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Wie Plattformen Politik machen: USA und Deutschland im Vergleich

USA (adapted) (Image by Zoltan Kovacs [CC0 Public Domain] via Unsplash)

Vor allem Facebook, aber auch Google und Twitter stehen unter dem Druck der Politik: Welche Rolle haben ihre Dienste bei der Wahl von Donald Trump gespielt? Der US-Kongress untersucht derzeit die Rolle, die die Gatekeeper der Online-Öffentlichkeit im Präsidentschaftswahlkampf gespielt haben. Auch Protagonisten russischer Provenienz haben die Plattformen dazu genutzt, um durch Falschmeldungen die öffentliche Meinung zu manipulieren. Im Fokus steht dabei die direkte Adressierung von Nutzern durch Anzeigen mit politisch relevanten Inhalten. Wie und in welchem Umfang die Unternehmen diese Einflussnahme ermöglicht haben, dazu mussten Vertreter der Firmen bei parlamentarischen Anhörungen aussagen.

Citizen Zuckerberg

Facebook hatte schon vor den Hearings bestätigt, dass solche Anzeigen platziert wurden und Twitter bereits publik gemacht, dass für die russische Regierung tätige Medien wie Russia Today und Sputnik seit 2011 global Werbung für 1,9 Millionen $ geschaltet haben. Diese Summe will das Unternehmen nun für Forschung über zivilgesellschaftliches Engagement auf der Plattform einerseits und ihre manipulative Nutzung andererseits spenden.

Gründer und Facebook-Vorstandsvorsitzender Mark Zuckerberg hat sich hingegen in einer Videobotschaft zu Wort gemeldet und Schritte angekündigt, „um die Integrität des demokratischen Prozesses zu schützen.. So die Diktion des mächtigen Medienunternehmers, der eine verlegerische Verantwortung für Inhalte doch kategorisch ausschließt. Die New York Times resümiert die Aktivitäten mit Blick auf eigens angeheuerte PR-Berater und ganzseitige Zeitungsanzeigen so: Facebooks Hauptquartier sei seit Monaten im Krisen-Modus um den Image-Schaden einzudämmen.

Freilich geht es dabei nicht nur um das öffentliche Ansehen des Social Network. Vielmehr versuchen die Strategen aus dem Silicon Valley eine weitergehende staatliche Regulierung ihrer Geschäftsmodelle zu verhindern. Denn inzwischen haben drei Senatoren eine Gesetzesinitiative ergriffen und den „Honest Ads Act“ für mehr Transparenz bei der politischen Online-Werbung auf den Weg gebracht: Es soll in Zukunft nachvollziehbar sein, wer inhaltlich und finanziell für die Veröffentlichung einer Polit-Anzeige verantwortlich ist.

Dieser Forderung sind Facebook und Twitter bereits mit Ankündigungen zuvorgekommen. Sie beinhalten die Kennzeichnung und Offenlegung der Anzeigen, die von einem Akteur geschaltet werden. Die betreffenden Inhalte werden dann in einem öffentlich zugänglichen Archiv vorgehalten. Darüber hinaus sollen verausgabte Summen und erreichte Zielgruppen genannt werden. Facebook stellt sogar in Aussicht, diejenigen Inserenten politisch relevanter Inhalte, die sich nicht als solche zu erkennen geben, durch Maßnahmen des maschinellen Lernens automatisch zu identifizieren.

Dark Posts und Silicon Valley Embeds

Damit wird nicht nur auf die aktuelle Diskussion um eine auswärtige Intervention reagiert. Bereits während des US-Wahlkampfs wurde kritisiert, dass insbesondere die Trump-Kampagne bei Facebook unzählige Varianten von Anzeigen für die unterschiedlichsten Zielgruppen lanciert hat. Diese sogenannten „Dark Posts“ sind nicht auf der für alle zugänglichen Präsenz von Donald Trump bei Facebook sichtbar gewesen, sondern wurden nur im News Feed von jeweils für relevant erachteten Nutzersegmenten ausgespielt. Insofern konnten sich Beobachter keinen Überblick über die Gesamtheit der getätigten Aussagen verschaffen, um beispielsweise Inkonsistenzen oder schmutzige Varianten von Wahlwerbung zu entdecken.

Die angekündigten Maßnahmen sind zwar weitgehend, doch sie adressieren nur einen Aspekt der Problematik, die mit der durch die Plattformen konstituierten politischen Öffentlichkeit verbunden ist. Eine aktuelle Studie von Daniel Kreiss und Shannon McGregor enthüllt nämlich das immense Ausmaß, mit dem “Technology Firms Shape Political Communication”. Die Kommunikationswissenschaftler zeigen, wie eng Facebook und Twitter, aber auch Google (und Microsoft) mit den Wettbewerbern zusammengearbeitet haben.

Die Technologie-Firmen haben mit eigens dafür abgestelltem Personal den Politikern, die ihre Dienste nutzen wollten, aktiv unter die Arme gegriffen. Sie stellten ihre Instrumente vor und machten Vorschläge zu deren Einsatz. Dies gilt vor allem für die Identifizierung und Adressierung relevanter Zielgruppen durch Anzeigen, von denen die Plattformen am ehesten finanziell profitieren. Insofern wurden nicht nur die Digital-Strategien der kollaborierenden Kandidaten direkt beeinflusst.

Gerade die Kampagne von Donald Trump hat davon profitiert, insofern sie mit minimalem Personaleinsatz operierte. Dieses Defizit gegenüber der personell aufwändig aufgestellten Organisation von Hillary Clinton konnte also durch die Kompetenz aus dem Silicon Valley kompensiert werden.

Plattformen: Der Blick nach Deutschland?

In den USA stehen Facebook, Google und Twitter unter politischem Druck, weil sie Anzeigen von Akteuren aus Russland mit manipulativen Inhalten publiziert haben. Der US-Kongress untersucht derzeit die Rolle, die die Gatekeeper der Online-Öffentlichkeit im Präsidentschaftswahlkampf gespielt haben. Gibt es vergleichbare Erkenntnis für die Rolle der Technologie-Firmen beim Bundestagswahlkampf?

Die Macht der Informationsintermediäre“ ist zwar auch in der deutschen Debatte ein Thema und ein Forschungsnetzwerk des Hans-Bredow-Instituts widmet sich sogar den Algorithmed Public Spheres. Doch die politische Kommunikationsforschung in Deutschland überlässt das Thema eher dem Datenjournalismus oder einer ebenfalls quantifizierenden Political Data Science.

Demgegenüber bewegen sich die Autoren der US-Studie über den direkten Einfluss großer Digital-Unternehmen auf die datenbasierte Kampagnenführung in der Tradition der qualitativen Sozialforschung. Sie haben sich in das Feld begeben, in dem die Kontakte zwischen Technologie-Firmen sowie politischen Kandidaten und Kampagnen in den USA angebahnt werden. Dort präsentieren die Firmen ihre Dienstleistungen und Produkte auf den Parteitagen der Kontrahenten. Mit dem betreffenden Personal wurden dann Interviews geführt, die Ausmaß und Inhalt der Kollaborationen zu Tage förderten.

Digitale Doppelgänger

Anhaltspunkte für ähnlich enge Kooperationen gibt es auch in Deutschland. Ende September berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg über den Online-Wahlkampf der Alternative für Deutschland: „The German Far Right Finds Friends Through Facebook“. Die AfD habe die auch für rechtspopulistische Parteien und Kandidaten in anderen Ländern tätige US-Agentur Harris Media angeheuert. Deren Vertreter habe bei seinem Deutschland-Aufenthalt direkt Facebooks Berliner Dependance aufgesucht, um eine Arbeitsbeziehung zur Anzeigenabteilung zu etablieren.

In den Fokus sei dabei das von Facebook angebotene Marketing-Instrument der Lookalike Audiences geraten: Ausgehend von bekannten Angaben zu den Abonnenten der AfD-Präsenz bei Facebook wurde eine gleich große Gruppe mit ähnlichen Eigenschaften aus der Gesamtheit der deutschen Nutzer gebildet, die dann für Werbemaßnahmen der Partei ins Visier genommen wurde.

Abgesehen von dieser Episode haben sich die Plattformen allen Parteien als relevanter Partner für die Kommunikation mit der Wählerschaft angedient. Instrument dieser Annäherung waren vor allem Informationsangebote über die politischen Positionen von Kandidierenden und Parteien. Diese Formate wurden den Nutzern von Facebook und Google bei algorithmisch passender Gelegenheit prominent angezeigt. Die Angaben zu Personen und Positionen konnten die betreffenden Akteure dabei selbst verfassen.

Vielleicht lässt sich diese Praxis am ehesten als freiwilliges Äquivalent zur kostenfrei ausgestrahlten Wahlwerbung im Rundfunk verstehen. Eine Parallele zum TV-Duell drängt sich darüber hinaus bei einem weiteren Angebot auf: YouTube veranstaltete zunächst mit Angela Merkel und später mit Herausforderer Martin Schulz für Internet-Verhältnisse epische Einzelinterviews. Bei diesem kamen diverse YouTube-Influencer zum Einsatz, die die beiden Kandidaten im firmeneigenen Berliner YouTube-Space befragten.

Dazu gab es im Gegensatz zu dem von der Kanzlerin in ein ihr genehmes Format verhandelten TV-Duell redaktionelle Einspieler und sogar Wortmeldungen von Zuschauern der beiden Livestreams, die von Google und YouTube auf der jeweiligen Startseite beworben wurden. Auch wenn auf diesem Weg noch keine enorme Reichweite erzielt wurde, dürfte den Kommunikationsstrategen in den Parteizentralen doch klar geworden sein, welcher Kanal in Zukunft den Draht zu Erstwählern herzustellen vermag.


Image (adapted) „USA“ by Zoltan Kovacs [CC0 Public Domain]


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Was das sexistische Manifest von Google über Silicon Valley sagt

Businessfrau (adapted) (image by greekfood-tamystika [CC0] via pixabay)

Vor fünf Jahren wurde Silicon Valley von einer Welle schlechten Verhaltens so genannter „brogrammer“ überrascht, als reiche, eingebildete, zumeist weiße, männliche Gründer von Start-ups Dinge taten, die kindisch, nicht akzeptabel und einfach nur dumm waren. Der Großteil dieser Aktivitäten – wie die Platzierung von Pornografie auf PowerPoint-Folien – drehte sich um die ausdrückliche – oder wenigstens implizite – Herabwürdigung und Belästigung von Frauen. Die Herren der Schöpfung waren der Überzeugung, dass sie am Arbeitsplatz die Zügel in der Hand halten würden – oder dass sich das zumindest so gehört. Der aktuelle „Memo“-Skandal von Google zeigt, dass wir noch einen weiten Weg vor uns haben.

Es mag sein, dass die etablierteren und erfolgreicheren Unternehmen ihre Bewerber keinen Bikinifotos und anzüglichen Interviews aussetzen. Aber selbst Hightech-Giganten unterhalten eine Atmosphäre, in der Heteronormativität und männliche Bevorzugung so präsent ist, dass ein Ingenieur sich dadurch ermutigt fühlt, ziemlichen Unfug zusammenzuschreiben und zu verteilen, mit dem im Grunde alle weiblichen Kollegen auf einen Schlag belästigt werden.

Das ist eine Schande, weil viele der Technologieunternehmen vorgeben, dass sie diese Kultur ändern wollen. In diesem Sommer hielt ich bei Google in Großbritannien einen Vortrag über meine Arbeit als Technologiehistoriker und Geschlechtswissenschaft. Ich dachte, dass meine Rede die Denkweise der Menschen über Frauen im Computerwesen ändern könnte und sogar Frauen und genderqueere Leute, die bei Google arbeiten, helfen könnte. Der Umstand alleine war schon ironisch: Ich besuchte ein milliardenschweres Technologieunternehmen, um herauszustellen, dass Frauen im Technologieumfeld nicht genug Wertschätzung erhalten – und tat dies völlig umsonst.

Sich gemeinsamen Ängsten stellen

Ich ging zu Google mit einer wahnsinnigen Angst. Ich werde über das Thema meines demnächst erscheinenden Buches „Programmierte Ungleichheit“ sprechen. Das Buch handelt davon, wie Frauen im vereinigten Königreich aus dem Computerwesen getrieben werden. In den Vierzigern bis in die frühen Sechziger war der Großteil der im Computerwesen arbeitenden Menschen weiblich. Im Verlauf der sechziger und siebziger sank die Anzahl weiter, als Frauen einer absichtlichen institutionellen Diskriminierung ausgesetzt waren, die zum Ziel hatte, sie aus der Branche zu verbannen. Dies zog nicht Nachteile für Frauen nach sich – es torpedierte die einst so vielversprechende britische Computerindustrie.

Für den schlimmsten Fall nahm ich an, dass meine Rede mit einer Runde Fragespielchen enden würde, in der ich sehr wahrscheinlich gebeten werden würde, mich selbst all den Punkten auszusetzen, die im Google-Manifest aufgelistet werden. Etwas Ähnliches ist schon einmal passiert – und zwar nicht nur mir. Ich habe jahrelang Erfahrung gesamelt, und kann mit scharfen Kritikern und einem rauen Publikum umgehen. Ich beherrsche diese Kunst sowohl im Klassenzimmer als auch außerhalb.

Als ein Resultat dieser Erfahrung weiß ich nun, wie man mit solchen Situationen umgeht. Es ist jedoch mehr als nur entmutigend, meine Arbeit so missverstanden zu erleben. Ich habe den Schaden des mit „Bedrohung durch Stereotype“ betitelten Phänomens selber erlebt, den dieser auf Frauen ausüben kann: Die Annahme, minderwertig zu sein, kann eine Person sich nicht nur minderwertiger fühlen lassen, sondern sie tatsächlich unterbewusst ein solches Verhalten hervorrufen lassen, das ihren angeblichen niedrigeren Wert bestätigt. Beispielsweise schneiden Frauen messbar schlechter ab bei Matheprüfungen, nachdem sie einen Artikel gelesen haben, in dem es darum ging, dass Frauen ungeeignet sind, Mathe zu studieren. (Ein verwandtes Phänomen, das Hochstapler-Syndrom, ist im akademischen Umfeld weit verbreitet.)

Eine überraschende Reaktion

Während dies passierte, waren die Zuschauer informiert und interessiert an meiner Arbeit. Ich war beeindruckt und entzückt von dem hohen Grad der Rücksichtnahme, den die Fragen beinhielten. Eine Frage stach jedoch besonders heraus. Sie erschien wie das perfekte Beispiel, wieso die Technologieindustrie heute so zerstört ist, dass sie den Großteil ihres Talentes schwer behindert oder sogar zerschlägt, weil sie der Bedrohung durch Stereotype in großer Zahl ausgesetzt sind.

Eine Google-Entwicklerperson fragte mich, ob Frauen aufgrund biologischer Differenzen von Natur aus schlechtere Chancen hätten, gute Ingenieure zu werden. Ich verneinte diese Frage und wies darauf hin, dass diese Art von der pseudowissenschaftlich evolutionären Psychologie historisch mehrfach als falsch bewiesen wurde. Die biologische Determiniertheit ist eine gefährliche Waffe, die dazu benutzt wurde, um People of Color, Frauen und viele andere Mitmenschen ihrer Bürgerrechte und sogar ihrer Leben zu berauben – und das über Jahrhunderte hinweg.

Die Entwicklerperson, die diese Frage stellte, war selbst eine Frau. Sie sagte, dass sie sich als etwas Besonderes betrachtete, weil sie spürte, dass sie über weniger emotionaler Intelligenz und über mehr intellektuelle Intelligenz als die meisten anderen Frauen verfügte und diese Eigenschaften sie ihren Beruf besser ausüben lassen. Sie fragte sich, ob die meisten Frauen zum Scheitern verurteilt sind. Sie sprach mit der Unsicherheit einer Person, der mehrfach mitgeteilt wurde, dass „normale“ Frauen nicht begabt genug dafür seien, das zu tun, was sie tut oder der Mensch zu sein, der sie ist.

Ich versuchte, mich auf ihre Seite zu stellen und meine Antwort klar, aber nicht abweisend auszudrücken. Genau so funktioniert die strukturelle Diskriminierung; Es sickert in jeden einzelnen von uns ein und wir sind uns kaum darüber bewusst. Wenn wir uns nicht konstant gegen die hinterhältigen Folgen verteidigen, wenn wir nicht in der Lage sind, oder uns der Mut dazu fehlt, und es verstehen, wenn sie uns erklärt werden, verwandeln uns die Auswirkungen in eine schlechtere Version unserer selbst. Wir übernehmen das Ich, das von den negativen Stereotypen erwartet wird. Das größere Problem ist jedoch, dass es nicht auf der individuellen Ebene aufhört.

Ein strukturelles Problem

Diese Fehleinschätzungen ziehen sich durch alle Aspekte unserer Institutionen, die diese dann im Umkehrschluss nähren und (oft unabsichtlich) weiterverbreiten. Genau das ist passiert, als das Google-Manifest erschien. Und dies hat sich im anschließenden Medienrummel wiederholt.

Dass das Manifest als eine potenziell interessante oder illustrative Meinung gesehen wurde, die nicht nur etwas über Silicon Valley aussagt, sondern auch über die derzeitige politische Atmosphäre. Die Medien sind ebenso mitschuldig, denn für manche war diese Nachricht lediglich aufgrund des Schockeffekts erwähnenswert. Wieder andere betrachteten das Dokument als einen Gedankenanstoß, welcher Beachtung und eine Diskussion verdient, statt den Müll, der dort stand, als ein Beispiel für den autoreigenen Frauenhass, eine falsche Geschichtsauffassung und – wie einige Computerexperten bemerkten – ein mangelndes Verständnis für das Ingenieurwesen an sich.

Die vielen Leute, die offen und ausgesprochen aussagten, dass es genau das nicht ist, sollten verurteilt werden. Aber der bloße Fakt, dass sie ihre Zeit verschwenden mussten, um diesen Punkt anzusprechen zeigt, wie viel Schaden gedankenloser Sexismus und Frauenhass auf jeden Aspekt unserer Gesellschaft und unsere Wirtschaft ausübt.

Die Reaktion der Unternehmen

Google für seinen Teil hat den Autor nun entlassen. Den Schritt hatte man nach der schlechten Presse und wegen der negativen Schlagzeilen erwartet. Google hat sich jedoch verweigert, der Anordnung des US-Justizministeriums ebenso Folge zu leisten. Hier wurde bestimmt, dass eine Statistik herausgegeben werden sollte, die eine Auflistung des Gehaltsunterschiedes zwischen den männlichen und weiblichen Mitarbeitern beinhaltete. Das Unternehmen sagte aus, dass es schätzungsweise 100.000 US-Dollar kosten würde, diese Daten zusammenzustellen und beschwerte sich, dass die Übernahme dieser Kosten für ein milliardenschweres Unternehmen zu hoch seien.

Das Unternehmen ist zu einer kleinen Gabe – besonders verglichen mit ihren Erträgen – nicht bereit, um die schwerwiegenden, geschlechterbasierten Gehaltsunterschiede zu korrigieren. Ist es dann verwunderlich, dass manche Mitarbeiter – sowohl Männer als auch Frauen – die Leistungen der Frauen und ihre Identitäten als weniger wertvoll oder weniger geeignet für die Technologiebranche ansehen? Oder dass einige sogar von der Rechtmäßigkeit der Praxis überzeugt waren, und zwar gegen ihre eigenen Interessen?

