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Netzpiloten @hub.berlin

Die hub.Berlin und der Big.Data.AI Summit machen das Konferenz-beliebte Berlin am 10. und 11. April wieder zum Treffpunkt für Zukunftsarbeiter. Es geht wie immer um Technologie, Big Data, Startups und Gesellschaft. Wir Netzpiloten sind zum dritten Mal als Medienpartner mit dabei und freuen uns auf die Begegnung mit 1.000 Startups, 350 Speakern und zahlreichen Besuchern in der Station Berlin.

Welche Speaker werden da sein?

Zu den Speakern gehören unter anderem Sabine Bendiek, Vorsitzende der Geschäftsführung von Microsoft Germany. Auch Bitkom-Präsident und Beiratsvorsitender von FlixBus, Achim Berg, referiert auf der hub.Berlin. Startups werden auf den Bühnen unter anderem von Kitchen Stories-Gründerin Verena Hubertz und Dr. Anna Lukasson-Herzig von der visuellen Suchmaschine Nyris vertreten. Für wissenschaftliche Erkenntnisse sorgt außerdem Prof. Andreas Dengel vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI).

Welche Themen und Formate erwarten dich?

Diese Bühnen erwarten euch auf der hub.berlin:

  • Red Arena & Black Arena: Die großen Köpfe der Branche teilen ihre Visionen und Erfahrungen in Keynotes, Panels und Interviews auf den großen Bühnen der Red Arena und der Black Arena. Freut euch auf Impulse zu smarten Technologien, modernisierter Gesellschaft und weiteren, spannenden Themen.
  • Innovation Stage & Discovery Stage: Innovative Produkte und Best Practise der Digitalisierung findet ihr hier. Auf den beiden Bühnen gibt es unter anderem spannende Vorträge über digitale Transformation und neuste Trends.
  • Auf vier großen Bühnen geht es im Rahmen des parallel stattfindenden Big-Data.AI Summit rund um die KI-zentrierte Zukunft.

Darüber hinaus bietet die hub.berlin einen großen Ausstellungsbereich, Networking-Spaces, sowie das Digital Arts Lab, einen kreativen Spielplatz für Besucher und Kreative.

Und sonst noch?

Alle Tickets enthalten sowohl Zugang zur hub.berlin, als auch zum Big-Data.AI Summit. Die Tickets sind übertragbar oder nicht übertragbar (dann mit günstigerem Preis). Für den halben Preis gibt es zudem den Second Day Pass. Nur noch kurze Zeit profitiert ihr von den Early Bird-Preisen, bei denen ihr bis zu 30 Prozent spart.

Bitkom-Mitglieder erhalten über den Promo-Code „bitkom-special“ übrigens 20 Prozent Rabatt. Startups können sich außerdem für einen kostenlosen Startup Pass bewerben. 

 

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Eine staatliche Agentur für Sprunginnovationen soll das deutsche Trauma bewältigen

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Durch eine staatliche Agentur für Sprunginnovationen will die Bundesregierung aus der exzellenten Grundlagenforschung in Deutschland Impulse für die Volkswirtschaft ableiten. „Zahlreiche Erfindungen, die völliges Neuland eröffnen und ganze Märkte umkrempeln können, sind in Deutschland entstanden, scheitern jedoch häufig noch in der Anwendung. Die staatliche Agentur zielt darauf ab, aus diesen hochinnovativen Ideen aus Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft auch erfolgreiche Produkte, Dienstleistungen und Arbeitsplätze in Deutschland entstehen zu lassen“, so Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier.

Fahndungsauftrag

Die staatliche Agentur verfolgt einen personenzentrierten Ansatz. Sie setzt auf hochkompetente und kreative Innovationsprotagonisten, die zeitlich befristet in der Agentur tätig sind und besondere Handlungsfreiräume genießen. Sie können nach Angaben der Bundesregierung Forschungs- und Entwicklungsvorhaben mit Sprunginnovationspotential von der Idee möglichst bis hin zur Anwendung auswählen, steuern und – je nach Projektverlauf – beenden oder fortsetzen. Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Unternehmen setzen die Vorhaben um. Geförderte Ideen werden über Ausgründungen, durch Unternehmen oder auch durch den Staat selbst, im Rahmen der öffentlichen Beschaffung verwertet und in den Markt eingeführt.

Die Mitarbeiter der Agentur sollen nach innovativen Ansätzen in der Wissenschaft fahnden und Erfinder ermuntern, ihre Ideen auch in der Praxis umzusetzen. Bis zum Ende der Legislaturperiode stellen Bundesforschungs- und Bundeswirtschaftsministerium dafür mindestens 151 Millionen Euro bereit. Für die gesamte Laufzeit der Agentur – zehn Jahre sind geplant – wird mit einem Mittelbedarf von rund einer Milliarde Euro gerechnet.

Das deutsche Trauma

„Dass der Bund nun eigens eine staatliche Agentur zur Förderung solcher Entwicklungsschritte gründet, hat auch mit einem deutschen Trauma zu tun, das in der Regierung seit Monaten immer wieder zitiert wird: die Geschichte des MP3-Players. Die Technik für dieses Gerät wurde schon in den achtziger Jahren in Deutschland entwickelt, von einer Gruppe von Forschern um Karlheinz Brandenburg am Fraunhofer-Institut in Erlangen und der dortigen Universität. Damit viel Geld verdient haben später allerdings nicht deutsche Unternehmen, sondern in erster Linie die asiatischen Elektronikkonzerne“, schreibt die FAZ. „Das dürfe nicht noch einmal passieren“, betont Bundesforschungsministerin Anja Karliczek.

Nur waren es nicht Firmen in Asien, die MP3 zur Entfaltung brachten, sondern Apple mit ihrem kongenialen Chef Steve Jobs. Und es waren nicht in erster Linie neue Erfindungen, die Jobs erfolgreich auf dem Markt etablierte. Es waren Kombinationen von bestehenden und neuen Technologien. Der Apple-Mitgründer entsprach dem innovativen Unternehmen, wie ihn der Ökonom Joseph Schumpeter in seinem Werk „Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung“ beschrieben hat – vor über 100 Jahren:

„Nur dann erfüllt er (der Unternehmer) die wesentliche Funktion eines solchen, wenn er neue Kombinationen realisiert, also vor allem, wenn er die Unternehmung gründet, aber auch, wenn er ihren Produktionsprozess ändert, ihr neue Märkte erschließt, in einen direkten Kampf mit Konkurrenten eintritt.“

Kombinatoriker müssen keine Erfinder sein

Innovatives Unternehmertum unterscheidet sich dabei deutlich vom Routineunternehmer, der auf überkommenen Grundlagen arbeitet und nie Neues schafft. Aus altbekannten Techniken wie W-LAN, MP3 und Bewegungssensoren schuf Apple neue Geräte mit Kultfaktor. Und auch das benutzerfreundliche Design ist keine Kreation aus Cupertino. Steve Jobs und seine Entwickler folgten konsequent dem Less-and-More-Diktum des legendären Industriedesigners Dieter Rams, der in den 1960er und 1970er Jahren bahnbrechende Produkte für die Braun AG schuf. Und was noch wichtiger für die Erfolgsstory von Apple ist: Jobs erzeugte neue Märkte. Der dynamische Unternehmer orientiert sich nicht primär an gegebener oder unmittelbarer Nachfrage des Konsumenten, sondern „er nötigt seine Produkte dem Markte auf“, so Schumpeter. Das ist Steve Jobs mit Produkten und Diensten für das mobile Internet und für den Tablet-Markt gelungen. Gelingt so etwas mit einer staatlich initiierten Agentur für Sprunginnovationen?

Verrückte Persönlichkeiten vonnöten

Dazu braucht man charismatische und ein wenig verrückte Persönlichkeiten, die Neues durchsetzen, intelligenter organisieren und sich vom Routinebetrieb abgrenzen. Es sind nicht nur Unternehmer, die das schaffen, sondern auch Beamte, wie der Generalpostmeister Heinrich von Stephan, der Ende des 19. Jahrhunderts unter Reichskanzler Otto von Bismarck aus Berlin ein Silicon Valley der Telekommunikation machte. Er erfand die Postkarte, gründete die Reichsdruckerei, das Postmuseum (heute: Museum für Kommunikation) sowie den Allgemeinen Postverein (1878 Weltpostverein). Dann forcierte er erst in Deutschland, und danach in der ganzen Welt den Aufbau der modernen Telegraphie. Stephan erkannte als einer der Ersten die politische und wirtschaftliche Relevanz des Telefons als Medium der Echtzeit-Kommunikation. So einen könnte die neue staatliche Agentur, die Anfang des nächsten Jahres ihre Arbeit aufnimmt, gut gebrauchen.

Propheten der Innovation brauchen wir nicht

Als Vorbild dient der Bundesregierung die Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA) in den USA. Als bekanntestes und erfolgreichstes Projekt kann das ARPANET angesehen werden, aus welchem das Internet hervorging. Welche Persönlichkeiten brauchen wir für Innovationen? brand eins-Autor Wolf Lotter hat auf der Kölner Fachmesse Zukunft Personal einige ins Spiel gebracht, die man möglichst meiden sollte.

Etwa Propheten, die es in Glaubensgemeinschaften, in der Dogmatik und in der Ideologie gibt. „Entweder Du machst mit oder Du landest in der Hölle. Ich bin gut und Du bist böse, hier ist mein Evangelium. Das sind die nicht sehr anschlussfähigen Damen und Herren, die in ihren Bubbles leben und den anderen die Welt erklären“, so Lotter.

innovate or die-Gelaber

Es sind Bühnenkünstler, die von Disruption und kreativer Zerstörung labern, aber Clayton M. Christensen oder Schumpeter nie im Original gelesen haben. Es sind alarmistische Lautsprecher, die vom Darwinismus schwadronieren, aber die Evolutionstheorie schlicht nicht verstehen. Als weiteren Vertreter der Innovationstypologie benennt Lotter den Eroberer. Er folgt dem Propheten auf dem Fuß und erklärt Innovationen zum Maß der Dinge. Religionskriege, ideologische Eroberungen aber auch die darwinistische Variante des „innovate or die“ sind sein Credo. „Wer sich nicht digitalisiert, ist von gestern und dessen Unternehmen wird sterben. Das sind die Sprüche, die wir kennen“, erläuterte Lotter auf der Keynote Arena der Zukunft Personal-Messe. Artificial Intelligence sofort einführen und zum Segen der Industrie erklären. Wer noch ein paar Fragen zur Sinnhaftigkeit hat, ist von vorgestern und hat nichts kapiert.

Fragen zur Intelligenz nicht erwünscht

Dass mit der Unterscheidung von natürlicher und künstlicher Intelligenz noch nicht alles geklärt ist, sei dahingestellt. Auch das Rätselraten von Biologen und Neurologen bei der Erklärung von natürlicher Intelligenz darf die KI-Verkäufer nicht stören. „Alles nur Marketing-Geschwurbel“, kritisiert Lotter.

„Selbst Erfinder werden uns wohl nicht mit volkswirtschaftlich relevanten Sprunginnovationen beglücken. Sie verbohren sich in ihrem Fach“, so Lotter. Ihre Metamorphose endet im Fachidiotentum.

Ich habe Patente, also bin ich?

Das systematische und planmäßige Erfinden in Konzernen produziert nach Auffassung von Lotter zuverlässig eine Vielzahl an Patenten und Rechten. Deren Wirksamkeit ist allerdings fraglich, lieber FDP-Bundestagsabgeordneter Thomas Sattelberger. Da helfen dann auch nicht Erbsenzählereien in irgendwelchen Studien zur KI-Forschung weiter. Lotter verweist auf die amerikanische Innovationsforscherin Rosabeth Moss Kanter. Sie bringt dieses Dilemma sehr schön auf den Punkt: Meistens folgen den großartigen Innovationsankündigungen mittelmäßige Ausführungen, die anämische Resultate nach sich ziehen. Irgendwann schlägt dann das Controlling zu. Moss Kanter nennt diese Vertreter „Innovations-Ersticker“. Welche Typologien sind besser?

Lotter nennt sie Erkenner und Ermöglicher. Also Persönlichkeiten, die Ideen aufsaugen, orchestrieren und kombinieren. Sie führen keinen Krieg gegen Talente, sie belohnen nicht Opportunismus, sondern Individualismus. Das Notiz-Amt ist gespannt, ob das die neue staatliche Agentur hinbekommt. Der Präsident der Fraunhofer Gesellschaft sieht übrigens mp3 als deutsche Erfolgsgeschichte. Das sollten Altmaier und Karliczek noch einmal jenseits der Lizenzgebühren, die Fraunhofer kassiert, mit Reimund Neugebauer ausdiskutieren.

 

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Netzpiloten @Digital Sports & Entertainment

Wir packen schon mal vorfreudig und virtuell die Sporttasche: „Monetarisierung, eSport und Content“ werden am 8. und 9. Oktober in Berlin ausführlich diskutiert. Auf dem Digital Sports & Entertainment Kongress werden also vor allem Entscheidungsträger aus Medien und Agenturen, Verbänden und Vereinen und natürlich auch klassischen Unternehmen aufeinandertreffen. Wir Netzpiloten sind das erste Mal als Medienpartner mit am Start und schon sehr gespannt, wenn über 450 Marketingverantwortliche sich über „Sport im Digitalfieber“ warmlaufen.

Der jährliche Branchentreff bietet Überblick über die aktuellen Entwicklungen und Trends in der digitalen Sport- und Medienbranche. Programm für euch.

Freut euch auf namhafte Referenten

Auch in diesem Jahr hat der Digital Sport & Entertainment Kongress in Sachen Experten einiges aufgefahren. Die Teilnehmer können sich unter anderem freuen auf Florian Schröder – Referent Sponsoring & PR von der Deutschen Bahn, der über ein interessantes Projekt zum Thema Podcast sprechen wird. Auch Sport Koordinator beim ARD Axel Balkausky lässt noch einmal die WM 2018 Revue passieren und hinterfragt, wie viel „digital“ das klassische TV eigentlich verträgt. Spannend wird zudem der Vortrag über Instagram Ads in Sports von Daniel Kramer – Client Solution Manager bei Facebook.

Welche Themen wird es geben?

  • Digital-Bilanz 2018: Welche Kanäle? Welcher Content? Welche Probleme?
  • Wie kann das Potenzial von eSport-Sponsoring optimal genutzt werden?
  • Digitale Strategien im Sport – Was zählt wirklich?
  • Digitale Kommunikation – Virale Effekte nutzen
  • Twitch – Die Entertainment-Plattform der Zukunft?

Was ist noch wichtig?

Wer gerne tiefer in einzelne Themen eintauchen möchte, bekommt in den Masterclasses noch exklusiven Input beispielsweise zu besseren Kampagnen durch Media Monitoring. Ebenfalls vermittelt werden die theoretischen und praktischen Grundlagen des Programmatic Advertising.

Neben den Vorträgen haben alle Teilnehmer natürlich die Möglichkeit sich beim leckeren Frühstück, beim Stehlunch oder in den Kaffeepausen auszutauschen. Ein entspannendes Abend-Event gibt es natürlich auch. Wer sich also an diesen zwei Tagen über all die aktuellen Themen rund um eSports fit machen möchte, der sollte jetzt schnell sein und sich direkt die Tickets ergattern. E-sport frei!

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Weniger geleckte Kommunikation vonnöten, Herr Braatz

Tweet megaphone concept

Liebe Führungskräfte twittert nicht, stellt jemand ein, der es gelernt hat und lasst den machen“, empfiehlt auf Twitter ein Herr Braatz und verbindet seine Social-Web-Kalenderweisheiten dann noch mit Rundumschlägen gegen Klaus Eck und den Autor dieser Kolumne. „Ich lese nix mehr von den beiden, wenn ich es vermeiden kann. GS ist ein ganz schlimmer Dampfplauderer ohne Ahnung von Management, E. hüpft immer auf das neueste Thema. Vor zwei oder drei Jahren sollten alle Snapchat machen“, schreibt Mister Rating-Agentur, um im Nachgang seinen denunziatorischen Impuls als Versehen zu rechtfertigen.

Eigentlich wollte er das als Privatnachricht schreiben – kicher. Nun möchte ich seine Verwirrung nicht als Twitter-Inkompetenz abkanzeln. Aber das Interface beim Versenden von Privatnachrichten unterscheidet sich doch erheblich von der Eingabemaske für normale Tweets. Geschenkt.

Sollten Top-Manager auf Twitter aktiv sein?

Herr Braatz plädiert jedenfalls dafür, dass sich Protagonisten des Top-Managements nicht im Social Web bewegen sollten. Das könne man delegieren. Was für eine originelle und tiefschürfende Replik. Nun war die Überschrift für den Cebit-Talk mit Klaus Eck und Stefan Pfeiffer von IBM eher metaphorisch gedacht, um zu testen, wie Unternehmen mit dem Thema umgehen.

Werden Twitter und Co. immer noch für Marketing-Blabla missbraucht oder gibt es Ansätze für offene Kommunikation und Dialog-Formate? Braatz könnte ja mal CEOs fragen – etwa Tina Müller von Douglas. Aber da fehlt wohl der Zugang.

Es gibt immer noch Kontrollverlust-Ängste

Generell dominiere bei vielen Führungskräften eher die Angst vor dem Verlust an Kontrolle, um auf Twitter, Facebook oder LinkedIn aktiv zu werden, so Eck. „Man bekommt ein direktes Feedback vom Kunden und von Leuten, die das Unternehmen vielleicht nicht so toll finden. Damit umzugehen, ist halt nicht so einfach.“ In anderen Ländern geht man damit wesentlich experimentierfreudiger um und nutzt die Netzwerkwirkung für eine Verbesserung von Produkten und Diensten – beispielsweise Tesla-Chef Elon Musk.

Wer Kommunikation delegiert, erntet halt weniger Zustimmung in der Netzöffentlichkeit.

Fremdgesteuerte Twitter-Accounts werden durchschaut

Wenn die Kommunikationsabteilung die Twitter-Accounts der Vorstände betreibt, merkt man das sofort“, so die Erfahrung des Marketingfachmanns Pfeiffer. Natürlich sollten die PRler mit Rat und Hilfe den Topmanagern zur Seite stehen. „Aber es zählt halt die Persönlichkeit, die hinter einer Social Web-Präsenz steht. Es können nicht nur die offiziellen Statements verbreitet werden oder vorgeplante Tweets. So etwas ist langweilig und geht nach hinten los“, sagt Pfeiffer.

Eck fügt zur Beruhigung an, dass Vorstände ja nicht zehn Tweets am Tag veröffentlichen müssen. Ein relevanter Tweet pro Woche oder Monat würde genügen. Wichtig sei die Vorbildfunktion. Und Twitter wurde in der Cebit-Runde nur beispielhaft erwähnt.

IBM-Chef nutzt LinkedIn

IBM-Chef Matthias Hartmann hat sich für LinkedIn entschieden. Was ja völlig in Ordnung geht. Führungskräfte sollten nur die neuen Mechanismen der direkten Kommunikation verstehen“, erläutert Pfeiffer. So wie Boris Palmer, der als Oberbürgermeister von Tübingen sich zum Social Media-Star entwickelt hat. „Als Kommunalpolitiker geht man klassischer Weise auf den Marktplatz, um mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen und zu lernen, was die Menschen bewegt. Wenn allerdings der virtuelle Marktplatz wie Facebook immer relevanter wird, dann muss ich als Politiker auch da hingehen. Wir müssen da darüber hinaus aktiv sein, um den Extremisten nicht das Feld zu überlassen“, sagte Palmer bei der Streaming-Konferenz der Bundeszentrale für politische Bildung.

Die Meinungsbildung finde immer mehr über das Smartphone statt. Deshalb sollten alle Meinungsbildner das ernst nehmen. „Schneller können Rückmeldungen gar nicht laufen. Ich bekomme über Facebook mittlerweile mehr Bürgeranfragen als über meine offizielle E-Mail-Adresse“, betont Palmer. Das zeige sehr deutlich, wie bedeutsam die Plattform ist.

Facebook als virtueller Marktplatz für den Tübinger Oberbürgermeister

Alle relevanten Kommentare werden von ihm persönlich beantwortet. Und das innerhalb weniger Stunden. Schneller könnte die Bürgerschaft mit dem Oberbürgermeister gar nicht kommunizieren. Wenn der Gemeinderat eine Anfrage hat, dauert das in der Regel zwei Monate. Die klassischen Formen der Kommunikation werden zunehmen obsolet, meint Palmer, der bei seinen Antworten keine Pressestelle dazwischen schaltet. Die würden das meistens nur glätten. „Ich bin im Social Web sichtbar, erkennbar und auch angreifbar“, resümiert Palmer. Damit könne er aber gut umgehen.

Gleiches gilt für das Cebit-Livestudio von IBM. Man arbeitet ohne Freigabeschleifen und Autorisierungen. Es geht um direkte Rückmeldungen. „Wir aktivieren damit auch die Belegschaft, die immer mehr bereit ist, sich zu exponieren“, sagt Pfeiffer. Das gehe vom CEO bis zum Spezialisten für Mainframe-Computer. Die Rolle der PR sollte sich auf das Moderieren und die Unterstützung dieser Kommunikationsformate konzentrieren. Weniger geleckte Kommunikation verbreiten und die Leidenschaft der Mitarbeiter für ihre spezifischen Themen wecken.

Das Notiz-Amt entdeckte in Livestreaming-Aktivitäten wahre Naturtalente – etwa Andreas Thomasch, Platform Leader & Manager von IBM, der bildhaft darlegte, was die vielfach totgesagte Mainframe-Technologie noch immer sehr relevant ist für die Nutzung von Smartphone-Diensten.


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Same but different – Weil anders einfach anders ist

Ohlala! So spielerisch schön die französische Sprache klingt, so schmeckt auch ihre einzigartige Küche. So organisiert und strukturiert die deutsche Sprache ist, so sieht auch (meist) der Terminkalender und die Arbeitsweise deutschsprachiger Personen aus. In Sprache formuliert sich Kultur. Kann man zwischen diesen unterschiedlichen Systemen einfach von einem in das andere übersetzen?

Nach zwei Jahren Dubai, das mehr als 200 Nationalitäten beherbergt, kann ich aus eigener Erfahrung sagen: kommunizieren geht, verstehen nicht immer. Wenn ich mit meinem deutschen Englisch mit einem Inder über meine arabische Bestellung spreche, prallen Welten aufeinander. Oft passt ein Begriff aus der Muttersprache perfekt, um den Moment zu umschreiben, nur leider existiert dieser in der anderen nicht (schon mal versucht, dem älteren deutschen Publikum „Skyline“ zu erklären?).

Bevor ich mich auf das Abenteuer Dubai einließ, schrieb ich meine Masterarbeit in Paris über die Unübersetzbarkeit der Sprache. Ein Phänomen, das mich bis heute tagtäglich an meine Grenzen bringt und zugleich meine Faszination für andere Kulturen ausmacht. Auf die Idee hat mich damals das Europäische Wörterbuch der unübersetzbaren Begriffe (Vocabulaire européen des philosophies – Dictionnaire des Intraduisibles) gebracht.

