Soziale Netzwerke und WhatsApp: Chancen schaffen im mobilen Markt

18 Milliarden Nachrichten wurden am Silvestertag 2012 über den mobilen Messenger WhatsApp verschickt, mehr als 100 Millionen Menschen sind täglich dort aktiv. Kein Wunder, dass das Interesse an dem sozialen Messenger groß ist.

WhatsApp feiert seit seiner Gründung 2009 von Brian Acton und Jan Koum (ehemals Yahoo) einen Aufstieg, der im digitalen Zeitalter trotz unbeschränkter Möglichkeiten und Schnelllebigkeit nicht häufig seinesgleichen findet. Als „Digital Trends“ am vergangenen Freitag über Gerüchte berichtete, nach denen Google sein Interesse an WhatsApp angemeldet haben soll und bereits seit mehreren Wochen die Verhandlungen um den nächsten Milliarden-Deal laufen würden, liefen die Tech-Ressorts heiß und in den sozialen Netzwerken wurden schon erste Diskussionen über die Zukunft des Messenger-Dienstes angestimmt.

Die Liste potenzieller Käufer ist lang

 

Heute dementiert WhatsApp-Manager Neeraj Arora gegenüber „AllThingsD“ die Übernahmegespräche mit Google. Und doch wären soziale Netzwerke vermutlich gut daran beraten, an WhatsApp dranzubleiben. Bereits im Dezember 2012 ging das Gerücht um, Facebook sei an einem Kauf des Messenger-Dienstes interessiert. In Anbetracht der großen Nutzerbasis WhatsApps und des fallenden Anteils der jugendlichen Facebook-Nutzer ist das auch keine schlechte Idee, die auch Google gehabt haben könnte.

Erst kürzlich wurde über den neuen Messenger Google Babble berichtet, der alle bisher da gewesenen Chat-Dienste im Google-Ökosystem zusammenfassen solle – ob Drive, Google+ oder Talk. Hier dürfte es Google nur gelegen kommen, WhatsApp in dieses System zu integrieren und so den wohl größten Konkurrenten im Markt der mobilen Kommunikation aus dem Weg zu schaffen.

Kommunikationsverhalten ändern sich ständig

Beim Thema soziale Medien und WhatsApp ist die Jugend ein ganz entscheidender Punkt. Schließlich wächst eine Generation nach, die die klassische SMS nicht mehr als den Status Quo kennenlernt, die Kommunikation über die großen Mobilfunkplayer nicht mehr als Standard ansieht. Hier den Markt zu füllen wird in der Zukunft große Bedeutung haben. So sind die Entwicklungen im Voice-over-IP-Markt ein ebenso wichtiger Punkt für Technologieunternehmen (siehe Microsofts Kooperation mit Skype oder Facebooks Sprachanrufe), wie das (mobile) Instant Messaging.

Und genau da ist WhatsApp der klare Marktführer. Weder Apples iMessage noch der Facebook Messenger konnten dem vielfach für Sicherheitslücken kritisierten Unternehmen bisher das Wasser reichen – an den Chat in der Google+-App denkt in diesem Zusammenhang erst gar niemand. Dementsprechend wäre es nur verständlich, wenn die großen Player des Internetzeitalters – Apple, Google, Facebook und Co. – Interesse am Dienst hätten.

Was ist Vielfalt wert?

Für die Nutzer bleibt zu hoffen, dass sich WhatsApp nicht – wie etwa Instagram vor einiger Zeit – vom großen Geld locken lässt. Eine Milliarde Dollar für ein Unternehmen mit wenig Refinanzierung, dafür aber einer Menge Nutzerdaten ist schon eine Hausnummer. Für ein offenes Netz allerdings wenig förderlich. Je mehr erfolgreiche Klein-Unternehmen von den großen Playern geschluckt werden, desto mehr Macht bekommen diese, die Netznutzung zu regulieren. WhatsApp ist sicher kein Dienst, den man nicht ausufernd kritisieren könnte – aber es ist bislang ein unabhängiger Dienst. Und es wäre schön, wenn das noch möglichst lange der Fall sein würde.


 


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Tobias Gillen

Tobias Gillen

ist freiberuflicher Medien- und Technikjournalist und Blogger. Nebenher schreibt er Bücher und E-Books und ist bei Twitter, Facebook und Google+ zu finden.

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