichste Beispiel war jene Meldung über eine Schießerei am zentralen Münchner Karlsplatz (Stachus), die von den Sendern ungeprüft verbreitet wurde – und nur teils mit dem Hinweis auf den unbestätigten Status versehen wurde. Später stellte sich heraus, dass die Schießerei am Stachus eine Falschmeldung war. Das hätte nicht sein müssen, schließlich fanden sich auf Twitter auch Gegenstimmen von vor Ort, die keine Schüsse vernommen hatten. Doch in diesem Fall war die schnelle Meldung eines Gerüchts wichtiger als die Prüfung des Sachverhalts – und selbst nach dem Dementi der Polizei lief die angebliche Stachus-Schießerei immer noch über den ein oder anderen Ticker. Die Folge: der Twitter-Account der Polizei München wurde schnell zur vertrauenswürdigsten Quelle in den sozialen Medien – nicht umsonst haben sich die Followerzahlen im Laufe des Abends mehr als verdoppelt. Die Social Media-Verantwortlichen der Münchner Polizei waren darum bemüht, lediglich sichere Fakten zu posten, den Menschen Anweisungen für sicheres Bewegen in der Stadt zu geben und die Nutzer aufzufordern, Spekulationen zu unterlassen.

Die sozialen Netzwerke sind hier ein großes Problem derzeit“ musste der souveräne Pressesprecher der Münchner Polizei in der ersten improvisierten Pressekonferenz im Laufe des Abends bezüglich der Spekulationen auf Twitter und Co. feststellen. Nicht nur, dass sie die Bürgerinnen und Bürger zusätzlich in Panik versetzten; sie schufen Zusatzarbeit für die Polizei – Einsatzkräfte, die an anderer Stelle durchaus besser eingesetzt gewesen wären, aber natürlich jeglichen Hinweisen und Gerüchten zu neuen Schießereien nachgehen mussten. Der Pressesprecher bezog sich darüber hinaus auf die Veröffentlichung von Aufnahmen, die die Polizeikräfte bei ihrem Einsatz zeigten. In regelmäßigen Abständen musste die Polizei die Twitter-User dazu auffordern, das Posten solcher Fotos zu unterlassen. Doch auch diesbezüglich handelten die Fernsehsender im Laufe des Abends nicht immer besonnener als die Nutzer bei Twitter. Zu Beginn zeigte beispielsweise Das Erste noch Fotos von Polizisten direkt am OEZ, die User vor Ort auf dem Kurznachrichtendienst verbreiteten.

Die Aufgabe des Journalismus

An dieser Stelle muss man für die Journalisten des Abends auch Verständnis zeigen. In einer unübersichtlichen Lage einen kühlen Kopf bewahren, in Ruhe Fakten zu checken und die Menschen kompetent informieren – das ist eine Herkules-Aufgabe. Vor allem durch die Forderung seitens der Zuschauer nach einer schnellen Berichterstattung und den etlichen bereits vorhandenen Informationen in den sozialen Medien kommen die Medien unter Zugzwang – es ist eine Social Media-Falle, in die man als Journalist zu gerne tappt. Doch das darf keine Ausrede für das Verbreiten ungeprüfter Inhalte aus dem Netz sein. „Es ist niemandem geholfen, wenn die Öffentlich-Rechtlichen sich mit ihren traditionell ausgestrahlten Programmen auf ein Rattenrennen mit Social Media einlassen. Oder Netzfunde unreflektiert weitergeben“, so Claus Kleber in seinem Beitrag für die SZ. Journalisten sind seit dem Aufkommen des Internet und der sozialen Medien nicht mehr die Gatekeeper für Informationen. Vielmehr kommt ihnen in dieser Lage die Aufgabe zu, Behauptungen und Spekulationen, die über Twitter und Co. geteilt werden, in Ruhe zu prüfen und den Zuschauern dementsprechend gesicherte Fakten zu präsentieren. Ein Beispiel hierfür waren die Videos des Täters vor der McDonald’s-Filiale oder auf dem Parkdeck. Man konnte aufgrund bestimmter Umstände davon ausgehen, dass diese Aufnahmen authentisch sind – und dementsprechend gingen sie auch auf Sendung (ob man solche Videos überhaupt im Fernsehen zeigen sollte, ist eine andere Diskussion). Sichten, Bewerten und Prüfen, bei sicherer Informationslage veröffentlichen. Das war eigentlich schon immer die Aufgabe des Journalismus, doch in Zeiten der unmittelbaren Verfügbarkeit von Live-Informationen in Ausnahmesituationen darf dieses Handeln nicht aufgrund eines „Zuerst“-Mentalität verlorengehen. Nicht nur Journalisten können in diese Social Media-Falle tappen, sondern auch die User. Wir Nutzer müssen deutlich kritischer gegenüber Informationen aus den sozialen Netzwerken werden – und uns bewusst werden, dass jeglicher unbedachte (Re)Tweet in Krisensituationen seine eigene Wirkung entfalten kann.


