All posts under journalismus

Netzpiloten @Campfire 2018

Journalismus ist lebenswichtig für unsere Gesellschaft! Deshalb finden wir es toll, dass es jetzt ein innovatives, offenes und charmantes Open-Air-Festival zu diesem Thema gibt. Auf dem Campfire 2018 vom 31. August bis 02. September in Düsseldorf wird Journalismus erfahrbar gemacht und viele Macher, Experten und Medien-Interessierte tauschen sich aus und lernen sich kennen.

Drei volle Tage geht es unter anderm um solche Fragen: Wie wird unsere Arbeit, unser Leben, die Kommunikation und die Gesundheitsindustrie in der Zukunft aussehen? Was passiert mit uns, wenn alle diese Bereiche, die uns umgeben von der Digitalisierung durchdrungen sind?

Auf dem Campfire soll die Zukunft des Journalismus beleuchtet werden. Hierbei sind nicht nur Experten oder Journalisten angesprochen, sondern auch Schüler und Studenten sind herzlich willkommen. Namhafte Speaker aus renommierten Unternehmen und Zeitungsverlagen wie beispielsweise Markus Feldenkirchen – Spiegel Journalist und Autor – oder Wiebke Möhring – Professorin für Print- und Onlinejournalismus – werden zudem ihr Expertenwissen auf zwei Hauptbühnen oder aber in mehreren Programmzelten an die Teilnehmer weitergeben.

Tiefere Einblicke in zahlreichen Workshops

Wer tiefer in die Thematik einsteigen möchte, für den bieten sich zahlreiche Workshops mit spannenden Themen an, wie unter anderem:

  • Über alle Grenzen hinweg – wie wir weltweite Themen recherchieren
  • Wie ihr Menschen für eine gemeinsame Aktion begeistert
  • Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen „Design Thinking“ und „Lean Startup“
  • So organisierst du ein Barcamp

Wir finden: Dabei sein lohnt sich auf jeden Fall! Freut euch auf 150 Programmpunkte in 15 Programmzelten, 10.000 tolle Besucher, zahlreiche Speaker und Experten und einen spannenden Austausch. Was das Wichtigste ist, ist natürlich auch die Möglichkeit sich untereinander zu vernetzen und drei lehrreiche und innovative Tage auf dem Festival Campfire 2018 zu verbringen. Und das Allerbeste: das Festival ist kostenlos!

Weiterlesen »

Algorithmen und Journalisten: Zusammenarbeit ist Pflicht

Apple (adapted) (Image by Pexels [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Seit die Nachrichten- und Presseagentur Associated Press die Produktion und Publikation von Quartalsberichten im Jahr 2014 automatisiert hat, haben Algorithmen, die automatisch Berichte aus strukturierten, maschinenlesbaren Daten generieren, die Nachrichtenindustrie aufgerüttelt. Die Versprechen dieser Technologie – die oft auch als automatisierter Journalismus bezeichnet wird – sind verlockend: Einmal entwickelt, können solche Algorithmen eine unbegrenzte Anzahl an Berichten zu einem spezifischen Thema und zu geringen Kosten hervorbringen. Und sie schaffen dies schneller, günstiger, mit weniger Fehlern und in mehr Sprachen als es menschliche Journalisten je tun könnten.

Diese Technik bietet die Möglichkeit, mit der Erstellung von Inhalten für sehr kleine Zielgruppen Geld zu verdienen – und vielleicht sogar mit personalisierten Newsfeeds für nur eine Person. Und wenn dies gut funktioniert, nehmen die Leser die Qualität der automatischen News als gleichwertig mit den von Journalisten erstellten Nachrichten wahr.

Als Forscher und Erzeuger von automatisiertem Journalismus habe ich herausgefunden, dass computergestützte Nachrichtenberichterstattung einige wesentliche Stärken zu bieten hat. Ich habe allerdings auch deutliche Schwächen identifiziert, die die Wichtigkeit von Menschen im Journalismus hervorheben.

Die Möglichkeiten der Automatisierung identifizieren

Im Januar 2016 habe ich das „Handbuch zum automatisierten Journalismus“ veröffentlicht, das den Stand der Technik zu dieser Zeit untersuchte. Darin wurden auch Schlüsselfragen für die zukünftige Forschung aufgestellt und potentielle Implikationen für Journalisten, Nachrichtenkonsumenten, Medienkanäle und die Gesellschaft im Ganzen diskutiert. Ich kam zu dem Ergebnis, dass der automatisierte Journalismus sich trotz seines Potentials noch in den Kinderschuhen befindet.

Zum jetzigen Zeitpunkt versorgen Systeme des automatisierten Journalismus vor allem spezielle Zielgruppen unterschiedlicher Größe mit sehr spezifischen Informationen, indem sie beispielsweise Zusammenfassungen von Sportveranstaltungen in unteren Ligen, Finanznachrichten, Kriminalitätsberichte oder Erdbebenwarnungen bereitstellen. Die Technologie ist auf diese Aufgabentypen beschränkt, weil die Informationsarten, die die Systeme aufnehmen und in Texte verwandeln können, die dann für Menschen tatsächlich lesbar und verständlich sind, begrenzt sind.

Am besten funktioniert die Verarbeitung von Daten, die genauso akkurat strukturiert sind wie Aktienkurse. Hinzu kommt, dass Algorithmen nur beschreiben können, was passiert ist – und nicht warum, weswegen sie am besten geeignet sind für routinebasierte Berichte, die auf Fakten beruhen, und entsprechend wenig Spielraum für Unsicherheiten oder Interpretationen bieten, wie beispielsweise Informationen darüber, wo und wann sich ein Erdbeben ereignet hat. Der entscheidende Vorteil von computergestützter Berichterstattung ist, dass sie wiederholte Abläufe schnell und einfach erledigen kann. Daher wird sie am besten eingesetzt, um sich wiederholende Ereignisse abzudecken, für die es erforderlich ist, immer wieder eine hohe Anzahl an ähnlichen Berichten zu produzieren. Dies gilt beispielsweise für Sportveranstaltungen.

Wahlberichterstattung

Ein anderer sinnvoller Bereich für automatisierte Nachrichtenberichterstattung sind Wahlen – im Speziellen im Hinblick auf Ergebnisse der zahlreichen Umfragen, die während der Hauptwahlkampfzeit fast täglich herausgegeben werden. Ende 2016 tat ich mich mit Kollegen aus der Forschung und dem deutschen Unternehmen AX Semantics zusammen, um auf der Grundlage von Prognosen für die US-amerikanische Präsidentschaftswahl in diesem Jahr eine automatisierte Nachrichtenberichterstattung zu entwickeln.

Die Prognosedaten wurden vom PollyVote-Forschungsprojekt bereitgestellt, das ebenfalls die Plattform für die Publikation der produzierten Texte darstellte. Wir etablierten einen vollständig automatisierten Prozess, vom Sammeln und Zusammenführen der Prognosedaten über den Austausch der Daten mit AX Semantics bis hin zur Texterstellung und Publikation dieser Texte.

Im Laufe der Wahlsaison veröffentlichten wir fast 22.000 automatisierte Nachrichtenberichte in englischer und deutscher Sprache. Da diese einem vollautomatisierten Prozess entstammten, gab es in den finalen Texten oft Tippfehler oder fehlende Worte. Wir mussten außerdem deutlich mehr Zeit als angenommen für die Fehlerbehebung aufwenden. Die meisten Schwierigkeiten entstanden auf Grundlage von Fehlern in den Quelldaten. Sie waren also nicht durch den Algorithmus begründet – was eine weitere, wesentliche Herausforderung für den automatisierten Journalismus unterstreicht.

Die Grenzen identifizieren

Der Entwicklungsprozess unserer eigenen textgenerierenden Algorithmen hat uns aus erster Hand die Potentiale und Grenzen von automatisiertem Journalismus aufgezeigt. Es ist unerlässlich, sicherzustellen, dass die Daten so akkurat wie möglich sind. Es ist einfach einen Prozess zu automatisieren, der aus einer singulären Sammlung von Daten einen Text erzeugt, wie beispielsweise die Ergebnisse einer einzigen Umfrage. Aber Einblicke zu liefern, wie zum Beispiel eine Umfrage mit Ergebnissen einer anderen Umfrage zu vergleichen, ist deutlich schwerer.

Die vielleicht wichtigste Lektion, die wir gelernt haben, war, wie schnell wir die Grenzen der Automatisierung erreicht hatten. Als wir die Regeln entwickelten, aufgrund derer der Algorithmus Daten in Text verwandeln sollte, mussten wir Entscheidungen treffen, die auf den ersten Blick einfach erscheinen mögen – zum Beispiel, ob die Strategie eines Kandidaten als „groß“ oder „klein“ beschrieben werden soll, und welche Signale nahelegen, dass ein Kandidat in einer Umfrage an Boden gewinnt.

Die Arten der subjektiven Entscheidungen waren sehr schwierig in vordefinierte Regeln umzuformulieren, die auf alle Situationen, die in der Vergangenheit aufgetreten waren, anwendbar sein sollten – geschweige denn auf Situationen in der Zukunft. Ein Grund ist, dass der Kontext relevant ist: Ein Vier-Punkte-Vorsprung für Clinton im Vorfeld der Wahl beispielsweise war normal, während eine Vier-Punkte-Führung für Trump eine große Nachricht gewesen wäre. Die Fähigkeit, diesen Unterschied zu verstehen und die Zahlen entsprechend für die Leser zu interpretieren, ist unabdingbar. Es bleibt eine Hürde, die Algorithmen nur schwer überwinden können.

Hingegen werden es menschliche Journalisten schwer haben, die Automatisierung zu übertreffen, wenn es um wiederholte und routinebasierte Nachrichten geht, die auf Fakten beruhen, die lediglich einer Überführung der rohen Daten ins Schriftliche bedürfen, so wie Sportveranstaltungen oder die Quartalsberichte eines Unternehmens. Algorithmen werden schneller Anomalien in den Daten feststellen und zumindest erste Entwürfe für viele Berichte generieren können.

Doch für die Menschen ist nicht alles verloren. Journalisten haben eine Menge Möglichkeiten, Aufgaben zu übernehmen, die Algorithmen nicht bearbeiten können, wie beispielsweise die Zahlen im Kontext zu betrachten – sowie die Bereitstellung detaillierter Analysen, Hintergrundberichte und Interviews mit wichtigen Persönlichkeiten. Diese zwei Typen der Berichterstattung werden zukünftig wahrscheinlich eng integriert sein – mit den Computern, die ihre Stärken nutzen, und uns Menschen, die wir uns auf unsere Stärken konzentrieren.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Apple“ by Pexels (CC0 Public Domain)


The Conversation

Weiterlesen »

Alte Verleger investieren nicht in digitale Medienexperimente #djvbo

Office meeting (adapted) (Image by rawpixel.com [CC0 Public Domain] via Unsplash)

In den USA sieht der ehemalige The European-Herausgeber Alexander Görlach in den neuen Medien-Marken wie Mic, Vice oder Buzzfeed gute Karrierechancen für Journalisten. „In Deutschland ist mein Eindruck, dass eher eingespart werden soll als ausgegeben.“ Die Strukturen werden nach Einschätzung von Görlach ausgedünnt. „In den USA gibt es noch einige Akteure, die an die Zukunft von Journalismus glauben und die viel Geld investieren. In Deutschland gibt es keine entsprechende Begeisterung und Investitionen in diesem Maße.“

Vielleicht liegt es ja an der Überalterung der Medienunternehmer. Sie leben von der Substanz, investieren kaum und verdrängen die Notwendigkeit von Erweiterungsinvestionen sowie Innovationen. Ein Trend, der nach Studien der KfW für viele Wirtschaftsbranchen gilt: 57 Prozent der Unternehmen mit Chefs unter 40 Jahren investieren. Mit steigendem Unternehmeralter sinkt der Investorenanteil deutlich. Bei den über 60-jährigen Unternehmensinhabern erreicht er nur noch 37 Prozent. Auch die Art der Investition verändert sich mit steigendem Alter. Stärker risikobehaftete und kapitalbindende Vorhaben werden seltener, die noch durchgeführten Investitionen dienen in erster Linie der Pflege des Kapitalstocks. Jürgen Stäudtner spricht in seinem Innovationsstau-Buch gar von einer Hedgefonds-Mentalität, die bei den arrivierten Firmenchefs dominiert.

Eigentümerfamilien der Verlage haben kräftig Umsatzrendite gescheffelt

Im Mediensektor gehen jedenfalls nur wenig Impulse für innovative Themen aus – etwa beim Roboterjournalismus, in der Daten-Analyse oder beim Einsatz von Chatbots. Das skizzierte Saim Alkan von AX Semantics auf dem Besser Online-Kongress des Deutschen Journalisten Verbandes (DJV) in Köln: „Die großen Medienhäuser liegen in den Händen einiger Eigentümerfamilien. Die haben über Jahre rund 20 bis 25 Prozent Umsatzrendite gescheffelt. Hocken auf hunderten Millionen Euro Kapital. Wenn es darum geht, 50.000 Euro in die Hand zu nehmen, um ein agiles Projekt zu starten, dann wendest Du Dich an Deinen Vorgesetzten, an Deinen Verleger oder Chefredakteur und der sagt dann, das müssten wir selbst erwirtschaften, weil die Verlegerfamilie nichts zurück investiert.“

Nicht nur abziehen, sondern in Journalismus investieren

Wer soll also neue Projekte bezahlen? „Fangen wir doch mal an, die Leute, die seit 30 oder 40 Jahren Gelder aus den Häusern gezogen haben, zu bitten, wieder zu reinvestieren“, fordert Alkan. Die Verlegerfamilien sollten wieder etwas zurückgeben und mehr Experimente wagen.

„Die erste Digitalisierungswelle wurde ausgesessen. Vielleicht sollte man bei der zweiten Welle etwas tun und dazu gehört eben auch Geld.“ Konkurrenz bekommen die etablieren Medien zunehmend von branchenfremden Unternehmen, die beim Content Marketing und bei Broadcasting-Einheiten im Verbund mit Big Data-Programmen und Künstlicher Intelligenz kräftig zulegen. Könnten Daimler, Telekom und Co. die Verlage überholen? Dieser Zug sei schon längst abgefahren, so Alkan.

Unternehmen und Sportverbände als Nachrichtenproduzenten

Es gebe sogar erste Sportverbände, die ihre Nachrichten selbst produzieren, weil sie in der Presse zu wenig vorkommen.

„Die erteilen Journalisten sogar schon Haus- oder Platzverbote, um die Exklusivität ihres Contents zu bewahren. Dazu kommen Content Marketer, die mit einem riesigen Druck Service-Themen aufarbeiten. Beispielsweise über die Qualität von Badeseen in Deutschland. Da gibt es Anbieter, die diese Informationen aus öffentlicher Hand nehmen und in einfache Lückentexte einbauen. Wenn ich dann Informationen über die Wasserqualität des nächstgelegenen Badesees suche, poppt nicht mehr meine Tageszeitung auf, die das Thema gar nicht aufgreift, weil es zu teuer und zu schwierig ist, sondern irgend ein Content Marketer, der mit einer Automatisierung nützliche Informationen vermittelt und dadurch Werbeeinnahmen über Google generiert“, erläutert Alkan in Köln.

Unternehmerjournalismus oder Werbung?

Da entstehe eine Befähigung selbst für kleine Unternehmen oder Verbände, Content in großen Mengen zu produzieren. Das führe zu einer Veränderung im Rollenverhältnis zu Journalisten, die dann für solche Berichte nicht mehr notwendig sind. Ob das Ganze zu einem Verfall des Journalismus führt, wurde in einem zweiten Panel heftig unter dem Titel „Rettungsanker oder Sargnagel? Content Marketing“: Professor Lutz Frühbrodt von der Hochschule für angewandte Wissenschaft in Würzburg hält es für problematisch, dass man gar von Unternehmensjournalismus spricht. Diese Zuordnung sei falsch. Es sei letztlich nur eine Ersatzform von Werbung. Entsprechend wichtig seien auf der operativen Ebene Kennzeichnungspflichten. „Das andere Thema ist, welche Auswirkungen Content Marketing auf die öffentliche Kommunikation und die öffentliche Meinungsbildung hat.“

Er sieht Content Marketing als weiteren Sargnagel des Journalismus. Diesen Befund thematisierte ich bereits in der April-Ausgabe des prmagazins. Sascha Pallenberg von Daimler hält diese Sorge für unbegründet: Sie sei eher ein Beleg für zu wenig Selbstbewusstsein auf der journalistischen Seite. Die Herausforderung liege bei den klassischen Medien, Premiuminhalte herauszubringen. „Gute Unternehmenskommunikation lebt von der Transparenz. Es muss klar sein, von wem die Botschaften stammen.“

So sieht es auch Karsten Lohmeyer von der Agentur The Digitale, einer hundertprozentigen Tochter der Deutschen Telekom: „Ein großer Teil des täglich produzierten Medienbreis besteht aus belanglosem Entertainment, zusammengestrichenen Pressemitteilungen, schlecht recherchiertem Nutzwert und leider viel zu oft aus armselig versteckter Schleichwerbung. Die so genannten Native Ads auf den Online-Seiten der Verlage sind viel problematischer. Die werblichen Inhalte sind von den redaktionellen Beiträgen kaum zu unterscheiden.“ Man müsse sich dem neuen Wettbewerb im Digitalen stellen. „Was die Content-Produzenten auf der Unternehmensseite killen, ist in erster Linie schlechter Journalismus.“

Der Marketer als Konkurrent des Journalisten

Lohmeyer trat bei der Kölner DJV-Veranstaltung als Antipode von Frühbrodt auf.

„Ich arbeite mit journalistischem Werkzeug. Der Journalist ist mein Konkurrent. Ich bin der Konkurrent des Journalismus. In manchen Dingen sind wir symbiotisch, aber im Markt der medialen Kommunikation stehen wir im Wettbewerb. Manchmal gewinnt der Bessere und manchmal gewinnt auch der, der mehr Geld hat.“

Häufig werde auf der Seite des Content Marketings gar kein so außergewöhnlicher Job gemacht. Häufig sei es eher so, dass von den klassischen Journalisten ein viel zu schlechter Job geleistet werde. „Die interessieren sich nicht für Suchmaschinen-Optimierung, die interessieren sich nicht für Reichweitenaufbau. Die interessieren sich natürlich für die gute Geschichte. Aber nicht dafür, wie sie die gute Geschichte an die Menschen bringen. Und plötzlich erreichen wir im Monat 500.000 Leute und die Fachmagazine nur 10.000“, sagt Lohmeyer und erwähnt als Positivbeispiel die von seiner Agentur realisierte Sportnews-Plattform ISPO.com. Hier werden Technologien und Fähigkeiten eingesetzt, die der Journalismus auch nutzen könnte. „Er tut es aber nicht oder er tut es viel zu selten“, so Lohmeyer.

Phantomdiskussion unter Journalisten

Ob das nun als Journalismus gewertet werde oder nicht, sei eher eine Phantomdiskussion, die unter Journalisten geführt wird. Dem Rezipienten sei das egal. Es handelt sich um Content. „Der User macht das Smartphone an oder schlägt das Laptop auf und trifft auf Inhalte“, erklärt Lohmeyer. Ob sie nun von Bots, Journalisten oder Marketers erstellt werden, sei dabei zweitrangig. Jeder kann Sender und Empfänger von medialen Botschaften sein. So ist das nun mal im Netz. Ob das nun als Journalismus auf der akademischen Seite gewertet wird oder nicht, ist eher nebensächlich. Ob man nun Blogger als Journalisten anerkennt oder nicht, stört nicht den Erfolg von Blogprojekten.

Das Notiz-Amt sieht den Ball eher im Feld der Verlagshäuser. Macht mehr Geld locker für guten Journalismus und spannende Medienexperimente.


Image (adapted) „Office meeting“ by rawpixel.com (CC0 Public Domain)


Weiterlesen »

Die Schlitterpartie des Oligarchie-Medien-Modells

Zeitung (adapted) (image by Free-Photos [CC0] via pixabay)

Am 28. Juli kaufte die Apple-Erbin Laurene Powell Jobs einen Mehrheitsanteil am „The Atlantic“. Das ist der neuste Medienkauf durch die Milliardären-Klasse, eine Gruppe zu der der Amazon-Gründer Jeff Bezos (Washington Post) genauso zählt wie der Eigentürmer der Boston Red Sox, John Henry (Boston Globe), der Milliardär Glen Taylor (Minneapolis Star-Tribune) und der Casino-Magnat Sheldon Adelson (Las Vegas Review-Journal).

Manche haben diesen wachsenden Trend mit dem Argument gefeiert, dass diese wohlhabenden Personen die letzte Hoffnung des Journalismus wären. Und tatsächlich gibt es bemerkenswerte Fälle, in denen reiche Philanthropen wie Pierre Omidyar und Gerry Lenfest beachtliche Spenden an den öffentlich-rechtlichen Journalismus geleistet haben.

Dennoch tauchen mögliche Gefahren auf, wenn Nachrichtenkanäle zunehmend auf Privatkapital und die Spendierhosen von Milliardären angewiesen sind.

Die positive Seite an der Privatisierung von Nachrichten

Private Eigentümerschaft von Nachrichtenorganisationen ist selbstverständlich nichts Neues. Mindestens seit dem späten 19. Jahrhundert besaßen oder kontrollierten reiche Einzelpersonen oder Familien den Großteil der wichtigsten US-amerikanischen Magazine und Zeitungen. Oft grenzen sich diese Besitzer durch ihren Einsatz für journalistische Spitzenleistungen ab: bei der New York Times ist das die Familie Ochs-Sulzberger, bei der Los Angeles Times sind es die Chandlers und bei der Washington Post die Grahams. In der Magazin-Welt werden durch Condé Nast – die durch Advance Communications im Privateigentum der Newhouse Familie steht – stetig Magazine wie der New Yorker oder Wired produziert, die besonders für ihre journalistische Genauigkeit wertgeschätzt werden.

Zwischen den 1970er Jahren und frühen 2000ern jedoch wurden aus Medienfirmen zunehmend Börsenunternehmen, die dann häufig zu großen Ketten expandierten. Gannett, Eigentümer von USA Today und über 100 anderen Tageszeitungen und Sinclair, Inhaber von 173 Fernsehsendern, sind zurzeit zwei der größten börsennotierten Medienunternehmen.

Im Gegensatz zu einem Privatunternehmen – das auf Einnahmen verzichten kann, wenn es dies denn will – hat ein Börsenunternehmen die Verpflichtung, den Unternehmenswert zu maximieren. Wirtschaftlichkeit zu bevorzugen, führt oft zu weniger guten Leistungen oder lässt das zivilgesellschaftliche Engagement abebben. Das geschieht selbst bei Medienhäusern wie der Washington Post, bei der die Gründer die Kontrolle der Stimmrechtsaktien seit dem Börsengang 1971 behalten haben.

Dies bemerkte auch die letzte Herausgeberin der Gründerfamilie der Washington Post, Katharine Weymouth, als sie den Staffelstab an Bezos abgab: „Wenn Journalismus die Mission ist und der Druck, Kosten zu reduzieren und Gewinne zu erzielen, so gegeben ist, dann ist vielleicht [ein Börsengang] nicht der beste Platz für die Post.“

Verglichen mit der Kontrolle durch die Wall Street hat der Privatbesitz einige potenzielle Vorteile. Wie Bezos gezeigt hat, kann ein Privateigentümer kurzzeitige Verluste wegstecken, um langfristige Erfolge zu erzielen. Während viele Nachrichtenorganisationen noch Austeritätspolitik betreiben, erhöht die „neue“ Washington Post ihre Belegschaft und Budgets. Viele glauben, dass sie auch ihre Qualität und ihren Einfluss dramatisch verbessert.

Wie mildtätig ist das Milliardärs-Modell?

Doch Privatbesitz ist weder Garant für kommerziellen noch professionellen Erfolg. Heutzutage ist die am schnellsten wachsende Art des privaten Medienbesitzes die Form der Kapitalanlegegesellschaft, verbunden mit Hedgefonds oder einer anderen Variante von privatem Eigenkapital.

Diese Unternehmen sind genauso zielgerichtet auf Gewinne wie Firmen an der Börse – und möglicherweise sogar mehr gewillt, ein Medienhaus zu schließen, wenn die wirtschaftliche Leistung unzureichend ist. Zu den größten Investment-Gruppen gehören New Media/Gatehouse (mit 125 Tageszeitungen, jetzt größer als Gannett), Digital First Media (62 Tageszeitungen) und Tronc/Tribune (Eigentümer der Chicago Tribune, Los Angeles Times und 17 anderen Tageszeitungen).

Außerdem scheint nahe zu liegen, dass das als „mildtätiges Milliardär-Modell“ bezeichnete Konzept schon einfach daran scheitert, dass nicht alle Milliardäre mildtätig sind. Ein Hinweis darauf ist hier Sheldon Adelson, Casino-Mogul und konservativer Aktivist, der das Las Vegas Review-Journal im Jahr 2015 gekauft hat. Er hielt den Kauf zunächst geheim und seine Vertreter hatten Berichten zufolge die Zeitungsangestellten gedrängt, Adelson und seine Verbündeten in einem positiven Licht darzustellen.

