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Subscribe this! – Instagram Tipps für’s Aprilwetter

Was ist das Beste an Regentagen? Sie sind die perfekte Ausrede für einen Nachmittag auf dem Sofa. Il dolce far niente – zum süßen Nichtstun passt die Auswahl an originellen und humorvollen Instagram-Accounts. Leichte Kost, die amüsiert und inspiriert. Sie betrachten die Welt aus einer anderen Perspektive, suchen Schätze aus den sozialen Medien, nehmen die Hauptstadt unter die Lupe, führen die Influencer-Community ad absurdum und zeigen Visionäre, die aus Plastik und Putzschwämmen Kunst zum Nachdenken und Schmunzeln machen. Hier sind meine Empfehlungen für’s Aprilwetter – Subscribe this!

The Best Social Media DE

Das Team von The Best Social DE sieht sich selbst als die „Pfadfinder im digitalen Chaos. Wir sammeln täglich die lustigsten, kreativsten und bemerkenswertesten Updates aus dem Social Web. Dadurch wollen wir unentdeckten Querköpfen, witzigen Internet-Helden, originellen Marken oder interessanten Diskursen ein Podium bieten.“ Dabei amüsieren sie auch durch gekonnte Post-Texte und Interaktionen mit ihren Followern. Interessant wird der Instagram-Account auch durch Stellenanzeigen rund um Social Media Jobs, die von Digital-Agenturen auf dem Feed, Stories und der dazugehörigen Webseite platziert werden. Vorbeischauen lohnt sich!

The Best of Social Media DE auf Instagram

Notes of Berlin

„Hallo Rawaj melde dich, du wirst Vater!“ Diese und andere Botschaften findet man an Berlin’s Hauswänden, Kellereingängen oder Fahrradständern. Der Instagram Account von Joab Nist ist eine „Hommage an all die Notizen, die Berlin im Stadtbild hinterlässt.“ Ein Sammelsurium von schrägen, griesgrämigen, romantischen und verrückten Ideen und Gedanken, die die multikulturelle Gesellschaft und zugleich den Charme der Hauptstadt ausmacht. Alles fing 2010 mit dem Umzug des Gründers von München nach Berlin an. Er bemerkte nicht nur schnell die vielen Zettel, die die Sprache der Metropole sprechen, sondern fing auch an, sie fleißig auf seinem Blog und Social Media Plattformen zu sammeln. Mittlerweile hilft ihm eine ganze Community dabei, den Feed von Tag zu Tag mit Berliner Schnauze zu füllen.

Notes of Berlin auf Instagram

Insta_Repeat

Instagram ist der perfekte Nährboden für die neue Generation der #Travelblogger Community, die #LiveToExplore diese #Fantastic_Earth und dabei Fotos #FromWhereIStand machen. Dabei kommt es zu #breathtaking Schnappschüssen: Das offene Zelt direkt vor dem See; wehendes Haar am Felsen stehend oder die ausgestreckte Hand in endlose Weiten. Déjà Vu? Ja, das haben wohl die Gründer von Insta_Repeat auch gemerkt. Sie fassen ähnlich anmutende Fotos auf ihrem Account zusammen: „Person in middle of snowy road“. Herrlich trocken und amüsant!

Insta_Repeat auf Instagram

VonWong

Benjamin Von Wong ist Konzeptfotograf und Aktivist, der sich in seinen Foto-Projekten mit Umweltproblemen befasst. Sein Account inspiriert durch ausdrucksstarke Bilder, die zum Nachdenken anregen. Von Wong thematisiert besonders gerne die Verschmutzung durch zu hohen Plastikkonsum. Doch macht er es nicht – wie oft schon gesehen – durch schockierende Fotos. Er berührt durch Ästhetik, um dann den Betrachter nachdenklich zu stimmen. Von Wong ist es besonders wichtig, dass bei seinen Projekten nichts gephotoshoppt wird. Das demonstriert er in seinen Videos, die jedes Mal den Entstehungsprozess des Projektes zeigen, bei denen meist viele Volontäre helfen Plastikflaschen zu säubern, Strohhalme zu sortieren oder Plastikbecher zu schneiden und kleben.

VonWong auf Instagram

Olaf Breuning

Wer kennt das nicht – man schneidet einen Apfel und kaum liegen beide Hälften auf den Küchentisch, sieht das Gehäuse auf einmal aus wie ein Gesicht. Oder die schmutzige Wäsche auf den Boden scheint einen schon morgens mit einem verschmitzten Lächeln aus Socken und T-Shirts zu begrüßen. Nicht anders geht es dem Schweizer Multimediakünstlern Olaf Breuning. Ihm scheinen diese Alltagswesen des Öfteren zu begegnen und so hat er sich entschieden Mr WinterIsOver, Mr Avo, Mrs Fleck und Mr Useful einen ganzen Account zu widmen. Originell und humorvoll zugleich – und freut das innere Kind.

Olaf Breuning auf Instagram

 

 

Instagram Tipps für Bücherfreunde

Bücherwürmer freuen sich immer über buchigen Input. So hat unsere Autorin Jennifer Eilitz hier ihre Empfehlungen speziell für Bücherfreunde aufgelistet:

Ich bin selbst Buch-Autorin und liebe es anderen Usern zu folgen, deren Lebensinhalt eben auch zum Großteil aus Büchern besteht. Dabei treffe ich auf Rezensions-Beiträge, bei denen der Text ebenso wichtig ist, wie das Bild oder aber auf Lesemomente, die mit tollen Bildern festgehalten wurden. Zudem befinden sich zahlreiche Autoren in meiner Timeline, die mit ihren Bildern ihren Autorenalltag dokumentieren. Oder Blogger, die mit Tipps und Tricks rund um das Schreiben und Lesen von Büchern mit flotten Sprüchen und Bildern umso spannender machen.

Pinkfisch

Es startet mädchenhaft pink und auch der Name lässt erahnen, wie die Seite dahinter aussehen mag. Pinkfisch befasst sich, wie schon angekündigt, mit Büchern. Die Buchhändlerin Sarah beschäftigt sich hier vor allem mit ihren eigenen Leseerfahrungen und –eindrücken, empfiehlt und schwärmt nach Lust und Laune. Besonders ansprechend sind dabei ihre Bilder. Neben schick inszenierten Motiven, gibt es für die Follower auch immer mal wieder Schnappschüsse und Denkanstöße – stets mit einem gewissen Grad an Humor. Pinkfisch nimmt euch mit auf eine Reise querbeet durch alles, was irgendwie mit Büchern zu tun hat. Interviews, Statements, Eindrücke – es geht um die Stimmung in Büchern, und diese bringt euch Sarah auf sympathische Weise näher ;)

 
 
 
 
 
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diepetzi

Wer Bücher, Blumen, gutes Essen und vor allem die schönen Dinge im Leben liebt, der teilt seine Vorlieben mit diepetzi. Die Liebe zu den Büchern ist ein Account, der mir vor allem wegen der Vielfalt so gut gefällt. Während ich als Follower alles Mögliche an Literatur aus dem Belletristik und Sachbuch-Bereich vorgestellt bekomme, gibt es immer wieder wunderbare Eye-Catcher, die meine Timeline mit Blumen und tollen Gerichten verschönern.

Lasst euch mitziehen von den schönen Dingen des Alltags!

Die Liebe zu den Büchern auf Instagram

elizabeth_sagan

Bücher sind nicht nur zum Lesen da. Das beweist Elizwardbirth auf ihrem Account. Während andere in Büchern blättern, nutzt sie ebendiese literarischen Werke, um buchstäblich mit ihnen zu verschmelzen. Ob als Rock oder Superheldenumhang – Elizardbirth kommt wirklich auf fantastische Ideen Bücher in ihre Bilder zu integrieren. Wer also neben Büchern noch auf Kunst steht, der sollte einen Blick auf das Profil werfen!

 
 
 
 
 
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buchschnack

Lasst uns über Bücher schnacken! Mit tollen Beiträgen hat sich auch der Buchschnack in mein Herz gepostet. Schöne Bilder, Buchrezensionen, Ankündigungen und kurze Videos machen Buchfans wie mir natürlich sehr viel Spaß anzusehen. Wer also Abwechslung mag und nicht nur klassische Buchbilder sehen möchte, dem rate ich einmal beim Acoount von Buchschnack vorbeizuschauen. Hier führen euch Steffi und Sandra in die Welt der Bücher und haben dabei immer eine gewisse Prise Humor in petto.

buchschnack auf Instagram

dbroesel

Niemals langweilig wird es mit den Beiträgen von Brösels Bücherregal. Die Literaturbloggerin besticht nicht nur mir ihrer super sympathischen Ausstrahlung, sondern vielmehr noch mit tollen Bildern aus der Welt der Bücher und witzigen Zitaten, die einem beim Durchscrollen der Timeline ein Lächeln auf die Lippen zaubern. Empfehlenswert also einfach mal einen Blick auf Brösels Account zu werfen, wenn ihr mit lehrreichen Sprüchen und aktuellen Rezensionen zu Büchern, vorlieb nehmen wollt.

dbroesel auf Instagram


Photo by Mr Xerty on Unsplash
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Verwenden statt Verschwenden – „Too Good To Go“ rettet Lebensmittel vor dem Müll

Hand Putting Lid On Garbage Can Full Of Waste Food

Die „Too Good To Go“ App trifft absolut den Nerv und Geist der Zeit. Mehr als 18 Millionen Tonnen an Essen und Lebensmitteln werfen die Deutschen im Jahr einfach in den Müll. Während  Menschen in vielen Ländern dieser Welt Hunger leiden, vergessen wir nicht nur, wie gut es der Bevölkerung in Deutschland eigentlich geht, sondern auch, dass ein Großteil der weggeworfenen Artikel noch verwert- und genießbar sind. Genau an diesem Punkt setzt die von einer Gruppe dänischer Softwareentwickler entworfene App an. Mithilfe von ihr und in Kooperation mit ausgewählten Läden und Geschäften wird dem Lebensmittelverschwenden endlich ein Ende gesetzt. Somit wird sowohl der Geldbeutel als auch die Umwelt nachhaltig geschont.

So funktioniert die App

„Too Good To Go“ kann ganz einfach als App (aus dem Playstore über Android oder bei iTunes über iOS) auf das eigene Endgerät herutergeladen werden. Die App ermöglicht es dem Nutzer, verschiedenste Läden und Geschäfte aus der näheren Umgebung zu finden. Deren überproduzierte oder nicht standartentsprechende Ware kann günstig und einfach per App erworben werden. Der Kunde bezahlt die gesuchten Lebensmittel spielend leicht per Kreditkarte oder wahlweise per PayPal. Anschließend erhält der Konsument dafür einen Code, mit welchem er die Bestellung vom entsprechenden Geschäft abgeholen kann.

Das bringt „Too Good To Go“ mit sich

Dank der App sind gatronomische Betriebe nicht länger dazu gezwungen, überschüssige oder nicht den Vorschriften entsprechende Lebensmittel zu entsorgen. Stattdessen wird den Nutzern der App die Möglichkeit auf ein leckeres und äußerst kostengünstiges Essen geboten, während dabei auch noch die Umwelt gravierend profitiert. So werden dem Verbraucher im jeweiligen Betrieb individuell vollgepackte Tüten mit Lebensmitteln bereitgestellt. Für gerade einmal zwischen einem und vier Euro bieten Supermärkte, Restaurants, Backereien, Cafes und sogar Hotels verschiedenste Lebensmittel an. Von Backwaren, Obst und Gemüse, über Fleisch, Fisch, Käse, Milchprodukte, bis hin zu ganzen Menüs und Lunchpaketen ist alles dabei.

Vor- und Nachteile von „Too Good To Go“

Auf der übersichtlich aufgebauten App lässt sich bereits mit einem Klick sehr leicht ein Überblick über das vielfältige Angebot gewinnen. Durch verschiedene Kategorien kann die Suche außerdem weiter verfeinert werden. Dadurch lassen sich exakt die gesuchten Lebensmittel finden. Durch Kundenbewertungen können Nutzer zudem noch direkt in der App schnell Rezensionen von anderen Nutzern erlangen und die Angebote miteinander vergleichen.

Trotzdem ist eine komplette Gewissheit, was genau zu bekommen ist, nicht garantiert. Damit macht es die App nicht nur Menschen mit bestimmten Essgewohnheiten oder Prioritäten schwer, sondern auch zeitlich gebundenen, zumal die Abholzeiten über den Tag festgeschrieben sind. Dennoch bietet das Angebot der App für wenig Geld nicht nur gute Qualität, sondern auch erstaunliche Quantität. Ausprobieren unter dem Motto „Teller statt Tonne“ ist nur zu empfehlen. Probiert es hier doch einfach selbst!

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Ecosia – die Suchmaschine für den Umweltschutz

Lost-In-The-Wilderness-adapted-Image-by-Asso-Myron-CC0-Public-Domain-via-Unsplash

Für gewöhnlich überspringe ich Youtube-Werbung nach den ersten fünf Sekunden. Meine Aufmerksamkeitsspanne reicht da meist nicht mal für einen 15-sekündigen Spot. Bei der Werbung für den Dienst von Ecosia (zur Webseite) bin ich allerdings ausnahmsweise hängen geblieben und verrate euch wieso.

Beim Surfen Bäume pflanzen

Mit einer Suchmaschine zum Umweltschutz beitragen klingt erst mal komisch, ist aber so! Die Grundidee von Ecosia ist also ganz leicht. Ihr nutzt Ecosia als Ersatz für die bisherige Suchmaschine eurer Wahl, wie beispielsweise Google. Ähnlich wie bei der Konkurrenz werden dann für jeden Suchbegriff auch entsprechende Anzeigen gezeigt. Wenn ihr dann auf eine der Anzeigen klickt, bekommt Ecosia eine Vergütung dafür, welche dann für das Pflanzen eines Baumes genutzt wird. Das selbsternannte Social Business verspricht mit den Einnahmen der Klicks auf Werbeanzeigen in ihren Suchergebnissen pro Klick einen Cent-Betrag an Aufforstungsprogramme zu spenden. Insgesamt fließen rund 80 Prozent der Werbeerlöse in solche Programme.

Seit der Gründung Ende 2009 hat das Social Business bereits über 17 Millionen Bäume durch das Klicken auch Suchmaschinenanzeigen finanzieren können. Das Ziel ist bewusst hoch angesetzt. Irgendwann sollen durch die Ecosia-Einnahmen eine Milliarde Bäume gepflanzt werden. Derzeit werden diverse Projekte in Mittel- und Südamerika, Afrika und Südostasien unterstützt, über die man sich auf dem zugehörigen Blog auf dem Laufenden halten kann.

Ecosia: So funktioniert’secosia

Das Angebot könnt ihr nutzen, indem ihr einfach auf der Website vorbeischaut und sie dort als eure Standard-Suchmaschine einrichtet. Der Suchmaschine liegt die Suchfunktion von Microsoft Bing zugrunde. Bing ist nach Google die zweitgrößte Suchmaschine der Welt und beliefert mit ihrer Suchfunktion auch Yahoo! Search. Ganz im Sinne der Philosophie von Ecosia war es dann auch erfreulich, als Microsoft – somit auch Bing – sich im Mai 2012 freiwillig dazu verpflichtet hat, kohlenstoffneutral zu arbeiten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Klicktipps.


Image (adapted) „Lost In The Wilderness“ by Asso Myron (CC0 Public Domain)

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Wie digitale Medien unsere Häuserfassaden verändern

Skyline (adapted) (Image by Mike Wilson [CC0 Public Domain] via Unsplash)

Wenn ich abends über die Skyline von Melbourne schaue, kann ich mindestens vier Hochhäuser-Fassaden sehen, die digitale Medien beinhalten. Sie sehen beinahe lebendig aus und flackern fast wie Diamanten. Das können wir auf der ganzen Welt sehen. Gebäude, die darum zu wetteifern scheinen, welches am meisten mit ihrem überwältigenden Erscheinungsbild beeindruckt.

Die Architektur hat heute durchaus Möglichkeiten wie nie zuvor. Die Städtepolitik muss daher mit diesen Entwicklungen mithalten. Unsere Häuser wurden immer schon dazu verwendet, um unser kulturelles Selbstverständnis und unsere Normen und Werte darzustellen. Im alten Griechenland vermittelten Statuen, die um die Gebäude herum angesiedelt waren, Geschichten vom Heldentum. Bei den gotischen Kirchenbauten sollten filigrane Verzierungen von Gott erzählen. Und der Prunk der Barock-Architektur zielte darauf ab, Macht, Triumph und Wohlstand zu veranschaulichen.

Im Laufe der Zeit wurden die Fassaden von den tragenden Strukturen getrennt. Sie fingen an, als unabhängige Häute zu fungieren, und wurden zum Subjekt von materiellem, formellem und technologischem Experimentieren. Heutzutage rühmt sich Architektur oft mit dynamischer Beleuchtung, die die äußere Erscheinung verwandeln kann. Dieses Phänomen ist als Medienarchitektur bekannt.

Manche Architekten gingen soweit, dass sie Fassaden in interaktive Leinwände für kreativen Ausdruck verwandelten. Andere benutzen die Fassaden dazu, um Umgebungsdaten wie die Wettervorhersage, die interne Leistung oder den Energieverbrauch anzuzeigen.

Medienarchitektur als Verkaufsargument

Die Miniaturisierung, eine verbesserte Energieeffizienz und eine mehr und mehr erschwingliche Lichttechnologie, haben die Palette von architektonischer Gestaltung erweitert. Als Ergebnis werden Fassaden zu Oberflächen, die unendlich anpassungsfähig und reaktiv sind.

Architektur kann nun besser auf unerwartete Anforderungen eingehen und zu einer Plattform für Kreativität werden. In den schnell wachsenden Immobilienmärkten wie China, Südkorea und Australien erkennen Immobilienentwickler den Wert von Medienarchitektur. Sie wenden abstraktes Licht an, um mit ihrem äußeren Erscheinungsbild hervorzustechen.

