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It’s a small world – Musik auf Taschenrechnern

YouTube versorgt uns mit einer Vielzahl von Videos, die uns mit ihren Ideen überraschen. Einer dieser ganz speziellen Kanäle ist „It’s a small world“. Doch was gibt es auf dem Kanal so Besonderes? Ganz einfache Antwort: Musik. Ich weiß, ihr werdet euch jetzt fragen, was an Musik denn bitte so außergewöhnlich ist. Na gut, ich verrate es euch.

Wenn Taschenrechner zu Instrumenten werden

Ein großer Teil der Videos auf It’s a small world verwendet ein ganz besonderes Instrument: Den Taschenrechner AR-7778. Ihr habt sicherlich alle mal die Musik von Super Mario gehört – oder aber auch das bekannte Theme des Kinohits Fluch der Karibik. Dieser Kanal verwendet dafür aber die Sounds eines einfachen Taschenrechners. Und da ein Taschenrechener allein nicht für sonderlich komplexe Kompositionen taugt, verwendet die Kanalbetreiberin gleich bis zu fünf der praktischen Rechenhelfer für ihre unterhaltsamen Videos.

Der Anfang war ein Kinderspiel

Die ersten beiden Videos des Kanals beinhalteten übrigens noch keine Taschenrechner. Stattdessen spielte It’s a small world auf einem nicht wesentlich größeren Spielzeug-Piano, das einen lächerlichen Tonumfang von gut zwei Oktaven bot. Darauf coverte sie ein Lied von Selena Gomez, sowie das bekannte Intro der Rekord-Serie Game of Thrones.

Bald darauf folgten dann aber schon die Videos mit den Taschenrechnern. Die Lieder sind zum großen Teil bekannte Lieder großer US-Stars wie Justin Bieber oder Ed Sheeran. Doch auch Nerds dürfen sich über zahlreiche Stücke aus Filmen, Serien und Spielen freuen.

Alles, außer gewöhnlich

Ein wenig eigen mag die etwas schüchterne Musikerin wirken, die auch erst in den neueren Videos ihr Gesicht vor der Kamera zeigt. Zuvor gab es nur ihre Hände und die „Instrumente“ zu sehen. Als erstes „Face Reveal“, veröffentlichte sie übrigens ein Video, in dem sie ihr Gesicht aus Ton selbst nachgeformt hat. Das passt irgendwie wunderbar zum etwas kuriosen Inhalt, der auch Bilder mit Fingerfarben beinhaltet, sowie auf der Tastatur gespielte Lieder.

Ebenso spielt sie Lieder auf dem Launchpad und dem Otamatone. Das Launchpad ist eine frei belegbare Oberfläche vieler in einem Gitter angeordneter Buttons. Auf diese werden Sounds und Effekte gelegt, mit denen man eigene Performances und Remixes erstellen kann. Das Otamatone ist hingegen ein Musiksynthesizer in Form einer Achtelnote, dessen Ton aus einem Mund im Notenkopf austritt. Die Tonhöhe wird über die Fingerposition am Notenhals geändert und lässt sich damit sehr ähnlich einer Geige spielen.

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Image by Aaron Amat via stock.adobe.com

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YouTube Gaming wird abgeschafft – und bleibt trotzdem erhalten

2015 erst startete „YouTube Gaming“ – eine neue Internetseite des Videoportals, speziell auf den großen Markt der Gaming-Videos zugeschnitten. Damit wollte YouTube dem auf Livestreaming konzentrierten Konkurrenten Twitch den Kampf ansagen. Der Internetriese Amazon hatte den Streamingdienst erst ein Jahr zuvor übernommen.

Nun, drei Jahre später, verkündet YouTube, seinen Gaming-Ableger März 2019 zu schließen. Dem Spielesektor den Rücken kehren will YouTube aber keinesfalls. Die YouTube Gaming-Features werden bis zur Abschaltung in die Hauptseite integriert. Grund für diese Entscheidung seien Rückmeldungen der Nutzer, die von der Trennung der beiden Seiten irritiert waren oder nicht einmal von der Existenz einer eigenen Gaming-Seite wussten.

Gegenüber Techcrunch äußerte sich Ryan Wyatt, Director of Gaming Content, wie folgt:

„We have 200 million people that are logged in, watching gaming content every single day. And the majority of them, quite frankly, are just not using the YouTube Gaming app for their gaming experiences.“

Mit 200 Millionen eingeloggten Besuchern, die täglich Gaming Content schauen, sei man sehr zufrieden. Der größte Teil schaut sich die Videos aber nach wie vor über die normale YouTube -Seite an.

Wie geht es weiter?

Wenn im ersten Quartal 2019 der Stecker gezogen wird, müsst ihr trotzdem auf nichts verzichten. Bereits jetzt ist die neue Themenseite über „Mehr von YouTube“ auf der Startseite oder direkt über die neue Seite erreichbar.

Hier könnt ihr gewohnt Spiele auswählen und habt die aktuellen Top-Livestreams sofort im Blick. Ebenso abonniert ihr nicht nur einzelne Kanäle, sondern bei Bedarf auch ganze Spiele. YouTube spendiert euch sogar eine Gaming-bezogene Trendseite. Auch für kleinere Kanäle gibt es Grund zur Freude: „On the Rise“ nennt sich ein neues Programm, das Gaming-Kanäle hervorheben soll, die gerade auf dem Vormarsch sind. 

Die Features werden Schritt für Schritt in die neue Themenseite implementiert. Damit findet ein flüssiger Übergang von der alten in die neue Welt statt, ehe YouTube Gaming im März 2019 vom Netz genommen wird. Ob die neue Themenseite besser angenommen wird, wird sich dann zeigen.


Image by Iryna Tiumentseva via stock.adobe.com

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Facebook Watch – Was steckt hinter dem Symbol in der App?

Dem einen oder anderen mag es aufgefallen sein. Dieses neue Symbol in der Facebook-App, das einem an ein gewisses Videoportal erinnert. Will das neue Facebook Watch damit etwa den Marktprimus YouTube stürzen? Und was kann dieser neue Facebook-Dienst überhaupt?

In den USA schon länger online

So ganz neu ist der Video-on-Demand-Dienst von Facebook nicht. Bereits im August vergangenen Jahres fiel in den USA der Startschuss. Zum anfänglichen Programm gehörte unter anderem „Little Kitchen“, eine Kochshow mit Kindern, sowie die Übertragungen ausgewählter Spiele der US-Baseball-Liga MBL. Aber jetzt stellt sich die Frage, was Facebook Watch nun eigentlich anders macht?

Facebook will nicht wie YouTube sein. Wo die Google-Tochter ganz nach dem Motto „Broadcast yourself“ jedem die Möglichkeit bietet, seine Videos zu veröffentlichen, geht Facebook restriktiver vor. Neben professionell produzierten Inhalten können zwar auch Facebook-Nutzer eigene Videos veröffentlichen, müssen dafür aber schon 5.000 Fans mitbringen. Dem Zuschauer werden die Videos nach dem gleichen Prinzip empfohlen, wie bereits bei Facebook-Beiträgen.

Wenn man sich auf der Videoseite befindet, wird die Suchleiste für die gezielte Suche nach Videos genutzt. Über den Filter könnt ihr bestimmen, ob ihr für sich losgelöste Videos, Sendungen oder Folgen einer Serie suchen wollt und könnt den Suchradius auf Freunde oder Gruppen beschränken.

Die Suchfunktion von Facebook Watch. Es wird nach einzelnen Videos gesucht. Screenshot by Stefan Reismann

Facebook Watch Party

Eines der interessanten Features von Facebook Watch sind jedoch die „Facebook Watch Partys“. Dabei handelt es sich um eine besondere Art der Facebook-Gruppe. Die Administratoren oder Moderatoren der Gruppe können bestimmen, wann die Gruppe etwas schaut. Das können sowohl Live-Videos sein, als auch eigene Videos oder welche, die auf anderen Facebook-Seiten hochgeladen wurden.

Die Party sieht dann gemeinsam das gleiche Video zum gleichen Zeitpunkt und kann dabei live kommentieren und Emoticons verwenden. Bislang hatte man dieses Erlebnis des gemeinsamen Schauens nur offline auf der heimischen Couch oder beim Verfolgen eines Livestreams. Mit Facebook Watch Party könnt ihr jederzeit übers Internet einen kleinen oder größeren Fernsehabend veranstalten – und jeder muss nur sein eigenes Popcorn mitbringen.

Videomacher könnten außerdem die Veröffentlichung eines neuen Videos gemeinsam mit den Zuschauern feiern und direkt mit ihnen interagieren. Das würde die Zuschauerbindung immens stärken.

Bislang nur auf mobilen Endgeräten

Ein kleiner Wermutstropfen bleibt: Bislang ist das Angebot nur über mobile Geräte verfügbar. Wer etwa über den heimischen Browser auf die Watch-Seite geht, bekommt die Fehlermeldung „Leider ist dieser Inhalt derzeit nicht verfügbar“. Da der Service in den USA bereits auch über Desktop verfügbar ist, sollte es nicht lange dauern, bis ihr Facebook Watch auch in Deutschland über euren PC nutzen könnt.


Image by Jacob Lund via stock.adobe.com

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5 Highlights aus den Mediatheken!

In den kostenlosen Mediatheken warten unzählige tolle Filme, Serien-Episoden und Dokumentarstücke auf ihre Entdeckung. Hier ist meine Auswahl für den Oktober: das Spielfilmdebüt von Echt-Sänger Kim Frank, die teuerste deutsche Serienproduktion aller Zeiten und eine Reportage über Antisemitismus in deutschem Hip-Hop. Viel Spaß beim Streamen!

Wach

Debüt von Kim Frank: Nike (Alli Neumann) und C. (Jana McKinnon) wären gerne älter als sie sind, würden am liebsten mehr erleben als sie es gerade tun, wollen raus aus allem. Um sich mal richtig zu spüren, probieren die 17-jährigen Freundinnen so lange wie möglich ohne Schlaf auszukommen. Ein 86-Stunden-Rausch beginnt.

Funk | Dauerhaft verfügbar: Zum Film

Babylon Berlin (Staffel 1)

Berlin, im Frühjahr 1929: Eine Metropole in Aufruhr. Ökonomie und Kultur, Politik und Unterwelt – alles befindet sich in radikalem Wandel. In dieser Kulisse findet sich der junge Kommissar Gereon Rath (Volker Bruch) wieder. Ein scheinbar simpler Fall wird sein Leben bald für immer verändern. Mit dabei: Liv Lisa Fries, Lars Eidinger, Benno Fürmann uvm.

Das Erste | Verfügbar bis 18.10.: Zur Serie

The Tables

An den Tischtennis-Platten im New Yorker Bryant Park trifft sich die Welt – von Obdachlosen, Profi-Spielern, Fahrrad-Boten, über Investmentbänker bis hin zu einem Typen, der einen Holzblock als Schläger benutzt. Doku-Filmer Jon Bunning stellt die Menschen vor, die dort bei Wind und Wetter zusammenkommen.

Jon Bunning (Vimeo) | Dauerhaft verfügbar: Zur Doku

Die Brücke (Staffel 1-3)

Eine Frauenleiche auf der Öresundbrücke zwischen Schweden und Dänemark ist der Beginn vieler Taten eines unbekannten Mörders. Eine grenzübergreifende Polizeikooperation soll helfen die Verbrechen so schnell wie möglich aufzuklären. Welche Hinweise zu den Taten können der dänische Inspektor Martin Rohde (Kim Bodnia) und seine schwedische Kollegin Saga Norén (Sofia Helin) finden? Und wer kommt überhaupt als Tatverdächtiger in Frage?

ZDF | Verfügbar bis 19.12.: Zur Serie

Die dunkle Seite des deutschen Rap

Über Antisemitismus im deutschen Rap wird nicht nur in der Musikszene heftig debattiert. Viola Funk fragt für „Die Story“ vom WDR nach: Wer sind die Akteure? Um was geht es in den Rap-Texten wirklich? Rapper wie die Antilopen Gang erklären, um was es in ihren umstrittenen Songs wirklich geht.

WDR | Verfügbar bis 28.03.19: Zur Doku


Foto-Credit: Funk, ARD, Sky (adapted) by David Streit

 

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5 Highlights aus den Mediatheken!

20180801 Mediathekentipps KW 31

In den kostenlosen Mediatheken warten unzählige tolle Filme, Serien-Episoden und Dokumentarstücke auf ihre Entdeckung. Hier ist meine Auswahl für den August: ein Road-Movie von Fatih Akin, eine Krimi-Serie über Amnesie und drei Dokumentationen. Viel Spaß beim Streamen!

Digital Africa – Ein Kontinent erfindet sich neu

Es heißt, dass der afrikanische Kontinent eine Stufe der Digitalisierung einfach übersprungen hat: Von Kenia bis Ghana arbeiten unzählige Startups daran mobile Technologien überall im Land verfügbar zu machen. Die Arte-Doku zeigt, wie das Bezahlen mit dem Smartphone in die entlegensten Dörfer vordringt, Drohnen über Erntefeldern kreisen und welchen Mehrwert die Blockchain-Technologie für das Gesundheitswesen darstellt.

Arte / Verfügbar bis 29.08.: Zur Doku

Michael Jackson’s Journey from Motown to Off the Wall

Regisseur Spike Lee beleuchtet in seiner Doku die jungen Zwanziger der Pop-Legende. Damals konnte sich Michael Jackson über seine ersten Chart-Erfolge als Solo-Künstler freuen, wonach seine Karriere so richtig abhob. Den internationalen Durchbruch bescherte ihm schließlich 1979 sein Album „Off the Wall“ – dem bis dahin weltweit erfolgreichsten Album eines schwarzen Künstlers.

3sat / Verfügbar bis 16.10.: Zur Doku

Tschick

Erst sieht es so aus, als würde Außenseiter Maik (Tristan Göbel) die Sommerferien allein zuhause verbringen. Doch dann kreuzt sein Mitschüler Tschick (Anand Batbileg) auf und überredet ihn, zusammen eine Reise ohne Karte und Kompass durch die ostdeutsche Provinz zu starten. Ein chaotischer und nicht ganz ungefährlicher Roadtrip beginnt.

WDR/ Verfügbar bis 04.08.: Zum Film

Tabula Rasa (Staffel 1)

Seit einem Autounfall leidet Mie (Veerle Baetens) unter Amnesie und ist ohne ihr Notizbuch verloren. Doch nun muss sie sich um jeden Preis erinnern: Ein Mann ist verschwunden und Inspektor Wolkers (Gene Bervoets) ist überzeugt: Mie ist die letzte, die ihn womöglich lebend gesehen hat.

ZDF / Verfügbar bis 05.01.2019: Zur Serie

Das Notfall-Dilemma – Moralisch richtige Entscheidungen sind nicht programmierbar

Wie reagieren Menschen, wenn um sie das Chaos ausbricht? Wen soll man retten, wenn man sich in Bruchteilen von Sekunden zwischen zwei Menschen entscheiden muss? Notfälle, Unfälle und Unglücke passieren immer wieder – und nun versuchen wir Menschen diese Entscheidungsfähigkeit auch in selbstfahrende Autos zu implementieren. Doch nach welchen Kriterien hat das stattzufinden?

ZDF / Verfügbar bis 2023: Zur Doku


Image Arte, Sony Legacy Recordings

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5 Highlights aus den Mediatheken!

In den kostenlosen Mediatheken und Streaming-Plattformen warten unzählige tolle Filme, Serien-Episoden und Dokumentarstücke auf ihre Entdeckung. Hier ist meine Auswahl für Juli: zwei Dramen, zwei Dokus und ein ganzes Themen-Dossier. Viel Spaß beim Streamen!

Laurence Anyways

Drama von Xavier Dolan: Als Laurence (Melvil Poupaud) seiner Freundin Fred (Suzanne Clément) gesteht, dass er von nun an eine Frau sein möchte, stellt das ihre Liebe auf die Probe. Doch die zwei können nicht ohneeinander. Zusammen kämpfen sie gegen Widerstände, Vorurteile und Zweifel, aber immer wieder auch gegeneinander.

Arte / Verfügbar bis 30.09.: Zum Film

Mai 68 – Was bleibt 50 Jahre nach der Revolte? bei Arte

Dieser Tage gehen wir gegen Rechts oder für die Seenotrettung auf die Straße. Vor 50 Jahren haben Studenten für das Ende der kapitalistischen Ausbeutung, Unterdrückung und Entfremdung demonstriert. In dem Arte-Dossier „Mai 68“ beleuchten gleich mehrere Dokus, wie es zu der 68er-Bewegung kam und was von ihren Zielen übrig blieb.

Arte / Verfügbar bis 20.07. oder länger: Zu den Dokus

Der Tintenfisch und der Wal

Familiendrama von Noah Baumbach: Zwischen Joan (Laura Linney) und Bernard (Jeff Daniels) funkt es nicht mehr. Also lassen sich die beiden Autoren scheiden. Am härtesten trifft das ihre Söhne Walt (Jesse Eisenberg) und Frank (Owen Kline), die sich von der Situation überrumpelt und im Alltag ziemlich allein gelassen fühlen. Mit einem Mal fangen alle vier an sich immer komischer zu verhalten.

Watchbox / Dauerhaft verfügbar: Zum Film

Hinter den Kulissen: Das Phantasialand

Das Phantasialand ist einer der ältesten Freizeitparks in Europa und hält neun Weltrekorde für seine Fahrgeschäfte. Es betreibt die bestbesuchte Dinner Show Deutschlands und hat den größten chinesischen Gebäudekomplex außerhalb Asiens. Als Märchenpark vor gut 50 Jahren gestartet, muss sich der Park immer wieder neu erfinden, um im harten Konkurrenzkampf der Freizeitparks ganz vorne zu bleiben.

WDR / Verfügbar bis 29.06.2019: Zur Doku

Wie Free-to-Play-Games euch das Geld aus der Tasche ziehen

Überall sieht man Banner für Gratisgame wie Clash of Clans & Co. – sie versprechen schnelle Unterhaltung und auch ein bisschen Nervenkitzel. Doch was passiert, wenn man wirklich in den Pixelwelten vorankommen möchte? Der Spielfortschritt geht schnell richtig ins Geld. STRG_F-Reporter Johannes Edelhoff hat sich die Tricks der Spieleindustrie angeschaut und selbst zwei Monate exzessiv gezockt.