Berüchtigte Presse-Barone von einst, wie William Randolph Hearst und Robert R. McCormick, nutzten ihre Zeitungen oft dafür, um Themen von rechtsaußen zu besetzen. Dazu gehörte auch Bewunderung für Adolf Hitler oder das Einstehen für strikte Isolationspolitik.

Auf subtiler Ebene führt Privatbesitz auch zu Problemen wegen möglicher Parteilichkeit, Selbstkontrahierung und fehlender Transparenz. Donald Trump nutzte diese Angriffspunkte, um Tweets zu posten, die die „AmazonWashingtonPost“ angriffen und drohte mit einer staatlichen Kartelluntersuchung bei Amazon, um Bezos einzuschüchtern.

Auch wenn Trumps Motive verdächtig scheinen, so ist die Sorge doch berechtigt: Je mehr Amazon seine Marktanteile von Industrie zu Industrie steigert, erhöht sich für die Washington Post exponentiell das Potential für ernste Interessenskonflikte.

Der Kauf von The Atlantic von Laurene Powell Jobs durch Emerson Collective (eine gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung) ist in einigen Punkten vergleichbar mit dem Besitz der Tampa Bay Times durch das Poynter Institut. In beiden Fällen überwachen Nonprofit-Organisationen vollständig kommerzielle Medienfirmen.

Der Unterschied zwischen Poynter und Emerson liegt in ihrer Mission. Wo Poynter sich der Ausbildung und Forschung von unparteiischem Journalismus verschrieben hat, umfasst Emersons selbst-verordnetes Mandat die anwaltschaftliche Arbeit zu den Themen Bildung, Einwanderung und Umwelt. Jobs wurde zur Sperrspitze der Bestrebungen das amerikanische Bildungssystem dramatisch zu transformieren. Wird sie The Atlantic als ein weiteres Vehikel sehen, um ihre Ansichten zu verbreiten?

Natürlich ist The Atlantic keine objektive Zeitung. Es ist ein Magazin, das sowohl online als auch offline offline mit einem bestimmten Blickwinkel daherkommt, das jedoch auch Platz für andere Ansichten bereitstellt. So wie die Washington Post ist es auch in den vergangenen Jahren profitabel gewesen. Mit aufmerksamkeitserregendem Journalismus und gekonntem Einsatz der Sozialen Netzwerke hat The Atlantic online bedeutende Gewinne eingefahren, ohne seine Printausgabe aufzufressen, dessen Verbreitung ebenfalls wächst. Hinter den Kulissen generiert The Atlantic auch Einkünfte durch das Veranstalten von Unternehmer- und Regierungsforen sowie besonderen Events.

Dieses Modell könnte eine Formel für wirtschaftlichen Erfolg sein, aber ist es ein ungetrübter Segen für die Demokratie? Der digitale Aufstieg von The Atlantic wurde befeuert durch gesponserte Inhalte (nun 60 bis 75 Prozent der Gesamteinnahmen) – eine Werbeform, die überzeugen will, indem sie aussieht wie Nachrichten – währenddessen könnten die gewinnbringenden Hintertür-Salons des Magazins, wie ein Media-Kolumnist argumentiert, einen korrumpierenden Effekt haben, indem sie „einen Teil des politischen Diskurses aus der öffentlichen Sphäre in eine private“ schieben.

Was ist mit dem öffentlichen Interesse?

Tatsächlich sind The Atlantic und die Washington Post die leuchtenden Beispiele eines zunehmend oligarchischen Mediensystems in den Vereinigten Staaten. Die Werte und Vorteile der Oligarchen müssen allerdings nicht unbedingt mit den demokratischen Zielen übereinstimmen. Ihr Geschäftsmodell – und ihre Definition von journalistischem Erfolg – tendiert dazu, bestimmte Teile des Publikums oder auch Themen auszuschließen, die nicht monetarisiert werden können. High-End Inserenten bevorzugen Inhalte, die gutverdienende Demographien ansprechen. Das wiederum kann dazu führen, dass die Berichterstattung sich von den Belangen der Arbeiterklasse und der Armen wegbewegt.

Statt also unterversorgte Leser anzusprechen, könnten diese Nachrichtenhäuser in Milliardär-Besitz wirtschaftlich und nach Rassenzugehörigkeit spalten, indem sie Ansichten und Stimmen bevorzugen, die eher zu höheren sozioökonomischen Gruppen passen. Wir sollten nicht überrascht sein: Die größten Nutznießer eines höchst gespaltenen ökonomischen Systems werden eher nicht die Vorreiter im Kampf gegen Ungleichheit sein.

Unter Bezos‘ Leitung fiel die Washington Post besonders wegen ihrer stark kritischen Berichterstattung über Bernie Sanders‘ Kandidatur auf, die sich auf Ungleichheit konzentrierte. Powell Jobs geht ohne Frage ehrlich mit ihrem Reformisteneifer um, doch ihr zielstrebiger Druck in Richtung Bildungsinnovation führt bequemerweise dazu, dass die Aufmerksamkeit sich wegbewegt von dem massiven Ungleichgewicht in Bezug auf die zugänglichen Ressourcen in einkommensschwachen Gegenden im Vergleich mit einkommensstarken Schulbezirken. Obwohl die neuen Medien-Oligarchen möglicherweise Profite weniger wichtig nehmen als ihre Landsmänner auf der Wall Street, könnten sie entschlossener sein, die öffentliche Politikdebatte als Vordenker zu prägen und zu beschränken.

Statt in der Knechtschaft dieser Wohltäter zu stehen, ist es wichtig, alle Maßnahmen zu verdoppeln, die sich um die Demokratisierung des Besitzes und die Finanzierung unseres Mediensystems drehen. Eine Möglichkeit wäre, die Erhöhung der staatlichen Unterstützung für die öffentlichen Medien der USA zu fördern. Schließlich sind sie die am schlechtesten finanzierten öffentlich-rechtlichen Medien der Welt.

Untersuchungen zeigen, dass öffentliche Medien eher unabhängiger, ideologisch vielfältiger und kritisch gegenüber dominanten politischen Positionen sind als kommerzielle Nachrichtenorganisationen. Weiterhin korrelieren starke öffentliche Mediensysteme mit höherem politischem Wissen und demokratischem Engagement. Öffentliche Medien sind auch besser in der Lage, um verschiedene Arten von Marktversagen zu überstehen. Etwas, das wahrscheinlich in den kommenden Jahren nur noch häufiger auftreten wird.

Zahlreiche Quellen können dabei helfen, öffentliche Optionen zu finanzieren und strukturelle Diversität in unserem Mediensystem zu fördern. Sie reichen von Frequenzversteigerungen, die Einnahmen generieren, um lokalen Journalismus zu unterstützen, bis dahin, Facebook und Google zu verpflichten, in Fonds für investigativen Journalismus einzuzahlen. Steuervergünstigungen und Schutzpolitik können sicherstellen, dass sich dem öffentlichen Dienst verpflichtet wird, genauso wie von-unten-nach-oben-Steuerung durch Bürger und Journalisten statt abwesende Eigentümer. In der Tat ist ein möglicher Silberstreifen am Horizont der Probleme des kommerziellen Journalismus, dass es eine erneute Suche nach strukturellen Alternativen gibt, insbesondere öffentliche und Non-Profit-Modelle.

Offensichtlich sind dies langfristige Lösungen. In der Zwischenzeit könnte ein wirklich mannigfaltiger Medien-Umweltschutz dazu führen, dass öffentlich-eingestellte Oligarchen eine positive Rolle spielen könnten. Aber sobald sie zu den dominanten Spielern werden – wie es heutzutage zunehmend der Fall ist – könnten sie unsere Demokratie eher bedrohen als stärken.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Zeitung “by Free-Photos (CC0 Public Domain)


The Conversation

Weiterlesen »

Die Netzpiloten sind Partner der DCX Digital Content Expo

Partnergrafik_DCX

In Berlin trifft die internationale Nachrichtenbranche aufeinander und ihr könnt dabei sein! Wir verlosen unter unseren Lesern fünf 3-Tages-Tickets für die Digital Content Expo . Um dabei zu sein könnt ihr hier an unserer Verlosung teilnehmen. Zeit dafür habt ihr bis zum 25. September. Wir wünschen euch viel Erfolg!

Teilnahmebedingungen


Vom 10 – 12. Oktober trifft sich die weltweite Nachrichtenbranche zur DCX Digital Content und IFRA World Publishing Expo auf dem Messegelände Berlin. Dieses Jahr werden neben den Verlegern der Zeitungsbranche auch Unternehmen angesprochen. Hauptthema wird dieses Mal die Frage, wie digitale Tools und Geschäftsmodelle für Nachrichtenmedien weiterhin Qualität garantieren und finanzieren können. Neben den messebegleitenden Konferenzen „Digital Media World“ und „Print World“ sind 150 Aussteller vor Ort und präsentieren ihre Produkte. Besucher erwartet ein vielseitiges Proramm mit Diskussionen und Vorträgen zu Best Practice, Trendreports und neuste Forschungen.

Hochkarätiges Programm aus aller Welt

Qualitätsjournalismus aus aller Welt erlebt momentan in der digitalen Welt viele Herausforderungen durch andauernde Veränderung. Deswegen wurden Internationale Medienvertreter eingeladen, die ihre Strategien und Perspektiven in verschiedenen Formaten präsentieren werden. Mit dabei sind unter anderem:

  • Michael Golden, der stellvertretender Vorsitzende der New York Times, wird die Eröffnungskeynote halten über anstehenden Aufgaben der Nachrichtenmedien in Zeiten des Internets.
  • Mathhias Döpfner, CEO der Axel Springer SE, über die wichtige Rolle der Medien in einer Demokratie
  • Rajiv C. Lochan, CEO von Kasturi & Sons Ltd., die mit The Hindu eine der größten englischsprachigen Tageszeitungen Indiens herausgeben, über Leserzentrierte Inhalte und aus der perspektive eines wachsenden Marktes.

Außerdem sind in diesem Jahr zwei „Content Stages“ neu in die Konferenz eingebunden, unter anderem mit Präsentationen von Michael Jaschke, Managing Director von ProSiebenSat.1 Digital, warum Video aus seiner Sicht das Medium der Zukunft ist. Auch die Debatte um den richtigen Umgang mit Fake News bleibt nicht aus. Zeitlich befristetes Problem oder Dauerkrise? Darüber referiert der russisch-amerikanische Medienanalyst und Forscher Vasily V. Gatov.

Themen der Podiumsdisskussionen sind ebenfalls weit gefächert. Zum einen geht um Facebook und die Stärken von Printmedien gegenüber diesen neuen Medienformen, zum anderen über die Zukunft von Roboterjounralismus und neue Bezahlmethoden für Online-Journalismus.

Gute Gründe dabei zu sein

Die DCX und die IFRA bieten für Besucher die Möglichkeit mit vielen internationalen Medienunternehmen und Kontakt zu treten und Netzwerke zu knüpfen. Über 6000 Besucher aus vielen Ländern kommen zusammen, viele Unternehemen informieren über aktuelle Trends der Branche. Die Trends sind vielseitig, der Diskussionsstoff wird definitiv nicht ausgehen. Weitere Informationen zu Tickets sind auf der Webseite der Expo zu finden.

Weiterlesen »

FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
  • GOOGLE t3n: Google Wifi: Der vollautomatische Sorglos-Router startet in Deutschland: Googles WLAN-System kommt jetzt auch zu uns und verspricht eine bessere WLAN-Anbindung im ganzen Haus. Wie nach dem klassischen Baukastenprinzip können die Wifi-Geräte beliebig erweitert werden. Für die absolute Kontrolle sorgt außerdem der Netzwerkassistent, der in Echtzeit per App relevante Daten sendet, um den Status des Netzwerkes überprüfen zu können. Und mit der Innovation für alle besorgten Eltern können sogar die WLAN-Nutzungszeiten festgelegt werden. Das separat eingerichtete Gäste-Netzwerk gewährleistet einen unabhängigen Zugriff auf Geräte wie das Chromecast.

  • JOURNALISMUS sz: Mit Technologie zu neuer publizistischer Qualität: Das der Journalismus tot sei, war wohl doch nur eine vorschnelle Schlussfolgerung. Die Zeit des Journalismus scheint wiederzukommen, denn laut dem Digital News Report des Reuters Instituts for the Study of Journalism an der Universität Oxford, verlässt sich nur noch jeder vierte Online-Nutzer auf den Wahrheitsgehalt der Nachrichten von sozialen Netzwerken und ist im Gegenzug dazu bereit für seriöse Informationen zu zahlen. Diese Seriosität könnte mithilfe des Einsatzes von künstlicher Intelligenz, für beispielsweise die Analyse von Leserverhalten, genutzt werden, da sie den Journalisten mehr Zeit für ausgiebige Recherchen verschaffen könnte. Ein Beispiel von vielen, wie Technologie den Journalismus nicht ersetzt, sondern vielmehr unterstützen kann.

  • SNAPCHAT heise: Snap Map: Neue Snapchat-Funktion bedroht Privatsphäre: Mit der neuen „Snap Map“ können Snapchat-User ihren Freunden mitteilen wo sie sich gerade befinden. Ähnlich wie bei Google Maps wird der eigene Standort dann per Karte angezeigt. Dass sich der Standort jedoch bei einer einmaligen Freigabe, bei jedem erneuten Öffnen aktualisiert, war vielen Nutzern dieser neuen Funktion noch nicht klar. Um diese ungewollte Lokalisierung abzuschaffen, wird man gebeten in den „Geistmodus“ (Ghost Mode) zu wechseln. Zudem werden die verorteten Standorte nach acht Stunden unwiderruflich gelöscht.

  • FACEBOOK golem: Facebook will teure und „saubere“ Serien: Facebook möchte nun auch eigene Serien zeigen und ist dafür bereit sehr viel Geld zu investieren. Bis zu 3 Millionen USA-Dollar pro Serienfolge sollen die 17- bis 30-Jährigen anlocken. Starten soll dieses neue Projekt Ende Juni diesen Jahres mit familientauglichen Inhalten, wie Facebook betonte. Demnach sollen weder politische Dramen, noch Nachrichtensendungen oder Serien mit Nacktheit vorkommen.

  • HACKER ntv: Attacke im Namen des IS- Hacker legen US-Regierungswebsiten lahm: Es ist nichts Neues, immer wieder aber ein Grund zur Unsicherheit. Ein Hackerangriff eines IS-Sympathisanten legte zahlreiche Webseiten der Behörden der US-Bundesstaaten still. Hackerangriffe auf Seiten westlicher Institutionen scheint zur Norm geworden zu sein, erst 2015 hackten Hacker im Namen des IS den französischen Nachrichtensender TV 5. Gouverneur Kasichs Internetseite governor.ohio.gov ist jetzt jedoch schon wieder im Netz aufrufbar.

Weiterlesen »

Die Netzpiloten sind Partner des scoopcamp 2017

Partnergrafik_Scoopcamp

Wir verlosen zwei Tickets für das scoopcamp 2017! Trag euch einfach hier in das Formular ein und gewinnt mit etwas Glück euer Ticket for free. Viel Glück!


In Hamburg findet am 28. September das scoopcamp 2017 statt. Es handelt sich dabei um eine Innovationskonferenz für Online-Medien. Seit 2009 lädt Hamburg@work und seit 2014 auch nextMedia.Hamburg einmal im Jahr zusammen mit der dpa zum scoopcamp ein. Der Verein Hamburg@Work e. V. ist das größte Unternehmensnetzwerk Deutschlands aus den Bereichen Medien, IT und Mobile mit regionalem Bezug sowie bundesweiten und internationalen Verbindungen. nextMedia.Hamburg ist eine Hamburger Initiative für die Medien- und Digitalwirtschaft.

Mehr als 250 Experten, Entscheider und Innovatoren der IT- und Medienbranche kommen zu einer Diskussion über Trends und Themen an der Schnittstelle zwischen Redaktion, Programmierung und Produktentwicklung zusammen. Die Themen, die dabei im Fokus stehen, sind z. B. „Data Journalism“, „Social Media“ und „New Storytelling“ in digitalen Medien. Die freie Journalistin und Moderatorin Eva Schulz wird die Teilnehmer durch das Programm führen. Jigar Mehta (siehe unten)
wird dieses Jahr mit dem scoopcamp Award 2017 ausgezeichnet.

Spannende Themen und faszinierende Speaker

Zu den Speaker, die beim scoopcamp 2017 sein werden, gehören:

Die Location ist das Kehrwieder Theater in der Hamburger Speicherstadt. Hier bekommt ihr eure Tickets für das scoopcamp 2017. Seid schnell und sichert euch eure Early-Bird-Tickets zum reduzierten Preis! Nur bis zum 30. Juni.

Weiterlesen »

WikiLeaks-Anklage würde Demokratie und Pressefreiheit verletzen

censorship-1315071_1920 (adapted) (Image by dimitrisvetsikas1969 [CC0 Public Domain] via pixabay)

Das US-Justizministerium erarbeitet gerade eine Strategie, um die Verantwortlichen der Whistleblowing-Plattform anzuklagen. Unter den diskutierten Anklagepunkten sind Verschwörung, Diebstahl von Regierungseigentum und Verstöße gegen ein äußerst umstrittenes Anti-Spionage-Gesetz. Das Vorgehen der Regierung in diesem Fall ist extrem problematisch, kriminalisiert es doch – wie die Vorgängerregierung unter Barack Obama bereits erkannte – im Prinzip die Arbeit investigativer Journalistinnen und Journalisten.

US-Justizministerium prüft Anklage gegen WikiLeaks

Die US-Staatsanwaltschaft und das Justizministerium diskutieren momentan eine Anklage gegen Mitglieder der Whistleblowing-Plattform WikiLeaks. Gegenstand der aktuellen Untersuchungen ist insbesondere der „Cablegate“-Leak, in dessen Rahmen seit dem Jahr 2010 mehrere Millionen diplomatischer Depeschen der US-Regierung und ihrer Partner veröffentlicht worden sind. Daneben ist aber auch der kürzlich erfolgte Leak von CIA-Hackertools Gegenstand der Untersuchungen. Auch hier wird geprüft, ob WikiLeaks strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden kann.

Die möglichen Anklagepunkte umfassen Verschwörung und den Diebstahl von Regierungseigentum. Daneben sind aber auch mögliche Verstöße gegen den „Espionage Act“ von 1917 im Gespräch. Dieses Anti-Spionage-Gesetz, eingeführt unter dem Eindruck des Ersten Weltkriegs, um die Schwächung der US-Streitkräfte zu verhindern, ist äußerst umstritten. Immer wieder bezeichneten Kritikerinnen und Kritiker es als potentiell verfassungswidrig. Dennoch ist es bis heute in Kraft.

Kriminalisierung investigativen Journalismus‘

Die Obama-Regierung ging teilweise mit einiger Härte gegen Whistleblower vor. Gleich mehrere von ihnen wurden in Barack Obamas achtjähriger Amtszeit unter dem bereits erwähnten Espionage Act angeklagt. Bekanntestes Beispiel ist die WikiLeaks-Informantin Chelsea Manning, die zu einer 35-jährigen Haftstrafe verurteilt wurde und in der Haft zahlreiche Härten erleiden musste, von Obama allerdings im letzten Moment begnadigt wurde und nun wohl in Kürze frei kommen wird.

Von einer Verfolgung der WikiLeaks-Aktivistinnen und -Aktivisten, die den Leaks eine Plattform gaben und diese der Öffentlichkeit zugänglich machten, sah die Obama-Regierung jedoch ausdrücklich ab. Ihre Begründung: WikiLeaks ist ein journalistisches Projekt. Seine Mitarbeiter zu verfolgen, käme einer Kriminalisierung von investigativem Journalismus gleich und wäre damit ein inakzeptabler Verstoß gegen die Meinungs- und Pressefreiheit.US

Schutz für alle Journalistinnen und Journalisten

Die aktuelle US-Regierung unter Donald Trump scheint keine solchen Bedenken zu haben. Diese Tatsache ist äußerst bedenklich. WikiLeaks ist ein journalistisches Projekt. Das Ziel der Plattform, Fehlverhalten von Staaten und Unternehmen aufzudecken und die Informationen darüber der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, ist ohne jeden Zweifel die Zielsetzung eines Presse-Organs.

In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich die Presselandschaft sehr verändert. Neben den klassischen Medien wie Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen gibt es mittlerweile auch News-Websites, Blogs, informative Social-Media-Angebote, Podcasts und einiges mehr. Neben klassischen fest angestellten oder freien Journalistinnen und Journalisten sorgen auch Bloggerinnen und Blogger sowie, wie eben im Falle von WikiLeaks, Aktivistinnen und Aktivisten dafür, die Bevölkerung zu informieren. Ihre Position ist oftmals heikel, denn für sie gelten nicht immer die selben Schutzklauseln wie für „normale“ Journalistinnen und Journalisten. Das muss sich dringend ändern.

Wer ein journalistisches Projekt betreibt oder daran mitwirkt und sich an gängige presseethische Grundsätze hält, muss auch als Pressevertreterin oder -vertreter behandelt werden und entsprechenden Schutz genießen. Im konkreten Fall bedeutet das, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von WikiLeaks ebenso wenig für ihre journalistische Tätigkeit angeklagt werden dürfen wie das Personal der New York Times oder der Washington Post.

Dabei ändert die Tatsache, dass sich das Team von WikiLeaks in erster Linie als Gruppe von Aktivistinnen und Aktivisten versteht, überhaupt nichts. In der heutigen Welt sind Journalismus und Aktivismus keineswegs Dinge, die sich gegenseitig ausschließen. Zudem sollte die zentrale Fragestellung lediglich sein, ob die Publikation relevante Informationen mit investigativen Methoden und unter Berücksichtigung ethischer Grundsätze aufdeckt – was WikiLeaks zweifellos tut.

Solidarität mit WikiLeaks

Noch ist das fragliche Memo nicht komplett bekannt und die Verantwortlichen haben sich noch nicht endgültig für oder gegen eine Anklage gegen WikiLeaks entschieden. Allerdings ist allein die bloße Erwägung dieses Schrittes ein beunruhigendes Signal, dass die Trump-Regierung die Pressefreiheit nicht so sehr respektiert, wie es wünschenswert wäre. Es ist Zeit, sich solidarisch hinter WikiLeaks zu stellen und klarzumachen, dass es sich bei der Plattform um eine journalistische Publikation handelt, die entsprechenden Schutz genießen muss und dass die internationale Gemeinschaft eine Kriminalisierung dieser journalistischen Plattform nicht dulden wird. Bei aller zeitweisen Kritik an den Methoden WikiLeaks‘ besteht kein Zweifel daran, dass es sich um eine journalistische Unternehmung handelt, keine kriminelle. Sorgen wir dafür, dass auch Donald Trump und seine Verbündeten dies einsehen müssen.


Image (adapted) „Censorship“ by dimitrisvetsikas1969 (CC0 Public Domain)


Weiterlesen »

“Der Fetisch um das Wort Innovation nervt!” – Sebastian Esser über die Zukunft des Journalismus

writing-336370_1920 (adapted) (Image by Unsplash [CC0 Public Domain] via pixabay)

Die Ära des klassischen Journalismus scheint vorbei zu sein. Reporter werden durch Algorithmen ersetzt, Redakteure durch Influencer. Ist das also der Tod des Journalismus? Ganz und gar nicht, findet Sebastian Esser, Herausgeber von Krautreporter, einem Onlinemagazin, das seine Anfänge im Crowdfunding hat. Wir haben uns mit ihm über die Entwicklung der Branche im Zeitalter des Internets, neue Finanzierungsmodelle für Journalisten und lesefaule Millennials unterhalten.

Netzpiloten: Hand aufs Herz, ist der Journalismus tot?

Sebastian Esser: Der Pessimismus um die Branche ist teilweise berechtigt, vor allem in den traditionellen Printverlagen. Die aktuellen Honorare für Journalisten sind lachhaft und Printjournalismus ist einfach für eine andere Generation von Lesern gemacht. Die meisten lesen einfach alles online. Ganz klar, wer für Printmagazine bis zur Rente schreiben will, macht sich etwas vor. Doch es gibt auch eine gute Nachricht. Das Internet bietet auch eine Chance für den Journalismus. Wir können uns nun endlich – ohne Umwege – ganz direkt an unsere Leser richten.

Sebastian Esser (Image by Sebastian Esser)
Sebastian Esser (Image by Sebastian Esser)

Inwiefern hilft das dem Journalisten?

Journalisten können so ihre eigene Stimme entfalten und sich mit den Themen, die sie bewegen, direkt an eine Community richten. Es entsteht ein direkter, persönlicher Austausch und der Journalist ist nicht mehr dieser distanzierte, von oben herabschauende Welterklärer im Elfenbeinturm. Die Nutzer können aktiv mit eingebunden werden, es können Themen aufgearbeitet werden, die sie als Leser interessieren und die Leser können natürlich auch direkt über Kommentare oder Soziale Netzwerke wie Twitter direkt reagieren.

