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  • IPHONE t3n: iPhone defekt: Geleaktes Dokument zeigt, was für Apple ein Garantiefall ist – und was nicht : An kaum einem anderen Gerät entstehen Schäden so schnell wie an einem Smartphone. Für viele Apple-Nutzer wäre es daher erleichternd zu wissen, ob ihr Iphone zu dem Zeitpunkt eines Defekts noch als Garantiefall angesehen wird. Ein an den Businessinsider geleaktes Dokument für Support-Mitarbeiter schafft hierfür Abhilfe: Demnach teilt Apple die Iphone- Schäden in drei Kategorien ein, je nachdem, wie Reparatur-berechtigt sie sind. So werden Haarrisse und Pixelschäden anstandslos behoben, während Schäden, die eindeutig durch den Nutzer verursacht wurden, nicht übernommen werden.

  • JODEL Gründerszene: Jodel-Nutzer sollen Spitzenpolitikern ihre Fragen stellen : Der Gründer der Social-App Jodel, Alessio Borgmeyer, ist der Meinung, dass die bisherigen Wahlkampfveranstaltungen wenig aufschlussreich waren- und möchte in dem Zuge selbst zu mehr politischer Diskussion beitragen. Für die Woche ab dem 11. September soll über Jodel eine Live-Fragerunde gestartet werden, durch die die Nutzer bekannten Politikern Fragen stellen können. Dabei gilt: Die Community stimmt selbst ab, welche Fragen gestellt werden. Durch die Standortfunktion der App können Nutzer jedoch nur Politiker ihres eigenen Wahlkreises befragen.

  • GOOGLE MAPS Chip: Nie mehr Parkplatz-Ärger! Google Maps hat jetzt ein tolles Feature: Stadtbewohner dürfen sich freuen: Seit neuestem kann Google Maps nicht nur mit präzisen Verkehrsangaben bei den Autofahrern punkten, sondern kann durch eine neue Funktion sogar die voraussichtliche Parkplatz-Situation am Zielort vorhersagen. Die Parksituation wird dabei in verschiedenen Varianten eingestuft: von „Einfach“ zu „Normal“ bis „Schwierig“. Bisher war die App seit Anfang des Jahres nur für ausgewählte US-Metropolen freigeschaltet, ab sofort kann man sie jedoch in fünf Deutschen Städten nutzen.

  • URHEBERRECHT Heise: YouTube und Google bei Urheberrechtsverstößen zur Herausgabe von Nutzerdaten verpflichtet: Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main hat in einem Urteil entschieden, dass die Internetanbieter YouTube und Google bei Urheberrechtsverstößen dazu verpflichtet sind,  die E-Mail-Adressen ihrer Nutzer herauszugeben. Ein deutscher Filmverwerter hatte im Jahr 2013 gegen die beiden Internetanbieter Klage eingereicht, da Filme von drei verschiedenen Nutzern auf YouTube aufgetaucht sind und eine hohe Abrufzahl erreicht hatten. Das OLG Frankfurt hat nun entschieden, dass das Urteil für E-Mail-Adressen gilt, nicht jedoch für Telefonnummern und IP-Adressen.

  • HUAWEI Focus: Huawei bringt künstliche Intelligenz in sein nächstes Smartphone: Der Chef von Huawai, Richard Yu, kündigte auf der IFA eine neue Chip- Entwicklung für ihr nächstes Smartphone an: „Kirin 970“ soll es heißen und mit einer Recheneinheit für neuronale Netzwerke ausgestattet sein. Damit möchte das Unternehmen eine viel natürlichere Kommunikation mit dem Nutzer erreichen und so in Zukunft Innovationsführer auf dem Smartphone-Markt werden.

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Computerspiele: Ein Kulturgut des 21. Jahrhunderts

Computerspiel (adapted) (Image by Cello Armstrong via AdobeStock)

Auf der Spielemesse GamesCom gab es neben Spiele-Neuigkeiten und Entertainment auch netzpolitische Aussagen rund um die Gaming-Welt. Eine der interessanten Entwicklungen: Videospiele wurden erstmals vor großem Publikum durch Politiker als Kulturgut anerkannt. Es wird Zeit, dass dies endlich erkannt wird, denn viele Spiele sind weder ein stumpfer Zeitvertreib noch eine Nischen-Beschäftigung für Nerds, sondern erzählen spannende und inspirierende Geschichten.

Besucherrekord bei der GamesCom 2017

Ende August fand in Köln die Spielemesse GamesCom statt. Sie stand dieses Jahr unter dem Motto „The Heart of Gaming“. Auf der Messe kamen natürlich vor allem die Freundinnen und Freunde der aktuellen Videospiel-Titel, ebenso wie eSport-Interessierte, Cosplay-Begeisterte und andere Fans digitaler Unterhaltung auf ihre Kosten. Daneben gaben sich natürlich auch Vertreterinnen und Vertreter der Industrie und der Fachmedien ein Stelldichein, um sich über neue Produkte auszutauschen. Insgesamt besuchten über 350.000 Menschen die Veranstaltung – ein neuer Rekord.

Wahlkampf auf der GamesCom

Neben ihrer Funktion als Anlaufpunkt für die Branche zog die GamesCom natürlich auch Politikerinnen und Politiker an. Das ist bei Messen einer gewissen Größe und Relevanz nicht ungewöhnlich, zumal in einem Wahlkampf-Jahr wie diesem. Dem trug die GamesCom sogar mit einer eigens eingerichteten „Wahlkampfarena“ Rechnung. Dort fanden sich am Mittwoch, den 23.08., einige hochrangige Politikerinnen und Politiker ein, um über Spiele zu diskutieren. Die Parteien des aktuellen Bundestages schickten ihre Generalsekretäre oder Bundesgeschäftsführer. Anwesend waren Peter Tauber (CDU), Hubertus Heil (SPD), Matthias Höhn (Die Linke) und Michael Kellner (Die Grünen) sowie Nicola Beer für die FDP.

Computerspiele als Kulturgut anerkannt

Eine der interessantesten Aussagen der Podiumsdiskussion: Computerspiele sind auch in den Augen der Politik endlich Kulturgut. Dieses soll zukünftig, neben dem bereits existierenden Deutschen Computerspielpreis unter der Schirmherrschaft von Alexander Dobrindt (CSU), weitere politische Förderung erhalten.

Vor allem sieht die Politik die Computerspiele natürlich als zu fördernden Wirtschaftsfaktor. Gerade in Köln hat sich schon seit Jahren eine richtiggehende Gaming-Industrie angesiedelt. Von Spieleentwicklern über den Veranstalter einer eSport-Liga und zugehörige Clans bis hin zu Fachmedien bietet die Rhein-Metropole alles rund um Computerspiele. Das kann die Politik kaum ignorieren. Daneben dürfte natürlich auch der Versuch, in der Gunst der jüngeren Generation der Wählerinnen und Wähler zu steigen, eine Rolle bei den Aussagen der Politikerinnen und Politiker spielen. Nach eigenen Angaben spielen mittlerweile 42 Prozent der in Deutschland lebenden Menschen irgendeine Form von Computerspielen. Das ist eine zu wichtige Zielgruppe, um sie zu ignorieren oder vor den Kopf zu stoßen. Die Motive der Politik dürften also zumindest teilweise opportunistisch sein. Dennoch ist die Anerkennung von Computerspielen als Kulturgut ein erfreuliches Signal.

Von der Schmuddelecke in die Öffentlichkeit

Die Anerkennung von Videospielen als Kulturgut kommt nach langen Jahren, in denen Spielerinnen und Spieler von Konservativen in die Schmuddelecke gedrängt wurden. Computerspiele würden Amokläufe fördern, hieß es da beispielsweise, auch wenn dieser Zusammenhang von keiner seriösen wissenschaftlichen Studie untermauert werden konnte. Auch andere abwertende Klischees über Gamer wurden gerne verbreitet. Zockerinnen und Zocker seien sozial isoliert, hielten nicht viel von Hygiene und seien schulisch und beruflich eher weniger erfolgreich, wurde gerne suggeriert.

Von dieser Situation haben wir uns – zum Glück – ein gutes Stück entfernt. Immer mehr Menschen spielen elektronische Spiele, sei es auf ihrem Computer oder auf ihrem Mobilgerät. Die Zeiten, in denen Spielerinnen und Spieler angesichts von durch die Politik unterbundenen eSport-Events in „Gamer-Demos“ für ihr Hobby auf die Straße gehen mussten, scheinen jedenfalls endgültig vorbei zu sein.

Es scheint, als folgten Computerspiele einem ähnlichen Muster, wie es viele neue Formen der Unterhaltung zunächst durchliefen. Auch Romane galten schließlich erst als verdummend und gefährlich – das ist zwar lange her, sagt aber viel über den konservativen Reflex aus, unbekannte Phänomene der Unterhaltungskultur erst einmal ohne große Betrachtung zu verdammen, bevor sie irgendwann als legitimer Teil des kulturellen Kanons anerkannt werden. Auch viele Musik-Genres, von Rock’n’Roll über Beat bis hin zu Heavy Metal, durchliefen eine ähnliche Entwicklung.

Computerspiele: Inspiriert und inspirierend

Die Anerkennung von Computerspielen als fördernswertes Kulturgut ist längst überfällig. Vieles, das sich in diesem Bereich entwickelt hat, ist erwachsen, professionell und anspruchsvoll. So ist der eSport längst eine etablierte Disziplin des sportlichen Wettkampfs. Wer anzweifelt, dass Computerspielen „echter Sport“ ist, sei an anerkannte Sportarten wie Schach und Bogenschießen erinnert, die ebenfalls keine körperlichen Extremleistungen, wohl aber Konzentration, Taktik und spezifische, in langer Übung erworbene Fähigkeiten fordern. Die Szene hat alles, was dazu gehört: Teams und Manager, Sponsoren, eine Fangemeinde mit entsprechenden Ritualen und eine teilweise hochprofessionelle mediale Berichterstattung.

Schon lange gibt das Genre der Computerspiele eine Vielfalt großartiger Geschichten her, egal, ob diese nun in einem epischen Rollenspiel, den Cutscenes eines Strategiespiels oder in Form eines textbasierten „Choose your own Adventure“-Titels auf dem Smartphone daher kommen.

Auch der künstlerische Anspruch vieler Spielegrafiken ist erheblich und bietet viel Raum zur Entfaltung, gerade im Fantasy- und Science-Fiction-Bereich. Was hier erdacht und in jahrelanger Arbeit digital umgesetzt wird, braucht sich oft vor keiner traditionellen Kunstform zu verstecken.

Ein ebenfalls beachtenswertes Phänomen sind sogenannte „Serious Games“. Diese greifen aktuelle, gesellschaftlich relevante Themen auf und regen so die Spielerinnen und Spieler zum Nachdenken beispielsweise über Krieg, Krankheiten oder soziale Missstände an. So tragen sie zur Bildung der Menschen, vielleicht sogar zum Entwickeln von Empathie bei.

Daneben sind Spiele, vor allem für junge Menschen, auch schlichtweg ein Thema, über das sie sich austauschen und soziale Kontakte knüpfen können. Fernab vom Klischee des einsamen Zockers zuhause im Keller wird heute vielfach in Gruppen gespielt, egal, ob mit- oder gegeneinander. Und spätestens Augmented Reality Games wie „Project Ingress“ und „Pokemon Go“ stellen den sozialen Aspekt und das Treffen mit anderen Menschen, ebenso wie den sportlichen Wettkampf zwischen verschiedenen Spielerparteien, klar in den Vordergrund.

Angesichts all dieser Phänomene sollte klar sein, dass Computerspiele eine Anerkennung als Teil unserer Kultur längst verdient haben. Es ist erfreulich, dass die Politik das endlich, wenn auch nur widerwillig und sicher nicht ohne Hintergedanken, anerkennt.


Image (adapted) „Computerspiel“ by Cello Armstrong/stock.adobe.com


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Der coole Kanal: Youtuber als Wahlhelfer

YouTuber (adapted) (Image by StockSnap) (CC0 Public Domain) via Pixabay

Bei der Bundestagswahl 2017 spielt YouTube als Plattform für die Kommunikation mit jüngeren Zielgruppen eine besondere Rolle. Auch Kanzlerin Merkel macht mit.

Bereits bei der Wahl von Frank-Walter Steinmeier zum neuen Bundespräsidenten wurde die gestiegene Bedeutung von Youtubern für die Politik sichtbar. In die Bundesversammlung, die das deutsche Staatsoberhaupt wählt, entsenden die Landesparlamente neben Berufspolitikern gerne auch Prominente, die Mitglied einer Partei sind oder ihr nahe stehen. Nach Kulturschaffenden, Stars aus Film und Fernsehen sowie Sportlern hat sich 2017 eine neue Klientel für die Mitarbeit in diesem Verfassungsorgan qualifiziert. Dafür verantwortlich ist nicht nur die Piratenpartei, in deren Fraktion gleich zwei Youtuber mit politischem Profil vertreten waren: Rayk Anders und Tilo Jung. Auch Julien Bam, einer der populärsten deutschen Youtuber, war auf Betreiben der damaligen Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen zum Mitglied der Bundesversammlung gewählt worden. Wobei Hannelore Kraft (SPD) sich selbst schon an einem Video-Blog über ihre Arbeit als Regierungschefin versucht hat. Ihr Oeuvre ist aber nach der Löschung des Profils bei der Video-Plattform nicht mehr verfügbar.

Die neuen Meinungsmacher

Nachdem die Bundeskanzlerin 2015 unter dem Titel “#NetzFragtMerkel” LeFloid im Kanzleramt eine Audienz für ein halbstündiges Interview gewährt hat, wird es im Wahljahr nun eine Nummer größer. Angela Merkel (CDU) trifft am 16. August im YouTube Space Berlin in einem einstündigen Livestream nacheinander auf vier Fragesteller, die unterschiedliche Facetten repräsentieren. Mirko Drotschmann behandelt als MrWissen2go „Allgemeinwissen zu aktuellen und historischen Themen.

Dazu gehört auch die aktuelle Bundestagswahl, zu der er bereits einige Erklär-Clips produziert hat. Lisa Sophie liefert in ihrem Kanal “ItsColeslaw” eher Persönliches aus der Perspektive einer jungen Frau. AlexiBexi präsentiert ein Potpourri vom Technik-Test bis zur Comedy. Und schließlich Ischtar Isik, die laut Pressemitteilungmit gerade einmal 21 Jahren eine der erfolgreichsten deutschen Social-Media-Expertinnen im Bereich Fashion, Beauty und Lifestyle” ist. Formuliert hat diese Einschätzung das Studio71, das das Event produziert und redaktionell betreut. Das Tochterunternehmen der ProSiebenSat.1 Media SE vermarktet zahlreiche Youtuber international insbesondere im Rahmen kommerzieller Kampagnen des Influencer-Marketings.