Mit digitalen Medien augestattete Fassaden erleuchten nun die Stadt. Sie machen aus normalen Gebäuden dynamische Wahrzeichen. Eine gut durchdachte leuchtende Gebäudehülle, die abstrakte digitale Darstellungen abbildet. Auch sie kann einen kulturellen Beitrag zu einer Stadt leisten.

Das Melbourner Planungsschema und die Sydney-Richtlinien für öffentliche Kunst lassen die Medienarchitektur als kulturellen Beitrag zu neuen Entwicklungen zu. Wir werden mit neuen städtischen Perspektiven versorgt, während unsere Gebäude die Stadt einfärben. Die dynamische Beleuchtung kann zu einem Gefühl der Sicherheit beitragen. Sie kann einen kreativen Absatz liefern oder eine geteilte Plattform zum Spielen erschaffen.

Daher ist das Schaffen einer „guten“ Medienarchitektur eine komplexe Designaufgabe. Sie erfordert Expertise in architektonischem Design, städtischem Design, Interaktionsdesign, Lichtplanung, Benutzererfahrung und gesellschaftlichem Engagement.

Die Planungspolitik muss sich anpassen

Die Städtepolitik beurteilt die ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Vorzüge neuer Entwicklungen. Sie hat zum Ziel, sicherzustellen, dass Architektur ein qualitativ hochwertiges öffentliches Reich für heutige und zukünftige Generationen schafft.

Die Politik wird regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht, um dringende Bedürfnisse und Möglichkeiten zu berücksichtigen. Unsere Städte regen immer öfter Politik für Medienarchitektur in städtischen Planungsschemata an. Dies weist auf einen wachsenden Konsens über deren Beitrag zu städtischen Gebieten hin.

Wenn sie gut gemacht ist, dann kann Medienarchitektur unsere Gemeinden zusammenbringen. Zum Beispiel indem sie eine Einbindung in den Designprozess und die Zeit nach dessen Vollendung zulässt. Wenn sie nicht gut gemacht ist, kann sie eine architektonische Trennung oder soziale und kulturelle Probleme hervorheben. Dies kann in Desinteresse, Missbilligung oder sogar Vandalismus enden.

Gute Designprozesse machen Medienarchitektur gegen technische Evolution, Neuausrichtung und Überalterung beständig. Diese Designanforderungen sollten besser in der Politik und in Entscheidungsfindungsprozessen repräsentiert sein. Solch ein Ansatz würde beinhalten, dass die Gemeinden die Aufnahme von Medienarchitektur anregen, um öffentliche Plätze zu aktivieren. Hier gibt es eine erste Gelegenheit, um Politik über digitale Medien mit Politik über öffentliche Orte zu koordinieren.

Wenn es um Politik in Sachen digitale Medien geht, wird sich momentan darauf konzentriert, Perspektiven zu beschützen und visuelles Durcheinander zu vermeiden. Politik über öffentlichen Platz ist vom Charakter her qualitativer und empirischer. Sie legt die Notwendigkeit von offenem Raum dar, der Lebensqualität, Engagement und Attraktivität fördert. Beide Strategien sollten bestehen bleiben. Das ist unabdingbar. Beide Räte sollten erkennen, dass Medienarchitektur Menschen engagieren und gleichzeitig den Reiz des öffentlichen Raumes erhöhen kann.

Was sind die zentralen politischen Fragen?

Die Gemeindeleitung sollte spezifische Richtlinien bezüglich der Design- und Entscheidungskriterien anordnen, um langfristige Nachhaltigkeit und Akzeptanz zu fördern. Das beinhaltet:

  • Verfahren zur Beteiligung. Wie können Menschen mit Medienarchitektur interagieren? Wer sind diese Menschen – ansässige Bürger oder alle? Wird eine spezielle Altersgruppe angesprochen? Wird die Öffentlichkeit in den Designprozess involviert? Gibt es ein kulturelles Programm, dem sich die Medienarchitektur angleichen sollte, so wie White Night oder Vivid?
  • Universelle Verständlichkeit von dargestelltem Text, Bildern und Symbolen über alle kulturelle Normen und Werte hinaus. Sollte eine solche Information weitergetragen werden? Wie wird dieser Prozess eingerichtet, aufrechterhalten und überprüft? Wer nimmt an der Moderation teil?
  • Verhinderung eines architektonischen und städtischen Konflikts. Wie wird das Eindringen von Licht in den privaten Raum von Menschen gemildert oder wie tragen die sozialen Medien zum architektonischen Erleben der Stadt bei? Wie werden Text, Bilder und Symbole gestaltet, um sich der Architektur anzugleichen?
  • Antworten auf Neuausrichtung und Überalterung. Wie geht Medienarchitektur mit einem Wechsel der Belegung, Sanierung und Leerstand um? Wie wird sie von der architektonischen Lebensspanne beeinflusst und anders herum?
  • Prävention von technologischem Verfall. Welche Optimierungsmaßnahmen sind vorhanden, um technische Flexibilität zu gewährleisten? Wie wird Medienarchitektur aufrechterhalten? Wie regelmäßig sind Informations-Updates?
  • Vorgehen bei Meinungsverschiedenheiten. Wie könnten Bewohner und Anwohner ihre Sorgen über dargestellte Informationen oder technische Funktionen äußern, vor und nach der Fertigstellung des Projekts?

Die Gemeindevertreter sollten auch Richtlinien mit spezifischen Zielen für bestimmte Gegenden zur Verfügung stellen. Zum Beispiel könnte man in Touristengegenden eindringendes Licht mehr abmildern als in Wohngebieten.

Wie es für die Städte weitergeht

Das Bedürfnis nach Politik wird durch architektonische Sorge motiviert. In den meisten Fällen müssen wir eine Erlaubnis einholen, wenn wir die äußere Erscheinung eines Gebäudes ergänzen oder ändern. Das stellt sicher, dass die Veränderung einen minimalen negativen Effekt auf den Charakter und auch auf das Auftreten der Gegend hat. Das Ziel ist, dass das Gebäude – ohne Rücksicht auf Zweck, Dimension oder Lokalisation – gut hineinpasst.

Genauso wie die Behausungen, muss auch die Medienarchitektur gut hineinpassen und ihre sozialen Möglichkeiten maximieren. Wir sollten Medienarchitektur, die in dekorierten Absteigen oder bloßen Schaufensterdekorationen endet, verhindern.

Politik, die die funktionellen und sozialen Qualitäten von Medienarchitektur besser anspricht, ist notwendig. Und damit diese Politik funktionieren kann, werden umfassende Leitlinien immer notwendiger. So kann man unter anderem sicherzustellen, dass Menschen durch digitale Medien in öffentlichen Plätzen eingebunden werden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf The Conversation unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adpated) „Skyline“ by Mike Wilson (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Die Netzpiloten sind Partner des CSR Kommunikationskongresses 2017

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Unternehmensverantwortung und Nachhaltigkeit sind Schlagwörter unserer Zeit – nicht nur in der öffentlichen Diskussion, sondern auch innerhalb von Unternehmen bildet sich das CSR-Management zu einem erfolgskritischen Faktor heraus. Die gelungene Kommunikation von Verantwortung und die Verantwortung innerhalb der Kommunikation sind für den Unternehmenserfolg unabdingbar – deswegen ist der 2. Deutsche CSR Kommunikationskongress am 9. und 10. November in Osnabrück diesen Themen gewidmet.

Der Kongress ist eine Initiative des gemeinsamen Arbeitskreises CSR-Kommunikation der Deutschen Public Relations Gesellschaft (DPRG) und des Deutschen Netzwerk Wirtschaftsethik (DNWE) und wird in Kooperation mit dem Zentrum für Umweltkommunikation der Deutschen Bundesstiftung Umwelt umgesetzt.

Vor allem für CSR-Manager und Kommunikationsmanager aus kleinen und mittelständischen Unternehmen sowie Großunternehmen, Konzerne und Vertreter aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Lehre ist der Kongress von Bedeutung.

Diese Themen erwarten euch

Bei der CSR- Kommunikation gibt es noch viele ungelöste Fragen, die der Kongress zu beantworten versucht: Welche Verantwortung trägt das Unternehmen hinsichtlich der Auswirkungen seiner Geschäftstätigkeit? Welche Bedeutung haben diese Entwicklungen für die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens? Doch auch Fragen zu Energie- und Ressourceneffizienz, Klimawandel, Globalisierung und Demographie stellen die Unternehmen im Rahmen des CSR-Managements unter Handlungsdruck.

Unter den Referenten werden unter anderem Prof. Götz W. Werner, Geschäftsführer und Gründer des dm-Drogeriemarkts, und Dr. Holger Hoff, Senior Scientist am Stockholm Environment Institute und am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung, erwartet.

Lasst euch diese einmaligen Kongress nicht entgehen! Weitere Informationen zur Anmeldung und zum Programm findet ihr hier.

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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • BUNDESTAGSWAHL zeit: Wie wir die Wahl vor russischem Einfluss schützen können: Spätestens seit der amerikanischen Präsidentschaftswahl wächst in Deutschland das Bewusstsein dafür, dass sich Russland aktiv in die diesjährige Bundestagswahl einschalten wird. Längst gibt es deutliche Hinweise, dass der Kreml systematisch versucht, auf innenpolitische Entwicklungen Einfluss zu nehmen. Dabei ist es, wie BND-Präsident Bruno Kahl festgestellt hat, nicht zwingend das Ziel Moskaus, einem bestimmten Kandidaten oder einer Partei zum Sieg zu verhelfen, sondern „die Täter haben ein Interesse, den demokratischen Prozess als solchen zu delegitimieren. Egal, wem das nachher hilft.“

  • DIGITALISIERUNG heise: Bundesarbeitsgericht: Digitalisierung sorgt für mehr Überwachung im Berufsleben: Die Digitalisierung der Arbeitswelt und neue Möglichkeiten zur Mitarbeiterkontrolle beschäftigen zunehmend die höchsten deutschen Arbeitsrichter in Erfurt. In diesem Jahr sei dazu mit mehreren Entscheidungen des Bundesarbeitsgerichts (BAG) zu rechnen, sagte Gerichtspräsidentin Ingrid Schmidt am Mittwoch in Erfurt. „Mit der Digitalisierung nehmen die Überwachungsmöglichkeiten zu.“ Es gehe um den Abruf dienstlicher E-Mails in der Freizeit, aber auch um Software, mit der sich die Eingaben eines Arbeitnehmers an seiner Computertastatur protokollieren ließen.

  • INTERNET golem: Wer in Deutschland die meisten Glasfaseranschlüsse verlegt: Die meisten Kunden für FTTH (Fiber To The Home) und Fiber To The Building (FTTB) in Deutschland hat Netcologne mit 230.000 zahlenden Haushalten. 470.000 Haushalte werden von dem lokalen Netzbetreiber versorgt. Die Angaben hat die Branchenorganisation FTTH Council Europe am 15. Februar 2017 veröffentlicht (PDF). Die Studie mit Stand vom September 2016 wurde von Idate erhoben. Das Unternehmen Netcologne ist ein regionaler Telekommunikations- und TV-Kabelnetzbetreiber mit eigenem Netz in Köln und den umliegenden Kreisen und Gemeinden. Der zweitgrößte Glasfaseranbieter in Deutschland ist nach den Angaben immerhin die Deutsche Telekom mit 120.000 zahlenden Kunden und 515.000 versorgten Haushalten (Homes Passed). Gemessen an der Gesamtkundenzahl ist die Zahl der Homes Passed dennoch sehr gering. Die Telekom weist offiziell keine Angaben zu FTTH/B aus.

  • MOBILITÄT t3n: Unterwegs im Elektroauto: Der Kunde ist der Feind: Mit dem Elektroauto verreisen? Das kann schnell zur Herausforderung werden, weiß der Gastautor Dirk Roeder. Der zweite Teil des Ratgebers enthält Tricks zu Routenplanung und Ladeinfrastrukturen. Im ersten Teil habe ich die aktuelle Situation rund um Ladeinfrastruktur und Routenplanung in der Theorie beschrieben. Mit diesem Erfahrungsbericht folgt nun der Praxisteil. Als Fahrzeug kommt die neue Generation vom BMW i3 (NEFZ: 300 km Reichweite) und Renault Zoe (400 km) genauso in Frage, wie der in Kürze bestellbare Opel Ampera-e (500 km). Leider konnten die oben genannten Hersteller zeitnah keine Fahrzeuge zur Verfügung stellen. Die Pressestelle von Tesla beschied die Anfrage positiv und bot das Modell S P90D zur Abholung in München an.

  • MOBILITÄT II gruenderszene: Dubai prescht bei Mobilitäts-Innovationen voran: Bürogebäude aus dem 3D-Drucker, Notärzte in Lotus-Sportwagen und Polizisten, die in ihren Lamborghinis Google Glass nutzen. Außerdem Wachroboter in Shopping Malls, fliegende Feuerwehrleute mit Jetpacks und die längste Indoor-Skipiste der Welt: Das sind nur einige Beispiele für die zahlreichen mal mehr, mal weniger sinnvollen Innovationen, mit denen Dubai in den vergangenen Jahren auf sich aufmerksam machte. Die Message ist: Die Zukunft des Wüstenstaats soll nicht mehr vom Öl beherrscht sein, sondern von Hightech-Lösungen, die ein bequemeres und besseres Leben verheißen. Für die Umsetzung investiert das arabische Emirat exorbitante Summen in Tech-Konzepte. Diese finanziert das Land unter anderem aus dem mehrere hundert Millionen Euro schweren Future Endowment Fund, den Premierminister Muhammad bin Raschid Al Maktum 2016 gestartet hat.

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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • FACEBOOK süddeutsche: Dieses Programm zeigt Ihnen, was Facebook über Sie weiß: Auf Facebooks Servern lebt ein Doppelgänger von jedem seiner Nutzer. Vergangenen Woche stellten die beiden Programmiererinnen Hang Do Thi Duc und Regina Flores Mir eine Erweiterung für Googles Chrome-Browser mit dem prägnanten Namen „Data Selfie“ vor. Data Selfie ist eine Browser-Erweiterung, die dem User die Machine-Learning-Algorithmen vor Augen halten soll und uns zeigt, welche Informationen über uns gesammelt werden, ob bewusst oder unbewusst. Durch diese Daten erstellt Facebook ein digitales Abbild von den Nutzern und ihrer angenommenen Persönlichkeit, Data Selfie hält uns demnach den digitalen Spiegel vor.

  • FAKE NEWS horizont: ZDF startet Faktencheck-Projekt zur Bundestagswahl: #ZDFcheck17 – das ist der Hashtag zum neuen Anti-Fake-News-Projekt des ZDF zur Bundestagswahl 2017. Der Sender hatte bereits zu vergangenen Wahlen ähnliche Projekte aufgesetzt, aber das Thema Fake News ist bekanntlich derzeit brisanter denn je. Das Projekt soll nach den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen am 14. Mai starten. Das Team wird sich aus Redakteuren aus verschiedenen Fachbereichen zusammen setzen, welches seine Erkenntnisse für TV, Online und Social Media aufbereiten soll und wird in der ZDF-Nachrichten-Redaktion angesiedelt sein.

  • WISSENSCHAFT golem: Angewandte Science Fiction: Das Science Fiction Genre ist dazu da technische Entwicklungen weiterzuspinnen und davon zu träumen, was einmal möglich wäre. Der Plan des britischen Unternehmens Tokamak Energy grenzt schon fast daran. Sie haben vor, bis 2025 Strom aus Kernfusion zu produzieren. Aussicht auf Erfolg gibt es kaum. Trotzdem ermöglichen die Pläne des britischen Unternehmens einen Einblick in die Schwierigkeiten bei der Entwicklung von praktisch nutzbaren Kernfusionsreaktoren.

  • UMWELT t3n: MIT-Forscher verwandeln Luftverschmutzung in Tinte- und verkaufen sie auf Kickstarter: Aus Luft Geld machen? Ein Team ehemaliger MIT-Wissenschaftler hat jetzt genau das vor! Die sogenannte „Air-Ink“ ist ein nachhaltiges Kickstarter-Programm des Graviky Labs, das sich mit Luftverschmutzung auseinandersetzt. Aus Abgasen, wie solchen aus Schornsteinen oder Auspuffen, soll demnach mittels einer neu entwickelten Methode Tinte gewonnen werden. Demnach reichen schon 30 bis 40 Minuten Auto-Abgase für eine Stift-Füllung. Es ist nicht die flächendeckende Lösung für das weltweite Problem der Luftverschmutzung, aber dennoch ein revolutionäres Konzept.

  • SMART HOME stern: “Alexa, wo ist der Schnuller?” – So veränderte Amazon Echo unseren Familienalltag: Das Internet of Things ist derzeit regelrecht omnipräsent in der Tech-Welt. Gerade “Smart Home” Artikel stehen dabei im Fokus, so auch allen voran Amazons “Alexa”-System auf dem Echo-Lautsprecher. Dieser ist seit gestern nun auch ohne Einladung frei verfügbar. So nützlich der sprachgesteuerte Lautsprecher auch sein mag, so verhängnisvoll ist er auch mit Kindern im Haus. Autor Malte Mansholt schildert sein Familienleben mit Alexa und wie die künstliche Intelligenz schon beinahe zum Familienmitglied wird.

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Meerjungfrauen hassen Plastik

VonWong_PlasticMermaid-4_Plastic_Drain (adapted) (Image by Benjamin Von Wong)

Auf Benjamin Von Wongs Bildern schwimmen Meerjungfrauen in 10.000 Plastikflaschen – er kreiert ästhetische Fotos, die auf verschmutzte Ozeane aufmerksam machen sollen. Der 30-jährige Fotograf sprach mit mir über seine Arbeit und Beweggründe.

