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Kurse gegen Hate & Fake

Wer heute jünger ist als 20 Jahre, kennt Screens und Smartphones seit dem Kindesalter. Laut einer Marktforschung des BVDW aus 2018 gehen 74 Prozent der 14- bis 24-Jährigen hauptsächlich mit dem Smartphone online. 97 Prozent aller befragten Internetnutzer verwenden das World Wide Web, um sich Informationen zu verschiedenen Themen zu beschaffen. Da auf den digitalen Kanälen zunehmend auch Fake News und Hate Speech anzutreffen sind, wird der Weg zur differenzierten Meinung und zu fundierten Argumenten oft erschwert.

Die Grimme Akademie, Referat und Fortbildungsschmiede des renommierten Grimme Instituts, packt das Problem mit Bildung an: mit der Zentralstelle Politische Jugendbildung des Deutschen Volkshochschul-Verbands (DVV) wurde ein umfangreiches Lernkonzept mit vielen unterschiedlichen Modulen entwickelt, das die Jugendlichen für Fake News sensibilisieren soll.

Reflexion gegen Manipulation

In den Unterrichtseinheiten sollen die Schüler verschiedene Medienkompetenzen erlernen. Zum Beispiel sollen sie systematisch ihr eigenes Medienverhalten reflektieren. Gleichzeitig soll kreativ erarbeitet werden, was Falschnachrichten und gezielte Manipulationen im Internet in der Gesellschaft bewirken können. Die dafür entwickelte Modulbox ist in sechs Unterrichtseinheiten á 45 Minuten aufgeteilt.

Der Verbandsdirektor des DVV Ulrich Aengenvoort betont, man müsse Jugendliche und junge Erwachsene auf ihrem Weg in der digitalen Welt begleiten. Erfreulicherweise finden die Module auch in der Praxis Anklang bei den Lehrenden. „Wir haben verschiedene Elemente in einem Workshop mit Jugendlichen ausprobiert und sind je nach Interesse der Teilnehmenden tiefer in einzelne Bereiche gestiegen. Das ist bei allen sehr gut angekommen.“, berichtet Felicitas Sieweck von der Volkshochschule Meppen. 


Image by Grimme Akademie.

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Für freie Lehrmaterialien – Markus Deimann im Interview

Markus Deimann ist habilitierter Bildungswissenschaftler und vertritt zurzeit das Lehrgebiet Mediendidaktik an der FernUniversität in Hagen. Er mischt sich als Redner, Kolumnist und Podcaster aktiv und kritisch in die Debatten zur Digitalisierung von Bildung ein. Im Interview beantwortet er uns Fragen zu Open Educational Ressources (OER).

Markus Deimann, können Sie kurz erklären, was Open Educational Resources (OER) sind?

Open Educational Resources sind Lernmaterialien, die unter einer freien Lizenz stehen und darum die Nachnutzung, die Vervielfältigung und den Remix erlauben, ohne den Urheber explizit um Erlaubnis fragen zu müssen. Urheberrechtlich ist man damit auf der sicheren Seite. Andererseits kann man die Materialien nach Belieben verändern. Das erweitert die Vielfalt, es gibt mehr Auswahlmöglichkeiten. Jeder kann freie Materialien erstellen, zu jedem beliebigen Thema kann ich welche finden. Und diese Auswahl ermöglicht mir vielfältige Zugänge zu einem Thema.

Aber wenn jeder Mensch einfach Lernmaterialien ins Internet stellen kann: Wie kann man sicher sein, dass sie qualitativ hochwertig sind?

Diese Befürchtung hört man oft, wenn es um OER geht. Bei Schulbüchern übernimmt eine Behörde die Qualitätssicherung. Das ist eine Entlastung. Man könnte aber auch von einer Infantilisierung sprechen. Wenn eine Biologielehrerin etwas für ihren Unterricht sucht, dann würde ich ihr unterstellen, dass sie eine ausreichende Fachkompetenz hat, um auch sicherzustellen, dass die gefundene OER-Ressource qualitativ einwandfrei ist.

Nutzen Lehrende überhaupt solche Materialien?

Das hängt natürlich vom einzelnen Lehrer, von der einzelnen Lehrerin ab. Aber ja, sie nutzen es durchaus. Es gibt zum Beispiel die Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet. Da findet man eine große Auswahl an Themen, Materialien und Ressourcen, die von Lehrerinnen und Lehrern eingestellt wurden. Wer sich grundsätzlich über OER informieren möchte, für den ist die OER-Infostelle aktuell die zentrale Einflugschneise.

Welche Nachteile haben OER?

Es fängt beim Begriff selbst an: Open Educational Ressources klingt sperrig und technisch. Da gibt es einen Mismatch zwischen dem unhandlichen Begriff und der eigentlich guten Idee. OER sind Teil einer Kultur des Teilens. Da sind viele dafür, aber mit dem Begriff kann man nichts anfangen. Darüber hinaus sind OER immer noch schwer zu finden. Es braucht einfach noch mehr Plattformen, auf denen ich OER nicht nur finden, sondern auch auf einfache Art hochladen kann. Wenn ich meine Materialien teilen möchte, ist der Zusatzaufwand immer noch groß.

Im Prinzip bräuchte man also eine Art OER-Cloud?

Genau. Auch vor dem Hintergrund, dass man sich mithilfe von offenen Schnittstellen mit zum Beispiel Learning Management Systemen [z.B. Moodle, Anm. d. Red.] verbinden kann. Die Cloud liefe dann im Hintergrund und ich könnte als Lehrender an der Universität meine Materialien ohne großen Aufwand freigeben.

Wo finde ich als Lehrender solche Materialien im Moment?

Das kommt natürlich auf die Ressource an. Wenn man jetzt an Bilder denkt, gibt es sowas wie Pexels. Da kann man nach Lizenzen filtern. Es geht aber noch einfacher: über Google. In den leider etwas versteckten erweiterten Einstellungen kann ich meine Suche nach Lizenzmodellen filtern. Zum Beispiel nach Creative Commons.

Wie passt die Kultur des Teilens überhaupt zum heutigen, starren Bildungssystem?

Da gibt es durchaus einen Widerspruch, aber pauschal würde ich nicht sagen, dass beides nicht zusammenpasst. Dort gibt es einen althergebrachten Spruch: Ein Professor würde eher die Zahnbürste teilen als sein Material. Auf der einen Seite ist das natürlich ein Ego-Ding. Vor allem aber haben viele Kollegen Angst, dass andere ihr Material nicht gut genug finden. Viel Zeit wird für Forschung, Verwaltung und Drittmittelanträge benötigt. Die Befürchtung: Man muss sich auf viele andere Sachen konzentrieren, sodass darunter die Qualität der Lehrmaterialien leidet.

Vor welchen Problemen stehen OER in Deutschland?

Aus rechtlicher Sicht spricht nichts gegen OER. In den vergangenen Jahren sind viele rechtliche und technische Hilfestellungen und Anleitungen entstanden. Wie mache ich das genau? Worauf muss ich achten? Im Prinzip könnte jeder sofort loslegen und andere Materialien nutzen und verändern. Es gibt eher eine kulturelle Hürde. Viele Forscher richten sich einfach nach den vermeintlich wichtigsten Autorinnen und Autoren des eigenen Fachs und schauen nicht nach links und rechts. In der Musik wird viel mit Remixen gearbeitet. Das kann man zum Beispiel auch in der Lehre anwenden. Verschiedene Dinge zusammennehmen, auseinanderreißen und wieder zusammenkleben. Das findet in der Bildung noch nicht statt.

Was könnte man denn ganz konkret tun, um OER bekannter zu machen?

Es ist wichtig, zentrale Multiplikatoren zu identifizieren und sie mit dem Thema OER vertraut zu machen. In den vergangenen eineinhalb Jahren hat viel Aufklärung stattgefunden. Vor allem bei Multiplikatoren an Hochschulen. Die wurden sensibilisiert und geschult. Natürlich stellt sich die Frage, wie nachhaltig das ist. Wird das auch von der Hochschule weiter am Kochen gehalten und weiter befeuert? Da gibt es einen Mismatch. Viele sagen, dass sie es toll finden, Materialien frei zur Verfügung zu stellen. In der Realität wird das dann oft nicht umgesetzt. Da gibt es noch viel Luft nach oben.

Welche Reaktionen kommen von Multiplikatoren?

Vor allem die jüngeren Lehrenden finden die Formen der offenen digitalen Zusammenarbeit gut. Dass man sich mit anderen Studierenden von anderen Hochschulen zusammentut, gemeinsam an Dokumenten arbeitet, gemeinsam was erstellt. Wissenschaft lebt ja vom Austausch und von der Diskussion. Und das kann man eben auch digital abbilden.

Wie steht es denn um die Finanzierung von OER in Deutschland?

Es gibt natürlich schon Förderung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung aus der OER-Förderlinie. Die war zwar nicht groß, dort wurden aber 23 Einzel- und Querschnittsprojekte gefördert. Da geht es aber vor allem darum, Menschen über OER zu informieren. Wenn man möchte, dass eine Kultur des Teilens entsteht, braucht es natürlich mehr Geld. Man könnte zum Beispiel mit Anreizen arbeiten und das beste OER-Projekt auszeichnen, was von mindestens drei Hochschulen erstellt wurde. Wettbewerb funktioniert in diesem Bereich ganz gut. Das hat man vor ein paar Jahren bei den Massive Open Online Courses (MOOC) gemerkt. Da ist ein riesiger Hype entstanden.

Wie sähe eine weitere Förderung ganz praktisch aus?

Es braucht daneben eine Anschubfinanzierung für einen Anfangsbestand von guten Open Educational Resources. Man könnte zum Beispiel sagen, dass man für bestimmte Fächer einen Bestand an frei zugänglichen Videos, Powerpoints oder Podcasts finanziert. Andererseits wird Geld für die Infrastruktur benötigt. Finanzierung für technische Plattformen, die nah an meinem Arbeitsprozess dran sind. Sodass es nur einen Klick braucht, um Materialien frei zur Verfügung stellen zu können. Andererseits könnte man öffentlich finanzierte Forschung auch für die Allgemeinheit freigeben. Da sollte man vor allem an die Ehre der Pädagogen appellieren. Warum schränkt ihr euch ein? Warum die Materialien nur für 20 Leute im Kurs freigeben, wenn so viel mehr Menschen davon profitieren könnten?

Der Koalitionsvertrag von Union und SPD sieht eine umfassende OER-Strategie vor. Wie schätzen Sie die Bemühungen der Bundesregierung in diesem Bereich ein?

Nicht so groß. Im Moment liegt der Fokus der Bundesregierung auf dem Bereich Digitalisierung, was komischerweise als was anderes als OER gesehen wird. Dabei hängt beides sehr eng miteinander zusammen. Man setzt aber eher auf Hype-Themen. Vor ein paar Jahren waren es MOOC, jetzt ist es aktuell mal wieder künstliche Intelligenz oder Blockchain. Da gibt es auch im Bildungsbereich durchaus Bedarf, das will ich gar nicht in Frage stellen. Das darf aber nicht komplett den Blick für die Probleme verstellen, die man an der Basis hat.

Bleiben OER eine Nische oder können sie sich langfristig durchsetzen?

In der Digitalisierungsdebatte geht es gerade stark darum: Wie innoviere ich meine Lehre? Wie nutze ich digitale Medien? Da ist eine Anschlussmöglichkeit für OER. Da braucht es aber nicht nur einzelne Akteure, die OER nutzen. Es braucht E-Learning-Zentren und Hochschulleitungen, die ihre Materialien frei zur Verfügung stellen. So ist es auf jeden Fall auch in den nächsten fünf Jahren möglich, OER zum Durchbruch zu verhelfen.

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Digitale Kompetenz: Eine Gesellschaft in der Pflicht

Der Vermittlungsausschuss konnte sich kürzlich auf einen Kompromiss zum Digitalpakt einigen. Fördergeldern für neue Rechner, WLAN und digitale Bildungsangebote steht kaum mehr etwas im Weg. Zweifelsohne müssen unsere Schulen der Digitalisierung Rechnung tragen. Doch mit Ausstattung allein transportiert man noch lange keine digitalen Werte. Noch wichtiger ist eine digitale Kompetenz, die von Lehrern und Eltern gleichermaßen vorgelebt wird. Doch genau hier stehen wir vor großen Problemen.

#Neuland lässt grüßen

Die Zeiten haben sich geändert. Schon früh besitzen Kinder ihr eigenes Smartphone. Sie sind ständig im Internet unterwegs und über Social Media vernetzt. Doch ein Smartphone wie selbstverständlich zu nutzen, heißt noch nicht, dass man kompetent damit umgeht. Fleißig wird Facebook, Twitter, Instagram und Snapchat genutzt. Im Alter von zwölf Jahren eifern sie schon ihren Idolen nach und laden Inhalte auf YouTube hoch – selbst wenn es der größte Müll ist.

Trotzdem sind sie sich nicht bewusst, was sie da überhaupt alles ins Netz stellen. Sie nutzen es, hinterfragen es aber nicht. Dazu kommt der soziale Druck, den die Netzwerke auf Kinder ausüben. Die meisten Follower, die meisten Views, einfach dazu gehören. Internet ist Neuland. Die von allen Seiten so belächelte Aussage Merkels ist für mich noch immer eine ihrer treffendsten, auch wenn unter anderen Gesichtspunkten. Für weite Teile der Gesellschaft ist das „Neuland“ noch immer ein Problem – nicht nur für die „Ewiggestrigen“, sondern auch für Digital Natives. 

Nicht durch ein Seminar zu erlernen

Wenn schon die Alten oftmals kein Verständnis für das eigentlich nicht mehr völlig neue Medium haben, wie sollen sie es dann der Jugend beibringen? Genau hier beginnt das eigentliche Dilemma. Seminare alleine reichen nicht aus. Zwar ist es auch für Digitalmuffel sinnvoll zu wissen, wo sich die Schüler online rumtreiben, doch um digitale Kompetenz zu vermitteln, muss man digitale Kompetenz auch leben. Es reicht nicht aus, einen Kurs besucht zu haben, man muss selbst Teil dieser neuen Kultur sein.

Und das müsste eigentlich bereits Zuhause anfangen. Kinder, denen keine digitale Kompetenz vorgelebt wird, werden sie nur schwer erlernen. Es lässt sich nicht einfach in Lehrbücher pressen. Es muss Kindern genau so vorgelebt werden, wie auch der soziale Umgang in der analogen Welt. Wobei es mittlerweile nicht einmal eine wirkliche Trennung mehr zwischen digital und analog, zwischen online und offline gibt. Heute sind wir rund um die Uhr vernetzt, Always-on. Und bringt mit all seinen Vorteilen eben auch wieder viele Probleme und Herausforderungen mit sich. 

Hinzu kommt, dass Kinder es sehr schnell merken, wenn sie selbst mehr Ahnung von Internet und Social Media haben als Eltern oder Lehrer. Und wieso sollten sie digitale Kompetenz von jemanden lernen, der offenbar selbst keine Ahnung davon hat? Der Arzt lässt sich schließlich auch nicht vom Versicherungsvertreter erklären, wie er den Blinddarm zu entfernen hat.

Ein Problem unserer Gesellschaft

Digitale Kompetenz ist für uns kein Problem technischer Limitierung, sondern eines unserer gegensätzlichen Gesellschaft. Auf der einen Seite haben wir eine junge Generation, die leider oft zu unbedarft die technologischen Errungenschaften unserer Zeit genießt. Eine Generation, die wie selbstverständlich die Möglichkeiten ausschöpft, aber oftmals zu wenig reflektiert. 

Das andere Extrem sind wieder die Verweigerer, für die Social Media und moderne Digitalkultur schon von Grund auf böse sind. Das sind natürlich jetzt die zwei Extreme, aber keine völlig unrealistischen. Die „German Angst“ ist ein international gebrauchter Begriff, der unsere Zögerlichkeit vor politischen und gesellschaftlichen Veränderungen beschreibt. Diese trifft auch auf unseren Umgang mit technologischen Fortschritt zu. Sie sorgt dafür, dass viele den Zugang zu unserer Jugend verlieren. 

Ein schmerzhafter Spagat

Ich beneide dieser Tage weder Eltern, noch Lehrer, die vor der Aufgabe stehen, digitale Kompetenz vorzuleben. Es war so einfach, als Medienkompetenz daraus bestand Folien auf den Overhead-Projektor zu legen und ein bisschen darauf rumzumalen. Da Schüler sowas nicht Zuhause hatten, waren Lehrer immer die Meister des OHP und konnten die Regeln festlegen. Das geht heute nicht mehr.

Heute gilt es den schwierigen Spagat zu meistern, Teil der digitalisierten Welt zu sein, aber dennoch Grenzen vorzuleben. Wir sind uns oft zu wenig bewusst, wie unser eigener Umgang mit Computern, Smartphones, Alexa und Co Einfluss auf Kinder hat. Digitale Kompetenz fängt bei uns an. Das bedeutet nicht nur zu entscheiden, ab wann das Kind ein Smartphone bekommt, sondern auch selbst das Smartphone mal weglegen zu können, um dem Kind die volle Aufmerksamkeit zu schenken. Auch die junge Elterngeneration, für die Netflix und Instagram längst zum Alltag gehören, muss sich eine digitale Kompetenz erarbeiten. 

„Die Smartphone-Epidemie“ von Manfred Spitzer wirft einen Blick auf die Schattenseite unserer mobilen Gesellschaft (Provisionslink) 


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Digitalpakt so gut wie beschlossen

Die damalige Bundesbildungsministerin Johanna Wanka kündigte im Oktober 2016 ein milliardenschweres Programm an. Schule soll endlich moderner werden, mit WLAN, neuen Computern und digitalen Lernmethoden der heutigen Zeit gerecht werden. Zweieinhalb Jahre später einigt sich der Vermittlungsausschuss von Bundesrat und Bundestag auf eine gemeinsame Formulierung zur Grundgesetzänderung, die diese wichtige Milliardenhilfe ermöglichen soll.

Das umfasst der Digitalpakt

Mit dem Digitalpakt soll der Bund die Länder mit fünf Milliarden Euro bei der Ausstattung der Schulen mit WLAN, Computern und digitalen Lerninhalten unterstützen. Da Bildung allerdings laut Grundgesetz Ländersache ist, ist für eine Förderung durch den Bund eine Änderung des Gesetzes nötig.

Kofinanzierung

Der ursprüngliche Ansatz schrieb eine 50:50-Finanzierung für Projekte vor. Länder sollten also selbst ebenfalls einen finanziellen Anteil in Höhe der Bundesförderung leisten. Stattdessen soll nun aber für jedes Projekt eine eigene Quote zwischen Bund und Länder festgelegt werden. Außerdem sieht die Verfassungsänderung schwächere Kontrollrechte des Bundes vor. Den vorigen Entwurf lehnten die Länder noch geschlossen ab, aus der Gefahr zu viele Kompetenzen an den Bund zu verlieren.

Personal für befristete Ausgaben

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Möglichkeit des Bundes, auch Finanzhilfen für Personal an Schulen zur Verfügung zu stellen. Damit lassen sich unter anderem Systemadministratoren für die Digitalisierung einstellen.

Geld auch für Nahverkehr und sozialer Wohnungsbau

Die Gesetzesänderung soll übrigens nicht nur der Bildung zu Gute kommen. Auch sozialer Wohnungsbau und der Nahverkehr können durch die Änderung vom Bund entsprechend unterstützt werden. Unter anderem plant man Pendler durch den Ausbau des regionalen Schienenverkehrs zu fördern.

Entscheidung schon am 15. März?