STRG_F / Dauerhaft verfügbar


Image NFP marketing & distribution*, Arte

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Die dunkle Vergangenheit von Social Media

Dunkelheit (adapted) (Image by KristopherK [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Im April des Jahres 2016 gab Facebook Gründer Mark Zuckerberg bekannt, dass die Social Media-Plattform seinen nahezu zwei Milliarden Benutzern die Möglichkeit des Livestreams von Inhalten zur Verfügung stellt. Dieser Schritt wurde als die natürliche Erweiterung der grundlegenden Ziele der Plattform betrachtet: Das Anbieten einer Plattform, auf der durchschnittliche Menschen ihre tagtäglichen Erfahrungen mit anderen teilen können – von Alltagserfahrungen bis hin zu bedeutsamen, einschlägigen Ereignissen.

Beinahe genauso schnell fanden die Benutzer der Plattform einen Weg, auch die schlimmsten Vorfälle live im Netz zu verbreiten, darunter das sogenannte Easter Day Slaughter, bei dem die fatale Schießerei auf einen 74-jährigen Rentner live übertragen wurde.

Als Resonanz forderten immer mehr Menschen Facebook dazu auf, das Anbieten des Livestreams zu beenden, oder wenigstens eine Möglichkeit zur besseren Überprüfung der Inhalte zu finden. Der Pastor Jesse Jackson merkte beispielsweise an, dass Facebook Live von den Menschen als Plattform genutzt wird, um ihre Wut, ihre Ängste und ihre Dummheit zu äußern.

Viele haben wegen dieser Verhaltensweisen Facebook eine Schattenseite zugeschrieben und fordern, dass das Unternehmen nach einer Lösung zur Prävention derartigen gesellschaftsfeindlichen Verhaltens sucht. Doch schon ein flüchtiger Blick auf die Geschichte der Sozialen Medien zeigt, dass die Verhaltensweisen, die aus den Schattenseiten resultieren, weder einmalig in der Geschichte von Facebook sind, noch als etwas Neues von den heutigen Benutzern betrachtet werden.

Eine dunkle Geschichte

Die Dichterin und Technologieautorin Judy Malloy beschrieb die ältesten Vorgänger der Social Media Netzwerke als Orte der Kreativität und Gemeinschaft. Programme wie beispielsweise die Berkeley’s Community Memory boten den Benutzern der 1970er einen digitalen Ort, um Inhalte zu posten und Geschichten, die von der Community gelesen wurden, zu teilen. Beliebte Inhalte waren dabei unter anderem persönliche Anzeigen und Kurzgeschichten.

Doch selbst diese friedvollen Tage hatten ihre dunklen Momente. Im Jahr 1985 schrieb die Autorin Van Gelder über ihre Erfahrungen mit dem CompurServe CB‘-Simulator einer der ersten online Chatrooms weltweit. Inmitten der beliebten Programme im CB-Simulator waren diese der Romantik und den Beziehungen gewidmet. Diese stoßen auf das besondere Interesse von LGBTQ-Menschen, denen es im Allgemeinen schwer fiel, über ihre geschlechtliche Identität und sexuellen Präferenzen im öffentlichen Raum zu sprechen. Während viele Nutzer auf der Suche nach der Liebe im Internet fündig wurden – 1991 wurde eine Hochzeit im CB-Simulator veranstaltet, bis heute gilt diese als die erste Online-Hochzeit – wurde Van Gelder getäuscht. Sie hatte eine intime, romantische Onlinebeziehung zu einem Mann, der sich als behinderte Frau ausgab.

Geschichten von sexueller Aggression bekamen im Jahr 1998 einen noch negativeren Touch, als der Technikjournalist Julian Dibbell von einer sexuellen Nötigung, die auf einer textbasierten Onlineplattform namens LambdaMoo stattfand, berichtete. Die Vorstellung einer sexuellen Nötigung im Internet mag abwegig erscheinen, wenn man bedenkt, dass die Benutzer keinen körperlichen Kontakt zueinander haben. Und doch war es einem Nutzer namens ‚Mr. Bungle‘ möglich, das Programm zu hacken und infolgedessen die komplette Kontrolle über die Handlungen der anderen Nutzer zu übernehmen, wie deren Gespräche und Beschreibungen ihrer Handlungsschritte.

Laut Dibbells Bericht benutzte ‚Mr. Bungle‘ diesen Hack, um die Nutzer zu veranlassen, obszöne Handlungen vorzunehmen und gewalttätige sexuelle Aktionen an ihren eigenen Körpern auszuführen. Die Benutzer der Plattform beschrieben auf welche Art und Weise sie sich und andere – ohne Erlaubnis – berührten. Mr. Bungle behauptete im Nachhinein, seine Aktionen seien lediglich ein Streich gewesen, trotz dem Beharren seiner Opfer darauf, dass sie durch seine Aktionen gedemütigt worden sind (oder zumindest durch die Aktionen die seine Opfer dazu gezwungen haben, sich vorzuführen). Die Geschichte ist denkwürdig angesichts der Tatsache, dass Beziehungen über das Internet genauso intim und wichtig sein können wie die Beziehungen außerhalb des Internets.

Springt man ins Jahr 2006, gerät man schnell an die Geschichte von Evan Guttmann und dem gestohlenen ‚Motorola Sidekick‘-Handy seines Freundes, das die Internetnutzer von damals faszinierte. Zunächst fing alles als schlichter Blogeintrag über einen Jugendlichen an, der es ablehnte, das Handy an seinen rechtmäßigen Besitzer zurückzugeben. Zum Schluss mündete es in einen wachsenden Internetmob, bei dem die Leser von Evans Blog die Adresse des Jugendlichen aufspürten und dessen Familie schikanierten.

Später im gleichen Jahr erfuhren die Nutzer der Plattform MySpace von der tragischen Geschichte der Megan Meier, einem Teenagermädchen aus Missouri, das sich das Leben nahm, nachdem sie von einem Jungen, den sie online kennengelernt hatte (es handelte sich um einen MySpace-Nutzer namens „Josh“), auf der Plattform gemobbt wurde. Erst nachdem Ermittlungen erfolgten, fand Megans Familie heraus, dass es sich bei „Josh“ tatsächlich um die Mutter eines Mädchens handelte, mit der Megan zuvor in einen Streit geraten war. Dieser Vorfall führte zum ersten Gesetzesentwurf in Bezug zum Onlinemobbing in den USA.

Soziale Medien verstehen

Diese Geschichten sind Beispiele dafür, was passieren kann, wenn einzelne Nutzer die Möglichkeiten zur Benutzung von moderner Technik entdecken: Man nutzt die Anonymität von CompuServe für Betrug, modifizierte mit cleveren Programmierungsskripten das Verhalten der anderen Nutzer, es wurden Blogs instrumentalisiert, um maximale Aufmerksamkeit auf ein geringes Vergehen zu lenken. Auch nutzt man Soziale Medien, um eine falsche Identität aufzubauen. In allen Fällen hatten die betrügerischen Aktionen dramatische Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen in deren realen Leben.

Das Wichtigste ist, dass diese Geschichten als Beispiele dienen, wie besonders Facebook und auch andere soziale Medien im Allgemeinen aufzufassen und zu verstehen sind. Es ist wichtig, dass die Nutzer die Gleichwertigkeit der Moral sowohl in Bezug auf Facebook-Kommunikation als auch in Bezug auf zwischenmenschliche Kommunikation erkennen. Statt soziale Medien generell als sinnlos und ablenkend abzutun und diese Perspektive an unsere Kinder abzugeben, sollten sie eingestehen, dass die zwischenmenschliche Kommunikation online genauso bedeutsam ist wie offline.

Berichterstatter haben die Livestreaming-Option von Facebook als „wesentlich grenzenloses Verbreitungssystem“ verflucht. Derartige Kritiken ignorieren jedoch die Vorteile dieser „grenzenlosen“ Verbreitung, wie das Vernetzen von Familien und die Möglichkeit, dass auch Stimmen von Verfolgten gehört werden können. Selbst Filmmaterial mit Gewalttaten kann zur richtigen Zeit von Vorteil sein: Die Facebook Live-Übertragung von der Schießerei in Minnesota im Juli 2016 diente als einflussreiche Mahnung, um auf soziale Ungerechtigkeit und Polizeiarbeit in den Vereinigten Staaten aufmerksam zu machen.

Anti-Terror-Streitkräfte setzen auf soziale Medien, um terroristische Aktivitäten zurückzuverfolgen und besser nachvollziehen zu können. Um den Missbrauch von Livestreaming zu bekämpfen, hat Facebook kürzlich bekanntgegeben, 3.000 zusätzliche Monitore für die Kontrollierung der Livevideos einzusetzen. Jedoch liegt meiner Meinung nach die Verantwortung für den Inhalt in den sozialen Medien letztlich bei den Nutzern, die die Inhalte tagtäglich erstellen und sich auf der Plattform bewegen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Dunkelheit“ by KristopherK (CC0 Public Domain)


The Conversation

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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
  • AMAZON PRIME Chip: Amazon Prime Video: Kostenloses Streaming-Angebot geplant: Amazon Prime kann vielleicht schon bald als werbefinanzierter Streamingdienst genutzt werden. Derzeit laufen die Verhandlungen über die Bereitstellung von Inhalten mit Fernsehsendern, Medienunternehmen und Filmstudios. Amazon Prime Videos sollen dann kostenfrei geschaut werden können. Allerdings nicht werbefrei. Das Ziel hinter diesem Modell ist die Neukundengewinnung. Gerade die jungen Nutzer erfreuen sich der Vielzahl an Streamingportalen, scheuen allerdings die zusätzlichen Kosten. Amazon möchte auf diese Art mehr Nutzer auf seine Seite ziehen. Gerade jetzt, wo Netflix erst vor Kurzem seine Preise erhöhen musste, könnte das kostenlose Streamingangebot einen guten Vorteil darstellen.

  • LADESÄULEN Manager Magazin: Siemens setzt auf Ladesäulen an Straßenlaternen: Ladestationen für Elektroautos sind zwar praktisch, aber dennoch viel zu selten auf den Straßen vertreten. Dagegen möchte Siemens etwas unternehmen: Straßenlaternen sollen jetzt mit Steckdosen ausgestattet werden, um Autofahrern das Aufladen ihrer Elektroautos zu ermöglichen. Gemeinsam mit dem Berliner Startup Ubitricity möchte Siemens diese Idee umsetzen. Ubitricity arbeitet schon länger an diesem Projekt, welches vor allem in London umgesetzt wird. Neben Siemens gibt es jedoch auch andere Unternehmen, wie etwa die Deutsche Telekom, die Vorschläge unterbreiten, wie das Nachladen für Elektroautos einfacher werden kann. Bezüglich der Zusammenarbeit zwischen Siemens und Ubitricity äußern sich die Unternehmen jedoch nicht detailliert.

  • GOOGLE ASSISTANT Turn On: Google Assistant könnte doch noch auf Android-Tablets kommen: Bisher hatte Google es vermieden seinen Sprachassistenten auf Tablets zur Verfügung zu stellen. Die Gründe dafür sind bisher unbekannt. Doch die aktuelle Beta-Version der Google-App zeigt, dass sich das bald ändern könnte. Ein Symbol, das eindeutig ein Tablet darstellen soll, bietet den Hinweis dafür. Google hat selbst noch nicht darauf hingewiesen. Allerdings würde es nur sinnvoll für das Unternehmen sein, denn Tablets sind nach Smartphones derzeit die zweitgrößte Gesamtkategorie. Wenn Google seinen Sprachassistenten auch auf Android-Tablets zur Verfügung stellt, könnte der Konzern weitere Millionen von Nutzern erreichen. Wann der Sprachassistent auf Android-Tablets einziehen lassen wird, weiß man allerdings noch nicht.

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Video-Content selbst produzieren: Nachhilfe bei Smartphone-Videos

Gute Smartphone-Videos: Anton Knoblach zeigt, wie's geht. / Image by Phil Dera für DIE ZEIT

Smartphones werden immer leistungsstärker. Das aktuelle iPhone 7 Plus besitzt beispielsweise eine Dual-Kamera, mit der Videos in einer Auflösung von 3.840 x 2.160 Pixeln gedreht werden können. Mit 30 Bildern pro Sekunde und einer f/1.8-Blende ist das iPhone 7 Plus somit rein technisch bereits fähig, hochauflösende und ansehnliche Smartphone-Videos zu produzieren. Doch die Technik im Smartphone sei lange nicht alles, was für gute und erfolgreiche Handy-Videos nötig ist, sagt Video-Consultant Anton Knoblach, der Mitbegründer der Filmproduktionsfirma „unfourseen“ ist und zum Autoren-Team der Applepiloten zählt. Nun berät er kleine und große Teams beim Aufbau einer eigenen Videoproduktion. Gemeinsam mit Creative Producer Paul Ohmert zieht Knoblach momentan durch Deutschland und gibt Workshops im Bereich Videoproduktion mit dem Smartphone. Ich habe ihm im Interview nach ultimativen Tipps zum Filmedrehen mit dem Smartphone befragt.

„Ton ist eines der wichtigsten Qualitätsmerkmale“

>„Videos zu produzieren ist mittlerweile technisch gesehen einfach geworden. Smartphones können immer mehr im Videobereich und sind in der Anschaffung im Vergleich super günstig“, betont der Wahl-Berliner. Zu einer erfolgreichen Smartphone-Produktion gehöre neben einem Smartphone vor allem auch ein ordentliches Mikrofon. „In der Filmbranche galt lang Zeit der Spaß-Leitsatz ‚Ohne Licht geht’s nicht – ohne Ton geht’s schon.‘ Das ist Quatsch, der Ton ist eines der wichtigsten Qualitätsmerkmale. Vor allem, wenn es um Smartphone-Videos geht. Die eingebauten Mikrofone nehmen Ton nur sehr weiträumig auf – für Interviews ist das einfach nicht nah genug.“ Knoblach empfiehlt hier ein externes Mikrofon in Form eines DSLR-Aufsatzes oder ein klassisches Ansteck-Mikrofon mit oder ohne Funkstrecke.

Smartphone-Videos Workshop
Video-Consultant Anton Knoblach / Image by Eylül Aslan (Blogfabrik)

Smartphone-Videos: Stativ und Gimbal sind viel wert

Schlechter Ton sei laut Knoblach übrigens ein beliebter Anfänger-Fehler. Das Filmen im Hochformat gehörte übrigens auch lange Zeit zu diesen Fehlern. Das sei mittlerweile jedoch anders: „Früher galt das Hochformat-Video als Erkennungsmerkmal für Leute, die keine Ahnung von Video hatten, das einzige akzeptierte Format war quer. Mittlerweile kommt es aber ganz klar darauf an, für welches Format und welches Medium überhaupt gedreht wird. In manchen sozialen Netzwerken ist Hochformat beinahe schon ein Muss. Gerade die jüngeren Generationen sind immer weniger bereit, ihr Smartphone zu drehen, wenn Smartphone-Videos im Querformat in der Timeline erscheinen.“

Für die ultimative Smartphone-Produktion empfiehlt Knoblach zudem eine gute Ausleuchtung der Szenerie. Dazu gehört nicht nur Hardware in Form von beispielsweise LED-Panels, sondern vor allem bei Außendrehs auch die Berücksichtigung des Wetters. Den letzten Schliff erreichen Smartphone-Filmer laut Knoblach mit einem Stativ oder Gimbal, die unschöne Wackler im Bild verhindern. „Hier gilt die selbe Regel wie bei der Smartphone-Fotografie. Eine gute Bildgestaltung gelingt besser, wenn die Kamera unabhängig von einer wackeligen menschlichen Hand ist. Gerade bei Steadicam-ähnlichen Fahrten, etwa bei Eventfilmen, ist solches Zubehör viel wert.“

Gute Hardware muss kein Vermögen kosten

Nun scheint es doch so zu sein, dass Smartphone-Filmer eine ganze Menge Hardware anschaffen müssen, wenn gute Smartphone-Videos entstehen sollen. „Die Kosten für Licht, Stativ und Mikro sind bei der Smartphone-Videoproduktion aber immer noch überschaubar und bei weitem nicht so hoch, wie bei klassischer Ausrüstung mit Kamera“, so Knoblach.

Man müsse bei der Anschaffung der Hardware auch nicht immer das Teuerste kaufen. Explizit fürs iPhone empfiehlt der 26-Jährige beispielsweise die Anstecker-Kombi von Rode. Das smartLav+ Mikrofon gibt es bei Amazon bereits ab 59 Euro. Ein Muss ist hier allerdings der Lightning-auf-Klinke-Adapter, wenn das Mikro mit dem iPhone 7 genutzt wird. Einen richtig günstigen Geheimtipp in Sachen Mikrofon hat Knoblach ebenfalls noch parat: Das Ubegood-Ansteckmikrofon kostet gerade einmal zehn Euro und soll für Smartphone-Produktionen völlig ausreichend sein.

Dieses Wissen und einiges mehr vermittelt das junge Filmemacher-Duo Knoblach und Ohmert am 13. September im Rahmen eines Workshops in der Blogfabrik in Berlin. In neun Stunden zeigen Knoblach und Ohmert interessierten Medienschaffenden und Unternehmensvertretern, wie hochwertige Smartphone-Videos entstehen, die „für Buzz im Netz sorgen“. Dabei steht das Motto „Learning by Doing“ im Vordergrund: „Wir werden mit den Workshop-Teilnehmern alle Phasen der Videoproduktion mit dem Smartphone durchspielen. Von der ersten Idee bis hin zum Skript und schlussendlich zum fertig geschnittenen Film. Dabei zeigen wir, was mit dem Smartphone möglich ist, aber auch, wo noch die Grenzen in diesem Bereich liegen.“

Die Teilnehmerzahl des Workshops ist auf zehn begrenzt. Auf der Website der Blogfabrik sind noch Plätze zum Preis von 360 Euro verfügbar. Im großen Ratgeber-Artikel verrät Anton Knoblach außerdem 7 Tipps, mit denen ihr richtig gute iPhone-Videos erstellen könnt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Applepiloten.


Image „Workshop“ by Phil Dera für DIE Zeit / Image „Portrait Anton Knoblach“ by Eylül Aslan/Blogfabrik


The Conversation

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#G20-Proteste: Die Bilder erschrecken jeden – auch mich!