Umweltkampagnen gegen Plastikkonsum kennt man eigentlich anders – man sieht tote Fische an vermüllten Stränden oder Vögel, in deren Gefieder oder Schnäbeln Plastikreste stecken. Benjamin Von Wongs Bilder greifen die gleiche Thematik auf, doch lässt er wunderschöne Fabelwesen in einem Flaschenmeer schwimmen, in Wellen aus Plastik tauchen und in Tropfen aus dem blauen Kunststoff verweilen. Faszinierende Fotos – die zugleich abschreckend wirken, sobald man den Titel liest: Mermaids hate plastic. Die Bilder, die aus der Natur und Fantasie inspiriert sind, zerstören zugleich ihre wundersame Wirkung, wenn die harte Realität auf Fotokunst stößt.

Kurze Zeit nach ihrer Veröffentlichung auf Benjamin Von Wongs Blog, Facebook und Youtube sind sie viral gegangen. Was die Internet-Gemeinde begeistert, sind nicht nur die Fotos, sondern auch der Entstehungsprozess der Kunstwerke, den Benjamin in einem kurzen Video erklärt.

Extravagant – Einzigartig – Anders

Auf die Idee für das Fotoprojekt kam er, als seine Mutter per Zufall auf eine Schneiderin stieß, die sich auf Meerjungfrauen-Kostüme spezialisierte: „Ich habe immer versucht, gewöhnliche, alltägliche Dinge in etwas Außergewöhnliches mit meiner Fotografie zu verwandeln. Die Bilder müssen extravagant, einzigartig und anders sein, damit sie Menschen ansprechen. Meerjungfrauen symbolisieren für mich die Schönheit des Ozeans, Plastikflaschen zerstören ihn – die Idee war geboren. Meine Bilder sollen zu einem Symbol werden.“

Ein riesiger Lastwagen transportierte die 10.000 Plastikflaschen zu der Lagerhalle in Montreal, die für einen Tag in ein Flaschenmeer verwandelt werden sollte. Benjamin trommelt per Social Media Freiwillige, Familie und Freunde zusammen, die mit ihm die Flaschen wuschen und von Etiketten und Deckeln befreiten. In ihnen badete dann das Model Clara Cloutier. Ganze sechs Sekunden, bis der Final-Shot im Kasten war – ein Tag schweißtreibende Arbeit für das Team rund um Benjamin.

#mermaidshateplastic

Am ersten Tag schauten bereits 1,5 Millionen Menschen das Video an, das Benjamin am 12. Dezember auf seinen Kanälen postete. Einen Monat später sind es ganze 18 Millionen Views. Die Online-Petition #mermaidshateplastic, die neben den Videos, Fotos und Blogeinträgen online ging, sammelte bis jetzt über 12.000 Unterschriften.

Benjamin erklärt mir, dass er versucht, den Hunger nach Neuartigem, Schönem und zugleich Schrecklichem des Internet-Publikums zu stillen: „Ich versuche, die Balance zu finden und verbinde oft schockierende Inhalte und Titel mit ästhetischen Bildern. Ganz wichtig ist, dass ich meine Bilder immer konzeptualisiere. Die Menschen werden auf eine Reise mitgenommen. Das ist das, was meine Artwork ausmacht – sie hat nicht diesen belehrenden Charakter wie viele andere Umweltprojekte, sondern ich zeige, was für ein Abenteuer wir erlebt haben.“

2050 gibt es mehr Plastik auf der Erde als Fische im Wasser

Damit käme er nicht nur an Menschen, die sich sowieso für die Umwelt engagieren, sondern erreiche ein größeres Zielpublikum: „Wer auf meine Bilder klickt, erfährt, wie sehr unser Plastikkonsum die Erde gefährdet. Wenn wir so weitermachen wie bisher, gibt es 2050 mehr Plastik auf dem Planeten als Fische im Wasser. Das ist erschreckend!“, erklärt der gelernte Bergbauingenieur. Er kündigte seinen festen Job, um sich seiner Leidenschaft zum widmen: „Der einfachste Weg, mich zu beschreiben, wäre Fotograf, doch ich blogge auch, filme, halte Vorträge und unterrichte. Meinen Stil kann man eigentlich ganz einfach zusammenfassen: Meistens mache ich irgendetwas völlig Verrücktes mit irgendjemand völlig verrücktem und teile dann den Entstehungsprozess. Wie einen magischen Trick, den man enthüllt“. Auch zu der Golf Photo Plus Week 2017 in Dubai ist er eingeladen, um sein Wissen, das er sich selbst angeeignet hat, weiterzugeben.

Bei der E.G. Conference in Kalifornien, die jährlich Erfindern und Kreativen unserer Zeit das Wort gibt, rief Benjamin dazu auf, mit neuen Ideen für Foto-Projekte zu ihm zu kommen: „Ich glaube, dass ich Menschen mit meiner Kunst reizen kann, sich mehr für die Umwelt zu engagieren und über sie zu lernen. Ich habe eine kleine Armee an Unterstützern, Make-Up-Artists und Designern zur Hand, die sich auf das nächste Projekt freuen. Wenn du also eine Idee, hast, dann kontaktiere mich, damit wir etwas tolles auf die Beine stellen und die Welt ein wenig besser machen können.“


Image „Plastic Mermaid 4 Plastic Drain“ by Benjamin Von Wong


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E-Autos in China: Low-Speed-Motorisierung trifft auf High-Speed-Urbanisierung

Während viele Länder weitweit die Erderwärmung zu bekämpfen versuchen, wurde in China der Übergang zum kohlenstoffarmen Transport zum vorrangigen Ziel erklärt. Ein Teil der Bemühungen, kohlenstoffarme Fahrzeuge zu entwickeln, liegt darin, dass nationale Produzenten elektrischer Autos vom chinesischen Staat unterstützt werden. Trotz dieser Unterstützung gehen die Verkäufe nur schleppend voran. Sie werden sogar noch von einer außergewöhnlichen Entwicklung überholt: dem elektrischen Low-Speed-Fahrzeug.

Ein Low-Speed-Fahrzeug ist allerdings nicht ganz so langsam unterwegs, wie es der Begriff zunächst vorgibt. Bei einer Maximalgeschwindigkeit von 60 Stundenkilometern sind sie schnell genug für die überfüllte Großstadt. Die meisten Modelle sind eher klein und ähneln den Dreirad-ähnlichen Fahrzeugen, die für die Straßenreinigung oder auf dem Golfplatz eingesetzt werden. Das kann sehr praktisch sein, da der Parkplatzmangel ein echtes Problem geworden ist, seit immer mehr Chinesen Autos besitzen.

Das wohl beste Arument, das für ein Low-Speed-Fahrzeug spricht, ist, dass es mit 4.000 Euro recht günstig in der Anschaffung ist. Jeder Low-Speed-Fahrzeughalter bekommt zudem ein Nummernschild zugesprochen – egal, um welche Marke es sich handelt oder wieviel Platz sein Auto beansprucht. Bemerkenswert ist das deshalb, weil bis vor Kurzem die meisten Low-Speed-Fahrzeuge keine Nummernschilder besaßen – tatsächlich gab es bis zum Oktober 2015 keine Regulierung zur Nutzung oder auch nur der Herstellung dieser Fahrzeuge. Nun jedoch hat die Regierung angekündigt, dass man den Sektor genauer überwachen wolle. Denn bei der massiv voranschreitenden Urbanisierung spielen diese Minifahrzeuge eine wichtige Rolle.

Die Städte der Zukunft

Der neue Plan zur Urbanisierung Chinas sieht die Umsiedlung von 100 Millionen Menschen in Städte dritten oder vierten Ranges bis 2020 vor, eine Lösung für einen erschwinglichen Transport wird also zwigend gebraucht. Die chinesische Regierung hat durch ihre Erkenntnisse über die Entwicklung und Zunahme der Low-Speed-Fahrzeuge eine neue Möglichkeit an die Hand bekommen, mit der die Umwelt neu gestaltet werden kann. Chinas Städte gelten als autofreundlich, oftmals gibt es jedoch Probleme wie Staus und Luftverschmutzung. Die Low-Speed-Fahrzeuge könnten neben dem Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel die beste Möglichkeit darstellen, um Chinas Städte wieder in Ordnung zu bringen. Hier könnte man den Nutzern schadstoffärmere und platzsparendere Fahrzeugalternativen bieten.

Das Low-Speed-Fahrzeug ist aber nicht die einzige städtische Transportmöglichkeit in China, die mit Low-Tech funktioniert – wir zählen ungefähr 300 Millionen elektrische Roller verschiedener Formen und Fabrikate. Das E-Bike ist derzeit neben dem Auto das wohl beliebteste kraftstoffbetriebene Fahrzeug seit Beginn der Motorisierung in China. E-Bikes waren den Oberen lange ein Dorn im Auge, die modernere technische Lösungen vorzogen, um ihre Städte moderner wirken zu lassen. Tatsächlich wurden vor allem in Peking und Shenzhen strengere Regeln eingeführt, um kontroversen Bemühungen zu Folge den Gebrauch einzudämmen.

Ob E-Bikes tatsächlich einmal aussterben könnten, ist schwierig zu sagen. Unsere eigenen Forschungsergebnisse der kohlenstoffarmen Mobilitätsinnovation in China haben ergeben, dass E-Bikes und Low-Speed-Fahrzeuge in den kommenden Jahrzehnte weiterhin nebeneinander existieren und miteinander konkurrieren werden. Dennoch wird die Entscheidung des chinesischen Staates, den Low-Speed-Fahrzeugen einen amtlichen belgaubtigten Status zu verleihen, den Fahrzeugbauern definitiv neuen Schwung im Rennen um Low-Tech-Mobilität verleihen.

Trotzdem sind die bisherigen Versuche, Chinas Geschäft in Sachen Elektroautos zu regulieren, etwas aus dem Ruder gelaufen, um es vorsichtig auszudrücken. Im August 2016 wurde berichtet, dass 90 Prozent der Autobauer wegen strengerer Regeln aus dem Geschäft verdrängt werden könnten. Eine strenge Regulierung hebt also den Standard zu Gunsten einiger großer Produzenten und unterdrückt die Konkurrenz.

Weltweite Trendsetter

In China besitzen derzeit weltweit die meisten Privatpersonen ein Low-Speed-Fahrzeug. Hier werden auch die meisten Low-Speed-Fahrzeuge für Car-Sharing genutzt. Die Regierung möchte auf diesen Erfolg aufbauen. Aus Europa wird ein Interesse an kleineren und auseinandernehmbaren Low-Speed-Fahrzeugen immer deutlicher, in Japan interessiert man sich für Low-Speed-Fahrzeuge aus dem 3D-Drucker. Bis jetzt zögerten viele internationale Städte jedoch, diese in größeren Mengen einzuführen. Dies ist auch ein Grund, wieso die Low-Speed-Fahrzeuge noch nicht überall verbreitet sind.

Der chinesische Staat will Standards erheben können, indem er den wachsenden Sektor kontrolliert. Dies wird nicht nur den Konsumenten zu Gute kommen und interne Verkäufe steigern, sondern auch Produzenten helfen, neue europäische Absatzmärkte, wie beispielsweise Mailand zu erreichen.

Internationale Märkte zu erschließen, wird den Produzenten mehr Kapital bringen, das sie wieder darin investieren können, die Low-Speed-Technologie auszubauen. Die Fahrzeuge werden noch ansprechender werden und besser mit Autos und konventionellen E-Autossowohl für die Privatnutzer als auch für die Car-Sharing-Pläne konkurrieren können.

So mancher Gelehrte geht von dem Grundsatz aus: „Was in China funktioniert, klappt auf der ganzen  Welt. Etwas bescheidener betrachtet, werden wohl viele Länder der Welt Chinas Beispiel folgen, was die urbane Entwicklungen angeht. Die Entscheidung des chinesischen Staates, die Produktion der Low-Speed-Fahrzeuge mitzubestimmen, zeigt, dass China die Entwicklung der kohlenstoffarmen Mobilität ernst nimmt und anführen will – und das nicht nur zu Hause, sondern auf der ganzen Welt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. 


Image „traffic“ by quinntheislander (CC0 Public Domain)


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#DPDHLinspires: Nachhaltigkeit als Innovationstreiber

Sich etwas direkt nach Hause schicken zu lassen, wird nicht nur bei der jüngeren Generation immer beliebter. Besonders im Winter ist es angenehmer, etwas bequem online zu bestellen, als das Haus zu verlassen. Bei Lieferando findet man essbares Glück, bei Amazon einfach alles – und das nur einen Mausklick entfernt.

Aber an den dahinterstehenden Aufwand, der betrieben wird, um die Kundenherzen höher schlagen zu lassen, wird dabei nur selten gedacht: neben den logistischen und koordinativen Aspekten muss auch die komplexe Transportkette von dem jeweiligen Unternehmen gründlich geplant werden. Gedanken um die Nachhaltigkeit machen sich die meisten Menschen leider auch nicht allzu oft. Wie wichtig eine ökologisch nachhaltige Unternehmensführung ist, hat Deutsche Post DHL erkannt und nun ambitionierte Klimaschutzziele formuliert: Bis 2020 soll die CO2-Effizienz des Konzerns pro verschicktem Brief, transportiertem Container und genutztem Quadratmeter Fläche inklusive der Transport-Subunternehmer im Vergleich zu 2007 um 30 Prozent verbessert werden.

Gutes für Gesellschaft und Umwelt tun

Katharina Tomoff, Vice President des Programms Shared Value/GoGreen, das von Deutsche Post DHL ins Leben gerufen wurde, hat sich gefragt, wie ein Unternehmen etwas Gutes für Gesellschaft und Umwelt tun kann. Die Lösung zu diesem Thema stellte sie bei der Veranstaltung #DPDHLinspires Mitte November in Troisdorf  bei Köln im DHL Innovation Center vor. Das Thema ihrer Präsentation lautete: „Nachhaltigkeit als Innovationstreiber“.

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Katharina Tomoff, Image by Charlotte Diekmann

Sie ist überzeugt, dass die Anforderungen an ein Produkt durch den schnellen Wandel unserer Zeit nicht mehr stabil sind. Als Beispiel wird aufgelistet, wie sich die Ansprüche an ein Handy vom Markteintritt bis heute verändert haben.

„Als Unternehmen muss man immer wieder kontrollieren, ob die Kriterien, die an das eigene Produkt angelegt wurden, überhaupt noch relevant sind. Bisher waren Schnelligkeit, ein guter Preis, Zuverlässigkeit und idealerweise auch Transparenz die Devise in unserer Branche. Nun ist die neue Währung in der Logistik, die es früher noch nicht so ausgeprägt gab, die Nachhaltigkeit.  Neun von zehn  Großkunden haben selbst Klimaschutzziele, was das Kooperieren natürlich stark vereinfacht.“

Der Fokus auf den großen und einfachen Themen

Im Rahmen von GoGreen modernisiert Deutsche Post DHL große Teile der Fahrzeugflotte: Von den rund 80.000 Straßenfahrzeugen, die der Konzern weltweit betreibt, nutzen bereits 8.500 innovative Technologien und Antriebe – Tendenz steigend, so heißt es auf der Website der Deutschen Post DHL Group.

Des Weiteren wünscht sich Katharina Tomoff den Einbau intelligenter Sensorik in die Lagerhallen. Eine Vollausstattung hält sie in der Lagerhaltung für überflüssig. Es soll nun nur noch dort beheizt und beleuchtet werden, wo es auch wirklich nötig ist. „Durch das Nachdenken über Nachhaltigkeit lassen sich Innovationen finden, die simpel sind. Wenn es intelligente Gegenstände gibt, die melden, dass ihre Batterie ausgetauscht werden muss oder eine besonders gute Vernetzung manche Auslieferungsfahrten überflüssig macht, ist das ein erster Schritt in die richtige Richtung.“

Die Zukunft der Transport- und Logistikbranche

Die zentralen Elemente des GoGreen-Programms lassen sich natürlich auch auf der DPDHL Website finden: Die Flotten- und Netzwerkoptimierung, die Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden, die Einführung innovativer Technologien, die Mobilisierung der Mitarbeiter und die Einbeziehung von Subunternehmern und Kunden.

Deutsche Post DHL geht mit GoGreen mit gutem Beispiel im Bereich Innovation und Logistik voran. Ob all diese von DPDHL gesteckten Ziele erreicht werden, wird die Zukunft zeigen. Katharina Tomoff  jedenfalls wirkt nicht nur ehrgeizig, sondern scheint für dieses Thema zu brennen.

Um ökologisch nachhaltiger ausliefern zu können, wurde nicht nur in viele Richtungen gedacht,  auch die geplante Umsetzung ist vielversprechend und scheint realistisch zu sein.  Was bei der Durchführung des Projekts zu hoffen bleibt, ist neben der Einhaltung der geplanten Dauer auch, dass sie wirklich mit so viel Herzblut verrichtet wird, wie Tomoff es in ihrem Vortrag vorgelebt hat. 


Image “airplane” by skeeze (CC0 Public Domain)


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • AMAZON heise: Streik bei Amazon – und keiner merkt‘s: Vor wenigen Tagen hatte Verdi erneut zu Arbeitsniederlegungen an den deutschen Logistikstandorten aufgerufen, auch am bundesweit größten im osthessischen Bad Hersfeld. Das war keineswegs neu. Streiks bei Amazon sind inzwischen zu einem Dauerbrenner geworden und werden seit vier Jahren alljährlich im Weihnachtsgeschäft hochgefahren. Verdi fordert einen Tarifvertrag nach den Bedingungen des Einzel- und Versandhandels für die 11.000 Beschäftigten in den Warenlagern, bessere Arbeitsbedingungen und ein Ende von „Unternehmenswillkür“. Doch Amazon, das sich als Logistiker sieht, stellt sich quer.

  • MICROSOFT golem: Microsoft stellt Photosynth-Dienst ein: Die Website zur Panoramasoftware Photosynth wird im Februar 2017 eingestellt. Dies teilte Microsoft mit einem Posting im Microsoft Developer Network mit. Wer dort noch begehbare Bilderwelten gespeichert hat, sollte diese vorher herunterladen, denn sie werden ebenfalls entfernt. Microsoft bot die Software seit 2008 Nutzern kostenlos an. Photosynth erstellt aus Fotos mit gleichen Motiven begehbare Panoramen. Das Programm versucht, Aufnahmestandpunkte nachzuberechnen und Bilder räumlich passend anzuordnen.