Der erzielte Kompromiss muss nun erst einmal von Bundestag und Bundesrat mit Zwei-Drittel-Mehrheit gebilligt werden. Die Gesetzesänderung könnte damit bereits bei der nächsten Sitzung der Länderkammer am 15. März entschieden werden.

Politiker zuversichtlich

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Schwesig, zeigte sich nach der nur 21-minütigen Sitzung erleichtert. Mit der Einigung sei es möglich, dass der Bund nicht nur stärker in Bildung, sondern auch in den sozialen Wohnungsbau investiert. SPD-Vorsitzende Andrea Nahles sprach von einer „sehr großen Annäherung“, die es im Vorfeld gegeben habe. „Ich bin da sehr zuversichtlich“. Auch Alexander Dobrindt, Vorsitzender der CSU-Landesgruppe teilt diese Einschätzung. „Man ist da auf der Zielgeraden“.


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Die Netzpiloten sind Partner der LEARNTEC

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Die digitalen Lerntrends live erleben – auf der LEARNTEC, der Leitmesse für digitale Bildung, können Besucher genau das tun. Der Startschuss fällt am 30. Januar in Karlsruhe und endet am 01. Februar 2018.

Auf dieser Messe erwartet die Teilnehmer neben Themen zu Mobile Learning, Gamification, Lern-Nuggets oder auch Virtual Reality alles rund um das E-Learning. Dieses Thema wird besonders in Unternehmensprozessen, Schulen und Hochschulen immer bedeutsamer. Auf der Learntec soll es um die zunehmende Bedeutung von E-Learning auf 16.000 qm, mit rund 280 Ausstellern aus 14 Nationen gehen.

Ein vielseitiges Programm

Hierfür stehen Bildungsexperten und Entscheider aus allen Wirtschaftsbranchen und öffentliche Träger bereit, um in Kombination von Fachmesse und Kongress ihr Wissen zu teilen. Den Besuchern stehen die verschiedensten Programme zur Auswahl.

    • Das Rahmenprogramm mit Workshops, dem IHK-Tag und dem Medienkompetenz-Tag.
    • Das Messeprogramm mit unter anderem spannenden Fragen wie „Was macht Lernen mit digitalen Medien wirksam?“ von Gabriele Irle und Prof. Dr. Johannes Moskaliuk vom Leibniz-Institut für Wissensmedien.
    • Das Kongressprogramm mit interessanten Vorträgen wie unter anderem „Impulsvortrag: Arbeitswelten der Zukunft: Lernen im Zeitalter von Industrie 4.0“ von Bernd Dworschak vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation.

Die Messe erstreckt sich über drei Tage. Sie bietet für Unternehmen, Schulen und Hochschulen mit Sicherheit die passenden Antworten auf die vielen spannenden Fragen. Also nicht lange warten und ran an die Tickets!

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Das Atelier als New Work-Gegenkonzept

Art studio with wall graffiti (adapted) (Image by Matthieu Comoy [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Der Bildungsethiker Christoph Schmitt beschäftigt sich in seinem neuen Buch „Digitalisierung für Nachzügler: Einsichten eines digitalen Immigranten“ mit der Frage, wie wir es schaffen können, die alten Bilder von Arbeit und Beruf in unseren Köpfen zu überschreiben. „Sie preiszugeben, um offen zu werden für völlig neue Ansätze, Erlebnisse, Erfahrungen und Erkenntnisse. Wir setzen uns unerwarteten Entdeckungen aus, die durch einen glücklichen Zufall möglich werden.“

Zufallsbegegnungen

Also das von Niklas Luhmann erprobte Verfahren „Serendipity“ – etwas zu finden, was man gar nicht gesucht hat. Man begegnet einem unbekannten Thema und wird davon magisch angezogen. Schmitt beschreibt seine MOOC-Erlebnisse – seine Expeditionen in Massive Open Online Course-Formaten – etwa das von Anja C. Wagner organisierte Leuchtfeuer-Projekt.

Unzählige beeindruckende Videos dokumentieren, wie viele ’neue Räume‘ des Lernens und Arbeitens es quer über den Planeten schon gibt: Coworking Spaces in total unterschiedlichen Ausprägungen, Makerspaces in allen Formen; wie die entstanden sind und sich etablieren. Was ihnen wichtig ist: nach welchen Werten sie arbeiten.

Neue Räume für digitale Kultur

Es gehe um neue Räume, die im Kontext der Digitalisierung so wichtig sind. Und diese physischen Umgebungen sollte man anders gestalten, um auch die Ökonomie im Ganzen zu verändern. „Klassisch hierarchische Strukturen – also annähernd 100 Prozent der KMU und Konzerne – ersticken Coworking im Keim. In solchen Monokulturen gedeiht Coworking nicht, weil hier das Querdenken und Querarbeiten strukturell verhindert wird“, schreibt Schmitt. Das klassische Modell der Arbeitswelt wird dominiert von Belohnung und Bestrafung, von Kontrolle und Reglement – das genaue Gegenteil von Coworking und Kollaboration.

Klassische Organisationen kann man nicht revolutionieren

„Oft höre ich, dass sich doch auch in traditionellen Kulturen einzelne Schollen bilden und sich quasi unter der Oberfläche (‚unterm Schirm‘) klammheimlich vernetzen können und die Orga von unten her revolutionieren. Mit solchen Hypothesen positionieren sich im Moment vor allem klassische Consulting-Anbieter, die aus der zunehmenden Hilflosigkeit auf den Chefetagen Profit schlagen. Die Annahmen hinter diesem ‚Coworking light‘ funktionieren aber nicht“, konstatiert Schmitt. Und er hat recht. Was mit Begriffen wie Industrie 4.0 oder New Work beschrieben wird, kaschiert nur die alte industriekapitalistische Organisationsform, die fast alle Volkswirtschaften auf unserem Planeten dominieren. Der überkommene Taylorismus der Massenfertigung bekommt nur einen digitalen Anstrich. Nach wie vor sind die Lebens- und Arbeitswelten nach funktionalistischen Prinzipien auseinandergerissen.

New Work-Berater kaschieren die alte Arbeitswelt

Da können New Work-Berater herumlabern, wie sie wollen: Man muss aus diesem Käfig ausbrechen: „Menschen und ihre Ideen entwickeln sich aus solchen Organisationen hinaus und bilden neue Netzwerke. Überall – nur nicht in der Organisation selbst“, so die Erkenntnis von Schmitt. Für den Ausbruch hat Schmitt eine gute Metapher ins Spiel gebracht: Das Atelier. „Der Begriff stammt aus dem Französischen und steht für Werkstatt. Und ein Atelier ist noch mehr: Es ist der Arbeitsplatz eines Kreativen, beispielsweise die Werkstatt einer Künstlerin oder eines Fotografen, oder auch eine Produktionsstätte wie beim Filmatelier. Es ist auch ein Ort der Selbstinszenierung und der Ausstellung. Das Atelier ist ein Ort, an dem Menschen zugleich leben, arbeiten, lernen, wo sie ihre Produkte oder Dienstleistungen präsentieren und verkaufen. Ein Atelier birgt Werkstatt und Schaufenster in einem. Wohnen, leben und arbeiten wachsen hier zusammen… Hier verweilen Menschen und kommen miteinander ins Gespräch.“

Nachhause kommen

In der Vorstellung von Schmitt ist das Atelier in seiner ganzen Vielfalt die Art und Weise, wie Lernen und Arbeiten sich in Zukunft verbinden werden: Lernen als Kunst, als Lebenskunst, als eine Kunst des Entstehens von Leben. Leben und Lernen als Kunst. Die Kunst, das Leben zu entfalten als Lernvorgang.

Im Interview auf dem Watson Summit in Luzern verweist Schmitt auf die Initiative „Neustart Schweiz“ mit dem Motto „Nachhause kommen“. Diese Atelier-Ideen sind der wahre Katalysator für New Work. Und heute haben wir gegenüber den Ateliers im 18. oder 19. Jahrhundert einen entscheidenden Vorteil: Wir können lokal tätig sein und uns dennoch die ganze Welt erschließen. Das Notiz-Amt ist davon überzeugt, dass man mit der Idee des Ateliers eine neue Form der digitalen Kultur begründen kann, jenseits von aseptischen Glasfassaden-Büros und dem Optimierungswahn von Effizienz-Einpeitschern.


Image (adapted) „Art studio with wall graffiti“ by Matthieu Comoy (CC0 Public Domain)


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • SHIPPO t3n: Deutsche Gründer erhalten 20 Millionen für den Kampf gegen Amazon: Die deutschen Gründer des Versand-Startups Shippo aus dem Silicon Valley wurden im Januar 2017 in die Forbes Top-30-Liste erfolgreicher Unternehmer unter 30 Jahren aufgenommen. Dadurch meldeten sich bereits 10.000 Kunden, sodass Shippo nun 20 Millionenn Dollar von Investoren eingesammelt hat, für den Kampf gegen Amazon. Das Startup hat eine Technlogie entwickelt, die den Versand von Online-Produkten für kleine und mittelständische Unternehmen leichter macht. Nach Gründerin Behrens Wu sollen Onlinehändler, die kreative Produkte online verkaufen wollen, die Möglichkeit bekommen, damit ein tragfähiges Geschäftsmodell zu betreiben. Der Versand soll dabei keine Probleme bereiten – dafür bietet Shippo die notwendige Software an.

  • DIGITALISIERUNG zeitonline: Jamaika-Sondierer wollen deutlich mehr für Bildung ausgeben: Die Themen Bildung und Digitales scheinen erste Einigungen bei den Jamaika-Sondierern zu erzielen. So wollen Union, FDP und Grüne deutlich mehr Geld für Bildung ausgeben: Bis 2025 sollen mehr als zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes in Bildung investiert werden. In weiteren Sondierungsgesprächen soll es um einen flächendeckenden Breitbandausbau in Gigabitgeschwindigkeit bis 2025 gehen. Auch die Schließung von Funklöchern, der Ausbau des Mobilfunktnetzes der fünften Generation (5G) und die Schaffung eines modernen Datenrechts stehen auf dem Programm für weitere Gespräche.

  • FACEBOOK Wired: The Solution to Facebook Overload Isn’t More Facebook: Es stellt sich die Frage, ob es besser ist, wenn Facebook sich hinter seinen eigenen Algorithmen versteckt und sich jegliche Verantwortung für den Content, den Menschen dort teilen, entzieht oder wenn Mark Zuckerberg Editor-in-Chief für über zwei Milliarden Menschen wird. Schlussendlich scheint es, dass wir uns von eine totalen Demokratie des Gedankens und Ideen verabschieden müssen, wenn wir eine politische Demokratie bewahren wollen, die die Populärsten unter uns an der Macht sehen möchte. Und auch dieser Fakt, wir immer deutlicher: Dass wir mit der Freiheit, Macht zu erlagen, indem wir viral werden und ein großes Publikum erreichen können – sei es durch artikuliertes Denken oder Klatsch und Verleumdung – nicht umgehen können.

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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • INTERNET süddeutsche: Der leise Internet-Revolutionär: Blaise Ndola hilft Kongolesen beim Start im Internet. Der 25-jährige Lehrer will Jugendlichen zeigen, wie sie einen Blog gestalten können – die digitale Revolution braucht ihn. Schon wieder bricht die Internetverbindung ab. Zehn Kursteilnehmer schauen auf ihre Bildschirme und hoffen, dass die Seite irgendwann lädt. „Willkommen im Ostkongo“, murmelt Blaise Ndola vor sich hin. Der 25 Jahre alte Lehrer für Online-Medien und Marketing will den Jugendlichen zeigen, wie sie einen Blog gestalten können. Sie arbeiten für eine Hilfsorganisation und sollen Teenager aufklären, damit sie Kondome benutzen.

  • IPHONE X applepiloten: iPhone X vorbestellen – 5 Tipps, wie ihr das neue iPhone schnell bekommt: Kurz nach der Präsentation des neuen iPhone X kam die Ernüchterung: Das revolutionäre Apple-Flaggschiff wird zunächst in geringer Stückzahl verfügbar sein. Bereits in den vergangenen Jahren herrschte nach der Präsentation neuer iPhones eine Knappheit innerhalb der ersten Wochen. Böse Zungen behaupten immer wieder, dass Apple diese Knappheit bewusst provoziert, um das Objekt der Begierde noch begehrenswerter zu machen. Zumindest für dieses Jahr sind allerdings konkrete Gründe und Informationen bekannt, warum Apple das neue iPhone X tatsächlich vorerst nicht in ausreichender Stückzahl produzieren kann. Wenn ihr das iPhone X vorbestellen wollt, geben wir euch Tipps an die Hand, wie ihr dabei erfolgreich vorgehen könnt.

  • GENTECHNIK heise: Gentechnik macht Früchte haltbarer: In den USA kommt demnächst eine Packung mit Apfelspalten auf den Markt, die erst in drei Wochen braun werden – ohne dass Konservierungsmittel notwendig wären. Die Arctic-Früchte wurden dazu genetisch verändert, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Die Äpfel sollen geschnitten in Tüten verkauft werden – und zwar in 400 Läden im Mittleren Westen der USA sowie im Süden Kaliforniens. Der Verkaufsstart ist der erste größere Test gentechnisch veränderter (Genetically Modified Organism, GMO) Lebensmittel seit den Neunzigerjahren, die den Endkunden direkt ansprechen sollen. Damals scheiterte eine langsam reifende Tomate namens Flavr Savr leidlich krachend. Seither konzentrierten sich die Biotechnikkonzerne vor allem auf GMO-Produkte, die Bauern helfen, ihre Ernte zu optimieren.

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Bildungsethik jenseits der Zeigestock-Pädagogik

Classroom (adapted) (Image by Wokandapix)(CC0 Public Domain) via Pixabay

Was Schulen und Hochschulen den Lernenden vermitteln, hat wenig mit Ethik zu tun. Aus Verärgerung über die Vermischung von Moral und Ethik hat Christoph Schmitt ein Buch geschrieben. Titel: „Die Moral ist tot. Es lebe die Ethik – Warum ethische Bildung Schule machen muss.

Der Sinn der Ethik besteht darin, dass wir aus der Differenz zwischen Moral und Ethik lernen, wie wir in Zukunft unsere Gemeinschaft einigermaßen sinnvoll gestalten können.“ Bildungsinstitutionen verharren in einem moralischen Korsett und beflügeln nicht die Weiterentwicklung von Demokratie, Menschenrechte, Ökologie, Gerechtigkeit und Ökonomie.

Moralischer Ablasshandel

Moralvermittlung in Schulen und Hochschulen heißt vor allem, dass wir in der Erziehung lernen, was man tut und was man nicht tut. In der Schule lernen wir ganz bestimmte gesellschaftliche Strukturen, Hierarchien, wir lernen, wer das Sagen und die Macht hat. Und wir lernen eigentlich, dass gut begründetes Argumentieren nicht wirklich weiterhilft“, so Schmitt im ichsagmal.com-Autorengespräch.

Am Ende bleibt nur Fatalismus übrig oder ein moralischer Ablasshandel, den Wissenschaftler wie Professor Karl Homann als Ethik verkaufen. Bewege Dich in den Bahnen der Machbarkeit und schere Dich nicht um utopische Ziele zur Verbesserung der Welt. Dabei könnte eine kritische und reflektierte Haltung in kleinen und großen Zusammenhängen schon eine Menge verändern.

Autonom agierende Menschen sind unerwünscht

Hier setzt der Autor seine Kritik am Bildungssystem an. Welchen Sinn macht es, soviel Energie reinzustecken, um autonom agierende und ethisch handelnde Individuen hervorzubringen, wenn das Entscheidungspotenzial vor allem in der digitalisierten Gesellschaft immer kleiner wird? Wenn uns Maschinen und die großen Konzerne mit ihrem Röntgenblick durchleuchten, digitalisierte Werkzeuge selbst die WC-Zeiten von Mitarbeitern überprüfen und immer weniger Entscheidungsspielräume vorhanden sind. Da hilft dann auch New Work-Propaganda als Beruhigungsmittel nicht weiter. Die Dressur und die von mir so bezeichnete digitale Käfighaltung in Organisationen fangen schon in der Schule an.

Selbstdenker gefährden ihre Karriere

Schülerinnen und Schüler lernen nicht, wie sie selbst zu normativ bewertbaren oder begründbaren Aussagen oder Handlungsoptionen kommen. Wenn mir im Verlauf meiner ganzen Schulkarriere immer vorgebetet wird, was ich zu tun habe, wenn ich also nicht für das verantwortlich bin, was ich mache, sondern nur entscheidend ist, wie ich es mache, dann zählt eben nur die Bewertung der Ausführung von statischen Lernzielen“, kritisiert Schmitt. Da klingeln seine Ohren. Schulen und Hochschulen züchten heteronome, also fremdbestimmte Subjekte heran und nicht autonom denkende und autonom handelnde Menschen. Wer aus diesem Schema ausbricht, riskiert schlechte Noten und seine Karriere.

Wie sich Bildung aus den Fängen des Bildungssystems befreit

Was könnte helfen? Schmitt bringt einen radikalen Schritt ins Gespräch: Er fordert den Abschied vom klassischen Bildungssystem. Wir selber müssten verstehen, dass wir zur Wissensvermittlung keine Schulen, keine Unterrichtsstunden, keine Fächer, keine Noten und keine Lehrpläne mehr brauchen. Dieser Kulturwandel lässt sich nicht verordnen und dürfte in der Kultusminister-Konferenz schwer vermittelbar sein. In einem verfilzten System werde es da keine Umkehr geben. Schmitt erkennt aber immer mehr Initiativen, die die Bildung aus dem Bildungssystem befreit. Das Notiz-Amt sieht das positiv. So steigt der Außendruck auf die Bildungspolitiker und die Spielräume erhöhen sich, um sich von der Zeigestock-Pädagogik zu lösen.


Image (adapted)“Classroom“ by Wokandapix (CC0 Public Domain)


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(R)Evolution der Bildung – Der Unterricht braucht ein Update

School (Image by congerdesign [CC0 Public Domain], via Pixabay)

Deutschland – das Land der Ingenieure. Heimat von Mercedes, Volkswagen und BMW. Ist es da nicht eigentlich verwunderlich, dass wir in Sachen Technologien und Digitalisierung ziemlich hinterherhinken? Vor allem was den Bildungsbereich angeht? Deutschland gehört immer noch zu den Schlusslichtern der OECD-Länder, was den Gebrauch digitaler Medien im Unterricht angeht. Doch könnte eine Investition nicht nur für die Zukunft gewinnbringend sein, sondern auch den heutigen Schulunterricht unterstützen. Ein Überblick über Gebrauch, Möglichkeiten und Herausforderungen der Digitalisierung im Bildungsbereich.

Eine herbe Enttäuschung ist das derzeitige Zurückrudern der Bundesregierung in Bezug auf ihr versprochenes Digitalpaket für die Bildung. Fünf Milliarden Euro sollten für die Digitalisierung der Schulen in den nächsten fünf Jahren ausgegeben werden. Und jetzt? Anstatt in die Zukunft zu investieren, wird diese mit der nun veröffentlichten Haushaltsplanung womöglich nur noch düster. Das Geld geht in die Rüstung. Wie wichtig Bildung ist, müsste der Regierung eigentlich bewusst sein. Und dass ein Nicht-Investieren in die Digitalisierung fatal ist, eigentlich auch.

Auch die Kultusministerkonferenz hatte schon mit dem Papier “Bildung in der Digitalen Welt” geantwortet. Ihre Strategie bezieht sich auf sechs große Themenbereiche: Unterrichtsentwicklung, Ausbildung der LehrerInnen, technische Infrastruktur, Bildungsmedien, E-Government und rechtliche Rahmenbedingungen. Zusammengefasst, digitale Medien sollen integraler Bestandteiler aller Unterrichtsfächer werden. Dabei müssen LehrerInnen durch Aus-, Weiter- und Fortbildung zu Medienexperten werden, um digitale Medien professionell, didaktisch sinnvoll und reflektiert im Schulalltag einzusetzen.

