All posts under urheberrecht

Artikel 13 beschlossen – Das müsst ihr wissen

Nach langem Hin und Her trafen sich Parlament, Kommission und Mitgliedsstaaten zum Trilog, um sich über die Reform des Urheberrechts zu einigen. Nun steht der Deal. Artikel 13 wird gemäß der Einigung zwischen Frankreich und Deutschland umgesetzt und damit auch der Uploadfilter. Wir verraten euch, was genau beschlossen wurde, wie die betroffenen Parteien reagieren und welche letzte Hürde jetzt noch auf die Reform wartet.

Das wurde beschlossen

Uploadfilter

Betreiber von Plattformen mit nutzergenerierten Inhalten sollen für Urheberrechtsverstöße haftbar gemacht werden. Sie müssen also jedwede verfügbaren Lizenzen erwerben, oder aber dafür sorgen, dass solche Inhalte gar nicht erst hochgeladen werden. Dafür sollen Uploadfilter eingesetzt werden, die geschütztes Material sofort erkennen und sperren oder löschen.

Ausnahmeregelung

Startups sollen durch eine Ausnahmeklausel von der Pflicht eines solchen Filters befreit werden. Artikel 13 gilt nicht, wenn folgende drei Kriterien zutreffen

  • Das Unternehmen ist weniger als drei Jahre alt
  • Der Jahresumsatz liegt bei unter zehn Millionen Euro
  • Die Plattform hat weniger als fünf Millionen Besucher im Monat

Da alle drei Punkte erfüllt werden müssen, fallen darunter auch kleine Nischenplattformen / Communities, die bereits seit mehr als drei Jahren existieren. Viele dieser Communities haben selbst nicht einmal den Anspruch, in irgendeiner Form wirtschaftlich zu sein.

Ausnahme für Memes

Eine Ausnahme des Artikel 13 gilt für Memes und Gifs, die weiterhin lizenzfrei auf urheberrechtlich geschütztes Material im Netz zurückgreifen dürfen.

Artikel 11

Neben Artikel 13, ist auch Artikel 11 beschlossen wurden. Dieser beinhaltet eine Vergütungspflicht, auch beim kurzen Anriss urheberrechtsgeschützter Texte. Damit wird vor allem gegen Google News vorgegangen, da die Nachrichten-Suchmaschine künftig für Ausschnitte in ihren Suchergebnissen zahlen müsste. Google stellte im November bereits eine Einstellung von Google News in den Raum.

Warum die Reform so kontrovers ist

Vor allem der Uploadfilter sorgt schon seit Monaten für heftigen Gesprächsstoff im Netz. Doch nicht nur der Inhalt selbst sorgt für Unmut, sondern auch einige Umstände rund um die Reform.

Koalitionsvertrag schließt Uploadfilter aus

Die Einigung zwischen Frankreich und Deutschland war kürzlich ein großer Aufreger. Grund dafür war unter anderem der Koalitionsvertrag. In diesem heißt es: „Eine Verpflichtung von Plattformen zum Einsatz von Upload-Filtern lehnen wir als unverhältnismäßig ab.“ – Eine klare Linie gegen die Einführung von Uploadfiltern, mit der nun gebrochen wird.

Martin Sonneborn von DIE PARTEI veröffentlichte, wer in einer Abstimmung im September für einen Uploadfilter gestimmt hat: Die komplette CDU/CSU, große Teile der SPD und überraschenderweise sogar eine Mehrheit der Grünen.

Axel Voss und die Lobby

Einer der treibenden Kräfte des Uploadfilters war CDU-Politiker Axel Voss, der die Reform auch als Berichterstatter auf Seiten des EU-Parlaments vertritt. In einem Kommentar von t3n wurde er als „inoffizieller Springer-Chef-Lobbyist“ bezeichnet. Ebenso erhielt er den Big Brother Award, einen Negativpreis für Datenschutz.

Bereits im Zuge der Datenschutz-Grundverordnung wurde er auf Lobbyplag.eu als EU-Parlamentarier mit den meisten, für den Datenschutz negativen Änderungsanträgen gelistet.

Der YouTuber HerrNewstime bekam Axel Voss direkt nach dem abschließenden Trilog für ein Interview zu fassen, bei dem beide allerdings keine gemeinsame Gesprächsbasis fanden.

Wie soll das gehen?

Wie soll das mit den Uploadfiltern eigentlich umgesetzt werden? Einer der potentesten Uploadfilter nutzt derzeit YouTube. Dieser prüft Inhalte bereits auf Rechtsverletzungen und war dafür verantwortlich, dass während des langen Streits mit der GEMA viele Videos nur in Deutschland nicht verfügbar waren.

Doch wie sollen kleinere Plattformen diesen Standard gewährleisten? Wird die EU selbst die Entwicklung eines solchen Filters beauftragen oder müssen die Plattformen ihn selbst entwickeln oder erwerben? Selbst der YouTube-Filter ist außerdem nicht fehlerfrei und lässt sich mitunter auch austricksen.

Letzte Chance, Artikel 13 zu kippen

Bei der Abstimmung zwischen Rat, Komission und Parlament waren lediglich acht Parlamentarier anwesend. Eine abschließende Abstimmung im Parlament findet vermutlich im März statt. Viele SPD-Abgeordnete haben sich mittlerweile sogar gegen Artikel 13 bekannt.

Bundesjustizministerin Katarina Barley wird am 18. Februar außerdem die mittlerweile 4,7 Millionen Unterschriften umfassende Petition zum Erhalt des freien Internets entgegennehmen.

Der YouTuber PietSmiet machte kürzlich allerdings deutlich, dass Petitionen allein nicht reichen. Er rief seine Zuschauer auf, sich direkt an die Entscheider zu wenden, um sie vielleicht doch noch umzustimmen. PietSmiet trat schon öfter als Sprachrohr zwischen YouTuber und Politik in Erscheinung.

Auf Twitter trenden neben #Artikel13 auch Hashtags wie #NieMehrCDU und #NieMehrSPD, über die Nutzer ihrer Enttäuschung zum Bruch des Koalitionsvertrages Luft machen. Für den 23. März werden außerdem europaweite Demonstrationen geplant. 


Image by pe3check via stock.adobe.com

Weiterlesen »

[UPDATE] Artikel 13: Kommt mit dem Upload-Filter das Ende vom Internet wie wir es kennen?

VRD - stock adobe com

Die Internet-Community ist mal wieder in Aufruhr. Kurz nach dem kuriosen Instagram-Werbe-Urteil bedroht die Reform Artikel 13 des EU Parlaments jetzt wohl das Internet so wie wir es bisher kannten. Doch worum genau geht es bei dem so genannten Upload-Filter?

Was ist Artikel 13 eigentlich?

Der Rechtsausschuss des EU-Parlaments, allen voran durch den CDU-Politiker Axel Voss, haben im Juni Artikel 13, den Upload-Filter, und Artikel 11, das Leistungsschutzrecht, beschlossen. Sprich, jede Art von Content, der ein Urheberrecht beinhalten kann, dürfte so nicht mehr hochgeladen werden. Damit soll die Nutzung geschützter Inhalte durch „Sharing Provider“ für Online-Content verhindert werden.

Einen ähnlichen Urheberrechts-Filter gibt es so beispielsweise schon auf der Video-Plattform Youtube. Upload-Plattformen aller Art, beispielsweise Instagram, Facebook und Co. würden bei der schieren Menge an täglich hochgeladenem Content gar nicht mit dem Überprüfen hinterherkommen. Als einzige Möglichkeit bliebe da das Blockieren. Viele sehen darin einen Verstoß gegen die Meinungsfreiheit, andere applaudieren dem Schutz des Urheberrechts. Aber ist so ein Beschluss im Internet der heutigen Zeit, das auf das veröffentlichen und teilen von Content basiert, denn vertretbar? Noch ist man sich uneinig.

Wer profitiert – wer verliert?

Der Upload-Filter steht heftig in der Kritik, im öffentlichen Diskurs ist von einer Zensurmaschine und dem Ende des freien Internets die Rede. Am Ende stellt sich beim Ganzen natürlich die Frage, wer denn schlussendlich davon profitiert. Die Urheberrechte-Inhaber sind in der Theorie diejenigen, die geschützt werden sollen, in der Praxis wird vermutet, dass wohl eher Rechtskanzleien Kasse machen werden. 

Indirekt profitieren können davon auch große Medienhäuser. Kleinere Publisher und Plattformen werden sich die Lizenzen für etliche Urheberrechte kaum leisten können und laufen so Gefahr, im Hintergrund zu verschwinden.

Was passiert jetzt?

Unter dem Hashtag #savetheinternet lassen Twitter-User derzeit die Tasten glühen. Die Petitions-Plattform Change.org hat außerdem eine Petitionen für eine Million Unterschriften gestartet und das Vorab-Ergebnis bereits dem EU-Parlament präsentiert. Zu welcher Entscheidung das EU-Parlament auch kommt, der 5. Juli 2018 wird wohl in die Geschichte des freien Internets eingehen.

UPDATE vom 5. Juli

Das EU-Parlament hat abgestimmt und die Stimmen sind ausgezählt! Dem umstrittenen Upload-Filter wurde vorerst eine, wenn auch knappe, Absage erteilt. Von 627 Abgeordneten stimmten 318 gegen Artikel 13 und 278 dafür, während sich 31 enthielten. Das Internet bleibt also vorerst „frei“.

 


VRD / stock.adobe.com

Weiterlesen »

FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
  • DIGITALE ASSISTENTEN Horizont: So könnten digitale Assistenten die Welt der Medien und Marken verändern: Digitale Assistenten und smarte Lautsprecher werden in den Haushalten immer beliebter. Auch eine Bitkom-Studie hat dies genauer belegen können. Im Oktober vergangenen Jahres haben nur etwa fünf Prozent der Befragten von smarten Lautsprechern gehört. Im Mai waren es bereits 69 Prozent. Allerdings wollen hier alle großen Marktteilnehmer wie Apple, Microsoft, Google und Amazon am Markt mitmischen. Es eröffnen sich neue Innovationen und Möglichkeiten. Amazons Alexa und Cortana von Microsoft sollen sich beispielsweise in Zukunft vernetzen können. Erste Ansätze sind hier gut erkennbar: Amazons Echo sucht im Netz jetzt schon nach Informationen über die Suchmaschine Bing von Microsoft und nicht über Google. Es bleibt spannend, wer von allen großen Pionieren am Markt das Rennen mit seinen digitalen Assistenten machen wird.

  • FACEBOOK Heise: Facebook erreicht Millionen Deutsche, die es nicht gibt: Wie ist es möglich, dass man auf Facebook mehr Leute erreicht, als es eigentlich gibt? Das hat sich auch das australische Fachmedium Adnews gefragt und Interessantes herausgefunden: In Deutschland erreicht auf Facebook geschaltete Werbung etwa zwölf Millionen Deutsche im Alter von 20 bis 29 Jahren. Allerdings hat Deutschland nur 9,2 Millionen Einwohner, die in diesen Altersabschnitt passen. Das sind somit 30 Prozent, die angeblich mehr erreicht werden. Facebook erklärte dazu, dass die Zahlen lediglich auf Schätzungen beruhen und dass die Zahlen zeigen sollen, wie viele User theoretisch erreicht werden könnten. Zudem könnten auch andere Gründe in diese Zahlen reinspielen, wie unter anderem die falschen Angaben in den User-Profilen.

  • URHEBERRECHT Spiegel: Streit um Affen-Selfie beigelegt: Vermutlich kennen die meisten das berühmte Affen-Selfie, bei dem der Affe Naruto die Kamera des Naturfotografen David J. Slater nutzte und ein Foto von sich schoss. Nach einem jahrelangen Streit um die Urheberrechte, bei dem die Tierrechtsorganisation Peta darauf bestand, dass die Urheberrechte beim Affen Naruto liegen, konnten sich die Tierschutzorganisation und der Naturfotograf schließlich doch außergerichtlich einigen. Hier erklärte sich David J. Slater dazu bereit, künftig 25 Prozent seiner Einnahmen an dem Selfie-Bild, gemeinnützigen Organisationen zu stiften, die sich für den Schutz von Makaken – also Narutos Artgenossen – einsetzen.

  • CARSHARING NGIN-Mobility: Wie dieser Gründer Autobesitzer zum Sharing bewegen will: Wenn man seinen eigenen Wagen mit anderen teilt – SnappCar schlägt genau das vor. Allerdings ist das alles andere als einfach, denn wer will schon sein eigenes Auto mit fremden Leuten teilen? Ein Peer2Peer-Carsharing-Dienst aus den Niederlanden will jedoch dieses Geschäftsmodell durchsetzen, damit herumstehende Autos, die nicht bewegt werden, mit anderen geteilt werden können. Wie genau das Konzept sich auch unter anderem in Deutschland durchsetzen soll und ob der Carsharing-Dienst auch in Länder über Europa hinaus expandieren wird, erklärt Mitgründer Victor van Tol in einem Interview.

  • SEO t3n: Bilder-SEO: Mit optimierten Bildern das Google-Ranking pushen Wenn wir eine Webseite mit Inhalten füllen ist es nicht nur wichtig auf den richtigen Text zu achten, sondern auch auf ansprechende Bilder. Sie lockern das Gesamtbild und erfreuen auch den Seitenbesucher. Wenn jedoch auf optimierte Bilder verzichtet wird, verzichtet man auch gleichzeitig auf SEO-Potenzial. Der Grund dafür ist, dass Webseiten mit Bildern besser gerankt werden. Sie helfen beispielsweise Google dabei, den Inhalt der Seite sinnvoller einzuordnen. Hierbei gibt es noch viele weitere Punkte, die bei einer erfolgreichen Bilderoptimierung beachtet werden müssen.

Weiterlesen »

FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
  • WHATSAPP Chip: WhatsApp kündigt neues Geschäftsmodell an: App bald nicht mehr für alle kostenlos: Der Messenger WhatsApp möchte zukünftig Firmen-Profile einführen: Mit der neuen Funktion möchte der Messenger die Kommunikation für Unternehmen vereinfachen und hat sich somit offiziell aus Business-Plattform ausgesprochen. Doch dieser Service soll vor allem für große Unternehmen nicht auf Dauer kostenlos bleiben.

  • YOUTUBE MacTechNews: YouTube-mp3: Musikindustrie bewirkt Ende des Streaming-Rippers: Dem YouTube-Streaming wird in Zukunft ein Riegel vorgeschoben – nach einer Klage namhafter Musikilabels, unter andrem Warner Bros und Sony Music, wird die Webpräsenz der Internetseite YouTube-mp3.org ein Ende haben. Der Vorwurf richtete sich vor allem auf die Verletzung von Urheberrechten und der Nichtbeachtung der Kopierschutzrechte von YouTube.

  • GOOGLE STREET VIEW GoogleWatchBlog: Streetview: Google kündigt verbesserte Kameras und Technologien zur Gebäude-Erkennung an: Seit gut acht Jahren ist die Technologie zum Schießen der Fotos für Google Street View die gleiche – das soll sich nun ändern. Zum zehnten Geburtstag des Online-Dienstes hat Google ein großes Update angekündigt, mit einer deutlich verbesserten Kamera-Technologie. Die Kameras sind nicht nur in ihrer Anzahl deutlich weniger, sondern versprechen auch eine bessere Bildqualität, die für die Informationssammlung von großem Vorteil ist.

  • VERBRAUCHERZENTRALE Heise: Smart Home: Verbraucherschützer fordern Recht auf analoges Wohnen: Der Bundesverband der Verbraucherzentrale hat sich im Zuge der zunehmenden Zahl vernetzter Heimgeräte für mehr Sicherheit im dialogen Zuhause ausgesprochen. Das vom vzbv verfasste Hintergrundpapier Smart Home fordert die Prüfung gesetzlicher Rahmen für Smart-Home-Produkte. Dies umfasst unter anderem Haftungsfragen und auch Datenschutzgesetze.

  • EY-STUDIE t3n: Mehr Analoges wagen: Studie rät von unreflektierter Nutzung digitaler Tools ab: Dass digitale Kommunikation nicht nur von Vorteil ist, lässt sich anhand von Studien beweisen. Nach einer aktuellen Umfrage der Beratungsfirma EY führt die fortschreitende Digitalisierung zunehmend zu Stress am Arbeitsplatz. Somit werden analoge Kommunikationsformen in Zukunft an Bedeutung gewinnen, da auch Fach- und Führunskräfte diese als sehr hilfreich eingestufen.

Weiterlesen »

FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
  • IPHONE t3n: iPhone defekt: Geleaktes Dokument zeigt, was für Apple ein Garantiefall ist – und was nicht : An kaum einem anderen Gerät entstehen Schäden so schnell wie an einem Smartphone. Für viele Apple-Nutzer wäre es daher erleichternd zu wissen, ob ihr Iphone zu dem Zeitpunkt eines Defekts noch als Garantiefall angesehen wird. Ein an den Businessinsider geleaktes Dokument für Support-Mitarbeiter schafft hierfür Abhilfe: Demnach teilt Apple die Iphone- Schäden in drei Kategorien ein, je nachdem, wie Reparatur-berechtigt sie sind. So werden Haarrisse und Pixelschäden anstandslos behoben, während Schäden, die eindeutig durch den Nutzer verursacht wurden, nicht übernommen werden.

  • JODEL Gründerszene: Jodel-Nutzer sollen Spitzenpolitikern ihre Fragen stellen : Der Gründer der Social-App Jodel, Alessio Borgmeyer, ist der Meinung, dass die bisherigen Wahlkampfveranstaltungen wenig aufschlussreich waren- und möchte in dem Zuge selbst zu mehr politischer Diskussion beitragen. Für die Woche ab dem 11. September soll über Jodel eine Live-Fragerunde gestartet werden, durch die die Nutzer bekannten Politikern Fragen stellen können. Dabei gilt: Die Community stimmt selbst ab, welche Fragen gestellt werden. Durch die Standortfunktion der App können Nutzer jedoch nur Politiker ihres eigenen Wahlkreises befragen.

  • GOOGLE MAPS Chip: Nie mehr Parkplatz-Ärger! Google Maps hat jetzt ein tolles Feature: Stadtbewohner dürfen sich freuen: Seit neuestem kann Google Maps nicht nur mit präzisen Verkehrsangaben bei den Autofahrern punkten, sondern kann durch eine neue Funktion sogar die voraussichtliche Parkplatz-Situation am Zielort vorhersagen. Die Parksituation wird dabei in verschiedenen Varianten eingestuft: von „Einfach“ zu „Normal“ bis „Schwierig“. Bisher war die App seit Anfang des Jahres nur für ausgewählte US-Metropolen freigeschaltet, ab sofort kann man sie jedoch in fünf Deutschen Städten nutzen.