Image (adapted) „Media Scrum“ by Olivia Chow (CC BY 2.0)


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
  • FACEBOOK sueddeutsche: Facebook – ein Nachrichtensender mit 1,5 Milliarden Korrespondenten: Die Bilder von Anschlägen und Attentaten überschatten den Alltag der letzten Wochen. Smartphonenutzer kriegen Eilmeldungen direkt auf ihre Geräte geschickt und TV-Nachrichtensender versuchen so schnell wie möglich für Aufklärung zu sorgen. Während die Nachrichtendienste daran arbeiten Stimmen und Bilder zu liefern, sind Millionen schon auf Facebook unterwegs, um dort ihre Informationen zu beziehen.
  • NINTENDO theverge: Nintendo has doubled in value since Pokémon Go’s release: Es ist ein Hype der in der Welt der Apps seinesgleichen sucht. Nachdem die Interesse an Pokémon nach zehn Jahren so langsam zu verblassen schien, heißt es mit Pokémon Go nun wieder „Gotta catch ‚em all“. Der Weg von den Spielekonsolen auf das Smartphone hat dem Spielekonzern Nintendo nun eine unfassbare Wertsteigerung an der Börse beschert. Der Börsenwert konnte verdoppelt werden und Nintendo überholt Sony.
  • APP faz: Terror-Warn-App versagt im Fall Nizza: In Frankreich wurde eine App programmiert, die Menschen so schnell wie möglich warnen soll, falls es einen Anschlag in der Nähe gibt. SAIP ist der Name der App. Die App ist in Französisch und Englisch verwendbar. Während der Amokfahrt von Nizza, bei der 84 Menschen ihr Leben verloren, hat diese App total versagt und verschickte Stunden danach erst eine Warnung heraus. Es ist wieder ein kleiner Stein im Schuh der Bevölkerung Frankreichs, die App wurde nämlich von der Regierung herausgebracht.
  • TECHNOLOGIE thenextweb: Connecticut middle schoolers 3D printed a boot to help this endangered penguin walk again: In Connecticut hat es eine Gruppe von jungen Schülern geschafft, einem Pinguin etwas seinen Alltag zu verbessern. In einer Auseinandersetzung mit einem anderen Pinguin, hatte dieser sich so stark verletzt, dass er eine Einschränkung beim Gehen erlitt. Zusammen mit einem 3D-System Unternehmen und dem Zoo des kleinen Schnabeltiers haben die Schüler einen Stiefel desinged, der dem Pinguin das Laufen erleichtert.
  • WHATSAPP mashable: WhatsApp is back in Brazil after yet another ban: Während in vielen Ländern der Welt Whatsapp in den letzten Jahren wolh zum beliebtesten Messenger geworden ist, haben es die Nutzer in Brasilien nicht so leicht. Am Dienstag wurde Whatsapp wieder vom Netz getrennt. Es ist innerhalb eines Jahres der dritte Bann. Grund dafür soll die Verschlüsselung sein, die von Whatsapp genutzt wird.
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Snapchat kann verändern, wie wir uns erinnern

Snapchat (adapted) (Image by Maurizio Pesce [CC BY 2.0] via Flickr)

Die sozialen Medien haben sich verändert. Nach zehn Jahren der Nutzung geht es in unseren Facebook-, Twitter- oder Instagram-Profilen nicht mehr nur um den aktuellen Moment oder um schnelle Verbindungen. Statt einfach unsere momentanen Gedanken und Erlebnisse zu verbreiten, sind diese Plattformen zu einem biografischen Archiv unserer Leben geworden, indem sie unsere Fotos speichern und aufzeichnen, wo wir waren und mit wem. Das Resultat dieses Archivierens ist, dass die sozialen Medien nunmehr eine neue Rolle in der Art und Weise, wie wir uns an Dinge erinnern, einnehmen.

