Deepfake Videos – der große Bruder der Fake News

Gefälschte Fotos, Videos, Artikel und Kommentare gibt es, seit es das Internet gibt. Egal ob es um nachgemachte Memes, falsch zugeordnete Zitate oder einfach nur absurde Zusammenschnitte von Videomaterial geht. Mit dem Siegeszug des Internets wurden Millionen von Menschen die Möglichkeit gegeben, selbständig Techniken zu entwickeln, kreativ zu werden und letztlich natürlich auch, diese positiven Aspekte für etwas Negatives zu nutzen. Was genau der Begriff „Deepfake“ meint und was die Technik dahinter so gefährlich macht, wollen wir einmal näher beleuchten.

Was sind Deepfake Videos?

Wie bereits erwähnt, sind Fälschungen im Internet keine Neuheit. Auch ohne die neue Technologie, die hinter den Deepfake Videos steckt, können Menschen online manipuliert werden. Ein bekanntes Beispiel dafür ist die Auseinandersetzung zwischen einem amerikanischen Journalisten und einer Praktikantin im Weißen Haus. Sie sollte dem Journalisten das Mikrofon abnehmen. In dem Video, das das Weiße Haus veröffentlichte, schien es, als habe der Journalist die Praktikantin als erster physisch angegangen. Das Original zeigt aber, dass es die Praktikantin war, die zuerst handgreiflich wurde. Es handelt sich hierbei nicht um Deepfake, sondern um eine Manipulation der Frames. Die Bewegung des Reporters erscheint durch die Wiederholung bestimmter Bilder im veränderten Video schneller und damit aggressiver als im Original. Das löste in den USA eine rege Debatte über die Glaubwürdigkeit von Videos aus.

Und Deepfake Videos gehen hier noch einen Schritt weiter. Sie funktionieren mittels einer Technik, die sogenannte „generative adversarial networks“ (GANs) nutzt. Hinter diesem Modebegriff verbergen sich zwei Machine-Learning-Algorithmen, die sich gegenseitig überprüfen. Das erste System erstellt mithilfe von verschiedenen Fotos einer Person ein manipuliertes Video, in dem es so scheint als würde die Person etwas sagen, dass sie ihn Wahrheit nie gesagt hat. Das zweite System überprüft die Fälschung und sendet das manipulierte Video so lange an das erste System zurück, bis es selbst nicht mehr erkennen kann, dass es gefälscht wurde. Erst wenn der zweite Algorithmus das Video nicht mehr als Deepfake erkennt, hört der erste Algorithmus auf zu arbeiten.

Absurde Beispiele und Gefahren

Viele Deepfake Videos sind mittlerweile als solche entlarvt. Meistens jedoch nur, weil die Ersteller der Videos dies selbst taten. Ein Beispiel für Deepfake ist ein Video von Mark Zuckerberg, in dem er sagt, er habe die Kontrolle über alle Menschen, da er die Kontrolle über alle Daten habe.

Es ist irgendwo witzig, weil es absurd ist, dass der Gründer einer der größten Social Media Firmen so offen Datenmissbrauch und Machtspielereien zugeben würde. Man muss also kein Genie sein, um herauszufinden, dass dieses Video mit großer Wahrscheinlichkeit gefälscht ist. Auch gibt es noch immer einige Auffälligkeiten und Unregelmäßigkeiten in Deepfake Videos. Wie zum Beispiel fehlendes Blinzeln oder teilweise fehlerhafte Schattierungen.

Fake News und Deepfake gefährden öffentliche Diskussionen

Doch das Problem, das sich hinter Deepfake Videos verbirgt, ist trotzdem nicht schönzureden. Obwohl bisher viele Videos sofort als Fälschung entlarvt wurden, verschwimmen die Grenzen zwischen dem was Wirklichkeit und was Fake ist stetig. In Zeiten von Fake News sind Deepfake Videos quasi die Steigerung. Politikern, Prominenten aber auch Ex-Partnern, Freunden und Bekannten können mit einem Mal Worte in den Mund gelegt werden.

Erschreckend ist am Deepfake nämlich nicht nur die Technologie selbst, sondern auch, dass quasi jeder Mensch Zugriff auf sie hat. Man muss kein Programmierer oder professioneller Videobearbeiter sein, um solche Videos zu kreieren. Eine App mit dem Namen Fake App lässt selbst Laien ganz einfach Deepfake Videos erstellen. Das sorgte bereits 2017 für den absurden Trend, in alle möglichen Videos und Filme Nicolas Cage in die Hauptrolle zu montieren.

Und auch wenn das ein Beispiel für die lustige Seite des Deepfakes ist, ist die Gefahr dahinter real. Der einzige Weg, wie man sich gegen Fake Videos schützen kann, besteht darin, in ständigem Austausch mit verschiedenen Quellen zu sein. Das gilt natürlich auch für Fake News und manipulierte Videos aller Art. Letztlich hilft es bereits, das Wissen über Deepfake Videos zu verbreiten und somit für eine aufgeklärtere Internetgemeinschaft zu sorgen.


Image by MeyerandMeyer via adobestock.com

Leonie Werner

interessiert sich für alles, was mit Medien zu tun hat. Insbesondere für Themen im digitalen Bereich ist sie offen und in Sachen Gaming immer auf dem neuesten Stand.


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