  • URHEBERRECHT Heise: YouTube und Google bei Urheberrechtsverstößen zur Herausgabe von Nutzerdaten verpflichtet: Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main hat in einem Urteil entschieden, dass die Internetanbieter YouTube und Google bei Urheberrechtsverstößen dazu verpflichtet sind,  die E-Mail-Adressen ihrer Nutzer herauszugeben. Ein deutscher Filmverwerter hatte im Jahr 2013 gegen die beiden Internetanbieter Klage eingereicht, da Filme von drei verschiedenen Nutzern auf YouTube aufgetaucht sind und eine hohe Abrufzahl erreicht hatten. Das OLG Frankfurt hat nun entschieden, dass das Urteil für E-Mail-Adressen gilt, nicht jedoch für Telefonnummern und IP-Adressen.

  • HUAWEI Focus: Huawei bringt künstliche Intelligenz in sein nächstes Smartphone: Der Chef von Huawai, Richard Yu, kündigte auf der IFA eine neue Chip- Entwicklung für ihr nächstes Smartphone an: „Kirin 970“ soll es heißen und mit einer Recheneinheit für neuronale Netzwerke ausgestattet sein. Damit möchte das Unternehmen eine viel natürlichere Kommunikation mit dem Nutzer erreichen und so in Zukunft Innovationsführer auf dem Smartphone-Markt werden.

Weiterlesen »

FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
  • ROAMING netzpolitik: Das Ende der Roaming-Gebühren: Erfolgsgeschichte mit Lücken: Seit dem 15.Juni werden in der EU keine Aufschläge für Roaming mehr eingezogen und Nutzer können grenzübergreifend mit ihrem regulären Vertrag im mobilen Datennetz surfen. Die Nutzung ist vorerst allerdings auf vier Monate beschränkt. Damit möchte die Kommission verhindern, dass sich Reisende mit günstigen ausländischen SIM-Karten eindecken und den Inlandsmarkt dadurch umgehen. Laut der EU-Kommission haben bereits einige Anbieter Einschränkungen erbeten, da sie ihr Geschäftsmodell bedroht sehen. Nutzer sollten bevor sie ins Ausland reisen ihren Mobilfunkvertrag überprüfen, ob dieser eine Roaming-Option enthält.

  • FILESHARING sueddeutsche: EuGH: Filesharing-Plattformen sind für Urheberrechtsverletzungen verantwortlich: Die Filesharing Plattform „The Pirate Bay“, auf der von Usern geschützte oder illegale Dateien zum Download bereit gestellt haben, wurde nun von dem Europäischen Gerichtshof für rechtswidrig erklärt. Die Betreiber der Website seien sich bewusst, dass der Service für illegalen Datenaustausch verwendet wird. Mit diesem Urteil soll es Gerichten in Zukunft erleichtert werden entsprechende Filesharing-Plattformen zu sperren. Die öffentliche Wiedergabe der urheberechtsgeschützten Inhalte war der entscheidende Punkt. Nach EU-Recht dürfen nur die Urheber die Verbreitung oder Bereitstellung ihrer Inhalte erlauben oder verbieten.

  • APPLE PAY golem: Transaktionen in Messages können teuer werden: Mit iOs 11 und MacOS High Sierra können sich Apple-Nutzer über die Einführung einer Apple Pay Funktion in die Messenger App freuen. Der Apple Pay-Service ist in Deutschland derzeit noch nicht verfügbar, in Großbritannien, Frankreich und Italien jedoch schon zahlreich genutzt. Die neue Bezahlfunktion ist insbesondere für kleine Transaktionen zwischen Freunden und weiteren Privatpersonen gedacht. Nutzer müssen jedoch damit rechnen, dass Gebühren anfallen. Beispielweise müsse für Zahlungen mit einer Kreditkarte mit einer Gebühr von 3 Prozent gerechnet werden.

  • ADS curved: Instagram zeigt künftig, ob Posts Eurer Lieblings-Influencer bezahlt sind: Influencer Marketing ist ein wachsender Trend in der Marketing Branche. Besonders beliebt ist hierbei das Soziale Netzwerk Instagram. Nach vielen Vorwürfen zu ungekennzeichneter Werbung, führt Instagram nun die „Branded Content“-Funktion ein. Damit können Influencer deutlicher Kennzeichen, ob ein Post von einer Marke gesponsert wurde oder nicht. Künftig ist direkt unter dem Namen des Influencers im Feed der Nutzer der Zusatz „bezahlte Partnerschaft mit …“ über dem bezahlten Beitrag zu sehen. Instagram selbst möchte bei Verstößen gegen die Kennzeichnung bezahlter Posts künftig härter durchgreifen. Wenn bezahlte Beiträge künftig nicht gekennzeichnet sind, müssen User mit Strafen rechnen.

  • KI t3n: The Art of the Deal: Facebook-KI lernt zu lügen, um ihren Willen zu bekommen: Die Entwickler der Facebook KI-Systeme entwickeln eine Software, die lernt, wie man handelt. Überraschend ist, dass die Software ohne menschliches Zutun absichtliche Täuschung angewendet hat. Das Experiment wurde mit zwei Chatbots durchgeführt, die eine bestimmte Anzahl an Gegenständen untereinander aufteilen sollten, jeweils mit eigenen vorausgesetzten Zielen, die sie einhalten sollten. Die Bots begannen zu handeln und Interesse an Gegenständen zu bekunden, die sie nicht haben wollten, um Kompromissbereitschaft vorzutäuschen.

Weiterlesen »

FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
  • SPACEX golem: Wiederverwendung soll normal werden: Nachhaltigkeit im Weltraum – das Projekt war 15 Jahre in Arbeit und nun ist es den Entwicklern von SpaceX endlich gelungen, eine wiederverwendbare Antriebsrakete, die „Falcon 9“, ins All zu schicken. In der Nacht zum Freitag startete die Rakete im Kennedy Space Center im US-Bundesstaat Florida und landete rund zehn Minuten später auf einer schwimmenden Plattform im Atlantik. Gründer und Multi-Unternehmer Elon Musk sprach von einem Meilenstein in der Raumfahrt. Für 2018 hat sich Musk für das Projekt „Falcon 9“ schon wieder höhere Ziele gesetzt.

  • VIRTUAL REALITY gruenderszene: Oculus-Gründer Palmer Luckey verlässt Facebook: Er brachte mit seiner Firma “Oculus VR” das angestaubte Thema “Virtual Reality” wieder ins öffentliche Intersse, um kurz darauf von Social-Media-Übermacht Facebook aufgekauft zu werden. Heute ist jedoch Oculus-Gründer Palmer Luckeys letzter Tag bei Facebook. Der Konzern möchte sich derzeit nicht weiter zu den Gründen äußern, Luckeys Ruf hat jedoch die letzten Monate durch diverse Vorkommnisse – beispielsweise die Unterstützung durch Donald Trump und aktive Verunglimpfung von Hillary Clinton – gelitten und auch von seinen Social-Media-Kanälen hat sich der 24-jährige seit Wochen zurückgezogen.

  • FILESHARING t3n: Illegaler Upload: Eltern müssen Kind verraten – oder selber zahlen: Der Bundesgerichtshof (BHG) hat jetzt entschieden, dass Eltern den Namen ihrer Kinder angeben müssen, wenn diese im Internet auf Tauschbörsen unterwegs waren und Urheberrechtsverletzungen begangen haben. Ausgangspunkt für das Urteil war eine Schadensersatzklage der Plattenfirma Universal an einen Münchner Familienvater. Wenn die Eltern also wissen, dass die Kinder eine Urheberrechtsverletzung begangen haben und dies nicht melden, dann machen sie sich selbst schadenersatzpflichtig. Der Schadensersatz beläuft sich auf rund 3.500 Euro.

  • TWITTER computerbild: Einer der größten Störfaktoren ist beseitigt!: Die 140 Zeichen, die ein Tweet maximal lang sein darf, machten schon so manchem Plappermaul Probleme. Bei direkten Antworten an Tweets – vor allem, wenn mehrere Gepsprächspartner verlinkt wurden – wurde der Platz schnell knapp und man musste sich extreme kurz fassen. Einen der größten Störfaktoren hat Twitter jetzt mit einem Update beseitigt. Der Nutzername am Anfang des Antwort-Tweets entfällt und taucht stattdessen über dem Tweet selbst auf. Somit stehen die vollen 140 Zeichen für Antworten zur Verfügung.

  • KINO heise: Ghost in the Shell: Die Renaissance des Cyberpunk: Zu Beginn der Dreharbeiten war die Manga-Verfilmung “Ghost in the Shell” noch Gegenstand heftiger Debatten, vor allem auch aufgrund des angeblichen “Whitewashing” mit der Besetzung von US-Amerikanerin Scarlett Johansson in der japanischen Hauptrolle Motoko Kusanagi. Erste Kritiken äußern jedoch ein größtenteils positives Urteil und gleichzeitig kann der Film das Genre des Cyberpunk – einer Subkategorie der Science Fiction – ganz neu beleben.

Weiterlesen »

FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
  • APPLE heise: iOS 10.3 ist da: Apple bringt neues Dateisystem APFS auf iPhone und iPad: Apple hat die finale Fassung von iOS 10.3 zum Download freigegeben. Das Update steht in den Einstellungen unter Allgemein/Softwareupdate zum Abruf bereit – die Download-Größe für die Installation auf dem iPhone 7 beträgt gut 613 MByte –, alternativ lässt sich die neue iOS-Version über iTunes installieren. Mit iOS 10.3 führt Apple das neue Dateisystem APFS (Apple File System) ein, das das altgediente HFS+ ablöst. APFS ist für Flash-Speicher optimiert.Die Umstellung des Dateisystems erfolgt automatisch bei der Installation des Updates, unter Umständen kann dies etwas länger als gewöhnlich in Anspruch nehmen. Durch den APFS-Umstieg ausgelöste Probleme wurden während der Betaphase nicht bekannt, dennoch sollten Nutzer vor der Installation von iOS 10.3 prüfen, ob sie ein aktuelles Backup haben – und falls nicht, eines anlegen.

  • GOOGLE t3n: Diese E-Mail verrät, warum Google jemanden einstellt: Genau das ist einem Bewerber tatsächlich passiert: Vor dem Vorstellungsgespräch bekam dieser eine E-Mail vom Konzern, in der er auf die Inhalte des Bewerbungsgesprächs vorbereitet wurde. Die Personalabteilung listete auf, worauf sich der (vermutlich sehr aufgeregte) Kandidat gefasst machen muss. Ein Freund von ihm, Sujay Maheshwari, veröffentlichte auf seinem Blog jetzt einen Artikel mit dem Inhalt der besagten Nachricht.

  • STARTUP gruenderszene: „Kein Notar, nur du und dein Computer“ – so einfach ist die Gründung in Estland: Die deutschen Mentoren warnten Juhan Kaarma: „Das dauert, beeilt euch lieber!“ Der Este arbeitete da gerade im Axel-Springer-Accelerator Plug and Play an seinem Startup Weps, das mithilfe von Chatbots Webseiten für kleine Geschäfte erstellt. Vor einer Finanzierungsrunde wollten Kaarma und seine Mitgründer die Anteile an ihrem Startup neu aufteilen – und sie überraschten ihre Berater: „Wir sind in unser Online-Banking gegangen und haben darüber die Verteilung geändert“, sagt der Gründer. Nach wenigen Stunden war alles wie gewünscht geregelt. Kein Notar, kein Warten – nur ein paar Klicks.

  • INTERNET zeit: Von wegen Highspeed-Internet: Die Versprechen von Internetprovidern für „schnelles Internet“ werden oft nicht eingehalten. Zu diesem Ergebnis kommt die Bundesnetzagentur, nachdem sie etwa 160.000 Festnetz- und Mobilanschlüssen überprüft hat. Demnach erreichen die Breitbandanschlüsse in den allermeisten Fällen nicht die versprochenen und oft groß beworbenen Maximalwerte. Der Studie zufolge boten im Festnetz nur rund zwölf Prozent der Anschlüsse tatsächlich die vertraglich zugesicherte Maximalgeschwindigkeit, bei Mobilfunkanschlüssen waren es sogar nur rund fünf Prozent. Ein Sprecher der Bundesnetzagentur warnte: „Wenn die Anbieter zukünftig weiter keine realistischen Geschwindigkeitsangaben machen, kann die Bundesnetzagentur gegen einzelne Unternehmen Verfahren durchführen.“

  • URHEBERRECHT netzpolitik: Urheberrechts-Richtlinie: Die EU will Copyright-Verstöße stärker filtern als Terror-Propaganda: Im September 2016 hat die Europäische Kommission ihren Vorschlag für eine EU-Richtlinie zum Urheberrecht veröffentlicht. Damit soll eine ständige Überwachung und Filterung von praktisch allem, was in Europa in das Internet hochgeladen wird, aufgebaut werden.Den drastischen Regeln zufolge müssen Internet-Uploads gescannt werden, um festzustellen, ob hochgeladene Fotos, Videos oder Texte urheberrechtlich geschützt sind – auf Basis von Informationen von Rechte-Inhabern. Damit würden beispielsweise Internetphänome wie Memes blockiert, die urheberrechtlich geschützte Bilder oder Videos, Parodien, Zitate und andere vollkommen harmlose Aktivitäten enthalten.

Weiterlesen »

Getty Images: Werben statt abmahnen

Getty Images (adapted) (Image by Andrew [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Die größte Fotoagentur der Welt macht seine Bilder kostenlos – zumindest für nicht-kommerzielle Nutzung. Schafft es Getty Images mit dem Strategiewechsel sich auf die Welt der digitalen Güter einzustellen? Es ist die Tech-Meldung des Tages: Die Bildgentur Getty Images bietet nicht-kommerziellen Nutzern an, Millionen Fotos kostenlos auf eigene Webseiten einzubinden. Für Getty Images ist das eine radikale Kursänderung: Bisher war die Agentur eher dafür bekannt, mit Abmahnungen seine Urheberrechtsansprüche durchzusetzen. Doch der Kampf gegen die wildkopierende Masse kann offenbar nicht gewonnen werden. Doch aus altruistischen Motiven handelt Getty deshalb aber noch lange nicht.

Als zwei Investmentbanker Mitte der 90er Jahre beschlossen, die Bildagentur Getty Images zu gründen, waren Fotos auf Filmen gespeichert, nicht als Datei auf einer Speicherkarte. Gegen Lizenzgebühren verkaufte Getty Fotos an Printprodukte – und sie tun das bis heute. Doch dann kam das Internet und macht das Geschäftsmodell von Medienunternehmen angreifbar. Plötzlich war es ganz leicht, die Fotos auch ohne Lizenzgebühren zu bekommen: Die Blogs sind voll davon, Twitter, Tumbler und Reddit füttern uns mit Memes – ganz egal, ob Lizenzgebühren fällig wären oder nicht.

„Die Leute waren gezwungen, das falsche zu tun“

Getty Images reagierte darauf, wie man es von einem Medienunternehmen kennt, dem die Digitalisierung seiner Güter das Geschäftsmodell klaut: Abmahnungen, Klagen, Infobroschüren über das Urheberrecht. Doch irgendwann in den letzten beiden Jahren muss den Entscheidern klar geworden sein, dass der Kampf einer gegen Windmühlen ist – und sie veränderten ihre Strategie: Sie wollen die Kontrolle über ihre Bilder zurück. Craig Peters von Getty Images sagte The Verge, dass die Firma nun dem Weg von Streaming-Dienstleistern in der Musikindustrie folgt: „Vor iTunes und Spotify waren die Leute mehr oder weniger dazu gezwungen, das falsche zu tun: Filesharing.“

In der Umsetzung folgt Getty Youtube: Sie lassen Nutzer die Inhalte in ihre eigenen Kontexte – soziale Netzwerke, Webseiten – einbinden. Die Inhalte liegen aber weiterhin auf Gettys Servern, wodurch sie weiterhin die Macht über die Gestaltung behalten – und über die Monetarisierung durch Werbung und Nutzungsdaten. Angenommen, ein Bild geht viral, Getty Images bekommt Daten und kann dann Anzeigen darauf schalten. Gettys Kalkül scheint darin zu liegen, mit der Einbinde-Möglichkeit, die Reichweite enorm zu vermehren und so das Tor zu Werbeeinnahmen aufzustoßen. Dafür hat sich Getty in der Entwicklung mit dem Start-Up Stipple zusammengetan.

Deal mit Pinterest

Ein zweites Anzeichen für einen Strategiewechsel ist ein Deal mit Pinterest, einer der Plattformen, auf denen Bilder unter Getty-Lizenz ohne Scheu geteilt und verbreitet werden. Im Herbst gaben die beiden Firmen bekannt, dass Pinterest zahlt und dafür Getty-Bilder benutzen darf. Meta-Daten gibt es für Pinterest oben drauf. Für Pinterest sind das nun nicht nur Lizenzkosten: Die Metadaten bringen Informationen über die Bilder – Mehrwert für Pinterest-Nutzer. Dazu kommt eine Kooperation mit dem Berliner Instagram-Konkurrenten EyeEm, um User Generated Content zu fördern und Bilder über Getty Images verkaufen zu können.

Bisher verkaufte Getty Images ein Foto zu verschiedenen Preisen: Ein Bild, für das man Lizenzgebühren bezahlt, kann zwischen ein paar Euros und einem mittleren dreistelligen Betrag kosten – je nach Größe und Auflösung. Doch Leute, die Bilder auf Plattformen wie Reddit oder Tumblr teilen, werden sie mit diesem Modell ohnehin nie erreichen. Für sie gibt es nun eine kostenlose Version. In der Musikindustrie konnten dich Plattenfirmen nicht zu diesem Schritt durchringen. Dort geben nun neue Unternehmen wie iTunes oder Spotifiy den Ton vor. Getty Images passt sein Geschäftsmodells an diese Realität an. Und vielleicht setzt es damit auf das richtige Pferd. Buzzfeed hat in einem Text mit der Überschrift „Get Ready For The Great Embeddening“ einen Trend ausgerufen: Einbinden ist das neue Copy-Pasten.


Image (adapted) „Getty Images“ by Andrew (CC BY-SA 2.0)


Weiterlesen »

Brauchen wir eine Frist auf das Copyright von Micky Maus?

FIGHT CLUB (adapted) (Image by CHRISTOPHER DOMBRES [CC0 Public Domain] via flickr)

Im Jahr 1998 verabschiedete der US-Kongress den Copyright Term Extension Act (CTEA). Der CTEA verlängerte alle bestehenden Urheberrechte des Copyright Act von 1976 rückwirkend um 20 Jahre. Statt also Werke mit abgelaufenem Copyright in öffentlichen Besitz umzuwandeln, legte man fest, dass der CTEA zwischen Januar 1999 und Januar 2019 keine zusätzlichen urheberrechtlich geschützten Werke in die öffentliche Domain eintragen durfte.

So bescherte der CTEA den Besitzern wertvollen geistigen Eigentums, für welches das Copyright sonst verfallen wäre, einen erheblichen Geldsegen. Das von der CTEA auferlegte 20-jährige Moratorium nähert sich nun dem Ende. Der Kongress, welcher im November 2016 neu gewählt wird, wird entscheiden, ob er den CTEA auslaufen lässt oder die Dauer des Copyrights weiter verlängert. Welche Folgen wird es haben, wenn das Copyright erneut verlängert wird? Als wissenschaftlicher Bibliothekar und Kenner der Urheberrechtsgeschichte glaube ich, dass eine weitere Verlängerung des Urheberrechts dem Gemeinwohl schaden wird.