Selbst die flüchtigste aller Social-Media-Plattformen, Snapchat, wird mit dem Start seines neuen Features nun Teil des Archivierungsprozesses. Bis jetzt war Snapchats Alleinstellungsmerkmal, dass die gesendeten Bildnachrichten innerhalb von Augenblicken nach dem Senden wieder verschwanden. Mit der neuen Funktion ist es jetzt möglich, „eine persönliche Sammlung Ihrer Lieblingsmomente“ (also Archivbilder, die mit dem Smartphone aufgenommen wurden) aufzubauen, die privat gehalten oder geteilt werden kann.

Der Soziologe Mike Featherstone argumentierte, dass der Mensch einen mächtigen Impuls zum Archivieren habe. Dies sehen wir sogar in der Geschichte des modernen Staates, der heute große Mengen an Informationen über das Leben der Menschen einfangen und sammeln möchte. Smartphones und das Internet bedeuten, dass wir diesem Drang nun innerhalb unseres alltäglichen Lebens gerecht werden können.

Wenn wir uns also mehr und mehr auf die sozialen Medien verlassen, um unsere Erinnerungen zu archivieren, wie wird dies verändern, wie wir uns erinnern? Mit der Zeit werden immer mehr Leben in diesen Profilen festgehalten werden. Wenn wir uns unserer Leben erinnern wollen, und der Leben derer, mit denen wir verbunden sind, werden wir uns unvermeidlich an die Daten wenden, die in diesen Archiven der sozialen Medien gespeichert sind. Unsere Erinnerungen könnten dann dadurch geformt werden, wie wir uns entschieden, in unseren sichtbaren Social-Media-Profilen zu teilen – oder in weniger zugänglichen Orten, die durch unsere Privatsphäre-Einstellungen geregelt werden (wie es in der Erinnerungen-Funktion möglich ist).

Featherstone argumentierte außerdem, dass ein Archiv – als ein Ort, an dem Dokumente gesammelt und klassifiziert werden – „ein Platz für das Kreieren und Überarbeiten von Erinnerungen sei. Was wir in unsere Social-Media-Profile stecken und wie wir es klassifizieren, wird dann formen, an was sich erinnert und wie auf diese Erinnerungen zurückgegriffen wird. Zum Beispiel beeinflussen die Tags und Labels, die wir unseren online gespeicherten Medien zufügen, wie wir uns an diese Gegebenheit und die Menschen, die dabei waren, später erinnern werden. Unsere Social-Media-Profile sind gefilterte Versionen unserer Leben, die eine verwaltete Rolle wiederspiegeln, sodass von der Erschaffung eines Archivs auszugehen ist, das bestimmte Typen favorisierter Erinnerungen enthalten wird, die dieser Rolle entsprechen.

Social Media über die Vergangenheit

Da wir uns zunehmend auf die sozialen Medien als Archiv verlassen, wird sich die Art und Weise, wie wir ihnen Inhalte hinzufügen, unvermeidlich ändern. Wir werden nicht mehr nur im Moment posten, sondern immer auch ein Auge auf die Zukunft haben. Wir werden darüber nachdenken, wie unsere Inhalte rezipiert werden, und uns vorstellen, wie es als Grundlage dienen wird, wenn wir von einem unbekannten Punkt in der Zukunft aus auf unsere Vergangenheit zurückschauen möchten. Wir würden beispielsweise über unseren Urlaub in einer Art und Weise posten, wie wir uns wünschen, eines Tages darauf zurückblicken zu wollen. Es wird verändern, wie wir die sozialen Medien nutzen, um einen Moment oder eine Zeitspanne in unserem Leben speichern.

Gelöbnis an die Zukunft“. Wir fällen Urteile darüber, was wir einschließen und mit welchen Tags wir Dinge versehen wollen, basierend darauf, wie wir uns vorstellen, dass es in Zukunft genutzt werden wird. Wenn die Leute also Snapchat oder ähnliche Services nutzen, dann werden sie die Inhalte basierend auf einer Vision davon gestalten, wie sie sie in der Zukunft zum Wecken von Erinnerungen werden nutzen wollen.