Das Wörterbuch der unübersetzbaren Begriffe

Das Werk von der Philosophin und Philologin Barbara Cassin fordert den reflektierten Umgang mit der Vielheit der Sprache. Es führt unübersetzbare Wörter aus 15 verschiedenen Sprachen auf – wie der Titel bereits verrät, kommen diese aus dem europäischen Raum. Damit umfasst es nur einen kleinen Teil der Weltsprachen, bringt es aber schon auf 532 Seiten. Insgesamt 150 Mitarbeiter aus dem philosophischen und sprachwissenschaftlichen Bereich arbeiteten ungefähr zwölf Jahre an dem philosophischen Wörterbuch der unübersetzbaren Wörter.

Dreh- und Angelpunkt des Werkes ist die Unterschiedlichkeit von Sprache – in ihrer Struktur und in ihren Begriffen. Dabei ist es nicht das Ziel, für die Wörter eine einzige, allgemeingültige Übersetzung zu liefern: „Vielmehr klärt es Unstimmigkeiten, konfrontiert sie miteinander und regt das Nachdenken über sie an“, erklärt Cassins in ihrer Einleitung.

Ein Blick in das Werk lohnt sich; entdeckt man doch ungeahnte Wortschätze, denen man sonst mit Gleichgültigkeit im allgemeinen Sprachgebrauch begegnet wäre. So ist das Wort „Gemüt“ in der deutschen Sprache einzigartig.

„Gemüt“ ist weder Geist, noch Seele

Der Artikel dazu wurde von Denis Thouard verfasst, der ihn zuerst in Bezug zu anderen Sprachen definiert: „Gemüt“ wird dem griechischen thumos (Lebenskraft), dem lateinischen mens/animus (Seele/Geist) und dem englischen mind/mood zugeordnet. Doch besitzt es keinen zufriedenstellenden Äquivalenten in anderen Sprachen und wird in Übersetzungen meist entweder als Seele oder Geist übersetzt, was jedoch nicht seiner Vielschichtigkeit gerecht wird. Denn das Gemüt ist weder Geist, noch Seele. Es wird als internes Prinzip des Menschen verstanden, das den Geist aber auch die Gefühlsregungen animiert und dazwischen changiert.

Der Wörterbuchartikel geht zurück bis 1260 und zeigt, dass „Gemüt“, dass später auch zu gemütlich wurde, eines der ältesten deutschen Begriffe ist. Interessant wird es, wenn Denis Thouard die französische Übersetzung von Immanuel Kant’s berühmter Schrift „Die Kritik der reinen Vernunft“ ins Französische diskutiert. Hier wird es systematisch durch „Geist“ (esprit) übersetzt und verliert damit völlig die emotionale und empfindsame Dimension – Kants Schrift rückt in ein ganz anderes Licht.

Bewusstsein für Andersartigkeit

Dieser kurze Einblick in den Diskurs der Translationswissenschaft zeigt: Nein, so einfach ist es mit der Übersetzung nicht.

Im Alltag in Dubai oder Abu Dhabi wird es wohl nicht zu solchen bedeutungsschweren Missverständnissen kommen. Doch ist das Bewusstsein für die Andersartigkeit schon ein guter Anfang, um nicht nur Verstehen, sondern auch Verständnis für den anderen zu lernen. Das 1:1-Prinzip funktioniert eben nicht in der Übersetzung, aber das macht das Miteinander noch viel spannender. Gemütlich ist eben nicht nur „cosy“ – es ist ein Gefühl, dass Emotion und Geist einschließt – und das wir mit Leib und Seele leben!

Das Wörterbuch ist in französcher Sprache und in englischer Sprache erhältlich bei Amazon (Provisions-Link)


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Die dunkle Vergangenheit von Social Media

Dunkelheit (adapted) (Image by KristopherK [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Im April des Jahres 2016 gab Facebook Gründer Mark Zuckerberg bekannt, dass die Social Media-Plattform seinen nahezu zwei Milliarden Benutzern die Möglichkeit des Livestreams von Inhalten zur Verfügung stellt. Dieser Schritt wurde als die natürliche Erweiterung der grundlegenden Ziele der Plattform betrachtet: Das Anbieten einer Plattform, auf der durchschnittliche Menschen ihre tagtäglichen Erfahrungen mit anderen teilen können – von Alltagserfahrungen bis hin zu bedeutsamen, einschlägigen Ereignissen.

Beinahe genauso schnell fanden die Benutzer der Plattform einen Weg, auch die schlimmsten Vorfälle live im Netz zu verbreiten, darunter das sogenannte Easter Day Slaughter, bei dem die fatale Schießerei auf einen 74-jährigen Rentner live übertragen wurde.

Als Resonanz forderten immer mehr Menschen Facebook dazu auf, das Anbieten des Livestreams zu beenden, oder wenigstens eine Möglichkeit zur besseren Überprüfung der Inhalte zu finden. Der Pastor Jesse Jackson merkte beispielsweise an, dass Facebook Live von den Menschen als Plattform genutzt wird, um ihre Wut, ihre Ängste und ihre Dummheit zu äußern.

Viele haben wegen dieser Verhaltensweisen Facebook eine Schattenseite zugeschrieben und fordern, dass das Unternehmen nach einer Lösung zur Prävention derartigen gesellschaftsfeindlichen Verhaltens sucht. Doch schon ein flüchtiger Blick auf die Geschichte der Sozialen Medien zeigt, dass die Verhaltensweisen, die aus den Schattenseiten resultieren, weder einmalig in der Geschichte von Facebook sind, noch als etwas Neues von den heutigen Benutzern betrachtet werden.

Eine dunkle Geschichte

Die Dichterin und Technologieautorin Judy Malloy beschrieb die ältesten Vorgänger der Social Media Netzwerke als Orte der Kreativität und Gemeinschaft. Programme wie beispielsweise die Berkeley’s Community Memory boten den Benutzern der 1970er einen digitalen Ort, um Inhalte zu posten und Geschichten, die von der Community gelesen wurden, zu teilen. Beliebte Inhalte waren dabei unter anderem persönliche Anzeigen und Kurzgeschichten.

Doch selbst diese friedvollen Tage hatten ihre dunklen Momente. Im Jahr 1985 schrieb die Autorin Van Gelder über ihre Erfahrungen mit dem CompurServe CB‘-Simulator einer der ersten online Chatrooms weltweit. Inmitten der beliebten Programme im CB-Simulator waren diese der Romantik und den Beziehungen gewidmet. Diese stoßen auf das besondere Interesse von LGBTQ-Menschen, denen es im Allgemeinen schwer fiel, über ihre geschlechtliche Identität und sexuellen Präferenzen im öffentlichen Raum zu sprechen. Während viele Nutzer auf der Suche nach der Liebe im Internet fündig wurden – 1991 wurde eine Hochzeit im CB-Simulator veranstaltet, bis heute gilt diese als die erste Online-Hochzeit – wurde Van Gelder getäuscht. Sie hatte eine intime, romantische Onlinebeziehung zu einem Mann, der sich als behinderte Frau ausgab.

Geschichten von sexueller Aggression bekamen im Jahr 1998 einen noch negativeren Touch, als der Technikjournalist Julian Dibbell von einer sexuellen Nötigung, die auf einer textbasierten Onlineplattform namens LambdaMoo stattfand, berichtete. Die Vorstellung einer sexuellen Nötigung im Internet mag abwegig erscheinen, wenn man bedenkt, dass die Benutzer keinen körperlichen Kontakt zueinander haben. Und doch war es einem Nutzer namens ‚Mr. Bungle‘ möglich, das Programm zu hacken und infolgedessen die komplette Kontrolle über die Handlungen der anderen Nutzer zu übernehmen, wie deren Gespräche und Beschreibungen ihrer Handlungsschritte.

Laut Dibbells Bericht benutzte ‚Mr. Bungle‘ diesen Hack, um die Nutzer zu veranlassen, obszöne Handlungen vorzunehmen und gewalttätige sexuelle Aktionen an ihren eigenen Körpern auszuführen. Die Benutzer der Plattform beschrieben auf welche Art und Weise sie sich und andere – ohne Erlaubnis – berührten. Mr. Bungle behauptete im Nachhinein, seine Aktionen seien lediglich ein Streich gewesen, trotz dem Beharren seiner Opfer darauf, dass sie durch seine Aktionen gedemütigt worden sind (oder zumindest durch die Aktionen die seine Opfer dazu gezwungen haben, sich vorzuführen). Die Geschichte ist denkwürdig angesichts der Tatsache, dass Beziehungen über das Internet genauso intim und wichtig sein können wie die Beziehungen außerhalb des Internets.

Springt man ins Jahr 2006, gerät man schnell an die Geschichte von Evan Guttmann und dem gestohlenen ‚Motorola Sidekick‘-Handy seines Freundes, das die Internetnutzer von damals faszinierte. Zunächst fing alles als schlichter Blogeintrag über einen Jugendlichen an, der es ablehnte, das Handy an seinen rechtmäßigen Besitzer zurückzugeben. Zum Schluss mündete es in einen wachsenden Internetmob, bei dem die Leser von Evans Blog die Adresse des Jugendlichen aufspürten und dessen Familie schikanierten.

Später im gleichen Jahr erfuhren die Nutzer der Plattform MySpace von der tragischen Geschichte der Megan Meier, einem Teenagermädchen aus Missouri, das sich das Leben nahm, nachdem sie von einem Jungen, den sie online kennengelernt hatte (es handelte sich um einen MySpace-Nutzer namens „Josh“), auf der Plattform gemobbt wurde. Erst nachdem Ermittlungen erfolgten, fand Megans Familie heraus, dass es sich bei „Josh“ tatsächlich um die Mutter eines Mädchens handelte, mit der Megan zuvor in einen Streit geraten war. Dieser Vorfall führte zum ersten Gesetzesentwurf in Bezug zum Onlinemobbing in den USA.

Soziale Medien verstehen

Diese Geschichten sind Beispiele dafür, was passieren kann, wenn einzelne Nutzer die Möglichkeiten zur Benutzung von moderner Technik entdecken: Man nutzt die Anonymität von CompuServe für Betrug, modifizierte mit cleveren Programmierungsskripten das Verhalten der anderen Nutzer, es wurden Blogs instrumentalisiert, um maximale Aufmerksamkeit auf ein geringes Vergehen zu lenken. Auch nutzt man Soziale Medien, um eine falsche Identität aufzubauen. In allen Fällen hatten die betrügerischen Aktionen dramatische Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen in deren realen Leben.

Das Wichtigste ist, dass diese Geschichten als Beispiele dienen, wie besonders Facebook und auch andere soziale Medien im Allgemeinen aufzufassen und zu verstehen sind. Es ist wichtig, dass die Nutzer die Gleichwertigkeit der Moral sowohl in Bezug auf Facebook-Kommunikation als auch in Bezug auf zwischenmenschliche Kommunikation erkennen. Statt soziale Medien generell als sinnlos und ablenkend abzutun und diese Perspektive an unsere Kinder abzugeben, sollten sie eingestehen, dass die zwischenmenschliche Kommunikation online genauso bedeutsam ist wie offline.

Berichterstatter haben die Livestreaming-Option von Facebook als „wesentlich grenzenloses Verbreitungssystem“ verflucht. Derartige Kritiken ignorieren jedoch die Vorteile dieser „grenzenlosen“ Verbreitung, wie das Vernetzen von Familien und die Möglichkeit, dass auch Stimmen von Verfolgten gehört werden können. Selbst Filmmaterial mit Gewalttaten kann zur richtigen Zeit von Vorteil sein: Die Facebook Live-Übertragung von der Schießerei in Minnesota im Juli 2016 diente als einflussreiche Mahnung, um auf soziale Ungerechtigkeit und Polizeiarbeit in den Vereinigten Staaten aufmerksam zu machen.

Anti-Terror-Streitkräfte setzen auf soziale Medien, um terroristische Aktivitäten zurückzuverfolgen und besser nachvollziehen zu können. Um den Missbrauch von Livestreaming zu bekämpfen, hat Facebook kürzlich bekanntgegeben, 3.000 zusätzliche Monitore für die Kontrollierung der Livevideos einzusetzen. Jedoch liegt meiner Meinung nach die Verantwortung für den Inhalt in den sozialen Medien letztlich bei den Nutzern, die die Inhalte tagtäglich erstellen und sich auf der Plattform bewegen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Dunkelheit“ by KristopherK (CC0 Public Domain)


The Conversation

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  • DARKNET wired: Revierkrieg im Darknet – Jemand greift die Schwarzmärkte an: Das Darknet steht unter Beschuss. Die IT-Forscherin Emily Wilson bemerkte jetzt eine Angriffswelle auf Märkte des Darknets und beobachtete, wie sich das Chaos ausbreitete. Betroffen sind der Handel mit Kinderpornographie, Daten- und Waffen und vor allem aber das Drogengeschäft. Die aktuellen Angriffe sind der bisherige Höhepunkt einer Reihe von DDoS-Attacken auf die Märkte.Jetzt wird nach Ursachen und vor allem Verantwortlichen gesucht. Am wahrscheinlichsten halten Experten derzeit eine Art Darknet-Revierkrieg.

  • STARTUPS gruenderszene: Wie zwei Startups die Bahn zur Pünktlichkeit erziehen wollen: Die Deutsche Bahn ist leider nicht dafür bekannt, besonders pünktlich zu sein. Zwei Startups aus dem Mindbox-Accelerator haben sich dieses Problems angenommen und wollen Verspätungen künftig vermeiden. Beim Mindbox Accelerator Programm können sich innovative Startups bewerben, um durch die Deutsche Bahn unterstützt zu werden. Das Startup Konux will Sensoren in Eisenbahn-Schwellen einbauen, um so Reperaturen voraussagen zu können und Verspätungen zu vermeiden. Das Berliner Startup Siut will lästige Verspätungen mit einer Fahrgast-Ampel umgehen.

  • NETZNEUTRALITÄT zeit: US-Behörde will offenbar Netzneutralität stark einschränken: Unter der Trump-Regierung haben schon so einige Regulierungen gelitten. Nun will der vom US-Präsidenten neu ernannte Präsident der US-Kommunikationsbehörde Obamas Regeln zur Netzneutralität abschaffen. Der Präsident der Federal Communications Commission, Ajit Pai, verkündigte in einem Statement im Dezember eine Neu-Abstimmung zum Entwurf „Anordnung zur Wiederherstellung der Freiheit im Internet“. Die aktuellen Regulierungen würden aus Sicht der Republikaner Innovation hemmen, wohingegen sich Demokraten weitesgehend für Netzneutralität und Regeln für ein freies Internet aussprechen.

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Kommunikationstalente für die Netzöffentlichkeit entdecken – Vom Nutzen der Jobbotschafter

DigitalWork(adapted) (Image by Alex Kotliarskyi [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Gerade im Bereich Digital Relations fällt immer wieder auf, dass viele Grundprinzipien der digitalen Welt noch nicht angekommen sind. Dies ist oft unabhängig vom Alter oder der Position. Was können wir tun, um nachhaltig sowohl bei Kunden als auch intern ein größeres Verständnis für digitale Prozesse zu erarbeiten? Diese Frage wurde mir für die Novemberausgabe des prmagazins gestellt. Ist so ein Experten-Ding. Meine Antwort:

Fachliche Kompetenz ins Digitale übertragen

Digital Relations funktioniert nur dann, wenn man nach der Logik des Netzes operiert. Man muss die Mitarbeiter für die Netzkommunikation schulen und ihnen die Möglichkeit geben, ihre fachliche Kompetenz auch ins Digitale zu übertragen. Klaus Eck von der Agentur d.Tales plädiert für die Heranbildung von Markenbotschaftern. Hier liegt eine große Chance, die Themen der Unternehmen auf breite Füße zu setzen und richtig gutes Storytelling zu machen.

Dafür braucht man Köpfe und Sichtbarkeit. Das schafft man nur, in dem man nicht nur tolle Geschichten entwickelt, sondern auch über die Netzwerke der Mitarbeiter verteilt“, so Eck.

Wie das gelingt, skizziert er in einem Blog-Interview mit Nick Marten, der für den Onlinehändler Otto ein Jobbotschafterprogramm aufgesetzt hat: „Unternehmen und speziell Kommunikatoren sollten lernen, mehr loszulassen. Uns ist bewusst, dass sich das sehr leicht sagt, in der Umsetzung jedoch viel Energie und Überwindung kostet. Aber: Die einstige Kommunikationshoheit gibt es nicht mehr.“

Barcamps für Kommunikationsexperimente

In Zukunft gehe es vielmehr darum, mehr Mitarbeiter zur Kommunikation zu befähigen. „Und dabei sollten wir Kommunikatoren gar nicht erst versuchen, den Menschen irgendetwas aufzuzwingen, ihnen Botschaften zu diktieren oder sie zu Werbesprech- oder PR-Maschinen machen zu wollen“, sagt Marten. Wie das gelingt das? Eck gibt im prmgazin-Interview eine leicht umzusetzende Empfehlung:

 

Content-Silos abschaffen

Das reicht allerdings nicht aus. Wichtiger Tipp der PR-Expertin Kerstin Hoffmann an Unternehmen. Verabschiedet euch von der Fachbereichsdenke: „Trennt man das Content-Marketing streng von der PR und diese wiederum von Social-Media-Aktivitäten, so bleiben Content-Silos bestehen, die in der Summe viel zu schwerfällig sind, um die gewünschten Stakeholder zu erreichen und vor allem in Gespräche mit diesen einzutreten.“

Organisationen sollten endlich begreifen, dass praktisch alle ihre Mitarbeiter mittlerweile in sozialen Netzwerken präsent sowie in Messengern mit anderen verbunden sind. „Hier werden sie eben auch in ihrer beruflichen Funktion wahrgenommen und sind daher, gewollt oder ungewollt, Markenvertreter“, schreibt Hoffmann. Wer das ignoriert, überlässt die Außenwirkung dem Engagement und dem mehr oder weniger zufälligen individuellen Kommunikationstalent der Mitarbeiter als den wichtigsten Schnittstellen in die Öffentlichkeit. Das Notiz-Amt ist ja ein Fan des Zufalls. Aber an dieser Stelle sollte man die Expertisen in den eigenen Reihen gezielt an die Netzöffentlichkeit bringen.


Image (adapted) „DigitalWork“ by Alex Kotliarskyi [CC0 Public Domain]


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  • REDDIT t3n: Kein Reddit für Nazis: Onlineplattform schließt rechtsradikale Foren: Die Onlineforen-Plattform Reddit ist ein wahrer Pool an verschiedenen Themen, Gruppierungen und Meinungen. In sogenannten Subreddits kann sich zu allerlei möglichen Themen ausgetauscht werden, manchmal sucht man in diesen Unterforen aber vergeblich nach Moral wie man sie im richtigen Leben erwarten würde – und manchmal sind solche Inhalte sogar gesetzeswidrig, gewaltverherrlichend etc.. Reddit hat jetzt aber einen bedeutenden Schritt gegen Hassbotschaften im Netz gestartet und seine Richtlinien dementsprechend geändert. Denn zuvor waren rechtsradikale Inhalte auf der Plattform zumindest geduldet. Etliche Hass- und Nazi-Foren, wie /r/NationalSocialism und /r/ Rechtsradikalismus – sogenannte „Subreddits“ – wurden jetzt geschlossen. Ex-Chef Yishan Wong lehnt eine solche Art der „Zensur“ – selbst bei solchen Inhalten – jedoch ab.

  • EPRIVACY wired: Die ePrivacy-Verordnung macht das Netz datenschutzfreundlicher: Das EU Parlament hat sich gestern mit 318 gegen 280 Stimmen für besseren Schutz gegen Tracking und für verschlüsselte Kommunikation entschieden. Netz- und Werbeunternehmen müssen jetzt strengere Richtlinien befolgen und das Surfen im Interent und der Umgang mit Apps wie WhatsApp, Google Mail etc. sollte jetzt ein Stück weit sicherer sein. Ein Stück mehr ePrivacy für Europa, jedoch erst einer von vielen, die noch getätigt werden müssen.

  • TWITTER zeit: Twitter verbannt RT und Sputnik als Werbekunden: Wer, wie, wo, was bei der US-Wahl 2016 beeinflusst oder manipuliert hat ist nicht ganz klar. Vor allem russischen Medienquellen werden Beeinflussugnsversuche vorgeworfen. Auch die beiden Medienunternehmen RT und Sputnik sollen mutmaßlich manipuliert haben. Twitter zieht jetzt zur Verantwortung und last beide Medienhäuser nicht länger Werbung auf ihrer Plattform schalten. Twitter bestätigte im Vorfeld, dass zur US-Präsidentschaftswahl im letzten November gezielt russisch finanzierte Inhalte zugunsten des Kandidaten Donald Trump platziert wurden.

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EU plant Überwachung per Software-Exploit

Women look at security cameras (adapted) (Image by Matthew Henry [CC0 Public Domain] via Unsplash)

Auch auf EU-Ebene wird derzeit über Angriffe auf verschlüsselte Kommunikationsdienste mit dem Ziel der Telekommunikationsüberwachung diskutiert. Zwar geht es in erster Linie um das Ausnutzen vorhandener Schwachstellen, nicht um den absichtlichen Einbau von Hintertüren. Doch auch dieses Vorgehen, das zwangsläufig im Verzicht auf die Behebung von Software-Schwachstellen resultiert, hat sich in den letzten Jahren als sehr gefährlich erwiesen. Im Sinne der IT-Sicherheit wie der Bürgerrechte sollte die EU von ihrem Vorhaben abrücken.

Suche nach Software-Schwachstellen gefordert

Auch auf EU-Ebene stößt die aktuelle Tendenz, private Kommunikation zunehmend zu verschlüsseln, bei Politik und Ermittlungsbehörden auf wenig Begeisterung. Statt diesen Trend als Schritt hin zu besserem Datenschutz und effektiverem Schutz vor Online-Kriminalität zu sehen, befürchten die EU-Behörden vor allem eine Behinderung der Strafverfolgung. Dementsprechend suchen aktuell sowohl der EU-Rat als auch die EU-Kommission nach Lösungen, wie die Verschlüsselung bei populären Kommunikationsdiensten umgangen werden kann. 

Das geht aus einem Dokument, welches das Generalsekretariat des Rates an die Mitgliedstaaten versandt hat, hervor. In diesem wird dazu aufgerufen, „Schwächen bei Algorithmen und Implementierungen“ gängiger Kommunikations-Verschlüsselungslösungen zu suchen, um diese im Bedarfsfall ausnutzen zu können. Zu diesem Zweck steht sowohl die Forschung im Bereich der IT-Sicherheit als auch die Investition in moderne, leistungsstarke Hardware im Mittelpunkt der Pläne.

Beteiligung des deutschen ZITiS?

