All posts under blogger

Netzpiloten @Fitness Blogger Konferenz

Mit dem Ziel die Welt gemeinsam gesünder und fit zu machen, findet am 24. und 25. November zum zweiten Mal die Fitnessblogger-Konferenz in Hannover statt. Wir sind erstmals als Partner mit dabei und sehr gespannt auf die in Deutschland einzigartige Veranstaltung. Auf der FiBloKo könnt ihr  Sport- und Fitness-Blogger kennenlernen, euch austauschen und Interessantes über die aktuellen Trends erfahren.

Welche Speaker werden da sein?

Auf der Bühne der FiBloKo erlebt ihr Paula Thomsen vom Blog Laufvernarrt, Personal Coach Maximilian Longrée und die Bloggerin Nadin Eule-Mau. Auch Youtuberin Carina Stöwe, Influencer-Marketing Experte Florian Frech und Ausdauerblogger Torsten Pretzsch werden sicherlich spannende Insights geben. Fitness-Bloggerin Sabrina Wolf und SEO-Experte Andreas Kreuziger runden die Sprecher-Riege ab. Besonders gespannt sind wir natürlich auf  den Gründer und Veranstalter der Konferenz  Jahn Sterley .

Um welche Themen geht es?

  • Selbstständigkeit als Blogger
  • Authentizität auf Social Media
  • Verantwortung als Influencer
  • Suchmaschinenoptimierung
  • Eigenes Buch als Erfolgsmotor

Und sonst noch? – 15% Netzpiloten Rabatt!

Mit dem Rabattcode „Netzpilot15“ könnt ihr 15% auf eure Tickets erhalten. Dafür müsst ihr im Bestellvorgang „Werbecode eingeben“ anklicken.

Im „Limited VIP Package“ sind übrigens nicht nur beide Konferenztage und drei Workshops nach Wahl enthalten. Auch die Teilnahme an der Mastermind Session, ein Meet and Greet mit einem der Speaker/innen und professionelles Feedback zu eurem Blog sind enthalten. Außerdem könnt ihr am Aftershow Event teilnehmen. Wir hoffen, ihr seid schon fit für die FiBloKo.

Weiterlesen »

Die Netzpiloten sind Partner der Blogfamilia in Berlin

Partnergrafik_2018_Blogfamilia

Es ist endlich soweit – die Blogfamilia steigt auch in diesem Jahr wieder in Berlin. Die Konferenz für ElternbloggerInnen findet am Samstag, dem 05. Mai 2018 im Berliner Hotel Aquino statt. Wie immer steht auf dem Event erneut die Unterstützung, Vernetzung, Professionalisierung und das Sichtbarmachen von FamilienbloggerInnen im Mittelpunkt.

Was die Blogfamilia bietet

Die Blogfamilia hat sich seit der ersten Veranstaltung vor drei Jahren zu einem absoluten Highlight der Eltern- und FamilienbloggerInnen Branche entwickelt. Auch 2018 erwartet die rund 250 Besucher (plus etwa 100 Kinder) wieder ein breites Angebot mit vielen großartigen Möglichkeiten. Dadurch ist die Konferenz der optimale Ort für fachlichen und persönlichen Austausch sowie gezieltes Networking zwischen Eltern, Firmen, Bloggern. Natürlich ist auch für die kleinen Gäste wieder gut gesorgt, denn die Kinderbetreuung der Kleinsten kann wie gewohnt vor Ort in Anspruch genommen werden. Damit bietet sie die besten Voraussetzungen für alle Besucher und Blogger.

Das Programm und die Gäste

Das Programm der Messe ist auch in diesem Jahr absolut hochwertig. Neben einem Vortrag der anerkannten „Schlagfertigkeitsqueen“ Nicole Staudinger, stehen viele weitere exklusive Angebote und Themenpunkte auf der Agenda, weshalb ihr euch auf folgende Programmpunkte freuen könnt:

  • Neun Workshops/Gesprächsrunden zu spitzen Themen
  • Ein Keynote-Vortrag
  • Ein Panel-Vortrag
  • Ein Blogfamilia-Talk
  • Die Verleihung des Blogfamilia Awards

Der Einlass findet um 9 Uhr mit anschließender Registrierung statt. Beginn der Messe ist die Eröffnungsrede von Alu Kitzerow-Manthey und Janni Orfanidis um 10 Uhr. Besucher der Veranstaltung erwartet außerdem ein kostenloses Mittagessen, Kaffee und Kaltgetränke, sowie Live-Band-Musik. Zum Ende erwartet die Gäste die Verleihung des Blogfamilia Awards, für welchen nach wie vor Nominierungen erlaubt sind. Das genaue Programm findet ihr hier.

Lasst euch das Event keinesfalls entgehen und seid unbedingt mit dabei. Die Tickets sind heißbegehrt und für Blogger ausverkauft. Es gibt lediglich noch wenige Firmentickets zum Preis von 150 Euro auf der Eventbrite-Seite. Um stets auf dem Laufenden zu bleiben könnt ihr desweiteren hier den Blog der Blogfamilia abonnieren.

Weiterlesen »

#MeetTheBloggerDE: Anne Häusler über Deutschlands größtes Blogger Meet-and-Greet

Red Hands woman creative (adapted) (Image by Kaboompics_Karolina [CC0 Public Domain], via Pexels)

Seit Anfang Mai diesen Jahres findet bereits zum zweiten Mal #MeetTheBloggerDE statt, eine von der Bloggerin Anne Häusler ins Leben gerufende Challenge, bei der sich 14 Tage lang deutschsprachige Blogger*innen auf Instagram porträtieren und miteinander vernetzen. Jeden Tag stellen sie einen anderen Aspekt ihres publizierenden Schaffens vor. Der unter jedem Beitrag verwendete Hashtag #MeetTheBloggerDE vernetzt die verschiedenen Beiträge und erzeugt ein Abbild der hiesigen Blogosphäre auf Instagram.

Anne Haeusler (Image by Anne Häusler)
(Image by Anne Häusler)

Auf ihrem eigenen Blog hat Anne Häusler Ende April den Aufruf gestartet, inzwischen haben nach eigenen Angaben rund 1.400 Blogger*innen an der Aktion teilgenommen. Darunter auch ich, @isarmatrose, der den Hashtag in den letzten 11 Tagen intensiv verfolgt habe. Mir gefällt die Challenge ausgezeichnet, vor allem aber erfreue ich mich daran, neue Blogger*innen und ihre Themen zu entdecken. Und genau darum geht es auch bei der Aktion, wie mir Anne Häusller im Interview erklärt:

Tobias Schwarz: Dieses Jahr hast du inzwischen zum zweiten Mal zur #MeetTheBloggerDE-Challenge aufgerufen. Was hat dich zu dem Projekt im letzten Jahr inspiriert und warum machst du es noch einmal?

Anne Häusler: Am Bloggen hat mich schon immer der Netzwerkaspekt besonders interessiert. Die Möglichkeit, sich mit Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen auszutauschen, von ihnen zu lernen und mit ihnen zusammenzuarbeiten, finde ich total spannend.

Im letzten Jahr habe ich mich ausgiebig mit Instagram beschäftigt. Die große Rolle von Hashtags und der einfache visuelle Zugang zu den Inhalten machen Instagram zu der perfekten Plattform, um Blogger nischenübergreifend zu vernetzen. Also habe ich das einfach mal ausprobiert und die Instagram Challenge #MeettheBloggerDE ins Leben gerufen.

Nachdem einige Influencer die Challenge 2016 aufgegriffen und in ihre Netzwerke getragen haben, wurde die Aktion zum Selbstläufer. Mehr als 600 deutschsprachige Blogger haben mitgemacht und ich habe fast aus Versehen das größte Blogger Meet-and-Greet im deutschsprachigen Raum veranstaltet. Das Engagament hat mich wirklich umgehauen. Bei soviel positivem Feedback war klar: die Aktion mache ich auf jeden Fall nochmal.

Auch wenn die zweite Challenge erst halb rum ist, kannst du schon ein erstes Fazit ziehen, was in diesem Jahr anders war oder ist als bei der ersten Challenge im vergangenen Jahr? Haben in diesem Jahr mehr Blogger*innen teilgenommen?

Was soll ich sagen, die Challenge rockt! Klar hatte ich gehofft, dass ich noch mehr Leute erreichen kann. Aber mit mehr als 1400 aktiven Teilnehmern habe ich nicht gerechnet. Einige sind die ganzen zwei Wochen dabei, andere machen nur an einzelnen Tagen mit. Aber das ist auch total ok so. Es geht bei #MeettheBloggerDE um den Spaß und die Vernetzung, das soll nicht in Stress ausarten.

Ich habe die Challenge in diesem Jahr deutlich gekürzt. 14 Tage statt 30 Tage wie im letzten Jahr sind ausreichend, um sich kennen zu lernen und den Community-Effekt herzustellen. Dadurch trauen sich auch Blogger an die Aktion ran, die bisher vielleicht nicht ganz so Instagram-affin waren.

Es scheinen mir verhältnismäßig sehr viele Frauen mitzumachen, die meisten schreiben zu den Themen Bücher, Reisen, Kinder und DIY. Wie würdest du die teilnehmenden Blogger*innen beschreiben?

Deine Beobachtung ist vollkommen richtig. Rund 95 Prozent der Teilnehmer sind Frauen. Das liegt sicher auch an mir: Mein Blog annehaeusler.de wendet sich speziell an Bloggerinnen und ich habe die Challenge vor allem innerhalb meines eigenen Netzwerks beworben. Außerdem ist Instagram in Deutschland fest in Frauenhand. Schade eigentlich. Die Plattform ist nämlich super, um eine Community rund um den eigenen Blog aufzubauen.

Besonders gut vertreten sind bei der Aktion Buchblogger, Reiseblogger, Elternblogger, Foodblogger und Lifestyle-Blogger. Außerdem habe ich in diesem Jahr gezielt versucht, Selbständige mit Blog für die Challenge zu begeistern. #MeettheBloggerDE ist eine tolle Möglichkeit, sich und sein Unternehmen der Blogger-Community auf Instagram vorzustellen, ohne den Followern mit der Marketing-Fahne im Gesicht rumzuwedeln. Das hat gut geklappt. Es sind eine ganze Reihe von kleinen Unternehmen mit dabei.

Die deutschsprachige Blogosphäre ist schwer zu erfassen und allgemein wahrzunehmen. Zeigt die von die initiierte #MeetTheBloggerDE-Challenge ein realistisches Abbild der hiesigen Blog-Szene?

Nein, die Challenge ist kein Abbild der hiesigen Blog-Szene. Sie zeigt lediglich, welche Blog-Nischen Instagram intensiv nutzen und dort miteinander vernetzt sind. Ich will die Challenge im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder veranstalten, die ersten Anfragen dazu habe ich schon bekommen. Die spannende Frage wird dann sein: wie schaffe ich es, Blog-Nischen anzusprechen, die von der Aktion bisher nichts mitbekommen haben. Und ich will beim nächsten mal mehr Männer dabei haben.

In dieser Woche fand auch wieder die re:publica in Berlin statt. Vor Jahren war dies eine beinahe reine Blogger*innen-Konferenz; heutzutage ist es eine wesentlich vielfältigere Gesellschaftskonferenz. Brauchen wir Blogger*innen vielleicht wieder ein Event nur für uns?

Ich finde die re:publica aus vielen Gründen super, aber die Konferenz der Netzgemeinde ist sie für mich nicht mehr. Es gibt ja eine Reihe von Barcamps und Nischen-Konferenzen für Blogger. Aber bei einer großen, themenübergreifenden Konferenz für deutschsprachige Blogger wäre ich sofort dabei. Netzwerken über alle Nischen hinweg, Wissenstransfer und die Diskussion von Themen wie Monetarisierung versus Blogger-Idealismus, gesellschaftliches Engagement versus Feel-Good-Bloggen oder solche Themen fände ich total spannend.

Zum Schluss bitte noch ein Blick in die Glaskugel: Brauchen wir in Zeiten von snackable Content und mobile Messaging überhaupt noch Blogs? Verschwinden diese nicht vielleicht und Blogger*innen werden nur noch mit dem stets gleichen Nutzernamen plattform- und mediumübergreifend publizieren?

Ich snacke gerne. Aber wenn ich richtig Hunger habe, will ich ne richtige Mahlzeit. Meiner Meinung nach geht der Trend zurück zum Hauptgericht: lange, gut recherchierte und gedanklich ausgereifte Blogposts. Quasi Wissensbomben, die dem Leser jede Menge Infos und Mehrwert bieten. Wenn du in deiner Nische zu einer hörbaren Stimme werden willst, kommst du daran nicht vorbei. Der einzige Ort, an dem du dieses Wissen dauerhaft vermitteln kannst, ist der eigene Blog. Alle anderen Plattformen sind nur Mietwohnungen. Wenn da der Besitzer wechselt, stehst du eventuell auf einmal vor verschlossenen Türen.

Zusätzlich zum Hauptgericht erwarten die Nutzer (es sind ja nicht mehr alles Leser) ein Menü an Appetizern und Häppchen in Form von kurzen, ergebnisorientierten Posts, Live-Videos, Podcasts Infografiken… was auch immer die Zielgruppe anspricht.

Um ehrlich zu sein, ich finde diese Entwicklung ganz spannend. Es nimmt mir den Druck, aus jedem Blog-Post ein preisverdächtiges Werk zu machen. Und gleichzeitig habe ich die Möglichkeit, die wirklich tiefen, arbeitsintensiven Blogposts zweimal, dreimal oder viermal zu verwerten und damit jeweils andere Bedürfnisse bei meinen Lesern anzusprechen. Blogs wurden schon so oft für tot erklärt… und haben sich dann immer als extrem flexible Biester entpuppt. Ich sehe da ganz entspannt in die Zukunft.

Auf annehaeusler.de findet Ihr mehr Informationen zur #MeetTheBloggerDE-Challenge!


Image (adapted) Red Hands Woman Creative by Kaboompics_Karolina (CC0 Public Domain)

Image by Anne Häusler


Weiterlesen »

Neue Bloggerreise: Als #AltmarkBlogger durch die Altmark

Neues Schloss im Stadtpark Tangerhütte (adapted) (Image by Björn Gäde [CC BY-SA 3.0] via wikipedia)

Die Altmark wird gern auch als die „Wiege Preußens“ bezeichnet, eine durchaus historisch zu vertretende Beschreibung dieses Landstriches nördlich von Magdeburg, aber doch sehr nichtssagend, was die Region und die Menschen angeht. Viele gibt es davon hier nicht (mehr), Landschaft dafür (noch) reichlich. Das Gebiet westlich der Elbe ist eine leider zu wenig beachtete Ecke, doch dieses soll sich durch eine Bloggerreise jetzt ändern.

Wir haben in den vergangenen Jahren in der südöstlichen und ländlich geprägten Altmark zahlreiche Projekte zur Entwicklung des sanften Tourismus gefördert“, sagt der Vorsitzende der zuständigen LEADER-Aktionsgruppe, Andreas Brohm. „Dazu möchten wir zusammen in diesem Sommer mit einem #AltmarkBlogger die Region an Uchte, Tanger und Elbe bereisen“, so Brohm auf der Webseite der lokalen LEADER-Aktionsgruppe Uchte-Tanger-Elbe.

Von der Europäischen Union geförderte Bloggerreise

Hinter der Abkürzung LEADER verbirgt sich ein Förderprogramm der Europäischen Union, das, dem Wortlaut der französischen Formulierung „Liaison entre actions de développement de l’économie rurale“ sinnhaft folgend, eine „Verbindung zwischen Aktionen zur ländlichen Entwicklung“ schaffen möchte. Es werden also lokale Projekte in ländlich geprägten Regionen gefördert. Die Bloggerreise soll so ein gefördertes Projekt sein.

Der AltmarkBlogger, beziehungsweise die AltmarkBloggerin, erhält freie Kost und Logis während der Rundfahrt sowie eine Aufwandsentschädigung für die An- und Abreise. Drei Tage lang soll die Person durch die Region an Uchte, Tanger und Elbe reisen, vorbei an idyllischen Naturlandschaften und historischen Hansestädten wie Tangermünde und Stendal. Auch ein Besuch von Tangerhütte ist geplant, wo Andreas Brohm als Bürgermeister tätig ist.

Sebastian Esser (Image by Sebastian Esser)
Andreas Brohm: „Die Lust auf’s Land sollte vorhanden sein.“

Facettenreiche Altmark als Motiv für Instagram

Tobias Schwarz: Wieso habt Ihr euch für das Format einer Bloggerreise entschieden, um die Altmark als Tourismusregion bekannter zu machen?

Andreas Brohm: Man muss unsere Region erleben, sich hier bewegen, den Stahlgeruch aufnehmen. Nur dann kann man das authentisch transportieren, was es hier zu entdecken gilt. Das Format der Bloggerreise bietet sich dafür geradezu an. Sicher hat auch meine eigene Affinität zum digitalen Thema eine Rolle gespielt.

Muss man irgendwelche Vorkenntnisse zur Altmark, dem Thema Tourismus oder Arbeiten von unterwegs mitbringen, um AltmarkBlogger oder AltmarkBloggerin zu werden?

Die Lust auf’s Land sollte vorhanden sein und die Bereitschaft sich auf eine Entdeckungsreise einzulassen.

Welche unterschiedlichen Themen kann der AltmarkBlogger oder die AltmarkBloggerin von unterwegs entdecken? Kannst du uns ein paar Beispiele nennen?

Natur pur in einer historischen Kulisse gilt es zu entdecken. Wir haben Entschleunigung, Backsteingotik, Herrenhäuser, Flusslandschaften und gründe Wiese. Wir möchten zeigen, wo tollen Ideen umgesetzt wurden und wo die Unterkünfte in historischen Kulissen, typische altmäkische Feldsteinkirchen oder versteckte Kulturstätten entstanden und liebevoll restauriert wurden.

Auf meiner eigenen Reise als ElbeBlogger stellte ich fest, dass Snackable Content von unterwegs besser zu produzieren ist als lange Textbeiträge, die nach einem langen Tag nur noch mühsam zu erstellen waren. Was erwartet Ihr vom AltmarkBlogger oder die AltmarkBloggerin?

Mit allen Sinnen die Altmark auf sich wirken lassen. Der AltmarkBlogger ist in seiner Umsetzung oder Ausführung völlig frei.

Als ich selbst vor zwei Jahren durch die Altmark gereist bin, habe ich vor allem außerhalb der Ortschaften nur eine schwache Netzabdeckung erlebt. Hat sich dies inzwischen verbessert?

Die Altmark ist eine der wenigen Region in Sachsen-Anhalt, die dabei ist, den FTTH-Ausbau (Glasfaser-Hausanschluss) voranzutreiben. Noch gibt es Schwachstellen in der Netzabdeckung. Ich bin aber sicher, das wird die Kommunikation des AltmarkBloggers nicht einschränken.

Du bist seit zweieinhalb Jahren als Bürgermeister in der Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte tätig. Was hat sich in den letzten Jahren in der Altmark verändert?

Wir sind mutiger geworden unsere schönen Seiten zu zeigen und zu präsentieren. Zukunfsthemen wie FTTH, die für das ganze Land zukunftsweisend sind, werden hier Vorort durch eine große Bürgerbeiteiligung vorangebracht. Durch Formate wir das AltmarkMacherFestival (01.06.2017 in Salzwedel), welches seine Premiere 2016 in Tangerhütte hatte, verknüpfen sich die Zukunfskräfte einer ganzen Region. Wir werden überregional sehr viel positiver wahrgenommen.

Was macht die Altmark für dich, der hier geboren, aber auch schon viel rumgereist ist, zu einem besonderen Ort? Wieso sollte Menschen einmal in diese doch sehr unbekannte Region kommen?

Als Tourist kannst du hier Natur pur erleben, die Schönheiten der Landschaft entdecken, Entschleunigung oder auch Geschichte vergegenwärtigen. Als Rückkehrer oder Zuzügler findest du hier persönliche Entfaltungsmöglichkeiten, ein angenehmes Miteinander und alles an Daseinsvorsorge, was wichtig ist, bist aber dennoch nur 30 Minuten von Magdeburg und Wolfsburg entfernt oder eine Stunde von Berlin.

Was ist dein Lieblingsplatz in der Altmark – oder: was machst du am liebsten, wenn du in der Region unterwegs bist, was man nur hier machen kann?

Die Altmark ist so groß wie das Saarland, es gibt viele Plätze die schön sind. Radeln an der Elbe, beispielsweise am einmaligen Doppelknick bei Polte, Spazieren in den zahlreichen Parks in Krumke, Zichtau oder Briest und Tangerhütte. Ich genieße aber auch täglich unseren eigenen Blick in die Natur vor unserer Haustür. Es hat so viele Facetten, da ist immer ein Altmarkmotiv für Instagram dabei.

Vielen Dank für das Interview.

Anmerkung der Redaktion: Bewerber*innen senden Ihre Unterlagen per E-Mail bitte bis zum 10. Mai an gaede@landleute.eu. Mehr Informationen findet man auf der Webseite www.uchte-tanger-elbe.de.


Image (adapted) „Neues Schloss im Stadtpark Tangerhütte“ by Björn Gäde (CC BY-SA 3.0)


Weiterlesen »

#MeetTheBloggerDE: Die deutsche Blogosphäre in ihrer Nussschale

Nächsten Montag, am 1. Mai, startet die Bloggerin Anne Häusler die zweite #MeetTheBloggerDE-Challenge, bei der sich Blogger*innen auf Instagram vorstellen und andere kennenlernen können. 14 verschiedene Tagesaufgaben geben den teilnehmenden Blogger*innen eine Orientierung, worüber sie schreiben könnten. Der unter jedem Beitrag verwendete Hashtag #MeetTheBloggerDE macht die verschiedenen Beiträge auffindbar und kuratiert somit eine Übersicht der deutschsprachigen Blogosphäre auf Instagram.

Was Blogger*innen eigentlich sind, ist bei der heutigen Vielfalt an Möglichkeiten, im Netz zu publizieren, nicht mehr ganz klar zu benennen. Textlastige Blogs, so wie Netzpiloten.de als ein Urgestein der hiesigen Blogosphäre, sind es nicht mehr alleine. Heutzutage drehen Blogger*innen auch Videos für YouTube, posten Fotos auf Instagram oder bieten snackable Content auf Snapchat, Twitter oder sonst wo an. Die zweite #MeetTheBloggerDE-Challenge ist auch eine Chance, sein Bild von Blogger*innen einmal grundlegend aufzufrischen.