Digitalisierung schafft Gleichheit für alle?

Denn durch die Digitalisierung der Bildung werden die ArbeitnehmerInnen von morgen bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben und die schon in der Schule digital geschulten SchülerInnen später die digitale Transformation mitgestalten. Dazu müssen digitale Kompetenzen in der Schule erlernt werden. Denn obwohl wir in Deutschland leben und sich viele ein Leben ohne ihren Laptop oder Tablet nicht vorstellen können, gibt es etliche SchülerInnen, denen zu Hause diese Möglichkeiten fehlen. Dies schafft Ungleichheiten, die eigentlich mit der Digitalisierung überwunden werden sollten.

Aber nicht nur in der Zukunft kann es enorme Vorteile mit sich bringen, sondern auch im heutigen Schulalltag. Schon jetzt benutzen einige (vor allem junge) LehrerInnen digitale Lernplattformen, sogenannte Learning Management Systeme. Diese unterstützen die Planung, Koordination und Kommunikation im Klassenverband. Auf diesen Plattformen können die LehrerInnen die Materialien, inklusive Arbeitsbögen, Videos und Fotos, hochladen. Somit haben sie alles immer abrufbar. Nicht nur für sich selbst, sondern auch für die SchülerInnen, die nach einer verpassten Stunde oder wegen eines verschusselten Arbeitsbogens Aufholbedarf haben.

Sicherheit kostet

Natürlich gibt es wie bei jeden neuen technologischen Anwendungen auch Hindernisse. Vergessene Passwörter der SchülerInnen kommen selbstverständlich vor. Wenn SchülerInnen mitten im Schuljahr nach einem neuen fragen, weiß man auch, wie oft die Seite aufgerufen wurde. Auch Datensicherheit ist ein Thema. Zusätzlich müssen Schulen aber für diese Plattformen wie beispielsweise Moodle Lizenzen erwerben. Auch für die richtige Breitbandverbindung, samt WLAN, muss gesorgt sein. Beamer und Laptops müssen vorhanden sein.

Das kostet alles Geld, welches erstmal organisiert werden muss. Da die finanzielle Unterstützung über den Schulträger meist nicht ausreicht, müssen engagierte Schulen (Schulleitungen) kreativ werden. Fördervereine, externe Akteure, wie Unternehmen, oder EU-Mittel sind hier erste Anlaufstellen. Vermehrt sorgen aber auch die Länder selbst für Sonderprogramme im Bereich Medienkompetenz. Doch können innovativen Schulen seitens des Senats auch Steine in den Weg gelegt werden.

Digitalisierung zur Unterstützung im Unterricht

Die Herausforderungen sollten aber nicht vor dem Handeln abschrecken. Denn die vermehrte Notwendigkeit zur Differenzierung im Unterricht, das heißt, die individuelle Förderung von verschiedenen Leistungsstufen in einem Klassenverband, welche zusätzlich durch Inklusion und Integration unumgänglich ist, kann durch die Digitalisierung möglich gemacht werden. Gerade wenn es um das heikle Thema Rechtschreibung (und Digitalisierung) geht, ist der Unterricht mit Hilfe digitaler Medien womöglich sogar effektiver.

So kann die Webseite Orthografietrainer.net, als online Rechtschreibtrainer mit Abschlusstests, viel individualisierter mit den SchülerInnen üben, als es einer LehrerIn im Unterricht möglich ist. Dies ist nur ein Beispiel für die Vielseitigkeit von Online-Angeboten interaktiver Apps. Auch die Nutzung von Standard-Programmen wie Schreib- oder Präsentationsprogramme werden erlernt. Videos können geschnitten, Fotos bearbeitet und Texte verfeinert werden. Diese können wiederum auf Blogs veröffentlicht werden. So lernen die SchülerInnen nicht nur die Anwendung. Gleichzeitig werden digitale Medien Mittel zum Zweck, um einen abwechslungsreichen und differenzierten Unterricht zu gestalten.

VR im Klassenraum? Die Schulverlage ziehen nach

Nun reagieren auch andere Akteure im Bildungsbereich. Beispielsweise setzen Schulbuchverlage zusätzlich auf digitale Konzepte und bieten zu ihren digitalen Schulbüchern auch auf den Lehrbereich zugeschnittene digitale Plattformen an. Denn bekommen sie in dem Bereich enormen Konkurrenzdruck. Im speziellen von den zuvor erwähnten Angeboten von Lernplattformen. Auch die großen Wirtschaftsunternehmen wie Microsoft, Google und Apple mischen im Bereich der Bildung mit.

Durch die sogenannten Open Educational Resources (OER) stehen Verlage unter Druck. OER sind unter anderem Lehrmaterialien und Arbeitsbögen von LehrerInnen, die auf verschiedene Webseiten hochgeladen werden können und dann von anderen LehrerInnen weiter benutzt werden können. Riskiert man darüber hinaus einen Blick auf zahlreiche Messen für digitale Bildung, kann man sich vor Angeboten kaum retten. Der neuste Trend: Virtual Reality Brillen für den Unterricht.

Das Angebot für LehrerInnen kann erschlagend wirken und verunsichern. Das sollte LehrerInnen aber nicht davon abhalten, es nicht einfach mal auszuprobieren. Wichtig ist vor allem die Reflektion über den Einsatz der Medien. Denn hier gilt wie mit jedem anderen Medium auch, dass die Nutzung (digitaler) Medien nicht per se Erfolg bedeutet.

Universitäten haben dabei bislang wenig Unterstützung angeboten. Seminare zum Thema Digitalisierung kommen sehr selten im Vorlesungsverzeichnis für Lehramtsstudierende vor. Und wenn, dann sind sie nicht verpflichtend, sondern freiwillig.

Doch genau hier muss angesetzt werden. Wenn Digitalisierung schon in der Ausbildung und dabei in jeder Fachdidaktik eine wichtige Rolle in Anspruch nehmen würde, wenn zukünftigen LehrerInnen digitale Kompetenzen erlernen und Sicherheit bekommen, wird die Hemmschwelle, diese im Unterricht später zu benutzen deutlich geringer sein.

Genau das sollte auch mit Wankas Paket in Angriff genommen werden. Mit der Zusammenarbeit von Bund und Ländern sollte der Bund für die Finanzierung der Infrastruktur und die Länder für die Konzepte aufkommen.

Geld und Ausstattung soll es demnach nur geben, wenn ein Medienkonzept vorhanden ist. Dadurch sollte dem Rumstehen von ungenutzten Computern etc. vorgebeugt werden. Geplant war auch, vermehrt in die LehrerInnen Aus- und Fortbildung zu investieren. Schon längst stellt sich nicht mehr die Frage, ob digitale Bildung eine wichtige Rolle spielen sollte, sondern wie schnell ein fächerübergreifendes Medienkonzept realisiert werden kann. Ideen gibt es schon, nun brauchen wir das Geld, Frau Wanka.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Politik Digital“ unter CC BY-ND 4.0.


Image (adapted) School by congerdesign CC0 Public Domain


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • WHATSAPP meedia: 175 Millionen Status-Nutzer: Auch WhatsApp überholt Snapchat beim Stories-Feature: Es war nur ein Nebensatz von Mark Zuckerberg auf der Telefonkonferenz mit Analysten, doch er hatte es in sich. Die zugekaufte Facebook-Tochter WhatsApp bringt es gerade mal zehn Wochen nach dem Start ihres Stories-Features, das bei der Messenger-App Status heißt, bereits auf 175 Millionen tägliche Nutzer. Stories-Pionier Snapchat wurde damit binnen weniger Wochen ein zweites Mal von einer Facebook-Tochter abgehängt. CEO Evan Spiegel kann an der Wall Street aber wenigstens mit einer Nachricht zur Werbevermarktung punkten.

  • SPACEX dw: SpaceX erstmals in militärischer Mission: Bislang hat die Firma des Milliardärs Elon Musk Aufträge für die zivile Raumfahrt erledigt. Jetzt beförderte eine Rakete von SpaceX zum ersten Mal ein militärisches Objekt ins All, vermutlich einen Spionagesatelliten. Nachdem der ursprünglich für Sonntag geplante Start wegen eines defekten Sensors verschoben wurde, hob die Falcon-9-Rakete am Montagmorgen (Ortszeit, 13.15 Uhr MESZ) in Cape Canaveral in Florida ab. An Bord war ein offiziell nicht näher beschriebenes Objekt des Nationalen Aufklärungsamtes der USA (NRO). Dabei handelt es sich um einen militärischen Nachrichtendienst, der Spionagesatelliten herstellt und betreibt. Bekannt ist mit der Bezeichnung NROL-76 lediglich der Name des Objekts,

  • DIGITALISIERUNG politik-digital: „Wenn die Möglichkeit da ist, unterrichte ich digital!“ Einblicke in die Lehrerwelt: Facebook, Twitter, Youtube und Co sind für viele Lehrkräfte eher Fluch als Segen. Die Ablenkung durch soziale Medien beeinträchtigt das Lernverhalten der Schüler. Doch ist dies wirklich der Fall? Denn im Zusammenhang mit der Digitalisierung und der Bildung wird auch viel über die Lehrer und Lehrerinnen geredet. Kommen sie mit dem Wandel gut klar? Wollen sie überhaupt irgendwas ändern? Um diese Mutmaßungen zu beenden, wurde nachgefragt. Im Gespräch mit dem Schweizer Deutschlehrer Philippe Wampfler geht es um seinen eigenen digitalen Unterricht, Tipps für Neueinsteiger und das Mädchen-Jungen-Klischee.

  • UBER sueddeutsche: Das Chaosprinzip: Irgendwie ist Uber nichts Halbes und nichts Ganzes. Zumindest in vielen europäischen Städten. Die Idee von Uber ist klasse, setzt sich in einigen Ländern nur nicht so richtig durch. Sei es durch rechtliche Verordnungen oder negative Eskalationen der Uber-Spitze. Also was hilft diesem mittlerweile 70 Milliarden teuren Dienstleistungsunternehmen? Das Prinzip Chaos hält an, obwohl mittlerweile auch schon Kai Diekmann zum Beratergremium gehört.

  • SOCIAL MEDIA techtag: Wie beliebt ist Social Media bei Jugendlichen?: Der Jugend-Internet-Monitor in Österreich zeigt auf, welche sozialen Netzwerke von den Jugendlichen dort favorisiert werden. Grund genug, einen kleinen Vergleich zu Deutschland zu ziehen. Eines vorweg: WhatsApp, YouTube, Instagram und Snapchat sind die Netzwerke schlechthin – egal im welchem Land wir uns befinden.

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New School statt Old School – Digitalisierung in der Bildung auf der Didacta 2017

Adobe Didacta 2017 (adapted with Adobe Spark) by Lisa Kneidl

Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit Adobe entstanden.


Ich gehöre zur Generation Y oder den „Millenials“, die quasi halb-halb aufgewachsen sind – halb im Sandkastendreck mit aufgeschlagenen Knien und halb mit Gameboy in den Händen und der ersten eigenen E-Mail-Adresse mit sechs Jahren. Als ich zur Schule ging, war alles noch mehr oder weniger nach dem Prinzip „old school“, Informatik war, wenn überhaupt, ein Wahlfach, welches aus seinem Namen auch nicht wirklich viel machte und es das Höchste der Gefühle war, seinen PC korrekt rauf- und runterfahren zu lassen.

Was ich an Digitalisierung in der Schule mitbekommen habe, waren maximal noch die interaktiven Whiteboards, die quasi „digitale Tafel“, mit denen gefühlt jeder einzelne Lehrer Probleme hatte. Anders die „Generation Z“ oder Digital Natives, die heute 11 bis 17-jährigen, die im Zeitalter der Social Media und Tablet PCs aufwachsen. Was macht diese Generation aus und wie muss man sie in der Bildung ansprechen?

Vergangene Woche hat in Stuttgart die Bildungsmesse didacta stattgefunden. Digitale Bildung stand auch hier im Fokus, denn die Digitalisierung hält in beinahe allen Lebensbereichen Einzug, so natürlich auch in der Bildung. Schon lange gibt es in Klassenzimmern nicht mehr nur besagte Whiteboards – von programmierbarem Lego über Roboter bis hin zum Lernen in der virtuellen Realität – die Digitalisierung ist vollends in der Bildung angekommen und soll sie revolutionieren.

Auf der didacta hatte ich die Chance, Einiges davon auszuprobieren. Ob einem kleinen Lego-Roboter das Fahren in eine bestimmte Richtung beizubringen, mittels einer Oculus Rift in einen Rachen einzutauchen und über Enzyme zu lernen oder mit 3D-Druck Schüler dazu zu animieren, sich mit der Kombination aus Mathe und Design auseinanderzusetzen – zweifelsohne tolle, kreative Ansätze. Aber was davon sind nur Spielereien und was ist umsetzbar für Schulen?

 

Am @Lego-Stand kann man lernen kleine #Roboter selbst zu programmieren. #didacta #didacta17 #lego

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Statt Old School: #MakeItNewSchool

Schlicht Wolfgang (adapted with Adobe Spark) by Lisa Kneidl
Image by Lisa Kneidl (adapted with Adobe Spark)

Wirft man einen pauschalen Blick auf die Generation Z, denkt man meist an das regelrecht am Körper festgewachsene Smartphone, weiße Sneaker und große Begeisterung für Youtuber XYZ. Fakt ist, dass noch keine Generation vor ihnen ab solch jungem Alter schon mit solch einer Fülle von Informationen, Content und visuellen Eindrücken überhäuft wurde wie diese. Kreativität und den kreativen Umgang mit Medien sieht ein Großteil dieser Generation als Teil ihrer Identität.

Auf der Messe hatte ich die Chance mich mit Wolfgang Schlicht, einem Lehrer an der Realschule Viechtach und Mitglied des Adobe Education Leader Programs, über die Generation Z zu unterhalten.

Wolfgang Schlicht beschreibt diese digitale Generation und deren Medienkompetenz und –nutzung so: „Ich denke, dass die Lehrer das Problem haben, das einzuschätzen. Das ist ein anderes Verständnis von Arbeiten und von Kreativität. Der Lehrer sieht den Schüler vielleicht mehr als Knöpfchen-Drücker und –Wischer. Ich würde mir wünschen, dass nicht die User im Vordergrund stehen, sondern die Produzenten. Ein Kollege hat das mal schön formuliert, er wünsche sich den „prosumer“, also einen Produzenten und Konsumenten gleichzeitig“.

Am Adobe-Stand konnte ich mich vom Konzept des Unternehmens für die didacta 2017 überzeugen. Mit dem Motto #MakeItNewSchool wollen sie die Schüler nicht mit Spielereien und Gadgets anlocken, sondern an deren Kreativität appellieren und den Unterricht durch digitale Tools kreativer und interaktiver gestalten. Wolfgang Schlicht weiß, seine Schüler sind zwar medienaffin, aber sie nutzen meist ihr Potential für kreatives Arbeiten nicht ausreichend aus.

Die Studie zur Generation Z  von Adobe hat sich exakt mit der Generation Z und der digitalen Bildung beschäftigt. In Deutschland haben Sie dazu rund 500 Schüler und 200 Lehrer befragt und wollten herausfinden, welche Bedeutung Technologie und Kreativität in der Zukunft dieser Generation haben werden. Mehr zu den Ergebnissen gibt es auf der offiziellen Seite zur Studie.

Intelligenz, wenn sie gute Laune hat

Schlicht Wolfgang (adapted with Adobe Spark) by Lisa Kneidl
Image by Lisa Kneidl (adapted with Adobe Spark)

Der Fokus liegt ganz klar auf Kreativität und darauf, Schülern einen Baukasten an digitalen Werkzeugen bereitzustellen, mit denen sie sich auf Berufe vorbereiten können, die es so heute vielleicht nicht gar nicht gibt, wie mir Adobes Education-Marketing Manager Matthias Hoepfl das Adobe Motto im Bereich digitale Bildung erklärte.

Grundsätzlich geht es bei unseren Werkzeugen und Programmen immer um Kreativität. Sie sind ausgelegt, um sie im Schulunterricht einzusetzen. Wir haben eine Make-it-Area aufgestellt, wo alle Tools ausprobiert werden können, um den Lehrer zu inspirieren, den Unterricht so praxisnah wie möglich zu gestalten.“ 

Das Aushängeschild von Adobe ist ganz klar die Creative Cloud– ein Paket aus allen Desktop-Applikationen des Unternehmens, für alle möglichen kreativen Gestaltungsbereiche, von der Bildbearbeitung bis zum Drehbuch. Inwieweit diese aber alle für die Schule nutzbar sind, ist fraglich, vor allem aufgrund ihrer Komplexität.

Auf der Messe habe ich mich auch bei den Besuchern und ihrer Vorstellung von digitaler Bildung unterhalten, ein Schüler hätte sich noch einen größeren Fokus auf praxisorientiertes Arbeiten gewünscht: „Die Adobe Creative Cloud benutze ich auch privat. Einen vergrößerten Bereich für Praxisanwendungen fände ich noch gut. Weil das hier auf der Didacta vor allem auch Schüler ansprechen soll, wären wohl vereinfachte Versionen ideal, weil beispielsweise Photoshop schon auch sehr komplex ist.“ All diese Tools haben zwar nahezu unbegrenzte Möglichkeiten des kreativen Outlets, aber sind in Zusammenarbeit mit Schülern nur schwer nutzbar.

If you can dream it, Spark can do it

Die herkömmlichen Adobe Produkte sind altbekannt und wurden am Didacta-Adobe-Stand auch in regelmäßigen Abständen in Vorträgen erklärt. Nebenan konnte man sich in einem impromptu-Fotostudio vom Fotografen Alexander Heinrichs ablichten lassen und dann direkt in der „Make-it-Area“ Applikationen wie Photoshop oder Lightroom in Aktion gezeigt bekommen.

Alles schön und gut, aber was mich wirklich überzeugt hat, war Spark. Kein VR, kein Schnick Schnack, eine einfache, browserbasierte Anwendung, die es einem ermöglicht Posts, Blogeinträge und Videos zu gestalten. Es ist genau das, was der Schüler im Unterricht braucht: ein reduziertes, leicht zu erlernendes Tool, das ihn animiert, die Informationen aufs Wesentliche zu reduzieren.

Hier ist Filterkompetenz bei den Unmengen von Informationen und den Suchmaschinenalgorithmen wichtig, wie Wolfgang Schlicht betont. Ebenfalls ist es eher kontraproduktiv, wenn man sich im Unterricht an der Arbeit an einem Projekt länger mit Schriftgrößen oder Zeilenumbrüchen aufhält, Arbeitsschritte, die Spark automatisiert und so extrem vereinfacht. Der Fokus liegt auf den Informationen, Spark macht die Technik, der Schüler die Kür.

Schlicht Wolfgang (adapted with Adobe Spark) by Lisa Kneidl
Adobe Spark Interface. Screenshot by Lisa Kneidl

Möglich sind Posts, Pages und Videos. Damit können beispielsweise Projektarbeiten im Unterricht erstellt und dokumentiert werden. Wolfgang Schlicht erzählte etwa von einem Kochbuch, das er zusammen mit einer Klasse über Spark erstellte und auch gleichzeitig begleitende Videotutorials zu den Rezepten produzieren konnte. Das Tool ist kostenlos und derzeit auf dem Browser und iOS-Geräten (als separate App für die Anwendungen Post, Page und Video) verfügbar, eine Version für Android ist in Arbeit.  

