Happy Birthday, SMS! Auf die nächsten 20 Jahre – hoffentlich!

Es ist das bei weitem praktischste Kommunikationsmittel unserer Zeit – nach wie vor. Die SMS wird heute 20 Jahre alt, wir gratulieren.

„Merry Christmas“ lautete die Nachricht, die der Brite Neil Papworth vor genau 20 Jahren von einem Computer auf das Handy von Vodafones Richard Jarvis gesendet hat. Damals – für die jüngeren Generationen wohl unvorstellbar – war Jarvis noch mit einem Orbitel 901 unterwegs, heute würde man es mit einer Größe von 190 mm x 210 mm x 81 mm und einem Gewicht von über zwei Kilogramm vermutlich „The Bone“ nennen (zum Vergleich: Das iPhone 5 wiegt 112 Gramm und ist 124 mm x 59 mm x 8 mm leicht/klein/dünn/schmal).

Was sich in den vergangenen 20 Jahren aus der ersten SMS entwickelt hat, ist beachtlich. Bereits 1994 war sie der breiten Masse zugänglich und konnte ihren großen Erfolgsweg beschreiten. Schon vier Jahre später, 1998, wurden allein in Deutschland etwa 600 Millionen Kurznachrichten verschickt, Tendenz stark steigend. Heute ist diese Zahl in Zeiten von 1,4 Handys pro Deutschem Bürger auf ein Rekordniveau von unglaublichen 58 Milliarden angestiegen. Das sind im Schnitt etwa 700 SMS pro Bürger im Jahr 2012, fast 60 pro Monat, zwei pro Tag.

Und doch sieht sich die SMS immer mehr bedroht von Anbietern so genannter Text-over-IP-Apps. WhatsApp, Apples iMessage oder der Facebook Messenger sind hier nur wenige Beispiele. Mit diesen Programmen werden Nachrichten nicht mehr über das Mobilfunknetz gesendet, sondern über das Internet. Sie sind zudem multimedial, können also ohne große Kosten – wie bei einer MMS – auch Bilder, Lieder oder Videos verschicken, und bieten zum Teil weitere Funktionen an, über die man streiten kann. Doch diesen schnellen Vormarsch der Text-over-IP-Apps haben sich die Mobilfunkanbieter in gewisser Weise auch selbst zuzuschreiben.

Eine 160-Zeichen-Nachricht ist gut 1.100 Bit groß und kostet heute teils noch bis zu 20 Cent. Der Aufwand für den Mobilfunkanbieter dürfte sich dabei auf weniger als einen Cent pro SMS belaufen. Dass das viele Nutzer nicht mehr bereit sind zu zahlen, ist nur verständlich. Sie entscheiden sich nicht gegen die SMS, sie entscheiden sich für die günstigere Alternative und weichen so den hohen Kosten nur aus. Der Gewinn für die Konzerne liegt auch in diesem Jahr mit SMS und MMS in Deutschland wieder bei über 3 Milliarden Euro. Fraglich, wie lange das noch so bleibt?

Dabei ist die SMS praktisch. Wo das mobile Internet – über dessen Kosten sich die Mobilfunkkonzerne die rückläufigen SMS-Einnahmen übrigens wieder reinholen werden – noch nicht genügend ausgebaut ist, steht in aller Regel mindestens ein Funkmast, über den man eine SMS verschicken kann. Hinzu kommt, dass ja auch trotz des Vormarsches der Smartphones noch lange nicht jeder ein Handy besitzt, das WhatsApp, Twitter oder Facebook kann. SMS sind so gut wie immer möglich, kommen so gut wie immer zeitnah an und sind immernoch eins der schnellsten Kommunikationsmittel unserer Zeit.

Und das nicht nur, weil sie auch unsere Sprache in rasanter Zeit eingenommen und verändert hat. Was mit „LG“ und „HDL“ für Sympathiebekundungen anfing, ist heute bei „WTF“ und „FTW“, „CU“ und „BG“, „ILY“ und „GN8“ angekommen. Abkürzungen bestimmen unsere Kommunikation, sie verschnellern unseren Umgang miteinander und machen leider so manche Nachricht nicht unbedingt besser lesbar.

Mit all ihren Vor- und ihren Nachteilen: Heute ist der Ehrentag der SMS. Erheben wir unsere Tassen, auf dass sie uns noch lange erhalten bleibt: „HB2U, HB2U, HBLSMS, HB2U. CU und BB, Tobias“.

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Tobias Gillen

Tobias Gillen

ist freiberuflicher Medien- und Technikjournalist und Blogger. Nebenher schreibt er Bücher und E-Books und ist bei Twitter, Facebook und Google+ zu finden.

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