Die Pläne der EU tragen zweifellos die gleiche Handschrift wie die aktuellen Programme einiger nationaler Behörden, darunter der deutschen „Zentralen Stelle für IT im Sicherheitsbereich“ – kurz ZITiS. Vielfach wird spekuliert, dass diese gestaltend mitgewirkt hat.

Auch ohne Behörden-Backdoors gefährlich

Zwar geht es der EU derzeit „nur“ um das Ausnutzen bereits vorhandener Sicherheitslücken, nicht um den absichtlichen Einbau von Hintertüren für die Ermittlungsbehörden – noch, denn einige EU-Länder, insbesondere Frankreich, Großbritannien, Italien, Ungarn und Polen fordern, die Platzierung solcher „Backdoors“ in den Maßnahmenkatalog mit aufzunehmen. Doch auch diese Vorgehensweise hat sich in den letzten Jahren als äußerst riskant erwiesen. Sicherheitslücken, die die Behörden nutzen wollen, werden von diesen bei der Entdeckung nicht an die zuständigen Entwicklerfirmen gemeldet. Dementsprechend bleiben sie oft jahrelang offen. Werden sie dann kriminellen Dritten bekannt – sei es durch deren eigene Forschung oder den Leak von Behörden-Dokumenten -, können sie beispielsweise zur massenhaften Verbreitung von Schadsoftware genutzt werden. So waren die massenhaften Ransomware-Epidemien des letzten Jahres unter anderem Folge des bedenklichen Umgangs der Ermittlungsbehörden mit Software-Schwachstellen.

Eine Politik für die Wissensgesellschaft fordern

Sicherheitslücken offen zu lassen und mit Staatstrojanern oder ähnlichen Werkzeugen zur Telekommunikationsüberwachung auszunutzen, ist angesichts der Bedeutung von IT für unsere Gesellschaft verantwortungslos und gefährlich. Schon im Sinne der IT-Sicherheit und des angemessenen Schutzes kritischer Infrastrukturen sollte die EU von ihren aktuellen Plänen dringend abrücken, bevor sie ernsthaften Schaden anrichtet. Hinzu kommen die psychologischen und sozialen Folgen einer massiven staatlichen Überwachung und die bekanntermaßen oft intransparente und vorschriftswidrige Arbeit der Nachrichtendienste. All das sind Gründe genug, eine andere Politik zu fordern – eine Politik, die die digitale Wissensgesellschaft fördert und schützt, statt sie in Gefahr zu bringen.


Image (adapted) „Women look at security cameras“ by Matthew Henry (CC0 Public Domain)


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Die Netzpiloten sind Partner des CSR Kommunikationskongresses 2017

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Unternehmensverantwortung und Nachhaltigkeit sind Schlagwörter unserer Zeit – nicht nur in der öffentlichen Diskussion, sondern auch innerhalb von Unternehmen bildet sich das CSR-Management zu einem erfolgskritischen Faktor heraus. Die gelungene Kommunikation von Verantwortung und die Verantwortung innerhalb der Kommunikation sind für den Unternehmenserfolg unabdingbar – deswegen ist der 2. Deutsche CSR Kommunikationskongress am 9. und 10. November in Osnabrück diesen Themen gewidmet.

Der Kongress ist eine Initiative des gemeinsamen Arbeitskreises CSR-Kommunikation der Deutschen Public Relations Gesellschaft (DPRG) und des Deutschen Netzwerk Wirtschaftsethik (DNWE) und wird in Kooperation mit dem Zentrum für Umweltkommunikation der Deutschen Bundesstiftung Umwelt umgesetzt.

Vor allem für CSR-Manager und Kommunikationsmanager aus kleinen und mittelständischen Unternehmen sowie Großunternehmen, Konzerne und Vertreter aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Lehre ist der Kongress von Bedeutung.

Diese Themen erwarten euch

Bei der CSR- Kommunikation gibt es noch viele ungelöste Fragen, die der Kongress zu beantworten versucht: Welche Verantwortung trägt das Unternehmen hinsichtlich der Auswirkungen seiner Geschäftstätigkeit? Welche Bedeutung haben diese Entwicklungen für die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens? Doch auch Fragen zu Energie- und Ressourceneffizienz, Klimawandel, Globalisierung und Demographie stellen die Unternehmen im Rahmen des CSR-Managements unter Handlungsdruck.

Unter den Referenten werden unter anderem Prof. Götz W. Werner, Geschäftsführer und Gründer des dm-Drogeriemarkts, und Dr. Holger Hoff, Senior Scientist am Stockholm Environment Institute und am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung, erwartet.

Lasst euch diese einmaligen Kongress nicht entgehen! Weitere Informationen zur Anmeldung und zum Programm findet ihr hier.

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Gelten Facebook-Likes als Äußerung der Meinungsfreiheit?

Tasten Facebook (adapted) (Image by bykst [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Australier sind oft überrascht, wenn sie erfahren, dass ihre Verfassung kein Recht zur freien Meinungsäußerung beinhaltet. Auch das Recht zur politischen Rede, die verfassungsrechtlich impliziert ist, wird dort immer komplizierter, wo die Menschen auf Internetplattformen ihre Meinung äußern können.

Der kürzlich von der „Australian Public Service Comission“ (APSC) veröffentlichte Leitfaden für öffentlich Bedienstete hat dieses Problem genauer herausgestellt. Dieser erklärt Angestellten, dass sie gegen ihre Verhaltensregeln verstoßen könnten, wenn sie regierungskritische Artikel auf Facebook liken oder teilen.

Fallen Facebook- oder Twitter-Posts unter den Schutz der freien politischen Meinung? Es kommt darauf an. Es gibt Spannungen im Gesetz, zum Beispiel den Umfang, in dem Arbeitgeber die Äußerungen ihrer Angestellten kontrollieren können.

Der frühere australische Defense Force-Reservist und konservative Katholik Bernard Gaynor testet diese Grenzen immer weiter aus. Er ficht seine Kündigung von der Armee an, die er erhalten hatte, nachdem er die Regeln für Onlinekommentare missachtete, in dem er Anti-LGBTQ-Kommentare verfasste. Der Hohe Gerichtshof wird in Kürze entscheiden, ob dieser Fall aufgenommen wird. Falls dem so ist, könnte der Umfang der politischen Kommunikation Australiens endlich geklärt werden.

Australiens begrenzter Schutz für politische Reden

Für mehr als zwanzig Jahre gab es in Australien einen Glaubenssatz, der besagt, dass freie Kommunikation über die Regierung und Politik ein unverzichtbarer Teil des Regierungssystems ist – einer der „vom Volk ausgewählt“ wurde. Dies wurde im Jahr 1997 einstimmig vom Hohen Gerichtshof in Langes Fall erklärt.

Der Gerichtshof meinte, dass die Garantie der Meinungsäußerung in Bezug zu öffentliche und politischen Themen stets von den verfassungsrechtlichen Prinzipien der Regierung vorausgesetzt werden muss. Im Fall von Lange setzte der Gerichtshof einen zweistufigen Test ein, der die Gültigkeit von Gesetzen festlegt, die die Freiheit störten:

  1. Ob das Gesetz die Freiheit der Kommunikation über die Regierung oder politische Themen einschränkt, egal ob in seinen Begriffen, Handlungen oder Effekten.

  2. Wenn es dies tut, ob das Gesetz „vernünftigerweise angebracht und angepasst ist, um einem legitimen Ende zu dienen, auf eine Weise, die mit dem verfassungsrechtlich vorgeschriebenen System der präsenten und verantwortlichen Regierung vereinbar ist“.

Der zweite Teil des Tests ermöglicht der Regierung die politische Rede zu regulieren, sofern es angemessen ist.

Was ist politische Rede?

Das Konzept „politisch“ deckt eine Bandbreite an Themen ab, aber hier sind nicht alle öffentlichen Angelegenheiten inbegriffen. Im Fall von Lange meinte der Hohe Gerichtshof: „Die Verfassung verlangt, dass das Volk in der Lage ist, miteinander zu kommunizieren in Bezug auf Angelegenheiten, die ihre Entscheidung bei Bundestagswahl oder Verfassungsreferenda beeinflussen könnte oder das ein Licht auf die Ausführung des Ministers und das Verhalten der Exekutive der Regierung.

Der Hohe Gerichtshof hat seine Untersuchungen, wie und wo die vorausgesetzte Freiheit der politischen Kommunikation entsteht, noch nicht beendet. Nicht jeder Austausch über öffentliche Angelegenheiten oder Themen im öffentlichen Interesse wird geschützt. Diskussionen über gesetzliche Regeln über Wohlfahrtsleistungen, auswärtige Angelegenheiten oder den Klimawandel könnten bereits als politische Diskussionen gelten.

Gleichermaßen kann Kritik der Ausführung der Parlamentarier, des Gemeindevorstands oder der Polizei als Rede gelten, wenn der Kommentar oder die Kritik vernünftig und nicht unehrlich oder mit Bosheit geäußert wurde.

Wann sind Sie „bei der Arbeit“?

Es wird immer offensichtlicher, dass der Gebrauch von sozialen Medien die Grenze zwischen dem Arbeitsleben und dem Privatleben verwischt. Laut den Gerichtshöfen war es üblich, dass „ein Arbeitgeber nur unter besonderen Umständen das Recht hat, private Aktivitäten seiner Angestellten zu überwachen“. In der Regel mussten relevante Verbindungen zwischen dem schlechten Verhalten eines Angestellten und dem Arbeitsverhältnis herrschen.

Jedoch hat sich der Kontext für diese Prinzipien in den letzten zwei Jahrzehnten dramatisch verändert. Frühere Arbeitsgesetze beschrieben, dass Aktivitäten in sozialen Medien im Wesentlichen eine private Aktivität waren, während Reporter herausgefunden haben, dass aktuelle Entscheidungen die Kontrollrechte der Arbeitgeber erhöhen.

Die Regeln für öffentlich Bedienstete

Öffentlich Bedienstete sind eindeutig eingeschränkt, was politische Rede betrifft. Ihnen ist es nicht erlaubt, zur Wahl für die Verfassung anzutreten und es gibt klare Argumente, dass sie vorsichtig sein müssen, wenn sie politische Meinungen äußern. Die Regel ist, dass der „Australian Public Service“ (APS) apolitisch ist.

Dies erhöht die Spannung zwischen konkurrierenden Werten: Die Regierung hat ein gerechtfertigtes Interesse daran, unparteiische Arbeitskräfte zu behalten, aber öffentlich Bedienstete müssen private Meinungen haben und müssen das Recht haben, ihre politischen Meinungen zu äußern.

Mit dem zweistufigen Test des Hohen Gerichtshofes ist es wahrscheinlich eine verhältnismäßige Begrenzung für die APSC-Regel, um festzulegen, dass der politische Ausdruck in einer angemessen Weise eingeschränkt wird.

Andere Begrenzungen, die zu streng, unvernünftig oder unangebracht sind, könnten vom Gerichtshof abgelehnt werden. Verbote für Wahlwerbung und Wahlspenden wurden aus diesen Gründen ausgeschlagen. Dennoch bleibt das Gesetz sehr unklar für öffentlich Bedienstete, die ihre politischen Sichtweisen ausdrücken wollen, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen.

Der Fall Bernard Gaynor

Der Fall Bernard Gaynor, der von der Armee entlassen wurde, weil er homosexuellenfeindlichedie Kommentare auf Facebook verfasst hatte, könnte Klarheit in diese Probleme bringen. Im Jahr 2015 argumentierte Gaynor erfolgreich vor einem einzigen Bundesgerichtshof, dass seine Kündigung die Freiheit der politischen Meinungsäußerung, die in der Verfassung verankert ist, verletzt.

Der Chef der Verteidigungskräfte erhob Einspruch zu dieser Entscheidung und behauptete, dass die Freiheit der politischen Rede nicht mit den Regeln übereinstimmt, die ermöglichen, dass ein Offizier entlassen wird, wenn sein Dienst nicht im Interesse der Verteidigungskraft liegt. Früher in diesem Jahr stimmte der Bundesgerichtshof mit den Argumenten der Verteidigungskraft überein und verkündete, dass die Entlassung vom Gaynor keine Verletzung der Prinzipien von Lange war.

Sie merkten an, dass „die implizierte Freiheit persönliche Rechte von Individuen weder beinhaltet, noch anerkennt oder zuerkennt“. Stattdessen ist es eine Freiheit von Regierungstaten oder Gesetzen, die die politische Meinungsäußerung beschränken. Der korrekte Ansatz, so meinte der Bundesgerichtshof, war derjenige, ob die Genehmigungsregel selbst ungültig war, weil sie unangebrachterweise die implizierte Freiheit einschränkte.

Im Fall von Gaynor war die Regel der Entlassung „passend, nötig und angebracht im Gleichgewicht mit Respekt zu jeder Last, die sie auferlegt“ in Bezug auf politische Kommunikation – so wurde Gaynors Entlassung als gültig befunden.

Gaynor hat dem widersprochen und der Hohe Gerichtshof wird entscheiden müssen, ob sein Fall die erneute Überarbeitung des Bundesgerichtes verdient. Die Freiheit, politische Themen zu diskutieren, ist eine der wenigen garantierten Verfassungsrechte, die wir haben. Wegen immer mehr Fragen zur politischen Rede in den sozialen Medien werden wir zum Hohen Gerichtshof aufsehen, in der Hoffnung, dass er diesen Schutz in vollem Umfang klären kann.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Tasten Facebook“ by bykst (CC0 Public Domain)


The Conversation

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  • SAFETY CHECK sueddeutsche: Facebooks Safety Check – manchmal hilfreich, manchmal Panikmache: Die Schicherheitsabfrage von Facebook wurde bis jetzt nicht nur gelobt. Mit ihr können sich Nutzer auf Facebook in Sicherheit markieren sollte es in einer Region zu einem Anschlag oder einer anderweitigen Katastrophe kommen. Der Safety Check aktiviert sich, wenn ein Algorithmus in Posts oder Lokalmedien Keywords wie „Terror“ oder „Anschlag“ oder „Erdbeben“ erkennt. Nach den weitflächigen Bedrohungen in Barcelona war die Funktion sinnvoll, im Falschen Moment aktiviert, kann die Funktion aber auch eher für Panik als für Beruhigung sorgen.

  • BREITBAND golem: Breitbandausbau kommt nur schleppend voran: Milliardenförderungen wurden in den Breitbandausbau investiert, doch auf dem Land ist noch kaum ein Teil der Förderung angekommen. Bis 2018 sollten alle Deutschen Haushalte über mindestens einen Breitbandzugang verfügen. Momentan liegt die Quote bundesweit erst bei 75 Prozent, in manchen Regionen sogar noch weniger. Doch die Bundesregierung geht weiterhin von der Erfüllung des Ziels aus. Kritik erntet die Regierung mittlerweile nicht nur aus den Reihen der Lokalregierungen, sondern auch von Industrie und Handelskammern.

  • DROHNEN faz: Stören, abschießen und den Pilot verhaften: Drohnen warden immer beliebter, auch unter Privatpersonen. Durch ein GPS Signal erkennen manche Fluggeräte mittlerweile in welchen Zonen sie nicht fliegen darf und warnt die Nutzer, schwierig wird es bei Privatgelände von Firmen, bei denen es zu Industriespionage kommen kann. Aus diesem Grund hat sich ein großer Markt für Drohnen-Abwehr gebildet. Durch Funksignale und Erkennungssensoren soll die Drohne erkannt und dann durch ein so genanntes „Jamming“ das Signal zwischen Drohne und Fernbedienung verursacht werden. Dann könnten die Drohnen erfasst und abgeschossen werden. Die Sensortechnik soll sogar in der Lage sein den Standort des Piloten ausfindig zu machen.

  • BILDBEARBEITUNG google research blog: Making Visible Watermarks More Effective: Ein neuer Algorithmus von den Google Researchern ist nun in der Lage Wasserzeichen von Fotos zu entfernen. Viele Fotoanbieter im Internet nutzen Wasserzeichen um Internetnutzern den Zugang zu klaren Bildern zu verweigern, außer diese zahlen den genannten Preis. Die Forscher sagen, sie wollen mit der Vorstellung dieses Algorithmus keineswegs Fotoanbieter angreifen, sondern ihnen eine Sicherheitslücke aufzeigen.

  • GOOGLE wired: What Google’s Open Communication Culture Is Really Like: Die Arbeitswelt bei Google basiert auf einem bestimmten Modell – kommunikativ, offen, inspirierend Ideen zu verfolgen. Das zeichnet ein Bild ähnlich dem eines Universitätscampus. Regelmäßige Großmeetings, offene Mikrofone und Diskussionen. Das führt zu einer starken Einbeziehung der Mitarbeiter in das Unternehmen und schafft Loyalität. Doch mit zunehmender Größe des Unternehmens oder einer Angst vor immer gefährlicher werdenen Leaks wurden Veränderungen irgendwann unumgänglich, schreibt dieser Ex-Google Mitarbeiter.

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Amber Rudd: Problematische Thesen zur Verschlüsselung

Verschlüsselung (adapted) (Image by brenkee) (CC0) via Pixabay

Die britische Außenministerin Amber Rudd hat kürzlich einige sehr problematische Äußerungen zum Thema Verschlüsselung getätigt. Rudd sieht Verschlüsselung, wie viele andere konservative Politikerinnen und Politiker, als Werkzeug von Terroristen und anderen Kriminellen an, das den Ermittlungsbehörden die Arbeit erschwert und somit die Sicherheit der Bevölkerung gefährdet. Die Ministerin ist außerdem der Ansicht, dass die meisten Nutzerinnen und Nutzer Verschlüsselung nicht für besonders wichtig halten. Daher, so ihr Tenor, dürfe diese ruhig zugunsten der Ermittlungsbehörden geschwächt werden.

Fördert Verschlüsselung den Terrorismus?

In einer Kolumne in der englischen Zeitung „The Telegraph“ stellt Amber Rudd einige kontroverse Thesen zum Thema Verschlüsselung auf. Die Terror-Angriffe der vergangenen Monate hätten gezeigt, so die Ministerin, dass „Terroristen Internet-Plattformen nutzen, um ihre verabscheuungswürdige Ideologie zu verbreiten und um ihre Gewaltakte anzuregen und zu planen“.

Schon hier vermischt die Ministerin einige verschiedene Sachverhalte – und stellt Zusammenhänge auf, die sich kaum mit Fakten belegen lassen. Es ist zweifellos richtig, dass sich im Internet – je nachdem, wo man schaut oder wonach man sucht – auch Terror-Propaganda findet. Das ist allerdings kein Problem, das durch Verschlüsselung verschärft wird, denn Propaganda, die vor Zugriffen durch Verschlüsselung geschützt ist, würde ihren Zweck massiv verfehlen.

Mehr Sinn ergibt die Behauptung, Terroristinnen und Terroristen würden das Internet und speziell verschlüsselte Kommunikationsdienste nutzen, um Anschläge zu planen. Allerdings hat die Untersuchung vergangener Terrorismus-Fälle gezeigt, dass dies durchaus seltener der Fall ist, als Rudd impliziert. Häufig greifen Terroristinnen und Terroristen vielmehr auf herkömmliche SMS und Telefongespräche, geführt von billigen Wegwerf-Handys mit Prepaid-SIM-Karten, oder ähnliche Kommunikationswege zurück. Und selbst, wenn verschlüsselte Internet-Kommunikationsdienste zur Anschlagsplanung verwendet werden, gibt es keinen Grund, anzunehmen, dass beim Wegfall dieser Dienste oder einer Schwächung der Verschlüsselung Terrorgruppen nicht ohne weiteres in der Lage wären, auf alternative Kommunikationsmittel auszuweichen.

Ministerin Rudd allerdings scheint überzeugt, dass die Existenz verschlüsselter Dienste, die durch die Ermittlungsbehörden nicht mitgelesen werden können, maßgeblich zur Gefährdung der inneren Sicherheit beiträgt. Zwar enthält Rudds Kolumne ein Lippenbekenntnis zur Verschlüsselung als Schutz vor Online-Bedrohungen. Gleichzeitig bezeichnet sie aber speziell mit einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung geschützte Dienste als „besondere Herausforderung“, da diese weder vom Provider noch von den Behörden mitgelesen werden können. Das macht deutlich, dass Rudd trotz ihrer vorherigen positiven Aussagen Verschlüsselung primär als Problem, als unkaontrollierbares Werkzeug, das die Kriminalitätsbekämpfung erschwert, ansieht.

Verschlüsselung schwächen – ja, nein, vielleicht?

Es folgt eine etwas abenteuerliche Argumentation der Ministerin. Sie schreibt: „Ich weiß, dass manche [Menschen] argumentieren werden, dass es unmöglich ist, beides zu haben – dass es, wenn ein System Ende-zu-Ende-verschlüsselt ist, unmöglich ist, jemals auf die Kommunikation zuzugreifen. Das mag in der Theorie wahr sein. Aber die Realität ist anders. Echte Menschen bevorzugen oft einfache Bedienbarkeit und viele Features gegenüber einer perfekten, unangreifbaren Sicherheit. Also geht es hierbei nicht darum, die Firmen zu bitten, die Verschlüsselung kaputt zu machen oder sogenannte Hintertüren (Back Doors) zu schaffen. Wer benutzt WhatsApp, weil es Ende-zu-Ende-verschlüsselt ist, und nicht, weil es eine unglaublich benutzerfreundliche, günstige Methode ist, mit Freunden und Familie in Kontakt zu bleiben? Unternehmen wägen ständig zwischen Sicherheit und Benutzerfreundlichkeit ab, und hier, so glauben unsere Experten, liegen Gelegenheiten.

Also gibt es Möglichkeiten. Aber diese verlangen erwachsene Gespräche zwischen den Technologie-Unternehmen und der Regierung – und diese Gespräche müssen vertraulich sein. Der wichtigste Punkt ist, dass es nicht darum geht, die Sicherheit großflächig zu kompromittieren. Es geht darum, zusammenzuarbeiten, so dass wir einen Weg finden können, wie unsere Sicherheitsbehörden, unter sehr spezifischen Bedingungen, mehr Informationen darüber bekommen, was Kriminelle und Terroristen online tun.“

Ganz klar wird nicht, was genau die Ministerin bezweckt. Technisch gesehen ist es nicht möglich, einen Zugriff auf eine (sauber implementierte und kryptographisch verlässliche) Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zu bekommen, ohne eine Hintertür einzubauen. Womöglich meint Rudd, dass diese Lücke entsprechend selektiv eingebaut würde, so dass sie die Sicherheit nicht in großem Rahmen gefährdet. Das allerdings ist ein gefährlicher Trugschluss – früher oder später finden Informationen über dergleichen Sicherheitslücken meist ihren Weg auch in kriminelle Kreise, sei es durch Leaks, kriminelle Insider oder schlichtweg die Sicherheitsforschung der kriminellen Angreifer, die häufig über beachtliches technisches Know-How verfügen. Dieses Risiko machen die jüngsten, durch von der NSA absichtlich verschwiegene Windows-Sicherheitslücken ermöglichten Ransomware-Attacken eindrucksvoll deutlich.