 

Ich bin ehrlich und sage, dass ich gerne so ein Tool wie Spark bei meinen Projektarbeiten in der Schule oder Uni gehabt hätte. VR-Brillen und Roboter machen erstmal viel her und sehen spektakulär aus. Aber Tatsache ist, dass sie für den Unterricht, vor allem fächerübergreifend, wohl noch in den Kinderschuhen stecken – noch also viel Lärm um nichts.

Wichtig ist Digitalisierung, wo sie Sinn macht – ein Tool, das fächerübergreifend anwendbar ist, den Fokus auf den Content statt auf Formatierungen lenkt und sich die Schüler kreativ ausleben lässt. Ich denke da nur an mein 15-jähriges Ich, das den Glauben an alles Gute verlor, wenn die gesamte Folienformatierung sich nach dem Einfügen eines Bildes in PowerPoint mal wieder zerschossen hat.


+++ GEWINNSPIEL +++

 

Hier haben wir noch ein Schmankerl für euch, ihr könnt eine Jahreslizenz für die Adobe Creative Cloud gewinnen. Einfach klicken, mitmachen und Daumen drücken. Zeit habt ihr bis zum 28. Februar. Viel Glück!
Teilnahmebedingungen


Header & Images (adapted with Adobe Spark) by Lisa Kneidl
Screenshot by Lisa Kneidl


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Check-up Ireland: Webwise ist Irlands Beitrag zum Safer Internet Day

student (adapted) (Image by StartupStockPhotos [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Seit 1997 lebe ich nun schon in der irischen Hauptstadt Dublin. Mein erster Job bei AOL hatte auch ein wenig mit Tech zu tun – wenn man die berüchtigten Freistunden-CDs als „Tech“ ansieht oder das Verbinden an die technische Hotline durchgehen lässt. Im Verlauf der kommenden 12 Monate werde ich nun die „Tech-Insel“ aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten.

Webwise sorgt in Irland für ein sicheres Netz (nicht nur am Safer Internet Day)

Der Safer Internet Day ist für Webwise natürlich so etwas wie der beste Tag zur Außendarstellung. Zahlreiche Schulen organisieren Veranstaltungen unter dem Motto „Seid der Wandel! Vereinigt euch für ein besseres Internet!“

Webwise, hinter dem das irische Bildungsministerium und das Safer Internet Programme der EU stehen, ist aber auch über diesen besonderen Tag hinaus äußerst aktiv. Als Teil von „PDST Technology in Education“ steht das ganze Jahr über die Förderung der Integration von ICT in das Lehren & Lernen an Grundschulen und weiterführenden Schulen auf dem Programm.

Webwise – der Kern

Der Kern der Tätigkeit von Webwise liegt bei der Förderung der autonomen, effektiven und vor allem sicheren Nutzung des Internets durch junge Menschen mittels nachhaltiger Informations-Kampagnen, die sich gleichsam an Eltern, Lehrer und die jungen Menschen selbst richten. Eltern bekommen Rat, wie sie das Online-Leben ihrer Kinder begleiten können. Lehrer bekommen Werkzeuge an die Hand, die es ihnen leichter machen, Internet-Sicherheit in den Unterricht einzubauen. Und die Heranwachsenden bekommen Hilfestellung zum Umgang mit Cyber-Bullying.

Webwise – die Partnerschaften

Webwise ist Mitglied sowohl des „Insafe“-Netzwerks als auch des „SaferInternetIE“-Projekts – einem Konsortium, in dem sich Industrie, Bildungs-Sektor, Kinderwohlfahrts-Organisationen und Regierungsstellen zusammengefunden haben, um Aktivitäten im Bereich „Sicheres Internet“ zu koordinieren, sowie um Kindern und Jugendlichen Hotlines & Helplines zur Verfügung zu stellen.

Die nachhaltige Arbeit der Organisation trägt zweifelsohne Früchte. Laut einer Studie, die aus Anlass des Safer Internet Day 2015 veröffentlicht wurde, rangieren irische Schulen über dem EU-Durchschnitt was Internet-Sicherheit betrifft. Sowohl irische Eltern als auch Lehrer stehen bei der Vermittlung von Internet-Sicherheit besser dar als die durchschnittlichen Erziehenden & Erzieher. 87 Prozent irischer Eltern greifen ein (im Vergleich zu 77 Prozent im EU-Durchschnitt), während bei den Lehrern die Zahlen sogar noch ein bisschen besser aussehen: 89 Prozent in Irland im Vergleich zum 79 Prozent EU-Durchschnitt.

Niemand kann und will sich jedoch auf diesen Zahlen ausruhen. Die Zahlen zum Safer Internet Day 2016 (hier auf der ausführlichen Infografik nachzulesen) sind weiterer Ansporn für dieses Jahr.

Noch eine Bemerkung zum Schluss: In den 20 Jahren, die ich schon in Irland lebe, haben sich Regierungen wahrlich selten durch gemeinsames Denken und Handeln einzelner Ministerien hervorgetan. Oft zählt der „Parish“ – also die Gemeinde oder besser und ehrlicher gesagt der Wahlkreis – einzelner Minister mehr als das Gemeinwohl der ganzen Nation, oder wenigstens einer besonders schutzbedürftigen Bevölkerungsgruppe.

Umso mehr muss aber lobend hervorgehoben werden, dass der für den Bereich Internet zuständige Minister für Kommunikation schon Wochen vor dem Safer Internet Day 2017 seinem Kollegen im Bildungsministerium tätig unter die Arme griff und einen Wachhund für Online Trolls benannte. Der „Digital Safety Commissioner“ wird unter anderem das Recht haben, Social Media Firmen wie Facebook oder Twitter anzuweisen, Cyber Bullying Postings zu löschen.

Die tägliche Praxis des Umgangs mit Unternehmen wie Facebook und Twitter, die hier Tausende beschäftigen, wird jedoch zeigen müssen, ob ich die Herren Minister eventuell zu früh gelobt habe. Es gibt schliesslich auch noch die Frau Wirtschaftsministerin, die die genannten Firmen glücklich halten muss. Und irgendwie geht es mir da wie bei den Trumps – wenn ich einerseits eine Rede von Melania im Kopf habe, die sich den Kampf gegen Cyber Bullying ganz oben auf die Liste ihrer Aktivitäten als First Lady schreiben will und andererseits so manchen Tweet des Online Trolls No. 1 Donald vor Augen habe.

Ich bin schon gespannt auf den 17. März, den Nationalfeiertag St. Patrick’s Day, wenn der US-Präsident traditionell den irischen Ministerpräsidenten (= Taoiseach) empfängt. Der Titel dieser Kolumne könnte dann „Taoiseach trifft Troll“ lauten.


Image (adapted) „student“ by StartupStockPhotos (CC0 Public Domain)


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Sherlock Holmes und der seltsame Fall des Antiintellektualismus

Sherlock Holmes Statue (adapted) (Image by Justin Ennis [CC BY 2.0] via flickr)

Weder Sherlock Holmes noch Donald Trump sind gegenwärtig vom Fernsehbildschirm wegzudenken. Die Ereignisse um Trumps Präsidentschaft mussten sich die Sendezeit mit der neuesten Sherlock-Staffel teilen, die am 15. Januar zu Ende ging. Die beiden sind jedoch überraschenderweise nicht nur durch die Präsenz im Fernsehen, sondern auch durch die Idee des Antiintellektualismus verbunden.

Trumps Einzug in das Weiße Haus gründete sich auf der von den Populisten hervorgerufenen Verachtung von Fachleuten aus der gebildeten, liberalen Elite, sowie einer Überbewertung des gesunden Menschenverstandes. Doch der Antiintellektualismus durchdringt unseren Kulturkreis auch an anderer Stelle: Werbeanzeigen für Erfrischungsgetränke zeigen, wie sich langweilige Universitätsvorlesungen in freudiges Leben verwandeln, sobald jemand eine Getränkedose öffnet. Die kürzlich initiierte Kampagne mit dem Titel „Welche Universität?“ suggeriert, dass höhere Bildung eine ähnliche Entscheidung ist wie die, sich eine neue Waschmaschine zuzulegen.

Wie ist das bei Sherlock Holmes? Sicherlich repräsentiert der Detektiv den Höhepunkt des Intellektualismus, den rational denkenden Experten. Als Leser und Zuschauer vertrauen wir auf Holmes‘ Expertise, das Rätsel zu lösen und die Ordnung wieder herzustellen. Allerdings suggerieren Doyles Geschichten und deren Adaptionen ebenso, dass Holmes‘ Intellekt beinahe schon ungeheuerlich ist. Zugleich ist die Darstellung des Sherlock in der BBC-Serie immer mit dem Stichwort des „hoch-funktionalen Soziopathen“ verknüpft. Die Serie stellt damit klar, dass intellektuelle Werte vermeintlich nicht denen der sozialen Menschlichkeit entsprechen.

Der viktorianische Holmes

Holmes als rationaler Superheld ist ein vertrautes Narrativ in der Popkultur. Der sich stets beschleunigende Takt des Lebens im viktorianischen Zeitalter, so die These, verlangte nach einer neuen Art eines fiktionalen Helden, der die überwältigenden Zeichen der urbanen Moderne zu entschlüsseln vermag. Jedoch übersieht dieser Ansatz einen essentiellen Punkt: Die intellektuellen Qualitäten, die Holmes zum Helden gemacht haben, machten ihn auch zu einer Figur des Misstrauens.

Die Erzählungen rund um den Detektiv waren kein unmittelbarer Erfolg. Die ersten beiden Romane aus der Feder von Arthur Conan Doyle, „Eine Studie in Scharlachrot“ (1887) und „Das Zeichen der Vier“ (1890) erhielt zunächst eine begrenzte Aufmerksamkeit und unbegeisterte Kritiken, teilweise verschuldet durch den abgehobenen und überspezialisierten Helden. In diesen Romanen schläfert Holmes einen betagten Terrier ein, um eine Theorie zu testen. An anderer Stelle beschreibt ihn Watson als „eine Rechenmaschine“, die etwas „angenehm Unmenschliches“ an sich hat. Und als Watson Holmes‘ Wissen auf den verschiedneen Gebieten untersucht, beschreibt er dieses als umfassend in einigen und merkwürdig mangelhaft in anderen Bereichen. Holmes hat durchaus Ahnung von Chemie und Anatomie, weiß aber nichts über Literatur, Astronomie oder Politik.

Die mangelhaft ausgebildeten Wissensgebiete des frühen Holmes gelten hier gewissermaßne als dekadent. Der spätviktorianische Psychologe und Kriminologe Havelock Ellis beschreibt die Dekadenz als den Teil, der das Ganze verschleiert. Moralische Gesundheit findet sich in einem Allrounder, wie bei Doyle selbst (er war zugleich praktizierender Allgemeinmediziner, schrieb für verschiedene Genres und hatte eine Begabung für so ziemlich jede Sportart, die im frühen 20. Jahrhundert gespielt wurde). Holmes ist ein Experte in oft obskuren Themengebieten. Seine Ablehnung der Tatsache, dass die Erde sich um die Sonne dreht, reflektiert auf satirische Weise seine intellektuelle Absonderlichkeit.

Der erste Erfolg kam im Jahre 1891, als Doyle sich dem Kurzgeschichtenformat des Strand Magazine widmete. Und so veränderte sich auch Holmes. Sein Wissen wurde abgerundeter, sein Charakter weniger harsch und sein Kokainkonsum verschwand weitestgehend. Dennoch bliebt das Gefühl bestehen, dass sein unbestechlicher Intellekt nur teilweise menschlich war.

Es ist kein Zufall, dass Holmes seine Fangemeinde in den Momenten für sich gewinnt, in denen er mit seinem Intellekt scheitert. In der ersten Geschichte „Ein Skandal in Böhmen“ wird Holmes von der Opernsängerin Irene Adler überlistet – einem Charakter, der in der BBC-Umsetzung „Sherlock“ vielsagend als Domina neuentwickelt wird. In „Das gelbe Gesicht“ interpretiert Holmes die Geschehnisse in Norbury vollkommen falsch. Er sagt zu Watson: „Sollte es Ihnen jemals so vorkommen, dass ich meiner Fähigkeiten ein wenig zu selbstbewusst werde, flüstern Sie leise ‚Norbury‘ in mein Ohr.“ Diese Szene wird in der aktuellen „Sherlock“-Episode „Die sechs Thatchers“ erneut aufgegriffen. Genau wie in den aktuellen politischen Kampagnen muss dem Publikum nahegebracht werden, dass man sich nicht immer auf Experten verlassen kann.

Unser Monster

Die aktuellsten Holmes-Adaptionen sprechen aus, was bei Doyle unausgesprochen blieb. Während Doyle Holmes gelegentlich mit einer Maschine vergleicht, macht Sherlock ihn zu einem Monster. „Aber es ist unser Monster“, sagt Mary Watson, wobei sie den Film „Ed Murrow – Reporter aus Leidenschaft“ aus dem Jahr 1986 zitiert. Seitdem erscheint die Phrase regelmäßig im Internet im Zusammenhang mit Trump.

Der „Sherlock“ der BBC ist die jüngste Erscheinung eines Trends, der seit den Siebzigern ersichtlich ist, als Autoren auf das Heldentum des kriegsgebeutelten Holmes von Basil Rathbone reagierten. Rathbones Holmes repräsentierte den Respekt einflößenden, englischen Helden, mit dem sich das Publikum auf Kosten des vergleichsweise schwachköpfigen Watson, dargestellt von Nigel Bruce, identifizieren sollte (einer Charakterisierung, die einen Großteil der Subtilität des Doyle’schen Watson übersieht). Im Gegensatz dazu versuchen postmoderne Adaptionen, Holmes einzuschränken und einfache Heldenbilder in Frage zu stellen: Filme wie „Kein Koks für Sherlock Holmes“ (1976) und „Das Geheimnis des verborgenen Tempels (Der junge Sherlock Holmes)“ (1985) zeigen einen traumatisierten oder noch sehr jungen Holmes.

Das soll nicht heißen, dass Holmes‘ Fähigkeiten geschmälert werden, sondern dass sich die aktuelleren Darstellungen auf einen antiintellektuellen Subtext verlassen, der verdeutlicht, dass herausragende geistige Fähigkeiten stets mit einem hohen Preis einhergehen. Die Eröffnungsszenen der BBC-Serie zeigen einen Holmes, der unfähig ist, sozial zu funktionieren, weil er damit beschäftigt ist, zahlreiche Rätsel zu lösen – eine Szene, die in Doyles urbanerem Original  undenkbar wäre.

Tatsächlich stellen Serien wie „Sherlock“ oder die Filme von Guy Ritchie den Intellekt Holmes‘ paradoxerweise weit weniger bedrohlich dar, indem sie diesen  auf absurde Weise überhöhen. Beispielsweise ist Sherlock in „Der lügende Detektiv“ in der Lage, komplexe Geschehnisse über Wochen im Voraus vorherzusagen. Wenn Doyles Fähigkeit darin bestand, Holmes‘ Vermögen gerade noch im Rahmen des Plausiblen darzustellen, definiert „Sherlock“ den Detektiv als allwissenden Gott neu – als eine Phantasiefigur, die uns in unserer Realität nicht irritieren soll.

Holmes‘ Intelligenz hilft, die Welt zu ordnen. In den modernen Adaptionen ist sie jedoch zu einem Fluch oder einem Krankheitsbild geworden. Nicht jeder kann wie Holmes sein. In dieser monströsen, allumfassenden Ausprägung möchte wohl allerdings auch niemand wie Holmes sein. Fragt man sich, wieso eine Person wie Holmes für uns heute noch interessant ist, ist es vielleicht ein Fehler, sich auf Sherlock selbst zu konzentrieren. Es ist nicht der Intellekt von Holmes, der sich ändern sollte, sondern die Art, wie andere darauf reagieren.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Sherlock Holmes Statue“ (adapted) by Justin Ennis (CC BY 2.0)


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  • GOOGLE googlewatchblog: Großes Update verbessert Videoqualität, behebt Probleme und vereinfacht Registrierung: Es ist noch keine vier Monate her, dass Google den neuen Video-Messenger Duo veröffentlicht hat, und dennoch kommt man mit dem neuesten Update der App nun schon auf die Version 5.0. Aber auch mit diesem Update kann man keine großen Sprünge sondern lediglich kleinere Verbesserungen erwarten, die sich vor allem auf die Qualität der Übertragung beziehen. Die neue Version von Duo hat ein Entwickler nur per Twitter angekündigt und nennt leider nur wenige Details zu den Aktualisierungen, sodass bei einigen nicht ganz klar ist, inwiefern die Verbesserungen die App tatsächlich einen Schritt nach vorne bringen.

  • MOBILFUNK heise: Pre5G: Österreichische Mobilfunker testen neue Netztechnik: Die österreichischen Mobilfunk-Netzbetreiber A1 und Drei bereiten sich auf die Einführung neuer Mobilfunk-Technik unter dem Schlagwort 5G vor. Drei kooperiert mit dem chinesischen Ausrüster ZTE, während A1 mit Nokia Networks zusammenarbeitet. Das letztgenannte Paar hat es im kommerziell genutzten LTE-Netz geschafft, ein halbes Gigabit pro Sekunde zu einem Endgerät zu senden. Ein Teil der dabei getesteten Technik soll schon kommendes Jahr Endkunden zu Gute kommen.

  • APPLE golem: Apple will KI-Forschungsergebnisse veröffentlichen: Apple gilt als verschlossenes Unternehmen: Produktpläne bleiben bis kurz vor der Markverfügbarkeit größtenteils geheim, und Forschungsergebnisse werden nicht publiziert. Damit will Apple nun brechen, wie Russ Salakhutdinov, Chef der KI-Forschung, laut einem Bericht von Business Insider auf der NIPS-Konferenz (Neural Information Processing Systems) in Barcelona mitteilte. Mittlerweile wurde auch ein Foto einer Präsentationsfolie der Konferenz über Twitter veröffentlicht, das Apples neue Offenheit dokumentiert.

  • DIGITALISIERUNG politik-digital: Digitale und andere Kompetenzen: die Zukunft der Bildung Tablets im Klassenzimmer, Hochschulkurse online und künstliche Intelligenz als Lehrer – im Bildungssektor sind die Auswirkungen der Digitalisierung schon konkret zu spüren. Inwiefern digitale Neuerungen in Schulen und Universitäten schon genutzt werden und was das für die Zukunft der traditionellen Bildung bedeutet, wurde zwischen dem 30. November und dem 2. Dezember auf der 22. Online Educa Konferenz in Berlin diskutiert.

  • MICROSOFT t3n: Nach Tay-Desaster: Neuer Microsoft-Chatbot Zo darf nicht über Politik reden: Weniger als 24 Stunden hatte es beim ersten Versuch gedauert, bis sich Microsoft-Chatbot Tay auf Twitter von einer menschenliebenden KI in einen Nazi verwandelte, wie ein Twitter-Nutzer im März dieses Jahres süffisant bemerkte. Tay sorgte mit rassistischen, antisemitischen und sexistischen Aussagen für Missfallen. Microsoft musste die KI, die eigentlich so kommunizieren sollte wie ein weiblicher Teenager, schnell vom Netz nehmen. Jetzt nehmen die Microsoft-Entwickler offenbar einen neuen Anlauf: Ein Zo getaufter Chatbot ist in dem Social Network Kik aufgetaucht. Kik-Nutzer können dem neuen Microsoft-Chatbot schon Fragen stellen, obwohl sich die KI auf Kik noch im Early-Access-Modus befindet.