Dieser Einsatz der sozialen Medien für das Erinnern – mit unseren Profilen als individuelle und kollektive Archive unserer Leben – bedeutet, dass die kreierten Inhalte unsere zukünftigen Erinnerungen formen werden. Diese Erinnerungen werden durch die Wahl, die wir darüber treffen, was wir in unsere Profile einfügen, erschaffen und bearbeitet. Sie stellen außerdem ein Produkt dessen dar, wie wir uns diese Denkmalsetzung für die Zukunft vorstellen. Sozialen Medien mag es um das Teilen unserer Leben und um das Verbinden mit Netzwerken gehen, doch diese neuen Funktionen bedeuten, dass sie eben auch auf einem „Gelöbnis“ an zukünftige Erinnerungen basieren.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Snapchat“ by Maurizio Pesce (CC BY 2.0)


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Die Washington Post nutzt Slack für die Erschaffung von Lesergemeinschaften

Washington Post (adapted) (Image by Esther Vargas [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Der Messagedienst Slack ist ein unverzichtbares Tool innerhalb der Nachrichtenredaktion. Nun ist Slack überraschenderweise auch zu einem effektiven Kommunikations-Tool für Herausgeber geworden. Im April hat die Washington Post den Dienst Pay Up gestartet, eine auf Slack basierende Gemeinschaft, die sich an Frauen im technischen Sektor richtet. Ein Teil davon bildet eine karriereunterstützende Gruppe, ein anderer Teil ist das Networking-Tool, mit dem innerhalb der Gruppe schnell Diskussionen über die Themen, wie Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen, Gehaltsverhandlungstaktiken und neue Jobangebote aufkommen.  „Frauen haben diese Diskussionen schon lange untereinander geführt, deshalb dachten wir, wir können diese Diskussionen unterstützen und daraus etwas Größeres machen“, sagte die Social Media-Leiterin Alex Laughlin von der Washington Post.

Die Washington Post richtet diese Diskussionen ums Gehalt eher selten selbst aus – stattdessen gibt es den Mitgliedern die Möglichkeit, eine Unterhaltung zu beginnen, indem sie Slack-Kanäle erstellen, um darin zu diskutieren.

Mitglieder haben bereits Kanäle erstellt, die bestimmte Themen behandeln, wie beispielsweise Städte, Musik und auch das Smartphone-Spiel „Neko Atsume“. Die Idee besteht daraus, „dass Frauen herkommen und über sich selbst sprechen“ – und nicht nur über ihre Identifikation mit dem Arbeitsplatz, sagte Laughlin. Zusätzlich zu diesen offenen Gruppendiskussionen organisiert Pay Up regelmäßig Podiumsdiskussionen mit Experten über verschiedene wichtige Themen wie Gehaltsverhandlungen und Vielfalt am Arbeitsplatz.

Diese Gruppe ist nicht offen. Frauen, die daran interessiert sind, teilzunehmen, müssen ein Formular ausfüllen. Darin wird abgefragt, wer sie sind, wo sie arbeiten, wer sie angeworben hat und warum sie teilnehmen wollen. (Im Formular werden auch potentiellen Mitgliedern Fragen über ihr Gehalt gestellt, die Angaben sind jedoch unabhängig von einer Aufnahme). Bisher haben Laughlin und ihre Washington Post-Kollegin, die Social Media-Leiterin Julia Carpenter, eine beschränkte Mitgliedschaft nur für Frauen im technischen Sektor eingerichtet, obwohl sie planen, die Teilnahmeberechtigung auch auf Frauen aus anderen Industriezweigen zu erweitern.

In den letzten paar Monaten haben sich bereits rund 1.000 Bewerber für die Gruppe interessiert und die Gruppenmitgliederanzahl ist derzeit bei „knapp unter 500“, sagte Laughlin. Ihr Fokus und der von Carpenter liegt hauptsächlich darauf, wie viele der neuen Mitglieder von bereits bestehenden Mitgliedern geworben wurden. Neben dieser Gemeinschaft ist Pay Up auch rasch zu einer Quelle herangewachsen, aus der heraus Mitglieder Inspirationen oder sogar direkte Beiträge veröffentlichen. Während alles in der Gruppe gesagte als inoffiziell und vertraulich gilt, verwendet die Washington Post Kommentare von Pay Up-Mitgliedern in Artikeln wie beispielsweise zum Thema Work-Life-Balance. Laughlin und Carpenter veröffentlichen auch regelmäßig Zusammenfassungen von Pay Up-Diskussionen auf dem Medium.