Hamburg, 7.7.17 X (adapted) (Image by Robert Anders) (CC BY 2.0) via flickr

Die Nachrichten zu den Ausschreitungen beim G20-Gipfel gehen gerade durch alle Medien, auch bei Twitter gab es hitzige Diskussionen. Auch die Netzpiloten-Zentrale befindet sich mitten im Hamburger Schanzenviertel. An dieser Stelle erzählt unsere Redaktionspraktikantin, wie sie die vergangenen Tage vor Ort und in den sozialen Netzwerken erlebt hat.


Zum ersten Mal seit einer Woche kann ich wieder mit offenem Fenster schlafen. Keine Helikopter-Rotoren oder laute Polizeisirenen sind mehr zu hören. Es ist wieder ein bisschen Normalität eingekehrt. Von Seiten der Politik wurde der G20-Gipfel in Hamburg vorher noch mit großen Worten angekündigt, als Fest der Demokratie. „Wir richten ja auch jährlich den Hafengeburtstag aus“, sagte Olaf Scholz, erster Bürgermeister der Hansestadt, fast schon euphorisch. „Es wird Leute geben, die sich am 9. Juli wundern werden, dass der Gipfel schon vorbei ist.“ Nun, wenn der nächste Hafengeburtstag so aussieht, möchte ich lieber nicht hingehen.

Die Erwartung, dass alles ruhig bleibt, wäre absolut naiv gewesen

Leere Kreuzung (Image by Melina Mork)
Leere Hamburger Kreuzung am Holstenwall

Die Stadt war in einem Ausnahmezustand, das war von vorn herein klar. Als Journalistik-Studentin hat bei mir hier allerdings die Neugier überwogen, wie eine politische Großveranstaltung in Hamburg ablaufen wird. Deswegen bin ich nicht, wie viele meiner Kommilitonen und Kollegen, in den Urlaub gefahren, sondern hier geblieben. Weit genug von der Sicherheitszone entfernt war ich mir sicher, dass der gewaltsame Teil des Gipfels an mir vorbeiziehen würde.

Das war wohl naiv. Die Einschränkungen begannen nicht am ersten Gipfeltag, sondern lange bevor überhaupt ein Staatsgast gelandet war. Busse und Bahnen fuhren nicht mehr, die Straßen gespenstisch leer, die Parkplätze nur belegt von Mannschaftswagen der Polizei. Anspannung lag über der Stadt wie die Ruhe vor dem Sturm.

Lieber Tanz Ich als G20 (Image by Sophia Herzog)
Farbrauchpatronen auf der Nachttanzdemo „Lieber Tanz‘ Ich als G20“ – Image by Sophia Herzog

Die ersten angemeldeten Demonstrationsaktionen beginnen schon am Dienstag und werden mit Wasserwerfern beendet. Ab hier fängt bei mir das Bauchgrummeln an. Am Mittwoch will ich mir selbst ein Bild von den Demonstrationen machen: Nachttanzdemo mit dem Motto „Lieber tanz‘ ich als G20 “. Es bleibt friedlich. Außer ein paar Farbrauchpatronen und Konfettikanonen wird nichts abgefeuert, und in mir steigt die Hoffnung, dass demonstrieren nicht sofort eskalieren muss.

Am Donnerstag hat unser Chef beschlossen, das Netzpiloten-Büro in der Schanze frühzeitig zu schließen, denn ab 16 Uhr gilt in Hamburg das Motto „Welcome to Hell“. Auch der militante „Schwarze Block“ hat sich angemeldet und bringt dem Wortwitz zur Demo vom Vortag entsprechend einen aufblasbaren schwarzen Block mit der Aufschrift „lieber militanz‘ ich als G20 “ mit.

Die Polizei schreitet frühzeitig ein und ab hier beginnt das Chaos, das von da an alle Medien überflutet. Die ersten brennenden Mülltonnen, Straßenschlachten mit Wasserwerfern, Eskalation. Wahrscheinlich hat so mancher schon damit gerechnet, aber die Bilder schocken trotzdem.

Panik in den Sozialen Medien

Am Freitagmorgen hatte ich das erste Mal Angst. Nachdem ich nur mit Ausweiskontrolle und strikten Anweisungen der Polizeibeamten zur Arbeit gehen konnte, tauchen weitere Bilder und Berichte auf. Diesmal brennen statt Mülltonnen Autos und Straßenbarrikaden, während vermummte Menschen ganz bewusst Scheiben von Geschäften einschlagen. Das hat nichts mehr mit politischem Protest zu tun.

Zu diesem Zeitpunkt mache ich Twitter für meine wachsende Angst verantwortlich. Die Videos und Bilder der Zerstörung verstärken den Eindruck, dass die ganze Stadt in Flammen steht und dass die Störer jede Minute auch bei mir vor der Tür stehen könnten. Dabei sehe ich auf meinem Fußweg nach Hause die Bewohner der Umgebung entspannt in den Cafés ihren Kaffee trinken und Kinder auf den Straßen spielen. Aber all das kann mir meine Angst nicht nehmen. Ich checke alle paar Sekunden die Sozialen Medien. Kaum zu Hause, mache ich den Livestream an und hoffe, dass nicht noch eine Schreckensmeldung auftaucht. Das politische Geschehen ist für mich ab diesem Zeitpunkt in den Hintergrund gerückt.

Am Abend sollten Freunde zu Besuch kommen, um Geburtstag zu feiern. Im Nachhinein scheint es auch eine naive Idee, da bis zur letzten Minute unklar war, ob es überhaupt alle durch die Polizeisperren schaffen. Selbst als alle angekommen sind, sind die neuesten Twitter- und Liveticker-Meldungen das vorherrschende Gesprächsthema. Es werden hitzige Diskussionen geführt, ob die Polizei richtig gehandelt hat. Die Scheinwerfer der Helikopter über der Schanze ziehen immer wieder unsere Aufmerksamkeit auf sich. Irgendwann bin ich froh, als mein Smartphone keinen Akku mehr hat und ich die Meldungen nicht mehr aktualisieren kann.

„Und, warum demonstrierst du?“

Einen Tag noch, denke ich mir, als ich Samstag wieder durch das Dröhnen der Helikopter aufwache. Ich meide Twitter, Facebook und die Nachrichten, damit ich Zeit habe, wach zu werden. Meine Freunde wollen auf die Großdemonstration gehen – „Grenzenlose Solidarität statt G20 “. Nach den Bildern der letzten Nacht war mir doch mulmig zumute. Aber von ein paar Randalierern sollte man sich das Recht auf demokratischen Protest nicht nehmen lassen.

Auf dem Weg zur Demo fragen mich zwei junge Besucher aus Münster, wo es zur Demo geht. Im Zweifelsfall immer dem Bass und den Menschenmengen nach. Wir gehen das letze Stück zur Demo gemeinsam. Irgendwann fragt mich einer der beiden: „Und, warum demonstrierst du?“ und bringt mich zum Nachdenken, was mich die letzten Tage beschäftigt hat.

Wahrscheinlich will ich mit meiner Anwesenheit ein Zeichen setzen, dass Protest auch friedlich geht. Der Großteil lässt sich von schlechten Nachrichten nicht unterkriegen. Mit mir zusammen waren offiziell insgesamt 76.000 Menschen unterwegs – die größte Demo in Hamburg seit den 80er Jahren. Die Moderatorin der Abschlusskundgebung feiert zu Recht das friedliche Gelingen des Protests: „76.000 Menschen, das ist 76.000 Mal Hoffnung.“ 76.000 Mal Hoffnung, dass der Gipfel nicht nur durch die Krawalle in Erinnerung bleibt.

Am 9. Juli wache ich zum ersten Mal ohne Helikopterdröhnen auf. Der Blick vom Balkon zeigt Leute, die ihrem ganz normalen Alltag nachgehen, als wäre nichts gewesen. Und ich spüre nichts als Erleichterung, dass der Gipfel endlich vorbei ist.


Header Image „Hamburg, 7.7.2017 X“ by Robert Anders (CC By 2.0)

Image „Lieber Tanz ich als G20“ by Sophia Herzog

Image by Melina Mork


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • BND heise: Der BND spioniert am größten Internetknoten der Welt: In Deutschland liegt der wohl größte Internetknoten der Welt. Schon vor zwei Jahren lag die Kapazität der Internet-Drehscheibe De-Cix bei 12 TBit/s, auch wenn in der Regel nur rund 3,5 TBit/s übertragen wurden. Der Bundesnachrichtendienst BND hat versucht, an diesem Punkt Daten abzugreifen, um sie auszuwerten. In der Nähe von De-Six liegt ein Rechenzentrum der Telekom. Dort hat der BND zunächst das Verfahren erprobt, um Zugriff auf den Knoten zu erhalten. Dort werden sowohl innnerdeutsche, als auch sogenannte „Mischdaten“ übertragen, also Daten deutscher und ausländischer Bürger. Die Gesetzeslage ist unklar, da die Richtlinien aus einer Zeit vor der paketvermittelten Netzkommunikation stammen und nichts zum „Mischverkehr“ sagen.

  • INDUSTRIALISIERUNG t3n: Merkel eröffnet Hannover Messe: „Apokalyptische Thesen“ nicht erfüllt: In Hannover hat am Sonntag zum nun 70. Mal die Hannover Messe begonnen. Die Messe, die sich mit Neuerungen der Industrie befasst, wurde am Abend von Bundeskanzelerin Angela Merkel eröffnet. Das Thema ist dieses Jahr erneut die vernetzte Industrie, bei der Roboter eine zunehmende Rolle spielen werden. Laut Merkel seien die „apokalypthischen These“, die Roboter würde die Menschen verdrängen, nicht eingetroffen. Zur Hannover Messe werden rund 200.000 Besuchen und 6.500 Aussteller erwartet.

  • APPLE golem: Patentverwerter klagt gegen Apple und Mobilfunkanbieter: Der bekannte Patentverwerter Cellular Communications Equipment (CCE) klagt derzeit wegen angeblichen Patentmissbrauch. Neben Apple sind auch Mobilfunkanbieter wie AT&T, T-Mobile und Verizon angeklagt, da sie die Geräte von Apple vertreiben. Die vier Patente beziehen sich auf verschiedene Mobilfunktechniken, darunter etwa, schnell einen Notruf absetzen zu können. Diese Patente wurden zwischen 1997 und 2010 von Nokia angemeldet. CCE klagt häufiger im Auftrag des finnischen Unternehmens. Im Jahr 2011 gab es eine Einigung zwischen Apple und Nokia, nachdem die beiden Firmen einen jahrelangen Rechtsstreit geführt hatten. Apple selbst hatte im Dezember eine Kartellrechtsklage gegen Nokia eingereicht.

  • MEDIEN Netzpolitik.org: EU-Richtlinie wird Video-Anbieter zwingen, legale Videos zu löschen: Auf EU-Ebene wird derzeit die Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste überarbeitet. Vor knapp einem Jahr hat EU-Kommissar Günther Oettinger seinen Vorschlag für eine Änderung der Richtlinie vorgelegt. Jetzt ist das Parlament am Zug. Berichterstatter sind die beiden deutschen Abgeordneten Sabine Verheyen (Christdemokraten) und Petra Kammerevert (Sozialdemokraten). Am Dienstag wird der federführende Kulturausschuss des Europaparlaments seinen Bericht zur Richtlinie in erster Lesung beschließen.

  • ADBLOCK Zeit: Blockst du mich, block ich dich: Im Internet findet ein Wettrüsten statt. Auf der einen Seite stehen die Betreiber von kommerziellen Websites und ihre Werbepartner. Auf der anderen Seite stehen Start-ups, besorgte Nutzer und Datenschützer. Und zwischendrin: Entwickler, Forscher und Unternehmen wie Google, Apple und Facebook, die vermitteln wollen. Es geht um Ad-Blocker und Anti-Ad-Blocker zur Gegenwehr. Nachdem es Ad-Blocker, also Browser-Erweiterungen, die Werbeelemente auf Websites ausblenden, schon lange gibt, schlägt die Werbebranche zurück. Sie setzt vermehrt Technik ein, die entweder Werbung gezielt verschleiert oder die Ad-Blocker erkennen und blockieren soll – nur wer den Ad-Blocker deaktiviert, kann dann die Inhalte der Website lesen. Die Nutzer und Entwickler der Blocker versuchen ihrerseits wiederum, diese Mechanismen auszutricksen.

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Stories: WhatsApp, Instagram und Snapchat im Vergleich

Titelbild-Stories-Applepiloten (adapted) (Image by Julia Froolyks)

Snapchat kann es von Anfang an, Instagram schon länger und WhatsApp-Nutzer können es nun ebenfalls tun: sogenannte Stories erstellen und mit Freunden oder einem anonymen Publikum teilen. Besonders die jüngeren Generationen nutzen Snapchat und Instagram bereits seit deren Erscheinen. Mit der neuen Status-Funktion in WhatsApp kommen nun vermutlich auch ältere Semester mit dem sozialen Tool in Berührung. Doch die Stories-Funktionen sind nicht identisch. Welche App ist in dieser Hinsicht die richtige für euch? Ich erkläre die Unterschiede.

Visuelle Geschichten mit Stories erzählen

Stories Snapchat
Screenshot by Julia Froolyks

Sogenannte Stories sind Bilder-Inhalte, die neben Videos, Fotos und bei WhatsApp auch animierte GIFs enthalten können. Stories bleiben nicht permanent sichtbar, sondern werden nach 24 Stunden wieder gelöscht. Die eigenen Kontakte oder Follower können bis dahin auf Inhalte der Geschichte reagieren und diese kommentieren. So lässt sich eine im besten Fall unterhaltsame Chronologie eines besonderen Ereignisses oder des ganz normalen Alltags-Wahnsinns erstellen.

In Snapchat kann jeder die Stories sehen

Der erste Unterschied zwischen den drei Diensten besteht zuerst einmal in der Auswahl eurer Zuschauer. Während Instagram und Snapchat als soziales Netzwerk durchgehen, ist WhatsApp seit eh und je ein purer Messenger.

In WhatsApp können immer nur die eigenen Kontakte auf gepostete Inhalte in der Status-Leiste zugreifen. Bei Instagram könnt ihr hingegen festlegen, ob die gesamte Community oder ausschließlich eure Follower die Inhalte sehen kann. Außerdem könnt ihr in dem Foto-Netzwerk unliebsame Leser auf Instagram blockieren. Im Vergleich dazu bietet Snapchat keine Möglichkeit, das Publikum zu filtern. Alle, die bei Snapchat angemeldet sind, können eure Inhalte 24 Stunden lang betrachten.

Keine Filter für Status-Update in WhatsApp

Stories
Screenshot by Julia Froolyks.

Weitere Unterschiede der drei Apps bestehen in der Erstellungsphase von Story-Inhalten. Während beim Status-Update von WhatsApp das Bild mit einer Bildunterschrift versehen und zugeschnitten werden kann, müssen etwaige Beschriftungen bei Snapchat und Instagram ausschließlich freihändig skizziert werden.

Die sogenannten Doodle-Zeichnungen können bei Snapchat und WhatsApp zwar farblich angepasst werden. Allerdings bietet Instagram beim Malen auf den Bildern wesentlich mehr Einstellungsmöglichkeiten. So lassen sich dort etwa die Linien in der Dicke anpassen oder mit Leuchteffekten versehen.

Zwar fehlt bei Instagram und Snapchat die Möglichkeit einer Bildunterschrift, dafür bieten beide Apps im Story-Modus eine Fülle an Filtern für Bilder an. WhatsApp verzichtet auf Filter. In allen drei Apps können Emoji und Bilder in den Stories-Beitrag eingefügt werden.

Bei Snapchat ist alles live

Als Manko bei Snapchat bewerte ich die Tatsache, dass keine bereits vorhandenen Bilder oder Videos in die Story gepostet werden können. Hier müssen die Aufnahmen „live“ in der Story erstellt werden. Verständlich wird das nur, wenn man das Posten von aktuellem Material als eigentlichen Kern der Stories-Funktion betrachtet: Schließlich soll sie ein aktuelles Ereignis zeitnah dokumentieren. WhatsApp und Instagram sehen das aber anders und setzen euch nicht unter Zeitdruck. Dort könnt ihr auch Videos, Fotos und GIFs nutzen, die bereits früher erstellt und gespeichert habt.

Mehr Sicherheit bietet WhatsApp

Stories WhatsApp
Screenshot by Julia Froolyks

Sicherheitstechnisch liegt WhatsApp vorn. Weder Snapchat noch Instagram verschlüsseln ihre Inhalte. Hingegen in WhatsApp werden neben dem Chat auch das Status-Update via Ende-zu-Ende-Verschlüsselung geschützt.

Fazit: Euer Geschmack entscheidet

Die Stories-Funktion jeder App hat Stärken und Schwächen. Vorteil von WhatsApp: Da vermutlich die meisten eurer Freunde und Verwandten die App nutzen, könnt ihr eure Stories mit sehr vielen Menschen teilen, die euch besonders nah stehen. Negativ fällt mir bei WhatsApp auf, dass sich Bilder nicht optimal bearbeiten lassen, bevor man sie in die Welt hinausschickt. Ich finde die Handhabung nicht intuitiv.

Bei Snapchat gefallen mir die witzigen und täglich wechselnden Filter sehr. Sobald ihr die Bilder veröffentlicht, kann sie allerdings jeder sehen. Ihr könnt den Kreis der Zuschauer nicht beeinflussen. Zum Glück können die Bilder, die dort entstehen, auf dem Smartphone gesichert werden, und müssen nicht zwingend hinaus in die Welt posaunt werden.

Am meisten Spaß macht die Stories-Funktion natürlich, wenn die Geschichten, die ihr betrachtet, auch wirklich etwas zu erzählen haben. Wer eine sehr große Auswahl an wirklich unterhaltsamen oder originellen Geschichten verfolgen will, ist meiner Meinung nach am besten bei Instagram aufgehoben. Denn dort sind – mehr noch als bei Snapchat – inzwischen viele Unternehmen, Organisationen und Promis unterwegs, die sehr viel Wert auf professionelles Storytelling legen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Applepiloten.