Irgend etwas zwischen dumm und unmoralisch ist das Argument, die meisten Nutzerinnen und Nutzer seien ohnehin nicht an starker Verschlüsselung interessiert (nur am Rande sei erwähnt, dass hier wieder einmal der klischeebeladene, bequeme Scheingegensatz von Sicherheit und Benutzerfreundlichkeit als sich gegenseitig ausschließenden Qualitäten bedient wird, obwohl die Entwicklungen der letzten Jahre gezeigt haben, dass dies keineswegs der Fall sein muss.)

Es mag stimmen, dass viele Menschen sich über dieses Thema zu wenig Gedanken machen, wobei das Bewusstsein für IT-Sicherheit und Datenschutz seit den Snowden-Leaks deutlich zunimmt. Jedoch verdienen auch diese Nutzerinnen und Nutzer, dass ihre Privatsphäre respektiert und geschützt wird. Datenschutz darf kein Privileg einiger technisch versierter Nerds sein. Vielmehr liegt es in der Verantwortung der Diensteanbieter und Software-Entwickler, den Menschen, die ihrer Technologie vertrauen, einen angemessenen Sicherheitsstandard zu bieten.

Diesen nur vorzugaukeln, während man heimlich Hintertüren einbaut, wäre schlichtweg ein Verrat an der Nutzergemeinde. Hier, und keineswegs beim von Amber Rudd angeführten „Kampf gegen den Terror“, liegt die Verantwortung derjenigen, die unsere digitale Welt mit Hilfe ihrer Entscheidungen und technischen Fähigkeiten mit gestalten.

Übrigens ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass Terroristinnen und Terroristen im von Rudd beschriebenen Szenario zu der Minderheit gehören würden, denen die Sicherheit ihrer Kommunikationsmittel über alles geht. Sollten sie für die Anschlagsplanung auf verschlüsselte digitale Kommunikationsmittel zurückgreifen – was, wie bereits beschrieben, eher die Ausnahme als die Regel ist – wären sie zweifellos in der Lage, einen Dienst mit einer nicht kompromittierten Verschlüsselung auszuwählen.

Spätestens im Open-Source-Bereich, wo Hintertüren früher oder später auffallen würden, würden sie fündig – und wenn nicht, würde sich schlichtweg ein Schwarzmarkt für dergleichen Kommunikationsmittel entwickeln, wie es ihn bereits für Schadsoftware und allerhand andere illegale Waren und Dienstleistungen gibt. Somit wäre am Ende die Sicherheit der unbescholtenen Nutzerinnen und Nutzer geschwächt, ohne dass es die Kriminalitätsbekämpfung tatsächlich nennenswert voran bringt. Von Verhältnismäßigkeit kann bei einem solchen Szenario keine Rede sein.

Ergänzend sei angemerkt, dass die angeführten „streng begrenzten Einzelfälle“, in denen ein Zugriff auf verschlüsselte Kommunikation ermöglicht werden soll, erfahrungsgemäß die Tendenz haben, im Laufe der Zeit schrittweise immer weiter ausgeweitet zu werden. Invasive Sicherheitsmaßnahmen, die für Not- und Ausnahmefälle eingeführt werden, werden häufig schon nach wenigen Jahren auch für eher alltägliche Kriminalität und ohne ernst zu nehmende Kontrolle der Rechtmäßigkeit eingesetzt.

Ignorant und gefährlich

Angesichts der Faktenlage kann Amber Rudds Kolumne nur als technisch eher unbedarfter, dadurch aber keineswegs ungefährlicher Versuch, die Verschlüsselung (und damit eines der wichtigsten Werkzeuge gegen IT-Kriminalität, Überwachung und Zensur) zu schwächen, eingestuft werden. Aufgrund der vertraulichen Natur der Gespräche der britischen Regierung mit führenden Technologie-Unternehmen ist unbekannt, ob Rudds Ideen bei den Fachleuten auf Gegenliebe gestoßen sind. Es ist zu hoffen, dass sie die Abfuhr erhalten haben, die sie verdienen.


Image „Vorhängeschloss“ by brenkee (CC0 Public Domain)


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Die Netzpiloten sind Partner der Fintech Week Hamburg

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Habt ihr Lust auf die Fintech Week in Hamburg? Bei uns könnt ihr noch zwei Tickets haben! Hier könnt ihr an der Verlosung teilnehmen und vom 6.-12. November live dabei sein. Teilnahmebedinungen


Das betahaus Hamburg wird zum zweiten Mal Zentrum für Fintech. Denn vom 6. Bis 12. November findet erneut die Fintech Week statt. Aktuere aus der Finanzwelt, Banken, Versicherungen und Digitalwirtschaft können sich auf viele Veranstaltungspunkte freuen. Die ersten Programmpunkte wurden bereits veröffentlicht. Einer davon ist zum Beispiel das erste Fintech Startup Weekend mit diesem Schwerpunkt in Europa.

Auf der Agenda der Veranstaltungswoche stehen neben Robo-Advisors, digitalen Prozessen in Finanzunternehmen und kommunikativen Herausforderungen auch die Regulierungsinitiative PSD2 und Kollaboration zwischen Fintech- und Banken-Teams.

Fünf Ankerthemen – viele Veranstaltungen

In verschiedenen bekannten Konferenzrunden oder experimentellen Formaten treffen Besucher mit Experten und Expertinnen der Branche zusammen. So schafft die Fintech Week eine Mischung aus entspanntem Zurücklehnen und spannenden Interaktionen.

In der bewährten Konferenz Euroforum geht es dieses Jahr um die Digitalisierung des Bankenwesens. Ai, API und Blockchain sind nur der Anfang, die Teilnehmer diskutieren über Chancen und Herausforderung.

Im LaborX können Teilnehmer ihre Kommunikationsstrategien vor Experten pitchen und Feedback bekommen. Bei der Fintech Week Team Challenge steht in verschiedenen Wettkämpfen Teamwork und Geschick im Mittelpunkt. Neben den Interaktiven Workshops finden auch Gesprächsrunden oder Storytelling Events Platz. Die Fintech Ladies ein und erzählen von ihrer Erfahrung in einer Arbeitswelt von männerdominierten Teams. Auch spannend: die Fuckup Night. Hier erzählen Gründer von ihren größten Misserfolgen und tauschen sich über das Schlechte und das Gute ihres Scheiterns aus.

Weil die weltweite Blogosphäre stetig wächst und sich neben den klassischen Medien als wichtige Informationsquelle etabliert hat verleiht comdirect im Rahmen des Finanzbarcamps erneut den Finanzblog Award. Die für die besten deutschsprachigen Blogs der Szene, einen Publikumspreis und

Nicht verpassen

Bei der Fintech Week kann man sich seinen Veranstaltungsplan selbst zusammenstellen und muss nur Tickets für die Veranstaltungen erwerben, die man auch besuchen möchte. Für jedes Event gibt es individuelle Tickets. Aber das Programm ist noch lange nicht vollständig. Bis jetzt wurden 20 der geplanten 40 Veranstaltungen veröffentlicht, es lohnt sich also die Event-Webseite im Auge zu behalten.

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Wie Kinder Humor entwickeln

Child (adapted) (image by Bellezza87 [CC0] via pixabay)

Wer einmal versucht hat, sein Kleinkind mit Sarkasmus oder einem Wortwitz zu unterhalten, hat vermutlich nur einen entgeisterten Blick geerntet. Babys sind sogar noch schwieriger zu beeindrucken – sie ignorieren gekonnt unsere Clownsnummern und fangen stattdessen bei völlig zufälligen Ereignissen an, herzhaft zu lachen. Natürlich haben auch Kinder schon ein bisschen Humor. Aber was finden sie in verschiedenen Altersstufen lustig und ab wann können wir davon ausgehen, dass sie Dinge wie Sarkasmus und Ironie verstehen?

Mein zweijähriger Sohn hat vor kurzem damit begonnen, meine Nase zu packen und hysterisch lachend so zu tun, als würde er sie in den Mülleimer in der Küche schmeißen. Das ist zwar kein Scherz, den ich beim nächsten Abendessen mit Gästen zum Besten geben würde, aber zumindest sieht man hier, dass mein Jüngster einen gewissen Sinn für Humor entwickelt.

Die wesentliche Grundlage, die Kinder für die Entwicklung von Humor brauchen, ist die Sozialisierung. Kinder müssen verstehen, dass sie eine Erfahrung mit einem anderen Menschen teilen, bevor sie einen Sinn für Humor entwickeln können. Wir machen das üblicherweise, indem wir gemeinsam lachen und gemeinsam Reaktion teilen – ein Prozess, der bereits beim ersten Augenkontakt und Lachen eines Neugeborenen beginnt. Der Psychologe Lev Vygotsky nahm an, dass humorvolle soziale Interaktionen dieser Art die kognitive Entwicklung eines Kindes unterstützen können.

Trotzdem braucht ein Kind auch ein paar grundlegende kognitive Fähigkeiten, um überhaupt Witze machen zu können, und zwar jenseits von der Fähigkeit, lustige Grimassen zu schneiden. Die wichtigsten Fähigkeiten sind eine gewisse Vorstellungskraft, die Fähigkeit, andere Sichtweisen anzunehmen und die Sprache. Diese Fähigkeiten entwickeln sich bei jedem Kind unterschiedlich schnell und wachsen und verändern sich auch noch im Jugend- und Erwachsenenalter. Deswegen existiert kein fixes Schema, um die Humorentwicklung anhand spezifischer, altersbezogener Stadien festzulegen.

Sprache

Fast alle Arten von Humor beinhalten eine gewisse Erkenntnis von Inkongruenzen zwischen einem Konzept und einer Situation. Anders ausgedrückt: wir lachen wenn wir überrascht werden, weil wir den Eindruck haben, dass die Dinge nicht zusammenpassen. Nehmen wir als Beispiel folgenden Witz: „Ein Pferd geht in eine Bar. Der Barmensch fragt: „Warum macht du so ein langes Gesicht?“ Zum Einen ist dieser Witz amüsant, weil Pferde normalerweise nicht in eine Bar traben. Zum Anderen ist die Pointe „Warum macht du so ein langes Gesicht?“ witzig, weil wir zuerst gar nicht verstehen, warum das Pferd traurig ist. Dann erst macht es in unserem Gehirn „Klick“ und wir begreifen, dass Pferde ja buchstäblich ein „langes Gesicht“ haben.

Es scheint also, als wäre die Sprache eine Voraussetzung für Humor. Babys, die natürlich noch nicht sprechen können und Kleinkinder, die erst geringe Sprachkenntnisse besitzen, haben normalerweise mehr Spaß mit Dingen, die einen physischen Bezug haben – zum Beispiel bei einer Runde Verstecken. Trotzdem haben auch einfache Witze, die im Vergleich mit sprachbasierten Witzen weniger kognitive Fähigkeiten benötigen, mit dem Erkennen von Inkongruenzen zu tun. Hierbei geht es meist um einen gewissen Überraschungsmoment – plötzlich erschient jemand wie aus dem Nichts. Viele Forscher behaupten, dass die Kommunikation der springende Punkt ist – und in Wahrheit der Humor den Spracherwerb fördert.

Vorstellungskraft

Die Vorstellungkraft spielt im Erkennen von Inkongruenzen eine große Rolle. Sie hilft den Kindern, eine andere Sichtweise anzunehmen und verschiedene soziale Rollen zu inszenieren, und sogar so zu tun, als würde sich die eigene Nase vom Körper entfernen.

Die Entwicklung der Vorstellungskraft beginnt bei Kindern ungefähr zwischen dem 12.bis zum 18. Monat. Interessanterweise ist das der exakt gleiche Zeitraum, in dem Kinder beginnen, die Witze der Eltern nachzumachen . So werden die Eltern angespornt, ihren eigenen Humor zu entwickeln. Tatsächlich können Kinder bereits im Alter von sieben Monaten willkürlich jedes Verhalten nachmachen, das Gelächter erzeugt, wie zum Beispiel ein lustiges Gesicht oder eine Runde Verstecken.

Vorstellungskraft zu entwickeln, ist für ein Kind essentiell, um später eigene Witze zu erfinden. Dieser Prozess beginnt ab einem Alter von etwa zwei Jahren, oft mit objektbasierten Witzen, etwa wenn sich ein Kind die Unterhose auf den Kopf setzt, oder konzeptuell, zum Beispiel mit der Aussage „Das Schwein macht Muuuh“.

Die Inspiration für eigene Witze bekommen Kinder meist von jenen Dingen, die sie gerade selber lernen. Darüber hinaus hilft ihnen das, um gesellschaftliche Regeln zu verstehen. Beispielsweise witzelt mein Sohn oft darüber, dass seine Freundin Lilly „auf den Fußboden gemacht hat“. Das kommt daher, weil bei ihm gerade das Töpfchentraining und Trockenwerden und Exkremente an erster Reihe stehen. Witze darüber zu machen ist eine gute Möglichkeit, die gesellschaftlichen Rituale und Gefühle zu erlernen, die mit diesem Prozess einhergehen – vor allem im Umgang mit Missgeschicken.

Perspektiven und Täuschungen

Kindern können außerdem ihr Humorverständnis entwickeln, wenn sie verstehen, wie unser Verstand funktioniert. Es ist wichtig, zu wissen, dass verschiedene Menschen einen unterschiedlichen Wissensstand oder eine unterschiedliche psychische Verfassung haben. Manche gehen auch von falschen tatsachen aus oder liegen schlichtweg auch mal falsch. Beispielsweise erkennt ein Kind, das das Konzept der Täuschung verstanden hat, wenn die Eltern nur so tun, als wären sie ahnungslos, während sich das Kind hinter ihnen anschleicht, um sie zu erschrecken.

Tatsächlich zeigen auch einige Forschungsergebnisse, dass dieses Wissen für Kinder entscheidend ist, um kompliziertere Witze mit Sarkasmus und Ironie zu verstehen. Eine Studie hat gezeigt, dass manche Kinder bereits im Alter von drei Jahren (normalerweise ungefähr fünf) in der Lage sind, einige Spielweisen der Ironie zu verstehen. In diesem Experiment wurde Kindern ein Puppentheaterstück vorgeführt. Dann wurden den Kindern Fragen gestellt, was sie denn gerade gesehen hatten. Ein Beispiel für Ironie ist eine Szene, in der eine Puppe ein Teller zerbrach. Eine zweite Puppe sagte daraufhin: „Deine Mutter wird sich aber freuen.“ Manche Kinder fingen zu lachen an und verstanden, dass der Satz nicht wörtlich gemeint war und die Mutter natürlich nicht glücklich sein würde.

Andere Wissenschaftler argumentieren, dass sich das Verständnis von Ironie erst durch die Erfahrung mit Humor an sich entwickelt, anstatt durch das Wissen um Täuschung und die Entwicklung von Vorstellungskraft. Witze sind gesellschaftlich und kulturell geprägt, ein Teil des Lernprozesses besteht daher aus sozialen Interaktionen.

Sobald Kinder Vorstellungsvermögen und ein grundlegendes Verständnis für andere entwickelt haben, können sie mit ihrem Humor tatsächliche und mögliche Emotionen erkunden. Beispielsweise können sie unsichtbares Essen herumschleudern und voll Freude herumschreien, dass sie sich bekleckert haben. Die Elternsollen dann so tun, als seinen sie verärgert. Dadurch können Kinder in einem sicheren Umfeld die Emotion Ärger erforschen.

Wenn es zum kindlichen Humor kommt, müssen wir also geduldig sein. Gott sei Dank, denn sonst wären Disney- und Pixar-Filme wohl um einiges anstrengender abzusitzen, wenn Kinder nicht über all die versteckten und teilweise recht gewagten Witze hinweggehen würden. Für’s Erste lachen wir einfach weiter über gestohlene Nasen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Child“ by Bellezza87 (CC0 Public Domain)


The Conversation

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CIOs als Avantgarde der Digitalisierung

Geschaeftsmann (adapted) (Image by Visual Hunt) (CC0 Public Domain) via Pexels

Während knapp zwei Drittel (63 Prozent) der Unternehmen ihre Technologiestrategie aufgrund der globalen Unsicherheit angepasst haben, halten 86 Prozent ihre Investitionen in Innovation aufrecht oder steigern sie, auch solche in digitale Arbeitskräfte. Fast ein Drittel (30 Prozent) investieren in flinkere Technologieplattformen, um ihre Organisation in Innovation und Erneuerung zu unterstützen. Das sind die Ergebnisse der diesjährigen internationalen Studie zu CIOs von Harvey Nash und KPMG.

Der Anteil der befragten Organisationen, die unternehmensweite digitale Strategien verfolgen, stieg in nur zwei Jahren um 36 Prozent, und die Anzahl der Organisationen, die einen Chief Digital Officer als Verantwortlichen für ihre IT-Infrastruktur haben, hat sich im vergangenen Jahr um 32 Prozent erhöht. „IT-Führungskräfte werden immer wichtiger, da CEOs und andere Führungsorgane sich an sie wenden, um bei der Navigation durch die Komplexität, die Bedrohungen und die Chancen in der digitalen Welt Unterstützung zu erfahren“, so Mark Hayes, Country Manager bei Harvey Nash.

Packt man Aufgaben hinzu, die sich aus der Erfahrungswelt der sozialen Netze speisen, aus Open Source-Projekten, Co-Kreation, freie Entwickler, Cloud-Belegschaften, dezentrale Szenarien, Data Science, Big Data-Analysen, maschinelles Lernen, Data Mining oder Computer Vision, merkt man sehr schnell, dass CIOs interdisziplinäre Fähigkeiten mitbringen müssen.

Brauchen Unternehmen neue CIOs?

„Unternehmen brauchen neue CIOs“, proklamiert daher Johannes Wiele in einem Fachbeitrag für den Sammelband „Führungsmanagement“, erschienen im Symposion-Verlag: „Externe Berater für Unternehmensanwendungen, Kommunikation und Sicherheit wissen in der Mehrzahl von CIOs zu berichten, die auf Trends lediglich reagieren und ihnen inzwischen geradezu nachlaufen. Ihre Anforderungen erhalten sie von den Fachabteilungen und dem Top-Management, die ihrerseits teils auf wirtschaftlichen, teils auf kulturellen Wandel reagieren oder die Veränderungen kreativ begleiten wollen, ohne dabei alle Implikationen für die Informationstechnik im Haus zu verstehen.“

Der rasante, meist vom Marketing getriebene Einstieg in die sozialen Netzwerke sei ein Paradebeispiel dafür, wie entkoppelt die CIOs und ihre IT-Abteilungen inzwischen von der realen Nutzung der IT-gestützten Kommunikationsmittel sind. Wiele fordert daher eine andere Einstellungspraxis: „Rein technisch ausgebildete IT-Fachleute können den Anforderungen nur genügen, wenn sie sich soziokulturell, medienwissenschaftlich und psychologisch weitergebildet haben. Quereinsteiger aus anderen Disziplinen als der Informatik verdienen Vertrauen, wenn sie sich ihrerseits technisches Wissen erarbeitet haben und mit Technikern zusammenarbeiten können.“

Warum steigen CIOs nicht in den Vorstand auf?

Es sei nicht verwunderlich, warum klassische CIOs in Unternehmen nur selten Vorstandsrang bekommen, meint der IT-Experte Lutz Martiny: „Der CIO versteht nur in Ausnahmefällen das Geschäft des Unternehmens und der CFO und die Vertreter der Eigentümer, die den CEO bestellen, verstehen in der Regel nicht genug von IT, Vernetzung, Social Media und ihren Möglichkeiten für das Geschäft.“

Aufgrund der Schnelllebigkeit des Marktes müsse der CIO in der Lage sein, sich abzeichnende Trends genauso wie Technologien, die keine Zukunft mehr haben, einstufen und beurteilen zu können. „Daneben sind stete Beobachtung des relevanten Marktes und die Fähigkeit zur Einschätzung langfristiger Entwicklungslinien für Investitionsentscheidungen, mit denen hohe Beträge auf lange Zeit festgelegt werden, unerlässlich. Der CIO muss die Möglichkeiten, die die Technologien eröffnen, nicht nur ahnen und beurteilen, er muss sie auch aktiv im Unternehmen umsetzen“, erläutert Martiny. Er benötige bereichsübergreifende Kompetenzen und sollte sich als Generalist positionieren. „Das bekräftigt die Forderung nach der Position eines CIO, der die technologische mit der betriebswirtschaftlich-unternehmerischen Seite verbindet.“

AI first-Strategien gefragt

Damit Unternehmen und CIOs zur Avantgarde der Digitalisierung aufsteigen, reicht es nach Ansicht von Axel Oppermann nicht mehr aus, „Cloud first, Mobile first“ zu proklamieren. „AI first“ ist gefragt. Heute müsse es um eine erweiternde Intelligenz gehen. Cloud und Mobile seien dann nur noch unterstützende Aktivitäten: „Automatisierung, Beschleunigung, Co-Existenz von Algorithmus und Mensch. Das Zusammenspiel von Mensch und Maschine, die Kompensation von Mensch durch Maschine. Substitutionseffekte durch neue Maschinen. Das sind die Themen, mit denen sich Unternehmenslenker, CIOs, Betriebsräte, aber auch IT-Pros beschäftigen müssen. Auf dieser Basis werden neue Geschäftsmodelle geboren; das ist die DNA der Zukunft“, schreibt Oppermann in einem CIO-Kurator-Beitrag. Der CIO stehe in der Pflicht, ein Umfeld für sich und das Unternehmen zu schaffen, das diese Anforderungen erfüllt. Das Notiz-Amt sieht hier einen gewaltigen Qualifizierungsbedarf.


Image (adapted) „Geschäftsmann“ by Virtual Hunt (CC0 Public Domain)


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Autokraten können mit Tools wie Slack & Co. nicht viel anfangen

Break (adapted) Image by rawpixel (CC0 Public Domain) via Pixabay

McKinsey hat eine neue Studie zum Thema ‚Advanced social technologies and the future of collaboration‘ veröffentlicht. Fazit: Unternehmen, die Messaging-Plattformen einsetzen, haben den Eindruck, dass sie öfter kommunizieren und ihre Teams sich besser selbst organisieren. Arbeit werde mehr projekt- statt team- oder funktionsbasiert. „Um aber die Kirche im Dorf zu lassen: Rund Dreiviertel der Befragten bauen am Arbeitsplatz noch auf ältere Technologien wie E-Mail, Telefonate oder Textnachrichten“, schreibt Stefan Pfeiffer vom CIO-Kuratorium.