US-Gesetz und Copyright

Nehmen wir das Beispiel eines einzelnen, etwas unbedeutenden Buches. Am 21. Juli 1924 registrierte ein US-Armeeoffizier namens Walter C. Sweeney (sen.) das Copyright für das Sachbuch “Military Intelligence: A New Weapon of War”, welches auf seine Erfahrungen im ersten Weltkrieg basierte. Unter den damals gültigen US-Gesetzen lag das Copyright für dieses Buch bei 28 Jahren, mit der Möglichkeit einer Verlängerung um weitere 28 Jahre. Am 7. Juli 1952 verlängerte Major General Sweeney, der zu diesem Zeitpunkt im Ruhestand war, sein Copyright. Dadurch verlängerten sich seine exklusiven Rechte auf seine Arbeit bis zum 1. Januar 1981.

Auch wenn es nicht mit Sicherheit feststellbar ist, besteht doch die Möglichkeit, dass Sweeney bis 1952 Lizenzgebühren für “Military Intelligence” erhielt. Jedoch ist es genauso möglich, dass er jahrelang keine Lizenzgebühren bekam. Abgesehen von einer weitestgehend unbekannten Übersetzung ins Chinesische im Jahr 1946, wurde “Military Intelligence” nach der ersten Veröffentlichung im Jahr 1924 nie wieder nachgedruckt.

Bis zum Jahr 1952 hätten alle neuen (das heißt, Lizenzgebühren erzeugenden) Kopien bereits über die üblichen Kanäle verkauft oder einfach entsorgt werden können, als der ursprüngliche Herausgeber, die Frederick A. Stokes‘ Company, von J.B. Lippincott im Jahr 1943 aufgekauft wurde.

Unabhängig davon ist es durchaus wahrscheinlich, dass das Ende des Copyright von Sweeney zum Neujahrstag 1981 keinen finanziellen Schaden auf sein Erbe verursacht hätte. (Sweeney starb als Witwer im Jahr 1963, im Jahr 1981 war nur noch eins seiner drei Kinder am Leben.)

Wie die überwiegende Mehrheit von Werken, lief auch der wirtschaftliche Wert von „Military Intelligence“ Jahrzehnte vor dem Ablauf des Copyright ab. Für jeden “Great Gatsby”, der noch Jahrzehnte nach seinem Debüt Einnahmen generiert, gibt es Zehntausende Werke wie “Military Intelligence”, deren wirtschaftliche Haltbarkeit bestenfalls ein paar Jahre andauert.

Worin liegt also der Sinn?

Hier wendet sich das Blatt: Das Buch wurde im Jahr 1981 nicht in die öffentliche Domain eingetragen. Stattdessen verblieb es bis zum heutigen Tag ein urheberrechtlich geschütztes Werk. Nach dem gültigen Gesetz wird es erst am 1. Januar 2020 gemeinfrei werden und somit mehr als 95 Jahre nach seiner ersten Veröffentlichung. Doch warum blieb “Military Intelligence” für fast vier Jahrzehnte länger urheberrechtlich geschützt, als sein Autor erwartet hatte?

Der Grund dafür ist, dass der US-Kongress die Schutzdauer des Copyright weiter verlängert. Im Jahr 1976 erhöhte sich Sweeneys Copyright von 1952 durch ein neues Urheberrechtsgesetz von 28 auf 47 Jahre. Im Jahr 1998 verlängerte der CTEA einseitig alle Copyrights der nach 1. Januar 1923 erstellten und noch immer urheberrechtlich-geschützten Werke. Die Hauptrechtfertigung des CTEA war, dass es zu einem Einklang des U.S. Copyright und des europäischen Urheberrechtes gekommen sei, welche in der Berner Konvention spezifiziert wurden und festlegen, dass das Urheberrecht mindestens 50 Jahre nach dem Tod des Urhebers andauern soll.

Die Hauptkritik an dem Gesetz von Leuten wie dem Akademiker und Anwalt Lawrence Lessig ist, dass eine Handvoll von Unternehmen wie Disney und die Erben von kommerziell erfolgreichen Künstlern wie Irving Berlin von der rückwirkenden Verlängerung der Copyright-Bedingungen durch den Kongress profitieren. Dies geschieht unter Missachtung des Verfassungsmandats, welches besagt, dass das Urheberrecht die Rechte der Schöpfer für eine begrenze Zeit schützt, statt dies auf Dauer zu tun.

In diesem Verfahen werden Millionen von Werken, die nicht mehr oder nie wirtschaftliche Vorteile für ihre Urheber oder deren Erben brachten, heute an die gleichen Gesetze gebunden, die kommerziell erfolgreiche Werke, wie den ersten Micky-Maus-Film “Steamboat Willie” und Irving Berlins “Puttin’ on the Ritz” schützen. (Beide wären heute lizenfrei, wenn nicht der CTEA gelten würde.)

Warum das wichtig ist?

Also, wen interessiert es, wenn sich ein unbekanntes und hoffnungslos veraltetes Buch über den Militärgeheimdienst in den gierigen Tentakeln des Copyright-Oktopus verheddert? Abgesehen von ein paar Militärhistorikern wohl niemanden. Würde sich aber herausstellen, dass der unwahrscheinliche Fall eintritt, dass “Military Intelligence” einige Fakten, Weisheiten oder Einsichten beinhaltet, die die Welt zu einem sicheren, glücklicheren oder gerechteren Platz machen können, dann sollte es die gesamte Welt kümmern.

Wie es aussieht, kann die Welt nicht wissen, was “Military Intelligence” zu bieten hat. Außer jene, welche bereits eine Kopie besitzen, Zugang zu einem der rund 100 in verschiedenen Bibliotheken verstreuten Kopien haben oder gewillt und fähig sind, einen Preis zwischen 25 bis 70 US-Dollar für ein gebrauchtes Exemplar zu bezahlen (kein Cent davon fließt in das Vermögen des Autors). Gemeinnützige Einrichtungen wie HathiTrust und Internet Archive können den digitalisierten Volltext von “Military Intelligence” (eine Arbeit ohne jeglichen wirtschaftlichen Wert) nicht frei zugänglich machen.

Und was wäre, wenn entgegen aller Vernunft jemand von “Military Intelligence” zu einem Spiel, Film, Comic-Roman oder einer anderen Arbeit inspiriert worden wäre? Im schlimmsten Fall ist es unmöglich, den aktuellen Rechteinhaber zu finden, um die Erlaubnis für die Erstellung eines abgeleiteten Werkes zu erhalten; im besten Fall wäre der Prozess zeitaufwändig und kostspielig. Selbst wenn der aktuelle Rechteinhaber gefunden wird, könnte jeder Versuch unterdrückt werden, “Military Intelligence” umzufunktionieren, indem eine exorbitante Gebühr für die Erlaubnis verlangt oder einfach die Zusammenarbeit verweigert wird. Wenn sie auf eine Premiere von “Military Intelligence: An American Musical” warten, tun sie das vergebens.

Natürlich ist nicht die Tatsache, dass ein bestimmtes Buch unter Verschluss liegt, das Problem des aktuellen Urheberrechtsgesetz. Das Problem ist die ständig verlängerte Sperrung einer Masse von Arbeiten, die frei verfügbar sein sollten, um die Schaffung neuer Werke zu inspirieren.

Ein unbefristetes Copyright?

Werden die Unternehmen und Individuen, die zwar alte, aber immer noch wertvolle Urheberrechte besitzen, ihr Privateigentum Jahr für Jahr in den Besitz der Allgemeinheit übergeben wollen? Oder werden sie den Kongress beeinflussen, damit es zu einer 20 oder 40 oder 100 Jahre langen Erweiterung des Urheberrechts kommt?

Es ist anzunehmen, dass die Eigentümer wertvoller Copyrights den 115. Kongress beeinflussen werden, damit er die Bedingungen des Urheberrechts verlängert. Sicherlich waren auch Lobbyisten daran beteiligt, den CTEA in den späten 90ern voranzutreiben – ein Sieg, den sie der insgesamt schwachen und desorganisierten Opposition verdankten.

Ich glaube, dieses Mal werden es die Lobbyisten, die auf ein längeres Copyright drängen, nicht ganz so leicht haben. Das Aufkommen digitaler Information im Alltag hat einen umfangreichen Bestand an Akademikern, Rechtsgelehrten, Bibliothekaren und Verbrauchern geschaffen, die viel über die Auswirkungen der Copyright-Gesetzgebung auf ihr Leben nachdenken.

In der Vergangenheit haben Organisationen, zum Beispiel die Electronic Frontier Foundation, die American Library Association und Creative Commons aus Sorge über die öffentliche Beteiligung an der Urheberrechtspflege damit begonnen, sich anderen unfairen Copyright-Gesetzen wie den Stop Online Piracy Act (SOPA) und den PROTECT IP Act (PIPA) zu widersetzen. Sollte der 115. Kongress zu einer erneuten Verlängerung des Copyright gedrängt werden, brauchen diese Organisationen und deren Verbündete eine aktive öffentliche Unterstützung. Es ist nicht genug, sich zurückzulehnen und darauf zu hoffen, dass Internet-Petitionen und Facebook-Schimpftiraden siegen werden.

Obwohl der Kongress die zeitliche Begrenzung des Copyright nicht abschaffen kann, könnten die Bedingungen so geändert werden, dass das Copyright selbst nahezu unendlich verlängert wird. Wenn das geschehen sollte, würden Millionen von Werken, die für aktuelle und zukünftige Generationen von Wissenschaftlern, Künstlern und Neugierigen frei verfügbar sein sollten, im Schatten des Urheberrechts verborgen bleiben – unzugänglich und nahezu unsichtbar.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „FIGHT CLUB“ by CHRISTOPHER DOMBRES (CC0 Public Domain)


The Conversation

Weiterlesen »

5 Lesetipps für den 10. Dezember

In unseren Lesetipps geht es heute um das europäische Urheberrecht, Berlin als digitale Stadt, Gehirnimpulse und Autos, Amblyz-Brillen und den Familientarif bei Google Play Musik. Ergänzungen erwünscht.

  • URHEBERRECHT Süddeutsche.de: EU-Kommission plant neues europäisches Urheberrecht – Digital: Einheitliches Urheberrecht für Europa? Die EU-Kommission hat ihre Pläne für eine Veränderung bezüglich des derzeitig unterschiedlich geregelten Urheberrechts in den verschiedenen europäischen Ländern vorgestellt. Eine Vereinheitlichung soll bis 2017 umgesetzt werden. In einer vorgestellten Verordnung wird verlautet, dass Geoblocking abgeschafft werden soll. Für Nutzer, die in Deutschland online Filme, Musik oder Ähnliches kaufen, wird es dann die Möglichkeit geben, diesen Inhalt auch im EU-Ausland zu nutzen.

  • BERLIN Golem.de: Digitale Hauptstadt: Berliner Bürgermeister will ein 5G-Testnetz: Berlin möchte digitale Hauptstadt werden. Bürgermeister Michael Müller sieht als einen Teil der 10-Punkte-Agenda das Testen eines 5G Mobilfunknetzes vor. Dies sei ein wichtiger Bestandteil für Unternehmen und Einrichtungen, um die Entwicklung von Produkten voranzuschreiten. Nach einer Testphase in Gebieten wie unter anderem dem Cleantech-Businesspark Berlin-Marzahn und des ehemaligen Flughafens Tempelhof, soll das Netz auf die gesamte Stadt verteilt werden.

  • GEHIRNIMPULSE t3n: Denken statt lenken: Wissenschaftler steuern Auto nur mit ihren Gedanken: Durch die Kraft der Gedanken. Die Idee von selbstfahrenden Autos findet bereits durch Google, Tesla und Toyota und weiteren, den Versuch der Umsetzung. In China sind Wissenschaftler noch einen Schritt weiter gegangen und haben eine Technologie entwickelt, mit der selbstfahrende Autos nicht ausschließlich von einer Software gesteuert werden. Der Prototyp beinhaltet eine sechszehn EEG-Sensoren ausgestattete Kopfbedeckung in Verbindung mit einem Computer und lenkt das Fahrzeug nur durch Gehirnimpulse. Natürlich fehlt noch viel, um diese Technik auszureifen und auf den Markt zu bringen. Für Menschen mit Behinderung könnte die ausgereifte Technik eine Bereicherung sein.

  • AMBLYZ-BRILLEN heise online: Sehschwäche bei Kindern: Eine elektronische Brille soll helfen: Amblyz-Brillen sollen Kindern mit Sehschwäche helfen. Man kennt das aus seiner Kindheit, manche Kinder im Kindergarten mussten dauerhaft dieses Pflaster über dem einen Auge tragen. Grund dafür ist die Sehschwäche mit dem Namen Amblyopie, bei der das Sehsystem auf dem einen Auge unterentwickelt ist. Wissenschaftler haben jetzt eine LCD- Brille entwickelt, welche durch die Kombination von Korrektur der Sehkraft und die Verdeckung, die traditionelle Methode mit Pflaster und Augentropfen ersetzen soll. Eine Studie lieferte bereits ein positives Ergebnis.

  • GOOGLE PLAY MUSIK google-produkte.blogspot: Der offizielle Google Produkt-Blog: Gsik spielt ab sofort für die ganze Familieoogle Play Mu: Musikbegeisterte Familien können sich auf das neue Angebot bei Google Play Musik freuen. Ab sofort gibt es hier einen Familientarif. Jedes Familienmitglied kann weiterhin seine Lieblingsmusik hören und das zusammengefasst auf einen Tarif. Bis zu sechs Abonnenten können den gemeinsamen Tarif nutzen. Schluss mit mehreren Einzel-Abos, die auf Dauer und in der Gesamtheit einfach zu teuer sind. Der Familientarif von Google Play Musik startet in den nächsten Tagen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Australien, Kanada und den USA.

CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

Nutze Netzpiloten 1-Klick: Mit nur einem Klick werden dir bequem alle 40 Sekunden die hier besprochenen Seiten „vorgeblättert“ START.

Weiterlesen »

Die Kommission bedroht den Link im freien Netz

Entwurf, Europäische Kommission, Günther Oettinger, link, Netzpolitik, urheberrecht

Der Link, wie wir ihn kennen, könnte bald ausgedient haben, denn Politik und Wirtschaft sind dabei, diese zentrale Funktion des Internets umzuformen. Am 9. Dezember legt der zuständige EU-Digitalkommissar Günther Oettinger einen Gesetzentwurf zum Urheberrecht vor. Er hat zum Ziel, das Copyright im EU-Binnenmarkt zu harmonisieren und die nationalen Silos aufzubrechen. Ein Entwurf (der sich noch ändern kann) ist bereits geleakt und lässt erahnen, wie künftig mit dem Link umgegangen werden wird.

Explizit ausgesprochen haben es Vertreter der EU-Kommission, allen voran Digitalkommissar Günther Oettinger noch nicht, doch Beobachtern schwant Übles. Am Mittwoch will Oettinger einen Gesetzentwurf zu einem EU-weiten Urheberrecht vorstellen, mit dem nicht nur ärgerliches Geoblocking (Beispiel: Netflix-Nutzer in Österreich bekommen andere Filme und Serien als in Deutschland) abgeschafft werden soll, sondern auch geregelt werden wird, wie künftig mit Links umzugehen ist. Weil Oettinger immer wieder betont, dass europäische Verlage gestärkt werden müssen, glauben nun Beobachter, dass er die Idee des deutschen Leistungsschutzrechts (Google soll für Links zu Verlagsinhalten zahlen) auf die EU ausweiten will – mit dem möglichen dramatischen Effekt, dass man für Verlinkungen um Erlaubnis fragen oder im schlimmsten Fall sogar zahlen wird müssen.

Wie sich die Content-Industrie das Netz künftig vorstellt, darauf gab es bereits 2014 einen Vorgeschmack. Die österreichische Verwertungsgesellschaft AKM (sie vertritt die Urheberrechte von etwa 20.000 Musikern und Autoren), hat im Rahmen einer öffentlichen Konsultation der EU-Kommission zum Urheberrecht eine Vergütungspflicht für Hyperlinks gefordert, mit denen etwa Online-Videos in Websites eingebunden werden.

Heißt im Klartext: Wenn man etwa einen YouTube-Clip einer der Bands, die von der AKM vertreten werden, in seine Webseite einbetten will, muss man dafür eine Gebühr zahlen. Die Argumentation: Durch eingebundenen Content wird die Webseite attraktiver, bekommt mehr Besucher und setzt in Folge mehr Geld mit Werbung um. An diesem Mehrumsatz soll der Urheber des Videos mitverdienen.

Der freie Hyperlink ist aber nicht nur ins Visier der Content-Industrie geraten. Google hat, um dem Recht auf Vergessen in der EU nachzukommen, bis dato mehr als 500.000 Links aus seinen Suchergebnissen gelöscht und damit die dahinter liegenden Inhalte zum Schutz von Persönlichkeitsrechten quasi unsichtbar für die Internet-Öffentlichkeit gemacht.

Auch große US-Internetfirmen gehen in letzter Zeit sehr fragwürdig mit Links um. Wie unter anderem das auf Messaging-Apps spezialisierte Startup orat.io in einem Artikel aufzeigte, blockiert die Facebook-Tochter WhatsApp Links zum Konkurrenten Telegram. Nutzer, die beide Apps installiert haben, können so in WhatsApp nicht mehr einen Link öffnen, der zu einer Webseite von Telegram führt.

Wie außergewöhnlich funktionierende Links in der näheren Zukunft werden könnten, zeigt auch das Beispiel Snapchat. Die bei Teenies beliebte Messaging-App hat mit Vice, Vox oder BuzzFeed Medienpartner, die eigens Inhalte für die App produzieren und die in der Snapchat-Welt eingesperrt sind. Snapchat bietet seinen Partnern jetzt etwas an, was in der Desktop-Browser-Welt eine Selbstverständlichkeit ist: Sie sollen die Möglichkeit bekommen, Links zu dem Content in anderen Social-Media-Kanälen verbreiten zu können.


Image „Link“ by mkweb2 (CC0 Public Domain)


Weiterlesen »

5 Lesetipps für den 24. November

In unseren Lesetipps geht es heute ums Urheberrecht, Flipagram, wie Snapchat funktioniert, Science Fiction bei Microsoft und die Antiwerbung der Telekom. Ergänzungen erwünscht.

  • URHEBERRECHT Tom Hillenbrands Blog: Armer Autor, Du hast echt keine Freunde: In seinem Blog kommentiert der Schriftsteller Tom Hillenbrand das aktuelle Urteil des Europäischen Gerichtshof zur Urheberpauschale und erklärt die Thematik und Entwicklung an sich. Es geht darum, ob die Verlage etwas von der eingesammelten Urheberpauschale wie bisher abbekommen oder nicht, vor allem da das EuGH diese Praxis als rechtswidrig ansieht. Fazit der ganzen Geschichte ist eigentlich die Erkenntnis, die man bei jeder Debatte um das Urheberrecht bekommt: Es geht nie um Rechte, sondern stets um Geld.