Image by Anne Häusler

Sondereinladung in diesem Jahr für Business-Blogger

„Das Charmante an dieser Challenge ist ja gerade, dass wir dadurch alle die Möglichkeit haben, neue Themen und Formate zu entdecken“, schreibt Anne Häusler. Einen Schwerpunkt möchte sie deshalb in diesem Jahr auf das Thema Business-Blogger legen und lädt diese zur Challenge ein: „Egal ob dein Blog dein Unternehmen ist oder ob du mit deinem Blog dein Business unterstützt: die Challenge ist eine super Möglichkeit, die Geschichte hinter deiner Marke zu erzählen und deinen Fans und Kunden einen Blick hinter die Kulissen zu gewähren!“

Der Aufruf und die Möglichkeit der Teilnahme richtet sich übrigens auch an Blogger*innen aus Österreich und der Schweiz, die zusätzlich noch den Hashtag #MeetTheBloggerAT oder #MeetTheBloggerCH verwenden können, damit sie sich ebenfalls besser untereinander finden können. Auf ihrem Blog bietet Anne Häusler auch noch einen Planer für die Challenge an, den man sich ausdrucken kann. Und wer kein Instagram nutzt, kann unter dem Hashtag #MeetTheBloggerDE auch auf anderen sozialen Netzwerken von sich berichten.

Sichtbarkeit als Wert an sich

Einen Social-Media-Profi wie Anne findet man neben Instagram selbstverständlich auch auf Facebook und Twitter. Sie lebt Sichtbarkeit, den wohl wichtigsten Wert von Blogger*innen, konsequent und vorbildlich vor. Daran können sich andere wiederum ein Beispiel nehmen und somit auch einen Mehrwert für die bloggende Community an sich leisten. Denn durch die Sichtbarkeit des Einzelnen wird auch das Bild, wer oder was Blogger*innen sind und was sie so machen, klarer und verständlicher. Wir sind schon lange keine Exoten mehr.

Doch eine elitäre Gruppe an Publizisten sind wir auch nicht. Die #MeetTheBloggerDE-Challenge schafft eine Wahrnehmung für unsere Szene, erdet aber zugleich auch, denn die 14 Fragen für den Zeitraum der ersten beiden Mai-Wochen zeigen auch die Menschen hinter den bloggenden Profilen. Hier wird gezeigt, dass wir uns alle auch etwas ähnlich sind und uns gar nicht gegenseitig fürchten oder als Konkurrenz betrachten müssen, sondern viel mehr als Teil der gleichen Szene. Diese Wahrnehmung allein verbindet (uns) schon miteinander.

Auf annehaeusler.de findet Ihr mehr Informationen zur #MeetTheBloggerDE-Challenge!


Teaser & Image (adapted) by bykst (CC0 Public Domain)


Weiterlesen »

Seitenwechsler verändern die PR

Konferenzraum (adapted) (Image by Unsplash [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Nicht nur die Netzszene reagierte hellhörig als die Meldung durchsickerte, dass Sascha Pallenberg, einer der prominentesten Tech-Blogger und Gründer der national und international bedeutsamen Plattform „Mobile Geeks“, von der Daimler AG rekrutiert wurde. Pallenberg steht als Head of Digital Content des Stuttgarter Konzerns in einer Reihe von weiteren spektakulären Seitenwechseln, die eine neue Phase in der PR einleiten. Ausführlich nachzulesen in der April-Ausgabe des prmagazins.

„Die klassische Unternehmenskommunikation lief über den Gatekeeper Journalist, dann über den Gatekeeper Blogger oder Influencer und jetzt erleben wir den dritten Schritt. Unternehmen werden selbst zu Medien“, erläutert Karsten Lohmeyer, Chief Content Officer der Agentur The Digitale, die 2014 von der Deutschen Telekom als Content-Marketing-Startup aus der Taufe gehoben wurde. Was wir jetzt erleben, sei die nächste und richtige Stufe.

„Warum soll ich als guter Kommunikator nur mit zehn oder 20 Journalisten sprechen, wenn ich direkt mit allen Stakeholdern in Verbindung treten kann. Also mit Kunden, potenziellen Kunden, Lieferanten, Aktionären und allen weiteren relevanten Zielgruppen eines Unternehmens. Was bei Daimler passiert, war auch der Beweggrund unseres Mutterkonzerns. Also der Gedanke des Telekom-PR-Chefs Philipp Schindera, eine Content Factory nicht nur zu formulieren, sondern auch umzusetzen. Es gibt rund 130 Kolleginnen und Kollegen, die alle gut ausgebildet und unglaublich gut in ihren Themen sind. Sie sind auch in der Lage, die Themen eines solchen Konzerns direkt in einer massenmedialen Kommunikation auf die Straße zu bringen“, so Lohmeyer.

Gleiches vollziehe sich bei der Allianz über Storytelling-Konzepte.

Schlauer Schritt von Daimler

Er findet es faszinierend, wie viele neue Konzepte in deutschen Unternehmen entstehen. „Es ist ein sehr schlauer Schritt von Daimler, Sascha Pallenberg an Bord zu holen. Das ist ein unglaublich spannendes Experiment“, betont Lohmeyer, der mit dem Blogprojekt LousyPennies.de bekannt wurde. Erste Akzente konnte man beim Musik- und Internetfestivals South by Southwest (SXSW) in Austin erkennen, bei dem sich Daimler-Chef Dieter Zetsche mit der Silicon Valley-Ikone Guy Kawasaki ins Getümmel stürzte und in neuen Western-Boots die lockere Atmosphäre der Netzszene aufsaugte.

Ganz im Gegensatz zu vielen Protagonisten der deutschen Wirtschaft, die offene Formate als esoterischen Quatsch abstempeln und einen großen Bogen um Netzaktivisten machen. Unter dem Hashtag #KölnerBarcampKontroverse ist das gut dokumentiert. Zetsche ist der erste Vorstandschef eines DAX-Konzerns, der die SXSW in seiner 31. Auflage besuchte. „Es war ein Event zum Lernen. Für den Konzern Daimler und für Mercedes Benz war das sehr wichtig“, so Pallenberg im Gespräch mit dem prmagazin.

Der nahbare Konzernchef

Zetsche sei für alle ansprechbar gewesen. „Jeder hatte die Möglichkeit, Fragen zu stellen oder spontan Interviews zu machen – wie die Zeitschrift Wired. Das ist mehr oder weniger aus der Hüfte entstanden und belegt, dass wir in Austin eine progressive und gute Kommunikation gemacht haben, die sich von anderen Firmen abhebt. Man kam locker an Zetsche ran“, bemerkt Pallenberg. Es sei alles durchgespielt worden. „Wie positioniert sich ein Unternehmen wie Daimler auf so einem Festival? Wie diskutieren wir über Technologie-Themen? Welche Anregungen nehmen wir auf? Dazu zählen auch emotional gedrehte Videos und andere Darstellungsformen, die über Selfie-Videos hinausgehen.“

Man konnte deutlich erkennen, an welchen Punkten Zetsche lockerer wurde und es ihm persönlich auch Spaß gemacht hat. Es sei aber noch mehr erreicht worden. Mit der me Convention, die Daimler gemeinsam mit der SXSW parallel zur IAA im September in Frankfurt organisiert , werde der erste Ableger des Internet-Festivals außerhalb von Austin etabliert. Die me Convention findet vom 15. bis 17. September in der Frankfurter Festhalle statt, der traditionellen Bühne des Mercedes-Benz IAA Messeauftritts. Das Programm wird ergänzt um Konzerte und andere Veranstaltungen im Stadtzentrum.

Neuer Geist auf der IAA

„Das zeigt deutlich, wie sich Daimler positioniert. In der Vergangenheit war es ja eher so, dass Automobilfirmen zu Tech-Messen gekommen sind. Auf einmal erleben wir eine Entwicklung in die andere Richtung. Und das ist sehr wichtig. Die klassische Automobil-Messe hat sich in den vergangenen 50 Jahren nicht großartig verändert. Wir leben aber in einer Zeit, wo wir vor fundamentalen Veränderungen dieser Branche stehen. Deshalb ist es essentiell, dass man das auf den klassischen Formaten auch abbildet. Was im September passiert, ist ein riesengroßes Ausrufezeichen“, sagt Pallenberg.

Der Konzern habe begriffen, sich zu öffnen und nicht mehr in der eigenen Blase vor sich hinzuköcheln.

Owned Media anders denken

Änderungsbedarf sieht Pallenberg auch bei den Netzaktivitäten. Auf Online-Marketing-Kongressen hört man nach seiner Ansicht wenig zu neuen Kommunikationsformen und Inhalten. Besonders, wenn es um „Owned Media“ geht.

„Schließlich begeben sich Firmen und Werbetreibende in ein starkes Abhängigkeitsverhältnis zu den Plattformanbietern. Genau das will ich ein wenig ändern mit unseren Inhalten.“

„Wir haben in den vergangenen Jahren durch die Dynamik der sozialen Netzwerke zu sehr darauf gesetzt, wirklich jeden Trend mitzumachen. Es ging immer darum, direkt herauszufinden, wie wir jede neue Plattform bespielen können. Mittlerweile sind wir umgeben von über sechs sozialen Netzwerken, die von den Unternehmen beackert werden – von Snapchat bis YouTube. Wir geben damit eine ganze Menge unserer Content-Hoheit ab und vertrauen darauf, was uns diese Plattformen in Reportings zurückgeben. Aber was sind diese Zahlen wirklich wert?“, fragt sich Pallenberg.

Ob das alles so stimmt, sollte zumindest kritisch hinterfragt werden.

„Wir sehen schon wahnsinnige Unterschiede bei einem recht einfachen Indikator: Den Views bei Online-Videos. Bei Snapchat wird ein View schon in der ersten Sekunde gezählt. Bei einem Facebook-Video nach drei Sekunden und bei einem YouTube-Video aber erst nach 30 Sekunden. Dann weiß ich aber immer noch nicht so genau, ob das stimmt. Ich halte es daher für unverzichtbar, auch seine eigenen Plattformen nicht zu vernachlässigen und eine Back-to-the-Roots-Strategie zu fahren.“

„Man muss die Nutzer auf die eigenen Plattformen zurückholen, weil ich dort die Möglichkeit habe, den Erfolg der Kommunikation zu messen, die Nutzer auf der Seite zu führen und sie besser kennenzulernen. Im Moment lernen nur die Betreiber der sozialen Netzwerke über die Internet-Nutzer. Das ist viel mehr als wir nur ansatzweise an Daten sammeln können. Bei Facebook ist fast das gesamte Leben hinterlegt“, führt Pallenberg gegenüber dem prmagazin aus.

Ein wenig mehr Autarkie könnte nicht schaden, denn man wisse nie, ob ein Snapchat trotz Börsengang in fünf Jahren noch existiert. Gleiches gelte für Facebook. „Was ist denn, wenn die von heute auf morgen ihre Algorithmen ändern oder für Werbung einfach mal das Doppelte verlangen? Je mehr man auf diese Plattformen auslagert, desto mehr Abhängigkeiten entstehen.“

Neuer Kommunikationshabitus vonnöten

Ob die vielen Seitenwechsler, die jetzt in den Unternehmen neue Content-Einheiten etablieren, zu einem Niedergang des Journalismus führen, gehe nach seiner Meinung an den Tatsachen vorbei. Das sei eher ein Beleg für zu wenig Selbstbewusstsein auf der journalistischen Seite. Die Herausforderung liege doch bei den klassischen Medien, Premium-Inhalte herauszubringen. „Gute Unternehmenskommunikation lebt von der Transparenz. Es muss klar sein, von wem die Botschaften stammen.“

Die Content Factorys lösen in der klassischen PR einen enormen Veränderungsdruck aus. Wer ohne Vermittlungsinstanzen mit der (Netz-)Öffentlichkeit sprechen will, braucht einen anderen Kommunikationshabitus. Wer weiterhin Botschaften über tindereskes Reichweitenmarketing (Wortkreation von Falk Hedemann) rausballert, sich Kunden gegenüber rambohaft wie die Fluggesellschaft United in Szene setzt, kritische Diskussionen über unethisches Verhalten ins Hinterzimmer verbannen will oder weiterhin Service-Probleme mit Hotline-Idiotie lösen möchte, sollte über Content Factory-Gründungen noch nicht einmal nachdenken. Das Notiz-Amt empfiehlt diesen Unternehmen weiterhin Schweinebauch-Anzeigen, die mit Nichtwahrnehmung bestraft werden können.


Image (adapted) „Konferenzraum“ by Unsplash (CC0 Public Domain)


Weiterlesen »

Teilt es mit anderen: So erstellt ihr euren eigenen Blog

Ein eigener Blog ist eine tolle Sache! Es ist die perfekte Möglichkeit, seiner Kreativität Ausdruck zu verleihen und seine Gedanken loszuwerden. Mit einem eigenen Blog könnt ihr Menschen erreichen und sie bewegen. Auf der anderen Seite könnt ihr mit einem gut gepflegten Blog auch eine Menge Geld verdienen, indem ihr Werbeanzeigen auf ihm schaltet. Das erfordert aber natürlich eine Menge Arbeit. Aber wenn ihr es schafft und euch das Schreiben Spaß macht, könnt ihr durch einen Blog euer Hobby zum Beruf machen.

Einen Blog zu erstellen, dauert wirklich nicht lange. Es gibt kostenlose Varianten und solche, für die ihr ein Minimum an Geld benötigt. Beide Möglichkeiten werde ich euch später noch vorstellen. Doch bevor es endlich losgeht, gibt es noch einige Fragen, die ihr vorab für euch klären solltet. Das ist wichtig, damit ihr festlegen könnt, wohin die Reise geht und was euer Ziel mit dem Blog ist. Geht es euch nur darum, eure Gedanken loszuwerden und schreibender Weise eure Gefühle zu verarbeiten? Oder wollt ihr professionelle Inhalte erstellen, die Menschen inspirieren und animieren und die euch finanziell zugute kommen könnten?

Einige Fragen vorab

Fragen, die ihr im Vorfeld also beantworten solltet, sind:

  • Warum wollt ihr einen Blog erstellen?
  • Geht es euch eher darum, eure Gedanken aufzuschreiben oder wollt ihr Geld mit eurem Blog machen?
  • Welches Thema soll im Zentrum eures Blogs stehen?
  • Habt ihr Lust, in regelmäßigen Abständen über dieses Thema zu schreiben?
  • Wisst ihr genug über dieses Thema, um regelmäßig neue Artikel dazu zu schreiben?
  • Könnt ihr euch vorstellen, jeden Tag oder alle paar Tage etwas für euren Blog und die Menschen, die ihn lesen, zu veröffentlichen?

Kostenlose Blogs erstellen

Der erste Vorschlag, den ich euch für einen kostenlosen Blog mache, ist WordPress. WordPress hat zahlreiche Vorteile, sodass auch wir Netzpiloten die Anwendung für unsere Website nutzen. Zum einen handelt es sich bei WordPress um ein wirklich ausgereiftes Content Management System (CMS), da es schon seit einigen Jahren besteht und zudem über eine große Community verfügt, die dazu beiträgt, dass WordPress immer besser wird. Sollte man einmal Hilfe brauchen, kann man sich über die Unterstützung aus der Community freuen.

Zudem gibt es zahlreiche Plugins, die man benutzen kann, um seinen Blog den eigenen Vorstellungen anzupassen. Ultimativer Pluspunkt für WordPress: es ist kostenlos und es besteht auch die Möglichkeit, WordPress zu benutzen, ohne die Domain .wordpress.com zu verwenden. Einziger Nachteil: es eignet sich nur bedingt für den kommerziellen Einsatz, da auf WordPress-Blogs keine Werbung geschaltet werden darf.

Alternativen zu WordPress

Eine Alternative zu WordPress ist Joomla!, ein weiteres Content Management System. Bei Joomla! gibt es eine strikte Trennung zwischen Design und Inhalt. Die Bedienung ist intuitiv und damit sehr gut für Anfänger geeignet, da es keiner großen Erklärungen bedarf. Allerdings bietet Joomla! weniger Erweiterungen als WordPress und einige sind sogar kostenpflichtig. Weitere Kosten kommen für das Mieten eines Servers hinzu, dies ist bei Joomla! nicht enthalten.

Alternativ zu WordPress und Joomla! könnt ihr auch Blogger nutzen. Vielleicht ist euch der Name Blogspot bekannt, der in der URL der Blogs auftaucht. Hinter der Plattform steht Google. Die Bedienbarkeit ist auch hier für Anfänger geeignet, allerdings ist der Funktionsumfang begrenzt und das Einbauen spezieller Wünsche ist ein ziemlicher Akt. Dafür kann hier im Gegensatz zu WordPress auch Werbung geschaltet werden.

Die Software Ghost kann ich euch empfehlen, auch wenn ihr noch nicht so viel Erfahrung habt. Das Design ist klar und übersichtlich. Für die Erfahreneren unter euch sicherlich interessant: hier werden die Programmiersprachen HTML und CSS unterstützt.

Das Programm Squarespace richtet sich dagegen eher an professionelle Anwender, die Wert auf Design bei der Gestaltung ihrer Website legen . Praktisch ist ein Baukasten, mit dem man seine Website auch grafisch bearbeiten kann. Verschiedene Module können einfach an der gewünschten Stelle auf der Seite platziert werden. Wenige Klicks reichen, um die Seite außerdem für mobile User zu optimieren. Des Weiteren werden verschiedene Webshop-Systeme unterstützt, die auf der Website eingebunden werden können.

Eine weitere Alternative stellt die Software Koken dar. Sie ist genau richtig für euch, wenn ihr schon ein bisschen Erfahrung habt und Wert darauf legt, dass eure Website optisch ansprechend aussieht. Eine zeitgemäße Bildergalerie kann einfach erstellt werden. Mit dem Adobe-Lightroom-Plugin ist es möglich, Bilder direkt in die Software zu laden.

Eine eigene Domain

Wenn ihr statt eines Blogs gleich eine eigene Website kreieren wollt, wird es ein bisschen aufwändiger: Vor allem müsst ihr mehr Zeit investieren und auch etwas mehr Geld in die Hand nehmen. Eine Domain zu beantragen und die Lizenz zu halten, kostet – wenn auch nicht viel. Etwa zwei Euro pro Monat müsst ihr dafür einkalkulieren. Hinzu kommt die oben genannte Miete für den Server. Die schlägt mit weiteren zwei Euro pro Monat zu Buche.

Letztendlich ist es am wichtigsten, dass ihr Spaß am Bloggen habt. Wenn ihr motiviert seid, etwas Zeit zu investieren und vielleicht etwas Geld aufzuwenden, wird sich eure Mühe lohnen. Habt eine gewisse Vorstellung davon, wohin ihr mit eurem Baby wollt, dann wird sich der Rest von selbst finden. Viel Spaß bei diesem Projekt!

Weitere Anregungen und eine Inspiration durch einen wirklich gut gepflegten Blog bekommt ihr auf blogkiste.com, der von Jonas Geldschläger betreut wird.


Image „Macbook“ by FirmBee (CC0 Public Domain)


Weiterlesen »

Warum Menschen auch nach Feierabend noch über ihren Job schreiben

Young woman thinking with pen while working (Image by Karolina Grabowska [CC0 Public Domain] via Pexels)

„Weißte, vielleicht muss ich das gerade einfach erzählen, sorry. Aber sagt man nicht, dass Ihr Taxifahrer irgendwie wie Therapeuten seid?“

„Da ist schon was dran, aber ich sag’s gleich: Was uns von Therapeuten unterscheidet, ist: Wir können nicht so gut helfen.“

„Ich hab mein Leben ruiniert, ich werd‘ alles neu anfangen müssen, es ist alles vorbei!“

Das Blog von Taxifahrer Sascha Bors liest sich wie eine Mischung aus Tagebuch, Action und Sitcom. Seit rund acht Jahren schreibt der gebürtige Schwabe auf Gestern Nacht im Taxi über seinen Alltag als Taxifahrer in Berlin. Leser bekommen hier nicht nur lustige bis nachdenklich stimmende Anekdoten von Bors Fahrten geboten, sondern auch viele Informationen über die Arbeit als Taxifahrer. Ein Beruf, der mit vielen Vorurteilen behaftet ist und oft missverstanden wird, findet Bors. Denn viele Kollegen arbeiten seiner Meinung nach viel zu viel, verdienen zu wenig und müssen sich dafür oft noch die neunmalklugen Sprüche der Fahrgäste anhören. Da jeder der Meinung sei, er könne Autofahren, würde oft unterschätzt, wie stressig der Job sein könne, erklärt er gegenüber den Netzpiloten: „Man kriegt da zu hören dass man Klausis Hinterhofkaschemme in 12878 Arsch-der-Welt ja wohl kennen müsse, dass es uns eigentlich noch zu gut ginge oder dass das Trinkgeld heute natürlich ausfällt, weil sorry, also bei ’nem Opel als Taxi …?“

Nach Feierabend auch noch über den Job schreiben?

Sascha Bors
Aus dem Taxi ins Blog: Sascha Bors

Das Schreiben über seinen Berufsalltag ist daher für Sascha Bors eine Mischung aus Tagebuch und Aufklärung. Er findet das Notieren seiner Geschichten nach Feierabend wie eine Therapie: Ist etwas schlecht gelaufen, kann er das beim Schreiben verarbeiten. Gibt es gute Nachrichten, kann er sie mit anderen teilen. Darüber hinaus nutzt er sein Blog eben auch, um seine Meinung zu äußern und um sein Wissen über die Taxifahrerei weiterzugeben.

So ähnlich sieht es auch sein Bloggerkollege Heiko Schneider. Auf kreidefressen schreibt er über seinen Alltag als Lehrer und das deutsche Schulsystem. Das Blog als persönliches Tagebuch zu nutzen, ist dabei nur ein Grund für seine Schreiberei. Schneider hatte es vor allem satt, wie der Mainstream über Lehrer berichtet. Wie Bors wehrt er sich so mit seinem Blog gegen Vorurteile: „Ich ärgere mich oft über die klischeehafte Auseinandersetzung mit dem Lehrerberuf,“ sagt Schneider zu den Netzpiloten. „Am Ende bleibt dann bei den Lesern wieder nur hängen: Dauerurlaub, Hitzefrei, faule Säcke und ungerechte Beurteilung.“ Sein Blog bietet ihm hier die Möglichkeit, dem ein Gegengewicht entgegenzustellen.