Das bedeutet andererseits aber auch, dass man als Journalist auf sich alleine gestellt ist und sich selbst stets vermarkten muss. Wird der Journalist dann nicht vom kritischen Hinterfrager zum Selbstpromoter?

Das ist richtig, man muss natürlich seine Arbeit bekannt machen. Aus meinen Gesprächen mit Journalisten weiß ich auch, dass genau damit sehr viele Schwierigkeiten haben. Hier kommt es natürlich auch darauf an, wie man auf sich aufmerksam macht. Wenn ich zum Beispiel einen Blog schreibe und Leser diesen abonnieren, dann sind diese Newsletter natürlich einerseits Werbung für meine Arbeit, aber andererseits auch etwas, das Nutzer aus Interesse bekommen möchten.

Die Selbstvermarktung wirft dabei auch noch ein ganz anderes Problem auf: die Finanzierung. Wenn plötzlich die Arbeitgeber, also die Verlage, wegfallen, wie können dann die Journalisten Geld verdienen?

Das eine Modell, das wir sehr erfolgreich mit Krautreporter ausprobiert haben, war Crowdfunding. Wir haben insgesamt 40 Projekte mit interessanten Rechercheideen gebündelt und User um Unterstützung gebeten. Da kamen zum Teil Summen von bis zu 15.000 Euro für ein Projekt zusammen. Insgesamt haben wir 250.000 Euro Umsatz gemacht, obwohl uns alle gesagt haben, dass man mit Crowdfunding im Journalismus kein Geld verdienen kann.

Nun ja, so Unrecht haben die Kritiker vielleicht auch nicht. Crowdfunding hat bisher nur sehr vereinzelt zur Finanzierung von journalistischen Projekten geführt. Was habt ihr anders oder besser gemacht?

Es stimmt, Crowdfunding kann ein schwieriges Feld sein. Erhebungen zeigen, dass der Rücklauf bei solchen Kampagnen relativ gering ist. Wenn ein Journalist seine Community um Geld bittet, werden rund 5 Prozent der Befragten im Schnitt einen Betrag von 5 bis 10 Euro spenden. Das heißt, wir haben darauf geachtet, dass die Journalisten bei unserer Crowdfunding-Kampagne bereits eine große und engagierte Community mitgebracht haben. Die Nutzer haben dann auch nicht nur Projekte, sondern tatsächlich Menschen unterstützt. Das war sehr erfolgreich, sodass wir schließlich daraus auch Krautreporter entwickelt haben.

Wobei Krautreporter sich nicht durch Crowdfunding finanziert, sondern durch Abonnenten…

Richtig! Krautreporter hat zwar als Genossenschaft Investoren, wir finanzieren uns und die Redakteure, die für uns schreiben, aber durch die regelmäßigen Beiträge unserer Mitglieder. Denn Crowdfunding funktioniert wunderbar für einmalige Finanzierung von Projekten, es ist aber kein Modell, um guten Journalismus nachhaltig finanzieren zu können. Deswegen haben wir noch das Abo-Modell gewählt.

OMR2017
Krautreporter Logo. Image by Krautreporter

Und das funktioniert? Nutzer zahlen tatsächlich für eure Inhalte und auch so viel, dass eure Journalisten damit gut verdienen können?

Ja! Leser sind durchaus an qualitativ hochwertigem und werbefreien Journalismus interessiert und zahlen dafür auch. Viele Studien belegen das auch: Immer mehr Menschen sind bereit für gute Onlineinhalte zu zahlen. Wir setzen natürlich keine Milliarden um, aber es reicht, auch um unsere zehn Journalisten entsprechend entlohnen zu können.

Warum lehnt ihr von vornherein Werbung ab, das ist schließlich ein Weg, den viele gehen, um ihre journalistischen Projekte zu finanzieren?

Werbung mag ja einige Formate sehr gut finanzieren. Gerade im Entertainment-Journalismus finde ich das auch super. Wenn man sich jedoch, wie wir, auf Themen wie Politik, Wirtschaft oder Soziales stützt, passt es nicht zusammen und es nervt die Leser auch.

Apropos Leser, diejenigen, die am meisten im Internet unterwegs sind, sind ja die Millennials. Andererseits ist gerade die junge Generation oft sehr sprunghaft im Medienkonsum, vor allem wenn es ums Lesen langer Texte geht. Ist das nicht ein Dilemma für Magazine wie eure?

Ach, ich glaube, das ist alles viel weniger dramatisch als viele sagen. Die Medienlandschaft verändert sich, aber auch nicht so stark. Das gedruckte Buch ist ja auch, trotz aller Prognosen, immer noch da und auch Millennials werden älter und lesen tun sie alle.

Einen anderen Weg, um Nutzer für gute Inhalte zu begeistern, probierst du seit Anfang 2017 gemeinsam mit Krautreporter-Geschäftsführer Philipp Schwörbel. Das ist die Plattform “Steady”. Hier können nicht nur Journalisten, sondern auch Blogger, Musiker oder auch Sportler ihre Projekte einstellen und diese, ebenfalls per Abo-Modell, finanzieren lassen. Was genau wollt ihr damit erreichen?

OMR2017
Steady Team. Image by Steady
OMR2017
Steady Logo. Image by Steady

Du hast es ja vorher auch schon gesagt, wenn große Verlage oder der klassische Arbeitgeber wegfällt, haben Selbstständige plötzlich ganz andere Probleme. Sie müssen sich nicht nur um Vermarktung kümmern, sondern auch um Themen wie Zahlungsmodelle, Buchhaltung oder internationale Rechnungen. Das sind ja ehrlicherweise nicht gerade die spannendsten Aufgaben, deswegen wollen wir mit unserer Plattform all das für die Nutzer gegen eine Gebühr übernehmen, damit sie sich auf ihre Projekte konzentrieren können.

Könnten Plattformen wie diese also die Zukunft für den Onlinejournalismus sein?

Ach, ich glaube, der Journalismus wird sich gar nicht so stark verändern. Mir geht dieser Fetisch um das Wort „Innovation” auch ein wenig auf den Keks. Ich glaube, die Branche wird sich gar nicht so stark verändern. Journalisten haben immer noch den gleichen Auftrag wie immer. Die Wahrheit herausfinden und in einer Art und Weise aufschreiben, dass viele Leute sie lesen. Insofern ist die Zukunft im Journalismus die Vergangenheit.

Vielen Dank für das Gespräch!


Image (adapted) ‚Writing‘ by Unsplash (CC0 Public Domain)


Weiterlesen »

Seitenwechsler verändern die PR

Konferenzraum (adapted) (Image by Unsplash [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Nicht nur die Netzszene reagierte hellhörig als die Meldung durchsickerte, dass Sascha Pallenberg, einer der prominentesten Tech-Blogger und Gründer der national und international bedeutsamen Plattform „Mobile Geeks“, von der Daimler AG rekrutiert wurde. Pallenberg steht als Head of Digital Content des Stuttgarter Konzerns in einer Reihe von weiteren spektakulären Seitenwechseln, die eine neue Phase in der PR einleiten. Ausführlich nachzulesen in der April-Ausgabe des prmagazins.

„Die klassische Unternehmenskommunikation lief über den Gatekeeper Journalist, dann über den Gatekeeper Blogger oder Influencer und jetzt erleben wir den dritten Schritt. Unternehmen werden selbst zu Medien“, erläutert Karsten Lohmeyer, Chief Content Officer der Agentur The Digitale, die 2014 von der Deutschen Telekom als Content-Marketing-Startup aus der Taufe gehoben wurde. Was wir jetzt erleben, sei die nächste und richtige Stufe.

„Warum soll ich als guter Kommunikator nur mit zehn oder 20 Journalisten sprechen, wenn ich direkt mit allen Stakeholdern in Verbindung treten kann. Also mit Kunden, potenziellen Kunden, Lieferanten, Aktionären und allen weiteren relevanten Zielgruppen eines Unternehmens. Was bei Daimler passiert, war auch der Beweggrund unseres Mutterkonzerns. Also der Gedanke des Telekom-PR-Chefs Philipp Schindera, eine Content Factory nicht nur zu formulieren, sondern auch umzusetzen. Es gibt rund 130 Kolleginnen und Kollegen, die alle gut ausgebildet und unglaublich gut in ihren Themen sind. Sie sind auch in der Lage, die Themen eines solchen Konzerns direkt in einer massenmedialen Kommunikation auf die Straße zu bringen“, so Lohmeyer.

Gleiches vollziehe sich bei der Allianz über Storytelling-Konzepte.

Schlauer Schritt von Daimler

Er findet es faszinierend, wie viele neue Konzepte in deutschen Unternehmen entstehen. „Es ist ein sehr schlauer Schritt von Daimler, Sascha Pallenberg an Bord zu holen. Das ist ein unglaublich spannendes Experiment“, betont Lohmeyer, der mit dem Blogprojekt LousyPennies.de bekannt wurde. Erste Akzente konnte man beim Musik- und Internetfestivals South by Southwest (SXSW) in Austin erkennen, bei dem sich Daimler-Chef Dieter Zetsche mit der Silicon Valley-Ikone Guy Kawasaki ins Getümmel stürzte und in neuen Western-Boots die lockere Atmosphäre der Netzszene aufsaugte.

Ganz im Gegensatz zu vielen Protagonisten der deutschen Wirtschaft, die offene Formate als esoterischen Quatsch abstempeln und einen großen Bogen um Netzaktivisten machen. Unter dem Hashtag #KölnerBarcampKontroverse ist das gut dokumentiert. Zetsche ist der erste Vorstandschef eines DAX-Konzerns, der die SXSW in seiner 31. Auflage besuchte. „Es war ein Event zum Lernen. Für den Konzern Daimler und für Mercedes Benz war das sehr wichtig“, so Pallenberg im Gespräch mit dem prmagazin.

Der nahbare Konzernchef

Zetsche sei für alle ansprechbar gewesen. „Jeder hatte die Möglichkeit, Fragen zu stellen oder spontan Interviews zu machen – wie die Zeitschrift Wired. Das ist mehr oder weniger aus der Hüfte entstanden und belegt, dass wir in Austin eine progressive und gute Kommunikation gemacht haben, die sich von anderen Firmen abhebt. Man kam locker an Zetsche ran“, bemerkt Pallenberg. Es sei alles durchgespielt worden. „Wie positioniert sich ein Unternehmen wie Daimler auf so einem Festival? Wie diskutieren wir über Technologie-Themen? Welche Anregungen nehmen wir auf? Dazu zählen auch emotional gedrehte Videos und andere Darstellungsformen, die über Selfie-Videos hinausgehen.“

Man konnte deutlich erkennen, an welchen Punkten Zetsche lockerer wurde und es ihm persönlich auch Spaß gemacht hat. Es sei aber noch mehr erreicht worden. Mit der me Convention, die Daimler gemeinsam mit der SXSW parallel zur IAA im September in Frankfurt organisiert , werde der erste Ableger des Internet-Festivals außerhalb von Austin etabliert. Die me Convention findet vom 15. bis 17. September in der Frankfurter Festhalle statt, der traditionellen Bühne des Mercedes-Benz IAA Messeauftritts. Das Programm wird ergänzt um Konzerte und andere Veranstaltungen im Stadtzentrum.

Neuer Geist auf der IAA

„Das zeigt deutlich, wie sich Daimler positioniert. In der Vergangenheit war es ja eher so, dass Automobilfirmen zu Tech-Messen gekommen sind. Auf einmal erleben wir eine Entwicklung in die andere Richtung. Und das ist sehr wichtig. Die klassische Automobil-Messe hat sich in den vergangenen 50 Jahren nicht großartig verändert. Wir leben aber in einer Zeit, wo wir vor fundamentalen Veränderungen dieser Branche stehen. Deshalb ist es essentiell, dass man das auf den klassischen Formaten auch abbildet. Was im September passiert, ist ein riesengroßes Ausrufezeichen“, sagt Pallenberg.

Der Konzern habe begriffen, sich zu öffnen und nicht mehr in der eigenen Blase vor sich hinzuköcheln.

Owned Media anders denken

Änderungsbedarf sieht Pallenberg auch bei den Netzaktivitäten. Auf Online-Marketing-Kongressen hört man nach seiner Ansicht wenig zu neuen Kommunikationsformen und Inhalten. Besonders, wenn es um „Owned Media“ geht.

„Schließlich begeben sich Firmen und Werbetreibende in ein starkes Abhängigkeitsverhältnis zu den Plattformanbietern. Genau das will ich ein wenig ändern mit unseren Inhalten.“

„Wir haben in den vergangenen Jahren durch die Dynamik der sozialen Netzwerke zu sehr darauf gesetzt, wirklich jeden Trend mitzumachen. Es ging immer darum, direkt herauszufinden, wie wir jede neue Plattform bespielen können. Mittlerweile sind wir umgeben von über sechs sozialen Netzwerken, die von den Unternehmen beackert werden – von Snapchat bis YouTube. Wir geben damit eine ganze Menge unserer Content-Hoheit ab und vertrauen darauf, was uns diese Plattformen in Reportings zurückgeben. Aber was sind diese Zahlen wirklich wert?“, fragt sich Pallenberg.

Ob das alles so stimmt, sollte zumindest kritisch hinterfragt werden.

„Wir sehen schon wahnsinnige Unterschiede bei einem recht einfachen Indikator: Den Views bei Online-Videos. Bei Snapchat wird ein View schon in der ersten Sekunde gezählt. Bei einem Facebook-Video nach drei Sekunden und bei einem YouTube-Video aber erst nach 30 Sekunden. Dann weiß ich aber immer noch nicht so genau, ob das stimmt. Ich halte es daher für unverzichtbar, auch seine eigenen Plattformen nicht zu vernachlässigen und eine Back-to-the-Roots-Strategie zu fahren.“

„Man muss die Nutzer auf die eigenen Plattformen zurückholen, weil ich dort die Möglichkeit habe, den Erfolg der Kommunikation zu messen, die Nutzer auf der Seite zu führen und sie besser kennenzulernen. Im Moment lernen nur die Betreiber der sozialen Netzwerke über die Internet-Nutzer. Das ist viel mehr als wir nur ansatzweise an Daten sammeln können. Bei Facebook ist fast das gesamte Leben hinterlegt“, führt Pallenberg gegenüber dem prmagazin aus.

Ein wenig mehr Autarkie könnte nicht schaden, denn man wisse nie, ob ein Snapchat trotz Börsengang in fünf Jahren noch existiert. Gleiches gelte für Facebook. „Was ist denn, wenn die von heute auf morgen ihre Algorithmen ändern oder für Werbung einfach mal das Doppelte verlangen? Je mehr man auf diese Plattformen auslagert, desto mehr Abhängigkeiten entstehen.“

Neuer Kommunikationshabitus vonnöten

Ob die vielen Seitenwechsler, die jetzt in den Unternehmen neue Content-Einheiten etablieren, zu einem Niedergang des Journalismus führen, gehe nach seiner Meinung an den Tatsachen vorbei. Das sei eher ein Beleg für zu wenig Selbstbewusstsein auf der journalistischen Seite. Die Herausforderung liege doch bei den klassischen Medien, Premium-Inhalte herauszubringen. „Gute Unternehmenskommunikation lebt von der Transparenz. Es muss klar sein, von wem die Botschaften stammen.“

Die Content Factorys lösen in der klassischen PR einen enormen Veränderungsdruck aus. Wer ohne Vermittlungsinstanzen mit der (Netz-)Öffentlichkeit sprechen will, braucht einen anderen Kommunikationshabitus. Wer weiterhin Botschaften über tindereskes Reichweitenmarketing (Wortkreation von Falk Hedemann) rausballert, sich Kunden gegenüber rambohaft wie die Fluggesellschaft United in Szene setzt, kritische Diskussionen über unethisches Verhalten ins Hinterzimmer verbannen will oder weiterhin Service-Probleme mit Hotline-Idiotie lösen möchte, sollte über Content Factory-Gründungen noch nicht einmal nachdenken. Das Notiz-Amt empfiehlt diesen Unternehmen weiterhin Schweinebauch-Anzeigen, die mit Nichtwahrnehmung bestraft werden können.


Image (adapted) „Konferenzraum“ by Unsplash (CC0 Public Domain)


Weiterlesen »

Die Konsequenzen von Facebook Live für den Journalismus

Corridor View (adapted) (Image by Sonya Mann [CC BY 2.0], via flickr)

Es scheint, als würde mittlerweile jede Woche ein neues verheerendes Facebook-Live-Video gepostet. Im Januar tötete ein Teenager aus Florida sich selbst live im Internet. Eine Frau in Schweden wurde vergewaltigt, die drei Angreifer übertrugen die Tat im Internet, wo sie von Hunderten nachverfolgt werden konnten, ebenso wurde der Suizid eines 12-jährigen Mädchens in den sozialen Netzwerken übertragen.

Währenddessen gibt es andere Fälle von Livevideos, zum Beispiel Erschießungsmanöver durch die Polizei oder Foltervideos aus Chicago. Sie sind zur Schlüsselfigur in den Kontroversen von öffentlichen Debatten um Rasse und Gewalt geworden. Zusammengefasst wurden im vergangenen Jahr 57 Fälle von live im Internet übertragender Gewalt verzeichnet.

Diese Ereignisse rufen Fragen von Ethik und Verantwortlichkeit von sozialen Netzwerken hervor. Sie zeigen außerdem den Kern der Verlagerung der Medien: Das Übertragen eines Live-Videos im Internet war bisher ein komplexes technisches Unterfangen, man benötigte Fernsehkameras, Fahrzeuge sowie Satelliten. Die heutige Allgegenwertigkeit des Smartphones und den sozialen Netzwerken macht die Liveübertragung so einfach wie das Antippen einer App. Das Ergebnis ist eine neue Welt von Livevideos, welche das Gute, das Böse und das Hässliche der Gesellschaft dokumentieren und uns zum Nachdenken über visuelle Informationen, die durch Augenzeugen öffentlich gemacht werden anregen, sogar, wenn es um journalistische Mode geht.

Hier sind fünf Beobachtungen, um zu verstehen, wie die Liveübertragung von Diensten wie Facebook Live und Periscope den heutigen Journalismus herausfordern.

1. „Live-Sein“ und Zeugnis ablegen

Fotos und Videos besitzen eine realistische Perspektive, die von den Zuschauern für sehr authentisch gehalten wird. Der Medienphilosoph John Durham hat gezeigt wie das „Live-Sein“ von audiovisuellen Medien den Sinn für Authentizität betonen kann, durch die Bedeutung des kollektiven Zeugnisablegens. Journalisten handeln zum Beispiel als Zeugen für Ereignisse und die Zuschauer legen für die übertragenen Neuigkeiten und Berichte Zeugnis ab.

Im Juli 2016 legte Facebook Live die Tötung von Philando Castile durch die Polizei offen. Dieses Video diente, um Zeugnis abzulegen und wurde zu den öffentlichen Diskussionen um Polizeibrutalität hinzugefügt.

Aber das Video von Castile zeigte außerdem die zwei Seiten der Medaille: Die überwältigenden und zugleich die herausfordernden Aspekte Zeugnis zu live Ereignissen abzulegen: Videos können das Bewusstsein der Bevölkerung verbessern, während in manchen Fällen explizites, pornografisches oder raubkopiertes Material vorhanden ist.

2. Visuell betriebener Inhalt

Unser kulturelles Milieu, Nachrichten und soziale Medien eingeschlossen, orientiert sich zunehmend visuell. Die Einbeziehung von visuellen Elementen erhöht die Zuschaueraufmerksamkeit und die Bildsprache kann zu unmittelbaren emotionalen Reaktionen führen. Bilder sind einfacher abzurufen als Worte, außerdem können sie humanitäre Handlungen herbeiführen, obwohl diese Effekte nur kurzlebig sind. In einem Umfeld von sozialen Netzwerken können Bilder die Bindung steigern, was häufig ein Kernziel für die Nutzer ist.

Nachrichtenagenturen und Plattformen für soziale Medien wissen sehr gut über diese Effekte Bescheid. Facebook designt, wie andere Anbieter von sozialen Medien, sein Interface so, dass Bilder betont werden. Hinzu kommt das phänomenale Wachstum von Videos – Youtube hat inzwischen mehr als eine Milliarde NutzerNachrichten und Webseiten von sozialen Medien versuchen ihre Formate und Werkzeuge anzupassen, um zu profitieren, deshalb auch die Entwicklung von Facebook Live.

Facebook hob diese Funktion ursprünglich für professionell handgemachte Videos hervor, es wurden sogar Verlage für die Nutzung der Livefunktion bezahlt. Nun jedoch scheint das soziale Netzwerk die normalen Nutzer stark zu drängen, sowohl Livevideos zu konsumieren, als auch selbst eigene Livevideos zu erstellen. Facebook sagt, dass Livevideos zehnmal mehr Kommentare generieren als normale Kommentare.

3. Berichtende Bürger

Während Nachrichteninhalte sehr stark von Medienorganisationen dominiert werden, die als Wächter fungieren, zeigt die Do-it-yourself Informationsweitergabe und das Teilen, dass die Presse nicht unbedingt die letzte Hürde sein muss. Zuschauerbasierte Formen von Journalismus, wie zum Beispiel das Teilen von Videos von Schlagzeilen, sind in keinem Fall neu, aber die weitverbreitete Nutzung von Smartphone-Kameras und die Veröffentlichung mithilfe eines Klicks hat den Bürgerjournalismus zu einer beinahe selbstverständlichen Form der zeitgenössischen Medien gemacht.

Wie man am Women’s March und an den Flughafenprotesten gegen Trumps Beschlüsse sehen konnte, bedeutet das heutzutage, gleichzeitig live zu dokumentieren, um die eigene Reichweite vor dem Hintergrund der Protestorte auszudehnen.

Das Besondere dabei: Plattformen für soziale Medien wie Facebook tendieren zu einer privatisierten, an Freunden und Familie orientierten Form, steigend sind die Plattformen für die Erstellung und Teilen von nutzergenerierten Nachrichten, die die Nachrichtenorganisationen alle umgehen. Die Ausbreitung von nutzergenerierten Inhalten ist wichtiger.

4. Livevideos, die Nachrichten verbreiten

Livevideos können zunehmend Ziel der formaleren Berichterstattung werden, wenn sie genug Traffic haben. Im Endeffekt führt die soziale Zirkulation sich selbst zum Problem des Aufgesammelt Werdens von Nachrichtenorganisationen. Dies führt wiederum zu einer weiteren sozialen Konversation wie zum Beispiel im Fall von Castiles Tod, live gedreht und erhalten, damit andere es sich ansehen können.

Dies bedeutet nicht etwa, dass Livevideos bei Facebook zu einer Schlagzeile in den Nachrichten werden – dies wird nur bei sehr wenigen der Fall sein. Facebook-Livevideos können eher einen Zyklus generieren, in dem Videos von sozialen Medien zu einer breiteren Berichterstattung eines bestimmten Ereignisses oder Problems führen und damit höheres Bewusstsein in der Bevölkerung erzielen – das bedeutet, dass wahrscheinlich mehr Leute neue Livevideos zu diesem Thema teilen werden.

5. Ethik

Journalistische Vorschriften der Ethik sind vor allem die Suche nach der Wahrheit und die Verringerung von Schaden. Facebook muss natürlich nicht die gleichen ethischen Bestimmungen befolgen, wir haben schon häufiger enorme ethische Verfehlungen des Medienriesen mitverfolgt. Zudem sehen sich ganz normale Facebook-Nutzer, die Livevideos erstellen nicht, als Journalisten, daher sollte auch nicht von ihnen erwartet werden, dass sie journalistische Verantwortung dabei im Blick haben.

Was reflektiert werden sollte, ist unsere kollektive Verantwortung als Facebook Nutzer, Live-Übertragende oder auch: Was für Werte leiten wir her? Wie viele tausende Menschen haben die Liveübertragung des Selbstmordes des 12-Jährigen Mädchen gesehen, darauf reagiert und sogar kommentiert? Sind wir so abgestumpft?

Facebook will, dass wir Voyeure werden. Und während Livevideos genutzt werden können, um die menschlichen Erfahrungen und die Bildung der Öffentlichkeit zu bereichern, tendieren sie eher dazu, von dem Hässlichen und Gottlosen zu handeln. „Vergnügen wir uns nur bis zum Tod“ mit dem Alltäglichen, so wie es der Medienwissenschaftler Neil Postman über ein weiteres Video andeutete?

Letzte Überlegungen

Liveübertragene Videos beschmutzen den Knotenpunkt von Facebook und Journalismus. Facebook hat mehr als eine Milliarde Nutzer am Tag, 66 Prozent der User konsumieren Nachrichten dort. Das macht Facebook, nach dem was man hört, zum weltweit führenden Nachrichten-Gatekeeper.

Es hat strenge Untersuchungen bezüglich der aufbauenden Beweise der Zensurgegeben, bis hin zu Bereitstellung von Filterblasen und Echokammern.