Das gesamte Setting der Veranstaltung reflektiert einerseits die Kritik an der eher harmlosen Aufzeichnung von LeFloid und entspricht andererseits in etwa dem, was das Weiße Haus unter Obama etabliert hat. Beim US-Präsident war das Format allerdings klar als Regierungskommunikation im Anschluss an seine jährliche Rede zur Lage der Nation ausgerichtet. Hier wie da fungieren die Youtuber als Katalysatoren und Multiplikatoren, die sich im Vorfeld der Veranstaltung mit der durch die Abonnenten ihrer Kanäle konstituierten Community über relevante Themen austauschen und unter dem Hashtag #DeineWahl auch deren Fragen erheben.

So sollen Zielgruppen erreicht werden, die nicht mehr dort anzutreffen sind, wo sie einst Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) vermutet hat, als er die Parole ausgab: „Zum Regieren brauche ich nur BILD, BamS und Glotze.“

Nun hat allerdings gerade die heiße Phase des Wahlkampfs begonnen, und da würde ein Interview ausschließlich mit der Amtsinhaberin ihr doch Vorteile verschaffen. Sei es durch die exklusive Ansprache des Publikums der Youtuber oder dadurch, dass sie ihr Image damit aufpolieren kann, dass über das Event eben bei “BILD, BamS und Glotze” berichtet wird. Die Verantwortlichen scheinen sich dieser Problematik bewusst zu sein und stellen weitere Events dieser Art mit Politikern anderer Parteien in Aussicht.

TV-Duelle und Wahlabend bei YouTube

Unabhängig davon werden am 17. September rund 15 Youtuber in einem mehrstündigen „Community Live Stream“ mit ihren Fans zum Thema “Wahlen” in Dialog treten. Und auch die TV-Duelle am 4. und 5. September werden bei YouTube im Livestream zu sehen sein. Schließlich produziert Studio71 am Abend der Bundestagswahl für das öffentlich-rechtliche Online-Outlet funk.net unter dem Titel “Wahlgemeinschaft” eine mehrstündige Show: “Mehrere Moderatoren (…) führen durch den Abend und begrüßen prominente Youtuberinnen und Youtuber sowie aufstrebende Nachwuchs-Politikerinnen und -Politiker zum Talk. Das Format soll politische Inhalte für 14- bis 29-Jährige interessant aufbereiten, Informationen zum Wahlausgang vermitteln und natürlich unterhalten. Neben den Talks sind Auftritte von Musikerinnen und Musikern und spannende Live-Showelemente geplant.

Challenge und Comedy als politische Bildung

Auch die Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) bedient sich der Influencer und platziert eine zehnteilige ‚YouTube-Reihe zur Sensibilisierung für demokratische Wahl- und Entscheidungsprozesse‘: „Das Angebot ‚#erstewahl2017‚ richtet sich primär an Menschen, die zu ihrer Informations- und Meinungsbildung über gesellschaftliche und politische Zusammenhänge primär Ressourcen der Sozialen Netzwerk-Dienstleister und des Social Web nutzen.”. Dabei wird das Format der “Challenge” genutzt. In der Pilotfolge von Fitness-Vloggerin Sofia Martinez werden verschiedene Optionen vorgestellt. Die Zuschauer können abstimmen, welcher Herausforderung sie sich stellen muss. Es geht also um die Konsequenzen von Abstimmungen. Weitere Beiträge zu diesen und ähnlichen Aspekten des Wählens liefern Alycia Marie, Moritz Garth, Malternativ, Salomé Sylvana und Silvi Carlsson.

Ab dem 11. September 2017 beschäftigt sich dann das Comedy-Duo Space Frogs in ihrer „Space Cabin“ im Auftrag der BpB mit unterschiedlichen Themen der Wahl. “In fünf Folgen, die täglich vom 11.-15. September 2017 auf ihrem YouTube-Kanal ‘Space Radio’ erscheinen, fragen sie etwa: Wie funktioniert die Bundestagswahl überhaupt? Welchen Stellenwert nehmen Bildung oder Digitalisierung in den Programmen der Parteien ein? Und welche Gestaltungsideen haben die Parteien für die Zukunft der Rente oder Europas?

Abseits solcher koordinierten Aktivitäten wird Tilo Jung zur Bundestagswahl wieder mit exponierten Vertretern von Parteien in seinem bekannten “Jung & Naiv”-Format reden. Pointiert setzt er dabei einen Kontrapunkt zum Kanzlerinnen-Interview indem er mit dem Spitzenkandidaten der AfD, Alexander Gauland, gestartet ist. Und dem “Alex” fast zwei Stunden lang “naive” Fragen stellt.


Image (adapted) „YouTube“ by StockSnap (CC0 Public Domain)


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  • #DEINEWAHL spiegel: Vier YouTuber befragen die Kanzlerin: Im September ist in Deutschland wieder Bundestagswahl und alle Parteien sind im Wahlkampf. Wie wichtig Influencer, besonders auf die junge Erstwähler sind, weiß auch Kanzlerin Angela Merkel und stellt sich erneut den Fragen von mehreren Webstars im Interview. Bereits vor zwei Jahren gab es ein großes Interview mit YouTuber „LeFloid“, das einige Kontroversen aufwarf. Dieses Mal sind vier Webstars aus verschiedenen Bereichen vertreten. Das Interview wird per Livestream übertragen, Zuschauer können im Voraus Fragen unter dem #DeineWahl einreichen – und werden dem Kanzleramt vorab nicht zur Freigabe zur Verfügung gestellt.

  • HEYTWITTER t3n: Shahak Shapira: „Wenn es witzig ist, feiere ich das ja auch, so ist es ja nicht“: Der deutsch-israelische Satiriker Shahak Shapira hat Twitter über 300 Hasskommentare gemeldet, das Unternehmen reagierte nur auf einen Bruchteil davon. Der Satiriker kritisierte dieses Verhalten und sprühte kurzerhand die Hasskommentare vor die Twitterzentrale in Hamburg, damit das Unternehmen sie nicht mehr ignorieren kann. In der Bevölkerung sind die Meinungen zwiegespalten. Die einen nennen die Aktion Volksverhätzung, da einige antisemitische und rassistische Beiträge so in der Öffentlichkeit zu lesen waren, andere unterstützen die Aktion. Twitter hat noch nicht reagiert.

  • ÜBERWACHUNG netzpolitik: Berliner Polizei hat letztes Jahr zwei Telefongespräche pro Minute abgehört: Aus dem Aktuellen Bericht der Berliner Polizei geht vor, dass letztes Jahr über eine Millionen Telefonate abgehört wurden. Der häufigste Grund sind Drogen oder ein Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz. Neben der Abhörung von Telefonaten hat sich auch die Überwachung von Internet-Anschlüssen verdoppelt. Diese Zahlen gehen aus dem aktuellen Jahresbericht hervor. Netzpolitik.org hat die Zahlen aus dem Bericht gesammelt und Visualisiert.

  • ALGORITHMEN wired: Google’s New Algorithm Perfects Photos Before You Even Take Them: Google Forscher haben kürzlich einen neuen Alortihmus vorgestellt, der Bilder in kürzester Zeit optimieren kann, wie ein professionelles Bildbearbeitungsprogramm. Das Programm erkennt alle Teile des Bildes die Verbesserungsmöglichkeiten bieten und kann sie innerhalb von 20 Millisekunden ändern. Diese Schnelligkeit ermöglicht, dass dem Nutzer das schon bearbeitete Bild im Bildsucher angezeigt werden kann, bevor das Foto überhaupt gemacht wurde. Die Software ist außerdem so gestaltet, dass sie sogar auf Smartphones eingearbeitet werden kann.

  • ANDROID O heise: Android O: Diese Geräte bekommen ein Update: Bisher haben nur wenige Hersteller sich dazu geäußert, ob ihre Geräte ein Systemupdate zu Android O erhalten werden. Gerüchten zufolge soll das Update bald veröffentlicht werden. Bekannt sind unter anderem die Flagschiff-Smartphones von Samsung und LG. Neuster Zugang sei das neue Sony Xperia. Jedoch müssen sich viele Android Nutzer selbst nach Release des Neuen Systems gedulden, da zum Zeitpunkt der Sourcecode von Google noch nicht freigegeben ist. Für viele Herrsteller muss die Oberfläche noch auf ihr Gerät angepasst werden.

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  • 5G t3n: Bund: Deutschlandweites 5G-Netz bis 2025: Das 5G Netz soll bis 2020 in Deutschland Marktreif sein, bis 2025 flächendeckend, das hat das Bundeskabinett diese Woche beschlossen. Alexander Dobrindt, Minister für Verkehr und digitale Infrastruktur betonte, dass Deutschland Leitmarkt werden solle. 5G-Netz soll schnellere Datenverbindungen auch für selbstfahrende und computergesteuerte Autos ermöglichen- Ausgebaut werden soll das Netz mit bestehenden Leitmasten und einem ausbau von einem flächendeckenden Glasfasernetz.

  • WAHLKAMPF sueddeutsche: Können Parteien mit personalisierter Werbung die Wahl manipulieren?: Dass soziale Medien in der Politik eine immer größere Rolle spielen hat schon der Wahlsieg von US-Präsident Trump. Nun fragen sich viele, ob die Daten von Facebook und co. wirklich für Wahlmanipulation genutzt wurden oder genutzt werden können. Werbeanzeigen können gezielt auf bestimmte Zielgruppen aufgespielt werden und sie so manipulieren. Nun stellt sich die Frage ob auch deutsche Parteien in Bezug auf die anstehende Bundestagswahl vermehrt den Weg über Facebook nutzen, um gezielt Werbung über diese so genannten „dark adds“ zu machen.

  • HYPERLOOP wired: Hyperloop’s first real test is a whooshing success: Elon Musk’s Vision des Hochgeschwindigkeits-Transrapids “Hyperloop” könnte wahr warden. Das Unternehmen meldete den ersten erfolgreichen Test in Echtgröße in Nevada. Die Bahn erreichte in der nahezu Vakuumröhre ungefähr 112 km/h. Ein Teilerfolg, da die Bahn eine Höchstgeschwindigkeit von 1120 km/h verspricht. Getestet wurden vorerst nur Antrieb, Bremsen und das freie Schweben auf dem Luftkissen, welches die Bahn fortbewegen soll. Das Unternehmen stellte ebenfalls einen Plan für das Design des Personenzugs vor. Das Nächste Ziel sei nun 400 km/h zu erreichen

  • AUTONOMES FAHREN heise: Kalifornien wird fahrerlose Autos genehmigen: Der amerikanische Staat Kalifornien wird den Regelbetrieb selbstfahrender und sogar fahrerloser Autos ohne unabhängige Sicherheitstests genehmigen. Pläne für die Änderungen der Bestimmungen seien seit Jahren in Arbeit. Die jährliche Testgebühr für Unternehmen solle deutlich angehoben werden, Unfälle müssen dafür nur noch der Behörde gemeldet werden, wenn es zu keiner Kollision gekommen ist. Sollten Passagiere auf den Testfahrten transportiert werden, müssen diese Fahrten kostenlos sein.

  • CROWD-LOGISTIK gruenderszene: Auf dem Weg in den Urlaub noch schnell ein Päckchen ausliefern: Das Berliner Start-Up CoCarrier vermittelt über ein Netzwerk Urlauber und Geschäftsreisende Pakete von anderen Privatpersonen mit an ihr Ziel nehmen. Für Versender soll das günstiger sein, als der lange Weg. Über eine App kann man die Lieferung nachverfolgen und die Lieferungen sind bis zu einem Wert von 500 Euro versichert. Vom Netzwerk wird durch verifizierte Profile und einer verpflichtenden Angabe, was das Paket beinhaltet, gewährleistet, dass keine verbotenen Gegenstände verschickt werden.

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  • FACEBOOK wired: So verhalten sich die deutschen Parteien auf Facebook (INFOGRAFIK): Alle paar Jahre findet in Deutschland ein Großereignis statt, welches viele Bürger und vor allem Politiker sehr bewegt: Die Bundestagswahl. Ein Ereignis bei dem nicht nur viel Kraft und Geld in Werbung und Präsenz gesetzt wird, sondern seit einigen Jahren auch sehr viel Wert auf Facebook und Co. gelegt wird. Doch wie sieht der Status Quo aus, welche Parteien setzen voll und ganz auf Facebook und welche sehen darin immer noch den Teufel? WIRED Germany hat zusammen mit der Digitalmarketing-Plattform Online Marketing Rockstars und dem Social-Media-Analytics-Anbieter quintly die Aktivitäten deutscher Parteien auf Facebook untersucht.

  • POLITIK faz: Meinungsfreiheit im Neuland: Das Jahr 2017 wird in die Annalen als dasjenige eingehen, in dem die deutsche Medienpolitik und die Medienaufsicht das Internet entdeckten. Bis heute wird über die Bundeskanzlerin gewitzelt, die das Netz einmal als „Neuland“ bezeichnete. Dabei hatte sie recht: Politik und Behörden schauten ins Internet und staunten, was auf dieser terra incognita alles vor sich geht – wer dort die Agenda bestimmt und das große Geschäft macht.

  • OPEN DATA heise: Bundestag beschließt halbgares Open-Data-Gesetz: Das Parlament hat einen Gesetzentwurf verabschiedet, mit dem digitale Behördendaten maschinenlesbar und entgeltfrei öffentlich zugänglich gemacht werden sollen. Einen Anspruch darauf gibt es aber nicht, die Ausnahmen sind groß. Elektronisch gespeicherte unbearbeitete Daten von Bundesbehörden sollen maschinenlesbar, entgeltfrei sowie transparent der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Einen entsprechenden Entwurf für ein Open-Data-Gesetz hat der Bundestag nach einem längeren Anlauf ohne weitere Aussprache in der Nacht zum Freitag beschlossen. Die große Koalition stimmte für das Vorhaben, Linke und Grüne enthielten sich.

  • POLITIK II handelsblatt: Hass im Internet beschäftigt den Bundestag: Der Bundestag befasst sich am Vormittag in erster Lesung mit dem umstrittenen Gesetzentwurf der schwarz-roten Regierung gegen Hass und Hetze im Internet. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) will damit die sozialen Netzwerke zwingen, Hassbotschaften konsequenter zu entfernen. Offenkundig strafbare Inhalte sollen innerhalb von 24 Stunden gelöscht werden. In komplizierteren Fällen bekommen die Internetkonzerne sieben Tage Zeit. Wer dem nicht nachkommt, muss mit Bußgeldern von bis zu 50 Millionen Euro rechnen.

  • EMOBILITÄT augsburger-allgemeine: Was wird aus der E-Mobilität?: Angela Merkel verabschiedete sich bei einem Kongress des CDU-Arbeitnehmerflügels von dem Ziel der Bundesregierung, bis 2020 rund eine Million Elektroautos auf die Straßen zu bringen. Die SPD reagierte mit Kritik. Man sollte die Pläne nicht einfach aufgeben, sagte Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries. Wie geht es mit der Zukunftstechnologie weiter? Ist Merkels Eingeständnis eine Überraschung?