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App-Store Lazeeva: Hardcore-Porno statt Erotik für Frauen

Lazeeva-VR-Quickie (adapted) (Screenshot by Julia Froolyks)

Lazeeva heißt ein App-Marktplatz, der mit „positivem Sex“ um Nutzer von Android-Smartphones buhlt. Der alternative Store ermöglicht das Herunterladen von pornografischen Inhalten wie Games und Erlebnisse in Virtual Reality, die der Google Play Store nicht zulässt. Der Aufmachung und den Aussagen der Macher zufolge soll das Angebot frauenfreundlich sein. Ich habe mir den Marktplatz für Sex-Apps genauer angesehen und alles andere als frauenfreundliche Inhalte gefunden.

Website_Lazeeva (adapted) (Screenshot by Julia Froolyks)
Screenshot by Julia Froolyks

„Lebe ein Sexy.Sassy.Classy Lifestyle, wann immer du willst“ – mit diesen und weiteren „coolen“ Slogans wirbt die Firma Nu Emotions GmbH für den neuen alternativen App-Store Lazeeva. Eine Welt voll hochwertiger erotischer Unterhaltung soll sich mir nach der Installation offenbaren.

Tatsächlich sieht das Layout der Website auf den ersten Blick seriös und ästhetisch aus. Eine natürliche Schönheit liegt nackt mit ihrem Smartphone auf dem Sofa, der Hintergrund ist in schönen Pastellfarben gehalten. Auf der nächsten Seite zeigt sich ein Smartphone in den Händen einer Frau mit langen, gepflegten Fingernägeln. Die Zielgruppe für diese App scheint klar definiert: Frauen. Dieser Eindruck ändert sich mit der Installation von Lazeeva jedoch schlagartig.

Die APK von Lazeeva ist schnell installiert

Lazeeva lässt sich nicht über den Google Play Store herunterladen. Weil Android aber ein offenes Betriebssystem ist, funktioniert die Installation über einen Umweg dennoch. Das geht schnell und einfach. Die Installations-Datei ist auf der Webseite von Lazeeva zu finden. Vor dem Herunterladen muss ich das Installieren von Drittanbieter-Software in den Einstellungen meines Smartphones aktivieren. Danach kann ich die Store-App als APK-Datei speichern und ausführen.

Website_Lazeeva_2 (adapted) (Screenshot by Julia Froolyks)
Screenshot by Julia Froolyks

Zum Start muss ich ein Passwort und ein unauffälliges Icon (ich habe mich für „Reisen“ entschieden) auswählen. Die Diskretion gefällt mir auf jeden Fall schon mal sehr gut. Die eigentlichen Sex-Apps bekomme ich dann über den Store. Alles, was ich herunterlade, bleibt innerhalb des Lazeeva-Stores und ist dort über die Rubrik „Meine Apps“ abrufbar.

Was es in Lazeeva (angeblich) zu sehen gibt

„Gewaltverherrlichung, Sexismus und Prostitution gibt es bei uns nicht“, betont Gründer Nico Hribernik Ende Januar in einem Interview mit Gruenderszene.de. Darüber hinaus erklärt er, man frage sich bei jeder App, die in den Store aufgenommen wird, ob man sie seinen Schwestern oder Freundinnen zeigen würde. Nachdem ich den Artikel gelesen habe, habe ich genug Vertrauen geschöpft, mich wirklich in die Welt von Lazeeva zu begeben. Ich bin neugierig, welche frauenfreundlichen Inhalte Hribernik und sein Team „für mich“ ausgewählt haben.

Lazeeva-App-Startseite (adapted) (Screenshot by Julia Froolyks)
Screenshot by Julia Froolyks

Lazeeva bietet unterschiedliche Inhaltsformate an. Neben Video-Clips können hier auch animierte oder reale VR-Filme sowie erotische Spiele heruntergeladen werden. Dating-Apps sind ebenfalls mit von der Partie. Einige Inhalte sind gratis, andere kostenpflichtig. Das Zahlsystem in Lazeeva basiert auf den Kauf von App-Währung namens Pearls mit echtem Geld. Für Pearls lassen sich dann kostenpflichtige Apps herunterladen oder Inhalte innerhalb dieser Apps freischalten.

Ein Penis, wo er nicht hin gehört

Auf den ersten Blick sind die Apps hübsch aufgemacht. Leider finde ich bei längerem Stöbern jedoch nichts, was mich als Frau ansprechen würde. Stattdessen sehe ich unzählige „Lesbian“-Inhalte, und „asiatische“ Teenies in Hardcore-Sex-Positionen. Die VR-App „VR-Quickie“ (siehe Titelbild) zeigt mir eine kurze kostenlose Demo, die sich auf einem billig-animierten Campingplatz abspielt, und mir Sex mit einer monoton-stöhnenden VR-Comic-Figur suggerieren will. Als ich an mir herunterblicke, entdecke ich einen Penis – da ist wohl etwas falsch gelaufen.

Männer-Fantasien, keine hochwertige Erotik

Ich will weitersuchen, und die ansprechenden Fraueninhalte finden, die mir auf der Website versprochen wurden. Doch auch in der App „Asian Babes“ werde ich nicht fündig. Ganz im Gegenteil: Teens und noch mal Teens. Mit kleinen Brüsten, „saftigem“ Unterleib und unschuldigem Blick. Die Videotitel deuten fragwürdige Fantasien an: „Süßes, unschuldiges japanisches Schulmädchen verwöhnt ihren Lehrer bis er kommt“ oder „Süße asiatische Nutte gibt einen Blowjob“.

Lazeeva-Bubble-Spiel (adapted) (Screenshot by Julia Froolyks)
Screenshot by Julia Froolyks

Beim Stichwort „Nutte“ wechsle ich in den Internetbrowser zurück, und lese das Interview mit Nico Hribernik erneut. Ja, da steht deutlich: „Prostitution gibt es bei uns nicht.“ Gewaltverherrlichung auch nicht. Dafür sei extra eine Content-Editorin und Store-Managerin angestellt, führt Hribernik aus. In einer anderen App finde ich allerdings ein Video mit dem Titel „Mitarbeiter drängen großbrüstiges Büro-Mädchen zum F***“ – Auf dem Thumbnail des Videos wird besagte Frau von mehreren Männern festgehalten, und sieht dabei alles andere als „positiv“ aus.

Schnell wird mir bewusst, dass ich in dieser App keine „hochwertige erotische Unterhaltung“ finden werde, wie mir versprochen wurde. Lazeeva bietet neben den gewohnten Hardcore-Pornos schlecht animierte Spiele aus dem Bubble-Genre mit halbnackten Frauen im Hintergrund. Die VR-Erlebnisse sind offenbar ebenfalls nur an Männer gerichtet.

Falsch etikettierte Fleischbeschau

Was mich an Lazeeva nervt, ist nicht direkt der Inhalt der Apps. Diese Art von Pornografie gibt es ohne Ende im Internet – und das kostenfrei. Dort wird allerdings auch nicht mit gewaltfreien, frauenfreundlichen Sex-Inhalten geworben. Da wissen Nutzer recht genau, was sie erwartet. Die Macher von Lazeeva werben mit etwas, das sie innerhalb des Stores keinesfalls einhalten.

Das Traurige ist, dass es durchaus frauenfreundliche Pornos gibt. Das Genre „Heartcore-Pornos“ ist nicht neu, und bietet tatsächlich würdevolle, explizite Sexszenen für Frauen. Natürlich hat auch jede Frau einen anderen Geschmack – aber wer mit einem Store für „positiven Sex“ besonders Frauen ansprechen will, sollte zumindest eine App im Repertoire haben, die genau das erfüllen kann. Ich würde diesen App-Store meinen Freundinnen nicht empfehlen – und schon gar nicht meiner Schwester.

Dieser Text erschien zuerst auf unserer Schwesterseite Androidpiloten.


Screenshots by Julia Froolyks


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Jung gegen Alt: Nachrichten werden anders gelesen

french tourists (Image by Ron Porter [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Vergessen Sie die unterschiedlichen Meinungen zu Heirat, Hausbesitz und Politik: die aussagekräftigsten Unterschiede zwischen jungen und alten Menschen liegen in der Art und Weise, wie sie ihre Nachrichten bekommen.

Die neue Umfrage des Pew Research Centers über Trends der modernen Nachrichtennutzung, die mit der Knight Foundation zusammen durchgeführt wurde, zeigt, dass einen großen Unterschied zwischen jungen und alten Nutzern hinsichtlich der Nachrichtennutzung gibt. Während 54 Prozent der 18- bis 29-Jährigen sagen, dass sie ihre Nachrichten am liebsten digital abrufen, geben bloß 38 Prozent im Alter von 30 bis 49 und 15 Prozent im Alter von 50 bis 64 Jahren das gleiche an.

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Image by Pew Research Center

Die Ungleichheit in der bevorzugten Nachrichtennutzung der Jungen und der Alten ist sogar noch deutlicher, was Handys betrifft. Siebzig Prozent der 18- bis 29-Jährigen sagen, dass sie es bevorzugen, nur Nachrichten über mobile Geräte zu bekommen.

Diese Zahl sinkt auf 53 Prozent bei Menschen zwischen 30 und 49 Jahren und sogar nur 29 Prozent zwischen dem 50. und dem 64. Lebensjahr. (Die mobile Nachrichtennutzung insgesamt steigt jedoch: Ungefähr 72 Prozent der Befragten sagten, dass sie Nachrichten über mobile Geräte abrufen. 2013 lag diese Zahl noch bei 53 Prozent.)

Diese Unterschiede zwischen den Generationen könnten schlechte Nachrichten für das Fernsehgeschäft bedeuten. Pews Bericht beweist, was die meisten Fernsehnetzwerke bereits in ihren Zuschauerzahlen bemerkt haben: die Zahl der jungen Zuschauer sinkt.

Während 72 Prozent der Menschen zwischen 50 und 64 Jahren und 85 Prozent derer über 65-Jährigen sagen, dass sie ihre Nachrichten im Fernsehen anschauen, sagen nur 29 Prozent der 18- bis 29-Jährigen das gleiche.

Pew befragt nur Menschen ab 18 Jahren, was eine bedeutende Anzahl von jüngeren Nachrichtennutzer mit eigenen Bevorzugungen für die Beschaffung von Nachrichten auslässt. Es ist trotzdem wahrscheinlich, dass diese Vorlieben schlechte Nachrichten für die traditionellen Medien bedeuten.

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Image by Pew Research Center

Hier sind ein paar Highlights des Berichts:

  • Mehr schlechte Nachrichten für Verlage, die versuchen, dass die Menschen ihre Nachrichtenvideos online anschauen: Pew fand heraus, dass Menschen, die gerne Nachrichten sehen, dies zu 80 Prozent über das Fernsehen tun. Im Gegensatz dazu hat das Internet diejenigen angezogen, die die Nachrichten lieber lesen als sehen wollen.

    Vorhergehende Forschungen vom Oxford’s Reuters Institute for the Study of Journalism behandelten ebenfalls die Herausforderungen von digitalen Nachrichtenagenturen, die Menschen dazu bewegen sollen, sich die die Nachrichten-Videos online anzuschauen.

 

  • Druckerzeugnisse gehen weiterhin zurück: Nur 20 Prozent der Menschen bekommen ihre Nachrichten über analoge Zeitungen; drei Jahre zuvor waren es noch 27 Prozent. Nur 26 Prozent der Menschen, die die Nachrichten lieber lesen, tun dies mit Printerzeugnissen.

 

  • Menschen, die ihre Nachrichten online abrufen, haben öfter eine negative Meinung über die Medien. Ungefähr 67 Prozent der Menschen, die es bevorzugen, die Nachrichten online abzurufen, haben eine positive Meinung über die Medien, im Vergleich zu 81 Prozent der Menschen, die andere Plattformen bevorzugen. Besonders junge Erwachsene sind den Medien generell negativer eingestellt.

 

  • Nachrichten insgesamt scheinen ein Vertrauensproblem zu haben: Nur 20 Prozent der Amerikaner vertrauen den Informationen, die sie von Nachrichtenagenturen online und offline bekommen. Das Vertrauen in Nachrichten der sozialen Medien ist noch geringer,zeigen die Befunde eines Berichts im April vom AP-NORC Center for Public Affairs Research and the American Press Institute

Den vollständigen Bericht finden Sie hier.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „French tourists“ by RonPorter (CC0 Public Domain)


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Oliver Stones ‚Snowden‘ – ein Abbild des Internet-Sicherheitsstaates?

camera(image by staffordgreen0[CC0 Public Domain] via Pixabay)

Der neue Film über Edward Snowden, den Mann, der geheime Dokumente über eine umfassende Spyware der US-Regierung veröffentlichte, ist seit wenigen Tagen in den Kinos zu sehen. Damit setzte sich erneut eine Debatte um seine Person in Gange – inklusive einer erneuten Anfrage bei Präsident Obama, ihn zu begnadigen. Aber, wie auch Snowden selbst vielleicht sagen würde, was uns zum Innehalten bewegen sollte, ist die Macht der Geheimdienste der Regierung.

Das Ausmaß ihrer Fähigkeiten, Kommunikation abzufangen und Informationen zu sammeln, ist dabei verblüffend: Snowden stellt die Überwachungssysteme der NSA bloß, die kaum auf den Erhalt der Privatsphäre der Bürger ausgelegt ist, und die doppelzüngigen Aussagen der NSA über ihre Aktivität. Der Film erzählt Snowdens Geschichte in einer etwas dramatisierten und fiktionalisierten Art und Weise – von seinem Militärtraining über seine krankheitsbedingte Entlassung bis hin zu seiner Arbeit im Geheimdienst. Dem Laien liefert er einen Einblick darin, wie die Regierung die moderne Kommunikationstechnologie nutzt.

Der Film bietet keinen differenzierten Einblick in die Gründe, warum Geheimdienste tun, was sie tun. Er liefert auch keine Information darüber, was die Geheimdienste anderer Staaten machen. Die Darstellung der verwendeten Technologie und des Aufwands, den die US-Regierung betreibt, um Whistleblower festzunehmen, ist jedoch ziemlich präzise.

Sammeln: ja – begutachten: nein

Der Film greift drei verschiedene Aspekte der NSA-Aktivitäten auf: Datensammlung, Datenanalyse und die rechtliche Grundlage für Überwachung. Er zeigt auch ziemlich deutlich die Systeme der NSA auf, die große Mengen an Daten aus dem ganzen Land sammeln über direkte Verbindungen zur den großen Telefon- und Internetfirmen wie AT&T, Verizon, Google, Microsoft und Facebook. Was der Film suggeriert ist aber, dass die Daten aller Bürger nicht nur gesammelt werden, sondern er zeigt – fälschlicherweise – auch, dass die Bürger auch ständig unter Beobachtung stehen.

Wenn man die Menge an Kommunikation und die sich ständig verändernden Bedrohungen von außen bedenkt, ist auch verständlich, dass die Geheimdienste nicht auf jede Spur in Echtzeit anspringen können. Mit ihrem Programm PRISM sammelt die NSA Daten über jede Bürgerin und jeden Bürger – ihre E-Mails, ihren Suchverlauf, Aktivitäten auf sozialen Netzwerken, Aufzeichnungen von Sprach- und Video-Chats, Telefonanrufe, Textdokumente, Bilder und Videos.

Statt den immensen Datenstrom zu überwachen, werden die Daten archiviert, um später nach relevanter Information suchen zu können, wenn neue Hinweise hereinkommen und Ermittlungen beginnen. Der Film zeigt diesen klaren Unterschied zwischen der Möglichkeit und der tatsächlichen Umsetzung der Beobachtung jedes Bürgers nicht auf.

Data Mining vereinfachen

Der Film zeigt auch das XKeyScore-System, das auf alle gesammelten Daten zugreifen kann. Die Informationen, die Snowden enthüllt hat, beinhalten auch Details in die Funktionsweise von XKeyScore, das die massiven Datenmengen im Hinblick auf Verbindungen zwischen Menschen, Sprachmuster und noch viele weitere Parameter analysieren kann. Im Film finden die Analysten, die XKeyScore nutzen, immer sehr schnell und einfach, wonach sie suchen – die Eingabe eines Namens oder einer E-Mail-Adresse reicht aus.

In Wirklichkeit ist Data Mining viel anspruchsvoller, besonders, wenn man es mit so einer großen Datenmenge zu tun hat wie die NSA. Eine große Menge harmloser Daten schirmt die kleine Menge an verwendbaren Daten ab. Data Mining kann helfen, die große Fülle an Informationen auf kleinere Mengen herunterzubrechen. Aber nur menschliche Analysten – und keine computerbasierte Suche – sind der Schlüssel zur Auffindung relevanter Datensätze. Regeln und Beschränkungen beschränken den Zugang zu dieser Information. Was die Analysten machen, wird genau überwacht.

Außerdem sind wirklich gefährliche Personen vorsichtig damit, ihre Spuren zu verwischen – sie verwenden temporäre E-Mail-Adressen und starke Verschlüsselungen. Auch das beschränkt die Möglichkeit des Data Minings.

Was sagt das Gesetz?

Der Film transportiert, dass die von der NSA verwendeten Programme illegal sind. Die Programme sind mit Sicherheit kontrovers, die Gesetzmäßigkeitist unklar. Der Foreign Intelligence Surveillance Act (Geheimdienst-Überwachungsverordnung für das Ausland) von 1978 gibt rechtliche Prozeduren für physische und elektronische Überwachung und die Sammlung von Kommunikationsdaten zwischen ausländischen Einrichtungen und ihren Agenten in den USA vor. Es ermöglicht auch die Überwachung von amerikanischen Staatsbürgern und Personen, die ihren permanenten Wohnsitz in den USA haben, sofern diese der Spionage oder des Terrorismus verdächtig sind. Während die Verordnung gedacht war, um Daten von Einzelpersonen zu sammeln, rechtfertigt die NSA damit ihre Macht, massenweise Daten zu sammeln und zu analysieren.

Ein paar Bundesgesetze wurden nach Snowdens Enthüllungen geändert – in manchen Fällen wurden sogar rückwirkend Praktiken, die illegal gewesen wären, legalisiert. Die NSA selbst veränderte ihre Programme aufgrund des Aufschreis gegen sie, der nicht nur durch die Öffentlichkeit, sondern auch durch den Kongress ging. Als Resultat von Snowdens Enthüllungen hat die NSA aufgehört, massenweise Daten aus Telefongesprächen zu sammeln. Weiterhin haben sie die Überwachung ihrer ausländischen Verbündeten eingeschränkt. Die NSA bot dem Kongress auch eine erhöhte Transparenz bezüglich einiger ihrer Aktivitäten an und reduzierte die Speicherdauer der Informationen.