  • FLIPAGRAM Forbes: Flipagram Could Be Bigger Than Instagram: Mit Flipagram können aus Bildern, Videos und Musik kurze Mashups erstellt und in den sozialen Netzwerken geteilt werden. Die App hatte nach einem Jahr bereits 30 Millionen Nutzer, eine Benchmark für die Facebook drei Jahre gebraucht hat, Snapchat immerhin zwei Jahre. Kathleen Chaykowski geht für Forbes der Frage nach, ob es sich bei Flipagram um das nächste Instagram handelt und gibt einen interessanten Einblick in die Entwicklung durch den Gründer Farhad Mohit.

  • SNAPCHAT Medienspinnerei: Was ist Snapchat? Wie geht das? Wozu brauche ich das?: Snapchat ist ein Messenger, mit dem man zeitlich nur begrenzt angezeigte Bilder und Videos veröffentlichen kann. Soweit so gut, was Snapchat ist, kann man leicht erklären, aber wie es funktioniert und wie man es nutzen kann, fällt mir persönlich schon schwerer zu erklären, denn bisher hat es für mich nur in der direkten Kommunikation mit meiner Freundin Sinn ergeben. Etwas mehr Klarheit bringt dieser Artikel von Falk Sieghard Gruner, der gleich auch ein paar Beispiele für gelungene Kommunikation mithilfe von Snapchat anzeigt.

  • MICROSOFT The Next Web: 9 sci-fi authors went to Microsoft’s research labs and wrote a book: Microsoft hat neun Science-Fiction-Autoren – Elizabeth Beat, David Brin, Nancy Kress, Greg Bear, Ann Leckie, Seanan McGuire, Jack McDevitt und Robert J. Sawyer – in sein Forschungslabor eingeladen und ihnen die vermeintliche Zukunft gezeigt. Herausgekommen ist ein Buch mit Science-Fiction-Literatur über eine mögliche Version der Zukunft, in dem es vor allem um das Verhältnis zwischen Mensch und Technologie geht. Amanda Connolly zeigt sich in ihrem Artikel auf The Next Web beeindruckt.

  • DEUTSCHE TELEKOM Horizont: Warum die Antiwerbung in Wahrheit ein Geniestreich ist: Marco Saal kommentiert die aktuellen Werbespots der Telekom, die sich mit dem Thema „Digital Detox“ auseinandersetzen und, für einen Telekommunikationsanbieter sicher ungewöhnlich, es beinahe propagieren, im Familienkreis auch einmal die vielen Geräte wegzupacken, die uns sonst so wichtig geworden sind. Doch von Antiwerbung kann keine Rede sein, wie Saal erklärt, sondern von einem aus Markensicht gelungenen Geniestreich, auch wenn der Vertrieb der Telekom vielleicht ganz leichte Bauchschmerzen bekommt.

CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

Nutze Netzpiloten 1-Klick: Mit nur einem Klick werden dir bequem alle 40 Sekunden die hier besprochenen Seiten „vorgeblättert“ START.

Weiterlesen »

5 Lesetipps für den 10. November

In unseren Lesetipps geht es heute um das WLAN-Gesetz, Barack Obama bei Facebook, Technik in der Landwirtschaft, das iPhone 7 als Nothelfer und den VW-Abgas-Skandal. Ergänzungen erwünscht.

  • WLAN GESETZ Golem.de: Störerhaftung: EU-Kommission hat Bedenken gegen das WLAN-Gesetz: Der WLAN-Gesetzentwurf der Bundesregierung stößt auf viele negative Stimmen, denn das größte Problem ist, dass er sich nicht zur Lösung des eigentlichen Problems eignet. Die Bundesregierung möchte, dass WLAN von jedem genutzt werden kann und das ohne sich anmelden zu müssen. Der Entwurf spricht jedoch andere Bände. Laut den Formulierungen, wie beispielsweise “Zugang zum Internet nur dem Nutzer gewähren, der erklärt hat, im Rahmen der Nutzung keine Rechtsverletzungen zu begehen”, kann WLAN nicht offen für alle sein, sondern erfordert die Zugangsdaten aller Nutzer, die außerdem erklären müssen, dass diese keine Urheberrechtsverletzung begehen, wenn sie das jeweilige Netzwerk nutzen.

  • OBAMA handelsblatt: US-Präsident: Obama hat nun “eigene” Facebook-Seite: “Hello Facebook” und eine Videobotschaft – mehr braucht Barack Obama nicht, um auf sich bei Facebook aufmerksam zu machen. Und auch schon innerhalb weniger Stunden erntete der US-Präsident 200.000 Likes dafür. Seine erste Videobotschaft galt einem Aufruf zum Kampf gegen den Klimawandel. Auf seiner Facebook-Seite können Nutzer jetzt Kommentare und Nachrichten hinterlassen aber eine Freundschaftsanfrage, kann man dem Präsidenten nicht schicken. Sein bisheriger Facebook-Account wird von seiner Wahlkampforganisation “Organizing for Action” betreut. Sein neuer Account, wird vom Weißen Haus gepflegt und hier geht es in erster Linie nur um den Präsidenten als Menschen.

  • LANDWIRTSCHAFT Gründerszene: “Wir sind besser als Google”: Bauern sind altmodisch und verstehen nichts von Technik – die Zeiten sind längst vorbei, denn einige Landwirte sind technisch so gut aufgestellt, wie sonst keine andere Berufsgruppe. “Smart Farming” nennt sich der landwirtschaftliche Helfer und dient in vielen Bereichen. Kühe lassen sich von Robotern melken und Drohnen bekämpfen Schädlinge auf dem Feld. Allerdings herrscht technisch gesehen in Deutschland noch erheblich Nachholbedarf im Vergleich zu den USA. Aber die Tendenz ist steigend, denn schon mehr als 50 Prozent der Landwirte beschäftigen sich mittlerweile mit “Smart Farming”.

  • IPHONE 7 CHIP: Apple patentiert den Panik-Button: So wird das iPhone 7 zum Nothelfer: Das iPhone 7 wird zum Nothelfer, denn Apple hat sich mit dem sogenannten Panik-Button ein Patent gesichert. Mit diesem Modus können die Nutzer des Smartphones ganz einfach nach Hilfe rufen oder für Diebe das Gerät unbrauchbar machen. Das Konzept des Buttons sieht folgendermaßen aus: Der Home-Button wird zu einem Fingerabdruckscanner, sodass nur der Nutzer auf alle persönlichen Daten zugreifen kann. Bei einem Diebstahl wäre das Smartphone für den Dieb nicht zu gebrauchen. Der Panik-Modus soll – wenn alles tatsächlich umsetzbar ist – die aktuelle GPS Position ermitteln können und diese weiterleiten. Außerdem ist es denkbar, dass eine Audio- oder Videoaufnahme gestartet wird, sobald man den Panik-Button berührt. Ob und wie diese neuen Funktionen im neuen iPhone umgesetzt werden, bleibt allerdings noch fraglich.

  • VW faz.net: Bei 540.000 Autos in Deutschland genügt Software-Update nicht: Nach dem großen VW-Abgas-Skandal, sind scheinbar größere technische Änderungen nötig, als lediglich ein Austausch der manipulierten Software. Rund 540.000 Diesel-Fahrzeuge in Deutschland werden mehr brauchen, als ein Update. Hier seien sogar Anpassungen in der Motortechnik nötig. Insgesamt sind europaweit etwa 8,5 Millionen Dieselautos von der manipulierten Software betroffen. Schon im Oktober gab VW zu, dass bei vielen Autos ein Software-Update nicht ausreichen wird, sondern auch andere Eingriffe erfolgen müssen. Die ganze Rückrufaktion startet, so wie es heißt, im Januar und kann sich über das ganze Jahr erstrecken.

CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

Nutze Netzpiloten 1-Klick: Mit nur einem Klick werden dir bequem alle 40 Sekunden die hier besprochenen Seiten „vorgeblättert“ START.

Weiterlesen »

EU-Urheberrecht: Droht das Ende des freien Hyperlinks?

Chain links (adapted) (Image by Yandle [CC BY 2.0] via flickr)

Am 9. Dezember will die EU-Kommission ihre Pläne für die Urheberrechtsnovelle vorstellen, doch bereits vergangene Woche sind erste Dokumente dazu geleakt. Nach ersten Analysen befürchten Experten nun, dass Verlinkungen zu anderen Seiten im schlimmsten Fall kostenpflichtig werden – der Geist des deutschen Leistungsschutzrechts lässt grüßen.

Das Jahr 2015 könnte einmal als jene Zeit in die Annalen Europas eingehen, in dem das Internet völlig umgekrempelt wurde. Zuerst hat das EU-Parlament de facto die Netzneutralität abgeschafft und durch eine Hintertür erlaubt, dass sich Firmen für Spezialdienste eine Sonderbehandlung auf der Datenautobahn kaufen dürfen. Am 9. Dezember könnten dann die Weichen dafür gestellt werden, wie künftig Verlinkungen und Content-Einbettungen im Netz funktionieren.

Denn dann will die EU-Kommission ihre Vorschläge für die Neugestaltung des EU-Urheberrechts darlegen. Der Blog IPKat hat bereits ein Dokument zum “Copyright Framework” geleakt, in dem über die Vorschläge zu lesen ist. Der Leak hat für teilweise heftige Reaktionen gesorgt. “Die EU-Kommission bereitet einen Frontalangriff auf den Hyperlink vor”, warnt etwa die EU-Parlamentarierin Julia Reda (Piratenpartei). “Nun ist der Hyperlink dran: die Politik in Europa bedroht unsere Freiheit”, schreibt Alexander Görlach im Debattenmagazin “The European”. Brüssel, so die Kommentatoren, würde eine Genehmigungspflicht für Verlinkungen planen und damit eine Grundfunktion des Netzes, eben die freie Verlinkung auf andere Webseiten, untergraben.

Keine Fakten zur Umsetzung

Explizit gemacht wurde das von der EU-Kommission aber nicht. Wer das geleakte Dokument durchliest, wird feststellen, dass sehr wenig Konkretes darin zu finden ist. Zwar wird beschrieben, dass das Leistungsschutzrecht in Deutschland und in Spanien nicht zu den gewünschten Effekten geführt hat (nämlich, dass Google für Links in seiner Suche und in Google News zu Verlagsinhalten zahlt): “For news aggregators, in particular, solutions have been attempted in certain Member States, but they carry the risk of more fragmentation in the digital single market”, so das Papier. Doch das man jetzt europaweit den Link kostenpflichtig machen will, davon ist keine Rede. “Die vom deutschen LSR inspirierten Überlegungen hinsichtlich einer Neuordnung im Bereich öffentliche Zugänglichmachung sind ebenfalls sehr unkonkret, gehen aber ganz allgemein in eine fragwürdige Richtung”, urteilt Leonard Dobusch auf Netzpolitik.org.

Konkreter wird die EU-Kommission in einer anderen Sache: Ihr ist das sogenannte Geoblocking ein Dorn im Auge, welches dafür sorgt, dass manche Inhalte aufgrund von Copyrights nicht in allen EU-Märkten verfügbar sind. In der Praxis merkt man das etwa bei Netflix, wo Nutzer in Österreich, Deutschland oder den Niederlanden auf andere Inhalte zugreifen dürfen als etwa britische oder schwedische. Die EU-Kommission will, das passt generell zur angestrebten Harmonisierung des Urheberrechts in der gesamten EU, dieses Geoblocking abschaffen. Im Frühjahr 2016 sollen erste Maßnahmen präsentiert werden, die Content-Schranken abbauen sollen.


Image (adapted) “Chain links” by Yandle (CC BY 2.0)


 

Weiterlesen »

5 Lesetipps für den 4. November

In unseren heutigen Lesetipps geht es um Herzen auf Twitter, Creative Commons, das Internet Of Things, die Frau hinter BroadbandTV und eine Verteidigung des Barts. Ergänzungen erwünscht!

  • SEXISMUS Psychology Today: Is There a Problem With Bearded Men?: Eine australische Studie legt nahe, dass Männer mit Bärten statistisch gesehen häufiger zu sexuellen Übergriffen und Sexismus neigen als rasierte Männer. Das kann zum einen daran liegen, dass sexistische Männer sich den Bart aus Ausdruck ihrer Denkweise stehen lassen oder diese auch erst durch den Bart entwickeln. Es gibt wohl bereits verschiedene Studien zu dem Thema. Nach zehn Jahren als Besitzer und Pfleger eines Vollbart kann ich zumindest persönlich versichern, dass ein Bart nicht automatisch zu einem sexistischen Verhalten führt und auch die Forschung räumt ein, dass noch andere soziale Faktoren eine Rolle spielen.

  • BROADBANDTV OZY: From the Iranian Revolution to the Video Revolution: Wer noch nicht von BroadbandTV gehört hat, sollte sich unbedingt Steven Butlers Porträt der Gründerin des Online-Video-Dienstes, Shahrzad Rafati, durchlesen. RTL, und damit quasi Bertelsmann, hat bereits mehr als 36 Millionen Euro in die Firma investiert. Und wer das Unternehmen kennt, dass inzwischen mehr als 5,7 Milliarden Views im Monat erreicht, sollte den Artikel trotzdem lesen, denn Rafati ist eine sehr spannende Person und das, kommt in der Startup-Branche wirklich nicht ständig vor.

  • CREATIVE COMMONS  Communia Association: Creative Commons Summit: next steps in copyright reform: Mitte Oktober fand im südkoreanischen Seoul der Creative Commons Summit statt, auf dem in einer Session diskutiert wurde, wie das Urheberrecht reformiert werden könnte. Alek Tarkowski berichtet über die wohl sehr gut besucht gewesene Session, an der auch die Europaabgeordnete Julia Reda teilnahm, die im Europäischen Parlament Berichterstatterin für die Reform des Urheberrechts innerhalb der Europäischen Union ist. Reda forderte das Publikum dazu auf sich ein Urheberrecht vorzustellen, indem Creative Commons den Standard darstellt und sich zu fragen, wie wir als Gesellschaft ein solches Ziel erreichen könnten.

  • INTERNET OF THINGS hbr: How People Are Actually Using the Internet of Things: Schon jetzt gibt es das Internet Of Things (IoT) und auch wenn wir erst am Anfang einer Entwicklung stehen, die unser Leben wohl in den nächsten Jahrzehnten grundlegend verändern wird, können schon erste Verhaltensweise im Umgang damit beobachtet werden. Forscher der Harvard University haben sich das Nutzungsverhalten und die Technologien des Internet Of Things angesehen und laut einem Blogeintrag von ihnen eine spannende Beobachtung gemacht: IoT-Technologie ist sehr auf die Nutzung durch Menschen bezogen und weniger zur Automatisierung entwickelt. Die Menschen haben die Möglichkeit, und nehmen diese auch an, die Geräte selber zu programmieren und miteinander zu vernetzen. Das IoT wird also nicht etwas sein, dass parallel zu uns Menschen existiert, sondern vor allem mit uns und durch uns.

  • TWITTER Netzpiloten.de: Wie das Herz-Symbol zum neuen Like-Button des Social Web wird: Vor zwei Monaten fiel uns auf Twitter auf, dass der Stern zum Faven von Tweets durch ein Herz ersetzt wurde. Unser Account war wohl damals in einer Testgruppe für das neue Feature, dass gestern ausgerollt wurde. Nun gibt es also Herzen auf Twitter statt Sterne – sonst ändert sich nichts. Natürlich hat das für eine Art Empörung gesorgt, wir reden ja immerhin bei Twitter und seinen Nutzern von dem sogenannten Social Web. Unser Autor Jakob Steinschaden hat schon im Sommer 2013 über das Herz im Social Web geschrieben und die Logik dahinter erklärt. Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, bis das Herz auch zu Twitter kommt. Nun ist es soweit.

CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

Nutze Netzpiloten 1-Klick: Mit nur einem Klick werden dir bequem alle 40 Sekunden die hier besprochenen Seiten „vorgeblättert“ START.

Weiterlesen »

Freedom House veröffentlicht neuen Bericht zur Freiheit im Internet

Fight For Your Digital Rights (Image by Sebaso [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons)

Der neue „Freedom on the Net“-Bericht zeigt die weltweit wachsende Bedrohung stattlicher Überwachung auf, auch in Deutschland. Die US-amerikanische NGO Freedom House hat eine neue Ausgabe ihres Berichts „Freedom on the Net“ veröffentlicht, in dem die globale Situation der Freiheit im Internet für den Zeitraum von Juni 2014 bis Mai 2015 untersucht wurde. Die Ergebnisse sind wieder einmal erschreckend, denn auf der ganzen Welt schränken Regierungen die Freiheit im Internet weiter ein, bauen die Überwachung ihrer Bevölkerung aus und gehen verschärft gegen Hilfsmittel zum Schutz der Privatsphäre vor. Auch in Deutschland gibt es derartige Vorfälle.

Mehr Überwachung, mehr Verfolgung, mehr Einschränkungen

In den 65 untersuchten Staaten haben 14 Regierungen neue Überwachungsgesetze erlassen, meist ohne Evaluierung bisheriger Maßnahmen. Andere Staaten haben währenddessen ihre bestehenden Überwachungsinstrumente aufgerüstet. Unter dem Vorwand der Bekämpfung von Terrorismus sind sowohl demokratische als auch autoritäre Staaten gegen die Möglichkeit der Verschlüsselung von persönlichen Daten und Informationen vorgegangen, und das obwohl Verschlüsselung gegen Zensur helfen kann. Die staatlichen Maßnahmen schaden aber weniger Terroristen als den eigenen Bürgern, deren Rechte auf Privatsphäre und Anonymität verletzt werden.

Vor allem die Veröffentlichung und das Teilen von Informationen stand im Fokus der staatlichen Ermittlungs- und Überwachungsbehörden. In 42 der 65 Ländern mussten private Unternehmen oder einzelne Nutzer auf Druck staatlicher Stellen den Zugang zu Inhalten begrenzen oder diese sogar löschen, wenn diese mit politischen, religiösen oder sozialen Themen zu tun hatten. Im Vorjahr kam dies nur in 37 Staaten vor. 40 Staaten verhafteten Menschen, die derartige Inhalte im Internet zugänglich machten.

Deutschland schneidet in dem Bericht sehr gut ab

Die Bundesrepublik Deutschland schneidet im weltweiten Vergleich sehr gut ab, denn weder wurden bestimmte Inhalte oder Medien geblockt bzw. gelöscht, noch wurden Blogger oder Nutzer inhaftiert. Dies zeugt von einer funktionierenden Demokratie in Deutschland, in der es aber auch stets Versuche gibt, die Freiheit im Internet einzuschränken und die staatliche Überwachung weiter auszubauen. Auch hierzulande gab es mehrere Besorgnis erregende Vorfälle.

