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YouTube Gaming wird abgeschafft – und bleibt trotzdem erhalten

2015 erst startete „YouTube Gaming“ – eine neue Internetseite des Videoportals, speziell auf den großen Markt der Gaming-Videos zugeschnitten. Damit wollte YouTube dem auf Livestreaming konzentrierten Konkurrenten Twitch den Kampf ansagen. Der Internetriese Amazon hatte den Streamingdienst erst ein Jahr zuvor übernommen.

Nun, drei Jahre später, verkündet YouTube, seinen Gaming-Ableger März 2019 zu schließen. Dem Spielesektor den Rücken kehren will YouTube aber keinesfalls. Die YouTube Gaming-Features werden bis zur Abschaltung in die Hauptseite integriert. Grund für diese Entscheidung seien Rückmeldungen der Nutzer, die von der Trennung der beiden Seiten irritiert waren oder nicht einmal von der Existenz einer eigenen Gaming-Seite wussten.

Gegenüber Techcrunch äußerte sich Ryan Wyatt, Director of Gaming Content, wie folgt:

„We have 200 million people that are logged in, watching gaming content every single day. And the majority of them, quite frankly, are just not using the YouTube Gaming app for their gaming experiences.“

Mit 200 Millionen eingeloggten Besuchern, die täglich Gaming Content schauen, sei man sehr zufrieden. Der größte Teil schaut sich die Videos aber nach wie vor über die normale YouTube -Seite an.

Wie geht es weiter?

Wenn im ersten Quartal 2019 der Stecker gezogen wird, müsst ihr trotzdem auf nichts verzichten. Bereits jetzt ist die neue Themenseite über „Mehr von YouTube“ auf der Startseite oder direkt über die neue Seite erreichbar.

Hier könnt ihr gewohnt Spiele auswählen und habt die aktuellen Top-Livestreams sofort im Blick. Ebenso abonniert ihr nicht nur einzelne Kanäle, sondern bei Bedarf auch ganze Spiele. YouTube spendiert euch sogar eine Gaming-bezogene Trendseite. Auch für kleinere Kanäle gibt es Grund zur Freude: „On the Rise“ nennt sich ein neues Programm, das Gaming-Kanäle hervorheben soll, die gerade auf dem Vormarsch sind. 

Die Features werden Schritt für Schritt in die neue Themenseite implementiert. Damit findet ein flüssiger Übergang von der alten in die neue Welt statt, ehe YouTube Gaming im März 2019 vom Netz genommen wird. Ob die neue Themenseite besser angenommen wird, wird sich dann zeigen.


Image by Iryna Tiumentseva via stock.adobe.com

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HTC U12 Plus im Test: Mit der Zweiten sieht man besser

HTC U12 Plus

Aktuelle Smartphones mausern sich immer öfter zur Kompaktkamera. Die Hersteller spendieren dabei nicht nur lichtstarke Objektive, sondern auch Zweitlinsen. Nach Jahren des Testens und Ausprobierens wagt auch HTC endlich den Schritt zur Dual-Kamera. Im neuen Flaggschiff HTC U12 Plus kommen dabei gleich zwei Exemplare zum Einsatz. Ob und in welchen Disziplinen das High-End-Telefon noch überzeugt, habe ich in einem ausführlichen Alltagstest herausfinden dürfen.

Überall glänzt und schimmert es

Bereits äußerlich gibt es eine Menge „Bling Bling“ beim neuen Flaggschiff der Taiwaner. Der Hersteller bleibt sich treu und setzt das Liquid-Design aus dem U11 konsequent fort. So besteht die Rückseite weiterhin aus Glas. Ohne Hülle machen sich schnell unschöne Fingerabdrücke bemerkbar.

Doch nicht nur das: Das Hochglanzgehäuse ist sehr glatt und sorgt für ein unsicheres Haltegefühl. Und das sogar bei größeren Händen. Dafür sorgen nicht nur die beachtlichen Ausmaße von 157 x 74 Millimetern, sondern auch das Gewicht von 188 Gramm. Auch von glatten Untergründen rutscht das Telefon schnell, unschöne Kratzer sind die Folge. Sollte das HTC U12 Plus doch einmal aus den Händen gleiten, ist es zumindest nach IP68 staub- und wasserdicht.

Edge Sense 2 funktioniert einwandfrei

Möglich wird die Witterungsbeständigkeit durch wenige kabelgebundene Schnittstellen sowie die neuartigen Power- und Lautstärke-Tasten, die genau genommen gar keine sind. HTC hat es nämlich geschafft die physischen Buttons zu beseitigen und stattdessen die berührungsempfindliche Edge-Sense-Technologie zu integrieren. Ein Fingertipp reicht, um das Gerät aus dem Standby zu erwecken oder die Lautstärke zu kontrollieren. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit ging die Steuerung flott und ohne Probleme von den Fingern. Beim verkaufsfertigen Gerät hat HTC also die Macken des Vorserienmodells überwinden können, die noch während des ersten Ausprobierens störten.

Die Rückseite des HTC U12 PLus besteht aus empfindlichem Glas. Image by Jonas Haller

Scharfes 18:9-Display mit HDR-Support

Beim Vorgänger U11 Plus hat der Hersteller erstmals ein langgezogenes 6-Zoll-Display mit QuadHD-Auflösung auf den Markt gebracht. Diese Entwicklung behält das Unternehmen bei und setzt nun auf eine aufgebohrte Version mit schmäleren Rahmen. Neben den detailreichen DCI-P3-Farbraum wird auch HDR 10 unterstützt – zum Verkaufsstart allerdings lediglich für YouTube.

Sowohl Blickwinkelstabilität als auch Helligkeit und Farbtreue sind auf einem hohen Niveau, kommen allerdings nicht an die Platzhirsche Samsung oder LG heran. Besonders bei direkter Sonneneinstrahlung muss das Panel im HTC U12 Plus Federn lassen. Alles in allem ist das allerdings Meckern auf höchster Ebene, denn selbst Premium-Ansprüchen genügt das SLC-Display.

High-End-Komponenten unter der Haube

Wie von HTC bereits bekannt, steckt im Gehäuse die derzeit beste mobile Rechentechnik. So kommen der Acht-Kern-Prozessor Snapdragon 845 von Qualcomm und 6 GB Arbeitsspeicher zum Einsatz. Beispielsweise in den branchenbekannten Benchmarktests AnTuTu und Geekbench erreichte das U12 Plus Bestwerte. Intern finden ausbaufähige 64 GB Platz, die im schnellen UFS 2.1 Standard gelesen und beschrieben werden können. Per microSDXC-Karte lässt sich der Speicher außerdem um bis zu 2 TB erweitern.

In der Praxis machte das Gerät eine sehr gute Figur. Selbst leistungshungrige Apps und Spiele öffneten sich fix, Ladezeiten wie etwa in Real Racing 3 hielten sich in Grenzen. Auch die bei Vorgängern auffällige Wärmeentwicklung hat der Hersteller ausgemerzt. So sollten Telefone laufen. Seinen Teil trägt die schlanke Software bei, die HTC verwendet.

Doppelt zweifaches Kamera-Erlebnis

In den letzten Modelljahren hat sich das taiwanische Elektronikunternehmen noch gegen den Trend der Dual-Kameras gewehrt. Beim neuen U12 Plus bringt HTC gleich zwei Exemplare zum Einsatz. Auf der Rückseite hat HTC eine 12 Megapixel auflösende Weitwinkelkamera sowie eine 16 Megapixel auflösende Telekamera platziert. Vor allem erstere entzückt Hobbyfotografen: Mit einer Blende von f/1.75 bei 25 mm Brennweite und 1,4 µm Pixelgröße gelingen hervorragend scharfe und lichtstarke Aufnahmen.

Die Hauptkamera kommt mit einer Weitwinkel- sowie Tele-Linse daher. Image by Jonas Haller

Das Partnermodul ermöglicht einen zweifachen Zoom, ist allerdings qualitativ abgeschlagen. Sie eignet sich besonders für künstlerische Fotos mit Tiefenschärfe, dem sogenannten Bokeh-Effekt. Selbstverständlich gibt es für Kameraprofis auch einen RAW-Modus bei dem die Schnappschüsse im Rohformat und damit besonders bearbeitungsfreundlich gespeichert werden. Im Test überzeugte die Kamera vor allem durch Schärfe sowie Detail- und Farbtreue. Sie macht eine Kompaktkameras mit Zweifach-Zoom obsolet. Auch im Benchmark DxO erreicht das HTC U12 Plus mit 103 Punkten einen Höchstwert.

Getan hat sich auch einiges in Sachen Videoqualität: Bewegtbilder landen erstmals in 4K-Auflösung mit 60 Bildern pro Sekunde auf dem Festspeicher. Der optische Bildstabilisator sorgt für wackelfreie Aufnahmen. Außerdem lässt sich stufenlos bis zu vierfach zoomen. Zeitlupen liefert das HTC U12 Plus in FullHD mit 240 fps. Im Alltag bieten diese Optionen ganz neue Möglichkeiten zum Speichern von Momenten. Es lassen sich schon fast cineastische Clips aufnehmen.

Die beiden Frontkameras lösen mit 8 Megapixel auf und bieten eine gute Qualität. Image by Jonas Haller

Für Selfiefreunde bietet das Smartphone auf der Front eine Dual-Kamera, dessen Bildsensoren mit je 8 Megapixel auflösen und mit f/2.0 eine lichtstarke Blende bieten. Wie bei der Hauptkamera wird hier ebenfalls HDR Boost 2 unterstützt. Der Bokeh-Modus sorgt dabei für professionell anmutende Schnappschüsse. Ähnlich wie das Samsung Galaxy S9 kommt das HTC-Gerät mit AR-Sticker daher. So lassen sich beispielsweise witzige Fotos à la Snapchat aufzeichnen. Mit Kindern ganz amüsant, ich selbst könnte auf die Spielerei allerdings gern verzichten.

Test-Bilder mit dem HTC U12 Plus in der Übersicht

BoomSound-Lautsprecher mit qualitativer Luft nach oben

Für ein richtiges Multimedia-Gerät muss natürlich auch der Sound stimmen. Seit einigen Jahren setzt der taiwanische Hersteller deshalb auf seine BoomSound-Technologie. Sie ist auch im HTC U12 Plus verbaut. Die schmale Hörmuschel dient dabei als Hochtöner, der bodenseitige Speaker für die langwelligen Bassfrequenzen. Während die Komponenten in Sachen Lautstärke einen neuen Bestwert erreichen, zeigen sich in der Soundqualität Schwachstellen. Vermutlich der für die Displaygröße kompakten Bauweise geschuldet, bietet das Mobiltelefon nur Standardkost. Vorgänger gaben schon druckvollere Tiefen von sich. Unterwegs sollte man also lieber zu den mitgelieferten USonic In-Ear-Kopfhörer greifen, die eine ausgezeichnete Noise Cancellation bieten.

Auch in Sachen Akkuleistung hat das Testgerät Verbesserungspotential. Mit 3.500 mAh ist das Modul nominell gut bestückt, zeigt allerdings im Alltag Schwächen in der Laufzeit. Zwar versorgt der Energiespender das Telefon den kompletten Tag mit Strom. Jedoch ist tägliches Laden Pflicht. HTC selbst verspricht ein zeitnahes Update, der dem erhöhten Verbrauch ein Ende bereiten soll.

HTC-Features peppen Bedienung auf

Das HTC U12 Plus kommt mit dem Android-System in Version 8.0 daher. Die klar strukturierte Sense-Oberfläche ergänzt der Hersteller außerdem um einige Features, die die Bedienung spürbar komfortabler macht. Wie auch beim Vorgänger ist der Rahmen nämlich drucksensitiv und reagiert auf zusammenquetschen der Hand. Einfaches Drücken entsperrt das Telefon, doppeltes „Quetschen“ aktiviert die Kamera. Neu ist die sanfte Antipp-Funktion. Ist das Gerät entsperrt, lässt sich durch doppeltes Tippen mit dem Daumen der sogenannte Edge-Launcher aktivieren.

In der Praxis sind diese Funktionen allerdings zumindest anfangs gewöhnungsbedürftig. Zumal andere Personen etwa beim Zeigen von Schnappschüssen schnell ungewollte Aktionen ausführen. Auch für mich als Nutzer hat es einige Zeit gedauert bis ich etwa den Edge Launcher in den eigenen Workflow integriert habe. Ist das jedoch geschehen, lässt sich das U12 Plus auch unkompliziert mit einer Hand bedienen. Optional ermöglicht der Hersteller auch das Minimieren des Bildschirms.

Der Edge Launcher ermöglicht die Steuerung mit einer Hand. Image by Jonas Haller

Fazit: HTC U12 Plus ist eine grandiose Kamera mit Smartphone-Funktionen

Seit dem Neustart mit der One-Serie legt HTC besonderen Wert auf die Kamera. Und auch im U12 Plus ist sie das ultimative Feature. Die beiden Dual-Linsen sorgen dabei für hochwertige Aufnahmen. Man könnte meinen, man hielte sogar eine vollwertige Kamera in den Händen. Tut man aber nicht, sondern nutzt zudem ein leistungsstarkes Smartphone mit den besten Hardware-Komponenten, die der Markt derzeit bietet. Kritik muss sich der taiwanische Hersteller lediglich in Sachen Lautsprecher und Akku gefallen lassen. Die BoomSound-Speaker hinken qualitativ den Vorgängermodellen hinterher und der Akku schwächelt allzu schnell. Für die unverbindliche Preisempfehlung von 799 Euro bietet HTC allerdings ein faires und stimmiges Gesamtpaket mit der Crème de la Crème der Smartphone-Technik.

Das HTC-Flaggschiff bei Amazon (Provisions-Link)


Images by Jonas Haller

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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
  • INSTAGRAM Heise: Instagram TV attackiert Youtube: Hochkant-Videos mit bis zu 60 Minuten Laufzeit: Jeder, der gerne Insta-Storys dreht weiß, dass normalerweise nach 15 Sekunden Schluss ist und die nächste Story gestartet werden muss. Für diejenigen, für die das nicht reicht, soll es bald die Möglichkeit geben 60-minütige Instastorys zu drehen. Das wird der Videoplattform YouTube ganz schön zusetzen, denn Instagram hat es sich fest zum Ziel gemacht, somit die jüngere Zielgruppe anzusprechen, die keine Lust auf klassisches Fernsehen hat. Unter dem Namen IGTV sollen die Hochkant-Videos, die den kompletten Bildschirm auf dem Smartphone ausfüllen, neben Privatpersonen auch Influencer ansprechen. Die Videos werden, ähnlich wie beim klassischen Fernsehen, in Kanälen gesammelt, um einen geordneten Überblick zu schaffen. Schon in den nächsten Wochen soll IGTV weltweit verfügbar sein.

  • FACEBOOK Computer Base: Paywall: Facebook testet kostenpflichtige Gruppen: Muss bald für Facebook-Gruppen bezahlt werden? Derzeit testet Facebook nämlich kostenpflichtige Gruppen, bei denen die Administratoren von ihren Gruppenmitgliedern einen monatlichen Beitrag zwischen fünf und 30 US-Dollar kassieren können. Die sogenannten Subscription Groups beschränken sich testhalber auf eine kleine Anzahl von Gruppen innerhalb der USA. Aber was steckt hinter dem Gedanken von den Gruppenmitgliedern Geld einzufordern? Facebook möchte mit diesen Beiträgen die Arbeit der Gruppen-Administratoren honorieren. Doch hofft das soziale Netzwerk auch, dass somit exklusive Inhalte innerhalb der Gruppen entstehen werden. Nutzer können, sobald sie ein Abo abgeschlossen haben, dieses auch wieder monatlich kündigen.

  • DIGITAL KEY GameStar: Digital Key 1.0 – Autos per Smartphone öffnen und starten: Wie wäre es, wenn man künftig sein eigenes Auto mit dem Smartphone öffnen und auf das lästige Schlüssel suchen verzichten könnte? Car Connectivity Consortium (CCC) möchte genau das möglich machen. Hinter dem Namen CCC versteckt sich eine interindustrielle Kollaboration von Auto- und Smartphone-Herstellern. Mit dem sogenannten Digital Key können Autofahrer dann ihr Auto mit dem Smartphone öffnen, starten und schließen. Zudem können mithilfe dieser Technologie auch weitere Schlüssel für das Auto erstellt oder auch geteilt werden. Was steht dabei im Fokus? Laut dem CCC soll natürlich der Komfort, die Bequemlichkeit und die sichere Nutzung der Fahrzeughalter im Vordergrund stehen.

  • GOOGLE Golem: Google veröffentlicht eigene Podcast-App: Wer ein Fan von Podcasts ist, für den hat Google jetzt eine neue Android-App unter dem Namen Google Podcast vorgestellt. Über den Google Assistant ist die App somit auf allen Geräten integriert. Somit können auch über Googles smarte Lautsprecher per Spracheingabe Podcasts aufgerufen und gehört werden. Startet man beispielsweise einen Podcast auf dem Smartphone, so kann dieser später über ein anderes Gerät weiter gehört werden, da die Hörstücke synchronisiert werden. Zudem können sich die Nutzer Empfehlungen zukommen lassen, die auf die Hörgewohnheiten der jeweiligen Nutzer abgestimmt sind. Wie genau das funktioniert, hat Google bisher noch nicht bekanntgegeben, dennoch steckt hier der Einsatz von künstlicher Intelligenz dahinter.

  • AMAZON Internetworld: Amazon lässt mit Alexa bezahlen: Online Banking ist ja schon was Feines und dann ist es noch so bequem und einfach. Allerdings kann online Bezahlen bald noch einfacher werden. Amazon möchte Kunden nämlich ermöglichen in Zukunft ihre Käufe per Sprachbefehl zu erledigen. Das Ganze wird derzeit noch getestet, aber soll sogar noch in diesem Jahr verfügbar gemacht werden. Ganz ohne Risiken ist diese Bezahlmethode natürlich nicht. Vielmehr bietet sich diese Art zu Bezahlen eher für Produkte des täglichen Bedarfs an, wie etwa Produkte, die man zum Kochen benötigt.

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WG-Suche: Der neue Trendmarkt für Startups

Wohnungen (adapted) (Image by karlherl [CC0 Public Domain] via Pixabay

Wer als junger Mensch eine Bleibe in einer Großstadt sucht, hat es nicht leicht. Der Wohnraum wird knapper, die Mieten teurer, die Angebote seltener. Genau diese Situation haben nun einige Startups als Trendmarkt erkannt. Sie spezialisieren sich vor allem darauf, junge Menschen bei der WG-Suche zusammenzubringen.

Berlin, das Mietparadies? Das war einmal!

Berlin galt mal als Mietparadies: viele Wohnungen, günstige Preise. Doch auch wenn der Quadratmeter Wohnung in Berlin im internationalen Vergleich immer noch relativ günstig ist, die Lage spitzt sich zu. Laut Wohneigentumsreport 2017/2018 gibt es für die steigende Nachfrage nach Wohnraum in der Hauptstadt nicht genug Angebote.

 

Grafik Wohnungsnot
Bevölkerung im Vergleich zum Wohnraum, Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt

Besonders kritisch ist es im unteren Preissegment. Nach den Ermittlungen des Wohneigentumsreports ist die Nachfrage nach Wohnungen für weniger als 1.000 Euro/m² um einen Prozent gestiegen, das Angebot ist aber gleich geblieben. Das bedeutet, gerade Studenten oder junge Menschen, die sich die teuren Mieten nicht leisten können, haben es zunehmend schwer, eine bezahlbare Bleibe in Berlin zu finden. Selbst der typische Studenten-Wohnungsmarkt, bei dem vorwiegend junge Leute Wohngemeinschaften suchen, ist völlig überschwemmt. Es ist beispielsweise nicht ungewöhnlich, dass sich auf ein attraktives WG-Zimmer in Berlin 300 Personen bewerben.

Das gilt natürlich nicht nur für Berlin. Aktuell ist in den meisten gefragten Großstädten dieser Welt die Nachfrage nach Wohnraum größer als das Angebot. Tendenz: Es wird noch schlimmer. Was für Wohnungssuchende frustrierend sein mag, haben einige Startups jetzt als neuen Trendmarkt entdeckt.

Von der WG-Suche zum Startup

Presse-Foto Desireé und Anne WOVIVI 1
Desireé und Anne (Image by Sophie Werche)

Eigentlich wollten Desireé Städter und Anne Pehla nach ihrem Abitur nach Berlin ziehen, eine WG eröffnen und von dort aus ein eigenes Projekt starten. Bis sie feststellten, dass der erste Schritt – eine Wohnung finden – viel schwieriger war als anfangs gedacht. Drei Monate lang suchten sie vergeblich. „Wir sind dafür zum Teil auf Wohnungsbesichtigungen mit 30 anderen Personen gegangen und hatten dabei nie die Chance unsere Persönlichkeiten zu zeigen”, sagt Desireé Städter im Netzpiloten-Interview. Die beiden Freundinnen beschlossen daher, ein Vorstellungsvideo von sich zu drehen, damit Makler oder Hausverwaltungen sie besser kennen lernen konnten. „Wir haben das viel größer aufgezogen als es eigentlich notwendig war, mit einer Couch auf einem Hochhausdach in Berlin und einem ganzen Filmteam“, erinnert sich Anne Pehla.