Der internationale Kontext

‚Snowden‘ gibt Details der Kooperation der NSA mit anderen Geheimdiensten preis und erzählt von der Überwachung ausländischer Staatsoberhäupter, wie der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel oder der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff. In Wirklichkeit ist es so, dass jedes Land geheime Informationen über andere Länder herauszufinden versucht, um am internationalen diplomatischen Parkett einen Vorteil zu haben – sowohl mit Freunden als auch mit Feinden.

Snowdens Enthüllungen werden es dem US-Geheimdienst, nicht aber den Geheimdiensten anderer Länder erschweren, diese Art von diplomatischer Überwachung weiter durchzuführen. Die Aufmerksamkeit der Welt auf die US-amerikanischen Spionagetätigkeiten hat auch der Überwachung in weniger demokratischen Ländern wie China und Russland Tür und Tor geöffnet.

Gibt es überhaupt noch echte Privatsphäre?

Die Auswirkungen der publik gemachten Information war enorm – sowohl für die US-Regierung als auch für Snowdens Privatleben. Seit der Enthüllungen kam er in Russland unter – aber nur mit einer temporären Aufenthaltsbewilligung. Sein amerikanischer Pass wurde ihm entzogen. Er kann sich weder frei bewegen noch einfach kommunizieren, aus Angst, dass die Geheimagenten der US-Regierung ihn inhaftieren könnten – oder sogar Schlimmeres.

Der Film zeigt nicht viel über sein Leben in Russland. Eine Entscheidung dagegen, um nochmals die Message des Films zu bestärken, dass es keine Privatsphäre mehr gibt. Denn würde es mehr darüber preisgeben, wie Snowden heutzutage kommuniziert, könnte dies wertvolle Information liefern, die es Amerikanern – und anderen weltweit – ermöglichen könnte, verschlüsselte Software zu nutzen, um der Überwachung durch die Regierung zu umgehen.

Was der Film jedoch über sichere Kommunikation aussagt, ist ein guter Anfang. Wenig überraschend spricht sich Snowden dafür aus, Software zu verwenden, die das Verfolgen von Nutzeraktivitäten wie Internetsuche, Einkäufe und Kommunikation verhindern. Er empfiehlt auch das Tor-Netzwerk, das Daten anonymisiert, indem es sie durch eine ganze Reihe von verschlüsselten Computern schickt. Er schlägt anderen Whistleblowern vor, Tools wie SecureDrop zu verwenden, um anonym mit Journalisten kommunizieren zu können.

Der Snowden-Film zeigt den langen Arm des Gesetzes, der Daten über seine Bürger sammeln und den Kampf eines desillusionierten Bürgers gegen genau diese Praxis der unbeschränkten und unbemerkten Macht, die die Regierung besitzt. Er zeigt die Komplexität der Welt der Geheimdienste und die Herausforderung an die Datensammlung in einer vom Internet dominierten Welt auf. Außerdem stellt es die Herausforderungen im persönlichen Leben eines ambitionierten Individuums, das seinen Überzeugungen, die soziale Gerechtigkeit herauszufordern, folgte.

Ob er ein Patriot oder ein Geächteter ist, liegt wohl im Auge des Betrachters – aber er hat auf jeden Fall wichtige Diskussionen über Privatsphäre und Internetsicherheit für den Normalbürger, sowie über die freie Meinungsäußerung und die Macht, die Regierungen hinsichtlich der Überwachung ihrer Bürger hat, in Gang gebracht.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „überwachung“ by staffordgreen0 (CC0 Public Domain)


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Photokina 2016: Nikon, Kodak und GoPro bringen Smartphone-gesteuerte Action-Cams

Action-Cams sind die Stars der Photokina 2016. Sie stehlen den klassischen Kameras geradezu die Show. Dies spiegelt die allgemeine Entwicklung wieder. Immer weniger Menschen kaufen herkömmliche Foto-Apparate. Action-Cams hingegen boomen und werden in diesem Jahr laut Photoindustrie-Verband und GfK einen neuen Verkaufsrekord hinlegen. Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass mit Nikon nun auch eine Traditionsfirma eine Action-Kamera bringt. Marktführer GoPro und Herausforderer Kodak halten dagegen und bringen ebenfalls neue Action-Kameras heraus. Ohne ein Smartphone verblassen die Photokina-Stars jedoch. Nur per App-Steuerung holen Nutzer das Meiste raus. Nikon und Kodak setzen zudem auf die Faszination von 360-Grad-Aufnahmen und Virtual Reality. Das bietet neue Möglichkeiten fürs Storytelling. Die Neuheiten bei Action-Cams im Überblick.

Mission Accomplished? Nikon sucht mit der KeyMission 360 eine neue Perspektive

Bereits zur CES 2016 angekündigt, bestätigte Nikon jetzt auf der photokina den tatsächlichen Launch der ersten Action-Cam aus eigenem Hause. Die KeyMission 360 erscheint voraussichtlich Anfang November für 499 Euro im Handel. Mit der KeyMission 170 (399 Euro) und der KeyMission 80 (299 Euro) hat sie dabei sogar zwei kleinere Geschwister im Gepäck. Das Flaggschiff mit der 360 im Titel ist jedoch das interessantestes Modell. Mit der KeyMission 360 spricht Nikon eine Zielgruppe jenseits der DSLR-Traditionalisten an. Mit den zwei Objektiven der Kamera lassen sich auf Knopfdruck 360-Grad-Aufnahmen erstellen, entweder als Foto oder als Video in 4K. Mit Wi-Fi und Bluetooth ist sie komplett „connected“. Die Kamera unterstützt Nikons Snapbridge-Feature. Das bedeutet, dass Aufnahmen per Bluetooth automatisch und kontinuierlich auf ein Smartphone oder Tablet übertragen werden. Der Anwender muss das nicht erst manuell anstoßen. Dazu erscheint eine neue App namens Nikon Snapbridge 360/170 für Mobilgeräte und Desktop. Das Programm ermöglicht auch eine Fernsteuerung der Kamera und umfasst auch Editing-Funktionen. Ich konnte Snapbridge bereits bei einer anderen Nikon-Kamera testen und bin begeistert von dem Feature. Am Nikon-Stand auf der Photokina machte die kompakte KeyMission 360 einen sehr robusten und griffigen Eindruck auf mich. Ein Funktionstest war noch nicht möglich. Dafür ließen sich Demo-Aufnahmen per Virtual-Reality-Brille nach dem Cardboard-Prinzip anschauen. Bild- und Tonqualität waren auf hohem Niveau. Wenn Kamera-Bedienung und App-Performance beim fertigen Serienmodell ebenfalls überzeugen, könnte Nikon mit seinem guten Markennamen dem 360-Grad-Markt einen veritablen Schub geben.

VR-Bilder aus der KeyMission 360
VR-Bilder aus der KeyMission 360 am Nikon-Stand anschauen

Kodak: Den Knopf drücken – und den Rest in Virtual Reality erleben

Die amerikanische Marke Kodak hat vor über 130 Jahren das Fotografieren massentauglich gemacht. Die Firma in ihrer ursprünglichen Form ist Geschichte. Mit JK Imaging möchte ein Newcomer aus China ihr Erbe fortführen. Unter der Markenlizenz Kodak PixpPro möchte sie interaktive Panorama-Aufnahmen in 4K-Qualität und VR-Ansicht besonders intuitiv gestalten.

Kodak PixPro 4KVR360 Camera
Kodak PixPro 4KVR360 Camera

Mit der Kodak PixPro 4KVR360 Action-Cam hat das Unternehmen auf der Photokina ein entsprechendes Gerät vorgestellt. Es bündelt gleich alle aktuellen Imaging-Trends im Namen: Zwei Kameras nehmen jeweils ein 180-Grad-Bild auf und kombinieren sie automatisch zu einem 360-Grad-Kugelpanorama. Dabei entstehen entweder Stillbilder mit bis zu 27 Megapixel Auflösung oder Videos maximal in 4K-Qualität. Per WLAN und Bluetooth lassen sich die Bilder aufs Smartphone übertragen und dort im VR-Mode mit einem VR-Headset als interaktive Umgebung betrachten. Auf der Photokina-Pressekonferenz verteilte Kodak VR-Brillen nach Googles Cardboard-Prinzip. Eine Besonderheit: Die beiden Objektive verfügen über unterschiedliche Weitwinkel-Brennweiten: 235 Grad hinten und 155 Grad vorne. Wollen Anwender die Kamera wie eine herkömmliche, einäugige Action-Cam im 16:9-Format nutzen, wählen sie einfach die Frontseite. Die Kamera erledigt das Zusammenfügen der Halbkugel-Bilder zwar automatisch, aber nur in geringerer Auflösung. Wer volle 4K-Kugelpanoramen möchte, greift zur mobilen App für iOS (ab Version 8). Darüber und alternativ mit Desktop-Software für Windows und Mac können Anwender die Bilder auf Wunsch zudem direkt ins Social Web hochladen. 360-Grad-Aufnahmen der Kodak-Kamera werden von Facebook und YouTube automatisch als solche erkannt und entsprechend dargestellt. Wenn die Kodak PixPro 4KVR360 voraussichtlich Anfang 2017 erscheint, wird sie genau wie bei Nikon preislich am oberen Ende angesiedelt sein. Die Angabe ist noch nicht final, doch JK Imaging plant in der Größenordnung von rund 500 Euro.

GoPro per Sprache und App steuern

Der Marktführer bei den Action-Cams, GoPro, hat die Photokina ebenfalls für einen Launch genutzt. Mit der GoPro Hero 5 und der GoPro Hero 5 Session bringt das Unternehmen zwei neue 4K-Kameras. Auch eine passende Drohne namens Karma nimmt GoPro jetzt ins Programm. Dem Trend zu 360 Grad und Virtual Reality verweigert sich der Platzhirsch – die Kameras bleiben einäugig. Dafür werden sie deutlich smarter.

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GoPro Hero 5 am Photokina-Stand

Beide neuen Kameras lassen sich per Sprachkommando steuern. Zudem können sie Aufnahmen per WLAN automatisch in den neuen Cloud-Service GoPro Plus hochladen. Das funktioniert aber nur, wenn die Geräte gerade an der Steckdose Energie tanken. Das kostenpflichtige Cloud-Abo startet 2017 in Deutschland. Die Hero 5 Session wird sich mit der neuen App namens Capture fernbedienen lassen. Die Kamera hat dafür aber auch keinen eigenen Touchscreen wie die GoPro Hero 5. Bearbeiten lassen sich die Aufnahmen weiterhin mit der App Quik. Mac-Fans freuen sich darüber, dass Quik bald auch für OS X auf dem Desktop verfügbar sein wird. Mit 430 Euro für die GoPro Hero 5 und 330 Euro für die Hero 5 Session, müssen Käufer nicht so tief in die Tasche greifen wie bei Nikon und Kodak. Beide Geräte erscheinen im Oktober.

Fazit

Die neuen Action-Cams von Nikon, Kodak und GoPro bieten nichts revolutionär Neues. Sie verschaffen Anwender aber noch mehr Optionen, mit Action-Cams neue Storytelling-Ansätze zu verfolgen. Vor allem 360-Grad-Aufnahmen sind faszinierend. Sie ermöglichen Geschichten jenseits des zweidimensionalen „Frames“ darzustellen. Für Abenteuer und Bild-Reporter ist das sehr interessant. Genau diese Zielgruppe und dieses Anwendungsszenario vermarktet zum Beispiel Nikon. Kodak richtet sich eher an den Amateur, der eine Kamera ohne viel Federlesen einfach und schnell bedienen möchte. Beides hat seine Berechtigung. Bei GoPro finde ich die stärkere Vernetzung mit der Cloud und dem Smartphone begrüßenswert. Das gilt auch für Nikon und Kodak. Die drei Hersteller von Action-Cams machen vor, wie eine „connected camera“ sein sollte. Sie nehmen die Konnektivität und das modulare App-Prinzip von Smartphones und packen sie in Stand-alone-Kameras. Warum können traditionelle DSLR- und Systemkameras nicht auch endlich derart aufgerüstet werden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Applepiloten“ unter CC BY-ND 4.0.


Images by Berti Kolbow-Lehradt


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Law and Order and Robots: Wie Geschworene den Tatort virtuell besichtigen können

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Geschworene dürfen nur selten Tatorte besichtigen. Es gibt Ausnahmen, meist in schwierigen, namhaften Fällen wie die O.J. Simpson-Verhandlung im Jahr 1995 in den USA und der Fall Jill Dando im Jahr 2001 in Großbritannien. Doch Geschworene zu bitten, zu Ermittlern zu werden, birgt eine Vielzahl an Problemen – von möglicher Voreingenommenheit bis hin zu logistischen und sicherheitstechnischen Herausforderungen des Transports an den Tatort. Eine Ortsbesichtigung der Geschworenen im Fall Dando erforderte einen Konvoi von fünf Fahrzeugen, um die Geschworenen, die Anwälte, den Richter und die dazugehörige Polizeieskorte vorbei an Polizeibarrikaden und Nachbarn, Journalisten sowie anderen Schaulustigen an den Tatort zu transportieren. Es wurde ein regelrechtes Medienspektakel daraus. Doch die sich rapide weiterentwickelnde Technologie in den Bereichen Bildgebung, Robotik und künstlicher Intelligenz kann diese Problematik möglicherweise vermeiden, indem sie die Richter und Geschworenen virtuell an den Tatort teleportiert, ohne dass sie den Gerichtssaal dafür verlassen müssen. Diese Besichtigungen können den Geschworenen dabei helfen, die Strafverfolgung und die Verteidigung zu beurteilen. Im Mordprozess des Musikproduzenten Phil Spector im Jahr 2007 argumentierte die Verteidigung beispielsweise, dass ein großer Springbrunnen am Ort des Geschehens die Ursache dafür sei, dass ein Zeuge, der gehört haben wollte, wie Spector sich des Verbrechens bekannte, sich ebensogut verhört haben könne. Indem sie den Ort besuchten, konnten die Geschworenen beurteilen, wie wahrscheinlich dies war, und außerdem ein besseres Verständnis dafür gewinnen, wie die Abfolge der Ereignisse gewesen sein muss. Doch wenn die Geschworenen einen Tatort besuchen, dann kann es sein, dass dieser nicht in demselben Zustand ist wie am Tag des Verbrechens. Im Simpson-Prozess gab es zum Beispiel schwerwiegende Beschwerden, dass die Szenerie inszeniert und Gegenstände neu arrangiert worden seien. Und je länger ein Verbrechen her ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Gegebenheiten am Tatort sich verändert haben. Die Gerichte haben sich traditionell auf kriminaltechnische Abteilungen verlassen, um visuelle Beweise im Gericht zu erbringen. Eine Alternative wäre, die Tatorte selbst zu besuchen. Ermittler der Spurensicherung sammeln und benutzen Beweise, um die präzise Abfolge der Ereignisse, die sich während eines Verbrechens abspielten, nachzubilden. Teile dieses Rekonstruktionsprozesses sind Fotografien und Skizzen, letztere hauptsächlich handgefertigt. Fotos vermitteln ein eingeschränktes Bild des Tatorts und bewegen sich innerhalb des Sichtfelds des Fotografen und unterliegen seiner Interpretation des Schauplatzes und der Wichtigkeit, die er verschiedenen Beweismitteln zuschreibt. Videos können mehr Details des Schauplatzes wiedergeben, sie liefern aber ebenso ein eingeschränktes Sichtfeld für den Betrachter. Zeichnungen und Lagepläne legen die Szenerie in einer Art und Weise dar, wie es weder Fotos noch Videos vermögen. Sie bieten einen generellen Überblick des Schauplatzes sowie der präzisen Lage der Beweisstücke. Doch auch sie vermitteln naturgemäß ein weniger realistisches Bild des Tatorts, da sie sogar noch stärker der Interpretation des Zeichners unterliegen. Gleichzeitig können Fotos und Videos in 3D-Computer-Animationen verwandelt werden, aber dennoch bleiben sie subjektiv und können – je nachdem, durch welche Seite sie präsentiert werden – sogar für den spezifischen Fall angepasst worden sein.