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  • TECHNOLOGIE horizont: Deutsche Unternehmen wollen kräftig in neue Technologien investieren: Laut einer Umfrage wollen deutsche Unternehmen in Zukunft vermehrt in digitale Technologien investieren. Dabei stehen Neuerungen im Bereich 3D-Druck, Virtual Reality und Cognitive Computing an. Auch Verfahrung der künstlichen Intelligenz könnten bald Einzug erhalten. Zudem planen Unternehmen, eigene Abteilungen mit der Aufgabe der Digitalisierung zu beschäftigen. Dies sei wichtig, so Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder, um zukunfsfähig zu bleiben.

  • DIGITALISIERUNG heise: Pilottest der elektronischen Gesundheitskarte begonnen: 23 Arztpraxen und ein Krankenhaus beginnen ab jetzt mit dem Ausprobieren des Abgleichs der Stammdaten der Versicherten. Ursprünglich war die Einführung dieses Systems für das Jahr 2005 geplant; mittlerweile wird die flächendeckende Nutzung der Technik für 2018 vorgesehen. Der Vorteil der elektronischen Gesundheitskarte besteht zum Beispiel darin, dass wenn sich Daten des Patienten, wie der Wohnort ändern, dies direkt beim Arzt korrigiert wird.

  • GOOGLE Spiegel Online: Live-Funktion für “Beliebte Zeiten”: Die “Beliebte Zeiten”-Funktion von Google erhält jetzt ein neues Feature. Bislang konnten sich Nutzer zu vielen Lokalitäten anzeigen lassen, wie gut oder weniger gut besucht der Ort zu bestimmten Uhrzeiten im Durchschnitt ist. Ein neues Highlight ist jetzt die Live-Funktion. Dabei werden anonymisiert die Standortdaten, die zum Beispiel Android-Nutzer standardmäßig an Google senden, so ausgewertet, dass man sehen kann, wie viel im Vergleich zur durchschnittlichen Auslastung los ist. Diese Funktion lässt sich in den Einstellung auch ausschalten.

  • INSTAGRAM golem: Instagram verschickt sich selbst löschende Fotos und Videos: Instagram passt seine App in der neusten Version weiter an den Konkurrenten Snapchat an. Einige von der App mit dem Geist als Logo bekannten Funktionen, werden zukünftig auch bei der Facebook-Tochter zu haben sein. Snapchat-Nutzer vertraut sein dürften daher das Verschicken sich selbst löschender Fotos und Videos. Wie bei Snapchat wird der Absender darüber benachrichtigt, wenn der Empänger davon einen Screenshot macht. Auch Live-Streaming, das bei Instagram eine Erweiterung der Stories darstellt, wird es künftig geben.

  • BILDUNG t3n: Demokratisierung der Bildung durch Digitalisierung: Dem Bereich der Bildung steht ein tiefgreifender Wandel bevor. Dabei geht es um weit mehr als die Einführung von Tablets und Laptops an Schulen. Lehrkräfte sollen besser ausgebildet werden im Umgang mit der neuen Technik, um ein Defizit in der internationalen Position auszugleichen. Das Motto, wer gut ist, kommt weiter, egal, woher er kommt, die Demokratisierung also, die das Bildungsideal Wilhelm von Humboldts darstellt, könnte so Wirklichkeit werden. Auch personalisiertes Lernen soll so endlich möglich sein.

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Nicht nur Spielkram – 9 Bereiche, bei denen VR helfen kann

VR (adapted) (Image by szfphy [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Die Technik der Virtual Reality (VR) ist im Prinzip nichts Neues. Schon Mitte des 20. Jahrhunderts kamen Flugsimulatoren auf, mit deren Hilfe Piloten das Fliegen lernen. Doch in jüngster Zeit hält VR auch Einzug im Kinderzimmer. Die PlayStation VR kann seit Obtober 2016 gekauft werden. Kostenpunkt: 399 Euro, plus die PlayStation-Kamera, ohne die geht es nicht.

Es gibt jedoch auch einen Einsatz abseits der Spieletechnik. Neun Lebensbereiche könnten davon profitieren, wenn Experten weiter an der Technik feilen und sie marktreif machen. Wir stellen sie euch vor:

BILDUNG: Besonders im Bereich der Bildung sehen Experten den Einsatz von VR vor. Studenten könnten so in eine völlig neue Welt eintauchen. In der „World of Comenius“, benannt nach dem tschechischen Lehrer Johann Amos Comenius, können Studenten die Anatomie des Körpers kennenlernen und verschiedenen Körperteilen und -systemen auf den Grund gehen.

KUNST: Dreidimensionales Malen und Zeichnen mithilfe eines VR-Headsets und entsprechendem Zubehör – diesen Traum haben viele Künstler. Nun könnte er Wirklichkeit werden. Die Technik dafür liefert zum Beispiel Tilt Brush von Google.

MEDIZIN: VR könnte auch dazu beitragen, Krankheiten zu behandeln. Vielversprechend ist der Einsatz bei Depressionen. Hier soll beispielsweise virtuelles Schwimmen mit Delfinen die Genesung vorantreiben. Auch bei einer posttraumatischen Belastungsstörung und Alkoholismus könnte die Technik hilfreich sein. Der Patient setzt einfach die Kamera auf und landet dann in einer völlig anderen Umgebung.

LUFTFAHRT: Piloten kennen VR schon aus dem Simulator, mit dem sie das Fliegen üben. Doch auch die Reisenden werden in Zukunft die virtuelle Realität kennenlernen. Die Zeit der wenig unterhaltsamen Langstreckenflüge könnte somit schon bald Geschichte sein. Während man eigentlich noch auf dem Weg dorthin ist, könnte man virtuell schon einmal den Zielort genauer erkunden – ganz in 3D.

SPORT: Für Sportler könnte sich das Training bald zumindest teilweise von draußen nach drinnen verlagern. Für American Football-Spieler beispielsweise könnte der Quaterback zuhause auf der Couch sitzen und virtuell seine Reaktion testen. Was er auf diese Weise lernt, kann er später beim Training auf dem Feld verfestigen.

SEX: Hier geht es nicht nur um offensichtliche Ideen wie einen virtuellen Stripclub. Für Menschen, die unter sexuellen Schwierigkeiten wie Impotenz oder anderen körperlichen oder medizinischen Störungen leiden, könnte VR eine neue Möglichkeit der Sexualtherapie darstellen.

BESICHTIGUNGEN: Eine Idee, die besonders Architekten und Designern gelegen kommen wird. Ein virtueller Gang durch ein Gebäude könnte durch VR möglich gemacht werden. Auf diese Weise könnte man Probleme bei der Konstruktion erkennen, bevor das Gebäude überhaupt existiert. Auch Änderungen im Design wären so ganz einfach durchzuführen.

FILM: Einen Film auf dem Fernseher oder dem Laptop anzusehen, ist eine tolle Sache. Was aber wäre, wenn man direkt in die Filmwelt eintauchen könnte, quasi eine Art interaktive Geschichte? Die Experten gehen davon aus, dass man sich viel intensiver in die Figuren hineinversetzen kann, wenn man sie dreidimensional vor sich sieht und mit ihnen interagieren kann. Folgendes Video zeigt am Beispiel des Igels „Henry“, wie Forscher sich das vorstellen:

NEWS: Um Nachrichten spannender und greifbarer zu machen, könnte man zu Erklärungszwecken dreidimensionale Animationen hinzuziehen. Auch Beiträge könnten davon profitieren, dass Menschen besser begreifen können, was man versucht ihnen zu vermitteln.


Image (adapted) „VR“ by szfphy (CC0 Public Domain)

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Machteliten-Hacking ist möglich – Warum Fatalismus bei Trump und Co. nicht hilft

Justitia (adapted) (Image by Markus Daams [CC BY 2.0] via Flickr)

Jahrelang haben die „liberalen“ Eliten die da unten und ihre Sorgen heimlich verachtet. „Jetzt wählen die Abgehängten die Rassisten, und der Schreck ist groß“, schreibt Elisabeth Raether in der Zeit. Nichts habe den Siegeszug von Donald Trump aufhalten können: keine Satire-Nummer, kein tadelnder Leitartikel, keine Häme über die Haare des pöbelnden Bauunternehmers. Und Michael Seemann führt aus, dass die Abgehängten und Verlierer der Globalisierung die alten Eliten zurückwünschen, die noch in derselben Welt gelebt haben wie sie.

„Deswegen schafft Trump, was Mitt Romney nicht schaffen konnte: Identifikationsfigur zu sein und positiver Entwurf einer Elite zu sein, zu dem sich die Arbeiter verbinden können. Trumps Erfolg kommt ohne Bildung und ohne Political Correctness aus, deswegen wirkt er erreichbar. Er repräsentiert eine entmachtete Elite der guten alten Zeit, die sich die Leute zurückwünschen. Eine Elite, die zwar egoistisch und brutal kapitalistisch war, die aber kulturell anschlussfähig und national bezogen blieb.“ Weil man gegen die globale Klasse nicht moralisch und argumentativ gewinnen könne, bleibt der alternativen Rechten nur noch, jede Moral und jedes Argument zu verweigern.

Fakten gegen die postfaktischen Populisten

Trump, Brexit und die Rehabilitation von „völkisch“ seien argumentative und moralische Pflastersteine in unsere Vitrinen. „Sie sind der internationale Aufstand gegen die kulturelle Hegemonie der globalen Klasse. Der Brexit macht die Richtung klar: eine andere Welt ist möglich. Aber als Drohung“, resümiert Seemann. Seit Jahren ertönt schon das Lied, wie die Globalisierung und die seit dem Untergang des sozialistischen Lagers fehlende „Angst vor einer kommunistischen Revolution“ die heutige Wirtschaftselite ökonomisch viel unabhängiger vom Lebensstandard der breiten Mittelschichten gemacht habe.

Diese globale Elite lebt perfekt vernetzt und abgesondert vom Rest der Bevölkerung. Wir werden beherrscht von einer transnationalen Klasse der Superreichen. Und genau diese Gemengelage nutzen die „postfaktischen“ Rassisten und Chauvinisten für ihre politischen Beutezüge aus. Das klingt ziemlich fatalistisch.

Vielleicht helfen Fakten weiter und da lohnt der Blick in die Forschungsarbeit des Soziologen Michael Hartmann, die im Campus Verlag unter dem Titel „Die globale Elite“ erschienen ist.  „Nur wenn die Topmanager der größten Unternehmen und die reichsten Menschen der Welt durch umfangreiche und kontinuierliche Erfahrungen außerhalb ihres Heimatlands einen eigenständigen Habitus ausbilden, der sich deutlich von dem ihrer auf nationaler Ebene verbleibenden Pendants unterscheidet, kann man von einer transnationalen Klasse oder Elite reden“, erläutert Hartmann. In seiner Analyse hat er weltweit 20.000 Konzernchefs, Aufsichtsratsvorsitzende, Chairmen, Board Members und Milliardäre unter die Lupe genommen und kommt zu einem überraschenden Ergebnis.

Globale Elite ziemlich lokal

„Im Durchschnitt stammt nur jeder zehnte CEO der weltweit größten und global aktivsten Unternehmen und ein etwas höherer Prozentsatz der Chairmen und übrigen Board-Mitglieder aus dem Ausland. Sogar nur ungefähr jeder zwanzigste CEO kann einen Studienabschluss einer renommierten ausländischen Business School oder Elitehochschule aufweisen. All das ist umso aussagekräftiger, als diese Prozentsätze sich auf die größten Unternehmen der Welt beziehen.

Weil die Inter- wie Transnationalität der Spitzenmanager umso stärker ausfällt, je größer die Konzerne sind, würden die Werte in dem Maß zurückgehen, in dem eine höhere Anzahl von Unternehmen berücksichtigt würde.“ Wenn es eine globale Wirtschaftselite oder gar eine globale Elite unter Einschluss der einflussreichsten Politiker und Mitglieder der anderen Eliten nicht gibt, dann eröffnet das nach Ansicht von Hartmann politische Handlungsspielräume.

Man braucht nicht auf die Einsicht der Superelite zu warten

Wer allerdings von einer einheitlichen weltweiten Superelite ausgeht, der kann angesichts der fehlenden Gegenkräfte auf globaler Ebene nur noch auf die Einsicht dieser Superelite oder auf das schmerzhafte Ende des neoliberalen Kapitalismus hoffen. Häufig gehe die Beschwörung globaler Eliten Hand in Hand mit der gleichzeitigen Feststellung, dass man dagegen nichts unternehmen könne. Wenn Wissenschaftler wie Wolfgang Streeck konstatieren, dass diese Eliten sich „keine Gedanken mehr über nationales Wirtschaftswachstum machen [müssen], weil ihre transnationalen Vermögen so oder so wachsen“ und sich mit ihrem Geld absetzen, dann verleitet das eher zu Endzeitszenarien als zu politischem Denken und Handeln.

Staaten können handeln

„Tatsächlich existieren für die Politik vielfältige Handlungsmöglichkeiten, diesen Entwicklungen etwas entgegenzusetzen, zumindest in den größeren Staaten dieser Erde“, so Hartmann. Besonders, wenn es um die Plünderung der öffentlichen Sphäre geht. Etwa bei der Umgehung von Steuerzahlungen oder der Privatisierung von öffentlichen Gütern. „Der Kampf gegen Steuerflucht ist jedenfalls nicht aussichtslos, wenn ein politischer Wille da ist. Das belegt auch das faktische Ende des vor wenigen Jahren noch als quasi naturgesetzlich betrachteten Schweizer Steuergeheimnisses“, betont Hartmann.

Als Beispiel führt er den Silicon Valley-Konzern Facebook an, der angekündigt hat, künftig alle Werbeeinnahmen auf dem britischen Markt auch in Großbritannien zu versteuern und nicht in Irland wie bisher. „Das dürfte ebenfalls zu einer drastischen Erhöhung der Steuerbelastung führen, denn Facebook hat bislang den wesentlich günstigeren Steuersatz in Irland genutzt und 2014 in Großbritannien gerade einmal 4327?Pfund Körperschaftssteuer gezahlt“, betont Hartmann. Das Unternehmen reagiere damit wie Google auf eine ab dem 1. April 2015 in Kraft getretene Änderung der britischen Steuergesetzgebung, die für Unternehmen, die derartige Steuervermeidungsstrategien betreiben, einen von 20 auf 25 Prozent erhöhten Steuersatz auf so ins Ausland verschobene Gewinne vorsieht.

Der gerade bei Politikern beliebte Hinweis auf die ungeheure Macht der globalen Wirtschaftselite und die eigene Ohnmacht ihr gegenüber verschleiere solche Möglichkeiten. Das Notiz-Amt sieht beste Möglichkeiten für das Machteliten-Hacking über gesetzgeberische Initiativen, um für mehr Verteilungsgerechtigkeit zu sorgen. Die globale Elite ist wohl doch eher eine Schimäre. Sie ist zumindest kein scheues Reh, das beliebig Ausweichmanöver an den Tag legen kann.


Image (adapted) „Justitia“ by Markus Daams (CC BY 2.0)


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Mädchen schneiden in der Schule besser ab – sind aber weniger zufrieden

child (image by KokomoCole [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Die übliche Diskussion über die Erfahrungen von Kindern in der Schule fokussiert sich auf akademische Leistungen, persönliche Entwicklung sowie Bewertung der Schule. Fragt man Lehrer, Eltern oder politische Entscheidungsträger, was das wichtigste Angebot einer Schule sei, wird die Antwort eindeutlig sein: Bildung. Sie möchten, dass Kinder Wissen und Fähigkeiten entwickeln, die ihnen helfen, eine Karriere aufzubauen und erfolgreiche Erwachsene zu werden.

Natürlich befassen sie sich auch mit den persönlicheren Aspekten der Schule. Niemand möchte, dass ein Kind gemobbt wird oder unter Unsicherheit leiden muss. Dennoch wird es angesichts der steigenden Bedeutung von Qualifikation, Performanz, Schulbewertung und Verantwortlichkeit von Lehrern einmal Zeit, sich anzuschauen, ob und wie die sozialen Aspekte der Schulumgebung in bildungsbezogenen Diskursen als gegeben betrachtet oder zumindest überschattet werden.

In den vergangenen drei Jahren hat unsere Forschungsgruppe der Universität von Cardiff die unterschiedliche Wahrnehmung der Schulerfahrungen von Mädchen und Jungen analysiert. Unsere Studie bezieht ca. 1500 Schüler an 29 verschiedenen Grund- und Sekundarschulen in ganz Wales ein und förderte eine Fülle an Informationen zu Tage – nicht zuletzt, dass Mädchen in der Schule einfach weniger zufrieden sind als Jungen.

Wie ist das möglich? Gewöhnlich erzielen Mädchen in der Schule besser Noten als Jungen, aber warum sind sie nicht ebenso zufrieden wie ihre männlichen Pendants? Wir haben Schüler zu einer Vielzahl von Faktoren befragt, einschließlich der Lernumgebung ihrer Schule und der Eigenschaften der Institutionen als Ort der Sozialisierung, persönlicher Leistung sowie subjektives Wohlbefinden. Insgesamt haben wir mehrere wichtige, geschlechtsspezifische Unterschiede hinsichtlich der Wahrnehmung des eigenen Schulbesuchs aufgedeckt.

Beispielsweise waren weibliche Schüler gegenüber der Schule als Institution positiver eingestellt als Jungen. Sie hatten den Eindruck, dass das Schulpersonal große Erwartungen an sie hat, gute Noten und Fortschritt belohnt und sich für ihre akademischen Leistungen interessiert. Dennoch waren ihre Aussagen zur Wahrnehmung der Schule sehr unterschiedlich.

Knapp 25 Prozent der weiblichen Schüler sagten, dass sie sich Sorgen um ihre schulischen Leistungen machen würden, im Vergleich fanden sich hier nur 16,5 Prozent bei den Jungen. Circa 24 Prozent der Mädchen hatten das Gefühl, nicht in die Schule zu gehören, verglichen mit nur 8,8 Prozent bei den Jungen. Zusätzlich konnten fast 20 Prozent der Mädchen nicht mit der Aussage übereinstimmen, dass die Schule ein Ort sei, an dem „meine Lehrer mich gut kennen“, verglichen mit 12 Prozent der teilnehmenden Jungen. Leider werden die Antworten der Teilnehmer nicht besser mit dem Fortschreiten in der Schule. Die Befragungen wurden in zusätzlichen jährlichen Durchläufen wiederholt und die negativen Antworten wurden nicht nur beibehalten, sondern haben in einigen Fällen sogar zugenommen.

Geschlecht und Schulausbildung

Frühere Untersuchen der American Psychological Association und der britischen Organisation UCAS fanden heraus, dass Mädchen insgesamt in den meisten (oder allen) Schulfächern bessere Leistungen erbringen als Jungen und dass sich dieser Trend in vielen Ländern seit dem frühen 20. Jahrhundert manifestiert hat. Die Medien verbreiten diese Erkenntnisse häufig in Verbindung mit einer Art moralischer Panikmache, in der Interessenvertreter händeringend versuchen, den Diskurs in die Richtung der wahrgenommenen Bedrohung der Entwicklung und des zukünftigen Erfolgs männlicher Schüler zu lenken.

Die Geschlechterkluft in der Bildung wird oft dem Mangel an männlichen Lehrern beigemessen. Dennoch hat eine Studie nach der anderen festgestellt, dass das Geschlecht des Lehrers keinen messbaren Einfluss auf die akademischen Leistungen von Schülern hat. Vielmehr scheinen Mädchen bessere Leistungen zu bringen, weil sie laut einer amerikanischen Studie eine positivere Auffassung von Bildung haben, mehr lesen, mehr lernen und ein besseres Verhalten aufweisen als Jungen. unsere Forschung bestätigt diese Behauptung.