Die Menschen nehmen sich ein Beispiel an den Institutionen. Unsere Regierungen, Unternehmen, Universitäten und Nachrichtenmedien formen unser Verständnis und Erwartungen von und an uns selbst in einer Art, die wir ohne ein genaues Verständnis von uns selbst und nachhaltiger Selbstreflexion nur zum Teil verstehen. Im Fall in Großbritannien kam diese institutionelle Selbstreflexion für die Technologiebranche im 20. Jahrhundert viel zu spät. Bleibt nur zu hoffen, dass die Vereinigten Staaten im 21. Jahrhundert etwas von dieser Geschichte lernen. In einer Zeit, in der sich das Technologieumfeld und die Regierungen immer mehr zusammenschließen, um zu definieren, wer wir als Nation sind, durchleben wir ein erschreckendes, aber zugleich auch enorm lehrreiches Moment.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Businesswoman“ by greekfood-tamystika (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Mit Marktschreiern und Angstmachern misslingt die Digitalisierung – Aufrufe zur Debatte

Orakel (adapted) (image by lauramba [CC0] via pixabay)

Vielen Mittelständlern in Deutschland machen die neuen IT-Technologien Angst, schreibt die Wirtschaftswoche. Aber warum ist das so? Ist das nur der fehlende Mut oder sind es nicht auch die vielen Angstmacher, die auf den Bühnen herumlaufen und den Unternehmern suggerieren, dass sie gegen die Angreifer aus dem Silicon Valley keine Chance haben?

„Wir werden mittlerweile fast täglich mit Begriffen wie Industrie 4.0, Big Data, Digitalisierung und Internet der Dinge konfrontiert – ich möchte fast schon sagen: belästigt“, moniert Frank Richter, Vorstandschef der Swiss Global Investment Group. Selbsternannte Experten würden sogar schon die exakten Potenziale und die daraus resultierenden Einsparungen kennen, die durch Digitalisierung und Vernetzung entlang der sogenannten Wertschöpfungskette erzielt werden.

„So scheinen eben diese Experten vergleichbar mit den Orakeln in der Antike und deren Weissagungen“, so Richter.

Es wimmelt von Phrasen und Floskeln

Wenn es um die vernetzte Ökonomie geht, wimmelt es von Allgemeinplätzen, Phrasen und Floskeln. Wie das für Firmen konkret laufen soll, wird nur sehr oberflächlich oder gar nicht erklärt:

„Es ist viel einfacher, möglichst generisch in der Ausdrucksweise und damit gewissermaßen unverbindlich in der Aussage an sich zu bleiben“, kritisiert Richter.

Schlecht ist generell die Kommunikationspolitik der IT-Branche, moniert Oliver Kepka. Die Produkt- und Lösungsangebote seien viel zu kompliziert in der Bedienung, in den Preismodellen und in den eher technischen Werbeaussagen. Das schreckt ab. „Die von Dir zitierten Angstmacher treiben ihr Unwesen und verunsichern zusätzlich. Sie werfen mit Buzzwords um sich, überhöhen sich mit ihrem elaborierten Sprachcode und lamentieren über abgefahrene Züge. Abgefahren ist nur ihre Art, die Ängste zu verstärken“, so die Antwort von Kepka auf Facebook.

Urinierende Firmenchefs

Man sollte sich von den Keynote-Dampfplauderern nicht ins Bockshorn jagen lassen. Wer auf Frauen uriniert, wie der Gründer und Chef von Snapchat, einen diktatorischen Kommunikationsstil pflegt und ein vulgärkapitalistisches Ego-Management an den Tag legt, wie Uber-Gründer Travis Kalanick, taugt nicht als Vorbild für die Wirtschaftswelt. Ex-DAX-Vorstand Thomas Sattelberger kann diese Evangelisten nicht mehr hören, die auf den Bühnen stehen und oberflächen-kosmetische Gebilde als Geschäftsmodelle der Zukunft propagieren, während sie in den eigenen Unternehmen führungsmäßig marode sind.

Heiße Luft im amerikanischen Marketing

Gleiches gilt für viele Phrasendrescher, die sich über Künstliche Intelligenz auslassen. In den USA gibt es Protagonisten in der Digitalszene, die gar nicht so sehr in der KI-Forschung tätig sind, aber um so stärker eine Marketing-Maschine bedienen und dabei zum Teil pseudo-wissenschaftlich agieren. Dazu zählt DFKI-Chef Wolfgang Wahlster den Dauerredner Ray Kurzweil, der verrückte Thesen ohne eine gewisse Substanz vorlegt. Das habe Folgen:
„Das größte KI-Zentrum findet man nicht mehr in den USA, sondern mit dem DFKI in Deutschland. Dass liegt daran, dass wir versuchen, als Ingenieure auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben. Wir definieren KI als künftige Informatik. Wir gehen an das Limit des Machbaren. Wir machen keine falschen Versprechen an die Industrie oder an den Staat. Wir bleiben auf dem Teppich. Das hat sich bewährt“, so Wahlster im Gespräch mit dem Technoloy Review-Chefredakteur Robert Thielicke.

Man sollte sich davor hüten, extrem überzogene Hoffnungen zu wecken, die dann nur Enttäuschungen hervorrufen.
„Google, Intel & Co. kommen nach Deutschland, weil es in den USA zu viele Marktschreier gibt. Die nehmen die Klappe zu voll. Die deutsche Mentalität ist zurückhaltender und pragmatischer“, resümiert Wahlster.

Das Notiz-Amt will dazu eine Debatte starten – hier bei den Netzpiloten, auf CIO-Kurator und für die September-Ausgabe des prmagazins.

Live-Interviews via Hangout on Air oder Gespräche via Skype. Meldet Euch.


„Orakel“ (adapted) by lauramba (CC0 Public Domain)


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FYI: Corporate Innovation geht nicht nach Blaupause, sie zu kennen lohnt sich aber

Business (adapted) (Image by jarmoluk [CC0 Public Domain] via pixabay)

Dieser Beitrag ist Teil einer Artikelreihe im Vorfeld der Digitalkonferenz EXPLAINED von Microsoft Deutschland. Die Konferenz findet am 23. März 2017 in Berlin statt.


Unsere Sprache gibt uns den Rahmen vor, indem wir dazu in der Lage sind, Gedanken zu formulieren. Verallgemeinerungen sind deshalb die sprachlichen Ursprünge von Missverständnissen. Wie beispielsweise der Annahme, dass Jugend ein Garant für Innovation sei (Startups) oder das Erfahrung mit Leistung gleichzusetzen ist (Corporates).

Wir kennen Beispiele für beide Behauptungen, das bedeutet aber nicht, dass dies deshalb auf alle Startups oder eben alle Corporates zutrifft. Obwohl es sicherlich Muster gibt, aus denen vermeintliche Vorlagen abgeleitet werden können, muss jedes einzelne Unternehmen in der Wirtschaft selbst herausfinden, wie es innovativ und leistungsfähig sein kann.

Um zu innovieren, müssen Corporates die verschiedenen Wege kennen und dann mit den Fähigkeiten und der Struktur des eigenen Unternehmens abgleichen. Die ausschließlich auf Geld setzenden Lösungen – Übernahmen, Investitionen, Sponsoring (in externe Accelerator) – lasse ich aus und widme mich den Wegen, die wirklich Veränderungen abverlangen.

Entweder: Innovation im Unternehmen

Die meiner Meinung nach wirklich lohnenswerten Lösungen können in zwei Gruppen aufgeteilt werden: firmeninterner und kooperierender Natur. Der ersten Gruppen gehören Strategien wie ein „Innovation Team“ an, ein internes „Innovation Lab“ und vor allem Intrapreneur-Programme für die eigene Belegschaft innerhalb des Unternehmen.

Für ein „Innovation Team“ braucht man Mitarbeiter, die Veränderungen verstehen und kommunizieren können. Diese entwickeln neue Prozesse und etablieren diesen im Unternehmen. Ein „Innovation Lab“ wiederum besteht aus Mitarbeitern verschiedener Bereiche, um funktionsübergreifend Wissen zu teilen und so Innovationen zu entwickeln.

Beide Lösungen habe ich bereits von Unternehmen, die Mitglieder im Berliner Coworking Space St. Oberholz sind und solche Gruppen dort hingeschickt haben, beobachten können. Eine wichtige Lektion hierbei für mich war, wie wichtig dieser Tapetenwechsel, also in einer Umgebung wie einem Coworking Space statt einem Hauptquartier zu arbeiten, sein kann.

Ein Intrapreneur-Programm gibt Mitarbeitern eine Plattform und die Ressourcen zur Umsetzung eigener Ideen innerhalb des Unternehmens. Die Mitarbeiter wissen meist am besten, was nicht gut läuft. Sie zu motivieren, dies zu lösen, halte ich für äußerst spannend. Wir haben dies einem unserer Mitglieder vorgeschlagen, die dass bald wagen werden.

Oder: Innovation durch Kooperation

Image by Tobias Schwarz
Das St. Oberholz in Berlin.

Es lohnt sich aber auch, einmal umzuschauen, wie andere es machen. Das muss aber nicht eng auf den Corporate-Bereich fokussiert sein, gerade im vermeintlich Exotischen findet man oft die interessanteste Inspiration. Hier wirkt das Phänomen der Serendipität am besten und eine überraschende Beobachtung erweist sich als für einen selbst besonders wertvoll.

Das St. Oberholz ist feste Station solcher Touren in Berlin. Auch andere Coworking Spaces in der Stadt kennen dieses Phänomen, der wie Touristen nach Berlin reisenden Unternehmen. Aufgrund der Nachfrage habe ich inzwischen, als ein Projekt des von mir im letzten Jahr mitgegründeten Institut für Neue Arbeit, ein Reisebüro für Corporate-Tourismus entwickelt.

Nach Innovation suchend zu reisen sorgt für die größte Veränderung im Denken und darauf kommt es an. Branchen sollten Innovation-Stützpunkte in anderen Regionen eröffnen, um vor Ort neue Ideen, andere Märkte und mögliche Partner kennenzulernen. Für „Das Netz 2016/2017“ habe ich 16 Orte, die das nächste Silicon Valley sein wollen, einmal vorgestellt.

Je nach Branche und Standort lohnt sich unter Umständen auch die enge Kooperation mit den hiesigen Hochschulen und Initiativen, vor allem beim Thema Forschung und Entwicklung. So können erste Schritte mit neuen Akteuren zusammen gemacht werden, positive Erfahrungen adaptiert, wenn nicht sogar ganze Projekte danach integriert werden.

Reminder: Corporate Innovation geht nicht nach Blaupause

Diese drei internen und drei externen Strategien sind kein Garant für Erfolg und Innovation. Sie sind aber ein Weg dahin, der, wenn er richtig gegangen wird, den Grundstein für Erfolg legt: ein verändertes Denken und Handeln. Ohne ein sich vom Status Quo unterscheidendes Mindset kann keine Innovation entstehen. Egal wie viel Geld man wem auch hinterherwirft.

Auf der EXPLAINED-Digitalkonferenz am 23. März 2017 wird Kai Jäger vom Deutsche Bank Labs darüber sprechen, wie Banken sich in Corporate Innovation durch Zusammenarbeit mit Startups versuchen. Ich bin auf den Vortrag gespannt (wie auch auf den Vortrag von Peter Jaeger), denn Banken haben oft eine sehr herausfordernde Unternehmenskultur im Gepäck.


Image (adapted) „Business“ by jarmoluk (CC0 Public Domain)


 

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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • CEBIT heise: Eröffnung der CeBIT: „Digitalisierung führt zu Demokratisierung“: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die CeBIT mit dem eindringlichen Appell eröffnet, vom digitalen Wandel verunsicherte Menschen nicht zu missachten. Es gehe um „Millionen von Menschen, die zum Teil noch nicht wissen, was sie erwartet“, sagte Merkel am Sonntagabend auf dem Messegelände in Hannover. Sie in das neue Zeitalter der Digitalisierung mitzunehmen werde die Politik aber nicht allein schaffen, sagte sie an die Adresse der Industrie. Man müsse unter anderem das Bildungssystem anpassen und zum lebenslangen Lernen kommen.

  • CYBER-ATTACKS t3n: BSI-Chef warnt vor deutlicher Zunahme von Cyberattacken:Die Zahl der Cyberattacken auf die Bundesregierung, Behörden und Unternehmen steigt. Die Lage soll sich im Vorfeld der Bundestagswahl im Herbst noch einmal deutlich verschärfen, wie Arne Schönbohm, Präsident des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), in der Welt am Sonntag warnt. Das Lagezentrum der Cyberabwehr sei in „erhöhter Bereitschaft“, um im Ernstfall schnell reagieren zu können. Schon jetzt registriere Deutschlands zentrale Cyberabwehr-Behörde täglich Angriffe gegen die Regierungsnetze, wie Schönbohm erklärt.

  • TELEKOM golem: Deutsche Telekom bietet 1-GBit/s-Zugänge an: Auf der CeBit gab Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden Telekom Deutschland bekannt, dass ab sofort der Ausbau von Glasfasernetzen in Gewerbegebiete startet. Der Anlass sei, dass die Kunden Geschwindigkeiten von 1 GBit/s verlangten. Darüber hinaus soll es Vectoring-Angebote geben. Am 19. März seien die Bauarbeiten in den ersten hundert Gewerbegebieten gestartet. Angaben zum Preis konnten noch nicht gemacht werden.

  • ASYLVERFAHREN Zeit: Spracherkennungssoftware zur Herkunftsüberprüfung: Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) will in Zukunft möglicherweise mittels einer Software für Spracherkennung prüfen, ob die Dialekte von Asylbewerbern zu ihrer Herkunftsangabe passen. Das ist nicht nur ethisch fragwürdig, die Technik wird absehbar auch fehleranfällig sein. Schon heute werden in Einzelfällen Sprachgutachten in Asylverfahren angefertigt, jedoch nicht von Maschinen, sondern von Menschen. Denn für die Beurteilung ist ein tiefes Wissen über die sprachliche Situation in den Herkunftsländern erforderlich. In manchen Fällen haben die Ergebnisse schon zu Abschiebeentscheidungen beigetragen, wie ein Analyst der Süddeutschen Zeitung sagte.

  • DIGITALPOLITIK Spiegel: Deutsche sagen Silicon Valley den Kampf an: Pünktlich zur Eröffnung der Computermesse Cebit kommende Woche in Hannover legt Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) ein hundertseitiges Weißbuch vor, das den ersten umfassenden Versuch der Regierung darstellt, eine mögliche Ordnungspolitik für das Internetzeitalter zu entwerfen. Das Werk fordert einen Bruch mit dem Laisser-faire-Prinzip, mit dem in den USA marktbeherrschende Portale entstehen konnten. Vorgeschlagen wird ein „dritter Weg“, der sich von der strengen Regulierung der Digitalbranche in Asien abheben soll.

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Check-up Ireland: Von Schlangenvertreibern und Rattenfängern – Gedanken zum St. Patrick’s Day

St Patrick's Day Shamrock on bald head (adapted) (Image by k4dordy [CC BY 2.0] via flickr)

Schon wieder Donald Trump! Mea culpa, aber selbst dann, wenn es hier eigentlich um den irischen Nationalfeiertag “St. Patrick’s Day” gehen soll, der am Freitag weltweit gefeiert wird, kommt man um den Rassisten und Rattenfänger von Washington nicht herum. Das gilt für mich und andere Kolumnisten, für Arbeiter und Angestellte von US-Multinationals in Irland und für zehntausende von illegalen, irischen Einwanderern in den USA. Die “undocumented Irish” blicken besorgt nach Washington und hoffen, dass der irische Ministerpräsident Enda Kenny am Rande der Feierlichkeiten zum Tag des Heiligen, der einst die Schlangen aus Irland vertrieb, Donald Trump davon abhalten kann, massenhaft Iren aus den USA zu vertreiben.

Gleichzeitig hofft “Ireland Inc”, dass die nationalistische Wirtschaftspolitik der neuen Administration nicht zu viele US-Unternehmen aus Irland zurück in die Heimat vertreibt. Als vor einigen Wochen HP seinen 500 Beschäftigten seiner Drucker-Sparte in Leixlip in der Grafschaft Kildare mitteilte, dass ihre Arbeitsplätze Opfer der globalen Sparmaßnahmen werden würden, sprachen manche Beobachter bereits von “Trumps ersten Opfern”, konnten aber schnell beruhigt werden. Dass die Druckersparte die problematischere bei HP ist, war schon lange klar und außerdem sind die rund 2.000 Arbeitsplätze nebenan bei Hewlett Packard Enterprise nicht gefährdet. Im Gegenteil – für einige der 500 Kollegen bestehen sogar gute Chancen, beim Schwesterunternehmen unterzukommen. Kein Grund zur “Panik auf der Titanic” wegen des Trump-Effekts? Die Titanic startete ihre letzte Reise in Cobh in der Grafschaft Cork. Cork ist heute Standort von zahlreichen Pharmafirmen. Dazu zählt auch Eli Lilly, die an sich 200 Millionen Euro in eine Erweiterung am Standort Cork investieren und hunderte von Arbeitsplätzen schaffen wollten. Das Investment liegt nun erstmal auf Eis. Der Grund ist zweifelsohne der Druck, den Trump auf Vertreter der Pharmaindustrie ausübt, Neu-Investitionen doch bitte patriotisch in den USA zu tätigen.

Bereits unmittelbar nach dem Wahlsieg von Donald Trump war der irische Finanzminister Michael Noonan nach Silicon Valley gereist, um mit Managern von Tech-Firmen sowohl über die Steuerreformen, die Trump angekündigt hatte, als auch die Steuersicherheit, die Irland weiter garantieren könne, zu sprechen. Die Tatsache, dass der Minister sich so schnell in den Flieger setzte, um persönlich Sicherheit zu vermitteln, zeigt wie wichtig die Investoren aus dem Silicon Valley für den Erhalt des Status Quo an den Dubliner Silicon Docks sind. Und mit der Hauptaufgabe, Sicherheit zu vermitteln, reisen in dieser Woche gleich mehrere irische Minister anlässlich der Feierlichkeiten zum “St. Patrick’s Day” in die USA.

Für den Ministerpräsidenten Enda Kenny, der schon seit dem Wochenende in den USA weilt, ist das Ganze auch so etwas wie eine Abschiedstour. Seine Ablösung als Chef der Haupt-Regierungspartei Fine Gael steht unmittelbar bevor und die Meuterer in Dublin haben ihm die Reise zu Trump “aus Respekt vor seinen Verdiensten” gerade noch gewährt. Viele glauben, dass Trump ihm zuhören wird, wenn es um die Zukunft sowohl der US-Investitionen in Irland als auch um die “undocumented Irish” in den USA geht. Dass Enda Kenny bereits in dem Brief, mit dem er Donald Trump zur Wahl gratulierte, Druck im Namen der vielen irischen Einwanderer ausgeübt habe, wie er der heimischen Presse gegenüber behauptete, wurde von dieser aber schon als FAKE NEWS entlarvt. Kein Wort fand sich darüber in dem Schreiben, das via “Freedom of Information”-Anfrage veröffentlicht wurde.

Aber wer erwartet schon ausgerechnet am Tag des Schlangenvertreibers Ehrlichkeit von Politikern? Von Trump schon mal gar nicht, aber wohl auch kaum von Kenny. Wie jeder irische Ministerpräsident vor ihm wird auch Enda Kenny aus illegalen Einwanderern “undocumented Irish” machen. Gleichzeitig bleiben tausende von Asylbewerbern, die oft seit über 10 Jahren in Auffanglagern leben und auf den Bescheid der irischen Ausländer-Behörde warten, für Kenny und seine Minister weiterhin illegale Einwanderer. “Undocumented” sind nur Iren. Auch das ist Rassismus. Zu Beginn dieser Kolumne sprach ich ja von Schlangenvertreibern und Rattenfängern. Der irische Agrarminister Michael Creed wird bei seinem “St. Patrick’s Day”-Besuch unter anderem nach Berlin, Stuttgart und Köln reisen. Hameln steht nicht auf der Liste.