Während Facebook seine Rolle als Medienfirma verneint hat, gibt es dennoch Hinweise darauf, dass die Plattform seine Verantwortlichkeit neu bewertet, zum Beispiel indem frühere Journalisten eingestellt werden, um neue partnerschaftliche Teams zu führen und die Entwicklung von Facebook.- Projekt zu Journalismus zu entwickeln, obwohl Kritiker andeuten, dass diese Handlungen mehr zynischen Anstrengungen zur Schadenskontrolle gleichen.

Es ist eindeutig, dass die Liveübertragung per Video in den sozialen Medien uns dazu zwingt, darüber nachzudenken, wie wir über Nachrichten denken – ihre Schnelligkeit, ihre Verbreitung und ihr bestimmender Einfluss Zeugnis im öffentlichen Leben abzulegen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) Corridor View by Sonya Mann (CC BY 2.0)


The Conversation

Weiterlesen »

Du bist der neue Gatekeeper der Nachrichten

strategy (adapted) (Image by PDPics [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Als Nachrichtenkonsument sieht man sich heutzutage mit einer Flut sogenannter Fake News und falscher Informationen konfrontiert. Zwischen Fakten und Fiktion zu unterscheiden, wird dabei zunehmend schwieriger.

Früher durchsiebten Nachrichtenagenturen die Nachrichten und versuchten, deren Stichhaltigkeit und Wahrheitsgehalt zu ermitteln. Vertrauen in die von ihnen berichteten Inhalte wurde ein wichtiger Teil der Reputation eines Journalisten. Aber das war einmal.

Du bist Teil des Problems

Die Rolle des Gatekeepers, die die traditionellen Zeitungs- und Fernsehnachrichten einst innehatten, fällt heute uns allen zu. Heutzutage nimmt jeder die Position eines Herausgebers ein. Neue Technologien haben den Prozess des Nachrichtenverbreitens oder -ausdenkens demokratisiert. Es entscheiden nicht länger die Journalisten, was publik gemacht wird. Informationen fließen ungehindert und unkontrolliert durch das Internet. Dabei füllen sie eine Vielzahl von Webseiten, Blogs und Tweets.

Das alles gelangt über soziale Netzwerke auf unsere Laptops, Tablets und Smartphones. Jeder, der auf Facebook eine Nachrichtenmeldung postet, teilt oder auf Twitter einen Link retweetet,  nimmt eine Rolle ein, die früher nur mächtige Medienmitarbeiter innehatten. Das heutige Problem liegt darin, dass die meisten „Herausgeber“ in sozialen Netzwerken ihre Verantwortung für das, was sie posten, nicht bedenken.

Fake News sind allerdings nichts Neues. Thomas Jefferson klagte schon 1807: „Nichts, das in einer Zeitung steht, kann heute noch geglaubt werden.“ Jeffersons Kommentar zeigt nur eine von vielen Sichtweisen bezüglich Nachrichten, nicht nur in den USA, sondern auch in Europa. Fake News gab es bereits im Jahr 1475 in Italien, als ein Priester falsche Behauptungen über das Verschwinden eines Kindes verbreitete. Sogar in der politische Schlacht zwischen Marcus Antonius und Octavian um die Nachfolge des ermordeten Julius Cäsar wurden Fake News genutzt: Octavian nutzte Fake News, um Cäsars Nachfolge anzutreten.

Es ist nicht so, dass die früheren Gatekeeper unfehlbar oder konsequent unpolitisch waren. Aber in der heutigen digitalisierten Welt befinden wir uns in Hinblick auf Informationen in einer Verkettung unglücklicher Umstände. Die Gleichung, die ich dafür anstellen würde, wäre: Geschwindigkeit + Menge = Unbeständigkeit. All die Nachrichten im Internet verbreiten sich so schnell und überrennen uns mit so viel, dass das Ergebnis unberechenbar gefährlich wird.

Einige Leute, die soziale Netzwerke nutzen, überprüfen, was sie veröffentlichen. Andere retweeten oder leiten Informationen einfach weiter, ohne sie genau zu lesen oder sie gar mit angemessener Sorgfalt auf Richtigkeit zu überprüfen. Das spielt denjenigen in die Karten, die Fake News produzieren. Während einige glauben, dass es ihr Ziel sei, den Leuten etwas vorzumachen, erklärt der Pressekritiker Tom Rosenstiel: „Das Ziel von Fake News ist nicht, dass die Leute sie glauben sollen. Es geht darum, sie alle Nachrichten anzweifeln zu lassen.“

Manche mögen glauben, dass junge Menschen mit ihrem Verständnis für soziale Medien besser in der Lage sein könnten, die Informationen, die sie konsumieren, zu bewerten. Eine Studie der Universität Stanford kam zu dem schockierenden Ergebnis, dass viele von ihnen nicht in der Lage waren, „die Glaubwürdigkeit solcher Informationen zu beurteilen“. Die Studie stellte heraus, dass mehr als 80 Prozent der Schüler der sechsten bis achten Klasse gesponsorte Inhalte als tatsächliche Nachrichten wahrnahm. Oberstufenschüler überprüften Bilder nicht. Die meisten Hochschulstudenten erwarteten keine Voreingenommenheit in Tweets von Aktivistengruppen.

Verbessere deine Fähigkeiten

Was sollen Nachrichtenkonsumenten also machen? Wie können sie als ihre eigenen Gatekeeper handeln und Wachsamkeit und Prüfung walten lassen wie die besten Herausgeber und Journalisten der alten Schule?

So kann es klappen:

  1. Überprüfe die Quelle. Das scheint vielleicht sehr grundlegend, aber es ist leicht, nur die Überschrift zu lesen, ohne darauf zu achten, wer der Verfasser ist. Autoren und Webseiten nutzen ihre eigenen Sichtweisen. Manche wollen einen ausgeglichenen Einblick geben, manche vertreten eine bestimmte Meinung, wieder andere wollen dich täuschen.

Informiere dich über Autor und Inhalt. Kennst du die Quelle, den Twitter-Account oder den Blog? Hast du dort schon einmal etwas gelesen? Lies andere Werke von ihnen. Schau, ob Autoren, denen du vertraust, auch darauf verweisen.

  1. Überprüfe die Informationen. Bestätigen andere Quellen, was du liest, siehst oder hörst? Hast du Überprüfungsseiten wie Snopes, Politifact oder FactCheck.org benutzt?

Snopes berichtete beispielsweise, dass  ein paar der vertwitterten Bilder der Amtseinführung von Donald Trump im Januar 2017 bereits Wochen oder Jahre früher aufgenommen wurden. Eines war ein Bild vom Treffen des Kansas Royal-Baseball-Teams. Politifact wies darauf hin, dass die Behauptung von Trumps Pressesprecher, die Amtseinführung hätte das größte Publikum gehabt – und hier durfte es keine Widerrede geben – von anderen Messungen wiederlegt wurde. FactCheck.org stellte fest, dass der frühere Präsident Barack Obama „fälschlicherweise behauptet hat, dass ein Vertrag, den er 2011 mit Russland unterzeichnet hat‚ ‚unsere nuklearen Bestände wesentlich reduziert hat, sowohl die von Russland als auch die der USA.'“

Dick Grefe, Bibliothekar an der Washington und der Lee University, wies mich darauf hin, dass zwei Professoren an der University of Washington beabsichtigen, einen Kurs mit dem Titel „So sieht Blödsinn aus: Im Zeitalter von Big Data“ anzubieten. Der Kurs hätte „den Schwerpunkt, den Bullshit, der verkleidet als wissenschaftlicher Diskurs daherkommt“. Fakes beschränken sich nicht auf Nachrichten.

  1. Hüte dich vor deiner eigenen Voreingenommenheit. Denke daran, dass wir dazu neigen, Nachrichten mit unseren eigenen vorhandenen Vorurteilen zu lesen, zu hören und anzusehen. Wir bewerten Informationen danach, ob sie das unterstützen, was wir bereits glauben. Es kann leicht sein, das abzuwerten, was unser Weltbild durcheinanderbringt oder in Frage stellt. Berichte über den Confirmation Bias sind reichlich vorhanden. Wie Studien und Autoren festgestellt haben, glauben wir hauptsächlich das, was wir glauben wollen.

Die Sorge darüber, wie irreführend und verwirrend Nachrichten sein können, hat einige Journalisten dazu veranlasst, ihre eigenen Richtlinien zum Umgang mit Fake News anzubieten. Journalistin und Medienexpertin Alice Shepard hat mehrere Vorschläge, um zu vermeiden, auf Fakes hereinzufallen. Alan Miller, Pulitzer-Preis-Gewinner und Gründer des News Literacy Projekts, geht den Confirmation Bias frontal an. Steve Inskeep vom öffentlichen Hörfunk in den USA bietet eine Anleitung für Fakten an.

Bekämpfe deine eigenen Confirmation Bias damit, dass du deine Quellen ausweitest. Sei offen gegenüber verschiedenen Standpunkten. Lies viel und viel unterschiedliches. Lies auch Gegendarstellungen. Sieh dich nach Medieninnovationen um. Eine kürzlich veröffentlichte Studie auf MarketWatch platziert zum Beispiel verschiedene Nachrichtenquellen auf einer „Wahrheits“-Skala. Ein anderer, älterer Beitrag auf businessinsider.com könnte dir helfen, die gedankliche Richtung, die deiner Lieblings-Nachrichtenquelle zu Grunde liegt, zu identifizieren.

Es gibt keinen Grund, den Zugang zu den Nachrichten zu verschließen, aber man sollte sicherstellen, dass man weiß, was dort hineingelangt. Das ist wirklich wichtig.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „strategy“ by PDPics (CC0 Public Domain)


The Conversation

Weiterlesen »

FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me

  • WHATSAPP golem: Whatsapp greift mit vergänglichem Status Snapchat an: Whatsapp bietet Nutzern ein neues Status-Update, mit dem sie Beschreibungen mit Bildern und Videos für ihre Kontakte hinterlassen können. Die App kehrt damit zurück zu ihren Wurzeln vor acht Jahren. In den ersten Wochen von Whatsapp konnten Nutzer nur ihren Status mit anderen austauschen, der Chat kam später hinzu. Nun ist die App knapp acht Jahre alt und bekommt eine neue Status-Update-Funktion. Damit können Anwender mit Fotos, Text und Videos dokumentieren, was sie gerade machen. Die Gestaltung erfolgt am Smartphone, die Fotos können mit Bildern, Emojis oder Zeichnungen ergänzt werden. Kontakte können diese Updates sehen. Eine vergleichbare Funktion gibt es bei Snapchat Stories und Instagram.

  • KI heise: Menschliche Übersetzer schlagen künstliche Intelligenz: In Seoul gewannen am Dienstag bei einem Wettbewerb des Übersetzerverbandes IAPTI vier menschliche Übersetzer gegen drei künstliche Intelligenzen. Wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtet, war die Aufgabe in 50 Minuten zufällig ausgewählte englische und koreanische Literatur und Publikationen zu übersetzen. Zwei Experten beurteilten die Ergebnisse. Während die menschlichen Übersetzer eine durchschnittliche Punktzahl von 25 von 30 erreichten, kamen die künstlichen Intelligenzen von Google, dem Internetanbieter Naver und der Übersetzungsfirma Systran lediglich auf 10 bis 15 Punkte.

  • MOBILITÄT zeit: Mit Wifi und Bifi: Entschuldigung, aber hier stimmt doch was nicht. Sind die Waggons enger geworden? Oder man selbst schon wieder breiter? Eine Bahnfahrt, von München nach Hamburg, aber das wohlig vertraute ICE-Reisegefühl will einfach nicht aufkommen. Verkrampft rutscht man im Plastikschalensitz vor und zurück, auf der Suche nach der alten Bequemlichkeitsstellung. Wo ist sie nur hin? Es stellt sich heraus: Das hier ist der brandneue ICE 4, „das neue Rückgrat des Fernverkehrs der Deutschen Bahn“, da gibt es so etwas nicht mehr. Schon seit Dezember ist die Baureihe auf dieser Strecke im Einsatz, zum Ausprobieren. In den nächsten Jahren soll sie die meisten der älteren ICE-Züge ersetzen. Generationswechsel, friedliche Machtübergabe im Schienenverkehr. Man selbst darf zufälliger Gast einer Testfahrt sein. Als hätte man noch eine weitere Erinnerung nötig, dass sich zwar alles ändert, aber nichts zum Guten.

  • PAYWALL netzpolitik: Kanzleramt (ver)zweifelt an Paywall: Diese Meldung kommt in der Regel als Aufforderung, doch ein Abonnent zu werden, wenn man bereits einige freie Artikel in diesem Monat gelesen hat. In einem weiteren Beitrag auf Twitter verteidigt sich Altmaier damit, dass er gerne eine App für alle Medien hätte und impliziert damit, dass er dann gerne zahlen würde – und bis dahin eher nicht.

  • DISNEY wired: Disney hat eine drahtlose Energieübertragung entwickelt: Disneys Forschungs- und Entwicklungsabteilung Disney Research hat den Prototyp eines Systems entwickelt, das eine ganze Reihe von Geräten innerhalb eines geschlossenen Raums kabellos mit Energie versorgen kann. Das System namens Quasistatic Cavity Resonance for Ubiquitous Wireless Power Transfer lädt Smartphones und versorgt Haushaltsgeräte und Spielzeuge mit Strom — egal, wo im Raum sich diese befinden. Schon Nikola Tesla hatte von der kabellosen Übertragung von (Stark-)Strom geträumt. Das Paper der Disney-Forscher beschreibt deren Testraum, der einem Wohnzimmer mit einigen Möbeln nachempfunden wurde und beziffert die maximale Energieübertragung für alle angeschlossenen Gerätschaften mit 1900 Watt. Die Übertragungseffizienz liegt dabei je nach Position des Empfängers im Raum zwischen 40 und 95 Prozent.

Weiterlesen »

Diskursfähigkeit im Netz statt egozentrisches Wer-hat-den-Größten-Geschrei

Kommunikation Kopf Sprechblasen Mann Denken (adapted) (Image by geralt [CC0 Public Domain] via pixabay)

Vor Jahren schrieb ich ein beratendes Gedicht-Fragment über das Ich-Syndrom im Netz:

Deine tägliche Powerpoint-Folie gib uns heute,
Projektionsflächen mit Wald- und Wiesenweisheiten,
Phrasen im Dreiviertel-Takt,
Nervensäge der Expertokratie.

Hohlräume unter der gelackten Fassade,
Keynote-Speaker der Irrelevanz,
Bulletpoints mit Bullshit im Designer-Outfit,
Semantischer Brei im Zufallsmodus.

Geheiligt ist Dein Wichtigtuertum,
Gesegnet Deine Excel-To-Do-Listen,
Gepriesen sind Deine Budapester Schuhe von der Kö oder roten Edel-Sneaker,
Du predigst Lösungen für erfundene Probleme.

Dein Gedankenreich ist geklaut,
Dein Wille für den nächsten Auftrag ungebrochen.

Demütig schreibst Du an Deiner Autobiografie mit dem Titel „ICH“ und der Unterzeile „Und nur ICH“.

Auf Deinem Grabstein ist zu lesen:
„Hier liege ICH und kann nicht anders“.

Ruhe in Frieden auf dem Friedhof Deiner Eitelkeiten.
Amen.

Leider hat sich an dieser Zustandsbeschreibung wenig geändert. Im Gegenteil. Es ist schlimmer geworden, wie Georg Franck im brandeins-Interview konstatiert. Er prägte vor rund 20 Jahren den Begriff der „Ökonomie der Aufmerksamkeit“: „Es geht nicht um ein persönliches Anliegen oder um einen bestimmten Inhalt, es geht einzig darum, eine möglichst große Resonanz zu erzielen. Hier wird Aufmerksamkeit zum Selbstzweck.

Claqueure und Seifenblasen

Wer nichts Substanzielles zu sagen hat, bläst sich auf oder kauft sich gleich ein ganzes Imperium an Sendeformaten und  Claqueuren, um der Welt die Wichtigkeit des eigenen Daseins zu demonstrieren. Zu den Meistern der kommunikativen Seifenblasen zählt die Firma Andreessen Horowitz (gegründet von Marc Andreessen und Ben Horowitz), die ihr Kapital in einigen der höchstbewerteten Silicon-Valley-Unternehmen angelegt hat. Dahinter steht eine „Publicity-Maschinerie“ mit eigener PR-Abteilung und befreundeten Journalisten in der Hightech-Presse. Im Frühling 2014 erlebten die Aktien von Softwareabonnement-Anbietern – im Fachjargon SaaS für ‚Software as a Service’ – einen Kurseinbruch.

Andreessens Content Factory machte sich an die Arbeit. Das Unternehmen stellte Blogposts und Podcasts ins Netz, die erklärten, wie missverstanden doch SaaS-Unternehmen seien. Die Anleger begriffen einfach nicht, wie ungeheuer ertragreich sie einmal sein würden. Die Podcasts quollen über vor verwirrenden Fachbegriffen, Abkürzungen und Messwerten, die sich die SaaS-Branche ausgedacht hat, um ihre eigene Leistung darzustellen. SaaS ist immer noch ein ganz junges Geschäftsfeld und es ist schwer, wenn nicht unmöglich, die Unternehmen aussagekräftig miteinander zu vergleichen“, so der frühere Newsweek-Redakteur Dan Lyons. Im Juni 2014 stoppten die SaaS-Aktien ihre Talfahrt und arbeiteten sich langsam wieder nach oben.

Freibier, Shrimp-Cocktails und Geschlechtskrankheiten

Aber gegenüber Salesforce-Chef Marc Russell Benioff sind wohl selbst Andreessen und Horowitz noch Waisenknaben. Das Forbes Magazine schätzt sein Vermögen auf vier Milliarden US-Dollar. Entsprechend gigantisch wird die Hausmesse „Dreamforce“ aufgeführt. Benioffs Auftritte seien Großtuerei und seine Kundentagung würde einer viertägigen Orgie ähneln. „Caligula wäre begeistert über diesen Triumph der Vulgarität und Verschwendung mit Freibier, endlosen Shrimp-Cocktails und einer Geschlechtskrankheiten-Ansteckungsquote, bei der die Fleet Week der US Navy kaum mithalten kann. Ich komme mir vor, als schaue ich ins Land Mordor hinab. So viele verlorene Seelen! Diese aufgewerteten Gebrauchtwagenhändler, diese Leute, zu deren Job es gehört, die Kunden zu überrumpeln und zu beschwindeln, deren Lebenssinn es ist, ihre Vorgabe zu erfüllen.“ Jeden Monat, jedes Quartal, jedes Jahr: verkaufen, verkaufen, verkaufen.

Wie das Netz mit geschwätziger Reklame verdreckt wird

Das seien die Leute, die sich das Internet, eine der wunderbarsten und meistversprechenden Erfindungen aller Zeiten, unter den Nagel gerissen, es mit Reklame verdreckt und es zu einem großen Versandhandel gemacht haben. „Kein Wunder, dass diese Zombies einmal im Jahr ihre Woche in San Francisco brauchen, um bei Deepak Chopra, einer Prise Kokain und vielleicht einer kanadischen Prostituierten auszuspannen und sich toll vorzukommen“, erläutert Lyons.

Am letzten Tag, der von Lyons besuchten Dreamforce, hält Chopra einen Vortrag. „Er ist ein guter Freund Benioffs. Chopra faselt vor sich hin; irgendwie geht es um Freude, Sinn, Zusammengehörigkeit und wie wichtig es ist, sich selbst zu lieben. Der alte Spruch des Komikers W. C. Fields kommt mir in den Sinn: ‚Wenn du sie nicht mit Genialität blenden kannst, überwältige sie mit Geschwätz.’ Er könnte nicht nur Chopras Vortrag, sondern der ganzen Konferenz als Motto dienen. Benioff und seine karitative Angeberei, der Trockeneisnebel, die Konzerte und Comedians: All das hat nichts mit Software oder Hightech zu tun. Es ist eine Show, mit der die Gäste unterhalten, der Verkauf gefördert und der Aktienkurs hochgetrieben werden soll.

Wer hat den Größten?

Motto: Meiner ist größer! Meiner ist der größte! Benioff habe eine Art Finanzalchemie erfunden, bei der man Geld nicht nur aus dem Nichts, sondern aus Verlusten schafft. „Je mehr er für Partys zum Fenster hinauswirft, desto reicher wird er“, schreibt Lyons.

Das Zauberwort zur Entzauberung des netzmedialen Trumpismus heißt nach Auffassung von Wolf Lotter Diskursfähigkeit. Also das, woran es nicht nur dem Gebrüll von Trump, Benioff und Co. mangelt, sondern auch der Gesellschaft und den zahlreichen, nur nach Selbstbestätigung gierenden Menschen. Bohrende Fragen stellen, hinter die Kulissen und unter die Motorhaube des Marketing-Nebels schauen, das wären wohl erste Maßnahmen, um wieder klarer in der Netzöffentlichkeit sehen zu können. Nicht Mitklatschen und alles bejubeln, sondern kritische Debatten führen. „Wenn der Bohrer den Grund erreicht, wie in diesen Tagen, zeigt sich ohnehin, was Sache ist. Klartext ist die wichtigste Zutat jeder erfolgversprechenden Kommunikation“, führt Lotter in seinem Einleitungstext in der Februar-Ausgabe von brandeins aus. Schwerpunkt: „Der Kampf um Aufmerksamkeit und seine Folgen“. Urteil des Notiz-Amtes: Das richtige Thema zur richtigen Zeit. Nicht nur im Marketing. 


Image (adapted) „Kommunikation Kopf Sprechblasen Mann Denken“ by geralt (CC0 Public Domain)


Weiterlesen »

Acht (oder mehr) Geschäftsmodelle für E-Mail Newsletter

mail-newsletter-home-mailbox (adapted) (Image by Anne-Onyme [CC0 Public Domain], via pixabay

Als ich vor einigen Jahren begann, die redaktionellen E-Mail-Newsletter der Financial Times zu überarbeiten, wurde ich schnell mit positiver Bestätigung, technischer Frustration und Quellen tiefer Zufriedenheit konfrontiert.

Die gute Nachricht war, dass wir am Höhepunkt eines wiedererstarkten Interesses für E-Mails von Medienfirmen waren, das gerade wieder angestiegen ist. Dies legte nahe, dass wir auf dem richtigen Weg waren. Von legendären Printunternehmen wie der New York Times bis hin zu digitalen Unternehmen wie BuzzFeed – fast jeder erkennt den Wert des Mediums.

Das Frustrierende war, dass E-Mails und das kommerzielle System, in das sie eingebunden waren, nur wenig an die Bedürfnisse von Journalisten und Lesern angepasst waren. Das Senden von E-Mails bedarf einer Navigation durch ein komplexes Labyrinth aus technischen Systemen und vermehrten regulatorischen Anforderungen. Es bedeutet, Systeme anzupassen, die hauptsächlich auf die Bedürfnisse von Spezialisten abgestimmt sind, die in Marketingabteilungen mit Programmierfähigkeiten für verschiedene Anwendungsfälle von Journalisten mit engen Deadlines sitzen.

Trotz dessen waren wir mit den Antworten, die wir erhielten, zufrieden: Viele gaben an, sich durchgängig für E-Mail-Newsletter einzutragen, diese dann auch zu öffnen und auf Artikel zu klicken. Viele gaben sogar ein regelmäßiges, positives Feedback. Das, was wir taten, hatte Ähnlichkeit mit einer „Heilung“: Wir durften die besten Stücke aus den Nachrichten und Analysen auswählen. Entwickelt werden sollte ein Narrativ für Leser, die unter Zeitdruck standen und geradezu in Informationen ertranken. Wir konnten so außerdem eine direkte Beziehung zu unseren Lesern herstellen.

Dan Oshinsky, Leiter der Newsletter-Abeilung bei BuzzFeed, berichtete mir: „Uns geht es darum, Geschichte zu erzählen, die die Leute teilen möchten. Deshalb ist die E-Mail so ein natürlicher Startpunkt. Es ist sicherlich nicht die schillerndste oder neueste Plattform. Aber sie hat eine gewisse Reichweite, bringt Leute zurück auf die Seite und verteilt unsere Inhalte.“

Wie bei so vielem in den Redaktionen sind auch die Ressourcen stark begrenzt und Medienunternehmen suchen immer noch den besten Weg, um E-Mails als Teil eines größeren Engagements zu monetarisieren. Dies brachte mich dazu, mit Kollegen von anderen Medienorganisationen zu sprechen – in Nachrichtenabteilungen und kommerziellen Abteilungen – um die Trends zu verstehen, die ich in einem neuen Bericht für das Reuters Institute for the Study of Journalism an der Universität Oxford hervorhob.