Dabei kam ihnen die zündende Idee: Warum nicht eine Plattform für andere Wohnungssuchende in Berlin starten, auf der sich WG-Bewerber und WGs mit verfügbaren Zimmern in persönlichen Videos vorstellen und so schneller zueinander finden können? Ihr eigenes Video stellten sie danach zwar nie fertig, die Idee für ihr eigenes Startup war aber geboren – Wovivi. Auf der Webseite können sich WG-Suchende in kurzen Videos vorstellen, und sich so auf eine sehr persönliche Art um ein WG-Zimmer in Berlin bewerben.

 

Wer so ein Porträt erstellen möchte, bewirbt sich über ein Kontaktformular auf der Webseite. Die beiden Gründerinnen treffen die Bewerber dann persönlich in Berlin und nehmen die Videos auf, die die jungen WG-Bewerber anschließend an ihre Wunsch-WGs schicken können. Insgesamt drei bis vier Stunden dauert die Erstellung eines solchen Video-Porträts. Bisher wird der Service von den Gründerinnen gratis angeboten. Ihr Ziel ist es, zunächst genug Nutzer – WG-Suchende und WGs – auf ihre Webseite zu führen, um dann für die Vermittlung eine Gebühr verlangen zu können.

So will Wovivi DIE Plattform für WG-Suchende werden. Ganz schön ehrgeizig für zwei junge Unternehmerinnen Anfang Zwanzig. Doch die beiden sind davon überzeugt, dass sie einen einzigartigen Service anbieten, der sich von Massenportalen wie wg-gesucht.de abheben kann. „Die großen WG-Portale sind unsere größte Konkurrenz, aber wir bieten mit unserer Plattform die Möglichkeit, seine Persönlichkeit zu zeigen und aus der Anonymität der Zimmersuche auszubrechen.“

Tatsächlich könnte ein Portal wie Wovivi sowohl Wohnungs- als auch Mitbewohnersuchenden viel Zeit sparen. „Aktuell ist es so, dass WGs zum Teil 50 Bewerber zu sich einladen, allen eine Wohnungstour geben, und sich immer wieder vorstellen müssen. Mit einer Plattform wie unserer sieht man viel schneller, wer als Mitbewohner gut passen können und kann das Ganze dann schnell auf vielleicht noch etwa fünf Bewerber reduzieren“, sagen die Gründerinnen. 

Knapp 20 junge Menschen haben Wovivi für ihre WG-Suche bisher genutzt, und rund zehn konnten bereits auf diesem Weg eine passende Bleibe finden. Das ist keine schlechte Bilanz, wenn man bedenkt, dass die Webseite am 13. September 2017 gelauncht wurde. Seit Ende 2017 können Nutzer auch eine passende App dazu bekommen, mit der sie dann selbst Videos aufnehmen können. Auch WGs sollen sich dann über die App in Kurzvideos vorstellen. Langfristig wollen Desireé Städter und Anne Pehla eine Plattform nicht nur für die Wohnungssuche, sondern auch für die Vernetzung von WGs untereinander werden.

Vom menschlichen Faktor bis zum Matching-Algorithmus

In Deutschland ist Wovivi mit seinen Video-Porträts recht einzigartig, doch angesichts der knappen Wohnugssituation in anderen Großstädten dieser Welt, gibt es mittlerweile viele weitere Startups, die den Wohnungsmarkt als Trendmarkt entdeckt haben und vergleichbare Angebote vor allem für medial versierte Millennials entwickelt haben. Die Idee dahinter ist ähnlich wie bei Wovivi: Persönlichkeit statt Massenabfertigung, passender Match statt wahlloser Suche.

Roomiematch, ein Startup aus den USA, setzt beispielsweise auf den menschlichen Faktor bei der Vermittlung. Wie das Portal betont, überprüfen hier echte Menschen die Profile auf der Webseite. So sollen Fake-Profile vermieden werden und Nutzer mit falschen Angaben von Anfang an aussortiert werden.

Roomi wiederum ist eine weitere App aus den USA, für Wohnungssuchende in Städten wie New York City und mittlerweile auch Chicago und San Francisco. Hier gibt es zwar keine Videos, dafür aber kurze Selbstbeschreibungen, Fotos und die Möglichkeit, miteinander zu chatten und sich über Social Media zu vernetzen.

Das Portal Diggz konzentriert sich auf den wahrscheinlich schwierigsten Wohnungsmarkt der Welt: New York City. Diggz ist dabei eine Mischung aus Airbnb und Tinder, und setzt alles darauf, über einen Algorithmus von vorneherein passende Profile zueinander zu führen.

Auch wenn viele dieser Apps tatsächlich aus den USA kommen, gibt es auch im deutschsprachigen Raum einige Apps, die neue Wege gehen, um Nutzern bei der Wohnungssuche zu helfen.

Deutschsprachige WG-Apps setzen auf das Tinder-Prinzip

Gerade den Aspekt des passenden Matches hebt beispielsweise das Dortmunder Startup Weegee hervor. Mitgründer Daniel Timmermann hatte dabei ganz klar das Tinder-Prinzip vor Augen, es erinnert von der Funktonsweise daher ein wenig an Diggz. Die Idee zu Weegee kam Timmermann ganz klassisch, durch ein persönliches Erlebnis. Nachdem ein Freund von Timmermann eine frustrierende WG-Castingrunde mit über 150 Bewerbern hinter sich hatte, kam der Entwickler schnell auf die Idee, die WG-Suche effektiver zu gestalten.

Auf Weegee können sich Bewerber und WGs wie bei Tinder entweder nach links oder rechts wischen, und kommen somit nur mit gleichermaßen interessierten Menschen in Kontakt. Die Kontakte, die Weegee dabei vorschlägt, sind aber nicht so zufällig wie bei der Dating-App. Ein Algorithmus sortiert von vorneherein unpassende Profile aus. Raucher und Nichtraucher-WGs kommen so etwa gar nicht erst zusammen. Das soll die Suche effektiver und zeitsparender machen. Langfristig soll die App nicht nur für den Wohnungsmarkt, sondern auch für andere Produkte genutzt werden.

Auch Flatmatch, ein Zürcher Startup, setzt auf das Vermitteln per Algorithmus. „Meet. Match. Move.“ lautet das Motto hinter der App. Wie bei Weegee diente bei Flatmatch ebenfalls die Dating-App Tinder als Inspiration. Ein Algorithmus führt dabei passende Profile zusammen und erleichtert so die Wohnungssuche. Alexander von Luckner sagt, er wolle mit der App vor allem den Zeitaufwand reduzieren. Denn sowohl Wohnungssuchende als auch WGs müssen aktuell sehr viel Zeit in den Prozess investieren. Bisher gibt es Flatmatch nur in der Schweiz, ab 2018 sollen dann auch Deutschland und weitere europäische Länder hinzukommen.

Übrigens, bei Desireé Städter und Anne Pehla hat es mit der gemeinsamen WG-Gründung letztlich doch nicht ganz so geklappt wie ursprünglich geplant. Dafür wohnt Anne Pehla jetzt in einer WG und Desrieé Städter in ihrer eigenen Wohnung in Berlin.


Porträt: Sophie Werche


Image (adapted) Wohnungen by karlherl (CC0 Public Domain)


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Snapchat: Vom Reiz des Augenblicks zum Untergang

Smartphone (adapted) (Image by TeroVesalainen [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Als Snapchat im Jahr 2011 auf den Markt kam, war seine Kurzlebigkeit das Alleinstellungsmerkmal. Die Idee, die Foto- und Videobotschaften direkt wieder zu löschen, war ein krasser Gegensatz zu den etablierten Social-Media-Plattformen, die die Nutzer dazu dazu bringen wollten, Profile mit haufenweise Inhalten zu erstellen. Verschwundene „Snaps“ mögen anfangs als diskrete Art des Sextings an Zugkraft gewonnen haben, aber ihre Kurzlebigkeit entpuppte sich als attraktiv.

Die Benutzer haben Snapchat als eine Möglichkeit verstanden, die unbedeutenden, albernen, alltäglichen oder einfach weniger ausgefeilten Momente des Alltagslebens zu teilen. Augenblicke, die nicht als Instagram-, Twitter- oder Facebook-würdig gelten, können als flüchtige Snaps geteilt werden. Snapchat-Mitbegründer Evan Spiegel dazu:„Bei Snapchat geht es nicht darum, den traditionellen Kodak-Moment für das Fotoalbum festzuhalten. Es geht um die Kommunikation mit der ganzen Bandbreite menschlicher Emotionen – nicht nur mit dem, was schön oder perfekt zu sein scheint.“

Für Snapchat sah es lange recht vielversprechend aus. Im Jahr 2013 stellte das Unternehmen Snapchat Stories vor, eine Montage von Snaps, die gleichzeitig über die gesamte Kontaktliste des Nutzers für einen Zeitraum von 24 Stunden ausgestrahlt wird. Im folgenden Jahr folgte die Einführung von Snapchat-Werbung, die es den Unternehmen ermöglichte, die wachsende Nutzerbasis der App zu erreichen und Snapchat mit einer wachsenden Einnahmequelle auszustatten. Snapchat war so zuversichtlich, dass es das Übernahmeangebot von Facebook in Höhe von drei Milliarden US-Dollar im Jahr 2013 ablehnte.

Trittbrettfahrer

Erfolg sorgt für Nachahmer. Im Jahr 2016 veröffentlichte Instagram, das inzwischen Facebook gehört, sein eigenes Stories-Feature, das die Funktionalität von Snapchat Stories widerspiegelt. Facebook selbst kam im Jahr 2017 mit einer eigenen Stories-Funktion dazu. Die Entstehung solcher Nachahmungsmerkmale hat natürlich Fragen über die Langlebigkeit von Snapchat aufgeworfen.

Snapchats monatliche Wachstumsrate der aktiven Nutzer sank von 17,2 Prozent pro Quartal Mitte 2016 auf nur fünf Prozent zu Beginn des Jahres 2017. Der Aktienkurs ist von einem Höchststand von mehr als 27 US-Dollar gesunken und notiert jetzt unter seinem Börsenkurs von unter 15 US-Dollar. Instagram Stories hat jetzt jeden Tag 250 Millionen Benutzer – das sind deutlich mehr als die 166 Millionen bei Snapchat. Wie können Social-Media-Plattformen also ihre Nutzerbasis halten, wenn ihr Hauptverkaufsargument anderswo nachgeahmt wird?

Anbindung

Meine jüngste Arbeit, die in Zusammenarbeit mit den britischen Wissenschaftlern Mike Molesworth und Janice Denegri-Knott entstanden ist, argumentiert, dass die Langlebigkeit vieler Social-Media-Plattformen auf das zurückzuführen ist, was wir als „Consumer Ensnarement“ bezeichnen. Im Gegensatz zu Snapchat regen die meisten Social-Media-Plattformen die Nutzer dazu an, kontinuierlich Inhalte hochzuladen, die Teil eines dauerhaften Profils werden. Dabei schaffen die Nutzer gleichzeitig die Plattform und binden sich daran an.

Werfen wir nun einen Blick auf Facebook. Seit vielen Jahren wird spekuliert, dass die Nutzer, insbesondere jüngere Altersgruppen, die Plattform bald verlassen würden, was aber nicht eingetreten ist. Das Unternehmen hat sich gegen Layout- und Funktionalitätsänderungen, Datenlecks und die zunehmende Kommerzialisierung durchgesetzt und behält dennoch täglich 1,32 Milliarden aktive Benutzer. Im Juli 2017 meldete Facebook einen Quartalsumsatz von insgesamt 9,32 Milliarden US-Dollar, 45 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zukunft für Facebook scheint noch heller zu sein.

Die Langlebigkeit von Facebook ist zum Teil auf den Wert zurückzuführen, den die Nutzer den hochgeladenen Inhalten beimessen, die teils sehr aufwändig kommentiert und gestaltet werden. Der Social-Media-Riese ermuntert die Nutzer, Fotos und Videos hochzuladen und zu „taggen“, in aussagekräftigen Alben zu organisieren und aktuelle Informationen in Form von Status-Updates bereitzustellen. Dieser Inhalt ist für den Nutzer insgesamt von großem Wert.

Und tatsächlich ist es so, obwohl wir nur selten darüber nachdenken und es vielleicht nicht zugeben mögen, dass unsere Facebook-Profile zu wichtigen digitalen Besitztümern geworden sind. Ohne dass wir dies wollten, sind sie zu digitalen Sammelalben geworden. Nach all den Jahren der Updates erinnern sie an wertvolle Momente und erzählen einen Teil unserer Leben.

Dadurch entsteht eine neue Form der „Einschließung“, bei der die Nutzer nicht an Markentreue, sondern an eigene Uploads gebunden sind. Je mehr Zeit und Mühe die einzelnen Personen in ihre Profile investieren, desto schwieriger wird es für sie, die Plattform zu verlassen. Wenn eine solche Verknüpfung für den kommerziellen Erfolg und die Langlebigkeit von Social-Media-Unternehmen entscheidend ist, was bedeutet das für Snapchat?

An den Snappern festhalten?

Verschwundene Schnappschüsse lassen kein digitales Sammelalbum voller hochgeladener Inhalte entstehen. Abgesehen von den Kontakten, die auf anderen Plattformen neu erstellt werden müssten – was hinterlässt der Benutzer, wenn er Snapchat aufgibt? Wie kann Snapchat ohne die Einschnürungsmechanismen, die Verbraucher an konkurrierende Plattformen binden, verhindern, dass die Nutzer-Basis von Snapchat genauso schnell verschwinden wie die Snaps selbst?

Snapchat könnte sich darauf konzentrieren, neue, eigenständige Funktionen zu entwickeln, die einen Wettbewerbsvorteil bieten. Dennoch haben wir in den letzten Jahren mehrfach erlebt, dass Innovationen im Bereich Social Media schnell nachgeahmt werden. Die wiederholte Nachahmung von Konkurrenten durch Facebook behindere die Innovationsfähigkeit des Marktes.

In der Tat hat Facebook nicht nur die Stories-Funktion von Snapchat nachgebaut, sondern vor kurzem sogar auch die Einführung von Filtern angekündigt, die die lustigen Linsen von Snapchat nachahmen – ein weiteres Merkmal der Plattform. Ohne Mechanismen der Verankerung sind weitere Innovationen kein Garant für zukünftigen Erfolg mehr.

Eine Möglichkeit besteht in der Snapchat-Funktion „Memories“, die Mitte 2016 eingeführt wurde. Im Gegensatz zum anfänglichen Fokus der App auf flüchtige, verschwundene Snaps ermöglicht Memories den Benutzern, ihre Snaps zu behalten, Snaps in der App zu speichern oder sie auf ihr Profil herunterzuladen.

Snapchat Memories erstellt eine andere Art von digitalen Scrapbooks. Während andere Plattformen es uns ermöglichen, uns an die ausgefeilten Versionen unseres Lebens zu erinnern, die auf Facebook und Instagram präsentiert werden, kann eine Montage von Snaps die Teile unseres Lebens festhalten, die sonst herausgeschnitten würden – die dummen, alltäglichen, nicht auf Hochglanz polierten, aber dennoch wichtigen und wertvollen Momente.

Wenn man nun Snaps herunterladen kann, stellt sich die Frage, wie die Plattform die Snapper dazu ermutigen kann, diese digitalen Scrapbooks in den Apps zu erstellen und mit ihnen zu interagieren? Das wirkliche Potenzial von Snapchat Memories liegt in „intelligenten“ Funktionen, die die Interaktionen der Benutzer mit ihren Inhalten bereichern. Die Nutzer können nicht nur nach Stichworten, sondern auch nach bekannten Objekten suchen und erhalten eine Sammlung von Snaps, die an ihrem aktuellen Standort aufgenommen oder in früheren Jahren am selben Datum gepostet wurden (Facebook-Funktion „An diesem Tag“). Diese Funktionen haben eine begrenzte Aufmerksamkeit erlangt, die teilweise durch den späteren Launch von Instagram Stories überschattet wurde, jedoch bieten solche Funktionen einen Mehrwert bei der Speicherung von Inhalten innerhalb der App selbst und erleichtern die Art der Einbindung durch Wettbewerber des Konzerns.

Kurzlebigkeit mag die Ursache für den frühen Erfolg von Snapchat gewesen sein. Dass die App aber in der Lage ist, ein ehrliches, unvollständiges und dauerhaftes Bild vom Leben seiner Nutzer einzufangen, dürfte vielleicht die beste Hoffnung auf Überleben darstellen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Smartphone“ by TeroVesalainen (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Süße Mädchen, freche Jungs – YouTube-Stars und die gute alte Stereotypfalle

Lippenstift (adapted) (Image by kaboompics [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Wir leben in einer Zeit, in der man YouTube-Star als einen seriösen Vollzeitjob ansehen kann. Und zwar so sehr, dass eine aktuelle Studie herausfand, dass 34% der jungen Menschen als Traumjob genau dies angeben. Zu den berühmten YouTube Prominenten zählt auch Felix Arvid Ulf Kjellberg, besser bekannt unter seinem Onlinepseudonym PewDiePie. Er ist ein schwedischer Komiker und Videoproduzent.

PewDiePie, der mittlerweile über 57 Millionen Abonnenten hat, fand sich in letzter Zeit in den Schlagzeilen wieder, weil er sich gegenüber dem Vorwurf der rassistischen Beleidigung verteidigen musste. Dann gibt es da noch die süße Zoella, die im richtigen Leben auf den Namen Zoe Sugg hört. Sie ist von Beruf Beauty-Bloggerin. Ihre lebhaft-freche Begrüßung „Hey Leute“, ihr Mops, ihre Make-up-Tips und ihre bevorzugte Farbpalette in Rosegold hat ihr bei Teenagern auf der ganzen Welt einiges an Bekanntheit eingebracht. Und diese Popularität hat sie dazu gebracht, drei Bücher herauszubringen und eine eigene Make-Up Linie bei Superdrug zu veröffentlichen. Ihr Name taucht als Pointe in Fernsehkomödien wie der Peep Show und bei den Gilmore Girls auf. Sie ist voll im Trend.

Diese zwei YouTuber haben viele Gemeinsamkeiten. Sie haben sich „vom Tellerwäscher bis zum Millionär“ hochgearbeitet – und beide haben ihr eigenes erfolgreiches Geschäft vom Schlafzimmer aus aufgebaut. Pewdiepie konzentrierte sich auf seinen Games-Kanal, nachdem er im Jahr 2011 sein Studium abgebrochen hat. Gerüchte besagen, dass er sich zunächst mit dem Verkauf von Hot Dogs finanzieren musste. Zoella hat ihren Beautyblog während eines langweiligen Praktikums gestartet.

Beide werden als Beispiele dafür hochgehalten, wie Plattformen wie YouTube neue Wege zum Ruhm für werdende Medienunternehmer geschaffen hat. Und da sich die nächste Generation immer öfter in der Nähe einer Tastatur befindet, wurde der Bedarf für eine Reihe an Vlogging-Akademien wie beispielsweise die Tubers Academy in Exeter geschaffen, um jungen Menschen zu helfen, ihre #YouTubeGoals durchzusetzen.

Auch wenn diese neuen Jungunternehmer große Wellen in der Internetwelt schlagen, scheint es so, dass es in diesem Medienwunderland dieselbe gläserne Decke und Gehaltsunterschiede zu geben scheint wie anderswo auch.

Frauen nach oben?

Auf diese Weise manifestieren viele YouTube-Vlogs in Großbritannien dieselben stereotypen Geschlechterrollen und Thematiken, die schon lange in der restlichen Medienwelt existieren. Zoella ist eine Frau und eine Beauty-Vloggerin – sie ist niedlich und harmlos und tritt ohne jegliche Kontroverse und Skandale auf. PewDiePie ist ein Mann, der für seine Games und Comedy-Videos aus den völlig falschen Gründen in den Schlagzeilen stand. Ganz ähnlich bauen die meisten beliebten männlichen Vlogger eine ebenso diverse Reichweite an Videoinhalten über Wissenschaft, Komik, Animation und Vlogs über „Streiche“ auf.

Für die bessere Analyse dieser Entwicklungen benutzte ich SocialBlade, um die 30 meistabonnierten YouTube Kanäle in Großbritannien zu identifizieren. PewDiePie ist in dieser Liste nicht dabei. Zwar lebt er in Brighton, hat aber in seinem Channel eingetragen, dass er in den USA wohnhaft sei.

Ich fand heraus, dass lediglich sechs dieser 30 Kanäle von Frauen betrieben werden. Vier Vloggerinnen unter ihnen sind jedoch noch Kinder. Also werden von den 30 meistabonnierten Vlogs Großbritanniens nur zwei von erwachsenen Frauen betrieben. Tatsächlich werden sie sogar von derselben Person betrieben, es ist nämlich der erste und der zweite YouTube-Kanal von der bereits erwähnten Zoella. Die Vloggerin hat ihren einsamen Spitzenplatz im Ranking anerkannt. Zum Blogossphere-Magazin im Jahr 2016 sagte sie: „Wenn es um weibliche YouTuber in Großbritannien geht, stehe ich definitiv im Mittelpunkt.“ Die zweitbeliebteste Frau nach Zoella ist eine andere Beauty-Vloggerin, die sich mit ihr denselben Manager teilt. Ihr Name ist Tanya Burr und sie hat 3,7 Millionen beautyinteressierte Youtube-Fans für sich gewinnen können. Das entspricht etwa einem Drittel der Abonnenten, die Zoella folgen.