Image (adapted) „St Patrick’s Day Shamrock on bald head“ by k4dordy (CC BY 2.0)


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Diskursfähigkeit im Netz statt egozentrisches Wer-hat-den-Größten-Geschrei

Kommunikation Kopf Sprechblasen Mann Denken (adapted) (Image by geralt [CC0 Public Domain] via pixabay)

Vor Jahren schrieb ich ein beratendes Gedicht-Fragment über das Ich-Syndrom im Netz:

Deine tägliche Powerpoint-Folie gib uns heute,
Projektionsflächen mit Wald- und Wiesenweisheiten,
Phrasen im Dreiviertel-Takt,
Nervensäge der Expertokratie.

Hohlräume unter der gelackten Fassade,
Keynote-Speaker der Irrelevanz,
Bulletpoints mit Bullshit im Designer-Outfit,
Semantischer Brei im Zufallsmodus.

Geheiligt ist Dein Wichtigtuertum,
Gesegnet Deine Excel-To-Do-Listen,
Gepriesen sind Deine Budapester Schuhe von der Kö oder roten Edel-Sneaker,
Du predigst Lösungen für erfundene Probleme.

Dein Gedankenreich ist geklaut,
Dein Wille für den nächsten Auftrag ungebrochen.

Demütig schreibst Du an Deiner Autobiografie mit dem Titel „ICH“ und der Unterzeile „Und nur ICH“.

Auf Deinem Grabstein ist zu lesen:
„Hier liege ICH und kann nicht anders“.

Ruhe in Frieden auf dem Friedhof Deiner Eitelkeiten.
Amen.

Leider hat sich an dieser Zustandsbeschreibung wenig geändert. Im Gegenteil. Es ist schlimmer geworden, wie Georg Franck im brandeins-Interview konstatiert. Er prägte vor rund 20 Jahren den Begriff der „Ökonomie der Aufmerksamkeit“: „Es geht nicht um ein persönliches Anliegen oder um einen bestimmten Inhalt, es geht einzig darum, eine möglichst große Resonanz zu erzielen. Hier wird Aufmerksamkeit zum Selbstzweck.

Claqueure und Seifenblasen

Wer nichts Substanzielles zu sagen hat, bläst sich auf oder kauft sich gleich ein ganzes Imperium an Sendeformaten und  Claqueuren, um der Welt die Wichtigkeit des eigenen Daseins zu demonstrieren. Zu den Meistern der kommunikativen Seifenblasen zählt die Firma Andreessen Horowitz (gegründet von Marc Andreessen und Ben Horowitz), die ihr Kapital in einigen der höchstbewerteten Silicon-Valley-Unternehmen angelegt hat. Dahinter steht eine „Publicity-Maschinerie“ mit eigener PR-Abteilung und befreundeten Journalisten in der Hightech-Presse. Im Frühling 2014 erlebten die Aktien von Softwareabonnement-Anbietern – im Fachjargon SaaS für ‚Software as a Service’ – einen Kurseinbruch.

Andreessens Content Factory machte sich an die Arbeit. Das Unternehmen stellte Blogposts und Podcasts ins Netz, die erklärten, wie missverstanden doch SaaS-Unternehmen seien. Die Anleger begriffen einfach nicht, wie ungeheuer ertragreich sie einmal sein würden. Die Podcasts quollen über vor verwirrenden Fachbegriffen, Abkürzungen und Messwerten, die sich die SaaS-Branche ausgedacht hat, um ihre eigene Leistung darzustellen. SaaS ist immer noch ein ganz junges Geschäftsfeld und es ist schwer, wenn nicht unmöglich, die Unternehmen aussagekräftig miteinander zu vergleichen“, so der frühere Newsweek-Redakteur Dan Lyons. Im Juni 2014 stoppten die SaaS-Aktien ihre Talfahrt und arbeiteten sich langsam wieder nach oben.

Freibier, Shrimp-Cocktails und Geschlechtskrankheiten

Aber gegenüber Salesforce-Chef Marc Russell Benioff sind wohl selbst Andreessen und Horowitz noch Waisenknaben. Das Forbes Magazine schätzt sein Vermögen auf vier Milliarden US-Dollar. Entsprechend gigantisch wird die Hausmesse „Dreamforce“ aufgeführt. Benioffs Auftritte seien Großtuerei und seine Kundentagung würde einer viertägigen Orgie ähneln. „Caligula wäre begeistert über diesen Triumph der Vulgarität und Verschwendung mit Freibier, endlosen Shrimp-Cocktails und einer Geschlechtskrankheiten-Ansteckungsquote, bei der die Fleet Week der US Navy kaum mithalten kann. Ich komme mir vor, als schaue ich ins Land Mordor hinab. So viele verlorene Seelen! Diese aufgewerteten Gebrauchtwagenhändler, diese Leute, zu deren Job es gehört, die Kunden zu überrumpeln und zu beschwindeln, deren Lebenssinn es ist, ihre Vorgabe zu erfüllen.“ Jeden Monat, jedes Quartal, jedes Jahr: verkaufen, verkaufen, verkaufen.

Wie das Netz mit geschwätziger Reklame verdreckt wird

Das seien die Leute, die sich das Internet, eine der wunderbarsten und meistversprechenden Erfindungen aller Zeiten, unter den Nagel gerissen, es mit Reklame verdreckt und es zu einem großen Versandhandel gemacht haben. „Kein Wunder, dass diese Zombies einmal im Jahr ihre Woche in San Francisco brauchen, um bei Deepak Chopra, einer Prise Kokain und vielleicht einer kanadischen Prostituierten auszuspannen und sich toll vorzukommen“, erläutert Lyons.

Am letzten Tag, der von Lyons besuchten Dreamforce, hält Chopra einen Vortrag. „Er ist ein guter Freund Benioffs. Chopra faselt vor sich hin; irgendwie geht es um Freude, Sinn, Zusammengehörigkeit und wie wichtig es ist, sich selbst zu lieben. Der alte Spruch des Komikers W. C. Fields kommt mir in den Sinn: ‚Wenn du sie nicht mit Genialität blenden kannst, überwältige sie mit Geschwätz.’ Er könnte nicht nur Chopras Vortrag, sondern der ganzen Konferenz als Motto dienen. Benioff und seine karitative Angeberei, der Trockeneisnebel, die Konzerte und Comedians: All das hat nichts mit Software oder Hightech zu tun. Es ist eine Show, mit der die Gäste unterhalten, der Verkauf gefördert und der Aktienkurs hochgetrieben werden soll.

Wer hat den Größten?

Motto: Meiner ist größer! Meiner ist der größte! Benioff habe eine Art Finanzalchemie erfunden, bei der man Geld nicht nur aus dem Nichts, sondern aus Verlusten schafft. „Je mehr er für Partys zum Fenster hinauswirft, desto reicher wird er“, schreibt Lyons.

Das Zauberwort zur Entzauberung des netzmedialen Trumpismus heißt nach Auffassung von Wolf Lotter Diskursfähigkeit. Also das, woran es nicht nur dem Gebrüll von Trump, Benioff und Co. mangelt, sondern auch der Gesellschaft und den zahlreichen, nur nach Selbstbestätigung gierenden Menschen. Bohrende Fragen stellen, hinter die Kulissen und unter die Motorhaube des Marketing-Nebels schauen, das wären wohl erste Maßnahmen, um wieder klarer in der Netzöffentlichkeit sehen zu können. Nicht Mitklatschen und alles bejubeln, sondern kritische Debatten führen. „Wenn der Bohrer den Grund erreicht, wie in diesen Tagen, zeigt sich ohnehin, was Sache ist. Klartext ist die wichtigste Zutat jeder erfolgversprechenden Kommunikation“, führt Lotter in seinem Einleitungstext in der Februar-Ausgabe von brandeins aus. Schwerpunkt: „Der Kampf um Aufmerksamkeit und seine Folgen“. Urteil des Notiz-Amtes: Das richtige Thema zur richtigen Zeit. Nicht nur im Marketing. 


Image (adapted) „Kommunikation Kopf Sprechblasen Mann Denken“ by geralt (CC0 Public Domain)


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Trump-Ideologie hinter der Bubblegum-Hippie-Fassade im Silicon Valley

startup (adapted) (Image by StartupStockPhotos [CC0 Public Domain] via Pixabay)

In der Wirtschaft geht es immer um Wertentscheidungen. Jeder ökonomische Formelkonstrukteur ist gefordert, seine Weltsicht zu erklären. Das gilt auch für jene, die auf Bühnen über die Notwendigkeit der Digitalisierung schwätzen, aber sich in Wirklichkeit hinter Begriffskaskaden verstecken. Die Keynote-Dauerredner sprechen von Digitaler Transformation, Digitalem Darwinismus (sozusagen die Donald Trump-Variante des Business-Darwinismus), Disruption oder Innovation, erläutern aber nicht, welche Programmatik dahinter steckt.

„Wenn wir wirklich eine inklusive, nachhaltige und verantwortliche Gesellschaft und Ökonomie wollen, müssen wir unsere Bilanzen und Logiken ändern. Ich halte das für fundamental. Was sind die grundlegenden Paradigmen und Theorien der Ökonomie? Die sind implizit normativ. Am Ende ist Digitalisierung kein Selbstzweck. Es gibt auch keinen Determinismus* (*=Die Anschauung, dass alle Ereignisse im Voraus festgelegt sind und es keinen freien Willen gibt, Anm. des Autors). Wir haben gestalterische Freiheiten. Wohin führen unsere Denkansätze?“, fragt sich Winfried Felser in der netzökonomischen Ideenrunde.

Wie gerecht ist die Netzökonomie?

Darüber denkt in der digitalen Technologieszene kaum einer nach. Umso mehr müsste sich die Wirtschaftswissenschaft mit diesen Fragen beschäftigen, fordert Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal-Instituts.

Die Ökonomik sollte etwas zu möglichen und wünschenswerten Szenarien in der Zukunft sagen. Sie muss wieder Möglichkeitswissenschaft werden: Wie könne eine Ökonomie aussehen, die die Produktivitäts­fortschritte der Informationswirtschaft für einen Wohlstand nutzt, der bei möglichst vielen Menschen ankommt? „Sind Postwachstums­gesellschaften denkbar, die dennoch eine hohe Lebensqualität für zehn Milliarden Menschen innerhalb der planetaren Grenzen schaffen? Wie sehen Perspektiven für einen zeitgemäßen Kapitalismus aus? Ein solches Zielwissen ist normativ, die zugrunde liegenden Normen bedürfen der Explizierung und der Begründung“, so Schneidewind.

Tschakka-Weisheiten im Killermodus

Im Silicon Valley ist davon wenig zu spüren. Da findet man eher eine Menge Donald Trump-Ideologie, auch wenn die kalifornischen Protagonisten der Netzökonomie das empört zurückweisen würden: Das Dasein sei ein Dschungel, in dem man bereit sein muss, zu kämpfen – das ist das Credo von Trumps „kontrollierter Paranoia“. Überleben werde nur der Stärkere. Für den neuen Präsidenten der USA gibt es nur zwei Sorten von Menschen: Gewinner und Verlierer, man ist entweder das eine oder das andere. „Sei ein Killer“, so der „pädagogische“ Leitspruch seines Vaters.

Den ideologischen Überbau für den donaldistischen Siegeszug lieferte der evangelikale Tschakka-Wanderprediger Norman Vincent Peale, Autor des Bestsellers  „The Power of Positive Thinking“: „Formuliere und präge deinem Verstand ein mentales Bild von dir selbst als jemand ein, der Erfolg hat. […] Halte hartnäckig daran fest. Lass es niemals verblassen. Denk nie von dir selbst als jemand, der versagt“, so die anarcho-kapitalistischen Phrasen von Peale. Bei Trump wird das Prinzip zur Manie: „Ich gewinne, ich gewinne, ich gewinne immer. […] Am Ende gewinne ich immer, ob nun beim Golf, beim Tennis oder im Leben, ich gewinne einfach immer. Und ich sage den Leuten, dass ich immer gewinne, weil ich eben immer gewinne.“ Und wenn er nicht gewinnt, straft er die Leute eben ab, die nachweisen, dass er nicht immer gewonnen habe. Oder er empfiehlt gar die Übernahme oder gar Schließung von Institutionen, die seinem Siegeswahn im Wege stehen.

Hütchenspieler im Tal der Zukunft

Plappern die Papageien im „Tal der Zukunft“ einen anderen Sound? Hinter der sektenhaften New-Age-Wir-verbessern-die-Welt-Fassade steckt doch sehr viel Sieger-Gequatsche und Aufgeblasenheit á la Trump.

Ein Großteil der Silicon-Valley-Gründergeneration besteht aus ziemlich unangenehmen Typen, schreibt der Journalist und Drehbuchautor Dan Lyons in seinem Opus „Von Nerds, Einhörnern und Disruption“. „Frühere Hightech-Unternehmen wurden von Ingenieuren und MBAs gegründet, heutige von jungen, moralfreien Hütchenspielern, von der Art Jungs (und es sind fast alles junge Männer), die sich im Kino ‚The Social Network‘ angesehen haben, in dem Mark Zuckerberg als diebischer, heimtückischer Lügner dargestellt wird, und die danach genauso werden wollen wie er. Viele haben gerade erst das College abgeschlossen – oder sich nicht einmal die Mühe gemacht, es abzuschließen.“ In ihren Unternehmen gehe es zu wie im Hauptquartier einer Studentenvereinigung. Twitter habe wirklich einmal eine Betriebsfeier mit dem Thema Fraternity (Studentenverbindung) gegeben.

Frauen begrapschen und Wasserpfeifen mit Bier befüllen

„Seit 2012 gibt es im Silicon-Valley-Wörterbuch den Begriff brogrammer – ein Programmierer vom Typ bro, ein jugendlicher Macho, der seine Wasserpfeife mit Bier füllt und Frauen begrapscht. Bald kommen die unvermeidlichen Skandale und Prozesse, die Geschichten über schleimige Gründer, die weibliche Angestellte belästigen oder, in einem extremen Fall, ihre Freundin zusammenschlagen. Solche Leute stehen an der Spitze der neuen Generation Hightech-Unternehmen, solchen Leuten vertrauen viele Menschen sehr viel Geld an. Man möchte sich ja gerne vormachen, dass die Zeche, wenn diese Blase platzt, von den Risikokapitalgebern der Sand Hill Road in Menlo Park gezahlt wird, aber ein Großteil des Geldes, das man diesen Kids jetzt nachwirft, stammt aus Pensionsfonds“, warnt der frühere Newsweek-Technologieredakteur. Die Zeche werden sehr viel mehr Leute zahlen müssen als nur ein paar Berufsinvestoren, die Risiken gewohnt seien.

Gierige Investoren und unmoralische Gründer

„Wenn ich mich in San Francisco umsehe, fürchte ich, dass das alles nicht gut gehen kann. Diese Kombination aus Wunschdenken, billigem Geld, gierigen Investoren und unmoralischen Gründern ist das Rezept für eine Katastrophe“, so Lyons. Gute Gründe, um auch den netzökonomischen Diskurs mit normativer Brille zu führen. Fernab von den Hurra-Meldungen über neue Gadgets, Apps und Plattformen.

Das Silicon Valley ist ethisch betrachtet kaum hübscher als die Wall Street, mit deren Milliarden aus dem Derivatenhandel es reich geworden ist, bemerkt Zeit-Autor Alard von Kittlitz. Wenn es nicht sogar noch unangenehmer sei, wegen seiner grell geschminkten Bubblegum-Hippie-Fassade. Das Notiz-Amt sieht die Notwendigkeit eines kritischen Rationalismus im Umgang mit den „Helden“ der Digitalisierung.


Image „startup“ by StartupStockPhotos (CC0 Public Domain)


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  • YOUTUBE googlewatchblog: YouTube gibt Vereinbarung mit GEMA bekannt: YouTube gibt heute den Abschluss einer bahnbrechenden Vereinbarung mit der GEMA bekannt, auf deren Basis Nutzerinnen und Nutzer in Deutschland ab sofort noch mehr ihrer Lieblingssongs auf YouTube genießen können. Musikverleger, Songwriter und Komponisten, die von der GEMA vertreten werden, profitieren nunmehr davon, dass ihre Musikinhalte künftig auch auf YouTube in Deutschland verfügbar sind. Dadurch erreichen sie über YouTube ihre bestehenden sowie neue Fans und können durch die Monetarisierung ihrer Videos gleichzeitig Geld verdienen.

  • CYBERCRIME t3n: Angst vor Angriff auf das Internet am US-Wahltag: Am 21. Oktober legte eine DDoS-Attacke Twitter, Github, Airbnb oder die New York Times lahm. Die Attacke ging von IoT-Geräten aus und war auf die von der Infrastruktur-Firma Dyn verwaltete DNS-Infrastruktur ausgerichtet. Damals bereits berichtete die New York Times, dass sich US-Behörden Sorgen um einen möglichen weiteren Angriff während der US-Präsidentschaftswahl am 8. November machen. Die Folge könnte etwa sein, dass die US-Bevölkerung nur erschwert an der Wahl teilnehmen kann. Persönlichkeiten aus dem Silicon Valley diskutierten darüber jetzt auf Twitter.

  • APPLE golem: IOS 10.1.1 behebt Fehler in Health-App : Wegen eines Fehlers in der Health-App hat Apple mit iOS 10.1.1 schon kurz nach der Veröffentlichung von iOS 10.1 ein Update veröffentlichen müssen. Der Fehler führte dazu, dass die Fitnessdaten in der Anwendung nicht dargestellt wurden. Er trat allerdings nicht bei allen Nutzern auf. Angeblich sollen weitere Fehler in iOS 10.1 behoben worden sein. Apple hat bisher nicht dokumentiert, um welche Probleme es sich im Einzelnen gehandelt habe. IOS 10.1.1 wird über die Softwareaktualisierung over-the-air installiert und ist je nach Gerät etwa 50 MByte groß.

  • BITCOINS heise: Schweizerische Bundesbahnen testen Verkauf von Bitcoins: Ab dem 11. November kann man an den Fahrkartenautomaten der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) Schweizer Franken in Bitcoin tauschen, wie das Staatsunternehmen mitteilt. Nutzer benötigen dafür ein Smartphone mit Wallet-Anwendung sowie eine Schweizer Mobilfunknummer, die beim Tausch auch angegeben werden muss. Maximal 500 Schweizer Franken können so pro Tausch gewechselt werden, Mindestsumme sind 20 Franken.
    Pro Jahr könnten maximal 5000 Franken auf diese Weise getauscht werden, erklärte ein SBB-Sprecher der Schweizer Handelszeitung. Nutzer lassen ihre Wallet-Adresse per QR-Code vom Automaten scannen, geben ihre Wunschsumme an und müssen ihre Mobilfunknummer angeben. Danach folgt die Eingabe einer per SMS erhaltenen mTan, dann die Zahlung per Bargeld oder Debitkarte und schließlich die Bitcoin-Überweisung auf die Wallet.

  • APPLE giga: Der Mac ist ungeeignet für einen normalen Touchscreen: Während viele PC-Hersteller seit langer Zeit auf Touchscreens in ihren Notebooks und Tablets setzen, hat sich Apple bei MacBook und iMac gegen einen derartigen Bildschirm entschieden. Im Interview mit CNET erklärte Jony Ive, dass man sich bereits vor vielen Jahren dagegen entschieden habe. Man habe Multitouch damals untersucht, um die möglichen Einsatzzwecke zu finden. Dabei stellte Apple fest, dass der Mac nicht der richtige Platz für einen Touchscreen sei. Auf die Frage, warum dies so sei, wollte Ive nicht eingehen. Es sei ihm nicht möglich darüber zu reden, ohne gleichzeitig Hinweise darauf zu geben, woran man derzeit arbeite. Möglicherweise handelt es sich dabei um das in den Gerüchten behandelte E-Ink-Keyboard, welches von Sonder entwickelt wurde.

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Kant statt Hobbes – Mehr Pflichtethik für Unternehmen

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In der Differenz zwischen der Nützlichkeitsethik des Staatstheoretikers Thomas Hobbes und der Pflichtethik des Philosophen Immanuel Kant liegt das Spannungsfeld fast aller Debatten über Wirtschaftsethik und Wirtschaftstheorie.