Heiko Schneider und Sascha Bors sind dabei bei Weitem nicht die einzigen im deutschsprachigen Raum, die über ihren Beruf bloggen. Zahlreiche Polizisten, Kellner oder Anwälte schreiben über ihren Beruf im Netz – um nur einige wenige Beispiele zu nennen. Viele davon anonym. Einerseits um sich und ihre Inhalte vor neugierigen Lesern und Nachfragen zu schützen, andererseits aber auch um persönlicher über ihren Berufsalltag berichten zu können.

Heiko Schneider
Heiko Schneider

Denn wer öffentlich bloggt, muss sich natürlich auch über rechtliche Konsequenzen im Klaren sein. Berufsblogger müssen darauf achten, Orte oder Personen zu verfremden und ihre Inhalte gegebenenfalls auch mit dem Arbeitgeber abzustimmen. So haben Berufsblogger, die unter ihrem richtigen Namen schreiben, möglicherweise nicht die gleiche Freiheit wie anonyme Blogger.

Doch egal ob öffentlich, unter Pseudonym oder ganz anonym: Was motiviert Menschen eigentlich dazu, auch noch in ihrer Freizeit über den Job zu schreiben? Grundsätzlich scheint es dabei drei große Motivationsfaktoren zu geben, sagt Sonia Lippke, Psychologin und Professorin für Gesundheitspsychologie und Verhaltensmedizin an der Jacobs University in Bremen.

Der erste Faktor ist der Abbau von Stress. Schreiben wirkt wie eine Therapie und hilft den Bloggern, das Erlebte vom Tag zu verarbeiten. Der zweite Motivator ist eine Art Selbstreflexion, in der man sich und seine Rolle im Berufsalltag aus verschiedenen Perspektiven heraus betrachtet. Und dann gibt es natürlich auch Menschen, die gerne das Wissen aus ihrem Beruf an andere weitergeben möchten: „Es gibt eine große Gruppe von Bloggern, die sich voll und ganz mit ihrem Beruf identifizieren und auch sehr stolz auf ihre Arbeit sind und dann gerne darüber schreiben,“ sagt Sonia Lippke im Gespräch mit den Netzpiloten.

Bloggen zwischen Stressfaktor und Spaßfaktor

Zu dieser Gruppe gehört auch Günter Schütte, Landarzt in Ostfriesland. Auf seinem Blog, Hausarzt Ditzum, Nachrichten vom anderen Ende der Medizin, hat Schütte so etwas wie eine Onlinesprechstunde aufgebaut. Er schreibt hier genauso über Hilfe gegen Kater wie über Schlaflosigkeit oder über Brustkrebs. Im Netzpiloten-Interview erklärt er, dass er über all das schreibt, was seine Patienten in der Sprechstunde bewegt: „Ich habe mit meinem Blog vor Jahren angefangen, weil ich  meinen Patienten zuverlässige medizinische Informationen liefern wollte.“ Auch wenn er seit 2015 in Rente gegangen ist, bloggt er auch jetzt noch regelmäßig über medizinische Themen. Das Schreiben hat er dabei nie als belastend oder anstrengend empfunden: „Abschalten brauche ich nicht. Arbeit ist für mich ein Hobby und ich bin sehr traurig, dass ich meine Praxis nicht mehr führen kann.“

Sonia Lippke
Sonia Lippke

Die Work-Life-Balance Expertin Sonia Lippke findet auch nicht, dass Arbeit und Freizeit zwei streng getrennte Bereiche sein müssen. Es käme viel mehr darauf an, sich auf eine Sache zu konzentrieren: „Der Mensch ist nicht für das Multitasking geschaffen. Unser Gehirn kann einfach mehrere Prozesse gleichzeitig nicht gut verarbeiten. Das ist auch bei der Work-Life-Balance wichtig. Wir müssen lernen, im Hier und Jetzt zu leben.“ Das bedeutet: Wenn wir arbeiten, sollten wir uns auf den Job konzentrieren und in unserer Freizeit sollten wir nicht noch nebenher Arbeitsemails checken. Das Problem liegt dabei nicht darin, dass Arbeit und Freizeit immer mehr miteinander verschmelzen. Die Krux ist eher, dass wir nicht völlig abschalten können und uns dann nicht auf den Moment einlassen können, in dem wir uns gerade befinden – weil das Handy vielleicht gerade vibriert oder die E-Mail Alerts uns ablenken. „Wir müssen daher zum Teil wieder lernen, uns auf die Situation zu konzentrieren, in der wir gerade sind und den Augenblick voll und ganz zu genießen.“ Denn sonst kann auch das Schreiben über den Beruf irgendwann von der Entspannung zum Stress werden. Daher ist wichtig, dass man den Spaß beim Bloggen nicht verliert.

Peter Wilhelm (Image by Peter Roskothen)
Peter Wilhelm (Image by Peter Roskothen)

Diese Gefahr läuft Peter Wilhelm sicher nicht. Der studierte Psychologe und ehemalige Bestattungsunternehmer ist wahrscheinlich nicht nur Deutschlands bekanntester Bestattungsexperte, sondern auch einer der humorvollsten. Auf Bestatterweblog lässt er sich auf satirische Weise über den Alltag im Bestatterleben aus und beantwortet auch die vielen Fragen seiner Leser über den Tod, das Sterben und Beerdigungen. Ohne das Komische an diesem Job zu sehen, ginge das gar nicht, erzählt Wilhelm den Netzpiloten: „In jedem Beruf, der sich mit den unschöneren Seiten unseres Daseins befasst, ist es wichtig, eine gute Portion Humor zu haben. In meinen Werken jedoch dient mir der Humor und ein unterhaltsamer Erzählstil dazu, die bittere Pille der Information mit dem Zuckerguss der Unterhaltung zu überziehen. Süß rutscht besser!“

So schreibt Wilhelm nicht nur über seinen vorigen Beruf als Bestatter, er ist auch der Chefredakteur der Publikation Bestatter heute, er unterhält Menschen von der Bühne aus mit einer satirischen Show über das Sterben und er hat auch mehrere Bücher zu diesen Themen herausgebracht. Titel wie „Darf ich meine Oma selbst verbrennen?“ zeigen, dass er das ernste Thema Tod auch immer mit einem Schmunzeln betrachtet.

Günter Schütte
Günter Schütte

Dabei geht Wilhelm mit allen Fragen zum Sterben sehr ernsthaft und respektvoll um. Schließlich geht es ihm auch darum, den Menschen – wenn auch nicht die Angst vor dem Sterben und dem Tod – dann wenigstens die Angst um das Drumherum zu nehmen.

Daneben möchte er auch, ähnlich wie Sascha Bors oder Günter Schütte, das Wissen über seinen Beruf mit seinen Lesern teilen: „Als Bestatter ist man es gewohnt, dass die Menschen einem mitunter etwas distanziert gegenüber stehen. Wer beschäftigt sich schon gerne mit der eigenen Endlichkeit? In lockerer Runde kommt dann aber sehr schnell der Punkt, an dem jeder die Chance nutzt, um endlich mal die Fragen zu stellen, die er immer schon stellen wollte. Werden Toten wirklich die Knochen gebrochen? Wachsen die Haare nach dem Tod weiter? Kann man als Scheintoter versehentlich begraben werden? Es waren und sind immer dieselben Fragen.“ Was lag also näher, als all diese Fragen in einem Blog zu beantworten.

Berufsblogs als neue Gesprächsform

Auch Landarzt Günter Schütte greift viele Fragen seiner Patienten oder Leser auf. Das geht oft weit über rein berufliche Fragen hinaus. Denn egal ob Landarzt, Bestattungsunternehmer, Lehrer oder Taxifahrer: Fremde Berufe erregen immer Neugierde und die Menschen lesen gerne etwas über einen anderen Arbeitsalltag – gerade wenn sie zu einem Thema besonders viele Fragen haben.

So kann das Berufsblog dann sogar zu einer neuen Form der Kommunikation werden. Gerade wenn Blogger dann zu sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter greifen, um sich mit ihren Lesern auszutauschen, entsteht über den Berufsblog im simpelsten Fall eine Art Fragestunde, im besten Fall aber ein neuer und interessanter gesellschaftlicher Dialog.


Image „Young woman thinking with pen while working“ by Karolina Grabowska (CC0 Public Domain)


Weiterlesen »

Digitale Kurzatmigkeit oder analoge Kurzsichtigkeit – Eine Replik

Geschäftspartner (Image by Unsplash (CC_Public Domain) via Pixabay)

Geht es darum, Rücksicht auch auf die letzten Digitalverweigerer zu nehmen und zu versuchen, sie vom Nutzen digitaler Tools zu überzeugen oder sollten wir den Blick im eigenen Interesse nicht besser in die Zukunft richten?

Das vom Sportverein organisierte Grillwochenende samt anschließendem Frühstück hatten sich alle Teilnehmer nett vorgestellt. Der Sommer nahte und die Unterkunft war reserviert worden. Fehlte nur noch die Organisation des Essens und der Getränke. Leider kam der Kassenwart dann auf die Idee, diese Organisation mit Hilfe eines Schwarzen Bretts im Vereinsheim durchzuführen. Er schrieb mit einem offenen Verteiler an 45 Menschen und fragte, wer etwas beisteuern und dies auf dem Zettel am Brett vermerken könne. Ich versuchte noch, mit einem schnellen Hinweis auf ein ad hoc erstelltes Online-Dokument den erwarteten Mail-Sturm zu verhindern. Es misslang trotz wiederholten Angebots der Hilfe bei Verwendung des digitalen Tools. In den folgenden drei Tagen gingen jeweils Antworten von der Art “Ich bringe ein Marmeladenglas mit” in die Mailboxen dieser 45 Menschen ein. Das Chaos war ausgebrochen, der Stress machte sich breit, nur weil ein Mensch zu Beginn seinen Unwillen zum Ausdruck gebracht hatte, diese Organisation digital durchzuführen.

Diese Situation beschreibt eine gerade stattgefundene wahre Begebenheit und kann sicher von vielen Leserinnen nachvollzogen werden. Und diese Erfahrung ist es, die mich recht kritisch auf einen aktuellen Post von @derPeder reagieren lässt, in dem er vor allem (aber nicht nur) Onlinern entgegen hält, sie würden die Menschen auf dem Weg ins digitale Neuland nicht an die Hand nehmen. Leider geht er in seinem Appell nicht darauf ein, welche Mehrarbeit die digitale Totalverweigerung inzwischen bei Mitmenschen im Alltag verursachen kann. Zur besseren Differenzierung sind im Folgenden stets „dezidierte Offliner“ gemeint, d.h. Menschen, die sich bewusst gegen die Nutzung digitaler Tools entscheiden.

Diese Diskussion kommt uns bekannt vor; sie wurde bereits vor Jahren unter der teilweise auch zweckentfremdeten Begrifflichkeit des „Digitalen Maoismus“ geführt und mündet aktuell um die Debatte des Soziologen Harald Welzer, der in seinem Buch über die angebliche „Smarte Diktatur“ referiert (wie immer in solchen Kontexten frage ich mich, wie diese dezidiert offline lebenden Menschen ihre Kompetenz zur Beurteilung digitaler Logiken erlangt haben).

Digitale kämpfen nicht mehr gegen dezidierte Offliner; sie lassen sie in ihrer Irrelevanz zurück

@derPeder schreibt, den Digitalen würde die Luft ausgehen, weil sie gegen Offliner kämpfen würden, dass man sich über Menschen, die gerade mit dem Bloggen anfangen, lustig machen würde, dass sich die Digitalen in ihre Filter-Bubble zurückziehen würden und dass das Wissensmanagement in Institutionen in Folge der Digitalisierung auf der Strecke bleiben würde. Dies ist ein bunter Strauß von Kritik, der aber natürlich eine nähere Betrachtung verdient. Er endet mit dem Hinweis: “Was aber sicherlich nicht hilft, ist der derzeit häufig zu erlebende Kampf der digitalen Vordenker gegen die Offliner”.

Dem kann man nun entgegen halten,

  • dass diese Kritik von einem Debattenstand ausgeht, den wir so gar nicht mehr aktuell vorfinden. Die Zeiten, in denen Onliner gegen dezidierte Offliner „kämpfen“, sind längst vorbei. Die relevante Netzdebatte findet dort statt, wo sie hingehört: nämlich ins Netz und nicht in den Blätterwald dieser Republik. Es hat sich längst eine digitale Kultur herausgebildet, die mit den Ritualen der offline lebenden wirtschaftlichen und politischen Entscheider kaum noch etwas zu tun hat. Oder könntet ihr euch vorstellen, dass Zetsche und Merkel auf Twitter über ein neues E-Klassemodell twittern?

  • dass, wenn Menschen mit dem Bloggen beginnen und sich im ersten Text gleich sehr kritisch mit der digitalen Kultur auseinandersetzen, man sich nicht wundern muss, wenn einem Kritik aus dem Wald, in dem man gerade so hineingerufen hat, auch wieder entgegen schallt. Dies ist keine Eigenart des Digitalen, sondern soziales Grundprinzip von Gruppen gegenüber neuen unbekannten Mitgliedern dieser Gruppe.

  • dass die Diskussion um die Filter-Bubble hierzulande bereits im Jahre 2011 intensiv von @mspro angesprochen worden ist. In Offline-Runden des letzten Jahrtausends nannte man diese übrigens nicht “Filter-Bubble” sondern “Kamingespräche”. Der Unterschied zu heute: Man kann sich, wenn man offen ist, jede Filter-Bubble einmal selbst ansehen. Das war bei den Kamingesprächen nicht möglich.

  • dass der Terminus „Wissensmanagement“ ein Ansatz aus der Welt der alten Arbeit ist und die Vorstellung beinhaltet, man könnte Wissen von oben nach unten steuern und verwalten.

So unterschiedlich kann die Wahrnehmung der Debatte um das Verhältnis von Off- und Onlinern sein. Gäbe es diesen Kampf der Digitalen gegen die Offliner, so hätte es wohl nicht ein neues Cluetrain Manifest geben müssen.

Digitalisierung: Flucht nach vorn statt Warten auf die Letzten

Nun beschreibt die obige Vereinssituation sicher nicht eine existenziell bedrohliche Situation. Sollten wir die Debatte um den Widerstand so vieler Menschen in dieser Republik, sich der digitalen Welt gegenüber offen zu zeigen, auf sich beruhen lassen? Ich glaube, dass wir im Interesse der Menschen, unserer Gesellschaft und des Überlebens der hiesigen Unternehmen auf dem Weltmarkt uns ganz im Gegenteil diesem Problem offen stellen müssen.

AlphaGo hat gezeigt, dass wir in einem Stadium der Entwicklung von entscheidungsfähigen Techniken angelangt sind, in dem wir diese Entscheidungen gar nicht mehr nachvollziehen können. Wäre es deshalb nicht an der Zeit, die hinter Algorithmen stehenden Entscheidungslogiken einer kritischen Prüfung zu hinterziehen?
Wie wollen wir die technischen – jedoch politisch relevanten – Experimente der Betreiber von Facebook denn überhaupt kritisieren, wenn wir von vornherein deutlich machen, dass wir mit “diesem Facebook” nichts zu tun haben wollen. Wie wollen wir die digitale Durchdringung unseres Alltags sachlich fundiert kritisieren, wenn wir wie im Fall von Harald Welzer digital gar nicht unterwegs sind? Wie wollen wir Überwachungsmechanismen wie die des persönlichen Risk Scores überhaupt verstehen und verhindern, wenn wir immer wieder von vorn anfangen müssen zu erklären, was ein “Score” im Netz überhaupt sein kann? Wollen wir die Beurteilung juristischer Streitfälle, die existenzbedrohend sein können, durch Algorithmen dadurch verhindern, dass wir die Anwendung solcher digitaler im traditionellen Sinne grenzenloser Tools auf dem Staatsgebiet der Bundesrepublik verbieten?

Diese Verweigerungshaltung von bisher relevanten Akteuren in Wirtschaft und Politik gegenüber der digitalen Welt hat bereits volkswirtschaftlichen Schaden angerichtet (Stichwort z.B. Störerhaftung). In der politischen Sphäre hat sich Deutschland bis vor kurzem geweigert, der Open Government Partnership beizutreten. Die Verweigerungshaltung auf betrieblicher Ebene hat zu krisenhaften Zuständen in der deutschen Autoindustrie geführt, die plötzlich als altbacken im Vergleich zu Tesla und Co. erscheinen. Wenn hochbezahlte Manager und Vorstände immer noch nicht – und das trotz des Vorliegens etlicher Studien – begriffen haben, dass die Digitalisierung ein Thema für sie sein könnte, sind sie fehl am Platze

Und schließlich: Können wir es uns wirklich noch erlauben, auch auf die letzten digitalen Verweigerer zu warten, die den Geruch eines Buches immer noch höher einschätzen als die Frage, wie ihre Kinder in der digitalen Zukunft eines globalisierten und hoch technisierten Arbeitsmarktes überleben können?

Wir spüren den kalten Atem des Algorithmus im Nacken

Eine kürzlich vorgestellte Delphi-Studie (alle Inhalte CC) zur Zukunft der Arbeit hat die dramatischen Umwälzungen, denen wir uns im Bereich Arbeit und Bildung in den nächsten Jahren dringend und offensiv stellen müssen, beschrieben:

  • “Tech unemployment will accelerate when AI masters vision and how to learn

  • Everything that can be automated will be

  • We will see the rise of human tech symbiosis

  • There will be no plateau in which human labor will have a chance to catch up.

  • We are currently developing a second intelligent species which humans simply cannot compete with. Has far more capability and less cost than humans.

  • The current leaps in automation and AI will not „plateau“. That is the key dynamic we absolutely must address. Never in the history of mankind has the technology itself been so free of man to improve itself”

Halten wir uns angesichts dieser Perspektive nochmals vor Augen, was der Text von @derPeder einfordert; er fordert die menschliche “Abwärtskompatibilität” im Miteinander. Es ist nie gesagt worden, dass eine Unterstützung von Menschen, die das Digitale bei der Arbeit oder im Privatleben verstärkt nutzen wollen, denen aber anfangs die entsprechende Kompetenz fehlt, durch Onliner ausbleibt; ich habe nirgendwo mehr Hilfsbereitschaft erlebt als in nerdigen oder netzaffinen Communites! Geht einfach auf die Nerds oder die von euch als nerdig wahrgenommenen Menschen, Kollegen oder Freunde zu und fragt sie. Denn die vom Delphi aufgeworfenen Szenarien zeigen schließlich den drängenden Handlungsbedarf der Anpassung an veränderten Arbeitsweisen.

Es muss jedoch auch die Bereitschaft zur Offenheit, zum Eingestehen des eigenen Beginner-Status im digitalen Bereich und zum Anpassen an veränderte Arbeitsweisen vorhanden sein. Diese Offenheit erlebe ich aber gerade bei politischen und wirtschaftlichen Entscheidern in den seltensten Fällen. Steht diesen dezidierten Offlinern vielleicht am Ende eher die eigene Eitelkeit und weniger der digitale Enthusiast im Weg? Das sollten wir herausfinden.


Image Geschäftspartner by Unsplash (CCo Public Domain)


Weiterlesen »

„Medium“ will das Online-Publizieren vereinfachen

black-and-white-man-person-hands (adapted) (Image by www.Pixel.la Free Stock Photos [CC0 Public Domain] via flickr)

WordPress macht, wie Marie Kondo so schön sagte, keine Freude. Wenn ich mich einlogge, sehe ich eine Serie von Modulen, die ich nie benutze, und elf Plug-Ins, die aktualisiert werden müssen. „Medium“ will uns von diesem unansehnlichen digitalen Chaos befreien. Auf einer Veranstaltung, am Donnerstag in New York, haben CEO Ev Williams und andere Medium-Vorstandsmitglieder die Firma mehrmals als Stadt bezeichnet – und zwar als eine neue, die von Grund auf neu errichtet worden ist. „Es ist eine zu einfache Ansicht wenn man sagt‚ geh dahin, wo die Leute sind“, sagte Williams. „Man muss dahin gehen, wo die richtigen Leute sind.

Wer sind also diese richtigen Leute? Die Sprache von Grundstückauflistungen war schon immer unklar. Bestimmte Floskeln, beispielsweise die Erwähnung eines Schuldistrikts, können dem Gesetz nach als diskriminierend angesehen werden (obwohl neue Immobilienfirmen wie Redfin sich davon nicht irritieren lassen und die Benutzer direkt nach diesen Informationen suchen lassen). Die „richtigen Leute“, die hier gemeint sind, sind – natürlich – nicht weiße Leute, oder Männer, oder Repräsentanten der alten Veröffentlichungs-Elite, obwohl all diese Gruppen reichlich in der Liste von Mediums Gründungspartnern vertreten sind. Stattdessen sind die Bekanntmachungen der Woche voll von Lockversuchen, die an bestimmte Gruppen der Internetelite gerichtet sind, und zwar die, die Trolls und Trump hassen und wollen, dass Twitter etwas gegen Belästigung tut und die, die von ihren Followern eine bestimmte Dosis Intelligenz erwarten. Wir sind diejenigen, die gegen die Twitter-Geschichte der New York Times über Gay Talese gewettert und uns über Mashables LinkedIn Kündigungsbekanntmachung lustig gemacht haben. Und, um ganz offen zu sein, wenn ich „wir“ sage, schließe ich mich selbst mit ein. Ich schrieb den Anfang dieses Posts in einem Café in Flatiron, in das ich gegangen bin, nachdem ich online gelesen habe, dass es Avocado-Toast und kalt gebrühten Kaffee serviert. Ich bin diejenige, die von diesen Redfin-Schuldistriktauflistungen besessen ist. Letztes Jahr habe ich mit „Medium“ darüber geredet, eine Veröffentlichung in die Wege zu leiten, und das würde ich nebenbei immer noch gerne tun. Ich beschwere mich über die eintönige Wand-zu-Wand Tapezierarbeit in unserer Mietwohnung. Ich will in die Stadt von Medium ziehen. Mit dem Start von neuen Veröffentlichungswerkzeugen diese Woche – einschließlich solcher, die eine Monetisierung erlauben – und der Bekanntgabe, dass mehrere bereits existierende Web-Publisher, einschließlich The Awl, mit ihren Seiten zu Medium umziehen – „bauen wir wirklich eine neue kommerzielle Zone in unserer Stadt.“, sagte Williams.