Geschlechtsspezifischer Lohnunterschied

Natürlich kann im YouTuber-Dasein für die großen Stars auch viel Geld stecken – ein aktueller Bericht besagt, dass Zoella durchschnittlich mehr als 50.000 britische Pfund im Monat verdient. Trotz dieser hohen Umsatzzahlen argumentiert Brooke Erin Duffy in ihrem neuen Buch, das die Arbeitsumgebung von Influencern untersucht, dass nur acht Prozent von Mode-, Beauty- und Lifestylebloggern genug Geld verdienen, um davon tatsächlich leben zu können. Das bedeutet, dass die meisten Beauty-Vloggerinnen ihr Einkommen wahrscheinlich mit einem Teilzeitjob aufstocken müssen, um über die Runden zu kommen.

Auf der anderen Seite haben es männliche YouTuber weitaus leichter, einen Kanal zu leiten, mit dem sie Millionen an Klicks generieren. Game-Channels sind schnell zusammengestellt, man kann hier auch recht schnell viele Inhalte kreieren. Diese Inhalte werden von YouTubes Algorithmen bevorzugt behandelt. Mit diesen Inhalten können ebenso lukrative Sponsorings an Land gezogen werden. Der britische Vlogger Olajide William Olatunji, auch bekannt als KSI, arbeitet mit Kellogs und Puma zusammen. Minecraft Vlogger Dan Middleton (Dan TDM) hat eigene Actionfiguren mit dem Namen Tube Heroes herausgebracht.

Ganz spezifisch auf YouTube bezogen hält Google die Einkommen im „Partnerprogramm“ ganz absichtlich geheim – also von den YouTubern, die mit ihren Videos Geld generieren. Aber Schätzungen zeigen, dass es nicht viel ist – hier wird nur etwa zwischen einem britischen Pfund bis zu vier britische Pfund pro tausend Klicks generiert. Wenn diese Ungleichheit die Top-Vlogger beeinträchtigt, sind es die paar wenigen, die hier professionell arbeiten und davon auch leben können.

Für weibliche Vlogger scheint es nicht so leicht zu sein, einen Channel nach oben zu bringen, der sich nicht mit Beautythemen beschäftigt. Und wenn sie es doch versuchen, wird es oft als Nische angesehen. Ein Beispiel ist Book Tube, ein Genre mit hauptsächlich (ebenso hauptsächlich weiblichen) Vloggern, die sich mit Themen rund um Literatur beschäftigen. Aber sogar die meisten beliebten BookTubers haben Vollzeitjobs – das bedeutet, dass der Großteil der Arbeit ohne Bezahlung gemacht wird.

Es wird klar, dass, ungeachtet des demokratischen Anreizes neuer Medienplattformen wie YouTube, noch immer veraltete, starre Geschlechtsrollen bestehen. Diese zementieren das Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern immer weiter. Es hat sich also noch nicht viel geändert. In Frauenmagazinen dreht sich noch immer alles um Schönheit und Mode, während es bei Männermagazinen um Technologie, Spiele und Musik geht.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Lippenstift“ by kaboompics [CC0 Public Domain]


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • FACEBOOK t3n: Fake-Accounts: Zuckerberg lässt Manipulation von Bundestagswahl prüfen: Facebook macht einen Schritt in Richtung für mehr Transparenz auf seiner Plattform. Gründer Mark Zuckerberg hat sich jetzt mit einer Videobotschaft bezüglich Fake-Accounts an die Nutzer der Plattform gewendet. In dem Video kündigte er jetzt Gegenmaßnahmen an, die vor allem mutmaßliche russische Drahtzieher betreffen, die die US-Wahl im verganegenen Jahr beeinflusst haben sollen. Facebook hatte vor zwei Wochen mitgeteilt, dass im Zuge von Untersuchungen zum möglichen russischen Einfluss auf die US-Präsidentenwahl rund 470 Profile identifiziert worden seien, die zwischen Juni 2015 und Mai 2017 etwa 3.000 Werbeanzeigen auf Facebook geschaltet hätten. Alle solche Anzeigen, die russische Akteure während des amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfs geschaltet haben, sollen nun dem Kongress ausgehändigt werden.

  • BUNDESTAGSWAHL welt: Diese Web-Angebote helfen bei der Wahlentscheidung: Die Bundestagswahl steht an und am Sonntag den 24. September ist es so weit und jeder der noch nicht die Briefwahl beantragt hat, kann in den Wahlzentren seine zwei Kreuze machen. Nur noch ein wenige Tage also, sich zu entscheiden, wem man denn nun bei der Bundestagswahl seine Stimme gibt. Für die noch unschlüssigen Bürger bzw. sogenannte Spontanwähler gibt es im Netz diverse Angebote, die diese Wähler bei der Meinungsbildung unterstützen sollen. Der Wahl-O-Mat sollte ja altbekannt sein und konfrontiert den Nutzer mittels eines Umfrage-Konzepts mit 38 Thesen. Aber auch für die Geneartion Tinder gibt es eine App, die der Dating-App gar nicht so unähnlich ist und in der man anstelle von möglichen Partnern, die Thesen der Parteien swiped.

  • GOOGLE n-tv: Google macht bei Smartphones Ernst: Google will es nochmal wissen – der Internetkonzern übernimmt nach einem Deal mit HTC jetzt einen großen Teil des Smartphone Departments der Taiwenesen. Nachdem sich Google eigentlich groß aus dem Mobile-Geschäft zurückgezogen hatte scheint dieser Schritt nochmal wie ein letztes “hurra” auf dem Smartphone-Markt. Google und HTC haben schon vor diesem Deal zusammengearbeitet: HTC war der Auftragsfertiger des unter der eigenen Marke des Internetkonzerns verkauften Smartphones Pixel. Im Zuge der Transaktion soll dann auch genau dieses Team zu Google wechseln.

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Facebook und die Teenager: Es ist kompliziert.

Sad and grumpy teenage girl (adapted) (Image by draganagordic via AdobeStock)

Der letzte Versuch von Facebook, sich als interessante Plattform für Teenager aufzustellen, wurde heimlich, still und leise zu Grabe getragen. Die Lifestage-App der Social-Media-Plattform (die so erfolglos war, dass die meisten wahrscheinlich gerade zum ersten Mal davon hören), wurde vor etwa einem Jahr unter einigem Getöse, aber mit ziemlicher Gleichgültigkeit ins Leben gerufen und hielt sich seitdem nur schwer.

Dennoch hat Facebook, wie es im Silicon Valley öfter mal vorkommt, auf das Scheitern eines Unternehmens schnell mit einem neuen reagiert und ein neuen Service zum Videostreaming enthüllt. Facebook Watch soll kurze Videos ins Portfolio aufnehmen, die live oder vorher aufgezeichnet werden und eigene, professionelle Inhalte enthalten. So kann die Plattform direkter mit den „Likes“ von YouTube, Netflix und traditionellen TV-Sendern in Konkurrenz treten.

Lifestage war nur ein Teil einer langen Serie von Facebooks Versuchen, gegen die Welle junger Leute anzukämpfen, die immer mehr auf verschiedensten Plattformen interagieren. Mit Facebook Watch scheint die Firma sich von dem Fokus, junge Leute zu behalten, abgewandt zu haben und stattdessen auf eine weit größere Basis an Benutzern abzuzielen. Vielleicht hat Facebook gelernt, dass es einfach nie cool sein wird – aber das heißt nicht, dass es nicht trotzdem beliebt sein kann.

Lifestage hätte mit dem immer beliebter werdenden Snapchat, der App, mit der man Fotos und Videos teilt und die besonders unter Teenagern beliebt ist, konkurrieren sollen. Doch der Ableger erreichte nie die Anzahl an Benutzern, die es gebraucht hätte, um das Unternehmen zu erhalten. Was beunruhigend für Facebook ist, dass nach den kurzlebigen Services Facebook Poke und Facebook Slingshot, die beide ebenfalls in ihr stilles digitales Grab verbannt wurden, bereits der dritte gescheiterte Versuch war, den Erfolg von Snapchat bei Teenagern nachzuahmen. Mit eher lauer Begeisterung hat Facebook außerdem einige Features von Snapchat, wie etwa die Stories-Funktion, in seine Haupt-App eingearbeitet.

Dies rührt daher, dass der Social-Media-Markt nach wie vor unheimlich schnell expandiert. Der Konkurrenzkampf ist heftig und zahlreiche Firmen wetteifern mit Neugründungen und aufsteigenden Marken, um die Aufmerksamkeit der wachsenden und immer stärker vernetzten Benutzer. Es ist nicht mehr der Fall, dass ein oder zwei Firmen das Monopol in der Social-Media-Landschaft besitzen. Die meisten Jugendlichen benutzen nach und nach mehr als eine Plattform, um online zu interagieren (wobei dieser Trend außerhalb der westlichen Welt etwas anders zu sein scheint). Junge Leute experimentieren mit neuen Formaten und Arten der Interaktion – dies reicht von kurzen Videos und Nachrichten, die nicht dauerhaft gespeichert werden, zu anonymen Feedback-Apps wie Sarahah, die bei Teenies sehr beliebt ist und Medienpädagogen zum Schluchzen bringt.

Trotz dieser Schwierigkeiten ist Facebook nach wie vor mit Abstand die beliebteste Social-Media-Plattform der Welt und hat mehr als zwei Milliarden Benutzer weltweit. Jüngste Daten zeigen, dass es unter Teenagern und jungen Benutzern beinahe so beliebt ist wie Snapchat. Ebenso verhält es sich mit der Foto-Plattform Instagram, die mittlerweile auch Facebook gehört.

Das Problem liegt hier selbstverständlich darin, dass durch die Beliebtheit und vor allem durch das klare, nutzerfreundliche Design nun auch die Eltern, Lehrer, Chefs und sogar die Großeltern die Plattform nutzen. Für die Teenager bedeutet das, dass die Plattform zu einem Problem geworden ist. Sie steckt voller konkurrierender und zwiespältiger Verpflichtungen, da nun verschiedenste Aspekte und Umstände ihres Lebens an einem einzigen Platz zusammenlaufen.

Die jungen Leute, mit denen ich für meine Untersuchung spreche, meinen, dass der große Anklang und das einfache Design von Facebook für sie eine einmalige Erfahrung sind. Facebook ist ein Ort mit potenziellen sozialen Landminen, mit der Angst, dass die verschiedensten Nutzer alles sehen, was gepostet wird – was zu Angst, Ausflüchten und Untätigkeit führt.

Dieses breite Publikum zu bewältigen bedeutet, dass junge Leute die öffentlichen Seiten von Facebook seltener nutzen und stattdessen auf Aspekte wie Gruppen und Privatnachrichten bauen. Das erklärt, warum sie anscheinend immer mehr auf Plattformen wie Instagram und Snapchat setzen, um mit ihresgleichen zu interagieren – ein Trend, der auch von anderen Forschern festgestellt wurde.

So gesehen scheint der Versuch, Teenager zu ermutigen, dieselben Features wie auf Snapchat zu benutzen, wenn die Marke Facebook doch so mit einem stark öffentlichen und sozial schwierigen Umfeld assoziiert wird, an sich fehlerhaft. Wir können nicht sagen, in welche Richtung sich die Firma in Zukunft entwickeln wird, aber es scheint naheliegend, dass sie Schwierigkeiten haben wird, jemals wieder so zentral für die Onlineerfahrungen von jungen Leuten zu werden, wie sie einmal war.

Facebook Watch zielt auf größeres Publikum ab

Das Einrichten von Facebook Watch suggeriert jedoch, dass die Firma vielleicht ihre Lektion gelernt hat. Das neue Service ist ein Versuch, einen umfassenderen Ort zu kreieren, der seine größere Benutzerbasis ansprechen kann und Inhalt, Ideen und Platz nicht nur auf Teenager und junge Leute ausrichtet.

Mit der Ankündigung des Services zum Teilen von Videos hat Facebook bekanntgemacht, dass man „gemeinschaftsorientierte“ Ergebnisse braucht. Nutzer werden Videovorschläge bekommen, die darauf basieren, was andere – insbesondere ihre Freunde – sich ansehen. Auf diese Art ermöglicht Facebook den Benutzern, Inhalte zu finden, die ihre Interessen und Freundschaften jeglicher Art widerspiegeln. Anstatt zu versuchen, eine bestimmte demografische Gruppe beizubehalten und nur auf sie abzuzielen, scheint Facebook Watch den breiteren Anklang der Plattform zu würdigen.

Dies scheint mit dem Schritt, weniger als reines soziales Netzwerk aufzutreten, und hin zu einem umfassenderen Zentrum für Neuigkeiten und Inhalte übereinzustimmen, den Facebook hier vornimmt. Dank Facebook Watch brauchen Benutzer die Plattform nie zu verlassen, da sie sowohl Inhalte, die im Netz eingebettet sind, als auch eigene Videos, die von der Seite zur Verfügung gestellt werden, ansehen können. Und weil Facebook hinsichtlich der Videoinhalte bereits an zweiter Stelle nach YouTube steht, sieht dieser Schritt abermals aus wie ein Versuch, sich auf einen breiteren Markt als nur den der Teenager auszurichten.

Die Tatsache, dass Facebook zunehmend seine diverser werdende Benutzerbasis nährt, kann zu einem Problem für junge Leute werden, die um ihre Interaktionen auf der Plattform besorgt sind. Wenn man jedoch den massiven Erfolg von YouTube bei den meisten Teenagern berücksichtigt, dient Watch vielleicht dazu, Teenager zurück zu Facebook zu locken. Es gibt wirklich nur eine Art, die Beziehung zwischen jungen Leuten und Facebook zu beschreiben: Es ist kompliziert.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Sad and grumpy teenage girl“ by draganagordic/AdobeStock.com


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Die Netzpiloten sind Medienpartner der PLAY Summit 2017

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Zum zweiten Mal veranstalten ADZINE und Videobeat Networks dieses Jahr im Kehrwieder-Theater in Hamburg der PLAY – Video Advertising und Marketing Summit. Die Konferenz am 29. Juni ist ein Treffpunkt für Fachkräfte der Videomarketingbranche sowohl aus klassischen als auch digitalen Umfeldern.

Branchenkenner aus verschiedenen Bereichen präsentieren Advertising Trends und Technologie. In anschießenden Diskussions- und Networking Runden gibt es die Chance sich mit den Experten der digitalen Szene auszutauschen.

Alles rund ums Bewegtbild

Auf der PLAY Summit dreht es sich nicht nur um traditionelles Video Markting über TV-Spots, sondern auch um neue Möglichkeiten, wie Influencer Marketing und digitale Konzepte für Soziale Netzwerke.

Leitthemen wie Kreation, Channels, Technologie und Audience werden in den Vorträgen und Case Studies der Speaker behandelt. Themen sind unter anderem:

  • Trends im Bewegtbildkonsum (Vortrag der GFK)
  • TV Tracking -Online Effekte aus TV messen und nutzen?
  • CASE: Cross-Device-Retargting für Digital Video Kampagne
  • Gehören Video Influencer in den Mediaplan?
  • Technologie für mehr Dynamik und Flexibilität auf der Digital Video Supply Side
  • Facebook: Chancen und Risiken im Video Advertising
  • Freut euch ebenfalls auf ein breites Spektrum an spannenden Speakern aus verschiedenen Bereichen und Aspekten der Branche.

Hier findet ihr das volle Programm und eine Liste der Referenten. Wenn ihr dabei sein wollt, könnt ihr hier die Anmeldung finden. Mit dem Code PLAY17NETZPILOTEN bietet der PLAY Summit Freunden der Netzpiloten bis zu 25 Prozent Rabatt auf die Konferenztickets an!

Wir wünschen euch viel Spaß!

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Diese Technologie verhindert die Übertragung von Morden bei Facebook Live

Blutbad (adapted) (Image by HannahJoe7 [CC0 Public Domain] via pixabay)

Ganze 24 Stunden hat es gedauert, bis Facebook ein Video gelöscht hat, in dem gezeigt wurde, wie ein Mann seine Tochter, die noch ein Säugling war, umgebracht hat. Am 24. April 2017 hatte in Thailand ein Vater den Mord an seiner 11 Monate alten Tochter mithilfe des Live-Video-Services des sozialen Netzwerks gestreamt, bevor er Selbstmord beging. Die beiden Videoclips wurden hunderttausendfach angesehen, bevor sie entfernt wurden.

Dies war nicht das erste Mal, dass Facebook dazu genutzt wurde, um gewalttätiges Verhalten zu verbreiten. Die Seite wurde bereits vorher im April genutzt, um einen Mord in Cleveland und einen Suizid in Alabama zu streamen. Infolgedessen wurde Facebook dahingehend kritisiert, dass es nicht schnell genug auf die derartige Nutzung des Live-Streaming-Services reagiert habe. Das Unternehmen antwortete, dass es die Absicht hat, 3.000 Leute anzustellen, um jedes Video, das kriminelles oder gewalttätiges Verhalten zeigt, zu identifizieren.

Mit 1,86 Milliarden Nutzern ist eine Plattform wie Facebook jedoch viel zu umfangreich, als dass dies ausreichen würde. Facebook steht nicht nur vor einem Managementproblem sondern auch vor einer technologischen Herausforderung. Stattdessen muss das soziale Netzwerk mehr in Software investieren, die Videos mit gewalttätigem Inhalt automatisch erkennt.

Üblicherweise haben soziale Netzwerke bei der Identifizierung von Verbrechen mit Melde- und Beschwerdesystemen auf ihre Nutzer vertraut. Wenn jemand sich bedroht fühlt oder eine illegale Aktivität beobachtet, kann dies der Seite, oder falls notwendig, direkt der Polizei gemeldet werden. Wenn sich im Fall von Facebook jemand über gewalttätigen Inhalt beschwert, dann wird Facebook ermitteln und entscheiden, ob der Inhalt entfernt werden muss.

Aber bei der gegebenen Menge an Inhalten, die jeden Tag gepostet werden, und der Geschwindigkeit, mit der sie sich verteilen, wären wahrscheinlich sogar tausende von Ermittlern zu wenig, um schnell mit gewalttätigen Videos umzugehen. Deshalb dauerte es fast 24 Stunden, bis das Video mit dem Mord entfernt wurde, obwohl es direkt nach Beginn des Livestreams gemeldet wurde.

Die letzten Entwicklungen in der KI-Technologie könnten eine Lösung durch „Text-Mining“, „Bild-Mining“ und „Video-Mining“ bieten. Diese Technologien nutzen maschinelle Lernalgorithmen, um automatisch heikle Wörter oder Verhaltensweisen in digitalen Inhalten aufzuspüren. Facebook könnte ein System aufsetzen, das diese Technologie nutzt, um Inhalte als potenziell gewalttätig zu identifizieren und es daran zu hindern, sich im Netzwerk zu verbreiten. Dies würde den Nutzern mehr Zeit geben, Inhalte zu melden und den Facebook-Mitarbeitern mehr Möglichkeiten, um zu überprüfen, ob sie entfernt werden müssen.

Damit die Algorithmen effektiv sind, müssen sie die Grundlagen der Psychologie und Linguistik beachten, sodass sie verschiedene Typen gewalttätigen Inhalts kategorisieren können. Zum Beispiel ist der Mord an einem Menschen relative leicht als gewalttätig zu erkennen. Aber viele andere potenziell gewalttätige Taten gehen eher mit psychologischen Schäden als körperlichen Verletzungen einher.

Die Algorithmen müssten Nachrichten automatisch sortieren und in Abhängigkeit ihrer linguistischen Merkmale in verschiedene Levels klassifizieren, indem Inhalt mit einer höheren Wahrscheinlichkeit in Bezug auf gewalttätiges Verhalten ein höherer Wert zugeordnet wird. Die Facebook-Mitarbeiter könnten dieses System dann nutzen, um den Inhalt effizienter zu überwachen. Dies könnte möglich machen, dass Mitarbeiten gewalttätige Inhalte verhindern können, bevor sie überhaupt auftauchen. Wenn das System seine Mitarbeiter über leicht beleidigende Worte oder Nachrichten informiert, könnten sie einschreiten, um zu verhindern, dass weiterer Inhalt hochgeladen wird, der tatsächlich physische Gewalt oder schlimmere Nachrichten beinhaltet.

Wenn dann Details an die Polizei weitergeleitet werden würden, könnte dieses System sogar in der Lage sein, Verbrechen komplett zu verhindern. Zum Beispiel lässt der Regierungsbericht über den öffentlichen Mord an dem britischen Soldaten Lee Rigby vermuten, dass Facebook mehr hätte tun können, um die Mörder zu stoppen, die auf der Seite diskutiert hatten, dass sie „einen Soldaten umbringen“ wollten.

Neue Probleme

Diese Art von maschinellem Lernalgorithmus ist bereits weit entwickelt und wird von Verkehrsbehörden dazu genutzt, Autounfällen und Verkehrsbelastungen durch die CCTV-Aufnahmen zu melden. Doch er muss ebenso für Livestream-Videos entwickelt werden. Die Schwierigkeit liegt darin, dass der Inhalt von Livestreams für Algorithmen viel schwieriger zu analysieren ist als der von Fahrzeugen. Die dringende Forderung nach Software zur Inhaltsüberwachung und -verwaltung sollte jedoch die Fortschritte auf diesem Gebiet vorantreiben. Facebook könnte sogar als Anführer auf diesem Gebiet in Erscheinung treten.