Es werden zurzeit mindestens acht verschiedene Geschäftsmodelle getestet:

  1. Internetraffic generieren oder konvertieren. Die Klicks, die durch die E-Mail-Newletter hereinkommen, können die Gesamtzahl der Pageviews erhöhen. Dies unterstützt das breitere Geschäftsmodell und erhöht Anmeldungen und Werbeumsätze. Die Washington Post, die mehr als 70 redaktionelle E-Mails betreut, nennt dies eine „Zugbrücke“. Sie erhöht die Reichweite und zieht eine größere Zahl potentieller Leser an. Der New Yorker sagt, dass die Antwortquote höher ist als in den sozialen Medien. Für kleinere und jüngere Organisationen ist es eine wertvolle Möglichkeit, um Aufmerksamkeit zu bekommen und Lesegewohnheiten bei den Nutzern aufzubauen. Blendle generiert so ein Drittel des Traffics. Die Firma hat ein Mikrozahlungsmodell adaptiert, das nach dem Prinzip „Pay as you go“ funktioniert. Man zahlt, wenn ein Link von einer teilnehmenden Mediengruppe angeklickt wird.
  2. Einzelabonnement: Der Espresso (und die App) von The Economist, The Browser und Brief.me in Frankreich rechnen alle für die E-Mail selbst ab und bieten einen einzigartigen Inhalt oder die Entdeckung von anderen Artikeln auf Grundlage eines starken Urteilsvermögens und einer besonderen Schreibqualität. Laurent Mauriac, Gründer von Brief.me sagt: „Der beste Weg, eine starke Beziehung mit dem Leser aufzubauen, ist, sie dszu zu bringen, zu zahlen.“ In Großbritannien überlegt die „Red Box“ der Times, die die aktuelle Politik behandelt, ein solches Modell einzuführen.“
  3. Spenden oder verschiedene Beiträge: Eine bestimmte Anzahl Newsletter wird umsonst gesendet, aber verlangt regelmäßig Beiträge, wie beispielsweise Johnson’s Russia List. Diese aggregiert Medien und akademische Artikel über Russland und die ehemalige Sowjetunion. Genauso ProMed, die Krankheitsausbrüche mit ansteckendem Charakter abbildet. Manche werden umsonst an Privatpersonen und Akademiker ausgegeben, aber an Geschäftskunden und gewerbliche Abonnenten verkauft.
  4. Zusatz zu Abonnement: Free Lunch, Brexit Briefing und andere spezielle Newsletter werden gratis an Standard oder Premium-Abonnenten versandt. Sie stellen einen alternativen Weg für Leser dar, um Inhalte zu konsumieren. Sie helfen auch dabei, Artikel von der Financial Times im Netz zu verbreiten und das Engagement zu erhöhen, indem mehr Artikel gelesen werden. Auf diese Weise bindet man seine Leser oder kann sie zu Upgrades bewegen.
  5. Werbung: Viele Newsletter enthalten Werbung oder Banner wie Red Box. Immer mehr beinhalten auch native Werbung oder gesponserten Inhalt, wie beispielsweise Quartz’s Daily Brief, The Monocle Minute und TTSO (Time to Sign Off) in Frankreich.
  6. Querverkauf: E-Mails enthalten oft eine Leseprobe, um die Reichweite durch neue Leser zu erhöhen. Man bekommt ungewohnte Inhalte präsentiert und generiert Loyalität und Klicks zu einem Abonnement oder einer Abo-Paywall. Manche tun dies mit ihren eigenen Seiten in Kopperation mit kommerziellen Seiten. Beispielsweise haben die Washington Post und BuzzFeed sich mit Amazon zusammengeschlossen. Andere bewerben Bezahl-Events oder bauen Adresslisten auf, mit denen man verschiedene Zielgruppen adressieren kann.
  7. Markenwahrnehmung: Kostenlose Newsletter sollen größeres Interesse an einer Nachrichtenorganisation oder einem Produkt auslösen. Auch kann das Wissen über die Organisation oder ihren Inhalt vergrößert werden, genau wie die Wahrnehmung von neuen Inhalten oder Services.
  8. Gemeinschaftsbildung: Newsletter, die bestimmte Interessen, Themen oder Leute in bestimmten Regionen ansprechen, bieten eine Möglichkeit, um eine tiefergehende Vernetzung zu speziellen Gruppen herzustellen und eine direkte Beziehung aufzubauen. Auch die Loyalität wird vergrößert und Mitgliedschaften und Eventteilnahmen werden angeboten.

Nicht jedes dieser Modelle funktioniert für jeden – und diejenigen ohne starkes, redaktionelles Urteilsvermögen, eigenen Inhalt oder andere Arten der Abgrenzung werden an dem zunehmend umkämpften Newslettermarkt sehr zu leiden haben. Der Newsletter closure of This, bei dem Leseempfehlungen erteilt werden, ist eines dieser Beispiele.

Neben größerer Experimentierfreude mit diesen Modellen müssen auch andere Zukunftsthemen für redaktionelle E-Mails berücksichtigt werden, wenn es um die Entwicklung von journalistenfreundlicheren Plattformen geht: die Veränderung der Regulierung (vor allem in Europa) und die Rolle der Algorithmen, die bei der Entdeckung von Inhalten eine Rolle spielt.

E-Mails sind ein Hybridmedium, das weit davon entfernt ist, perfekt zu sein. Zur Zeit füllen sie aber eine Lücke für Nachrichtenabteilungen. Ihre Einschränkungen bieten eine wichtige Plattform für Experimente, deren Eigenschaften auch in anderen Medienformen tragen können, die sie vielleicht eines Tages ersetzen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „NiemanLab” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image “mail-newsletter-home-mailbox” (adapted) by Anne-Onyme (CC0 Public Domain)


Weiterlesen »

FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
  • JOURNALISMUS medienpolitik: „Journalismus braucht Zeit für Recherche“: „Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass das Spiel mit der Aufmerksamkeitsspirale zum Kalkül der Terroristen gehört. Sie wollen Angst und Schrecken verbreiten, Menschen einschüchtern und unseren ‘way of life‘ dadurch zerstören. Medien, die unter dem Druck von Wettbewerb und Geschwindigkeit alle Distanz aufgeben, machen das Geschäft der Terroristen“, analysiert Peter Frey in einer Reflektion der Terroranschläge 2016 und der Berichterstattung der Medien. „Wir dürfen uns von der schrillen Stimmungsmache einer Minderheit nicht so sehr treiben lassen“, so der ZDF-Chefredakteur weiter. Die große Mehrheit schätze und vertraue dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk, aber es gelinge einer kleinen Gruppe von Leuten, via Social Media und politisch verstärkt durch Rechtspopulisten das Klima insgesamt zu vergiften.

  • POLITIK heise: Wie das Silicon Valley auf Trumps Einreiseverbot reagiert: Nach Trumps Einreiseverbot für Bürger von sieben mehrheitlich muslimischen Staaten haben sich Vertreter der Tech-Konzerne aus dem Silicon Valley an die Spitze der Proteste gestellt. Netflix-CEO Reed Hastings bezeichnete Trumps Entscheidung als „so unamerikanisch, dass es uns alle schmerzt.“ Manager von Slack, Box, Twitter und weiteren Firmen äußerten sich ähnlich deutlich – nachdem zuvor einige andere wie Mark Zuckerberg, Satya Nadella und Tim Cook den US-Präsidenten nur vorsichtig kritisiert hatten.

  • DIGITALISIERUNG t3n: Digitale Transformation: Unternehmen im Drift-Modus: Wenn es um die digitale Transformation von Unternehmen und Organisationen geht, lautet eine der häufigsten Management-Aussagen: „Digitale Transformation ja, aber wir müssen die Menschen mitnehmen.“ Erstens: Im „Müssen“ klingt viel Fremdbestimmung an – statt Gestaltungswille. Und zweitens: Ein „Aber“ ist immer eine Relativierung des zuvor Gesagten. Passender erscheint mir daher ein „Und“. Verändert man die Interpunktion noch leicht, dann wird aus dem Satz: „Digitalisierung? Ja, und wir wollen die Menschen mitnehmen.“ Was dieses Vorhaben mit Querbeschleunigung zu tun hat, möchte ich hier ausführen.

  • WHATSAPP sueddeutsche: Deutsche Verbraucherschützer verklagen Whatsapp wegen Datenweitergabe: Deutsche Verbraucherschützer ziehen in ihrem Streit mit Whatsapp vor Gericht. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) verklagt Whatsapp, weil das Unternehmen angekündigt hatte, Nutzerdaten an den Mutterkonzern Facebook weiterzugeben. Im August änderte Whatsapp seine Datenschutzbestimmungen. Das Unternehmen räumte sich damit das Recht ein, Daten von Verbrauchern mit Facebook zu teilen. Betroffen sind etwa Telefonnummern von Whatsapp-Nutzern, aber auch Informationen darüber, wie häufig diese den Messenger verwenden. Die Verbraucherschützer halten diese Änderung für rechtswidrig und haben deshalb Klage vor dem Landgericht Berlin eingereicht.

  • NOKIA golem: Neues Nokia-Handy kommt für 40 Euro nach Deutschland: Das finnische Unternehmen HMD Global vertreibt das Handy Nokia 150 auch in Deutschland. Das Mobiltelefon ist bei Mobilcom-Debitel für 40 Euro erhältlich. Der Preis liegt etwas höher als die bei der Präsentation im Dezember 2016 angekündigten 26 US-Dollar, was unter anderem am Wechselkurs, an Steuern und Gema-Abgaben liegen dürfte.

Weiterlesen »

FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
  • FAKE NEWS heise: Facebook-Geschäftsführerin Sandberg über Fake News: „Wollen nicht entscheiden, was wahr ist“: Trotz harter Kritik will sich Facebook auch in Zukunft nicht selbst um das Löschen gefälschter Nachrichten kümmern, sondern externe Experten damit beauftragen. Angesichts von 1,79 Milliarden monatlichen Nutzern verfolge das größte soziale Netzwerk eine klare Linie, sagte Geschäftsführerin Sheryl Sandberg im Interview mit der Bild-Zeitung. „Wir wollen nicht entscheiden, was die Wahrheit ist. Und ich glaube, niemand will, dass wir das tun. Also müssen wir mit Dritten zusammenarbeiten, die Experten sind.“ Als Beispiel nannte Sandberg das kürzlich vorgestellte „Facebook Journalism Project“, das auf Zusammenarbeit mit Medienunternehmen und Journalisten abzielt.

  • FAKE NEWS HORIZONT: Fake News sind überbewertet: Die wachsende Bedeutung von Social-Media-Angeboten wie Facebook mache Fake News und ihre Verbreitung nun sehr transparent. Das Phänomen sei aber überbewertet, sagte Döpfner. Dennoch sei die Diskussion über den Umgang mit diesen Falschinformationen gut und hilfreich. Denn sie könne zeigen, dass eine vertrauensvolle Quelle ein Wert an sich sei. Burda-Chef Paul-Bernhard Kallen sieht in Fake News eine sehr ernste Entwicklung. Der Wert der Wahrheit gerate immer mehr unter Druck. „Wir finden heraus, dass etwas gefälscht ist und die Leute reagieren nicht darauf.“ Und er denke darüber nach, woher das komme und warum die Wahrheit an Wert verliere.

  • GOOGLE golem: Google Nest kommt in deutsche Wohnzimmer: Nest bietet ab sofort Überwachungskameras und einen vernetzen Rauchmelder in Deutschland an, nachdem es die Produkte bisher nur per Eigenimport in hiesige Wohnungen und Häuser geschafft haben. Das ist Googles Mutterkonzern nicht unbekannt geblieben und so sieht das Unternehmen eine Chance, die Geräte auch hier abzusetzen. Die Smart-Home-Geräte sollen auch in Österreich, Italien und Spanien eingeführt werden. Bislang bot sie Google nur in Belgien, Frankreich, Großbritannien, Irland, den Niederlanden, Kanada und den USA an.

  • BIG DATA zeit: Verschwiegenheit war gestern: Das Big-Data-Start-up Palantir Technologies gilt als eine der verschwiegensten Firmen des Silicon Valley. Interviews gibt Gründer Alex Karp selten. Und wenn doch Termine stattfinden, dann ist der Inhalt meist nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Doch an diesem Donnerstag ließ es sich der 49-jährige Karp, der mit Wuschelkopf und grauer Jeans auftritt, nicht nehmen, die Neuigkeiten persönlich und öffentlich zu verkünden. Mit Stefan Oschmann, Firmenchef des deutschen Pharmakonzerns Merck, saß er im kleinen Konferenzraum in der Palantir-Zentrale, um über den neuen Kunden zu plaudern. Der Dax-Konzern will Palantir-Technologien einsetzen, um herauszufinden, welche Patienten am besten auf bestimmte Therapien ansprechen, oder bei der Entwicklung neuer Medikamente für die Krebstherapie.

  • DIGITALISIERUNG medienpolitik: Digitale Revolution: Zeitenwende: Es geht in der aktuellen Diskussion sehr grundsätzlich um den Beitrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks für die Gesellschaft, welche Leistungen muss der öffentlich-rechtliche Rundfunk für die Zukunft bringen, welchen Wert hat er für die Gesellschaft, wie sieht eine bedarfsgerechte Finanzierung aus und wie sichern wir die Akzeptanz des Beitrages in unserer Gesellschaft? Ich glaube, dass ein solidarisch finanziertes System gut beraten ist, sich diesen Fragen zu stellen. In Zeiten, in denen sich die Medienwelt so grundsätzlich und tief greifend verändert, sind diese Fragestellungen, aber auch die Herausforderung substantieller Natur.

Weiterlesen »

Netzpiloten sind Partner der DIGITAL BUSINESS PREVIEW 2017

Partnergrafik_preview

Die DIGITAL BUSINESS PREVIEW findet in diesem Jahr am 26. Januar in Hamburg und am 30. Januar in München statt.

Die nun schon seit 19 Jahren bekannte und heiß begehrte Pressevorschau öffnet wieder ihre Pforten.

Die PREVIEW wurde konzipiert, um Journalisten umfassend und neutral vor internationalen Technologiemessen wie MWC, CeBIT, Hannover Messe & Co. über Trends, neue Technologien und Produkte zu informieren und in ihrer Arbeit zu unterstützen.

Schwerpunkte auf der PREVIEW bilden in diesem Jahr Themen wie Sicherheit in einer vernetzten Welt, Aktuelles aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz, Next Generation Chatbots und die IT-Revolution Blockchain. Viele renommierte Referenten greifen in den „Trend-Talks“ die wichtigsten Themen auf, die die Branche gerade bewegen.

Natürlich werden auch die neusten Produkte wie der Alptracker, die aktuellsten Monitore, Smartphones und Roboter und die 4K-DashCam vorgestellt. Die seit vielen Jahren bewährte Pressevorschau bietet alles, was Medienvertreter für eine optimale Berichterstattung benötigen.

Weiterlesen »

Die perfide Strategie der Populisten – Wer nicht „zum wahren Volk“ zählt, gilt als Verräter

Erfolgreiche Populisten unterschiedlicher Couleur sind Meister der Inszenierung und bauen auf die Reflexe einer Öffentlichkeit, die in immer kürzeren Intervallen auf die theatralische Regie der Populisten reagiert. Schaut man in das Hauptwerk „Strategeme“ des Sinologen Harro von Senger, der die berühmten 36 Strategeme der Chinesen aus drei Jahrtausenden darlegt, ist dieses Vorgehen kein neues Phänomen. Etwa das Strategem Nummer Sieben: „Aus einem Nichts etwas erzeugen“ – etwas aus der Luft greifen; etwas Erfundenes als Tatsache ausgeben (neudeutsch: Fake-News); Gerüchtefabrikation; Verleumdungs- und Lügenkampagne („Merkel muss weg“); Diffamierungstaktik; Aufbauschungsmanöver. Man könnte es auch philosophischer in den Worten von Lao Zi ausdrücken: „Die Dinge in der Welt entstehen aus dem Seienden, das Seiende entsteht aus dem Nichtseienden.“

Populistische Gedankenkonstrukteure im David-Goliath-Modus

Was die populistischen Gedankenkonstrukteure dabei bedienen, folgt einer psychologischen Funktion: Sie reduzieren die Komplexität der Wirklichkeit und schaffen eine einfache Struktur im Kopf. Als Projektionsfläche der Vereinfachung dienen Sündenböcke und Dämonen, die man für alles Böse, Unverständliche und Ungerechte verantwortlich macht. Die Identität der eigenen Gruppe erzielt man dabei mit dem David-gegen-Goliath-Erzählmuster. Für zufällige Ereignisse, für unvorhersehbares Handeln, für menschliche Fehler oder komplizierte Verfahren ist dabei kein Platz. Stets gibt es nur eine einzige Ursache, die als Beweis für das dunkle Spiel eines übermächtigen Gegners herangezogen wird. Jeder Gegenbeweis wird als Fälschung tituliert, jeder fehlende Beleg ist ein Indiz für eine absichtliche Unterschlagung. Mit dieser Teflon-Strategie wollen sich Populisten unangreifbar machen.

Moralischer Alleinvertretungsanspruch

In der nationalistischen Variante, die wir bei den Populisten in Europa und den USA erleben, kommt noch eine weitere Taktik hinzu: Sie behaupten: „Wir sind das Volk.“ Sie meinen jedoch: „Wir – und nur wir – repräsentieren das Volk.“ Nachzulesen in dem lesenswerten Essayband „Was ist Populismus“ von Jan-Werner Müller. Damit werden alle, die anders denken, als illegitim abgestempelt, „ganz unabhängig davon, mit wie viel Prozent der Stimmen ein offizieller Volksvertreter ins Hohe Haus gewählt wurde“, so Müller.

Populisten seien zwangsläufig antipluralistisch; wer sich ihnen entgegenstellt und ihren moralischen Alleinvertretungsanspruch bestreitet, gehört automatisch nicht zum wahren Volk. „Das mag wie eine Banalität klingen, ist aber von entscheidender Bedeutung in Auseinandersetzungen mit Populisten, die behaupten, den Willen des Volkes zu repräsentieren und zu vollstrecken – in Wirklichkeit jedoch eine symbolische Repräsentation des angeblich ‚wahren Volkes’ instrumentalisieren, um demokratische Institutionen, die dummerweise nicht von Populisten dominiert werden, zu diskreditieren“, führt Müller weiter aus.

Populismus ist demnach eine ganz bestimmte Politikvorstellung, die ein imaginäres Volk als moralisch rein und homogen definiert und gegen unmoralische, korrupte und parasitäre Dunkelmänner und Dunkelfrauen in verschiedenen Institutionen in Position bringt. Wer diese anmaßende Vereinnahmung des „Volkes“ in Frage stellt, wird kurzerhand vom „einzig wahren Volk“ abgetrennt. Das reicht von der Lügenpresse bis zur „Volksverräterin“ Merkel.

In Wahrheit geht es um „Nur wir vertreten das Volk“

Hinter dem Spruch „Wir sind das Volk“ steckt eigentlich die Botschaft „Nur wir vertreten das Volk“. Dieser Alleinvertretungsanspruch der Populisten und deren Verhältnis zur Demokratie macht die Gemengelage so gefährlich. Sie sind kein nützliches Korrektiv in einer Demokratie, um den vermeintlichen Abstand zwischen Politik und „Volk“ wiederherzustellen. Wer so denkt, ist schon auf der semantischen Leimspur der Populisten unterwegs. Populisten interessieren sich nicht für plurale Willensbildung, für das langwierige Bohren dicker Bretter bei der Bewältigung von Problemen; ihre Kritik gilt auch nicht dem Prinzip der politischen Repräsentation. Ihre Agitation richtet sich gegen die amtierenden Repräsentanten, die angeblich nicht die Interessen des „Volkes“ vertreten.

Da niemand sagen kann, wo die Interessen eines jeden Einzelnen liegen, sind populistische Demagogen wie Erdogan oder Orbán an Teilhabe, Offenheit und Pluralität überhaupt nicht interessiert. Sie geben sich als die Kenner des wahren Volkes aus und hebeln jeden aus, der sich ihnen in den Weg stellt. Wer sich den Populisten nicht anschließt, wird ausgeschlossen. Wer Volk sagt, meint in Wahrheit Ent-Individualisierung und sogar Ent-Menschlichung, die bis zur Inhaftierung und Beseitigung aus dem öffentlichen Leben reichen kann. Populisten sind keine Problemlöser, sie nutzen Probleme, um das politische System zu destabilisieren.

Klugheitsstrategien im Umgang mit Populisten

Wer das durchschaut, sollte klüger vorgehen – im Journalismus, im politischen Diskurs und in seinem Verhalten im Social Web. SZ-Onlinechef Stefan Plöchinger liefert in einem Journalist-Gastbeitrag eine kluge Gegenstragie. Die wichtigste Haltung sei, nicht den Durchlauferhitzer für populistische Phrasen zu spielen. Man sollte nach Auffassung des Notiz-Amtes auf die Pöbeleien von Hofer, Strache, Petry und Co. nicht wie ein Pawlowscher Hund reagieren und auf das Strategem Nummer Sieben hereinfallen. Wer News fälscht, haarsträubende Behauptungen aufstellt und täglich Ressentiments absondert, hat keine Geschichten verdient. „Wir Journalisten brauchen wohlüberlegte Taktiken gegen die ständige Eskalation, statt die Populisten-Strategie weiter blind zu bedienen – weil blinde Journalisten keine Journalisten sind“, schreibt Plöchinger.

Was noch wichtiger ist: Gesicht zeigen und sich nicht hinter irgendwelchen Redaktionsmauern verkriechen. Immer wenn Journalisten greifbar werden und nicht nur als „die Medien“ sichtbar sind, wenn wir in unserer Arbeit so etwas wie Ombudsleute für Leser, Hörer, Zuschauer und dem journalistischen Beruf werden, dann entsteht nach Meinung von Plöchinger auch Vertrauen in den Journalismus. Das Niveau der digitalen Debatte kann zudem nur steigen, wenn jeder Journalist endlich auch versteht, im Digitalen erfolgreich unterwegs zu sein – ohne diese ewige Offline-Online-alles-wird-schlimm-Attitüde. 


Image „natural“ by Unsplash (CC0 Public Domain)


Weiterlesen »

FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
  • FAKE NEWS golem: Die große Angst vor dem Internet: Wie wichtig ist das Internet für den Wahlkampf? Diese Frage stellen sich die Parteistrategen seit dem Ende der 1990er Jahre. Ging es früher darum, mit Hilfe des Netzes die eigenen Inhalte unters Wählervolk zu bringen und die Parteimitglieder zu mobilisieren, könnte das in diesem Jahr völlig anders werden. Der schmutzige Wahlkampf in den USA dient der deutschen Politik als Warnung: Die sozialen Netzwerke mit ihren Fake-News und Social Bots sowie mögliche Leaks von gehackten Parteirechnern könnten auch hierzulande den Ausgang der Wahl beeinflussen. In eine unerwünschte Richtung.

  • MEDIENPOLITIK medienpolitik: „Wir müssen digitale Mittler in die Pflicht nehmen“: Vor einem halben Jahr hat die Bund-Länder-Kommission ihren Abschlussbericht vorgelegt. Wie geht es mit den Empfehlungen nun weiter? Werden die Gespräche mit dem Bund zu medienpolitischen Themen fortgesetzt? Besteht bei Intermediären schneller Handlungsbedarf? Dazu sagte Dr. Carsten Brosda in einem medienpolitik.net-Gespräch: „Der Prozess ist langsamer, als ich es mir wünschen würde, aber immerhin zweifelt niemand mehr daran, dass wir diese Bereiche medienpolitisch in den Blick nehmen müssen. Das war vor ein paar Jahren noch anders. Ich bin optimistisch, dass wir in diesem Prozess auch nach Abschluss der Bund-Länder-Kommission miteinander reden werden. Und wir werden am Ende auch zu Maßnahmen gelangen, die Vielfalt und Meinungsfreiheit auch im Bereich der digitalen Mittler sichern.“

  • EU gruenderszene: Viel Glück im nächsten Job, Günther Oettinger!: Sagen wir es mal so: Günther Oettinger hatte nicht den allerbesten Ruf. Vor allem nicht bei Menschen, die etwas vom Internet verstehen. Das wäre ja nicht weiter schlimm, wenn er sich nicht beruflich auf höchster europäischer Ebene mit diesem Thema hätte auseinandersetzen müssen – als Digitalkommissar bei der Europäischen Kommission in Brüssel. Sein Aufgabengebiet waren digitale Wirtschaft und Gesellschaft. Auch abseits von seinem Kerngebiet verwechselte der ehemalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg gerne mal rassistische Sprüche, Frauenfeindlichkeit oder mangelnde Englischkenntnisse mit Leutseligkeit und Volksnähe. Seine zwei Jahre als Digitalkommissar sind jetzt jedenfalls beendet. Oettinger selber wertet seine Amtszeit übrigens als vollen Erfolg.