Auch wenn die geringeren akademischen Leistungen der Jungen in der Schule besorgniserregend sind, muss Folgendes bedacht werden: auch wenn Mädchen in der Schule bessere Leistungen bringen als Jungen, sind diese Erfahrungen oft genug mit Zweifel, Entfremdung und Angst behaftet.

Schulen als soziale Räume

Schulen sind weit mehr als ein Ort des Lernens, sie sind ebenso komplizierte Schauplätze sozialer Aktivitäten. Dieselben gesellschaftlichen Einstellungen, Praktiken und Diskurse, die auch außerhalb der Schule präsent sind, existieren auch innerhalb dieser mikrosozialen Umgebung. Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass Schüler nicht die Komplexität des Erwachsenenlebens ablegen, wenn sie die Schulräume betreten. Wenn überhaupt werden sie für einige noch intensiviert.

Die Schülerinnen, die an der Studie teilgenommen haben, sind der Auffassung, dass die gegenwärtige Situation junger Frauen in einer patriarchalisch organisierten Gesellschaft implizit und explizit auf die sozialen Praktiken im Schulwesen zurückzuführen ist. Die Wahrnehmung des Körpers und die Aktivität in sozialen Medien sind beispielsweise aktuelle Themen, die mit dem sozialen Druck in Verbindung gebracht werden, der potenziell die emotionalen Probleme von Mädchen vergrößert. Die Reaktionen darauf fokussieren sich meistens auf den Einfluss dieser Probleme auf das Leben von Mädchen, ohne jedoch mit einzubeziehen, wie das Bild des weiblichen Körpers in der Gesellschaft konstruiert und reproduziert wird. Die Schulen bilden in diesem Prozess das Instrument.

Obwohl behördliche Versuche unternommen werden, um diese Geschlechterkluft zu schließen, muss ein größerer Aufwand betrieben werden, um die gesellschaftlichen Erfahrungen und das Wohlbefinden von Schülern (und insbesondere von Mädchen) in der Schule zu verstehen und zu verbessern.

Das Einbeziehen von Konzepten wie Gender Fluidity in die Prozesse des Schulalltags sowie Unterrichtsmaterialien kann glaubwürdige Lernmöglichkeiten liefern, um sich mit Konzepten von Identität und Geschlecht auseinanderzusetzen.

Organisationen wie die Association of Teachers and Lecturers und die Gender and Education Association sind bereits an vorderster Front, um Lehrer bei der Implementierung von kritischen, transformativen Praktiken im Klassenzimmer anzuleiten. Zusätzlich zum praktischen Engagement zu den Themen Geschlecht und Identität – Faktoren, die das Leben jedes Schülers in der Schule betreffen – können die philosophischen Strömungen, die in die neuen und entstehenden Lehrpraktiken eingebettet sind, informieren und einen inklusiveren Bildungsethos für Schulen kräftigen und eine unterstützende und angenehme Umgebung für alle Schüler schaffen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Child“ by KokomoCole (CC0 Public Domain)


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  • MEDIENWANDEL carta: ARD, ZDF & „Cloud-TV“: Ein Gutachten wie ein Requiem: Das vom ZDF bestellte Gutachten zur Zukunft des öffentlich-rechtlichen Fernsehens bestätigt den Auftraggebern letztlich nur ihren Status quo. Das 108-seitige Gutachten „Legitimation und Auftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in Zeiten der Cloud“ von Dieter Dörr, Bernd Holznagel und Arnold Picot dient der Bestandsaufnahme und der Perspektivbestimmung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Es unternimmt den durch eine Perlenschnur von Thesen verbundenen Versuch, den Funktionsauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks unter den aktuellen Bedingungen der sich wandelnden Medienumgebung zu stützen. Dagegen wäre nichts einzuwenden, aber schon die Analyse des Heute im Jahr 2016 lässt Fragen offen. Der Neologismus „Cloud-TV“ erweist sich dabei als wenig hilfreich.

  • MICROSOFT golem: Microsoft Paint soll 3D-Modus erhalten: Die Bildbearbeitung Microsoft Paint soll mit einem 3D-Modus ausgestattet werden. Das zeigt ein offenbar von Microsoft stammendes geleaktes Video, das der Twitter-Nutzer Walkingcat veröffentlicht hat. Microsoft Paint war mit Windows 10 zwar optisch verschönert worden, der Funktionsumfang bleib jedoch identisch zur Vorgängerversion. Das Video zeigt, wie Microsoft Paint künftig zum Erstellen dreidimensionaler Modelle genutzt werden kann. Das Blog Windowsblogitalia bietet nach eigenen Angaben eine inoffizielle Vorabversion der Software zum Download an. Woher diese stammt, ist nicht bekannt. Eine öffentliche Betaversion hat Microsoft bisher nicht vorgestellt.

  • DIGITALISIERUNG haufe: Wann startet die digitale Aufholjagd der KMU?: In den meisten deutschen Betrieben bleibt der digitale Wandel auf der Strecke. Trotz Jubelmeldungen und Statistiken, wie sehr die digitale Transformation die Unternehmen beschäftigt, wird schon der kleinste gemeinsame Nenner in Form einer guten Webseite von vielen Mittelständlern vernachlässigt. Zu hoch ist der Aufwand für Betrieb, Pflege und Aktualisierung der Firmenpräsenz im Internet. Egal ob durch einen externen Dienstleister oder doch die Mitarbeiter, über die Website wird schließlich kaum ein Cent eingenommen. Obendrein redet noch alle Welt von den Vorzügen digitaler Kommunikation, dem Dialog mit Kunden in Social Media, der Präsenz in Vergleichsportalen und dem Vertrieb über Connected Commerce. Diese böhmischen Dörfer erregen bei vielen Chefs meist keinen Handlungsbedarf, sondern alle digitalen Aushängeschilder erzeugen nämlich nur eines: German Digital Angst.

  • EBOOK e-book-news: Jedes zweite Kind lauscht Hörspielen bereits via Smartphone & Tablet: Kinder lieben Hörbücher und Hörspiele, daran hat auch die Digitalisierung wenig geändert. Acht von zehn Kindern lauschen gerne solchen Geschichten, unter den drei bis achtjährigen sogar 91 Prozent. Allerdings: Hörbuch per Kassette oder Schallplatte, das war einmal. Selbst die CD ist im Kinderzimmer offenbar längst ein Auslaufmodell: fast jedes zweite Kind hört bereits Hörspiele, die von den Eltern via Smartphone oder Tablet aus dem Internet heruntergeladen wurden. Immer öfter auch bei Audible, der Hörspieltochter von Amazon, der wir diese und weitere aktuelle Zahlen zu den Hörgewohnheiten der Jüngsten verdanken.

  • SAMSUNG süddeutsche: Samsung ruft Kunden auf, ihr Galaxy Note 7 abzuschalten: Der südkoreanische Elektronikkonzern Samsung hat eine weltweite Rückrufaktion des Smartphones Galaxy Note 7 gestartet. Kunden sind aufgerufen, das Gerät abzuschalten und überhaupt nicht mehr zu benutzen. Es bestehe Brandgefahr. Die Betroffenen sollen ihr Geld zurückbekommen oder gegen Geräte eines anderen Typs austauschen. Die südkoreanischen Behörden teilten am Dienstag mit, sie hätten möglicherweise eine zweite Fehlfunktion entdeckt, die sich nicht so schnell beheben lasse. Bereits gestern hatte der Konzern die Produktion des Modells gestoppt.

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  • WHATSAPP faz: Whatsapp kriegt Post vom Anwalt: Wer in seinem Smartphone Geheimnisse verbirgt, sollte sich mit der jüngsten Kontroverse im Datenschutzrecht beschäftigen. Denn sonst könnte die schöne Bekanntschaft vom Wochenende plötzlich gut sichtbar mit Profil-Foto auf Facebook vorgeschlagen werden. Das kann praktisch sein oder die Ehe zerrütten – je nach Konstellation. Möglich macht diese Funktion der Datenaustausch der beiden Dienste: Facebook erhält Handynummern von Whatsapp. Jetzt haben Verbraucherschützer diese Praxis abgemahnt.
  • DROHNEN wired: Auf Amsterdams Kanälen fahren bald Drohnenboote: Während andere Städte und Regionen autonome Autos testen, schaut man in Amsterdam aufs Wasser. Knapp ein Viertel der niederländischen Metropole ist von Kanälen bedeckt und auf diesen sollen ab 2017 selbstfahrende Boote getestet werden. Das auf fünf Jahre angelegte Forschungsprojekt Roboat ist eine Kooperation des Amsterdam Institute for Advanced Metropolitan Solutions (AMS), der TU Delft und der Uni Wageningen mit dem US-amerikanischen Massachusetts Institute of Technology (MIT). Es hat ein Budget von 25 Millionen Euro.
  • MARKT wuv: „Junge Menschen sind nicht unbedingt kreativer“: Eine steile These geistert durch das Silicon Valley. Formuliert hat sie Sun-Gründer und Investor Vinod Koshla: Menschen mit 45 hören auf, über Neues nachzudenken. Die wahren Innovationen kämen von Leuten unter 45 Jahren. Er scheint den Agenturen aus der Seele zu sprechen, die ja gern auf besonders junges Personal setzen. Ist Kreativität tatsächlich eine Frage des Alters? W&V Online hat dazu Stephan Sonnenburg von der Karlshochschule in Karlsruhe befragt. Er forscht zu dem Thema und ist 45 Jahre alt.
  • MOBILITÄT gruenderszene: „2025 wird es in amerikanischen Städten kaum noch private Autos geben“: Es gibt einfach viel zu viele Autos. Und all diesen Autos überlassen wir viel zu viel Platz in unseren Städten. Das ist der Ausgangsgedanke der Überlegungen von John Zimmer, der die Fahrvermittlung Lyft mitgegründet hat. Zimmer liebt Autos. Seit seiner Jugend. Aber er schreibt in seinem Beitrag zur automobilen Zukunft auf Medium, dass wir unsere Umgebung in Autolandschaften verwandelt und damit zerstört haben. Obwohl das durchschnittliche Auto nur vier Prozent der Zeit bewegt wird.
  • DATENSCHUTZ golem: US-Amerikanerin verklagt smarten Vibratorhersteller: Weil der smarte Vibrator We-Vibe Rave ohne Genehmigung persönliche Informationen der Nutzer gesammelt hat, verklagt eine US-Amerikanerin den Hersteller Standard Innovation. Das Gerät kann nur vollumfänglich genutzt werden, wenn Nutzer es per Bluetooth mit einem Android oder iPhone verbinden und die vom Hersteller entwickelte App nutzen. Der WE-Vibe ermöglicht darüber die Fernsteuerung des Vibrators, per Freigabe über die „Connect Lover“-Funktion kann auch der Partner eingeladen werden, das Gerät zu steuern. Die Klägerin beschwert sich konkret darüber, dass die Apps vertrauliche Daten an den Hersteller hochladen, ohne die Kunden darauf hinzuweisen.
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Schlau, aber abgehängt: Smartphones sorgen für eine digitale Zwei-Klassen-Gesellschaft

mobile (Image by cicwdn [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Manch einer würde behaupten, dass der rasche Aufstieg des mobilen Zugriffs in der Theorie keine gute Idee für Einzelpersonen und die Gesellschaft war. Eine Öffentlichkeit, die verknüpfter ist, ist auch informierter. Ein gesteigertes mobiles Vordringen bedeutet, dass sich mehr Menschen öfter als jemals zuvor miteinander verbinden können.

Aber einem neuen Bericht des Shorenstein Center on Media, Politics and Public Policy aus Harvard zufolge gibt es eine dunkle Seite der mobilen Revolution, die befürchten lässt, dass eine weniger beteiligte, „zweitklassige“ Nutzerschaft entsteht, die nicht so sehr von der mobilen Übernahme profitieren wie man annehmen könnte. Eine mobilere Öffentlichkeit könnte, paradoxerweise, eine weniger informierte werden.

Johanna Dunaway, ein ehemaliges Mitglied von Shorenstein und Verantwortliche für den Report, macht die Smartphones selbst für diese Entwicklung verantwortlich. Dank der Kombination von kleineren Bildschirmen, langsamerer Verbindungsgeschwindigkeit und unterschiedlichen Datenpreise sind mobile Geräte in vielerlei Hinsicht keine geeigneten Überträger der Nachrichtennutzung.

Mithilfe einer Eye-Tracking-Software konnten Dunaway und ihre Kollegen beobachten, wie sich Menschen mit Nachrichten auf ihren Handys beschäftigen. Ihr Ergebnis: „Wir fanden heraus, dass im Vergleich zu Computernutzern die Handynutzer weniger Zeit mit dem Lesen von Nachrichteninhalten verbrachten. Sie haben die Links auch nach längerer Nutzung seltener bemerkt und verfolgt.“ sagt Dunaway.

Ihre Befunde wurden von vorherigen Daten von Pew Research unterstützt, die herausfanden, dass, während die meisten Seiten mehr Besucher per Smartphones als über PCs kriegen, die Leser dazu tendieren, weniger Zeit mit dem Lesen als an mobilen Geräten zu verbringen.

Image via Nieman Lab
Image via Nieman Lab

In Anbetracht dessen, dass voraussichtlich bis 2020 zwei Drittel der Onlineaktivität auf mobilen Geräten geschehen wird, sind die Auswirkungen einer mobil dominierten Öffentlichkeit laut dem Bericht recht finster.

Dunaway sieht eine Verbindung zwischen den Risiken von Handys zu vielen anderen Herausforderungen der Nachrichtenagenturen. Diese haben Probleme, die Menschen in einem Medienökosystem zu informieren, das von Auswahl, Fragmentierung und der Anziehung von Nachrichtennutzern zu Quellen, die ihre Ansichten beweisen und Neigungen durchsetzen, dominiert wird.

Letztendlich bedeutet dies, dass Smartphones zwar den Nachrichtenagenturen helfen, mehr Menschen als je zuvor zu erreichen, das Problem jedoch darin besteht, dass diese mobilen Nachrichtennutzer weniger beschäftigt und weniger informiert sind. Sie werden wahrscheinlich mehr Aufmerksamkeit den Sport- und Unterhaltungsnachrichten als der politischen Berichterstattung widmen. Des Weiteren ist die Übernahme des Handys am deutlichsten in Kreisen von Latinos, Schwarzen und Amerikanern mit geringem Einkommen, was noch einmal eigene Herausforderungen hervorbringt, zeigt Dunaway auf:

    „Es könnte richtig sein, daraus zu schließen, dass wir ein Zeitalter einer zweitklassigen digitalen Bürgerschaft betreten, geführt von einer ausschließlich mobilen digitalen Unterschicht.
    Ein denkbares Ergebnis ist eine größer werdende Lücke zwischen denen, die politisch interessiert und informiert sind und denen, die es nicht sind. Setzt man voraus, dass diese Lücke entlang der Einkommens-, Rassen-, Ethik- und Berufsgruppen entsteht, könnte der Effekt eine Beschleunigung der Kluft zwischen Reich und Arm in Amerika nach sich ziehen – und dies zu einer Zeit, in der diese Schwelle bereits der Grund für politische Sorgen und Unruhen sind.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Mobile“ by cicwdn (CC0 Public Domain)


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  • ARBEIT4.0 zeit: Beschäftigte sind durch Digitalisierung stärker belastet: Der zunehmende Einsatz digitaler Technik bringt aus Sicht des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) für die Beschäftigten nicht automatisch bessere Arbeitsbedingungen. Im Gegenteil: Von den Arbeitnehmern, die in hohem oder sehr hohem Maße digitalisiert arbeiten, geben 46 Prozent an, dass ihre Arbeitsbelastung dadurch größer geworden sei. 45 Prozent sehen dagegen keine Veränderung, lediglich neun Prozent fühlen sich durch die Digitalisierung entlastet. Die Zahlen sind erste Ergebnisse aus einer repräsentativen Befragung des DGB.

  • ROAMING sueddeutsche: Keine Roaming-Gebühren in der EU für 90 Tage pro Jahr: Seit Jahren arbeitet die EU daran, das Telefonieren im Ausland billiger zu machen. Mittlerweile auch mit einigem Erfolg: Im Laufe des kommenden Jahres sollen die Roaming-Kosten für Telefonate im EU-Ausland wegfallen. Das ist zumindest der Plan, den die EU-Staaten und das Europaparlament bereits beschlossen haben. Doch aus Sicht der Industrie gibt es ein Problem: Wenn es keine Roaming-Gebühren mehr gibt, könnte sich ja ein Kunde einen günstigen Tarifvertrag im Ausland besorgen und damit womöglich weit unter den üblichen Tarifen in seinem Heimatland telefonieren.

  • IFA horizont: Haben wir einen Innovations-Gipfel erreicht?: Entwickelt sich die IFA in Berlin so langsam zu einer Messe des Altbewährten? Auch dieses Jahr gab es nicht wirklich Innovationen in den Bereichen. Stattdessen üben sich die Hersteller am Feintuning ihrer Fernseher oder Smartphones: größere Displays, leistungsfähigere Akkus, bessere Bildqualität. „Wir haben derzeit einen Innovations-Gipfel erreicht, denn es gibt nichts, was man tun könnte, das wirklich neu wäre.“ so Branchen-Experte Amir Tamannai. Haben wir aktuell einen Innovations-Gipfel erreicht?

  • THREEMA heise: Threema lockt WhatsApp-Nutzer mit Sonderpreis: „Für kurze Zeit“ gibt’s den Ende-zu-Ende-verschlüsselten Messenger deutlich verbilligt. Insbesondere iOS-User profitieren. Der Schweizer Instant-Messaging-Dienst Threema, der mit hoher Sicherheit dank Ende-zu-Ende-Verschlüsselung wirbt, versucht, von Facebooks neuen Datenschutzbedingungen gefrustete WhatsApp-User zu gewinnen: Noch bis Donnerstagabend kann man beim Kauf der App für iOS und Android kräftig sparen.

  • SMARTPHONE futurezone: Handy statt Tabak: Mehr Jugendlichen droht Internetsucht: Und ewig lockt das Smartphone: Eltern nehmen eine ausufernde Internetnutzung von Jugendlichen aus Sicht eines Suchtforschers noch zu selten als Problem wahr. „Man muss das Bewusstsein stärken, dass Online-Spiele und soziale Netzwerke eine hohe Bindungskraft haben können. Jugendliche kommen immer früher in Kontakt mit einem potenziell abhängig machenden Verhalten“, sagte Professor Falk Kiefer von der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie zum Auftakt des von ihm geleiteten Deutschen Suchtkongresses in Berlin. Dabei kommen von Montag an etwa 600 Suchtexperten zusammen.

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  • KI deutschlandfunk: Künstliche Intelligenz macht Musik: Zwar sorgte folgendes Musikstück schon Anfang Juni für große Aufregung, allerdings ist der Wirbel für diesen „speziellen“ Song ein anderer. Denn dieses Stück wurde von einer Künstlichen Intelligenz von Google geschrieben. Genauer gesagt handelt es sich beim „Magenta Projekt“ um Computer, die zu Künstlern werden. Aber was Google kann, konnte David Cope schon in den 90ern. Damals hatte eine Künstliche Intelligenz ebenfalls schon Stücke komponiert.

  • MOBILE golem: Eine Woche in Deutschland im Funkloch: Heutzutage rechnet man eigentlich nicht mehr mit Funklöchern, andererseits ist man dennoch wenig überrascht, wenn mal wieder nichts geht. Oft bekommt man so einen Zustand bei belebten Zugstrecken zu spüren oder wenn man am Wochenende die Oma im 500 Selen Dorf besucht. Doch warum ist das auch noch 2016 so? Im folgenden Beitrag wird gezeigt, warum trotz einer 90 prozentigen LTE-Abdeckung in Deutschland manchmal gar nichts mehr geht.