Nützlichkeit und Sittlichkeit haben nichts miteinander zu tun, sagen die Pflichtethiker. Verfechter der Nützlichkeitsethik kontern, Moral ist für nach Vorteil strebenden Menschen und nicht für Heilige da. Letztere Denkweise dominiert in der Wirtschaftstheorie, Wirtschaftspolitik und auch im wirtschaftlichen Handeln. Das individuelle Wohlergehen wird addiert zu gesellschaftlichen Zuständen. Einfach gesagt: Eine Handlung ist dann moralisch, wenn die Folgen für mich und für viele optimal sind.

Vorstände und Aufsichtsräte achten auf die Liquidität

Wenn wir uns die Intrigen, Lügen, Manipulationen und Machenschaften im VW-Konzern anschauen, geht es wohl wenig um Pflichtethik. Was Aufsichtsräte und Vorstände interessiert, ist nicht beim Philosophen Kant anzusiedeln. Man will schlichtweg relativ ungeschoren davonkommen und handelt dabei rechtskonform. Nach der geltenden Rechtsprechung müssen die Aufsichtsräte in Deutschland vor allem auf die Liquidität der Unternehmen achten. Sie müssen Warnsignale frühzeitig wahrnehmen und im Krisenfall ohne Zeitverzögerung Sanierungen einleiten – ansonsten drohen den Kontrolleuren haftungsrechtliche Konsequenzen. Aber wie steht es mit unethischem Verhalten?

Warum das Controlling-Gejodel in den Abgrund führt

Passt das in das monokausale Gefüge der Controlling-Pflichten mit dem Gejodel über Kennzahlen, Bilanzbewertungen und juristischen Kenntnissen über Gesellschaftsverträge? Wohl nicht. Was aber sind die Konsequenzen der Abgas-Betrügereien in Wolfsburg? Sie vernichten den Unternehmenswert, schädigen das Gemeinwohl, führen zu einem radikalen Stellenabbau sowie zu einer Zerschlagung des Volkswagen-Imperiums und belasten die Volkswirtschaft. Mit der reinen Lehre der Nützlichkeit kommen wir da nicht weiter. Hier liegt eine Schwäche der Wirtschaftspolitik, der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung und des Managements vor.

Warum muss sich Menschlichkeit rechnen?

Mehrheitsfähig dürfte die Position des Unternehmers Stephan Brockhoff sein, die er im Interview mit Zeit Online äußert: Mit etwas mehr Menschlichkeit komme ein Veränderungsprozess in Gang, der gerade in der Marktwirtschaft gut funktioniert. „Denn mithilfe von Vertrauen und Empathie kann man das ungenutzte Potenzial von vielen Mitarbeitern in Unternehmen bergen – und letztlich auch monetarisieren. Menschlichkeit rechnet sich insofern.“

Thomas Hobbes würde jubeln. Es geht meistens um die Frage, ob moralisch oder ethisch relevante Sachverhalte sich für das Unternehmen positiv auswirken. Was Management-Zeitschriften und die Wirtschaftsforschung in der Corporate Social Responsibility-Debatte ins Zentrum rücken, ist der ökonomische Imperativ. Es muss sich rechnen. Mit der Steigerung der allgemeinen Wohlfahrt hat das aber nichts zu tun: „Unternehmen publizieren oft schön formulierte Pressemitteilungen, CSR-Reports oder Codes of Conduct und errichten damit eine Imagefassade, während die eigentlichen Geschäftsprozesse unangetastet bleiben“, schreiben Andreas Georg Scherer, Guido Palazzo und Andreas Butz in einem Fachbeitrag für den Sammelband „Theorien der Wirtschafts- und Unternehmensethik“, erschienen im Suhrkamp-Verlag.

Mit Trickle-down in die Obdachlosigkeit

Die Mehrheit der Ökonomen sieht das wohl anders. Unternehmen sind Institutionen, die auf Gewinnerzielung ausgerichtet sind. Jede soziale oder ökologische Verantwortung, die über gesetzliche Bestimmungen hinausgeht, sei abzulehnen. Eine solche Orientierung wäre kein Beitrag für die Wirtschaftlichkeit. Darüber hinaus sei das private Gewinnstreben aufgrund der Allokationsfunktion des Marktsystems der Katalysator für die gesamtgesellschaftliche Wohlfahrt.

In der vulgär-kapitalistischen Variante von Donald Trump heißt das dann Trickle-down-„Theorie“. These: Wenn die Reichen reicher werden, wird das Geld der Oberschicht über kurz oder lang nach unten durchsickern.

In der Realität „erfreuen“ sich über 15.000 Menschen allein im Silicon Valley an ihrer Obdachlosigkeit, verbunden mit der lukrativen Perspektive, bei den explodierenden Immobilienpreisen im Tal der Tech-Giganten irgendwann eine Einzimmerwohnung zu ergattern, die durchschnittlich bei 4.000 Dollar pro Monat liegt. Dickerchen Trump will das jetzt „verbessern“. Der Milliardär möchte den Reichen und Schönen weitere Steuergeschenke machen. Seine Reform würde das Einkommen der Vermögenden um rund 20 Prozent erhöhen und zu Einnahmeausfällen in der Staatskasse von zwei bis sechs Billionen Dollar führen. Da lohnen denn auch weitere Spekulationen mit Luxussanierungen sowie Neubauten in San Francisco und Umgebung.

Unternehmen sind politische Akteure

Wirtschaftstheoretiker werden jetzt einwenden, dass es sich hier wohl eher um die extremistische Variante eines Nützlichkeitsideologen handelt. Im Großen und Ganzen gehe ja das Renditestreben der Unternehmen auf das Konto gesamtwirtschaftlicher Prosperität. Ich halte das für dürftig und naiv. Unternehmen sollten auch in der Wirtschaftstheorie als politische Akteure betrachtet werden – besonders im globalen Maßstab. Wir erleben immer häufiger ein Versagen des Staates bei der Durchsetzung von Normen und Pflichten für das Allgemeinwohl. Prominentestes Beispiel ist die Steuerflucht von Konzernen wie Apple, die mit ihrem Heimatland und der EU Katz und Maus spielen. Unter diesen Bedingungen versagt häufig der ökonomische Imperativ.

Transnationale Demokratie

Die Autoren Scherer, Palazzo und Butz subsumieren das unter dem Begriff „Global Governance“. Es müssen neue Formen der politischen Steuerung gefunden werden, um die politische Ordnung mittels neuer demokratischer Institutionen und Verfahren wieder herzustellen. Das sei nicht nur eine Angelegenheit der nationalen Regierungen und internationalen Institutionen, sondern auch eine Sache der privaten Akteure wie Nichtregierungsorganisationen, zivilgesellschaftlichen Gruppen, Konsumenten, Arbeitnehmer und eben auch Unternehmen.

Runde Tische sollten im Lichte der Öffentlichkeit Standards für Arbeitsleben, Menschenrechte, Korruptionsbekämpfung, Gesundheitswesen, Umweltschutz und Bildung entwickeln. Im transnationalen Diskurs kann man sich dann nicht mehr mit netten PR-Sprüchen, CSR-Hochglanzbroschüren und semantischen Nebelkerzen über Wasser halten.

In diesem Demokratiemodell sind Unternehmen dann Gegenstand demokratischer Mitentscheidung und Kontrolle. Genau das wollen die CETA- und TTIP-Konstrukteure vermeiden.

Zumindest die Wirtschaftstheorie sollte verstärkt die Legitimität unternehmerischen Handelns im Geiste des Pflichtethikers Immanuel Kant auf die Tagesordnung setzen. Von Unterhändlern, die im Hinterzimmer an den transatlantischen Freihandelsabkommen feilen, ist das nicht zu erwarten.


Image One Way Street by geralt (CC0 Public Domain)


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  • WHATSAPP faz: Whatsapp kriegt Post vom Anwalt: Wer in seinem Smartphone Geheimnisse verbirgt, sollte sich mit der jüngsten Kontroverse im Datenschutzrecht beschäftigen. Denn sonst könnte die schöne Bekanntschaft vom Wochenende plötzlich gut sichtbar mit Profil-Foto auf Facebook vorgeschlagen werden. Das kann praktisch sein oder die Ehe zerrütten – je nach Konstellation. Möglich macht diese Funktion der Datenaustausch der beiden Dienste: Facebook erhält Handynummern von Whatsapp. Jetzt haben Verbraucherschützer diese Praxis abgemahnt.
  • DROHNEN wired: Auf Amsterdams Kanälen fahren bald Drohnenboote: Während andere Städte und Regionen autonome Autos testen, schaut man in Amsterdam aufs Wasser. Knapp ein Viertel der niederländischen Metropole ist von Kanälen bedeckt und auf diesen sollen ab 2017 selbstfahrende Boote getestet werden. Das auf fünf Jahre angelegte Forschungsprojekt Roboat ist eine Kooperation des Amsterdam Institute for Advanced Metropolitan Solutions (AMS), der TU Delft und der Uni Wageningen mit dem US-amerikanischen Massachusetts Institute of Technology (MIT). Es hat ein Budget von 25 Millionen Euro.
  • MARKT wuv: „Junge Menschen sind nicht unbedingt kreativer“: Eine steile These geistert durch das Silicon Valley. Formuliert hat sie Sun-Gründer und Investor Vinod Koshla: Menschen mit 45 hören auf, über Neues nachzudenken. Die wahren Innovationen kämen von Leuten unter 45 Jahren. Er scheint den Agenturen aus der Seele zu sprechen, die ja gern auf besonders junges Personal setzen. Ist Kreativität tatsächlich eine Frage des Alters? W&V Online hat dazu Stephan Sonnenburg von der Karlshochschule in Karlsruhe befragt. Er forscht zu dem Thema und ist 45 Jahre alt.
  • MOBILITÄT gruenderszene: „2025 wird es in amerikanischen Städten kaum noch private Autos geben“: Es gibt einfach viel zu viele Autos. Und all diesen Autos überlassen wir viel zu viel Platz in unseren Städten. Das ist der Ausgangsgedanke der Überlegungen von John Zimmer, der die Fahrvermittlung Lyft mitgegründet hat. Zimmer liebt Autos. Seit seiner Jugend. Aber er schreibt in seinem Beitrag zur automobilen Zukunft auf Medium, dass wir unsere Umgebung in Autolandschaften verwandelt und damit zerstört haben. Obwohl das durchschnittliche Auto nur vier Prozent der Zeit bewegt wird.
  • DATENSCHUTZ golem: US-Amerikanerin verklagt smarten Vibratorhersteller: Weil der smarte Vibrator We-Vibe Rave ohne Genehmigung persönliche Informationen der Nutzer gesammelt hat, verklagt eine US-Amerikanerin den Hersteller Standard Innovation. Das Gerät kann nur vollumfänglich genutzt werden, wenn Nutzer es per Bluetooth mit einem Android oder iPhone verbinden und die vom Hersteller entwickelte App nutzen. Der WE-Vibe ermöglicht darüber die Fernsteuerung des Vibrators, per Freigabe über die „Connect Lover“-Funktion kann auch der Partner eingeladen werden, das Gerät zu steuern. Die Klägerin beschwert sich konkret darüber, dass die Apps vertrauliche Daten an den Hersteller hochladen, ohne die Kunden darauf hinzuweisen.
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  • DARKNET sueddeutsche: Das verbirgt sich hinter dem Darknet: In den letzten Tagen ist ein bestimmtes Wort immer wieder zu hören, wenn es um den Amoklauf in München geht – „Darknet“. Eine Art digitaler Schwarzmarkt. Auf diese Internetseiten kommt man nicht ohne eine bestimmte technische Ausrüstung. Bestimmte Software-Systeme müssen installiert sein, die die IP-Adresse verstecken und so für Anonymität im Netz sorgen. Der Schütze aus München kam so an seine Glock 17. Wie können Ermittler gegen diese Schattenwelt ankämpfen?
  • STARTUPS gruenderszene: Bund spendiert weitere 10 Milliarden Euro für Startups: Deutschland hat das Zeug dazu, um in der digitalen Weltwirtschaft ganz vorne mit dabei zu sein. Was momentan noch fehlt, sind Eigenschaften wie Mut und die Euphorie, die man seit Jahren im kalifornischen Silicon Valley begutachten kann. Damit innovative Ideen nicht auf Grund der Angst des Scheiterns im Keim erstickt werden, will das Bundesfinanzministerium nun einen Fonds für Gründer einrichten, der mit günstigen Kredit-Konditionen überzeugen soll. Finanzminister Schäuble stellt 10 Milliarden Euro in Aussicht.
  • AMAZON reuters: Amazon gets permission from UK to explore drone deliveries: Der amerikanische Online-Versandhändler Amazon ist mit der britischen Regierung eine Partnerschaft eingegangen. Konkret geht es um Versand durch kleinere Drohnen. Mit dieser Partnerschaft hofft Amazon die neue Versandmöglichkeit schneller benutzten zu können. Amazon soll geplant haben, dass bereits im nächsten Jahr die ersten Pakete offiziell von einer Drohne zu Kunden innerhalb des Vereinigten Königreiches gebracht werden sollen.
  • TWITTER recode: Twitter’s new video ad actually explains what Twitter is for: Was macht man eigentlich mit Twitter? Viele Menschen sind verwirrt, wenn sie über Twitter diskutieren. Einigen ist unklar, für was die Plattform gut ist. Vor allem in Deutschland hat Twitter es schwer, seitdem der große Konkurrent Facebook da ist. Der Konzern hat nun eine neue Video-Werbung erstellt, die klar stellen soll, wofür Twitter existiert.
  • US-WAHLKAMPF mashable: Bernie Sanders hits Donald Trump with sick bern on Twitter: Bernie Sanders war die große Hoffnung der jungen amerikanischen Bevölkerung, um den Schuldenwahnsinn für Studienzeiten zu beenden und die Kluft zwischen Arm und Reich wieder zu stabilisieren. Vor ein paar Wochen wurde klar, dass wohl Hillary Clinton auf Seiten der Demokraten das Rennen machen wird. Auch wenn er unterschiedliche politische Meinungen vertritt, so mahnte Sanders für Einigkeit bei den Demokraten und die Unterstützung von Hillary Clinton, damit Donald J. Trump auf keinen Fall Präsident wird. Dieser versuchte auf Twitter die Demokraten zu spalten. Sanders und Clinton reagierten souverän.
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  • SILICON VALLEY wired: Thiel: We Must Talk ‘Frankly’ About America’s Problems: Der deutschstämmige Investor Peter Thiel zieht den Groll vieler Silicon Valley CEOs auf sich. Grund dafür ist seine Wahlkampfunterstützung für Kandidat Donald Trump. In einem offenen Brief haben sich nun über 100 hochrangige Personen der Tech-Welt gegen Donald Trump ausgesprochen. Im Brief sind unter anderem die Namen von Tech-Giganten wie Steve Wozniak, Ev Williams, Pierre Omidyar, Vinod Khosla und Dustin Moskovitz zu finden. Sie stellen sich gegen Trump, weil seine Wahlkampagne Angst und Hass fördere. „Wir haben Donald Trumps Ansichten über ein Jahr verfolgen können und kommen zu dem Entschluss: Trump wäre ein Desaster für Innovationen.“

  • MICROSOFT reuters: Microsoft wins landmark appeal over seizure of foreign emails: Microsoft feiert vor Gericht einen Sieg gegen die Überwachung von Nutzerdaten. Microsoft werte sich gegen einen Beschluss, in dem der Konzern gezwungen werden könne, Email-Daten von Nutzern bereitstellen zu müssen, die sich auf Servern außerhalb der USA befinden. Ein Bundesgericht in den Vereinigten Staaten hat in dem Streit dem Tech-Unternehmen recht gegeben.

  • GOOGLE golem: Google-Überwachungskamera nutzt Personenerkennung: Vor zwei Jahren hatte Google das Unternehmen Nest für 3,2 Milliarden Dollar übernommen. Kurz danach wurden 555 Millionen Dollar für den Überwachungskamerahersteller Dropcam bezahlt. Nun bringt Google eine Kamera raus, die mit einer Personenerkennung nur auf Menschen reagieren soll. Die „Nest Outdoor Cam“ ist mit einem 130-Grad-Weitwinkelobjektiv und einem Sensor mit 3 Megapixeln ausgerüstet und benötigt eine Steckdose für die Stromversorgung. In Full-HD sollen 30 Bilder pro Sekunde aufgenommen werden. Die Nest Cam Outdoor soll 200 US-Dollar kosten. Dazu kommen monatliche Kosten ab 10 US-Dollar für den Cloud-Service, damit die Videos dort für 30 Tage gespeichert werden. Die Aufnahme läuft rund um die Uhr.

  • FACEBOOK mashable: Facebook activates Safety Check for Nice after truck rams into parade: Nach dem terroristischen Anschlag in Nizza, bei dem über 80 Menschen getötet worden sein sollen, hat Facebook vor Ort seinen Sicherheitscheck aktiviert. So kann man über Facebook herausfinden, ob Freunde, die sich in der Nähe des betroffenen Gebietes aufhalten, in Sicherheit sind. Französische Behörden riefen die Leute sogar auf, über Facebook den Sicherheitsstatus ihrer Freunde oder Verwandten zu checken, wenn sie die Plattform benutzen.

  • T-MOBILE thenextweb: T-Mobile is giving Pokemon Go players free data through August 2017: Pokémon Go ist dabei das erfolgreichste Smartphone-Game zu werden. Der Aktienwert von Nintendo schoss unfassbar in die Höhe. Jetzt setzen auch andere Unternehmen auf den Hype um Pickachu und seine Kollegen. Günstigere Fahrten mit Lyft, spezielle Angebote auf mobile Akkuladestationen und vieles mehr. Und auch T-Mobile will Teil des Geschäfts sein. Wer sich die T-Mobile-App herunterlädt, der hat bis Mitte August die Chance auf kostenloses Datennetz, um die Pokémonsuche voll auszukosten.