Allerdings könnte dies auch dazu führen, dass Inhalte überwacht und sogar zensiert werden, bevor sie veröffentlicht werden. Dies würde die Frage aufwerfen, welche Rechte Facebook über die auf der Seite geposteten Inhalte hat, was die bereits bestehende Kontroverse über die Nutzungsrechte der sozialen Netzwerke über die Nutzerinhalte anheizen würde.

Es würde sich außerdem im Konflikt mit dem konventionellen Ethos stehen, dass soziale Medien eine Möglichkeit für die Nutzer darstellen, um alles zu veröffentlichen, was sie wollen (auch wenn es später entfernt wird), was schon seit Beginn des Internets ein Teil desselben ist. Es würde außerdem bedeuten, dass Facebook mehr Verantwortung für den Inhalt, der auf der Seite gepostet wird, übernimmt, als es bisher bereit war, zu tun. Dies bedeutet, dass Facebook eher ein traditioneller Verleger als eine Plattform werden würde – was eine ganze Reihe neuer Probleme hervorrufen könnte.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Blutbad“ by HanahJoe7 (CC0 Public Domain)


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • WHATSAPP t3n: Weltweiter Whatsapp-Ausfall während Präsentation der Facebook-Quartalszahlen: Während Facebook am Mittwoch die neuen Quartalszahlen vorstellte und Gründer Mark Zuckerberg unter anderem auch von den Zukunftsplänen für WhatsApp sprach, kam es bei dem Dienst zu einem teilweisen Ausfall. Viele Nutzer, vor allem in Westeuropa und Südamerika, sahen die Fehlermeldung „Verbinde…“ – eine Verbindung konnte allerdings nicht hergestellt werden. Experten vermuten, dass es sich um einen Erpressungsversuch in Form eines DDoS-Angriffs handeln könnte. Demnach wären die Server mit sinnlosen Anfragen überflutet worden, sodass diese unter der Last zusammenbrachen. Gegen 00:40 war WhatsApp nach einem zweistündigen Ausfall wieder erreichbar.

  • WLAN teltarif.de: Telekom und Lufthansa: WLAN im Flugzeug ab 3 Euro pro Flug: Unter dem Namen Lufthansa FlyNet bietet die Fluggesellschaft Lufthansa ihren Kunden ab sofort einen Internetzugang an Bord ihrer Flugzeuge an. Seit Januar dieses Jahres wurden Tests durchgeführt. Kunden können sich mit beliebigen mobilen Geräten im Netzwerk anmelden und lossurfen. Die Technik besteht aus WLAN-Technologie an Bord sowie Satelliten-Antennen und wurde bislang in 19 Flugzeugen des Typ Airbus A320 eingebaut. Außerdem wurden 31 Maschinen von Austrian Airlines und 26 Eurowings-Flugzeuge ausgerüstet. Auch Maschinen von Swiss sollen unter Umständen WLAN an Bord erhalten. Für die Einspeisung des Internets ist die Deutsche Telekom verantwortlich. Ab drei Euro ist das Angebot zu haben, je nachdem, welche Datenmenge man benötigt, muss man draufzahlen.

  • FACEBOOK Zeit: Facebook stellt 3.000 neue Kontrolleure ein: Wie Facebook-Chef Mark Zuckerberg in einem Blogeintrag mitteilte, plant Facebook, 3. 000 neue Mitarbeiter einzustellen, die damit beauftragt sind, Videos mit Gewaltinhalten aufzuspüren und zu sperren. In letzter Zeit stand das soziale Netzwerk häufiger in der Kritik, dass derartige Videos über Stunden abrufbar waren, ohne, dass gehandelt wurde. Bislang kümmern sich weltweit 4. 500 Mitarbeiter darum, den Hinweisen der Nutzer nachzugehen. Facebook verlässt sich größtenteils darauf, dass Nutzer Videos mit missbräuchlichen Inhalten melden. Jede Woche gibt es Millionen Hinweise, die geprüft werden müssen.

  • GOOGLE golem: Bösartige Google-Docs-Einladungen kopieren Kontakte: Eine Phishing-Kampagne macht derzeit die Runde. Von einer bekannten Person erhalten User per Mail die Einladung zu einem Goole Doc. Nehmen sie diese an, werden sie dazu aufgefordert, sich mit ihrem Google-Konto anzumelden. Dadurch können Kriminelle auf die Kontaktdaten des Nutzers zugreifen. Automatisch wird die Nachricht an die Kontakte des Opfers weitergeleitet und kann sich so verbreiten.

  • UMTS heise: Deutsche Bankkonten über UMTS-Sicherheitslücken ausgeräumt: Kriminelle haben mit Zugriff auf das Online-Banking deutscher Bankkunden deren Konten ausgeräumt. Die gelang ihnen wohl, in dem sie Mobil-TANs (mTANs), die für die Geräte der Kunden bestimmt waren, umleiteten und so die Überweisungen autorisieren konnten. Diese Umleitungen wurden offenbar durch seit Jahren bekannte Sicherheitslücken im SS7-Protokoll des UMTS-Netzes ermöglicht. Erst Ende März hatten Experten wieder vor diesen Lücken gewarnt. O2 Deutschland bestätigte gegenüber der Süddeutschen Zeitung, dass im Januar diesen Jahres entsprechenden Angriffe im eigenen Netz stattgefunden haben.

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  • EMOBILITÄT golem: Wie kommt der Strom in die Tiefgarage?: Wären benzinbetriebene Automobile so weit verbreitet, wenn jeder Halter sich eine eigene Zapfsäule dafür aufstellen müsste? Was für Eigenheimbesitzer noch vorstellbar wäre, stieße in Städten schnell an seine Grenzen. Doch genau vor diesem Problem stehen derzeit Käufer von Elektroautos. Selbst wer für seinen Wagen einen festen Stellplatz in einer Tiefgarage hat, steht bei der Installation einer Ladesäule vor großen Hürden und hohen Kosten. Falls er überhaupt die Erlaubnis bekommt, die erforderlichen Anschlüsse zu verlegen. Kein Wunder, dass der Verkauf von Elektroautos trotz Prämie von bis zu 4.000 Euro nicht vorankommt.

  • CLOUD heise: c’t empfiehlt: Raus aus den US-Clouds: In puncto Datenschutz sind Deutsche seit dem 25. Januar in den USA Internetnutzer zweiter Klasse. Denn US-Präsident Donald Trump hat per Dekret im Januar erklärt, Nicht-US-Bürger vom US-amerikanischen Datenschutzrecht auszuschließen oder zumindest ihre Rechte diesbezüglich einzuschränken, „soweit dies mit geltendem Recht vereinbar ist“. Die rechtlichen Folgen sind noch ungeklärt, doch Heise-Justiziar Joerg Heidrich schätzt die Chancen hoch ein, dass das Datenschutz-Abkommen Privacy Shield zwischen USA und EU nicht lange überleben wird. In der aktuellen Ausgabe 9/17 widmet sich das Computermagazin c’t diesem Problem und rät Anwendern, ihre Daten auf deutsche oder zumindest EU-Server umzuziehen.

  • FACEBOOK horizont: Facebook will Umgang mit Gewaltbeiträgen überprüfen: Es müsse für Nutzer einfacher werden, gefährliche Beiträge zu melden und die anschließende Prüfung müsse schneller ablaufen. Hintergrund ist ein Video von einem Mord in Cleveland, das am Sonntag zwei Stunden lang online und über die Facebook-App zu sehen war. Der US-Polizei zufolge stellte der mutmaßliche Täter das Video selbst ins Netz, auf dem zu sehen ist, wie er einen älteren Mann erschießt. Die Fahndung nach ihm läuft auf Hochdruck.

  • POLITIK netzpolitik: Treue Gefolgschaft – so twittert die AfD: Die AfD schafft sich auf Twitter eine eigene Öffentlichkeit. Eine umfangreiche Datenanalyse von netzpolitik.org und Tagesspiegel ergibt: Die Partei spielt dabei nicht immer mit offenen Karten. Die Analyse verschiedener Parteien zeigt die Nutzung der Social-Media-Plattform auf und wie diese speziell von der AFD genutzt wird

  • KI heise: Gigabitnetz, KI & Robotik: Zypries will Innovationen ankurbeln: Rund eine Woche vor Beginn der Hannover Messe hat Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) am Dienstag Eckpunkte für eine neue Innovationsagenda vorgestellt. „Wir wollen, dass Deutschland seine Forschungsanstrengungen deutlich steigert“, heißt es in dem Papier des Ministeriums. Ziel sei es, die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) bis 2025 von 3 auf 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu steigern.

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Zattoo, Magine und Waipu.tv: Drei Apps für TV-Streaming im Check

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Wer heutzutage TV-Sendungen schauen will, braucht dafür nicht zwingend ein Fernsehgerät mit TV-Anschluss. Die einfachste Möglichkeit ist über die heimische Internetverbindung auf einen der zahlreichen Streaming-Angebote zurückzugreifen. Doch welcher Dienst bietet das ansprechendste Paket und die beste Android-App? Wir bringen Licht in den Dschungel des TV-Streaming und haben mit Zattoo, Magine und Waipu.tv die drei spannendsten Angebote ausprobiert.

Zattoo: Schweizer TV-Streaming-Primus

Seit mittlerweile zehn Jahren ist der Schweizer Streamingdienst Zattoo auf dem Markt vertreten. Er zählt damit zu den Pionieren in diesem Segment und ist dementsprechend der meistgenutzte Service. In der kostenlosen Variante kann der Nutzer alle öffentlich-rechtlichen Programme empfangen, ARD, ZDF, Kika und Arte sogar in HD. Auch einige wenige private Sender wie Viva oder Welt der Wunder sowie internationale Programm wie CNN oder France 24 sind inkludiert. Zudem gibt’s eine On-Demand-Funktion, die Inhalte für einige Tage nach der TV-Ausstrahlung bereitstellt. Darunter zählen die ProSieben-Gruppe (Pro7, Sat1, Kabeleins) sowie BBC, Spiegel TV oder auch NZZ. Dank Netzkino werden auch einige, wenn auch unterirdisch schlechte Filme angeboten. Der Nachteil des Geizes: Vor jedem Aufruf werden ausgedehnte, nervige Werbeclips eingeblendet.

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Zattoo bietet einen praktischen EPG. Screenshot by Jonas Haller

Wer öfter auf Smartphone, Tablet oder PC fernsieht, der sollte sich also das Premium-Paket Zattoo HiQ genauer anschauen. Neben dem Wegfall der diensteigenen Werbung spendieren die Schweizer zudem Privatsender wie Pro7, Sat, RTL oder n-tv. 30 Sender sind zudem in HD verfügbar. Zudem gibt’s eine Restart-Funktion, über die eine laufende Sendung von Beginn angeschaut werden kann. Mit Recall wird zudem eine erweiterte On-Demand-Funktion freigeschaltet, die Sendungen bis 7 Tage nach Ausstrahlungen verfügbar macht. Doch was kostet das? Ein Tages-Pass schlägt mit 1,59 Euro zu Buche, ein Monat kostet 9,99 Euro. Wer sich ein Jahr an den Schweizer Dienst binden will, kann zusätzlich sparen und bezahlt 99,99 Euro.

Für Android-Nutzer ist im Google Play Store eine entsprechende App hinterlegt. Sie zeichnet sich durch eine übersichtliche Menüführung sowie kurze Ladezeiten aus. Ein Elektronischer Programm-Guide hilft bei der Orientierung und zeigt die aktuellen Sendungsinformationen an. In den Einstellungen kann zudem die Download-Bitrate für WLAN- und Mobilfunkzugriff gesetzt werden. Ein spannendes Feature vor allem für Nutzer mit begrenztem Datenvolumen. Um besonders effektiv werben zu können, integrieren die Schweizer Software-Entwickler unter anderem Google Analytics oder auch eine Adjust Nutzungsanalyse. Hier empfiehlt sich die Deaktivierung über die Optionen. Per Chromecast kann das TV-Streaming auch auf den Fernseher übertragen werden.

Magine: Schwedischer Individualist

Seit März 2013 ist der schwedische Mitbewerber Magine auf dem Markt. Gegenüber dem Schweizer Service Zattoo gibt es auf dem ersten Blick nur wenige Unterschiede: Alle öffentlich-rechtlichen Programme sowie ausgewählte Privatsender wie Nickelodeon, Viva oder Comedy Central sind bereits in der kostenlosen Variante verfügbar. Jedoch werden ARD und ZDF lediglich in SD-Qualität ausgestrahlt. Dafür verzichten die Schweden selbst in der kostenlosen Variante auf jegliche Art von Werbung und bieten für die kostenlosen Sender eine Art Mediathek mit Catchup.

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Die Android-App von Magine bietet einen übersichtlichen Aufbau. Screenshots by Jonas Haller

Wer auch auf Privatsender wie Pro7, Sat1 oder RTL nicht verzichten möchte, greift am besten zum Basic-Paket. Es beinhaltet zudem die Sender ARD und ZDF in HD. Für insgesamt 40 Sender müssen 6,99 Euro pro Monat berappt werden – drei Euro weniger als beim Schweizer Konkurrenten. Zudem hat der Dienst ein Paket mit etlichen Pay-TV-Sendern wie Universal, Sony Channel oder AXN im Angebot. Die Aufstockung auf 76 Sender kostet insgesamt 11,99 Euro pro Monat. Zusätzlich bietet Magine interessenbasierte Pakete an. darunter zählen Film & Serie (u.a. TNT Film, Sports TV, Sat1 Emotions), Original English (u.a. Cartoon Network, Boomerang, E! Entertainment) oder auch Sport & Action (u.a. Sportdigital, Auto Motor & Sport, Fuel TV). Die Preise liegen bei monatlichen 2,99 Euro bzw. 3,99 Euro. Pluspunkt: Statt drei gleichzeitig streamenden Geräten bei Zattoo können bis zu fünf Geräte auf den Dienst zugreifen.

Wie auch beim Schweizer Vorbild steht eine schicke Android-App im Play Store kostenlos bereit. Durch den Wegfall des Werbeintros kann schnell auf die verschiedenen TV-Sender zugegriffen werden. Auch ein Elektronischer Programm-Guide (EPG) ist mit an Bord. Der Videostream läuft leider nur im Landscape-Modus, wodurch beim Anschauen nicht gleichzeitig im EPG gestöbert werden kann. Wie auch bei Zattoo könnt ihr in den Einstellungen den Datenhunger der Anwendung drosseln. Zudem unterstützt Magine das Streaming auf den Google Chromecast, ebenso wie Zattoo.

Waipu.tv: Deutscher Schnellstreamer

Der jüngste und ein technisch besonders ambitionierter Streaming-Anbieter ist Waipu.tv, der vom Münchner Netzspezialisten Exaring AG betrieben wird. Das Besondere ist dabei die im Hintergrund arbeitende Infrastruktur. Das Unternehmen betreibt für das TV-Streaming ein eigenes Glasfasernetz, das für eine geringe Latenz und ein schnelles Umschalten zwischen den Kanälen sorgen soll und in der Praxis auch tut. Dafür ist allerdings eine Kooperation mit den jeweiligen Internetanbietern notwendig. Im Test funktionierte die Übertragung beispielsweise im weit verbreiteten Universitätsnetz Eduroam nicht.

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Der Senderwechsel funktioniert bei Waipu unglaublich schnell. Screenshots by Jonas Haller

Wie bei den anderen Angeboten können mit einem kostenlosen Konto die öffentlich rechtlichen Programme in SD-Qualität geschaut werden. Zusätzlich sind Privatsender wie Eurosport, Deluxe Music oder die Nachrichtensender Deutsche Welle, CNN und Euronews verfügbar. Weitere Privatsender sind im Comfort-Paket verfügbar, das mit monatlich 4,99 Euro zu Buche schlägt und auch dementsprechend kündbar ist. Die 59 Sender flimmern in Standard-Qualität über das Mobilgerät, eine HD-Option kostet einen Euro zusätzlich. Im Comfort-Paket sind neben dem Pausieren von Sendungen auch 10 Stunden Aufnahmespeicher enthalten. Wie in alten VHS-Zeiten kann das TV-Programm also auch definiert aufgezeichnet werden. Wem das nicht reicht, der kann auf das Perfect-Paket zugreifen. Der Aufnahmespeicher erhöht sich auf 50 Stunden und zudem ist eine Mobiloption fürs TV-Streaming im Mobilfunknetz enthalten. Der Preis steigt dann allerdings auf 14,99 Euro pro Monat.

Anders als Magine und Zattoo funktioniert Waipu ausschließlich auf Mobilgeräten. Dementsprechend bietet die im Play Store verfügbare App ein ansprechendes Design und eine sehr gute Performance. Innerhalb von wenigen Sekunden ist der Stream geladen und durch einfaches Wischen nach rechts oder links schnell gewechselt. Über einen Reiter im unteren Bereich stehen zudem ein EPG, TV-Tipps, der Aufnahmespeicher sowie das Nutzerkonto zur Verfügung. Wie bei Zattoo und Magine ermöglicht Google Chromecast die Wiedergabe auf einem TV-Gerät. Seit letzter Woche wird zudem Amazons Fire TV unterstützt.

Fazit: TV-Streaming ist flexibel und kostengünstig

Dank des immer besseren Netzausbaus stellt das Fernsehen per Streaming eine ernst zu nehmende Konkurrenz zu Satellit, IPTV und Co dar. Die drei Anbieter Zattoo, Magine und Waipu.tv zeichnen sich besonders durch ihre Flexibilität und den niedrigen Preisen aus. Zudem sind sie unabhängig von Internetanschluss und Telefon buchbar, Zusatzhardware wird nicht benötigt. Auch die Verbindungsqualität war bei den getesteten Angeboten sehr gut – es kam nur zu Stoßzeiten zu vereinzelten Abbrüchen.

Zattoo HiQ bietet die meisten Sender (90 Programme), Magine den geringsten Preis (6,99 Euro) und Waipu.tv die beste Performance und zusätzlichen Aufnahmespeicher. Alles in allem sind die Unterschiede beim TV-Streaming so marginal, dass es vor allem eine Philosophiefrage ist, ob man nun auf Zattoo, Magine oder Waipu.tv zurückgreift.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Androidpiloten.


Teaser Image by Jonas Haller, Screenshots by Jonas Haller


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Netzpiloten sind Partner des Online Marketing Forum 2017

Vom 02. Bis 11. Mai findet an vier wechselnden Standorten das Online Marketing Forum statt. Jeweils in München, Berlin, Hamburg und Köln erwarten euch Themen wie Mobile Marketing, Display & Native Advertising, Video Marketing, SEA, SEO, E-Mail Marketing und Social Media Marketing. Die Veranstaltung richtet sich an alle, die im Online Marketing und E-Commerce verschiedener Branchen aktiv sind, einen Überblick über die aktuellen Online Marketing Werbemöglichkeiten gewinnen möchten und sich durch Best-Practice Beispiele inspirieren lassen wollen.

Am 09. Mai findet die Hamburger Veranstaltung der Reihe statt. Eröffnen und durch den Tag führen wird Journalist und Kommunikationsberater Helmut van Rinsum. Freut euch auf über zehn spannende Vorträge und Keynotes mit Speakern von Unternehmen wie BRIGITTTE Digital oder crowdmedia.

Interessant wird sicherlich auch der Vortrag „Influencer Blah“ von Julia Antkowiak von VICO. Schaut vorbei, wenn ihr euch fragt, wie es 2017 mit Influencer Marketing erfolgreich weiter gehen kann und ob die „Influencer-Blase“ 2017 nicht doch platzt. Auch im digitalen Zeitalter steht Storytelling als Marketing Maßname noch immer an erster Stelle, deswegen ergründet Claudia Scheffler-Perrone von Killer Press anschließend „Die Macht des Storytelling“. Desweiteren erwarten euch Vorträge zu Chatbots und wieso sie die Revolution im Digital Commerce sein könnten und ob sich SEO wirklich lohnt. 

Es wird also spannend! Wenn ihr jetzt Lust auf das Event bekommen habt, könnt ihr euch hier schon Tickets sichern. Hier findet ihr zudem nochmal einen Rückblick der vergangenen zwei Jahre! Für alles weitere stattet doch dem Facebook-Profil der Veranstaltung einen Besuch ab oder haltet euch mit dem Hashtag #omf2017 auf dem Laufenden!

+++ Rabattaktion +++

Die Tickets bekommt ihr mit uns vergünstigt. Statt 290 Euro zahlt ihr nur 240 Euro. Dafür gebt ihr einfach bei der Anmeldung den Rabattcode „OMF17npl“ an.

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Die Konsequenzen von Facebook Live für den Journalismus

Corridor View (adapted) (Image by Sonya Mann [CC BY 2.0], via flickr)

Es scheint, als würde mittlerweile jede Woche ein neues verheerendes Facebook-Live-Video gepostet. Im Januar tötete ein Teenager aus Florida sich selbst live im Internet. Eine Frau in Schweden wurde vergewaltigt, die drei Angreifer übertrugen die Tat im Internet, wo sie von Hunderten nachverfolgt werden konnten, ebenso wurde der Suizid eines 12-jährigen Mädchens in den sozialen Netzwerken übertragen.

Währenddessen gibt es andere Fälle von Livevideos, zum Beispiel Erschießungsmanöver durch die Polizei oder Foltervideos aus Chicago. Sie sind zur Schlüsselfigur in den Kontroversen von öffentlichen Debatten um Rasse und Gewalt geworden. Zusammengefasst wurden im vergangenen Jahr 57 Fälle von live im Internet übertragender Gewalt verzeichnet.