Anfang 2014 wurde uns Netzpiloten aufgrund einer von Bundestagspräsident Norbert Lammert gestarteten Kampagne gegen Blogger der Zugang zum Bundestag verwehrt. Höhepunkt in diesem Jahr war der politisch motivierte Vorwurf des Landesverrats gegen zwei Berliner Aktivisten. In beiden Fällen scheiterten die Versuche gegen Vertreter einer neuen Medienwelt vorzugehen, die Versuche gab es aber. Mit der Vorratsdatenspeicherung, haben die Regierungsparteien CDU/CSU und SPD erst kürzlich ein neues Überwachungsgesetz initiiert.

Den Bericht über die Bundesrepublik Deutschland hat der Gründer und geschäftsführende Partner des unabhängigen Think Tank iRights.Lab, Philipp Otto, verfasst. Otto, der u.a. das Projekt „Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex?“ leitet und Herausgeber der jährlich erscheinenden Publikation „Das Netz – Jahresrückblick Netzpolitik“ ist, berichtet bereits seit mehreren Jahren für Freedom House zur Situation in Deutschland.

Deutsche Problemquellen: Urheberrecht und Geheimdienste

In seinem Bericht geht Philipp Otto auf verschiedene Aspekte ein. Den Zugang zum Internet schätzt er als sehr gut ein, auch wenn das Land im Vergleich mit anderen europäischen Staaten noch Aufholbedarf im Ausbau der Infrastruktur hat. Die Fusion der beiden Internetkommunikationsanbieter E-Plus und Telefónica schränkt seiner Meinung nach den Wettbewerb ein.

An sich ist der Zugang zu Inhalten in Deutschland frei möglich, jedoch kommt es durch strikte Auslegungen eines die digitalen Realitäten nicht beachtenden Urheberrechtsgesetzes immer wieder zur Einschränkungen der Informationsfreiheit. Das von den Presseverlagen initiierte Leistungsschutzrecht für Presseverleger und die unkoordinierte Umsetzung des nicht zu Ende gedachten „Recht auf Vergessen werden“-Urteil des Europäischen Gerichtshof, richten zurzeit weiteren Schaden an.

Die wohl größte Bedrohung der Freiheit in Deutschland stellen unkontrollierte Geheimdienste dar, die jegliche Gesetze missachtend mit dem US-amerikanischen Geheimdienst NSA zusammenarbeiten. Der dazu noch tagende Untersuchungsausschuss des Bundestags deckt stets neue Verletzungen des Grundgesetz auf und beweist den fehlenden Willen zur Aufklärung der Überwachung seitens der Bundesregierung. Wie gut unsere Demokratie wirklich funktioniert, wird man auch an der Arbeit und Wirkung dieses Ausschusses sehen können.


Image „Fight For Your Digital Rights“ by Sebaso (CC BY-SA 4.0)


Weiterlesen »

5 Lesetipps für den 9. Juli

In unseren Lesetipps geht es heute um das untote Leistungsschutzrecht, Framing, Sexismus in Anzeigen, Brustwarzen auf Instagram und was Twitter ist. Ergänzungen erwünscht.

  • LEISTUNGSSCHUTZRECHT Golem.de: CSU will Leistungsschutzrecht in EU-Reform schmuggeln: Eigentlich sollte man nicht mehr auf Artikel zum Thema Leistungsschutzrecht für Presseverlage (LSR) verlinken, aúch nicht auf die guten Beiträge von Friedhelm Greis, denn so kann eigentlich nur noch mehr Politikverdrossenheit entstehen. Wie sich CDU/CSU und Springer im Europaparlament dafür einsetzen, dass das hierzulande gescheiterte LSR auch auf europäischer Ebene Schaden anrichtet, ist nicht mehr zu verstehen. Geld verdienen tut Springer damit nicht, aber es tötet jegliche Innovation und mögliche Konkurrenz für das Medienhaus.

  • FRAMING Tagesschau.de: Verletzt ein Link das Urheberrecht? [Spoiler: Nein!]: Etwas reißerisch liest sich der Titel des Artikels von ARD-Rechtsredakteur Kolja Schwartz, denn ob Framing eine Urheberrechtsverletzung darstellt, hat der Europäische Gerichtshof schon im Oktober 2014 geklärt: Nein, tut es nicht. Dass der Fall jetzt vorm Bundesgerichtshof weiter verhandelt wird, liegt daran, dass die Klägerin behauptet, das rechtskonform von einem Wettbewerber eingebettete Video nie hochgeladen zu haben. Betrachtet man den Artikel aber im Ganzen, ist er zumindest sehr informtaiv, was das Thema Framing und Urheberrecht angeht.

  • BRUSTWARZEN Süddeutsche.de: Weibliche Brüste nicht erwünscht: Die Doppelstandards sozialer Netzwerke, wenn es um Nacktheit geht, sind wirklich unverständlich. In dem Artikel von Simon Hurtz über Brustwarzen auf Instagram und Facebook, wird das noch einmal deutlich. Der Fall der Schwedin Aline Nilsson, deren Foto erst nicht mehr gelöscht wurden, nachdem sie in ihrem Foto Brustwarzen von Männern über die eigenen gelegt hat oder der Fall der Komikerin Chelsea Handler, die das Foto des mit freiem Oberkörper reitenden Putin kopierte, belegen den Unsinn.

  • SEXISMUS Digital Trends: Google Ads Target Men More Than Women For High Pay Jobs: Auf Digital Trends berichtet Lulu Chang über eine Studie, die scheinbar die in der Arbeitswelt vorherrschende „Gender Gap“ auch in Googles Werbeanzeigen für gut bezahlten Stellen nachweist. Frauen bekommen demnach weniger Stellenanzeigen für hochbezahlte Arbeit angezeigt als Männer. Der Fehler liegt nicht bei Google, das nur die Realität unserer Gesellschaft und ihrer Arbeitswelt wiederspiegelt. Genauso wie eine Bildersuche nach dem Begriff „CEO“.

  • TWITTER The New York Times: „.@Twitter. Who Do You Think You Are?“: Wenn Nick Bilton nicht erklären kann, was Twitter ist, dann muss ich das wohl nicht. Er hat zumindest ein gar nicht so schlechtes Buch darüber geschrieben und als Journalist das Unternehmen in den letzten Jahren verfolgt wie kein anderer. In seinem Artikel für die New York Times wird aber eines auf der Suche nach der Definition deutlich. Twitter hat seit Jahren ein Problem, das es nicht gelöst bekommen: Was ist Twitter eigentlich? Das zu wissen, ist elementar für das Geschäft. Wie auch wiederum Twitter seit Jahren beweist.

CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

Nutze Netzpiloten 1-Klick: Mit nur einem Klick werden dir bequem alle 40 Sekunden die hier besprochenen Seiten „vorgeblättert“ START.

Weiterlesen »

5 Lesetipps für den 19. Juni

In unseren Lesetipps geht es heute um Skype, Sicherheitslücken bei Apple, Streaming per Hirnströme, das EU-Urheberrecht und Nokias Smartphone-Comeback . Ergänzungen erwünscht.

  • SKYPE SPIEGEL ONLINE: Skype Translator: Echtzeitübersetzer kann jetzt auch deutsch: In Zukunft können auch deutschsprachige Skype-Nutzer ihre Anrufe in Echtzeit in fremde Sprachen übersetzen lassen. Erforderlich ist dafür allerdings das Einverständnis der Nutzer zum anonymen Speichern der Gespräche. Bereits Ende 2014 hatte Microsoft das neue Angebot angekündigt und zugleich eine öffentliche Testphase begonnen. Per Blogeintrag wurde nun angekündigt, dass die Echtzeitübersetzung nun auch für deutschsprachige Anwender zur Verfügung steht.

  • APPLE t3n: Massive Sicherheitslücke bei Apple-Geräten: Passwörter von Mac- und iPhone-Nutzern in Gefahr: Sicherheitsforscher haben massive Sicherheitslücken bei Apple-Geräten entdeckt. Aufgrund dieser Lücken, soll es mithilfe manipulierter Apps möglich sein, Passwörter von Mac- und iOS-Nutzern zu stehlen. Apple soll über die nun öffentlich gemachten Schwachstellen bereits seit sechs Monaten Bescheid wissen. Einigen Forschern ist es mehrfach gelungen, mit sogenannter Zero-Day-Attacken Sicherheitsmaßnahmen zu umgehen und sich Zugriff auf Passwörter sowie Zugangsdaten zu iCloud, E-Mail- und Bankkonten zu verschaffen.

  • BBC heise online: BBC: Streaming-App über Hirnströme bedienen: Der britische Fernsehsender BBC hat nun den Prototypen eines Headsets vorgestellt, mit dessen Hilfe die Nutzer durch Hirnströme ihre Eingaben machen können.Über Elektroenzephalografie (EEG), misst das Headset die Ströme des Nutzerhirns. Bedienen lässt sich damit bislang eine experimentelle App für den BBC-Streamingdienst iPlayer. Bei der App werden den Nutzern die fünf derzeit beliebtesten Sendungen gezeigt, welche jeweils im 10-Sekunden-Takt hervorgehoben werden. Der Nutzer muss sich daraufhin auf das hervorgehobene Programm konzentrieren, damit dieses abgespielt wird. Dazu registrieren kleine Sensoren an Stirn und Ohr einen Schwellenwert bei den Hirnwellen, wodurch der Abspielvorgang startet.

  • URHEBERRECHT Golem.de: EU-Urheberrecht: Wikipedia fürchtet Abschaffung der Panoramafreiheit: Am Dienstag hat der Rechtsausschuss des Europäischen Parlaments einen Entwurf für eine Evaluation der EU-Urheberrechtsrichtlinie beschlossen. Darin finden sich etwa eine Absage an das sogenannte Geoblocking und ein Bekenntnis zum Reformbedarf des Urheberrechts. Von Netzaktivisten werden große Teile des Berichts positiv angenommen. Allerdings sorgt sich Wikipedia um eine faktische Abschaffung der sogenannten Panoramafreiheit, die zur Zeit in den EU-Ländern unterschiedlich geregelt ist.

  • NOKIA t3n: Angriff auf Microsoft: Nokia bestätigt Smartphone-Comeback für 2016: Das finnische Unternehmen Nokia, möchte nach dem Verkauf an Microsoft wieder zurück an alte Erfolgszeiten anknüpfen. Nokia plant, ab 2016 wieder Smartphones zu entwickeln, den Vertrieb soll ein Partner übernehmen. Mit dem Verkauf der Handy-Sparte an Microsoft in 2013, verpflichtete sich das Unternehmen, dem Markt bis zur zweiten Jahreshälfte 2016 fernzubleiben. Nun bestätigte der CEO Rajeev Suri, dass Nokia nach Ablauf der Frist tatsächlich wieder in das Mobile Devices-Segment einsteigen wird. Der Geschäftsführer plant, die Geräte nur zu entwerfen und den Vertrieb an einen Partner abzugeben und den Markennamen über eine Lizenz zur Verfügung zu stellen.

CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

Nutze Netzpiloten 1-Klick: Mit nur einem Klick werden dir bequem alle 40 Sekunden die hier besprochenen Seiten „vorgeblättert“ START.

Weiterlesen »

Kommt jetzt endlich der europäische digitale Binnenmarkt?

Europäische Union (Image by geralt [CC0 Public Domain], via Pixabay)

Die Europäische Kommission hat ihre Digitalstrategie für einen digitalen Binnenmarkt vorgestellt – überzeugen tut sie allerdings nicht. Geoblocking, Datenschutz, Urheberrecht. Dies sind nur einige digitale Themen, die die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union aktuell beschäftigen. Um auch endlich im digitalen Bereich einen europäischen Binnenmarkt umzusetzen, hat die Europäische Kommission nun ihre lang erwartete Digitalstrategie vorgestellt. Eine Übersicht über die geplanten Initiativen.

Der Europäische Binnenmarkt garantiert den Mitgliedsstaaten und ihren BürgerInnen den freien Verkehr von Waren, Dienstleistungen, Kapital und Personen. Ausgenommen davon war bisher die Digitalwirtschaft. EU-Digitalkommissar Günther Oettinger hat schon länger die Einführung eines „Europäischen Digitalen Binnenmarktes“ gefordert. Die Umsetzung dieser Forderung scheint nun mit der lang erwarteten Strategie der EU-Kommission zu erfolgen, die der Kommissar gestern gemeinsam mit dem Kommissions-Vizepräsidenten und -Kollegen Andrus Ansip in Brüssel vorgestellt hat.

Ambitionierte Ziele: Reform des Urheberrechts, Verbraucherschutzes und Geoblockings

Ziel der Strategie ist ein europaweit einheitlicher Markt ohne Schranken. Dies sollen 16 Initiativen ermöglichen, die bis Ende 2016 angestoßen werden sollen. Ein Schwerpunkt des vorgestellten Papiers bildet das Urheberrecht. Es soll bis Ende 2015 so harmonisiert werden, dass legal erworbene digitale Daten europaweit genutzt werden können. Auch das umstrittene Geoblocking, einer der Gründe für die bislang schwierige Reformierung des Urheberrechts, hat Einzug in das Strategiepapier gefunden. Beim Geoblocking handelt es sich um länderspezifische Inhaltssperren im Internet: So können etwa Videos oder Musik aus Lizenzgründen in anderen EU-Staaten nicht angeboten werden. Über dessen Abschaffung hatten sich die beiden Kommissare Ansip und Oettinger zuvor noch heftig gestritten. Nun wolle man nur noch gegen „ungerechtfertigtes“ Geoblocking vorgehen. Dies sei nicht nur häufig beim Urheberrecht anzutreffen, sondern auch beim E-Commerce.

Die Onlinewirtschaft soll durch eine europaweite Angleichung des Verbraucherschutzes unterstützt werden. Unterschiedliche Regeln in den einzelnen EU-Ländern gelten als ein Haupthindernis für den internationalen Onlinehandel. Darüber hinaus wolle man die Datenschutzrichtlinien kritisch begutachten und bis Ende 2015 an das Zeitgeschehen anpassen. Konkrete Maßnahmen werden jedoch nicht genannt. Weiterhin soll eine Reform der Telekommunikationsvorschriften mit Blick auf die Frequenzzuteilung vorangetrieben und ein zeitgemäßer Rechtsrahmen für audiovisuelle Medien gestaltet werden. Dies kann als Kampfansage der Kommission an die großen Internetplattformen wie Google und Facebook gewertet werden. Denn man wolle die Rolle von Suchmaschinen und sozialen Medien im Markt kritisch beobachten und analysieren, ob deren Praxis von geltendem Wettbewerbsrecht gedeckt sei.

Weitere Vorstöße drängen auf mehr Cybersicherheit und den verstärkten Kampf gegen illegale Inhalte im Internet, andere auf die Bestrebungen, das E-Government mit einem neuen Aktionsplan voranzubringen. Auch die Bereiche E-Health und Umwelt sollen unter digitalen Aspekten weiterentwickelt werden. In diesen Punkten bleibt das Initiativenpapier jedoch sehr vage. Bisher gibt es dafür lediglich die Ankündigung. Auch wie man eine Reform des Urheberrechts, die zuvor bereits mehrmals gescheitert ist, umsetzen möchte, geht aus dem Strategiepapier nicht hervor.

Kritik: Zu schwamming formuliert und kein Wort zur Massenüberwachung

Kritik gibt es deshalb bereits aus Politik und Gesellschaft. Die Bürgerrechtsorganisation European Digital Rights (EDRi) beispielsweise kritisierte, dass von den großen Ankündigungen wenig übrig geblieben sei und es einige ernsthafte Bedenken gebe. Unmutsäußerungen gibt es auch aus dem Europaparlament. So hält Julia Reda, Abgeordnete der Piratenpartei, das Urheberrecht für vollkommen veraltet, auch gehen ihr die vorgelegten Initiativen nicht weit genug. Beim Geoblocking seien nur bezahlte Dienste ins Visier genommen worden. Kostenlose Dienste wie YouTube würden gar nicht berücksichtigt. Weitere Kritik gibt es dafür, dass im gesamten Dokument kein einziges Mal auf die digitale Massenüberwachung von Geheimdiensten wie der NSA oder dem BND eingegangen wird.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Politik-Digital.de und steht unter CC BY-SA 3.0.


Teaser & Image „Europäische Union“ (adapted) by geralt (CC0 Public Domain)


Weiterlesen »

10 Jahre YouTube: Wie Google die Videoplattform gerettet hat

Youtube (adapted) (Image by Esther Vargas [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Vor wenigen Tagen feierte die Videoplattform YouTube ihr zehnjähriges Jubiläum. Sie ist heute nach Google.com und Facebook die #3-Website im Internet und die mit Abstand bekannteste Plattform für Videos aller Art. Doch dieser Erfolg war am Anfang nicht abzusehen – hohe Kosten für Bandbreite und Server, sowie eine Welle von Klagen wegen Urheberrechtserletzungen, ließen ein schnelles Aus für das junge Unternehmen vermuten. Doch dann kam Google und hat mit einer als verrückt angesehenen Übernahme das Blatt gewendet und YouTube gerettet.

Erste Schritte und Probleme

Bevor am 24. Februar 2005 das erste Video auf YouTube hochgeladen wurde, war Video im Internet, gelinde gesagt, eine Zumutung. Es gab drei große, proprietäre Videoformate für den Real Player, Apples QuickTime und den Windows Media Player – ein Website-Betreiber musste also für eine möglichst große Reichweite eines Videos dieses nicht nur in drei verschiedenen Formaten anbieten, sondern möglichst auch für verschiedene Bandbreiten Versionen in verschiedenen Auflösungen und somit Dateigrößen anbieten. Zudem war Streaming noch ein Fremdwort, man musste die Videodatei also immer erst herunterladen, um sie ansehen zu können. Flash hat die Sache durch einen etwas verlässlicheren Web-Player ein wenig erleichtert, der Website-Betreiber musste die Dateien aber immer noch selber hosten und sich um die Einbindung des Players kümmern. Von den Sicherheitsproblemen, die der Flash-Player mit sich brachte mal ganz zu Schweigen. All diese Probleme wollten drei ehemalige PayPal-Mitarbeiter auf einen Schlag mit ihrer neuen Plattform lösen und gründeten im Februar 2005 YouTube.

Nur gut zwei Monate später hat einer der drei Betreiber, Jawed Karim, das erste Video „Me at the Zoo“ auf die damals noch nicht öffentliche Plattform hochgeladen. Nachdem YouTube im Mai 2005 für die Öffentlichkeit zugängig gemacht wurde, entwickelte sich die Seite schnell zum Erfolg. 2006 war die Seite mit 20 Millionen Besuchern pro Monat bereits zur am schnellsten wachsenden Website aufgestiegen und die ersten Hits, wie etwa „Evolution of Dance„, bildeten sich heraus.