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Wie sich Trump in das Weiße Haus getwittert hat

donald-trump-image-by-lisettebrodey-via-pixabay-[CC0 Public Domain]

Der Sieg von Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl wurde als atemberaubend und schockierend beschrieben und hat einen „Aufschrei“ in den Medien hervorgerufen. Der gewählte Präsident fand bei mehr als 59 Millionen Amerikanern genug Gehör, dass sie in der Wahlkabine für ihn den Ausschlag gaben und ihm zum Sieg verhalfen. Trump erreichte seine Unterstützer sowohl persönlich als auch über die Social-Media-Plattformen, vor allem über Twitter. Wenige Stunden, nachdem er seine Siegesrede gehalten hatte, war er schon wieder am twittern.

Trumps Twitter-Affinität ist gut dokumentiert. Ein Politiker charakterisierte die Präsenz des Kandidaten auf der Social-Networking-Seite als „eine kontinuierliche Trump-Kampagne, die rund um die Uhr auf Twitter statfindet.“. Angesichts seines Geschicks erklärten ihn einige Leute zum Gewinner in den sozialen Medien und in der Wahlkampfschlacht.

Aber wie viel Einfluss hatte Twitter während der Präsidentschaftswahl 2016? Als Rechtsprofessor, der die Auswirkungen des Internets auf die äußere Welt untersucht, glaube ich, dass die Antwort auf diese Frage durchaus die Art und Weise verändern könnte, wie politische Kandidaten ihre Kampagnen für die kommenden Jahre gestalten.

Politik im Taschenformat

Mit mehr als 300 Millionen aktiven Nutzern in den ersten drei Quartalen des Jahres 2016 ermöglicht Twitter den Menschen, mit Scharen von Freunden und Followern in 140 Zeichen oder weniger zu kommunizieren. Während Amerikaner dazu neigen, Diskussionen über Politik offline zu vermeiden, machen soziale Medienumgebungen wie Twitter es fast unmöglich, sich von politischen Interaktionen im Internet fernzuhalten. Obwohl die Forschung zeigt, dass nur wenige Clinton- oder Trump-Fans enge Freunde im gegnerischen Lager haben, weiten die sozialen Medien diese Kontakte erheblich aus. Vor allem auf Twitter neigen die Nutzer statistisch gesehen eher dazu, Menschen zu folgen, die sie nicht persönlich kennen, als das auf Facebook der Fall ist, wo sich die Nutzer oft mit denen anfreunden, die sie persönlich kennen.

Dies ist besonders entscheidend, wenn man bedenkt, welche Auswirkungen soziale Medien auf politische Meinungen haben. Langanhaltende Konfrontationen mit politischen Diskursen können die Anteilnahme an der Politik verstärken, und die Kommunikation mit anderen elektrisiert politische Aktivitäten bezüglich gemeinsamer Anliegen. Einer von fünf Menschen berichtet, dass sich seine Ansichten über eine politische oder soziale Frage ändern, weil er etwas in den sozialen Medien gelesen hat, und fast die gleiche Anzahl an Menschen sagt, dass sie ihre Ansichten zu einem bestimmten Kandidaten auf Basis dessen, was sie dort gelesen haben, änderten.

Trumps unzensierte Tweets haben überzeugt

Trump war bemerkenswert effektiv darin, die meinungsbildende Macht der sozialen Medien zu nutzen. Seine Kampagne nutzte erfolgreich die Kenntnisse, Kontakte und Fähigkeiten seiner Anhänger im Verbreiten seiner Tweets, um mit dem Werkzeug des Crowdsourcings Wut und Angst zu verbreiten. Zum Beispiel erreichte Trump jeden Tag fast doppelt so viele Twitter-Erwähnungen wie Hillary Clinton, obwohl (oder vielleicht gerade weil) seine Meldungen viel negativer waren. Er brüstete sich auch mit etwa 40 Prozent mehr Twitter-Anhängern als seine demokratische Rivalin.

Trump baute eine Beziehung zu seinen Anhängern auf, indem er seinen eigenen Twitter-Account während eines Großteils seiner Kampagne selbst verwaltete. Clinton nutzte vor allem ein Medienteam – und das merkte man auch. Experten haben darauf hingewiesen, dass Trumps Tweets für seine Anhänger sehr überzeugend waren, weil man ihnen weitgehend anmerken konnte, dass sie direkt von ihm kamen – sie wirkten spontan und nicht so, als wären sie von Medien-Profis bearbeitet worden.

Auf diese Art eine Beziehung aufzubauen, erwies sich als entscheidend, da sich Fans und Follower der Trump-Bewegung anschlossen und sich zu großen Wahlblöcken entwickelten. Scott Adams, der den „Dilbert“-Comic erschuf, verbrachte den Großteil der Wahlkampfphase damit, über Trump als einen Meister der Überzeugung zu schreiben, der besonders das Mittel der Angst nutzt.

Trumps scheinbar ungefilterte Beiträge, die ihre Kernaussagen regelmäßig wiederholten, führten zu viel mehr quantitativem Twitter-Engagement für ihn, im Vergleich zu Clinton. Trumps Anhänger wiederholten und teilten seine Botschaften in Scharen. Manche beschrieben eine „emotionale Verbindung“ zu ihm und sagten, sie würden Stunden damit verbringen, seine Botschaft mit ihren eigenen Netzwerken zu teilen, obwohl sie keine offiziellen Mitarbeiter der Trump-Kampagne waren.

Darüber hinaus erzeugten Trumps Beiträge einen Rückkopplungseffekt, das heißt Social Media Beiträge schafften es in die Fernseh-Nachrichten – und das immer kostenlos in einem Umfang, dessen Äquivalent von medialer Berichterstattung und Werbung Kosten von 3 Milliarden US-Dollar aufgeworfen hätte. Er bezahlte letztlich weniger Geld pro Stimme und pro Delegiertem als jeder andere, der in diesem Jahr für die Präsidentschaft kandidieren wollte, erreichte dabei aber den höchsten Grat an Sichtbarkeit. Ich möchte damit nicht behaupten, dass Clinton keine eigenen Erfolge hatte. Als Reaktion auf eine Beleidigung von Trump, gelang ihr der Tweet, der im Laufe der Wahlkampfphase am meisten geteilt wurde, als sie vorschlug, dass Trump seinen Twitter-Account löschen solle.

Aber Trump monopolisierte Twitter und den Nachrichtenzyklus und erhielt schließlich die meisten Wählerstimmen.

Aktuelle Techniken nutzen

Historiker haben festgestellt, dass in den Alltag eindringende Technologien die Macht haben, politische Wahlen zu beeinflussen. Franklin D. Roosevelt verwendete das neue Medium des Radios, um seine Kamingespräche zu verbreiten, weil seine Konkurrenten viele der Zeitungen in den dreißiger Jahren kontrollierten und eine gewisse Voreingenommenheit durch Zeitungsberichte vermeiden wollte.

John F. Kennedy sagte vier Tage nach der knappen Niederlage von Richard Nixon: „Mehr als alles andere war es das Fernsehen, das das Blatt wendete.“ Das Fernsehen, das neue aktuelle Medium, hatte im Jahrzehnt vor der Wahl von 1960 massiv an Popularität gewonnen. Es scheint so, dass Trump einige Erfahrungen aus der Geschichte genutzt hat, um eine der größten Überraschungen in der modernen Wahlgeschichte zu bewirken.

Ich denke, die Forscher werden Trumps Wahlkampfstrategien noch jahrelang analysieren. In der Tat haben Analysen der Auswirkungen von Twitter auf die Präsidentschaftswahl von 2016 bereits begonnen. Die New York Times hat sogar kürzlich alle „Menschen, Orte und Dinge“ aufgelistet, die Trump auf Twitter beleidigt hat. Trumps unkonventionelle Methoden, die ursprünglich von traditionellen Experten als ineffektiv und wie ein „überstürztes Schulsprecherwahlprogramm“ klingend verspottet wurden, zeigten in dem schnellen und ungefilterten Universum von Twitter einen enormen Effekt. Mit seiner Kampagne konnte er die Wirkung schroffer Wortmeldungen beinahe in Echtzeit anhand seiner Follower testen, um festzustellen, ob sie ihm im weiteren Wahlkampf von Nutzen sein werden.

Traditionellen Politikern, die im Amt bleiben wollen, könnte bald einleuchten, dass Trumps unkonventioneller Aufstieg einen neuen Standart für Wahlkampfstrategien geschaffen hat. Es ist nicht überraschend, dass Twitter-Nutzer, deren Beiträge eine Menge von Aufmerksamkeit durch Likes, Retweets und Antworten bekommen, häufiger twittern als Benutzer, bei denen das nicht der Fall ist. Und die Forschung zeigt auch, dass Emotionen auf Twitter ansteckend sind – sowohl negative als auch positive Tweets erzeugen mehr von dem Gleichen auf der Plattform (positive Tweets sind ansteckender).

Da Emotionen im diesjährigen politischen Wahlkampf eine Rolle spielten, wird das Erlernen der Strategien zu einer weiten und dauerhaften Verbreitung für politische Kandidaten sehr wertvoll sein, um die Macht von Twitter und anderer sozialer Plattformen zu nutzen… zumindest, bis die nächste Innovation kommt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image Donald Trump” (adapted) by LisetteBrodey (CC0 Public Domain)


 

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  • SNOWDEN zeit: Ist Maaßen ein russischer Agent?: Hans-Georg Maaßen glaubt, Edward Snowden sei ein russischer Spion. Nicht, dass er Beweise für seine Behauptung hätte. Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz findet nur – aufgrund seiner Erfahrung als Geheimdienstler, wie er sagte –, dass es plausibel sei. Russland führe schließlich einen Propagandakrieg gegen Westeuropa, Snowden schade der Beziehung zwischen Europa und den USA, also sei es doch gut möglich, dass er von Russland angestiftet wurde, um Teil dieses Feldzuges zu sein. Das zumindest behauptete Maaßen mehrfach als Zeuge im NSA-Untersuchungsausschuss.

  • UEFA sueddeutsche: Die Uefa sendet nur, was der Uefa gefällt: Es waren erst ein paar Sekunden nach dem Spiel England gegen Russland vergangen, als der ZDF-Kommentator Oliver Schmidt zum Radioreporter wurde. Schmidt fing an, Szenen zu beschreiben, die der Zuschauer nicht sehen konnte, sie handelten von der Tribüne „rechts von mir“, wie Schmidt sagte und er beschrieb, wie sich die besagte Tribüne schnell leerte, und dass es offenbar Randale gab. Schmidt sagte auch, warum er diese Szene beschreiben musste, denn im Fernsehen sah man Spieler auf dem Rasen. Im Bild war alles in Ordnung.

  • STREAMING horizont: Ist das wirklich noch privat?: Bei der Europameisterschaft in Frankreich können das erste Mal Millionen Besucher einer Großveranstaltung via Smartphone, Facebook und Twitter einen Livestream vom Ort des Geschehens an ihre Freunde und Follower senden. Mit Betonung auf: können. Denn folgt man den Regeln der UEFA ganz genau, dann ist eine solche Liveübertragung nur dann rechtlich in Ordnung, wenn sie ausschließlich zu privaten Zwecken stattfindet.

  • MEDIEN carta: Interview: Amerikas Mitte ist nüchterner als der überhitzte Medienbetrieb: Der Fernsehjournalist und Buchautor Klaus Scherer war jahrelang Washington-Korrespondent der ARD. Tobias Endler spricht mit ihm über den US-Wahlkampf, die immer dichtere Taktung der News-Zyklen und das Phänomen Donald Trump.

  • TESLA digitaltrends: Tesla plays Frankenstein with its hybrid electric garbage truck: Tesla und der LKW-Hersteller Mac-Lkw wollen gemeinsam einen elektrischen Müllwagen produzieren. Der Versuch der Umstellung von Diesel auf Erdgas hatte nicht sollen sein. Nun will man mit einem Hybrid-Motor wieder neue Wege finden, effizient und umweltfreundlich zu arbeiten.

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5 Lesetipps für den 6. Januar

In den Lesetipps geht es um Sprachsteuerung per Smartwatch, Twitter und seine Kurzbeiträge, Facebook, einen fragwürdigen Wahlkampfspot und um Elektroautos. Ergänzungen erwünscht.

  • SPRACHSTEUERUNG Golem.de: Sprachsteuerung per Smartwatch: Volvo lässt Fahrer mit ihrem Auto sprechen: Mit seinem eigenen Auto sprechen? In Zukunft möchte Volvo genau das! Über das “Fitness-Wearable Microsoft Band 2” sollen Autobesitzer künftig per Spracheingabe mit ihrem Auto kommunizieren können. Mit diesen Sprachbefehlen sind Navigationsziele ganz einfach einzugeben. Selbst die Türen lassen sich mit der Volvo-On-Call-App öffnen. Mit diesen und vielen anderen Möglichkeiten, ist diese App zwar nicht die erste, mit der man Autos über eine Smartwatch bedienen kann, aber die erste, mit der man Sprachbefehle an sein Auto sendet. Schon im Frühjahr soll die Sprachfunktion bei den Volvo-Modellen, ab dem Baujahr 2012, möglich sein.

  • TWITTER SPIEGEL ONLINE: Twitter: 140 Zeichen Grenze soll offenbar 10.000 Zeichen weichen: 140 Zeichen reichen nicht. Twitter ist dabei, die 140-Zeichen-Grenze von Tweets aufzuheben und diese auf 10.000 Zeichen zu erhöhen. Jack Dorsey begründete, dass die derzeitigen Tweets bereits umgangen werden, indem viele Nutzer Screenshots von längeren Texten posten. Das Verhalten der Nutzer beobachte er schon seit längerem. Wie es heißt, würde sich an der Darstellung der Nachrichten nichts ändern, da sie dennoch in Kurzform angezeigt und sich erst bei einem Klick auf die Meldung komplett öffnen würden.

  • FACEBOOK t3n: Ohne Google: Facebook arbeitet an Notfallplan für Android-App: Facebook hat anscheinend für alles eine Lösung. So auch für den eventuellen Rauswurf der Facebook App aus dem Google Play Store. Zwar ist davon bislang noch nicht die Rede, jedoch ist nicht zu vergessen, dass Google und Facebook Kontrahenten sind und sich jeder um sich selbst kümmert. Für diesen Fall versucht Facebook jetzt verschiedene Wege zu finden, um die App weiterhin bereitstellen zu können, sollte der Fall eines Rauswurfs eintreten. Neben vielen Ideen besteht unter anderem die Option, dass das soziale Netzwerk mit Smartphone-Herstellern kooperiert, damit diese die Anwendung auf den Geräten schon vorinstallieren können.

  • WAHLKAMPFSPOT FOCUS Online: Donald Trump: Wahlkampfspot verwechselt Mexiko mit Marokko: Bei der US-Präsidentschaftskandidatur steht Donald Trump derzeit an der Spitze. Mit seinen provozierenden Äußerungen erlangt er stets die Aufmerksamkeit der Wähler. So auch in einem Fernsehspot, wofür er eine Menge Kritik einstecken musste. Denn in diesem Spot wetterte Trump gegen Einwanderer aus Mexiko und zeigte stattdessen Bilder von Menschen aus Marokko. Das Wahlkampfteam von Trump jedoch wehrte sich gegen die Kritik der Wähler und erklärte, dass man die Bilder “bewusst” ausgewählt habe.