Diese Ereignisse rufen Fragen von Ethik und Verantwortlichkeit von sozialen Netzwerken hervor. Sie zeigen außerdem den Kern der Verlagerung der Medien: Das Übertragen eines Live-Videos im Internet war bisher ein komplexes technisches Unterfangen, man benötigte Fernsehkameras, Fahrzeuge sowie Satelliten. Die heutige Allgegenwertigkeit des Smartphones und den sozialen Netzwerken macht die Liveübertragung so einfach wie das Antippen einer App. Das Ergebnis ist eine neue Welt von Livevideos, welche das Gute, das Böse und das Hässliche der Gesellschaft dokumentieren und uns zum Nachdenken über visuelle Informationen, die durch Augenzeugen öffentlich gemacht werden anregen, sogar, wenn es um journalistische Mode geht.

Hier sind fünf Beobachtungen, um zu verstehen, wie die Liveübertragung von Diensten wie Facebook Live und Periscope den heutigen Journalismus herausfordern.

1. „Live-Sein“ und Zeugnis ablegen

Fotos und Videos besitzen eine realistische Perspektive, die von den Zuschauern für sehr authentisch gehalten wird. Der Medienphilosoph John Durham hat gezeigt wie das „Live-Sein“ von audiovisuellen Medien den Sinn für Authentizität betonen kann, durch die Bedeutung des kollektiven Zeugnisablegens. Journalisten handeln zum Beispiel als Zeugen für Ereignisse und die Zuschauer legen für die übertragenen Neuigkeiten und Berichte Zeugnis ab.

Im Juli 2016 legte Facebook Live die Tötung von Philando Castile durch die Polizei offen. Dieses Video diente, um Zeugnis abzulegen und wurde zu den öffentlichen Diskussionen um Polizeibrutalität hinzugefügt.

Aber das Video von Castile zeigte außerdem die zwei Seiten der Medaille: Die überwältigenden und zugleich die herausfordernden Aspekte Zeugnis zu live Ereignissen abzulegen: Videos können das Bewusstsein der Bevölkerung verbessern, während in manchen Fällen explizites, pornografisches oder raubkopiertes Material vorhanden ist.

2. Visuell betriebener Inhalt

Unser kulturelles Milieu, Nachrichten und soziale Medien eingeschlossen, orientiert sich zunehmend visuell. Die Einbeziehung von visuellen Elementen erhöht die Zuschaueraufmerksamkeit und die Bildsprache kann zu unmittelbaren emotionalen Reaktionen führen. Bilder sind einfacher abzurufen als Worte, außerdem können sie humanitäre Handlungen herbeiführen, obwohl diese Effekte nur kurzlebig sind. In einem Umfeld von sozialen Netzwerken können Bilder die Bindung steigern, was häufig ein Kernziel für die Nutzer ist.

Nachrichtenagenturen und Plattformen für soziale Medien wissen sehr gut über diese Effekte Bescheid. Facebook designt, wie andere Anbieter von sozialen Medien, sein Interface so, dass Bilder betont werden. Hinzu kommt das phänomenale Wachstum von Videos – Youtube hat inzwischen mehr als eine Milliarde NutzerNachrichten und Webseiten von sozialen Medien versuchen ihre Formate und Werkzeuge anzupassen, um zu profitieren, deshalb auch die Entwicklung von Facebook Live.

Facebook hob diese Funktion ursprünglich für professionell handgemachte Videos hervor, es wurden sogar Verlage für die Nutzung der Livefunktion bezahlt. Nun jedoch scheint das soziale Netzwerk die normalen Nutzer stark zu drängen, sowohl Livevideos zu konsumieren, als auch selbst eigene Livevideos zu erstellen. Facebook sagt, dass Livevideos zehnmal mehr Kommentare generieren als normale Kommentare.

3. Berichtende Bürger

Während Nachrichteninhalte sehr stark von Medienorganisationen dominiert werden, die als Wächter fungieren, zeigt die Do-it-yourself Informationsweitergabe und das Teilen, dass die Presse nicht unbedingt die letzte Hürde sein muss. Zuschauerbasierte Formen von Journalismus, wie zum Beispiel das Teilen von Videos von Schlagzeilen, sind in keinem Fall neu, aber die weitverbreitete Nutzung von Smartphone-Kameras und die Veröffentlichung mithilfe eines Klicks hat den Bürgerjournalismus zu einer beinahe selbstverständlichen Form der zeitgenössischen Medien gemacht.

Wie man am Women’s March und an den Flughafenprotesten gegen Trumps Beschlüsse sehen konnte, bedeutet das heutzutage, gleichzeitig live zu dokumentieren, um die eigene Reichweite vor dem Hintergrund der Protestorte auszudehnen.

Das Besondere dabei: Plattformen für soziale Medien wie Facebook tendieren zu einer privatisierten, an Freunden und Familie orientierten Form, steigend sind die Plattformen für die Erstellung und Teilen von nutzergenerierten Nachrichten, die die Nachrichtenorganisationen alle umgehen. Die Ausbreitung von nutzergenerierten Inhalten ist wichtiger.

4. Livevideos, die Nachrichten verbreiten

Livevideos können zunehmend Ziel der formaleren Berichterstattung werden, wenn sie genug Traffic haben. Im Endeffekt führt die soziale Zirkulation sich selbst zum Problem des Aufgesammelt Werdens von Nachrichtenorganisationen. Dies führt wiederum zu einer weiteren sozialen Konversation wie zum Beispiel im Fall von Castiles Tod, live gedreht und erhalten, damit andere es sich ansehen können.

Dies bedeutet nicht etwa, dass Livevideos bei Facebook zu einer Schlagzeile in den Nachrichten werden – dies wird nur bei sehr wenigen der Fall sein. Facebook-Livevideos können eher einen Zyklus generieren, in dem Videos von sozialen Medien zu einer breiteren Berichterstattung eines bestimmten Ereignisses oder Problems führen und damit höheres Bewusstsein in der Bevölkerung erzielen – das bedeutet, dass wahrscheinlich mehr Leute neue Livevideos zu diesem Thema teilen werden.

5. Ethik

Journalistische Vorschriften der Ethik sind vor allem die Suche nach der Wahrheit und die Verringerung von Schaden. Facebook muss natürlich nicht die gleichen ethischen Bestimmungen befolgen, wir haben schon häufiger enorme ethische Verfehlungen des Medienriesen mitverfolgt. Zudem sehen sich ganz normale Facebook-Nutzer, die Livevideos erstellen nicht, als Journalisten, daher sollte auch nicht von ihnen erwartet werden, dass sie journalistische Verantwortung dabei im Blick haben.

Was reflektiert werden sollte, ist unsere kollektive Verantwortung als Facebook Nutzer, Live-Übertragende oder auch: Was für Werte leiten wir her? Wie viele tausende Menschen haben die Liveübertragung des Selbstmordes des 12-Jährigen Mädchen gesehen, darauf reagiert und sogar kommentiert? Sind wir so abgestumpft?

Facebook will, dass wir Voyeure werden. Und während Livevideos genutzt werden können, um die menschlichen Erfahrungen und die Bildung der Öffentlichkeit zu bereichern, tendieren sie eher dazu, von dem Hässlichen und Gottlosen zu handeln. „Vergnügen wir uns nur bis zum Tod“ mit dem Alltäglichen, so wie es der Medienwissenschaftler Neil Postman über ein weiteres Video andeutete?

Letzte Überlegungen

Liveübertragene Videos beschmutzen den Knotenpunkt von Facebook und Journalismus. Facebook hat mehr als eine Milliarde Nutzer am Tag, 66 Prozent der User konsumieren Nachrichten dort. Das macht Facebook, nach dem was man hört, zum weltweit führenden Nachrichten-Gatekeeper.

Es hat strenge Untersuchungen bezüglich der aufbauenden Beweise der Zensurgegeben, bis hin zu Bereitstellung von Filterblasen und Echokammern.

Während Facebook seine Rolle als Medienfirma verneint hat, gibt es dennoch Hinweise darauf, dass die Plattform seine Verantwortlichkeit neu bewertet, zum Beispiel indem frühere Journalisten eingestellt werden, um neue partnerschaftliche Teams zu führen und die Entwicklung von Facebook.- Projekt zu Journalismus zu entwickeln, obwohl Kritiker andeuten, dass diese Handlungen mehr zynischen Anstrengungen zur Schadenskontrolle gleichen.

Es ist eindeutig, dass die Liveübertragung per Video in den sozialen Medien uns dazu zwingt, darüber nachzudenken, wie wir über Nachrichten denken – ihre Schnelligkeit, ihre Verbreitung und ihr bestimmender Einfluss Zeugnis im öffentlichen Leben abzulegen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) Corridor View by Sonya Mann (CC BY 2.0)


The Conversation

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High Five für das Hochformat: Die BBC geht neue Wege

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Als BBC News im vergangenen Jahr begonnen hat, in ihrer App hochformatige Videos zu testen, waren viele Mitarbeiter skeptisch – doch die Entwicklung des Videoplayers hat laut Kreativdirektor Ryan O’Connor dabei geholfen, „einige neue Abteilungen in die Welt des wiederkehrenden, benutzerzentrierten Designs mitzunehmen,“ und die Ergebnisse sind vielversprechend.

Im vergangenen Herbst, nachdem die vertikalen Videos intern in der App getestet wurden, hat BBC News eine Neuauflage ihrer mobilen App präsentiert. Obwohl nur ein Bruchteil der BBC-Zuschauer die App benutzen, werden 48 Prozent der digitalen BBC News-Videos dort angeschaut. Gut ein Viertel der Nutzer schauen sich mehr als fünf Clips pro Woche an. Der Sender wollte diese Videos für mobile Geräte optimieren und mehr als nur neuverpackte TV-Beiträge anbieten.

Inzwischen gibt es zwei Komponenten in der BBC App, die vertikale Videos abspielen. „Videos of the Day“ ist eine Snapchat-artige Wiedergabeliste mit Kurzbeiträgen, durch die die Nutzer blättern können. Die Ausgaben enthalten Informationen von Meryl Streeps Rede bei den Golden Globes bis hin zu im Schnee spielenden Katzenbären. Im vergangenen Dezember wurde außerdem BBC Stories vorgestellt, wo eher dokumentarische Berichte im Vordergrund standen.

Manchmal war es schwierig, die Redaktionsteams mit ins Boot zu holen, teilte der Mobilproduktmanager James Metcalfe mit, da sie dafür verantwortlich wären, neue Arten von Video-Inhalten zu erstellen. Zur Zeit der internen Tests waren „eine Mehrzahl der Beiträge, die wir produziert haben, noch Videos im Querformat“. Aber „durch diesen internen Beta-Test [haben wir gesehen], dass das vertikale Format weitaus besser ist. Es hat Klick gemacht, und wir haben verstanden, dass wir mehr Inhalte in diesem Format produzieren müssen“.

„Eine Geschichte in diesem Format zu erzählen, macht sie persönlicher“, ist O’Connor überzeugt. „Die Nutzer werden hier ähnlich wie bei FaceTime dargestellt […] das [erlaubt es uns], sich mit einer Geschichte auf eine andere Art verbunden zu fühlen und gleichzeitig verschiedene Zielgruppen anzusprechen.“

Die hochformatigen Videosegemente der BBC sind höchstens 90 Sekunden lang, außerdem sind sie untertitelt, sodass die Zuschauer sie auch ohne Ton ansehen können. Viele der Videos werden direkt auf Facebook oder anderen sozialen Netzwerken geteilt, und die BBC entwickelt auch hochformatige Videoanzeigen.

Bei vorherigen Projekten war das Digitalteam hauptsächlich für die Entwicklung von Produkten für vorbestimmte Redaktionsinhalte zuständig. Mit der Initiative für hochformatige Videos haben die Mitarbeiter des Digitalteams auch bei der Gestaltung der redaktionellen Berichterstattung mitgewirkt, meint Produktleiter Alex Watson.

„Dies ist wahrscheinlich eines unserer ersten Projekte, bei dem das Nutzererlebnis, die Produkte und die Technologie ein zentraler Bestandteil der Gestaltung des Inhaltsangebotes waren“. Die BBC hat im Juli 2016 eine Beta-Version veröffentlicht und das Produkt dann mit Hilfe des Feedbacks der Tester verbessert. Zum Beispiel haben Nutzer oft mehrere Videos gleichzeitig angeschaut, also sorgte das Team dafür, dass man durch Wischen mit dem Finger einfach zwischen den Videos hin- und herwechseln kann.

„Jüngere Zuschauer, vor allem Frauen, werden von dieser stärker visuellen Herangehensweise und Videos angezogen“, findet O’Connor. „Die Zuschauer berichten, dass sie sich so fühlen, als ob sie sich einfach zurücklehnen können. Wenn sie mehr wissen wollen, nehmen wir sie mit auf eine Reise, aber wir werden sie nicht auf 500 Reisen mitnehmen. Wir versuchen, das Gefühl der Überforderung durch zu viele Alternativen, das ein Hauptbestandteil typischer App-Erfahrungen ist, zu begrenzen.“

Die BBC nannte keine genauen Zuschauerzahlen, Metcalfe ließ aber verlautbaren, dass die Erweiterung des Angebots gut angenommen wurde. Während die Ergänzung um Hochformat-Videos für die Benutzer der App problemlos erschien, ist das Produktionssystem für die Inhalte des BBC noch immer vorranging auf Fernsehen und einen querformatigen Output ausgerichtet. Häufig müssen die horizontalen Videos für den vertikalen Player angepasst werden.

Die Markteinführung der App war „ein gutes Beispiel für einen Kompromiss, um auf den Markt zu kommen und zu beweisen, dass vertikale Videos funktionieren können“, meint Watson. „Wie bei allen Arbeitsabläufen gibt es auch hier eine Henne-und-Ei-Situation: Die Leute wollen nichts ändern, solange es noch nicht greifbar ist und den Zuschauern über das Frontend präsentiert wird – wenn man sich aber radikal verändern möchte, muss man natürlich die Inhalte ändern, bevor die Zuschauer das Produkt zu sehen bekommen.“

Watson hofft, dass die Einführung der vertikalen Videos durch BBC News auch andere Bereiche des BBC dazu ermutigen wird, mit dem Format zu experimentieren. „Hochformatige Spielfilme gibt es noch nicht“, sagt Watson. „Aber wahrscheinlich wird das noch kommen. Das Schöne ist, da wir es getan haben, wird es auch bei der BBC ein Gespräch über hochformatige Videos geben. Im Sport wird man es sicherlich schon bald sehen.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Nieman Journalism Lab“ unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image: Screenshots by Niklas Hamburg. Adapted by Nils Hansen.


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Die Netzpiloten sind Partner vom newTV KONGRESS 2017

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Am 21. März 2017 ist es endlich wieder so weit: Der newTV Kongress von nextMedia.Hamburg zeigt wieder die spannendsten Einblicke in die Bewegtbild-Branche.

Ihr möchtet mehr wissen über die innovativen Strategien der erfolgreichsten Player der Bewegtbildindustrie? Ihr wollt neue Denkmuster kennenlernen und mehr über die Anwendungsbereiche von neuer Technologie wissen? Und ihr wollt vor allem erfahren, wie ihr mit Facebook-Livevideos, Virtual Reality und anderen neuen Bewegtbildmöglichkeiten Geld verdienen könnt? Dann seid ihr hier genau richtig.

Nationale Speaker wie der deutschen Journalisten und Blogger Richard Gutjahr, Daniel Budimann, der Geschäftsführer der Rocket Beans Entertainment GmbH und Ralf Klassen von The Cone erzählen euch, wie es geht und worauf es in der Branche ankommt. Aber auch internationale Speaker wie Chris Mead von Twitch, Raquel Bubar von der New York Times und Head of Digital Partnerships Cyrus Saihan von BBC geben unter dem diesjährigen Motto „Business Innovation On Screen“ Best-Cases zum Besten und sprechen unter anderem über relevante Branchenzahlen.

Zudem bietet die ganztägige Konferenz ein spannendes Programm bestehend aus einen Mix aus Panels und Workshops für das erfolgreiche Zusammenspiel von Content, Technology und Distribution. Der newTV Kongress 2017 richtet sich neben Interessierten und Einsteigern auch vor allem an Entscheidungsträger, Vermarkter, Werbetreibende und Produzenten der TV- und Digitalindustrie.

Tauscht euch aus, lernt neue innovative Ideen und Technologien kennen und seid dabei, wenn nextMedia.Hamburg und die Hamburger Handelskammer zum größten Bewegtbild-Kongress in der Hauptstadt einladen!

+++Das Gewinnspiel ist beendet+++

Gute Nachrichten, bei uns könnt 2×2 Tickets für den newTV KONGRESS am 21. März 2017 in Hamburg gewinnen. Wie? Ganz easy, einfach weiter auf unsere Verlosungs-Seite gehen und mitmachen. Zeit dafür habt ihr bis zum 02. März. Wir wünschen viel Glück!

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Richtig filmen: 7 Tipps, wie ihr mit dem iPhone professionell Videos dreht

Das Medium Video ist längst eines der stärksten Konkurrenten im Buhlen um die Aufmerksamkeit der User geworden. Wer eine starke Fanbase und guten Content hat, wird in den sozialen Netzwerken jeden Morgen mit Handkuss empfangen. Was aber machen kleine Unternehmen oder PR-Abteilungen, die kein Budget für Werbeagenturen, Filmproduktionsfirmen oder gar eine eigene Inhouse-Produktion haben? Ein iPhone und eine Minimal-Ausstattung an Zubehör reichen – wenn man ein paar Regeln beachtet.

Dass mit dem Smartphone durchaus Sehenswertes entstehen kann, hat zum Beispiel „Tangerine“ gezeigt. Der fast komplett auf einem iPhone 5S gedrehte 87-Minüter begeisterte nicht nur die Jury des renommierten Indie-Filmfestival Sundance.

 1. Gute Vorbereitung ist das A und O

Auch im kleinen Rahmen bildet die richtige Vorbereitung das Fundament eines Drehs. Es ist eine gute Idee, sich eine Checkliste anzulegen und vor dem Start noch einmal durchzugehen, ob an alles gedacht ist. Wichtige Fragen sind: Wo genau will ich drehen? Ist der Raum frei? Wenn draußen, was mache ich bei schlechtem Wetter? Wer ist vor der Kamera und ist auch diese Person ausreichend vorbereitet? Haben sich genau zum Drehzeitpunkt Handwerker angekündigt, die nebenan bohren wollen? Habe ich genügend Speicherplatz frei? Ist mein Equipment vollzählig und aufgeladen? Apropos Equipment. Auf folgendes solltet ihr nicht verzichten.

2. Das notwendige Basis-Zubehör

Leistungsstarke Smartphones wie das iPhone sind bereits von Haus aus gut ausgerüstet: Eine gute Kamera, ein Mikrofoneingang, im Idealfall viel interner Speicher und ausreichend Rechenpower. Trotzdem gibt es ein paar Investitionen, die sich lohnen.

Für eine Interviewsituation bietet sich ein Stativ an. Dann ist das Bild absolut ruhig. Eine wacklige Handkamera-Perspektive wäre in diesem Fall stilistisch unangebracht und würde den Betrachter irre machen. Im Grunde können Smartphone-Filmer zu herkömmlichen Stativen greifen. Dann brauchen sie aber noch einen Adapter, der das iPhone daran festhält. Alternativ gibt es inzwischen gebrauchsfertige Smartphone-Stativ-Sets. Einschlägige Marken sind zum Beispiel Manfrotto und Joby. Wer stabilisierte Kamerafahrten aus der Hand drehen möchte, kann sich beispielsweise Osmo Mobile von Drohnen-Hersteller DJI ansehen.

Filmen auf dem Smartphone ist sehr leistungshungrig, deshalb lohnt sich für längere Drehs eine starke Powerbank. Praktisch für iPhone-Nutzer: der Tizi Flachmann Ultra kommt gleich mit einem Lightning-Anschluss ans Werk. Wem die Smartphone-Optik zu weitwinklig ist, der kann hochwertige Objektiv-Vorsätze nutzen, etwa die ExoLens-Serie von Zeiss, die wir hier getestet haben. Vorteil dieser ExoLens-Produkte: Sie beinhalten eine iPhone-Halterung mit Schraubgewinde, das an viele gängige Stative passt.

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Objektiv-Vorsätze, wie die von Zeiss ExoLens, erlauben mehr Flexibilität bei der Brennweite. Foto: Berti Kolbow-Lehradt

3. Schlechte Beleuchtung ist ein Killer

Ein gutes Bild entsteht durch interessanten Bildinhalt und das richtige Licht. Je besser und damit professioneller das Video aussieht, desto interessanter wird es für die visuell sehr verwöhnte Zielgruppe. Ein Grundpfeiler der Lichtgestaltung für Film ist die Drei-Punkt-Ausleuchtung, die zum Beispiel hier beschrieben wird. Hier kann es vollkommen ausreichen, drei helle Bürolampen zu nehmen, die dementsprechend im Raum verteilt und ausgerichtet werden.

Hier empfiehlt es sich, sich einfach mal eine Stunde Zeit zu nehmen und verschiedene Möglichkeiten auszuprobieren – was Spaß macht und übrigens auch eine tolle Teambuilding-Idee für die Marketingleute ist.