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  • TECHNOLOGIE sueddeutsche: China schockt die Konkurrenz mit extrem schnellen Supercomputern: In der digitalen Aufrüstung scheint die Volksrepublik China den anderen Großmächten einen ordentlichen Schritt voraus zu sein. Auf der International Supercomputing Conference (ISC), die in Frankfurt stattfand, kündigte die chinesische Delegation einen Fortschritt in ihrer Entwicklung an, der wohl über den Globus verteilt einige Unterkiefer Richtung Boden fallen ließ. Der neue Supercomputer aus China hört auf den Namen „Sonnenweg“ und erreicht eine theoretische Maximalleistung von 93 Billiarden Rechenoperationen pro Sekunde.
  • DIGITALISIERUNG gruenderszene: „Wir sind Europäer. Aus anderem Holz geschnitzt.“: Claus Kleber war für eine Reportage im Silicon Valley in Kalifornien unterwegs. Er hat mit einigen der klügsten Köpfe gesprochen, die gerade versuchen, durch digitale Innovationen die Welt zu verändern. Themen wie „selbstfahrende Autos“ und die Möglichkeit mit ihnen die Anzahl an Unfalltoten drastisch zu senken werden angesprochen. Man kriegt viele interessante Gedanken zu hören und Klebers Beitrag scheint von der „deutschen Angst“ befreit zu sein. Doch dann kommt sein Schluss-Statement: „Müssen wir mitgehen? Auf diesen Trip? Nein! Wir sind Europäer. Aus anderem Holz geschnitzt. Wir vergöttern Veränderungen nicht so. Das ist nicht unser Trip.“
  • TWITTER techcrunch: Twitter pays up to $150M for Magic Pony Technology, which uses neural networks to improve images: Nachdem Twitter 70 Millionen Dollar in den Musikdienst SoundCloud investierte, folgt nun die nächste Investition. Mit einer Summe von 150 Millionen Dollar wird das Londoner Unternehmen „Magic Pony Technology“ unterstützt, das Techniken entwickelt, um von Mensch geschossene Bilder durch selbstständiges Lernen zu verbessern. Twitter will so die Performance seiner Smartphone-App verbessern, weil vor allem damit viele Bilder hochgeladen werden.
  • SMARTBOY t3n: Vom Aprilscherz zum echten Produkt: Hyperkin Smart Boy bringt Game-Boy-Spiele aufs Smartphone: Game Boy Fans aufgepasst! Eigentlich war die Ankündigung des Herstellers Hyperskin über einen SmartBoy, mit dem Game Boy-Spiele auf dem Smartphone gespielt werden können, für das iPhone 6 Plus nur ein Aprilscherz aus dem letzten Jahr. Aufgrund der positiven Resonanz entschied sich das Unternehmen im Nachhinein doch für eine Umsetzung des SmartBoy. Im Juni letzten Jahres wurde dann tatsächlich eine Alpha-Version, jedoch nicht für iPhone-Besitzer sondern ausschließlich für Android -Smartphones, vorgestellt. Auf der E3 in Las Vegas zeigt sich der SmartBoy, vorerst als Developement-Kit, mit echter Game Boy-Optik. Bis Dezember 2016 muss man voraussichtlich noch ausharren, um das kultige Gadget dann für das Smartphone nutzen zu können.
  • LIFESTYLE-APPS Welt: Können diese Apps wirklich die Seele optimieren?: Können Apps dabei helfen, dass Seelenleben wieder in Einklang zu bringen? Das Berliner Startup Humly will dies ab dem 1. Juli, voerst mit einer Website und ab Herbst dann mit einer App, testen. Dies ist keine neue Idee, die Apps Selfapy und Arya sind bereits auf dem Markt und richten sich speziell an Personen mit Depressionen. Die Apps, wie auch die in den USA erfolgreichen Namen Lantern und Ginger, fungieren als eine Art Stimmungs-Tagebuch und sind natürlich kein Ersatz für die klassische psychische Therapie. Inwieweit die Apps eine reele und wirksame Hilfe für Betroffene darstellen ist umstritten. Dennoch könnten diese als Begleitung im Alltag und zur eigentlichen Therapie von Nutzen sein.
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Screen Radar: Showdown zwischen Skins und Punks

Watching a blank screen (adapted) (Image by Kenneth Lu [CC BY 2.0] via flickr)

Für die Netzpiloten stellt Arthur Avenue Kino-Neustarts vor und bespricht die wichtigsten Film-Themen. Dieses Mal mit den Folgen eines Exklusivdeals zwischen Netflix und Disney, dem Thriller „Green Room“ mit Patrick Stewart als Nazi-Fiesling, den meisten Flüchen in einem Film und dem Trailer zu „Wiener-Dog“, in dem sich alles um Dackel dreht.

Neu im Kino„Green Room“
„The Nice Guys“
Thema der WocheWer die Inhalte hat, gewinnt
Neues aus der FilmweltUns erwartet ein neuer James Bond
Horrorfilm im Kinderprogramm
Darauf freuen wir uns„Wiener-Dog“
Frisch besetzt„You Are Wanted“ mit Matthias Schweighöfer
Wie wurde es gemacht?Mit 3.000 Bildern pro Sekunde die Zeit einfrieren
RekordverdächtigSo oft wird in diesen Filmen geflucht
Wann geht es endlich weiter?„Empire“ – Staffel 2
„Girls“ – Staffel 5
„Silicon Valley“ – Staffel 3

 

Neu im Kino

Muss man sehen: Der spannungsgeladene US-Thriller„Green Room“ lässt Punks auf Skinheads treffen. Mit dem letzten Tropfen Benzin schafft es die Punkband „The Ain’t Rights“ zu einem Gig irgendwo im Nirgendwo. Ihr Publikum besteht zu 100 Prozent aus Nazis – aber der Plan, direkt nach dem Auftritt wieder zu verschwinden, geht leider nicht auf. Sie werden unfreiwillig Zeuge eines Mordes, woraufhin sie sich im Backstageraum verbarrikadieren und um ihr Leben fürchten müssen. Dank der überzeugenden Darstellungen von Patrick Stewart als skrupelloser Anführer der Nazi-Gang, Imogen Poots als Skinhead-Braut und Anton Yelchin als Bandleader wird dieses blutrünstige Katz-und-Maus-Spiel den Zuschauer bis zum Schluss an den Kinosessel fesseln.

Kann man sich sparen: Wo ist eigentlich oben und wo ist unten? In „The Nice Guys“ vermischen sich Blödel-Buddy- mit Film-Noir-Elementen und dem L.A. der Siebziger zu einem wuseligen Krimi-Etwas. Obwohl Russell Crowe und Ryan Gosling zugegebenermaßen eine tolle Leinwand-Chemie haben, entpuppt sich ihr Detektivauftrag als wahre Stimmungsbremse. Regisseur Shane Black („Iron Man 3“, „LethalWeapon“) schickt sein Gespann (mit tatkräftiger Unterstützung von Goslings Film-Tochter, gespielt von Angourie Rice) auf Verbrecherjagd und dreht sich dabei so oft im Kreis, dass einem schwindelig wird. Darauf kann man einfach nicht klarkommen!

Thema der Woche

Wer die Inhalte hat, gewinnt: Man hat ja keine Ahnung, was für Exklusivdeals in den Hinterzimmern der Streaming-Provider so geschlossen werden. Uns ist jetzt eine Abmachung zwischen Netflix und Disney aus dem Jahr 2012 zu Ohren gekommen, die (zunächst) großflächige Konsequenzen für alle US-Nutzer nach sich ziehen dürfte. Beide Parteien haben sich nämlich damals schon darauf geeinigt, dass Netflix ab September 2016 alleinige Abspielstätte für Produktionen aus dem Hause Disney sein wird, die seit Januar 2016 im Kino anliefen. Dieser Deal gilt ebenso für die Tochterfirmen Pixar mit seinen Animationsfilmen, Lucasfilm mit dem Neustart der „Star Wars“-Reihe wie auch Marvel mit seinem Superhelden-Aufgebot. Beginnend mit „Zoomania“ und „Captain America: Civil War“ sowie auch „Alice im Wunderland 2: Hinter den Spiegeln“ und „Findet Dorie“ wird es also wirklich große Disney-Neuerscheinungen nur noch auf Netflix zu bestaunen geben. Dies unterstreicht nicht nur den hohen Stellenwert von umfassenden Filmkatalogen, sondern auch die Pay-TV-Zwickmühle, die sich für uns Nutzer bereits heute andeutet. Während sich Netflix den Deal, der auch Klassiker umfasst, laut CNN etwa 300 Millionen Dollar im Jahr kosten lässt, müssen auch wir uns darauf einstellen, langfristig tiefer in die Taschen zu greifen – ein einziger Streaming-Service wird mit derlei Taktiken nicht mehr ausreichen. Eine größtmögliche Auswahl lässt sich nur dann gewährleisten, wenn man gleich mehrere Abos abschließt. Der Blick in die Redaktion verrät, dass das ohnehin bei den meisten Leuten schon der Fall ist. Wie sieht es bei dir aus: Wie viele Plattformen brauchst du, um alle deine Interessen abzudecken?

Neues aus der Filmwelt

Uns erwartet ein neuer James Bond: Alle Zeichen deuten darauf hin, dass der nächste Bond ohne Hauptdarsteller Daniel Craig und auch ohne Regisseur Sam Mendes auskommen muss. Während Craig seit 2006 ganze vier Mal den Agenten mit der Lizenz zum Töten spielte, setzte Mendes die letzten beiden Abenteuer „Skyfall“ und „Spectre“ um. Doch selbst eine rekordverdächtige Millionengage scheinen beide nun auszuschlagen. Als siebter Bond in der Geschichte des Films haben sich gleich eine ganze Reihe an Darsteller(innen) ins Gespräch gebracht. Neben Idris Elba („Luther“), Tom Hiddleston („The Night Manager“) und Jamie Bell („Jumper“) könnte sich auch Gillian Anderson („Akte X“) vorstellen, in die Rolle zu schlüpfen. Wer es auch wird, er oder sie wird das Franchise definitiv in eine neue Richtung bewegen – und das ist immer gut. Horrorfilm im Kinderprogramm: Am vergangenen Sonntag dürften viele Kids, die sich um 6 Uhr schon vor den Fernseher geklemmt haben, eine schockierende Überraschung erlebt haben. Denn statt „Coco – Der neugierige Affe“ lief im Kinderprogramm des ZDF der Grusel-Klassiker „Halloween – Die Nacht des Grauens“. Eine ganze halbe Stunde brauchte die Sendezentrale, um den Fehler zu beheben. Derweil ploppten auf Twitter natürlich bereits die ersten lustigen Reaktionen auf:

Danke @ZDF Jetzt werde ich nie erfahren, ob Coco, der neugierige Affe die schreiende Frau gerettet hat. #Halloween

— Rene Gusko (@ReneGusko) 29. Mai 2016

So 6:25 – Bei @ARDde läuft „Wissen macht Ah“, @ZDF sendet „Halloween – Nacht des Grauens“. So ist für jeden Kleinkindgeschmack etwas dabei.

— Franz (@Franz) 29. Mai 2016

Darauf freuen wir uns

„Wiener-Dog“: Wieso hat eigentlich noch niemand einen Film gedreht, in dem Dackel im Mittelpunkt stehen? Mit „Wiener-Dog“ soll sich das endlich ändern. Der Trailer verspricht vier skurrile Geschichten, in denen es unter anderem um ein Mauerblümchen (Greta Gerwig) und einen erfolglosen Drehbuchautor (Danny DeVito) geht. In weiteren Rollen werden Julie Delpy, Kieran Culkin und „Girls“-Star Zosia Mamet begeistern. Das sieht doch nach einer amüsanten, schwarzhumorigen Ensemble-Komödie aus!

Frisch besetzt

„You Are Wanted“ mit Matthias Schweighöfer: Endlich geht es los – die erste deutsche Amazon-Serie dreht sich um den jungen Familienvater Lukas Franke (Matthias Schweighöfer), der so lange ein unbeschwertes Leben führt, bis seine digitale Identität von einem Hacker umgeschrieben wird. In weiteren Hauptrollen sind Alexandra Maria Lara als Lukas’ Frau Hanna und Karoline Herfurth als Journalistin zu sehen. Gastauftritte wird es zudem von TV-Moderatorin Katrin Bauerfeind und Supermodel Toni Garn geben.

Wie wurde es gemacht?

Mit 3.000 Bildern pro Sekunde die Zeit einfrieren: Die spektakulärsten Szenen in den letzten beiden X-Men-Filmen waren ohne Zweifel die Zeitlupen-Sequenz mit Evan Peters als Mutant Quicksilver. In einem kurzen Making-of gewährt das Studio 20th Century Fox nun Einblicke in den Entstehungsprozess der explosiven Szene aus „X-Men: Apocalypse“, der aktuell im Kino läuft. Allein für diesen Effekt lohnt sich der Kino-Besuch! Die Probleme mit dem restlichen Werk haben wir in der vorletzten Ausgabe vom Screen Radar ausgeführt.

Rekordverdächtig

So oft wird in diesen Filmen geflucht: In den USA reicht es schon, wenn zweimal in einem Film „Fuck“ gesagt wird, um eine Jugendfreigabe zu verwirken. Die folgenden Beispiele erfüllen daher spielend die Bedingung für einen Film ab 16 Jahren. Mit gerade mal 210 Fucks hält sich Guy Ritchie in „Layer Cake“ fast noch schamvoll zurück. Auf stolze 280 Flüche bringt es da schon Joaquin Phoenix in seiner halbfiktiven One-Man-Show „I’m Still Here“. Richtig dreckig geht es dagegen in „End of Watch“ zu, der mit seinem Mockumentary-Stil besonders nah an der Gangsterszene ist – 326 Fucks. Den ersten Platz unter den bekannteren Spielfilmen sichern sich aber Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio mit „The Wolf of Wall Street“, in dem rekordverdächtige 539 Mal das Wörtchen Fuck fällt. Den All-Time-Rekord hat übrigens der Film „Swearnet“ aufgestellt, in dem es fast um nichts anderes gehen kann als sich zu verfluchen – 935 Fucks.

Wann geht es endlich weiter?

Empire“ | Staffel 2: Ab 02.06.2016 auf ProSieben Fun „Girls“ | Staffel 5: Ab 05.06.2016 auf TNT Comedy „Silicon Valley“ | Staffel 3: Ab 29.06.2016 auf Sky Atlantic HD


Image (adapted) „Watching a blank Screen“ by Kenneth Lu (CC BY 2.0)


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Wir haben keinen Mark Zuckerberg, aber viele Solopreneure

Laptop-Start (Image by vanmarciano(CC0)via Pixabay)

Wird über netzökonomische Aspekte in der Öffentlichkeit gesprochen, denkt man automatisch an die großen Kaliber des Silicon Valley und die neuen Zuckerbergs, die sich am Horizont abzeichnen. Es werden nur jene ernstgenommen, die das ganz große Rad drehen oder zumindest prahlerisch behaupten, irgendwann in der ersten Liga der Internet-Giganten mitzuspielen. Traditionell bekommt man als Gründer auch in Deutschland den Rat, ein komplettes Unternehmen zu planen mit Rechnungswesen, Controlling, Fragen des Gesellschaftsrechts, Finanzen, Gebäude und Mitarbeitern. Bei allem soll der Gründer einen Überblick haben. Am besten noch mit BWL-Expertise. Und immer wieder kommt die Empfehlung von schlauen Beratern, wie wichtig doch die Finanzierung sei – entweder mit Bankkrediten oder Risikokapital. Der Sprung in die Selbstständigkeit führt dann ganz schnell in eine neue Abhängigkeit von Kapitalgebern. Man wird zum Angestellten in seiner eigenen Firma. Weiterlesen »

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5 Lesetipps für den 20. Januar

In unseren Lesetipps geht es heute um ein Interview mit Julian Assange, Freelancer in den USA, online Geld verdienen, David Bowie und Masturbation. Ergänzungen erwünscht.

  • ÜBERWACHUNG Pando: Wikileaks meets Surveillance Valley: An interview with Julian Assange: Mit Angst lassen sich stets gute Geschäfte machen. Die Bestsellerlisten beweisen dies regelmäßig. Auch Julian Assange ist auf diesen Zug aufgesprungen und warnt in seinen Büchern vor den Unternehmen des Silicon Valleys. Auch wenn dies meiner Meinung nach oft in unsachliche Kritik ausartet, das Thema an sich ist wichtig. Man sollte über den Einfluss und die Macht der Unternehmen nachdenken, mit denen wir tagtäglich vernetzt sind. Joseph Flatley hat mit Assage telefoniert und seine Theorie des Surveillance Valley besprochen.

  • FREELANCER Bloomberg Business: Why an Ex-Google Coder Makes Twice as Much Freelancing: Nicht jeder kann Programmieren und wenn, dann auch nicht gleich so gut, dass er/sie 1.000 US-Dollar pro Stunde verdient. Geschichten wie die von James Knight und Martin Langhoff, die als Freelancer mehr verdienen als bei Firmen wie Google festangestellt zu sein, sind doch selten. Aber der Trend zum Freelancing, oft auch zeit- und ortsunabhängig, nimmt zu. In den USA sind es bereits mehr als 53 Millionen Menschen, die so ihr Geld verdienen und das mit den unterschiedlichsten Jobs. Die meisten von ihnen sind digital und ermöglichen eine neue Arbeitswelt.

  • SOCIAL MEDIA The Hustle: Meet the People Making a Full-Time Living From Instagram, Kickstarter, and Teespring: Von Menschen, die auf YouTube und Instagram aktiv sind und dadurch (nicht gerade wenig) Geld verdienen, haben wir schon öfters gelesen. Es fasziniert, dass man durch die nicht als Arbeit wahrgenommenen Aktivitäten mit nicht als wertvoll betrachteten Interaktionen in den sozialen Netzwerken des Internets wirklich Geld verdienen kann. Eine sehr altbackene Sichtweise auf Wertschöpfung, geprägt von industriellen Vorstellungen von Produktion. Tam Pham stellt auf The Hustle verschiedene Plattformen vor – u.a. Teespring, Udemy, Airbnb und Kickstarter – und auf ihn aktiven Akteure vor, die so Geld verdienen.

  • DAVID BOWIE Political Economy Research Centre: The Political Economy of David Bowie: Das Schöne an Geschichte ist, dass sie sich rückblickend gut erklären lässt. Alles wirkt, als ob es nie hätte anderst kommen können. Will Davies hat sich das Leben von David Bowie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts angeschaut und mit der Wirtschaftsgeschichte verglichen. Und siehe da, es gibt interessante Übereinstimmungen, so als ob die politische und wirtschaftliche Situation direkten Einfluss auf die Entwicklung und das Leben des Künstlers Bowie hatte. Zumindest interessant zu lesen und der Frage nachzugehen, ob Kunst wirklich einmal der direkte Ausdruck unserer Gesellschaft war oder ob wir das nur im Nachgang so deuten.

  • MASTURBATION Everyday Feminism: 7 Myths About Women and Masturbation It’s Time to Unlearn Right Now: Eigentlich sind Frauen keine besonderen Menschen. Zumindest nicht mehr als Männer. Sie atmen die gleiche Luft, schauen sich ebenso Pornos an, müssen Nahrung zu sich nehmen, rauchen, masturbieren, hören Musik. Unsere männlich geprägte Gesellschaft, und so auch die Medien, machen vor allem aus dem Thema Masturbation ein größeres Themas als es ist, wie Suzannah Weiss in ihrem Artikel für Everday Feminism erklärt und über sieben Mythen um Masturbation und Frauen aufklärt. Schönes Fazit: Frauen sollten einfach das machen, was sie wollen. Und wer nicht, frage ich mich.

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Die Frau mit den vielen Namen: Zu Besuch bei Niamh Bushnell

Niamh Bushnell (Image by Niamh Bushnell)

Eine irische Zeitung hat sie jüngst als Zarin bezeichnet. Für viele ist sie aber schlicht und einfach “The Commish”. Ein Besuch im Büro der Dubliner Startup-Beauftragten Niamh Bushnell. “The Commissioner will see you now” – oder so ähnlich hätte meine Erwartung des Empfangs im Bürogebäude der Dubliner Commission for Startups sein können. Von einer Zarin war in einer Zeitung die Rede, von einer wichtigen Schnittstelle zwischen Tech und Regierung, deren “Eingaben zum bevorstehenden Haushalt den Finanzminister beeinflussen müssen” in einem anderen Blatt. So locker, “down to earth” und voller Energie wie mir Niamh Bushnell dann aber persönlich die Tür aufmachte, so gab sich die Dubliner Startup-Beauftragte dann auch im Interview. Wie “The Commish” ist die ganze Dubliner Startup-Szene “offen für alles”.

Wie wird man zur ersten Startup-Beauftragten der irischen Hauptstadt? Es gibt hier die Redewendung “Been there, done that, bought the T-shirt”. Niamh Bushnell hat ihr Leben im Bereich Tech verbracht. Von der Gründung einer Research-Firma mit ihrem Bruder, über VP Software bei der irischen Wirtschaftsförderung “Enterprise Ireland” in New York, bis hin zur Investorin hat sie Einblicke aus allen Blickwinkeln gewinnen können, die für ihren Job so wichtig sind.

“Mission Possible”

Ihre Mission – Dublin zur einer starken Stimme zu machen, das Image der irischen Hauptstadt zu pflegen und sie zu einer wichtigen Plattform zu machen, von der aus Startups sich lokal, national und international entwickeln können. Die “Mission Possible” begann für Niamh Bushnell am 1. Oktober 2014. Was war die größte Herausforderung in den ersten 100 Tagen? “Zu lernen wer die wichtigen Akteure sind” lautet die Antwort. Sie sei quasi permanent durch die Straßen der Silicon Docks am Dubliner Hafen gelaufen, um Menschen kennenzulernen und von Machern zu lernen.