  • ANDROID googlewatchblog: Android Nougat: Neue versteckte Funktion ermöglicht Anfertigen von Teil-Screenshots:Je nach Hersteller des Smartphones gibt es eine Reihe von Möglichkeiten und Varianten, um einen Screenshot unter Android anzufertigen. In allen Fällen wird aber ein Screenshot des gesamten Displays angefertigt, der dann hinterher bearbeitet und gespeichert oder versendet werden kann. Unter Android Nougat ist nun eine neue, sehr gut versteckte, Funktion aufgetaucht, mit der sich auch nur Teile des Displays verewigen lassen.

  • AUDI deutsche-wirtschafts-nachrichten: Abgas-Skandal: Neue Betrugs-Software bei Audi: Der Autobauer Audi gerät einem Medienbericht zufolge in der Abgas-Affäre immer stärker unter Druck. Die kalifornische Umweltbehörde CARB habe im Sommer eine weitere Betrugs-Software bei einem Audi mit V6-Motor entdeckt, berichtet die Bild-Zeitung. Der Ingolstädter Autohersteller habe diese auch für die Manipulation von CO2-Werten für Diesel und Benziner in Europa verwendet. Audi-Modelle mit einem bestimmten Automatik-Getriebe können dem Zeitungsbericht zufolge mittels einer sogenannten Lenkwinkel-Erkennung unterscheiden, ob sie auf einem Rollenprüfstand sind oder auf der Straße fahren. Wird das Lenkrad wie auf dem Prüfstand nach dem Start nicht bewegt, aktiviere sich ein Schaltprogramm für das Getriebe, das besonders wenig CO2 produziere.

  • DATENSCHUTZ datenschutzbeauftragter-info: Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten: Eigentlich ist die Pflicht, unter gewissen Voraussetzungen ein Verzeichnis über alle relevanten Verarbeitungstätigkeiten führen zu müssen, nicht neu. Allerdings war ein Verstoß dagegen bisher nicht direkt bußgeldbewehrt. Mit Einführung der Datenschutz-Grundverordnung müssen die Verantwortlichen nun die Verzeichnisse von Verarbeitungstätigkeiten jederzeit und vollständig für die Aufsichtsbehörden vorhalten können, ansonsten droht ein Bußgeld, Art. 83 Abs. 4 a DSGVO. Unabhängig von der abzuwartenden Bußgeldpraxis der Aufsichtsbehörden, bewegt sich der mögliche Rahmen hier bis zu 10 Mio. Euro oder bei Unternehmen bis zu 2% des Jahresumsatzes, sodass hier in jedem Fall zu entsprechender Vorsorge zu raten sein dürfte.

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Nieder mit dem Wachstum: Wieso wir weniger Wirtschaft brauchen

sunset(image by Unsplash[CC0 Public Domain] via Pixabay)

Was so erfrischend an den nachhaltigen Entwicklungszielen der UN ist, ist die Tatsache, dass sie die  dazugehörigen Spannungen zwischen der wirtschaftlichen Entwicklung und der Ökologie unseres Planeten berücksichtigen. So scheint es zumindest. Die Einleitung bestätigt es: „Die Erde und ihr Ökosystem sind unser zu Hause“ heisst es dort und unterstreicht die Notwendigkeit, dass man „Eins mit der Natur“ sein möchte. Sie verpflichten sich dazu, die globale Erderwärmung bei unter zwei Grad Celsius zu halten und fordert „nachhaltige Strukturen für die Produktion und den Verbrauch.“

Solch eine Ausdrucksweise signalisiert das Bewusstsein dafür, das etwas an unserem Wirtschaftssystem extrem schiefgegangen ist – dass wir unsere Erde nicht weiter zerfressen können, ohne unsere Sicherheit und unseren Wohlstand ernsthaft zu gefährden – in der Tat gefährden wir damit auch das zukünftige Überleben unserer Spezies.

Schautman jedoch genauer hin, erkennt man einen offenkundigen Widerspruch. Der Kern des nachhaltigen Entwicklungsziel-Programms beruht auf dem alten Modell des unbegrenzten wirtschaftlichen Wachstums, das unsere ökologische Krise zuerst hervorgerufen hat: stetig steigende Niveaus der Förderung, der Produktion und des Verbrauchs. Die nachhaltigen Entwicklungsziele fordern „ein um mindestens 7 Prozent gesteigertes Bruttoinlandsprodukt pro Jahr in den am wenigsten entwickelten Ländern“ und flächendeckend „höhere Niveaus der wirtschaftlichen Produktivität.“ In anderen Worten gibt es einen tiefen Widerspruch im Zentrum dieser vermeintlich nachhaltigen Ziele. Sie verlangen gleichzeitig mehr und weniger.

Diese Aufforderung nach einem vermehrten Wachstum kommt zu einem seltsamen Moment – während wir gerade lernen, dass dies physikalisch nicht möglich ist. Momentan übertreffen die globalen Produktions- und die globalen Verbrauchs-Niveaus die Biokapazität unseres Planeten um fast 60 Prozent. Um es anders auszudrücken: Wachstum ist keine Option mehr – wir sind bereits zu viel gewachsen. Wissenschaftler sagen, dass wir die Grenzen unseres Planeten in einer halsbrecherischen Geschwindigkeit überschreiten und das größte Massenaussterben der Spezien in mehr als 66 Millionen Jahren erleben werden. Die unangenehme Wahrheit ist, dass unsere ökologische Überschreitung fast nur dem Überkonsum in den reichen Ländern geschuldet ist, vor allem derer im Westen.

Die nachhaltigen Entwicklungsziele fordern eine verbesserte „globale Ressourcen-Effizienz“ und eine „Abkopplung des wirtschaftlichen Wachstums von dem Zerfall der Umwelt“. Unglücklicherweise gibt es keine Anzeichen, dass dies auch nur annährend in der Geschwindigkeit möglich ist, die hierfür notwendig wäre.

Die weltweite materielle Förderung und der Verbrauch stieg zwischen 1980 und 2010 um 94 Prozent an und beschleunigte im letzten Jahrzehnt derart, dass ein derzeitiger Maximalwert von 70 Billionen Tonnen pro Jahr erreicht wurde. Und er steigt noch immer an: Hochrechnungen haben ergeben, dass im Jahr 2030 die Marke der 100 Billionen Tonnen gebrochen wird.

Aktuelle Berechnungen zeigen, dass wir im Jahr 2040 die Verschiffung und die Spedition von Gütern per Lastkraftwagen sowie per Flugzeug weltweit mehr als verdoppeln werden – ebeno wie die Waren selbst, die diese Fahrzeuge transportieren werden. Im Jahr 2100 werden wir drei Mal mehr Feststoffabfall produzieren, als es heute der Fall ist.

Eine Effektivitätssteigerung wird diesen Kreislauf nicht durchbrechen können, vielmehr könnte ein Anstieg des Bruttoinlandsprodukts in vielen ärmeren Ländern noch notwendig sein – aber für die Welt als solche besteht die einzige Option in einer bewussten Wachstumsrücknahme und einem schnellen Wechsel zu dem, was der legendäre Ökonom Herman Daly als einen stabilen Staat, der ökonomische Aktivität in ökologischem Gleichgewicht hält, bezeichnet.

Eine Wachstumsrücknahme ist nicht gleichbedeutend mit Armut. Im Gegenteil ist die Wachstumsrücknahme perfekt kompatibel mit hohen Niveaus der menschlichen Entwicklung. Für uns ist es absolut möglich, unseren Verbrauch der Ressourcen zu verringern, während wir die Dinge vermehren, die wirklich von Bedeutung sind, wie zum Beispiel das Glück des Menschen, dessen Wohlbefinden, Bildung, Gesundheit und Lebensdauer – bedenkt man die Tatsache, dass Europa in vielerlei Hinsicht höhere Indikatoren der menschlichen Entwicklung als die USA besitzt, und das trotz des um 40 Prozent geringeren Bruttoinlandsprodukts und der um 60 Prozent geringeren Emissionen pro Kopf.

Das ist das Ende, auf das wir uns voll konzentrieren müssen. Tatsächlich besteht der sicherere Weg zur Armut darin, einfach so weiterzumachen, wie wir es derzeit tun. Wie der Top-Ökonom Joseph Stiglitz verdeutlichte, ein wachsendes Bruttoinlandprodukts in einer Welt mit ökologischer Überschöpfung den Lebensstandard mindert, statt diesen zu verbessern.

Wir müssen das Bruttoinlandsprodukt durch einen gesünderen Maßstab für die menschliche Entwicklung ersetzen, wie zum Beispiel durch den Indikator des wahren Fortschritts. Wir solten die Idee des exponentiellen wirtschaftlichen Wachstums ohne Ende vollständig abschaffen. Traurigerweise übergeben die nachhaltigen Entwicklungsziele diese wichtige Herausforderung an die nächste Generation – am Ende der Erklärung wird verkündet, dass „bis 2030 existierende Initiativen ausgebaut werden, um Maßnahmen des Fortschritts auf der Basis der nachhaltigen Entwicklung zu schaffen, die das Bruttoinlandprodukt komplementieren.“ In anderen Worten, sie vertagen das Problem auf das Jahr 2029.

Aber was ist mit den Arbeitsplätzen? Wann immer ich Vorträge über die Wachstumsrücknahme halte, ist das immer die erste Frage, die mir gestellt wird – und wir müssen sie ernst nehmen. Ja, die Wachstumsrücknahme wird die Eliminierung überflüssiger Produktionen und Arbeiten verlangen. Aber dies bietet uns eine schöne Gelegenheit, die Arbeitswoche zu verkürzen und mehr Gedanken an eine andere große Idee aufkommen lassen, die die Vorstellungen der Menschen in den letzten paar Jahren gefangengenommen hat: ein universelles Grundeinkommen. Wie soll dies finanziert werden? Es gibt viele Optionen, einschließlich progressiver Steuern auf kommerzielle Landnutzung, auf finanzielle Transaktionen, Transaktionen mit fremden Währungen sowie auf Kapitalgewinne.

Wir müssen der Tatsache ins Auge blicken: in einem Zeitalter der schnellen Automatisierung ist eine Vollbeschäftigung auf globaler Ebene sowieso ein Luftschloss. Es ist Zeit, dass wir in Ermangelung formeller Arbeitsplätze an Möglichkeiten denken, um zuverlässige Lebensgrundlagen zu ermöglichen. Dies wird uns nicht nur bei der notwendigen Wachstumsrücknahme helfen, sondern es wird den Menschen auch dabei helfen, ihren ausbeuterischen Arbeitsbedingungen und slaventreiberähnlichen Arbeitgebern zu entkommen und die Arbeitsbedingungen verbessern – zwei Ziele, die die nachhaltigen Entwicklungsziele festgesetzt haben und erreichen möchten.

Außerdem wird es Menschen die Möglichkeit bieten, mehr Zeit und Mühe in die Dinge zu investieren, die wirklich von Bedeutung sind: sich um die Menschen zu kümmern, die einem lieb sind, das eigene Essen anzubauen, Gemeinden zu ernähren und heruntergekommene Gegenden wieder aufzubauen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image ”sunset” by Unsplash (CC0 Public Domain)


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Wie Pokémon GO künftig unseren Blick für die Natur schärfen könnte

Pokemon Gym at the peak of Zion Observation Point (adapted) (Image by Tydence Davis [CC BY 2.0] via flickr)

Jeder, der sich in den letzten Monaten im Freien aufgehalten hat, wird den großen Erfolg von Pokémon GO mitbekommen haben, das die Spitze der Spiele-Charts erobert hat. Seit zwei Jahrzehnten haben Menschen eifrig Pokémon-Kreaturen über verschiedene Medienformate gesammelt, daher war es ein logischer Schritt, die Smartphone-Technologie zu verwenden, um das Franchise in eine „Mobile Augmented Reality“ (MAR)-Spieleapp umzuwandeln. Es wurde zu einem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Phänomen, der Marktwert des Besitzers Nintendo stieg auf knapp 40 Milliarden US-Dollar. Das Spiel wurde aber nicht wirklich von Nintendo entwickelt, es wurde von dem Google-Spin-Off Niantic erstellt, das auch Ingress, den beliebten Augmented Reality-Vorgänger von Pokémon GO, entwickelt hatte. Ähnlich wie Pokémon GO ist Ingress ein in die Realität eingebettetes Sci-Fi-Spiel, in dem Spieler unter Verwendung von Smartphone-Kameras mit Objekten aus der realen Welt interagieren können, die von bestimmten, spielrelevanten, simulierten Eigenschaften überlagert werden. In einer Veröffentlichung des Journals Restoration Ecology haben wir besprochen, dass MAR-Spiele wie diese viel für das Umweltbewusstsein tun können – im Gegensatz zu den Argumenten von Anderen, die darin einen Grund zur Sorge sehen. Der Schlüssel liegt nicht darin, sich über die Beliebtheit von Spielen oder Augmented Reality an sich zu beklagen oder dagegen zu argumentieren, sondern darin, zu erkennen, was diese so erfolgreich macht. Sie begreifen die Gefühle der Menschen, sie machen Spaß, sie beleben den Konkurrenzkampf und treiben Menschen in die freie Natur – all die guten Gründe, wieso die Leute die Natur lieben.

Das Problem

Das Wachstum unserer modernen Gesellschaft, das durch technische Innovationen vorangetrieben wurde, wird durch die Ausbeutung der Natur gestützt. Heute ist ein großer Teil der Welt, der früher Wildnis war, durch Menschen umgestaltet. Die Population von Pflanzen und Tieren ist zurückgegangen, was zu lokalen Verlusten und globalem Aussterben geführt hat, als Folge der Zerstörung der Lebensräume, Ernte, invasiver Tier- und Pflanzenarten und Umweltverschmutzung. Doch obwohl die direkten Ursachen des Verlustes der Tier- und Pflanzenwelt klar genug sind, ist es weniger offensichtlich, warum es viele Menschen nicht zu interessieren scheint. Der Umweltaktivist und Schriftsteller George Monbiot hat die laufende Zerstörung der Umwelt durch die Gesellschaft der Tatsache zugeschrieben, dass nicht mehr genügend Leute die Natur und Wildnis schätzen. Diese „Öko-Gleichgültigkeit“ hat sich als Synonym unserer modernisierten, urbanisierten Welt eingestellt, in welcher neue Technologien gleichzeitig die Interessen der Gesellschaft dominieren und die Fähigkeiten erhöhen, der Umwelt zu schädigen. Aber was wäre, wenn Augmented Reality, von MAR-Apps auf Smartphone bis hin zu HoloLenses, auf positive und proaktive Weise nutzbar gemacht werden könnten, um die breite Öffentlichkeit mit der Natur zu verbinden und dadurch Ihre angeborene Naturliebe zu aktivieren? Was, wenn ein Handyspiel entwickelt werden könnte, das sich nicht nur auf die Merkmale des Stadtbildes konzentriert, sondern sich spielerisch auf Natur, Pflanzen- und Tierwelt und menschliche Interaktion in einem natürlichem Umfeld konzentriert? Ein solches Spiel würde seine Spieler dazu bringen, aktiv die Natur zu erleben. Sie würden sich mit ihr zusammentun, sie beschützen (das könnte man als Belohnungs-Feature im Spiel verstehen) und damit ihren Wert verinnerlichen. Einen größeren Teil der Gesellschaft mit der Natur zu verbinden, ist seit langem ein Traum von Umweltschützern, der leider schwer erreichbar ist. Vor mehr als einem Jahrzehnt fand eine Gruppe von führenden Naturschutzbiologen heraus, dass Kinder besser Pokémon-Figuren erkennen als bestimmte Gruppen von Tieren identifizieren konnten. Das Problem ist nicht die Entdeckung der „Spezies“ an sich – es liegt mehr daran, dass sie hauptsächlich den elektronischen Lebewesen ausgesetzt sind, statt mit echten Tieren zu tun zu haben. Worin Menschen ihre Aufmerksamkeit investieren, ist ein Problem von entscheidender Bedeutung. Ingress hat aktuell mehr als sieben Millionen aktive Spieler und wurde von 12 Millionen Menschen heruntergeladen, seit es 2012 veröffentlicht wurde. Der Umstand, dass man bei dem Spiel das Haus verlassen muss, ermutigt Spieler dazu, etwas zu finden, zu erkennen und sich mit einer Reihe von kulturellen Symbolen zu identifizieren, die sie ansonsten ignorieren würden.

Egress – Aussteigen!