  • 33C3 netzpolitik: „Nicht öffentlich.“ – Skript zum Theater über den NSA-Untersuchungsausschuss veröffentlicht: So manches Mal gleichen die Sitzungen des bald zu Ende gehenden NSA-Untersuchungsausschusses einem absurden Theaterstück. Da nicht jeder die Gelegenheit hat, eine der Sitzungen im Bundestag zu besuchen, haben Kai Biermann und ich charakteristische Szenen zu einer Inszenierung zusammengestellt. Sie vermitteln einen Eindruck von den Mühen, einen Geheimdienst als Zeugen zu vernehmen. Auf dem 33. Chaos Communication Congress feierte das Stück mit dem Titel „Nicht öffentlich.“ Premiere. Wer nicht live dabei sein konnte, kann sich das Stück auf media.ccc.de ansehen und herunterladen

  • SOCIAL MEDIA onlinemarketingrockstars: Das sind die erfolgreichsten Instagram-Foto-Postings deutschsprachiger Influencer 2016: Der Titel der am schnellsten wachsenden und Engagement-stärksten Plattform 2016 dürfte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Instagram gebühren. Aber welche Inhalte funktionieren in dem Foto-Netzwerk besonders gut, welche Influencer verbuchen die meisten Interaktionen und mit welchen Kniffen kann man die Interaktionsrate steigern? Das zeigt ein Online Marketing Rockstars exklusiv vorliegendes Ranking der erfolgreichsten deutschsprachigen Instagram-Posts aus dem vergangenen Jahr.

Weiterlesen »

FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me

  • DATENSCHUTZ politik-digital: Datenbasierter Wahlkampf: Was ist drin?:Tür-zu-Tür-Wahlkämpfe gelten als effektives Mittel der Wahlwerbung: Wie nicht nur die Kampagnen vor der Präsidentschaftswahl in den USA zeigen, sondern auch immer mehr Wahlkämpfe in Frankreich und Deutschland. Doch wie effektiv sind solche Tür-zu-Tür-Wahlkämpfe, was bringen und was kosten sie? Im Interview erläutert Guillaume Liegey, CEO des Start-ups Liegey Muller Pons, wie seine Firma datengestützte Haustürwahlkämpfe organisiert und was man mit datenbasierten Kampagnen erreichen kann.

  • INTERNATIONAL heise: Reporter ohne Grenzen: 74 Medienschaffende wegen ihrer Arbeit getötet: 74 Journalisten und andere Medienschaffende sind nach Angaben von Reporter ohne Grenzen (ROG) im vergangenen Jahr wegen ihrer Arbeit getötet worden. Die gefährlichsten Länder seien in diesem Zusammenhang Syrien, Afghanistan, Mexiko, der Irak und der Jemen. 53 der Getöteten seien wegen ihrer Arbeit gezielt angegriffen worden. Die übrigen 21 starben im Einsatz, etwa während der Arbeit in einem Kriegsgebiet. Unter den Opfern waren fünf Frauen. In den vergangenen Jahren waren noch deutlich mehr Medienschaffende getötet worden, 2015 etwa waren es 101. Der Rückgang beruhe vor allem darauf, dass viele Journalisten aus gefährlichen Ländern fliehen mussten. Von dort gelangten deshalb nur noch wenige unabhängige Informationen nach außen.

  • APPNEXUS horizont: „Nicht unsere Aufgabe, eine Überzeugung gegenüber der anderen zu bevorzugen“: Als einer der weltweit größten Technologiedienstleister ist AppNexus für einen Großteil der programmatisch ausgesteuerten Werbung im Netz verantwortlich. Das Unternehmen sorgte jüngst für Schlagzeilen, als es die populistische US-Plattform Breitbart.com aus seinem Vertriebsnetz nahm und sie auf diese Weise von den Werbeeinnahmen entkoppelte. Gegenüber HORIZONT Online erklärt Ulrich Hegge, Deutschlandchef von AppNexus, warum genau Breitbart ein Problem darstellt und warum Werbung überhaupt auf solche Seiten gelangt.

  • APPLE giga: iPhone 8: Angeblich alle Modelle mit „Edge“-OLED-Displays von Samsung: The Korea Herald will Genaueres zu Apples Displayplänen für das iPhone 8 erfahren haben. Den Quellen der Zeitung zufolge hat Apple bei Samsung OLED-Displays für alle Modelle des iPhone 8 in Auftrag gegeben. Dabei soll es sich um Plastik- statt Glas-Displays handeln – was dafür spreche, dass Apple gebogene Displays einsetzen werde. „Gebogen“ dürfte in dem Fall bedeuten, dass das Display ähnlich wie bei Samsungs Galaxy S7 edge auch ein Stück über die Kanten hinweg reichen wird.

  • BMW golem: BMW holt das Hologramm ins Auto: Die Bedienelemente der Klimaanlage, der Navigation oder des Radios sollen bei BMWs Holoactive Touch vor dem Fahrer frei im Raum schweben. Sie unterscheiden sich so von einem Head-up-Display, dessen Bild auf beziehungsweise vor der Windschutzscheibe erscheint. Die Schnittstelle arbeitet wie ein Touchscreen. Die im Raum schwebende Anzeige wird mit Fingergesten bedient. Das farbige Bild wird ähnlich wie beim Head-up-Display durch geschicktes Spiegeln erzeugt. Wie das genau funktioniert, verrät BMW noch nicht. Die frei konfigurierbaren Schaltflächen werden rechts neben dem Lenkrad eingeblendet und sind nur für den Fahrer erkennbar. Eine Kamera erkennt dessen Fingerbewegungen: Berührt der Fahrer mit der Fingerspitze den virtuellen Knopf, wird die verknüpfte Funktion ausgeführt. Außerdem soll ein haptischer, spürbarer Impuls ausgesandt werden. Auch dazu machte BMW keine näheren Angaben.

Weiterlesen »

Auf der Suche nach dem Karriere-Nadelöhr – Über die Zukunft des Journalismus

apple-minianwendungen-image-by-pexels-via-pixabay

Journalisten müssen ihr traditionelles Handwerk beherrschen und neue Kompetenzen mitbringen.

Der amerikanische Medienprofessor Jeff Jarvis steht vor den gleichen Herausforderungen wie alle anderen Journalistenschulen: wie man den Wandel lehrt, wie man dem journalistischen Nachwuchs genug Tools so beibringt, dass sie sie hinterher beherrschen, ohne deshalb unentbehrliche Zeit von der Vermittlung der grundsätzlichen Fähigkeiten und Wahrheiten des Journalismus abzuziehen, „wie man dem Wandel unseres Feldes voraus bleibt, aber die Studenten trotzdem auf die Stellen vorbereitet, die heute existieren.

Es gebe keine bessere Zeit, um Journalismus zu unterrichten, und keine bessere Zeit, um Journalist zu werden, als heute. „Unsere heutigen Studenten sind nicht nur technologisch versierter, als wir es je sein könnten, sondern sie sehen auch die Welt mit neuen Augen. Ich dränge sie, sich diesen frischen Blickwinkel zu bewahren und ihn zu benutzen, um alle unsere Annahmen infrage zu stellen und herauszufordern, damit sie sich eine neue Zukunft für den Journalismus vorstellen und sie aufbauen können“, betont Jarvis.

Social Media und Storytelling beherrschen

Optimistisch beurteilt auch der Hörfunk- und Fernsehjournalist Kai Rüsberg die Jobperspektiven in der Medienbranche: „Der Bedarf nach hochqualifizierten Kräften ist trotz Stellenabbaus vorhanden. Es scheiden in den kommenden Jahren viele Redakteure aus Altersgründen aus und es entstehen ständig neue Aufgabenfelder, sowohl in Print, Online und elektronischen Medien. Zudem gibt es in Unternehmen immer mehr Nachfrage nach qualifizierten Social Media Managern und Redakteuren und Autoren für Content Marketing in allen Facetten. Dafür werden Journalisten gebraucht, die ihr Handwerk gut beherrschen“, betont Rüsberg, der auch als Dozent für Kommunikationspolitik an der Westfälischen Hochschule tätig ist und das Netzwerk für Medieninnovationen MediaLab NRW initiierte.

Gefragt seien eine Vielzahl von Kompetenzen: „Es fängt damit an, sich kurz und prägnant auszudrücken, Storytelling zu beherrschen, kommunikativ zu sein sowie verschiedene Mediengattungen bedienen zu können und auch die technischen Fähigkeiten mitzubringen. Wer frei arbeiten will, muss zudem auch in der Lage sein, Innovationen zu entwickeln oder sie zumindest schnell zu adaptieren und seiner Arbeit eine deutliche persönliche Note und wiedererkennbare Marke zu geben. Besondere Bedeutung bekommt auch die Fähigkeit, eine Verlässlichkeit und Vertrauenswürdigkeit zu vermitteln“, sagt Rüsberg.

Die Chancen, eine feste Stelle zu bekommen, sind nach seiner Einschätzung nicht schlechter als in den vergangenen Jahren. „Die Frage ist eher, ob die Bezahlung auch fair ist. Nicht selten wird man Jobs unter Tarif oder zeitweilig unbezahlt angeboten bekommen. Dennoch wird auch bei den schlecht bezahlten Tätigkeiten besonderer Einsatz erwartet“, erläutert Rüsberg im journalist.de-Interview.

Für die Zukunft rechnet er in den Medienhäusern mit flacheren Hierarchien und weniger hoch bezahlten Chefposten. Spitzenpositionen in einem Blog seien schlechter dotiert als Chefredakteursposten alter Prägung. „Auch in der PR gehen aufgrund des Überangebots von Bewerbern seit Jahren die Gehälter drastisch nach unten. Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk werden vermutlich nur noch wenige Spitzenpositionen mit externen Kandidaten besetzt – und nur dann, wenn man sich erhofft, damit Expertise zu bekommen, die man selbst nicht hat. In kleinen Medieneinheiten könnte es üblich werden, dass das Gehalt des Führungspersonals stark am Umsatz orientiert ist“, prognostiziert Rüsberg.

Liveübertragungen kann nicht jeder

Die Perspektiven für gute Journalisten sind nach Einschätzung von Franziska Bluhm, Leiterin für Digitale Vernetzung bei der Verlagsgruppe Handelsblatt, besser denn je: „Wer sein Handwerk versteht, ein Gespür für gute Geschichten hat und versteht und anwenden kann, wie seine Geschichten eine möglichst große Öffentlichkeit finden, wird als Journalist gut arbeiten können – ob fest angestellt oder frei.“ Es komme aber auf die Kompetenzen an: „Fähigkeit zur Zusammenarbeit in interdisziplinären Teams, was ein viel größeres Grundverständnis von Analytics, Coden, Videobearbeitung, Optiken und Datenvisualisierung voraussetzt. Und am besten hat man selbst auch Erfahrungen auf diesen Gebieten, um im Ernstfall auch aushelfen zu können“, sagt Bluhm. Anwachsen werde das projektbezogene Arbeiten in freien Tätigkeiten. Zudem werden gute Autoren noch spezialisierter unterwegs sein. „Die Vielzahl der unterschiedlichen Plattformen, die bedient werden müssen, erfordert mehr Spezialwissen. Also spezielles Storytelling für jeden Kanal – und das wird extrem kleinteilig“, vermutet Bluhm. Liveübertragungen in unterschiedlichen Kontexten könne beispielsweise nicht jeder: „Es ist eben etwas anderes, ob du live in einem mobilen oder stationären Szenario auf Sendung gehst.“ Für die Jobperspektiven seien Netzwerkstärken, eigene Communities und Managementfähigkeiten essentiell.

Wie gut ist die digitale Kompetenz von Verlagsmanagern?

Verlagsmanager, die den angehenden Journalisten empfehlen, Programmierkenntnisse zu erwerben, sollten allerdings selbst ebenso in der Lage sein, das eigene digitale Hundefutter zu essen. So etwas habe der Geschäftsführer einer großen Regionalzeitung, die online sehr erfolgreich ist, auf den Münchner Medientagen propagiert, sagt Frankfurter Rundschau-Chefredakteurin Bascha Mika gegenüber journalist.de: „Solange dieser Geschäftsführer selber nicht in der Lage ist, Programme für die Bilanz seines Verlages zu schreiben, solange kann er ähnliches nicht von Journalisten verlangen“, bemerkt Mika.

Wichtiger sei die enge Verzahnung unterschiedlicher Disziplinen. Sowie jedes gute Magazin zusammen mit einer Art-Redaktion entwickelt wird, komme es auf die gute Mischung zwischen Onlinern und Generalisten für unterschiedliche Plattformen an. Universaltalente hält das Notiz-Amt für unverzichtbar.


Image „Apple Minianwendungen“ by Pexels (CC0 Public Domain)


Weiterlesen »

Die New York Times peilt zehn Millionen digitale Abonnenten an

New_York_Times (adapted) (Image by Samchills [CC BY 2.0] via Flickr)

„Wir haben uns das Ziel gesetzt, zehn Millionen digitale Abonnenten zu erreichen“, sagte der New York Times-Geschäftsführer Mark Thompson, während der jährlichen UBS Global Media Conference in New York, vor wenigen Tagen. Auch wenn das noch etwas hin ist — im September hatte die Times schon ca. 1,6 Millionen digitale Abonnenten, auch im Zusammenhang mit ihrem Kreuzworträtsel — wir sehen definitiv den Fortschritt imStrategie-Plan 2020, der auch von dem bereits zwei Jahre alten Innovations Bericht angekurbelt wurde.

Die Times hat seit dem 1. Oktober etwa 200.000 neue (Netz-) Abos verkauft. Dabei handelt es sich um eine erstaunliche Bilanz. Man munkelt, dass die Rate um das Zehnfache zum Vorjahresvergleich gestiegen sei. Die neuen Abos werden zunehmend online getätigt und bringen der Times eventuell bis zu 30 Millionen US-Dollar extra zu ihrem Einkommen – was auch dringend benötigt wird, nachdem die Times im dritten Quartal einen 18prozentigen Verlust bei der Printwerbung feststellen musste.

Durch die Wahl Donald Trumps kam es nach dem 8. November 2016 zu einem Anstieg der Abozahlen. Zuvor hatte die Times im dritten Quartal ihre Abonnentenzahl aber schon verdoppelt; genau das zeigt die Macht des Journalismus und die analytische Intelligenz, mit der man gelegentliche Leser als Abonnenten gewinnt. Zudem hat die Times seine Aktivitäten auf Facebook verstärkt. Vor der Kampagne haben Besucher, die auf einen Link bei Facebook geklickt haben, kostenlos lesen können, von nun an wird man nach zehn Artikeln zum Zahlen aufgefordert. Die Times hat außerdem die Teilnahme an den Instant Articles eingestellt.

Abonnenten außerhalb der USA

Abonnenten aus der ganzen Welt bilden 13 Prozent der gesamten Abos der Times ab, so Thompson. Während diese Zahl relativ stabil blieb, ist dennoch die Anzahl an internationalen Abonnenten der Digitalversion – mittlerweile dürften es rund 200.000 sein – bemerkenswert. Während der Anstieg wegen Trump bei den US-Abonnenten deutlich erkennbar ist, dürfte der internationale Prozentsatz die Times dennoch ermutigend sein: der Zuwachs an Kunden außerhalb der USA ist treibendes Element der neuen Strategie.

Gut 22 Prozent des Gesamteinkommens der Times errechnet sich aus der Printwerbung. Daraus ist erkennbar, dass man sich weniger auf die Einkommenskategorie verlässt, die Zeitungsfirmen den größten Kummer bereitete, oder, um es mit Thompsons Worten zu sagen: „Wir sehen die Entschuldung und Ausschaltung der Printwerbung.“ Die Folgen sind klar: Indem man sich zunehmend auf das Einkommen der aufstrebenden Branchen innerhalb eines Business verlässt und die Branchen vernachlässigt werden, die ohnehin aussterben, ist eine Weiterentwicklung durchaus möglich.

Das Inhaltsgeschäft ist schwächer als gedacht

Bei der erwähnten Konferenz hatte Thompson vorhergesagt, dass die Times ihr ursprüngliches Inhaltsgeschäft in 2016 „fast verdoppeln“ könnte (bei 35 Millionen US-Dollar im Jahr 2015). Als er gefragt wurde, ob die Firma noch auf diesem Weg sei, verneinte Thompson. „Sie ist nicht so gewachsen, wie ich es mir gewünscht hatte“, sagte er, aber deutete auch an, dass das Business weiterhin bedeutend wachse.

Thompson sprach die 360 Grad-Kampagnen von Samsung an und nannte über die Werbeträger-Beziehungen, die man nun in einem Spitzen-Markt erwarten könne. „Marketingchefs denken jetzt anders. Sie wollen nicht über Werbung reden. Wir verkaufen jetzt weiße Flächen… leere Flächen.“

Das Einkommen von geschützten Marken ist eine absolute Priorität für die Times und die nationalen Kollegen, während digitale Anzeigenkunden gleichzeitig Druck verspüren, die Preise zu senken und die Doppelherrschaft von Google und Facebook begutachten. Obwohl die Verkaufszahlen der digitalen Abos Mut macht, muss die Times dennoch abschätzen, wie weit die geschützten Marken in den nächsten Jahren wachsen können.

Zehn Millionen digitale Abonnenten

Diese Zahl warf Thompson vor wenigen Tagen in den Raum – meiner Erinnerung nach zum ersten Mal: „Wir haben uns das Ziel gesetzt, zehn Millionen digitale Abonnenten zu erreichen“. Natürlich nannte er dabei keinen Zeitraum. Dennoch kann uns diese Zahl einigen Aufschluss über die neuen Möglichkeiten der Times in Zeiten des Smartphones geben. Der Aktienkurs der Times, der seit Juni bereits um 20 Prozent gestiegen ist, stieg vor wenigen Tagen noch einmal um drei Prozent, nachdem Analysten und Investoren diese Wachstumspläne anscheinend positiv aufgefasst haben.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Nieman Journalism Lab“ unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „New York Times“ by Samchills (CC BY 2.0)


Weiterlesen »

Paris lohnt sich. Ein Jahr nach den Attentaten vom 13. November 2015

solidarity-with-the-victims-of-the-paris-attacks-in-november-2015-image-by-christian-michelides-cc-by-sa-4-0-via-wikimedia-commons

Der 13. November. Er erscheint auf der Anzeige der Bahn, die ich an dem Tag nehme und ich bekomme Gänsehaut – ganz ähnlich, wie es mir jahrelang mit dem 11. September ging, nur dass die Erinnerungen aus dem persönlichen Erleben und nicht aus Fernsehberichten belebt werden.

Diese schreckliche, kalte Nacht, in der so viele Unschuldige ihr Leben lassen mussten. Paris war in der Schockstarre und ich war mittendrin.

Was hat sich seitdem getan? Die Pariser Terrassen sind wieder voller Leben. Wer sich unweit der Tatorte auf einen Kaffee trifft, spürt nichts mehr von dem Grauen. Den Hashtag #jesuisenterrasse (zu deutsch: „Ich bin auf der Terrasse“), der nach den Attentaten kursierte, haben sich die Pariser zu Herzen genommen. Ihnen kann kein Terror die Lebensfreude nehmen.

Und auch das Bataclan hat, frisch renoviert, wieder seine Pforten geöffnet.

Doch die Touristenmassen bleiben aus. Vereinzelt sieht man sie in den Gemäuern des Louvres die Mona Lisa fotografieren oder in den endlosen Schlangen des Eiffelturms, in dem der Sicherheitscheck mehr als Ernst genommen wird. Seiteneingänge von öffentlichen Gebäuden werden wegen „Alerte Attentat“ (Alarm Attentat) weiterhin gesperrt und Haupteingänge sind nur mit Taschenkontrolle zugänglich.

Ähnlich war es bei der EM 2016, die erst freudig und dann ängstlich in Frankreich erwartet wurde. Ich arbeitete in einem deutschen Radio-Team, das teilweise schon für das Deutschlandspiel am 13. November 2015 in Paris war. Schon in der Teambegrüßung stand das Thema Sicherheit selbstverständlich ganz oben auf der Agenda. Wie verhalte ich mich in einer Notsituation? Wenn ein Kollege verletzt oder bedroht wird? Ich machte Straßenumfragen und oft kam das Gespräch – gewollt oder ungewollt – auf die Attentate. Die Ansichten waren unterschiedlich, das Thema aber durchweg omnipräsent und passte so gar nicht zu einem französischen Sommermärchen. Es musste noch nicht mal die Fussball-Elite nach Frankreich kommen, um zu zeigen, wie sehr die Attentate die Stadt auf merkwürdige Weise lähmten.

An einem Abend saßen wir ruhig draußen auf der Terrasse. Immer noch mit einem mulmigen Gefühl, denn genau in so einer Situation wurden Menschen aus dem Leben gerissen. Plötzlich platze eine Glühbirne mit einem lauten Knall. Wäre das vor ein paar Wochen passiert, hätten die Menschen sich umgedreht und gewundert, woher das Geräusch kam. Dieses Mal sprangen allen wie paralysiert auf, einige schrien sogar und rannten ins Innere des engen Cafés. Kein Gewehrschuss- nur eine Glühbirne. In solchen Situationen weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll und mir wurde bewusst, dass wir (Wahl-) Pariser lange brauchen würden, bis diese Wunden verheilt sind.

Betroffenes Schweigen, wenn ich von meiner Paris-Zeit erzähle, das mir immer den Impuls gibt, meine zweite Heimat in den Schutz zu nehmen. Denn so grausam das Erlebte war, so berührend war das gemeinsame Trauern, Aufmuntern und Unterstützen in den Tagen danach.

Ich war eine von Vielen, die zum Place de la Republique pilgerte. Dem Platz, an dem schon nach Charlie Hebdo für die journalistische Freiheit demonstriert wurde. Blumen- und Kerzenmeere zwischen weinenden Menschen, die sich gegenseitig stützten. Noch nie fühlte sich Paris so vereint an – #NousSommesUnis (#Wirsindvereint).

Das, was laut in den Medien verbreitet wurde, war jedoch nichts gegen die leise Anteilnahme vor Ort. Die riesige Schlange vor den Krankenhäusern der Freiwilligen, die Blut spendeten. Mein Bäcker, der mir am Morgen danach sagte, dass er glücklich sei, mich lebend anzutreffen. Meine Freundin, die trotz eines schweren Verlustes nicht aufgegeben hat und am Leben festhält. Meine Professoren, die verstanden, dass der Journalismus-Master gerade pausieren musste – keiner von uns Studenten war in der Lage, sachlich über Aktualität zu diskutieren. Sie setzten sich stattdessen mit uns hin und analysierten die Rolle der Journalisten und Medien. Eine großartige Transferleistung, haderten wir alle doch mit dem angestrebten Berufsbild, das durch den Sensationsjournalismus dieser Tage ins Wanken geriet.

Das, was mich meine Zeit in Paris gelehrt hat, war dieser bewundernswerte Stolz und das Durchhaltevermögen der Franzosen, die diese Stadt wieder zum Leben erweckt haben. So konnte man schon kurz nach den Attentaten lesen:

Wenn einen Trinken gehen, ein Konzert- oder Fussballspielbesuch zum Kampf wird, dann zittert, Terroristen! Denn darin sind wir gut trainiert!!

Wir geben nicht  auf und wir sind stärker als das, was uns für ein paar Momente den Atem nahm. Deswegen prägen meine Erinnerungen trotz der grausamen Taten auch intensive Begegnungen, viel Menschlichkeit und bewundernswerte Stärke Einzelner.

Das macht die Stadt so langsam wieder zu dem, was sie ist: Ein riesiges Labyrinth aus Kulturstätten, wunderschönen Häusern im Haussmann-Stil, vollen Metros mit ihren modebewussten Mitfahrern und teuren, aber außerordentlich leckeren französischen Restaurants, in denen es sich wunderbar zu Kerzenschein Rotwein trinken lässt. Buchen Sie ihr nächstes Ticket in die Metropole! Es lohnt sich!


Image Solidarity with the victims of the Paris Attacks in November 2015 by Christian Michelides (CC BY SA 4.0)


Weiterlesen »

Filmen und Fotografieren mit Drohnen: Was Einsteiger beachten sollten

drone-image-by-unsplash-via-pixabay-[CC0 Public Domain]

Dank Smartphone-Apps und Videobrillen erstellen selbst Einsteiger in wenigen Minuten Luftaufnahmen mit Drohnen. Unser Selbsttest hat das eindrucksvoll gezeigt. Doch das Fliegen von Drohnen ist komplexer als nur eine App mit Fingergesten zu bedienen. Wir haben mit Joseph Metz vom Drohnenbranchen-Portal U-ROB darüber gesprochen, was Einsteiger vor dem Kauf und während des Flugs beachten sollten.

Hallo Herr Metz, Sie leiten Schulungen für Drohnenpiloten. Warum ist es keine gute Idee einfach so loszulegen?

Es reicht nicht, nur den Automatik-Modus zu beherrschen. Dank GPS fliegen Drohnen automatisch stabil und verhindern Fehlbedienungen. Ein Problem haben unerfahrene Piloten dann, wenn doch ein Hilfssystem ausfällt und eine manuelle Steuerung nötig ist. Das führt oft zur Bruchlandung. Weil die Automatik in 99,9 Prozent aller Fälle funktioniert, wiegen sich die Anwender in trügerischer Sicherheit. Es ist heutzutage üblich, dass man neue Technik intuitiv ausprobiert. In anderen Bereichen funktioniert das ja auch so. Aber Drohen sind kein Spielzeug, sondern Flugobjekte, die erheblichen Schaden anrichten können.