„Was wir in den letzten 20 Jahren im Internet beobachtet haben, ist eine Umgebung in der Feedback Quantität über Qualität getrieben hat. Es ist einfach nicht die klügere, weisere Welt, die wir sehen wollten, als wir vor langer Zeit mit dem Internet angefangen haben.“

Es ist nicht sonderlich überraschend, dass Medium in Immobiliendimensionen denkt, wenn es um das Internet geht. Die Firma wurde in San Francisco gegründet und hat eine stetig wachsende Anzahl von Angestellten in New York – zwei der teuersten Städte der Welt, beide mit Anwohnern gefüllt und im Angesicht einer Wohnungskrise. Die kleinen Publisher und unabhängigen Autoren, die Medium anzulocken hofft, leben wahrscheinlich in kleinen, dunklen, überteuerten Wohnungen. Doch wenigstens online bietet Medium ihnen ausreichend hell erleuchteten Platz und das Erforschen neuer Räume. (Mediums Bekanntmachung kam in derselben Woche, in der wir Artikel über den Plan von Google, eine Stadt aus dem Nichts zu erbauen, lesen konnten.)

Sogar 15 Jahre nach Blogger ist es immer noch schwer, im Internet zu veröffentlichen.”, sagt Edward Lichty, Mediums Direktor für Konzernentwicklung und Strategie.

CMS sind nicht so toll. Wenn du dein Haus bauen willst, musst du das löchrige Dach reparieren. Und du musst Geld machen. Mit dem, was gerade im Werbegeschäft abgeht – inklusive  sinkender Preise und der Wirkungslosigkeit von Bannerwerbung und Adblockern – ist diese Umgebung sehr hart für viele Leute in der Welt der Veröffentlichungen.

Mediums neue Werkzeuge und Technologien sind der Traum jedes Mieters: Der nervige Alltagsärger wurde für dich beseitigt. „Es gibt keinen Grund sich Sorgen um diesen einen Viralen Post zu machen, der die Seite zum Abstürzen bringt.“, sagt Ingenieur Jamie Talbot. „Medium ist extrem gut darin, große Produkte zu bauen.“ Das Weiße Haus hat zum Beispiel beschlossen, die „State of the Union-address“ auf Medium zu veröffentlichen „und das quasi ohne irgendeine Vorwarnung.“ Die Server konnten den Verkehr aushalten. Es ist ein bisschen wie ein Arbeitsplatz im Coworking Space  – oder sogar ein Co-living Space, also zu Hause. Die Publikation „The Billfold“ von Awl sorgte sich darum, ob sie ihren Googlerang bewahren könne, als sie mit ihren Inhalten zu Medium gewechselt sind. Das Team hat sich darum gekümmert: Sie haben einen Weg gefunden, SEO zu behalten, wenn man eine Seite verschiebt. Mit jeder geplanten Gemeinschaft kommen Sorgen über Homogenität. Auch wenn die Posts auf Medium nicht alle gleich sind (wenn die Idee ist, dass sie sich von, sagen wir, Facebookposts durch Qualität und dem veränderten Diskurslevel unterscheiden sollen), werden sie alle ähnlich aussehen. Ich habe diese Woche mitbekommen, wie einige dieser Bedenken auf Twitter geäußert wurden – obwohl ein Teil der Angst darin zu bestehen schien, dass qualitativ niedrige Web-Publisher die Plattform nutzen könnten, um sich selbst eleganter und vertrauenswürdiger erscheinen zu lassen, als sie tatsächlich sind:

Vorstandsmitglieder von Medium versuchten einige dieser Sorgen über Gleichheit im Keim zu ersticken, indem sie betonten, das Publizisten ihre Präsenz auf Medium zu einem gewissen Grad individuell einrichten können. Wie beispielsweise „The Awl“ in seinem neuen Zuhause auf Medium. „Man bemerkt das Medium Front- und Mitteldesign gar nicht mehr, wenn man die Seite besucht.“, sagt Designer Erich Nagler. „The Awl steht hier im Mittelpunkt.“ Und doch kann man Farbe, Layout und Logo auswählen. Es ist sehr viel schwerer, etwas zu erstellen, das schlecht aussieht, so richtig schlecht, wie richtig altmodisches Internetdesign. Man kann nicht auswählen, den Seitenrand kaputt zu machen, oder die Schriftart zu verschlimmbessern oder zu wenig Platz zwischen einem Bild und einer Textzeile zu lassen. Darüberhinaus sind Publisher, die noch an bestimmten Überresten des älteren, chaotischeren Internets festhalten – so einige Kommentare – mit einer Entscheidung konfrontiert: Sie können einziehen, müssen aber einen großen Teil ihrer alten Einrichtung loswerden.

Man kann auf Medium kommentieren, aber es wird entweder am Seitenrand des Posts angezeigt, via Markierungen oder als getrennte „Antwort“ oder Konversation. Man kann keine chaotische, mit Trolls gefüllte Kommentarbox am Ende des Posts haben, selbst dann nicht, wenn man das gerne möchte. Medium hat ein Werkzeug für Blogger gebaut, die mit ihrer Seite von WordPress umziehen wollen. Sie werden nicht von WordPress gehostet? „Wir haben ein Migrationsteam. Kontaktiere uns, und wir finden eine Lösung.” Medium hat in zwei Tagen bereits 200 Bewerbungen für sein Beta Publisher-Programm erhalten. Das ist ein Ort, an dem viele Leute gerne leben würden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „black-and-white-man-person-hands“ by www.Pixel.la Free Stock Photos (CC0 Public Domain)


Weiterlesen »

Internetzensur – Von schwarzen Seiten und Pistolen auf Vorrat

censorship (adapted) (Image by stevepb [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Die Warnungen kamen früh – als das erste Gesetz für Internetsperren in Russland durch die Duma ging, protestierten breite Teile des russischen Netzes. Nutzer beschwerten sich, Wikipedia stellte die Seite aus Protest für einen Tag schwarz und die größte Suchmaschine – das Google-Pendant Yandex – strich im Slogan “Es findet sich alles” das Wort “alles”.

Das Gesetz richtet sich gegen Kinderpornografie, Anleitungen zum Suizid und der Verherrlichung von Drogenkonsum. Vor gut drei Jahren trat es in Kraft und vor ein paar Monaten schaffte es die Medienaufsicht, die Wikipedia wegen eines einzigen Artikels über eine völlig unbekannte Form von Haschisch, “Charas” genannt, für ganz Russland zu sperren – wenn auch nur für 18 Stunden. Doch bereits diese Zeitspanne versetzte der Internet-Öffentlichkeit viele kleine Stiche. Dieses Gesetz und jedes, das darauf folgte, gab der Behörde weitreichende Befugnisse in die Hand.

Die internationale Nichtregierungsorganisation “Freedom House” hatte Russlands Internet im vergangenen Jahr von “teilweise frei” auf “nicht frei” herabgestuft. “Die Freiheit im Netz hat sich stetig verschlechtert, mit einem massiven Niedergang von 2013 auf 2014”, heißt es in dem Bericht.

Die Stimmen im Internet

Der Moskauer Blogger Oleg Kosyrew würde das sofort unterschreiben: “Inzwischen ist es gefährlich, seine Meinung zu ganz verschiedenen Themen im Internet zu äußern, ob zu Politik, Religion oder Geschichte.” Er ist eine der Stimmen im russischen Netz – eine kritische Stimme. Oleg Kosyrew berichtet auf seinem Blog, wenn jemand Spenden für Medizin braucht, wenn er dem Wahlaufruf von kleinen liberalen Parteien aus der Opposition mehr Reichweite geben will oder zu Jahrestagen wie kürzlich zur Annexion der Krim. Das Wort “Annexion” hatte er allerdings vermieden. Allein das Wort könnte ihm den Vorwurf des “Extremismus” einbringen. Bei einer Anklage droht ihm eine Haft von bis zu fünf Jahren.

Seit den frühen Warnungen und den Protesten gegen ein einzelnes Gesetz, das so oder so ähnlich auch in anderen Ländern Europas existiert, hat die Regierung Putin das Regulierungssystem massiv ausgebaut. “Wir haben ein autoritäres Regime. Die Macht versucht, den Druck punktuell auszuüben”, ist Blogger Oleg Kosyrew überzeugt. Tatsächlich nehmen die Behörden in der Praxis nicht nur Illegales ins Visier, sondern auch die Öffentlichkeit als solche und mit dem Einzelnen stärker im Fadenkreuz als bisher. Aktivisten aus der Zivilgesellschaft, Blogger und Unzufriedene werden belangt, gesperrt und besonders hervorstechenden Fällen stehen harte Strafen bevor. Das dokumentiert die Nichtregierungsorganisation Agora, die sich genauso für Freiheit im Netz einsetzt wie Sowa, dem  unabhängigen Analysezentrum für Extremismus.

Drei Beispiele

  • Eine allein erziehende Mutter aus Jekaterinburg wurde zu 320 Stunden Strafarbeit verurteilt. Angeblich hätte sie Hass und Feindschaft gegen “Russen als nationale Gruppe” sowie freiwillige russische Kämpfer entfachen wollen. Ihr Vergehen: das Teilen kritischer Posts zum Vorgehen des Kremls in der Ukraine auf dem Facebook-Pendant “VK” (vkontakte, zu Deutsch: in Kontakt). Zudem hatte sie die Seite des nationalistischen “Rechten Sektors” abonniert.

  • Eine linke Aktivistin aus Krasnodar muss zwei Jahre in Haft sitzen, weil sie ironisch protestierte und forderte, dass sich die südrussische Kuban-Region der Ukraine anschließen solle. Das Gericht wertete das als “Aufruf zur Verletzung der territorialen Integrität Russlands”. Die Menschenrechtsorganisation “Memorial” zählt sie jetzt als politische Gefangene.

  • Die Seite der russischen Organisation für den Schutz von Verbraucherrechten OZPP ging ohne richterlichen Beschluss aus dem Netz. Sie empfahl Touristen mit Verweis aufs internationale Recht, auf der Krim das ukrainische Gesetze zu beachten. Die Organisation blieb offline, bis die Notiz gelöscht war. Der Vorwurf lautete: “Aufruf zu extremistischer Tätigkeit”.

Allein solche Fälle, die angeblich als Extremismus verfolgt werden, hat das Sowa-Zentrum in seinem Bericht für das Jahr 2015 dutzendfach dokumentiert, am häufigsten finden sich hier Sperren und Verwarnungen. Oft gibt der Ukraine-Konflikt mit Freund-Feind-Schemata die Koordinaten vor. “Unrechtmäßiger Antiextremismus” nennen die Experten das Vorgehen der Behörden. Wer oder was darunter fallen kann, ändere sich “je nach politischer Situation oder gesellschaftlicher Stimmung”. So wurde zum Beispiel auch bei einem landesweit für Schlagzeilen sorgenden Fernfahrer-Streik eine Webseite geblockt. Der Grund dafür war, dass sie die Aktion angekündigt hatten – so etwas gilt schnell als “Aufruf zu Massenunruhen”.

Das Ziel sei einerseits, gegen unliebsame Stimmen vorzugehen, andererseits die Mühlen der “trägen Bürokratie” zu mahlen – damit sind nennenswerte Zahlen, die ausgemachte und angebliche Extremisten repräsentieren, gemeint. Unter Kritikern ist dieses Vorgehen als “Checklisten-System” verschrien – abhaken, Soll erfüllt und fertig. Auch die Denunziation erlebt dabei eine Renaissance, wie das russische Online-Magazin “Meduza” aus dem Exil in Riga aufzeigt.

Als das Urteil für die Aktivistin Darja Poljudowa aus Krasnodar vor wenigen Tagen gerichtlich bestätigt wurde, wünschte ihr Oleg Kosyrew die Freiheit und twitterte seinen rund 70.000 Followern entgeistert: “Erstmals in Russland, zwei Jahre Haft für eine Witz-Aktion.”

 

Eigentlich müsste er sich laut Gesetz wegen seiner enormen Reichweite längst offiziell registriert haben. Er wäre somit analog zu Massenmedien für Verleumdung oder Schimpfwörterverbot haftbar und müsste eine  Vorratsdatenspeicherung der auf seiner Seite abgegebenen Kommentare veranlassen.

Wie die meisten Blogger, die etwas auf sich halten, hat er das jedoch nicht getan. Bisher ahnden Behörden das nicht, aber Warnungen gibt es derweil schon. Ilja Klischin, Chefredakteur des kleinen unabhängigen Internetsenders “Doschd”, nannte diese Regelung vor kurzem ein Gesetz auf Vorrat – wie “eine Pistole an der Schläfe”.


Image (adapted) „censorship“ by stevepb (CC0 Public Domain)

Weiterlesen »

Zurückgeklickt: Deutschlands erster Blogger

Netzine_Logo_Walter_Laufenberg_via_Netzine.de

Walter Laufenberg ist Schriftsteller und betreibt nebenbei seit 20 Jahren netzine.de, das erste Blog Deutschlands. Ein Interview. // von Hendrik Geisler

Noch vor dem Zweiten Weltkrieg wurde Deutschlands erster Blogger geboren. Walter Laufenberg kommt 1935 in Opladen zur Welt und ist Zeit seines Lebens ein Freigeist, der unter anderem als Fernsehreporter, Werbedirektor und freier Autor arbeitet. Am 3. Januar 1996 stellte er die erste Ausgabe seines Laufenberg Netzines auf netzine.de online. Das erste deutsche Blog war geboren. Ein Gespräch mit dem deutschen Urblogger über die Rolle des Internets, die Arbeit als digitaler Nomade und E-Mail-Newsletter. Weiterlesen »

Weiterlesen »

Kann der analoge Bürger durch Digitalisierung noch mündig sein?

Phone (Image: DariuszSankowski [CC0 Public Domain], via Pixabay).jpg

Erst die Digitalisierung ermöglicht den Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit, von dem Kant vor 200 Jahren geträumt hat. Leider scheinen wir das aufklärerische Potenzial des Netzes im Alltag zu übersehen.

Immer wieder bekomme ich bei meiner Arbeit, bei der es um die Auswirkungen der Digitalisierung auf verschiedene Lebensbereiche geht, von Menschen, die sich als “intellektuell” bezeichnen würden, zu hören, dass neben all den Büchern, Nachrichten und Sitzungen keine Zeit mehr bestünde, um sich auch noch mit diesen sogenannten sozialen Medien zu beschäftigen und dort aktiv zu werden (Deutschland ist das einzige “entwickelte” Land, in dem höher Qualifizierte diese Medien eindeutig weniger stark nutzen als geringer Qualifizierte).

Wenn ich dann erwidere, dass es mir mitnichten um das Posten von Belangslosigkeiten bei Facebook & Co. gehe, sondern um das tägliche Informieren mit Hilfe der im Netz befindlichen Inhalte, blicke ich meist in überraschte oder verständnislose Gesichter. Die Idee, dass das Netz der eigenen Information diene und damit über die Interpretation durch tradierte Gatekeeper hinausgehe, scheint immer noch nicht in den Köpfen angekommen zu sein.

Der Glaube – vielleicht an dieser Stelle ein Spezifikum der Generation jenseits der 40 Lebensjahre – dass das “echte” Wissen nur in den Büchern des Wohnzimmerregals zu finden sei, dass nur dann eine ausreichende Informationsbasis für einen Diskurs vorliege, wenn ich mich durch die 500 Seiten eines gerade angesagten (Sach-) Buches gearbeitet habe, dass erst die Tagesschau ihren “Stempel” auf eine Nachricht gedrückt haben müsse, damit sie akzeptiert werde, dass nur in gedruckten Zeitungen (die ja systembedingt eigentlich immer über das Vergangene berichten) das wahre Leben abgebildet sei, ja dass nur traditionelle informationelle Autoritäten (Forschungsinstitute, Lehrer, Unternehmensleitungen, Minister, Ärzte, Verlage) in der Lage seien, eine (politische, wirtschaftliche, soziale, medizinische) Situation ausreichend kompetent beurteilen könne, ist in der analogen Bundesrepublik noch sehr stark ausgeprägt. So wurde ich im Rahmen einer Session bei der Vorstellung des Mappingprojekts der Wikimedia Deutschland zu Offenen Bildungsressourcen als erstes gefragt, welche Autorität denn die Qualität “überwache” (sic!).

Für eines der tradierten Rituale der analogen Republik steht beispielhaft das Format im Rahmen des ARD/ZDF-Morgenmagazins, in dem nahezu jeden Tag Journalisten eines Papiermediums die Titelblätter der anderen Papiermedien dieses Tages kommentieren. Als wenn der Titel eines Papiermediums stellvertretend für die Meinung jedes einzelnen Mitarbeiters dieser Zeitung stehe, als wenn die fünf bis sechs zitierten Zeitungen auch nur ansatzweise die Vielfalt dieser Republik abbilden könnten.

Hier wirken die pädagogischen Selbstverständnisse insbesondere der Öffentlichen Rechtlichen, die damit ganz einfach die Rituale der Bonner Nachkriegsrepublik nicht abzulegen scheinen wollen, in der es für die politischen Akteure noch maßgeblich gewesen ist, was Redakteur Müller in seinem General-Anzeiger zu einem Punkt der politischen Agenda kommentiert hat. Dieser pädagogische Medienansatz trifft auf passive Mediennutzer, die auf der anderen Seite des Bildschirms aber auch froh darüber zu sein scheinen, dass sie eine vorgefertigte Interpretation frei Haus geliefert bekommen, für die sie keine weitere Arbeit aufwenden müssen.

Dabei würde die regelmäßige Lektüre ausländischer Online-Medien, Themenblogs, Reddit & Co. oder den sozialen Medien schnell zu der Erkenntnis führen, dass die uns vorgesetzten Mainstream-Informationen darüber, wie wir die Welt zu interpretieren haben, weder aktuell, noch nachhaltig oder noch wertfrei sind. Hierbei geht es jetzt nicht darum, den Medien (im weiteren Sinne als Träger von Informationen) eine bewusste Irreführung zu unterstellen. Es geht vielmehr darum, sowohl auf Seiten der Nutzer von Informationen und Medien wie auch auf Seiten der Medienanbieter endlich zu verstehen, dass es einer anderen Form der Vermittlung und des Suchens von Informationen bedarf.

Die Debatte über die zukünftige Rolle von Journalisten und Medien ist dabei ja gar nicht neu. So hatte Glenn Greenwald auf dem Chaos Computer Congress  im Jahre 2013 bereits auf diese veränderte Funktion der Vermittler von Informationen und Interpretationen hingewiesen und ist dafür auch von den tradierten Medien (Die ZEIT sprach davon, dass Greenwald eine “Grenze überschritten habe”. Zum Glück war es nicht der Rubikon.) sogleich gescholten worden. Hauptvorwurf an Greenwald war, dass sich Journalisten an der Maxime der “Objektivität” orientieren müssten und nicht zu “Aktivisten” werden dürften, während Greenwald sehr viel ehrlicher argumentierte, dass es eine solche Objektivität nicht geben könne und dem Leser direkt vermittelt werden müsste, dass der Journalist und Blogger sehr wohl für Werte einstehe und dies auch der Behandlung des Themas einfließen lasse.

Immanuel Kant hatte bereits 1784 mit Blick auf die Aufklärung sein Paradigma des aufgeklärten Menschen formuliert:

“Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.”

Wird es demnach nach 230 Jahren nicht endlich Zeit, sich seines Verstandes ohne Anleitung eines anderen zu bedienen? Wie soll aber der Gang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit vonstatten gehen, wenn ich mich als Bürger einer Demokratie weiter nur nach den Tagesschau-Nachrichten, den immergleichen Teilnehmern der unsäglichen Talkshow-Formate, der einen lokalen Papierzeitung, der Bestsellerliste des Spiegel, dem seit 20 Jahren gleichen und einzigen Hausarzt, zwei großen Volksparteien, dem seit 10 Jahren regierenden Bürgermeister meiner kleinen Stadt richte? Provokant gefragt: Kann ein solcher analoger Bürger mündig sein?

Erst die Digitalisierung ermöglicht uns seit Jahren Informationen jenseits unseres kleinen nationalen Erkenntnishorizonts; das Angebot, sich jenseits der eigenen Kultur- und Sprachkreisen, der immer gleichen Logik der Volksparteien, der überschaubaren Nachbarschaft der eigenen Kleinstadt, der Wissenshorizonte der eigenen Lehrer an den Schulen zu informieren, wird aber nach wie vor kaum genutzt.

Dabei wird es höchste Zeit, dass sich der Bürger nach alternativen Formen der Informationsvermittlung (eine Meinung kann er sich schließlich selbst bilden) umschaut. Seit Jahren schrumpfen die Auflagen der bekannten medialen Gatekeeper, im englischsprachigen und skandinavischen Ausland sind bereits bekannte Zeitungen als Print-Ausgaben eingestellt worden. Aktuell stehen die TV-Sender am Beginn des Einbruchs ihrer Reichweiten, da der Trend zum Ausweichen auf Netflix & Co. immer stärker an Fahrt aufnimmt.

Readly.de und Blendle.de sind die nächste Schritte dahingehend, dass, wie ehedem die Abschaffung des Konzepts der “Alben” in Folge des iTunes-Modells, auch im Printbereich zukünftig komplette Zeitungen ebenfalls keinen Wert mehr haben werden, sondern der Nutzer aus einem Abo-Paket die für ihn relevanten Inhalte wird ziehen können. Die Schritte von medium.com, LinkedInPulse und Facebook zum Marketplace für News zu werden, sind nur weiterer Ausdruck dieses Umbruchs.

Das in seiner analogen Vergangenheit beständig gefangene Deutschland scheint aber weder auf Nutzer/Leser-Seite noch von Seiten der traditionellen Anbieter von Informationen auf diese Herausforderungen eingestellt zu sein. Was hätte Kant dazu gesagt?

Was kann nun aber getan werden, um die digital beförderte Aufklärung im Kant’schen Sinne weiter zu befördern? Ich persönlich habe gute Erfahrungen damit gemacht, die vermeintliche Informiertheit nach Nutzung der heimischen Traditionsmedien dadurch infrage zu stellen, dass ich auf sehr viel breitere Perspektive nach Lektüre von Online-Medien und sozialen Medien hingewiesen habe. Dass hiermit die Notwendigkeit einer sehr viel stärker eigenverantwortlichen Nutzung von Medien einhergeht ist selbstredend. Ich kann Medien nicht mehr passiv konsumieren, sondern muss mir Gedanken über die Qualität der Informationen, über deren Ausgewogenheit und Ursprung machen. Davon sind wir zur Zeit noch weit entfernt.