Hier ist also die besondere Herausforderung: Man sollte eine neue Version von Ingress erstellen (nennen wir es doch einfach „Egress“), die lehrreich und überzeugend sein sollte und zudem auch beliebt. Sie könnte auch Augmented Reality verwenden, um bestimmte  Umweltveränderungen zu zeigen – seien es gute Veränderungen, wie bei Instandhaltungen der Umgebung, oder schlechte, wie bei Anzeichen von Beschädigung. Um ein Hit zu werden, muss sie ein Publikum erfassen und eine Gemeinschaft fordern. Und sie könnte auch Daten für wissenschaftliche Projekte generieren. Es gibt viele Möglichkeiten, wie eine solche App funktionieren könnte. Möglicherweise beinhaltet es die Verwendung von Handys zum Fotografieren, Lokalisieren und automatisiertem Zuordnen von „Tags“ zu Spezies innerhalb einer Landschaft, das Identifizieren von seltenen Pflanzen oder Insekten oder woran man erkennt, dass an einem bestimmten Ort Tiere leben (wie beispielsweise Erdlöcher, Überreste von Ausscheidungen oder anderem, und so weiter). Der entscheidende Punkt ist, dass, obwohl die Konzentration auf Ökologie und Natur liegt, es auch ein Spaßelement geben muss – vielleicht wie eine Art High-Tech-Version dieser alten Vogelbeobachtungs-Handbücher, aber eines, das mehr Anerkennung für das Auffinden seltener Arten bietet. Ein aktueller Leitartikel in der Zeitschrift Nature hebt einige der möglichen Anwendungen von Pokémon GO, Ingress und anderer hervor, die darauf hindeuten, dass MAR-Spiele auch verwendet werden könnten, um neue Spezies zu entdecken und zu beschreiben. Wer möchte nicht, dass ein neues Tier oder eine neue Pflanze nach ihm benannt wird? Solche wissenschaftliche Aktivitäten würden die Verbindungen zwischen Forschung, Erhaltung und der Gemeinschaft stärken. Was Ingress und Pokémon GO gezeigt haben, ist, dass es möglich ist, Millionen von technisch versierten Menschen aus ihren Wohnzimmern und Kellern zu bekommen und sich aktiv mit der übrigen Welt zu engagieren. Während es unmöglich zu garantieren ist, dass jedes Projekt viral wird, zeigen die jüngsten Erfahrungen mit der Augmented Reality auf den Telefonen, dass große Menschenmassen wirklich überzeugt werden können, das Haus zu verlassen und die Welt zu erkunden. Das ist sicherlich der erste und notwendigste Schritt, um Menschen wieder zu verbinden und sich um die Natur im digitalem Zeitalter zu kümmern. Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Pokemon Gym at the peak of Zion Observation Point“ by Tydence Davis (CC BY 2.0)


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Der weltweite Bikesharing-Boom – warum die Städte Fahrräder lieben

City Bikes (Image: Picography.co [CC0 Public Domain], via Pexels).jpg

Während die Urbanisierung und Modernisierung ein nie dagewesenes Ausmaß erreicht hat, sind Verkehrsstaus zu einer modernen Bedrohung geworden. Dichter Verkehr wird gleichgesetzt mit Luftverschmutzung, enormen Sicherheitsrisiken und verminderter Erreichbarkeit. Man denkt an eine zu geringe Wettbewerbsfähigkeit, zu wenig nachhaltiges Wachstum und den Verlust des sozialen Zusammenhalts. Wenn wir entschlossen sind, unsere Städte attraktiv und nachhaltig zu machen, müssen wir uns diesen Herausforderungen stellen.

Es gibt viele mögliche Maßnahmen um dieses Problem anzugehen: entweder, indem wir schlichtweg weniger Autos benutzen, oder durch das Bereitstellen brauchbarer Alternativen. Keine dieser Lösungen ist derzeit mehr im Trend und besser vermarktbar als das gemeinsame Nutzen von Mobilitätsresourcen – zum Beispiel Carsharing. Und keine von ihnen ist umweltfreundlicher als Radfahren, was immer mehr Leute als bestgeeignete Möglichkeit entdecken, um kürzere Strecken zurückzulegen.

Wenn man diese beiden kombiniert, ergibt das eben: Bikesharing. Eine Innovation, die die besten Eigenschaften beider Lösungen kombiniert und dabei die Reichweite des öffentlichen Personennahverkehrs erweitert. Bikesharing bezeichnet ein Verleihsystem, bei dem jeder Räder an verschiedenen Punkten der Stadt ausleihen, fahren und abstellen kann – üblicherweise an automatisierten Stationen.

Die Vorteile des Bikesharing

Zu den Vorteilen des Bikesharing zählen Transportflexibilität, Reduktion der Fahrzeugemissionen, gesundheitliche Vorteile, weniger Staus und Treibstoffverbrauch und nicht zuletzt finanzielle Ersparnisse für den Einzelnen. Aber das Besondere an öffentlichen Fahrrädern ist die Idee, sie zu teilen. Durch das Teilen mit anderen über ein öffentlich erreichbares Programm können die Fahrräder von jedem benutzt werden, der sie braucht – ohne die Kosten und Verantwortung, die mit Eigentum verbunden sind. Dadurch ermöglichen es diese Programme, Leuten, die sonst womöglich keine Fahrräder nutzen würden, die Vorteile des Radfahren zu genießen – seien es nun Touristen oder Einheimische.

Bikeshare-Programme können auch als Türöffner für mehr Radverkehr dienen, indem sie ein starkes visuelles Statement setzen, dass Fahrräder sehr wohl zu den Straßen einer Stadt gehören. Gemäß meiner Recherchen nehmen Pendler Bikesharing als eine mächtige, straßengebundene “Fahrradwerbung” wahr.

Darüber hinaus berichten andere Studien, dass der Radverkehr in Städten, in denen Bikeshare-Systeme eingeführt wurden, zugenommen hat, und führen aus dass diese Ergebnisse den kombinierten Effekt von einer Verbesserung der Radfahr-Einrichtungen sowie der Einführung von Bikeshare-Systemen widerspiegeln. Einige gehen sogar noch weiter, indem sie andeuten, dass die Einführung von Bikeshare-Systemen dazu führen kann dass Radfahren in Kontexten, wo es nicht sonderlich verbreitet ist, als sicheres und alltägliches Verkehrsmittel angesehen wird.

Ursprünge

Bikesharing ist ein Konzept, das seinen Ursprung in den 1960ern hat. Allerdings war es nicht sonderlich verbreitet, bevor Techniken entwickelt wurden, die Echtzeitinformationen über das Programm bereitstellen, Räder orten und gegen Diebstahl sichern helfen konnten. Heutzutage boomt Bikesharing in einem nie dagewesenen Ausmaß, größtenteils dank der angemessen niedrigen Kosten der Programme und wie einfach, zumindest verglichen mit anderer Transportinfrastruktur, es ist, diese Programme zu implementieren. Und es ist ein einfacher Sieg für Regierungen und städtische Gesellschaften, die ihr grünes Image unterstreichen können, indem sie sich für so ein umweltfreundliches Design einsetzen.

Black and White Suspension Bridge (Image: Unsplash [CC0 Public Domain], via Pexels).jpeg

2004 gab es nur in elf Städten ein Bikeshare-System. Heute gibt es mehr als 1000 öffentliche Bikeshare-Systeme mit verschiedenen Größen und Eigenschaften in über 50 Ländern auf fünf Kontinenten. Das größte System Europas ist das Pariser Vélib’ mit 1800 Stationen und über 20.000 Fahrrädern. Hangzhou in China besitzt das größte System der Welt – drei mal größer als Vélib‘ – welches bis 2020 auf 175.000 Räder expandieren soll. Das vielleicht raffinierteste System ist Bycyklen in Kopenhagen. Hier gibt es eine Flotte elektrischer Fahrräder, die mit wetterfesten Tablets mit GPS ausgestattet sind.

Gemäß neuester Forschungen über das Styr & Ställ –System in Göteborg spürt die Bevölkerung der Stadt – einmal angemessene Werbung für Bikeshare vorausgesetzt – dass solche Systeme eine umweltfreundliche, billige und gesunde Transportalternative bieten. Insbesondere wurden sie als Ergänzung zu städtischen ÖPNV und als ein Beitrag zu einem menschenfreundlicheren Antlitz der Stadt wahrgenommen.

Wie es richtig geht

Aber Forschung und Erfahrung sagen uns, dass es zu Problemen mit Bikesharing kommen kann. So gibt es zum Beispiel einige Systeme, die lediglich 0,3 Fahrten pro Rad und pro Tag ermöglichen, obwohl die Nutzungsrate dieser Systeme weltweit üblicherweise zwischen drei und acht Fahrten pro Rad pro Tag schwankt. Neben mangelnder Auslastung kann sich die Ausweitung der Programme schwierig gestalten, oder es könnte Probleme mit schwerfälligen und komplizierteren Planungsprozessen geben. Sie können auch zu politischen Spannungen führen, wenn Kommunen nicht willens sind, Parkplätze für Fahrradstationen aufzugeben.

Doch strikte Radfahrregeln können auch ein Hindernis sein: in den beiden australischen Metropolen Melbourne und Brisbane wurde festgestellt, dass die Helmpflicht viele potentielle Radfahrer abschreckt. Sicherheitsbedenken und fehlende Fahrradinfrastruktur wurden auch als erfolgsverhindernde Faktoren ermittelt. Trotz dieser Schwierigkeiten sind Bikeshare-Programme insgesamt eine großartige Errungenschaft für uns alle. Etwas so gewöhnliches wie Radfahren in der Stadt in einer Weise neu zu erfinden, die Shared Economies einbezieht und von der Öffentlichkeit gut angenommen wird, ist eine günstige Investition in das aktive Bewerben nachhaltigen Verkehrs. Städte, die starke und zusammenhängende Pläne entwickeln, werden feststellen, dass wiedererkennbare Bikeshare-Programme ein mächtiger und positiver Teil ihres Images werden können. Unterdessen können Bürger jeglicher Couleur von leereren Straßen und saubererer Luft profitieren – ob sie nun Rad fahren oder nicht.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.

The Conversation


Image “City Bikes” by Picography.co (CC0 Public Domain)

Image “Black and White Suspension Bridge” by Unsplash (CC0 Public Domain)


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Business-Wetten für die digitale Wirtschaft

Busy traffic (adapted) (Image by dingcarrie [CC BY 2.0] via flickr)

Wird 2016 genau so sein? Alle Zeichen stehen auf ja. Wir sind vielleicht besorgt, dass eine potentielle, neue Blase zerplatzt oder dass sich der Aktienmarkt verlangsamt, aber dies hält neue Ideen, Businessmodelle oder Möglichkeiten nicht auf. Hier sind meine neun Prognosen, was sich im Bereich Business, Technik oder Soziale Netzwerke in 2016 verändern wird.

Immer wieder das Gleiche zu tun bringt einen niemals weiter

Im Jahr 2016 werden wir sehen, wie sich immer mehr Organisationen auf das Regulieren von Einkommen einstellen und nach neuen Märkten und Möglichkeiten suchen werden. Das wird gegensätzliches Denken erfordern – das Suchen nach radikalen und anderen Wegen ein Business am Laufen zu halten wie zum Beispiel: Die Kunden bezahlen, anstatt Geld von ihnen zu verlangen. Umweltanalyse-Teams werden in vielen Organisationen mit dem Ziel gegründet, dass man aktuelle Trends erkennt und versteht, und dabei auch den potenziellen Einfluss sieht, den diese auf das eigene Unternehmen haben können.

Ziel für 2016: Ein Team für die Umweltanalyse aufstellen.

Der Zug der Auftragswirtschaft wird nicht langsamer

Neu aufkommende Unternehmen werden 2016 nur stärker werden. Die Auftragswirtschaft wird anhalten und sich auf mehr ausweiten als Miete oder Karrieren. Wir werden mindestens einen neuen Spieler auf dem internationalen Markt sehen, dem Peers Inc.-Modell folgend – versorgen bedeutet für den Einzelnen, die Produkte und Dienste einfacher zur Verfügung zu stellen. Und der nächste große Akteur wird wahrscheinlich aus Asien kommen, ein Markt, der bisher größtenteils unberührt blieb.

Ziel 2016: Eine Plattform für die Auftrags-Wirtschaft werden.

Erfreue deine Kunden damit, ihre Bedürfnisse rechtzeitig zu erkennen und zu erfüllen

Wir werden einen Anstieg der vorausschauenden Organisationen sehen, also jene, die Produkte und Dienste in dem Moment, in dem man sie braucht, anbieten oder sogar schon bevor der Kunde überhaupt merkt, dass er sie braucht.

Wir werden die ersten kommerziellen Beispiele für die vorausschauende Lieferung erkennen (“dein Produkt liegt bereits vor deiner Tür, möchtest du es kaufen, oder sollen wir es zurücknehmen?”) Und nach dem erfolgreichen Absolvieren der einfachen Schritte und Kunden sich daran gewöhnen konnten, werden andere – oft überraschende – Akteure folgen; wir werden unter anderem die ersten vorausschauenden Regierungen sehen. Alles aufgrund des Fortschritts der digitalen Identität.

Ziel 2016: Definiere dein Produkt und die Dienste neu und werde eine vorausschauende Organisation.

Willkommen zu deinem digitalen, persönlichen Assistenten – einer der wirklich hilft und nicht nur so tut

Die digitale Identität wird nicht nur ein neues organisatorisches Verhalten ermöglichen, aber auch die Evolution anderer Technologien vereinfachen. Digitale, persönliche Assistenten werden sich weiter entwickeln. Sie werden nicht nur in der Lage sein, uns zu sagen wo der Film läuft, den wir am Wochenende sehen wollen oder uns an einen Arzttermin erinnern, sie werden auch in der Lage sein, unsere Rechnungen zu zahlen, den Stromanbieter zu wechseln oder uns in unserem Leben wirklich unterstützen, wie es ein echter Assistent tun würde (eine Art digitaler Vertreter des Menschen).

Ziel für 2016: Mehr Dinge erledigen können, indem man den digitalen Assistenten delegiert.

Wenn sich die Welt um dich schneller dreht als du, ist das Ende nah

Amtsinhaber von anlageintensiven Firmen werden von technologischen Fortschritten herausgefordert, und das mehr als in den Jahren zuvor. Der Janicki-Omniprozessor wird es kompletten Gemeinden ermöglichen, sich von Abwasser und Wassernetzen zu entfernen.

Hochleistungsbatterien in Garagen und selbstfahrende Autos werden es Individuen ermöglichen, mit Elektrizität außerhalb des Netzes zu handeln. Telefonanbieter werden mehr und mehr Druck von den Meta-Dienstleistern spüren. Die Bewegung derjenigen, die kein lineares Fernsehen mehr schauen, wird das Kabelfernsehen beeinflussen, auch in anderen Branchen.

Ziel für 2016: Wenn du ein Amtsinhaber in deiner Branche bist, fokussiere dich auf die Umweltanalysse, um Überraschungen zu vermeiden.

Digitales Kapital ist die Möglichkeit für das soziale Gut

Existierende Technologien werden reifen und in kritischen Situationen genutzt werden. Regierungsagenturen, Ersthelfer und das Katastrophenmanagement werden Periscope und Erwähnungen bei Facebook sowie Livestreaming nutzen, um Informationen zu sammeln. Wir werden die Kontrolle über unser digitales Ich behalten und zur gleichen Zeit fähig sein, unser “digitales Kapital” zu teilen, wenn es hilfreich ist. Die digitale Denkweise wird auch auf Organisationen angewendet werden, um nach Optionen zu suchen, um inaktive Anlagen zu digitalisieren, indem man neue Technologien benutzt.

Ziel für 2016: Habe einen genauen Blick auf deine Anlagen. Können sie neue Werte in die digitale Wirtschaft bringen?

Hardware wird die neue App

Mehr und mehr Leute werden es einfach finden, der “Maker-Kultur” beizutreten. Plattformen wie Arduino oder Raspberry Pi werden es mehr Leuten ermöglichen, schnell Hardwarelösungen als Prototypen zu erstellen. Wir werden Beispiele für Apps im Internet der Dinge sehen, die endlich verlockend und nützlich sind. Umgebungen wie Apples HomeKit, werden nur zu dem Impuls beitragen. Andererseits werden Plattformen wie Kickstarter den Weg zu effizienten “Prototyp-zu-Produkt”-Prozessen eröffnen.

Ziel für 2016: Tritt einem Maker-Space bei und unterstütze dieses.

Baue eine Gemeinschaft und ein Produkt (oder Dienst) wird sich entwickeln

Wir werden mehr Unternehmen sehen, die auf eine unorthodoxe Art starten werden, indem sie zuerst eine Gemeinschaft aufbauen und erst danach erkennen, welches Produkt oder welchen Dienst sie bereitstellen müssen. Digitale Gemeinschaften werden der neue unfaire Vorteil in jeder Industrie sein.

Ziel für 2016: Identifiziere und investiere in deine Gemeinschaften.

Digitale Intelligenz ist Trend

Die Gesellschaft wird weiterhin lernen, wie man mit den digitalen Wirtschaftstrends umgehen muss. Wir werden von der digitalen Bildung über digitales Benehmen zu digitaler Eleganz gehen. Und wir werden ein wachsendes Interesse im Bereich Sicherheit im Netz erleben, auch wenn die Regierungen versuchen werden, die Bevölkerung von der Nutzung von Verschlüsselungstools abzuhalten.

Ziel für 2016: Investiere in digitale Bildung und Entwicklung.


Image (adapted) “Busy traffic” by dingcarrie (CC BY 2.0)


 

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Wie die Medien die COP21-Klimakonferenz auswerteten

Conferencia de la ONU sobre Cambio Climático COP21 (adapted) (Image by Presidencia de la República Mexicana [CC BY 2.0] via flickr)

Die Medien spielen eine entscheidende Rolle in der Erklärung der Klimakonferenz von Paris – eine Untersuchung der britischen und russischen Berichterstattung. Dem Pariser Abkommen wurde in der Presse im Allgemeinen viel Aufmerksamkeit zuteil. Die meisten Berichte im direkten Anschluss legten einen ähnlichen Fokus auf einige wenige Schlagzeilen: Dieser Sieg war ein „Meilenstein“, wenn auch verbunden mit einigen mahnenden Anmerkungen. Trotzdem zeigt eine nähere Betrachtung ein paar bemerkenswerte Unterschiede.

Der linksangehauchte Guardian nannte es ein „ehrgeiziges Übereinkommen” und ein „Ende der Erdöl-Ära”. Während auch Kritik herausgelesen werden konnte, war der Grundton überwiegend positiv, sogar euphorisch in seiner Hervorhebung der historischen Natur dieses Erfolgs. Es wurde erwähnt, dass NGOs „sich nie ein Abkommen hätten vorstellen können, das so ambitioniert sei” und, obwohl es immer noch nicht ehrgeizig genug sei, „Aktivistengruppen weitestgehend mit dem Ergebnis sehr zufrieden seien“. Nichtsdestotrotz wurde „die Abschwächung des Abkommens bezüglich des Umgangs mit dem irreparablen Schaden durch den Klimawandel” negativ angeführt.

Der gemäßigtere Independent betonte ebenfalls die historische und revolutionäre Natur des Moments, fügte allerdings strenger warnende Anmerkungen hinzu, so zum Beispiel von Chris Rapley (University College London), der betonte, dass nur „die Zeit die wahre Natur des Pariser Abkommens offenbaren wird“.