  • ELEKTROAUTOS heise online: Umfrage: Großes Interesse an Elektroautos in Deutschland: Wie eine Bitkom-Studie ergab, interessieren sich rund 69 Prozent der Deutschen für Elektroautos – allerdings gibt es ein paar Bedingungen, die erfüllt werden müssen. Die Akkuleistung sollte, laut den Befragten, genauso lange anhalten wie eine normale Tankfüllung. Auch der Preis spielt eine große Rolle und ebenso der Komfort, auf den viele Autofahrer nicht verzichten möchten. Der Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder schließt aus diesen Ergebnissen jedoch, dass die Verbraucher durchaus offen für E-Autos sind.

CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

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Wie sollten Medien auf einen Demagogen wie Donald Trump reagieren?

Donald Trump (adapted) (Image by Gage Skidmore [CC BY-SA 2.0] via flickr)

So schön es auch wäre, jemanden wie Donald Trump sollte man nicht ignorieren! Das Netz beratschlagt, wie man mit Demagogen umgehen soll. Dabei ist Nüchternheit zielbringender als Häme oder Ignoranz.

Am 1. Februar 2016 wird alles vorbei sein. Dann bitten die Republikaner von Iowa ihre AnhängerInnen zum landesweit ersten Primary. Mit solchen Vorwahlen ermitteln die beiden größten Parteien der USA ihre Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen 2016. Und spätestens am 2. Februar sollte dann eine derzeit bestimmende Frage beantwortet sein: Ist die Kandidatur von Donald Trump nur ein großes Spektakel oder doch ein ernstzunehmendes politisches Phänomen?

Bis dahin bleibt aber noch Zeit für ein grundsätzlicheres Problem. Nämlich, wie man mit derart populistischen, mit Fehlinformationen und Diffamierungen arbeitenden Politikern umgehen sollte. Mit jemandem wie Trump also, den der britische Guardian nicht ohne Grund – und nicht als einziger – einen “Demagogen” nennt.

Vielfach war zuletzt zu lesen, man sollte solche Provokateure einfach ignorieren, totschweigen. Ja, man würde ihnen sogar helfen, wenn man sich mit ihnen öffentlich auseinandersetzt. Doch das ist falsch. Vielmehr ist das Wie der Auseinandersetzung entscheidend.

Wer kritisiert, der unterstützt – unfreiwillig. Tatsächlich?

Die Problematik ist auch von deutscher Relevanz – angesichts von Figuren wie Erika Steinbach, Akif Pirinçci oder Björn Höcke. Über die (und Donald Trump) war kürzlich im Weblog “Der Lampiongarten” von Sebastian Baumer zu lesen:

Diejenigen, die sich öffentlich über sie aufregen, um in der rollenden Empörungswelle auch ein bisschen auf sich und ihre moralische Überlegenheit hinzuweisen, sind ihre wichtigsten Helfer. Es gibt fast niemanden im ernstzunehmenden Diskurs, der diese Leute unterstützt. Trotzdem tauchen sie dort permanent auf und können sich damit in die Köpfe einer breiten Masse von Personen schleichen, unter denen sie neue Unterstützer finden.

Durch jeden Tweet, jeden Artikel – so die Argumentation – verschafft man seinem Gegner eine Bekanntheit bzw. Reichweite in den sozialen Medien, die dieser alleine gar nicht erzielen könnte. Menschen, die für die fragwürdigen Botschaften empfänglich sind, werden so überhaupt erst erreicht. Oder anders: Von einem Shitstorm bleibt eben noch genug Mist hängen.

Allerdings verkennt diese Sichtweise eben gleich mehrfach die Realitäten.

Medienereignis trifft auf Medienereignis

Die Medien schenken Donald Trump immer mehr Aufmerksamkeit (Tabelle: Thomas Vorreyer)
Die Medien schenken Donald Trump immer mehr Aufmerksamkeit (Tabelle: Thomas Vorreyer)

Zunächst einmal: Es ist unbestritten, dass Donald Trump seit der Verkündung seiner Kandidatur am 11. Juni eine Welle der Aufmerksamkeit surft. Stichproben zeigen, dass Trump anno 2015 auf wichtigen Webseiten wie BuzzFeed, Politico oder des konservativen TV-Senders Fox News nahezu doppelt so oft erwähnt wurde wie ihm Vorjahr. Und selbst Medien wie die New York Times, die aufgrund ihrer lokalen Bezüge ohnehin nicht um den New Yorker Blondschopf herumkommen, haben ihre Berichterstattung nochmals aufgestockt. Einen richtigen Trump-Hype findet man allerdings online bei CNN: Die Zahl der Erwähnungen pro Jahr hat sich hier mehr als vervierfacht. Selbst für eine derart polarisierende Medienfigur wie es der Fernseh-Promi, Selbstvermarkter und Immobilienunternehmer Trump schon immer war, markiert das einen beachtlichen Hype.

Jedoch überlagert sich hier schlichtweg das über Jahre aufgebaute Medienereignis “Trump” mit dem genuinen Medienereignis einer Präsidentschaftskanditatur. Zumal Trump sich seit Jahren auch auf politischem Terrain bewegt. Bereits im Vorwahlkampf für die Wahlen 2012 hatte er mit einer Kandidatur kokettiert, sich bei der “Tea Party”-Bewegung angebiedert und sich an die Spitze der sogenannten “Birther”-Bewegung gesetzt, die Barack Obamas Herkunft in Frage stellt.

Trump kennt das Rampenlicht so gut wie die fortwährenden Anfeindungen. Seit jeher bietet er dafür genug Angriffsfläche – ästhetisch wie inhaltlich. Kaum verwunderlich ist es da, dass der Kandidat, der einst noch als schadenfroh als “meme to end all memes” betitelt wurde, auch bei den Memes Klassen-Clown und -Krösus zugleich. Eine Studie von Techcrunch belegt, dass zur Person Trump nicht nur die meisten Memes aller derzeit populärsten Kandidaten beider Lager erstellt und geteilt werden: Bei Trump ist auch der Prozentsatz negativer Memes am höchsten.

Aggressionen einerseits, Häme andererseits

Dabei sind manche seiner Forderungen so absurd, dass sie kaum noch parodiert werden können. Für große Lacher sorgte Trumps Idee, zur Terrorismusbekämpfung das Internet in “certain areas” abzuschließen – mit Hilfe von “Bill Gates and a lot of different people who really understand what’s happening.” Eine dankbare Vorlage, gerade für Medien hierzulande. Interessanterweise fand dieser Vorschlag in konservativen US-Medien keinerlei Echo. Er wurde schlichtweg als Randbemerkung ignoriert, während sich liberale und europäische Stimmen hämisch, genüsslich über Trumps #Neuland-Moment hermachten.

Ganz anders verhält es sich mit Trumps Aussagen gegenüber mexikanischen Migrantinnen und Muslimen. Diese waren sehr wohl Aufmacherthemen auf beiden Seiten des Meinungsspektrums. Der große Mauerbau und ein konfessionelles Einreiseverbot mögen nicht weniger irrwitzige Ansätze sein als Bill Gates als Geheimchef des Netzes, jedoch treffen sie in Ton und Inhalt den Nerv eines stetig wachsenden Teils der Bevölkerung. Dieser fühlt sich entweder in seinem Besitzstand bedroht oder ist von jeher aggressiv-rechts eingestellt.

Doland Trump, der digigene Kandidat

“In a world where politics feel so fake and prepared, this verbal violence feels real”, schreibt Douglas Rushkoff auf DigitalTrends folgerichtig über den „Politik-Charlie-Sheen” Donald Trump. Nicht nur dass der Kandidat die nostalgischen Gefühle der Überforderten anspricht (Sein Kampagnen-Slogan lautet: “Make America great again!”), er füttert auch beständig eine Heimsofa-Fußballtrainer-Mentalität, nach der alle anderen, ja, ganz besonders die Politiker in Washington, eh Idioten sind.

Rushkoff geht sogar noch weiter: Donald Trump sei nicht weniger als “the ultimate Internet candidate”. Nicht weil er besonders ausgefeilte Partizipationsmöglichkeiten biete, sondern weil er eben genau die Kommunikation derer reproduziert, die das Internet mit kurzatmiger Paranoia, Copy-Paste-Meinungen, Verschwörungstheorien, Beleidigungen und Fehlinformationen fluten. Oder, wie zahlreiche Twitter-Nutzerinnen anmerken: Trump ist eine menschgewordene Kommentarspalte.

Digigen nennt ihn Rushkoff deswegen. Und genau hier liegt der Punkt, warum eine Verschwiegenheit oder Ignoranz der Medien und von Privatpersonen Trumps Erfolg keinesfalls schmälern würden. Seine polarisierenden, rassistischen, sexistischen, chauvinistischen, verkürzten Wortmeldungen sind zu mitreißend (für seine Anhänger), das digitale rechte Lager mit Blogs wie Infowars.com, Tea-Party-Seiten und Kommentatoren von Glenn Beck bis Rush Limbaugh einfach zu groß, um nicht eigenständig Trends zu kreieren. 

Die Auseinandersetzung ist nötig, muss aber nüchterner geführt werden

Wer dem als Journalistin entgegenwirken möchte, dem bleibt nur, auf Aufklärung, statt auf Häme zu setzen und die zentralen Botschaften und Behauptungen Donald Trumps anzugehen (wie beispielsweise Jennifer Mercieca auf Netzpiloten.de). Dass es schlichtweg falsch sei, dass in den USA 81 Prozent aller weißen Mordopfer von Schwarzen getötet würden, und dass tausende Muslime in den USA die 9/11-Anschläge bejubelt hätten – wie von Trump deklariert –, musste sich dieser neulich sogar bei Fox News von Bill O’Reilly vorhalten lassen.

Auch der sorgfältige Umgang mit Statistiken gehört dazu. Ein Gros von Trumps derzeitigem Nimbus beruht auf seiner Führerschaft in aktuellen Meinungsumfragen. Dabei ist noch gar nicht einmal sicher, ob er wirklich die republikanischen Vorwahlen derart dominieren wird, wie es jetzt überall heißt.

Da wäre zum einen einen spezifischere Umfragen, wie etwa jene der Washington Post. Sie ließ in Iowa, wo eben die Vorwahlen beginnen werden, jene Menschen befragen, die bereits in den letzten Jahren an einem Primary teilgenommen hatten – und dies deshalb sehr wahrscheinlich auch wiederholen werden. Hier landete der blonde Lautsprecher nur auf dem dritten Rang. Da wäre zum anderen ein möglicher Polarisationseffekt, der alle anderen, jetzt noch gespaltetenen republikanischen Lager hinter einem zweiten Kandidaten wie Ted Cruz versammelt, sollte Trump die ersten Wahlen gewinnen.

Über so etwas lohnt es sich, zu reden und zu schreiben. Zumal ein Kandidat, der für das Amt des US-Präsidenten kandidiert und allein schon deshalb an allen großen TV-Debatten teilnimmt, eine nicht zu ignorierende Relevanz genießt. Man muss sich mit ihm auseinandersetzen. Aber eben auf nüchterne Art und Weise.


Image (adapted) “Donald Trump” by Gage Skidmore (CC BY-SA 2.0)


 

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Die rhetorische Brillanz des Demagogen Trump

Donald Trump (Image by Gage Skidmore [CC BY-SA 2.0], via Flickr)

Mit welchen Mitteln stellt sich Donald Trump immer wieder als rhetorisches Genie mit jeder Menge Zündstoff dar? Eine Analyse.

Die Forderung Donald Trumps vom 7. Dezember, die Einwanderung von Muslimen zu verhindern, wurde weltweit verurteilt. Fast 500.000 Briten unterschrieben eine Petition, die ihre Regierung anwies, Trump keinen Zutritt zu ihrem Land zu gewähren. In den USA wurden Trumps Kommentare sowohl von den Demokraten, den Republikanern, den Medien als auch von religiösen Gruppen angeprangert.

Jedoch stimmten laut einer kürzlich durchgeführten Umfrage 37 Prozent der designierten Wähler aus dem gesamten politischen Spektrum einem zeitlich begrenzten” Einreiseverbot für Muslime in die Vereinigten Staaten zu. Trump besitzt eine Arroganz und eine Sprunghaftigkeit, die die meisten Wähler aufschrecken lässt. Wie konnte er nun seinen Zugriff auf einen Teil der Basis der Republikanischen Partei erhalten, welcher – zumindest im Moment – unerschüttert scheint.

Wie konnte auch seine Unterstützung bestehen bleiben, obwohl er von einigen als Demagoge und Faschist bezeichnet wurde oder obwohl politische Beobachter Parallelen zwischen ihm und polarisierenden Figuren wie George Wallace, Joseph McCarthy, Father Coughlin – und selbst Hitler – zogen?

Als Wissenschaftler im Bereich der US-amerikanischen politischen Rhetorik halte ich Kurse ab und schreibe über Nutzen und Missbrauch rhetorischer Strategien in der öffentlichen Debatte. Die eingehende Prüfung von Trumps rhetorischen Fähigkeiten kann teilweise seinen profunden und beständigen Reiz erklären.

Die Rhetorik der Demagogie

Das griechische Worte Demagoge” (demos = Volk + ag?gos = Führer) meint wortwörtlich einen Führer des Volkes. Jedoch wird es heutzutage dafür benutzt, einen Anführer zu beschreiben, der populäre Vorurteile bedient, falsche Behauptungen und Versprechen macht und seine Argumentation nach dem Gefühl und nicht nach der Vernunft wählt.

Donald Trump bezieht sich hierbei auf die Ängste der Wähler, indem er eine Nation in der Krise zeichnet und sich gleichzeitig als Held der Nation feiert – der einzige Held, der sich unseren Gegner entgegenstellt, unsere Grenzen sichert und Amerika wieder zu etwas Großartigem macht”.

Sein Mangel an Details, wie er diese Ziele erreichen möchte, ist dabei weniger erheblich als seine selbstbewusste, überzeugende Rhetorik. Er mahnt sein Publikum an, ihm zu vertrauen, verspricht sehr schlau zu sein und lässt, bildlich gesprochen, seine prophetischen Muskeln spielen (wie in dem Fall als er behauptete, die 9/11 Anschläge vorausgesagt zu haben).

Trumps selbst beweihräuchernde Rhetorik lässt ihn als Inbegriff von Überheblichkeit scheinen, die laut Forschungsergebnissen oft die am wenigsten zugkräftigste Qualität eines möglichen Anführers ist. Jedoch ist Trump so beständig in seiner Überheblichkeit, so dass dies authentisch scheint: Seine Großartigkeit ist Amerikas Großartigkeit.

Deshalb können wir Trump mit Sicherheit einen Demagogen nennen. Aber die Furcht, wenn Demagogen wirkliche Macht bekommen, bleibt bestehen. Nämlich, dass sie das Gesetz oder die Verfassung außer Kraft setzen. Hitler ist dabei natürlich das Beispiel für einen Worst Case.