Einseitige Technologie-Sicht

Aber – so die Umfrage – soziale Technologien sind trotzdem mehr denn je in den Arbeitsalltag integriert. Und dafür seien gerade besagte Messaging-Plattformen verantwortlich. In diesen Unternehmen verlasse man sich nicht mehr so stark auf E-Mail und Telefon. „Na ja, der Unterschied beträgt wenige Prozentpunkte, aber jeder kleine Fortschritt in der Verwendung sozialer Technologien hilft, wenn dadurch unter dem Strich für Unternehmen und Mitarbeiter etwas rauskommt“, kommentiert Pfeiffer. Ihm fehlt die kritische Betrachtung in solchen Erhebungen. Das Ganze sei einseitig auf Technologie ausgerichtet: „Messaging Platforms werden sehr naiv als Allheilsbringer positioniert. Aber überfordern wir eventuell die Anwender? Die Mehrheit – die Generation E-Mail – arbeitet noch in ihrem traditionellen Posteingang. Dort sitzt die Information, isoliert und nicht von anderen nutzbar.“

Generation E-Mail

Das passt zu den Erfahrungen des Livestreaming-Experten Sebastian Greiner: „Ich habe versucht, mich in einem Team von drei Leuten mit Slack zu organisieren. Nach einer Woche habe ich nix mehr gefunden, war ständig am Suchen. Die E-Mail ist immer noch der Kanal, wo ich meine Kommunikation wiederfinde und aufbewahrt habe. Daneben laufen diverse Messenger sowie Twitter und Facebook. Sie tragen zwar zur schnellen Kommunikation bei, zerfasern diese aber leider auch gehörig.“ Und Oliver Marquardt kommt zu der Schlussfolgerung, dass die technologischen Werkzeuge immer nur so intelligent seien wie seine Benutzer.

Ole Wintermann von der Bertelsmann-Stiftung wertet die McKinsey-Ergebnisse positiv: „Es klingt vielleicht technokratisch. Jedoch: Slack fördert Kommunikation, wohingegen die Standardware SharePoint sie eher behindert. Auch das technokratische Tool hat eine innewohnende soziale Implikation.“

Tools und die kommunikative Vertrauensbasis

Schaut man sich aber die Arbeitsweise der Führungskräfte in vielen Unternehmen an, so kann von einer kollaborativen Organisationskultur nicht gesprochen werden. „Wenn der Kern der Kommunikation nicht vorhanden ist, also Vertrauensbasis, Bindung etc., dann sind Tools so oder so ungeeignet. Vor allem Textkommunikation ist bei mangelnder Beziehungsebene schwierig, weil immens viel Interpretationsraum vorhanden ist. Slack & Co. sind Tools von vielen. Manchmal ist es weitaus einfacher zum Telefonhörer zu greifen, als immensen Text reinzukloppen. Für konkrete Arbeitsschritte, wie Korrekturen oder als internes soziales Netzwerk sind Slack & Co wiederum sehr gut“, sagt Patrick Breitenbach, Head of Brand Consulting & Strategic Innovation bei ZDF Digital.

Ellenbogen und Hierarchie

Wer offline nicht zusammenarbeitet, werde das online auch nicht tun, meint der Berater Alexander Kluge. Wenn im Top-Management Ellenbogen und Hierarchie den Alltag beherrschen, könne auch ein Tool nicht weiterhelfen. Organisationen neigen nach Auffassung von Professor Lutz Becker dazu, neue Dinge oben drauf zu setzen, ohne den Mut zu haben, das Alte abzuschaffen. „Jedes Problem braucht in einer idealen Welt sein eigenes Format. Gut wäre ein System, dass die unterschiedlichen Formate bündelt und auf das jeweilige Problem übersetzt“, so der Studiendekan der Hochschule Fresenius in Köln. „Die Herausforderungen fangen schon bei unterschiedlichen Archivierungs- und Suchstrategien an. Manchmal braucht man eine Volltextsuche, manchmal eine hierarchische, manchmal eine assoziative Suche“, sagt Becker.

Nach Ansicht des Schweizer Bildungsethikers Christoph Schmitt ergehen sich viele Firmen in einem Toolbox-Fetischismus. Das habe viel mit der Bauchladenmentalität klassischer Organisationen zu tun. Der Shitstorm-Analytiker Tim Ebner fragt sich, ob solche Systeme überhaupt eine gute Orga der Kommunikation ersetzen können. Dem Ganzen werde meist viel zu viel Bedeutung zugemessen, bevor die eigentlichen Hausaufgaben erledigt sind. Und das Notiz-Amt fragt sich, welche Freiheitsgrade in Unternehmen überhaupt zugelassen werden, um mit kollaborativen Tools zu experimentieren.

Am Ende versinken offene Konzepte in der Firmenautokratie von CEOs mit Generaldirektoren-Habitus. Selbstorganisation, Autonomie, Individualität, Partizipation, die Ökonomie des Gebens und Nehmens sind mit den Kontrollsehnsüchten vieler Chefs nicht gerade kompatibel. Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht?


Image (adapted) „Break“ by rawpixel (CC0 Public Domain)


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Stowe Boyd über Slack, Coworking und die Zukunft der Arbeit


Dieser Beitrag ist Teil einer Artikelreihe im Vorfeld der internationalen Tech-Konferenz Viva Technology, zu der vom 15. bis 17. Juni 2017 rund 50.000 Teilnehmer und über 5.000 Startups nach Paris kommen. Die Netzpiloten werden als Medienpartner der Viva Technology mit vor Ort sein. Und hier gibt es Tickets für das Event zu gewinnen.


Der Futurist und Forscher Stowe Boyd hat schon den ein oder anderen Trend in der vermeintlichen Arbeitswelt von morgen aufgespürt, getestet und kommentiert – und manche davon dann auch wieder spurlos verschwinden sehen. Nicht alles, was die Zukunft der Arbeit sein soll, hat dann auch die Macht, wirklich etwas zu verändern. Wir haben uns mit ihm im Vorfeld der VivaTech, auf der er auch als Redner auftreten wird, über Slack, Coworking, und wie Künstliche Intellligenz die Zukunft der Arbeit verändern wird, etwas genauer unterhalten: 

Tobias Schwarz: Vor beinahe neun Jahren haben Sie ein Interview mit einem meiner Vorgänger, Peter Bihr, bei Netzpiloten durchgeführt und erklärt, warum die E-Mail nicht mehr funktioniert. Was denken Sie heute über die E-Mail?

Stowe Boyd (adapted)
Image by Stowe Boyd

Stowe Boyd: Ich wette, dass ich so etwas Ähnliches wie das Folgende gesagt habe: Wir wollen die E-Mail für ein weites Spektrum von Anwendungsfällen anwenden, es stellt sich jedoch heraus, dass es am besten für Applikationen, die Spaminhalten sehr ähnlich sind, geeignet ist, wie beispielsweise E-Mail-Newsletter. Die Stelle, an der E-Mail nur schlecht funktioniert, ist exakt dieselbe wie die, bei der die Menschen eine Art der Arbeitskommunikation anwenden wollen – wie beispielsweise Slack, Hipchat und Microsoft Teams –, speziell rund um Kommunikationen in kleinen Gruppen. Die E-Mail ist geschäftlich, während ein Chat dialogorientiert ist.

Die E-Mail ist überhaupt nicht tot, die sofortige Nachrichtenübermittlung nimmt jedoch zu. Diese Veränderung geschah sogar in Unternehmen mit Programmen wie Slack, Circuit und Microsoft Teams. Ist das lediglich ein Trend der Kommunikation – oder wird dies der neue Standard sein?

Ja, dies sind Arbeitskommunikationsprogramme. Sie sind chatraumbasiert und unterscheiden sich etwas gegenüber sofortiger Nachrichtenübermittlung, basierend auf Freundeslisten. Arbeitskommunikation ist grundsätzlich eine Ablehnung der dominanten Entwurfsmetapher der vorangegangenen Ära, der seriellen Datenübertragung auf der Arbeit, wie sie mit den Programmen Yammer, Chatter und IBM Connections gefunden werden kann.

Die Arbeitskommunikation agiert hauptsächlich auf der Basis eines kleineren Teams, also mit weniger als zehn bis zwölf Mitarbeitern, während sich die serielle Datenübertragung an die Arbeit auf einer höheren sozialen Ebene, wie mit dutzenden oder hunderten von Menschen  orientiert. Man muss dabei bedenken, dass die meiste Arbeit in kleinen Teams vollbracht wird.

Vor einigen Monaten kritisierten Sie Slack aufgrund der geringeren Effektivität der  Gruppenchats mit einer Gruppe, die größer als zehn Leute ist. Wie können sich Ihrer Meinung nach, auf die Bürokommunikation zugeschnittene Programme, verbessern?

Sie stellen den Sinn des Gesagten falsch dar. Zunächst wies ich darauf hin, dass die optimale Gruppengröße bei der Arbeitskommunikation – wie bei Slack – bei unter zwölf Personen liegt. Zweitens vermerkte ich das Phänomen der „sozialen Vermengung“, die in Organisationen passiert, die Slack-Kanäle offen lassen. Eine Menge Leute von Außerhalb fangen an, den Chaträumen beizutreten und die Arbeit des Kernteams zu unterbrechen, indem sie zu viele Fragen stellen und eine Menge Lärm machen. Drittens passieren eine Menge verborgener Sachen in Chaträumen, weil diese Räume intransparent sind. Intransparent kann jedoch, abhängig vom Kontext, sowohl gut als auch schlecht sein.

Das stimmt, aber wie wir arbeiten, ändert sich grundlegend – es wird mehr dezentralisiert und miteinander verbunden sein, wenn es nicht jetzt schon der Fall ist. Welches sind Ihrer Meinung nach die anderen Veränderungen, abgesehen von Bürokommunikation, die wir in den nächsten zehn Jahren sehen werden?

Wir haben die vollen Auswirkungen der etablierten Erfindungen des 21. Jahrhunderts – wie beispielsweise mobile, soziale und Kommunikationstechnologien, die das menschliche Leben umorganisiert haben – nicht voll integriert und der Durchbruch zu dem, was als digitale Transformation im Unternehmenssektor bezeichnet wird, ist eine direkte Konsequenz aus diesen Megatrends.

Wir werden allerdings nicht die Zeit haben, um diese Welle zu Ende zu reiten, weil wir von einer Vielzahl anderer Technologien getroffen werden, die wahrscheinlich gleichwertige oder größere Auswirkungen auf uns haben werden: Künstliche Intelligenz, erweitere Realität und das Internet der Dinge. Insbesondere die KI stellt außergewöhnliche Herausforderungen für die Zukunft der Arbeit dar. Gerade die KI kann zu einer Zukunft ohne Jobs führen, wenn sie sich in jeder Ecke und Nische ansiedelt, während die Welt immer „führerloser“ wird. Ich arbeite an einem Buch zu diesem Thema, es trägt auch den Arbeitstitel „Führerlos“.

In einem Interview, das Sie mit Jennifer Magnolfi geführt haben, sagten Sie einmal, dass Sie fasziniert sind von der Vorstellung, dass Unternehmen sich Coworking und Räume wie Nährböden anschauen – Sie nannten das den „Laufstall des Coworking“. Da ging es um Tischtennisplatten, Nerf-Waffen und so weiter. Was wurde zur modernen Antwort des Cubes und dem Arbeitsbereich des 21. Jahrhunderts, der sich durch geschlossenen Türen auszeichnet? Was denken Sie heutzutage über Coworking?

Ich denke, dass Coworking als ein Element der modernen Umwelt des Arbeitsplatzes fest etabliert ist. Die Ökonomie ist für Freiberufler, Startups, kleine Teams und sogar in größeren Unternehmen gerade sehr spannend. Zur selben Zeit ist Coworking ein Teil des Trends, weil es überall vorkommt. Die Ästhetik, die jeden Arbeitsplatz auf dieselbe, unpersönliche und entmenschlichte Weise ausschauen und funktionieren lässt. Der Umstand, dass ich für ein paar Stunden mit wenig Ausrüstung und geringen Kosten zu einem Coworking-Space kommen kann, oder einem Café oder einer öffentlichen Bibliothek, erscheint wie ein Schnäppchen.

Auf der anderen Seite: wenn ich gehe, ist es so, als ob ich nie da gewesen wäre. Ich bin nicht davon überzeugt, dass alle unserer Arbeitsplätze – und zu einem wachsenden Umfang gehört auch unser Zuhause dazu – keine Spur von uns aufweisen sollten, wenn wir einmal gehen.

Auf der jährlichen deutschen Coworking-Konferenz COWORK wurde diskutiert, dass Coworking als ein kleiner Trend zu einer kleineren Industrie kommerzialisiert wird und ersetzt, was davor war. Denken Sie, dass Coworking im Unternehmensbereich oder Lösungen des  Büro-Sharings von Immobilienunternehmen wie WeWork die Zukunft dieser Bewegung darstellen?

Kommerzielles Coworking ist eine Antwort auf die fehlende Verwurzelung und die geringen Margen, die mit der Ökonomie von Freiberuflern und Startups verbunden wird. Die Zahl der Freiberufler nimmt zu, zumindest in den vereinigten Staaten, und zwar aufgrund der Verschiebung der Arbeitsstruktur von Vollzeitangestellten zu auftragsbasierten „Arbeitnehmern“ und Unternehmen. Also wird der Trend weitergehen.

Vor einigen Wochen beriet ich eine Gruppe, die von dem Bundesministerium für Bildung und Forschung eingeladen wurden, um darüber nachzudenken, wie die Zukunft der Arbeit im Jahr 2030 aussehen wird. Sie beschrieben Dinge, die sie im Jahre 2030 haben möchten, die bereits Realität sind – von denen sie nur nichts wussten. Wie wird Arbeit im Jahr 2030 aussehen?

Alfred North Whitehead sagte einmal: „Es ist das Geschäft der Zukunft, gefährlich zu sein“. Tatsächlich zu erraten, wie die Zukunft aussehen wird, kann erschreckend sein. Die Leute werden angehalten, keine weiteren Änderungen vorzunehmen, selbst wenn sie danach gefragt werden. Sie tun lieber so, als wäre morgen genau wie gestern, obwohl sie es nicht wirklich glauben. Die Alternative wäre, ihre grundlegenden Prämissen zu hinterfragen, die unsere heutigen Gesellschaft darstellt.


Image by Stowe Boyd


Die Netzpiloten sind Partner der Viva Technology und werden vor Ort berichten. Wir verlosen Tickets für das Event, das vom 15. Bis 17. Juni 2017 in Paris stattfindet. Um an der Verlosung teilzunehmen, macht einfach mit und nutzt eure Chance auf Tickets for free für die Viva Technology! Zeit habt ihr dafür bis Dienstag, den 06. Juni. Viel Glück!

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Gallup: Wie Führungskräfte ihre Mitarbeiter zur inneren Kündigung treiben

Image (adapted) (Image by energepic)[CC0 1.0] via Pexels

Kommunikation in Unternehmen besteht oft nur noch aus positiven Phrasen. Wenn Mitarbeiter dann zynisch werden, ist es meistens schon zu spät. Das gilt auch für viele Social Media-Berater: Sie predigen Wasser und saufen Wein. Sie sind im Ego-Shooter-Modus unterwegs und pflegen die Clickbaiting-Kunst. Die selbsternannten Gurus propagieren eine Kultur des Teilens und sind selbst mehr als geizig beim Verschenken von Aufmerksamkeit und Link-Autorität. Sie fordern Dialogbereitschaft, turnen aber nur im Sender-Modus durchs Netz. Nur die Maschine der Selbstvermarktung läuft auf Hochtouren.

Lächerliche Kommunikation

In der externen und internen Unternehmenskommunikation glänzen diese Protagonisten mit einem Stakkato aus positiven Floskeln. Das wirkt nicht nur extern lächerlich, sondern auch intern:„Das kann so mit der Realität einer Organisation nicht übereinstimmen. Keine Organisation der Welt ist nur positiv. Deshalb entsteht ein riesiger grauer oder gar schwarzer Bereich an nicht formulierten Negativeindrücken. Und die braucht ein Ventil und das ist der Zynismus“, so der Soziologe Dirk Baecker. Zynismus sei eine Form der extrem intelligenten Beobachtung. Der zynische Kommentar ist in der Regel der letzte Kommentar zu einem Sachverhalt. Vorher schaltet man in den Modus „Dienst nach Vorschrift“ oder reagiert mit innerer Kündigung, was nach Analysen von Gallup bei 85 Prozent der Beschäftigten der Fall ist. „Der Zynismus ist die Form der Rede und die innere Kündigung ist die Form des Handelns“, konstatiert Baecker.

Und das hat viel mit den Vorgesetzten zu tun. „Die Arbeitszufriedenheit in Deutschland hängt sehr stark von Führungsqualitäten ab“, so Gallup-Studienleiter Marco Nink in einer Session auf der re:publica in der Watson Work Lounge von IBM.

Gallup: Wo bleiben die emotionalen Bedürfnisse der Mitarbeiter?

Wie werden die emotionalen Bedürfnisse der Beschäftigten am Arbeitsplatz berücksichtigt? Da sieht es düster aus. „Ist da jemand, der sich für mich als Mensch interessiert? Bin ich nicht nur ein Rädchen im Getriebe oder werde ich wirklich als Individuum behandelt? Die jährliche Engagement-Studie von Gallup fördert in den vergangenen 16 Jahren ein sehr drastisches Bild zutage. Den wenigsten Führungskräften gelingt es, diese Bedürfnisse zu adressieren“, erläutert Nink. Die große Masse der Beschäftigten macht deshalb Dienst nach Vorschrift. „Das ist keine Frage der Einstellung auf Seiten der Mitarbeiter, sondern eine Frage der Mitarbeiterführung“, betont Nink. Was läuft also falsch in unserem Land, wo wir doch seit Ewigkeiten über New Work, Motivation, flache Hierarchien, Mitbestimmung, 360-Grad-Beurteilungen, rote und blaue Felder in Organisationen, kybernetische Steuerungsmethoden und Motivationsmethoden sinnieren?

97 Prozent der Führungskräfte finden sich toll

„Es beginnt beim Fremdbild und Selbstbild der Führungskräfte. Wir haben in der letzten Untersuchung gefragt, wie sich Führungskräfte einschätzen. Nahezu alle, also 97 Prozent haben uns gesagt, sie halten sich für eine gute Führungskraft. Wenn man das Fremdbild dagegen setzt, passt das überhaupt nicht zur Realität. Sieben von zehn Beschäftigten geben zu Protokoll, in ihrer beruflichen Karriere auf schlechte Führungskräfte gestoßen zu sein. Ein Fünftel denkt zur Zeit darüber nach, wegen des direkten Vorgesetzten das Unternehmen zu verlassen“, sagt der Gallup-Forscher.

Humankapital als Kostenfaktor

Es reicht wohl nicht aus, in hübschen Schaubildern und abstrakten Abhandlungen über die Veränderungen der Organisation zu fabulieren. Man muss grundlegender denken. Was macht gute Führung aus? Fast alle Vorgesetzten sind nach Erfahrungen von Nink fachlich hervorragend ausgebildet. Im Tagesgeschäft reicht das nicht aus. In MBA-Programmen, in der BWL oder in Business-Schools geht es in erster Linie um Kennzahlen, das Verwalten und um „Humankapital“ als Kostenfaktor. Der menschliche Umgang mit Mitarbeitern steht nicht auf der Agenda. „Wir müssen die Ausbildung verändern und die Beförderungslogik in Unternehmen durchbrechen. In Deutschland macht jemand Karriere, wenn er lange dabei ist oder etwas besonders gut in seinen fachlichen Aufgaben kann. Das sind keine belastbaren Indikatoren. In vielen Fällen befördern Unternehmen ihre qualifizierten Mitarbeiter zu einer ganz schlechten Führungskraft“, kritisiert Nink in Berlin.

Fehlanzeige bei digitaler Medienkompetenz

Besonders mangelhaft seien die digitalen Medienkompetenzen. Es gehe nicht mehr nur um Face-To-Face-Gespräche, sondern auch um virtuelle Teams, um Interaktion und um Matrix-Organisationen. „Man schaut auf Kennzahlen und missachtet dabei die weichen Faktoren, was wiederum zu Lasten der Kennzahlen geht“, moniert Nink. Ein Teufelskreis, der den Druck im Unternehmen weiter erhöht. Dabei haben Teams mit emotionaler Bindung 50 Prozent weniger Fehlzeiten, weniger Fluktuation, weniger Arbeitsunfälle und weniger Schwund in der Produktion. Sie kommen auch bei Kundenbewertungen besser weg. Wer sich um die qualitativen Kriterien der Arbeit nicht kümmert, versagt auch bei den quantitativen Kriterien. So einfach ist das.

Seit einigen Wochen gibt es dazu einen sehr kritischen New Work-Diskurs: „Grundtenor der Diskussion ist, dass das, was ‚oberflächlich nach Emanzipation aussieht, in Wirklichkeit nichts anderes als ein Straffen der Fesseln’ sein könnte, wie es die englische Philosophin Nina Power in Bezug auf das Neue Arbeiten schrieb“, so die DigiTreff-Moderatorin Inga Ketels.

Das Notiz-Amt fürchtet, dass das recht idealistische New Work-Konzept in der Realität der Arbeitswelt letzten Endes nichts anderes sein könnte als digitale Käfighaltung mit einem scheinheiligen Anstrich von Wohlfühl-Maßnahmen.

Am Donnerstag werden wir das ab zirka 18 Uhr beim Bonner DigiTreff im Digital Hub besprechen. Mit Anwesenden nach dem Fishbowl-Prinzip und mit den Abwesenden über Facebook Live. Man hört, sieht und streamt sich.


Image (adapted) „pexels-photo-288477“ by energepic (CC0 Public Domain)


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Die Netzpiloten sind Partner des WTF

Partnergrafik_wtf

Bei uns könnt ihr drei Tickets für das We Transform Communications Festival in Berlin gewinnen. Hier könnt ihr mitmachen und euer Glück versuchen! Zeit habt ihr übringes bis zum 07. Juni.
Teilnahmebedingungen


In Berlin findet am 20. und 21. Juni, von Quadriga veranstaltende, We Transform Communications Festival (WTF) statt. Das zentrale Thema der Veranstaltung sind die großen Veränderungen, die sich in den letzen Jahren auf dem Gebiet der Kommunikation ereignet haben. Es herrscht viel Unsicherheit über den Einsatz und Umgang mit neuen Kommunikationsmethoden.

Statt Veranstaltungen, auf denen viel über Wandel gesprochen wird, ohne zu thematisieren, wie konkret dieser umzusetzen ist oder wie eine bestimmte Software funktioniert, wollen Menschen heute lieber Gleichgesinnte treffen und sich mit ihnen austauschen. Den Rahmen dafür bietet das WTF in Berlin. Hier könnt ihr Erfahrungen austauschen, diskutieren und gemeinsam Lösungen finden. Darüber hinaus bekommt ihr Input von Fachexperten und könnt vor allem viel ausprobieren.