4. Der Ton ist genauso wichtig wie das Bild

Zuschauer verzeihen es meistens, wenn das Bild nicht perfekt ist. Schlechter Ton allerdings wird als sehr störend empfunden. Ist es anstrengend, der Sprache zu folgen, macht das Ansehen keinen Spaß. Störgeräusche sind da genauso ein No-Go wie eine im Schnitt zu laut gepegelte Musik. Beim Film werden Bild und Ton oft getrennt aufgenommen, was etliche Vorteile hat, in der Postproduktion jedoch enormen Zusatzaufwand mitbringt.

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Ein Aufsteck-Mikro wie das VideoMic Me von Rode kann die Aufnahme drastisch verbessern. Foto: Rode

Für den Einstieg reicht zwar die interne Aufzeichnung des iPhones. Hingegen ein externes Mikrofon steigert die Qualität des Videos spürbar. Eine Übersicht über verschiedene Modelle gibt es hier. Für Interviews sind Ansteckmikros perfekt, eine universelle Lösung und in jedem Fall besser als nichts sind kleine Zusatzmikros, die im Mikrofon-Port des Smartphones Platz finden. Ein Beispiel ist das VideoMic Me des Herstellers Rode. Das Richtmikrofon wird direkt in die Lightning-Buchse des iPhones gesteckt und liefert einen klaren Sound von allem, was sich direkt vor ihm befindet.

5. Die richtige Kamera-App fürs iPhone

Nachdem alle Voraussetzungen stimmen, kommt ein letzter, zentraler Punkt: Die Kamera. Ein großer Unterschied zwischen Android- und Apple-Smartphones ist der Umfang und die Qualität der vorinstallierten Software.

Um während des Drehs alle Parameter im Griff zu haben, ist es wichtig, sie manuell einzustellen. Ohne eine fixe Einstellung können sich Dinge wie Belichtung oder Fokus während des Takes automatisch verändern, was selten das gewünschte Ergebnis bringt. Doch für genau diese Möglichkeiten müssen wir unser Smartphone noch etwas erweitern.

Die Kamera-App des iPhones ist Apple-typisch sehr reduziert. In den Systemeinstellungen lassen sich Auflösung und Framerate einstellen, das war’s dann aber auch. In der App selbst gibt es nur eine einzige Einstellung, nämlich für das Licht der LED auf der Rückseite (bitte ausschalten!). Die App ist für das schnelle Urlaubsvideo nicht schlecht, für unsere Zwecke aber reicht das nicht. Verstärkung muss her, etwa die leistungsstarke App FiLMiC. Sie ist für aktuell 9,99 Euro im App Store erhältlich (ein ausführlicher Test dieser App folgt in Kürze).

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Die Kamera-App FiLMiC macht aus dem iPhone eine bessere Videokamera. Screenshot: FiLMiC

6. Das. iPhone. Muss. Quer.

Und: Bitte, bitte haltet das Smartphone waagerecht. Das Hochformat ist zwar die natürliche Smartphone-Haltung, trotzdem sind die User an Content im Querformat gewohnt. Das Hochformat macht nur Sinn, wenn man ausschließlich für mobile Geräte produziert und das Gefilmte auch im Hochformat gut aussieht. Abraten würde ich trotzdem – im Hochformat ist das Video später weder für die eigene Website noch für Videoplattformen wie YouTube geeignet.

7. Storytelling: Die Geschichte ist alles

Menschen lassen sich gerne von guten Geschichten verzaubern. Gleichzeitig sind schlechte Geschichten ein Garant für Langweile und Abneigung. Bevor auch nur an die Umsetzung gedacht wird, ist die erste und wichtigste Frage immer: Was will ich erzählen?

Was die Länge betrifft, gibt es online nur eine einzige Beschränkung: die Aufmerksamkeitsspanne der User. Weil die sehr begrenzt ist, muss der Einstieg so knackig sein, dass die Zuschauer dranbleiben. Und die Information muss so kompakt gehalten werden, dass keine Längen entstehen. Auch eine weitere Frage ist wesentlich: Bin ich mir sicher, dass meine Geschichte überhaupt relevant ist? Wenn M&M plötzlich pink-grün-gestreifte Schokolinsen in die Regale stellt, werden manche Leute ausflippen. Wenn aber Rewe eine neunte Sorte Äpfel ins Sortiment nimmt, wird das wahrscheinlich niemanden interessieren.

Habt ihr all das beherzigt, kann es endlich losgehen. Auch wenn der erste Versuch noch nicht perfekt ist: Übung macht bekanntlich den Meister.


Teaser image by Pexels / Pixabay (CC0 Public Domain); Images by: FiLMiC, Rode, Berti Kolbow-Lehradt


Dieser Text erschien zuerst auf unserer Schwesterseite Applepiloten.

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Digitale Lösungen für analoge Probleme – Reloaded

glühbirne-image-by-jniittymaa0-via-Pixabay-[CC0 Public Domain]

Vor nunmehr 4 Jahren hatte ich an dem spannenden Buchprojekt Reboot_D von Ulrike Reinhard und Hendrik Heuermann mitgewirkt, in dem es darum ging, die analoge Welt mit digitalen Vorzeichen neu zu denken. Unter der Überschrift „Digitale Lösungen für analoge Probleme“ hatte ich mich gefragt, in welcher Weise bis dato die Digitalisierung zur Lösung politischer Probleme beigetragen hatte und warum dies in analogen Zeiten vorher nicht möglich gewesen war.

Mit Blick auf die fehlende Nachhaltigkeit unserer Lebensweise, den Klimawandel und die Änderung nicht-nachhaltiger Geschäftspraktiken skrupelloser Alt-Unternehmen, die mit Hilfe von manipulierter Software unserer aller Lebensgrundlage zerstören helfen, ergibt sich erneut die Frage, wie man mit digitalen Tools und Produkten die Welt ein kleines bisschen besser gestalten kann. Einige Filme und Keynotes der letzten Tagen haben aus meiner Sicht gezeigt, wie dies vonstatten gehen könnte.

Der im Netz viel diskutierte desaströs Beginn (Stichwort: Digitale Demenz bei Anne Will) der ARD Themenwoche zur Zukunft der Arbeit hat wieder eines gezeigt: Es fehlt in Deutschland an Vordenkern, die uns einen (Aus-) Blick auf globale Trends und Themen zeigen können und es fehlt weiterhin an entsprechenden Altmedien, die in der Recherche relevanter Themen und dieser internationalen Vordenker auf der Höhe der Zeit sind. Wie kann es sein, dass uns ausgerechnet der Altmeister des deutschen Films Werner Herzog mit über 70 Jahren mit „Lo and Behold“ einen spannenden Blick auf die Zukunft des Internets, der Robotik und damit der Gesellschaft zeigt?

In dieser Woche hatte ich aber Gelegenheit, weitere drei Filme bzw. Präsentationen zu schauen, die uns zeigen, wie sich Geschäftsmodelle mit Hilfe von Blockchain in Richtung sozialer Nachhaltigkeit ändern können (Don Tapscott), in welcher Weise Geschäftsmodelle ökologische Nachhaltigkeit fördern können (SolarCity) und warum wir ein Interesse an diesen Änderungen haben sollten (Leonardo DiCaprio).

National Geographic hat seit drei Tagen den Klimawandel-Film von Leonardo DiCaprio „Before the Flood“ in seinem YT-Channel freigeschaltet. Der Kampf gegen den Klimawandel und die Förderung der Solarindustrie, alles dies waren mal deutsche Kernkompetenzen. Aus und vorbei. Im Film von LDC wird stattdessen die Giga-Factory von Tesla gezeigt und das Geschäftsmodell und die Mission dahinter vorgestellt.

In welchem Kontext die Giga-Factory zu verstehen ist, kann man erahnen, wenn man die aktuelle Keynote von Elon Musk zur Vorstellung des Konzepts der Solardächer anschaut. Die Keynote – unter freiem Himmel – als Chef eines Industrieunternehmens mit der Botschaft zu beginnen, dass 404 ppm CO2 Antrieb für deren Überlegungen sei, ist gerade aus deutscher Sicht erstaunlich. Man stelle sich Zetsche oder Müller vor, wie sie versuchen, „Nachhaltigkeit“ mit ihren Produkten zu bewerben. Was die Keynote zeigt, ist die Erkenntnis, dass Nachhaltigkeit und Business sich nicht ausschließen sondern ganz im Gegenteil gegenseitig bedingen.

Ebenso wie Jobs versteht es Musk, eine Sache, die die Menschen bewegt, mit einem Industrieprodukt und einer Dienstleistung zu verbinden. Wen erinnert der Dreiklang in der Musk-Keynote – Generation, Storage, Transport – und die daraus folgende Ableitung des Produkts nicht an die Jopbs-Keynote zur Vorstellung des iPhones, der damals in ähnlicher Weise drei Produkte zu einem neuen verbünden hatte. Haus, Auto und Energie integriert zu betrachten, ist im Grunde genommen so naheliegend und bleibt schnell im Kopf hängen. Und schon fragt man sich, wieso dies bisher immer getrennt betrachtet worden ist.

Wie sich Geschäftsmodelle mit Hilfe der Blockchain-Protokolle schließlich komplett erübrigen können und inwiefern dies allen Menschen im Sinne sozialer Nachhaltigkeit zugute kommen kann, stellt Don Tapscott in seinem aktuellen TED-Talk vor. Zwischenhändler, die sowieso nur abkassieren, Gatekeeper sind und Ungleichheiten verstärken, können mit der Blockchain-Technik komplett eliminiert werden. Tapscott nennt als Beispiele die Sicherung von Eigentumsrechten bezogen auf Landbesitz, das Peer2Peer-sharen, die individuelle Datensouveränität und die unmittelbare Entlohnung von Inhalte-Schaffenden.

Alle Filme zusammen genommen zeigen uns ein Bild auf, warum es nicht nur Technik ist, über die wir reden sondern warum Technik soziale und politische Implikationen hat und warum dies den herrschenden Akteuren – Ölkonzernen, Banken, Blechebiegern – nicht gelegen kommt. Denn: Es geht um Macht.


Image „glühbirne“ by jniittymaa0 (CC0 Public Domain)


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Jugendliche surfen vor allem mobil

adv_preis24_handytarife(image by preis24)

Mehr Internet, mehr mobil, mehr Video. Immer mehr Menschen nutzen in Deutschland regelmäßig das Internet. Gerade bei jungen Leuten nutzt fast jeder häufig das Netz – und das überwiegend mit Smartphones. Dies ermittelten das ARD und ZDF in ihrer jährlichen Onlinestudie.

Das Internet gehört inzwischen zu den Deutschen wie der Fernseher oder das Auto. Laut der aktuellen ARD/ZDF-Onlinestudie 2016. 84 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung online. Das sind noch einmal zwei Millionen Internetnutzer mehr als 2015. Täglich verbringen die Deutschen 2:08 Stunden online, das entspricht einem Zuwachs von 20 Minuten gegenüber dem Vorjahr.

Immer häufiger werden dabei Videoinhalte konsumiert. Der Anteil der Menschen, die täglich online Videos ansehen, liegt inzwischen bei 26 Prozent (17,9 Millionen, 14-29-Jährige: 51 Prozent). Dieser Anstieg lässt sich auch mit der steigenden Popularität von YouTube-Stars erklären, gerade bei jüngeren Nutzern. Für viele Jugendliche haben YouTuber wie Dagi Bee oder LeFloid inzwischen einen höheren Stellenwert als die klassischen Stars aus Sport, Musik, Film und Fernsehen.

Bei der jüngeren Bevölkerung  (14- bis 29-Jährige) ist nahezu jeder regelmäßig oder zumindest gelegentlich online. Das Smartphone ist dabei das meist genutzte Gerät für den Internetzugang. 66 Prozent der Deutschen gehen per Mobiltelefon ins Netz – bei den Jüngeren sind es stolze 95 Prozent! Die meiste Zeit wird mit Kommunikation (39 Prozent) und Medien (25 Prozent) verbracht.

Bei der Informationsbeschaffung, Kommunikation und Unterhaltung führt bei vielen kein Weg mehr am Smartphone vorbei / Quelle: shutterstock/oneinchpunch
Bei der Informationsbeschaffung, Kommunikation und Unterhaltung führt bei vielen kein Weg mehr am Smartphone vorbei / Quelle: shutterstock/oneinchpunch

Wichtig: Der richtige Vertrag für die Generation Smombie

Entsprechend wichtig ist die richtige Wahl des Handytarifs. Das Vergleichsportal preis24.de vermittelt Tarife zwischen 6,99 und 49,99 Euro, damit jeder Nutzer das zu seinem Surfverhalten passende Paket findet. Denn wer zum Beispiel mobil viele Videos konsumiert, dürfte nur mit einem der neuen LTE-Verträge und der damit verbundenen hohen Surfgeschwindigkeit wirklich glücklich werden. Wer vor allem telefonieren und gelegentlich Informationen im Internet suchen möchte, ist auch mit einem günstigeren, aber langsameren Tarif zufrieden. 

Für Personen, die unentwegt auf ihr Smartphone starren und die Außenwelt mehr oder weniger ignorieren, gibt es seit einiger Zeit sogar einen eigenen Begriff: Smombies – eine Mischung aus Smartphone und Zombie. Es wurde 2015 zum „Jugendwort des Jahres“ in Deutschland gewählt.

Advertorial – was ist das?


Images by Shutterstock/oneinchpunch


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Memes und die Wissenschaft des viralen Hits

Grumpy Cat (adapted) (Image by Gage Skidmore [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

WHO LET THE DOGS OUT? WHO-WHO-WHO-WHO-WHO? WHO LET THE DOGS OUT?

Falls du jemals den Baha-Men-Hit „Who Let the Dogs Out“ aus dem Jahr 2000 gehört hast, wirst du wahrscheinlich schon die Erfahrung gemacht haben, dass der etwas nervige, aber sehr eingängige Refrain für mehrere Stunden als Ohrwurm in deinem Kopf herumspukte.

Wenn du ihn im Laufe des Tages leise vor dich hingesummt hast, hat dich vielleicht jemand gehört und sich ein paar Minuten später bei dir beschwert, dass du ihm diesen Ohrwurm in den Kopf gesetzt hast. Der Refrain des Songs scheint die Fähigkeit zu besitzen, von einem Gehirn zum nächsten zu springen. Und vielleicht springt er sogar von dem Webbrowser, den du gerade benutzt, auf dein Gehirn über. In der Tat ist es möglich, dass du dir diesen Refrain gerade selbst vorsingst. Etwas Ähnliches geschieht im Internet, wenn Dinge viral werden – scheinbar ohne Sinn und Verstand liken, teilen, retweeten und beschäftigen sich die Leute online mit bestimmten Dingen.

Zum Beispiel wurde ein Foto der sogenannten Grumpy Cat online so oft geteilt, dass es im Jahr 2013 die Auszeichnung der „größten Einzelleistung des Jahres“ erhielt. Die Besitzerin von Grumpy Cat, deren wirklicher Name Tardar Sauce lautet, macht deutlich, dass sie nicht ahnte, dass das ursprünglich auf Reddit gepostete Katzenfoto überhaupt etwas Besonderes wäre.

Aus heiterem Himmel heben einige Social-Media-Aktionen so sehr ab, dass man sie unmöglich ignorieren kann. Im Jahr 2014 erwähnten und teilten mehr als 3 Millionen Menschen innerhalb von weniger als drei Wochen sogenannte #IceBucketChallenge-Videos. Nachdem diese zum viralen Hit wurden, hat die Challenge mehr als 100 Millionen US-Dollar an Spenden für die ALS Association eingebracht. In anderen Fällen jedoch verkümmern Aktionen in den digitalen Medien. Andere lustige Katzenfotos und Challenges werden ignoriert und weder geteilt noch retweetet.

Warum und auf welche Weise unterliegen wir dem Drang, bestimmte kulturelle Elemente wie Songs, Videos, Texte und Bilder zu reproduzieren und zu teilen? Ist es einfach nur Zufall und die Gnade fremder Internetnutzer? Der Grund mag weniger mit Zufall und mehr mit dem kontroversen Themenfeld der Memetik zu tun haben, das sich mit der Frage beschäftigt, wie sich kleine kulturelle Schnipsel unter uns verbreiten.

Als Leiterin des Zentrums für Urheberrechtsgesetze der Drake University Law School habe ich Memes und ihre Beziehung zu viralen Medien untersucht. Man kann die Verbindung zwischen Memetik und der Frage, was bestimmte Medien dazu befähigt, millionenfach geteilt und reproduziert zu werden, kaum ignorieren. Unternehmen und Einzelpersonen täten gut daran, zu verstehen, ob es tatsächlich eine Wissenschaft des viralen Hits gibt und wie diese für Kampagnen genutzt werden kann.

Die Idee von „Memes“ basiert auf Genen

Der Begriff „Memetik“ wurde erstmals von dem Evolutionsbiologen Richard Dawkins in seinem berühmten Buch „Das egoistische Gen“ von 1976 benutzt. Er stellte eine Theorie darüber auf, wie kulturelle Informationen entwickelt und von Mensch zu Mensch übertragen werden. In der Art, wie ein Gen ein individuelles Paket genetischer Information darstellt, so sein Ansatz, ist ein Mem ein ähnliches Paket kultureller Information. Wenn eine Person eine andere imitiert, wird laut Dawkins ein Mem an den Imitator weitergegeben, in ähnlicher Weise, wie etwa blaue Augen durch die Gene von den Eltern an ihre Kinder weitergegeben werden.

Die Memetik stützt sich auf die Theorie der darwinistischen Evolution. Sie legt nahe, dass Meme miteinander konkurrieren, sich reproduzieren und weiterentwickeln, genau wie Gene dies tun. Nur die stärksten überleben. Meme kämpfen also erbittert um Raum und Vorherrschaft in unserem Gehirn und in unserem Verhalten. Diejenigen, die durch weit verbreitete Nachahmung Erfolg erlangt haben, haben sich für die Wiederholung und Kommunikation am besten entwickelt. Ein Mem kann nicht von einzelnen Individuen kontrolliert werden – viele Menschen können dem Mem gleichzeitig als Träger dienen.

Es ist schwierig, genau zu erklären, was alles unter den Begriff „Mem“ fallen könnte. Gewöhnlich stellen Wissenschaftler jedoch fest, dass ein Mem eine Phrase, eine eingängige Melodie oder eine Verhaltensweise sein kann. Dawkins zögerte, den Begriff klar zu definieren, aber er merkte an, dass Melodien, Ideen, eingängige Phrasen, Kleidermoden, sogar auch bestimmte Arten, wie man Töpfe herstellen oder Torbögen bauen kann, Meme sein könnten. Die Memetik legt nahe, dass Meme schon so lange existieren, wie es Menschen auf der Erde gegeben hat.

Eine geläufige Darstellung ist das Speichenrad-Mem. Es geht zurück auf den Philosophen Daniel C. Dennett„Ein Wagen mit Speichenrädern trägt nicht nur Getreide oder Fracht von Ort zu Ort; es trägt auch die geniale Idee eines Speichenradwagens von Geist zu Geist.“ Die erste Person, deren Hirn das Speichenrad-Mem in sich trug, baut einen Speichenradwagen. Andere werden diesen ersten Wagen sehen, dasselbe Mem reproduzieren und mit dem Bauen von Wagen fortfahren, bis es Hunderte, Tausende oder Millionen von Speichenradwagen gibt. In den frühen Tagen der Menschheit konnte sich so ein Mem schnell fortpflanzen, weil man sich in einer Welt befand, in der Alternativen nur selten vorhanden waren.

In der Memetik geht es um mehr als nur die Frage, was eine Sache populär macht. Die stärksten Meme – jene, die sich in den meisten Köpfen reproduzieren – sind verantwortlich für die Entstehung und Entwicklung der menschlichen Kultur.

Vom Geist ins Internet

Heute ist das Internet-Mem, von den meisten Leute mittlerweile einfach Meme genannt, ein kleines Medium, das online kopiert wird und sich schnell verbreitet. Eine der ersten Verwendungen der Idee des Internet-Mems entstand 1994, als Mike Godwin, ein amerikanischer Anwalt und Experte für Internet-Recht, den Begriff „Meme“ benutzte, um die rasche Verbreitung von Ideen im Netz zu charakterisieren. Er hatte festgestellt, dass in unterschiedlichen Newsgroups und virtuellen Communities bestimmte Nutzer, wenn sie unliebsame Kommentare hinterließen, als „nazimäßig“ oder „Hitler-ähnlich“ etikettiert wurden. Godwin nannte dies das Nazi-Vergleichs-Meme. Es tauchte immer und immer wieder auf, in den verschiedensten Arten von Diskussionen mit Nutzern aus aller Welt, und Godwin staunte über die „eigentümliche Unverwüstlichkeit“ des Memes.

Über 20 Jahre später ist das Wort „Meme“ zu einem festen Bestandteil unseres Lexikons geworden und wurde benutzt um alles Mögliche zu beschreiben, von Ermahgerd Girl über Crying Jordan bis hin zu Gangnam Style. In der heutigen Welt hat jedes Meme eine Menge Konkurrenz. Amerikaner verbringen durchschnittlich 11 Stunden pro Tag damit, mithilfe von digitalen Medien zu interagieren. Australier verbringen 10 Stunden pro Tag mit internetfähigen Geräten, während Lateinamerikaner mehr als 12 Stunden täglich mit Medienkonsum verbringen. Rund um die Welt erhalten die Menschen permanent Tausende von Fotos, Videos und andere Nachrichten. Herauszufinden, welche dieser Elemente die meiste Aufmerksamkeit erlangen, könnte für die Entwickler digitaler Inhalte einen erheblichen Vorteil bedeuten.