Erstaunlicherweise ist eines von Trumps eigenen Argumenten jenes, dass er sich nicht kontrollieren lassen wird. Im Wahlkampf machte er sich seine Rolle als Machogeschäftsmann zu Nutzen – welche er sich durch seinen Auftritt in den sozialen Medien und in den Jahren als Fernsehpersönlichkeit (bei der er meist die mächtigste Person im Studio war) schuf – um sich für die Präsidentschaft zu bewerben. Dies ist eine Rolle, die Einschränkungen zurückweist: Er lässt sich nicht durch die Partei, die Medien, andere Kandidaten, Politische Korrektheit, Fakten – eigentlich alles – einschränken. Auf eine Weise zeigt er sich als unkontrollierbarer Anführer.

Mit rhetorischen Mitteln Kritiker zerstören

Jedoch möchten die meisten Wähler keinen unkontrollierbaren Präsidenten. Warum bleiben trotzdem so viele felsenfest bei ihrer Unterstützung?

Zuerst bezieht Trump sich auf den Mythos des Amerikanischen Exzeptionalismus. Er beschreibt die Vereinigten Staaten als die beste Hoffnung für die Welt: Es gibt nur eine auserwählte Nation und als Präsident arbeiten alle seine Entscheidungen auf das Ziel hinaus, Amerika großartig zu machen. Dadurch, dass er sich selbst mit dem Amerikanischen Exzeptionalismus verknüpft, während er Gegner als schwach” oder Dummköpfe” beschreibt, kann Trump seine Kritiker als Leute, die nicht an die Großartigkeit” der Nation glauben oder nicht an dieser mitarbeiten, darstellen.

Trump benutzt zudem trügerische und spaltende rhetorische Techniken, die ihn vor Ausfragungen schützen und ihn nicht in die Enge treiben. Er benutzt Ad populum”-Argumente. Dies sind Argumente, die an die Klugheit des Publikums appellieren (Umfragen zeigen, Wir gewinnen überall).

Wenn Gegner seine Ideen oder Haltung hinterfragen, benutzt er Ad hominem” -Attacken oder Kritiken, die stets die Person und nicht ihre Argumentation treffen (er weist seine Kritiker als Dummköpfe”, schwach” oder langweilig” zurück).

Die wahrscheinlich berühmteste Instanz davon war, dass er sich über Carly Fiorinas Aussehen lustig machte, als die Zustimmung für sie in den Umfragen nach der ersten republikanischen Debatte stieg (Schaut auf dieses Gesicht!”, rief er, Wer würde dieses Gesicht wählen? Kannst du dir dieses Gesicht als Gesicht des nächsten Präsidenten vorstellen?”).

Schließlich sind seine Reden auch oft mit Ad baculum”-Argumenten gespickt, die Androhungen von Machtdemonstrationen sind (Wenn Leute mir hinterher spionieren, gehen sie den Bach runter.”). Da Demagogen oft ihre Argumentation auf falschen Behauptungen und der Berufung auf das Gefühl anstelle der Vernunft basieren, greifen sie oft auf diese (rhetorischen) Hilfsmittel zurück.

Beispielsweise erklärte George Wallace während des Präsidentschaftswahlkampfes im Jahre 1968, dass wenn sich irgendein Demonstrant jemals vor sein Auto liegen würde, wäre dies das letzte Auto vor dem er oder sie sich jemals hingelegt hätte (Ad baculum). Joseph McCarthy griff zudem auf eine Ad hominem Attacke zurück, als er den ehemaligen Außenminister Dean Acheson als pompösen Diplomat in gestreiften Hosen mit einen gefälschten britischen Akzent” bezeichnete.

Trump benutzt auch ein rhetorisches Mittel, das sich Paralipse nennt. Damit stellt er Behauptungen auf, für die er nicht verantwortlich gemacht werden kann. Bei der Paralipse stellt der Redner ein Thema oder Argument vor, indem er sagt, dass er nicht darüber sprechen möchte. In Wahrheit möchte er oder sie jedoch genau diese Sache betonen.

Zum Beispiel sagte er in New Hampshiream 1. Dezember:

Aber alle (anderen Kandidaten) sind schwach und nur schwach – Ich glaube, dass sie allgemein schwach sind, wenn sie die Wahrheit hören möchten. Aber ich möchte dies nicht sagen, weil ich es nicht möchte… Ich möchte nicht irgendwelche Kontroversen, gar keine Kontroversen haben, ist dies in Ordnung? Deshalb weigere ich mich zu sagen, dass sie generell schwach sind, okay?

Trumps letztendlicher Trugschluss

Gehen wir zu Trumps Rede über Muslime vom 7. Dezember 2015 zurück, um die dort benutzten rhetorischen Mittel zu analysieren:

Ohne auf die unterschiedlichen Umfrageergebnisse zu schauen, ist es für jeden klar, dass der Hass unbegreiflich ist. Woher dieser Hass kommt und warum gehasst wird, müssen wir herausfinden. Bis wir das Problem und die Bedrohung, die es besitzt, ermitteln und verstehen können, kann unser Land kein Opfer der abscheulichen Angriffe von Menschen werden, die nur an den Dschihad glauben und keinen Sinn für die Vernunft oder den Respekt vor menschlichen Leben haben. Wenn ich die Präsidentenwahl gewinne, werden wir Amerika wieder großartig machen.

In dieser Erklärung macht Trump bereits zwei Dinge unumstößlich (oder unbestreitbar): Amerikanischer Exzeptionalismus und der Hass der Muslime auf Amerika. Laut Trump werden diese Grundsätze von der Klugheit des Publikums (Ad populum) unterstützt; sie sind für jeden klar”.

Er beschreibt Muslime in wesentlichen Worten als ein Volk, dass nur an den Dschihad glaubt, voller Hass ist und keinen Respekt vor menschlichem Leben hat. Trump benutzt die Verdinglichung, – die Betrachtung von Objekten als Menschen und Menschen als Objekt – um seine Grundsätze miteinander zu verbinden und seine Aussage zu unterfüttern: Unser Land kann nicht das Opfer von abscheulichen Angriffen von Leuten, die nur an den Dschihad glauben, werden”.

Hierbei personifiziert er “unser Land”, indem er die Nation als Person darstellt. Währenddessen benutzt er im englischsprachigen Originalzitat that anstatt who, um zu zeigen, dass Muslime keine Menschen, sondern Objekte sind. Seine tiefere Logik hierbei ist, dass unsere Nation ein Opfer dieser Objekte” ist. Objekte müssen nicht mit der gleichen Sorgfalt wie Menschen behandelt werden. Deshalb sind wir berechtigt, Muslime den Eintritt in das Land zu verwehren.

Schließlich muss noch gesagt werden, dass Trumps Beweisführung unvollständig ist und sich an seinem eigenen Blickwinkel orientiert. Seine Erklärung zitierte eine Umfrage unter US-amerikanischen Muslimen, die zeigt, dass 25 Prozent der Befragten dem Punkt zustimmen, dass Gewalt gegen Amerikaner hier in den Vereinigten Staaten gerechtfertigt ist” .

Die Daten der Umfrage kamen vom Zentrum für Sicherheitspolitik (CSP – Center for Security Policy), welches das Southern Poverty Law Center als anti-muslimische” Denkfabrik bezeichnet. Darüber hinaus sagt Trump nicht, dass in der gleichen Umfrage 61 Prozent der US-amerikanischen Muslime dem Punkt zustimmen, dass Gewalt gegen jene, die den Prophet Mohammed, den Koran oder den islamischen Glauben beleidigen” , nicht annehmbar ist. Noch erwähnt er, dass 64 Prozent nicht glauben, dass Gewalt gegen US-Amerikaner hier in den USA als Teil des globalen Dschihad gerechtfertigt ist” .

Unglücklicherweise lässt sich Trump, wie ein wahrer Demagoge nicht zu sehr von den Fakten aufhalten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) Donald Trump” by Gage Skidmore (CC BY-SA 2.0)


 

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Tinder im Wahlkampf: Wisch dir deine Wähler… oder so ähnlich

i saw you on tinder Trastevere 2014 (adapted) (Image by Denis Bocquet [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Tinder für den Wahlkampf. Wie eine Schweizer Politikerin die Dating-App für ihre Kampagne genutzt hat. Tinder ist eigentlich eine Dating-App für Smartphones. Doch immer mehr Politiker nutzen die App, um für Wählerstimmen zu werben. Dass Politiker soziale Netzwerke für ihre Wahlkampagnen nutzen, ist nichts neu. US-Präsident Barack Obama begeisterte Wähler mit seinen YouTube Videos, der aktuelle Präsidentschaftskandidat der Republikaner, Donald Trump, nutzt Twitter erfolgreich, um Wählerstimmen zu sammeln. Doch einige Politiker schrecken nicht davor zurück, auch die beliebte Dating-App Tinder für ihren Wahlkampf zu nutzen, um so vor allem junge Wähler zu erreichen. So hat auch die Schweizer Grünen-Politikerin Aline Trede Tinder für eine Wahlaktion genutzt – und damit viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

Aline Trede saß in gemütlicher Runde mit Freunden zusammen, als sie die Dating-App Tinder für sich entdeckte. Sie wollte sie allerdings nicht zum Flirten nutzen, sondern für ihren Wahlkampf. Denn Aline Trede ist Mitglied des Schweizer Nationalrats für die Grünen und Kandidatin für den Kanton Bern. “Eine Freundin erzählte, dass Tinder in den USA fast wie eine Info-App genutzt wird. Jede Firma habe ein Profil, jede Band gehe auf Tinder, wenn sie eine neue CD rausbringe […] und da sind wir auf die Idee gekommen, das wir das eigentlich auch für den Wahlkampf machen müssten.

Nur: Wie nutzt man eine Dating-App für den Wahlkampf? Im Normalfall laden Tinder-Nutzer ein Profilfoto von sich hoch und andere User können dann anhand der Fotos entscheiden, ob ihnen ein Profil gefällt oder nicht. Ein gutes Foto wird nach rechts gewischt, eins das nicht gefällt, nach links.

Lust auf ein Bier mit mir?

Genau das Gleiche hat Aline Trede auch für ihre Kampagne gemacht. Sie hat ein Profil mit ihrem Wahlbild sowie ihrem Slogan “Grünes Herz. Gegen Rechts.” hochgeladen und sich dann Profile aus ihrem Wahlkreis Bern anzeigen lassen. Und dann ging’s los: Sie verteilte wild grüne Herzen an alle. In der Tinder-Welt bedeutet das ungefähr so viel wie “Ich mag dich.” Wenn sie dann ein grünes Herz zurück bekam, redete sie dann nicht lange um den heißen Brei herum: “Ich habe es ganz transparent gemacht, dass es für die Wahlen ist und dass ich sie zu meiner monatlichen Bürgersprechstunde, also das ist ein Bier trinken, einlade.

Die Reaktionen waren fast durchweg positiv. Innerhalb kürzester Zeit konnte Aline Trede 30 Matches verbuchen und 20 Einladungen zur Bürgersprechstunde. Doch dann sperrte Tinder nach nicht einmal einer Stunde ihr Profil. Warum, weiß keiner. Vermutlich hatten sich einige Nutzer beschwert, doch Tinder wollte dies weder gegenüber Aline Trede noch auf Anfrage der Netzpiloten genauer erklären.

Für Aline Trede jedoch war die Tinder-Sperre eigentlich ein Glücksgriff. Zahlreiche Zeitungen berichteten über die Aktion, gerade weil ihr Profil gesperrt wurde, und rührten so die Werbetrommel für Tredes Wahlkampf. Dabei spalteten sich die Reaktionen in zwei Lager: die Fraktion, die Tredes Aktion “schmuddelig” fand und die Fraktion, die von einer “innovativen” Idee sprach. Trede hat die Aktion neben kostenloser Werbung sogar ein paar Wählerstimmen eingebracht: “Als ich auf Facebook gepostet habe, dass Tinder mich gesperrt hatte, haben mir einige direkt geschrieben, dass sie mich genau deshalb gewählt haben.

Auch wenn Tredes Aktion viel Aufmerksamkeit in der Schweiz auf sich gezogen hat, weltweit ist sie nicht die erste Politikerin, die Tinder für ihren Wahlkampf nutzt. In Kanada nutzte der Lokalpolitiker Conor Meade Tinder als Plattform, um für seine Politik zu werben und auch in Europa hat etwa die Bürgermeisterkandidatin Manuela Carmena in Madrid Tinder genutzt, um sich an junge Wähler zu wenden. Auch die niederländische Kandidatin Pauline Kastermans hat Tinder für ihren Europawahlkampf genutzt und in Österreich hat die linksliberale Partei NEOS ebenfalls Tinder für sich entdeckt.

Keine dieser Aktionen wurde im Übrigen von Tinder geblockt, aber in allen Fällen waren die Reaktionen ähnlich gespalten wie bei Aline Trede. Sie wurden entweder als unangebrachter Spam bezeichnet oder als kreativ und innovativ gelobt. Doch egal wie man nun zum Wahlkampf in einer Dating-App steht, Tinder scheint Politikern neue Möglichkeiten zu bieten, die andere soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter nicht haben.

Was hat Tinder was andere soziale Netzwerke nicht haben?

Tinder ist eins der beliebtesten sozialen Netzwerke bei jungen Menschen. Etwa 90 Prozent der Tinder-Nutzer ist zwischen 18 und 24 Jahre alt. Um genau diese junge Altersgruppe geht es den Politikern. “Bei Twitter ist es so: Die, die mich abonnieren, die wollen etwas von mir wissen oder sehen und bei Facebook ist es eingentlich das Gleiche. Aber bei Tinder hatte ich das Gefühl, dass ich Leute erreiche, die ich sonst nicht erreiche”, erklärt Aline Trede. Sie ist Jahrgang 1983 und hatte vor allem den Kontakt zu jungen Wählern ihrer Generation gesucht.

Darüber hinaus bietet Tinder Politikern die Möglichkeit, Nutzer ganz direkt im Chat anzusprechen. Bisher scheinen Politiker Tinder eher nur punktuell zu nutzen, um Nutzer auf spezifische Aktionen aufmerksam zu machen. Ob sich Tinder langfristig als politische Plattform etablieren kann, ob Nutzer davon eher abgestoßen werden, oder ob Tinder selbst die Plattform für politische Zwecke sperrt, ist noch unklar. Für Aline Trede war die Aktion selbst zumindenstens ein Marketingerfolg. Ob sie ihr politisch geholfen hat ist fraglich. Bei den jüngsten Parlamentswahlen am vergangenen Sonntag (18. Oktober) wurde sie aus dem Schweizer Nationalrat abgewählt.