Mit dem Erfolg kamen allerdings auch die Probleme, vornehmlich in Form von Urheberrechtsverletzungen, auf das junge Unternehmen zu. Der US-amerikanische Fernsehsender NBC hat im Februar 2006 als erster die Entfernung eines illegal hochgeladenen Clips gefordert. Dieses Feld gehörte schnell, neben Video-Bloggern und Hobby-Filmemachern, zum beliebtesten Bereich – Nutzer haben massenhaft komplette Kinofilme, ganze Staffeln von TV-Serien und Musikvideos bei YouTube hochgeladen, die eigentlich durch das Urheberrecht geschützt waren. YouTube hat schnell nachgegeben und den entsprechenden Clip auf Drängen von NBC entfernt. Zu diesem Zeitpunkt war YouTube so sehr damit beschäftigt, mit dem rasanten Wachstum der Seite Schritt zu halten, dass kaum Zeit blieb, sich um die gleichermaßen stark wachsenden Piracy-Probleme zu kümmern.

Ein kleiner Vorstoß war ein eingeführtes 10-Minuten-Limit für hochgeladene Videos, das erwartungsgemäß wenig Erfolg hatte, da längere Videos schlicht in 10-Minuten-Häppchen unterteilt wurden. Ein im September 2006 abgeschlossener Deal mit der Warner Music Group konnte das Majorlabel zwar durch die Zahlung eines Anteils der Werbeeinnahmen aus den wenigen unaufdringlichen Werbeanzeigen pro Seite beruhigen, was allerdings zwei neue Probleme nach sich zog. Zum einen ist ein zufriedenes Majorlabel nur ein klitzekleiner Erfolg und lässt noch unzählige unzufriedene Plattenfirmen, Fernsehsender und Filmstudios zurück und zum anderen fehlt YouTube das an Warner gezahlte Geld am Ende des Monats, um die steigenden Rechnungen zu begleichen. Das Unternehmen hat zwar 11,5 Millionen US-Dollar Risikokapital sammeln können, die Bandbreite von täglich 200 Terabyte hat allerdings geschätzt monatlich 2 Millionen US-Dollar verschlungen. Diese Umstände sorgten dafür dass YouTube mit Kazaa und Napster verglichen wurde. YouTube sei kein richtiges Unternehmen und laut Marc Cuban würde nur ein Schwachsinniger YouTube kaufen.

Google ex machina

Hätte Cuban gewusst, dass nur wenige Tage nach seiner Aussage, genau am 9. Oktober 2006, Google das anderthalb Jahre alte Unternehmen für 1,65 Milliarden US-Dollar kauft, hätte er seinen Mund sicher nicht so voll genommen. Googles bis heute teuerste Übernahme brachte dem Konzern aus Mountain View eine Website ein, deren Betrieb kostspielig war, kein richtiges Geschäftsmodell besaß und zudem noch viele potenzielle Gerichtsverfahren wegen Urheberrechtsverletzungen vor sich hat. Google hatte aber einen lang angelegten Plan, diese Probleme aus der Welt zu schaffen. Zunächst kam YouTube das Infrastruktur-Know-How zugute, welches Google mit großen Diensten wie der eigenen Suche, Gmail, Google Maps sowie Adsense/Adwords bereits sammeln konnte, wodurch die Kosten gesenkt wurden. Googles Erfahrungen mit Online-Werbung konnten zudem die Einnahmen für YouTube deutlich steigern. Blieben nur noch die potenziellen Rechtsstreitigkeiten, für die Google aber auch schon eine Lösung in der Hinterhand hatte: Content ID, ein System, bei dem Copyright-Inhaber ihre eigenen Inhalte hochladen konnten und das dann illegale Kopien herausfiltert und entfernt. Auch wenn das System weitestgehend funktioniert, konnte es doch nicht alle Gegner beruhigen und so wurde Google 2007 von Viacom auf eine Milliarde US-Dollar verklagt. Der Rechtsstreit zog sich über mehrere Jahre hin und nachdem Google mehr Erfolge erzielte als Viacom, einigten sich beide Unternehmen im vergangenen Jahr auf einen Vergleich.

Auf der nächsten Baustelle versuchte Google aus YouTube ein profitables Unternehmen zu machen und führt neben den Adwords-Anzeigen auch Preroll-Werbung ein – also Clips, die vor das eigentliche Video geschaltet werden. Diese Clips werden von mehr Besuchern gesehen und erzeugen somit auch deutlich mehr Umsatz. Diesen gibt Google aber zum Teil auch an die Content-Ersteller weiter, so dass sich einige Video-Produzenten sogar ihren Lebensunterhalt mit ihren YouTube-Chanels finanzieren können – die Geburtsstunde der YouTube-Stars. Aber die Einnahmen sind nur ein wichtiger Teil der Bilanz, die Ausgaben der andere. Und diese waren aufgrund der massiven Server-Kapazitäten sehr hoch. Hier konnte Google mit vielen Innovationen der eigenen Datencenter-Strukturen und den Ankauf von gewaltigen Glasfaser-Leitungen, die Ausgaben von geschätzten zwei Millionen auf 666.000 US-Dollar senken. Um die gewaltige Bandbreite aber weiter zu schonen und auch die Nutzer mit einem besseren Videoerlebnis zu Versorgen, hat Google viel Entwicklungskraft in neue offene Video-Codec-Standards wie V8 oder V9 gesteckt, die durch optimierte Kompressionsalgorithmen bessere Qualität bei gleicher Bandbreite bieten. Außerdem wurde die Seite inzwischen komplett von Flash auf HTML5 umgestellt, um sie verlässlicher und sicherer zu machen.

All diese Bemühungen wurden über die vergangenen Jahre langsam aber sicher ausgebaut, um so nicht nur die Vormachtstellung von YouTube im Videobereich sicherzustellen, sondern das Unternehmen auch profitabel zu machen. Letzteres ist bisher noch nicht gelungen – wie das Wall Street Journal berichtet, schreibt YouTube, trotz des massiven Wachstums mit einer Milliarde Besuchern im Monat, immer noch keine schwarze Zahlen. Mit Abo-Angeboten wie Music Key oder einem Streaming-Service mit Fokus auf Gaming will man dieses Problem zwar aus der Welt räumen, aber dieses Vorhaben wird nicht einfach, denn die Konkurrenz schläft nicht.

Derzeit bauen Facebook und Twitter die eigenen Video-Angebote gewaltig aus und sind in der Lage, YouTube damit durchaus das Wasser abzugraben. Auch Yahoo plant fleißig an einem Konkurrenten für die Videoplattform. YouTube blickt nach den ersten zehn Jahren also bereits auf eine bewegte Vergangenheit zurück, die vor dem Dienst liegende Zukunft wird sicherlich kein Spaziergang.


Image (adapted) „Youtube“ by Esther Vargas (CC BY-SA 2.0)


Weiterlesen »

Cavada will freien Umgang mit Links bremsen

Jean-Marie Cavada (adapted) (Image by ActuaLitté [CC BY-SA 2.0] via Flickr

“Wir haben schon genug Inhalte im Internet!”, “Lasst uns Links versteuern!” Genau das ist die Meinung von Jean-Marie Cavada, Mitlgied des EU-Parlaments.Bei OpenMedia kämpfen wir für ein freies und offenes Internet, und können dabei oft würdigen Kritikern standhalten. Dabei handelt es sich um Abgeordnete, wirtschaftliche Vertreter oder Lobbyisten. Trotzdem gibt es immer diejenigen, die sich komplett sträuben, während wir daran arbeiten, die Welt für ein vernetztes, digitales Zeitalter bereit zu machen.

Deshalb war es keine Überraschung, als wir auf einen neuen Gegner unserer Arbeit zu Save the Link gestoßen sind. Jean-Marie Cavada ist französisches Mitglied des Europäischen Parlaments (MEP) vom Bündnis der Liberalen und Demokraten Europas und außerdem der Vizevorsitzende des Rechtsausschusses im Europäischen Parlament, das bald über den Urheberrechts-Harmonisierungsbericht von MEP Julia Reda abstimmt.

‘Urheberrechts-Harmonisierung’? Was soll das sein? Redas Bericht schlägt viele notwendige Erneuerungen für die bestehende Urheberrechts-Ordnung der EU vor. Denn die bestehende Verordnung wurde für das Zeitungs- und Bibliothekszeitalter, aber nicht für eine digitalisierte Gesellschaft erstellt.

Diesen Herbst wird das europäische Urheberrecht überprüft, zuvor legt Reda den Bericht vor. Anstatt Regulierungen für die einzelnen Länder zu haben und Verwirrung bei Urhebern und Nutzern hervorzurufen, hat der Bericht das Ziel, für die gesamte Region gültig zu sein.

Und was hat Cavada nun damit zu tun?

Es gab ausreichlich Zeit für andere MEPs Änderungsvorschläge für den Bericht einzubringen. Nach der Veröffentlichung eines ersten Entwurfs, wurden mehr als 500 Änderungen vorgeschlagen. Diese Vorschläge und der aktualisierte Bericht stehen am Dienstag, 16. Juni 2015 zur Wahl. Mehr als 90 dieser Änderungen wurden von einer Person vorgeschlagen: Jean-Marie Cavada. Ein Einblick in seine Vorschläge:

AM 401 – Manchmal ist ein Link mehr als nur ein Link: Das stellt wohl den bedenklichsten Vorschlag dar, den Cavada brachte. Der Entwurf räumt explizit ein, dass “die Möglichkeit der Verlinkung von einer Quelle zu einer anderen eines der fundamentalen Bausteine des Internets ist; Hyperlinks unterliegen keinen exklusiven Rechten.” Einfacher gesagt, Verlinkungen unterliegen dem Urheberrecht. Das ist ein entscheidender Punkt und einer der zentralen Probleme, die das Save the Link – Netzwerk bekämpfen will. Ohne das Recht, frei von einer Quelle zur anderen zu verlinken, wird das Internet zu einem zersplitterten, unverbundenen Raum.

Was sagt Cavada dazu? Er argumentierte nicht, dass ein Link per se kritisch für die Struktur und Funktionalität des Internets sei. Er hat folgende Änderung vorgeschlagen: “in manchen Fällen kann der Link und seine Einbindung als Kommunikation zu einer neuen Öffentlichkeit gesehen werden, kraft dieser Tatsache fällt er unter das Urheberrecht.” Das lässt uns keine Freiheiten bei Verlinkungen.

AM 490 – Lasst uns Links versteuern: Redas Bericht lehnt “gesetzlich festgelegte Lizenzen” beim Urheberrecht, auch genannt “Leistungsschutzrecht” deutlich ab. Nachrichtenmedien könnten damit eine Gebühr erheben, wenn andere Webseiten Textbausteine, so genannte Snippets, mit dem Text des jeweiligen Nachrichtenmediums verlinken. Hier bei OpenMedia nennen wir das die “Linksteuer”.

Die Einführung des Leistungsschutzrechtes in Deutschland hat gezeigt, dass das besonders schädlich ist. Dort haben viele Verlage und Medien die Gebühr nicht erhoben, damit ihre Inhalte weiterhin an möglichst vielen Stellen veröffentlicht werden können. In Spanien hat Google News seinen Betrieb komplett eingestellt, um nicht dem Pay-per-Link Plan zu unterliegen. Doch trotz des Versagens des Leistungsschutzrechtes arbeitet Österreich daran, ein ähnliches, vielleicht sogar noch restriktiveres System einzuführen.

Der Bericht von Reda möchte das stoppen, und sieht vor, EU-Ländern solche Gesetzestypen zu verbieten. Cavadas Einwand? Den Vorschlag komplett zu löschen und die Linksteuer voranzubringen.

AM 110 – Urheberrechte beeinflussen die Menschenrechte nicht: Redas Entwurf des Berichts sagt, dass  “Entscheidungen über technische Standards einen entscheidenden Einfluss auf die Menschenrechte haben – darunter das Recht auf Meinungsfreiheit, Schutz der personenbezogenen Daten und Nutzersicherheit – und außerdem den Zugang zu Inhalten.” Jedoch stimmt Cavada dem nicht zu. Er hat zwei Änderungen vorangetrieben, die diesen Punkt des Berichts komplett löschen würden.

AM 126 – Vermittler im Internet verdrängen die Urheber: Cavada denkt, dass ‘Internet-Vermittler’ – auch bekannt als ihre Lieblings-Webseiten – Urheber verdrängen. Das stimmt, zum Beispiel bei Facebook, Google, reddit, SoundCloud, etc. Darum sein Vorschlag: “Wir müssen den Wettbewerbsvorteil und die steigende Macht einiger Internet-Vermittler berücksichtigen, sowie den negativen Einfluss dieser Situation auf das kreative Potenzial der Autoren und der Entwicklung von Dienstleistungen, die von anderen Anbieter von kreativen Arbeiten angeboten werden.”

AM 147 – Wen kümmern die Internet-Nutzer? Redas Entwurf ging eine öffentliche Befragung der EU zu Urheberrechtsfragen bei Nutzern voran. Anstatt jedoch das beispiellose Interesse für dieses Thema anzuerkennen, kehrt es Cavada unter den Teppich. Darum hat er mit anderen MEPs auch an einem Vorschlag gearbeitet, der den Wortlaut “großes Interesse der Zivilgesellschaft mit mehr als 9500 Antworten, 58.7 Prozent davon von Endnutzern” löschen und mit dem vagen Ausdruck “alle relevanten Stakeholder” ersetzen möchte.

AM 156 – Hört auf euch zu beschweren, wir haben schon genug Inhalte im Internet: Passend zu den Zielen des Berichts, nimmt der Text auch Bezug auf Schwierigkeiten beim länderübergreifenden Zugang zu Inhalten. Cavada ist das egal. Er nimmt diese Aussage, kehrt sie um und “stellt mit Interesse fest, dass eine steigende Menge an Inhalten bereits seit der Einführung der Direktive 2001/29/EC verfügbar sind.” Im Grunde sagt er: Ihr habt mehr Inhalte als jemals zuvor, also hört auf, euch zu beschweren.

Hier könnte man weitermachen, aber das machen wir nicht. Mit über 90 Vorschlägen, an denen Cavada mitgewirkt hat, würde dieser Text viel zu lange weitergehen. Aber falls sie besonders interessiert sind, können sie die komplette Liste seiner Einwände hier nachlesen.

Es ist deutlich, dass seine Vorschläge nicht im Interesse von Internetznutzern sind. Zwei davon attackieren ganz konkret unser Recht auf Hyperlinks. Das ist nicht tragbar.

Hier können sie sich einbringen: Sagen sie Cavada heute, dass sie und andere Nutzer weltweit erwarten, dass das Recht zu verlinken geschützt bleibt. Wir bleiben weiter wachsam, und schreiten im richtigen Moment ein, um genau das zu bewahren.

Update: Der Rechtsausschuss des Europäischen Parlaments stimmte mit 23 zu zwei Stimmen für einen Bericht von Julia Reda, die Gegenstimmen kamen von dem französischen Front National, für die Abgeordnete ein „perfektes Ergebnis“. Der Ausschuss kehrte dem Presse-Leistungsschutzrecht den Rücken zu und bestimmte Formen des Geoblockings. Die Forderung von Panoramafreiheit muss erneut abgestimmt werden, wofür noch bis zum 9. Juli Zeit ist. Danach wird sich das EU-Parlament mit dem Bericht befassen um dann darüber abzustimmen und zu debattieren.

Dieser Artikel erschien zuerst auf OpenMedia. Übersetzung von Janina Gera.


Image (adapted) „Jean-Marie Cavada“ by ActuaLitté (CC BY-SA 2.0)


 

Weiterlesen »

Journalisten sollten keine Rechte auf privaten Plattformen verlieren

TechCrunch Disrupt Europe. Berlin 2013 (Day 2) (adapted) (Image by TechCrunch [CC BY 2.0] via Flickr)

Der Umschwung zu Distributed Content bedeutet auch, dass Konzepte wie Fair Use in den Händen der Privatunternehmen wie Soundcloud liegen. Das ist ein Weckruf an alle Urheber von Audio-Material weltweit: Soundcloud erkennt eure Nutzungsrechte unter US-Urheberrechtsgesetzgebung nicht an. Wenn euer Content irgendwelches Material enthält, bei dem ihr die Rechte nicht habt, selbst wenn ihr gültige Nutzungsrechte besitzt, kann es passieren, dass Soundcloud diese jederzeit entfernen kann.

Genau das ist einem meiner früheren Studenten passiert. Seine Erlebnisse sollen als eine Warnung an die wachsende Anzahl von Nachrichtenorganisationen (genau wie die, mit der ich zusammenarbeite) dienen, die Soundcloud nutzen, um Podcasts und andere Audiocontent zu hosten.

Journalismus, wie wir ihn kennen, könnte ohne angemessene Verwendung nicht existieren, also kann es durchaus sein, dass Soundcloud kein lebensfähiges Konzept in diesem Bereich ist. Man stelle sich einen Artikel über den „Blurred Lines“-Rechtsstreit vor, ohne dass man die urheberrechtlich geschützlen Clips der Songs abspielen darf, um die es geht.

Letztes Jahr um diese Zeit war Patrick Hobbs Teil eines Kurses über Audioproduktion, den ich an der Mercer University gebe. Als Abschlussarbeit bereitete er ein Radiostück über einen Teil der australischen Geschichte vor, der auch als Großer Emu-Krieg bekannt ist. Dabei handelte es sich um eine etwas absurde Mission, bei der australische Soldaten eine Herde Emus, die eine Weizenernte vernichten wollten, mit Maschinengewehren dezimierten.

Hobbs hat eine tolle Präsentation mit vielen verschiedenen Geräuschen vorbereitet, abgesehen davon ist die Geschichte, die er erzählte, bereits über 80 Jahre her. Er integrierte viele coole nicht-diegetische Soundeffekte im Radiolab-Stil, und er nutzte ein paar Musikstücke, um seine Übergänge runder zu gestalten. Hier waren auch 25 Sekunden von „Pumped Up Kicks“ von Foster The People enthalten. Der Song enthält die Zeile: „All the other kids with the pumped up kicks, you’d better run, better run, outrun my gun.

Ich denke, Hobbs‘ Nutzung dieses Songs kann als ‚umgestaltend‘ gelten, was als eines der vielen angemessenen Verwendungen des US-Urherberrechts gelten kann. (Wenn Sie nicht sicher sind, was als ‚angemessene Verwendung/Fair Use‘ gilt, erkläre ich es hier noch einmal genauer zusammen mit Patricia Aufderheide von der American University.) Es kann natürlich sein, dass ich falsch liege, aber dieses Argument sollte man zumindest in Betracht ziehen.

Statt den Song zu spielen, weil er einfach gut ist und die Leute ihn gerne hören, hat Hobbs die Bedeutung des Liedes verändert und ihn in einem neuen Kontext verortet. Es geht nicht mehr um ein Schulmassaker, sondern um eine Schiesserei auf Emus, und er hat auch nur ein paar Sekunden des Liedes benutzt – genug, um seine Perspektive zu vemitteln. Ich bat Hobbs, sein Projekt bei Soundcloud einzustellen. Die Datei war dort ein Jahr lang problemlos erreichbar. Vor ein paar Wochen war sie aber – puff – ganz plötzlich verschwunden. Soundcloud schickte Hobbs eine Nachricht, in der stand, dass sie den Song von Foster The People entdeckt hatten, und wenn er die Rechte besitzen würde, könne er gern eine Klage einreichen. Bis dahin wäre die Datei auf Soundcloud aber gesperrt.