Memes manipulieren, damit sie viral gehen?

Das Internet-Meme und das wissenschaftliche Mem sind nicht identisch. Das Internet-Meme wird typischerweise bewusst durch die menschliche Erfindungsgabe variiert, während das wissenschaftliche Mem, das eingeführt wurde, bevor sich das Internet durchsetzte, zufällige Veränderungen und exaktes Kopieren beinhaltet. Darüber hinaus sind Internet-Memes beobachtbar dank ihrer Präsenz in den sozialen Medien, während wissenschaftliche Meme (zumindest bis jetzt) nicht beobachtbar sind, weil sie keine physische Form und keine Spuren hinterlassen. Dawkins hat jedoch festgestellt, dass das Internet-Meme und das wissenschaftliche Mem eindeutig verwandt und miteinander verbunden sind.

Was sind die Ursachen dafür, dass sich ein Meme besser verbreitet als das andere? Einige Forscher sagen, dass Memes bestimmte Eigenschaften entwickeln, die „gute Kniffe“ genannt werden, und die ihnen Wettbewerbsvorteile verschaffen, wie zum Beispiel:

  1. wirklich nützlich für einen menschlichen Träger zu sein
  1. für das menschliche Gehirn leicht nachahmbar zu sein und
  1. Fragen zu beantworten, die für das menschliche Gehirn interessant sind.

Zum Ersten: wenn ein Meme wirklich nützlich für Menschen ist, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass es sich verbreitet. Speichenradwagen haben sich schnell verbreitet, weil die frühen Menschen große Mengen von Fracht transportieren mussten.

Zum Zweiten: Memes, die leicht zu kopieren sind, haben einen Wettbewerbsvorteil gegenüber solchen, die es nicht sind – ein eingängiger Refrain wie „WHO LET THE DOGS OUT“ lässt sich leichter rekonstruieren als die Zeilen in U2s Numb, der als einer der am schwierigsten zu verstehenden Popsongs bezeichnet wird.

Zum Dritten: Memes, die drängende Fragen beantworten, werden sich sehr wahrscheinlich verbreiten. Schau dich in einer beliebigen Buchhandlung um und du wirst zahlreiche Bücher über deine Bestimmung im Leben, über die Frage nach dem Sinn des Lebens, oder darüber, wie man schnell und effektiv Gewicht verliert, finden – alles Themen, die für viele Menschen von großem Interesse sind.

Die Memetik legt nahe, dass große Vorteile darin liegen, ein starkes Mem nach Dawkins ursprünglicher Definition mit digitalen und anderen Inhalten zu kombinieren. Wenn es eine wissenschaftliche Erklärung für starke Reproduktion gibt, können Marketing- und Werbestrategien in Verbindung mit starken Memen die Geheimnisse des Teilens und Verbreitens viraler Medien offenlegen.

Die Antwort auf solche Geheimnisse könnte in Songs wie „WHO LET THE DOGS OUT“ liegen. Summst du es schon vor dich hin?

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Grumpy Cat“ by Gage Skidmore (CC BY-SA 2.0)


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Shell präsentiert „V-Power SmartDeal“

Eine ganz besondere Pflege für das Auto? Das ist der Wunsch von vielen Autoliebhabern. Mit dem neuen „V-Power SmartDeal“ ist das ganz einfach möglich. Unter der Headline „Endlich Premium tanken und Standard zahlen“ bietet Shell seinen Kunden ein interessantes Angebot. Mit dem SmartDeal kann der etwas teurere V-Power Kraftstoff bei allen Shell-Tankstellen zum Preis von Standard-Kraftstoff getankt werden, entweder durch eine monatliche Zahlung oder eine Jahresgebühr.

Der V-Power Premium Kraftstoff pflegt nicht nur den Motor des Fahrzeuges, sondern schöpft auch das Leistungspotenzial des Motors aus. So schlagen Männerherzen höher! Alle die ihr Auto lieben, können es nun besonders pflegen, ohne mehr Geld auszugeben. Über dieses Angebot freut sich nicht nur Ihr Motor, sondern auch der Geldbeutel.

Der ShSmartDeal1_1900x1200ell V-Power SmartDeal

In dem Angebot sind die Shell V-Power Premiumkraftstoffe V-Power Racing und V-Power Diesel zum Preis der Standardkraftstoffe Super FuelSave 95 oder Diesel FuelSave erhältlich. Und die Shell V-Power Hochleistungskraftstoffe haben es in sich: Sie wurden entwickelt, um sofort gegen leistungshemmende Motorablagerungen zu wirken und das Leistungspotenzial des Motors auszuschöpfen. Außerdem lohnt sich der Shell V-Power Smart Deal bereits ab einer Tankfüllung der Premiumkraftstoffe im Monat. Sie zeigen beim Tanken einfach ihre Shell ClubSmart Karte an der Kasse vor und der Rabatt wird automatisch abgezogen. Hinzu kommt, dass man bei jedem Tanken Shell ClubSmart Punkte sammelt, die gegen tolle Prämien eingetauscht werden können.

Um das Angebot des Shell V-Power SmartDeals zu nutzen, muss man sich einfach nur eine Shell ClubSmart Karte auf shellsmart.com bestellen. Dort kann man dann auch den passenden SmartDeal buchen.

 


Image by Shell


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • APPLE t3n: Sicherheitsprobleme bei iOS: Forscher decken Lücke in Sandboxing auf: iOS schnitt bisher immer besser ab als Android, internationale Forscher aber fanden eine Sicherheitslücke bei der Sandboxing Funktion. Die Sandboxing Funktion soll verhindern, dass Apps ohne Berechtigung auf die Datenspeicher anderer Apps zugreifen können. Die Forscher wollten ein System entwickeln, was iOS automatisch auf mögliche Sicherheitsprobleme abcheckt. Dabei fanden die Forscher diese Lücke und benachrichtigten Apple darauf hin.
  • YOUTUBE GoogleWatchBlog: Backstage: YouTube will sich von der reinen Video-Plattform zum Social Network wandeln: Laut einer anonymen Quelle will Youtube nicht mehr nur eine Videoplattform bleiben, sie will sich in Richtung Social Network entwickeln und durch ein Backstage-Bereich den Usern ermöglichen, nicht nur Videos zu teilen sondern auch Postings zu verfassen. Zurzeit ist es noch nicht bekannt, ob der Backstage-Bereich mit in die Youtubefläche integriert wird oder ob es eine Stand-Alone-App geben wird.
  • MEDIZIN heise online: Die neue Waffe gegen Bakterien: Die Menschen werden immer resistenter gegenüber Antibiotika. Seit langem versuchen Pharmahersteller neue Antibiotika auf den Markt zu bringen gegen die, die Menschheit nicht resistent wird, leider ohne Erfolg. Doch jetzt gibt es wieder Hoffnung, etliche Forscher bauen nun auf Viren die, die gefährlichen Bakterien vernichten und die bereits Antibiotika resistenten zu bekämpfen. Zurzeit ist diese Behandlungsmethode aber noch im Test.
  • EBAY Handelsblatt: Richter stoppen den Abbruchjäger: Es gibt unzählige Verkäufer auf ebay. Sie alle wollen ihre Ware für einen guten Preis verkaufen. In manchen Fällen ist dies dennoch nicht der Fall und dann ziehen die Verkäufer Ihr Angebot zurück. Das ist laut den Ebay Richtlinien aber nicht erlaubt, es sei denn, die Ware ist durch einen Unfall beschädigt. Immer wieder werden diese Verkäufer von sogenannten Abbruchjägern auf Schadensersatz verklagt. Nun will der Bundesgerichtshof für mehr Rechtssicherheit sorgen.
  • CARSHARING all-in: Bundesregierung einigt sich auf Carsharing-Gesetz: Immer mehr Menschen steigen vom eigenen Auto zum Carsharing um. Mittlerweile gibt es viel zu viele Autos auf der Welt, aber nicht alle werden genutzt und verrotten bloß auf Ihrem Parkplatz. Carsharing ist für Menschen, die sich kein eigenes Auto kaufen wollen oder leisten können. Die Bundesregierung will Carsharing immer mehr fördern und das mit besonderen Privilegien.
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Michelin präsentiert: The Arch Team at Le Mans 2016

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Traditionell wird jährlich am ersten Juli Wochenende eines der prestigeträchtigsten Rennen des Motorsports ausgetragen. Innerhalb von 24 Stunden so viele Runde wie möglich zu fahren, heißt das Ziel, wenn das 24 Stunden Rennen von Le Mans wieder seine Tore öffnet. Dann wird ein Gebiet im Süden der Stadt zur Motorsport Hochburg. Und Michelin darf natürlich nicht fehlen.

Michelin bringt mit einem Video das besondere Feeling des Langstreckenrennens rüber. Besondere Personen der Le Mans Gemeinschaft werden von Keanu Reeves und Gard Hollinger vorgestellt, die mit ihrem Motorrad Unternehmen nach Frankreich gereist sind. Im Video zu sehen ist unter anderem die Person, die sich hinter der legendären Kommentatorenstimme des Rennens verbirgt – Bruno Vanderstick. Seit über 20 Jahren hat er die ganzen 24 Stunden über vor seinen Bildschirmen das Mikrofon in der Hand. Und auch der unangefochtene Superstar der Le Mans Geschichte wird interviewt. 9 Siege machen Tom Kristensen zum erfolgreichsten Piloten der Rennserie. Ihre Geschichten und mehr könnt ihr euch hier im Video anschauen:

Die Erfolgsgeschichte zweier Brüder

André und Édouard Michelin übernahmen im Sommer 1889 eine Produktionsstätte für Kautschukverarbeitung im französischen Clermont-Ferrand. Noch heute ist dieser Ort der Hauptsitz des berühmten Reifenherstellers. Die ersten Produkte in der Transportindustrie, die Michelin herstellte, waren Bremsblöcke für Kutschen. Fast 130 Jahre später ist Michelin eine der bedeutendsten Reifenhersteller auf der Welt. Jeder hat schon mal die Werbefigur „Bibendum“ auch als Michelin-Männchen bekannt. Michelin sorgt mit ihrer Plattform Car Connections dafür, dass ihr die neusten News der Automobil Szene bekommt. Unter www.msn.com/de-de/auto/car-connections könnt ihr darauf zugreifen.


Image by Michelin


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Wer lügt, der fliegt!

smart-Challenge: Die offenste Probefahrt der Welt

Der neue „smart fortwo cabrio“ ist das einzige Cabrio seiner Klasse, dessen Verdeck sich vollständig öffnen lässt. Diese totale Offenheit fordert das Auto auch von seinen Fahrern – zumindest bei diesen witzigen Probefahrten. Wie ehrlich sind wir wirklich zu unseren Mitmenschen? Diese Frage versucht smart jetzt mit der offensten Probefahrt der Welt zu beantworten. Die Spielregeln sind denkbar einfach: Die Person am Steuer wird an einen Lügendetektor angeschlossen und muss sich während der Fahrt den Fragen des Beifahrers stellen. Schon bei der ersten unwahren Antwort schließt sich das Verdeck des neuen „smart fortwo cabrio“ automatisch und der Trip endet. Nur wer alle Fragen binnen fünf Sekunden beantwortet und dabei schonungslos ehrlich ist, schafft es bis ins Ziel!

Die Wahrheit kommt so oder so ans Licht

Um für Spannung zu sorgen, sitzt auf dem Beifahrersitz natürlich nicht irgendwer. Die Fragen kommen vom besten Freund, der eigenen Mutter oder der Partnerin. Die Teilnehmer sind keine Schauspieler, alles was im Video zu sehen ist, ist echte Scham und diebische Freude. Denn während die ersten Fragen noch harmloser Natur sind („Magst du dieses Auto?“), geht es mit zunehmender Fahrtdauer immer mehr ans Eingemachte. Und spätestens wenn die eigene Mutter wissen möchte, ob man schon mal im Bett der eigenen Eltern Sex hatte, gehen die Antworten nicht mehr so leicht über die Lippen. Wirklich zu beneiden, ist keiner der Kandidaten in dem Clip. Wer möchte schon seiner Partnerin auf die Frage „Magst du meine Mutter?“ eine Antwort geben, während man an einen Lügendetektor angeschlossen ist? Diese Probefahrt werden die Teilnehmer nicht so schnell vergessen. Ganz ehrlich!


Image by smart


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Netto-Katzen im Discounterparadies

Aufgerissene Augen vor einer unglaublichen Menge an verschiedenen Thunfischdosen, die unerklärliche Angst vor Gurken, der direkte Blick in die Kamera mit dramatischer Musik im Hintergrund und natürlich ist kein Loch zu klein, um seinen Kopf durchzustecken. Bei wem es jetzt im Hinterkopf klingelt, oder besser gesagt „Miau“ macht, der ist ganz tief drin im Cat-Content. Katzenbesitzer wissen es genau – die flauschigen Vierbeiner sind Diven. Eiskalt lehnen sie die Sachen ab, die ihnen von ihren Menschen vorgesetzt werden. „Dann hol dir dein Essen selbst“, denken sich viele Besitzer wahrscheinlich mehrfach in der Woche. Doch wo würden Katzen einkaufen gehen? Die Antwort lautet: Netto.

Das Mysterium der Katzen-Videos

Es sind die beliebtesten Videos von Tieren im Netz. Fast jeder der Social Media affinen Menschen kennt zum Beispiel „Grumpy Cat“. Ob süß, verwirrt, ängstlich, arrogant, witzig oder schlecht gelaunt. Katzen sind Youtubestars und sorgen nach mehreren Jahren noch für reichlich Klicks auf den verschiedensten Kanälen. Die Katze muss dabei noch nicht mal echt sein. Das Video „Nyan Cat“ zeigt einen GIF, einer am Computer erstellten Katze, die ihren Kopf durch ein Toast gesteckt hat und fliegend einen Regenbogen hinter sich herzieht. Das natürlich mit beschleunigter „Miau“-Musik unterlegt. Über 135 Millionen Klicks zählt allein dieses Video!

Markenvielfalt

thunfisch_cat_unruly
Unter der Leitung von Brian Lee Hughes hat Netto nun ein Video drehen lassen, das sich an die erfolgreichsten Katzen-Videos anlehnt und auf das große Markenangebot aufmerksam machen soll. Auf Facebook schlägt das Video seit gestern ein. Tausendfach geteilt und millionenfach abgespielt. Auch auf Youtube hat es bereits über 380.000 Klicks. Für den Großteil des Videos wurden ausschließlich echte Katzen benutzt, die sich ihren Weg durch die Markenvielfalt der Netto-Miniaturfiliale bahnen und am Ende mit einem erleichterten Grinsen den Preis ihres Einkaufs betrachten. Die Discounterwahl von Katzen ist Netto. Findet ihr alle Anspielungen auf die bekannten Videos?

Making-of Netto-Katzen


Images by Netto


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Von Roboter bis Chatbots: Was bringt die Zukunft der Arbeit 4.0?

Gimme Work ! (adapted) (Image by Arthur Caranta [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Wir schreiben das Jahr 2020. Eine Frau macht ihren alljährlichen Gesundheitscheck beim Hausarzt. Doch als die Sprechstundenhilfe die Tür zum Behandlungsraum öffnet, findet sie hier keinen Arzt, sondern stattdessen lediglich verschiedene Instrumente und einen großen Monitor. Vom Bildschirm aus wünscht ihr Hausarzt ihr einen „guten Morgen“ und erklärt ihr, wie sie selbst ihren Puls messen, ihren Brustkorb abhören und ihre Reflexe testen kann. Zehn Minuten später ist die Untersuchung vorbei, die Daten werden per Internet an den Hausarzt weitergeleitet, die Ergebnisse bekommt die Patientin per E-Mail zugeschickt. Sieht so die Zukunft der Arbeit aus? Wenn man den aktuellen Prognosen glauben kann, durchaus! Die Digitalisierung unserer Gesellschaft hört schließlich nicht bei selbstfahrenden Autos, Chatbots und dem Internet der Dinge auf – natürlich wird auch unsere Arbeitswelt davon beeinflusst. Arbeit 4.0 nennen Experten diese rasant schnelle Digitalisierung. Die Bundesregierung erachtet diesen Prozess als so wichtig, dass sie dazu sogar ein Grünbuch herausgegeben hat.

Digitalisierung der Arbeit wird zum Standard

Die ersten Veränderungen sind in vielen Branchen schon deutlich spürbar: Internetversandhäuser verkaufen mehr Bücher als ein Buchgeschäft, eine Internet-Suchmaschine macht der Autobranche Konkurrenz und ein Online-Videokanal bringt mehr Stars hervor als jedes Plattenlabel. Natürlich ist nicht jede Branche gleich stark von der Digitalisierung der Arbeitswelt betroffen, doch eins ist klar: Internetfirmen dringen vermehrt in analoge Bereiche. Das beeinflusst nicht nur die Unternehmen, sondern auch Arbeiter querbeet. Während sich Automechaniker noch vor wenigen Jahren bei ihrer Arbeit die Ärmel hochkrempelten und unter die Motorhaube guckten, werden jetzt Autos mithilfe von Software repariert. Lehrer tauschen Tafel und Kreide gegen ein digitales Whiteboard aus und Steuerberater werden immer öfter durch digitale Programme ersetzt. Damit ist auch klar: Unsere Arbeit wird stärker an die digitale Entwicklung gekoppelt und IT-Kenntnisse werden in jedem Job immer wichtiger. Arbeitgeber setzen einfach voraus, dass ihre Mitarbeiter sich schnell an neue Technologien gewöhnen und damit umgehen können.

Halbwertszeit für Wissen wird immer kürzer

Die Herausforderung dabei ist nicht so sehr das Erlernen eines neuen Programms, sondern die Tatsache, dass die Halbwertszeit für Wissen immer kürzer wird. Je schneller neue Technologien erfunden und alte verbessert werden, desto schneller ist auch unser digitales Wissen überholt. Wir werden uns also daran gewöhnen müssen, uns in immer kürzeren Abständen in neue Technologien einarbeiten zu müssen. Mitunter bedeutet das auch, dass ein großer Teil dessen, was jemand in seiner Ausbildung lernt, in ein paar Jahren schon nicht mehr aktuell oder sogar völlig überholt ist. Das Wissen aus der Ausbildung mag damit schon bald nicht mehr so gefragt sein wie die Lernfähigkeit einer Person. Die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen, eine hohe IT-Kompetenz sowie interdisziplinäres Denken und Handeln gehören daher schon jetzt zu den Schlüsselanforderungen in der Arbeitswelt. So mancher mag sich davon eingeschüchtert fühlen. Denn man muss damit nicht nur ständig mit dem technologischen Zeitgeist mithalten können, viele klassische analoge Jobs werden mit dem Wandel zur Arbeit 4.0 auch verloren gehen. Je nachdem, wen man fragt, sehen die Zahlen dazu sehr unterschiedlich aus. Doch klar ist: Viele Jobs wird es bald schon nicht mehr geben. Gleichzeitig bringt die Digitalisierung der Arbeit aber auch viele neue Berufe mit sich. Denn wenn alles von Maschinen gesteuert wird, muss es schließlich auch mehr Fachleute geben, die diese Maschinen entwickeln und bedienen können. Denken wir nur zurück an die Industrielle Revolution. Das Fließband hat sicher viele Jobs gekostet, doch auch neue Möglichkeiten eröffnet. Ähnliches könnte auch von der digitalen Revolution zu erwarten sein.

Was bedeutet Arbeit 4.0 für die älteren Generationen?

Doch nicht jeder kann so optimistisch in die Zukunft blicken. Gerade ältere Arbeitnehmer fühlen sich von den neuen Trends überrollt. Denn sie sind nicht wie die „Digital Natives“ mit dieser Technologie aufgewachsen und natürlich ist es im Alter auch nicht mehr so leicht, etwas Neues zu lernen. Doch selbst für die Generation 50+ kann der Prozess zur Arbeit 4.0 auch Vorteile haben, glaubt Laura Geiger vom Institut für angewandte Arbeitswissenschaft (hierzu mehr im Interview mit Laura Geiger): „Es ist schwer, zuverlässige Prognosen über die Zukunft der Arbeit zu treffen. Aber neben einer Zunahme der Belastung für ältere Arbeitnehmer ist natürlich auch eine psychische Entlastung durch die stärkere Automatisierung und Digitalisierung denkbar.“ Wenn also immer mehr Arbeitsprozesse digitalisiert werden, kann das nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine Erleichterung sein. Statt sich Details merken zu müssen, übernimmt das eine Software. Statt schwere körperliche Arbeit leisten zu müssen, können Maschinen eingesetzt werden. Angesichts der niedrigen Geburtsraten in Ländern wie Deutschland ist es durchaus denkbar, dass die Digitalisierung der Arbeit auch gerade dafür genutzt wird, um unsere alternde Gesellschaft zu entlasten. Die Silver Surfer wurden schließlich auch schon als lukrative Zielgruppe entdeckt. Wer sagt denn, dass sie nicht auch aktiv am Prozess der Digitalisierung der Arbeit beteiligt werden?