Image (adapted) „„i saw you on tinder“ Trastevere 2014“ by Denis Bocquet (CC BY 2.0)


 

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#US2016: Online-Kommunikation im Vorwahlkampf

Clinton Rally 109 (adapted) (Image by Keith Kissel [CC BY 2.0] via Flickr)

Die Kampagnen, mit denen sich die Bewerber um die US-Präsidentschaft in Stellung bringen, sind immer auch Leistungsschauen anderer Art: Dabei konkurrieren Online-Formate um die Gunst des Publikums respektive der Polit-Strategen. Noch bevor der Vorwahlkampf began, wurde mobiles Livestreaming als ein relevantes Instrument identifiziert. Aktuell ist nun der Foto-/Video-Messenger “Snapchat” angesagt. Laut New York Times ist die Killer-Anwendung aber das schnöde Texting, während sich beim Clinton-Konkurrenten Sanders die Unterstützer unter anderem via Reddit selbst organisieren.

Seit Bürger breiten Zugang zur Online-Kommunikation haben, hat jeder Wahlkampf um die US-Präsidentschaft ein entsprechendes Lieblings-Tool hervorgebracht, dem die Kampagnen-Macher jeweils das Potenzial zum Game Changer attestieren. Der Vorwahlkampf für die Wahl 2016 hatte noch nicht richtig begonnen, da spekulierte der ehemalige Obama-Berater Dan Pfeiffer: “If 2004 was about Meetup, 2008 was about Facebook, and 2012 was about Twitter, 2016 is going to be about Meerkat (or something just like it).” Eine besondere investigative Relevanz konnte das mobile Livestreaming bislang jedenfalls noch nicht entfalten. Vielleicht auch deswegen, weil der Bewerber um die republikanische Präsidentschaftskandidatur, Donald Trump, seine kontroversen Sprüche sowieso vor dem größtmöglichen Publikum von sich gibt und dafür von der Partei-Basis auch noch Zustimmung erhält.

Post-TV-Kanal für junge Zielgruppen

Ebenso früh brachte sich Snapchat ins Gespräch, als im April ein CNN-Reporter für redaktionelle Inhalte, die in der App unter dem Titel “Discover” verfügbar sind, engagiert wurde. Hinzu kam eine Polit-Marketing-Fachkraft von Google. Nun gehört es auch für die Kandidaten zum guten Ton, sich dort mit eigenen Profilen zu präsentieren. Es kann aber auch Werbung in spezifischen Formaten geschaltet werden. Snapchat selbst positioniert sich als “best way to reach 13 to 34-year-olds”. Insofern ist das Engagement der Kampagne von Hillary Clinton dort folgerichtig: Zu ihren inhaltlichen Schwerpunkten gehört derzeit die Gebührenfreiheit von Community Colleges, die sie auch in anderen sozialen Medien zielgruppenspezifisch zum Beispiel mit einer Emoji-Umfrage kommuniziert. Clinton begründet ihre Affinität zu Snapchat schließlich noch ganz anders: In einem offiziell bei Twitter verbreiteten Video merkt sie an, ihr käme es ganz gelegen, dass die Botschaften nach kurzer Zeit wieder verschwinden würden. Damit nimmt sie Bezug darauf, dass sie während ihrer Amtszeit als Außenministerin auch dienstlich über einen privaten E-Mail-Account kommuniziert hat und inzwischen sogar dem FBI den Server übergeben hat.

Wired weist jedoch darauf hin, dass die Rede von der “Snapchat-Election” verfrüht sei. Denn der Dienst ist bislang die Antithese zu Plattformen wie Facebook, die durch die Bereitstellung von Nutzer-Daten den Kampagnen eine punktgenaue Ansprache spezifischer Zielgruppen entlang diverser Parameter (“Targeting”) ermöglichen.

Die Alternativen: Texting – Reddit – Open Source

Die New York Times diagnostiziert gar die Renaissance von Text-Botschaften “The killer app for the 2016 presidential campaign is not an app at all. It is not even new. Texting – that 1990s-vintage technology – has suddenly become a go-to vehicle for presidential campaigns when they need to get a message out as widely and quickly as possible, and with confidence that it will be read.” In dieser Perspektive gehen Kurzmitteilungen, vor allem weniger als andere Formate in der alltäglichen Informationsflut unter. Auch hier liefert die Clinton-Kampagne ein kreatives Anwendungsbeispiel: Wer auf eine ihrer Kurzmitteilungen mit “HEAR” antwortete, erhielt einen automatischen Anruf mit der Wiedergabe eines Fauxpas des Republikaners Jeb Bush.

Die Konkurrenz für Hillary im eigenen Lager rückt unterdessen übrigens die Relevanz von Online-Kommunikation für die Selbstorganisation der Kampagnen in den Fokus. Der parteilose Senator Bernie Sanders mobilisiert die Massen unter anderem mit einer Präsenz seiner Unterstützer bei Reddit, wie Politico in einer Reportage über den “Summer of Sanders” und die “Sander-istas” anerkennend berichtet. Und dann ist da noch der Urheberrechtsexperte und Anti-Korruptions-Aktivist Lawrence Lessig, der als “referendum president” kandidieren könnte. Er proklamiert hinsichtlich eigener Software und kreativer Inhalte schon mal “The First Open Source Presidential Campaign”.


Image (adapted) „Clinton Rally 109“ by Keith Kissel (CC BY 2.0)


 

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5 Lesetipps für den 21. Mai

In unseren Lesetipps geht es heute um Loom-Mitgründer Jan Senderek, sich irrende Algorithmen, Publishing, Spotify und Social Media im Wahlkampf. Ergänzungen erwünscht.

  • STARTUP t3n: Wie ein Kölner Student zum Valley-Millionär wurde: „Loom“ ist ein deutsches Startup, das es mithilfe des Elite-Accelerator Y Combinator nach oben geschafft hat. Mitgründer Jan Senderek hat es an Dropbox verkauft und ist damit nur vier Jahre nach der Universität bereits IT-Millionär. Eine lesenswerte Geschichte, die aber durch die Gestaltung von t3n-Redakteur Moritz Stückler noch einmal aufgewertet wird. Inhalt sowie Design beeindrucken.

  • ALGORITHMUS PandoDaily: Flickr’s and Google’s algorithms are behaving badly: Algorithmen sind heutzutage eine wesentliche Grundlage für eigentlich alles im Digitalen. Wir vertrauen ihnen, aber was ist, wenn sie falsch liegen? Auf Flickr haben Algorithmen Bilder mit falschen Tags versehen – einige davon sind rassistischer Natur. Ähnliches ist Google passiert, denn bestimmte Suchergebnisse, ebenfalls rassistisch, und vor allem durch das Nutzungsverhalten ausgelöst, von dem der Algorithmus lernt.

  • PUBLISHING Digiday: How digital publishers measure their influence: Früher konnte Verlage sich noch damit rühmen, vielleicht das „meist zitierte“ Medium zu haban. In Zeiten digitalen Contents lässt sich das auch für Dritte gut nachvollziehen, zugleich hat das Messen der Reichweite und des Einflusses eine neue Bedeutung bekommen. Doch wie denken Verlage darüber? Lucia Moses hat für Digiday ein halbes Dutzend Verleger gefragt, wie sie ihren Einfluss messen.

  • SPOTIFY Wired: Spotify Wants to Fill an Entertainment Gap That Isn’t There: Manchmal ist man einfach zur falschen Zeit am falschen Ort, so wie vielleicht Spotify. Das schwedische Startup expandiert und möchte bald auch Videos und Podcasts in seiner Streaming-App anbieten. Damit schließt das Unternehmen eine Unterhaltungslücke, die nicht existierte, wie es Issie Lapowsky treffend ausdrückt. Und das könnte das größte Problem werden, denn mit Apple bekommt Spotify einen sehr starken Gegner. Apple verdient im Gegensatz zu Spotify übrigens Geld und könnte den längeren Atem haben, auch wenn Spotify auch spannende Kooperationen setzt.

  • SOCIAL MEDIA Hamburger Wahlbeobachter: Social Media im Bürgermeisterwahlkampf – Deal-Breaker oder Game-Changer?: In einem Gastbeitrag beim Hamburger Wahlbeobachter schreiben Markus Mueller und Thomas Widenka über den von Ihnen verantworteten Online-Wahlkampf für Marian Schreier (SPD), der am 01. März 2015 im Alter von 25 Jahren in der Stadt Tengen zum jüngsten hauptamtlichen Bürgermeister Deutschlands gewählt wurde. Anders als in Kommunalwahlkämpfen üblich, spielten Online-Kanäle in Schreiers Kampagne eine entscheidende Rolle.

CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

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Noy Alooshe: „Die Politiker wollen, dass ihre Rede zum Meme wird“

Noy Alooshe (Image by Atbannett [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons)

Der israelische Youtuber Noy Alooshe veralbert mit Mashup-Videos Politiker im Wahlkampf. Mittlerweile ist er so erfolgreich, dass manche Kandidaten in ihren Reden Textbausteine verstecken, die sich für einen Alooshe-Remix anbieten – in der Hoffnung, im nächsten Video zu landen. Weil der Online-Wahlkampf vor den Wahlen zur Knesset am 17. März für alle Parteien immer wichtiger wird, sind Alooshes größte Konkurrenten: die Parteien selbst. Ihre Medienteams überschwemmen mit eigenen Videos das Netz, in der Hoffnung auf Likes und Wählergunst.

Netzkolumnistin: Wie gefürchtet bist du unter israelischen Politikern?

Noy Alooshe: Gar nicht! Die Politiker in Israel sprechen gerne über meine Videos.

Warum? Deine Remixe veralbern doch das, was sie sagen oder wie sie es sagen.

Vor ein paar Jahren wollte niemand was mit Youtube oder Facebook am Hut haben, alle wollten nur Radiointerviews geben. Jetzt wollen sie klar machen, dass sie online vorne mit dabei sind. Sie zeigen meine Videos von ihnen her, um zu beweisen, dass sie im Netz wer sind.

Also Wut runterschlucken zugunsten von Likes?

Auch wenn die Videos auf die Kosten der Politiker gehen: Wenn sie gut reagieren, können sie ja von der Aufmerksamkeit profitieren.

Und darum geht es?

Es ist Wahlkampfzeit in Israel. Manche Politiker gehen noch weiter. Sie texten ihre Reden jetzt so, dass sie der perfekte Steinschlag für meine Arbeit sind. Sie wollen, dass ihre Rede viral geht, zum Meme wird. Sie senden mir Botschaften und hoffen, dass ich sie erhöre.

Und diese Botschaften bildest du dir nicht nur ein?

Nein. Yair Lapid hat zum Beispiel einmal in einer Rede auffällig häufig das Wort „entrückt“ benutzt, als er über Netanyahu gesprochen hat. Wie entrückt er doch sei und so weiter. Am nächsten Morgen kriege ich einen Anruf von seiner Partei, die mich nach einem Remix fragt. Die vielen Wiederholungen würden sich doch gut anbieten, haben sie gesagt. Und das ist kein Einzelfall.

Deine Videos spielen mit Wortfetzen von Politikern, unterlegt durch Beats. Ist das überhaupt politisch?

Ich bin Musiker, ein Kreativer. Aber ich habe mich schon immer für Politik interessiert. Für mich ist meine Arbeit wie eine Folge „House of Cards“ schauen. Dank des Internets bin ich nicht mehr nur ein Zuschauer vor dem Fernseher, sondern ich kriege das ganze Filmmaterial im Netz und kann damit experimentieren. Über die Videos drücke ich meine Haltung zu Themen aus.

Bist du parteiisch? Oder kriegen alle Politiker ihr Fett weg?

Ausgewogenheit interessiert mich nicht. Viele denken, ich stehe politisch links. Aber ich benutze einfach öfter Material von den Parteien, die gerade an der Regierung sind und das sind gerade eben die rechten. Natürlich habe ich auch ein Video über Netanyahus Rede vor dem US-Kongress gemacht. Ich habe meine Lieblinge unter den Kandidaten, die ich besonders gerne einbaue.

Alle Parteien bringen ständig ihre eigenen Videos über ihre Kandidaten online. Sind sie Konkurrenz für dich?

Naja. Alle Parteien haben versucht, mich anzuwerben. Ich habe abgelehnt. Als diese ganzen Videos kamen, habe ich schon kurz gedacht: Ob sich noch jemand für meine interessiert? Die Antwort ist: ja. Ich sehe es so: Durch mich ist überhaupt erst das Bewusstsein da, wie wichtig virale Videos für den Wahlkampf sind. Bei den Wahlen vor zwei Jahren gab es dafür überhaupt kein Budget. Das ist jetzt anders.

Warum sind sie denn so wichtig?

Die Parteien wissen: Wenn ein Video viral geht und die sozialen Netzwerke begeistert, dann ist das Fernsehen nicht weit. Die lustigsten Spots kommen ins Fernsehen, wodurch sich ihre Reichweite dann noch mal multipliziert, kostenlos.

Wie verändern solche Videos den Wahlkampf?

Durch lustige, virale Videos interessieren sich mehr Menschen für die Wahlen. Meine Videos erreichen auch Menschen, die sich sonst nicht so sehr für Politik interessieren. Die teilen das Video vielleicht zuerst, weil sie den Beat cool finden oder den Schnitt lustig. Aber dann fragen sie sich, was eigentlich dahinter steckt. Und wer eigentlich der Typ oder die Frau sind, die die ganze Zeit in der Timeline auftauchen.

Welche Partei macht die besten Wahlkampfspots im Netz?

Ich bin von Benjamin Netanyahu und seiner Partei Likud echt überrascht. Wir alle dachten: Die Konservativen können nicht lustig sein. Und dann hauen sie dieses Video vom Bibi-Sitter raus. Das sah großartig aus und war echt lustig. Deswegen hat es auch so viel Aufmerksamkeit bekommen.

Magst du Netanyahu jetzt mehr oder ist da nur professionelle Anerkennung?

Naja, es war das erste Mal, dass Netanyahu mir nicht wie ein Roboter vorkam.

Vielen Dank für das Interview.


Den Durchbruch schaffte Alooshe mit dem „Zenga-Zenga“-Video über Gaddafi, welches er im Februar 2011 veröffentlichte und das inzwischen mehr als als fünf Millionen Klicks auf YouTube hat:


Teaser & Image by Atbannett (CC BY-SA 3.0)


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Hamburger Wahlkampf: Fernduell über Google Hangouts

Hangouts mit Dietrich Wersich und Olaf Scholz

Hamburgs erster Bürgermeister Olaf Scholz und sein Herausforderer Dietrich Wersich stellen sich in zwei Hangouts auf Google+ den Fragen einer Schulklasse. // von Daniel Peter

Hangouts mit Dietrich Wersich und Olaf Scholz

 

Die meisten Jugendlichen sind es gewohnt, über digitale Pfade mit ihrer Umgebung zu kommunizieren. Politik-Digital.de bietet ausgewählten Schulklassen seit einiger Zeit die Möglichkeit, mit Politikerinnen und Politikern online ins Gespräch zu kommen. Auch andere Interessierte können während dieser Fragerunde mit den Politikern ins Gespräch kommen. Morgen findet das erste von zwei geplanten Hangouts-Gesprächen mit den Spitzenkandidaten von SPD und CDU für den Hamburger Bürgerschaftswahlkampf statt.