Dass die Startup-Szene, die sie in Dublin vorfand, durchaus überschaubar war, sieht sie überhaupt nicht negativ. “Wenn man aus New York kommt, könnte man sich unter Umständen von der Größe Dublins täuschen lassen, aber den Fehler habe ich nicht gemacht”, sagt Bushnell und betont die Vorteile die es hat, dass hier alle wichtigen Spieler in der “Mission Possible” so nah beisammen sind. Die großen Multinationals sind für Startups sowohl zu Fuß leicht zu erreichen, als gleichzeitig auch offen für Kooperationen.

Und dort, wo in den großen Firmen noch Mauern bestehen, da sieht Niamh Bushnell eine ihrer Hauptaufgaben darin, so lange zu klopfen bis diese Mauern fallen: “Wenn die Multinationals erst einmal die Kreativität und die Innovation kennenlernen, die in vielen Startups schlummert, dann ist diese spezielle Aufgabe umso leichter zu absolvieren.

Das liebe Geld

Ebenfalls gut zu Fuß zu erreichen ist für die Startup-Beauftragte das Finanzministerium. Ich habe Niamh Bushnell kurz vor der Vorstellung des Haushalts 2016 getroffen und sie gefragt, welche Hoffnungen sie daran knüpft. Oder gibt es sogar Forderungen an den Minister? “Unserer Meinung nach muss das Steuer-System für Gründer grundlegend überholt werden”, stellt Niamh Bushnell die Erwartungen der 40 Mitglieder starken “Dublin Startup Leaders Group” an die Regierung klar. Private Fördermittel von Angel-Investoren müssten freigemacht werden, um Unternehmern Gründungen zu erleichtern.

Ich bin selbst Angel-Investor in den USA”, sagt Bushnell, die dort in mehrere Unternehmen investiert hat. In Irland würde sie es aber zu diesem Zeitpunkt nicht machen, da die nötigen steuerlichen Anreize nicht gegeben seien. Der Blick über die irische See nach London zeige, was möglich ist. Dort gibt das “Seed Enterprise Investment Scheme” (SEIS) Investoren Steueranreize, um in Startups zu investieren. Daher auch der eindringliche Wunsch an den Finanzminister: “Wir wollen SEIS im Haushalt sehen.

Weiter mit dem lieben Geld – “Letzte Woche, diese Woche, irgendeine Woche …”

Die Erwartungen, die die Dubliner Startup-Community an den Haushalt 2016 richtete, waren also hoch. Doch die Politik enttäuschte. Noch in der Woche bevor der Finanzminister an die Mikros trat, waren seine Kabinetts-Kollegen in der Startup Week durchs Land gereist und hatten jeden Gründer, dem sie die Hand schütteln konnten, für das Engagement gelobt, das junge Unternehmen an den Tag legen. Eine Woche später die Realität, die Niamh Bushnell so zusammengefasst hat:

Die gleiche Regierung, die letzte Woche Startups so gelobt hat, hat diese Woche ein großes NEIN gesagt. NEIN zur Förderung von Angel -Investment in Irland. NEIN zur Nutzung von Aktienoptionen, um talentierte Mitarbeiter anzulocken. NEIN zu einer Steuerpolitik, die es Dublin ermöglichen könnte, noch besser mit London zu konkurrieren.

Bei aller Enttäuschung gab sich die Startup-Beauftragte aber auch kämpferisch: “Wir werden dran bleiben und weiter versuchen, Entscheidungen zu beeinflussen. Solange bis es in irgendeiner Woche richtig hinhaut.

Was sind die Dubliner Startups ohne den WebSummit wert? Verdammt viel!

Beim Interview mit Niamh Bushnell kam natürlich auch das Thema Web Summit auf. Wie groß ist der Schock des Verlusts der Konferenz an Lissabon für die Dubliner Startup-Szene? Wird es weniger Fördergelder geben, weil der Web Summit Dublin verlässt? Werden unsere Unternehmen Kunden und Konkurrenzfähigkeit verlieren? Werden die Multinationals ihre R&D-Abteilungen wegverlagern?

Nein, Nein & Nein. Unser Startup-Ökosystem wird nicht davon betroffen sein.” Der Web Summit habe Dublin fünf tolle Jahre gegeben und die Stadt zum Zentrum des Tech-Universums gemacht. Aber Dublin brauche keine Konferenz, um die eigene Tech-Wirtschaft voranzubringen: “Wir arbeiten hart daran, auf dem aufzubauen, was wir haben, um den Standort Dublin weiter zu verbessern.

Und was den Web Summit anbetrifft, so macht Niamh Bushnell fleißig Werbung für folgende Idee: “Statt darüber nachzudenken, warum Dublin nicht mehr Gastgeber ist – warum denken wir nicht darüber nach, wie wir als Dubliner Startups in Lissabon Schlagzeilen machen können? Warum zeigen wir nicht stark und lautstark Präsenz, statt in Dublin leise unter tausenden von Teilnehmern unterzugehen?”

Travel-Tech, Health-Tech, Aviation, IoT & FinTech

In welchen Bereichen sind Dubliner Startups besonders stark vertreten? Travel-Tech und Aviation sind nicht von ungefähr Bereiche, in denen Startups sich tummeln. Firmen wie CarTrawler sind Vorbilder in Travel-Tech. Die Elite der Aviation-Leasing-Industrie ist in Dublin zu finden und bildet dort ein Cluster. Und da Dublin neben Cork auch Standort für ein Pharma- und Health-Cluster ist, liegt es nahe, dass Health-Tech ein weiterer Schwerpunkt ist. PCH wiederum hat vorgemacht, wie ein Startup in “IoT” die Welt erobern kann.

Im Bereich FinTech beherbergt Dublin das “International Financial Services Centre” (IFSC). Mit der “City of London” ist die Konkurrenz nur eine Flugstunde entfernt. Doch wie heißt es so schön? Konkurrenz belebt das Geschäft. Und manchmal führt dann eine Konkurrenzsituation auch dazu, dass man sich zusammentut und Kooperationen eingeht. Niamh Bushnell ist regelmässig in der “City” zu Gast und Ihre Startups machen es ihr nach.

Kooperation auch mit deutschen Startups

Im Interview nannte Niamh Bushnell London und Berlin in einem Atemzug. Es gibt große Achtung für den Standort Berlin, aber keine Furcht: “Wir wissen, wie gut wir hier sind.” Berlin leiste tolle Arbeit im Bereich Startup, die man beobachtet. Nicht zuletzt auch im Hinblick auf mögliche Kooperationen.

Das gilt neben Berlin auch für Hamburg. Am Rande des Web Summit gab es erste Gespräche, die gleich Mitte Januar von der Community Managerin bei der Commission for Startups analysiert werden sollen. Die Hoffnung ist, noch in 2016 eine gemeinsame Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Wie sagte Niamh Bushnell noch am Rande des Web Summit im Bezug auf Hamburg? “Let’s do this!


Teaser & Image “Niamh Bushnell” by Niamh Bushnell.


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Digitale Innovationen brauchen Freiheit in Unternehmen

Innovation (adapted) (Image by Boegh [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Das wirtschaftliche Machtsystem ist schädlich für die Netzökonomie. Der frühere Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger will es noch mal wissen. Politisch in der FDP, publizistisch im Social Web und mit Büchern, Interviews sowie Reden. Der Niedergang des VW-Konzerns ist für ihn ein Menetekel für die Verkommenheit der Manager-Zunft. Seiner Wut macht Sattelberger vor allem auf Twitter Luft. Das Notiz-Amt präsentiert ein paar Tweet-Perlen @th_sattelberger.

Betrieblicher Gehorsamskäfig

Sattelberger belässt es nicht bei harschen Kommentaren über das Inzest-System des Top-Managements der DAX 30-Konzerne, von autoritär sowie selbstherrlich geführten mittelständischen Unternehmen und korrumpierbaren Elite-Hochschulen. Er will mit politischen Mitteln den Gehorsamskäfig in Betrieben aufbrechen. Wenn wir in der digitalen Sphäre von Partizipation, Transparenz und einer Kultur der Beteiligung reden und auch danach handeln, dürfe das in der Wirtschaft nicht ohne Konsequenzen bleiben.

Alter Taylorismus in digitalem Gewand

Wir dürfen jetzt nicht den alten Taylorismus, der das Arbeitsleben nach Befehl und Gehorsam taktet, in digitalem Gewand reproduzieren. “Die Gefahr eines digitalen Taylorismus ist das eigentliche Problem. Es geht in der digitalen Ökonomie um Humanisierung. Richtig ist, dass die Rechtsnormen für diese digitale Ökonomie stark hinterherhinken. Das sieht man an der Diskussion um Uber ganz trefflich. Trotzdem kann ich der Diskussion um Uber auch viel Positives abgewinnen. Innovation – auch eine soziale Innovation wie Crowdworking – beginnt nicht mit keuschen Idealen. Innovation beginnt häufig grau, schmutzig und ohne Ethik. Ich glaube, man muss eine soziale Innovation ein Stück weit laufen lassen, um dann zu sehen, wo normiert werden muss. Und wir dürfen auch nicht vergessen, dass es verschiedene Formen der Normierung gibt: Es gibt Gesetze, tarifvertragliche oder betriebliche Regelungen und kulturelle Normen. Wir müssen nicht immer gleich die Keule des Gesetzes rausholen”, so Sattelberger in dem von ihm mitherausgegebenen Opus “Das demokratische Unternehmen” – frisch gekürt als Wirtschaftsbuch des Jahres.

Netzökonomie braucht individuelle Mitbestimmung

Die Netzökonomie sollte schon mit intelligenteren Methoden gesteuert werden. “Meine Vision ist, dass die Welt der Arbeit um einen zukunftsfähigen Akteur reicher wird. Dieser Akteur ist das Individuum. Bisher gibt es nur die Unternehmer oder das Management mit Kontrollrechten und die Gewerkschaften oder Betriebsräte mit Schutzrechten. Das Individuum als Subjekt spielt in der Arbeitswelt noch kaum eine Rolle. Der einzelne Mitarbeiter wird entweder geschützt oder kontrolliert – als Objekt. Das ist Entmündigung. Gleichzeitig gibt es neue Impulse für die Mitbestimmung des Individuums. Die ersten Wissenschaftler diskutieren die Verankerung von individuellen Freiheitsrechten des Arbeitnehmers im Grundgesetz, zum Beispiel auf Meinungsfreiheit im Unternehmen. Damit diese Entwicklung eine Dynamik entfaltet, muss der gesetzliche Rahmen angepasst werden, der immer noch sehr betriebszentriert ist. In der Realität wird es den klassischen Betrieb immer seltener geben”, erläutert der Personalexperte. Unternehmen werden über die zunehmende Vernetzung räumlich und zeitlich entgrenzt – das gilt für Produktion und Dienstleistungen.

Die Wertschöpfung endet nicht mehr an den Grenzen des Betriebes, sondern verbindet eine Vielzahl von Unternehmen. “In Prozess-, Projekt-oder Community-Organisationen hecheln die Betriebsräte hinterher, weil sie ihren Platz in diesen Strukturen nicht mehr finden. Wandelt sich der Betriebsrat möglicherweise in der digitalen Ära zum Shop Stewart nach dem angelsächsischen Modell, also zu einem Berater und Coach von souveränen Individuen? Manager wie Betriebsräte verlieren an Macht. Wie will man das Home Office kontrollieren? Hier wird die Eigenverantwortung des Einzelnen gestärkt”, betont Sattelberger. Es verwundert mich nicht, warum sich Gewerkschaften, Betriebsräte und Arbeitgeberverbände in ihrem Widerstand gegen dezentrale Arbeit so einig sind.

Betriebsgenossenschaften und die Ergonomie meines Klos

Das kann man an der Debatte über Arbeitsschutz in den eigenen vier Wänden ablesen. Soll es etwa Betriebsbegehungen durch Arbeitsschützer der monopolistischen Betriebsgenossenschaften in meiner Wohnung geben, die sich anschauen, ob unser Feuerlöscher ordentlich an der Wand verdübelt ist und die Ergonomie unseres Klos den Standards für gesunde Stuhlgänge entsprechen?

Der Mitarbeiter ist kein unmündiges, zu schützendes und zu kontrollierendes Wesen mehr, sondern ein souveräner, eigenverantwortlicher Akteur. “Das Ich betritt wieder den Platz. Unternehmen und Gewerkschaften verlieren an Macht, der Co-Unternehmer gewinnt neue Freiheiten. Dafür braucht man Anpassungen in der Gesetzgebung: im Sozialversicherungsrecht, im Arbeitsrecht, im Arbeitsschutz und im Betriebsverfassungsrecht”, fordert Sattelberger.

Gewerkschaften und Arbeitgeber führen nach seiner Ansicht klassische Duopol-Diskussionen und verteidigen ihre Pfründe. Das Ziel sei es jedoch, Individuen zu stärken. Die Sozialpartnerschaft werde nicht abgeschafft, sondern es wird eine neue Konfiguration geben. Trio statt Duo – Arbeitgeber, Gewerkschaften und das Individuum.

Deutschland fördert die falschen Innovationen

Die Freiheit des Einzelnen ist ein entscheidender Katalysator der Netzökonomie. Amerikanische Technologie-Konzerne werden an der Spitze zwar feudal geführt. Darunter aber relativ demokratisch, weil die Innovatoren an der Basis Freiheit zum Denken und zum Experimentieren brauchen. “Der Zusammenhang zwischen Innovation und Freiheit ist ein Schlüsselthema. Deutschland ist nicht innovationsarm, aber Deutschland ist in der Art der Innovation arm. Wir schaffen hauptsächlich Effizienz-und Rationalisierungsinnovationen in den klassischen Branchen Maschinen- und Anlagenbau sowie Autobau. Die Basisinnovationen finden im Silicon Valley in Kalifornien, im Silicon Wadi rund um Tel Aviv, in Singapur oder in Boston mit Harvard und dem MIT als Denkfabriken statt. Dort werden ganz andere Geschäftsmodelle generiert. Von dieser Entwicklung ist Deutschland abgekoppelt. Wir sind das Maschinenhaus der Welt und verteidigen uns gegen die Attacken von China, während die USA als das Digital House davon eilen”, resümiert Sattelberger.

Wenn die deutschen Unternehmen den Weg der Demokratisierung und des Kulturwandels gehen, könnten sie wieder innovationsfähiger werden, jenseits von Effizienz-und Rationalisierungsinnovationen. Ein demokratisches Unternehmen gewinnt an technologischer und sozialer Innovationskraft. Also sollten wir uns von den Basta-Managern verabschieden. Wie und ob das gelingt, diskutieren wir vor und auf der Next Economy Open mit Thomas Sattelberger, Matthias Wendorf, Dr. Andreas Zeuch (Autor des Buches ­“Alle Macht für Niemand. Aufbruch der Unternehmensdemokraten”) und Bastian Wilkat. Den Anfang macht ein Streitgespräch via Live-Hangout.

Es folgt die Sattelberger-Keynote auf der #NEO15 am 9. November in Bonn über Unternehmensbürger, digitale APO und Offline-Rebellen http://nexteconomy.me/programm/.


Image (adapted) “Innovation” by Boegh (CC BY-SA 2.0)


 

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Autoindustrie auf Kollisionskurs mit dem Silicon Valley

Selfdriving Car (Image: BMW)

Apple, Tesla und Google vs. BMW, Daimler und Volkswagen: Noch herrscht friedliche Koexistenz, doch hinter den Kulissen bereitet man sich auf eine Konfrontation am Markt vor.

Selfdriving Car (Image: BMW)

Selbstfahrende Elektroautos, die die Zeit während dem Transfer von A nach B an Bord mit personalisierten Entertainmentsystemen versüßen und sich per Sprachsteuerung bedienen lassen, sind eines der nächsten “Big Things”, die auf die Gesellschaft zukommen. Wie könnte es anders sein – der Innovationsdruck, unter dem die Automobilindustrie derzeit steht, kommt natürlich aus dem Silicon Valley.

Es werden nur die Automobilhersteller eine Zukunft haben, die neue Technologien und gesellschaftliche Veränderungen antizipieren“, sagte der neue BMW-Chef Harald Krüger am Sonntag im FAZ-Interview, sein Konzern wolle vom Silicon Valley lernen. In der Innovationshochburg nahe San Francisco ist der Angriff auf die viele Hunderte Milliarden schwere Autoindustrie längst angelaufen. Tesla wurde mit seinen Premium-Elektroautos weltbekannt, Google lässt seine selbstfahrenden Wägen in Detroit beim Hersteller Roush (u.a. auch für Ford tätig) fertigen, Apple arbeitet Gerüchten zufolge an einem eigenen iCar, und der Fahrtvermittlungs-Dienst Uber testet seit Mai selbstfahrende Autos.

Die deutsche Autoindustrie ist nach wie vor ein Schwergewicht, jedes fünfte weltweit verkaufte Auto stammt von einem deutschen Konzern. Doch um dem Schicksal der Musikindustrie, die von Napster, iTunes & Co. auf den Kopf gestellt wurde, zu entgehen, will sie dagegenhalten: In den kommenden drei bis vier Jahren werden die deutschen Hersteller und Zulieferer laut dem Verband der Automobilindustrie 16 bis 18 Milliarden Euro in die Forschung zum vernetzten und automatisierten Fahren investieren. Getestet wird bereits fleißig: Audi lässt sein Versuchsfahrzeug “Jack“ (ein umgebauter A7) schon seit einiger Zeit testweise autonom auf deutschen Autobahnen fahren, BMW unternimmt schon seit längerem ähnliche Tests, und Daimler will noch heuer selbstfahrende Trucks auf deutsche Autobahnen schicken.

Kernelement für all diese Bestrebungen ist Software. Apple und Google drängen mit ihren Infotainment-Systemen “CarPlay” bzw. “Android Auto” in die Wägen. Können damit derzeit in erster Linie Apps zur Kommunikation (z.B. SMS), Information (z.B. Wetter, Navigation) oder Unterhaltung (z.B. Spotify) gesteuert werden und funktionieren unabhängig von der restlichen Elektronik, die ein Auto fahren lässt, wollen die US-Konzerne aber tiefer in den Wagen eindringen. Wie TheNextWeb.com kürzlich berichtete, finden sich in der Android-Auto-Software bereits Funktionen, die weit über Infotainment hinausgehen: Google will auf Tachometer, Tank oder Schaltung zugreifen, um etwa die Fahrzeugdiagnose zu ermöglichen.

Die deutschen Autokonzerne arbeiten zwar mit den Silicon-Valley-Riesen zusammen – Volkswagen stattet in den USA seine Neuwägen künftig mit CarPlay und Android Auto aus, Apple wollte angeblich den BMW i3 als Basis für sein eigenes Elektroauto hernehmen. Doch es wird nicht nur kooperiert, sondern auch zurückgekämpft. Laut manager-magazin.de haben sich BMW, Daimler und Audi gemeinsam Nokias Karten-Dienst “Here“ um 2,5 Milliarden Euro gekauft, der zur grundlegenden Software für autonome Fahrzeuge werden könnte.

Einmal abgesehen davon, ob sich Konsumenten künftig überhaupt in selbstfahrende Computer setzen wollen, anstatt selbst zum Lenkrad zu greifen: Mit der zunehmenden Digitalisierung setzen sich die Autohersteller auch neuen Gefahren aus. Es vergeht mittlerweile keine Woche, in der nicht von einem neuen Hacker-Angriff auf Auto-Software zu lesen ist. Der ehemalige NSA-Mitarbeiter Charlie Miller (jetzt bei Twitter) und der Sicherheitsforscher Chris Valasek demonstrierten im Juli, wie sie die Kontrolle eines fahrenden Jeep Cherokee übernehmen konnten, das mit dem Telematik-System “Uconnect” von Fiat Chrysler ausgestattet ist. Für den siebtgrößten Autohersteller ein Desaster, musste man wegen diesem Hack doch ganze 1,4 Millionen Fahrzeuge in den USA zurückrufen.