Spannende Speaker

Zu den Speaker auf der Veranstaltung gehören:

Folgende fünf Formate stehen an der Tagesordnung:

  • HOT SEATS: Ihr könnt den Speakern eure Fragen stellen und exklusive Antworten bekommen.
  • INTERACTIVE: Gemeinsam mit dem Referenten probiert ihr Dinge aus, erarbeitet Lösungen oder diskutiert.
  • CASE STUDIES: Hier bekommt ihr Informationen zu erfolgreichen und progressiven Praxisbeispielen, von denen es sich zu lernen lohnt.
  • SIMULATION GAMES: LARPing (Life Action Role Playing) mit drei zentralen Themen, jeweils einem Szenario und mehreren Teams, die gegeneinander spielen
  • ME, MYSELF & I: Tipps, um ohne große Anstrengung auf der Karriereleiter aufzusteigen

Die Location ist die Palais Kulturbrauerei in Berlin. Hier könnt ihr euch für das Event anmelden.

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Seitenwechsler verändern die PR

Konferenzraum (adapted) (Image by Unsplash [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Nicht nur die Netzszene reagierte hellhörig als die Meldung durchsickerte, dass Sascha Pallenberg, einer der prominentesten Tech-Blogger und Gründer der national und international bedeutsamen Plattform „Mobile Geeks“, von der Daimler AG rekrutiert wurde. Pallenberg steht als Head of Digital Content des Stuttgarter Konzerns in einer Reihe von weiteren spektakulären Seitenwechseln, die eine neue Phase in der PR einleiten. Ausführlich nachzulesen in der April-Ausgabe des prmagazins.

„Die klassische Unternehmenskommunikation lief über den Gatekeeper Journalist, dann über den Gatekeeper Blogger oder Influencer und jetzt erleben wir den dritten Schritt. Unternehmen werden selbst zu Medien“, erläutert Karsten Lohmeyer, Chief Content Officer der Agentur The Digitale, die 2014 von der Deutschen Telekom als Content-Marketing-Startup aus der Taufe gehoben wurde. Was wir jetzt erleben, sei die nächste und richtige Stufe.

„Warum soll ich als guter Kommunikator nur mit zehn oder 20 Journalisten sprechen, wenn ich direkt mit allen Stakeholdern in Verbindung treten kann. Also mit Kunden, potenziellen Kunden, Lieferanten, Aktionären und allen weiteren relevanten Zielgruppen eines Unternehmens. Was bei Daimler passiert, war auch der Beweggrund unseres Mutterkonzerns. Also der Gedanke des Telekom-PR-Chefs Philipp Schindera, eine Content Factory nicht nur zu formulieren, sondern auch umzusetzen. Es gibt rund 130 Kolleginnen und Kollegen, die alle gut ausgebildet und unglaublich gut in ihren Themen sind. Sie sind auch in der Lage, die Themen eines solchen Konzerns direkt in einer massenmedialen Kommunikation auf die Straße zu bringen“, so Lohmeyer.

Gleiches vollziehe sich bei der Allianz über Storytelling-Konzepte.

Schlauer Schritt von Daimler

Er findet es faszinierend, wie viele neue Konzepte in deutschen Unternehmen entstehen. „Es ist ein sehr schlauer Schritt von Daimler, Sascha Pallenberg an Bord zu holen. Das ist ein unglaublich spannendes Experiment“, betont Lohmeyer, der mit dem Blogprojekt LousyPennies.de bekannt wurde. Erste Akzente konnte man beim Musik- und Internetfestivals South by Southwest (SXSW) in Austin erkennen, bei dem sich Daimler-Chef Dieter Zetsche mit der Silicon Valley-Ikone Guy Kawasaki ins Getümmel stürzte und in neuen Western-Boots die lockere Atmosphäre der Netzszene aufsaugte.

Ganz im Gegensatz zu vielen Protagonisten der deutschen Wirtschaft, die offene Formate als esoterischen Quatsch abstempeln und einen großen Bogen um Netzaktivisten machen. Unter dem Hashtag #KölnerBarcampKontroverse ist das gut dokumentiert. Zetsche ist der erste Vorstandschef eines DAX-Konzerns, der die SXSW in seiner 31. Auflage besuchte. „Es war ein Event zum Lernen. Für den Konzern Daimler und für Mercedes Benz war das sehr wichtig“, so Pallenberg im Gespräch mit dem prmagazin.

Der nahbare Konzernchef

Zetsche sei für alle ansprechbar gewesen. „Jeder hatte die Möglichkeit, Fragen zu stellen oder spontan Interviews zu machen – wie die Zeitschrift Wired. Das ist mehr oder weniger aus der Hüfte entstanden und belegt, dass wir in Austin eine progressive und gute Kommunikation gemacht haben, die sich von anderen Firmen abhebt. Man kam locker an Zetsche ran“, bemerkt Pallenberg. Es sei alles durchgespielt worden. „Wie positioniert sich ein Unternehmen wie Daimler auf so einem Festival? Wie diskutieren wir über Technologie-Themen? Welche Anregungen nehmen wir auf? Dazu zählen auch emotional gedrehte Videos und andere Darstellungsformen, die über Selfie-Videos hinausgehen.“

Man konnte deutlich erkennen, an welchen Punkten Zetsche lockerer wurde und es ihm persönlich auch Spaß gemacht hat. Es sei aber noch mehr erreicht worden. Mit der me Convention, die Daimler gemeinsam mit der SXSW parallel zur IAA im September in Frankfurt organisiert , werde der erste Ableger des Internet-Festivals außerhalb von Austin etabliert. Die me Convention findet vom 15. bis 17. September in der Frankfurter Festhalle statt, der traditionellen Bühne des Mercedes-Benz IAA Messeauftritts. Das Programm wird ergänzt um Konzerte und andere Veranstaltungen im Stadtzentrum.

Neuer Geist auf der IAA

„Das zeigt deutlich, wie sich Daimler positioniert. In der Vergangenheit war es ja eher so, dass Automobilfirmen zu Tech-Messen gekommen sind. Auf einmal erleben wir eine Entwicklung in die andere Richtung. Und das ist sehr wichtig. Die klassische Automobil-Messe hat sich in den vergangenen 50 Jahren nicht großartig verändert. Wir leben aber in einer Zeit, wo wir vor fundamentalen Veränderungen dieser Branche stehen. Deshalb ist es essentiell, dass man das auf den klassischen Formaten auch abbildet. Was im September passiert, ist ein riesengroßes Ausrufezeichen“, sagt Pallenberg.

Der Konzern habe begriffen, sich zu öffnen und nicht mehr in der eigenen Blase vor sich hinzuköcheln.

Owned Media anders denken

Änderungsbedarf sieht Pallenberg auch bei den Netzaktivitäten. Auf Online-Marketing-Kongressen hört man nach seiner Ansicht wenig zu neuen Kommunikationsformen und Inhalten. Besonders, wenn es um „Owned Media“ geht.

„Schließlich begeben sich Firmen und Werbetreibende in ein starkes Abhängigkeitsverhältnis zu den Plattformanbietern. Genau das will ich ein wenig ändern mit unseren Inhalten.“

„Wir haben in den vergangenen Jahren durch die Dynamik der sozialen Netzwerke zu sehr darauf gesetzt, wirklich jeden Trend mitzumachen. Es ging immer darum, direkt herauszufinden, wie wir jede neue Plattform bespielen können. Mittlerweile sind wir umgeben von über sechs sozialen Netzwerken, die von den Unternehmen beackert werden – von Snapchat bis YouTube. Wir geben damit eine ganze Menge unserer Content-Hoheit ab und vertrauen darauf, was uns diese Plattformen in Reportings zurückgeben. Aber was sind diese Zahlen wirklich wert?“, fragt sich Pallenberg.

Ob das alles so stimmt, sollte zumindest kritisch hinterfragt werden.

„Wir sehen schon wahnsinnige Unterschiede bei einem recht einfachen Indikator: Den Views bei Online-Videos. Bei Snapchat wird ein View schon in der ersten Sekunde gezählt. Bei einem Facebook-Video nach drei Sekunden und bei einem YouTube-Video aber erst nach 30 Sekunden. Dann weiß ich aber immer noch nicht so genau, ob das stimmt. Ich halte es daher für unverzichtbar, auch seine eigenen Plattformen nicht zu vernachlässigen und eine Back-to-the-Roots-Strategie zu fahren.“

„Man muss die Nutzer auf die eigenen Plattformen zurückholen, weil ich dort die Möglichkeit habe, den Erfolg der Kommunikation zu messen, die Nutzer auf der Seite zu führen und sie besser kennenzulernen. Im Moment lernen nur die Betreiber der sozialen Netzwerke über die Internet-Nutzer. Das ist viel mehr als wir nur ansatzweise an Daten sammeln können. Bei Facebook ist fast das gesamte Leben hinterlegt“, führt Pallenberg gegenüber dem prmagazin aus.

Ein wenig mehr Autarkie könnte nicht schaden, denn man wisse nie, ob ein Snapchat trotz Börsengang in fünf Jahren noch existiert. Gleiches gelte für Facebook. „Was ist denn, wenn die von heute auf morgen ihre Algorithmen ändern oder für Werbung einfach mal das Doppelte verlangen? Je mehr man auf diese Plattformen auslagert, desto mehr Abhängigkeiten entstehen.“

Neuer Kommunikationshabitus vonnöten

Ob die vielen Seitenwechsler, die jetzt in den Unternehmen neue Content-Einheiten etablieren, zu einem Niedergang des Journalismus führen, gehe nach seiner Meinung an den Tatsachen vorbei. Das sei eher ein Beleg für zu wenig Selbstbewusstsein auf der journalistischen Seite. Die Herausforderung liege doch bei den klassischen Medien, Premium-Inhalte herauszubringen. „Gute Unternehmenskommunikation lebt von der Transparenz. Es muss klar sein, von wem die Botschaften stammen.“

Die Content Factorys lösen in der klassischen PR einen enormen Veränderungsdruck aus. Wer ohne Vermittlungsinstanzen mit der (Netz-)Öffentlichkeit sprechen will, braucht einen anderen Kommunikationshabitus. Wer weiterhin Botschaften über tindereskes Reichweitenmarketing (Wortkreation von Falk Hedemann) rausballert, sich Kunden gegenüber rambohaft wie die Fluggesellschaft United in Szene setzt, kritische Diskussionen über unethisches Verhalten ins Hinterzimmer verbannen will oder weiterhin Service-Probleme mit Hotline-Idiotie lösen möchte, sollte über Content Factory-Gründungen noch nicht einmal nachdenken. Das Notiz-Amt empfiehlt diesen Unternehmen weiterhin Schweinebauch-Anzeigen, die mit Nichtwahrnehmung bestraft werden können.


Image (adapted) „Konferenzraum“ by Unsplash (CC0 Public Domain)


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Business-Apps: Wie ich mein Startup mit dem Smartphone führe

Business-Apps-Smartphone-Anton-Knoblach

Eine gute Idee, die richtigen Leute und eine Portion Mut. Viel mehr braucht es nicht, um das eigene kleine Unternehmen zu gründen. Bei aller kreativen Energie und Tatendrang schadet es dennoch nicht, eine solide Struktur für die tägliche Arbeit zu schaffen. Ich stelle euch fünf kostenlose Business-Apps vor, mit denen sich Startup und Selbstständigkeit auch bequem von unterwegs managen lassen.

Producer-Alltag statt Hollywood-Klischee

Das Skateboard unter dem Arm, mit dem Hoodie im Meeting und durchfeierte Nächte in der Großstadt. Die Startup-Welt ist ähnlich klischeeträchtig wie die Filmbranche. Doch auch dort besteht der Alltag unbedingt nicht aus roten Teppichen, schicken Empfängen und wahnsinnig viel Kohle. Ein Punkt stimmt aber: Sein eigener Chef zu sein und volle Verantwortung zu übernehmen ist ein befreiendes Gefühl, in das sich zurecht junge und jung gebliebene Leute auf der ganzen Welt voller Hingebung hineinstürzen. Mir geht es auch so.

Mein Alltag ist dennoch meist unspektakulär: Ich entwickele meine Idee, treffe mich mit Leuten, sitze am Schreibtisch. Ein Filmproducer kommt auch mit einem Telefon, Zettel und Stift aus. Es gibt aber ein paar Business-Apps, die das Tagesgeschäft erheblich komfortabler machen.

Struktur schützt vor schlaflosen Nächten

Viele frische Teams benutzen zunächst die Kommunikationsmittel, die sie gewöhnt sind. Müssen mehr als zwei Personen gemeinsam kommunizieren, liegt es nahe, direkt eine WhatsApp-Gruppe mit einem flippigen Titel zu gründen. Will ich nur kurz durchgeben, dass ich jetzt beim Inder bestelle und die anderen gerne mitmachen können – keine Einwände. Sobald es aber um konkrete Aufgaben geht, birgt dieser Kommunikationsweg schnell ein hohes Frustrationspotenzial. Innerhalb kürzester Zeit geht der Überblick verloren. Was dazu führt, dass sich die Aufgaben ein neues Zuhause suchen.

Dieses neue Zuhause ist entweder das Nirwana oder der eigene Kopf. Bei erster Möglichkeit habe ich verloren, die Information ist weg. Bei der zweiten hat man auch verloren, denn das Gehirn ist zwar extrem leistungsfähig, denkt aber in Verknüpfungen und nicht in Listen. Doch sogar, wenn man sich alles merken kann, hat diese Methode einen riesigen Nachteil: Der Kopf wird spürbar „voll“. Das Ziel einer soliden Struktur ist für mich, möglichst viel Information sinnvoll aus dem Kopf und in die richtigen Tools, sprich in die richtige Business-Apps, zu bekommen.

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Screenshot by Anton Knoblach

Das hat zwei Vorteile. Nummer 1: ist eine Aufgabe in irgendeiner Form gelistet, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sie vergessen wird. Nummer 2: sortiere und organisiere ich meine Projekte und deren Aufgaben diszipliniert, weiß ich, dass mein Projektmanagement immer auf dem bestmöglichen aktuellen Stand ist. Was zu einem dritten Vorteil führt: Ich kann nachts besser schlafen und grüble nicht stundenlang, ob ich an alles gedacht habe.

Ich möchte euch fünf kostenlose Business-Apps vorstellen, die meinen Alltag erheblich erleichtern.

#1: Der Kommunikator – Slack

Slack bringt den Chat als Kommunikationsweg ins 21. Jahrhundert. Innerhalb eines Teams gibt es Channels (Gruppenchats) und Direktnachrichten. Erstere sind zum Beispiel thematisch gegliedert, bei meiner Produktionsfirma unfourseen etwa gibt es unter anderem die Channels „#mustwatch“, „#projektmanagement“ und „#anfragen“.

Die Nachrichten-Threads selbst sind hübsch aufbereitet und übersichtlicher als bei WhatsApp oder dem Facebook-Messenger. Eines der vielen praktischen Features ist, sich für einzelne Nachrichten Erinnerungen setzen zu können – zum Beispiel, um am nächsten Abend an einen geteilten Link erinnert zu werden. Slack ist im kleinsten Feature-Paket kostenlos im Google Play Store verfügbar.

#2: Die Stoppuhr – Toggl

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Screenshot by Anton Knoblach

Ob ich meine Leistungen pro Stunde in Rechnung stelle oder einfach nur wissen will, welchen Anteil bestimmte Tätigkeiten und Projekte an der gesamten Arbeitszeit haben – es lohnt sich eigentlich immer, während der Arbeit die Uhr mitlaufen zu lassen.

Für das Time-Tracking gibt es eine Vielzahl an guten Business-Apps, ein Beispiel dafür ist Toggl. In Toggl kann die Arbeitszeit in Projekte und Tätigkeiten kategorisiert werden.

Für die Auswertung lassen sich schöne Reports erstellen. Mit diesen Reports habe ich eine gute Kontrolle, ob sich der zeitliche Aufwand für das Ergebnis gelohnt hat.

Ein Beispiel: Wenn ich in der Angebotsphase bis zum Auftrag durchschnittlich zehn Stunden brauche und aber nur jedes zehnte Angebot zu einem Auftrag führt, muss ich mir gut überlegen, wie ich meinen Workflow optimieren kann. Toggl für Android ist mit den Basis-Funktionen für Teams bis zu 5 User kostenlos.

#3: Das digitale Rückgrat – Asana

Asana ist mein Inbegriff für das, was ich mit „Struktur“ meine. Das Programm selbst ist relativ simpel aufgebaut: Angelegte Projekte bestehen aus Aufgaben, die wiederum Eigenschaften wie Deadline und verantwortlichem User haben.

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Screenshot by Anton Knoblach

Der Clou: Eine Aufgabe kann auch Unteraufgaben haben, die wiederum Unteraufgaben haben können. Zum Beispiel: Ich brauche für einen Werbespot eine Fabrikhalle. Die Firma X hat so eine, bei der ich einen Ansprechpartner Y habe. Aufgaben lassen sich also gut ordnen und wie in einer Kaskade abarbeiten.

Asana kommt eigentlich aus der Tech-Welt, lässt sich aber leicht auch für andere Branchen anpassen. Die Grundregel: Die im Tool angelegte Struktur und die individuelle Arbeitsweise des Teams müssen sich gegenseitig so lange näherkommen, bis der perfekte Workflow gefunden ist. Das kann durchaus ein weiter Weg sein und es lohnt sich, für die erste Zeit einen erfahrenen Asana-User dazu zu holen. Ist der aber mal Workflow eingespielt, werdet ihr euch fragen, wie ihr es vorher aushalten konntet.

Ich persönlich liebe an Asana die vielen Möglichkeiten, eine sinnvolle Struktur aufzubauen – sowohl für konkrete Projekte als auch für Dinge wie Selbstorganisation, Akquise oder Marketing. Asana für Android ist mit den wichtigsten Features für Teams bis zu 15 User kostenlos.

#4: Der Social-Media-Profi – Hootsuite

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Screenshot by Anton Knoblach

Eine Facebook-Page und die Profile bei Twitter und Instagram sind schnell erstellt und werden genauso schnell unübersichtlich.

Hootsuite unterstützt euch mit verschiedenen Features dabei, euch einen Überblick über die Aktivitäten im Social Web zu vermitteln. Neben den eigenen könnt ihr auch fremde Kanäle wie von anderen Produktionsfirmen oder neuen Talenten im Auge behalten.

Ihr könnt die Benutzung von Hashtags überwachen und zu guter Letzt könnt ihr von zentraler Stelle aus alle eigenen Kanäle bespielen. Gerade diesen Punkt finde ich extrem praktisch, weil er die operative Social-Media-Arbeit stark erleichtert. Hootsuite für Android ist mit den wichtigsten Funktionen mit bis zu drei Kanälen kostenlos.

#5: Die eigene Cloud – Owncloud

Die Festplatte ist abgeschmiert, die Daten-DVD zerkratzt und der Laptop geklaut? Es gibt viele gute Gründe, die eigenen Daten einer Cloud anzuvertrauen. Die Server von iCloud, Google Drive Co. stehen in riesigen ausfallsicheren Rechenzentren und werden regelmäßig gesichert. Einen großen Nachteil haben die vielen Anbieter aber: Die Daten liegen meist im Ausland, wo andere Rechte und Gesetze gelten.

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Screenshot by Anton Knoblach

Wer die volle Kontrolle haben will, muss es selbst machen. Eine der verschiedenen Lösungen für den eigenen Server ist Owncloud. Die Software ist modular aufgebaut. Sie kommt standardmäßig mit Filesharing, einer Kalender- und einer Kontakte-App, die jeweils mit den gängigen mobilen Betriebssystemen synchronisiert werden können.

Über das Filesharing-Modul kann ich beispielsweise Videos zur Kundenabnahme teilen und habe die volle Kontrolle, wer Zugriff hat und wer nicht. Auch das Kontakte- und Kalender-Management im Team ist extrem praktisch. Erweiterungen bringen zum Beispiel einen Passwort-Manager und eine eigene Verschlüsselung dazu. Aber Vorsicht: Alles selbst einzurichten ist nur etwas für IT-Versierte.

Owncloud ist Open Source und ohne Support uneingeschränkt kostenlos. Wie ihr Owncloud auf eurem Android-Smartphone einrichtet, erklärte ich in diesem Text.

Dieser Text erschien zuerst bei Applepiloten.de.


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Grauzone animierte GIFs: Warum das Daumenkino in Messaging-Apps illegal sein kann

animierte GIFs Giphy Browser-Android-Smartphone (adapted) (Image by Berti Kolbow.Lehradt)

Ein Blick, eine Geste oder ein tougher Onliner genügen oft, um in animierten GIFs eine Kurzgeschichte zu erzählen. Für Millionen Nutzer von Smartphones und sozialen Netzwerken ist es inzwischen alltäglich, mit ihrem Umfeld animierte GIFs auszutauschen. Schließlich sind sie schneller verschickt als eine Nachricht auf dem Touch-Screen eingetippt. Seit Apps wie Facebook Messenger oder WhatsApp die GIF-Suchmaschine GIPHY direkt integriert haben, ist es einfacher denn je, das digitale Daumenkino zu versenden.

Viele GIFs sind Fertigprodukte aus oft unbekannten Webquellen. Sie zeigen häufig Szenen aus Hollywood-Filmen und -Serien. Darf die jeder wirklich einfach so teilen oder gar öffentlich auf Facebook hochladen? Ich sprach darüber mit Christian Solmecke, Rechtsanwalt für IT-, Medien- und Internetrecht bei der Kanzlei Wilde Beuger Solmecke.

Image by Christian Solmecke
Image by Christian Solmecke
Inwiefern ist es legal, animierte GIFs aus dem Netz zu verwenden?

Christian Solmecke: GIFs sind nicht anders als Bilder in anderen Formaten wie JPEG zu behandeln. GIFs sind letztlich nur einzelne digitale Bilder hintereinander. Die Rechtslage ist eindeutig. Zeigen GIFs lustige Szenen konkret erkennbarer Menschen, müssen diese keine Veröffentlichung ihres Bildes ohne ihre Einwilligung dulden. Ist stattdessen ein anderer geschützter Inhalt wie etwa eine Marke oder eine Comicfigur zu sehen, müssen Nutzer den Rechteinhaber diese Inhalte um Erlaubnis bitten. Es sei denn, der Rechteinhaber hat das GIF selbst ins Netz gestellt und es ausdrücklich zur Verwendung freigegeben.

Disney GIF (Screenshot by Berti Kolbow-Lehradt)
Disney GIF (Screenshot by Berti Kolbow-Lehradt)
Wenn ich bei der großen Suchmaschine Giphy animierte GIFs entnehme, ist das doch vermutlich rechtlich ok, oder? Dort laden neben Usern ja auch Giphy-Mitarbeiter GIFs hoch und kuratieren das Angebot.

Wenn das Material von Usern stammt, kann ich mir als Verbraucher nicht sicher sein, ob ich die GIFs verwenden darf. Und selbst, wenn sie von Giphy kuratiert wurden, ist das kein Freifahrtschein. Es bedeutet nicht, das Giphy die Nutzungsrechte dafür hat. Wenn die Rechte nicht vorliegen, kann der Anbieter sie auch nicht an die Nutzer weitergeben. Hier bietet sich ein Vergleich zur Google-Bilder-Suche an. Dort müssen Nutzer auch unterscheiden, ob die Bilder geschützt oder zur Nutzung freigegeben sind. Ebenso dürfen Verbraucher nicht auf GIF-Webseiten sorglos jedes GIF verwenden. Werden die Rechteinhaber darauf aufmerksam, dass geschützte Inhalte genutzt werden, droht eine Abmahnung und gegebenenfalls die Zahlung von Schadensersatz.