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Wie aktiv sind Politiker in sozialen Netzwerken?

Social Media (Bild: kropekk_pl [CC0], via Pixabay)

Soziale Netzwerke sind auch für Politiker von immer größerer Bedeutung, wie der Politik- und Kommunikationsberater Martin Fuchs anhand der Aktivität der Bundestagsabgeordneten bei Facebook, Google+ und Twitter nachweist. // von Lars Sobiraj

Social Media (Bild: kropekk_pl [CC0], via Pixabay)

Martin Fuchs hat sich selbst zum „Hamburger Wahlbeobachter“ erkoren. In Zusammenarbeit mit Technikern hat er mehrere Portale erschaffen, die die Aktivität von Personen und Organisationen in sozialen Netzwerken analysieren und vorstellen. Zwar ist die Präsentation in erster Linie Werbung in eigener Sache, zumal Fuchs als Kommunikationsberater tätig ist. Dennoch kommen dabei recht spannende Ergebnisse zutage.

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5 Lesetipps für den 11. Dezember

In unseren Lesetipps geht es um Medien und die digitale Revolution, Cyberangriffe im nächsten Jahr, das Datenschutzrecht, digitale Entwicklungen 2015 und Online-Marketing im Wahlkampf. Ergänzungen erwünscht.

  • MEDIEN Horizont: It’s only the beginning: Wie Hubert Burda das Internet sieht: Dass die Medien das Internet verschlafen hätten, ist ein gern genutzter Vorwurf, mit dem Zeitungen, Verlage und Co. konfrontiert werden. Hubert Burda hingegen zeigt, dass dem nicht immer so sein muss. Er hat bei Horizont 25 Jahre digitale Revolution bilanziert und zeigt anhand von fünf Entwicklungen, wie das Internet und die Digitalisierung die Medien verändert haben. Dabei geht er von Facebook über Google bis hin auf das Thema „Geld verdienen im Internet“ ein und zeigt, dass das Märchen, dass die Medienhäuer das Internet verschlafen hätten, auf ihn nicht zutrifft.

  • CYBERANGRIFFE DIE WELT: Das sind die größten Cyber-Gefahren im Jahr 2015: Das Internet verändert sich und damit auch sowohl die Anzahl als auch die Art und Weise der Cyberangriffe. Für das kommende Jahr hat das Computersicherheitsunternehmen McAfee eine Studie vorgestellt, die eine weitere Zunahme an Angriffen aus dem Internet prognostiziert. Hierbei stehen vor allem ungeschützte Computer im Fokus. Darüber hinaus ergeben sich aber auch neue Gefahren. So wurde bei der Entwicklung des „Internet of Things“ versäumt Sicherheitsmaßnahmen einzubauen, sodass hier eine große Gefahr von ausgeht. Dazu stehen auch die mobilen Endgeräte im Fokus der Cyberkriminellen.

  • DATENSCHUTZ FAZ: Datenschutzrecht: Kommt heraus aus der Defensive: Der Datenschutz muss endlich aus der Defensive kommen und Amerika klargemacht werden, dass Grundrechte auf dem Spiel stehen, fordert Gerhart Baum auf FAZ.net. Google und Co. sowie die Geheimdienste wuchern weiter in die Gesellschaft hinein. Doch die Bundesregierung tut merklich wenig, auch wenn laut Baum viel dafür spricht, dass die Geheimdienste verfassungswidrig handeln und die Grundrechte ausgehöhlt werden. Somit sei es wichtig, dass europäische Datenschutzverordnung durchgesetzt wird und eine Verwässerung des Datenschutzes verhindert wird.

  • CROSSMEDIA JakBlog: Medien 2015: Crossmedia ist tot: 2015 steht kurz vor der Tür. Grund genug um sich Gedanken zu machen, was im kommenden Jahr Trend sein könnte und was nicht. Das hat sich auch Christian Jakubetz auf seinem Blog gemacht und die These aufgestellt: „2015 ist Crossmedia tot“ Neben dieser argumentiert er zudem, dass die Medien sich mehr mit ihren Nutzern beschäftigen müssen, aus ihrem Publikum eine Community machen sollten, Inhalte entbündeln und insgesamt mehr ausprobieren sollten.

  • WAHLKAMPF Hamburger Wahlbeobachter: Online-Marketing im Wahlkampf: Wie man mit Online-Kampagnen Wähler adressiert: Der Wahlkampf findet längst nicht mehr nur offline statt. Auch online buhlen die Parteien und Spitzenkandidaten um ihre Wähler. Doch worauf muss bei einer Online-Marketing-Wahlkampagne geachtet werden? Benjamin Birkner und Viktor Zawadzki erklären dies beim Hamburger Wahlbeobachter und schreiben, dass Online-Marketing im Wahlkampf helfen kann, wenn es richtig eingesetzt wird. So kann die Zielgruppe exakter und wirkungsvoller angesprochen werden, indem mit ihr durch einen effektstarken Dialog interagiert wird. Im Endeffekt wird so eine optimale Wirkung des verfügbaren Werbebudgets erzeugt und die Parteien haben höhere Chancen neue Wähler dazu zu gewinnen.

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5 Lesetipps für den 11. November

In unseren Lesetipps geht es heute um Netzneutralität in den USA, Kommunikation ohne Internet, das Urheberrecht, Social Media im Wahlkampf und dem Studium. Ergänzungen erwünscht.

  • NETZNEUTRALITÄT Re/code: What President Obama’s Net Neutrality Proposal Means: In einem Blogpost auf Medium erklärt der US-Präsident Barack Obama sein Vorhaben, wie er sich für ein offene Internet einsetzen möchte, indem die Netzneutralität ein wesentlicher Bestandteil der Ordnung darstellt. Amy Schatz und Peter Kafka kommentieren auf Re/code, wie realistisch die Pläne sind, wie die Entwicklung aussehen könnte und das es sich bei Obamas Statement in erster Linie um ein Statement handelt und noch nicht mehr.

  • KOMMUNIKATION Nieman Journalism Lab: Can mesh networks and offline wireless move from protest tools to news?: In Zeiten der Digitalisierung konzentriert sich unsere Kommunikation verstärkt auf das Internet, doch es ist auch (immer noch) die Zeit von politischer Unterdrückung und Folgen der Klimakatastrophe. Demonstranten werden online überwacht, während zum Beispiel Flutopfern keine funktionierende Infrastruktur zur Verfügung steht. Für diese Menschen sind nicht auf das Internet setzende Wege der Kommunikation entscheidend. Susan E. McGregor vom Tow Center for Digital Journalism stellt im Blog des Nieman Journalism Lab einige Tools und die Entwicklung an sich vor.

  • WAHLKAMPF The Huffington Post: Wie Facebook künftig Wahlen entscheiden könnte: In den letzten Wochen haben wir in den Lesetipps verschiedene Artikel zum Einfluss von sozialen Netzwerken bei den kürzlich stattgefundenen Wahlen in den USA kuratiert. Auf der Seite der deutschsprachigen Huffington Post (am besten mit dem Browser-Add-on Clearly lesen) fasst Sebastian Christ die Entwicklungen gut zusammen, gibt einen lesenswerten Überblick zum Thema und ordnet am Beispiel eines historischen Wahlkampfmoments die Bedeutung von Social Media ein.

  • URHEBERRECHT Vox: How copyright law could get you killed: Das Urheberrecht ist im digitalen Zeitalter schon eine wirklich gefährliche Sache. Ein Fall von Wissenschaftlern in den USA zeigt jetzt, dass das Urheberrecht auch tödlich sein kann. Genauer gesagt geht es um das Patentrecht und der Unterschied zum Urheberrecht wird in den bekannten Vox-Cards auch erklärt, weshalb der Artikel trotz der etwas spitz formulierten Überschrift einen interessanten Einstieg in die Debatte um immaterielle Güter und ihren manchmal Schaden verursachenden Schutzgesetzen ist, die zum Wohle der Menschheit gelockert werden müssten.

  • SOCIAL MEDIA The Conversation: Why we banned laptops, iPads and smartphones in lectures: Im australischen The Conversation-Blog schreibt der dänische Professor Bent Meier Sørensen über den Bann von Laptops, iPads und Smartphones in seinem Unterricht. Bei allen Vorteilen von sozialen Netzwerken im Unterricht, zeigt sich in seinen Kursen, dass sich die Hälfte der Studierenden davon ablenken lassen, was wiederum Auswirkungen auf die andere Hälfte der Anwesenden hat. Sørensen steht nicht im Verdacht in Manier des F.A.Z.-Feuilleton die neuen Medien einfach zu verteufeln, viel mehr geht es darum, wie an Anwesenheit gebundener Unterricht in Zeiten der sozialen Netzwerke funktionieren kann, immer auch gekoppelt an ihren Nutzen außerhalb der Unterrichtsstunden.

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5 Lesetipps für den 6. Mai

In unseren Lesetipps geht es heute um die Huffington Post, Twitter und Amazon, Social Media im EU-Wahlkampf und das Werbegeschäft auf Tumblr. Ergänzungen erwünscht.

  • HUFFINGTON POST 140z.de: Beginn eines neuen Journalismus oder Anfang vom Ende?: Ein halbes Jahr nach dem Start der Huffington Post in Deutschland stellt sich ihr Chefredakteur Sebastian Matthes den Fragen der Nachwuchsjournalisten von der Kölner Journalistenschule. Im Gespräch äußert er sich zuversichtlich, dass die deutsche Ausgabe der Huffington Post in den nächsten Monaten ihren 1000. Gastautor begrüßen kann und erklärt, warum die Plattform für Blogger attraktiv ist, obwohl sie ihnen nichts für ihre Beiträge bezahlt.
  • TWITTER I Slate: Twitter is not dying. It’s on the cusp of getting much bigger.: Wallstreet und Silicon Valley sind zwei sehr unterschiedliche Charaktere, die sich aber nun einmal, wenn es ums große Geld geht, gerne zusammentun, aber sich dann meist nicht richtig verstehen. Se verwundert es nicht, dass an der Börse das baldige Ende von Twitter herbei geschrieben wird. Eintreten wird das deshalb noch nicht. Was die Wallstreet verstehen muss ist, dass Twitter nicht wie Facebook ist und wenige aktive Nutzer hier wertvoller sind als viele inaktive Nutzer.
  • TWITTER II Business Insider: Amazon + Twitter = #AmazonCart: Jetzt wo wir wissen, dass Twitter wohl doch nicht bald am Ende ist, verkündet der Microblogging-Dienst eine Kooperation mit dem E-Commerce-Riesen Amazon. Der von beiden initiierte Service „#AmazonCart“ lässt Nutzer Produkte, die sie in ihrer Timeline auf Twitter gesehen haben, leicht in den Warenkorb bei Amazon zu schieben. Das geht natürlich nur, wenn es sich um einen Link zu Amazon handelt, aber der nächste Schritt in dieser Partnerschaft lässt sich bereits erahnen.
  • SOCIAL MEDIA Hamburger Wahlbeobachter: Übertragung der politischen Debatte der EU in Soziale Medien: In einem gesponderten Gastbeitrag schreibt Elizabeth Linder, Politics & Government Specialist bei Facebook für Europa, den Mittleren Osten & Afrika, wie sich politische Themen und Debatten im Europawahlkampf auf soziale Netzwerke übertragen lassen. In den letzten Jahren haben sich die traditionellen Barrieren zwischen Wählern und Politikern dank Social Media stark verändert. Der Beitrag ist natürlich auf Facebook ausgelegt, aber sehr interessant, wie schon heute europäische Politiker in den sozialen Netzwerken Kontakt zu den Bürgern suchen.
  • TUMBLR Business Insider: Mark Coatney Says Tumblr Ad Revenue Struggling: Mit der Übernahme der Blogging-Plattform Tumblr durch Yahoo zogen auch Werbeformate auf die Seite, doch mehr als 10 MOnate hörte man nichts von Marissa Mayer, wie sich denn mit dem für mehr als 1 Milliarde gekauften Dienst Geld verdienen lässt. Laut einem Bericht der New York Times, die sich mit aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern unterhalten hat, läuft das Werbegeschäft auf Tumblr schlecht. Die zündende Idee ist noch nicht gefunden worden.

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Videokolumne vom 29. Dezember 2013

Bildempfangsstörung (Bild Paulae [CC-BY-3.0], via Wikimedia Commons)

In der Videokolumne gibt es heute ein persönliches Best-of aus sieben Monaten Videoempfehlungen, meine Highlights des Jahres 2013! Na gut, und noch eines extra… // von Hannes Richter

screenshot banksy

Es ist so eine Sache mit den Mediatheken und Videoplattformen: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – vieles ist überall abrufbar, manches aber nur auf Zeit: Gerade die öffentlich-rechtlichen Programme in den Mediatheken der Sender sind oft nach einer Woche wieder offline. Verlängertes Fernsehen statt digitales Archiv. Bevor sie verschwinden, fischt Hannes Richter die besten Perlen des TV-Vielfalt aus den Online-Archiven und präsentiert sie in seiner wöchentlichen Kolumne.

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Studie: Social Media im Bundestagswahlkampf 2013

Twitter Buttons at OSCON adapted) (Image by Garrett Heath [8CC BY 2.0], via flickr)

Die Studie, die von Forschern der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) und der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) erstellt wurden ist, entstand in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung und dem Vodafone Institut für Gesellschaft und Kommunikation. Von Mitte Mai bis zur Bundestagswahl am 22. September 2013 wurde untersucht, wie auf Twitter, in Blogs und dem Forum meta.tagesschau.de über die Themen des Wahlkampfs – wie die NSA-Affäre, den Streit um Euro-Hawk oder Mindestlohn – diskutiert wurde. Von Interesse war, wer besonders viel Resonanz erzielen konnte und ob die altbekannten Akteure aus Politik und Medien noch bestimmend auf das Meinungsklima im Netz einwirken konnten.

Dem Internet sagt man in der Politik schon lange eine goldene Zukunft voraus – zumindest als Instrument im Wahlkampf. Spätestens seitdem Wahlkampf von Barack Obama im Jahr 2008 wartet man auf einen vergleichbaren Bundestagswahlkampf, doch auch fünf Jahre später bleibt der vermeintliche Durchbruch verwehrt. Der Wahlkampf in Deutschland wird zwar stets digitaler, er wird aber kein reiner von Daten getriebener Internetwahlkampf. Den Forschern ist bei der Untersuchung „Social Media im Bundestagswahlkampf 2013“ aufgefallen, dass im Bundestagswahlkampf 2013 eine Professionalisierung des Umgangs mit Social Media zu beobachten war. Innovative Formate bildeten aber eher die Ausnahme. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam Julian Heck auf einem Kongress zum Thema Medienkonvergenz im Bundestagswahlkampf 2013. Die enorme Heterogenität des Internets und seine rasche Weiterentwicklung erlauben aber kein pauschales Urteil – immerhin entstand fast täglich ein Twitter-Account oder Tumblr-Blog, um sich mit einem tagesaktuellen Politikereignis auseinanderzusetzen. Die Menschen waren alles andere als Politikverdrossen, ihr Ausdruck hat aber eher etwas mit Netzkultur als mit Staatsbewusstsein zu tun.