Auch bei General Motors gibt es Probleme: Dem Sicherheitsexperten Samy Kamkar gelang es diesem Video zufolge, über eine Handy-App in die Bordelektronik eines Chevrolet Volt einzudringen, um dann das Fahrzeug zu öffnen und den Motor zu starten – schuld ist Sicherheitslücke in der App “OnStar RemoteLink”, die mit dem OnStar-Bordsystem kommuniziert.

Die Digitalisierung der Autoindustrie wird auch auf andere Branchen Auswirkungen haben. Denn wenn unsere Straßen einmal voller autonomer Fahrzeuge sind, die sich gegenseitig ihre Position in Echtzeit zufunken, dann könnte das Unfallrisiko drastisch sinken. Wie Bloomberg berichtet, könnte der Versicherungsbranche deswegen ihr “Napster-Moment” drohen, weil diese Entwicklung ihr Geschäftsmodell untergräbt. Denn wieso sollte man sein selbstfahrendes Auto versichern, wenn es ziemlich sicher keinen Unfall bauen wird?


Teaser & Image by BMW


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Slack: Interne Kommunikation im Wandel

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Mit Slack wird die Kommunikation im Team effektiver und trotzdem sorgt der Erfolg der App im erfolgsverwöhnten Silicon Valley für offene Kinnladen. // von Patrick Kiurina

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Ob E-Mail, Telefon oder per Skype, die interne Kommunikation in Büros besteht oftmals aus einer Vielzahl an Tools. In der Regel erfüllen diese Dienste auch ihren Zweck, allerdings kann es sich als umständlich gestalten, die verschiedenen Dienste effizient zusammenzuführen. Das Startup Slack aus San Francisco hat sich dieser Aufgabe angenommen und den Versuch gestartet, die verschiedenen Kommunikationsarten und Methoden zusammenzuführen. Rückblickend wahrscheinlich nicht die schlechteste Idee.

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5 Lesetipps für den 15. Juni

In unseren Lesetipps geht es heute um das Silicon Valley, Netzneutralität in den USA, das Blog neu gedacht, Kunst auf Instagram und Twitter. Ergänzungen erwünscht.

  • SILICON VALLEY Wired: From Tech Reporter to Silicon Valley Writer and Back Again: In den USA ist gerade die zweite Staffel der Serie „Silicon Valley“ zu Ende gegangen, die den ganz normalen Alltag eines Startup behandelt. Wie Tim Moynihan auf Wired schreibt, kann man sich manche dieser Geschichten nicht ausdenken, sie müssen einfach echt sein und das sind sie auch. Einer der Drehbuchautoren ist Dan Lyons, der seit Ende der 90er Jahre als Journalist tätig war und über Technologien und Startups publizierte. Moynihan widmet ihm einen interessanten Artikel.

  • NETZNEUTRALITÄT Mashable: Net Neutrality rules roll out to keep Internet a one-lane highway: Seit Freitag gelten in den USA das neue Gesetz für Netzneutralität im Internet. Samantha Murphy Kelly fasst in einem Artikel für Mashable mit sehr vielen Worten den Fakt zusammen, dass jetzt einfach alle Nutzer das Internet gleichberechtigt nutzen können. Das bedeutet Netzneutralität, das ist das Wesentliche worauf es ankommt, und in unserer westlichen Gesellschaft ist dies elementar, damit sich neue Dienste entwickeln und gegenüber etablierten Anbietern behaupten können. Und Nutzer nicht für die Verwaltung eines Mangels an Infrastruktur zahlen müssen.

  • BLOG Medium: Are You Thinking About Your Blog All Wrong?: Auf Medium zeichnet Jay Baer eine interessante Parallele zwischen einem Musikalbum und dem klassischen Blog – beide sind seiner Meinung nach nicht mehr relevant. Wie die Musiksingle bzw. der Download heutzutage relevanter als das Album ist, stellt es sich auch beim Blog dar, der von dem einzelnen Blogbeitrag in der Bedeutung überholt wurde. Und wie bei der Single geht es vor allem auch um die Veramrktung um den Beitrag herum.

  • INSTAGRAM Mashable: How to use Instagram to invest in art: Laut der sogenannten Hiscox-Studie entdecken rund 41 Prozent der Käufer von Kunst bei Online-Aktionshäusern die Plattformen via Social Media. Und diese werden in den sozialen Medien besonders aktiv, wie der interessante Fall des Dänen Peter Ibsen zeigt. James Tarmy stellt seinen Fall auf Mashable vor und wie die Kunstszene sich mehr Verkäufe durch das Internet erhofft. Und wie manche Künstler direkt von Instagram profitieren.

  • TWITTER t3n: „Twitter wird zum BlackBerry im Social-Media-Sektor: Nach dem Abgang von Dick Costolo bei Twitter hat Jack Dorsey als neuer CEO jede Menge zu tun. Die Erhöhung des Zeichenlimits bei Direktnachrichten wird nicht die einzige Veränderung sein. Und das ist auch dringend nötig, wie Harvard-Professor Bill George in einem Fernsehinterview erklärt. Wenn Twitter seine seit fünf Jahren an sich unveränderten Probleme nicht bald löst, drohe Twitter das BlackBerry-Schicksal. Harte Worte, die hoffentlich auch an der richtigen Adresse ankommen.

CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

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5 Lesetipps für den 11. Mai

In unseren Lesetipps geht es heute um Russlands Silicon Valley, Netflix-Gründer Reed Hastings, Kreativität am Arbeitsplatz, digitale Bildung und künstliche Intelligenz. Ergänzungen erwünscht.

  • RUSSLAND Foreign Policy: The Short Life and Speedy Death of Russia’s Silicon Valley: Vor sechs Jahren wollte die russische Regierung ein eigenes Silicon Valley aufbauen. Jetzt wurden die Pläne offiziell beendet. Die in Russland vorherrschende Korruption in der Verwaltung, die Abwanderung von hochqualifizierten Arbeitskräften und Präsident Wladimir Putin (nicht in dieser Reihenfolge) haben ihren Teil dazu beigetragen.

  • NETFLIX FAZ: Netflix-Gründer Reed Hastings im Gespräch: Netflix-Gründer Reed Hastings war die Tage mal wieder in Berlin und hat mehreren Medien Interviews gegeben, u.a. auch der Wirtschafstredaktion der Frankfurter Allgemeine. Es ging neben der Zukunft des Fernsehens auch um seine Arbeitsphilosophie. Außerdem erfährt die Leserschaft, dass Hastings mal eine mit dem Fuß bedienbare Computermaus entwickeln wollte und warum daraus nichts wurde.

  • KREATIVITÄT Welt.de: Matilda, seit Jahren mit dem immer gleichen Outfit: Die 27-jährige Schwedin Matilda Kahl arbeitet in New York und hat etwas gemacht, dass Männer auf der ganzen Welt jede Tag machen, dass aufgrund ihres Geschlechts schon aber fast revolutionär wirkt: sie hat sich eine „Arbeitsuniform“ bestehend aus Bluse, Hose und Schleife zugelegt. Mit dem Ergebnis, dass sie sich fokussiert und kreativer erlebt, genauso wie die „Uniformträger“ Steve Jobs und Mark Zuckerberg.

  • BILDUNG Motherboard: Berliner Student gründet Online-Uni für Flüchtlinge ohne Papiere: Der Berliner Student Markus Kressler hat die Online-Uni Wings University gegründet, an der sollen Flüchtlinge und Papierlose ihr Studium fortsetzen können, um somit einen international anerkannten Abschluss zu machen. Der Zugang zur Bildung ist dabei erst einmal nicht von Zeugnissen abhängig, sondern der Qualifikation für das Studium. Mit dem Projekt hilft Kressler nicht nur Menschen auf der Flucht, sonder, versucht eine alternative Bildungsinstitution aufzubauen.

  • KÜNSTLICHE INTELLIGENZ The Economist: Rise of the machines: Zum Schluss gibt es einen beeindruckenden Longread des The Economist, den Abonnenten vielleicht schon aus dem Printmagazin kennen, der jetzt aber auch online zugänglich ist. Darin wird quasi alles geschrieben, was man heute bei der Debatte um künstliche Intelligenz wissen sollte, wenn man mitreden möchte. Vorrangig, dass auch eine künstliche Intelligenz kein Menschen sein wird. Ob es seinen Job demnächst noch geben wird, sollte man sich aber trotzdem einmal fragen.

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5 Lesetipps für den 7. April

In unseren Lesetipps geht es heute um Amazon, Disruption aus dem Silicon Valley, was Tidal für Streaming bedeutet, Vorratsdatenspeicherung und Medienkritik. Ergänzungen erwünscht.

  • AMAZON Monday Note: The Internet of Amazon Things: Während Facebook versucht das Internet zu werden, arbeitet Amazon daran, dass Internet der Dinge zu werden. Jean-Louis Gassée erklät in seinem Beitrag auf Mondaynote.com, wie Amazon sich als perspektivisch ausgerichteter Vordenker beweist, der den noch nicht festgelegten Bereich des Internet der Dinge für Konsumenten selber definieren möchte. Doch noch hadert auch Amazon mit den Vorstellungen der Kunden.

  • DISRUPTION Süddeutsche.de: Samstagsessay – Die Zerstörer: Zwei der führenden Wirtschaftsjournalisten der Süddeutschen Zeitung veruschen sich in einem Essay mit dem Thema Disruption auseinanderzusetzen. Der Text bringt wenig Neues zum Vorschein („Alles wird schneller“, „Alles wird brutaler“ und „Alles wird vernetzt“), ist aber ein schönes Beispiel dafür, wie der hiesige Journalismus über das Silicon Valley berichtet. Das „Allmachtsdenken“ der „Zerstörer“ ist eben immer noch ein Thema, mit dem man seine zahlenden Leser ängstigen kann.

  • STREAMING Meshed Society: Tidal means that artists finally acknowledge streaming as the future of music consumption: Mit Tidal haben US-amerikanische Musiker einen eigenen Streaming-Dienst gestartet, den Thomas Vorreyer in seinem Artikel auf Netzpiloten.de als wenig überzeugend beschrieb. Martin Weigert wertet den neuen Service perspektivisch als Zeichen dafür, dass sich Musiker an Streaming als Distributionskanal für Musik gewöhnt haben und in Zukunft stärker darauf setzen werden. Das setzt die Musiklabels unter Druck, denn am Ende muss auch mit Streaming Geld verdient werden.

  • VORRATSDATENSPEICHERUNG taz.de: Gabriel und die Vorratsdatenspeicherung: Der rechtspolitische Korrespondent der taz, Christian Rath, fasst die vergangenen Wochen der von Sigmar Gabriel begonnen Debatte um die Vorratsdatenspeicherung treffend zusammen: „Sobald der SPD-Chef etwas über die von ihm gepushte Vorratsdatenspeicherung sagt, kommt Unfug heraus.“ Letzter Fehltritt war die Behauptung von Gabriel, dass die Mordserie der rechtextremistischen NSU-Terroristen mit einer Vorratsdatenspeicherung schneller hätte aufgeklärt werden können. Diese Aussage zeugt von grober Unkenntnis der NSU-Morde und einem nicht auf Fakten basierenden Populismus seitens Gabriel.

  • MEDIENKRITIK Columbia Journalism Review: „A failure that was avoidable“: Vergangenen November berichtete das US-Musikmagazin Rolling Stone über eine angebliche Vergewaltigung einer Frau durch sieben Männer im Haus einer Studentenverbindung an der Universität von Virginia. Der Artikel musste nun zurückgezogen werden, nachdem bereits vor wenigen Wochen eigene Fehler zugegeben wurden. Der jetzt veröffentlichte Untersuchungsbericht der Journalistenschule der Universität Columbia zeigt die vermeidbaren Fehler des Magazins auf.

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5 Lesetipps für den 27. März

In unseren Lesetipps geht es heute um das Safe-Harbour-Abkommen, das Silicon Valley, Facebook, die Reform des Hackingparagrafen sowie Periscope und Meerkat. Ergänzungen erwünscht.

  • SAFE-HARBOUR Heise: EU-Kommission: „Wer nicht ausspioniert werden will, sollte Facebook verlassen“: Das Safe-Harbour-Abkommen schützt die Privatsphäre der Europäer nicht ausreichend. Das hat ein Verteter der Europäischen Kommission vor dem Europäischen Gerichtshof zugegeben. Das Gericht soll eigentlich klären, ob es zulässig war, dass der irische Datenschutzbeauftragte die Beschwere eines österreichischen Datenschutz-Aktivisten abgelehnt hat. Der Aktivist hatte den Datenschutz von Facebook wegen der Kooperation mit der NSA angezweifelt. Nun entscheidet der EuGH wahrscheinlich nicht nur über den aktuellen Fall, sondern fällt ein Grundsatzurteil zum Safe-Harbour-Abkommen.

  • SILICON VALLEY t3n:„Lasst die Silicon-Valley-Blase doch platzen!“ oder: Zukunft ist für alle gut [Kolumne]: In seiner Kolumne auf t3n erklärt Florian Blaschke, dass man keine Angst vor dem Platzen der nächsten Silicon-Valley-Blase haben müsse. Angesichts der Panik, die manche Investoren und Beobachter der Branche vor der Zerstörung der Blase haben, und der zahlreichen Untergangsprognosen der letzten Jahre, fordert er, die Blase doch einfach platzen zu lassen. Auf- und Abschwung seien in einer Wirtschaft doch völlig normal – die Welt werde schon nicht untergehen.

  • FACEBOOK Die Welt: Facebook-Messenger greift Amazon und YouTube an: Auf der Entwicklerkonferenz F8 machte Facebook-Chef Mark Zuckerberg deutlich in welche Richtung das soziale Netzwerk in Zukunft steuern werde. So sollen Menschen nicht nur auf die bisherige Weise miteinander verbunden werden, stattdessen soll das soziale Netzwerk zu einer „family of apps“ umgebaut werden: Facebook will zu einer Plattform für Apps, Onlinehandel und Videos werden und drängt damit in die Geschäftsfelder anderer Internetgrößen, wie Amazon und Google.

  • HACKING Süddeutsche.de: Koalition will Hackerparagrafen verschärfen: Laut einem Plan der Bundesregierung soll das Strafmaß Angriffe auf Informationssysteme verdoppelt werden – die Maximalstrafe würde sich dadurch auf bis zu zwei Jahre erhöhen. Der Grund für die Gesetzesänderung sei die notwendige Umsetzung einer EU-Richtlinie. Starker Gegenwind kommt jedoch aus Richtung der Piraten. Die Partei fürchtet, dass ein Festhalten am „Hackerparagrafen“ in die völlig falsche Richtung weisen und zu einer riesigen Rechtsunsicherheit bei IT-Sicherheitsfirmen führen würde.

  • PERISCOPE Spiegel Online: Meerkat versus Periscope: Das können die neuen Livestreaming-Apps: In unserer heutigen Gesellschaft ist es wichtig, über Medienkompetenz zu verfügen. Um diese Medienkompetenz schon im jungen Alter zu vermitteln, nutzen manche Lehrer soziale Netzwerke wie Facebook für den Unterricht. Zwar ist es wichtig, dass Kinder heutzutage lernen, mit den sozialen Medien umzugehen, aber dieses Vorgehen wird auch kritisiert. Schüler werden zur Mitgliedschaft in einem sozialen Netzwerk gezwungen, wenn sie am Unterricht teilhaben wollen. Außerdem spielt auch die Altersbeschränkung eines Netzwerkes hier eine Rolle.

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Der Mittelstand im digitalen Partisanen-Kampf

Social Media (Bild by narcisio1 [CC 0], via pixabay)

Sie sind der Motor der deutschen Industrie. Die Mittelständler oder auch „Hidden Champions“. So ehrenhaft der Status auch klingt, sie müssen ihren Weg ins Zeitalter der Digitalisierung finden. Besser heute, als morgen. Sobald es um die Heldentaten der stolzen deutschen Industrienation geht, werden Politiker und Lobbyisten nicht müde zu betonen, wie wichtig sie für uns sind – die sogenannten „Hidden Champions“, die Mittelständler, die Industrie- und Technologieunternehmen. Mit knapp 16 Millionen Beschäftigten erwirtschaften sie rund 2,1 Billionen Euro pro Jahr, heißt es im Ankündigungstext des republica-Vortrages von Marco Petracca mit dem verheißungsvollen Titel „Online? Bringt uns nichts! – Ein deprimierender Lagebericht aus den Chefbüros deutscher Industrieunternehmen“.

Die Unsichtbarkeit der heimlichen Giganten liege vielleicht daran, dass der überwiegende Teil ihrer Produkte und Leistungen keine direkte Relevanz für unser tägliches Leben habe – schließlich braucht niemand eine Rohrbiegemaschine oder eine Industriepumpe im Privathaushalt.

Und es liegt auch daran, dass diese Unternehmen meist irgendwo in der tiefen Provinz sitzen. In einer Welt, deren Horizont an der nächsten Autobahn endet und die sehr weit weg von dem ist, was wir im Netz als Arbeitswelt verstehen.

Im sauerländischen Konferenzraum verpennt man die Digitalisierung

Die geschichtsträchtigen, oft inhabergeführten und deshalb manchmal leider auch sehr konservativen Unternehmen finden in der Netzwelt genauso wenig statt wie in unserem unmittelbaren Alltag. Das ist die Hauptschwäche des Mittelstandes:

Denn wenn heute jeder mit jedem online kommuniziert, Geschäfte zunehmend nicht mehr im sauerländischen Konferenzraum, sondern weltweit im Browser getätigt werden, Arbeitsplätze nach digitaler Sexyness ausgewählt werden, das Netzwissen unseren Alltag und unsere Kultur prägt, stellt sich die Frage, wie diese Traditionsunternehmen in Zukunft bestehen sollen

,so die republica.

Petracca wagte im Mai zur Berliner Bloggerkonferenz einen Erklärungsversuch. Es liege wohl nicht an der Technik, sondern vielmehr an einem kulturell schwierigen Mix aus Ingenieurs-, Provinz- und Mittelstandsdenken. Besonders in diesen Unternehmen wird nach Ansicht von Professor Peter von Mitschke-Collande unterschätzt, dass die Digitalisierung nur zu 20 Prozent eine Frage der Technologie ist.

80 Prozent der Aufgaben liegen im Management und im Verhalten der vernetzten Privat- und Geschäftskunden. Es reicht dabei nicht aus, ein wenig mehr IT und Social Web einzusetzen, um die eigene Organisation zukunftsfähig zu machen.

Die ultimative Kollmann-Frage

Maschinenbauer, Logistiker, Robotik-Spezialisten und Zulieferer sollten sich deshalb die geniale, pointierte und existentiell wichtige Frage stellen, die Professor Tobias Kollmann beim Netzökonomie-Campus in der Cebit-Mittelstandslounge in die Diskussion warf: „Welches Startup mit einer tollen innovativen Idee aus dem Silicon Valley würde mit viel Geld Ihre Branche kaputt machen?

Dummerweise ist das Digitale vielfach nicht Teil der Erlebniswelt von Führungskräften, bestätigt Mind Business-Berater Bernhard Steimel beim netzökonomischen Diskurs in Hannover: „Dadurch schneiden sie unheimlich viel nicht mit. Sie delegieren solche Angelegenheiten lieber an irgendwelche Abteilungen.“

Asymmetrischer Krieg

Steimel spricht gar vom asymmetrischen Krieg, den die Silicon Valley-Partisanen anzetteln. Bei der Gründung von neuen Plattformen, Apps oder Anwendungen sind die jungen Himmelsstürmer „waffentechnisch“ noch unterlegen. Kompensiert wird das mit Nadelstich-Attacken und Zermürbung, um die überlegene Partei zum Rückzug zu zwingen, die ihre Kräfte schlichtweg überdehnt hat.