Auf der politisch rechten Seite, vertreten durch den Telegraph, war man sehr viel vorsichtiger. Dort wies man zwar auf den Erfolg des Abkommens hin, bevorzugte aber eine Schilderung dessen, was beschlossen worden war anstelle einer Betonung der historischen Wichtigkeit des Moments. Die Zeitung interessierte sich dafür, was dies für die Politik des Vereinigten Königreichs bedeuten wird und was die NGOs von dem Abkommen halten. Zu diesem Zweck verglichen sie die positive Beurteilung durch Christian Aid mit der negativen Bewertung durch Friends of the Earth.

Die Times und die Sunday Times waren dagegen weniger positiv eingestellt. Kurz vor der Bekanntgabe wurde das Abkommen in der Times als Erfolg für kleine Inselstaaten bezeichnet, indem das Vereinigte Königreich und der Rest der Welt stärker zur Verantwortung gezogen werden. Die Kosten technologischer Lösungen waren von größerem Interesse als das Betonen des bahnbrechenden Moments. Die Sunday Times (hier: die irische Ausgabe) des Folgetages schätzte das Abkommen als wichtiger ein, da hier geltend gemacht wurde, es wäre durchaus „historisch“, aber nicht so bedeutend, wie anderswo behauptet. Der Artikel betrachtet Technologie und Eigeninteresse als diejenigen Kräfte, die die globale Erwärmung bekämpfen werden.

Neben den praktischen Grundlagen des Abkommens – den Finanzierungsmechanismen, den getroffenen Versprechungen und so weiter – war eine der eindringlichsten Botschaften der Berichterstattung, dass Investoren und Regierungen nun Entscheidungen treffen könnten, die auf einer kollektiven Festlegung zur Reduktion der Emissionen basieren; dies wird als sehr positiver Schritt angesehen. Ein anderer Schwerpunkt war die Rolle der USA, die auf diese Vereinbarung drängten und die vermittelnde Rolle Frankreichs.

Zwei Arten von Negativität

Indes waren auf den Kommentarseiten stark skeptische/negative Stimmen zu hören, vor allem im Guardian. George Monbiot, der hochgeachtete Umwelt-Kolumnist der Zeitung, behauptete: „Im Vergleich zu dem, was es hätte sein können, ist es ein Wunder. Im Vergleich zu dem, was es hätte sein sollen, ist es ein Desaster.“ Ähnlich bewertete der frühere NASA-Klimaforscher James Hansen das Scheitern:

„Es ist wirklich ein Betrug, ein Schwindel. […] Es ist einfach Blödsinn, wenn sie sagen: Wir haben ein Erwärmungsziel von maximal 2°C und versuchen es dann alle fünf Jahre ein bisschen besser zu machen.“

Darüber hinaus gibt es Berichterstattungen, die der ganzen Idee eines großen Umweltgipfels feindlich entgegenstehen. Die Daily Mail zum Beispiel untersuchte den Einfluss der Konferenz selbst auf die Umwelt und kam zu dem Schluss, dies wäre „ein erstklassiges Beispiel dafür, was für ein verschwenderisches Leben die grüne Lobby führt“. Unterdessen verspottete der Journalist Christopher Booker im Telegraph den COP21 als den Moment, in dem „politische Panik“ über den Klimawandel mit der Realität einer auf Erdöl basierenden globalen Zivilisation zu kollidieren begann.

Diese Sorte der Verleugnung des Klimawandels – oder politischer “Realismus“ – ist allerdings zunehmend selten in den weltweiten Mainstream-Medien. Unsere Recherche beinhaltete auch einen Blick auf die Klima-Berichterstattung in Russland, einem der weltweit größten Kohlenstoffproduzenten und damit einem Land, das jeden Grund hat, öffentlichkeitswirksame Debatten zu vermeiden. Trotzdem finden auch dort Veränderungen statt. Die gewöhnlich eher zurückhaltenden Medien stimmten in die positive Berichterstattung über die Pariser Bekanntmachung überein, vielleicht als logische Konsequenz der starken Stellungnahme durch den russischen Präsidenten, Vladimir Putin, am ersten Tag des Gipfels.

So diskutierte zum Beispiel die staatliche Zeitung Rossiyskaya Gazeta die Erfolge der russischen Delegation, die alle ihre Ziele erreicht hat. Russische Reporter kritisierten die legalen Aspekte des Abkommens, während Aktivisten und NGOs Zweifel am Erfolg des COP21 äußerten, indem sie beispielsweise auf die erhöhte Wahrscheinlichkeit von kontroversen Richtlinien zur Kohlenstoffreduzierung (wie zum Beispiel Chinas möglichen Wechsel zu Nuklearenergie) und Russlands unklare Position zwischen entwickelten und entwickelnden Parteien hinwiesen. Diese Kritik ist aber eher als ein positives Zeichen des Auseinandersetzens mit dem Prozess zu werten als simple Verleugnung oder Fehlinformation.

Für die Kommunikation des Klimawandels war 2015 entscheidend – die Medien spielten eine wesentliche Rolle, als es darum ging, die Risiken für die Umwelt einem breiteren Publikum verständlich zu machen. Die Preise für die klassischen Helden und Bösewichte im Klimawandel-Kommunikationstheater sind noch nicht verteilt, aber die komplette Medienlandschaft verdient ein dickes Lob dafür, dass sie dem historischen Erfolg in Paris zumindest den verdienten Raum in der Berichterstattung gestatteten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Conferencia de la ONU sobre Cambio Climático COP21“ by Presidencia de la República Mexicana (CC BY 2.0)


 

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Das Ergebnis der Klimakonferenz in Paris

Paris (adapted) (Image by Walkerssk [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Die Vereinbarungen und Ergebnisse der UN-Klimakonferenz in Paris sind wichtig und tragen eine weitreichende Bedeutung. Die Konferenz endete mit einer Vereinbarung von 195 Staaten, um die globale Erwärmung zu bekämpfen. Diese Vereinbarung ist historisch und wichtig, aber zugleich leider nicht ausreichend. Hier sind fünf Fakten, um besser zu verstehen, was in Paris entschieden wurde: von “ist das genug, um die gefährlichen Klimaveränderungen zu bekämpfen?” bis zu “unvorhergesehene Siege von besonders betroffenen Staaten”.

1. Ein weltveränderndes Ereignis

Das Bedeutsamste an der Vereinbarung ist wohl, dass es sie überhaupt gibt. Für alle Staaten, von den Supermächten über die reichen Stadtstaaten, Königreiche mit Ölvorkommen bis hin zu gefährdeten, weil tiefliegenden Inselstaaten: alle sind überein gekommen, durch gemeinsam koordinierte Aktionen den Klimawandel zu bekämpfen.

Und das sind nicht nur warme Worte. Jede feste Vereinbarung muss vier Elemente besitzen: Zuerst braucht es ein gemeinsames Ziel; dies wurde jetzt definiert. Die Vereinbarung erklärt, dass alle Parteien die Temperatur “deutlich unter” 2°C über den Daten vor der industriellen Revolution halten wollen und sogar Anstrengungen unternehmen werden, es auf 1.5°C zu minimieren.

Zweitens braucht es eine Vereinbarung wissenschaftlich glaubwürdige Reduzierungen in Kohlenstoffdioxid und anderen Treibhausgasen. Die Paris-Vereinbarung ist etwas verschwommen in diesem Bereich, erklärt aber, dass Emissionen “so schnell wie möglich” den Höhepunkt erreichen sollten um dann schnellstmöglich reduziert zu werden. Der nächste Schritt ist:

Erreichen einer Balance zwischen anthropogen (menschlich bedingten) Emissionen und der Beseitigung und Verminderung von Treibhausgasen in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts; basierend auf einer gegenseitigen Gerechtigkeit…

Drittens, da aktuelle Vorhaben der Emissionsreduzierung vor einer Erwärmung bis zu 3°C über den Daten vor der industriellen Revolution warnen, brauchen wir eine Mechanismus, um von dem aktuellen Status hin zu einer “Zero Emission”, also emissionsfreien Politik. Es findet alle fünf Jahre eine Überprüfung der Projekte statt – und “die Bemühungen aller Parteien wird sich im Laufe der Zeit steigern”, was heißt, dass bei jedem Schritt die Staaten ihre Emissionen im Vergleich zum heutigen Stand reduzieren sollen.

Viertens bedeutet dies für die Industrie-Staaten, dass sie schnell von fossilen Energien hin zu erneuerbaren Energien wechseln müssen. Die Herausforderung ist erheblich größer für die Entwicklungsländer; diese Nationen müssen das fossile Zeitalter überspringen. Sie benötigen finanzielle Mittel um dies erfolgreich tun zu können und daher beinhaltet die Vereinbarung, dass 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr bis 2020, danach sogar noch mehr, dafür zur Verfügung gestellt wird.

Es gehen viele positive Dinge mit der Vereinbarung einher; sie kreiert ein gemeinsames Ziel, um die schlimmsten Auswirkungen der globalen Erwärmung zu verhindern, die Reduzierung der Emissionen sind angemessen und glaubwürdig, es gibt einen Mechanismus, um langfristig ganz ohne Emissionen auszukommen und es gibt finanzielle Ressourcen um arme Länder den Übergang zu erneuerbaren Energien zu ermöglichen. Die Vereinbarung gibt den Weg für die Welt vor; weg von der Abhängigkeit der fossilen Energieträger.

2. Es ist nicht genug, um gefährliche Klimaveränderungen zu verhindern

Was ein gefährlicher Klimawandel bedeutet, hängt stark von der Person und dem Ort ab. Für einige arme Menschen ist der Klimawandel schon jetzt mehr als gefährlich; er ist tödlich. The Gefahr steigt durch die kumulierte Emission von Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre. Weil die Gefahr schon so lange angekündigt war, schließt sich das Zeitfenster, in dem man den Anstieg der Temperatur um 1.5°C noch verhindern kann. Dies bedeutet große Einschnitte, insbesondere für tiefliegende Bereiche. Selbst die ehrgeizigsten Konzepte für eine emissionslosen Gesellschaft in den kommenden Jahrzehnten, verbunden mit einer realistischen Chance um unter der 2°C Erhöhung zu bleiben (immerhin 66 Prozent), sind bereits extrem hoch gesteckt. Die Länder haben noch einen langen und harten Weg vor sich, um derartige Reduzierungen der Emissionen zu erreichen.

Man muss zudem anmerken, dass es in der Vereinbarung keinerlei Strafen gibt; zumindest außerhalb der öffentlichen Scham, für Länder, die die vorgegebenen Ziele nicht einhalten. Um die Ziele der Pariser Vereinbarung wirklich umzusetzen, müssen sowohl zivile Organisationen als auch die oppositionellen Parteien in der Politik und Wirtschaft die Regierungen entsprechend kontrollieren. Im Grunde gibt es sowohl für die Menschen als auch für viele Regierungen und Firmen ein gemeinsames Ziel; fast alle sprechen sie gegen die tiefen Taschen der fossilen Energiebranche aus.

Eine der Gefahren und Ängste liegt in der geplanten globalen “Inventur” 2023. Wenn einige Länder sehen, dass Andere sich nicht an die vereinbarten Pläne halten, dann werden möglicherweise einige auch von den eigenen Projekten absehen und die gesamte Pariser Vereinbarung fällt auseinander.

3. Wir müssen Kohlenstoffdioxid von der Atmosphäre entfernen

Die Erwärmung durch den Treibhauseffekt wird angetrieben durch die kumulierte Emission von Kohlenstoffdioxid. Gemessen an den heutigen Emissionen und dem Ziel, die Temperaturanstiege “deutlich unter” 2°C und in der Nähe von 1.5°C zu halten, bedeutet, dass die CO2 Emissionen sehr schnell Richtung Nullpunkt reduziert werden müssen.

Die Gemeinschaft muss dann weitergehen und die Emission abschaffen. Das bedeutet, dass Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre entfernt werden muss und anderweitig gelagert wird. Es gibt dafür verschiedene Optionen; von dem Pflanzen von Bäumen und dem Erhalten von ewigen Wäldern, der Erhöhung der Aufnahmekapazitäten des Bodens und der Nutzung von Biomasse zur Energiegewinnung bis hin zum unterirdischen Speichern von CO2.

4. Veränderungen der Strategie und Konzepte sind zu erwarten

Um noch in diesem Jahrhundert auf null Emissionen zu kommen, müssen viele Richtlinien und Konzepte erstellt und verändert werden. Fossile Energieunternehmen müssen teilweise von ihren Tochterunternehmen getrennt werden. Investitionen in eine hohe CO2-Infrastruktur muss beendet werden und insbesondere Weltbankdarlehen und andere regionale Bankenunterstützungen müssen angepasst werden. Emissionslose Gebäude müssen zur Norm werden. Der tropische Regenwald muss beschützt werden um erst das Abholzen zu reduzieren und schließlich ganz zu beenden.

Gehen Sie von einem größeren Drang zu den aktuellen technologischen Begrenzungen der erneuerbaren Energien aus: mit großen Investitionen, meist in Richtung Energiespeicherung, wenn der Wind mal nicht weht und die Sonne mal nicht scheint. Gehen Sie davon aus, dass die Kosten für erneuerbare Energien weiter sinken, wenn die Technologien auf einer größeren Skala genutzt und weltweit eingesetzt werden. Erwarten Sie, dass signifikante Teile der Welt für die Nutzung durch Windturbinen und Solarparks deklariert werden.

5. Die gefährdetsten Länder der Welt haben ihre Probleme erfolgreich auf die Bühne gestellt.

Paris war die Bühne eines hochpolitischen Pokerspiels. Überraschenderweise haben die Länder mit den schlechtesten Karten besser abgeschnitten als erwartet. Die Klimagespräche waren geprägt durch wechselnde Allianzen, anders als die bekannte Trennung von den reicheren nördlicheren Ländern gegenüber den ärmeren südlichen Ländern. Als zentrales Element war insbesondere die diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und China, da beide Nationen zugestimmt haben, ihre Emissionen zu reduzieren und ihr Einverständnis zu der Gruppierung der “Climate Vulnerable Forum” gegeben haben. Dieses Forum hat kontinuierlich das Thema der Begrenzung der Erwärmung um 1.5°C auf die politischen Agenden der Nationen gesetzt.

Wir haben noch nicht das letzte Wort zu den Ambitionen gehört – eines der Entscheidungen in Paris beinhaltet die Einladung der “Intergovernmental Panel on Climate Change” einen individuellen Bericht über die Auswirkungen des Klimas auf die 1.5°C Erhöhung zu erstellen und gleichzeitig den konsistenten Weg zu dieser Temperatureinschränkung vorzugeben und zu definieren.

Diese Länder haben nicht alles bekommen was sie wollten – Die USA wollten keine finanzielle Haftung übernehmen für Länder, die durch den Anstieg des Wasserspiegels Land verlieren. Aber sie haben in dem Spiel ihre schlechten Karten extrem gut und intelligent ausgespielt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Paris“ by Walkerssk (CC0 Public Domain

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IT-Riesen lassen Milliarden für Clean Tech springen

11. Station - Solarpark in Inden im Kreis Düren (adapted) (Image by EnergieAgentur.NRW [CC BY 2.0] via flickr)

Bill Gates, Mark Zuckerberg und viele andere engagieren sich für saubere Energie. Doch auch der Ruf nach einem neuen atomaren Zeitalter wird lauter.

Die UN-Klimakonferenz, die seit heute bis zum 11. Dezember in Paris stattfindet, hat die Hightech-Welt auf den Plan gerufen. Während Tech-Größen wie Mark Zuckerberg, Bill Gates und Jeff Bezos Milliarden für die Forschung an umweltfreundlichen Energiequellen springen lassen, gibt es einen, der ein neues atomares Zeitalter fordert: Starinvestor Peter Thiel.

Die Unterstützerliste der Breakthrough Energy Coalition ist ziemlich beeindruckend: Marc Benioff (Salesforce-CEO), Mark Zuckerberg (Facebook-CEO, Jeff Bezos (Amazon-CEO), Richard Branson (Gründer der Virgin Group), Bill Gates (Microsoft-Gründer), Reid Hoffman (LinkedIn-Gründer), Jack Ma (Alibaba-Chef), Hasso Plattner, (SAP-Chairman), Meg Whitman (HP-CEO) – sie alle glauben fest daran, dass neue Technologien die Energieprobleme des Planeten lösen können. Um der Vision einer Emissions-neutralen Energieversorgung der Erde näherzukommen, haben sich die genannten Persönlichkeiten und eine Reihe weiterer wohlhabender Menschen dazu bereiterklärt, viel Geld für die Forschung an neuen und alternativen Energiequellen lockerzumachen.

Wie viel Kapital genau für “Clean Tech” zusammenkommen wird, ist noch unklar, schließlich erhofft sich die Koalition, im Rahmen des UN-Klimagipfels noch mehr Menschen und Institutionen davon zu überzeugen, in saubere Energie zu investieren. Bekannt ist bis dato immerhin, das der Fonds viele Milliarden US-Dollar groß sein wird, Initiator Bill Gates soll aus seinem Privatvermögen zwei Milliarden US-Dollar zuschießen. Was aber auch auffällt: Die Industriegrößen Apple, Google und vor allem Tesla, das das Thema saubere Energie mit seinen Elektroautos vorantreibt, sind noch nicht Teil der Koalition.

Bald nur noch Wind, Wasser, Solarenergie?

In welche Technologien und Forschungen die Breakthrough Energy Coalition genau investieren wird, ist noch nicht festgelegt. Eine Studie der Universität Stanford, die anlässlich des UN-Klimagipfels veröffentlicht wurde, will errechnet haben, dass die Welt bereits 2050 zu 100 Prozent ausschließlich mit erneuerbarer Energie versorgt werden könnte, 2030 bereits zu 80 Prozent. Die Zauberformel dafür lautet “WWS” – Wind, Wasser und Solarenergie.