Was sind typische Anfängerfehler?

Waren die ersten Flugversuche erfolgreich, verlassen sich viele Neupiloten auf die Flugautomatik und konzentrieren sich stattdessen auf den Monitor mit dem Kamerabild. Dabei bemerken sie dann vor lauter Begeisterung zu spät, wenn die Drohne in einen Baum rauscht.

In anderen Fällen wissen Einsteiger nicht, dass der Kompass-Sensor durch die Karosserie von parkenden Autos, Gullideckel, Mobilfunkmasten oder Bewehrungsstahl in Mauern leicht gestört werden kann. Das bringt dann die Schwebeflug-Automatik durcheinander. Möchte dann jemand einen Image-Film von einem Firmengebäude filmen oder als Handwerker das Dach inspizieren, besteht Absturzgefahr. Können Piloten Störfaktoren vorab einschätzen und wissen sie, wie man manuell fliegt, gibt es kein Problem.

Ist es möglich, sich auch ohne Schulung autodidaktisch schlau zu machen?

Wenn Sie wollen, können sie sich tagelang im Web tiefgehendes Wissen über Luftrecht, technische Grundlagen und Störfaktoren anlesen. Wer nur gerade so das Geld für einen Drohnenkauf zusammenbekommen hat und sich keinen Workshop leisten möchte, soll sich lieber dort informieren, als völlig unbedarft loszufliegen. Viele Foren bieten auch durchaus wertvolle Tipps. Aber wie so oft sind sie gleichzeitig auch voll von technischen und rechtlichen Fehlinformationen, die lange Zeit oder nie richtiggestellt werden. Gefährliches Halbwissen eben. Fast täglich stoße ich darauf.

Welche Quellen empfehlen Sie fürs Selbststudium?

Mit einer kurzen Suche findet man bei YouTube diverse Kanäle, die Hardware vorstellen. Beim Abwägen von Kaufentscheidungen sind sie hilfreich. Viele der mir bekannten Betreiber leisten sich aber Schnitzer im Luftrecht. Rechtlich sauber und verbindlich ist eine Broschüre des Bundesverkehrsministeriums.

Welche luftrechtlichen Grundsätze sollten Anfänger beherzigen?

Generell dürfen Drohnen nur tagsüber, also von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang aufsteigen. Langzeitbelichtungen in der Nacht sehen zwar toll aus, sind aber illegal. Fliegt die Drohne außerhalb eines Modellflugplatzes? Dann bitte nur unter 5 Kilo Abfluggewicht. Aber das trifft auf die meisten handelsüblichen Produkte zu.

Bei gewerblichen Einsätzen ist eine Flughöhe von bis zu 100 Metern erlaubt, per Sondergenehmigung geht es auch höher hinaus. Für Freizeitpiloten ist der Luftraum sogar in bis zu 760 Metern Höhe unkontrolliert. Das ist aber nur ein theoretischer Wert. Denn Drohnenpiloten sind verpflichtet, nur in Sichtweite zu manövrieren. Sie müssen Lage und Flugrichtung eindeutig erkennen können. In der Praxis gelingt das mit kleinen, handelsüblichen Drohnen niemanden jenseits von 100 Metern Entfernung.

Wer Drohnen kommerziell einsetzt, also etwa für gewerbliche Filmaufnahmen, braucht eine Aufstiegserlaubnis. Wo es die gibt, hängt vom Bundesland ab. Hier helfen die Broschüre des Bundesverkehrsministeriums und meine Themenseite auf U-ROB weiter.

Brauche ich auch als gelegentlicher Freizeitpilot eine Haftpflichtversicherung?

Einen Versicherungsschutz brauchen Drohnenpiloten immer! Ob privater oder gewerblicher Einsatz – das spielt keine Rolle. Kommt es hart auf hart, sind Schäden oft viel kostspieliger als bei einem Autounfall mit Blechschaden. Das möchte niemand aus eigener Tasche zahlen! Viele der vorhandenen Versicherungspolicen regulieren Schäden durch Modellflüge nur eingeschränkt oder gar nicht. Dies sollte man erfragen und im Zweifelsfall eine Zusatzversicherung abschließen. Für private Zwecke kostet eine Police zwischen 30 und 50 Euro im Jahr, gewerbliche Piloten zahlen nochmals 100 Euro drauf.

Wo sollte ich lieber nicht fliegen?

Es gibt generelle Flugverbotszonen, zum Beispiel rund um Flughäfen und -plätze, Militärstützpunkten und Kernkraftwerken. Als Faustregel gilt ein Abstand von 1,5 Kilometern. Selbst in einem größeren Abstand etwa zu einem Verkehrsflugplatz kann die Flughöhe auf 30 oder 50 Meter begrenzt sein. Rechtlich verbindlich sind Karten auf der Webseite der Deutschen Flugsicherung. Zusätzlich gibt es kurzzeitige Flugverbotszonen, die in diesen Karten nicht verzeichnet sind. Zum Beispiel wurde beim Obama-Besuch 2016 der Luftraum in einem Radius von 55 Kilometern um Hannover gesperrt. Einige Drohnenpiloten wussten das nicht und wurden festgenommen. Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Stolperfallen. Fast keiner weiß, dass er etwa nicht über den Rhein fliegen darf, weil es sich um eine Bundeswasserstraße handelt.

Wie vorsichtig muss ich rund um fremde Privatgrundstücke sein?

Schwieriges Thema, das ist eine rechtliche Grauzone. Es ist nicht definiert, in welcher Höhe ein Grundstückseigentümer Überflüge oder Flüge in der Nähe dulden muss. Liegt ein kommerzieller Film- oder Fotoauftrag in der Nachbarschaft vor, sind Drohnenflüge legitim. Ein grundsätzliches Verbot oder eine Genehmigungspflicht gibt es nicht. Aber: Fühlt sich ein Anwohner durch Lärm oder in seiner Privatsphäre gestört fühlt, gewichten Gerichte dessen Persönlichkeitsrecht mitunter höher. Allein um des lieben Friedens willen sollten Piloten daher vor dem Drohnenstart das Gespräch suchen. Spätestens anhand solcher Beispiele erkennt man, wie komplex das Luftrecht ist – auch für Freizeitpiloten.

Ist Fliegen doch nicht so einfach, wie es die Werbeaussagen von Drohnenherstellern á la „Anyone can fly“ suggerieren?

Solche Werbeaussagen zeichnen nicht das ganze Bild. Natürlich kann jeder dank Hilfssystemen innerhalb weniger Minuten abheben. Schon aus Eigeninteresse speichern die Hersteller auch Flugverbotszonen in das Kartenmaterial der Drohnen. Das geschieht aber manchmal halbherzig. Mir ist ein Modell bekannt, mit dem man praktisch bis auf die Landebahn eines großen deutschen Flughafens vordringen konnte, bevor die Sperre griff. Nur wer sich als Pilot selbst mit dem Luftrecht auskennt, geht auf Nummer sicher und macht sich im Zweifel nicht strafbar.

Worauf sollten Einsteiger beim Drohnenkauf achten?

Zuallererst sollten sie nicht am falschen Ende sparen. Empfehlenswerte Freizeitmodelle gibt es ab 300 Euro, Profi-Drohnen ab rund 1000 Euro. Die Hardware-Daten sind häufig ebenbürtig, daher fällt die Wahl oft auf das scheinbar preiswertere Angebot. Hundert Euro Ersparnis sind aber ein schwacher Trost, wenn fehlerhafte Software zu Abstürzen führen kann. Ich habe selbst schon bei einer Drohne eines führenden Herstellers erlebt, dass sie beim Wechsel von Automatik zu manueller Steuerung eine falsche GPS-Position annahm und mit Vollgas in die falsche Richtung flog. Viele Produkte stecken voller Kinderkrankheiten. Einsteiger legen sie dann schnell unglücklich beiseite.

Wie kann ich als Käufer schlecht programmierte Drohnen erkennen?

Das kann man auf dem Papier nicht ablesen. Gerade für Einsteiger ist es tatsächlich noch schwer, diesen jungen Markt zu Überblicken. Verlässliche Referenzlösungen gibt es nicht. Die Online-Shops quellen über vor billigen Nachbauten. Auch die Infrastruktur für Beratung, Handel und Service ist erst im Aufbau. Modellbauhändler und Elektronikmärkte haben in der Regel noch zu wenig Know-how. Eine eigene Webrecherche auf einschlägigen Testseiten ist unverzichtbar. Im Idealfall finden Interessierte bereits einen spezialisierten Händler oder erfahrenen Drohnenpiloten in der Region, die Testflüge ermöglichen.

Kann die Drohnenfliegerei vor diesem Hintergrund überhaupt ein massentaugliches Thema werden?

Zivile Drohnen sind ja schon ein Milliardenmarkt. Den notwendigen Sprung in der technologischen Entwicklung haben wir hinter uns. Wir sind jetzt in einer Phase von inkrementellen Innovationen. Alles wird noch ausgereifter. Ich gehe auch davon aus, dass die Zahl der Hobbyflieger nicht mehr stark wachsen wird. Es ist ein Thema für gewerbliche Anwender, die heutzutage für Luftaufnahmen oder Spezialmessungen für die Anschaffung der Drohne nur noch ein Zehntel dessen ausgeben müssen, was vor ein paar Jahren anfiel.

Für wen lohnen sich Kameradrohnen?

Dachdecker und andere Handwerker sind eine sehr große Zielgruppe. Mit Drohnen können sie Dächer prüfen, ohne auf einer Leiter hochzuklettern. Landvermesser, Inspekteure von Brücken und Hochspannnungsleitungen sowie Landwirte sind eine kleine, aber wachsende Kundschaft. Bildjournalisten sehen Kameradrohnen natürlich auch immer öfter als Arbeitswerkzeug, weil sie keine Cessna-Piloten mehr beauftragen müssen.

Was muss ich als Journalist oder Blogger investieren, um fit in der Drohnenfliegerei zu werden?

Rund 2.500 Euro sind eine übliche Größenordnung für die Erstausrüstung inklusive Zubehör. Etwa 20 bis 25 Flugstunden Trainingspensum sollte man mindestens einplanen. Dann hat man genügend Grundroutine, um einfache Aufträge zu absolvieren. Richtig gute Filmaufnahmen setzen aber viel mehr Übung und Know-how voraus. Das ist ein Thema für sich.

Danke für das Gespräch.

Über den Experten

Speaker Sebastian Kluth
Joseph Metz

 


Joseph Metz schult Drohnenpiloten, vertreibt und repariert Drohnen und informiert rund um das Thema auf seiner Webseite U-ROB. Das Thema fasziniert ihn seit 13 Jahren. Sein Quereinsteiger-Werdegang ist typisch. Der Hobby-Modellflieger und gelernte Industrieelektroniker montierte 2003 erstmals Digitalkameras an Modellflugzeuge. Diese Form der Luftfotografie professionalisierte er weiter und gründete 2005 sein erstes Unternehmen. 2011 stieg er mit der Height-Tech GmbH in die Produktion von Industriedrohnen ein, beide Unternehmen wurden 2014 an die SPECTAIR GROUP verkauft. Anschließend gründete er die U-ROB GmbH in Bielefeld als Schulungs- und Beratungsunternehmen für professionelle Anwender.


Image: „Drone“ by Unsplash (CC0 Public Domain)
Images by Joseph Metz


Weiterlesen »

Destination Check: VDZ Publishers‘ Summit

Vom 7. bis 8. November 2016 fand der diesjährige Publishers‘ Summit in Berlin statt. Hier trafen sich die Vertreter der großen Verlagshäuser, um sich über die Entwicklungen in der Medienwelt auszutauschen – von wirtschaftlichen Themen wie die Zukunft des Print- und Onlinegeschäfts bis hin zu journalistischen Grundfragen wie dem Pressekodex wurden die Themen der Zeit besprochen.

Neben den großen Köpfen der deutschen Verlagswelt waren auch Chefredakteure wie Giovanni di Lorenzo, Jörg Quoos und Tanit Koch zu einer Expertenrunde geladen. Bei den politischen Keynotes äußerten sich unter anderem Wolfgang Schäuble und besonders Martin Schulz , der Präsident des Europäischen Rats und Can Dündar mit sehr berührenden Worten zur Lage der Medienwelt. Ich habe mich für die Netzpiloten umgehört, wie die Besucher und die Teilnehmer die Konferenz einordnen.


Moderation: Andrea Thilo, Journalistin, Filmproduzentin, Moderatorin


hiq8htru
Image by Körber Stiftung

Andrea Thilo ist Filmproduzentin, Journalistin und Moderatorin und hat für verschiedene Rundfunk- und Fernsehformate wie DAS!, Tagesschau, Tagesthemen und Liebe Sünde gearbeitet. Auf der Publishers‘ Summit führte sie wie in den letzten Jahren durch das Programm.

 

Wie ist Ihr Gesamteindruck?

Ich habe das schon mehrere Jahre gemacht und mich wieder sehr wohl gefühlt. Ich habe das Gefühl, dass es hier wirklich ein Interesse an Diskurs gibt, auch ein Interesse an Selbstbefragung und auch daran, Antworten zu finden auf die Frage, welche Rolle und Verantwortung Medien in einer wirklich herausfordernden Zeit haben. Egal, ob wir nach Amerika, nach Deutschland oder weiter Richtung Osteuropa gucken. Ich habe das Gefühl, ich habe es mit leidenschaftlichen Leadern in dieser Branche zu tun, die das sehr Ernst nehmen.

Das sind aber keine schnellen Antworten, die man darauf findet. Insofern kann man die Welt in 26 Stunden beim Publishers‘ Summit nicht komplett verändern, aber man kann ganz wichtige Denkanstöße geben, und ich glaube, das ist hier passiert. Die Tatsache, dass das Thema Pressefreiheit wieder so hoch auf der Agenda war, oder die Frage nach der Reaktion auf die Digitalisierung, Adblocking, Steuerfragen, dass das weiterhin so hoch gespielt wird, ist ein gutes Zeichen von genau dieser Verantwortungsübernahme. Ich bin gespannt, worüber wir 2017 diskutieren.

Die Diskussionen werden angestoßen und gehen auch in die Redaktionen zurück. Was hier Verleger besprechen, wird auch seine Rückschlüsse haben auf das, was wir erleben werden. Also zum Beispiel die Frage, wie wir als Medien kritisch miteinander umgehen sollen, oder die Frage nach dem journalistischen Ehrenkodex. Wir müssen uns noch stärker mit einer gefühlten Realität dort draußen auseinandersetzen, die vielleicht nicht die ist, die in München und Hamburg herrscht. Ich glaube, das nehmen die Leute mit zurück und bringen das auch in Diskussion mit ihren Redaktionen, und das ist wichtig.

Ganz wichtig fand ich auch den letzte Appell von Manfred Braun, dieses „Gemeinsam sind wir stark“. Wir sind zwar ganz klare Konkurrenten, aber wir müssen in dieser Welt der Googles, in einer Welt, in der diese Player womöglich auch noch Autos bauen, in der sich so viel verschiebt, noch stärker zusammenhalten und nach Verbündeten suchen und Wege gemeinsam beschreiten, wo wir es können, ohne uns gegenseitig zu beschädigen.

 

Haben die Speaker und Teilnehmer Ihre Erwartungen erfüllt?

Hier sind ganz viele Fachsprecher gewesen, ich kann daher nicht in Gänze beurteilen, ob in der Tiefe bestimmte Fragen, die diese Branche gerade betreffen, in extenso hier beantwortet worden sind. Vielleicht nicht. Vielleicht bleiben Fragen, aber dafür gibt es dann auch nochmal einzelne, fachspezifische Tagungen. Ich glaube, es sind wichtige Impulse gesetzt worden.

Ich kann nicht sagen, was unbeantwortet blieb, ich kann nur sagen, dass diese Frage der Aufgabe der Journalisten, dass wir eine stabile Demokratie haben wollen, die eine freie Presse unbedingt braucht, dass das so ein Appell gewesen ist, auch für meine eigene Selbstvergewisserung als Journalistin, die ich auch als Moderatorin arbeite, um herauszufinden, wo wir vielleicht diese Flamme noch stärker zum Leuchten bringen können, damit gehe ich bereicherter aus diesen zwei Tagen hervor.

 

Was war Ihr persönliches Highlight?

Die Dankesrede von Can Dündar, der sein Leben und das Leben seiner Familie einer Wahrheit in den Dienst stellt, nach der er sucht, das hat mich einfach unglaublich bewegt. Auch die Rede von Martin Schulz, der als Europäer des Jahres ausgezeichnet worden ist, fand ich toll. Ich hatte immer das Gefühl, er weint gleich, weil es ein so großes Projekt ist, für das er ausgezeichnet wurde, und wir haben es ja heute Morgen beim Talk von Herfried Münkler gehört: Die Rückbindung an 70 Jahre Frieden ist so schwer zu vermitteln, aber es geht um nichts weniger als das.

Ich muss also fragen, wie wir in Bildung, in Schule, in unseren Medien noch stärker appellieren können, dass das keine Selbstverständlichkeit ist. Die Frage ist auch, wie wir bessere Bilder vermitteln können, was Journalismus alles ermöglicht. Da müssen wir ran. Da sind auch Plattformen wie eben auch die Netzpiloten total wichtig, um das zu vermitteln. Vielleicht können wir uns da auch gegenseitig helfen, jenseits des Mülls, der auch im Netz verbreitet wird, eine analysierende Stimme zu haben, eine einordnende Stimme, und was es braucht, um zu einer Haltung zu kommen – und wie man das aufbereiten und weitergeben kann.

 

Würden Sie nächstes Jahr wieder mitmachen?

Also, an mir soll es nicht liegen!

 

Wie würden Sie die Zukunft der Zeitung oder des Printbusiness allgemein in den kommenden fünf bis 10 Jahren etwa einschätzen?

Einer der Speaker hat gesagt, wenn alles immer schneller wird, brauchen wir die Auszeit vielleicht umso mehr. Wir sehen gerade, dass Wellness-Magazine wie Pilze aus dem Boden schießen. Vielleicht wird das Magazin und das Zeitschriftenlesen noch mehr Gewicht bekommen, wenn es nämlich ganz spezielle und individuelle Interessen bedient. Ob das dann gedruckt wird oder nicht, ist völlig egal, wichtig ist, dass Menschen bereit sind, dafür zu zahlen, dass sie sich diese kostbare Auszeit in einem 24-Stunden-Informationsgetöse nehmen können. Daran glaube ich fest.


Besucher: Anna Suckow und Moritz Künkel, Volontäre beim Burda-Verlag


hiq8htru
Image by Anne Jerratsch

Anna und Moritz werden derzeit als Print-Volontäre beim Burda-Verlag ausgebildet. In ihrem Volontariat bekamen sie die Chance, die Konferenz zu besuchen. Sie nutzten diese Chance, um die wichtigen Köpfe der Branche live zu sehen und Kontakte zu knüpfen und sich ein Bild davon zu machen, wie die Chefetage die jetzige wirtschaftliche und politische Situation bewertet.

 

Wie ist euer Gesamteindruck?

Moritz: Für mich war es die erste Veranstaltung so einer Art. Ich fand es super interessant, mal verschiedene Einblicke aus allen bereichen der Medienwelt zu bekommen. Vor allem die Studie des Allensbach-Instituts, wie die Menschen die Medien und die Zeitschriften, also uns, bewerten, besonders in Hinblick auf das Stichwort „Lügenpresse“, fand ich spannend, und auch, um mal einen Einblick zu bekommen, wie unsere Arbeit in Deutschland ankommt.

Anna: Für mich war die große Journalistenrunde am interessantesten. Es ist auch als Volontär spannend, mal so einen Einblick zu bekommen, aber natürlich richtet sich das an eine ganz andere Ebene. Für unsere Praxis konnte ich da noch nicht so viel rausziehen.

 

Haben die Speaker und die Teilnehmer eure Erwartungen erfüllt?

Anna: Von den Ansätzen fand ich die Gesprächsrunde am Besten, also die Frage danach, wie man zur Basis zurückkommen kann. Ich glaube, wenn man in seinem Newsroom sitzt mit seinen Chefredakteuren, kann man leicht den Zusammenhang verlieren, daher fand ich es gut, dass das dann doch in den Köpfen etwas mehr ankommt. Ansonsten fand ich es nicht so sehr innovativ. Ich habe eher gedacht, das wir mehr Sachen hören, die uns überrascht hätten, aber ich habe kaum Sachen gehört, die mir völlig neu gewesen wären.

Moritz: Wir haben uns gestern schon darüber unterhalten. Wir kriegen durch unsere Ausbildung natürlich viel davon mit, weil wir immer mal wieder in allen möglichen Bereichen Input bekommen, darum waren uns viele Ansätze schon bekannt. Ich fand es aber auch ganz gut, mal ein paar Leute aus dem Vorstand zu sehen und miteinander in Kontakt zu kommen.

 

Was war euer persönliches Highlight?

Anna: Für mich war es die Preisverleihung, und mal zu sehen, wer alles da ist und was da passiert. Besonders die Rede von Can Dündar, dem Chefredakteur der Cumhuriyet, hat mich wahnsinnig berührt. Der Moment, als die Standing Ovations kamen und er dastand und sprachlos war, das war Wahnsinn. Wichtig war auch, dass er dazu aufgerufen hat, dass wir nicht mehr besorgt sein brauchen, sondern endlich etwas tun müssen, das fand ich sehr aufrüttelnd. Das werde ich nicht vergessen.

Moritz: Ja, das geht mir auch so. ich fand auch Martin Schulz sehr gut und auch, wie er auf Herrn Dündar eingegangen ist. Dafür, dass er eigentlich ein Politiker ist, von denen man eher erwartet, dass sie ein bisschen herumschwafeln, hat er gesagt, was er selbst von dem Konflikt hält. Das fand ich überraschend und richtig gut.

 

Würdet ihr nächstes Jahr wiederkommen?

Anna: Wenn es klappt, sehr gerne. Es werden aus jedem Jahrgang nur einmal Volontäre eingeladen, also wird das so nicht mehr klappen, aber unseren Nachfolgern kann ich nur dazu raten, sich das anzuschauen und die Möglichkeit wahrzunehmen.

Moritz: Ich würde auch definitiv nochmal kommen.

 

Wie würdet ihr die Zukunft der Zeitung oder des Printbusiness allgemein in den kommenden fünf bis 10 Jahren etwa einschätzen?

Anna: Ich glaube und hoffe, dass beides nebeneinander bestehen bleiben wird. Es hat sich ja schon eingeschleift, dass die Leute News online konsumieren, also hoffe ich, dass Print ergänzend dazu wirkt. Wenn ich mir wirklich die Zeit nehmen will für eine Longread und mich wirklich informieren will, dafür gibt es auf jeden Falle eine Zukunft, für die nächsten fünf Jahre auf jeden Fall.

Moritz: Wir als Print-Volontäre sind damit ja täglich konfrontiert. Es wird sich sicherlich viel verändern, aber es ist auch eine Generationenfrage. Einer der Speaker hat auch die Exklusivität angesprochen, das muss das Medium natürlich liefern, aber wir hoffen natürlich, dass es Print auch mit der entsprechenden Qualität weiter geben wird. Let’s go Print!


Besucher: Darbaz Darwesh, Stipendiat Deutschlandstiftung


hiq8htru
Image by Anne Jerratsch

Darbaz ist Stipendiat der Deutschlandstiftung und lebt derzeit in Stuttgart und promoviert in Luft- und Raumfahrtwissenschaften. Das Stipendium gab ihm die Möglichkeit, wichtige Persönlichkeiten aus dem Medienbusiness und Politiker wie Günther Oettinger zu treffen.

 

Wie ist dein Gesamteindruck?

Ich fand es sehr interessant, die Vorträge und die Sprecher waren sehr spannend. Wir haben viele neue Eindrücke, wie die Lage im europäischen Finanzsektor und in den Medien allgemein ist. Ich fand alles sehr interessant.

Haben die Speaker und die Teilnehmer eure Erwartungen erfüllt?

Ich war noch nie auf so einer Medienkonferenz, daher wusste ich nicht, was mich erwartet. Ich fand es aber toll. Wenn ich nochmal herkomme, würde ich mich vorher aber lieber ein bisschen mehr in die aktuellen Debatten einlesen. Ich wurde aber auf jeden Fall inspiriert, das jetzt im Nachhinein zu tun.

 

Was war dein persönliches Highlight?

Ich fand den Vortrag von Herrn Burda gut, auch die Rede von Herrn Schäuble hat mir gut gefallen. Und die Party auf der Publisher’s Night gestern fand ich toll.

 

Würdet ihr nächstes Jahr wiederkommen?

Wenn es sich nochmal ergibt, gerne.

 

Wie würdest du die Zukunft der Zeitung oder des Printbusiness allgemein in den kommenden fünf bis 10 Jahren etwa einschätzen?