Wer als etablierte Kraft nur auf Google, Facebook oder Apple starrt, werde von Neulingen wie Uber und Co. überrollt, sagt der Smart Service-Experte. Der Springer-Verlag macht es schon richtig, fast die komplette Führungsriege als Hospitanten ins Silicon Valley pilgern zu lassen. Hier bekomme man nach Ansicht von Steimel die überfälligen Erweckungserlebnisse, um böse Überraschungen für das eigene Geschäftsmodell zu antizipieren. Nur über eigene Aktivitäten kann man den blinden Fleck bei der Digitalisierung korrigieren.

Wer beherrscht die Plattformen?

Passives Zuschauen oder die Delegation der digitalen Hausaufgaben sind der falsche Weg: Auch der Ruf nach dem Staat oder die Einführung von Schutzgesetzen, gerichtlichen Verboten und Reglementierungen helfen nicht weiter.„Das ist eine wirtschaftliche Aufgabe, die eine Plattform braucht“,fordert Kollmann. So genüge es für die Heizungsindustrie nicht, Daten digital auslesen zu können. Über die Verbrauchswerte lasse sich eine neue Energiehandels-Plattform zu den Heizungselementen etablieren, um zu entscheiden, über welche Energieträger das abgerechnet wird. Wer das in die Hand bekommt, dominiert den kompletten Markt.„Wir denken alle noch materiell und in alten Produktkategorien, sogar Mister Zetsche, wenn er sein altes Auto nicht durch Apple bedroht sieht, da er nicht die Experience-Ökonomie versteht, wo Produkt- und Branchen-Grenzen eingerissen werden“, erklärt Winfried Felser von der Unternehmer-Plattform Competence Site. Wenn diese Einsicht bei den liebwertesten Gichtlinge der Wirtschaft nicht von innen kommt, müssen sie ihre Kompetenzen stärker vernetzen und auf Kollaboration setzen.

Startups als Bündnispartner

So sollten sich Startups und Mittelständler als Bündnispartner positionieren. Wenn die Digitalisierungs-Expertise in der eigenen Firma nicht vorhanden ist, muss man sie sich in Netzwerken holen. Umgekehrt sollten die Technologie-Versteher die nötigen Business-Fähigkeiten bei etablierten Größen der Wirtschaft abholen. Nur in einer Kombination der unterschiedlichen Fähigkeiten können wir den Angreifern aus dem Silicon Valley Paroli bieten

,sagt Felser in der Cebit-Mittelstandslounge. Einen ersten Annäherungsversuch wagten übrigens der Bundesverband IT-Mittelstand und Bundesverband Deutsche Startups mit einem Gesprächsformat in der Cebit-Mittelstandslounge unter dem Titel „M@tch digital“.

Lehrpläne gehören geändert

Ein Problem der mangelhaften digitalen Kompetenz der Wirtschaft sieht Kollmann in Forschung und Lehre.„Wir bilden für die digitale Wirtschaft nicht aus. Das findet in den Lehrplänen einfach nicht statt.“ Hier verortet der Vorsitzende des Beirats „Junge Digitale Wirtschaft” des Bundeswirtschaftsministeriums ein großes Handicap, weil dadurch nicht nur die Fachkräfte für die digitale Transformation in Mittelstand und Konzernen fehlen, sondern auch zu wenig Gründer aus den Hochschulsystemen herauskommen. Hier müsste dringend eine Basis für die nächste Gründergeneration gebildet werden.

„Wir müssen diese Themen in die Bachelor-Studiengänge reinbekommen“,so das Plädoyer von Kollmann. Diese Strukturen für die Aus- und Weiterbildung fehlen auch in Berufsschulen und IHK-Lehrgängen. „Das muss ganz schnell auf die Agenda kommen, um eine Professionalisierung in den Unternehmen voranzutreiben“, betont Kommunikationsberater Frank Michna. Der Netzökonomie-Campus will das ändern und Wirtschaft, Startups, Wissenschaft sowie digitale Vordenker zusammenbringen. In regelmäßigen Käsekuchen-Diskursen via Hangout on Air und das NetzökonomieCamp Ende November in Paderborn.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf The European.


Teaser & Image by narciso1 (CC 0)


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5 Lesetipps für den 5. Dezember

In unseren Lesetipps geht es um die sogenannten Spiegel-Oper, Cybersecurity, das Ende der Netzneutralität, was eine Plattform ist und den Dark Traffic. Ergänzungen erwünscht.

  • SPIEGEL-OPER Newsroom.de: Christian Jakubetz über Wolfgang Büchner, den „Spiegel“ und einen bösen Fußtritt als Abschiedsgeschenk: Auf Newsroom.de versucht Christian Jakubetz etwas Ordnung in die „Spiegel-Oper“ zu bringen, die seit Monaten das bekannte Printmagazin und seine erfolgreiche Online-Version wie ein lächerlicher Haufen von zerstrittenen Menschen, die was mit Medien machen, aussehen lässt. Warum möchte man da eigentlich noch arbeiten?

  • CYBERSECURITY PandoDaily: The military’s techno-fetishism reaches new heights with Silicon Valley outreach: Die Entwicklung des Silicon Valley war stets durch eine enge Verbindung mit dem US-Militär geprägt. Und das US-amerikanische Verteidigungsministerium will diese Tradition fortführen und noch intensiviere. Zusammen mit der Tech-Industrie soll hier die Zukunft der digitalen Kriegsführung entwickelt werden. Nathaniel Mott schreibt auf PandoDaily über das Regierungsvorhaben.

  • NETZNEUTRALITÄT Zeit Online: Merkel sieht Ende der Netzneutralität: Mit dem verstärkten Interesse von Angela Merkel an Netzpolitik ist die Netzneutralität im Internet gefährdeter als je zuvor. Auf einer Veranstaltung des Vodafone Instituts für Gesellschaft und Kommunikation sprach sich die Bundeskanzlerin für die Einführung von Spezialdiensten aus, um Innovationen wie fahrerlose Autos oder die Telemedizin mit entsprechend sicherer Verbindungsqualität zu garantieren. Das kann man auch anders sehen, weshalb die nächsten Monate in der Debatte entscheidend sein werden.

  • PLATTFORM Digiday: The many definitions of the term ‚platform‘: Ein oft in Debatten verwendeter Begriff ist „Plattform“. Vor allem traditionelle Medienformen sollen sich durch den digitalen Medienwandel hin zu Plattformen entwickeln. Auf Digiday stellt Lucia Moses die grundlegende Frage, wie eigentlich die Definition des Begriffs ist und hat acht Medienvertreter – von Gawker bis Forbes Media – gefragt. Und siehe da, alle haben sehr unterschiedliche Ansichten, was eine Plattform ist und was sie können muss.

  • DARK TRAFFIC Fusion: Dark social traffic in the mobile app era: Alexis C. Madrigal schreibt auf Fusion.net über den Traffic auf Websites, dessen Herkunft nicht identifizierbar ist. Er hat dafür den Begriff Dark Traffic geprägt und in seinem Artikel gezeigt, dass dieser Traffic vor allem Facebook von Facebook kommt. Das bedeutet, dass das soziale Netzwerk noch relevanter für die Verbreitung von Medieninhalten ist als das sowieso schon der Fall ist. Das hat laut Madrigal auch viel mit dem mobilen Internet zu tun.

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Lesetipps für den 6. Oktober

In unseren Lesetipps geht es heute um Journalismus bei LinkedIn, Vice und der Huffington Post, sowie den Kampf Fernsehen vs. YouTube und das Silicon Valley. Ergänzungen erwünscht.

  • LINKEDIN Digiday: How Dan Roth became the most powerful editor in business publishing: Auf Digiday erklärt John McDermott anhand von Dan Roth die Entwicklung von LinkedIn, dem sozialen Netzwerks für Berufstätige, hin zu einer der wichtigsten Plattform für Content. Was Facebook gerne schaffen würde, sich aber nur durch einen die Medien in einer für sie ungesunde Abhängigkeit zwingenden Algorithmus zu helfen weiß, hat LinkedIn durch sein Netzwerk und gezielt für sie und von ihnen erstellte Inhalte geschafft. LinkedIn ist nur ein Teil der Zukunft des Journalismus und hat eher etwas von einem Blogging-Netzwerk als einer Tageszeitung, dafür sieht man an LinkedIn besonders gut die sich auflösenden Trennlinien zwischen für Öffentlichkeit sorgenden Akteuren. Für einige Menschen könnte LinkedIn wichtiger und lesenswerter als die Süddeutsche Zeitung sein.

  • FERNSEHEN Broadmark: Tod dem Fernsehen – es lebe die Glotze!: In seiner Kolumne auf Broadmark.de befasst sich Thomas Langhammer mit der These, dass das Internet das herkömmliche Fernsehen überflüssig macht. Und um das Fazit vorwegzunehmen: dazu wird es so schnell nicht kommen, was Langhammer gut erklärt und auch an Zahlen belegt. Denn während wir bei YouTube-Stars mit meiner Meinung nach wirklich nichtssagenden Inhalten über Klickraten in Millionenhöhe reden, macht die bisherige Fernsehindustrie Geschäfte im Milliardenbereich. Da kann zwar auch YouTube-Betreiber Google mitreden, aber eben sonst niemand auf der Videoplattform.

  • SILICON VALLEY Silicon Valley Business Journal: Google buys Redwood City office park Pacific Shores from Blackstone Group’s Equity Office Properties: Als gebürtiger Magdeburger habe ich in den Neunziger Jahren nur die Folgen einer von der Industrie verlassenen Region gesehen, die jahrzehntelang von Unternehmen geprägt wurden und denen sich nahezu die gesamte Stadt unterordnete. Eigene Bahnhöfe, Eisenbahnlinien, Kultureinrichtungen, etc. gehörten einst zum Stadtbild, wie später die mir bekannten Ruinen all dessen. Im Silicon Valley kann man zur Zeit den Anfang einer solchen Entwicklung beobachten, wo Google sich in alle Himmelsrichtungen ausbreitet, riesige Gebiete und Bürokomplexe aufkauft, sowie eigene Verkehrsmittel wie z.B. Fähren plant. Ein Ende des Tech-Booms scheint zwar unwahrscheinlich, aber auch die Automobilindustrie verließ irgendwann Detroit und in Magdeburg kann man vom einst die Stadt prägenden „Schwermaschinenbau-Kombinat Ernst Thälmann (SKET)“ nur noch Reste finden und viele Ruinen.

  • VICE Gawker: Vice Requires Writers to Get Approval to Write About Brands: Das Medienunternehmen Vice mit seinem kostenlosen Printmagazin, diversen Websites und Kanälen in den sozialen Netzwerken, gehört wohl zu den in den letzten 10 Jahren am meist beachtetesten Medien der Welt. Vice verstand es Geld zu verdienen, was bekanntlich aus den Werbebudgets der Wirtschaft kommt. Im besten Fall hat dieses Verhältnis keine Auswirkung auf die Redaktionen und den dort betriebenen Journalismus, im wirtschaftlich geprägten Fall allerdings schon, wie neue Mails eines Freelancers zeigen, der regelmäßig für die Vice schrieb. Das Verhältnis zu den Marken steht scheinbar noch vor dem journalistischen Anspruch der Autoren. Und so führt man heute ein Geld verdienendes Medienunternehmen, wenn man es nicht schafft, dass Journalismus das eigentliche Geschäftsmodell ist.

  • MEDIENWANDEL Huffington Post: Warum die eigentliche Revolution erst noch bevorsteht: Sebastian Matthes, Chefredakteur der deutschen Ausgabe der Huffington Post, sieht den eigentlichen Medienwandel im mobilen Konsum von Journalismus. Die Leserschaft findet Artikel nicht mehr bei den Medien, sondern durch Freunde in sozialen Netzwerken. Was ich für gefährlich halte, ist für Matthes die Zukunft, wenn sich was in den Redaktionen ändert, „denn in sozialen Medien sind mitunter andere Texte gefragt. Niemand verteilt trockene Nachrichten an seine Freunde weiter.“ Und das ist das Problem an dieser Entwicklung, denn dadurch kommt es erst zu solchen Artikeln wie denen der HuffPo: „Bonzen-Bayern: Der Freistaat will den Rest Deutschlands im Stich lassen“, „Costa Concordia: Unglaublich, was die Geliebte des Kapitäns enthüllt“, „So erfuhr eine Mutter, dass ihr Sohn im Heiligen Krieg starb“ und „Warum schwule Priester perfekt für die katholische Kirche sind“. Ich glaube aber, dass Leser durchaus Qualität akzeptieren und auch teilen, wenn sie sie angeboten bekommen.

Auf Startnext.de kann noch die nächsten 25 Tage das Crowdfunding-Projekt unserer Autorin Gina Schad unterstützt werden: „Durchgedreht mit…„.

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5 Lesetipps für den 1. Oktober

In unseren Lesetipps geht es heute um Günther Oettinger und Google, Instagram im Journalismus, Sorgenfalten im Silicon Valley, Uber, sowie den Medienwandel. Ergänzungen erwünscht.

  • EU-KOMMISSION CNET: With new commissioner, Google faces tough times in Europe: Günther Oettinger hat bei der Anhörung vor dem Europäischen Parlament als möglicher EU-Kommissar für die Digitalisierung der Europäischen Unionen keinen guten Auftritt hingelegt. Seine Antworten zeigten, dass er von der Materie noch nicht sehr viel versteht, was man zum Glück nicht über seine Mitarbeiter sagen kann. Für CNET-Reporter Stephen Shankland wird Oettinger aber vor allem für Google ein schwerer Verhandlungspartner in Brüssel und das nicht nur wegen dem fehlenden Verständnis für die Materie.

  • INSTAGRAM Medienpraxis: Wie Journalisten Instagram nutzen können: Seit März nutzen wir Instagram für die Verbreitung unserer Artikel, Konferenzberichterstattung von unterwegs, aber auch Interviews und Videos. Instagram wird für Medien immer relevanter, wie uns Felicitas Hackmann in zwei lesenswerten Gastbeiträgen im Mai (hier und hier) erklärte. Auf seinem Blog Medienpraxis schreibt der freie Journalist Heiko Kunzmann über internationale Beispiel, wie Instagram im mobilen Journalismus eingesetzt wird. Eine prima Ergänzung zu den Artikel von Felicitas Hackmann.

  • SILICON VALLEY t3n: Kommt die IT-Blase?: Kritischere Töne aus dem Silicon Valley hört man nur sehr selten, doch der ehemaligen Netzpiloten-Leiter und jetziger t3n-Korrespondent Andreas Weck hat sie gefunden: drei Risikokapital-Manager warnen davor, dass es aufgrund der hohen Burn-Rates viele Startups nicht aus eigener Kraft schaffen zu überleben. Zwei Wege führen aus dieser möglich entstehenden Krise: Startups, die besser auf ihre Finanzen achten oder Investitionen in vertrauenswürdigere Startups. Beides gibt es übrigens in Hamburg und Berlin.

  • UBER Vox: Economists explain why they love Uber so much: Auf Vox.com erklärt Dylan Matthews, von einer Umfrage unter Wirtschaftswissenschaftlern ausgehend, warum diese Dienste wie Uber oder Lyft mögen. Neben den persönlichen Nutzungserfahrungen, die aufgrund der schlechten Taxi-Branche in der USA noch einmal viel positiver ausfallen als hierzulande, liegt es vor allem am Wettbewerb, den die neuen Anbieter schaffen. Und Wettbewerb, so die Wirtschaftswissenschaftler, schafft Wohlstand. Hätten wir das auch einmal geklärt.

  • MEDIENWANDEL Newsroom.de: Zeitungsforscher Günther Rager fordert: Schluss mit der Bescheidenheit: In einem Gastbeitrag auf Newsroom.de geht der Dortmunder Zeitungsforscher Günther Rager der Frage nach, wie die Zukunft der Printmedien aussieht. Dabei betont er aber, meiner Meinung nach vollkommen korrekt, dass es in erster Linie nicht um den Inhalt geht, also Journalismus, sondern wie dieser verpackt wird – digital und/oder gedruckt auf Papier? Und auch in einem weiteren Punkt stimme ich mit Rager vollkommen überein: Medien müssen starke Marken werden.

Auf Startnext.de kann noch die nächsten 30 Tage das Crowdfunding-Projekt unserer Autorin Gina Schad unterstützt werden: „Durchgedreht mit…„.

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5 Lesetipps für den 30. Juli

In den Lesetipps geht es heute um das Silicon Valley, warum Plagiate an sich kein Problem sind, BuzzFeed in Deutschland, der Einfluss von Technologie und Medium. Ergänzungen erwünscht.

  • SILICON VALLEY Tagesspiegel: Goldrausch im Silicon Valley: Jens Mühling war für den Berliner Tagesspiegel im Silicon Valley unterwegs, dem Land von Google, Apple, Facebook, WhatsApp & Co, in dem das Internet ständig revolutioniert wird. Sein Besuch führt ihn in die lokale Startup-Szene und zu ihren Gegner, die mit den Folgen des IT-Booms in San Francisco zu kämpfen haben.
  • PLAGIATE PandoDaily: The issue of Plagiarism in the Internet age isn’t copying, it’s attribution: Im Zuge der Debatte um den Artikel anderer kopierenden BuzzFeed-Journalisten Benny Johnson kommt der wohl beste Gedanke zu dem Thema von David Holmes auf PandoDialy. Das Plagiat an sich ist in einem auf Kopiervorgänge basierenden Netzwerk wie dem Internet nicht das eigentliche Problem, denn nie war es leichter Inhalte zu kopieren und zu teilen. Das Problemen bei Plagiaten ist die fehlende Nennung des Urhebers, dem die Anerkennung und Vorteile von erhöhten Reichweiten verloren geht.
  • BUZZFEED Gründerszene: Wird BuzzFeed in Deutschland verstanden, Juliane Leopold?: Noch diesen Herbst startet BuzzFeed auch in Deutschland und mit Juliane Leopold hat das Unternehmen eine bekannte Journalistin als Chefredakteurin ernannt. Im Interview mit Niklas Wirminghaus auf Gruenderszene.de legt sie erstmals dar, wie das Viral-Portal in Deutschland aussehen könnte. Schon jetzt steht fest, BuzzFeed wird „keine deutschsprachige Nachrichtenwebsite“.
  • TECHNOLOGIE CNET: Gadgets got Obama elected: In einer Sendung des US-amerikanischen Fernsehsender Fox News konnten die Zuschauer eine an sich interessante Unterhaltung zwischen der Moderatorin Mega Kelly und dem bekannten Journalisten Bill O’Reilly erleben, die über den Einfluss von Technologien auf junge Menschen diskutierten. Der für seine Schwarz-Weiß-Sicht der Dinge bekannte O’Reilly kritisierte, dass Geräte wie iPads den Konsum von Nachrichten und den Blick auf die Welt manipulierten. Chris Matyszczyk schreibt lesenswert über diese zum Teil absurde, aber auch aussagekräftige Sendung auf CNET.
  • MEDIUM Medienrauschen: Medium – Von der Plattform zum Publisher: Vor ein paar Tagen haben wir über die Blogging-Plattform Medium berichtet und sie auf Netzpiloten.de vorgestellt. Jetzt zeigt sich, dass Medium sein Engagement verstärkt, von der reinen Plattform selbst zum Publisher zu werden. Nach der Ankündigung künftig eigene Sammlungen und Magazine unterhalb der Nutzer-Plattform zu realisieren, zeigt man mit der Kollektion “re:form” nun, wie diese aussehen könnten. Thomas Gigold stellt das Vorhaben im medienrauschen-Blog vor.

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