Mir kommt das ziemlich rückständig vor, dass ich meine ‚Unschuld‘ beweisen muss, statt dass sie es andersrum angehen„, schrieb Hobbs in einer Facebooknachricht an mich und bat mich um Hilfe.

Und tatsächlich, währen der Digital Millennium Copyright Act festlegt, dass die Besitzer des Urheberrecht eine Entfernung veranlassen können, wenn sie glauben, es habe eine Verletzung stattgefunden (und die involvierten Parteien eine Möglichkeit hatten, darauf zu reagieren, bevor irgend etwas geschieht), kann ein Drittanbieter wie Soundcloud den Inhalt, den er für den Nutzer hostet, selbst entfernen.

Ich half Hobbs dabei, einen Antwort zu formulieren, die seine Nutzung begründen sollte, und er reichte Klage gegen Soundcloud ein. Ein paar Tage später ereichte ihn wieder eine Nachricht: die Klage wurde abgelehnt. „Es wurde nicht mal begründet, sondern sozusagen nur das textliche Äquivalent zu einem großen roten Stempel rausgeschickt„, schrieb er mir.

Dieser Fall mag zunächst trivial wirken. Die Freiheit der Medien, den Mächtigen mal die Meinung zu geigen, beruht nicht auf der Fähigkeit eines einzelnen College-Studenten, der einen Indiepopsong in seinem Radiostück nutzt. Oder vielleicht doch. Wenn wir nicht in Situationen wie dieser für unsere angemessenen Vewendungsrechte aufstehen, kann es gut sein, dass wir unsere Rechte auch nicht wahrnehmen können, wenn es um etwas Ernsteres geht.

Also wurde ich angriffslustig und intervenierte auf Bitte von Hobbs. Ich schickte eine Mitteilung an Soundcloud und verlangte eine Erklärung. Außerdem teile ich ihnen mit, dass ich über den Fall schreiben wollte.

Wir erhielten eine Antwort vom Soundcloud Copyrights Team, in der erklärt wurde, dass das alles angefangen hat, als Sony (die den Foster The People-Song in den USA vertreiben) die Musik in Hobbs Stück entdeckt und eine Beschwerde an Soundcloud geschickt hatte. Ich schätze, Sony hat dafür extra Bots programmiert, die das Internet nach ihren Inhalten duchkämmen.

Hier ist die Schlüsselaussage aus der Email von Soundcloud:

Wir verstehen, dass das US-Urheberrechtsgesetz eine Doktrin über Faire Use beinhaltet. Dennoch sind diese Regeln begrenzt, zudem ist die Anbringung außerhalb des Gerichts schwierig anzuwenden und gilt nicht notwendigerweise auch außerhalb der USA. Da Soundcloud eine weltweite Plattform ist, erwarten wir von allen unseren Mitgliedern und Urhebern von Audiomaterial, dass sie die Urheberrechte weltweit respektieren, außerdem die Rechte der Besitzer.

Dann bedeutet das also, nur weil die angemessene Verwendung nicht überall gilt, wird Soundcloud sie nirgendwo anerkennen. „Das bedeutet, dass quasi jedes Land das komplette System entfernen lassen kann,“ sagt Hobbs.

Ein paar Möglichkeiten gibt es jedoch für Unternehmen wie Soundcloud und Konsorten, um dieses Problem zu umgehen. Hobbs hat beispielsweise ein großartiges Mashup von „Thriller“ und „Uptown Funk“ auf YouTube gestellt. Als dort festgestellt wurde, dass Hobbs außer den Hinweis auf die angemessene Verwendung keine Hinweis auf das Quellenmaterial gegeben hatte, wurde das Video geblockt, allerdings nur in Deutschland, wie er sagt.

Und ja, YouTube ist Teil von Google, dem gigantischen Weltkonzern. Soundcloud ist dagegen nur eine kleine europäische Firma. Eventuell haben sie hier gar nicht die Kapazität, die Inhalte Land für Land zu blockieren.

Auch wenn man sich nur innerhalb der USA umschaut, ist die angemessene Verwendung eine komplizierte Angelegenheit. Im Grunde sagt Soundcloud selbst: „Wir haben keine Kapazität, um uns in den Grauzonen des Urheberrechts heumzutreiben. Es kann sein, dass Sie alles zu Recht tun, aber wir wissen es nicht genau, wir haben keine Zeit, das zu verifizieren, und wir können nichts riskieren, also muss der Content von der Seite verschwinden. Sie müssen nicht gehen, aber hierbleiben geht auch nicht.

Ich verstehe. Ich kann es wirklich nachvollziehen. Ich bin schon lange Fan und Nutzer von Soundcloud. Aber mir bereitet das trotzdem Sorge.

In den letzten Jahren wurde viel darüber geredet, wie das Internet, und hier besonders die Sozialen Medien, als neue öffentliche Plätze genutzt werden, mit Hilfe derer wir unser Recht auf Meinungsäußerung ausüben können. Und trotzdem sind diese Plätze nicht öffentlich. Wenn man Content bei Facebook, Instagram, YouTube oder Soundcloud postet, befindet man sich auf privatem Grund und Boden. Der Besitzer kann jederzeit herauskommen und einen wegschicken.

Wir übergeben unsere Rechte des ersten US-Verfassungszusatzes immer öfter in die Hände von Privatfirmen. Das erschreckt mich mehr als alles andere an dem neuen Angebotskatalog, den Facebook mit Nachrichtenorganisationen abgeschlossen hat, bei dem Artikel der New York Times und anderen Zeitungen innnerhalb von Facebook verwaltet werden, anstatt einfach vom Facebook Newsfeed auf NYTimes.com zu verlinken. Wir müssen uns ein paar grundlegende Fragen darüber stellen, wie wir unsere Rechte in dieser neuen Umgebung handhaben wollen.

Fürs erste glaube ich, es wird eine sehr plötzliche Einleitungsphase geben, bei der man achtsam sein muss. Das bedeutet, wenn man seine Podcasts bei Soundcloud hostet, dass man aufpassen muss, welche man dort hochlädt. Auch wenn man ein gültiges Nutzungsrecht hat, muss das nicht unbedingt gültig sein, und eines Tages – puff – die Show schlicht verschwunden sein.

Meine Nachricht an Soundcloud: Wenn ihr mit Journalisten zusammenarbeiten wollt, müsst ihr einen Weg finden, uns dabei zu helfen, unsere angemessenen Nutzungsrechte anzuwenden. Ansonsten ist eure Plattform für uns nicht mehr zu gebrauchen.

Zuerst erschienen auf niemanlab.org. Übersetzung von Anne Jerratsch.


Image (adapted) „TechCrunch Disrupt Europe: Berlin 2013 (Day 2)“ by TechCrunch (CC BY 2.0)


Weiterlesen »

5 Lesetipps für den 20. April

In unseren Lesetipps geht es heute um das Urheberrecht, Tim Renner im Interview, E-Books, Blogging gegen Islamismus und das Bundesverfassungsgericht. Ergänzungen erwünscht.

  • URHEBERRECHT Priceonomics: Who Owns the Copyright to „Happy Birthday“?: Ich hatte diesen Monat Geburtstag und das englische Lied „Happy Birthday“ war wiederum ein Teil dieses Tages. Namen nenne ich jetzt nicht, denn es könnte Abmahnungen von Warner Music für die zum Teil öffentlichen Aufführungen hageln. Für das über 150 Jahre late Lied wurden schon öfters die Schutzfristen verlängert, denn es bringt immer noch viel Geld ein. Besser kann man das Phänomen Copywrong nicht erklären.

  • TIM RENNER FAZ: Wie das Amt die Rebellion organisiert: Hier in Berlin scheint Tim Renner sehr zu polarisieren. Ich kann nicht genau sagen, woran das liegt, aber das ich bisher bei jedem öffentlichen Auftritt als Kulturstaatssekretär von ihm dachte, dass zumindest mal einer in der Politik den digitalen Wandel verstanden hat, kann ein Grund sein. Ich bin sicher nicht immer einer Meinung, aber seine Denkrichtung stimmt. Im Interview mit Claudius Seidl und Mark Siemons geht es mal nicht ums Internet, sondern über Claus Peymann, Chris Dercon, die Simulation und andere Probleme der Verwaltung.

  • E-BOOK t3n: Buchhandel gegen E-Book-Weiterverkauf: Der Buchhandel und seine Lobby streiten vor Gericht über den Weiterverkauf von E-Books. Statt gegen Windmühlen anzurennen, sollte der Handel lieber versuchen an der Weitergabe von E-Books zu partizipieren, meint Jochen G. Fuchs in seinem Kommentar auf t3n.

  • BLOGGING NZZ: Islamismusgefahr in Bangladesh – Bloggen für einen säkularen Staat: Es mag für unsere Demokrtaie sprechen, dass Blogger hierzulande „nur“ eine notwendige Erweiterung der Meinungsvielfalt sind und nicht ein wichtiges Korrektiv, das die letzte Linie der Meinungsfreiheit darstellt. In anderen Ländern sieht das anders aus, wie Volker Pabst Dhaka am Beispiel von Bangladesh erklärt. Dort engagieren sich Internetaktivisten für einen säkularen Staat, denn sie sehen in islamistischen Kräften die grösste Gefahr für das Land.

  • BUNDESVERFASSUNGSGERICHT Welt.de: „Karlsruhe nicht der bessere Gesetzgeber“: Es ist eine feststehende Charakteristika der Politik von CDU/CSU (manchmal auch der SPD), dass jegliche Entscheidung vor dem Bundesverfassungsgericht gekippt werden kann. Das führt schon länger zu Groll in der Politik über das Gericht, dass auf die Grundrechte achten soll. Man kann beklagen, dass „Karlsruhe“ mehr Politik macht, was so nicht vorgesehen ist, aber man kann sich auch fragen, wieso es wohl stets gegen Grundrechte gerichtete Politik gibt, die diesen Umstand erst möglich und nötig machen.

Die morgendlichen Lesetipps und weitere Linktipps am Tag können auch bequem via WhatsApp abonniert werden. Jeden Tag informiert dann Netzpiloten-Projektleiter Tobias Schwarz persönlich über die lesenswertesten Artikel des Tages. Um diesen Service zu abonnieren, schicke eine WhatsApp-Nachricht mit dem Inhalt arrival an die Nummer +4917622931261 (die Nummer bitte nicht verändern). Um die Nachrichten abzubestellen, einfach departure an die gleiche Nummer senden. Wir werden, neben dem Link zu unseren morgendlichen Lesetipps, nicht mehr als fünf weitere Lesetipps am Tag versenden.

Nutze Netzpiloten 1-Klick: Mit nur einem Klick werden dir bequem alle 40 Sekunden die hier besprochenen Seiten „vorgeblättert“ START.

Weiterlesen »

Über Ausnahmen und Einschränkungen beim Urheberrecht

Creative Commons stickers (adapted) (Image by oswaldo [CC BY 2.0] via Flickr)

In der Debatte um ein neues Urheberrecht in der Europäischen Union zeigt sich, dass die Lobby der Autoren wieder einmal nur Panikmache betreibt. Das Getöse rund um den nichtlegislativen Bericht des Europäischen Parlaments über das Urheberrecht innerhalb der Direktive der Informationsgesellschaft (auch bekannt als InfoSoc Directive und Directive 2001/29/EC) in Brüssel lässt einen taub werden. Ein Kommittee muss seine Änderungen noch einbringen, dann beträgt die Gesamtzahl der Änderungen bereits 759.

Einer der Gründe dafür ist, dass eine der Debatten die Ausnahmen und Einschränkungen des Urheberrechts beinhaltet. Jede Anregungen über Angleichungen, Berechenbarkeit oder Flexibilität wird von einer energischen Opposition von denen übernommen, die für die Autoren sprechen. Um beurteilen zu können, wie glaubwürdig die Opposition ist, sollten wir auf die Lobbyarbeit gegen die einzige zwingende Ausnahme innerhalb der Direktive blicken. Hierbei ging es um Vervielfältigung.

In der Direktive schlug die europäische Kommission eine Ausnahme des Urheberrechts für Kopien innerhalb von Netzwerken vor. Bei jedem Transfer einer Datei, der innerhalb eines Netzwerkes stattfindet, wird eine Kopie angefertigt. Um von A nach B zu gelangen, muss sich die Datei wenigstens einen Moment im Netzwerk befinden. Deshalb war offensichtlich, dass die temporären Dateikopien nicht einer separaten Autorisation der Rechteinhaber unterliegen sollten. Das war bisher eindeutig und nicht kontrovers – oder jedenfalls hätte es das sein sollen.

Gegen diese Ausnahme bildete sich eine riesige Lobby. Das European Publishers Councils (EPC) brachte große Bedenken hervor. Erstens wandten sie ein, dass nur autorisierte Dateien zu dieser Ausnahme gehören sollten. Wenn man online also Zugriff auf eine unautorisierte Datei hat, macht sich somit der Internetprovider automatisch der Urherberrechtsverletzung schuldig. Das EPC fuhr fort, dass eine Ausnahme ein „klaffendes Loch innerhalb der Rechteinhaber und dem Reproduktionsrecht“ reißen würde, und erklärte dies mit dem „Grundrecht sowohl in der analogen und digitalen Welt„.

Dies wurde festgestellt, erklärt jedoch nicht, dass die Beschränkung solcher Kopien „keine unabhängige ökonomische Bedeutung“ hätten. Das reichte jedoch nicht aus, um das Kopieren der Dateien zu stoppen, die eben von jener unabhängigen ökonomischen Bedeutung sind. Alles in Allem stellte der Inhalt des Artikels 5.1 (genauso wie Artikel 5.2 und auch Artikel 6) „eine nicht akzeptable Bedrohung gegen Rechteinhaber“ dar.

Was passierte also, als diese „nicht akzeptable Bedrohung“ gegenüber den Rechteinhabern in ein nationales Gesetz der EU umgewandelt wurde? Absolut nichts. Die Definition hat sich als absolut zutreffend erwiesen. Kein „klaffendes Loch innerhalb des Schutz der Rechteinhaber und dem Reproduktionsrecht wurde hervorgerufen„. Nichts. Nach all den Warnungen – gar nichts.

Der Schaden, der hätte verursacht werden können, wenn man die Warnungen der EPC beachtet hätte, ist auf der anderen Seite sehr viel einfacher aufzuzeigen. Kanadische Gesetzgeber scheiterten daran, eine deutliche Ausnahme bei temporären Dateien einzufügen. Die Urheberrechtsindustrie tat genau das, was man erwartet hatte – sie verlangten Lizenzahlungen, um den Internetanbieter ihre Arbeit genehmigen zu können. Dies zog eine langwierige Phase der gesetzlichen Unsicherheit der Internetservices nach sich, während sich gerade Breitbandinternet auf dem Markt etablierte, was sich auf den Fall von 2004 bezog.

Dieser Artikel erschien zuerst im EDRi-gram vom 25. März 2015 und steht unter CC BY 3.0. Übersetzung von Anne Jerratsch.


Image (adapted) „Creative Commons Stickers“ by oswaldo (CC BY 2.0)


Weiterlesen »

5 Lesetipps für den 24. März

In unseren Lesetipps geht es heute um Verifizierung im Journalismus, eine Abmahnung auf Facebook, das Leistungsschutzrecht für Presseverlage, die Vorratsdatenspeicherung und Vine. Ergänzungen erwünscht.

  • JOURNALISMUS FAZ: Als die Bilder lügen lernten: In ihrer Kolumne auf FAZ.net schreibt Constanze Kurz vom Chaos Computer Club über die Lehren aus dem Fall „Varoufake“, der zum einen die skandalisierenden Strategien der Medien offenbarte, aber auch, wie leicht Bilder manipuliert werden können. Die Medien stehen vor der Herausforderung der nahezu zweifelsfreien Verifizierung von Inhalten, wenn sie nicht weiter an Glaubwürdigkeit einbußen wollen.

  • ABMAHNUNG t3n: Facebook-Nutzerin soll 1.000 Euro für geteiltes Foto zahlen: Die bisherigen Meinungen von Juristen zum Thema Teilen von Werken in sozialen Netzwerken waren eigentlich immer klar: das geht mit dem Urheberrecht nicht, trotzdem ist es, vor allem durch den globalen Charakter der sozialen Netzwerke, der Alltag. Bisher ging das auch gut, mit wenigen Ausnahmen auf Twitter. Daniel Hüfner stellt auf t3n einen bisher neuen Fall vor, auch wenn genau so etwas schon lange erwartet wurde, in dem die Inhaberin einer Fahrschule abgemahnt wurde, weil sie einen Bericht der BILD-„Zeitung“ geteilt hatte, ohne den Urheber des eingebetteten Vorschaubilds zu nennen.

  • LEISTUNGSSCHUTZRECHT Horizont: Deutsches Patent- und Markenamt verhandelt über Klage gegen Google: Heute kommt es in München zu einer nichtöffentlichen Verhandlung bei der Schiedsstelle für Urheberrechtsangelegenheiten beim Deutschen Patent- und Markenamt in München, in der es um die Vergütung von Online-Presseausschnitten in Deutschland geht, sprich das Leistungsschutzrecht für Presseverlage. Die Verhandlung beruht auf einer Klage der Verwertungsgesellschaft VG Media, die auf der Basis des Leistungsschutzrechtes für Presseverlage Geld von Google für die Darstellung Textauszügen verlangt.

  • VORRATSDATENSPEICHERUNG Zeit Online: Ein fast unmögliches Gesetz: Heiko Maas möchte man in diesen Tagen nicht sein. Er, der sich in den letzten 18 Monaten seit der Bundestagswahl zum Bürgerrechtsgewissen der SPD entwickelte, muss nach der populistischen Hauruck-Aktion seines Parteichefs Sigmar Gabriel nun ein Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung (VDS) schreiben, dass ihm sicher nicht behagt und das doch den Balanceakt schaffen muss, nicht gleich vom Bundesverfassungsgericht nach den zu erwartenden Klagen auseinander genommen zu werden. Nahezu unmöglich, sind doch zum Glück di durch die Verfassung gesetzenden Vorgaben nahezu nicht mit einer VDS in Einklang zu bringen, wie Maas bisher auch seine Ablehnung begründete.

  • VINE Süddeutsche.de: Die Vine-Stars wollen jetzt mehr als sechs Sekunden: In dem zu Twitter gehörenden sozialen Netzwerk Vine ist Logan Paul eine Art Berühmtheit, mehr als sieben Millionen Menschen folgen seinen sechsekündigen Videoclips. Hakan Tanriverdi stellt den Künstler vor, der wie einige andere mit seinen Videos auch Geld vwrdient – fünf- bis sechsstellig pro Kampagne. Doch Vine allein reicht den Künstlern nicht mehr aus. Sie suchen Wege, ihren Erfolg außerhalb der Plattform zu stabilisieren. Paul versucht es mit einer Spiele-App.