Ich denke, dass durch die Industrie 4.0 noch viel mehr online passieren wird, darum denke ich, dass es wichtig ist, darüber zu sprechen. Wir sind die Generation, in der sich alles zum Digitalen hin verändert. Es wird ein sehr großer Schritt von Print ins Internet, und genau das wird auch passieren. Ich glaube aber, es wird nicht so schwierig werden, wir haben ja schon viele Methoden. Wir sind da auf einem guten Weg.

Weiterlesen »

Können Algorithmen auch „Filterblasen aufstechen“? Eindrücke von den Medientagen München

Big_Data_Prob (adapted) (Image by KamiPhuc [CC BY 20] via flickr)

Am vergangenen Donnerstag gingen die 30. Medientage München zu Ende. Das Kongressprogramm stand wenig überraschend in weiten Teilen unter der Fragestellung, was Big Data, Bots, Algorithmen und künstliche Intelligenz für Medienunternehmen und den Journalismus bedeuten. Am Ende bleibt der Eindruck, dass es ein bisschen zu viel um die KI-optimierte Auslieferung personalisierter Werbung ging, und ein bisschen zu wenig um die Frage, wie Algorithmen und künstliche Intelligenz den Qualitätsjournalismus von morgen beflügeln können, damit er weiterhin seine gesellschaftliche Relevanz behaupten kann. Am Bedarf dafür mangelt es nicht. Doch der Reihe nach.

Da war erst einmal die Eröffnungsrede von Angela Merkel. Sie äußerte sich bemerkenswert klar und, ja, in weiten Teilen auch bemerkenswert besorgt. Es war die Rede von einem „tiefgreifenden Umbruch nicht nur der Medienlandschaft, sondern auch der gesamten gesellschaftlichen Kommunikation“, und man könne „noch nicht richtig überblicken, was das alles für die gesellschaftlichen Verhältnisse in Deutschland, in Europa, auf der Welt bedeutet.“ Und dann baute sie eine Indizien-Kette auf, sprach davon, dass einem natürlich nicht alles gefallen kann, was man zu lesen, zu hören und zu sehen bekommt, dass aber gerade die Vielfalt der Medieninhalte und Meinungen eine freie Presse auszeichnet, diese Vielfalt aber immer mehr Leute immer weniger interessiere, dass es durch „digitale Technik“ ein Leichtes sei, sich in der eigenen Welt hermetisch abzuschotten…

Im Fluchtpunkt ihrer Argumentation stand natürlich das böse A-Wort, es ging um Algorithmen und die „großen Plattformen“, die beispielsweise dazu führten, dass den Medienkonsumenten „gezielt und fast ausschließlich bestimmte Informationen angeboten werden – solche also, die an die bereits offenbarten Interessen der jeweiligen Internetnutzer oder an Empfehlungen und Kommentaren ihrer Internetfreunde anknüpfen.“

Ein solches Medienverhalten würde zur Verzerrung der Wahrnehmung führen und zu einem Blick auf die Welt, der weit von der Realität entfernt sein kann, mit Folgen für den gesellschaftlichen Diskurs. Da war sie wieder, die postfaktische Gesellschaft.

Besonders interessant war in diesem Zusammenhang dann Merkels Zuspruch für eine Feststellung von Klaus Schwab, Präsident des Weltwirtschaftsforums: Entscheidungsträger dieser Gesellschaft würden es verpassen, sich mit diesen „disruptiven Trends“ zu beschäftigen, sie seien nämlich in „traditionellen“ Denkmustern verhaftet. Das hört sich so an, als wäre da ein Groschen gefallen (wirklich der Richtige?), als wären ihr und den „traditionell“ denkenden Entscheidungsträgern in Davos plötzlich aufgefallen, dass mit dem „algorithmic turn“ mächtige neue Konkurrenz aufgezogen ist im Geschäft um die Gestaltung gesellschaftlicher Realitäten und Wahrnehmungen.

Wenn es so etwas wie Filterblasen und Echokammern gibt – wofür es noch keine empirischen Belege gibt – dann nicht erst seit der Popularisierung von Algorithmen. In der „traditionellen“ Welt analoger Entscheidungsträger waren und sind das beispielsweise die Hintergrund- und Kamingespräche. Aus den Worten der Kanzlerin spricht die Erkenntnis, dass es plötzlich nicht mehr nur die politischen Eliten und klassischen Institutionen sind, die regulierend und strukturierend auf die Gesellschaft einwirken, sondern eben auch Algorithmen, die soziale Prozesse beeinflussen können, in dem sie Informationsflüsse und Aufmerksamkeitsressourcen lenken, Meinungs- und Willensbildung prägen, gesellschaftliche Kommunikation, Diskursräume und Öffentlichkeit strukturieren. Schließlich lassen sich Algorithmen konzeptionell, ihrer Wirkung und Funktion nach auch als Institutionen begreifen und beschreiben. Ja, selbst in der Intransparenz ihrer Wirkungsweise ähneln sie klassischen Institutionen.

„Algorithmen gewinnen sozusagen eine gesamtgesellschaftliche Bedeutung“, so Merkel. Ist diese Erkenntnis tatsächlich jetzt erst angekommen in der Politik? Reichlich spät. Vielleicht fragt man sich in den Parteizentralen und Ministerien plötzlich, ob diese Algorithmen, Plattformen und Filterblasen etwas damit zu tun haben, dass der Hass seit kurzem näher rückt, als man es als Spitzenpolitiker und Amtsträger gewohnt ist, oder dass man sich mittlerweile freuen soll, wenn man auf öffentlichen Auftritten immerhin nicht ausgebuht wurde. Gegen die algorithmische Verzerrung und Filterblasen helfe, laut Merkel, nur ein Qualitätsjournalismus, der einordnen und Einzelaussagen in Beziehung setzen soll. Hieran schließt sich mein zweites Medientage-Takeaway an.

Natürlich ist es richtig, dass in dieser Gemengelage gerade auch eine Chance für den Journalismus liegt. Das wurde während des Vortrags von Armin Wolf so deutlich wie sonst leider nur noch selten in den weiteren Panels der Medientage. Gerade im „Zeitalter seiner digitalen Reproduzierbarkeit und Simulation“ sei es die Aufgabe des Qualitätsjournalismus, die Fakten wieder zurückzubringen in die „postfaktische Gesellschaft“, den Lesern Urteilsvermögen zu ermöglichen, Sinn von Unsinn zu unterscheiden, so Wolf. Journalisten „müssen Social Media-Plattformen hacken“, „die algorithmus-produzierten Filterblasen aufstechen und die Newsfeeds mit ordentlichem Journalismus infiltrieren.“ Man hatte so eine Ahnung, was er da sagen wollte.

Wolf fragte nach dem „Gegenangriff“, in der sich die alten journalistischen Tugenden mit den Mitteln der Digitalisierung verbünden, damit Journalismus auch weiterhin eine „Dienstleistung an der Gesellschaft“ erbringen kann. Und eigentlich waren diese Medientage ja auch der richtige Ort, um sich ernsthaft mit der Frage auseinanderzusetzen, wie die durch KI ausgelöste „zweite Welle der Digitalisierung“ (Wolfgang Wahlster, Deutsches Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz) dabei helfen kann, dass Medien auch weiterhin „so etwas wie die Infrastruktur einer Demokratie“ (Armin Wolf) bleiben, und dass der Qualitätsjournalismus Bestandteil und Nutznießer der zukünftigen öffentlichen Dateninfrastruktur und Informationssphäre wird.

Auffällig am weiteren Kongressprogramm war jedoch, dass eher nach Möglichkeiten der Monetarisierung gefragt wurde, nach dem Innovationspotential für „Content Marketing“ und „Programmatic Advertising“, und weniger danach, wie diese „zweite Welle der Digitalisierung“ trotz Rationalisierungsdruck zur Realisierung der von Wolf beschworenen journalistischen Tugenden beitragen kann (zu den vielen entsprechenden Panels über KI und Marketing musste man zumindest früh kommen oder im Gang stehen).

Wie können Big Data, Algorithmen, künstliche Intelligenz, kognitive Systeme und semantische Verfahren dabei helfen, noch umfassender und präziser zu recherchieren, die Story in den Bergen unstrukturierter Daten zu erkennen, zu kontextualisieren, zu verifizieren und zu falsifizieren, noch mehr Themen abzudecken, noch mehr Sprachen zu bedienen und einem noch größeren Publikum zu ermöglichen, „qualifizierter am demokratischen Diskurs teilzunehmen“ (Armin Wolf)? Diese inhaltliche Diskussion um das Innovationspotential für das journalistische Handwerk und dem gesellschaftlichen Mehrwert eines Computational Journalism kam zu kurz. Angesichts der massiven Glaubwürdigkeitskrise des Journalismus, der Rede von Echo-Kammern, von der postfaktischen Gesellschaft und Wutbürgern, die „dem Internet“ mehr trauen als als den Qualitätsmedien, hätte man diesen Fragen einen größeren Platz einräumen müssen.

Es bringt jedoch auch nichts, wenn der Diskurs über die Bedeutung von Algorithmen in einer Mediengesellschaft durchweg moralisiert und rein normativ geführt wird, wenn Extrempositionen wie bedenkenloser Fortschrittsglaube oder die Überhöhung algorithmischer Macht bzw. die Fokussierung auf dominante Plattformen eine Debatte unmöglich machen. Ein differenzierter und disziplinenübergreifender Diskurs muss die (medien-)ethischen Problemlagen und aber auch die Chancen und das Innovationspotential nüchtern benennen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Co://aboratory“.


Image (adapted) „Big_Data_Prob“ by KamiPhuc (CC BY 2.0)


Weiterlesen »

Reeperbahnfestival: Journalismus und die große Freiheit

Reeperbahn @6:46

Auf dem Reeperbahnfestival ging es in diesem Jahr nicht nur um die Musik. Vor allem der Medienwandel im Journalismus und dem Musikgeschäft standen im Vordergrund der Debatten. // von Jenny Genzmer

Hamburg vor drei Wochen. Tanzende Türme, siebter Stock. Es ist 19 Uhr. 12 Autoren haben 12 Stunden, um eine Geschichte zu schreiben. Bei der WriteNight gibt es zwei Regeln: 7 Uhr fertig sein und eine paar Gegenstände einbauen: ein Telefon, eine Streichholzschachtel. Ein Gutschein für die Große Freiheit, rosa Handschellen, ein Flyer für den Molotov-Club. „Fiancée“ hat jemand draufgekritzelt – „Verlobte“. Ich bin gespannt, in welcher Geschichte die Dame auftauchen wird. Denn „Versprochenes“ passt überhaupt nicht zu dieser Veranstaltung.

Weiterlesen »

Weiterlesen »

Netzpiloten sind Partner der Jugendmedientage 2016 + Rabattaktion

Vom 27. – 30. Oktober ist es wieder so weit: Die Jugendmedientage in Dresden bieten euch auch dieses Jahr ein spannendes Programm: Intensiv-Workshops für handwerkliches Know-How und praktische Medienkompetenzen, freie Formate, Medientouren durch renommierte Redaktionen, Rundfunkanstalten und Agenturen sowie das Rahmenprogramm mit Mediennacht und Abschlussparty.

Außerdem könnt ihr euch mit über 400 jungen Medienmachenden zwischen 16 und 27 Jahren austauschen, euren Horizont erweitern und euch inspirieren lassen.

Unter der Anleitung von Branchenexperten könnt ihr eure Medienkompetenzen ausbauen,  innovative Ideen entwickeln, gemeinsam brainstormen und Kontakte knüpfen ? zu Profis wie zu Gleichgesinnten. Die Jugendmedientage wollen gezielt junges Engagement aus einer anderen Perspektive fördern.

Dieses Jahr dreht sich bei den Jugendmedientagen alles um die Frage: Medien- oder Märchenland? Was Medien, Journalismus, Politik und Gesellschaft bewegt. Diskutiert mit über die Verantwortung von Medien und darüber, wie wichtig Vielfältigkeit, Objektivität und eine umfangreiche Recherche sind. Außerdem werden die zentralen Fragen, welchen Einfluss Medien auf unsere Meinungsbildung haben und welchen Werten Medien verpflichtet sind, beleuchtet.

 

+++ Rabattaktion +++

Unsere Leser bekommen 5€ Preiserlass auf ein Ticket für die Jugendmedientage 2016 in Dresden. Dafür müsst ihr einfach nur „Mitglieder normal oder Komfort“ bei der Anmeldung auswählen und in das Bemerkungsfeld eintragen, dass ihr von den Netzpiloten kommt oder durch uns auf die Veranstaltung aufmerksam geworden seid. 

 

 

Weiterlesen »

Zwei Jahre Serial – Was hat der Podcast-Hit für das Medium gebracht?

Serial Podcast (adapted) (Image by Casey Fiesler [CC BY 2.0] via Flickr)

Vor zwei Jahren, am 3. Oktober 2014, hat die erste Staffel von Serial begonnen. Der journalistische True-Crime-Podcast über einen Teenager-Mord in Chicago entwickelte sich dann zu einem der erfolgreichsten Podcasts weltweit und verschaffte dazu dem gesamten Medium gehörig Aufmerksamkeit. Kaum jemand hat die Branche seitdem genauer beobachtet als Nicholas Quah. Auch für ihn hat mit Serial ein neues Kapitel begonnen: Der 27-Jährige Quah hat nach dem Serial-Start seinen E-Mail-Newsletter Hot Pod begonnen, verließ seinen Job beim US-Podcast-Netzwerk Panoply und machte sich mit dem Newsletter selbstständig. Mittlerweile gelten Quahs Beobachtungen und Recherchen, aber insbesondere seine Analysen als Standardwerk der Podcast-Branche. Politico porträtierte ihn jüngst als „podcasting’s up-and-coming publisher of record“. Ein Gespräch mit Nicholas Quah über die Rolle von Serial für die US-Podcast-Branche und wie es für das Medium zwei Jahre später weitergehen könnte.

Die erste Staffel von Serial scheint der Durchbruch für journalistische Podcasts gewesen zu sein. Zwei Jahre sind seitdem vergangen. Welche Rolle hat Serial für das Medium Podcast gespielt?

nicholas-quah-image-by-nicholas-quah
Nicholas Quah (Image by Nicholas Quah)

Nicholas Quah: Serial ist ein wichtiger Moment der Branche gewesen, es gab einen regelrechten Boom danach. Wobei wir bisher noch klären müssen, ob es ein Boom der Aufmerksamkeit oder ein Boom der Hörerzahlen war. Aber fest steht: Danach waren Podcasts fester Bestandteil der größeren Diskussion über Medien und Journalismus. Denn Serial hat nicht nur neues Interesse für Podcasts angestiftet, beziehungsweise die Aufmerksamkeit dafür neu fokussiert, sondern hat auch für mehr Optimismus und Investitionen für das Medium gesorgt. Es gab daraufhin eine Explosion von neuen Podcast-Unternehmen, daneben haben zahlreiche bereits bestehende Medienorganisationen angefangen, ebenfalls Podcasts zu produzieren. Deren Ansehen und Publikum fließen natürlich auch in das Medium. Ich habe das Gefühl, dass Podcasts gerade in die alltägliche US-Mediennutzung integriert werden.

Derzeit scheint Podcasting in den USA einen nahezu magnetischen Effekt auf Journalisten auszuüben: Erfahrene Magazin-Autoren, erfahrene Radio-Reporter und Neueinsteiger zieht es gleichermaßen an. Zeitgleich sucht das relativ junge Medium noch nach Geschäftsmodellen. Was ist dennoch so anziehend am Podcast?

Ein Teil der Antwort liegt in den Eigenschaften von Podcasts. Um sie zu beschreiben, sprechen viele von einem sehr vertraulichen, intimen Medium. Es erlaubt ein längeres Storytelling, eine stärker involvierte Form des Erzählens und Berichtens, dazu bietet es eine engere Verbindung zwischen Journalisten und ihrem Publikum. Das ist eine Erfahrung, die besonders angesichts der heutigen Architektur und Infrastruktur der Medien selten geworden ist. Mehr und mehr Publikationen werden digital, die Märkte werden dadurch gesättigt und alles fühlt sich weniger eigenständig an. Jede Geschichte ist eine weitere Sensation, eine weitere Schlagzeile. Der andere Teil der Antwort ist: Die Beliebtheit von Podcasts – und in dieser Erweiterung auch die Beliebtheit von Radio – ist eine Folge des Hungers nach einem tiefergehenden Journalismus – einem Journalismus, der Verbindungen herstellt, der Sinn stiftet. Das ist etwas, das heutzutage meiner Meinung nach häufig fehlt.

Vor einem Jahr hast du in einem Interview behauptet, dass wir uns nicht in einer Podcast-Blase befinden, sondern in einer Blase der Aufmerksamkeit für Podcasts. Ist diese Blase mittlerweile geplatzt oder wächst sie weiter?

Was ich mit „Aufmerksamkeits-Blase“ meinte, war dieser gewisse Optimismus, der nach Serial um das Medium Podcast kursierte. Es gab diese Wahrnehmung von diesem „Das ist die nächste große Sache“-efühl, die den Journalismus und/oder die Medien retten wird. Dazu habe ich allerdings ein ambivalentes Gefühl: Ich habe zwar immer geglaubt, dass Podcasting die nächste Phase für Radio sein wird – der Wechsel vom Rundfunk zum Internet. Das halte ich für eine natürliche Entwicklung, die lange erwartet wurde und die wir bei anderen Medien schon gesehen haben, beispielsweise beim Fernsehen, das mit Netflix digitalisiert wurde. Aber ich glaube, der Hype um Podcasting ist etwas zurückgegangen und trifft auf die echten Versuche, eine größere, nachhaltigere und robustere Podcast-Branche zu schaffen. Die Blase wächst nicht mehr, sondern trifft auf den Versuch, einen neuen Normalzustand für die Branche nach Serial zu schaffen.

Wenn es um die Zukunft des Mediums geht, beschreibst du in deinem Newsletter dabei immer wieder den Konflikt von zwei Gruppen, von zwei Philosophien: „Podcasts als Blogs“ gegen „Podcasts als Zukunft des Radios“. Ist es möglich, dass in den nächsten Monaten oder Jahren die eine Seite die andere vollständig schluckt?

Ich halte es für vollkommen möglich, dass das in den nächsten zwei oder drei Jahren passiert. Die ganze Beschwerde, dass bei Podcasts Entdeckung und Verteilung nicht funktionieren, ist meiner Meinung nach durch den demokratischen Zugang zur Verteilung von Podcasts zwingend bedingt. Ein Beispiel: Wenn in einer 10.000-Einwohner-Stadt wirklich jeder eine Zeitung herausgeben und an die anderen 99,99 Prozent verteilen kann, dann entsteht ein Gefühl der Übersättigung. Und jeder Versuch, die Entdeckung von Inhalten effizienter zu gestalten, ist dann notwendigerweise ein Schritt, der Ungleichheit schaffen wird. Dazu kommt, dass im Podcasting Unternehmen und Organisationen aufkommen, die sich nicht nur selbst finanzieren wollen, sondern auch Profite generieren und deswegen Kontrolle gewinnen wollen. Das steht natürlich dem Gedanken von Podcasts als Teil des offenen Netzes entgegen. Deswegen sehe ich die Open-Web-Befürworter und open-web-nahen Unternehmen wie PRX oder Radio Public in der Pflicht, Räume zu schaffen, in denen Podcasts als Blogs florieren können. Die müssen zusätzlich oder im Gegensatz zu den Räumen entstehen, in denen Unternehmen aus der „Podcasts als Zukunft des Radios“-Ecke ihre Geschäftsmodelle etablieren und sichern können. Ich glaube, wir können beide Philosophien zeitgleich haben. Aber das braucht die Arbeit und Beteiligung von beiden Seiten.

Ist es möglich, nach Serial einen solchen internationalen Podcast-Erfolg zu wiederholen und wieder einen viralen Hit in so vielen Ländern zu schaffen?

Ich glaube, ja. Es wird das nächste ‚Serial‘ des Podcastings geben. Genauso, wie es den nächsten Roman-Erfolg und das nächste Hit-Musical geben wird. Lange Zeit dachten wir, Musicals sind nicht mehr wirklich relevant für die weitere Mainstream-Kultur – und dann kam ‚Hamilton‘. Wenn man sich Serial genauer anschaut, ist es an sich gar nicht so neuartig – aber die Umsetzung war extrem neuartig und bedeutend. Es war Feature-Journalismus, wie wir ihn aus Print-Magazinen wie ‚The New Yorker‘ oder ‚The Atlantic’ bereits kennen. Mit dem Unterschied, dass er seriell erzählt war und sich wie eine Prestige-Fernsehserie angefühlt hat. Es war also eine Kombination aus erstens: Serial als sehr gute Mischung aus Journalismus und Unterhaltung und zweitens: Dem überraschend neuen Gefühl, das die Hörer dabei hatten. Jedes Medium kann so einen Erfolg feiern. Die Frage ist nur, wie man so einen Erfolg entwickeln kann. Ich glaube, das lässt sich nicht konstruieren. Stattdessen muss man möglichst viel Neues schaffen und genügend Leute mit kreativen, neuen Ideen müssen Zugang zum Medium haben.

Aber trifft das beim Podcasting derzeit zu? Ist das Medium Podcast zugänglich und vielfältig genug? Oder versuchen nicht viele, ‚Serial‘ zu kopieren oder wie ‚This American Life‘ zu klingen?

Letztendlich klingen viele Podcasts derzeit gleich, das stimmt. Unabhängig davon, ob das eine Frage der mangelnden Diversität in der Demografie, in der Ausbildung oder in der Ästhetik ist – Podcasting ist immer noch sehr zugänglich. Auch wenn es sich sehr gesättigt anfühlt; es ist nur gesättigt mit dem immergleichen Kram. Wenn du anders klingst und sehr Gutes lieferst, kannst du immer noch den Durchbruch schaffen. Ein gutes Beispiel dafür sind die Leute von Welcome to the Night Vale, die ohne vorherige Audio-Ausbildung so viel Resonanz erzeugt haben, dass sie mittlerweile sogar ein eigenes Label gründen konnten. Oder die Leute von The Black Tapes. Die haben beide gezeigt, dass man aus der Eintönigkeit von Podcasts hervorstechen kann und sie bekommen deswegen so viele Fans und so viel Aufmerksamkeit aus ihrer Gemeinschaft. Beides sind Beispiele, die von Menschen geschaffen wurden, die etwas selbst auf die Beine stellen wollten und die nicht von großen Podcast-Labels fabriziert wurden.

Als Beobachter der Branche hast du natürlich auch von Serial profitiert und profitierst auch weiter vom Wachstum in der Podcast-Landschaft. Wie gut funktioniert deine Arbeit für dich?

Natürlich hat mein Newsletter vom Aufkommen von Podcasts profitiert. Mein Impuls, den Newsletter zu schreiben, ist immer der gleiche geblieben: Da spielt sich etwas ab, aber nicht genügend Leute versuchen, diese Entwicklung zu verstehen. Also wie kann ich dabei helfen, den größeren Zusammenhang nachvollziehbar zu machen? Denn ich glaube, den Kontext zu verstehen hilft – egal, ob du selber in der Branche arbeitest, darüber nachdenkst oder nur ein Fan von Podcasts bist. Also klar, je mehr Leute an Podcasts in irgendeiner Form interessiert sind, umso mehr kommt mir das zu Gute. Es ist nicht viel Geld, aber ich kann davon leben und ich habe bereits eine gewisse Tragfähigkeit erreicht. Außerdem betreibe ich den Newsletter als Unternehmen, weil ich schon immer daran interessiert war, wie Medienunternehmen funktionieren und wie man seinen Lebensunterhalt im Internet verdient. Dadurch beschäftige ich mich mit den selben Fragen, mit denen viele Podcast-Unternehmen ebenfalls zu tun haben. Es ist also eine Art partizipativer Journalismus, auch wenn ich mich selbst nicht als Journalisten verstehe.

Hast du schon einmal daran gedacht, mit deinem Newsletter aufzuhören?

Ich denke ständig darüber nach. (lacht) Mich interessieren so viele Dinge gleichzeitig, aber zufällig bin ich in diese Podcast-Welt geraten und als ich einmal angefangen hatte, wollte ich diese Welt noch weiter erkunden. Derzeit bin ich immer noch sehr glücklich mit dieser Arbeit, weil jede Woche noch etwas Besonderes passiert, sodass ich den Newsletter ohne Probleme weiterschreiben kann. Vielleicht interessiert mich mal ein anderes Thema oder vielleicht gebe ich den Newsletter eines Tages an jemand anderen ab. Aber das sehe ich nicht in der näheren Zukunft passieren. Ein Großteil meiner Arbeit beinhaltet viel Kritik und Skepsis, aber ich bin nicht zynisch. Mehr denn je bin ich optimistisch, dass die Podcast-Industrie eine Zukunft hat und dass Podcasts dauerhaft ein einflussreiches Medium sein werden.


Image (adapted) „Serial Podcast“ by Casey Fiesler (CC BY 2.0)


Weiterlesen »