  • STARTUP gruenderszene: Wie leitet man ein Startup vom Strand aus?: Minecraft-Erfinder Markus Persson hat es getan. Tinder-Geschäftsführer Sean Rad ebenso. Und Snapchat-Gründer Evan Spiegel. Sie haben ihre Heimat oder das Silicon Valley gegen ein neues Zuhause eingetauscht, wo sie Meer, Strand und Wellen ganz nah sind – im Fall der drei oben genannten ist das Los Angeles. Dahinter steht das Lebenskonzept eines digitalen Nomaden, also eines Gründers, der sein Unternehmen von unterwegs aus leitet. Technik macht es möglich, dass sie von vielen Orten der Welt aus arbeiten können – und das nutzen sie aus. Manche von ihnen bleiben nur wenige Tage an einem Fleck: Ansonsten reisen sie ständig von einem Hotspot zum anderen. Andere lassen sich ein paar Wochen oder Monate dort nieder, wo es ihnen gefällt.

  • BILDUNG t3n: Technikfeinde sind eine Gefahr für unsere Kinder – nicht Smartphones: Die Diskussion um die Nutzung von Smartphones von Kindern ist mittlerweile ein recht weit verbreitetes Thema. Sollte man Kinder lieber komplett von der Mediennutzung abschotten oder auf einem gesunden Level daran heranführen? Der Lehrer Arne Ulbricht verteufelt auf Spiegel Online Smartphones und Mediennutzung der Kinder. Und ist zusammen mit der alarmistischen Diskussion um digitale Demenz selbst ein Teil des Problems. Ein Kommentar.

  • AIRBNB engadget: Airbnb tests an app that plans your trips: Der Vermittler für Apartments, Wohnungen und Unterkünften arbeitet an einer App, die Nutzern Restaurants, Lokale oder Bars vorschlagen soll. Mit „Airbnb Trips“ will das Unternehmen eine App schaffen, die eigenständig funktionieren soll und dem Nutzer passende Tipps für die Umgebung liefert.

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Was ist eigentlich „Medienkompetenz“?

Medien (Image by MikeRenpening (CC0 Public Domain) via Pixabay)

Medien sind heutzutage zu einem festen Bestandteil unseres Alltags geworden. Egal ob privat oder im Job – oftmals müssen wir uns mit einfachen aber auch mit den kniffligen Seiten der Medien, wie beispielsweise Datenschutz oder Urheberrecht auseinandersetzen. Was darf ich im Internet veröffentlichen? Wo genau werden meine Daten überhaupt gespeichert und auf was muss ich achten? Deshalb ist es wichtig, dass das Thema Medienkompetenz einen zunehmenden Stellenwert bekommt und nicht in Vergessenheit gerät.

Was aber versteht man unter dem Begriff Medienkompetenz? Der Medienpädagoge Professor Dr. Dieter Baacke führte den Begriff in den 70er Jahren ein:

Medienkompetenz meint grundlegend nichts anderes als die Fähigkeit, in die Welt aktiv aneignender Weise auch alle Arten von Medien für das Kommunikations- und Handlungsrepertoire von Menschen einzusetzen.

Wer weiß, wie man einen Computer einschaltet und sich im Internet von Seite zu Seite klickt, ist leider noch nicht wirklich medienkompetent – dahinter steckt noch viel mehr. Hier stellt sich also die Frage: Wann genau ist man eigentlich „medienkompetent“, und wem nützt das?

Durch den Durchmarsch der Digitalisierung werden viele Berufe zunehmend am PC oder Tablet verrichtet. Darauf sollte gerade die jüngere Generation eingestellt werden. Deshalb ist es wichtig, dass wenigstens jeder ein Minimum an Medienkompetenz erlernt. Man sollte zumindest also darüber Bescheid wissen, wie die einzelnen Geräte grob funktionieren, welche Gefahren das Internet birgt, was mit den eigenen Daten passiert, was man darf und was nicht.

Dieses Wissen gilt es, möglichst früh zu vermitteln. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise gibt es das Modellprojekt Medienkompetenz-Kitas NRW der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen. Auch in Grundschulen ist diese spielerische Förderung denkbar. So wird zum Teil Digitalkunde bereits ab der ersten Klasse gefordert.

Medienkompetenz – auch außerhalb der Schule

Eine gezielte Medienkompetenzförderung sollte jedoch nicht ausschließlich in Schulen stattfinden, sondern auch im Elternhaus. So können Eltern nicht nur einen Überblick über die Aktivitäten des Kindes am PC, Smartphone oder Tablet erhalten, sondern sich auch aktiv mit ihren Kindern mit den neuen Medien auseinandersetzen, Fragen beantworten, mit Rat und Tat zur Seite stehen und eine aufklärende Position beziehen. Auch Regeln – vielleicht in Form eines spielerischen Vertrags – über die Nutzung der Geräte mit den eigenen Kindern, sind von Vorteil. So lernen Kinder, sich an Vorschriften zu halten und Verantwortung für ihr eigenes Handeln im Netz zu übernehmen. Durch eine gute Aufklärung können sie neue Medien kritischer und auch selbstbestimmter betrachten. Auch Eltern, die sich nicht mit den Gefahren im Internet auskennen, können sich schlau machen, denn hier kursieren einige wirklich aufklärende Videos im World Wide Web.

Nicht nur die Kinder sind angesprochen

Aber nicht nur Kinder und Jugendliche sind von dem Thema betroffen, sondern so ziemlich jeder. Wie heißt es so schön? Man lernt nie aus! Und das gilt auch im Bereich der Medien, denn Medienkompetenz kann man als lebenslanges Lernen betrachten. So gibt es beispielsweise die Initiative „SCHAU HIN! – Was Dein Kind mit Medien macht“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Sie arbeiten in einer Partnerschaft mit Vodafone, dem ARD und ZDF und dem TV-Spielfilm und bieten ein alltagstaugliches Ratgeberangebot für den richtigen Umgang mit elektronischen Medien an.

Auch der Verein für Medien und Kulturpädagogik Blickwechsel bietet nicht nur Fortbildungen für pädagogisch Tätige und Interessierte an, sondern auch Informationsveranstaltungen für Erzieher, Lehrkräfte und Eltern.

Doch auch die Senioren sollen nicht zu kurz kommen und können noch einiges lernen. Immer öfter loggt sich die ältere Generation ein und setzt sich mit neuen Medien auseinander. Allerdings sind auch Senioren nicht vor miesen Internet-Maschen sicher. Sie sollen ebenfalls lernen, welche Gefahren im Internet lauern. So bietet unter anderem Rheinland-Pfalz eine Seminarreihe „Silver Surfer – Sicher online im Alter“ an, um Senioren einen selbstbewussten und sicheren Umgang mit dem Internet zu gewähren.

Man ist nie medienkompetent genug

Es bleibt also zu sagen, dass man nie medienkompetent genug sein kann, denn es gibt immer Techniken und Herangehensweisen, die wir neu dazu lernen müssen. Ob es die Kinder sind, die sich auf die digitale Welt vorbereiten müssen, die Eltern, die nicht nur ihre Kinder sondern auch sich selber vor Gefahren im Internet schützen müssen, oder auch die Senioren, die nicht stehen bleiben, sondern mit dem Wandel gehen wollen.

Wichtig ist vor allem, dass man offen an die neuen Medien heranschreitet, denn nur so können wir sie viel besser verstehen, anwenden, kritisch beurteilen und vor allem auch an die jüngeren und älteren Generationen weitertragen. Wir alle dürfen uns nicht verschließen, den Umgang mit elektronischen Medien zu lernen.


Image „Medien“ by MikeRenpening (CC0 Public Domain)


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Vorsicht vor digitalen Unternehmern, die ihre eigenen Schulen eröffnen

classroom-laptops-computers-boy.jpg (adapted) (Image by r. nial bradshaw [CC BY 2.0] via flickr)

Für die Kinder, die Computerspiele lieben, könnte ein Traum wahr werden. Anfang Februar hat die britische Bildungsministerin Nicky Morgan verkündet, man plane die Eröffnung von zwei neuen, freien Schulen im Jahr 2017. Die Schulen in London und Bournemouth würden sich auf Programmierkenntnisse spezialisieren, da sie von Ian Livingstone, einem Unternehmer für Videospiele, der auch wichtiger Akteur bei der kürzlichen Einführung von Informatik als Fach im Lehrplan war, gegründet werden. Livingstones Mitwirkung an Schulen zeigt wieder einmal, wie Bildungspolitik von hochkarätigen Geschäftsleuten beeinflusst wird. Dabei verändern sie die Rolle der Schulen und machen daraus eher ein Geschäft als eine demokratisch geführte öffentliche Einrichtung. Laut der umstrittenen Veröffentlichung des Bildungsministeriums, welche alle Schulen ermutigt, sich großen Konzernen anzuschließen und Elternsprecher durch Profis zu ersetzen, sind die zwei neuen Schulen – genannt Livingstone-Akademien – typisch für die zukünftige Richtung, in die die Schulen sich entwickeln: es gibt mehr privaten Einfluss und weniger demokratisches Bürgerengagement.

Lobbyismus in der Bildung

Livingstone ist bekannt für seine Rolle als Unternehmer für Videospiele. Als er Vorstandsvorsitzender von Eidos war, brachte er die erfolgreiche Spieleserie Tomb Raider auf den Markt. Das Wired Magazine benannte ihn als einen der einflussreichsten Personen in der digitalen Wirtschaft im Vereinigten Königreich. 2011 hat Livingstone einen Bericht namens „Next Gen“ (deutsch: Nächste Generation) mit Forschern der Nesta-Stiftung verfasst, der das Wachstum des digitalen Sektors unterstützt. Ihr Bericht forderte mehr “konsequenten Informatikunterricht in den Schulen” und empfahl, Informatik auf den nationalen Lehrplan für englische Schulen zu setzen. Beauftragt von Ed Vaizey, dem Minister für Kultur, Kommunikation und Kreativbranchen, sollte der Artikel einen Überblick über die notwendigen Fähigkeiten in der Videospiele- und Spezialeffekteindustrie geben, welche schon lange als ökonomisch wertvoller Sektor der Wirtschaft des Vereinigten Königreichs gesehen wird. Die anschließende Bildung einer Lobbyismusvereinigung, die sich des Themas der Studie annahm, bestehend aus Nesta, Google und Microsoft, überzeugte das Bildungsministerium letztendlich im Jahr 2013, die Entwicklung eines neuen Informatiklehrplans zu unterstützen. Livingstone selbst bleibt Vorsitzender der Gruppe und arbeitet mit Nesta zusammen daran, Kooperationen zwischen Industrie, Politik und Lehrkräften herzustellen. Livingstones Lehrstätten erweitern seinen Einfluss vom Politiklobbyismus auf der Nachfrageseite auf die direkte Angebotssteuerung von Bildungseinrichtungen.

Schulgründungen

Während ihre Eröffnung in Kooperation mit dem Aspirations Academies-Konzern, einem erfolgreichen multiakademischen Konzern und Partner des Quagila Institute, geplant ist, konzentrieren sich die Livingstone-Akademien auf die “kreative Anwendung von digitalen Technologien”. Ihr Ziel ist es, Schüler mit “den erforderlichen Fähigkeiten und Qualifikationen, die es für das Spielen einer aktiven und erfolgreichen Rolle in der heutigen wissensbasierten, unabhängigen, hart umkämpften, sich schnell verändernden digitalen Welt bedarf”, auszustatten. Auf der Website der Schulen steht, dass sie in einer “Kooperation mit der digitalen Industrie” geführt werden “damit sichergestellt ist, dass die Schüler die Fähigkeiten und das Wissen, das besonders wichtig für ein erfolgreiches Leben als ein digitaler Bürger im modernen Europa ist”, erwerben. In der Praxis zeichnen sich die Schulen durch fachspezifische Einrichtungen wie wissenschaftliche Labore, Designstudios und sogar vor Ort als “Wirtschaftsstandorte für das Start-up und High-Tech-Geschäft” aus. Der Schwerpunkt, junge Leute auf die Arbeit und ihr Bürgertum in der digitalen Wirtschaft vorzubereiten, untermauert viele der wesentlichen Forderungen, die Livingstone selbst erstellt hat, während er den Bericht überwacht hat. Aus politischer Sicht handelt es sich eindeutig um eine erfolgreiche Kampagne. In der Pressemitteilung der Regierung, die die neuen Schulen ankündigt, sagt Morgan:

Das Programm der freien Schulen erweist sich als ein wichtiger Schmelztiegel für die kreativsten und innovativsten Köpfe unserer Gesellschaft, sodass ihre hervorragenden Leistungen an zukünftige Generationen weitergegeben werden können.

Livingstone sagte, er hofft, dass sein Spielzug “andere digitale Unternehmer ermutigt, die Gelegenheit, die sich durch das Programm der freien Schulen anbietet, zu ergreifen, um Kindern zu helfen, eine passende Ausbildung für die Arbeitsplätze und Möglichkeiten in der digitalen Welt erhalten.

Politische Unternehmer

Die Errichtung der Livingstone-Akademien ist Teil einer umfassenderen Reformbewegung, die sowohl in den USA als auch im Vereinigten Königreich stattfindet. Unternehmen und Unternehmer springen momentan auf eine neue Schulpolitik auf, um ihre eigenen Interessen in der Bildung voranzutreiben. Dies findet oft durch gemeinnützige Stiftungen und Konzerne oder auch durch Lobbyorganisationen statt. Da ihnen die Geschwindigkeit, mit der sich Bildung verändert, zu langsam ist, haben US-Unternehmer, beipsielsweise Computerfirmen wie Google und IBM sogar stattdessen begonnen, eigene alternative Schulen zu gründen. Die Livingstone-Akademien zeigen, wie freie Schulpolitik und Unternehmensvorschläge unternehmerischen Einfluss in englischen Schulen immer mehr möglich machen. In diesem politischen Kontext werden gemeinnützige Geschäftsleute wie Livingstone wichtige politische Unternehmer. Sie können die nationale Politik durch Lobbyarbeit beeinflussen und gleichzeitig Schulen ganz nach ihren Privatinteressen betreiben. Wie der Informatiklehrplan werden Livingstone-Akademien generell so aufgebaut, dass sich staatliche Programme nach der Digitalwirtschaft richten. Diese Programme werden von Unternehmern wie Livingstone gesteuert und dadurch verwirklicht, dass Schulen eher als Unternehmen geführt werden, die die Schüler zu kleinen digitalen Unternehmern der Zukunft erziehen. Gegenwärtige Richtlinien macht es zunehmend möglich und erstrebenswert für Unternehmer, Bildungsreformen sowohl zu nachzufragen als auch zur Verfügung zu stellen. Die Privatwirtschaft hält so über gemeinnützige Konzerne und Stiftungen Einzug, um die demokratische Debatte und Zusammenarbeit in der Schulbildung zu verdrängen. Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „classroom-laptops-computers-boy“ by r.nial bradshaw (CC BY 2.0)


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  • CAR SHARING welt: Das ist Volkswagens peinlichstes Investment: Smartphone-Revolution und Digitalisierung werfen auch die Regeln der Mobilität um – das versetzt nun auch die großen Autokonzerne in Aufruhr. Japans Autoriese Toyota hat sich an der Taxi-Konkurrenz Uber beteiligt, und auch Daimler zeigt sich seit Neuestem gerne im Glanz des wertvollsten Tech-Unternehmens abseits der Börse – und deutet Kooperationen an. Nur VW will Car Sharing irgendwie noch nicht so richtig wahrhaben.
  • GOOGLE heise: Googles Forscher bauen analogen Quantencomputer mit neun Qubits: Forscher bei Google und an der Universität des Baskenlandes haben einen so genannten analogen Quantencomputer mit neun Qubits entwickelt. Derartige Quantencomputer unterscheiden sich stärker von konventionellen Rechnern als die digitale Variante, die bislang die meiste Forschungsarbeit und die höchsten Budgets auf sich gezogen hat. Analoge Quantencomputer sind theoretisch weniger gut verstanden, könnten sich aber als leichter zu skalieren erweisen, wie Technology Review online in „Quantencomputer: Analog statt digital“ berichtet.
  • APPLE internetworld: WWDC: Apple setzt auf künstliche Intelligenz und Apple Pay: In San Francisco findet gerade die Worldwide Developers Conference (WWDC) statt. Auch Apple stellt hier neue Software für die Zukunft vor. Experte Marc Gurman verkündet, dass Apple für 2017 Großes geplant habe. Gerüchten zufolge, soll sich Apple zum Beispiel im Bereich Virtual Reality einige Patente gesichert haben und an einem Apple-Elektro-Auto arbeiten. Genaue Angaben sind hier aber noch nicht gemacht worden. Wir dürfen also gespannt sein!
  • TELEKOM golem: Telekom bietet Wi-Fi-Paket für Städte: Die Deutsche Telekom will Städten und Kommunen ein Paket für den Ausbau von offenem Wi-Fi in öffentlichen Einrichtungen anbieten. Das berichtet das Handelsblatt unter Berufung auf das Unternehmen, die Telekom hat Golem.de den Bericht bestätigt. Die Pakete sollen unter dem Namen Public WLAN 4.0 verkauft werden. Mit ihnen sollen Nutzer an öffentlichen Plätzen in Zukunft eine Stunde lang kostenlos online gehen können oder Flüchtlingsunterkünfte mit Internet versorgt werden. Wi-Fi-Hotspots entlasten zudem das Mobilfunknetz.
  • BILDUNG politik-digital: Juuuport – Jugendliche helfen Jugendlichen im Internet: Cybermobbing, Sexting oder unseriöse Geschäftsmodelle – die Unweiten des Internets und der sozialen Medien konfrontieren Kinder und Jugendliche heutzutage mit vielen Fragen rund um den richtigen Umgang mit der digitalen Welt. Was, wenn Eltern und Lehrer keine Antworten parat haben? Das Portal „Juuuport“ bietet ein Konzept auf Augenhöhe: Jugendliche beraten Jugendliche.
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  • WIKIPEDIA torial: Redaktionskonferenz bei Wikipedia: Leitlinien, Quellenkritik und Stilvorgaben: Wie arbeitet eigentlich Wikipedia? Täglich wird die Plattformen mit Suchanfragen bombardiert. Wikipedia ist längst kein unkoordinierter Haufen von Laien mehr. Locker organisierte, thematische Redaktionen achten auf inhaltliche Qualität und Vollständigkeit. Ein Einblick in die Arbeit drei ehrenamtlicher Wikipedia-Redaktionen: was machen sie, wer ist dort aktiv, und was motiviert die Beteiligten?

  • SMART CAR handelsblatt: Lange Leitung beim vernetzten Auto: Das Auto der Zukunft ist vernetzt. Der Wandel der Autos zum rollenden Computer ist für die Hersteller eine immense Herausforderung, die Milliardeninvestitionen nötig macht. Bis zum Jahr 2020 sollen acht von zehn neuen Autos über vernetzte Technologien verfügen. Doch gerade für Deutschland sind die Vorurteile gegenüber der neuen Technologie besonders groß, zeigt nun eine internationale Studie. Für die Hersteller ist das ein Problem.

  • WORK xing: Die Vermischung von Job und Privatleben birgt Gefahren: Die Vermischung von privaten und beruflichen Aspekten birgt eine Reihe von Gefahren. Sowohl Chef als auch Angestellter sind durch diesen fließenden Übergang durchsichtiger bzw. transparenter geworden. Für beide Seiten ein negativer Aspekt meint Simone Janson. Auch Freundschaften unter Kollegen könnten Probleme hervorrufen. Denn sobald sich Beziehungs- und Sachebene miteinander vermischen, können Konflikte entstehen

  • BILDUNG faz: Telekom-Chef will Programmiersprachen zum Schul-Pflichtfach machen: „Wir sind in einer Phase angekommen, in der Software Denkarbeit ersetzt. Nachdem erst Blaumänner betroffen waren, geht es jetzt den Anzugträgern an den Kragen“ meint Telekom-Chef Tim Höttges. Weil die Digitalisierung in Zukunft viele hochqualifizierte Arbeitsplätze bedrohen wird, fordert Höttges Reformen im Schulsystem. Programmiersprachen zu können sei ebenso wichtig wie Multiplizieren oder Lesen.