Teaser & Image “Phone” by DariuszSankowski (CC0 Public Domain)


Weiterlesen »

5 Lesetipps für den 21. Dezember

In unseren Lesetipps geht es heute um Blogger in Bangladesch, Trauer und Technologie, die Beatles, das WiderNet-Projekt und Internet. Ergänzungen erwünscht.

  • BLOGGER The New Yorker: The Islamist War on Secular Bloggers: Hierzulande läuft es oft alles andere als gut. Dies kann Motivation genug sein, sich über Zustände zu beschweren, Debatten über Alternativen zu führen und Missstände aufzudecken. Bloggen ist eine Möglichkeit dies zu tun, zumindest hierzulande. In Bangladesch ist dies leider nicht der Fall, wie ein Artikel von Samanth Subramanian zeigt. In Bangladesch wurden in den letzten Jahren mehrere säkulare Blogger von religiösen Extremisten getötet, auf offener Straße, oft ohne Einschreiten der staatlichen Behörden. Eine traurige Erinnerung, wie gut es uns in unserer Demokratie geht und wie sehr Menschen woanders nicht die gleichen Freiheiten geniessen, die heutzutage so selbstverständlich für uns sind.

  • TRAUER The New Yorker: The Ghosts in Our Machines: Technologien sind ebenso Teil unserer Gesellschaft wie der Tod, mit beiden Themen sollte man sich aktiv beschäftigen. Letzte Woche hat Jonathan Jong auf Netzpiloten.de fünf wissenschaftliche Erkenntnisse über den Tod vorgestellt; in New Yorker betrachtet Matthew Malady dein Einfluss von Technologien aufs Trauern. Er hatte seine verstorbene Mutter auf einem veralteten Bild in Google Streetview wiederentdeckt. Solche Erlebnisse können schön sein, zugleich natürlich auch traurig, sie sind aber Ausdruck, dass wir neue Erfahrungen des Trauerns mit neuen Technologien machen werden.

  • THE BEATLES Variety: The Beatles’ Music Will Soon Be Available to Stream: Ein mal wirklich besonderes „Weihnachtsgeschenk“ macht uns das Musiklabel der Beatles, denn endlich – endlich! – kommt die Musik der sogenannten Fab Four auf eine Streaming-Plattform. Bisher musste man diese selber hochladen, wenn man sie auch unterwegs innerhalb seiner Streaming-App hören wollte (zumindest ging das bei Google Music und Spotify). Welche Plattform das ist, steht noch nicht fest, aber die Rechteinhaber der Beatles-Musik verschlafen gerne digitale Trends um mehrere Jahre, weshalb man sich wohl schon freuen kann, dass sie endlich den Weg ins Streaming gewagt haben.

  • OFFLINE Mashable: Ironically, offline Internet could help bridge the digital divide: Althergebrachte Idee funkionieren oft auch noch heutzutage nahezu perfekt, wie das WiderNet Project beweist. Um den Zugang zu Informationen in nicht ans Internet angeschlossene Regionen zu verbessern, vor allem zur medizinischen Aufklärung, wurden die Informationen fast wie in einem Buch auf einen Chip niedergeschrieben. Dort sind sie auch veränderbar, sprich Anwender können eigene Informationen ergänzen. Die Informationen können bei Konnektivität aktualisiert werden, doch auch offline wirkt der Chip wie eine kleine Form des Internets. Ein tolles Beispiel, wie die digitale Lücke überwunden werden kann, um Menschen mit Informationen zu helfen.

  • INTERNET Scientific American: The Rich See a Different Internet Than the Poor: In einem Beitrag für Scientific American kritisiert Michael Fertik den Trend der Personalisierung von Daten als Manipulation unseres Nutzungserlebnisses im Internet, denn seiner Theorie nach entscheiden wir nicht selbstständig, was wir im Netz sehen, sondern werden von Werbung beeinflusst. Dies kann auch auf politische Gedanken ausgeweitet werden, denn Algorithmen beeinflussen den uns angezeigten Content. Wir sehen nur noch das, was ein Algorithmus denkt, dass wir sehen wollen. Vincent F. Hendricks wies vor Kurzem auf Netzpiloten.de auf die Gefahr der Social-Media-Blase hin, in der nicht die Wahrheit viral geht, sondern die Version, die der breiten Masse am besten gefällt.

CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

Nutze Netzpiloten 1-Klick: Mit nur einem Klick werden dir bequem alle 40 Sekunden die hier besprochenen Seiten „vorgeblättert“ START.

Weiterlesen »

Die Leiden der Instagram-Ehemänner

Perfect Photoshooting (Image by Zukiman Mohamad [CC0 Public Domain], via Pexels)

“Wir sind nur noch menschliche Selfie-Sticks” klagen sie – Ehemänner, die von ihren eigenen Frau für deren Instagram-Fotos ausgenutzt werden. Was ist dran am Vorwurf?

Die Frauen sind eindeutig die Stars von Instagram. Ihre Profile erhalten oft mehr Klicks als die von Männern. Mit diesem Trend scheint sich ebenfalls ein neues Phänomen zu entwickeln: Die Instagram-Ehemänner. Sie beklagen sich darüber, dass sie von ihren Eherauen lediglich als menschliche Selfie-Sticks gesehen werden und nur dazu da sind, um ihre Frauen auf Instagram in Szene zu setzen. Diese Männer haben sich nun auf der Seite instagramhusband.com zusammen getan, um auf ihr leidendes Dasein aufmerksam zu machen. Müssen wir diese Klagen tatsächlich ernst nehmen? Sind wir Frauen tatsächlich dominierende Instagram-Furien? Marinela Potor, Onlinejournalistin mit einem “Instagram-Freund” hat sich diesen Fragen gestellt.

Nach so vielen Jahren im Internet dürfte einen ja eigentlich nur noch sehr wenig überraschen. Von Videos mit Katzen, die Klavier spielen über Twitteraccounts von Jennifer Lopez‘ Hinterteil bis hin zu Unsterblichkeits-Utensilien – ich dachte, ich hätte schon so ziemlich alles gesehen. Bis ich vor Kurzem auf die Seite der frustrierten Instagram-Ehemänner gestoßen bin. Diese armen Männer der Schöpfung zeigen, was für ein trauriges Dasein sie hinter ihren Smartphones fristen – weil sie Fotos von ihren viel berühmteren und erfolgreicheren Instagram-Ehefrauen schießen müssen.

Ich kann mich ehrlich gesagt noch immer nicht ganz entscheiden, ob ich an dieser Stelle Mitleid mit diesen armen Ehemännern haben sollte, die zu Sklaven der Berühmtheit ihrer Frauen werden, ob ich einfach nur über diese humorvolle Kampagne lachen sollte oder ob dies eine neue erfolgreiche Entwicklung im Feminismus aufzeigt, in der die Frauen den Männern endlich mal sagen, wo es lang geht oder. (Wobei ich in diesem Punkt noch Zweifel habe, denn offensichtlich schlagen die Ehemänner aus ihrem Leiden auch ganz schön Kapital und die neue Netflix-Serie “Desperate Instagram Husbands” ist wahrscheinlich schon in Arbeit.) Grund genug, sich dieses Phänomen einmal genauer anzusehen.

Sind wir nicht alle ein bisschen Instagram-Husbands?

Während ich mich also durch die Fotos der Instagram-Ehemänner klicke, wird mir auf einmal schlagartig bewusst: Moment Mal, ich erkenne mich hier irgendwie doch sehr stark wieder! Ich habe zwar weder einen Instagram-Account noch einen Ehemann, veröffentliche aber sehr viel fürs Internet und habe einen Freund. Und wenn ich ganz ehrlich bin, legen wir doch ein Rollenverhalten an den Tag, das den Situationen in dem Video sehr ähnelt: Ich jage den Geschichten hinterher, mein Freund jagt mir mit der Kamera hinterher, stets meinen Anweisungen folgend. Die Parallelen sind ein wenig erschreckend. Habe ich mir etwa ebenfalls einen Instagram-Freund herangezüchtet?

Beispiel Eiskaffee

Instagram-Schnappschuss: Eiskaffee (Image: Marinela Potor)
Instagram-Schnappschuss: Eiskaffee (Image: Marinela Potor)

Als ich an einem Artikel für die Netzpiloten über meine Twitter-Sucht arbeitete, wollte ich ein Foto von meiner Eisschokolade auf Twitter posten. Doch irgendwie war besagte Eisschokolade allein nicht so fotogen. Daraufhin schnappte ich mir also auch noch den Eiskaffee meines Freundes, schubste ihn selbst zur Seite (er sollte ja nicht das Fotodesign stören) und verbrachte bestimmt knappe 10 Minuten damit, die beiden Getränke zu knipsen. Als er endlich wieder an seinen Platz durfte, hatte sich sein Eis komplett aufgelöst.

Beispiel Sandalen

Der Winkel muss stimmen: Griechische Sandale (Image: Marinela Potors Freund)
Der Winkel muss stimmen: Griechische Sandale (Image: Marinela Potors Freund)

Ich schreibe ebenfalls für ein Modeblog und hatte mir in den Kopf gesetzt, einen Artikel zu meinen neuen griechischen Sandalen zu posten. Selbstverständlich musste dazu ein Foto her. Ich drückte kurzerhand meinem Freund die Kamera in die Hand: “Mach mal!” Ich erinnere mich dunkel, dass mein Freund protestierte, weil er gerade mitten in einem wichtigen Arbeitsprozess war, aber was konnte an dieser Stelle wichtiger sein, als ein Foto von meinen Sandalen? Wir probierten es also mit Posen auf den Treppen, Fotos von oben, Fotos, in denen mein Freund auf dem Boden herumrobbte und schließlich Fotos im Garten. Als wir endlich einen guten Winkel entdeckt hatten, passte das Licht nicht. Geschlagene 30 Minuten später hatten wir endlich das Foto im Kasten. Mein Freund musste im Endeffekt seinen gesamten Arbeitsprozess von vorne beginnen – aber wir hatten ein gutes Foto geschossen!

Beispiel Feuerwerk

Nicht leicht zu fotografieren: Feuerwerk (Image: Marinela Potors Freund)
Nicht leicht zu fotografieren: Feuerwerk (Image: Marinela Potors Freund)

Ich hatte es mir in den Kopf gesetzt, Fotos zu einem Feuerwerk-Wettbewerb auf meinen Blog zu posten. Da wir dies das vorige Mal ziemlich versemmelt hatten, war ich diesmal bestens vorbereitet. Kamerabatterie war geladen, ich hatte Gartenstühle und Decken im Gepäck und wir waren eine Stunde vorher angekommen, um einen guten Platz zu erwischen. Sobald es dann losging musste mein Freund wieder als Fotograf herhalten. Jedes Foto wurde von mir sofort begutachtet: “Schatz, da stimmt das Licht nicht… Das da ist total verschwommen… Drück doch früher auf den Auslöser… Warum schaltest du nicht in den Nachtmodus?”. Nach 40 Minuten Fotografieren war ich endlich zufrieden – mein Freund konnte noch ganze fünf Minuten Feuerwerk ohne Knipserei genießen.

Die Gesellschaftskritik der Instagram-Ehemänner

Nach diesen Beispielen werde ich doch etwas nachdenklich. Sind die Instagram-Ehemänner tatsächlich ein emblematisches Problem in unserer Gesellschaft? Richten wir Frauen tatsächlich unsere Partner dazu ab, unseren Ruhm fotografisch in Szene zu setzen, ohne dabei Rücksicht auf ihre Gefühle und Wünsche zu setzen? Angesichts der Tatsache, dass Frauen tatsächlich mehr Erfolg mit ihren Fotos auf Instagram, Twitter oder auf Blogs wie Tumblr haben, werden Männer tatsächlich nur noch als menschlicher Selfie-Stick betrachtet? Diese Sichtweise ist sicher ein wenig überspitzt. Aber die Klagen der Instagram-Ehemänner weisen uns auf einige wichtige gesellschaftliche Punkte hin:

  • Virtuelle Realität ist inszenierte Realität.

  • Es gibt ein Machtverhältnis zwischen Fotografen und Fotomodellen.

  • Wer nur in einer Inszenierung lebt, verliert oft den Kontakt zu den Mitmenschen in seiner unmittelbaren Umgebung.

Das Phänomen der virtuellen Inszenierung unseres Lebens ist nichts Neues. Schon vor dem Internet wurden Fotos als Inszenierung erkannt und als solches vor allem in der Werbe- und Modeindustrie bewusst genutzt. Während uns aber bei einem Blick auf Hochglanzmagazine mittlerweile klar ist, dass hier vor allem Photoshop am Werk ist, wirken die Instagram-Fotos oft wie eine spontane Situation, ein Schnappschuss im Vorbeigehen. Doch das ist ein Trugschluss. Denn an guten Instagram-Fotos ist genau so wenig spontan wie realistisch.

Auch die Tatsache, dass sich dies geschlechterspezifisch in “Männer als Fotografen” und “Frauen als Fotomodell” teilt, ist so alt wie die Modeindustrie selbst und in dieser Branche sind es sicherlich nicht die Models, die den Ton angeben. Auch wenn die strikte Geschlechteraufteilung in Mann und Frau immer mehr aufgebrochen wird, in der Modebranche stehen aktuell immer noch mehr Frauen vor der Kamera und deutlich mehr Männer hinter der Kamera. Das hat weniger mit Instagram-Ehemännern zu tun, als mit der Werbeindustrie. Frauen können Produkte einfach besser verkaufen als Männer.

FeministInnen argumentieren daher auch, dass derjenige, der die Frau auf dem Foto betrachtet (durch die Linse oder auf dem Instagram-Account), die eigentliche Macht hat. Wenn sich dieses Machtverhältnis tatsächlich durch die energetischen Instagram-Ehefrauen verschieben sollte, beklagen die Heul-Ehemänner also eigentlich nur den Verlust ihrer Macht wie ein Fünfjähriger, dem man gerade seinen Lolli weggenommen hat.

Dennoch ist ihre Klage über ein ständiges Inszenieren unseres Alltags für die sozialen Netzwerke ernst zu nehmen. Ich bin nicht sicher, ob Frauen mehr darum bemüht sind gut in den Sozialen Medien auszusehen als Männer, aber in diesem Punkt sollten wir alle vielleicht doch auf die Instagram-Ehemänner hören: Wer sich zu sehr in seinen Foto-Inszenierungen verliert, schafft eine künstliche Welt, die wenig mit den Menschen in der unmittelbaren Umgebung zu tun hat und sogar enge Beziehungen zerstören kann.

Was können wir also von den quengelnden Instagram-Ehemännern lernen?

So überzogen die Instagram-Pantoffelhelden auch sein mögen, es gibt zwei Dinge, die wir von ihnen lernen können.

Erstens: Frauen (und Männer,) wenn ihr merkt, dass eure Beziehung sich vorwiegend um Fotos dreht, lasst mal ab und zu die Kamera Kamera sein und genießt einfach das Zusammensein mit eurem Partner. Zweitens: Instagram-Ehemänner, habt euch nicht so!


 “Photo” by Zukiman Mohamad (CC0 Public Domain)


Weiterlesen »

Blogger als Therapiegruppe für Vitalisierung der digitalen Denkweise

LenaSchillerClausen, Foto von Gunnar Sohn

Die so genannte Generation Y unterscheidet sich von den Babyboomern vor allem in einem Punkt: Sie will einen Arbeitsplatz, an dem sie eigene Ideen verwirklichen kann. // von Gunnar Sohn

Lena Schiller Clausen, Foto von Gunnar Sohn

Im Unterschied zu den älteren Generationen ist ihr das nicht nur wichtiger, sie ist mit der Verwirklichung dieses Wunsches in der Arbeitsrealität auch unzufriedener. Unternehmen sind also gut beraten, wie sie auf gerade diese Erwartung ihrer jungen Mitarbeiter besonders eingehen”, schreiben die Wissenschaftler Reinhard Schlinkert und Bernd Raffelhüschen im diesjährigen Glücksatlas der Deutschen Post, der in einer Bloggerkonferenz in Berlin vorgestellt und diskutiert wurde. In ihrem Vortrag geht Lena Schiller Clausen, Unternehmerin und Co-Autorin des Buches “New Business Order” noch ein paar Schritte weiter.

Die jungen Wilden als Gestalter

Die jungen Wilden wollen sich gestaltend einmischen. Die Etablierten in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft sehen die Digitalisierung eher als Bedrohung. Deshalb fungieren die Jüngeren auch als Transformationsdesigner wider Willen, so Lena Schiller Clausen: “Wir organisieren uns am liebsten als Netzwerk: anti-hierarchisch, dezentral, peripher und immer wieder wild durcheinander, wie ein Bienenschwarm, der sich ständig neu verdichtet.

Genau das haben viele Vertreter der älteren Generation noch nicht verinnerlicht, konstatiert das Notiz-Amt. Es geht nicht um Tools, Software und Gadgets, es geht um die Möglichkeiten der Mitwirkung mit den Möglichkeiten der digitalen Technologien.

Netzwerkkompetenz statt klassischer Karriere

Die Zukunft zeigt sich in der Gegenwart als Krise. Und die habe ich gerade auf einer Digitalkonferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung erlebt. Da sollte ich über die Zukunft reden und die Diskussion leiten, die damit endete, dass Führungskräfte besser ausgebildet werden müssten. Scheißdrauf, dachte ich mir, Du gehst gleich in Deine Therapiegruppe und das seid Ihr”, so die einführenden Worte von Lena in der Blogger-Runde.

Wir basteln ein wenig an der Qualifikation, lesen Kant und Konfuzius mit digitalem Sahnehäubchen und schwupp klappt es mit der netzökonomischen Ausrichtung von Organisationen. Die Teilnehmer beim Digikon-Treffen der politischen Stiftung, die fast alle so aussehen wie der alte Biolehrer von Lena, sind repräsentativ für die Positionselite in Deutschland. Sie beurteilen Menschen in erster Linie nach ihrer Fachkompetenz und ihrem Lebenslauf. Thomas Sattelberger nannte das auf der Next Economy Open Inzuchtsystem: Müller rekrutiert nur Müllerchen.

Die Vertreter der SPD-Denkfabrik dachten wohl, wie lange hat das Mädchen denn das Thema “Zukunft der Arbeit” studiert, um auf unserer Digitalkonferenz mitreden zu dürfen. Umgekehrt fragt sich Lena, wie viele XING-Kontakte die Funktionäre als Abbild ihres Biolehrers denn vorweisen können, um bei dieser Tagung herumhängen zu dürfen. Es gehe nicht mehr um klassische Karriereprofile, sondern um Kompetenzen im Netzwerkmanagement mit digitalen Werkzeugen.

Probleme aussitzen

Die Altvorderen setzen ihre Hoffnung darauf, die jungen Herausforderer zur Räson zu bringen, um beim großen Spiel der Großorganisationen mitspielen zu können. Sie haben die neue Logik des Netzes immer noch nicht verstanden.

Wenn wir Digitalisierung sagen, dann meinen wir nicht, dass jeder an seinem Arbeitsplatz ein iPad haben sollten. Wir sollten endlich anfangen zu denken wie das Netz. Wir sollten uns vernetzen, wir sollten aus Knotenpunkten und Datentransfers bestehen, die sich an bestimmten Stellen akkumulieren und immer wieder aus sich selbst heraus über Algorithmen erneuern”, erläutert Lena Schiller Clausen.

Open-Source-Kultur trifft auf die Krawattenfraktion

Wer mit Open-Source-Projekten und einer Kultur der Beteiligung sozialisiert wurde, wird mit der Krawattenfraktion im Konzernkapitalismus und den Biolehrern der Friedrich-Ebert-Stiftung wenig anfangen können. Das gilt auch umgekehrt. Deshalb ist es so rührend, wenn die Elite von Wirtschaft und Politik auf Kongressen von der digitalen Revolution überzeugt werden soll mit irgendwelchen Schock-Meldungen über traditionelle Branchen, die kurz vor dem Untergang stehen. Die Halbwertzeit dieser Botschaften hat ungefähr die Wirkung von Filmen über die Amputation von Raucherbeinen. Sie reicht bis zur nächsten Kaffeepause, in der man sich in aller Gemütlichkeit einen Glimmstängel anzündet und die Chefsekretärin am Handy zusammenscheißt, weil sie den Rückflug nicht schon umgebucht hat.

Wer mit BWL-Diplom oder MBA-Abschluss ins Arbeitsleben eintaucht, erfreut sich nach wie vor an den Spielregeln des alten Kapitalismus. Position bedeutet Macht, um Prozesse zu steuern, Budgets festzulegen, Ressourcen zu planen, von Synergien zu schwafeln, sich gut und weltweit führend aufzustellen, Zeit in Strategiemeetings zu verplempern und kritische Mitarbeiter rauszufeuern.

Die gallischen Dörfer der Deutschland AG

Die dezentralen Jedermann-Technologien der Digitalisierung bewirken sogar eine Verhärtung im Establishment: Man klammert sich fester an die warme Schürze einer überkommenen Denkschule. Die traditionellen Organisationen wirken auf die Netzszene wie gallische Dörfer, die nicht aufhören wollen, einem übermächtigen Eindringling Widerstand zu leisten. Auf die Führungskräfte der Deutschland AG sollte man keine allzu großen Hoffnungen mehr setzen. Selbstorganisation ist angesagt:

Wenn Selbständigkeit bis vor einigen Jahren noch bedeutete, dass man viel alleine arbeitete, bieten virtuelle und reale Netzwerke, Projektgruppen und Gemeinschaftsbüros heute eine Vielfalt an Kooperationsmöglichkeiten und den täglichen Kontakt zu Gleichgesinnten. Die neuen Strukturen sind keine steilen Organisationsdiagramme, sondern breite Netzwerke aus Schnittstellen”, schreiben Christoph Giesa und Lena Schiller Clausen in ihrem Buch “New Business Order”.

Nicht Untergebene werden gesteuert, sondern Märkte, Aufgaben und Inhalte, Kooperationen mit Mikrounternehmern, vernetzte Kunden, gleichgestellte Mitgründer und Unterstützer, mit denen man auf Augenhöhe spricht. Zudem lernt man das Scheitern. Acht oder neun Projekte gehen vielleicht in die Binsen. Beim zehnten Ding hat man aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und erntet die Früchte beim Auf-die-Schnauze-Fallen.


Teaser & Image by Gunnar Sohn.


CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

Weiterlesen »

Wie Blogfoster Werbung für Blogger leicht machen will

Blogvermarktung abseits von Google Adsense ist – gelinde gesagt – schwierig. Das gilt auch für Blogs mit hohen Zugriffszahlen. Die Situation hat sich in den letzten Jahren trotz immer mehr Menschen, die in Deutschland im Internet unterwegs sind, kontinuierlich verschlechtert. Simon Staib von Blogfoster glaubt, er kennt einen Ausweg. // von Lars Sobiraj

Blogfoster-Gründer Simon Staib (links) und Jan Homann (Image: Blogfoster)

Simon Staib (links im Bild) ist Mitbegründer von blogfoster und will den deutschen Markt für Online-Werbung umkrempeln. Unser Autor Lars Sobiraj hat ihn gefragt, was sein Angebot so signifikant vom Wettbewerb unterscheidet. Staib und seine Kollegen haben eine andere Strategie als ihre Konkurrenz gewählt und die ist tatsächlich neu: Niemand kennt die Webseiten besser, als die Betreiber selbst, deshalb haben bei Blogfoster die Blogger die Kontrolle über die ausgelieferten Anzeigen keine Algorithmen. Blogfosters könnte mittelfristig zu einem zweiten Google Adsense werden. Allerdings wird es die Google-Werbung nicht ersetzen, sondern lediglich sinnvoll ergänzen.

Lars Sobiraj (LS): Vielleicht magst Du zunächst Deinen beruflichen Hintergrund erklären. Was tust Du bei Blogfoster? Wie bist Du überhaupt zu diesem Projekt gekommen?

Simon Staib (SS): Mein Name ist Simon Staib, ich habe zusammen mit Jan Homann im Oktober 2013 Blogfoster.com gegründet. Bei Blogfoster habe ich vor allem drei Aufgaben: Zu verstehen welche Herausforderungen Blogger täglich in puncto „Geld verdienen mit dem Blog haben“, sicher zu stellen, dass Blogfoster dafür die beste Lösung baut und dass viele Blogger davon erfahren und Blogfoster nutzen.

Jan und ich sind seit 2012 in der Blogosphäre unterwegs, damals noch mit unserer ersten Firma stilanzeigen.net gestartet. stilanzeigen ist ein Anzeigen-Vermarkter für Blogs, das nur ein exklusives Werbeformat – die Stilanzeige – anbietet. Das war und ist für einige Blogs erfolgreich, wir merkten aber auch sehr schnell, dass jeder Blog individuelle Wünsche und Anforderungen an die Vermarktung hat.

Die Idee zu Blogfoster, einem Self-Service-Tool Lösung für Blogger war dann Ende 2013 geboren.

LS: 2007 gründete Spreeblick und Lobo die Blogvermarktung adical. Damit war es aber schon wieder nach kurzer Zeit vorbei. Wo sind die Unterschiede zu Blogfoster? Was hat Euch überhaupt dazu bewogen, Blogs vermarkten zu wollen?

SS: Adical hat vieles richtig gemacht und war vor allem sehr früh am Start – eventuell auch etwas zu früh. Das Thema „Blogs“ ist bei werbenden Unternehmen und auch Agenturen erst in den letzten zwei bis drei Jahren wirklich relevant geworden. Vor drei Jahren mussten wir Unternehmen noch erklären was ein Blog ist, das ist heutzutage nicht mehr nötig. Aktuell laufen wir hier wirklich offene Türen ein.

Bei Blogfoster legen wir sehr viel Wert darauf, dass der Blogger selbst über die Werbung bestimmen kann und jedes einzelne Banner, Sponsored-Posting und Produktlink selbst auswählt und mit seinen Inhalten abstimmt. Da agieren wir anders als alle anderen Anbieter, die Werbung in ihr Netzwerk pumpen bzw. Leser targeten. Wir haben schon bei stilanzeigen gemerkt, dass diese Form für viele Blogs besser funktioniert: Für den Werbepartner, für den Blogger selbst und vor allem für seine Leser.

LS: In den USA sieht die Lage für Blogger aufgrund der Anzahl der möglichen Leser deutlich positiver aus: Ab welcher Größe ist eine Vermarktung der Werbung eines Blogs überhaupt sinnvoll? Nico Lumma sprach vor Jahren schon, vor mehr als einer Million Zugriffe monatlich, damit es sich rechnet.

SS: Ob sinnvoll oder nicht, ist vor allem erstmal eine Frage fernab von Seitenaufrufen. Diese sollte jeder Blogger für sich beantworten. Natürlich kann man mit mehr Lesern auch mehr Einnahmen generieren, aber auch das gilt nicht uneingeschränkt. Wir messen immer wieder, dass gerade kleine und mittelgroße Blogs, die noch eine intimere Beziehung zu ihren Lesern haben, im Vergleich zu den Seitenaufrufen höhere Einnahmen erzielen als größere Blogs. Im Übrigen messen wir auch, dass diese im Verhältnis überwiegend eine deutlich bessere Werbeleistung bieten als die ganz Großen.

LS: Richtet sich Euer Angebot eher an thematisch breit aufgestellte Webseiten, oder vielmehr an Nischenblogs, wie z.B. Tarnkappe.info? Welche Voraussetzungen müssen die Teilnehmer erfüllen, um für die Kampagnen freigeschaltet zu werden?

SS: Thematisch spezifische Blogs haben den großen Vorteil, eine sehr homogene Leserschaft zu erreichen, die meist über die Blog-Inhalte klar definiert werden kann. Das sehen Werbepartner, vor allem mit zielgruppenspezifischen Kampagnen, sehr gerne, da Streuverluste vermieden werden können. Andere Werbepartner zielen auf die breite Masse. Blogfoster bietet Kampagnen für beide Arten von Blogs und erwartet auch keine Mindestanzahl an Seitenaufrufen pro Monat bei der Nutzung von Bannern. Bei Advertorials sollte natürlich eine gewisse Anzahl an Stammleserschaft vorhanden sein.

LS: Wie muss ich mir eine Teilnahme eigentlich vorstellen? Bekomme ich eure fertigen Plug-ins für WordPress an die Hand? Oder muss ich den Code händisch erstellen?

SS: Blogfoster funktioniert in etwa wie ein Online-Shop, nur für Werbung. Ich erstelle mir einen Account und kann dann frei auswählen, welche Banner ich schalte und für welche Sponsored-Content Kampagnen ich mich bewerbe. Bei den Bannern bieten wir an, einmal über Codes Werbeflächen in dem Blog zu definieren und danach können beliebig die passenden Banner per Drag and Drop aktiviert werden – das geht in Sekundenschnelle.

Wer keine Banner schalten möchte findet bei Blogfoster eine Übersicht an aktuellen Sponsored-Posting-Kampagnen, über die man sich informieren und danach für eine Teilnahme bewerben kann. Wichtig für uns ist, dass der Blogger in seinem Blogprofil mitteilt, für welche Kampagnen er sich interessiert und über welche Themen gebloggt wird – dann können wir besser Kampagnenvorschläge liefern.

LS: Wieso gibt es so wenige konkrete Anhaltspunkte im Internet, was man als Webseitenbetreiber für Online-Werbung verlangen kann? Offenbar ist dabei wirklich alles Verhandlungssache. Kannst Du uns ein paar konkrete Zahlen oder Informationsportale im Internet nennen, damit man als Blogger einen Anhaltspunkt hat, was man überhaupt verlangen kann?

SS: Eine pauschale Aussage ist kaum zu treffen. Das liegt vor allem auch an der Vielfalt in der Blogosphäre und der Werbelandschaft. Preise richten sich nicht nur nach dem Format, sondern auch an das Umfeld (über was schreibt der Blogger), über dessen Zielgruppe (wird der Blog eher von Frauen oder Männern gelesen), über dessen Traffic-Qualität (Stammleser oder Suchmaschinen-Traffic) etc. Es ist in der Tat Verhandlungssache, die unser Sales-Team bei Blogfoster für die Blogger in unserem Netzwerk übernimmt. Die Preise werden dann transparent in dem Blogfoster-Account dargestellt, so dass schon vor der Schaltung der Banner oder bei der Teilnahme von Sponsored Postings klar ist, wie und was vergütet wird.

LS: Die größte Hürde bei allen kleinen Anbietern ist der Wert, ab dem überhaupt Werbeeinnahmen ausgezahlt werden. Wieso zahlt ihr schon ab dem ersten Euro Umsatz aus?

SS: Dank unserer auf den Longtail ausgerichteten Technologie, können wir es uns leisten, auch „kleine“ Umsätze monatlich an Blogger in unserem Netzwerk auszahlen zu können. Wir halten das für fair und sind froh, uns damit von anderen Plattformen differenzieren zu können.

LS: Euer größter Konkurrent dürfte Google AdSense sein. Wodurch hebt ihr Euch von der Google-Werbung ab, die zwar wenig bringt aber nach der Einrichtung keine Arbeit mehr macht?

SS: Zu Google Adsense unterscheiden wir uns vor allem in einem Punkt: Kontrolle über die ausgespielten Werbemittel. Blogger entscheiden bei Blogfoster selbst, welche Banner-Werbung auf ihren Blogs rotiert. Bei Adsense ist das zwar auch möglich, aber nur auf Kategorie und nicht auf Kunden-/Kampagnen-Ebene.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Blogger den „Aufwand“, Banner per Drag and Drop zu aktivieren, gerne in Kauf nehmen. Außerdem stellen wir immer wieder fest, dass die Auswahl die der Blogger trifft, in den allermeisten Fällen deutlich treffsicherer in puncto Themen und Relevanz für den Leser ist, als jeder Algorithmus. Das schlägt sich dann auch in den Klickraten und weiter in den Einnahmen deutlich für den Blogger nieder.

LS: Was würdest Du Gegnern von Affiliate-Programmen entgegnen? Diese sind bei vielen kleinen Blogs unbeliebt, weil unklar ist, ob überhaupt etwas dabei rumkommen wird.

SS: Unsere Erfahrung, gerade mit kleinen Blogs, zeigt, dass diese mit clever gesetzten Affiliate-Links und Bannern oftmals höhere Einnahmen erzielen als mit TKP- oder CPC-Bannern auf ihren Seiten. Natürlich liegt das Risiko bei diesem Werbeprodukt voll auf der Seite des Publishers (Blogbetreibers). Aber: Mit Affiliate-Links und Produktdaten lassen sich für Blogleser meist ansprechende Produktwelten schaffen, die dann besser konvertieren (Umsätze bringen), als herkömmliche Affiliate-Banner. Dafür möchten wir mittelfristig auch Werkzeuge bereitstellen, um auch ohne technisches Fachwissen, beispielsweise eine Produkt-Collage erstellen zu können.

LS: Ich habe gesehen, ihr vermittelt auch Advertorials. Werden diese zumeist einmalig geschaltet? Wäre eine Wiederholung der gleichen Marke bzw. des gleichen Produkts/Dienstleistung nicht sinnvoller aber natürlich zugleich für den Werbetreibenden deutlich teurer?

SS: Es ist gar nicht so unüblich, dass Werbetreibende mehrere Advertorials auf den gleichen Blogs buchen. Beispielsweise berichten Blogger erst über den Auswahl- und Bestellprozess auf einem Online-Shop in einem Artikel und berichten dann in einem zweiten Post über das erhaltene Produkt. Wir fordern teilnehmende Blogs auf, so souverän wie möglich mit solchen Produkttests und Postings umzugehen und diese auch als solche zu kennzeichnen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass dabei die wertvollsten Artikel – und vor allem Reaktionen von Lesern – entstehen.

LS: Ist Blogfoster als Ersatz oder primär als Ergänzung der eigenen Vermarktung gedacht?

SS: Unsere Vision von Blogfoster ist, dass es das einzig nötige Tool für Blogger ist, um den Blog selbstbestimmt und effizient zu vermarkten. Das Anmelden bei fünf anderen Plattformen, um den richtigen Mix an Monetarisierungsmöglichkeiten zu bekommen, werden wir abschaffen. Aktuell bieten wir Affiliate-, CPC und TKP-Banner sowie Sponsored-Content-Kampagnen an.

Die ersten Beta-Tester nutzen schon unsere Affiliate-Linking-Tools, die wir Ende des Jahres veröffentlichen wollen. Trotzdem ist Blogfoster nicht exklusiv. Man kann gerne andere Monetarisierungsmöglichkeiten parallel laufen lassen und auch gerne direkt mit Werbepartner kooperieren. Diese Freiheit für Blogger halten wir für selbstverständlich und wollen das auch nicht einschränken. Langfristig möchten wir auch die Möglichkeit geben, Banner von selbst akquirierten Werbepartnern und Kooperation über Blogfoster in seinem Blog zu schalten. In diesem Fall geben wir dem Blogger die Möglichkeit, professionelle Reportings an seine Werbepartner liefern zu können.

LS: Ein Großteil der im Netz verfügbaren Artikel aus dem Bereich Marketing klingen überschwänglich positiv und sind gespickt von Buzzwords, die außerhalb der Werbewirtschaft niemand versteht. Wieso werden die Leser so selten im normalen Deutsch angesprochen? Befinden sich die Vermarkter etwa in einer Blase, innerhalb der ständig in dieser Form kommuniziert wird?

SS: Es stimmt, die Branche hat schon sehr starke Fach-Terminologie. Das merken wir immer auch bei Blogfoster, wenn wir Bloggern erklären, was ein CPC oder ein TKP ist. Wir hatten bei uns intern die Entscheidung, ob wir dafür Übersetzungen finden oder darauf hinarbeiten, dass Blogger die Fachbegriffe verstehen und damit ein professionellerer Umgang mit Vermarktung möglich wird. Das stärkt die Blogosphäre an sich, da Blogger und Vermarkter dann auf einer Ebene kommunizieren können.

LS: Wie hat sich der Markt in den letzten Jahren geändert? Welche Entwicklungen hälst Du für wahrscheinlich? Gehen die Preise aufgrund des Konkurrenzdrucks der Vermarkter weiter runter?

SS: Es ist Realität, dass sich die Preise für klassische Werbemittel, vor allem für Banner, nach unten entwickeln. Die sinkenden Preise liegen nicht unbedingt am Konkurrenzdruck der Vermarkter, sondern eher daran, dass die Budgets auf andere Werbeformate, bspw. Content- oder Programmatic-Formate verschoben werden. Gerade Ersteres ist für Blogger meist die bessere Alternative, vor allem hinsichtlich der Frage, welchen Mehrwert der Leser daraus ziehen kann. Blogs werden weiterhin die Plattform sein, auf der Werbekunden das wertvollste Autoren-Leser Verhältnis im Internet vorfinden.

Die Frage nach dem „besten“ Weg sich als Blogger zu monetisieren ist noch lange nicht beantwortet und muss vor allem jeder Blogger selbst für sich herausfinden. Blogfoster wird aber auf jeden Fall die Blogosphäre dabei begleiten.


Teaser & Image by Blogfoster


CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

Weiterlesen »

Nützliche Tipps zum Aufwerten von Bier-Fotografien

Wenn es eine Sache gibt, die Bierliebhaber noch mehr lieben als das Bier an sich, dann ist es das Posten der Fotos von ihrem Bier im Internet. // von Matthew Curtis

Berlin Beer Post 650x400

Ob es nun aktuelle Bilder der Getränke sind oder Fotos von der letzten Ausbeute, sie können nicht abwarten zu fotografieren und es sogleich auf einem beliebigen Social-Media-Kanal zu teilen. Aber wer kann es ihnen in der heutigen Zeit verdenken? Moderne Plattformen wie Instagram, Twitter und Pinterest bieten einem die Möglichkeit, seine Freunde innerhalb von Sekunden wissen zu lassen, was man gerade trinkt, egal wie weit man gerade voneinander entfernt ist.

Für das Schreiben über Bier bietet der Fotozusatz eine gute Methode, um den Inhalt zu vertiefen und zu verstärken. Das kann beispielsweise ein Foto als Ergänzung einer Bierbewertung sein. Desweiteren können Reisetipps mit Ortsfotos ergänzt werden oder die Bilder dienen im Allgemeinen einfach als Mittel, um lange Passagen eines Textes zu unterbrechen. Wenn das gut gelingt, wird es nicht nur die Verbindung zu den bisherigen Lesern verbessern, zusätzlich werden auch neue Leser dazugewonnen.

Es ist wichtig, sich Zeit für Fotos zu nehmen

Für mich ist Fotografie zu einem fundamentalen Teil des Schreibens über Bier geworden. Genauso viel Zeit wie ich für das Zusammenfügen des Textes aufwende, widme ich den Aufnahmen und dem Bearbeiten der Fotos. Das bedeutet zwar sehr viel Zeitaufwand, der sich aber wirklich lohnt. Jedoch war ich nicht immer auf diesem Stand, denn einige Posts von früher zeigen traurig fotografierte Bilder, die wenig oder gar keine Aussage beinhalteten. Sie waren schlecht gerahmt, oft war ich viel zu nah am Gegenstand und ich habe immer nur Flaschen von gebrautem Bier mit einem Glas, das einen anderen Markennamen enthielt, fotografiert – ein großer Fauxpas.

Der vielleicht größte Fehler meiner Fotografie wurde durch die unzureichende Lichtquelle verursacht, folglich wurden meine Aufnahmen grobkörnig und unfokussiert. Die Mehrheit meiner Fotos sagte absolut nichts über Bier aus – sie passten nicht annähernd zu dem Geschriebenen.

PeachTherapy 650x400

Bilder sagen mehr als der Text

Im Januar 2014 las ich einen Artikel, der alles änderte. Der detaillierte Beitrag von Michael Kiser auf Hill Farmstead faszinierte mich vom ersten bis zum letzten Paragrafen. Es waren aber nicht nur die Worte, die meine Aufmerksamkeit ergriffen. Die erstaunliche Fotografie verschaffte mir das Gefühl, als wäre ich wirklich an diesem Ort gewesen. Das erste Foto in dem Artikel von einem traurigen, nass durchtränkten Shaun Hill sagte mehr über die Brauerei aus, als der Text beschreiben konnte. Es war das erste Mal das ich einen Bericht, Good Beer Hunting, auf Kisers Seite las, aber von dem Moment an habe ich nicht einen verpasst.

Durch diesen Bericht realisierte ich, dass ich als Bierautor keinen besonders guten Job machte. Ich bot meiner Leserschaft nicht den Service, den sie verdienten. Von diesem Zeitpunkt an war ich engagiert, jeden Aspekt meines Inhalts aufzubessern. Ein wichtiger Schritt war hierbei die Investition in eine geeignete Kamera. Während ich mir selber die Kenntnisse der Fotografie beibrachte, wurde mir klar, dass wenn ich meine Kamera überall mit hin nehme, mir mehr und mehr neue Themen begegneten, über die es sich lohnt zu schreiben. Im Nachhinein gesehen, war das eine meiner besten Investitionen.

Der wesentlichste Punkt von guter Bierfotografie ist wohl die Sicherheit, dass man über eine gute Lichtquelle verfügt. Eine geeignete Kamera und eine gute Linse mit einer hohen Blendeneinstellung sind natürlich ebenfalls sehr hilfreich. Das Bier und Orte mit niedrigen Lichtverhältnissen sind nach wie vor untrennbar, Tageslicht ist aber dennoch dein bester Freund. Du solltest über das Ablichten eines Gegenstandes genauso gut nachdenken, wie du über das Verfassen eines Satzes oder Absatzes nachdenkst. Machst du alles Nötige, um sicherzustellen, dass der Gegenstand im Fokus der Darstellung steht? Unterstützt die Abbildung die zu erzählende Geschichte?

A Moment in New Belgium 650x400

Durch Fotos Gefühle vermitteln

Der beste Ratschlag, der mir in Bezug auf die Bierfotografie gegeben wurde, war mich von dem fokussierten Gegenstand zu entfernen und dessen Umgebung und die Menschen drum herum im Gesamtbild zu erfassen. Jeder kann ein vernünftiges Foto von einer Bierflasche machen. Viel schwieriger ist es, dass Foto so zu schießen, sodass es ein bestimmtes Gefühl vermittelt. Im Wesentlichen sollte die Bierfotografie genauso behandelt werden wie das Schreiben – das beinhaltet natürlich auch zu wissen, wann man sich von dem Zeug trennen muss, das offensichtlich nicht funktioniert.

Um tolle Ergebnisse zu erzielen, musst du nicht unbedingt viel Geld in eine teure Kamera investieren, denn jeder von uns trägt eine gute Kamera immer mit sich, in unseren Smartphones. Smartphone-Fotos scheinen oft ein wenig leblos zu sein, aber mit ein wenig sorgfältiger Bearbeitung können diese zum Leben erweckt werden. Es gibt tolle Apps, wie z.B. Afterlight (Android | iOS) und VSCO Cam (Android | iOS), die einfach zu bedienen sind und die Qualität der Fotos enorm verbessern. Auch Instagram selbst – meine erste Wahl für schnelles und einfaches Teilen meiner Fotografien – ist heutzutage sehr empfehlenswert.

Berlin Beer Green 650x400

Komm nicht in Versuchung eingebaute Filter zu benutzen, besser ist es, selber zu probieren, den Gegenstand in Bezug auf seine Umgebung in den Fokus zu setzen. Merke dir, dass das ganze Verbessern nichts bringt, wenn das Foto langweilig und nicht fokussiert ist. Mein letzter Ratschlag ist, wenn man Fotos für seine eigene Online-Inhalte nutzt, man sie so groß wie möglich fotografieren sollte. Verkleinert die Fotos nicht! Es gibt nichts Schlimmeres als einen angemessenen Beitrag zu lesen, der mit winzigen und schwer entzifferbaren Bildern versehen ist. Man würde doch auch keine klitzekleine Schrift für einen geschriebenen Text wählen, oder?

Das Wichtigste ist aber, dass eine Kamera sein ständiger Begleiter ist, wo immer man hingeht und vor allem, dass man den Spaß an der Sache nicht verliert. Viel Spaß beim Fotografieren!

Übersetzung von Janine Billker.


Teaser & Images by Matthew Curtis.


CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

Weiterlesen »

Die Vermessung der österreichischen Blogger-Szene

Blogging (adapted) (Image by Till Westermayer [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Sie schreiben über Spritzwein, Palatschinken, Kirchen, Toiletten, Bier, Trachten, Hochzeiten und natürlich über Essen, Fashion, Reisen und Technik: In Österreich gibt es definitiv eine vielfältige Blogger-Szene (u.a. auf Blogheim.at gelistet), doch wie sie leben und arbeiten, darüber gibt es recht wenig Informationen. Die in der Szene sehr umtriebigen Teilzeit-Blogger Petra Köstinger und Tom Schaffer haben es sich deswegen zur Aufgabe gemacht, in regelmäßigen Abständen eine Umfrage zu machen, die genau das abfragt.