Im Zuge der Diskussion rund um die Zukunft der Energie ist dann aber auch der kontroverse Starinvestor Peter Thiel (u.a. Facebook) auf den Plan getreten. Ihm kommt weder Wind noch Wasser in den Sinn, wenn er an die künftige CO2-freie Energieversorgung denkt – sondern vielmehr Atomenergie. In einem Meinungsbeitrag in der New York Times schreibt Thiel: “Wenn wir fossile Brennstoffe wirklich loswerden wollen, dann müssen wir auf Atomenergie setzen.” Wind und Wasser würden aktuell nur zwei Prozent des globalen Energiebedarfs decken können. Zwar hätten Tschernobyl und Fukushima das Vertrauen in Atomenergie weltweit stark erschüttert, doch Wissenschaftler hätten neue, sicherere Reaktoren entwickelt, und Unternehmer und Risikokapitalgeber würden nur darauf warten, in diese investieren zu können – nun sei die Politik gefragt, grünes Licht zu geben.


Image (adapted) “11. Station – Solarpark in Inden im Kreis Düren” by EnergieAgentur.NRW (CC BY 2.0)


 

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Sechs Dinge, die Sie mit Kaffee machen können

coffee (Image by Christoph [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Kaffee kann weitaus mehr als uns über die morgendlichen Hürden helfen. Auch als Treibstoff, zum Aufsaugen von Schwermetallen, und sogar als High-Tech-Produkt, dient der Wachmacher. Viele von uns sind süchtig nach Kaffee, um Energie zu tanken für frühmorgendliche Meetings, Nachmittagskrisen oder nächtliche Lernsessions. Inzwischen werden die Wörter “Kaffee” und “Treibstoff” halb scherzend als Synonyme verwendet. Mehr als 9 Tonnen der Bohne werden jährlich weltweit produziert und eine riesige Menge Müll entsteht, sobald wir sie aufgebrüht haben. Der größte Teil davon landet auf Mülldeponien.

Forscher aus Südkorea haben jedoch einen Weg gefunden, den Kaffeesatz in einem buchstäblicheren Sinn als Treibstoff zu verwenden. In einer Nanotechnologie-Studie berichten sie davon, wie sie Kaffeereste dafür verwendet haben, um Carbon-Material mit kleinen Poren, welche die Oberfläche vergrößern – “aktiviertes” Carbon genannt – zu produzieren. Dieses neue Material kann Methan und Wasserstoff absorbieren und speichern, welche beide als Treibstoff verwendet werden können.

Die Möglichkeit, diese Treibstoffe in so einem günstigen Material zu speichern, ist sowohl ein großer Schritt, um diese Technologie rentabler zu machen, als auch ein ökologischer Vorteil: Methan ist ein schädliches Treibhausgas.

Kaffee für günstigen Treibstoff verbrennen

Schon seit ein paar Jahren nutzt Nestle den bei seiner Produktion von Instantkaffee anfallenden Kaffeesatz als Heizmaterial. Kaffee wird momentan in mehr als 20 Fabriken auf der Welt dazu verwendet, die Nahrung zu kochen, die produziert wird. Damit werden mehr als 800.000 Tonnen Kaffeesatz, der sonst auf Mülldeponien landen würde, sinnvoll verwendet.

Ein spezialisiertes Unternehmen, die aus London stammende Firma Bio-Bean, versucht den Abfall von lokalen Instantkaffeeproduzenten (fast 200.000 Tonnen allein in London und Südengland) in Biomassepellets zur Energiegewinnung, sowie für Privatwohnungen mit modernen Biomasseheizungen, zu pressen. Die Bohnen verbrennen viel sauberer und enthalten 50 Prozent mehr Energie als traditionelle Holzpellets. Jedoch entfernt Bio-Bean anders als Nestle vorher Öl aus dem Kaffee, was uns zum nächsten Punkt bringt.

Kaffee in flüssigen Treibstoff verwandeln

Wie die meisten Pflanzensamen enthält die Kaffeebohne eine erhebliche Menge Öl, die entweder herausgepresst oder chemisch extrahiert werden kann. Diese kann dann in Biodiesel, eine Flüssigkeit mit ähnlichen Eigenschaften wie normaler Diesel, verwandelt werden.

Meine eigene Recherche ergab, dass aus Kaffee produzierter Biodiesel weder vom Anbauort des Kaffees, der Art der Bohne oder der Aufbrühweise beeinflusst wird. Das ist ein großes Plus, da es bedeutet, dass aus Kaffee produzierter Treibstoff eine vorhersagbare und konstante Energieausbeute beim Verbrennen liefert.

Kaffeesatz kann außerdem fermentiert werden, um Ethanol zu produzieren, oder großer Hitze und Druck ausgesetzt werden, um Bio-Öl, ein Material mit Ähnlichkeiten zu Rohöl, herzustellen. Beide Vorgänge sind jedoch teuer. Biodiesel ist der einzige Brennstoff, der sich in größerer Menge zu lohnen scheint, daher auch Bio-Beans Bemühungen, ihn auf den Markt zu bringen.

Er ist voll mit wertvollen Chemikalien

Kaffee enthält eine Vielzahl an Chemikalien, die nach ihrer Isolation und Reinigung sehr speziellen Anwendungen dienen können. Beispiele sind Chlorogensäure, ein Lebensmittelzusatz, der den Blutdruck leicht senkt; Trigonellin, das bei der Prävention und Behandlung von Diabetes und Erkrankungen des zentralen Nervensystems hilft; Polyhydroxyalkanoate, die für die Herstellung von Bioplastik verwendet werden; und eine Vielzahl an Antioxidantien, die in der Gesundheitsfürsorge benutzt oder zu Treibstoffen und Schmiermitteln hinzugefügt werden, um deren Lebensdauer zu verlängern.

Kaffee kompostieren?

Kaffeesatz ist reich an Stickstoff, einem lebenswichtigen Nährstoff für das Pflanzenwachstum. Das ist einer Vielzahl von Coffee Shops bekannt, weshalb sie den Kunden, die dies wünschen, ihren benutzten Kaffee anbieten. Das reduziert ihren Abfall und könnte in Koffein-gestärkte Bio-Früchte und Gemüse fließen. Welcher Barista kann dazu schon Nein sagen?

Schwermetalle aufsaugen

Kaffeeabfall ist sogar effektiv, um schädliche “Schwermetalle” wie Chrom, Kupfer, Nickel oder Blei, die oft aus Chemiewerken, Höfen oder Fabriken durchsickern und erheblichen Schaden anrichten, aufzusaugen. Es wurde berichtet, dass Kaffeesatz unter besonderen Laborbedingungen bis zu 91 Prozent der Schwermetallionen aus Lösung entfernen konnte – ein gutes Beispiel für seine ökologischen Vorteile.

Kaffee wird High-Tech?

Am komplexesten von allem ist, dass Forscher versucht haben, aus Kaffee Superkondensatoren zu bauen – elektrische Speicher, die mehr Energie speichern und mehr Ladezyklen aushalten als herkömmliche Batterien. Es wurden ultra-dünne porige Carbon-Nanobleche mit guten elektrischen Fähigkeiten hergestellt.

Ob er nun zu Hause für den Gartenkompost, im Labor für Forschungszwecke oder in der industriellen Treibstoffproduktion verwendet wird, es gibt augenscheinlich zahlreiche Verwendungsmöglichkeiten für Kaffeesatz. Diese große Auswahl könnte möglicherweise auch negativ sein. Letztendlich ist die Frage: Wie entscheidet man, was man mit etwas so Vielseitigem macht?

Eines ist jedoch sicher. Wir sollten ihn auf keinen Fall wegwerfen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Teaser & Image „coffee“ (adapted) by Christoph (CC0 Public Domain)


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Erdbeerwoche.com: “Die Regel ist nach wie vor ein Tabuthema”

Erbeerwoche (Bild: Jakob Steinschaden [C])

Ein österreichisches Startup hat es sich zum Ziel gesetzt, Frauenhygiene nachhaltiger, gesünder und umweltverträglicher zu machen. // von Jakob Steinschaden

Erbeerwoche (Bild: Jakob Steinschaden)

Biotampons, Biobinden und wiederverwendbare Produkte für die Monatshygiene: Das österreichische Startup Erdbeerwoche.com, das Annemarie Harant und Bettina Steinbrugger gegründet habn, will das Thema Nachhaltigkeit im Bereich der Frauenhygiene vorantreiben. 2015 steht neben der Expansion nach Deutschland und in den CEE-Raum auch die Bewusstseinssteigerung bei Gynäkologen und an Schulen an.

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5 Lesetipps für den 9. April

In unseren Lesetipps geht es heute um BBC Kommunikation über Chat Apps, YouTube-Abonnement, lustige Twitter-Accounts, Hillary Clintons Walhkampf und Umwelt-Journalismus. Ergänzungen erwünscht.

  • CHAT APP BBC Academy: Instant messaging: BBC News on chat apps: Die BBC ist sehr erfolgreich mit der Kommunikation über Chat Apps. Über WhatsApp und BBM wird die Zielgruppe dank der Push-Nachrichten zu 100 Prozent erreicht. Am besten funktionieren kurze Videos, welche die Themen des Tages einfach wiedergeben. Ursprünglich waren diese für den BBC Instagram-Account geplant. Das Potential der Chat Apps ist allerdings noch nicht ausgeschöpft.

  • YOUTUBE DIE WELT: Abo: YouTube will werbefreie Videos gegen Gebühr zeigen: YouTube möchte eine Möglichkeit schaffen, Videos werbefrei zu gucken. Gegen eine monatliche Gebühr, deren Höhe noch nicht bekannt ist, soll es bald die Option geben, Videos auf YouTube zu gucken, ohne dabei von Werbevideos unterbrochen zu werden. Noch werden vom Google-Konzern keinerlei Einzelheiten bestätigt. Nach wie vor ist Werbung eine Haupteinnahmequelle von YouTube. Die Abonnement-Option gehört zu einer Strategie, die Erlöse breiter zu fächern.

  • TWITTER VICE: @MedievalReacts and the Weird, Money-Making World of Parody Twitter Accounts: Wir alle lieben lustige (fake) Twitter-Accounts und Hashtags! Unter @Queen_UK twittert angeblich die Queen über Gin und der Hashtag #whitegirlproblems gibt viel zu lachen. Manchmal steckt dahinter eine Person, manchmal aber auch ein Team, welches Inhalte – und auch Werbung – promotet. Und wir folgen den Werbehinweisen brav. Vice hat bei der Betreiberin von @MedievalReacts nachgefragt, wie das so ist, einen Account zu betreiben, der innerhalb einer Woche 200.000 Follower gewonnen hat.

  • WAHLKAMPF Mashable: Hillary Clinton hires a Google exec as the first woman to manage technology for a presidential campaign: Hillary Clinton hat sich für ihren Wahlkampf Hilfe für die technische Betreuung gesucht. Stephanie Hannon, ehemalig director oder product manager bei Google, soll alle technischen Aufgaben im Wahlkampf betreuen, auch wenn bisher von Clinton noch keine Kampagne angekündigt worden ist. Das zeigt, dass die Beziehung zwischen dem Silicon Valley und Washington in den letzten Jahren deutlich enger geworden ist. Auch Obamas Verwaltung wird von ehemaligen Facebook-Mitarbeitern unterstützt.

  • JOURNALISMUS Slate: Gallup poll on the environment: Have journalists failed on climate change, extinctions, pollution?: Nach einer Umfrage von Gallup sind 2015 weniger Menschen besorgt um die Umwelt als jemals zuvor. Woher aber kommt der Optimismus? Denn dazu besteht absolut kein Grund, um unsere Umwelt sieht es nicht gut aus. Die Menschen sorgen sich nur um die selben Themen: Klimawandel und die tropischen Regenwälder. Auch umweltfreundliche Politiker wie der aktuelle amerikanische Präsident Barack Obama, geben den Menschen ein optimistisches Gefühl bereits genug für die Umwelt getan zu haben. Optimistischer Journalismus über die Umwelt kann ein falsches Gefühl, denn eigentlich soll ja berichtet werden, was wirklich passiert.

Die morgendlichen Lesetipps und weitere Linktipps am Tag können auch bequem via WhatsApp abonniert werden. Jeden Tag informiert dann Netzpiloten-Projektleiter Tobias Schwarz persönlich über die lesenswertesten Artikel des Tages. Um diesen Service zu abonnieren, schicke eine WhatsApp-Nachricht mit dem Inhalt arrival an die Nummer +4917622931261 (die Nummer bitte nicht verändern). Um die Nachrichten abzubestellen, einfach departure an die gleiche Nummer senden. Wir werden, neben dem Link zu unseren morgendlichen Lesetipps, nicht mehr als fünf weitere Lesetipps am Tag versenden.

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5 Lesetipps für den 17. März

In unseren Lesetipps heute geht es um Umweltschutz, die CeBIT 2015, Windows 10, Journalismus und die Fantasy Film Nights. Ergänzungen erwünscht.

  • UMWELT Skift: Australian Companies Agree to Stop Dumping Waste in Great Barrier Reef Wins: Die australische Regierung wird das Abladen von Müll am Great Barrier Reef verbieten. Umweltschützer hatten letztes Jahr eine offizielle Beschwerde eingereicht, da es der North Queensland Bulk Ports Corp. gestattet wurde, ihre Abfälle in der Nähe des Riffs zu entsorgen. Ports Australia missbilligt den Entschluss der Regierung, dieser würde die nationale Wirtschaft schwächen, heißt es.

  • CEBIT t3n: Smile To Pay: Bei Alibaba bezahlt der Nutzer künftig mit einem Lächeln: Auf der CeBIT 2015 hat der CEO der chinesischen Firma Alibaba ein neues Feature vorgestellt, mit dem das Bezahlen vom Handy einfacher werden soll. Es handelt sich hierbei um eine Gesichtserkennung, welche dem Dienst den Namen „Smile To Pay“ einbrachte. Die Funktion soll in Alibabas E-Payment-Dienste eingegliedert werden und wird vorerst wohl nur in China zu verwenden sein.

  • WINDOWS 10 Spiegel Online: Datenleck verrät Details der nächsten Windows-10-Version: Im Internet ist inoffiziell die neuste Version des Microsoft-Betriebssystem Windows 10 aufgetaucht. Die Benutzeroberfläche wurde überarbeitet. Um die Nutzer zum Testen vieler Funktionen zu animieren, werden Punkte für absolvierte Tests verteilt. Somit gleicht das System einem einfachen Computerspiel. Außerdem wurde die Spracherkennung der virtuellen Assistentin Cortana verbessert und System-Updates können zukünftig über ein Peer-to-Peer-Verfahren heruntergeladen werden.

  • KINO Berliner Filmfestivals: Vampire, Wölfe und die „deutsche Angst“: Am 21. und 22. März 2015 finden in Berlin die Fantasy Filmfest Nights statt. Hier werden Nachts mehrere Indie-Horrorfilme gezeigt. Im Programm befinden sich unter anderem Filme wie Automata, welcher sich mit Androiden und künstlicher Intelligenz befasst, CUB, in dem eine Gruppe von jungen Pfadfindern von einem Wolf gejagt wird, oder „A girl walks home at night“, ein in schwarz-weiß gedrehter Vampirfilm.

  • JOURNALISMUS Deutschlandradio Kultur: „Lügenpresse“ und Co. – Warum die Medien am Pranger stehen: Journalisten und Medien werden schon seit jeher kritisiert, doch in den letzten Jahren wurde die Kritik zunehmend verschärft. Nicht selten fallen Begriffe wie „Lügenpresse“ oder sogar „Manipulation“. Als einen aktuellen Grund hierfür sieht man die Berichterstattung über die Ukraine-Krise, mit welcher viele Menschen unzufrieden waren. Doch auch andere Beispiele wie TV-Beiträge über eine „Charlie Hebdo“-Demo oder auch das Thema der NSU-Morde werden verantwortlich gemacht.

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TZOA – Enviro-Tracker schärfen Bewusstsein für Umwelt

Das amerikanische Startup-Projekt TZOA will den Wearable-Markt mit einem so genannten „Enviro-Tracker“ aufmischen. // von Jonas Haller

TZOA (Bild: Pressematrial von TZOA)

Fitness-Tracker sind für viele aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Die kleinen Helferlein dokumentieren jeden kleinsten Schritt und verraten Details über die physische Leistungsfähigkeit. So können wir unsere Gesundheit besser kontrollieren, suggerieren uns die Marketing-Abteilungen. Doch wie steht es um äußere Einflüsse, die wir oft kaum wahrnehmen können? Ein amerikanisches Startup-Unternehmen schickt sich an, unsichtbare Gefahren auf dem Smartphone anzuzeigen und gegebenenfalls zu warnen.

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Wie das Berufspendeln bekämpft werden kann

17 Millionen Menschen kommen in Deutschland am Tag auf die Strecke zur Sonne und zurück. Vom täglichen Irrsinn des Berufsverkehrs. Früher haben sich die Menschen – mangels Verkehrsmittel – ihre Arbeit dort gesucht, wo sie lebten: „Im Jahr 1900 verließ gerade einmal jeder zehnte Erwerbstätige auf dem Weg zur Arbeit seinen Wohnort. Vor 60 Jahren war es noch jeder vierte. Heute verlassen 60 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ihre Gemeindegrenze, um zu arbeiten – in Deutschland sind das über 17 Millionen Menschen“, schreibt „Zeit“-Redakteur Claas Tatje. 67 Prozent der Berufspendler fahren mit dem Auto zur Arbeit, versauern im Stau, belasten die Umwelt und ärgern sich über den Verlust an Lebensqualität. Der durchschnittliche Besetzungsgrad im Berufsverkehr liegt nach Analysen des Umweltbundesamtes bei rund 1,2 Personen pro PKW und ist damit der niedrigste aller Fahrtzwecke. 8,5 Millionen sind täglich länger als eine Stunde unterwegs. Rund sechs Millionen fahren mehr als 25 Kilometer zu ihrem Arbeitsplatz.