Das Quellmaterial fertiger GIFs sind häufig Ausschnitte aus Hollywood-Filmen und -Serien. Giphy geht zum Teil schon Partnerschaften ein und eröffnet eigene Kanäle für Serien oder Musikstars. Müssen sich Nutzer daher wirklich vor den Abmahnungen der Entertainmentbranche fürchten?

Dass US-amerikanische Inhalteanbieter dies in großem Stil verfolgen, ist mir nicht bekannt. In den USA ist die Rechtslage aber auch eine andere. Dort lässt sich urheberrechtlich geschütztes Material zur Bildung oder aus kreativen Zwecken verwenden, ohne das Urheberrecht zu verletzen.

Facebook Messenger (Screenshot by Berti Kolbow-Lehradt)
Facebook Messenger (Screenshot by Berti Kolbow-Lehradt)

Diese sogenannte ‚Fair use’-Rechtsdoktrin gibt es in Deutschland jedoch nicht. Da die Nutzungsrechte zum Beispiel von Filmen und Serien territorial vergeben werden, kann es sein, dass sie für amerikanische Nutzer zur Verfügung stehen, aber nicht von Nutzern in Deutschland verwendet werden dürfen.

Diese Unterscheidung ist für Nutzer im Netz-Alltag natürlich schwer ersichtlich. Schließlich sind ist die GIF-Integration amerikanischer Apps wie Facebook Messenger und WhatsApp auch in Deutschland nutzbar.

Tatsächlich ist das eine Grauzone, da sind wir noch nicht am Ende der Rechtsprechung angekommen. Fakt ist aber: wenn ich Inhalte aus dem Netz nutze, muss ich mir Gedanken darüber machen, ob ich sie nutzen darf. Vielen Nutzern ist das nicht bewusst. Vor Strafe schützt dies im Zweifelsfall nicht.

Wie groß ist das Risiko in der Praxis, eine Abmahnung zu erhalten?  Zumal die Nutzung im Facebook Messenger oder WhatsApp ja nicht öffentlich stattfindet.

Animierte GIFs stehen derzeit nicht im Fokus einer Abmahnwelle. Aber generell werden Bilderrechte in Deutschland sehr ernst genommen und eine unzulässige Nutzung sehr häufig abgemahnt. Wer fremde GIFs aus dem Netz herunterlädt und sie dann zum Beispiel nicht im Messenger, sondern bei Facebook in der Chronik veröffentlicht, muss besondere Vorsicht walten lassen.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Solmecke.

Image & Screenshots by Berti Kolbow-Lehradt


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Macht dich dein Smartphone schüchtern?

iphone (adapted) (Image by relexahotels [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Während der drei Jahre, die ich damit verbracht habe, über Schüchternheit zu recherchieren und zu schreiben, ist eine der am häufigsten gestellten Fragen die über die Beziehung zwischen Schüchternheit und Technologie. Lassen das Internet und das Handy unsere Sozialkompetenzen verkümmern? Dies höre ich oft von Eltern schüchterner Jugendlicher, die sich darum sorgen, dass ihre Kinder mehr Zeit mit ihren Geräten als mit Gleichaltrigen verbringen.

Diese Sorge ist nicht neu. Auf der ersten internationalen Konferenz über Schüchternheit, die in Wales im Jahr 1997 von der Britischen Psychologischen Gesellschaft organisiert wurde, übernahm Philip Zimbardo, der als Psychologieprofessor in Stanford tätig war, die Rolle als Hauptredner. Er beobachtete, dass die Zahl der Menschen, die sich selbst für schüchtern halten, von 40 Prozent auf 60 Prozent gestiegen ist, seit er in den 1970ern eine Studie über Schüchternheit begonnen hatte. Dafür machte er neue Technologien wie E-Mail, Handys und sogar Geldautomaten, die den „sozialen Klebbstoff“ des gelegentlichen Kontakts gelöst haben, verantwortlich. Er befürchtete das Eintreffen einer „neuen Eiszeit“ der Nicht-Kommunikation, bei der es leicht möglich wäre, einen ganzen Tag zu durchleben, ohne mit jemandem zu sprechen. 

Manche von Zimbardos Ängsten haben sich bewahrheitet. Schaut man sich heutzutage an einen öffentlichen Ort um, fällt auf, dass jeder in sein Tablet oder Smartphone versunken zu sein scheint. Die Zunahme von Einsamkeit und sozialer Phobie ist ein Widerhall auf die Arbeiten von Soziologen wie Robert Putnam, John Cacioppo und Sherry Turkle

Sie argumentieren, dass individualisiertes Konsumverhalten uns voneinander isoliert und uns günstige technische Lösungen verkauft, um den Schmerz zu lindern. Wir verlassen uns zunehmend auf Dinge, die Turkle „gesellige Roboter“ nennt –  so dient beispielsweise Siri, der digitale iPhone-Assistent, als Ersatz für Vertraute aus Fleisch und Blut. Sogar wenn wir Zeit mit anderen verbringen, sind wir halb woanders und abgelenkt durch Technologie – wir sind „zusammen allein“, wie Turkle es formuliert.

Und trotzdem kann dieses Gefühl des Alleinseins in Gesellschaft nützlich für schüchterne Menschen sein, die sich durch die Technologie in neuen Wegen ausdrücken können.

Auf eine andere Art sozial 

Schüchterne Menschen sind nicht notwendigerweise unsozial; sie sind nur anders sozial. Sie lernen, ihre Geselligkeit zu regulieren und kommunizieren auf indirekte oder eher sprunghafte Art und Weise. Mobiltelefone ermöglichen es ihnen, Kontakte zu knüpfen, ohne in persönlichen Situationen in Verlegenheit zu geraten.

Als Nokia Mitte der 1990er die SMS einführte, schien dies eine eher primitive Technologie zu sein – ein zeitaufwendiger, energieineffizienter Ersatz für Gespräche. Aber die SMS-Nachrichten kamen vor allem bei den finnischen Jungen gut an, weil es eine Möglichkeit war, mit Mädchen zu reden, ohne dass die Botschaft durch schamhaftes Erröten oder Sprachlosigkeit beeinträchtigt wurde.

Die beiden Soziologen Eija-Liisa Kasesniemi und Pirjo Rautiainen fanden heraus, dass finnische Jungen, obwohl sie Mädchen kaum erzählen würden, dass sie Gefühle für sie hegten, bis zu einer halben Stunde täglich damit verbrachten, eine romantische Textnachricht zu verfassen. Außerdem entdeckten sie, dass eher Jungen ein „Ich liebe dich“ auf Englisch als auf Finnisch schrieben, weil sie es leichter fanden, ihre starken Gefühle in einer anderen Sprache auszudrücken.

Bella Ellwood-Clayton, die sich ebenfalls wissenschaftlich mit der Handy-Kultur auseinandersetzt, hat bewiesen, dass auch auf den Philippinen die Textnachricht einem ähnlichen Zweck diente. Die philippinischen Liebesrituale sind traditionsgemäß zurückhaltend und ein wenig verworren, mit aufwändigen Bräuchen wie Neckereien (tuksuhan) unter gemeinsamen Freunden oder die Nutzung eines Vermittlers (tulay, das wörtlich übersetzt „menschliche Brücke“ bedeutet) zwischen potenziellen Partnern. Das Handy erlaubte jungen Filipinos, diese aufwendigen Routinen zu umgehen und somit kein Risiko eingehen zu müssen, sondern sich selbst mithilfe von Textnachrichten erproben zu können.

Dies ist immer der Fall, wenn Handys ins Spiel kommen: Eine Textnachricht kann diejenigen Mut zusprechen, die mit ihren Daumen geschickter sind als mit dem Mund. Das Geräusch, das eine Textnachricht ankündigt, ist zudem weniger aufdringlich als ein Telefonklingeln. Wir werden nicht völlig überrollt oder müssen sofort antworten, sondern können uns Zeit nehmen, die Nachricht zu verarbeiten und uns eine Antwort überlegen.

Das Schüchternheitsparadoxon

Was die sich abzeichnende „soziale Eiszeit“, die durch die Technologie erschaffen wurde, betrifft, stellte Zimbardo diese Behauptung bereits vor dem Aufstieg von sozialen Netzwerken und dem Smartphone auf. Diese machten es den Menschen einfach, intime Details ihres Privatlebens im Netz auf eine Art zu offenbaren, die wie das Gegenteil von Schüchternheit wirkt. Befürworter dieser Art von Online-Selbstauskunft nennen diesen Vorgang „radikale Transparenz“.  

Natürlich ist nicht jeder, der soziale Netzwerke nutzt, offen für diese Art der radikalen Transparenz. Manche bevorzugen es, sich hinter Online-Charakteren, Pseudonymen und Avataren zu verstecken. Und diese Anonymität kann außerdem zum Gegenteil von Schüchternheit animieren – schnell wird man übermütig und neigt zu Feindseligkeit und Missbrauch.

Daher ziehen die neuen mobilen und netzorientierten Technologien komplexe Auswirkungen nach sich. Sie verschlimmern unsere Schüchternheit, während sie gleichzeitig helfen, diese zu überwinden. Vielleicht erzählt uns dieses Paradoxon etwas über Schüchternheit. In seinem Buch „The Shock of the Old“ argumentiert der Historiker David Edgerton, dass unser Verständnis von historischem Fortschritt „innovationszentriert“ ist. Wir denken, dass neue Technologien alles zum Guten verändern. Laut Edgerton unterschätzen wir allerdings, wie sehr diese Innovationen gegen die Mächte von Gewohnheit und Trägheit ankämpfen müssen. Mit anderen Worten: Neue Technologien ändern nicht unser Wesen, sie passen sich ihm an.

Genauso verhält es sich mit Schüchternheit. Nach mehr als 150.000 Jahren der Menschheitsgeschichte muss Schüchternheit eine unverwüstliche Eigenschaft sein – ein „sonderbarer Gemütszustand“, wie Charles Darwin es nannte, hervorgerufen durch unsere Fähigkeit, uns selbst Aufmerksamkeit zu schenken. Und trotzdem sind wir soziale Wesen, die sich nach Unterstützung und Anerkennung des Stammes sehnen.

Unser Bedürfnis nach einem Gegenüber ist so stark, dass die Schüchternheit uns einfach dazu bringt, unsere sozialen Instinkte in andere Räume zu übertragen: Die Kunst, die Schrift, E-Mails und Textnachrichten. Und das wäre dann auch meine Antwort für besorgte Eltern schüchterner Jugendlicher. Macht das Handy sie schüchterner? Nein. Denn sie sind zwar schüchtern, aber auch kontaktfreudig, und ihr Handy hilft ihnen, neue Wege zu finden, diesem Widerspruch Ausdruck zu verleihen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „iphone“ by relexahotels (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Warum Deutschland dringend mehr Tech-Coaches braucht

cloud-computing (adapted) (Image by wynpnt [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Was ist eine Cloud? Wie speichere ich eine PDF-Datei aus dem Internet? Was ist ein Gigabyte? Für Menschen, die sich tagtäglich im Internet bewegen und mit digitalen Prozessen arbeiten, scheinen diese Fragen absolut lächerlich. Doch viele Menschen in Deutschland tun sich mit der Digitalisierung immer noch sehr schwer.

Technologie: Die große Unbekannte

Auch wenn die meisten Deutschen Computer und Smartphones nutzen, verstehen nur wenige wirklich alle Funktionsweisen und noch weniger interessieren sich dafür. Das kam unter anderem bei einer gemeinsamen Umfrage des Versicherungsunternehmens Gothaer und dem Marktforschungsinstitut forsa heraus.

Das Problem dabei: Die Entwicklung in der digitalen Welt geht rasant weiter, während immer mehr Nutzer nicht hinterherkommen. So wird die Schere zwischen technologischen Neuerungen und Verbrauchern, die diese nicht verstehen, immer größer. Christopher Krause ist wohl einer der ersten, der dieses Problem erkannt hat – und Menschen seine Hilfe anbietet.

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Christopher Krause; Image by Miesh Photography

Als Tech-Life-Coach hilft Krause im US-Bundesstaat Utah Privatpersonen sowie Unternehmen dabei, die digitale Welt zu verstehen. Der Bedarf dafür ist überraschenderweise auch in den USA riesig, erklärt Krause im Gespräch mit den Netzpiloten. „Es ist wirklich ein Irrtum, zu glauben, hierzulande seien die Menschen technikaffiner als anderswo auf der Welt. Ich bekomme täglich Hunderte von Fragen von 20-Jährigen sowie von 60-Jährigen.“

Auch seine Erfahrung ist: Die Menschen nutzen moderne Technologien, verstehen sie aber nur teilweise. „Menschen haben Smartphones, wissen aber nicht, wie sie Applikationen darauf nutzen sollen. Andere verstehen nicht, dass man einen Bluetooth-Lautsprecher nicht per Kabel anschließen muss.

Tech-Firmen haben ein Kommunikationsproblem

Aus seiner eigenen Technologie-Begeisterung hat der gelernte Fotograf so seit 2008 ein zweites berufliches Standbein aufgebaut. Auch wenn sein Service 100 Dollar pro Stunde kostet, kann er sich vor Nachfragen kaum retten. In Utah ist er mittlerweile DER Tech-Coach und hat beim Fernsehsender ABC 4 ein wöchentliches Technologie-Segment, „Tech Time Tuesday“, in dem er Zuschauerfragen beantwortet.

Seine Erläuterungen sind dabei so klar und simpel wie möglich. Das kommt besonders an, hat Krause festgestellt. „Gerade Menschen, die viel in der Tech-Welt unterwegs sind, leben in einer Bubble. Sie vergessen schnell, dass andere Menschen unsere Fachsprache gar nicht verstehen. Das ist wirklich wie eine Fremdsprache. Deswegen setze ich immer ganz unten an und gehe davon aus, dass mein Gegenüber wirklich keine Ahnung hat. So kann man sich Schritt für Schritt vorarbeiten und auch komplizierte Prozesse verständlich machen.“ Das große Unwissen um technologische Prozesse hat er dabei nicht nur im überwiegend ländlichen Utah, sondern auch in Technologie-Zentren wie Kalifornien oder New York City beobachtet.

Mittlerweile kommen sogar große Technologieunternehmen auf ihn zu und bitten um Hilfe. Denn auch sie haben erkannt, dass sie ein Kommunikationsproblem haben. Sie entwickeln ausgefeilte Produkte, die aber viele Verbraucher völlig überfordern. Sie hoffen deshalb darauf, dass Krause ihnen dabei helfen kann, diese Kommunikationslücke zu schließen. Obwohl es also, laut Krause, einen großen Markt für Technologie-Erklärbären wie ihn gibt, kennt er in den USA gerade mal eine Handvoll anderer Tech-Coaches.

Tech-Coaches in Deutschland? Fehlanzeige

Auch in Deutschland ist das Konzept bislang nahezu unbekannt. Wer sich im Netz umschaut, findet zwar Technologieexperten, diese beraten aber eher Startups oder große Konzerne bei ihrer IT-Strategie. Sie arbeiten nicht mit Privatpersonen oder kleinen Firmen, um ihnen zu erklären, wie sie Dateien von ihrem USB-Stick auf der Festplatte speichern können.

Ein solcher Technologiexperte ist Arndt Schwaiger. Er hilft Unternehmen und Startups beim Planen und Umsetzen von digitalen Geschäftskonzepten. Als Tech-Coach würde er sich selbst wahrscheinlich nur am Rande bezeichnen. Auch wenn ein Teil seiner Arbeit darin besteht, Mitarbeitern moderne Technologien zu erklären. Der mehrfache Gründer spricht über sich vielmehr als „Lead-Coach für digitale Geschäftsmodelle“. Sein Fokus liegt also darin, Unternehmen mit seinem Expertenwissen im Bereich mobile Technologien und Onlinemarketing beim Aufstellen eines Businessplans oder eines IT-Marschplans zu helfen. Doch selbst als jemand, der Menschen Technologie von der Geschäftsseite her näher bringt, hat er in Deutschland etwa ähnliches festgestellt wie Christopher Krause in den USA. 

Arndt Schwaiger
Arndt Schwaiger; Image by Frank R. Gutacker

Es herrscht ein gewisses Misstrauen gegenüber der Digitalisierung, vor allem gegenüber neuen agilen Prozessen – und das häufig aus Unwissen heraus. So hat Schwaiger bei seiner Arbeit erlebt, dass sich manche, vor allem ältere Mitarbeiter vor neuen Technologien und den damit verbundenen Änderungen in ihrer Arbeit scheuen: „Manche sperren sich dagegen, weil sie fürchten, sie seien zu alt, um die Technik zu verstehen. Andere wiederum sind skeptisch, weil sie Angst haben, dass ihr Job durch eine Software ersetzt werden könnte.“ Obwohl Schwaiger also kein reiner Tech-Coach ist, besteht ein guter Teil seiner Arbeit ebenfalls darin, Menschen technologische Grundkonzepte wie die Cloud oder ein Business-Konferenz-Tool wie Slack zu erklären.

Dennoch ist es natürlich so, dass Schwaiger seine Erklärungen auf einer viel abstrakteren Ebene ansetzt als Christopher Krause. Den Beruf Tech-Coach an sich scheint es also in Deutschland bisher – zumindest offiziell – nicht in dieser Form zu geben. Das liegt sicher nicht daran, dass es weniger Bedarf gibt als in den USA, sondern wahrscheinlich einfach daran, dass sich dieser Job in Deutschland bislang noch nicht etablieren konnte.

Angesichts von Berichten, die zeigen, dass Deutschland in vielen Bereichen der Digitalisierung europäisches Schlusslicht ist, ist das bedenklich. Es könnte sicherlich nicht schaden, auch in Deutschland mehr Tech-Coaches wie Christopher Krause zu haben. Krause selbst scheint das allerdings nicht allzu tragisch zu finden: „Das Gute an diesem Beruf ist ja, dass man ihn von überall ausüben kann, per Skype, per E-Mail oder indem man über eine Software auf den Computer einer Person zugreift. So kann ich theoretisch nicht nur Kunden hier in Utah helfen, sondern auch in New York, England – und sogar in Deutschland!“


Image (adapted) „cloud-computing“ by wynpnt (CC0 Public Domain)


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Unternehmenskommunikation im Datenstrom des Netzes – in Deutschland dominieren die „Controlletis“

network (adapted) (Image by geralt [CC0 Public Domain], via pixabay) p

Die Autoren Christian Lawrence, Tasso Enzweiler, Daniel Marek, Andreas Bachmeier und Andreas Winiarski kommen in der Februar-Ausgabe des PR-Magazins zu einem deutlichen Ergebnis: Kommunikation wird schwieriger, anstrengender, fordernder – aber auch unverzichtbarer. Für die PR müssten das eigentlich goldene Zeiten sein, meint PR-Magazin-Chefredakteur Thomas Rommerskirchen: „Die Mitarbeiter sind integriert. Sie sind tatsächlich ‚Botschafter des Unternehmens‘ und aktive Gestalter der öffentlichen Meinung. Institutionen werden transparent. Vorstände und Politiker werden medial erreichbar und können ungefiltert ihre Positionen an alle Stakeholder streuen. Produkte werden immer durchschaubarer, Produktionsprozesse nachvollziehbar. Wenn es den PR-Verantwortlichen gelingt, diese Entwicklung zu moderieren und konsensfähig zu gestalten, erfüllen sie eine elementare Führungsaufgabe“, so die Wunschvorstellung von Rommerskirchen.

Überlebenskünstler im Datenstrom

Dennoch organisieren sich viele Unternehmen, Verbände und andere Institutionen immer noch wie eine Wagenburg. Man will alles im Griff haben. Ob Blog, Facebook, Twitter, Pressemitteilungen, Live-Videos, öffentliche Reden oder Interviews mit Journalisten: es gibt aber kein Journalistenmonopol und auch kein „Kanal“-Monopol mehr, schreibt Christian Lawrence, Noch-Kommunikationschef der Munich Re, in einem Beitrag für das PR-Magazin. „Kunden, Mitarbeiter und Investoren informieren sich nicht mehr statisch aus unseren Kanälen, die, wenn man selbstkritisch darauf blickt, schon immer stark verbesserungsbedürftig waren. Sie nehmen stattdessen teil am ständigen Strom der Diskussionen über uns auf Plattformen, von denen wir nicht mal ahnen, dass es sie gibt. Geschweige denn, dass wir die Kraft oder die Ressourcen hätten, dort mitzureden.“

Dennoch gibt es viele Manager, die immer noch von KommunikationsKANÄLEN sprechen. Die Kanalarbeiter verdrängen die Tatsache, dass die Telefon-E-Mail-Newsletter-Broschüren-Sender-Empfänger-Kommunikationsberieselung nicht mehr funktioniert.

Gefragt sind heute Überlebenskünstler im Daten-Mahlstrom und keine PR-Kanalarbeiter. Um Verbündete in der Klimapolitik zu finden, geht Kommunikationschef Lawrence beispielsweise auf die Twitter-Timeline von Donald Trump. Bei den Gegnern des amerikanischen Präsidenten entdeckt er Meinungsverstärker, die zu den Positionen der Rückversicherung passen und die verheerenden Folgen der von Menschen verursachten Klimaerwärmung thematisieren.

Wahrscheinlichkeiten für Netzwerk-Effekte

Entsprechend wächst die Wahrscheinlichkeit, Netzwerk-Effekte in der Kommunikation auszulösen. Mit dieser Denkweise können sich einige Entscheider in Unternehmen nicht so richtig anfreunden. Die Mehrzahl sieht sich nach wie vor als Schiedsrichter über die eigene Geschäftspraxis. „Wenn sie bei einem Auseinanderklaffen von Anspruch und Verhalten ertappt werden, reagieren sie unwillig. Man erkennt es an der Verwendung von Begriffen, intern wie extern, die verharmlosen oder aber die geballte Faust in der Tasche erahnen lassen“, resümiert Lawrence. Ausführlich nachzulesen in der Februar-Ausgabe des PR-Magazins mit dem Special ‚Zukunft der PR‘.

Es gibt nach Ansicht von Klaus Eck leider viel zu wenige Überlebenskünstler im Datenstrom. „Das wird von den Unternehmen zu wenig gefördert, weil es viel Zeit kostet, die gut im Aufbau eines Netzwerkes investiert wäre. Auf aktive Unternehmenskommunikatoren treffe ich beispielsweise auf Twitter eher selten. Zu den aktivsten digitalen Überlebenskünstlern zählen eher Akteure aus dem Agenturumfeld. Freelancer dominieren das Feld, weil sie es müssen. Demgegenüber drängen sich die PR-Manager nicht unbedingt um die digitalen Plätze, sie schauen lieber abwartend zu.“

Wo ist nur der Social CEO?