Heute haben sie die Ergebnisse veröffentlicht – und sie geben spannende Einblicke in die Welt der österreichischen Blogger. Zwar kann man die Umfrage nicht repräsentativ nennen, weil die Grundgesamtheit nicht bekannt ist, aber mit knapp 460 Teilnehmern gibt die Befragung sicher gute Insights in die Szene. Zu der Demografie: Österreichische Online-Schreiberlinge sind sehr oft Frauen (62 Prozent), die meisten sind zwischen 18 und 30 Jahren alt (47 Prozent). Und sie sind sehr ausdauernd: Die größte Gruppe (29 Prozent) betreibt einen oder mehrere Blogs bereits länger als fünf Jahre.

Auch die Hauptmotivationen überraschen nicht – Interesse am Thema, Spaß am Schreiben und das Teilen von Wissen stehen im Vordergrund. Nur sechs Prozent sehen Bloggen als Arbeit an, für 45 Prozent hat sich die Tätigkeit zu einer Mischung aus Beruf und Hobby entwickelt. Die überwiegende Mehrheit (80 Prozent) sieht ihren Blog als möglichen Partner für Unternehmen an.

Wenn es um das Veröffentlichen von bezahlten Beiträgen (“Sponsored Posts”) geht, ist die Mehrheit (64 Prozent) noch ablehnend. Für jene, die mit ihrem Blog Geld verdienen, ist Sponsored Content dann aber doch die wichtigste Einnahmequelle (27 Prozent), vor indirekten Einnahmen über Vorträge, Workshops etc. (25 Prozent), klassischer Online-Werbung (24 Prozent) und Partnerprogrammen (21 Prozent). Reich wird damit in Österreich niemand: Nur acht Prozent verdienen mit ihrem Blog mehr als 2.000 Euro pro Monat, weitere sieben Prozent zwischen 1.000 und 2.000 Euro. Satte 38 Prozent machen mit ihrem Online-Auftritt zwischen 0 und 50 Euro im Monat.

Das könnte auch an den Reichweiten liegen. 35 Prozent der Befragten geben an, pro Monat weniger als 1.000 Leser zu haben, weitere 41 Prozent haben eigenen Angaben zufolge zwischen 1.000 und 10.000 Leser pro Monat. Insgesamt 17 Prozent kommen auf mehr als 10.000 Besucher im Monat. Übrigens 36 Prozent sagen selbst, dass sie gerne mehr Leser hätten.


Image (adapted) „Blogging“ by Till Westermayer (CC BY-SA 2.0)


 

Weiterlesen »

Trends des Monats – September

starbucks spill (adapted) (Image by Eric [CC BY 2.0] via Flickr)

Die Medien- und Digitalbranche ist ständig in Bewegung. Fast im Tagesrhythmus gibt es neue, innovative Medienprojekte, praktische Gadgets oder neue digitale Geschäftsmodelle. Wir stellen euch dieses Mal einen Innovationshub für digitale Inhalte, die Kooperation zwischen der New York Times und Starbucks, einen 24-stündigen Hackathon und den weltweit ersten Android PC vor. Außerdem zeigen wir euch die neue App WhipClip .

Blogfabrik – Was das Coworking Space so besonders macht

Die Blogfabrik in Berlin zeichnet sich dadurch aus, dass die Atmosphäre mehr als gemütlich ist. Neben einem Konferenzraum, 30 Arbeitsplätzen, einem Fotostudio und vielem anderen, findet man hier auch eine Lounge und eine Küche. Zusammenarbeit und Kommunikation werden hier großgeschrieben. Das besondere Konzept von diesem innovativen Coworking Space ist, dass ansässige Blogger, Instagramer und weitere, hier ihre Miete für ihren Arbeitsplatz mit Content zahlen der im Daily Brad Mag, einem Onlinemagazin der Blogfabrik, veröffentlicht wird.

Zeitung lesen und Kaffee trinken – Die New York Times kooperiert mit Starbucks

Die New York Times und Starbucks haben eine Zusammenarbeit angekündigt. Dass Kaffee trinken und Zeitung lesen wunderbar zusammen passen, haben auch diese beiden Unternehmen mitbekommen. So können einige Zeitungsartikel der NYT kostenlos auf der Smartphone-App von Starbucks gelesen werden. Das Ziel dahinter ist folgendes und ganz simpel: Es sollen neue Leser erreicht werden.

Hackday – Die Zukunft des Fernsehens

Der Blogger Bertram Gugel und die Medienanstalt Berlin Brandenburg starten Ende September erneut den Hackday in Berlin. Hierbei handelt es sich um einen 24-stündigen Hackathon zur Zukuft des Fernsehens. Verschiedene Leute wie beispielsweise Designer, Entwickler oder aber auch TV-Sender werden gemeinsam daran arbeiten neue Apps, Formate, Remixe vorhandener Werke und Hardware zu erstellen. Für die Fertigstellung ihrer Projekte haben die Teams 24 Stunden Zeit.

Remix Mini – Der weltweit erste Android PC

Der weltweit erste Android PC – Remix Mini – soll auf den Markt kommen. Drei ehemalige Ingeneure von Google wollen diesen herstellen. Der PC soll für lediglich 40 US-Dollar angeboten werden. Mit einem Arbeitsspeicher von gerade mal einem 1GB und einem internen Speicher von 8GB, sowie Ethernet, W-Lan, Bluetooth und USB-Anschluss, bringt der kleine PC eine ganze Menge mit sich. Für Begeisterung sorgt dieser kleine Computer jetzt schon auf Kickstarter. Bereits über eine Million US-Dollar wurden dort schon zur Finanzierung eingesammelt.

WhipClip – Die Serien-App

Viele kennen wahrscheinlich das Gefühl, dass man eine lieblings Sendung sieht und einen Clip daraus am liebsten mit freunden teilen möchte. In den USA ist das bereits möglich. Mit der App „Whip Clip“ kann man ganz legal Ausschnitte mit anderen teilen. Dadurch, dass zahlreiche Partnerschaften zwischen WhipClip und Unternehmen wie FOX, ABC oder CBS bestehen, ist für entsprechend viel Material aus den aktuellen Programmen gesorgt. Das alles funktioniert ganz einfach. Man sucht sich einfach seine Sendung aus dem Archiv raus und erstellt einen zweiminütigen Clip. Da fügt man dann noch ein Kommentar hinzu und teilt es mit seinen Freunden. In dem Portfolio befinden sich außerdem Musikvideos.


Image (adapted) „starbucks spill“ by Eric (CC BY 2.0)


 

Weiterlesen »

Trotz Medium-Design wird Notes von Facebook kein Erfolg

Facebook (image by Simon [CC0] via pixabay)

Nach Jahren verpasst Facebook seinem niemals wirklich genutzten Blogging-Feature Notes ein schickes Design-Update, das nicht von ungefähr an Medium erinnert. Letztes Jahr verkündete die für Medium verantwortliche Design-Firma Teehan-Lax, dass sie sich Facebook anschließen wird. Einige Medien sehen in dem neu designten Dienst schon die vermeintliche Zukunft des Blogging, aber Blogger werden sich weiterhin hüten, direkt bei Facebook zu posten. Anders als die meisten Medien ist Unabhängigkeit für Blogger wichtiger und wirklich interessant ist Notes immer noch nicht. Es sieht jetzt nur schicker aus.

Erste Medium, jetzt Notes: Teehan-Lax

Vor vier Jahren wurde der Twitter-Mitgründer Evan Williams auf das aus Toronto stammende Design-Team Teehan-Lax aufmerksam. Sie sollten Williams sein nächstes Projekt, einen simpel gehaltenen Blogging-Dienst in dem das reine Blogging im Vordergrund steht, designen. Heute kennen wir dieses Projekt als Medium (unser Autor Jakob Steinschaden beantwortete zum Start der Plattform die wichtigsten Fragen zu Medium).

Inzwischen will Medium mehr als nur eine Plattform zum Blogging sein und schafft es, vor allem relevante Akteure außerhalb der Netzwelt als Autoren zu gewinnen, was es zu mehr als nur das schickeste Netzfeuilleton unserer Tage macht. Facebook hat dafür scheinbar sein Interesse am Blogging entdeckt und Teehan-Lax akquiriert, sein Feature Notes neu zu designen. Herausgekommen ist ein stark an Medium erinnerndes Blogging-Tool, das einen Nachteil hat: es ist ein Feature von Facebook.

John Biesnecker verfasste einen der ersten Blogpost mit Facebooks neu designtem Notes
John Biesnecker verfasste einen der ersten Blogpost mit Facebooks neu designtem Notes

Facebook baut Notes zum Blogging-Tool um

Notes sollte schon immer die Antwort von Facebook auf viele andere, wesentlich erfolreichere Publishing-Tools sein. Vor 2009 konnte man nur 160 Zeichen lange Meldungen absetzen, dann wurde das Zeichenlimit im März 2009 auf 420 Zeichen erhöht, im Juli 2011 dann auf 500 Zeichen, zwei Monate später sogar auf 5.000 Zeichen und seit November 2011 kann man sogar mehr als 60.000 Zeichen lange Beiträge veröffentlichen. Angenommen wurde der Dienst aber nicht. Persönlich habe ich Leute schon mit Twitlonger, Google+ und Evernote bloggen sehen, noch nie aber mit Notes auf Facebook.

Und das wird sich meiner Meinung so schnell auch nicht ändern, denn Notes kann wesentlich weniger als vergleichbare Dienste und die Entwicklung von Facebook lehrt uns, dass das an dieser Stelle gerne angeführte Reichweiten-Argument eine Täuschung ist. Perspektivisch werden auch Notes-Blogger sich Reichweite kaufen müssen. Und Facebook, das sich selbst verstärkt als Nachrichten-Plattform sieht, wird die viel Geld für Reichweite ausgebenden, traditionellen Medien stets bevorzugen. Facebook ist und wird kein Ort, an dem sich Blogger gerne aufhalten werden. Daran ändert auch kein Redesign von Notes.

Was Blogger wollen (und Notes nicht bietet)

Es gibt Blogger, die wollen einfach nur schreiben. Laut Brian Barretts Wired-Artikel über Notes sind das sogar wieder mehr Jugendliche, bei denen Blogging nach einer Dekade wieder beliebter wird. Sie werden Funktionen wie Embedding vermissen, denn in einem Beitrag bei Notes kann kein Video von YouTube oder Podcast von Soundcloud embedded werden. Und selbst wenn diese Feature kommen, bieten Blogging-Plattformen wie Medium, Tumblr und sogar Blogger mehr Möglichkeiten, sein Blog individueller zu gestalten. Und es sind eben nicht die Netzwerke, in denen sich jetzt schon unsere Eltern und Großeltern herumtreiben.

Andere Blogger wollen mit ihren Blogs Geld verdienen oder sich als eine Marke etablieren. Sie nutzen Blogs als Plattform für ihre digitale Identität, die mehr als nur das Profil bei Facebook ist. Sie wollen ihre Blogs um Funktionen ergänzen, die Facebook einem nicht bieten kann und mit den an Medium erinnernden Ansatz auch nicht bieten will. Meiner Meinung nach werden, ähnlich wie beim Facebook-Feature Mention, vor allem Unternehmen und Personen des öffentlichen Lebens, bzw. die ihre Profile betreibenden Agenturen, mit Notes bloggen. Notes ist nicht für uns Blogger und das ist wohl auch besser so. Es wäre sonst ein vom Start her schon peinlicher Versuch.


Teaser (adapted) by Foundry (CC0 Public Domain)

Image by Simon (CC0 Public Domain)


CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

Weiterlesen »

BBC kooperiert mit Bloggern, um lokale Nachrichten voranzubringen

BBC East - Norwich - sign (adapted) (Image by Elliott Brown [CC BY 2.0] via Flickr)

Die BBC versucht, eine stärkere Bindung zu den Menschen und Organisationen aufzubauen, die den lokalen Journalismus im ganzen Land betreiben. Der britische Nachrichtensender befragt momentan Blogger, unabhängige Journalisten und lokale Nachrichten-Organisationen, um bessere Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit zum Verbreiten des Contents zu finden. Einige der möglichen Ideen sind ein Verlinkungs-Tool, welches Geschichten der lokalen Websites auf BBC teilen würde, sowie ein Register mit Community Journalismus Websites und ein Trainings-Programm für hyperlokale Journalisten.

Diese Befragung findet nur ein paar Monate nach der Entscheidung der BBC statt, Artikel aus lokalen Zeitungen auf ihrer Website zu featuren und hinzuzufügen.

Die Partnerschaft ist das Ergebnis einer Konferenz, die die BBC 2014 abgehalten hat, die Revival of Local Journalism (Wiederbelebung des lokalen Journalismus),welche zu der Gründung einer offiziellen Gruppe führte, die sich auf die Unterstützung der hyperlokalen Nachrichten fokussiert.

David Holdsworth, Leiter von BBC English Regions, überblickt die Befragung und schreibt, dass sich das, was “lokale” Nachrichten ausmacht, im Vereinigten Königreich verändert. Holdsworth merkt an:

Also, zum Beispiel haben wir einen Radiosender und Online-Nachrichten-Register, der Sheffield und South Yorkshire bedient. Das ist eine Gegend mit einer stolzen Erbschaft. Kaum hört man das Radio, schon erzählen die Moderatoren ihnen, dass man in diesem Land an keinem anderen Ort leben könnte. Aber hyperlokal? Naja, dieses Gebiet schließt Sheffield, Rotherham, Barnsley, Doncaster, und eine Menge kleinerer Orte ein.

Zeitungen bedienen all diese Städte und viele andere und sie veröffentlichen tausend mal mehr Geschichten als die BBC jede Woche. Aber in der heutigen Zeit ist das Beitreten zu einer Zeitung die neue Art, wie lokale Nachrichten-Publisher – oft nur eine Person – Nachrichten und Auffassungen über die Geschehnisse in dem Ort wo sie leben, online anbieten.

Es gibt große hyperlokale Unternehmen, die ganze Städte bedienen, sowie Birmingham Updates, das fast 60.000 Follower auf Twitter und 180.000 Facebook-Likes hat. Dann gibt es noch die, die ein sehr kleines Gebiet bedienen, wie bournvillevillage.com, auch aus Birmingham. Andere, wie parwich.org, decken Dörfer wie Parwich und das Peak District ab.

Herauszufinden wie Nachrichten übermittelt werden, ist ein Thema, für das sich die BBC immer mehr interessiert. Diese Woche wurde angekündigt, dass der Broadcaster überlegt, aus Kostengründen seinen 24-Stunden-Channel in ein Online-Only-Network zu verwandeln.

Ein BBC Bericht, der früher dieses Jahr erschien, prüft, wie Technologie die Arbeit der BBC verändert und mit neuen Möglichkeiten versorgt. Die BBC muss über ihre Channels hinausgehen, um die Menschen weiterhin zu informieren, so der Bericht:

Die Veränderungen in der Nachrichten-Industrie bedeuten, dass es Lücken in der Berichterstattung unseres Landes gibt und sie wachsen. Zur selben Zeit wird die Leistung delegiert. Die BBC wird, noch neben Radio und Fernsehen, das meiste aus digitalen Services machen müssen, um sicher zu gehen, dass die Menschen die Information bekommen, die sie dort brauchen, wo sie leben und arbeiten.

Die BBC plant, bis September lokale Nachrichten-Websites nach ihren Anregungen zu fragen, im November wird dann ein kompletter Bericht über das Projekt erwartet.

Dieser Artikel erschien zuerst auf NiemanLab.


Image (adapted) “BBC East – Norwich – sign” by Elliott Brown (CC BY 2.0)


 

Weiterlesen »

Chrome OS: Wie viel Betriebssystem braucht ein Blogger?

Desktop des Toshiba Chromebook mit Chrome OS

Google will mit seinem Betriebssystem Chrome OS Marktanteile von Apple und Microsoft für sich gewinnen. Doch lohnt sich der Umstieg auch für Blogger? // von Jonas Haller

Es ist wohl eine Philosophiefrage mit welchem Endgerät und zugehörigem Betriebssystem Journalisten und Blogger arbeiten. Ein nicht geringer Anteil schwört auf Apples Ökosystem, andere auf Microsoft Windows OS. Seit einiger Zeit buhlt auch Google mit dem auf Onlinefunktionen reduziertem Chrome OS um die Gunst der Nutzer. Doch inwieweit lohnt sich das abgespeckte Betriebssystem für die mobile Berichterstattung?

Warum ist das wichtig? Journalisten und Blogger nutzen oft nicht den vollen Funktionsumfang eines Notebooks oder Macbooks. Genau dort setzt Googles Chrome OS an.

  • Vernetzung ist das Schlagwort bei Bloggern als auch beim Chrome OS von Google, das quasi immer online ist.

  • Chromebooks besitzen eine hohe Mobilität bei langer Akkulaufzeit und könnten deshalb gerade unterwegs sehr praktisch sein.

  • Sie sind eine preiswerte Alternative gegenüber Notebooks mit umfangreichen Systemen, jedoch noch beschränkt in ihren Funktionen.


Google steht schon immer für die Vereinfachung aller Dienste sowie dem Umgang im weltweiten Datennetz. Mit Chrome OS wollte und will das Unternehmen auch im Bereich der Betriebssysteme mitmischen. Der Fokus liegt dabei klar auf der Online-Nutzung, der Chrome-Browser stellt den Mittelpunkt dar. Etwas gewöhnungsbedürftig ist im ersten Moment die an die Systemgegebenenheiten angepasste Tastatur: Caps Lock sowie Entf-Taste fehlen, Windows- und MacOs-Nutzer suchen vergebens nach Systemtasten. Nach dem schnellen Booten folgt die Anmeldung mit dem eigenen Google-Account, das für die Nutzung zwingend notwendig ist. Anschließend begrüßt der gewohnte Desktop mit Taskleiste den Anwender. Ähnlich dem Startmenü können installierte Programme durchstöbert und geöffnet werden. Genauer gesagt handelt es sich dabei jedoch um Apps, die aus dem Chrome-Store geladen werden können. Installationen von außerhalb sind ohne weiteres nicht möglich.

Der Store an sich deckt die wichtigsten Themenbereiche ab. So können unter anderem entsprechende Applikationen für Outlook und Office oder auch WordPress kostenlos auf das Gerät gespeichert werden. Dabei wird jedoch nicht das Programm, sondern nur eine Verlinkung zu den Online-Diensten installiert. Doch es gibt auch Apps, die keine Internetverbindung benötigen und offline ausführbar sind. Zu diesen zählen einige interessante Programme für Blogger, wie Polarr. Dahinter verbirgt sich eine umfangreiche Fotosoftware, die sogar mit dem RAW-Format umgehen kann. Die Bildbearbeitung geht schnell von der Hand und das Ergebnis kann direkt gespeichert oder auf den Online-Speicher geladen werden. Vorher sollte die Bilddatei jedoch am besten per Simple Image Resizer komprimiert werden. Es empfiehlt sich anschließend die Originaldateien auf einem externen Speichermedium zu archivieren – der interne Speicher der Chromebooks beträgt zum Großteil magere 32 oder gar 16 GB.

In die sprichwörtliche Röhre schauen Video-Blogger, die mal schnell einen Clip bearbeiten und auf YouTube stellen wollen. Neben der Software mangelt es oft an Rechenpower, da die Notebooks nur Hardware der Mittelklasse beherbergen. So können bestenfalls die Online-Bearbeitungsfunktionen des populären Video-Dienstes genutzt werden. Apropos Online: Leider setzt Chrome OS für einen Großteil der nutzbaren Anwendungen eine schnelle Internetverbindung voraus. Selbst Googles Office-Dienste zur Textverarbeitung, der Tabellenkalkulation sowie der Präsentation werden per Web ausgeführt. Schnelles Arbeiten unterwegs in Taxi, Bus und (Regional-)Bahn oder auch Draußen im Grünen fällt also größtenteils flach. Es sei denn, man besitzt einen Surfstick oder errichtet via Smartphone ein kleines, eigenes WLAN-Netzwerk (Tethering).

Zu den wenigen Offline-Programmen, die für Blogger interessant sein dürften, zählen Notizen-Apps wie Evernote oder Wunderlist, die Gmail-Offline-App sowie ein simpler PDF-Viewer. Vorteil des Software-Purismus ist dabei die Akkulaufzeit. Aufgrund der spartanischen Ausstattung der Chromebooks sind nicht selten neun Stunden Laufzeit und mehr möglich. Für den kompletten Arbeitstag eines Bloggers also durchaus ausreichend.

Fazit: Chrome OS ist noch nicht so weit

Das Experiment, mein Alltags-Windows-Notebook gegen eines der Chromebooks zu tauschen, war nicht von allzu langer Dauer. Zwar bildet die Online-Nutzung den Kernpunkt eines Bloggers, jedoch ist das noch lange nicht alles. Die fehlende Offline-Fähigkeit sowie die eingeschränkte App-Auswahl des Systems brechen der an sich brillianten Google-Idee jedoch das Genick. Öffentliche Hotspots sucht man besonders in kleineren Städten vergebens. Hinzu kommt, dass die Hardware höchstens sehr textlastigen Bloggern genügt, die nur wenige Artikelbilder in ihren Beiträgen nutzen. Berichterstattung per Video gestaltet sich eher als ein Krampf, eine Bearbeitung kann nur innerhalb der Videoplattform erfolgen.

Schade, denn in Sachen Mobilität und besonders Akkulaufzeit sind die kleinen Helferlein den meisten Konkurrenzgeräten weit überlegen. Chromebooks sind deutlich schneller einsatzbereit als aufgeblasene Betriebssysteme, die erst umständlich gebootet werden müssen. Alle erdenklichen Treiber sind bereits vorinstalliert, das heißt ein Einrichten der Peripherie entfällt. Preislich unterscheiden sich die Google-Laptops nicht wirklich von vergleichbaren Windows-Geräten. Bleibt zu hoffen, dass der Software-Riese weiter an den Chromebooks arbeitet und in Zukunft vielleicht die ein oder andere Offline-Anwendung zusätzlich bereitstellt.

CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

Weiterlesen »

Bürgerschaftliches Empowerment durch digitale Technologie?

