Der nächste Milliarden-Markt: Augmented und Virtual Reality

Heute rätselt die Welt noch darüber, ob Smartwatches sich am Konsumentenmarkt durchsetzen werden. Doch in die Laboren der Hightech-Giganten wird bereits die nächste Technologie-Disruption vorbereitet: die Brille. Man kann es sich heute noch gar nicht richtig vorstellen, aber die Tech-Giganten setzen bereits voll darauf: Virtual Reality und Augmented Reality. Noch entstehen die großen Hypes rund um die Präsentation neuer Smartphones (allen voran das iPhone) und Apps wie WhatsApp oder Tinder, die auf der Smartphone-Plattform wachsen. Doch wie eine Analyse der auf Consulting und M&A spezialisierten Firma Digi-Capital aus San Francisco aufzeigen will, soll der Markt für Virtual und Augmented Reality bis 2020 auf satte 150 Milliarden US-Dollar anwachsen.

Heute noch winzig, soll vor allem Augmented Reality (jene Technologie, die etwa bei der Google-Datenbrille Glass digitale Inhalte über die echte Welt legt) sehr viel Geld abwerfen – 120 Milliardeb US-Dollar 2020, während Virtual Reality (z.B. Oculus Rift) nur in Viertel, also 30 Milliarden US-Dollar, abwerfen soll.

Prognose: Umsätze im Bereich Augmented Reality und Virtual Reality

Der Argumentation von Digi-Capital zufolge soll es sich Virtual Reality vor allem im Entertainment-Bereich zu Hause bequem machen, wo es um das Eintauchen in virtuelle Welten wie 3D-Filme oder Games geht. “Während Virtual Reality sich eher so anfühlt, als würde man eine Spielkonsole im Gesicht tragen, wird Augmented Reality eher so sein, als würde man ein transparentes Smartphone tragen”, so Digi-Capital-Chef Tim Merel. Heute sieht es eher umgekehrt aus: Während Google Glass, das auf AR setzt, sich am Konsumentenmarkt eher als Flop erwiesen hat (Stichwort “Glasshole) und auf Einsatzbereiche in der Arbeitswelt umgedeutet wird, ist rund um Facebooks Virtual-Reality-Brille Oculus Rift ein echter Hype entstanden (auch wenn Scherzkekse VR mit “Vomit Reality übersetzen, weil die Technologie noch nicht ausgereift ist).

Spannend ist auch, wie Digi-Capital die Umsätze 2020 sieht, die mit AR und VR gemacht werden sollen. Der Analyse zufolge werden Konsumenten das meiste Geld für AR-Hardware und VR-Games ausgeben:

Prognose: Umsatzaufteilung im Bereich Augmented Reality und Virtual Reality

Dass die sicher sehr spekulative Analyse von Digi-Capital durchaus ernst zu nehmen ist, sieht man daran, in welche Richtung sich die großen Hightech-Konzerne bewegen. Facebook scheint sich mit Oculus Rift auf den kleineren VR-Markt zu konzentrieren, doch Google und Microsoft setzen voll auf AR. Google mag zwar mit Glass vorerst gescheitert sein, doch an der nächsten Welle wird im Hintergrund bereits gearbeitet. Das 542-Millionen-Dollar-Investment von Google in das Startup Magic Leap, das eine neue AR-Technologie, bei der Bilder direkt auf die Netzhaut projiziert werden, spricht eine deutliche Sprache. Und Microsoft hat mit HoloLens einen Protoptypen einer futuristischen Brille vorgestellt, mit der sich virtuelle 3D-Elemente in die echte Umgebung einblenden lassen.

Bleibt die Frage offen, in welche Richtung das wertvollste Unternehmen der Welt, Apple, vorstoßen wird. Gut vorstellbar ist, dass der iPhone-Konzern an einer AR-Brille arbeitet, die Apps (Navigation, Search, Games, Kommunikation) in neuer Form vor die Augen bringt. Auch die Apple Watch hat es ja zum Ziel, dem Nutzer den Griff zum iPhone zu ersparen, wenn er schnell Informationen abrufen will. Eine AR-Brille – natürlich entsprechend stylisch designt und im hochpreisigen Segment angesiedelt – wäre ein weiteres teures Zubehör, dass Apple seinen Fanboys und -girls verkaufen könnte. Heute scheint die Welt noch nicht bereit, dass Datenbrillen wie Sonnenbrillen getragen werden – doch 2007, als das erste iPhone präsentiert wurde, haben auch nur wenige daran geglaubt, dass 2015 große Teile der Bevölkerung ein Smartphone besitzen werden. 2020 wird die Welt wieder anders aussehen.


Image (adapted) „Woman Using a Samsung VR Headset at SXSW“ by Nan Palmero (CC BY 2.0)


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Jakob Steinschaden

Jakob Steinschaden

ist seit 2006 publizistisch auf Papier und Pixel tätig. Er arbeitet in Österreich als Journalist und hat die beiden Sachbücher "Phänomen Facebook - Wie eine Webseite unser Leben auf den Kopf stellt" (2010) und "Digitaler Frühling - Wer das Netz hat, hat die Macht?" (2012) veröffentlicht. In seinem Blog “Jakkse.com” und in Vorträgen schreibt und spricht er gerne über die Menschen und ihr Internet – von Social Media über Mobile Business und Netzpolitik bis zu Start-ups.

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