Allein Letztere bringen es – alle zusammengerechnet – am Tag auf die Strecke zur Sonne und zurück. Und obwohl viele von ihnen leiden, sucht kaum ein Unternehmen nach Antworten auf die Frage, wie es seinen Pendlern das Leben erleichtern könnte, damit sie gesund bleiben und vor allem entspannt“, so Tatje. Dabei läge es doch im Interesse der Wirtschaft, Lösungen für die Folgen des täglichen Pendelwahnsinns zu finden. Arbeitgeber stellen Kindergartenplätze, bieten Genderseminare an, bemühen sich um den Betriebssport und legen Programme für die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter auf. Doch kaum einer macht sich in den Führungsetagen ernsthafte Gedanken, wie man die Belastungen im Berufsverkehr reduzieren könnte.

Die Macht der Berufspendler

Täten sich alle Pendler in Deutschland zusammen, dann würden sie mehr Stimmen auf sich vereinen, als CDU und SPD zusammen bei der Europawahl erreichen werden, sie hätten mehr politischen Einfluss als der ADAC und eine größere Kaufkraft als alle Rentner. Pendler sind eine sehr unterschätzte Macht am Arbeitsmarkt. Und eine sehr unzufriedene. Der durchschnittliche Berufstätige verabscheut nämlich nichts so sehr wie den Weg ins Büro“, führt der „Zeit“-Wirtschaftsredakteur weiter aus, der zu diesem Thema ein Buch geschrieben hat, das Ende Mai erschienen ist: „Fahrtenbuch des Wahnsinns – Unterwegs in der Pendlerrepublik.

Viele Organisationen könnten Abhilfe schaffen:

Für nahezu alle Berufszweige und jede Unternehmensgröße stehen Technologien zur Verfügung, um Arbeit intelligenter zu organisieren. Video und Mobilität sind dabei entscheidende Treiber. Durch die Videotechnologie bekommt die Kommunikation eine ganz neue, persönlichere Qualität. In kürzester Zeit hat sie sich im privaten Bereich durchgesetzt und greift nun auch immer stärker auf die Geschäftswelt über. Dank mobiler Lösungen können via Internet dezentrale Arbeitsplätze organisiert werden. Arbeitszeiten lassen sich leichter von der Rush Hour entkoppeln, die Präsenz in Unternehmen ist seltener notwendig. Beide Aspekte können sich positiv für Berufspendler auswirken“, so die Empfehlung von Jürgen Signer, Deutschlandchef von Aastra, Spezialist für Kommunikationstechnologien.

Der Boss steht nicht im Stau

Marketing-Professoren prognostizierten schon in den 1980er-Jahren ein Ende der Dienstreisen als die ersten noch recht umständlichen und teuren Systeme für Videokonferenzen in den Vorstandsetagen eingeführt wurden.

Heute könnten komplette Abteilungen und selbst Universitätsvorlesungen über Cloud-Technologien organisiert werden. Dennoch dominiert weiterhin das Dogma der Präsenz in Organisationen von Wirtschaft und Staat. Tätje erwähnt in seinem Pendler-Opus die Arbeitspsychologin Antje Ducki, die die betriebliche Mikropolitik untersucht hat: „Je mehr ich mich im Unternehmen zeige, desto eher spiele ich dabei mit. Hier ein kleines Lächeln, dort ein Plausch auf dem Flur und jeden Mittag eine Verabredung zum Essen.“

Karriere wird mit Sichtbarkeit am Arbeitsplatz gleichgesetzt. Diese Illusion hegen und pflegen zumindest viele Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Fast alle Chefs sehen keinen Vorteil darin, wenn sich Pendler – wann immer möglich – selbst die Arbeitszeit einteilen. Amerikanische Wissenschaftler veröffentlichten im Blog der „Harvard Business Review“ eine Untersuchung darüber, welche Mitarbeiter bei ihren Chefs am beliebtesten sind. Das Ergebnis: Wer früh um 7 Uhr anfängt, schneidet in der Gunst der Vorgesetzten besser ab als einer, der den exakt identischen Job um 11 Uhr antritt. „Der Boss steht ja nicht im Stau. Und wenn, dann in der klimatisierten Limousine“, so Tätje.

Zentralisierung nimmt zu, Ballungszentren überlastet

Begleitet wird das Credo „Nur wer im Büro sitzt, arbeitet auch“ vom Trend zur Zentralisierung. Der „Zeit“-Redakteur nennt einige Beispiele: Etwa Verlage wie Gruner & Jahr, die Zeitschriftenredaktionen zur Verlagszentrale nach Hamburg umsiedeln. Selbst Kirchen zentralisieren wie etwa das Diakonische Werk, das mit dem Evangelischen Entwicklungsdienst zum Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung fusionierte und nur noch in Berlin stationiert ist. Obwohl fast jeder technologisch so ausgestattet ist, um mit seinem Laptop dezentral zu arbeiten, gibt es immer weniger Beschäftigte, die überwiegend oder manchmal von zu Hause arbeiten, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung nachgewiesen hat: Seit 2008 ist die Zahl dieser Erwerbstätigen um 800.000 zurückgegangen, obwohl die Zahl der Beschäftigten insgesamt um 1,5 Millionen angestiegen ist.

Die Ballungszentren werden voller und teurer, ländliche Regionen hingegen verlieren Unternehmen und Arbeitskräfte. Bislang hat man diese Entwicklung nur in Ostdeutschland vermutet, mittlerweile gibt es diese Entwicklung auch in Westdeutschland. Es ist also ein generelles Problem, dass manche Regionen regelrecht ausbluten, da die Überalterung zusätzlich damit verbunden ist, dass die jungen und mobilen Leute diese Regionen verlassen.

Wenn Arbeitsministerin Andrea Nahles den Abschied vom Anwesenheitswahn in Unternehmen fordert, sollte Infrastruktur-Minister Alexander Dobrindt schleunigst mit Taten folgen. Wir sollten es für eine Industrienation technisch uneingeschränkt können und müssen die Arbeit dort hinbringen, wo die Menschen leben. Gerade für dezentrales Arbeiten als Cloudbelegschaft in räumlich verteilten Teams brauchen wir eine Breitbandigkeit, die diesen Namen auch verdient. Strukturschwache Regionen muss man mit einer besseren digitalen Infrastruktur aufwerten“, fordert Thomas Dehler vom Berliner Dienstleister Value5.

Ein Teufelskreis: „Jene Regionen, in denen Firmen abwandern oder Nachwuchskräfte das Dorf oder den ländlichen Raum verlassen, büßen entsprechend Steuer- und Gebühreneinnahmen ein. Es fehlen Finanzmittel, um Infrastruktur zu finanzieren. Eine Kommune kann diese Beträge dann nicht mehr selber stellen“, erläutert Dehler.

Kompetenz für Distanz-Management entwickeln

Wer Vertrauen in die eigenen Mitarbeiter habe, kann sich auch mehr mit den Möglichkeiten dezentraler Arbeit beschäftigen. Es gebe inzwischen viele Instrumente, Teams virtuell zu führen und stärker am Ergebnis zu messen als an der Präsenz im Unternehmen.

Wer mehr Autonomie über Zeit und Ort in der Arbeitswelt zulässt, erhöht extrem die Zufriedenheitswerte bei Mitarbeitern. Wer weniger Zeit im Berufsverkehr verbringt, ist ausgeglichener und kann sich mehr um seine sozialen Kontakte kümmern“, betont Dehler.

Räumlich verteiltes Arbeiten sei technologisch lösbar. Kompetenzen im Distanz-Management könne man lernen: „Jeder weiß aus eigener Erfahrung, dass die Anwesenheit im Büro nicht gleichgesetzt werden kann mit guter Arbeit. Wenn diese Erkenntnis in der Wirtschaft wächst, ist ein erster Schritt getan, um die Belastungen für Berufspendler zu reduzieren“, so die Erfahrung von Dehler.

Nachweisbare Medienkompetenz sollte nach Ansicht von Josephine Hofmann vom Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO deshalb zu einem zentralen Auswahlkriterium für Führungs- und Koordinationsaufgaben avancieren und auch bewertbare Größe in Führungssystemen werden.

Wenn wir uns vom Status der Pendlerrepublik verabschieden wollen, reichen Placebo-Maßnahmen wie Shuttle-Services, Fahrgemeinschaften oder der Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel nicht aus. Insofern sind die Mobilitätskonzepte der liebwertesten Gichtlinge von Umweltbundesamt und Verkehrsministerium etwas kurzatmig, da sie nur den Umstieg auf Bahn, Bus oder Fahrrad empfehlen.

Wir müssen die Arbeit zu den Mitarbeitern bringen und dürfen Arbeit nicht mit Anwesenheit verwechseln. Um den Stress des Pendelns für Mitarbeiter zu reduzieren, sollten die Ursachen und nicht die Symptome bekämpft werden. Jeder nicht gefahrene Kilometer entlastet den Verkehr, senkt die Emission von klimarelevanten Treibhausgasen um 141 Gramm pro Personenkilometer und macht Menschen stressfreier.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf The European.

 

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Nun beschlossen: Einheitliche Ladekabel kommen 2017

Das EU-Parlament hat am Donnerstag über einheitliche Ladekabel für Smartphones und Tablets abgestimmt: Ab 2017 gilt die neue Regelung. Nachdem eine freiwillige Vereinbarung der Gerätehersteller für gemeinsame Standards bei Ladegeräten von Smartphones und Tablets gescheitert ist, hat das EU-Parlament nun entschieden, dass ab 2017 in allen neuen Geräten ein und dieselben Anschlüsse verbaut werden müssen. Dies ist nicht nur gut für die Verbraucher, sondern auch für die Umwelt. Für die Unternehmen wird das erst einmal mühsam, denn sie müssen sich nun auf gemeinsame Standards einigen.

Freiwillige Vereinbarung ist gefloppt

Man kann sich die Gesichter der Chefs von Apple, Samsung und diverser anderer Smartphone-und Tablet-Hersteller nur zu gut vorstellen, nachdem das Ergebnis der EU-Abstimmung über einheitliche Ladekabel am Donnerstag bekanntgegeben wurde. Eine Überraschung gab es zwar nicht, das Ergebnis dürfte den Verantwortlichen dennoch nicht schmecken: Ab 2017 müssen alle Smartphones und Tablets mit ein und demselben Ladekabel kompatibel sein. Das bedeutet de facto: Kein überflüssiger Elektroschrott mehr, weniger Kabelsalat in der Reisetasche und einige Umstellungen für die Hersteller.

Eine freiwillige Vereinbarung unter den meisten Smartphone-Herstellern gibt es schon länger. Gehalten hat sich daran leider nicht so wirklich jemand. Im Gegenteil: Apple hat seinen 30-Pin-Anschluss mit dem iPhone 5 gleich noch mal verändert, so dass alle Nutzer von alten iPads oder Dockingstationen nicht umher kamen, Adapter oder zu kaufen. Selbiges passierte dann wenig später auch mit der neuen iPad-Generation.

Immerhin haben sich die Kabelsalatverantwortlichen dann mal darauf geeinigt, dass die Kabel an einer Seite immer einen USB-Anschluss haben müssen. So kann der Käufer wenigstens auf nur einen Adapter seitens der Steckdose bauen und jedes Ladekabel an diesen Adapter anschließen. Das ist etwas, aber sicher alles andere als der große Wurf.

51.000 Tonnen Elektromüll pro Jahr sollen eingespart werden

Nun hat das EU-Parlament endlich abgestimmt und eine feste Regelung vereinbart. In drei Jahren werden die Hersteller dazu gezwungen, in alle ab da an verkauften Geräte einen einheitlichen Anschluss zu bauen. Nun besteht die Herausforderung darin, alle Hersteller an einen Tisch und zu einer Lösung zu bewegen. In Anbetracht der angespannten Stimmung zwischen den mit Patentstreits beschäftigten Unternehmen ist das sicher keine so einfache Aufgabe – man denke da nur mal an Apple und Samsung, die sich seit jeher um jeden Millimeter Smartphonefläche streiten. Wenigstens ist die EU-Kommission bei den Verhandlungen und Beratungen involviert.

51.000 Tonnen Elektromüll pro Jahr sollen durch die Neuerungen eingespart werden. Wie genau das ablaufen wird, ist aber noch nicht ganz klar. Schließlich müssten die Kunden gezielt auf die Ladekabel verzichten, wenn sie diese bereits haben. Und das würde bedeuten, dass die Hersteller die Smartphones künftig nur noch ohne Ladekabel ausliefern können. Ansonsten spielt es ja keine Rolle, ob man nun acht verschiedene oder acht einheitliche Ladekabel in der Schublade liegen hat. Offene Fragen gibt es also noch einige, insbesondere zur Infrastruktur und der Einigung der Unternehmen.

Zwei Jahre Zeit für nationale Gesetze

Rein juristisch muss nun noch der Europarat über den Gesetzesentwurf abstimmen. Die einzelnen Mitgliedstaaten sind dann dazu verpflichtet, innerhalb von zwei Jahren entsprechende nationale Gesetze einzuführen. Anschließend haben die Smartphone- und Tablet-Hersteller noch ein Jahr Zeit, sich – insofern das bis dahin nicht schon passiert ist – auf die Neuerungen einzustellen und sie umzusetzen.

Das EU-Parlament hat also endlich ein Machtwort gesprochen, das über die halbherzige freiwillige Vereinbarung der Hersteller hinausgeht. Den Kunden wird es freuen, die Umwelt auch. Einzig manche Hersteller werden wohl ein wenig Mühe mit der Umstellung und dem dadurch fehlenden Alleinstellungsmerkmal (siehe Apple) haben.


 


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CULTURE&VIDEO TIPPS vom 13. September

GRÜNES TIERLEBEN: Böhmermann schlägt zurück

Die Vorgeschichte: Die Grünen produzieren einen Wahlspot, in dem der skurrile Ansager aus der Talkshow Roche & Böhmermann, William Cohen, einen Tierforscher spielt. Mit der bekannten Stimme charakterisiert er die Gemeine Hausschnecke, meint aber eigentlich – hahaha – die Politiker der schwarz-gelben Koaltion. Schon vor drei  Wochen habe ich mich an dieser Stelle über die Einfallslosigkeit und Berechnung des Spots geärgert. Womt ich nicht gerechnet habe: Jan Böhmermann schlägt zurück. In einer (zugegeben, ein bisschen anstrengend inszenierten) Terrorvideo-Persiflage kündigt er die „Wiederherstellung der parteipolitischen Neutralität William Cohens“ an, während der Sprecher selbst im Hintergrund schluchzt. Dafür wurde ein neuer Spot gedreht und in fünf Versionen jeweils mit den Logos anderer Parteien versehen. Der Forscher alias William Cohen beschreibt nun die „gemeine Filzlaus, besser bekannt als grüne Sackratte“ (die einzelnen Spots gibt es hier, hier, hier, hier und hier). Wem das zu kompliziert, der kann alles nochmal im ehrlich wütenden Brief Böhmermanns an „das Internet“ unter dem Video nachlesen. Fakt ist: Besser kann man „Wer anderen eine Grube gräbt…“ nicht umsetzen. Böhmermann gelingt ein einzigartiger Fernsehstreich.

BERICHT AUF GROSSER BÜHNE: Die Geschichte meiner Geisteskrankheit

Wer auf einer TED-Konferenz redet, spricht nicht nur das Publikum im Saal an. Manche Aufzeichnungen sind virale Hits geworden, seit die Organisatoren der berühmten Wissenschaftsmeetings angefangen haben, die Vorträge auf Ihre Webseite zu stellen. Inzwischen ist die Präsentation im Netz Teil des Konzepts und die Marke TED ein großer Gewinner, wenn Momente wie dieser geschehen. Die Rechtswissenschaftlerin Elyn Saks erzählt von ihren eigenen Erfahrungen mit Schizophrenie. Das ist lehrreich und bewegend für alle, in deren Leben die Krankheit keine Rolle spielt. Und ein Segen für die Betroffenen.

BEZAUBERND: What is Love?

Die Liebe hat bei einem TED-Symposium bestimmt auch schonmal eine Rolle gespielt. Doch auch wenn die Annährung der Wissenschaft an populäre Felder dort offensichtlich zum guten Ton gehört, am Besten ist das Thema da aufgehoben, wo es hingehört: in die Kunst. Wie anders ist es zu schaffen, Elend und Gloria der zwischenmenschlichen Begegnung in drei Minuten zu erzählen. Bitte anschnallen.

ERSCHRECKEND: MAN

Der kurze Comic-Clip, ob es um Liebe oder die Umwelt geht, ist ohne das Internet kaum vorstellbar. Auf der Plattform für Filmemacher Vimeo, vielmehr noch als zum Beispiel bei Youtube, finden sich Unmengen an meist lustigen kleinen Filmchen. Viele davon mit einer Aussage. Wie dieser hier: Die Geschichte der Menschheit und ihrer Beziehung zur Umwelt. Ähnlich wie bei dem Liebes-Video fliegt die Zeit am Zuschauer vorbei, eine Stufe der Zerstörung unseres Lebensraumes durch ein kleines Comic-Männchen (das sind wir) nach der anderen. Traurig.

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Video: A Story of Broke

Teil 2 der Story-of-Stuff-Videoreihe „A Story of Broke“:

The United States isn’t broke; we’re the richest country on the planet and a country in which the richest among us are doing exceptionally well. But the truth is, our economy is broken, producing more pollution, greenhouse gasses and garbage than any other country. In these and so many other ways, it just isn’t working. But rather than invest in something better, we continue to keep this ‚dinosaur economy‘ on life support with hundreds of billions of dollars of our tax money. The Story of Broke calls for a shift in government spending toward investments in clean, green solutions – renewable energy, safer chemicals and materials, zero waste and more -that can deliver jobs AND a healthier environment. It’s time to rebuild the American Dream; but this time, let’s build it better.

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VIDEOTIPP: Eating Fish!

Netzpiloten Videotipp

Heute gibt es einmal ein paar Daten und Fakten wie es um die Sicherung des globalen Fischverzehrs steht. Gleichzeitig möchte ich euch die ernst gemeinte Frage stellen – Was kann man überhaupt noch bedenkenlos essen? Gibt es bei der Bevölkerungsentwicklung überhaupt noch die Chance auf umweltverträgliche Nahrungssicherung?

Das Video gibts nach dem Klick!

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