Immersive Beweise

Wie dem auch sei, es gibt aufkeimende neue Technologien, die es Tatortermittlern ermöglichen können, ein deutlich umfassenderes und repräsentativeres Bild des Tatorts einzufangen und zu übermitteln, indem sie 3D-Bildverarbeitung, Panorama-Videos, Robotik und virtuelle Realität einsetzen. Beispielsweise nutzen Forscher der Universität Staffordshire unter der Leitung von Caroline Sturdy Colls Greenscreens, Videospiel-Software und die neuesten Virtual-Reality (VR)-Headsets (unter anderem Oculus Rift und HTC Vive), um digital virtuelle Tatorte abzubilden. Die Geschworenen könnten durch die 3D-Welten spazieren und unverzichtbare Details der Szenerie untersuchen. Anders als ein bearbeitetes Video, das produziert wird, um die Geschworenen zu überzeugen, ist diese Form des Beweises eine einfache Dokumentation des Schauplatzes. Natürlich erfordert dies, dass diejenigen, die die Daten sammeln, objektiv das Geschehen dokumentieren und es weder inszenieren noch verfälschen. Eine Problematik der 3D-Abbildungen und computergenerierten Simulationen auf Basis virtueller Realität ist, dass sie teure Headsets und hochspezifische Computer benötigen. Die VR-Systeme der ersten Generation wie HTC Vive (759 britische Pfund), PlayStation VR (350 britische Pfund) und Oculus Rift (549 britische Pfund) haben einen sehr hohen Anschaffungspreis gemein – und keines von ihnen funktioniert ohne einen entsprechenden VR-fähigen Computer oder eine Konsole. Um dieses Problem zu lösen, entwickeln meine Kollegen und ich an der Universität Durham ein Robotersystem, das vom Mars Rover der NASA inspiriert ist, und das umfassendes Videomaterial von Tatorten sammeln kann. Dieser MABMAT nimmt 360 Grad-Videos und -Fotos auf, die auf jedem Computer oder Smartphone mit einer passenden App abgespielt werden können. Mit einem einfachen Adapter-Headset wie dem Google Cardboard für 10 britische britische Pfund kann eine ähnliche VR-Erfahrung kreiert werden wie es die oben genannten Technologien können – jedoch zu einem Bruchteil der Kosten. Es ist kein Rendern der 3D Grafiken nötig, auch keine leistungsstarken Computer, und dennoch fängt es die akkuratesten Bilder des Tatorts aus jeder Perspektive ein. Die Benutzer können ihren Kopf drehen, nach oben und unten schauen, sowie hinein- und herauszoomen. Nicht nur, dass diese Systeme den Geschworenen im Gerichtssaal behilflich sein können, sie können darüber hinaus den Ermittlern ermöglichen, den Tatort jederzeit wieder in dem Zustand zu besuchen, in dem er zum Zeitpunkt der ersten forensischen Untersuchung war. Die Informationen können auf drei verschiedene Arten gesammelt werden: Ein Tatortermittler könnte einen vordefinierten Pfad für den Roboter vorgeben, der von dort aus HD-Bilder und-Videos aus einer 360 Grad-Perspektive aufnimmt. Er könnte auch durch eine Fernbedienung, ein Smartphone oder ein Tablet via Bluetooth gesteuert werden. Der Roboter könnte ebenso mithilfe von Ultraschall, Bewegungs- und Infrarot-Sensoren ganz alleine innerhalb des Tatorts navigieren und Bilder sowie Videos aufnehmen. Das komplette Setup kommt auf einen Gesamtpreis von nur 299 britische Pfund – und die Kosten dürften künftig sogar noch sinken, wenn erschwingliche Open Source Roboter-Kits rund um günstige Computersysteme wie Raspberry Pi und Arduino gebaut werden. Eine andere Entwicklung könnte der Einsatz von Googles Tango-Projekt sein, das 3D-Bilder von Schauplätzen und Umgebungen in Echtzeit rendern kann, und somit Tatort-Skizzen ersetzen könnte. Auf diese Weise könnte eine umfassende Erfahrung mit Bewegungsverfolgung kreiert werden, die die präzise Distanz zwischen Objekten und Positionen der Beweismittel am Tatort hervorhebt. Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „polizei“ by bykst (CC0)


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  • FACEBOOK sueddeutsche: Facebook will die Jugend zurück: Facebook hat jetzt eine App speziell für Unter-21-Jährige gestartet. In der App „Lifestage“ können registrierte Nutzer Profile anlegen und die Profile ihrer Mitschüler scannen. Das Besondere ist, dass die Profilseiten aus selbstgedrehten Videos bestehen. Lifestage funktioniert ähnlich wie Snapchat überwiegend über Videos, jedoch gibt es keinen Messenger-Dienst. Facebook möchte mit dieser App bei den Jugendlichen wieder beliebter werden.

  • AMAZON handelsblatt: Pakete von der Tankstelle: Amazon verbündet sich nun mit der britisch-niederländischen Tankstellenkette Shell. Dadurch können Amazon-Kunden sich bald ihre Pakete auch an Shell-Tankstellen senden lassen. Die Bestellungen können dann zu sogenannten „Amazonlockern“, Automaten mit Schließfächern, an Shell Tankstellen umgeleitet werden. Das Unternehmen möchte damit unabhängiger von Dienstleistern wie DHL werden.

  • ANDROID golem: Honor gibt Update-Versprechen für Smartphones: Die Huawei-Tochter Honor verspricht ihren Kunden nun zwei Jahre lang Android-Updates. Das Versprechen gilt für in diesem Jahr erworbene Honor-Smartphones, ältere Modelle sind ausgenommen. Im ersten Jahr nach dem Kauf eines Smartphones bekommen die Kunden mindestens alle drei Monate ein neues Update. Nach Ablauf der ersten zwei Jahre will das Unternehmen entscheiden, ob die Smartphones noch aktualisiert werden.

  • SPOTIFY digiday: Spotify plans more original video series: Der Streamingdienst Spotify möchte nun mehr Videos veröffentlichen. Vor drei Monaten erschienen auf Spotify die ersten Videos, darunter eine 100-Sekunden-Version der Tagesschau und Inhalte von bekannten YouTubern. Nun möchte das Unternehmen diesen Bereich ausbauen. Auch Spotifys größter Konkurrent, Apple Music, möchte bald Serien veröffentlichen.

  • LYFT t3n: Gescheitert: Uber-Konkurrent Lyft verhandelte mit Alphabet, Microsoft, Apple über Verkauf: Der Verkauf des Fahrtvermittlungs-Dienst Lyft ist gescheitert. In den letzten Monaten wurden Verhandlungen über einen möglichen Verkauf des Unternehmens abgehalten. Darunter auch ein Gespräch mit General Motors, jedoch kam es nicht zu einem Angebot. Eine Übernahme für Lyft ist aber immer noch geplant. Unter anderem auch, weil ihr größter Konkurrent Uber, durch das Didi-Investment noch stärker geworden ist.

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Eine Woche News per Snapchat: Ein journalistisches Experiment

Snapchat (adapted) (Image by AdamPrzezdziek [CC by 2.0] via flickr)

Snapchat will eine Nachrichtenquelle sein, und deshalb habe ich die letzte Woche ausschließlich auf Snapchat verbracht. Ich habe mein tägliches Frühstücksritual, bestehend aus der Lektüre der New York Times, der Washington Post und Politico Playbook aufgegeben und stattdessen versucht, auf Basis der leichten Snacks zu überleben, die der Discover-Dienst der App bietet. In den Worten der klischeeliebenden Journalisten, die für Snapchats Kooperationspartner schreiben: das Ergebnis könnte Sie überraschen! Obwohl ich als Professor für Journalistische Studien bereits mittleren Alters und damit definitiv kein Teil von Snapchats demografischer Zielgruppe bin, habe ich eine gute Mischung aus Nachrichten und Reportagen über die Kanäle des Wall Street Journal und der CNN erhalten. Am besten gefiel mir ESPN, die ihre Videos und Artikel clever an die einzigartige Plattform angepasst haben. Andere Snapchat Discover-Anbieter hingegen boten Streams an, die vorwiegend aus Listen und Klickködern an, die oft mit einer nervigen Hintergrundmusik kombiniert waren und die rasch wieder aus dem Gedächtnis verschwunden waren. Die Werbeeinblendungen fand ich erstaunlich cool. Es handelt sich um knackig bearbeitete Videos, die für kleine Bildschirme maßgeschneidert wurden. Selbst wenn sie etwas bewarben, das mich nicht sonderlich interessierte (so wie beispielsweise „Warcraft- der Film“), waren sie dennoch spannend anzusehen. Ein großes Manko waren allerdings veraltete Inhalte, die nicht oft genug aktualisiert wurden. Zudem fiel mir negativ auf, dass die Snapchat-Anbieter sich nicht über das hinaustrauten, was die Manager der Nachrichtenagenturen als interessant für die Millennials einstuften. BuzzFeed hat eine ganz passable Nachrichtenberichterstattung im Netz, doch ihr Snapchat-Kanal bietet wiederholt nur leichte Kost an, wie beispielsweise „16 Golden Retriever-Welpen, die totale Streber sind“ oder „Wie sieht deine Vagina aus?“ Es gibt einen Cartoon im New Yorker, der einen toten Mann zeigt, der zusammengesunken in einem Stuhl sitzt. Der Mann hält noch sein Smartphone mit der Snapchat-App in der Hand, sein Kopf ist explodiert und hinterlässt nur noch eine Rußwolke. Neben seinem toten Körper steht ein Mann in einem weißen Laborkittel, der einem Polizisten erklärt, was passiert ist: „Sieht aus wie ein weiterer Fall eines Nutzers über Vierzig, der versucht hat, Snapchat zu verstehen.“ Der Cartoon klingt für mich glaubhaft. Meine Kinder und meine Studenten lieben Snapchat, mich jedoch macht der Dienst etwas ratlos. Ein Grund dafür ist die sparsam gestaltete Benutzeroberfläche, bekannte Eigenschaften wie beispielsweise eine Navigationsleiste fehlen. Die App geht davon aus, dass die User von selbst etwas herumprobieren, um herauszufinden, wie sie funktioniert. Als ich die App gestartet hatte und nach den Nachrichten suchte, dauerte es tatsächlich nicht lange, bis ich herausfand, dass die zwei hauptsächlichen Quellen die Discover-Kanäle und die Live Stories sind. Für diesen Erfahrungsbericht konzentriere ich mich nur auf den Discover-Kanal. Ich begann mit CNN, da ich davon ausging, dort tatsächlich echte Nachrichten zu finden. Letzten Montag war die Top-Story die des Jungen, der im Zpp von Cincinnati in ein Gorillagehege fiel, was die Zoowärter dazu veranlasste, den Gorilla zu töten. Die Story trug den Titel „Das war kein schöner Anblick“. Die Gorilla-Geschichte bot ein interessantes Destillat aus Video, Text und Foto, jedoch litt sie, wie viele der Snapchat Artikel, unter einem schwachen Schreibstil, der das Niveau des Inhalts deutlich herunterschraubte. Der Artikel hatte einen reißerischen Aufhänger („Der Zoo von Cincinnati beklagt den Verlust einer der Ihren“), und anstatt zu berichten, was vorgefallen war, war der Artikel in eine gekünstelte Frage-und-Antwort-Struktur aufgeteilt: Was ist passiert? Was war die Reaktion des Zoos? Wie ist die Resonanz? (Kurzer Hinweis an alle Medien-Manager, die Dinge für die Millennial-Generation produzieren – also eigentlich an alle Medien-Manager: Millennials sind schlau, sie sind an Nachrichten interessiert, man braucht also nicht herablassend zu sein, um sie zu erreichen.) Die CNN-App wies außerdem eine nervtötende Musikschleife hinter der ersten Anzeigeseite jedes Artikels auf: ein düsteres Klagelied für den toten Gorilla und eine Uptempo-Nummer für den 12-Jährigen, der an einem College angenommen wurde. (Ich frage mich, was sie spielen werden, wenn der Staat die Zinssätze anhebt.) Die Musik ist ein weiteres Anzeichen dafür, wie weit CNN von seinem Publikum entfernt zu sein scheint. Nein, es braucht wirklich nicht jede Story einen Soundtrack. Alles in allem jedoch hatte der CNN-Kanal einen guten Mix aus interessanten und wichtigen Nachrichten, wie beispielsweise die Überschriften im Vollbildmodus zu Gary Johnson, der als Präsidentschaftskandidat der Libertären Partei nominiert wurde, sowie eine kurze Reportage (na gut, eigentlich ist alles auf Discover kurz) über Einkommensungleichheit. Ich fand auch den Kanal des Wall Street Journals gut, denn er überzeugte mit einer soliden Auswahl von Artikeln, die sowohl Mittzwanziger als auch Mittfünfziger wie mich ansprechen. Die Angebote des Journals umfassten eine verkürzte Version der „What’s News“-Spalte und eine verdichtete Version der Leitartikel. Anstelle von Musik besteht der nervige Versuch des Journals, sich bei den Millennials beliebt zu machen, darin, in jedem Artikel Wörter fett zu schreiben. Der Verfasser des Journals scheint zu denken, dass die Millennials dann eher gewillt sind, den Artikel zu lesen. Jedoch ist so viel Fettgedrucktes vorhanden, dass es tatsächlich sogar schwieriger wird, dem Artikel zu folgen. Der Kanal von ESPN fühlte sich von allen Snapchat-Anbietern am natürlichsten an. Er bot prägnante Highlights, frische Nachrichten und lebendige Reportagen. Es fühlte sich an, als würde man SportsCenter auf dem Smartphone konsumieren, nur eben ohne herumflachsende Moderatoren. Der ESPN-Kanal eröffnete jeden Tag mit einem aufschlussreichen Clip der größten Story des Tages (für den Großteil der vergangenen Woche waren das die NBA-Playoffs). Der Hauptartikel war eine Mischung aus Video-Clips, Text und Fotos. Die Leitartikel waren frisch und up-to-date, so wie beispielsweise der über den Trainer der Golden State Warriors, der im Auftaktspiel so frustriert war, dass er mit einem Karate-Trick sein Clipboard in zwei Hälften zerlegte. Ich habe mir ebenfalls die anderen Discover-Kanäle auf Snapchat angeschaut, darunter Cosmopolitan, MTV, Sweet, Daily Mail, Vice, National Geographic und iHeart Radio. Sie alle waren tendentiell ohne Nachrichten aufgebaut. Daily Mail beschäftigte sich mit einer Menge Prominenter, von denen ich noch nie gehört hatte. Die anderen Kanäle boten allesamt so ziemlich dieselbe Mischung aus Listen und Promifotos. Habe ich „Warum diese Nachricht einer Mutter an 3 Teenager in einem lokalen Starbucks um die Welt gehen wird“ bei BuzzFeed oder Cosmo gelesen? Ich kann mich nicht mehr erinnern. Und wenn die weniger nachrichtenaffinen Kanäle etwas Substantielles mitzuteilen hatten, dann wurde dies oft in eine schwache Überschrift verpackt. Ein Angebot von NatGeo war „Wer baute die mysteriösen Steinkreise? Die Antwort könnte sie überraschen!“ (Spoiler: Es waren die Neandertaler. Ich war nicht überrascht.) Eine Sache, die mich an Snapchat Discover tatsächlich überrascht hat: die Werbung. Es handelt sich um 10- bis 15-sekündige Videos, die sich gut in die leichteren, Millennials-angepassten Inhalte integrierten: Film-Trailer, Werbung für Lippenstift, die Sportveranstaltung X Games oder für Burberry-Parfum. Manchmal waren die Werbeeinblendungen tatsächlich interessanter als die Artikel. Nach einer Woche nur mit Snapchat kehrte ich zurück zur Times und zur Post, um zu schauen, was ich verpasst hatte. Wie ich entdeckte, hatten die Discover-Dienste die meisten Nachrichten, die von den großen Blättern prominent gedruckt worden waren, abgedeckt. Die Snapchat-Kanäle boten sogar einige gute Unternehmensgeschichten, die politische und geschäftliche Neuigkeiten tiefergehend präsentierten. Doch aufgrund der täglich geringen Zahl an Artikeln von seriösen Nachrichtenorganisationen, wurden viele bedeutende Themen (eine leichte Erhöhung in der nationalen Sterberate zum Beispiel) kaum oder gar nicht abgedeckt. Das größte Problem von Snapcht Discover ist die Aktualität. Selbst mit Inhalten, die von großen Unternehmen wie CNN und dem Journal 24 Stunden bespielt werden, geboten wurden, konnte ich mich meiner Meinung nach nicht darauf verlassen, dass ich durch Discover immer auf dem neuesten Stand sein würde, denn es schien, dass die Inhalte nur einmal am Tag aktualisiert wurden. Früh am Samstag kam die Nachricht von Muhammad Alis Tod, doch sieben Stunden später brachte der Snapchat-Kanal von CNN immer noch nur eine einzige Meldung, dass dieser ins Krankenhaus gekommen sei. Aktuelle Berichte lassen verlauten, dass Snapchat die Veröffentlichung eines neuen Designs für Discover plane, möglicherweise noch in dieser Woche. Eine Pew-Studie besagte vor einigen Tagen, dass nur 17 Prozent der Snapchat-User die Nachrichten der App konsumieren. Das bedeutet, da gibt es noch Luft nach oben. Es könnte auch darauf hindeuten, dass für viele Benutzer die App als Nachrichtenquelle nicht relevant ist. Meine Woche mit Snapchat Discover hat gezeigt, dass, wenn die Manager des Unternehmens diese Nachrichtenplattform ausbauen und überarbeiten würden, sie ihr Publikum durch eine große Reichweite der dargebotenen Inhalte und durch mehr substanzielle Nachrichten vergrößern könnten. Sie sollten dem Drang nach einer Niveausenkung aber dringend widerstehen. Wenn sie sich daran halten, dann könnten die Ergebnisse mich überraschen! Dieser Artikel erschien zuerst auf „Nieman Journalism Lab“ unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Snapchat“ by AdamPrzezdziek (CC BY-SA 2.0)


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  • APPLE forbes: The World’s Most Valuable Brands 2016 Es ist wieder soweit. Das Forbes Magazin hat die wertvollsten Unternehmen der Welt aufgezählt. An der Spitze steht immer noch unangefochten der Konzern Apple. Trotz der sinkenden Umsatzzahlen im ersten Jahresquartal, was auf den „schwachen“ iPhone-Verkauf in China zurückzuführen ist, wird Apple ein Wert von 154,1 Milliarden Dollar angerechnet. Also fast doppelt so viel wie der zweite Platz, den Google belegt.
  • WLAN heise: Kommentar: Merkel bezwingt den Zombie namens Störerhaftung: „Endlich. Der faule Kompromiss, den uns die Große Koalition als WLAN-Gesetz verkaufen wollte, ist da, wo er hingehört: In der Tonne. Da musste Mutti erst ein Machtwort sprechen, bis auch die letzten Betonköpfe in der Union ihren Widerstand gegen freies WLAN aufgegeben haben. Offenbar war das störrische Beharren auf den deutschen Sonderweg selbst der Bundeskanzlerin langsam peinlich.“ So schnell ging es dann – die Störerhaftung ist Geschichte.
  • YOUTUBE mashable: YouTube wants you to share videos with friends in new chat feature: Youtube steht wohl kurz davor einen eigenen Messenger zu veröffentlichen. Der Konzern testet diesen mit ein paar Nutzern. Zu finden ist der neue Nachrichten-Service auf der Youtube App für Smartphones. Man will damit das Teilen von Videos verstärken und der Konkurrenz Snapchat und Facebook Einhalt gebieten.
  • MESSENGER-BOT gründerszene: Der Messenger-Bot zweier Kölner findet Jobs für Dich: Microsoft-Chef Satya Nadella verkündete vor kurzem „Bots sind die neuen Apps“. Das wollten zwei Kölner dann ganz genau unter die Lupe nehmen. Weil sie mit einem Jobportal in der Googlesuche keine CHnace gegen große Portale hatten, starteten sie ein Projekt, in dem ein Bot, Arbeitssuchenden in einem Chat Stellenangebote schickt. „Jobmehappy“ wurde für den Facebook-Messenger entwickelt. Nach kurzer Zeit hatte der Bot schon 400 Nutzer angelockt, die auf der Suche nach Arbeit waren.
  • GOOGLE digitaltrends: The Google Cardboard VR viewer is now available outside of the US: Das Google Cardboard gibt seinen Kunden die Möglichkeit in die Virtual Reality abzutauchen. Bisher allerdings nur in den Vereinigten Staaten. Das will Google nun ändern. In wenigen Ländern, außerhalbt der USA, ist es nun auch möglich die Headsets zu erwerben. Auch Deutschland gehört zu diesen Ländern. Hierzulande wird es um die 20 Euro kosten. Das ist etwas teuerer als in den USA. Dort kostet es 15 Dollar.