Der Gruppenersteller sagt, dass das Pay Up-Modell auch auf andere Gemeinschaften, wie alleinerziehende Mütter oder Einwanderer der ersten Generation, erweitert werden kann. Hätte die Washington Post diese Gruppen erstellt, hätten sie dasselbe Ziel gehabt wie Pay Up: Eine starke, selbsterhaltende Gemeinschaft zu erschaffen, während sie mit den Inhalten von der Washington Post gefüttert wird. “Das Beste ist, dass wir sehen können, wie Menschen eine Unterhaltung beginnen, ohne dass wir eingreifen müssen”, sagte Carpenter. „Das ist die Art von Raum, die wir schaffen wollten.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Washington Post“ by Esther Vargas (CC BY-SA 2.0)


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Editor und Konsument: Breaking News will Hinweise per App an alle Nutzer verteilen

Texting in NYC (adapted) (Image by Michele Ursino [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Weniger als eine Minute, nachdem ein Erdbeben mit einer Stärke von 5.2 Südkalifornien am 10. Juni 2016 um 1:04 Uhr in der Nacht erschütterte, trafen haufenweise Hinweise in der News-App des Dienstes Breaking News ein. Im vergangenen Monat fügte der Dienst von NBC der eigenen App eine Funktion hinzu, die den Nutzern erlaubt, andere Nutzer und Breaking News-Redakteure über Nachrichten zu alarmieren, die in der Nähe stattfinden. Um 1:05 Uhr sendeten Breaking News-Nutzer von Anaheim bis San Diego Hinweise zur App. Die Los Angeles Times veröffentlichte ihre erste Schlagzeile, geschrieben von Quakebot und basierend auf Informationen des US-amerikanischen Geoinforamtionsdienst mit Angaben von 1:09 Uhr. Innerhalb der ersten 30 Minuten nach dem Erdbeben wurden 136 Hinweise an Breaking News abgegeben. Es war das Ereignis mit den meisten Hinweisen seit der Einführung der Hinweis-Funktion im Mai. Seitdem hat Breaking News Hinweise von 80 Ländern und allen 50 Staaten erhalten, sagte Geschäftsführer Cory Bergman. Diese Hinweise führten zu ein paar hundert Schlagzeilen.

Breaking news wird von Augenzeugen sehr viel schneller überblickt als irgendeine andere Nachrichtenorganisation, sagte Bergman. Es ist wie ein Live-Video, es ist wie eine Aufnahme aus jedem möglichen Winkel. Dies ist unser erster Exkurs, um herauszufinden, wie wir als Nachrichtenunternehmen ein Stück davon abhaben können, ohne die Berichterstattung komplett an Social-Media-Plattformen zu übergeben.

Der Knopf, mit dem man Hinweise mitteilen kann, ist in der oberen rechten Ecke der App. Nutzer können aus einer Anzahl von Emojis, die Ereignisse repräsentieren, wählen. Deren Bandbreite reicht von einem Erdbeben über Überschwemmungen bis hin zu Sirenen oder einem lauten Knall. Die Hinweise fließen dann zu dem Bereich namens „in der Nähe“, der Hinweise zeigt, die in der Nähe der Umgebung des Nutzers eingereicht wurden. Ein Feed mit Hinweisen wird ebenso in das Veröffentlichungssystem der App gespeist, so dass Breaking News-Redakteure sie sehen können. Es gibt so viele Hinweise, dass Redakteure nicht auf alle eingehen können, aber wenn es einen Zustrom an Hinweisen zu einem bestimmten Thema gibt, können sie die Information nutzen um Berichte zu bestätigen. „Der wertvollste Teil, in dem viel des eigentlichen Potentials für uns liegt, ist, wenn es eine Steigerung von ähnlichen Hinweisen von einem ähnlichen Ort innerhalb einer kurzen Zeitspanne gibt“, sagte Bergman. „Wir halten ein Auge nach diesen Hinweisen offen und richten unsere Aufmerksamkeit gesondert auf sie.“ Breaking News erhält immer mal wieder besondere Hinweisen über große Schlagzeilen in städtischen Gegenden, so wie die Explosionin einer Fabrik neulich in Südphiladelphia und einem stundenlangen Stromausfall im Stadtzentrum von Seattle Ende Mai. Es kann auch Ausreißerhinweise geben, mit denen Meldungen bestätigt werden. Zum Beispiel dass Überschwemmungen in Sri Lanka mehr als 100 Menschen letzten Monat getötet haben und eine halbe Millionen Einwohner vertrieben haben. Diese Berichterstattung über die Überschwemmungen begann mit einem einzelnen Hinweis aus dem Stadtrand der Hauptstadt Colombo. Nachdem Breaking News-Redakteure den Hinweis gesehen hatten, konnten sie nur einen einzigen Bericht über die Überschwemmung finden, aber durch Suchen in sozialen Medien wurde ein Tweet gefunden, der überflutete Straßen zeigte. Mithilfe dieser Information konnte Breaking News einen Notruf rausschicken und die Berichterstattung in seinen Apps aktualisieren.