Building the Business of Civic Tech at Civic Hall, April 2015 (adapted) (Image by Daniel X. O'Neil [CC BY 2.9] via Flickr]

Konferenz, Coworking Space und Blog. Eine Initiative in New York will die Zusammenarbeit von Aktivisten, Startups und Staat fördern. Sie sind schon seit Jahren in Sachen Internet und Politik unterwegs, die „Bewegungsunternehmer“ Andrew Rasiej und Micah Sifry. Nun haben sie ihre Aktivitäten einem Relaunch unterzogen und agieren unter dem Oberbegriff „Civic Tech“. Zu ihren Angeboten gehören neben der etablierten jährlichen Konferenz „Personal Democracy Forum“ seit kurzem die Einrichtung „Civic Hall“ in Manhattan und das Blog „Civicist“.

Als das erste Personal Democracy Forum (PDF) im Jahr 2004 noch als eintägiges Event stattfand, stand die Konferenz im Zeichen der Wahl des US-Präsidenten: Die Kampagne des demokratischen Kandidaten Howard Dean machte von den neuen Möglichkeiten der Online-Kommunikation Gebrauch und setzte Fragen wie das Verhältnis von Bloggern und Journalisten auf die Agenda. Seitdem findet die sich professionalisierende Veranstaltung in New York jedes Jahr vor einem wachsenden Publikum statt. Und seit 2009 gibt es diverse PDF-Ableger vor allem in Europa (zuletzt Mitte April 2015 in Polen). Begleitet wurde diese Entwicklung ab 2007 von der Website Techpresident.com, die über Trends politischer Kommunikation im Internet mit Schwerpunkt auf die Vereinigten Staaten berichtete. Die nächste Tagung in New York, thematisiert in Kürze das neue Motiv der Macher: „Imagine All the People: The Future of Civic Tech„.

Vom TechPresident zum Civicist

Doch seit dem 1. Mai gibt es bereits eine neue Publikations-Plattform für das internationale Netzwerk von Praktikern und Experten, den „Civicist. War TechPresident dem Namen nach am etablierten politischen Prozess orientiert, gilt das Interesse nun noch stärker der Zivilgesellschaft. Diese Entwicklung hat sich bereits in Sifrys letztem Buch abgezeichnet: „The Big Disconnect“ (2014) behandelt die Frage „Why The Internet Hasn’t Transformed Politics (Yet)“; so der Untertitel. Die für die US-amerikanischen Verhältnisse absolut einschlägige Abhandlung ist geprägt von der Enttäuschung darüber, dass datengetriebene Anwendungen und soziale Medien im Kampf um die US-Präsidentschaft immer geschickter eingesetzt werden, ohne dass das Potenzial digitaler Technologien für eine demokratischere Gestaltung der Gesellschaft auch nur ansatzweise ausgeschöpft wird.

Gestartet ist das Gruppenblog nun mit der Diskussion darüber, was im Gegensatz dazu unter Civic Tech zu verstehen ist. Sifry selbst schreibt im ersten Beitrag: „We think of civic tech as a big tent. It includes civic apps—tools or platforms designed primarily for a civic purpose—but it also encompasses big apps or platforms that have civic effects. That comprises everything from SeeClickFix or NationBuilder in the former case, to Yelp (when people use it to review government services) or Google (with its Civic Information API) in the latter. People working to upgrade government’s use of technology – govtech – are certainly part of the civic tech ecosystem when their efforts involve engaging with the public. The same goes for political technology – a candidate or issue campaign’s efforts to mobilize the public inevitably also involves drawing people into civic life.“ Civic Tech lässt sich hier wohl am ehesten mit „bürgerschaftlich“ übersetzen und zielt auf das Engagement und die politische Partizipation der Zivilgesellschaft um gesellschaftliche Herausforderungen mit Hilfe technologischer Anwendungen besser zu bewältigen. Und damit sind nicht nur staatliche Lösungen gemeint, sondern eben auch private Angebote, Initiativen und Unternehmen.

Inkubator für die Gemeinschaft

Das Blog ist schon von der Internetadresse her dort angesiedelt, wo laut Claim die neue Heimat von Civic Tech liege, nämlich bei der Civic Hall. Dabei handelt es sich um eine Kombination aus Coworking Space und Community Center. Finanziert wird die im Flatiron District gelegene Einrichtung durch ein Mitgliedschafts-Modell sowie potente Sponsoren: Google, Microsoft (dessen NYC Lab liegt um die Ecke) und das Omidyar Network des eBay-Gründers (siehe den Netzpiloten-Beitrag zu seinem journalistischen Projektzusammenhang First Look Media). Zu den 300 zahlenden Mitgliedern gehören neben Unternehmen wie Change.org auch Nichtregierungsorganisationen wie „Code for America“ und schließlich sogar politisch-administrative Akteure, wie das Büro des New York Attorney General. Ähnliche Projekte, die spezifischere Zielgruppen ansprechen, gibt es in den USA bereits in einigen Städten, wie zum Beispiel den Inkubator 1776″ oder den „Open Gov Hub, die beide in Washington situiert sind.

Die Civic Hall ist in Deutschland vielleicht vergleichbar mit den auf Social Entrepreneurship spezialisierten Social Impact Labs, die es inzwischen in fünf Städten gibt. Die Macher der Civic Hall sind jedenfalls geprägt vom politischen System der USA, in der es keine politischen Parteien gibt, die als dauerhafte Mitgliedsorganisationen fungieren. „This is where civic tech comes in. Civic tech provides an opportunity to engage citizens in governance beyond simply voting every two to four years.“ So formuliert Hollie Russon Gilman vom Think Tank „Open Technology Institute“ in ihrem Beitrag für den Civicist die Hoffnung eines bürgerschaftlichen „Empowerments“ durch digitale Technologie.


Image (adapted) „Building the Business of Civic Tech at Civic Hall, April 2015“ by Daniel X. O’Neil (CC BY 2.0)


Weiterlesen »

5 Lesetipps für den 9. März

In unseren Lesetipps geht es heute um den Blogger Raif Badawi, Twitter, ein Troll vor Gericht, Amanda Palmer und Crowdfunding, sowie digitale Bibliotheken. Ergänzungen erwünscht.

  • RAIF BADAWI Heise Online: Gabriel will sich in Riad für Blogger einsetzen: Das ist zwar nur eine kurze dpa-Medlung, aber eine, die man gelesen haben sollte: „Vizekanzler Sigmar Gabriel hat zu Beginn seiner Reise nach Saudi-Arabien versprochen, sich für die Freilassung des inhaftierten Bloggers Raif Badawi einzusetzen.“ Man sollte stets auf die Worte und folgenden Taten von Politikern achten, besonders wenn der Budneswirtschaftsminister hier den Spagat zwischen Achtung der Menschenrechte und den wirtschaftlichen Interesse der ihn begleitenden Unternehmen schaffen will.

  • TWITTER NYTimes.com: Study of TV Viewers Backs Twitter’s Claims to Be Barometer of Public Mood: Über die Bedeutung von Twitter kann man wahrscheinlich endlos diskutieren. Für mich persönlich – als jemand, der was mit Medien macht – ist es sehr wichtig. Weniger als Werkzeug für mehr Reichweite statt als Instrument zur Selbstdarstellung und Vernetzung mit den für mich relevanten Leuten. Offensichtlich kann Twitter aber als Secondscreen-Netzwerk viel über das Verhalten von Firstscreen-Nutzern aussagen, wie eine Nielsen-Studie jetzt ermittelt haben möchte.

  • TROLLE CNET: Man trolls lawyer on Web, lawyer sues (guess who wins): An sich klingt die Geschichte einfach: ein Unbekannter trollt einen US-amerikanischen Anwalt und schreibt falsche Bewertungen über ihn. Der Anwalt schafft es, diesen Troll zu identifizieren und erfolgreich zu verklagen. Jetzt wird es aber komplizierter: der Troll ist ein junger Brite, der offensichtlich in keinerlei Verhältnis zu dieser Anwaltskanzlei steht und behauptet, sein Gmail-Konto sei gehackt worden. Wie entscheidet man da? Und da wird es interessant: auf die hohe Sicherheit von Google bei Passwörtern vertrauend, wird der junge Brite schuldig gesprochen, denn es sei wahrscheinlicher, dass er der Troll ist als das sein Konto gehackt worden wäre.

  • AMANDA PALMER Süddeutsche.de: Crowdfunding – Vom Fan zum Mäzen: Amanda Palmer ist quasi der Prototyp des vom Internet lebenden Künstlers. Ihren Erfolg kann sicher nicht jeder kopieren, sie ist aber der Beweis, dass es funktioniert und das gesamte System der Musikbranche und der wirtschaftlichen Abhängigkeit von der reinen Lizenzierung von Nutzungsrechten überdacht werden sollte. Amanda Palmer möchte ihre Werke in Zukunft kostenlos im Internet veröffentlichen und hat deshalb ihre Fans gebeten, ihr eine Art Grundeinkommen zu zahlen, was auch Tausende taten. Es ist nicht der erste MIndchanger in puncto Crowdfunding, den Palmer erfolgreich versucht hat.

  • BIBLIOTHEKEN ZBW MediaTalk: „Bringt die Inhalte zum Nutzer!“: Bibliotheken galten als eines der ersten „Opfer“ der Digitalisierung, besonders da sie sich wie so gut wie jeder andere nur langsam anpassten. Das EU-Projekt EEXCESS möchte diese Entwicklung für Bibliotheken zu einem Erfolgsfaktor machen, wie Maren Lehmann schreibt. Das Programm möchte eine Grundlage für wissenschaftliche Bibliotheken sein, ein zeitgemäßes Angebot für Recherchen anzubieten, dass nicht Google Scholar ist.

Die morgendlichen Lesetipps und weitere Linktipps am Tag können auch bequem via WhatsApp abonniert werden. Jeden Tag informiert dann Netzpiloten-Projektleiter Tobias Schwarz persönlich über die lesenswertesten Artikel des Tages. Um diesen Service zu abonnieren, schicke eine WhatsApp-Nachricht mit dem Inhalt arrival an die Nummer +4917622931261 (die Nummer bitte nicht verändern). Um die Nachrichten abzubestellen, einfach departure an die gleiche Nummer senden. Wir werden, neben dem Link zu unseren morgendlichen Lesetipps, nicht mehr als fünf weitere Lesetipps am Tag versenden.

Nutze Netzpiloten 1-Klick: Mit nur einem Klick werden dir bequem alle 40 Sekunden die hier besprochenen Seiten „vorgeblättert“ START.

Weiterlesen »

5 Lesetipps für den 25.02.2015

In unseren Lesetipps geht es heute um neue Funktionen bei Medium, die neue journalistische Leitung beim Guardian, die nun jugendfreie Bloggingplattform Blogger, Apple und Journalismus sowie die Nutzung der Sozialen Medien. Ergänzungen erwünscht.

  • MEDIUM GIGAGCOM: Medium gets a bit more Twitter-like, and a bit more blog-like: Die Blogging-Plattform Medium hat einige neue Tools eingefügt, die die Plattform mehr wie Twitter und Blogger erscheinen lassen. So gibt es nun die von Twitter bekannte Funktion „Schreib jetzt…“, mit der man mit nur einem Klick anfangen kann einen Text zu schreiben. Ebenso können mit einer neuen Funktion Tags vergeben werden, die unter verschiedenen Oberbegriffen wie Technik, Medien oder Fotos einsortiert werden und die Oberfläche erscheint nun ein wenig mehr wie ein Blog. Damit möchte Medium seine Nutzer mehr dazu bewegen, mehr eigene Inhalte und Inhalte die nicht unbedingt 1000+ Wörter lang sein müssen, zu erzeugen.

  • JOURNALISMUS DIRK VON GEHLEN: Neue journalistische Leitung beim Guardian: Nachdem Alan Rusbridger den Platz des Chefredakteurs beim Guardian im Dezember freigab und in die Rolle des “Chair of the Scott Trust” wechselte, wird nun beim britischen Traditionsblatt ein neuer Chefredakteur gesucht. Mit Emily Bell, Wolfgang Blau, Janine Gibson und Katharina Viner gibt es dabei vier Kandidaten. Was diese vorhaben und wie sie die Arbeit eines Chefredakteurs sehen, zeigen ihre vier Bewerbungen, die öffentlich einsehbar sind. Dirk von Gehlen hat aus diesen einige interessante Passagen rausgesucht.

  • BLOGGING READWRITE: Blogger Leaves The Porn To Tumblr: Zum 23. März wird Googles Bloggingplattform Blogger jugendfrei. Der Dienst verbietet seinen Nutzern nämlich ab diesem Datum nicht-jugendfreie und sexuell eindeutige Inhalte. Nutzer, die gegen diese Regelung verstoßen, sollen gesperrt werden. Lediglich private Blogs mit expliziten Inhalten sowie Nacktheit im künstlerischen, erzieherischen, dokumentarischen oder wissenschaftlichen Kontext mit einem erheblichen Nutzen sind weiterhin erlaubt. Damit übergibt Google der zu Yahoo zugehörigen Plattform Tumblr beim Thema nicht-jugendfreie Inhalte die Marktführerschaft. Dort sind solche Inhalte nämlich weiter erlaubt und erfreuen sich einer großen Beliebtheit.

  • APPLE Gizmodo: Apple baut Medienredaktion auf: Apple möchte nicht mehr nur der Hersteller von technischen Geräten, wie dem iPhone oder iPad und der Anbieter von Diensten wie iTunes oder iCloud sein. Einem neuesten Stellengesuch zufolge sucht das Unternehmen einen Musikredakteur für den hauseigenen Musikshop iTunes. Dieser soll anscheinend eine Medienredaktion zu den Themen Musik, Filme und Bücher aufbauen. Dazu wurde bereits in jüngster Vergangenheit ein bekannter, britischer DJ verpflichtet. Es stellt sich somit die Frage, was Apple mit diesem Schritt vor hat.

  • Social Media Philipp Steuer: Diese 4 sozialen Netzwerke nutzt eine 14 Jährige wirklich: Vor einigen Wochen machte auf medium ein Beitrag die Runde, in dem der 18 Jährige Teenager Andrew Watts von seinen Erfahrungen mit den Sozialen Medien erzählte. Auch wir Netzpiloten griffen diesen auf. Doch auch wenn der Beitrag bereits einen guten Einblick in die Nutzung der Sozialen Medien gab, zeigte dieser nur, wie Watts Social Media nutzt. Nun hat der deutsche Blogger, YouTuber und ehemalige Google-Mitarbeiter Philipp Steuer die 14-jährige Eva zu ihrer Social-Media-Nutzung befragt. Die Ergebnisse unterscheiden sich hierbei erheblich von denen von Watts und zeigen, welche Social-Media-Dienste Eva nutzt und warum.

Die morgendlichen Lesetipps und weitere Linktipps am Tag können auch bequem via WhatsApp abonniert werden. Jeden Tag informiert dann Netzpiloten-Projektleiter Tobias Schwarz persönlich über die lesenswertesten Artikel des Tages. Um diesen Service zu abonnieren, schicke eine WhatsApp-Nachricht mit dem Inhalt arrival an die Nummer +4917622931261 (die Nummer bitte nicht verändern). Um die Nachrichten abzubestellen, einfach departure an die gleiche Nummer senden. Wir werden, neben dem Link zu unseren morgendlichen Lesetipps, nicht mehr als fünf weitere Lesetipps am Tag versenden.

Nutze Netzpiloten 1-Klick: Mit nur einem Klick werden dir bequem alle 40 Sekunden die hier besprochenen Seiten „vorgeblättert“ START.

Weiterlesen »

Hier & Jetzt 4: Netzpiloten und die Blogger Business Lounge

Netzpiloten-Projektleiter Tobias Schwarz (Bild: Berliner Gazette, CC BY-NC-ND 3.0)

Im Interview mit dem Blogger Marcel Weiß spricht Netzpiloten-Projektleiter Tobias Schwarz über das Hier und Jetzt (und morgen) des Online-Magazins. // von Tobias Schwarz

Netzpiloten-Projektleiter Tobias Schwarz (Bild: Berliner Gazette, CC BY-NC-ND 3.0)

In der vierten Folge der Podcast-Reihe „Hier & Jetzt“ spricht der von mir sehr geschätzte Marcel Weiß mit mir über die letzten zwei Jahre bei den Netzpiloten und was wir in diesem Jahr noch alles vorhaben. Dabei gehe ich natürlich auch auf unsere kommende Blogger Business Lounge ein und kommentiere die aktuellen Entwicklungen in der Medienbranche.

Weiterlesen »

Weiterlesen »

5 Lesetipps für den 3. Februar

In unseren Lesetipps geht es heute um uns Netzpiloten, den Blogger Andrew Sullivan, Journalismus, an Politik interessierte Jugendliche und Slack. Ergänzungen erwünscht.

  • NETZPILOTEN Brand Eins: Wir Netzpiloten sind Alt-98er: Uns Netzpiloten gibt es jetzt schon seit 17 Jahren. In der Januar-Ausgabe der Brand Eins durften wir zum Auftakt einer Artikelserie über die New Econmy einen Blick zurück und nach vorn werfen. Der Text von Mischa Täubner ist jetzt auch online auffindbar, weshalb wir ihn noch einmal ausdrücklich empfehlen wollen. Wer mehr über uns erfahren will, findet in dem Text viele spannende Anekdoten und Lehren, die wir als Unternehmen in den letzten Jahren gemacht haben.

  • ANDREW SULLIVAN Medium: What Andrew Sullivan taught us about paywalls and independent journalism: Für Blogger und Online-Journalisten war Andrew Sullivan eine Art Vorbild. Stefan Niggemeier widmet dem berühmten Politik-Blogger einen lesenswerten Artikel in der F.A.Z. und Simon Owens erklärt in einem Blogbeitrag auf Medium, was Andrew Sullivan uns über Paywalls und unabhängigen Journalismus lehrte, denn zu diesen beiden Punkten setzte er Maßstäbe.

  • JOUNALISMUS Fachjournalist: Urban Journalism Salon – „Von Angesicht zu Angesicht“: Am 1. August 2014 war ich bei der durchwachsenen Premiere des ersten „Urban Journalism Salon“ in Berlin. Die Idee überzeugte und das Team um den freien Journalisten Mark Heywinkel arbeitet schon an der nächsten Ausgabe und Ablegern für verschiedene Städte. Im Interview mit Felix Fischaleck erklärt Heywinkel, was es mit dieser innovativen Form des partizipativen Journalismus auf sich hat, welche Lehren aus der ersten Veranstaltung gezogen wurden und wann und wo der zweite Urban Journalism Salon stattfindet.

  • JUGENDLICHE Der Schreiberling: Nicht mal unsere Lehrer wissen, was ab geht: Im Tagesspiegel-Blog „Der Schreiberling“ kommen Berliner Jugendliche zu Wort, wie zum Beispiel Luise Böhm, die über den Umgang der Schule mit den Anschlägen von Paris schreibt. Die Schüler haben Redebedarf, doch keine der Lehrkräfte nimmt sich die Zeit, mit den teilweise sehr interessierten Schülern zu Reden. Andere Schüler interessiert es gar nicht, aber der Beitrag zeigt, dass zwar Jugendliche immer früher an politischen Tagesthemen interessiert sein können und sich über das Internet informieren, der Lehrplan diese Themen aber nur für die oberen Klassen vorsieht.

  • SLACK t3n: „Es ist fast ein Wunder, dass überhaupt jemand Slack nutzt!“: Jörgen Camrath hat sich für t3n mit Stewart Butterfield, den Gründer von Flickr, über sein neuestes Unternehmen unterhalten. Slack ist eine App, mit der vor allem Teams zusammen kommunizieren können und die nach zwei Jahren bereits mit einer Milliarde US-Dollar bewertet ist. Vollkommen zu Recht, denn auch bei uns Netzpiloten hat Slack die Kommunikation innerhalb der Redaktion wesentlich verbessert. Andere Kunden, wie Adobe, PayPal, BuzzFeed, Airbnb und die New York Times scheinen das ähnlich zu sehen.

Die morgendlichen Lesetipps und weitere Linktipps am Tag können auch bequem via WhatsApp abonniert werden. Jeden Tag informiert dann Netzpiloten-Projektleiter Tobias Schwarz persönlich über die lesenswertesten Artikel des Tages. Um diesen Service zu abonnieren, schicke eine WhatsApp-Nachricht mit dem Inhalt arrival an die Nummer +4917622931261 (die Nummer bitte nicht verändern). Um die Nachrichten abzubestellen, einfach departure an die gleiche Nummer senden. Wir werden, neben dem Link zu unseren morgendlichen Lesetipps, nicht mehr als fünf weitere Lesetipps am Tag versenden.

Nutze Netzpiloten 1-Klick: Mit nur einem Klick werden dir bequem alle 40 Sekunden die hier besprochenen Seiten „vorgeblättert“ START.

Weiterlesen »

Blogger im Bundestag: Ein Hauch von Transparenz

Kuppel des Reichstags (Bild: PixelAnarchy [CC 0], via pixabay)

Steter Tropfen höhlt den Stein: Die Verwaltung des Bundestags versucht sich vorsichtig in mehr Transparenz. Anlass war die Aussperrung von Bloggern vor einem Jahr. // von Tobias Schwarz

Kuppel des Reichstags (Bild:  PixelAnarchy [CC 0], via pixabay)

Ende Januar 2014 verschärfte die Pressestelle des Bundestags die Akkreditierungsbedingungen – mit der Folge, dass es Bloggern nicht mehr gestattet war, als akkreditierte Pressevertreter den Bundestag zu besuchen. Ein Presseausweis war von nun an Bedingung für den Zutritt zum Parlament, doch diese Beschneidung der Pressefreiheit sorgte für Protest, dem die Verwaltung sich langsam beugt. Etwas mehr Transparenz verspricht die Verwaltung. Und wieder freien Zugang für Blogger.

Weiterlesen »

Weiterlesen »

Interview mit Sebastian Matkey über buchmesse:blogger

Mit dem Projekt „buchmesse:blogger“ schafft die Leipziger Buchmesse einen Raum für Blogger und bindet sie noch stärker ein. // von Tobias Schwarz

Sebastian Matkey

Mitte März findet wieder die Leipziger Buchmesse statt und in diesem Jahr werden besonders die Literatur- und Buchblogger in die traditionsreiche Messe eingebunden. Unter dem Projektnamen „buchmesse:blogger“ wird es einen eigenen Raum für die Blogger geben, eine auf die zugeschnittene Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und der Aufruf, den Preis der Leipziger Buchmesse als Bloggerpaten zu begleiten. Wir haben uns mit Sebastian Matkey vom Messeteam über diese neue Ausrichtung unterhalten.

Weiterlesen »

Weiterlesen »