Image chalabala / 123RF Lizenzfreie Bilder


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Screen Radar: Wie sich YouTube gegen Netflix & Co. behaupten will

Watching a blank screen (adapted) (Image by Kenneth Lu [CC BY 2.0] via flickr)

Für die Netzpiloten stellt Arthur Avenue Kino-Neustarts vor und bespricht die wichtigsten Film-Themen. Dieses Mal mit ersten Infos zu YouTube „Unplugged“-Service, Sarah Kuttners Romanadaption „Mängelexemplar“ und dem Trailer zu Neuseelands erfolgreichstem Kinofilm „Hunt For The Wilderpeople“.

Neu im Kino„Mängelexemplar“
„Angry Birds“
Thema der WocheThe Age of Cord-Cutting
Streaming-Perlen„Edge Of Tomorrow“ auf Netflix
„Zeit der Kannibalen“ auf Amazon Prime
Neues aus der FilmweltARD und ZDF machen in YouTube
Darauf freuen wir uns„Hunt For The Wilderpeople“
App-RadarThe Rock Clock
Wann geht es endlich weiter?„Marvel’s Agents of Shield“ – Staffel 2
„Marco Polo“ – Staffel 2
„New Girl“ – Staffel 5

 

Neu im Kino

Muss man sehen: „Mängelexemplar“ basiert auf Sarah Kuttners Erstlingsroman. Darin verliert Karo (großartig: Claudia Eisinger) erst ihren Job, dann ihren Freund und schließlich die Fassung. Diagnose: Depression. Jetzt hilft nur noch runterfahren auf Null, ein bisschen Hotel Mama genießen und dann mal gucken, was wirklich wichtig ist. Das Tolle: Bei all den Hochs und Tiefs verliert die 27-jährige Protagonistin nie ihren Sinn für Humor. Der darf auch gerne mal so richtig schön unter die Gürtellinie gehen (Stichwort: Kinder im Baumarkt anpöbeln). Das zotige Berlin-Hipster-Portrait wurde von Laura Lackmann gedreht, die nach diesem Regie-Debüt im Sommer sogar noch mit einem Buch-Debüt herausrücken wird. Finden wir super!

Kann man sich sparen: Jetzt könnte man sagen: Endlich haben die knallbunten Vögel aus „Angry Birds“ ihren eigenen Film bekommen. Klingt ja auch erstmal ganz gut. Im Film sehen wir nun nicht nur in Looney-Tunes-artigen Sketchen, wie sie verdammt schnell aus der Haut fahren, sondern auch wie eine Wut-Therapie bei der endgültigen Besänftigung helfen soll. Nur kommen dann die Schweine auf Bird Island und wollen aus den Vogel-Eiern leckere Omeletts machen. Das alles hat am Ende so gar keine Tiefe und so gar keinen Sinn. Denn alles dient – oh Wunder – letztlich nur dazu, die Merchandise-Verkäufe noch einmal so richtig anzuheizen. Lahm!

Thema der Woche

The Age of Cord-Cutting: Wie Sebastian Haselbeck erst kürzlich für Netzpiloten zusammengefasst hat, befindet sich die Unterhaltungsbranche in einem großen Umbruch. Player wie Netflix und Amazon sind gerade mal ein paar Jahre dabei und bestimmen schon die Spielregeln des Bewegtbild-Markts. Gefühlt nimmt niemand mehr Geld in die Hand, um so viele Qualitätsinhalte für so viele Geschmäcker zu produzieren. Als Nutzer sind wir dieser Dynamik längst verfallen. Wir wollen keinen Tag länger als nötig auf die nächste Folge unserer Lieblingsserie warten und haben uns längst daran gewöhnt, ganze Staffeln am Stück zu bingen. Jetzt ist durchgesickert, dass auch YouTube im nächsten Jahr mit einem neuen Angebot namens „Unplugged“ vorpreschen will. Dieses umfasst einen Streaming-Service, der erstmals hochwertige PayTV-Sender wie Fox oder CBS gegen Gebühr auf der Video-Plattform verfügbar machen soll. Ein kühner Plan? In jedem Fall, denn solch ein Paket konnte noch niemand vorher schnüren. Zum Start der neuen AppleTV-Plattform ist beispielsweise erst Apple daran gescheitert, ein ähnliches Angebot anzubieten. Dennoch stehen die Zeichen voll auf Fortschritt bei den Inhalte-Produzenten. Schließlich umfasst die Primetime-Reichweite von YouTube schon heute so viele werberelevante Amerikaner (18-49), wie die zehn meistgesehenen Programme im linearen Fernsehen zusammen.

Streaming-Perlen

„Edge of Tomorrow“ auf Netflix: Ein düsteres Action-Spektakel: Für Major Bill Cage (Tom Cruise) beginnt der schlimmste Tag seines Lebens, als er ohne Anleitung in ein Exo-Skelett gesteckt und in den Krieg gegen fiese Aliens geschickt wird. Sein Tod ist aufgrund seiner Planlosigkeit vorprogrammiert. Aber überraschenderweise ist dieser nicht sein Ende – denn er wacht nach dem tödlichen Scheitern wieder und wieder auf dem selben Stützpunkt zur selben Zeit, kurz vor der Attacke, auf. Weil er den Horror-Tag auf Repeat erlebt, bleibt ihm letztlich viel Zeit, den Feind zu studieren und nach einem Ausweg für sich und die Menschheit zu suchen.

„Zeit der Kannibalen“ auf Amazon Prime: Das Kammerspiel begleitet drei deutsche Business-Consultants, die für ihre Karriere ohne mit der Wimper zu zucken über Leichen gehen. Seit Jahren touren sie durch die Welt, um den Profithunger ihrer Kunden zu stillen. Ihr selbsterklärtes Ziel: Endlich aufsteigen und Partner werden! Doch der Konkurrenzkampf um den begehrten Posten fordert alles von ihnen ab und bringt neben der einen oder anderen Neurose auch allerhand Sarkasmus zum Vorschein. Die bitterböse Kapitalismus-Kritik mit Devid Striesow, Sebastian Blomberg und Katharina Schüttler gewann zurecht den Deutschen Filmpreis für das beste Drehbuch.

Neues aus der Filmwelt

ARD und ZDF machen in YouTube: Auf der re:publica in Berlin wurde erstmals Einblick in die Planungen zum neuen „Jungen Angebot“ der öffentlich-rechtlichen Sender gewährt, für das sogar alle 16 Landesparlamente den Rundfunkstaatsvertrag ändern mussten. Der Grund: Das neue Programm für die Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen soll ausschließlich online und nicht linear senden. Das Angebot wartet mit zahlreichen YouTubern auf (darunter Florian Mundt alias LeFloid und Rayk Anders mit seinem Kanal „Armes Deutschland“) und wird unter anderem von den Gaming- und Dauerquassel-Experten von RocketBeans TV produziert.

Darauf freuen wir uns

„Hunt For The Wilderpeople“: Jeder kennt die Trash-TV-Sendungen, in denen gewaltbereite und ungezogene Kinder in ein Flugzeug gesetzt werden, um auf einer Farm irgendwo im Nirgendwo ganz ohne Elektrizität zu lernen, wie man sich richtig zu verhalten hat. „Hunt For The Wilderpeople“ ist so eine Geschichte, nur dass sie auf einem berühmten Jugendroman basiert. Regisseur Taika Waititi („5 Zimmer, Küche, Sarg“) erzählt die Story eines Jungen, der erst nirgends richtig reinpasst und dann mitten in der Natur zu sich findet. Hoffentlich kommt die neuseeländische Erfolgsproduktion bald zu uns ins Kino!

App-Radar

The Rock Clock: Muskelprotz Dwayne „The Rock“ Johnson hat sich in Hollywood als besttrainierte Grinsebacke einen Namen gemacht. Jetzt ist er auch unter die App-Entwickler gegangen und hat seine eigene Wecker- und Motivations-App vorgestellt. Die hält nicht nur von ihm eingesungene Wachwerd-Melodien bereit, sondern zeigt auch an, wann er selbst aufsteht. Aktuell ist Johnsons „Rock Time“ auf 4:15h eingestellt – na dann.

Wann geht es endlich weiter?

Marvel’s Agents of Shield – Staffel 2 | Ab 10.05.2016 auf RTL II Marco Polo – Staffel 2 | Ab 01.07.2016 auf Netflix New Girl | Ab Herbst 2016 auf Sixx


Image (adapted) „Watching a blank Screen“ by Kenneth Lu (CC BY 2.0)


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  • DATENSCHUTZ politik digital: Apple und Microsoft: Die Speerspitzen des Datenschutzes? Datenschutz ist gerade in der digitalen Welt ein großes Thema. Das haben auch Apple und Microsoft erkannt. Diese wehren sich nun gegen die Ermittlungen von FBI und Co. Oft bedienen sich die Ermittlungsbehörden an Gesetzen, die der heutigen Zeit nicht gewachsen sind. Denn der Datenschutz ist nun mal ein sehr wichtiger Aspekt von vielen Geschäftsmodellen und Angeboten. Während das FBI versucht den möglichst einfachsten Weg zu gehen, wehren sich Apple und Co. vehement.

  • SPOTIFY techcrunch: Spotify sharpens its focus on video with 12 new music-themed original programs: Neben Netflix, Amazon Prime Instant Video und Co., will nun auch Spotify im TV-Business mitmischen. Zwölf neue Originalserien kündigte das schwedische Unternehmen an. Dabei soll es bei den Neuproduktionen um Musik und die Popkultur gehen. Verbunden mit einem gewissen Humor. Videos sollen nicht länger als 15 Minuten und für Abonnenten aus Großbritannien, Schweden, den USA und Deutschland kostenlos sein.

  • SMART CAR Golem: Siri kann Tesla Model S per Sprachbefehl ausparken: „Siri, bitte einmal ausparken!“ Den Satz könnten Autofahrer vielleicht schon bald öfters hören. Ein Entwickler hat mittels der Smartphone-Schnittstelle von Apple (Homekit), der Sprachsteuerung Siri und einer Apple Watch, das Tesla Model S ein- und ausgeparkt. Wer also um die 80.000 Euro zur Verfügung hat und Apple-Fan ist, der kann seinem Tesla bald aus 12 Meter Entfernung beim einparken zuschauen.

  • UBER Welt: Taxi-Schreck Uber plant Neustart in Berlin: Auf ein Neues: Uber möchte wiederholt in Berlin starten. Da UberBlack und UberPop in Berlin bereits verboten worden waren, will der Taxi Konkurrent mit UberX nun wieder in die Hauptstadt. Die günstige Alternative zum Taxi bietet Uber gemeinsam mit Mietwagenfirmen an, die auch Fahrer mit Personenbeförderungsschein einstellen. Bislang sei das daran gescheitert, dass kein passender Mietwagenpartner gefunden wurde.

  • DROHNE t3n: DHL meistert letzte Meile: Privatkunden verschicken Pakete erstmals per Paket-Drohne: Zuerst in Bonn am Rhein, später die Nordseeinsel Juist und jetzt Reit im Winkl in Oberbayern. DHL hat die dritte Generation ihres Paketkopters erfolgreich getestet. Als ersten Paketdienstleister weltweit sei es der DHL gelungen, eine Paketdrone in die logistischen Abläufe der Paketzustellung einzubinden.


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Soeben gelandet – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • HACKER welt: Wie ein Deutscher Russlands Hacker-Legende entlarvte: Heute schon einen der meistgesuchten Hacker der Welt aufgespürt? Nein? Dann ist euer Name wahrscheinlich nicht Christian Rossow. Dem deutschen Informatiker gelang nämlich das, was fast unmöglich erscheint. Durch Zufall mischte er sich in die Weltpolitik ein und fand den meistgejagten Hacker der Welt. Das FBI geht von einem Schaden von rund 100 Millionen Dollar aus, den der Hacker Jewgeni Bogatschowm mit dem Programm „Gameover Zeus“ angerichtet hatte.
  • SMART CAR heise: Selbstfahrende Autos: Fingerabdruck der Straße für exakte Navigation: Der Straßenbelag sieht für die meisten Menschen relativ langweilig aus. Für den Computer allerdings nicht. Selbstfahrende Autos könnten sich in Zukunft am Belag orientieren, wenn GPS nicht abrufbar oder funktionieren sollte. Das System „Ranger“ kann Bodenfotos einem exakten Standort zuordnen und so das Fahrzeug während der Fahrt anleiten bzw. koordinieren.
  • KI spektrum: Die Grenzen der künstlichen Intelligenz: Der Sieg einer Google-Software über den Weltmeister im Brettspiel Go hat der Technologie der künstlichen Intelligenz gesellschaftlichen Auftrieb verschafft. Die Mühen der Ebene zeigen aber, dass die Algorithmen des maschinellen Lernens allerlei Fallen bergen – auch für ihre Entwickler.
  • LinkedIn t3n: Jetzt arbeitet auch LinkedIn an seiner Version von Facebooks Instant Articles: Facebook hat es mit „Instant Articles“ vorgemacht, Google mit „Accelerated Mobile Pages“ seine eigene Lösung entwickelt und jetzt soll auch LinkedIn sein eigenes Artikelformat planen. Das Unternehmen bastelt an einem ähnlichen Tool, um Content von Medien direkt auf der Plattform zu publizieren, berichtet Buzzfeed. LinkedIn befinde sich bereits in Verhandlungen mit Medien, um das Format zu gestalten.
  • FAKES nerdcore: Doku: Wie gefährlich sind Fakes im Netz?: Mit Fakes ist es immer so eine Sache: Sie können einem Bild oder Video einen gewissen Charme, eine Emotion bzw. eine gezielte Botschaft erteilen. Allerdings kann es zu einem Problem werden, wenn Fakes dazu eingesetzt werden, um gezielt Falschmeldungen oder gar Hetze zu verbreiten. In der Doku „Wie gefährlich sind Fakes im Netz?“, geht es um die Opfer, Täter und welche Auswirkungen Fakes haben können.

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Wie eine Webseite zur digitalen Zeitkapsel wird

Kamera-Fotos (image by condesign [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Geschichte entsteht aus Geschichten. Die Webseite The History Project versucht genau diese Geschichten mit moderner Technologie einzufangen und als interaktive Geschichte für zukünftige Generationen aufzubewahren und abzubilden. So sollen aus chaotischen Anekdoten und Objekten bedeutungsvolle Erinnerungen werden.

Alles begann, als Niles Lichtenstein eine Kiste voller alter Schallplatten auf dem Dachboden fand. Die Schallplatten hatten seinem Vater gehört, der vor vielen Jahren an Krebs gestorben war. Für Lichtenstein war dieser Moment so, als ob er eine wertvolle Schatztruhe gefunden hätte. “Die Musik hatte meinen Vater und mich immer verbunden. Als ich anfing die erste Platte zu hören, kamen all diese Erinnerungen hoch und ich hatte ein unglaubliches Hochgefühl.”

Desperado von den Eagles:

Doch kaum war die Musik verklungen, war diese Verbindung, die er gefühlt hatte verpufft. Er fühlte sich traurig und alleine. Er begann fast wie besessen eine Platte nach der anderen zu hören, auf der Suche nach mehr Erinnerungen an seinen Vater. Als das nicht mehr reichte, tauchte er in alte Fotoalben ein. Er besuchte Freunde seines Vaters und interviewte sie. Seine Reise in die Vergangenheit führte ihn immer weiter. Er reiste sogar nach Vietnam, an den Ort, an dem sein Vater während des Kriegs stationiert war. “Als ich von dieser Reise wiederkam, war ich körperlich total ausgelaugt, fühlte mich aber im Geiste sehr erhoben.” 

Als er aber seiner Familie diese intensive Erfahrung beschreiben und zeigen wollte, hatte er nur eine Daten-CD mit ein paar Liedern und Fotos in der Hand. “Das gab überhaupt nicht wieder, was ich erfahren hatte. Es war genau das Gegenteil von dem, was ich auf meiner Reise in die Vergangenheit erlebt hatte.”

Die Vergangenheit mit Technologien von heute für die Generation von morgen aufbewahren

Seine Erfahrung mit der Vergangenheit seines Vaters hatte Niles Lichtenstein zwei Dinge gezeigt: Erstens, Menschen leben durch die Geschichten, die wir mit ihnen verbinden, in nachfolgenden Generationen weiter und zweitens, es müsste einen Weg geben, um diese Geschichten in einer Art lebendiger, interaktiver Zeitkapsel aufbewahren zu können. So entstand wenige Zeit später The History Project. Die Webseite sieht sich als

Eine Welt, in der Momente wichtig sind, für immer aufbewahrt werden können und einfach zugänglich sind.

Die Vergangenheit soll so mit Technologien von heute eingefangen und für künftige Generationen aufbewahrt werden. Dabei kann The History Project viel mehr als etwa ein geteiltes Fotoalbum auf Facebook. Jede Geschichte wird anhand eines Zeitstrahls erzählt. Hier können einzelne Geschehnisse festgehalten werden, wie die Geburt eines Kindes, das erste Date oder der erste Tag im neuen Job. Jedes Ereignis kann dabei mit Fotos, Tonaufnahmen, Videos, Musik, Dokumenten, Landkarten, alten Zeitungsschnipseln und vielem mehr bereichert werden. “Denn es ist nicht dasselbe, wenn wir uns einfach alte Fotos anschauen oder wenn unsere Eltern daneben sitzen und uns die Geschichte und die Hintergründe zu diesen Fotos erklären.” Mit The History Project sollen genau diese Geschichten wieder erzählt werden.