Die morgendlichen Lesetipps und weitere Linktipps am Tag können auch bequem via WhatsApp abonniert werden. Jeden Tag informiert dann Netzpiloten-Projektleiter Tobias Schwarz persönlich über die lesenswertesten Artikel des Tages. Um diesen Service zu abonnieren, schicke eine WhatsApp-Nachricht mit dem Inhalt arrival an die Nummer +4917622931261 (die Nummer bitte nicht verändern). Um die Nachrichten abzubestellen, einfach departure an die gleiche Nummer senden. Wir werden, neben dem Link zu unseren morgendlichen Lesetipps, nicht mehr als fünf weitere Lesetipps am Tag versenden.

Nutze Netzpiloten 1-Klick: Mit nur einem Klick werden dir bequem alle 40 Sekunden die hier besprochenen Seiten „vorgeblättert“ START.

Weiterlesen »

Recht auf Remix: Freiheit statt Kontrolle

Open source free culture creative commons culture pioneers (adapted) (Image by Sweet Chili Arts [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Um die Akzeptanz für das Urheberrecht zu retten, muss es modernisiert werden und um ein Recht auf Remix ergänzt werden. Dieser Artikel ist ein Remix. In irgendeiner Form, sicherlich sogar streckenweise mit den gleichen Formulierungen, wurden die folgenden Gedanken zum Urheberrecht in der digitalisierten Informations- und Wissensgesellschaft schon einmal veröffentlicht. Ich habe diese Ideen konsumiert, durchdacht, die für mich überzeugendsten Argumente dann angenommen und seitdem sicher zigfach wiedergegeben. So wie auch in diesem Artikel. Everything is a Remix.

Dieser Umgang mit Ideen ist nicht neu. Gedanken sind grundsätzlich frei und beliebig kopierbar. Nur eine an sich blasphemische Vorstellung von „Urheberschaft“ als einer Art göttlicher Schöpfung eines Gedanken würde einen darauf kommen lassen, ein Verbotsprinzip zu etablieren, das zum Beispiel eine beliebige Zeichenfolge an Buchstaben und Sonderzeichen als schützenswert betrachtet und es verbietet „kongruente Zeichenfolgen in anderen Texte zu reproduzieren„, wie Pico Schlick in einem Artikel erklärt. Das Konzept einer „Urheberschaft“ macht für Schlick deshalb genauso wenig Sinn wie der Gedanke des „geistigen Eigentums“.

Dass man Eigentum überhaupt feststellen kann, hängt damit zusammen, dass es sich dabei in der Regel um Objekte handelt, die bei Überhändigung die Stelle im Raum wechseln und darum nicht an zwei Stellen im Raum gleichzeitig vorhanden sein können, erklärt Schlick den Gedanken einführend. Auf Ideen und Gedanken trifft das allerdings nicht zu. Nicht nur jeder Fachjurist weiß, dass so etwas für ‚geistiges Eigentum’ nicht gilt, aber die Juristerei genießt das Privileg, dass sie nicht erklären muss, was Geistigkeit eigentlich ist und kann trotzdem daraus einen juristischen Begriff machen.

Diese sinnleeren Begriffe einer „Urheberschaft“ und eines „geistigen Eigentums“ versuchen eine künstliche Exklusivität zu schaffen, die einzig und allein auf die monetäre Vermarktung von Nutzungsrechten abzielt. Dabei basiert Kreativität immer auf dem bereits Existierenden.

  Szene-für-Szene-Vergleich des Films „Jäger des verlorenen Schatzes“ mit 30 Abenteuerfilmen aus den Jahren 1919 bis 1973.  

In der Urheberrechtsdebatte stirbt zuerst die Kreativität

Das Urteil im Gerichtsprozess zwischen den Erben des vor über 30 Jahren verstorbenen Sängers Marvin Gaye und den Musikern Robin Thicke und Pharrel Williams zeigt, wie gefährlich das aktuelle Urheberrecht bereits geworden ist. Das Gericht hat nämlich die Grenze einer möglichen Urheberrechtsverletzung noch weiter ausgedehnt. Jetzt können schon sich ähnelnde Werke eine Verletzung des Urheberrechts darstellen. Denn Thicke und Williams haben für ihr Lied „Blurred Lines“ nichts von Gayes Song „Got To Give It Up“ kopiert, sondern einzig und allein die Komposition der Musik ähnlich gestaltet.

Ein an sich normaler Vorgang unter Musikern. Kompositionen, Arrangements und Aufführungen von musikalischen Werken sind in der Regel kollektiv gestaltet. Deshalb gibt es oft keine Noten von Kompositionen, denn sie werden nicht benötigt. Eine Aufschlüsselung des Kompositionsprozesses in seiner Einzelheiten ist deshalb auch gar nicht möglich. Die Komposition wird durch den Interpreten dargeboten, eine Überlieferung an andere Interpreten deshalb nicht vorgenommen. Thicke und Williams konnten deshalb nichts kopieren, sondern hatten einen von Gaye inspirierten Gedanken, den sie umsetzten. Die 7,4 Millionen US-Dollar Strafe trifft in diesem Fall keine armen Musiker, das wahre Opfer aber ist die künstlerische Kreativität, welche jetzt quasi per Gesetz verboten ist. Wer nach der Kommerzialisierung von Nutzungsrechten zuerst kam (beziehungsweise dessen Erbe), malt noch immer zuerst, oft aber mit den Buntstiften anderer, um im Bild dieses Vergleich zu bleiben.

Everything is a Remix

Wenn Thomas Elbel, der an der Hochschule Osnabrück Öffentliches Recht lehrt, hier auf Carta das Bild eines Elefanten im Raum dafür bemüht, gegen eine von der Europaabgeordneten Julia Reda angestrebte Modernisierung des Urheberrechts in Europa zu argumentieren, müsste er eigentlich den Blickwinkel ändern. Seine Vorstellungen basieren auf den bereits als sinnleer entlarvten Konstrukten von „Urheberschaft“ und „geistigen Eigentum“. Wer so argumentiert, und das räumt Elbel sogar offen ein, dem geht es nur um Kontrolle.

Bei Kontrolle handelt es sich immer um eine Form der Überwachung, beim Urheberrecht über die Nutzung eines Werkes, was es zu einem Mittel der Herrschaft oder Gewalt über etwas oder jemanden anderen macht. Wer Kontrolle hat, bestimmt wer was wissen darf. In einer Welt, in der der Zugang zu Informationen existenziell ist, sollte die Gesellschaft deshalb auf Offenheit und Teilhabe setzen statt auf Kontrolle. Die nützt immer nur den Wenigen, die sie haben, aber nie der Gesellschaft. Dabei gibt es keinerlei Grundlage für die Kontrolle von Werken. Kopien sind allgegenwärtig und integraler Bestandteil menschlichen Daseins, jedes Original ist auch Kopie, jede Kopie auch Original.

  Kopien sind allgegenwärtig und integraler Bestandteil menschlichen Daseins, jedes Original ist auch Kopie, jede Kopie auch Original.  

In den kommenden Monaten wird die Debatte um die notwendige Modernisierung des Urheberrechts deshalb wieder Fahrt aufnehmen – besonders schön wird das nicht. Das hatten wir schon alles. Die deutschsprachigen Krimiautoren sahen sich schon bildlich abgeschlachtet, sollte es zu einer Reform des Urheberrechts kommen. Die sonst die Debatte mit den Zuschauern meidenden Tatort-Autoren schrieben gedankenlos einen offenen Brief, der die Debatte nur um eine neue Peinlichkeit bereicherte, genauso wie die „100 Köpfe“ im Handelsblatt oder der die Contenance verlierende Musiker und Schriftsteller Sven Regener. Das wird sich bald alles so oder ähnlich wiederholen. Es ist eben wirklich nichts neu unter der Sonne. Everything is a Remix.

Wir brauchen ein Recht auf Remix!

Doch all das Gezetere wird nichts nützen. Das Urheberrecht muss modernisiert werden, sich vor allem von dem Gedanken lösen, dass Geld alle Probleme löst. Eigentlich macht es eher mehr Probleme, besonders für Kreative. Der Rechtswissenschaftler Dan Hunter mahnt deshalb schon länger, dass wir nicht glauben sollten, „dass das Urheberrecht die einzige Möglichkeit oder vielleicht auch nur die beste Möglichkeit darstellt, um die Kreativität in unserer Gesellschaft zu beflügeln. Dank des Internets sind wir gerade an der Schwelle eines völlig neuen Verständnisses, um neue und andere Wege zu finden, die hier deutlich besser funktionieren könnten.

Hunter plädiert deshalb für eine vom Schaffen losgelöste Vergütung von Kreativen, denn „eine längerfristige Finanzierung ist viel eher dazu geeignet, die Schaffenskraft anzuregen, als dies eine kurzzeitige Entlohnung je könnte.“ Forscher des MIT untermauern diese Annahme mit ihren Forschungsergebnissen. Eine Pauschalvergütung müsste deshalb auch die Grundlage einer Vergütung in einem Recht auf Remix darstellen. Das schließt natürlich eine kommerzielle Verwertung nicht aus.

Im Manifest der Initiative „Recht auf Remix“ wird ein derartiges Gesetz deshalb als Bündel aus drei digitalen Kreativitätsrechten formuliert:

  • Das Recht, Werke bei der Nutzung zu verändern und das Ergebnis öffentlich zugänglich zu machen (Pauschalvergütetes Transformationsnutzungsrecht);

  • Das Recht, Remixes von bestehenden Werken zu erstellen und diese öffentlich zugänglich zu machen (Pauschalvergütetes Remixrecht);

  • Das Recht, gegen Zahlung einer angemessenen Vergütung Remixes auch kommerziell zu verwerten. (Lizenzpflichtiges Remixverwertungsrecht).

Mit einem derartigen Recht auf Remix könnte die von Elbel gewollte Kontrolle durch eine Freiheit garantierende Rechtssicherheit ersetzt werden. Das würde nicht nur unserer Gesellschaft eine vernünftige Grundlage für den Umgang mit Informationen in einer digitalisierten Realität geben, sondern letztlich auch das Urheberrecht mit seinen wenigen positiven Effekten retten. Gesetze ohne Sinn verlieren an Akzeptanz, werden so wirkungslos und schließlich aufgrund des öffentlichen Drucks ersatzlos gestrichen. Das möchte niemand, denn nicht alles am Urheberrecht ist schlecht. Nur die Freiheit für Kontrolle opfernden Ideen gehören abgeschafft.

 


Dieser Artikel erschien zuerst auf Carta.info und steht unter CC BY 4.0.


Image (adapted) „Open source free culture creative commons culture pioneers“ by Sweet Chilli Arts (CC BY-SA 2.0)


Weiterlesen »

SXSW: Mit Open Source gegen Patente

Nathan Seidle (Bild: Ulf Buermeyer, CC-BY-SA 3.0)

Der Hardware-Hersteller SparkFun wirbt für Elektronik-Innovationen ohne rechtliche Hürden – mit freier Open Source will er gegen Patente vorgehen. // von Ulf Buermeyer

Nathan Seidle (Bild: Ulf Buermeyer, CC-BY-SA 3.0)

Open Source – das klingt nach Nerds, die über ihre Laptops gebeugt Software entwickeln, nach Linux, Github und Millionen lines of code. Nathan Seidle ist auch ein Nerd, aber sein wichtigstes Handwerkzeug ist der Lötkolben: Mit seiner Firma SparkFun hat er sich auf Design und Verkauf von Open Source Hardware spezialisiert – und wirbt in seinem Vortrag auf der IT-Messe SXSW Interactive in Austin/Texas für radikale Offenheit beim Design von elektronischen Schaltungen: Er verzichtet aus Prinzip darauf, die Entwicklungen seiner Firma patentieren zu lassen, und stellt stattdessen Schaltpläne und Platinen-Layouts frei verfügbar ins Internet.

Weiterlesen »

Weiterlesen »

„Blurred Lines“ ist vielleicht der größte Urheberrechtsfall 2015

Robin Thicke (Bild by Michelle Uthoff-Campbell [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons)

Das Jahr ist noch jung, aber bei dem „Blurred Lines“-Urteil könnte es sich vielleicht um den wichtigsten Fall im Musikbusiness des Jahres 2015 handeln. Die Kinder von Marvin Gaye haben einen Urheberrechtsfall gegen Robin Thicke gewonnen (dem Streitigkeiten auch nicht fremd sind), außerdem war Pharrell Williams in den Fall verwickelt. Es ging um den Song „Blurred Lines“. Der Hit aus dem Jahr 2013 verletzte laut Gericht das musikalische Urheberrecht von Gayes Song „Got to give it up“. Eine US-Jury erkannte einen Schaden von beinahe 7,4 Millionen US-Dollar an – beinahe die Hälfte der Einnahmen, die sich bis heute auf etwa 16,6 Millionen US-Dollar belaufen.

Was genau wurde kopiert?

Seltsamerweise ging es in dem Fall gar nicht so sehr darum, die beiden Aufnahmen zu vergleichen. Es war noch viel komplizierter. Wenn man diese Aufnahmen hört, erkennt man die Änhlichkeiten sehr leicht:

Hören Sie selbst- wie ähnlich sind die beiden Songs?

Aber dieser Fall behandelte nicht die aufgenommene Musik, sondern die gedruckte Partitur. Was hierbei wichtiger ist: „Blurred Lines“ kopiert weder die Lyrics, noch die Hauptmelodie. Williams gibt zu, dass der Song das gleiche „Feeling“ vermittelt, aber er sagt auch, dass er nur das „Feeling, dieses späte 70er-Feeling nachgeahmt“ hat.

Was hierbei zu beachten ist: man kann nicht einfach das „Feeling“ eines Songs kopieren.

Der Richter ordnete in diesem Fall einen Vergleich der urheberrechtlich geschützten Teile des Songs von Gaye an. Wenn man sich diese anhört, klingen sie plötzlich völlig verschieden. Danach hörte sich das Gericht ein Mashup von Gayes Liedern an, und zwar mit den Lyrics von Williams und Thicke darüber gemischt.

Dieses Mashup suggeriert, dass die Lyrics ziemlich gut auf Gayes Song passen, aber Kritiker merkten an, dass genau das ziemlich oft passiert – wie hier in dem Video der australischen Comedygruppe Axis of Awesome zu sehen ist:

Auf der Website Sounds Just Like gibt es noch viele weitere Beispiele für alle, die mal ein bißchen Zeit totschlagen müssen.

Urheberrechtsverletzung oder nur kreative Hommage?

Thicke hat zugegeben, dass er von Gayes Song beeinflusst war, er wollte etwas mit dem selben „Feeling“ schreiben, aber viele Leute denken, dass das nicht genug sein dürfte, um eine Urheberrechtsverletzung festzustellen.

Es gab einige ähnliche Fälle in den letzten Jahren. Im Jahr 2014 mussten sich Led Zepelin der Anschuldigung stellen, dass ihr Kultgitarrenriff aus „Stairway to Heaven“ einem Song der Rockband Spirit entsprach. 2010 wurde die australische Band Men at Work auf Urheberrechtsverletzung in ihrem Hit „Down Under“ verklagt, denn das Panflötenriff wurde vom 1934 erschienen Volkslied „Kookaburra sits in the old Gum Tree“ geliehen.

Auf vielerlei Weise ist es leicht, sich über diese Fälle aufzuregen: Es sind Kultsongs, die Teil unserer Kulturlandschaft geworden sind, sie haben nur kleine Teile aus den Originalsongs benutzt und die Ähnlichkeiten sind jahrelang niemandem aufgefallen oder wenigstens ist niemand deshalb vor Gericht gezogen. Im Fall von Led Zeppelin hat es 43, bei den Men at Work immerhin mehr als 20 Jahre gedauert.

Kreativitätsschutz oder Ehre, wem Ehre gebührt?

Dieser Fall betont einen berühmtes Missverständnis, bezogen darauf, worum es im Urheberrechtsgesetz eigentlich geht. Im Gegenteil dazu, was wir oft annehmen, geht es beim Copyright nicht darum demjenigen Ehre zuverschaffen, „wem Ehre gebührt“. Es geht darum, die Menschen zu ermutigen, neue Werke zu schaffen und zu produzieren.

Wenn es beim Urheberrecht um Kreativitätsanreize ginge, ergibt dieses Urteil keinen Sinn. Für kein Geld der Welt wird Marvin Gaye je mehr Musik machen. Dieses Urteil hält aber andere Künstler in Zukunft davon ab, ihre Einflüsse aufzuzeigen und unsere Kultur neu aufzuarbeiten.

„Blurred Lines“ klingt sicherlich wie „Got to give it up“, aber der Markt wird dadurch nicht gefährdet und das Original nicht bedroht. Niemand wird Robin Thicke hören, wenn er eigentlich Marvin Gaye sucht.

Irgendwo dort auf dem Weg hat das Urheberrecht seinen eigentlichen Zweck verfehlt. Früher bestand das Urheberrecht nur 14 Jahre, jetzt besteht es ganze 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Das ist natürlich sehr viel später als die Werke in den Köpfen bleiben. „Got to give it up“ war im Jahr 1977 auf seinem kommerziellen Höhepunkt, als es auf den ersten Platz der Hot 100 der US Billboard Charts kam. Das Urheberrecht für den Song wird aber noch weitere 40 Jahre andauern.

Diese außergewöhnlich lange Spanne bedeutet, dass eine riesige Anzahl an Material existiert, das uns beeinflusst, etwas Kreatives zu schaffen, dies aber weggeschlossen ist. Wenn das Urheberrecht dies tut, hört es auf, reizvoll zu sein, und es wird zu einer Art Kreativitätssteuer.

Wo das Urheberrecht falsch liegt

Die beiden Songs sind ähnlich, das ist deutlich erkennbar – aber sie sind auch zwei völlig unterschiedliche kreative Werke. Das sollte auch etwas gelten.

In dem Fall gegen „Down Under“ war es nicht ausreichend, dass der Song von Men at Work sich fast völlig von dem Volkslied unterscheidet. Es hat nicht ausgereicht, dass die Band den musikalischen Kontext merkbar verändert haben, indem sie Elemente wie Rock, Ska und Reggae eingebracht haben.

Das Urheberrecht konzentriert sich nur auf Ähnlichkeiten, wenn eine Verletzung bewertet werden soll. Dadurch wird vollkommen ignoriert, wie sich Kreativität auf die Vergangenheit stützt.

Manchmal ist das Urheberrecht in der Lage, zwischen dem Kopieren der „Idee“ oder dem „Gefühl“ von etwas und einer wirklich schädlichen Kopie zu unterscheiden. Bei anderen Malen ist diese Unterscheidung schon schwieriger. Thicke und Williams hatten kein Glück, sie sind gefangen in den Mühlen des Rechtsstaates, der frühere Kreativität im Gegensatz zu Neuem belohnt und in dem die Schutzzeiten zu lang sind.

Der Artikel ist zuerst auf theconversation.com erschienen und unter CC BY-ND 4.0 lizensiert. Übersetzung von Anne Jerratsch.


Teaser & Image by Michelle Uthoff-Campbell (CC BY-SA 2.0)


Weiterlesen »