Wir haben auch einen umfangreicheren Effekt, sagte Bergman. Wenn wir frühzeitig und sehr schnell Schlagzeilen finden, beschleunigt das auch Berichterstattung in anderen Nachrichtenabteilungen.

Manchmal reichten Nutzer auch falsche Hinweise ein. Vor kurzem meldete jemand ein Erdbeben in Warren, Michigan, einem Vorort von Detroit – dabei gab es kein Erdbeben an diesem Tag und an diesem Ort. Breaking News designte die Hinweis-Funktion in der Hoffnung, die Missbrauchsmöglichkeiten zu verringern. Die Kategorien sind absichtlich recht weitläufig, die Schrift für Hinweise ist heller und kleiner als die Schrift für bestätigte Berichte und auf die Registerkarte „in der Nähe“ beschränkt – im Now-Feed, der beschreibt, was im Moment gerade passiert, ist das nicht der Fall. Breaking News kann zudem Nutzer sperren, die wiederholt die Hinweis-Funktion missbrauchen. Dennoch sind falsche Hinweise ein großes Problem. „Nachrichtenunternehmen waren stets darüber besorgt, was passiert, wenn die Gemeinschaft etwas falsch macht oder etwas Falsches sagt„, sagte Bergman.“ Als Industrie sind wir noch nicht offen genug gewesen, der Gemeinschaft etwas Spielraum zu erlauben.“ Die Hinweis-Funktion entstand aus der Breaking News App von Apple Watch. Dort konnten Nutzer eine Taste drücken, um anzudeuten, dass Neuigkeiten in ihrer Nähe passierten. Die Redakteure konnten entscheiden, ob sie diesen Hinweisen weiter folgen wollten. Aber die Redakteure waren auch recht bald mit vagen Hinweisen überwältigt und legten fest, dass eine spezifischere Hinweis-Funktion erstellt werden sollte, die sie zu iOS und Android-Apps hinzuzufügen und kundenorientierter machen konnten. Breaking News will einen besseren Weg finden, Nutzern, die Hinweise einreichen, diese Mühen anzurechnen. Außerdem will man bestätigte Hinweise in den primären Now-Feed einspeisen. Die Firma denkt auch darüber nach, wie es funktionieren könnte, mithilde von Nachrichtenorganisationen Geoinformationen über die eigenen Breaking News-Apps hinaus zu erweitern und eine einheitliche Hinweisplattform zu erstellen. Optimierte Wege, um Schlagzeilen für Redakteure zum Vorschein zu bringen, sind bereits in Arbeit. Im Augenblick müssen sie manuell Hinweise sieben, um Nachrichten zu finden, aber Breaking News plant ein programmatisches System, das den Redakteuren Benachrichtigungen senden kann, wenn es mehrere Hinweisen zu einem Thema gibt. Bergman sieht die Hinweis-Funktion als einen Teil der Bemühung von Breaking News, Ortung zu einem zentraleren Teil mobilen Nachrichtenkonsums zu machen. „Wir arbeiten daran, einer Antwort auf die Frage ‚Hey, was ist gerade in meiner Nähe passiert?‘ geben zu können“, sagt Bergman. „Es wird keinen netten, säuberlich aufbereiteten Bericht dazu geben – vor allem nicht im frühen Stadium – aber wenn Nutzer Hinweise, Tweets und andere Berichte in dem „in der Nähe“-Bereich der App zu sehen, können sie sich zusammenreimen, was gerade passiert. Diesen Anwendungsfall zu erfüllen, ist einer unserer größten Ziele.“. Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Texting in NYC“ by Michele Ursino (CC BY-SA 2.0)


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