Screenshot Erstes Date 650x326

So werden durch die Timeline alte Erinnerungen wieder lebendig und in einen Zusammenhang gebracht. The History Project orientiert sich dabei an die Art und Weise, wie wir selbst Erinnerungen abspeichern. Ein bestimmtes Lied kann zum Beispiel eine Welle von Bildern, Orten und Ereignissen in unserer Erinnerung hervorrufen. Genau diese Erinnerungsflut will The History Project simulieren. Ein Klick auf das Ereignis “Erstes Date” ruft zum Beispiel gleichzeitig alte Fotos, die erste Email, die Musik, die damals spielte und eine Speisekarte des Restaurants auf.

Diese Geschichts-Timelines können auch mit anderen Nutzern geteilt werden, sodass man mit mehreren gleichzeitig an einer Geschichte arbeiten kann. Niles Lichtenstein ist es dabei wichtig, dass wir stets Zugriff auf die Geschichten haben. Geschichte soll dadurch ein viel größerer Teil unseres Alltags werden: “Wer an Geschichte denkt, sieht gleich langweilige alte Wälzer oder vergrabene Zeitkapseln vor sich, die man erst in 30 Jahren wieder ausgraben kann. Aber unsere Idee ist, dass Geschichte uns in unserem Alltag begleiten soll, wenn wir morgens unsere Emails checken oder beim Essen mit der Familie, wenn wir uns diese Geschichten erzählen.”

Lichtenstein glaubt, dass wir nur in und durch unsere Geschichten wirklich lebendig sind: Wenn unsere Großeltern davon erzählen, wie sie als Kinder gespielt haben; wenn unsere Onkel und Tanten uns verraten, wie viel Unsinn unsere Eltern früher getrieben haben; wenn wir uns an unsere Schulzeit erinnern. Mit anderen Worten: Wenn wir uns an all die Geschichten, die uns ausmachen erinnern und diese weitergeben, dann bleiben wir selbst dadurch lebendig und können anderen ein Stück von uns selbst mitgeben.

Das Erinnerungschaos ordnen

All das will The History Project auf digitale Art und Weise einfangen. Dabei ist das Ausfiltern von Erinnerungsstücken ein wichtiger Teil des Prozesses. Denn einerseits haben wir viele alte Objekte wie Fotos oder Kassetten, die vom Verfall bedroht sind. Andererseits verfügen wir über riesige digitale Datenbanken mit Tausenden Fotos, die völlig überwältigend – aber in ihrer angesammelten Masse auch völlig bedeutungslos sind.

The History Project hat sich zum Ziel gesetzt, Ordnung in dieses Erinnerungschaos zu bringen. Gespeichert wird alles im Netz, mit Cloud-Technologien. So bleiben bedeutungsvolle Erinnerungen nicht nur für uns, sondern auch für unsere Kinder und Enkel erhalten – das erhofft sich zumindest das Team von The History Project. Dabei ist das Projekt nicht nur für persönliche Erinnerungen oder als digitales Erinnerungsalbum für die Familie gedacht. The History Project kann beispielsweise auch von Firmen oder Organisationen genutzt werden, um ihre Gründungsgeschichte oder ihre Firmenideologie für ihre Angestellten, aber auch für die Zukunft festzuhalten.

Geschichte mit allen Sinnen erleben

Niles Lichtenstein gibt zu, dass die digitale Erinnerungszeitkapsel erst der Anfang ist. “Wir arbeiten derzeit auch an Techniken mit 3D Druckern oder digitalen Gerüchen, denn Erinnerung hat auch so viel mit Anfassen und Riechen zu tun.” Geschichte soll also mit allen Sinnen erlebt werden. Eine Idealvorstellung wäre für Lichtenstein etwa ein Video von der Oma beim Kochen, darunter liest man direkt das Rezept, hört die Radiomusik, die sie damals dazu gehört hat und riecht gleichzeitig das leckere Essen.

Ganz soweit ist The History Project aber noch nicht. Bisher kann man über die Webseite entweder selbst an digitalen Erinnerungesprojekten basteln (Spoiler Alert: hoher Spaßfaktor) oder das Team von The History Project, die selbsternannten Geschichts-Hausmeister, damit beauftragen, seine Erinnerungen professionell zu ordnen, entweder modern und digital als Web-Projekt, oder doch ganz klassisch – als Fotoalbum.

Screenshot Fotoalbum 650x165

Und die Moral von der Geschicht

Unsere Erinnerungen und unsere Geschichten machen uns als Menschen aus. The History Project bietet eine spannende sowie unterhaltsame Möglichkeit, diese in digitalen Zeitkapseln für uns sowie für nachfolgende Generationen aufzubewahren.

Niles Lichtenstein über die Hintergründe von The History Project


Teaser & Image “Kamera-Fotos” by condesign (CC0 Public Domain).


CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

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Wie alles begann: die ersten Videos der YouTube-Stars – Teil 2

Unsere derzeitige Praktikantin Larissa Werner, vom Alter her Teil der sogenannten YouTube-Generation, hat sich die ersten Videos der YouTube-Stars angesehen und für uns kommentiert. Nach den Premieren von Gronkh, LeFloid, Apecrime, den Aussenseitern und Dner kommentiert sie im zweiten Teil die ersten Videos von BibisBeautyPalace, DagiBee, Daaruum, Paolas Welt und Misses Vlog.

BibisBeautyPalace: Haare an der Kopfhaut flechten (Views: 1.205.065)

Der Anfang ist echt süß, mit voller Elan, aber irgendwie auch etwas abwesend, erzählt Bibi, dass das ihr erstes Video ist und hofft, dass es den Zuschauern gefällt und alle sie abonnieren. Die Qualität ist zwar nicht die Beste, aber gut genug, um zu verstehen, was sie bei ihrem Tutorial erklärt.

Das Setting ist meiner Meinung nach – ob jetzt absichtlich oder nicht – gut gewählt, denn sie steht in einem schlichten Oberteil vor einer schlichten Wand und ihre Haare stehen im Fokus. Das ist doch perfekt für ein erstes Video! Sie hat auch fast alles so gedreht, dass sie kaum etwas schneiden musste. Ich finde, dass das eine sehr gelungene Premiere ist!

Dagi Bee: NO-GOs bei Jungs! (Views: 1.981.655)

Huch, ich sehe nur Hände, die die ganze Zeit wild herumfuchteln. Dazu ein auffälliges Oberteil und ein noch auffälligerer Hintergrund – aber sollte ich nicht eigentlich auf Dagi achten, die im Vordergrund über No-Go’s (dieses Wort kann ich nach dem Video echt nicht mehr hören) bei “Boys” redet?

Dieses Video finde ich etwas anstrengend. Ich achte auf alles, nur nicht auf das, was sie sagt. Das soll doch nicht so sein, oder? Sie wirkt etwas aufgesetzt auf mich und sowas mag ich gar nicht. Immerhin kann sie mit Ton- und Videoqualität punkten, die ist nämlich gar nicht mal so schlecht. Das ist das Video eigentlich auch nicht, nur fuchtelt sie mir viel zu viel herum.

Daaruum: Vorstellung (Views: 332.296)

Screenshot Daaruum
Einbetten wurde auf Anfrage deaktiviert (Screesnhot: Daaruum)

Daaruums erstes Video wirkt direkt sehr sympathisch auf mich. Obwohl in ihrem Video alles schwarz ist (außer dem Stuhl), hat sie eine echt freundliche Ausstrahlung und sie wirkt auf mich total ehrlich. So als wenn sie Lust hätte, ihre eigenen Sachen mit denen der Zuschauer zu verbinden, damit es sowohl ihr, als auch der Community, Spaß macht – toll! Kein Schnitt, kein großes Tamtam, einfach nur sie, die darüber redet, was sie gerne machen möchte. Das gefällt mir. Und auch die Qualität ist gut. Für mich ein sehr gelungenes erstes Video!

Paola Maria: Die 10 schlimmsten Augenbrauen (Views: 1.216.168)

Das erste was mir dazu einfällt ist: Also, ich würde mich nicht trauen, in meinem allerersten Video direkt etwas zu kritisieren, aber sie macht es auf eine sehr charmante und lustige Art und Weise und auch die Bilder, die sie rausgesucht hat, sind echt witzig. Ich mag das Setting hier, es ist kein kahler Hintergrund, aber auch keiner, der total überfüllt ist und von ihr ablenkt. Der Fokus liegt immer noch auf Paola, die redet wie ein Wasserfall – und bei ihren Vergleichen konnte ich mir ein Schmunzeln auch nicht vergleichen. Sie hat irgendwas an sich, das ich echt gut finde und über die Ton- und Video-Qualität will ich mich auch nicht beschweren.

Kelly MissesVlog: Die Aussenseiter wollen uns tanzen sehen! (Views: 226.841)

Die Video-Qualität lässt echt zu wünschen übrig, zwischendurch ist das echt nicht mehr schön – aber es geht ja primär um den Inhalt. Aus ein mach zwei: Kelly und Kelly unterhalten sich und die eine Kelly fängt dann an zu tanzen. An verschiedenen Orten. Auf verschiedenste Arten. Ob im Zimmer oder auch in der Öffentlichkeit – das ist aber echt lustig, mit einem Tupfen Fremdschämen. Super, dass sie dieses Schamgefühl anscheinend nicht hatte, sonst würde es dieses doch sehr unterhaltsame Video wohl nicht geben.

Im ersten Teil hat Larissa sich die ersten Videos von Gronkh, LeFloid, Apecrime, den Aussenseitern und Dner angesehen.


Image (adapted) „YouTube logo“ by Rego Korosi (CC BY-SA 2.0)


 

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Wie alles begann: die ersten Videos der YouTube-Stars – Teil 1

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Was das, frei nach Hesse zitiert, für die heutigen YouTube-Stars bedeuten kann, können wir auch nicht sagen. Neben der ganzen Arbeit muss es noch etwas anderes geben, das ihren heutigen Erfolg ausmacht. Unsere derzeitige Praktikantin Larissa Werner, vom Alter her Teil der sogenannten YouTube-Generation, hat sich die ersten Videos der YouTube-Stars angesehen und für uns kommentiert.

Gronkh: Let’s Play: Allods Online #000 [German] [HD] – Erste Testaufnahme (Views: 576.329)

Ein Video mit “Bla Bla Bla” anzufangen kommt auf mich super rüber, war auf jeden Fall unerwartet. Namen sind ja sowieso Schall und Rauch. Auch wenn ich nicht viel in der Gaming-Branche unterwegs bin, gefällt mir das Video. Gronkh bringt das Thema von Anfang an super rüber, mit unterschiedlichen Stimmlagen und toller Ironie.

Über die Qualität der Tonaufnahme will ich gar nicht meckern, die ist nämlich gar nicht mal so schlecht. Und obwohl ich das Spiel nicht sehr interessant finde, unterhält mich Gronkh mit seiner Art, das alles zu kommentieren. Was mir bei diesem Video sehr gut gefällt, ist diese Lets-Play-Perspektive, bei der man den Sprecher gar nicht sieht.

LeFloid: In den Köpfen von Berlin (Views: 269.871)

Es ist bei einem ersten Video irgendwie natürlich, dass die Qualität noch nicht atemberaubend sein kann, aber LeFloid punktet schon im ersten Video mit dem guten Schnitt des Videos und der Musik, die meiner Meinung nach die Stimmen leider etwas übertönt. Alles in allem gefällt mir sein erstes Video aber schon sehr gut.

Auch die Idee für das Video ist gut: einfach mal ein paar Leute befragen, wo sie gerne wären, was sie glücklich macht, oder was sie tun würden, wenn sie nur noch 24 Stunden leben würden. Die Art von LeFloid finde ich echt unterhaltsam, denn er hat einen schön trockenen Humor, der zwischendurch mal hervorkommt – ein echt gutes und für die Zeit qualitativ hochwertiges Video.

ApeCrime: Penner Movie (Views: 13.743)

Zwei Jungs, davon einer mit Maske, entdecken einen Obdachlosen auf der Straße. Soweit so gut. Was mir gefällt ist, dass das Video aus der Ich-Perspektive gedreht ist, das vermittelt immer ein ganz anderes Gefühl. Die Qualität haut mich jetzt nicht vom Hocker, was man ApeCrime aber auch für das erste Video nicht verübeln kann – immerhin ist das Video aus dem Jahr 2006! Ich habe zwar (inzwischen) schon bessere Videos gesehen, aber es hat auf jeden Fall Unterhaltungspotenzial. Auch schön finde ich, dass am Ende des Videos noch Outtakes kommen, denn sowas ist immer schön anzusehen.

DieAussenseiter: Ein sehr böser Traum (Views: 5.333.294)

Die hochgepitchte Stimme des Hauptdarstellers ist nach einer kurzen Zeit etwas anstrengend, macht das Video aber auch irgendwie lustiger. Man sieht, dass sich Dima und Sascha viel Mühe für das Video gegeben haben. Der Wechsel von der “realen” Welt in die Traumwelt ist den Aussenseitern meiner Meinung nach gut gelungen. Zwar ist das Video etwas… besonders, aber an einigen Stellen ist mir trotzdem auch ein Lachen rausgerutscht. Über die Ton- und Video-Qualität kann man sich auch (noch) nicht beschweren.

Dner: [TuT] Mehr FPS in Minecraft durch Mod Optifine (Views: 167.200)

Am Anfang dachte ich echt, Dner schläft gleich ein – mit der Zeit wurde das aber zum Glück besser. Für diejenigen, die Minecraft spielen, ist das bestimmt ein super Video. Ich konnte nur nicht so viel damit anfangen. Er erklärt alles wirklich gut und zeigt auch, was man mit dem Modpacks für Minecraft alles so einstellen kann. Dank der relativ guten Tonqualität versteht man auch ganz gut, was er sagt. Dass er mal so einen Erfolg auf YouTube haben wird, hätte ich persönlich nach dem Video nicht gedacht.

Im zweiten Teil schauen wir uns die ersten Videos von BibisBeautyPalace, DagiBee, Daaruum, Paolas Welt und Misses Vlog an. Stay tuned.


Image (adapted) “YouTube logo”  by Rego Korosi (CC BY-SA 2.0)


 

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BBC News nutzt Line-Messenger als Distributionskanal für Videos

Line Messenger (Bild: LINE)

Die britische BBC hat einen eigenen Account im Instant Messenger Line gestartet. Über den Kanal will man international Nachrichten in Form kurzer Videos verbreiten. // von Daniel Kuhn

Line Messenger (Bild: LINE)

Die BBC experimentiert viel mit Distributionskanälen für die eigenen Nachrichten herum. Eines dieser Experimentierfelder sind Chat-Apps für Smartphones. Nach einigen Testläufen, die auf bestimmte Länder und News-Ereignisse beschränkt waren, hat die BBC nun einen eigenen internationalen Kanal in der Messenger-App Line gestartet. Hier werden in Form von 15 Sekunden kurzen Videos die wichtigen News-Themen des Tages an die Nutzer gesendet.

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5 Lesetipps für den 19. Juni

In unseren erlesenen Lesetipps geht es heute um Facebooks Vorteil bei Online-Werbung durch die neue Hashtag-Funktion, eine Infografik über die Geschichte der Programmiersprachen, den smarten Einsatz von Evernote, eine Top 10 von coolen Drohnenvideos und Gerüchte über Wasserkühlung bei Smartphones. Ergänzungen erwünscht.

  • FACEBOOK Jan Rezabs Blog: 5 Gründe, warum Hashtags auf Facebook eine sehr gute Idee sind: Facebook hat mit der Einführung von Hashtags einen brillanten Zug gegen Twitter getätigt, glaubt zumindest Socialbaker-CEO Jan Rezab. Seines Erachtens wird das die Werbung auf Facebook fördern und die ohnehin große Werbemacht des sozialen Netzwerk vervielfachen.
  • PROGRAMMIERSPRACHEN Von Ada Lovelace bis Java & PHP – Die Geschichte der Programmiersprachen: Der amerikanische Spezialist für die Sicherheit von Software-Anwendungen Veracode hat in einer Infografik die Geschichte der wichtigsten Programmiersprachen und ihre Erfinder zusammengestellt. Michael Kroker zeigt diese interessante Infografik zur Geschichte der Computer-Programmiersprachen in seinem IT-Blog.
  • EVERNOTE Evernote Blog: Clever arbeiten mit Evernote: Im Februar 2013 erhielt die Kommunikationsberatung Three-Headed Monkeys den Auftrag, für die DFDS Seaways Deutschland eine Markenerlebnis-Untersuchung durchzuführen, die Einblicke in die Erlebniswelt der Kunden eröffnet. Im Interview mit dem Tumblr-Blog von Evernote berichtet das Unternehmen, wie sie den Notizdienst in ihrer Arbeit einsetzen.
  • DROHNEN t3n: Drohnenvideos: Filmaufnahmen aus der Luft zu drehen ist dank ferngesteuerter Kameradrohnen längst kein Traum mehr. Schon mit minimalem Aufwand sind mittels dieser kleinen Helferlein Luftaufnahmen aus bis zu zwei Kilometern Höhe möglich. So entstehen spektakuläre Filmaufnahmen aus schwindelerregenden Höhen – wie diese von t3n zusammen gestellten Top 10 Drohnenvideos.
  • SMARTPHONE Androidnext.de: Werden Smartphones bald mit Wasserkühlung ausgestattet?: Die Rechenleistung von Smartphones wächst mit jedem neuen Gerät, in Japan hat NEC bereits das erste Smartphone mit Wasserkühlung heraus gekommen und es gibt bereits Gerüchte, dass diese Technologie bald auch von vielen anderen Herstellern eingesetzt wird. Unser Autor Daniel Kuhn schreibt auf Androidnext.de über diesen neuen Lösungsansatz.

Nutze Netzpiloten 1-Klick: Mit nur einem Klick werden dir bequem alle 40 Sekunden die hier besprochenen Seiten „vorgeblättert“ START.

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Sponsored Post: Top-3-Viral-Videos pres. von GoViral

Drei Virals die das Web gesehen haben sollte, präsentieren wir euch hier in Zusammenarbeit mit GoViral.

stratos

Bilder vom Rande des Weltalls. Sequenzen aus den Augen James Bonds. Und eine Reise in das Jahr 2050. Das erwartet euch in den Top-3-Viral-Videos, die wir euch zusammen mit GoViral zeigen. Welche viralen Videos gefallen euch am besten? Welches Global-Ad-Video hat euch zuletzt berührt? Lasst uns an euren eigenen Tipps in den Kommentarzeilen teilhaben…

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