Doch Tumblr und Twitter sind nur zwei Gesichter eines seit Jahren zu beobachtenden Strukturwandels. Die politische Öffentlichkeit sucht im Internet neue Formen und Instrumente des Ausdrucks. Traditionelle Massenmedien haben ihre Funktion als „Gatekeeper“ verloren. Sie alleine sind nicht mehr die einzigen Informationsquellen für die Bildung einer öffentlichen Meinung. Das Internet mit seinen sozialen Medien war wichtig für den Wahlkampf, aber das gilt auch noch für die klassischen Medien, denn nur die Verbindung von alten und neuen Medien hat sich als sinnvoll erwiesen. Neben den klassischen Medien hat sich aber auch in den letzten Jahren eine politische Blog-Elite gebildet, die entgegen vieler Behauptungen, alles andere als unpolitisch und selbstbezogen sei. Zu den untersuchten Blogs gehörten u.a. die Ruhrbarone, die NachDenKSeiten und Carta. Dazu ist u.a. sicher noch Politik-Digital.de zu zählen, mit dem Politik-Magazin organisieren wir Netzpiloten seitdem Sommer zusammen die Hangout-Diskussionsreihe „Berliner Hinterhofgespräche„.

Trotzdem besaßen im Jahr 2013 immer noch die traditionellen Medien den größten Einfluss auf die Debatten – auch in den sozialen Medien. Die Forscher lesen das aus erstellten Themenverlaufskurven heraus und der Berichterstattung von festen Redaktionen. Die Blogosphäre, auch die auf Twitter, zeigte aber stets einen aktuellen Bezug in ihren Veröffentlichungen. Das waren auch Sachthemen wie die NSA-Affäre oder der Syrien-Konflikt, im Falle von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück aber auch Berichte über den Wahlkampfauftritt, z.B. im TV-Duell mit Bundeskanzlerin Angela Merkel oder der fotografierte Stinkefinger. Meistens ging es weniger um die Themen der SPD, sondern eher um das öffentliche Auftreten von Steinbrück. Das bedeutet aber nicht, dass Themen keine Rolle spielten: nach einer repräsentativen Befragung von Infratest dimap gehörten zu den wichtigsten Themen für die Wahlentscheidung der Mindestlohn und die Alterssicherung.

Zwei Themen ohne Bezug zum Digitalen, was darauf schließen lässt, dass Bürgerrelevanz und Social Media noch selten übereinstimmen. Aber gerade das Internet mit seinen vielseitigen Darstellungsmöglichkeiten bietet Bürgern viele Möglichkeiten, sich vereinfacht und konzentriert zu informieren. Noch artikulieren die Massen nicht ihre politische Meinung im Internet und treiben Debatten voran – mit Ausnahme von #Aufschrei oder der Aktion „Rettet die Space Night mit CC-Musik„. Das haben sie aber auch vor diesem Internet nicht in Zeitungen, dem Radio oder dem Fernsehen getan. Vielmehr ist das Internet ein Medium, um sich engagiert Gehör zu verschaffen oder still und leise eine Meinung zu bilden.


Image (adapted) “Twitter Buttons at OSCON“ by Garrett Heath (CC BY 2.0)


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Medienkonvergenz im Bundestagswahlkampf

Von Twitter und Facebook über das klassische Fernsehen, Plakate und Chats bis hin zu Second Screen und Big Data – Medienkonvergenz im Bundestagswahlkampf 2013 // von Julian Heck

medienkonvergenz image

Die Rolle der Medien(kanäle) im Bundestagswahlkampf wird auf zahlreichen Veranstaltungen thematisiert. Wie sah die Berichterstattung im Fernsehen, wie im Radio und wie im Netz aus? Der Ansatz der Medienkonvergenz-Tagung der Johannes Gutenberg Universität Mainz und des Instituts für Publizistik war ein spezieller: „gängige Trennungen in Medienkategorien“ sollten überwunden werden. Eine „integrierte Perspektive“ wurde angestrebt. Parteien, Journalisten, Blogger und Wissenschaftlicher sprachen über ihre – mehr oder weniger erfolgreichen – Methoden.

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Wahlkampf im Netz: Politik erntet auf Tumblr Spott und Hohn

TUMBLR! (adapted) (Image by Golden Owl [CC BY 2.0] via Flickr)

Der Wahlkampf lahmt vor sich hin. Die Waffen gegen die Politikverdrossenen heißen im Netz “Satire” und “Persiflage”. Das Wahlkampfjahr 2013 ist in Deutschland (Bundestagswahl) als auch Österreich (Nationalratswahl) in vollem Gange. Seit US-Präsident Barack Obama zwei Wahlen auch mit Hilfe digitaler Mittel für sich entschieden hat, liegt großes Augenmerk auf dem Internet, wo vorrangig Facebook, Twitter und YouTube zur Verbreitung von politischen Botschaften und als Diskussions-Plattformen genutzt werden. Doch online müssen sich Politiker auch der Kritik von unten stellen – etwa, wenn sie mittels Internet-Meme auf der Social-Blogging-Plattform Tumblr verspottet werden und Blogs zum Ventil der Politikverdrossenen werden.

Ein Ministerpräsident, der die Luft anhält. Genau! Ude” kann man auf dem Tumblr-Blog “Ude holding things” lesen und sich über die Foto-Montage amüsieren, die den SPD-Politiker mit rotem Kopf und aufgeblähten Backen zeigt. “11.000 Mitarbeiterinnen erfolgreich in die Arbeitslosigkeit geführt. Gut gemacht, FDP!”, steht auf der Tumblr-Persiflage “Gut gemacht FDP” unter einem Bild, das demonstrierende Schlecker-Mitarbeiterinnen zeigt. “Aus meiner Sicht ist die Glaubwürdigkeit der Bundesregierung beendet”, legt der Tumblr-Blog “Pofalla beendet Dinge” dem Kanzleramtsminister Ronald Pofalla in den Mund. Und auch in Österreich bekommt bereits eine Partei ihr Fett auf Tumblr weg: Die konservative ÖVP wird auf der Seite “When you really act like ÖVP” mit einer Reihe Videos, animierten GIFs und YouTube-Videos verspottet.

Man sieht: Social Media im Allgemeinen und Tumblr – im Mai von Yahoo um 1,1 Mrd. Dollar aufgekauft – im Speziellen bergen für Parteien und ihre Politiker eine nicht zu unterschätzende Gefahr: Sie können politischen Gegnern und Kritikern als simpel zu bedienende Plattformen dienen, um Gegenmeinungen zu verlautbaren. Ein Tumblr-Blog ist in wenigen Minuten kostenlos eingerichtet und bietet dann die einfache Möglichkeit, ihn mit Content zu füllen. Besonders beliebt sind Sammlungen von Bildern, Videos und animinerten GIFs zu einem bestimmten Thema, gerne werden auch Internet-Meme aufgegriffen und inhaltlich abgewandelt. Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un, Russlands Präsident Wladimir Putin oder Ex-US-Außenministerin Hillary Clinton wurden schon mit spöttischen Tumblr-Seiten gewürdigt, und 2013 sind auch deutschsprachige Politiker ins Visier der Macher geraten.

Mich regt das Verhalten unserer Bundesregierung tierisch auf”, sagt Manuel Folkerts der den Tumblr-Blog Pofalla beendet Dinge” aus Protest gegen die NSA-Überwachung gestartet hat. “Es kann nicht sein, dass 80 Millionen Deutsche Opfer von Spähaktionen werden, unsere Kanzlerin von Neuland spricht und der Kanzleramtsminister versucht, das Thema zu vertuschen. Die Öffentlichkeit darf diesen Skandal nicht in Vergessenheit geraten lassen. Und witzige Aktionen wie meine tragen hoffentlich dazu bei.” Der Düsseldorfer Web-Designer durfte sich innerhalb kürzester Zeit über mehr als 43.000 Zugriffe freuen. Warum die Wahl gerade auf Tumblr fiel? “Ich finde, Tumblr bietet die einfachste Möglichkeit, ohne großen Aufwand Inhalte übersichtlich und chronologisch darzustellen. Vorgängeraktionen wie “udeholdingthings” oder “gutgemachtfdp” haben gezeigt, dass Tumblr die beste Platform hierfür ist. Die Kommunikation und Verbreitung lief allerdings hauptsächlich über Twitter und Facebook ab.”

In Österreich haben währenddessen anonym bleibende Tumblr-Nutzerinnen mit “When you really act like ÖVP” die Regierungspartei ÖVP aufs Korn genommen. “Wir sind zwei Studentinnen, die nicht gut genug zeichnen können, um Karikaturen anzufertigen. Also machen wir das hier, um die ÖVP ein bisschen zu ärgern”, so die Betreiberinnen. “Wir machen diesen Spaß in unserer Freizeit. Initialzündung war die Refugee-Sache (Proteste gegen die Abschiebung von Flüchtlingen, Anm.) und alles darum herum. Die Posts entspringen spontanen Geistesblitzen und sind nicht von langer Hand geplant.” Auf die Idee kamen die zwei übrigens durch die Tumblr-Blogs “When you really live in Wien” und “When you really study in Vienna”.

Auch wenn die Tumblr-Seiten große mediale Aufmerksamkeit auf sich ziehen (“Ude holding things” wird gar von der Redaktion des Süddeutsche-Magazins Jetzt.de betrieben), ist die Breitenwirkung der Online-Persiflagen mehr als fraglich. “Wir sehen das Ganze als das, was es ist: einen Tumblr-Blog, der satirisch auf etwas aufmerksam machen kann. Wie jede Satire kann es aber politischen Aktivismus nicht ersetzen”, so die Wiener Studentinnen von “When you really act like ÖVP”. Auch Folkert, Initiator von “Pofalla beendet Dinge”, meint: “Meine Schwester ist ein gutes Beispiel für den normalen Internetnutzer. Sie hat einen Facebook-Account, schreibt E-Mails und liest Nachrichten – hat aber von #Pofallabeendetdinge nichts mitbekommen. So ist es wohl bei den meisten Deutschen, leider.” Nichtsdestotrotz: “Erfreulicherweise habe ich sehr viele Besucher aus Netzwerken des Bundestages, von Bundesministerien und sogar aus dem Kanzleramt.”

Wahlentscheidend ist der Tumblr-Spott damit sicher nicht, aber: “Wer ungeschickt damit umgeht und nicht vorbereitet ist, kann davon abgelenkt werden, und im Wahlkampf ist nichts schlimmer, als von seiner Botschaft abgelenkt zu werden”, sagt der österreichische Buchautor Yussi Pick, der sich in “Das Echo-Prinzip” mit politischer Online-Kommunikation auseinandersetzt. “Wer das Internet in seiner Kommunikation nicht einplant, hat einen blinden Fleck und macht es sich selbst schwierig.”


Image (adapted) „TUMBLR!“ by Golden Owl (CC BY 2.0)

 


 

 

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Die wunderbare Welt des Internets: Steinbrück twittert nun doch

Peer Steinbrück will es nun doch probieren. Dieses Twitter. Und mit den Wählern dort kommunizieren. Ob’s hilft?

Die wunderbare Welt des Internets: Steinbrück twittert nun doch

Keine Frage: Es ist die Woche des Kurznachrichtendienstes Twitter. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Papst dort anmeldet, ist ungefähr so hoch wie die Wahrscheinlichkeit, dass sich SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück einen 140-Zeichen-Account zulegt – Nun haben es beide in die wunderbare Welt des Internets gewagt.

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Microtargeting – Wahlkampf mit Datensätzen

In den USA finden am 6. November 2012 Wahlen statt. Der Wahlkampf im Web nimmt währenddessen eine neue Qualität an. Microtargeting macht den Wähler gläsern.

Kaum ein Thema der letzten beiden US-Präsidentschaftswahlkämpfe hat die Beobachter hierzulande so sehr begeistert wie die Internetaktivitäten der Kandidaten. Es geht um Apps, Social Media und Mobilisierungsnetzwerke. Nur selten rücken dabei jedoch die Datenbanken als Fundament solcher Netzaktivitäten in den Vordergrund. Dabei spielen die Datenbanken der Parteien bereits seit Jahrzehnten eine nicht zu unterschätzende Rolle in amerikanischen Wahlkämpfen.

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Zur Berlinwahl

Die bevorstehende Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus (Twitter: #ahw11) dürfte in vielerlei Hinsicht eine spannende Wahl im Web-Abend liefern.

Etwas mehr als eine Woche vor dem Wahltag sieht es so aus, als würde die Sendung am 18. September auf eine Art „Piraten-Special“ zusteuern. Doch dazu später mehr – in den Vorbesprechungen zur Sendung haben wir verschiedene Themen diskutiert, die aus der Netzperspektive relevant sind, hier ein kurzer Abriss dazu.

Berlin erlebt einen Online-Wahlkampf. Ja, das klingt trivial, ist es aber nicht. Der Vergleich mit den letzten Landtagswahlen (MV, RLP, HH, HB, BW nur teilweise) zeigt, dass die digitale Arena in Berlin tatsächlich parteienübergreifend erkannt und betreten worden ist. Das war in den anderen Bundesländern schlicht und einfach nicht der Fall. Die Berliner CDU hatte schon früh im Jahr ihren Programmfindungsprozess „gecrowdsourced“ (oder „crowdgesourced“?), die SPD hat mit Björn Böhning einen Netzpolitik-Experten am Start, die Grünen lancierten (unter anderem) eine kollaborative Kampagnen-Plattform und die Linkspartei denkt über das Netz für alle nach. Die FDP bestätigt leider ihre Gesamt-Performance, von den Piraten wird noch zu reden sein.

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Interview: Dr. Christoph Bieber

Politik Digital - Online zum Wähler

Am 1. Oktober erscheint Ihr neues Buch „politik digital. Online zum Wähler„. Für Querleser: Wie würden Sie die Kernthese Ihres Buchs in drei Sätzen zusammenfassen?

Da genügt beinahe schon ein Satz: „Das Internet verändert unser Handeln, und nicht nur unser Denken.“ Die Grundidee dabei ist, dass in den vergangenen Jahren bereits so viele Dinge geschehen sind, die im Netz oder durch das Netz hindurch den Alltag vieler Menschen unmittelbar beeinflusst hat. Die Wahl Barack Obamas, der Online-Wahlkampf zur Bundestagswahl, die Zensursula-Debatte oder der Aufstieg der Piratenpartei sind dabei die dominieren Themen der letzten beiden Jahre. In Zukunft dürften die „Szenen“ und „Milieus“ hinter den digitalen Eliten eine wichtige Rolle für die Entwicklung einer „Netzpolitik“ spielen, ebenso die wird sich die Organisation der politischen Parteien noch stärker an den Möglichkeiten der Online-Kommunikation orientieren. Und wir werden angesicht der sinkenden Wahlbeteiligung wohl auch wieder Wahlgeräte reden müssen.

[Das gesamte Interview folgt nach dem Sprung.]
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