Spannende Zukunft der Arbeit 4.0

Wo genau uns die Zukunft der Arbeit 4.0. hinführt, ist nicht abzusehen. Doch wir werden uns sicherlich in Zukunft auf viele krasse Veränderungen in der Arbeitswelt gefasst machen müssen. Roboter könnten die Arbeit von Babysittern und Altenpflegern übernehmen, Ärzte könnten komplizierte Operationen mithilfe von technischen Assistenten durchführen, und Chatbots könnten das Schreiben von Artikeln für Journalisten übernehmen. Welche Neuerungen sich durchsetzen, ist nicht sicher. Doch eins ist klar: Auf uns wartet eine neue, spannende Arbeitswelt 4.0.


Image (adapted) „Gimme Work !“ by Arthur Caranta (CC BY-SA 2.0)


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Screen Radar: Zu viele Mutanten verderben den Brei

Watching a blank screen (adapted) (Image by Kenneth Lu [CC BY 2.0] via flickr)

Für die Netzpiloten stellt Arthur Avenue Kino-Neustarts vor und bespricht die wichtigsten Film-Themen. Dieses Mal mit einem Plädoyer für weniger Charaktere in Superhelden-Filmen, einer Dokumentation über die Aufnahmeprüfung zur Schauspielschule und Daniel Radcliffe als pupsende Leiche im ersten Trailer zu „Swiss Army Man“.

Neu im Kino„Die Prüfung“
„Nur Fliegen ist schöner“
Thema der WocheWeniger Charaktere, mehr Story
Streaming-Perlen„Stereo“ auf Netflix
„Like Father, Like Son“ auf Amazon Prime
Neues aus der FilmweltMit dem gewohnten Streaming-Angebot auf Reisen
Self-Publishing für Filmschaffende via Amazon
Darauf freuen wir uns„Swiss Army Man“
Rekordverdächtig„Matrix Reloaded“ verliert den Titel als weltweit erfolgreichster Film ohne Jugendfreigabe an „Deadpool“
Wann geht es endlich weiter?Scream“ – Staffel 2
„Voltron: Legendärer Verteidiger“ – Staffel 3
„Sherlock“ – Staffel 4

 

Neu im Kino

Muss man sehen: Die Dokumentation „Die Prüfung“ widmet sich der zehntägigen Aufnahmeprozedur der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover. Im Fokus stehen aber nicht etwa die 687 Bewerber, wie man es von Casting-Shows erwarten würde, sondern die neun Mitglieder der Prüfungskommission und ihre speziellen Auffassungen darüber, wer es verdient hätte, einen der raren Plätze für die Schauspielausbildung zu bekommen. Da darf es schon mal etwas lauter werden, wenn man einen Kandidaten unbedingt dabei haben möchte. Der etwas andere Nervenkitzel entsteht beim Zuschauen insbesondere dadurch, dass man selbst schon in der einen oder anderen Auswahlsituation steckte und partout nicht wusste, worauf die Jury nun genau achtet. Das grundsätzliche Credo der Prüfer lautet aber: Talent wird sich immer durchsetzen. Unsere Daumen zeigen nach oben!

Kann man sich sparen: Der französische Filmemacher und Schauspieler Bruno Podalydès will mit „Nur Fliegen ist schöner“ all diejenigen ansprechen, die ihrem tristen Alltag entfliehen wollen und endlich den langersehnten Abenteuer-Ausflug zu machen, über den sie schon jahrelang sprechen. Der 50-jährige Michel befindet sich mitten in der Midlife-Crisis und träumt davon, mit einem Kajak durch die Natur zu paddeln. Der groß angekündigte Selbstfindungstrip hat dann jedoch mehr mit einer gemütlichen Dampferfahrt als einem aufregenden Wellenritt gemein. Und das ist echt langweilig. Vor lauter entspanntem Kuschelkurs-Momenten im Schneckentempo verliert man also schnell die Lust am gucken. Lieber einen großen Bogen um diese risikoarme Komödie machen!

Thema der Woche

Weniger Charaktere, mehr Story: In dieser Woche startet auch der neunte Film aus dem beliebten X-Men-Universum im Kino. Dieser wäre uns normalerweise keine Erwähnung wert, da er weder sonderlich herausragend noch extrem schlecht ist. Doch beim Schauen fiel uns ein Makel besonders auf, der ein für alle Male aus dem Blockbuster-Einmaleins gestrichen werden sollte. „Höher, schneller, weiter“ gilt seit jeher als oberste Maxime für Fortsetzungen – und 2016 wird dies nicht mehr nur auf Action-Sequenzen und weltweite Relevanz angewandt, sondern auch auf die Größe des Filmuniversums und die Menge an Charakteren, die es gekonnt in eine existenzbedrohende Storyline zu verknüpfen gilt. Für individuelle Charakterentwicklungen und Tiefgang bleibt da natürlich kein Platz mehr.

Wie schon bei unzähligen Streifen zuvor leidet darunter insbesondere die Dramaturgie des Films. Während andere Superhelden-Franchises einen hohen Schurken-Verschleiß aufweisen, könnte es bei den klassischen X-Men so viel einfacher sein. Mit Professor X und Magneto stehen bereits zwei Protagonisten zur Verfügung, die verschiedene Auffassungen darüber vertreten, wie Mutanten und Menschen zusammenleben sollten. Der größte Fehler von „X-Men: Apocalypse“ ist es nun einen gleichnamigen Feind einzuführen, der schlimmer und stärker ist, als alles je Dagewesene. Nicht zu vergessen die 20 Mutanten in Nebenrollen, die fast alle eigene Probleme mitbringen – von Isolation bis zum Erwachsenwerden. Und trotzdem wird sich um keinen richtig gekümmert, noch nicht einmal um die Figurentwicklung des Fieslings. Wir plädieren dringend dafür, dass man sich in Fortsetzungen zukünftig auf weniger Charaktere beschränkt und deren Konflikte untereinander dafür umso ausführlicher herausarbeitet. Wie wäre es zum Beispiel mal mit einem Superhelden-Kammerspiel zwischen Professor X und Magneto? Zwei Gegenspieler auf engstem Raum und mit viel Zeit für Dialoge – gerne inklusive ausgedehnter Schach-Partie. Man wird ja wohl noch träumen dürfen….

Streaming-Perlen

„Stereo“ auf Netflix: Der deutsche Thriller von Maximilian Erlenwein schickt seine beiden Hauptdarsteller Jürgen Vogel und Moritz Bleibtreu auf einen wilden Trip. Zwischen Wahn und Wirklichkeit gilt es die eigene Gangster-Vergangenheit aufzuarbeiten – das geht aber nicht ohne brutale Ehrlichkeit gegenüber sich selbst. Aber wer genau ist eigentlich ‚Ich’? Dies gilt es im Folgenden herauszufinden. Und das geht nicht, ohne dabei Liebe, Glaube und die eigene Existenz komplett aufs Spiel zu setzen. Dank des hypnotisierenden Soundtracks und der düster-spannungsgeladenen Atmosphäre wirkt „Stereo“ erfrischend undeutsch.

„Like Father, Like Son“ auf Amazon Prime: Nach der Geburt wurden die Söhne der Familien Saiki und Nonomiya vertauscht. Sechs Jahre sind seitdem vergangen und nun ist dem Krankenhaus der Fehler von damals aufgefallen. Die Eltern sollen nun entscheiden, ob sie ihre Kinder zurücktauschen wollen – doch die gemeinsame Zeit mit ihren Söhnen lässt sich nicht ohne weiteres ausblenden. Das japanische Drama geht unter die Haut und wurde bereits in Cannes mit dem Jury-Preis ausgezeichnet.

Neues aus der Filmwelt

Mit dem gewohnten Streaming-Angebot auf Reisen: Man kennt das: Im Urlaub hätte man endlich mal Zeit und Lust, das Film- und Serien-Angebot des Streaming-Anbieters seines Vertrauens zu durchforsten. Doch statt deutscher Lizenztitel gibt es nur das Angebot des jeweiligen Landes und somit eine völlig andere Bibliothek zu sehen. Das soll sich nun ändern! Die EU hat jüngst beschlossen, das sogenannte „Geoblocking“ abzuschaffen und den vollen, aber zeitlich eingeschränkten Zugriff auf das Angebot des Landes zu erlauben, in dem man seine Mitgliedschaft abgeschlossen hat. Perfekt also, um seinen Netflix-Account auch im Urlaub wie zuhause zu nutzen. Noch besser wäre nur die völlige Abschaffung länderspezifischer Lizenzierungen. Self-Publishing für Filmschaffende via Amazon: Wenn ambitionierte Nachwuchsregisseure und kleinere Independent-Studios ihre Filme vermarkten wollten, konnten sie bisher nur auf Vimeo On Demand zurückgreifen. Der Dienst erlaubt den Verkauf von Bewegtbild sowie den weltweiten Vertrieb über die Video-Plattform. Jetzt zieht auch Amazon nach und öffnet seine Prime-Plattform für Produzenten und Video-Künstler. Auf Amazon Video Direct können die eigenen Werke hochgeladen und Millionen Prime-Nutzern bereitgestellt werden. Die Umsatzbeteiligung richtet sich ganz nach den eigenen Maßstäben – vom direkten Verkauf an alle Amazon-Kunden bis zum eingeschränkten Verleihen im Rahmen des Prime-Dienstes.

Darauf freuen wir uns

„Swiss Army Man“: Hank (Paul Dano) ist auf einer einsamen Insel gestrandet und als er seinem Leben ein Ende machen will, entdeckt er eine Leiche (Daniel Radcliffe) am Strand. Ob es an der Einsamkeit liegt, dass Hank plötzlich mit dem Toten reden kann? Beide tun sich schließlich zusammen, um zurück nach Hause zu kommen. Eine Erektion soll den Weg weisen und mittels Pups-Antrieb lässt sich auch die größte Entfernung zurücklegen. Das surreale Werk ist als ironische Antwort auf Streifen wie „Cast Away – Verschollen“ zu verstehen und wird sicherlich so einige Zuschauer verwirren.

Rekordverdächtig

„Matrix Reloaded“ verliert den Titel als weltweit erfolgreichster Film ohne Jugendfreigabe an „Deadpool“: Mit Einnahmen von über 760 Millionen US-Dollar ist der Söldner mit der großen Klappe überall auf der Welt ein absoluter Leinwanderfolg – und das bei gerade einmal 58 Millionen US-Dollar Produktionsbudget (knapp einem Drittel von „Matrix Reloaded“). Lediglich im amerikanischen Markt muss man sich noch Mel Gibsons „Die Passion Christi“ geschlagen geben, der trotz hoher Altersfreigabe ab 17 Jahren stolze 370 Millionen US-Dollar umsetzte („Deadpool“ erreichte bisher 362 Millionen US-Dollar).

Wann geht es endlich weiter?

Scream | Ab 31.05.2016 auf Netflix Voltron: Legendärer Verteidiger | Staffel 3: Ab 10.06.2016 auf Netflix Sherlock | Voraussichtlich ab Weihnachten 2016


Image (adapted) „cinema“ by Do u remember (CC BY-SA 2.0)


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Vom Hörbuch zum Podcast: Audible wandelt sich (und macht sogar Nachrichten)

Audible (adapted) (Image by Johan Larsson [CC BY 2.0] via flickr)

Wer Hot Pod bei Nieman Lab oder die Podcast-Neuheiten allgemein verfolgt hat, wird bereits erfahren haben, dass Audible sein Team mit Audio-Talenten vornehmlich aus dem öffentlichen Rundfunk verstärkt hat, um seine eigenen Inhalte auszubauen, und er wird wissen, dass die Podcast- und Audio-Welt bereits darauf gewartet hat, was Audible als Teil des Onlineshopriesen Amazon auf den Markt bringen würde – denn sie können weitaus mehr als nur Hörbücher produzieren. Die lang ersehnten eigenen Inhalte sind nun erschienen, und zwar in der Form eines neuen Bereichs für „Channels“ in der Audible-App. Diese Abteilung, die sich aktuell im Beta-Stadium befindet und auf iOS- und Android-Geräten von einigen Audible-Mitgliedern getestet wird, streamt jetzt ausgewählte kurze Audioformate. Sie reichen von vorgelesenen Versionen von Artikeln der New York Times bis hin zu kompletten Shows von „PRI’s The World“ und Episoden des Formats von Charlie Rose. Neben speziellen Nachrichtenstreams tischt Audible mit seiner eigenen Multi-Quellen-Sammlung (Beispiele: „The Daily Rush“, „The Weekender“, „The Conversation: Guns“), die auch relevante Geschichten von Nachrichtenkanälen mit einbeziehen wird, ordentlich auf. Die Guns-Sammlung beinhaltet zum Beispiel eine Lesung der Kolumne von Fred Hiatt über eine waffenfreie Gesellschaft. Fred Hiatt ist bekanntlich redaktioneller Herausgeber der Washington Post, die wie Audible und Amazon von Jeff Bezos geleitet wird. Die geposteten Inhalte sorgen in den Audible-Kanälen für eine hohe Absatzrate, jedoch scheinbar keine höhere als andere Kanäle wie die Times und das Wall Street Journal; die Wichtigsten werden in alphabetischer Reihenfolge angezeigt. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von weiteren Angeboten abseits von Nachrichten – Lesungen von Tschechow-Geschichten, Comedy-Mixtapes und mehr. Hier soll der Fokus aber auf den Nachrichten-Angeboten liegen. Die Benutzer können speziellen Streams folgen und Beiträge im kostenfreien Bereich namens „Channels“ herunterladen. Es gibt keine reine Suchfunktion, jedoch können registrierte Benutzer Standard-Kategorien wie Kunst und Unterhaltung, Wirtschaft, Nachrichten, Politik und Globales sowie Wissenschaft durchsuchen. Es gibt außerdem eine Kategorie für Shows und Podcasts, die spezielle Audible-Inhalte bietet. (Wir haben eine aktuelle Liste von Verlegern angehängt, die einen Teil der Nachrichten-Kategorie ausmachen). Für Verleger, die bereits Audioinhalte produzieren, erscheint die Kooperation mit Audible unkompliziert: PRI arbeitet beispielsweise schon seit dem letzten Jahr mit Audible zusammen und liefert jetzt täglich Episoden von „The World“ und einige eigene Programmausschnitte via RSS Feed, so der Abteilungsdirektor des digitalen Vertriebs, Morgan Church. Kurzinhalte in der Kanal-Auswahl werden von Audible-Redakteuren ausgesucht, textbasierte Geschichten werden von einem Sprecher vorgelesen („Mein Name ist Christy Burns, und ich lese aus der U.S.-Rubrik der New York Times“). Die Markteinführung geschah im Stillen, da sich Channels noch im Beta-Stadium befindet und noch nicht für jeden Nutzer zugänglich ist. Gerüchte darüber wurden online jedoch schon im Herbst letzten Jahres laut und vor ein paar Tagen postete ein Reddit-User dazu:

„Um ehrlich zu sein, wollte ich mein Abonnement im nächsten Monat kündigen, aber mir gefällt die Idee der neuen Kanäle sehr gut“, schreibt Reddit-Nutzer Karmometer. Ein Verantwortlicher von Audible antwortete und wies darauf hin, dass die Kanäle keine vollständigen Hörbücher beinhalten würde und die Inhalte stattdessen immer zwischen einer Minute und einer Stunde lang seien. Die Basis-Mitgliedschaft von Audible kostet 14,95 US-Dollar im Monat; das Streamen der neuen Inhalte ist frei und unbegrenzt für die Mitglieder möglich. Neue Inhalte würden während der Beta-Phase regelmäßig hinzugefügt, so ein Audible-Sprecher, und sobald das Produkt offiziell auf den Markt komme (jedoch verriet er kein Wort über den Zeitpunkt), würden sogar noch mehr eigene Inhalte von Audible verfügbar gemacht. Auf die Frage, ob nichtregistrierte Benutzer ebenfalls Zugriff auf die Channels hätten, heißt es:

Wir streben danach, unsere Innovationen für mehr und mehr Kunden zugänglich zu machen und planen, die Ergebnisse aus der Beta-Phase in unsere Vertriebsstrategie einfließen zu lassen. Bleiben Sie auf dem Laufenden!

Die möglichen Auswirkungen von Audibles Schritt in Richtung Kurz-Audios, insbesondere im Bereich der Nachrichten, ist offensichtlich. Amazon ist ein gigantisches Unternehmen. Audible hat eine große und etablierte Zahl an Abonnenten. (Wenngleich sie im Stile Amazons keine Mitgliederzahlen veröffentlichen, heißt es, dass die Benutzer letztes Jahr 1,6 Milliarden Stunden Audio-Dateien heruntergeladen haben). Es ist leicht abzusehen, wie die „Washington Post“ mit ein bisschen Investition der treibende Motor der Audio-Nachrichten werden könnte. Wie Nicholas Quah in einer Aushabe von Hot Pod vom letzten Sommer sinnierte:

Ich warte auf den Augenblick, in dem Audible den Boden mit unseren Gesichtern wischt. Ich meine, wir können rennen und kämpfen wie wir wollen, doch am Ende kriegt Bezos uns alle.

Wie wir bereits erwähnten und wie Adam Davidson bereits ausführlich beschrieben hat, scheint es, dass wir eine Phase erreicht haben, in der sich Podcasts – traditionell verbreitet durch offene RSS-Kanäle, die jeder Podcast-App den Download erlauben – vertikalisieren und zu einer vom Produzenten bestimmten Erfahrung werden. Denken Sie an Earwolfs Howl, Acasts App, Gimlets Mitgliedschaft und jetzt Audibles Channels. Audible hat in diesem Kampf einen entscheidenden Vorteil: Es startet mit einer Grundlage von festen, zahlenden Mitgliedern, statt wieder bei Null anfangen zu müssen. Es bleibt abzuwarten, wie erfolgreich diese Art der Silo-Strategie auf dem Markt sein wird, doch Davidson argumentiert, dass dieser Ansatz die vielversprechende Hoffnung für die Etablierung eines substantiellen Nachrichten-Ökosystems außerhalb des öffentlichen Radios sein könnte:

  • Schon bald wird es einen oder zwei große Hauptakteure mehr geben, die einen Senkrechtstart versuchen werden, bei dem Podcasts an erster Stelle stehen: sie werden eine mächtige App haben, mit einer großen öffentlichen Präsenz zum Teilen, Suchen und Entdecken. Sie werden das ganze Geschehen kontrollieren, von der Konzeption der Inhalte bis hin zum Vertrieb und den Werbeanzeigen. Sie werden ein bisschen wie die Produkte von Facebook und Apple funktionieren, indem sie davon profitieren, ihre Benutzer innerhalb ihrer eigenen Angebote zu halten und ihnen stetig neue fesselnde Inhalte bieten.
  • Sie werden es auf das Genaueste so machen und gutes Geld damit verdienen. Sie werden führende Shows haben wollen, die eine beträchtliche Menge an Aufmerksamkeit und Lob bringen, selbst wenn sie Verlust machen. An diesem Punkt werden wir die Entstehung neuer, großer Shows beobachten können. Sie werden wahrscheinlich mit anderen Partnern kooperieren – vielleicht mit ProPublica oder der NY Times oder sogar NPR. Mein Eindruck ist, dass sich Audible, Panoply, Acast und Scripps/Earwolf möglicherweise bereits in diese Richtung bewegen…
  • Diese großen Hauptakteure werden bestrebt sein, neue Zielgruppen zu gewinnen und sicherzustellen, dass die bereits vorhandenen Mitglieder die App jeden Tag besuchen, eine längere Zeit dort verweilen und nicht zu einer anderen App wechseln. Ich schätze, dass die Nachrichten ein essentieller Teil dieser Wettbewerbsstrategie werden. Nachrichten allein werden den Katalog nicht füllen, während Dauerbrenner-Shows keinen unmittelbaren Grund darstellen, unbedingt sofort weiterzuhören. So wird eine Menge an Shows, zu der auch die Dauerbrenner gehören (wie zum Beispiel bedeutende Shows wie Planet Money, die einem dabei helfen, aktuelle Ereignisse aus den Nachrichten zu verstehen) neben einer täglichen Nachrichtensendung – mit einem leidenschaftlichen, smarten, engagierten Moderator sowie substantiell und überzeugend produziertem Inhalt – in den Mittelpunkt gestellt. Diese werden aller Vorraussicht nach eine unwiderstehliche Mischung und keine Niete sein.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Audible“ by Johan Larsson (CC BY 2.0)


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Soeben gelandet – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • INSTAGRAM mashable: Instagram now has ‚featured‘ video channels, of course: Ein neues Update von Instagram soll neue Video-Funktionen bringen. Vor kurzem wurde die Laufzeit geposteter Videos auf der App von 15 auf 60 Sekunden erhöht. Nun soll es die Möglichkeit geben in den Suchfunktionen allein nach Videos zu suchen. Außerdem sollen Video-Kanäle eingerichtet werden, die auf ein explizites Thema ausgerichtet sind.
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  • Google heise: Nach Pfefferspray-Vorfall: US-Uni zahlt 175.000 US-Dollar für Suchmaschinenoptimierung: Die University of California in Davis wurde vor fünf Jahren weltbekannt. Bei einem friedlichen Studenten-Protest gegen die aktuelle Kanzlerin Katehi besprühte ein Polizist sitzende Studenten grundlos mit Pfefferspray und löste so einen Skandal aus. Ein Zeuge nahm dies auf und das Video ging in im Netz viral. Die Universität investierte nun rund 175.000 US-Dollar, damit Google die Trefferliste für diesen Vorfall bereinigt.
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