Als Indikator nennt Eck den Anteil der Online-PR an der Unternehmenskommunikation. Der sei ziemlich mager . „Das lässt auf geringe persönliche Aktivitäten der Kommunikatoren im Netz schließen.“ Leider sei das Social Media Thema bei vielen Firmen komplett im Marketing aufgegangen zu sein. „Zahlen und Marketing Automation sind wichtiger als die persönliche Kommunikation, die mit hohen (Personal)kosten verbunden ist“, sagt Eck.

Auch wenn es viele Lippenbekenntnisse zu Social Media gibt und fast jede Organisation mit Präsenzen auf Twitter, Facebook & Co. glänzt, gibt es wenig Dialogbereitschaft bei den Akteuren der Wirtschaftswelt. Die Controlettis dominieren die Szene, moniert Digital Naiv-Blogger Stefan Pfeiffer. Auch das Thema Markenbotschafter verkümmere zum bloßen Retweeten und Liken der offiziösen Angebote im Social Web.

„Traurig, denn hier werden die Chancen des Netzwerkens noch immer nicht verstanden. Das soziale Netz ist zu einem gewissen Grad per se anarchisch und multipel in den verschiedenen Meinungen. Das ist Personen, die kontrolliert kommunizieren wollen, natürlich zuwider. Compliance-Gründe werden vorgeschoben. Kommunikation und Sich-Stellen in kritischen Situationen ist nicht erwünscht. Stattdessen will man totschweigen. Was das mit Kommunikation zu tun hat, frage ich mich immer wieder“, meint Pfeiffer.

Das bestätigt auch Tim Ebner, Experte für Krisenkommunikation: Nahbarkeit werde nicht so gelebt, wie es sein müsste. „Ich habe das Gefühl, dass ‚Digital’ in den internen Organisationsstrukturen immer noch Bittsteller ist. An PR, Vorstand oder im schlimmsten Fall an Produktmanager. Digitale Kommunikation findet dann an der Leine statt und kann ihr Potenzial gar nicht erst entfalten. Alles muss abgestimmt und weichgespült werden. Bis traditionelle PR auf Facebook übrig bleibt.“

Das Hauptproblem liegt wohl in der Chefetage. Die Suche nach einem Social CEO ist in Deutschland schwieriger als die Fahndung nach einem schwarzen Schwan. International werden gerne populäre Persönlichkeiten wie Richard Branson, Bill Marriot oder Tesla-Gründer Elon Musk genannt, so Kerstin Hoffmann in ihrem Opus ‚Lotsen in der Informationsflut‚ erschienen im Haufe Verlag. Im nationalen Geschehen sind es eher Firmenchefs des Mittelstandes. In Konzernen und in der öffentlichen Verwaltung seien wir noch weit entfernt von Strukturen, die einen freien und offenen Austausch im Social Web erlauben, so Hoffmann.

Das Notiz-Amt verweist auf das kollaborative ichsagmal.com-Gespräch mit der Autorin am 2. März um 18 Uhr. Hier könnten sich Firmenlenker Anregungen holen, um sich künftig als Social CEO zu positionieren.


Image „network“ (adapted) by geralt (CC0 Public Domain)


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Safer Internet Day: Messenger für eine sichere Kommunikation

Computer Sicherheit Vorhängeschloss (adapted) (Image by TheDigitalWay [CC0 Public Domain], via pixabay)

Jedes Jahr am zweiten Tag der zweiten Woche des zweiten Monats findet der Safer Internet Day (SID) statt, in diesem Jahr am 7. Februar. Der Safer Internet Day ist ein von der Europäischen Union initiierter jährlich veranstalteter weltweiter Aktionstag für mehr Sicherheit im Internet. Dieser Artikel befasst sich mit dem Thema sichere Messenger.


Auch im Jahr 2017 ist die E-Mail noch nicht von der Bildfläche verschwunden, sie wird es wahrscheinlich auch noch lange nicht sein, allerdings schreiben wir inzwischen häufiger mit sogenannten Freunden. Über den Facebook Messenger zu schreiben ist heutzutage genauso normal wie mit den Eltern über WhatsApp zu chatten oder die Kollegen auf Arbeit schnell via Skype-Chat zu fragen, wer mit einem zum Mittagessen begleiten möchte.

Messenger sind kaum noch aus unserem Alltag wegzudenken und bereits feste Apps auf unseren Smartphones. Indem wir sie benutzen, gebe wir viele Informationen über uns preis, die wiederum für Kriminelle, Werbetreibende und auch Geheimdienste interessant sind. Doch sicher und privat zu kommunizieren ist keine technische Hürde mehr, denn im Zeitalter nach den Snowden-Veröffentlichungen ist Datenschutz eine gefragte Funktion geworden.

Sicherheit durch Ende-zu-Ende-Verschlüsselung

Eine hundertprozentige Sicherheit kann einem selbstverständlich kein von Menschen geschaffener Messenger garantieren, denn Fehler bei der Programmierung sind möglich und jeder technische Sicherheitsstandard wird irgendwann einmal geknackt werden. Das ist vollkommen normal. Zwei Merkmale von Messengern bieten allerdings zurzeit eine sehr hohe Sicherheit an: Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und ein Quelloffenheit.

Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sorgt dafür, dass die zu sendenden Informationen zuerst auf Senderseite verschlüsselt und erst nach dem Empfang der Nachricht wieder entschlüsselt werden. Dadurch können Nachrichten nicht auf dem Übertragungsweg abgefangen und gelesen werden. Mit Quelloffenheit ist gemeint, dass der Quelltext einer Software öffentlich ist und von Dritten eingesehen und somit überprüft werden kann.

Inzwischen bieten auch der Facebook Messenger und WhatsApp eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung an. Beliebte Alternativen sind der Schweizer Messenger Threema, dessen Server nach eigenen Angaben nur in der Schweiz stehen und unter den örtlichen Datenschutz fallen, sowie der russische Messenger Telegram. Zwar ist Telegrams serverseitige Infrastruktur proprietär, alle offiziellen Apps sind aber quelloffen.

Sicherheit durch Offenheit

Quelloffene Messenger sind deshalb als sicherer anzusehen, da der Programmiercode der Software einsehbar und somit überprüfbar ist. IT-Experten können dann getroffene Aussagen zur Sicherheit in einem IT-Sicherheitsaudit durch eine Risiko- und Schwachstellenanalyse überprüfen. Bei proprietärer Software geht das nicht, da die Firmen keinen Einblick in den Code ihrer Software erlauben. Man kauft quasi die Katze im Sack.

Zwei der zurzeit sichersten Messenger sind der in San Francisco beheimatete Messenger Signal und der in Berlin entwickelte Messenger Wire. Beide Messenger sind quelloffen, allerdings braucht man für die Nutzung von Signal eine Telefonnummer und die Server von Wire sind vorläufig nicht quelloffen. Wire hat den theoretischen Vorteil, dass es nicht der Gerichtsbarkeit in den USA unterliegt. Bisher war dies aber für Signal kein Nachteil.

Auf der Webseite securemessagingapps.com findet man eine Übersicht der verschiedenen Funktionen diverser Messenger. Auch hier schneiden Signal und Wire am besten ab. Vom Design und der Bedienung her, kann ich persönlich Wire empfehlen. Gerade aber die Übersicht zeigt einem, dass die Unterschiede zwischen vielen Messengern gering sind und in manchen Details dem persönlichen Anspruch an Sicherheit und Datenschutz genügen.


Image (adapted) “Computer Sicherheit Vorhängeschloss“ by TheDigitalWay (CC0 Public Domain)


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Diskursfähigkeit im Netz statt egozentrisches Wer-hat-den-Größten-Geschrei

Kommunikation Kopf Sprechblasen Mann Denken (adapted) (Image by geralt [CC0 Public Domain] via pixabay)

Vor Jahren schrieb ich ein beratendes Gedicht-Fragment über das Ich-Syndrom im Netz:

Deine tägliche Powerpoint-Folie gib uns heute,
Projektionsflächen mit Wald- und Wiesenweisheiten,
Phrasen im Dreiviertel-Takt,
Nervensäge der Expertokratie.

Hohlräume unter der gelackten Fassade,
Keynote-Speaker der Irrelevanz,
Bulletpoints mit Bullshit im Designer-Outfit,
Semantischer Brei im Zufallsmodus.

Geheiligt ist Dein Wichtigtuertum,
Gesegnet Deine Excel-To-Do-Listen,
Gepriesen sind Deine Budapester Schuhe von der Kö oder roten Edel-Sneaker,
Du predigst Lösungen für erfundene Probleme.

Dein Gedankenreich ist geklaut,
Dein Wille für den nächsten Auftrag ungebrochen.

Demütig schreibst Du an Deiner Autobiografie mit dem Titel „ICH“ und der Unterzeile „Und nur ICH“.

Auf Deinem Grabstein ist zu lesen:
„Hier liege ICH und kann nicht anders“.

Ruhe in Frieden auf dem Friedhof Deiner Eitelkeiten.
Amen.

Leider hat sich an dieser Zustandsbeschreibung wenig geändert. Im Gegenteil. Es ist schlimmer geworden, wie Georg Franck im brandeins-Interview konstatiert. Er prägte vor rund 20 Jahren den Begriff der „Ökonomie der Aufmerksamkeit“: „Es geht nicht um ein persönliches Anliegen oder um einen bestimmten Inhalt, es geht einzig darum, eine möglichst große Resonanz zu erzielen. Hier wird Aufmerksamkeit zum Selbstzweck.

Claqueure und Seifenblasen

Wer nichts Substanzielles zu sagen hat, bläst sich auf oder kauft sich gleich ein ganzes Imperium an Sendeformaten und  Claqueuren, um der Welt die Wichtigkeit des eigenen Daseins zu demonstrieren. Zu den Meistern der kommunikativen Seifenblasen zählt die Firma Andreessen Horowitz (gegründet von Marc Andreessen und Ben Horowitz), die ihr Kapital in einigen der höchstbewerteten Silicon-Valley-Unternehmen angelegt hat. Dahinter steht eine „Publicity-Maschinerie“ mit eigener PR-Abteilung und befreundeten Journalisten in der Hightech-Presse. Im Frühling 2014 erlebten die Aktien von Softwareabonnement-Anbietern – im Fachjargon SaaS für ‚Software as a Service’ – einen Kurseinbruch.

Andreessens Content Factory machte sich an die Arbeit. Das Unternehmen stellte Blogposts und Podcasts ins Netz, die erklärten, wie missverstanden doch SaaS-Unternehmen seien. Die Anleger begriffen einfach nicht, wie ungeheuer ertragreich sie einmal sein würden. Die Podcasts quollen über vor verwirrenden Fachbegriffen, Abkürzungen und Messwerten, die sich die SaaS-Branche ausgedacht hat, um ihre eigene Leistung darzustellen. SaaS ist immer noch ein ganz junges Geschäftsfeld und es ist schwer, wenn nicht unmöglich, die Unternehmen aussagekräftig miteinander zu vergleichen“, so der frühere Newsweek-Redakteur Dan Lyons. Im Juni 2014 stoppten die SaaS-Aktien ihre Talfahrt und arbeiteten sich langsam wieder nach oben.

Freibier, Shrimp-Cocktails und Geschlechtskrankheiten

Aber gegenüber Salesforce-Chef Marc Russell Benioff sind wohl selbst Andreessen und Horowitz noch Waisenknaben. Das Forbes Magazine schätzt sein Vermögen auf vier Milliarden US-Dollar. Entsprechend gigantisch wird die Hausmesse „Dreamforce“ aufgeführt. Benioffs Auftritte seien Großtuerei und seine Kundentagung würde einer viertägigen Orgie ähneln. „Caligula wäre begeistert über diesen Triumph der Vulgarität und Verschwendung mit Freibier, endlosen Shrimp-Cocktails und einer Geschlechtskrankheiten-Ansteckungsquote, bei der die Fleet Week der US Navy kaum mithalten kann. Ich komme mir vor, als schaue ich ins Land Mordor hinab. So viele verlorene Seelen! Diese aufgewerteten Gebrauchtwagenhändler, diese Leute, zu deren Job es gehört, die Kunden zu überrumpeln und zu beschwindeln, deren Lebenssinn es ist, ihre Vorgabe zu erfüllen.“ Jeden Monat, jedes Quartal, jedes Jahr: verkaufen, verkaufen, verkaufen.

Wie das Netz mit geschwätziger Reklame verdreckt wird

Das seien die Leute, die sich das Internet, eine der wunderbarsten und meistversprechenden Erfindungen aller Zeiten, unter den Nagel gerissen, es mit Reklame verdreckt und es zu einem großen Versandhandel gemacht haben. „Kein Wunder, dass diese Zombies einmal im Jahr ihre Woche in San Francisco brauchen, um bei Deepak Chopra, einer Prise Kokain und vielleicht einer kanadischen Prostituierten auszuspannen und sich toll vorzukommen“, erläutert Lyons.

Am letzten Tag, der von Lyons besuchten Dreamforce, hält Chopra einen Vortrag. „Er ist ein guter Freund Benioffs. Chopra faselt vor sich hin; irgendwie geht es um Freude, Sinn, Zusammengehörigkeit und wie wichtig es ist, sich selbst zu lieben. Der alte Spruch des Komikers W. C. Fields kommt mir in den Sinn: ‚Wenn du sie nicht mit Genialität blenden kannst, überwältige sie mit Geschwätz.’ Er könnte nicht nur Chopras Vortrag, sondern der ganzen Konferenz als Motto dienen. Benioff und seine karitative Angeberei, der Trockeneisnebel, die Konzerte und Comedians: All das hat nichts mit Software oder Hightech zu tun. Es ist eine Show, mit der die Gäste unterhalten, der Verkauf gefördert und der Aktienkurs hochgetrieben werden soll.

Wer hat den Größten?

Motto: Meiner ist größer! Meiner ist der größte! Benioff habe eine Art Finanzalchemie erfunden, bei der man Geld nicht nur aus dem Nichts, sondern aus Verlusten schafft. „Je mehr er für Partys zum Fenster hinauswirft, desto reicher wird er“, schreibt Lyons.

Das Zauberwort zur Entzauberung des netzmedialen Trumpismus heißt nach Auffassung von Wolf Lotter Diskursfähigkeit. Also das, woran es nicht nur dem Gebrüll von Trump, Benioff und Co. mangelt, sondern auch der Gesellschaft und den zahlreichen, nur nach Selbstbestätigung gierenden Menschen. Bohrende Fragen stellen, hinter die Kulissen und unter die Motorhaube des Marketing-Nebels schauen, das wären wohl erste Maßnahmen, um wieder klarer in der Netzöffentlichkeit sehen zu können. Nicht Mitklatschen und alles bejubeln, sondern kritische Debatten führen. „Wenn der Bohrer den Grund erreicht, wie in diesen Tagen, zeigt sich ohnehin, was Sache ist. Klartext ist die wichtigste Zutat jeder erfolgversprechenden Kommunikation“, führt Lotter in seinem Einleitungstext in der Februar-Ausgabe von brandeins aus. Schwerpunkt: „Der Kampf um Aufmerksamkeit und seine Folgen“. Urteil des Notiz-Amtes: Das richtige Thema zur richtigen Zeit. Nicht nur im Marketing. 


Image (adapted) „Kommunikation Kopf Sprechblasen Mann Denken“ by geralt (CC0 Public Domain)


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Analog trifft Digital: Per App zum Gesprächspartner beim Mittagessen

Leute, Tisch, Bar, Tresen, Trinken, Wein, Glas, Date, Rendezvous

Im Durchschnitt verbringt der Amerikaner 50 Minuten pro Tag auf Facebook. Das ist eine Menge digitale Vernetzung und entspricht ungefähr demselben Zeitumfang, den Arbeiter für ihre Mittagspause aufbringen. Dennoch gibt es da nicht annähernd so viel Sozialisierung, denn: 65 Prozent der Amerikaner essen an ihrem Arbeitsplatz zu Mittag und 45 Prozent geben an, allein Mittag zu essen – der höchste Prozentsatz seit über 50 Jahren. Was wäre, wenn diese Menschen in ihrer Mittagszeit persönlich miteinander in Kontakt treten, statt nur virtuell?

Die modernen Entwicklungen haben nicht nur unsere Sozialkontakte während der Mahlzeiten beeinflusst – es hat die Art und Weise verändert, wie wir unseren Geist ernähren. Viele von uns wurden von ihrer eigenen Echokammer verschlungen. Dabei erhält ein großer Anteil dieser Leute Neuigkeiten von ähnlich gesinnten Facebook-Freunden – wovon zumindest eine Handvoll nicht echt sind. Zu oft wurde die Komplexität unserer Freundschaften auf schlagfertige Zweizeiler und ausgewählte Selfies reduziert. In diesem paradoxen Zustand sind wir zugleich enger verbunden – und dennoch allein.

Die sozialen Medien und ihre Entwicklungsfirmen werden diese Probleme nicht lösen. Organisationen wie Facebook wollen die Zeit, die der Nutzer in ihrem Ökosystem verbringt, maximieren. Mehr Zeit bedeutet mehr Klicks, was mit gesteigertem Profit einhergeht. Forschungen zeigen, dass Menschen Informationen erhalten wollen, die ihre bereits existierenden ideologischen Standpunkte bestätigen. Deshalb ist es nur verständlich, dass Facebook genau das bedient.

Eine Lösung dieses Problems geht uns alle an. Die Menschen müssen miteinander ehrlich, authentisch und von Angesicht zu Angesicht in Kontakt treten. Wir glauben, dass Technologie helfen kann. Als Doktoranden am MIT entwickeln wir einen Service, der Menschen hilft, miteinander in Kontakt zu treten – indem wir 50 Minuten persönliche Interaktion statt fünf Minuten Bildschirmzeit bieten.

Das Gegenteil der Dating-Apps

Vor eineinhalb Jahren wurden wir von einer Selbstmordserie unter den Studenten in Cambridge erschüttert. Die tragischen Vorfälle führten zu einer Diskussion über soziale Isolation und das Gefühl der Unbehaglichkeit bim Kennenlernen neuer Leute. Informelle Befragungen von MIT-Mitgliedern auf einer Reihe von ungewöhnlichen Events, von Hackathons über Teepartys bis hin zu „Schokoladen-Soirées“ offenbarten, dass ein großer Teil der Studenten diese Veranstaltungen in der Hoffnung auf neue Freundschaften besuchten. Viele von ihnen spürten, dass das Auftreten in der Gruppe zu unpersönlich wäre, um erfolgreich neue Freundschaften zu knüpfen.

Davon inspiriert, machten wir uns an die Arbeit, eine weit persönlichere Alternative aufzubauen. Das Projekt erhielt den Namen „Connect“, das platonische, persönliche Treffen zum Mittagessen arrangiert.

Eine „interessante“ Person ist eine, mit der wir persönlich voraussichtlich gut zurechtkommen, von der wir uns aber in gewisser Weise unterscheiden – ideologisch, demografisch oder sozioökonomisch. Dieser Ansatz steht im Gegensatz zu Dating-Webseiten und Sozialen Netzwerken. Statt das perfekte Gegenstück zu finden, versucht Comfort, eine Person mit Gemeinsamkeiten zu finden, die dafür sorgt, dass wir uns geborgen und beruhigt fühlen können, sich zugleich aber auch genug Unterschiede aufweist, um uns neugierig zu machen.

Die Nutzer von Connect werden nach einigen Profilfragen gefragt, die dem Vergleichsalgorithmus helfen sollen. Diese Fragen erfassen Aspekte der eigenen Identität, unter anderem die Studienrichtung, Hobbys und Interessen, umfassen aber auch logistische Fragestellungen wie Verfügbarkeit und Essensvorlieben. Connect schlägt dann einen Ort, eine Zeit und den Initiator der Konversation vor. Sobald Nutzer mehrere Mittagessen wahrnehmen und den Algorithmus mit Rückmeldungen versorgen, lernt dieser mehr über diejenigen Attribute andere Personen, die interessant für ihn sind.

Ein MBA-Student aus dem Ausland könnte sich also anmelden und dem System beispielsweise mitteilen, dass er Kochen und Kajakfahren mag. Er könnte daraufhin mit einem Promotionsstudenten in Computerwissenschaften verknüpft werden, der ein begeisterter Bäcker ist. Das Paar ist ähnlich genug, was den Bildungsgrad und die essensbezogenen Hobbys angeht – dass sie miteinander klarkommen, aber gleichzeitig ausreichend unterschiedlich, dass sie sich auf anderem Wege wohl kaum treffen oder das selbe erleben würden.

Eine Dating-App würde diese beiden Personen nicht verbinden, weil beide Männer heterosexuell sind und die Hintergründe beider zu unterschiedlich sind, um auf romantischer Ebene kompatibel zu sein. Sie verlangen von Connect aber nicht, einen Lebenspartner zu finden – nur jemanden Interessanten, mit dem man das Mittagessen verbringen können.

Das Mittagessen zurückgewinnen

Es wird deutlich, dass wir gern interessante, neue Menschen kennenlernen. Die große Mehrheit der Nutzer, nämlich 90 Prozent im Verlauf des vergangenen Jahres, haben ihre Interaktionen mit der Plattform mit 4 von 5 Punkten (oder besser) bewertet. Neben der Tatsache, ein unterhaltsames Mittagessen zu erleben, berichtete ein Drittel der Nutzer davon, eine fortdauernde Freundschaft aufgebaut zu haben, durch die man regelmäßig in Kontakt bleibt.

Der Erfolg von Connect hat uns dazu angetrieben, herauszufinden, wie Technologie dabei helfen kann, eine stärkere und persönlichere Gemeinschaften aufzubauen. Dank der Förderung verschiedenster Büros am MIT waren wir sogar in der Lage, für das Mittagessen am Campus zu bezahlen, um die Hemmungen, neue interessante Personen kennenzulernen, weiter abzubauen.

Wir planen, die Plattform Anfang 2017 weltweit verfügbar zu machen, damit Administratoren an Schulen in der ganzen Welt in der Lage sein werden, ihren Studenten, Angestellten und Ehemaligen dabei zu helfen, auf persönlicherem Wege in Kontakt zu treten. Wir hoffen, dass Connect aus einer unterstützenden akademischen Wiege zu einer Plattform erwachsen kann, die jedem, Student oder nicht, dabei hilft, den nächsten besten Freund zu finden.

Wenn eine Plattform wie Connect stetig wächst, kann die Technik uns dabei helfen, die Hindernisse abzubauen, die sie selbst mit errichtet hat. Vielleicht werden uns die sozialen Netzwerke von morgen Möglichkeiten bieten, andere Perspektiven zu erfahren und Ideen auszudrücken, die nicht in der Anonymität verborgen bleiben. Und außerdem ist es die Chance, die Tradition eines Mittagessens unter Freunden zurückzubringen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „adult“ by sasint (CC0 Public Domain)


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