  • SAMSUNG golem: Mach die Biege, Smartphone!: Mit biegbaren Displays lassen sich komplett neuartige Smartphone-Designs realisieren. Diese Möglichkeiten will Samsung mit zwei Modellen ausreizen, an denen derzeit gearbeitet wird, berichtet Bloomberg mit Verweis auf Personen, die mit Samsungs Plänen vertraut sind. Damit würden verschiedene Einsatzmöglichkeiten abgedeckt.

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Kostenlose Tablets für Schüler: In Nürnberg keine Utopie

Portrait (Image by Martin Kotulla)

Moderne Technik ist in vielen Schulen noch ein großes Fremdwort. Idealzustand und Realität liegen heute noch meilenweit auseinander. Nicht so an der Friedrich-Staedtler-Grundschule in Nürnberg. Dort hat das mittelständische Software-Unternehmen „SoftMaker“ zu Beginn des Schuljahres in einem Pilotprojekt zwei Klassen mit insgesamt 60 Android-Tablets, der nötigen Infrastruktur, Lernsoftware sowie dem hauseigenen Office-Programm kostenlos ausgestattet. Und mithilfe der Netsupport-Software haben die Lehrerinnen und Lehrer stets im Blick, was die Schüler gerade so auf ihren Tablets treiben. Die Arbeit mit den Tablets dient vor allem der Vertiefung bereits bekannter Lerninhalte. Laut „SoftMaker“ bemerkten die beiden verantwortlichen Lehrerinnen eine Leistungssteigerung bei den Schülern. Das wissenschaftlich begleitete Projekt wurde von Eltern, Lehrern, Schulleitung und auch Schülern begeistert aufgenommen. Also eine Win-win-Situation für alle Beteiligten? Wir haben mit SoftMaker-Gründer und -Geschäftsführer Martin Kotulla darüber gesprochen, warum seine Firma digitale Bildung unterstützt, wie das Projekt funktioniert und ob digitale Kompetenzen in Deutschland ausreichend gefördert werden.

Robert Meyer (RM): Herr Kotulla, warum unterstützt SoftMaker Schulen mit kostenlosen Programmen und die Friedrich-Staedtler-Grundschule mit Tablets?

Martin Kotulla (MK): Für SoftMaker war und ist die Unterstützung des Bildungsbereichs schon lange ein wichtiges Anliegen: Wir waren bereits im Jahr 1997 eine der ersten Software-Firmen, die Bildungseinrichtungen ihre Programme zu einem deutlich niedrigeren Preis oder sogar kostenlos zur Verfügung gestellt hat. Daran hat sich seither nichts geändert. In das Tablet-Projekt sind wir so ein bisschen hineingeschlittert. Eigentlich wollten wir Schulen nur unser Office-Paket bereitstellen. Wir bieten seit einigen Monaten unsere Office-Software unter Windows für Schulen und Lehrkräfte kostenlos an. Der nächste Schritt war die Ausweitung auf Tablets. Wir haben dann aber gesehen, dass kaum eine Schule die passende Hardware dafür hat. Daraufhin haben wir ein Sponsoring-Projekt zusammengestellt, um der Schule etwas Gutes zu tun.

RM: Das Projekt ist laut SoftMaker bisher einmalig in Deutschland. Was ist das Besondere daran? Was hebt es von anderen digitalen Bildungsprojekten ab?

MK: Viele reden – wir haben ein Projekt auch durchgezogen. Natürlich hatten wir uns vorab informiert, welche anderen vergleichbaren Projekte es bereits gibt. Da hörten wir: „Ihr seid ja gar nicht die Ersten. Die oder die Schule hat das auch schon gemacht!“ Dann fragten wir bei den Schulen an und hörten wiederholt, dass die Projekte, die dort angeblich existieren sollen, oft noch im Planungsstadium sind. Eine Besonderheit des Projekts ist, dass es sich gezielt an die bislang vernachlässigten Grundschulen richtet, in späteren Jahrgängen hat sich der Computereinsatz längst bewährt. Dieses Projekt bietet Kindern frühzeitig die Chance, unabhängig vom Geldbeutel ihrer Eltern ihre schulische Leistung zu verbessern und gleichzeitig Spaß mit Tablets zu haben. In diesem Alter wird die Mediennutzung geprägt. Wer in diesem Alter lernt, dass ein Tablet kein reines Konsumgerät ist, kann sein ganzes Leben lang davon profitieren.

Student 2 (Image by Devon Christopher Adams (CC BY 2.0) via Flickr)
Wer früh beginnt, kann die Chancen der Digitalisierung noch besser nutzen. Image (adapted) „20111105-student2-2“ by Devon Christopher Adams (CC BY 2.0)

RM: Was erwarten Sie sich von der Bildungsförderung, die sie betreiben? Ist das im Endeffekt der Wille, sein eigenes Produkt bekannter zu machen?

MK: In erster Linie geht es uns darum, unserer gesellschaftlichen Verantwortung als Firma ernsthaft nachzukommen. Wir wollen dazu beitragen, optimale Voraussetzungen für das Lernen der Schüler zu schaffen. Zugleich wollen wir Schulen ermutigen und sie dabei unterstützen, allgemeine Computerkenntnisse zu vermitteln – nicht nur speziell die Produkte einer einzigen Firma zu schulen. Insofern profitieren die Bildungseinrichtungen wie wir als Softwarefirma gleichermaßen – eine klassische Win-win-Situation.

RM: Das Projekt wird wissenschaftlich von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg begleitet. Auf welche Fragen will man Antworten finden?

MK: Das Projekt soll aus pädagogischer Sicht folgende Fragen beantworten: Wie reagieren die Schüler darauf? Kommen alle Schüler damit zurecht? Gibt es Schüler, die außen vor sind? Werden in Zukunft verstärkt immer mehr Computer und Tablets in Klassen eingesetzt? Gibt es Schüler, die dann hintenüberfallen? Versuchen die Schüler, Sachen zu nutzen, die nicht freigegeben sind?

RM: In welchen Bereichen lassen sich die Tablets wirklich als Stütze für den Unterricht einsetzen?

MK: Nehmen wir zum Beispiel den Heimat- und Sachunterricht. Die Schüler können auf den Schulhof gehen und sich eine Pflanze nehmen, fotografieren und dann versuchen, über das Internet zu bestimmen, was für eine Pflanze das ist. Klärungsbedarf besteht zudem aus wissenschaftlicher Sicht, welche Voraussetzungen seitens der Lehrkräfte gegeben sein müssen: Inwieweit müssen die Lehrer trainiert werden? Wie müssen sie vorgebildet sein? Welche Voraussetzungen müssen die Lehrkräfte erfüllen? Wie sorgt man dafür, dass so ein Projekt, das ja doch eine Stange Geld kostet, eben nicht dazu führt, dass die Tablets nach drei Wochen irgendwo in der Ecke liegen, sondern wirklich gut in den Unterricht eingebaut werden, sodass Schüler und Lehrkräfte etwas davon haben?

RM: Wurden die Lehrkräfte in das Projekt eingeführt oder ging das von selbst?

MK: Wir haben wiederholt mit ihnen gesprochen. Das Projekt und die Ideen dahinter wurden vorgestellt und es hat eine intensive Diskussion stattgefunden. Die Software-Auswahl haben die beiden sehr engagierten Lehrerinnen vorgenommen. Wir haben nicht vorgegeben, welche Software genommen werden soll. Wir von „SoftMaker“ haben den administrativen Teil übernommen. Wir sind die Computerfirma, damit kennen wir uns natürlich besser aus. Wir haben die „Netsupport“-Software installiert, mit der die Fernsteuerung und Administration möglich ist, aber auch die Antivirus-Software und die Firewall. Das war natürlich auch eine Forderung der Schule, die vermeiden wollte, dass die Schüler wild auf Facebook posten. Also es war letztlich ein gegenseitiges Geben und Nehmen, ein gegenseitiges Befruchten. Die Lehrerinnen haben auch sehr viel private Zeit eingesetzt, um die Geräte kennenzulernen, die Software auszusuchen und sie in das Unterrichtskonzept einzubauen. Beide Lehrerinnen haben sich großes Lob verdient. Die machen das sehr, sehr gut.

RM: Oft sind Lehrer digital nicht versiert genug, um digitale Kompetenzen zu vermitteln. Hätte das Projekt mit jeder Lehrkraft stattfinden können?

MK: Jeder Lehrer kann heutzutage zumindest mit einem Computer umgehen. Es hätte natürlich auch mit anderen Lehrern funktioniert. So ein Projekt ist auch an anderen Orten machbar, mit anderen Lehrern. Es muss einfach der Wille und die Freude dazu da sein, etwas Neues auszuprobieren.

RM: Was passiert nach dem Schuljahr mit dem Projekt?

MK: Das Projekt wird auf jeden Fall fortgesetzt. Es kommen neue Schüler, Klassen und Lehrer. Die Bereitschaft dazu ist da. Es ist schon als Dauerprojekt gedacht.

RM: Sind denn jetzt schon weitere Projekte für die Zukunft geplant?

MK: Wir wollen erst mal das Projekt an der Friedrich-Staedtler-Grundschule weiterführen. Wir sind auch gespannt zu sehen, wie lange die Geräte insgesamt durchhalten werden, ob man die Geräte jetzt wirklich über einen Zeitraum von fünf Jahren einsetzen kann oder sie bereits vorher kaputt sind. Wenn sich andere Schulen und Sponsoren finden, beispielsweise Tablet- oder Computer-Hersteller, dann sind wir auch gerne bereit, die Software bereitzustellen. Für uns als mittelständiges Unternehmen ist das Tablet-Projekt in Nürnberg schon ein Ausnahme-Projekt. Die Bereitstellung der Software für Schulen und für Lehrer geschieht dagegen weiterhin weltweit. Im Einzelfall unterstützen wir auch künftig gezielt einzelne Bildungsprojekte auf allen Kontinenten.

RM: Ist es nicht eigentlich auch Aufgabe des Staates, die Schulen digital auszurüsten? Warum müssen Sie das machen?

MK: Der Staat gibt viel Geld für viele Dinge aus. Und für die Bildung bleibt immer zu wenig übrig. Ich habe mal einen Aufruf von einer Schule in Nürnberg gesehen, die um Geld gebettelt hat, damit sie endlich ihre Fenster reparieren kann.

RM: Wie reagieren Sie auf kritische Stimmen, die vor einem zu großen Einfluss von Unternehmen auf öffentliche Bildungseinrichtungen sprechen?

MK: Niemand will in Deutschland Verhältnisse wie in den USA, wo im Klassenzimmer massiv Werbung stattfindet. Wo dann am besten noch Rechenaufgaben gestellt werden wie: „Wie viel Coca-Cola passt in welchen Behälter rein?“ Das ist nicht Sinn der Sache. Wir machen ja auch keine Werbung im Klassenzimmer. Wir stellen Tablets bereit. Da wird nicht groß auf „SoftMaker“ hingewiesen, sondern die Schüler lernen damit. Es geht nicht um Werbung im Klassenzimmer, sondern nur darum, diese spezielle Schule hier zu unterstützen und alle Schulen langfristig zu erinnern: Ihr sollt allgemein an Computer heranführen und nicht speziell eine Firma bevorzugen.

RM: Glauben Sie, dass die Schülerinnen und Schüler in Deutschland gut genug auf die digitale Welt vorbereitet werden?

MK: Bis jetzt noch nicht. Da muss man natürlich aufpassen. Man will die Kinder ja grundsätzlich nicht sechs Stunden am Tag nur vor dem Computer sitzen lassen. Aber es geht darum, dass der Computer ein wichtiger Bestandteil des alltäglichen Lebens, des Privatlebens und des Berufslebens ist. Er sollte in vernünftigen Umfang auch in der Schule zum Einsatz kommen. Dank der hervorragenden Kooperation mit den zwei Lehrkräften, der Schulleitung und der Stadt Nürnberg ist genau das jetzt im Rahmen des Pilotprojekts möglich.


Image Portrait by Martin Kotulla 


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Worin liegt der Sinn in Bildung, wenn uns Google alles sagen kann?

Google Education Summit 2013 (adapted) (Image by txnetstars [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Erinnern sie sich auch nicht mehr an die Namen der zwei Elemente, die Marie Curie entdeckt hat? Oder daran, wer 1945 die Nationalratswahl in Großbritannien gewann? Oder wie viele Lichtjahre die Sonne von der Erde entfernt ist? Fragen Sie einfach Google.

Der konstante Zugang, der nur ein Klick oder eine Smartphone-Berührung entfernt ist, um am Überfluss an Online-Informationen teilzuhaben, hat die Art und Weise, wie wir uns sozialisieren und die Art und Weise, wie wir uns über die Welt um uns herum informieren und unser Leben organisieren, radikal verändert. Wenn alle Fakten sofort online abrufbar sind, welchen Sinn ergibt es noch, die selben Fakten an der Schule und der Universität zu erlernen? Die Zukunft könnte so aussehen, dass junge Menschen, nachdem sie sich die Grundlagen des Lesens und Schreibens angeeignet haben, ihre gesamte Bildung über Suchmaschinen wie Google aus dem Internet erhalten –  wann und wo auch immer sie etwas wissen wollen.

Einige Pädagogen streiten sich darüber, ob Lehrkräfte, Klassenräume, Bücher und Unterricht zu ersetzen seien, indem Schüler auf sich selbst gestellt sind und sich einfach online zu bestimmten Themen Informationen suchen. Derartige Ideen stellen den Wert eines traditionellen Bildungssystems, in dem Lehrer ihr Wissen an Schüler weitergeben, infrage. Natürlich warnen andere auch vor dieser Denkweise und betonen die Relevanz des persönlichen Kontakts zwischen dem Schüler und dem Lehrpersonal.

Diese Debatten über den Sinn und Zweck von Online-Suchen im Rahmen von Bildung und Bewertungen sind keineswegs neu. Statt nach neuen Wegen zu suchen, die Schüler abzuhalten, in ihren Hausarbeiten zu schummeln oder zu plagiieren, sollten wir unserer Besessenheit nach “Authentizität” ihrer Hausarbeiten Einhalt gebieten. Möglicherweise werden dann erst andere wichtige Aspekte der Bildung sichtbar, die zuvor nicht beachtet wurden.

Digitaler Inhaltsverwalter

In meinen jüngsten Recherchen, in denen ich die Methoden analysiert habe, mit denen Schüler ihre Aufgaben bewältigen, habe ich herausgefunden, dass sie zunehmend Arbeiten abgeben, die nicht wirklich “authentisch” sind. Allerdings ist diese Erkenntnis gar nicht so bedeutend, wie man annehmen könnte. Viel wichtiger ist es, dass sich die Schüler durch die erfolgreiche Internetnutzung darin üben, nach bereits existierenden Inhalten zu suchen. Gleichzeitig werden diese Inhalte im Lernprozess überprüft, kritisch beurteilt und neu präsentiert. Dank einer genauen Untersuchung der Vorgehensweise, wie Schüler ihre Aufgaben bearbeiten, konnte ich erkennen, dass alle geschriebenen Texte von ihnen Elemente fremder Texte beinhalten. Diese Vorgänge müssen besser verstanden und untersucht werden. Abschließend können eben diese neue Formen der Wissensbeschaffung in die Ausbildung und Beurteilung integriert werden.

Bei dieser Vorgehensweise handelt es sich um das Ausnutzen eines Überflusses an Informationen von einer Vielzahl an Quellen, inklusive Suchmaschinen wie Google, was ich als eine Form der “digitalen Inhaltsverwaltung” bezeichnen würde. Inhaltsverwaltung in diesem Sinne beschreibt, wie Lernende bestehende Inhalte verwenden, um im Rahmen von Problemlösungen und intellektueller Arbeit neue Inhalte erstellen. Somit entsteht eine neue Erfahrung für den Leser.

Ein Teil dessen ist die Entwicklung eines kritischen Urteilsvermögens, der wie ein “Schwachsinns-Detektor” fungiert, während man sich einen Weg durch die Flut an verfügbaren Informationen bahnt. Dieser Punkt ist im Bildungsprozess für jede Form der Inhaltsverwaltung entscheidend, weil Lernende das Internet beim Suchen nach Informationen mehr und mehr als Erweiterung ihres eigenen Gedächtnisses verwenden.

Schüler müssen zunächst einmal verstehen, dass die meisten Inhalte im Netz von Suchmaschinen wie Google mithilfe des PageRank-Algorithmus und weiteren Algorithmen verwaltet werden. Diese Form der Inhaltsverwaltung dient somit als eine Art von Verwaltung über die Arbeiten anderer Menschen, und setzt eine Aufarbeitung mit den Autoren dieser Texte voraus. Es ist ein wesentlicher Bestandteil “digitaler Bildung”.

Aufgrund der weit verbreiteten Konnektivität hat die Verwaltung von digitalen Inhalten ihren Weg in das Bildungssystem gefunden. Dadurch entsteht das Verlangen , die Nutzungsart der Onlinesuche und die Art und Weise des Schreibens, die aus der Verwaltung von Inhalten entsteht, in die Art und Weise wie wir Studenten beurteilen, einzupflegen.

Wie können diese neuen Fähigkeiten  in der Bildung beurteilt werden?

Während sich das prüfungsbezogene Schreiben tendenziell auf die eigene, “authentische” Arbeit des Schülers bezieht, könnte es genauso gut auf der Inhaltsverwaltung aufbauen. Nehmen wir als Beispiel ein Projekt, das ein Teil eines digitalen Portfolios ist. Das könnte von Schülern erfordern, Informationen zu einer bestimmten Fragestellung herauszusuchen, bestehende Auszüge aus dem Netz anzuordnen, sodass sie lesbar sind und die Quellen anzugeben. Abschließend kann aus den Ergebnissen eine Abschlussarbeit präsentiert werden.

Die Kernkompetenzen der informationsgestützten Wirtschaft des 21. Jahrhunderts bestehen daraus, Probleme durch das Zusammenfassen größerer Mengen an Informationen zu lösen, die vordergründig darauf basieren, Zusammenhänge zu erforschen und deren Probleme zu analysieren (anstatt lediglich Fakten und Daten auswendig zu lernen). Wie die Londoner Handelskammer betont, müssen wir sicherstellen, dass junge Menschen mit diesen Kernkompetenzen ins Berufsleben starten.

Meine eigene Forschung hat ergeben, dass junge Menschen zum Teil bereits Experten in Sachen Inhaltsverwaltung sind, als Folge ihrer tagtäglichen Interneterfahrung und ihrer heimlichen Schreibstrategien. Lehrer und Dozenten müssen diese Praktiken besser verstehen und erforschen, sowie Gelegenheiten zum Lernen und Beurteilen dieser “schwer zu bewertenden” Fähigkeiten.

Im Zeitalter des Informationsüberflusses müssen Endprodukte der Bildung – also die Klausuren oder die Hausarbeiten – weniger daran geknüpft sein, dass ein Schüler einen “authentischen” Text schreiben kann, sondern an eine digitale Bildung, die sich das Wissen des Netzwerks an Informationen zu Nutze macht, das auf Knopfdruck verfügbar ist.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation”unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Google Education Summit 2013“ by txnetstars (CC BY-SA 2.0)


The Conversation

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