All posts under transparenz

Ungewisse Zukunft: Wie verändern Roboter unser Leben?

Andy Kelly - unsplash com

Sie sprechen viele verschiedene Sprachen, können Daten auswerten, stabile Prognosen aufstellen, Emotionen simulieren und diese auch in Menschen erwecken – humanoide Roboter. Ob als Assistenten bei der Kindererziehung, der Altenpflege, dem Hotelempfang oder einfach als Alltag-Simplifizierer, sie scheinen allmählich Einzug in unser Leben zu nehmen. Werden humanoide Roboter in Zukunft nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken sein?

„Am Schluss werden wir alle erkennen, dass jeder von uns ein ‘Algorithmus’ ist.”

Der mittelfristige Wunsch vieler Roboterentwickler ist das Integrieren der Humanoide in den Alltag. Dies dient dem Zweck der Abnahme von lästigen alltäglichen Aufgaben, aber auch der emotionalen Interaktion zwischen Mensch und Maschine. Die menschenähnlichen Maschinen befinden sich immer in Menschennähe und können deren Handlungen stets speichern und auswerten. Somit kann die Transparenz des Menschen vollends verloren gehen, so Professor Rademacher von der Universität Ulm. Dank der ständigen Datensammlung und Auswertung der menschlichen Handlungen, sowie dem Bezug auf große Datenbanken könne jeder Mensch für die Maschine vorhersehbar und leicht durchschaubar werden. Professor Rademacher ist sogar der Meinung: “Am Schluss werden wir alle erkennen, dass jeder von uns ein – wenn auch höchst komplexer, hochgradig individueller und in seinem Verhalten nicht prognostizierbarer – ‘Algorithmus’ ist”. So kann wahrscheinlich, mit dem Einzug der humanoiden Roboter in unser Leben, jeder Mensch zu einem kontinuierlich Informationen an große, kapitalistische Konzerne gebendes Rädchen eines riesigen Systems werden.

Gefährdung des sozialen Zusammenlebens

Bisher waren die Menschen, um Einsamkeit zu bekämpfen oder dem narzisstischen Trieb nach Anerkennung nachzugehen, auf die Interaktion mit anderen Menschen angewiesen. Dies kann sich stark ändern, wenn der technisch perfekt entwickelte Humanoide bei uns einzieht: Er urteilt nicht über uns, hat keine Erwartungen, kann explizite und auf uns zugeschnittene Informationen geben und sogar humane Gefühle erkennen und simulieren. Der humanoide Roboter, um ein Beispiel zu nennen, fürchtet sich bei Dunkelheit. Wie verändert dieses menschliche Verhalten die Interaktion zwischen Mensch und Maschine? Martin Vesper, Chief Executive Officer bei digitalSTROM, ist der Meinung, dass zwar die Roboter für soziale Zwecke genutzt werden, jedoch keineswegs die Mensch-zu-Mensch-Interaktion dadurch in die Brüche gehen werde.

Auch “Rabeneltern” bekommen durch die voranschreitende Technologie die Möglichkeit, die Erziehung ihrer Kinder nahezu vollständig einer Roboter-Nanny zu überlassen. Mit dieser möglichen Gefahr haben sich bereits viele Wissenschaftler beschäftigt. Der britische Informatik-Professor und Ethiker Noel Sharkey schlägt vor, den Roboter mit einer Fläche zu versehen, auf die ein Elternteil regelmäßig ihre Hand legen muss. So könne gewährleistet werden, dass Elternteile sich stets in unmittelbarer Nähe befinden. Und wenn die haptische Legitimation ausfalle, schlage der Roboter Alarm, führt Sharky weiter aus.

Die Interessen der Hersteller

Humanoide erfüllen mittlerweile die technischen Voraussetzungen für sehr viele Fähigkeiten – jedoch hängt die tatsächliche Ausführung der Aufgaben von der Programmierung durch die Hersteller ab. Da stellt sich die Frage: Was genießt höheren Stellenwert in den Großkonzernen – die Ethik oder die Gewinnmaximierung? Ist es wichtiger, die Privatsphäre und die Intransparenz der Individuen zu wahren, oder stetig Daten zu sammeln und damit die Technik und den Kapitalismus voranzubringen? Martin Vesper vertritt die Meinung, jedes Unternehmen sei verpflichtet, dem Grundgesetz Folge zu leisten. Es liege in ihrer Verantwortung, die Roboter gemäß den Grundrechten zu programmieren und somit die Interessen der Hersteller und der Konsumenten zu vereinen.

Die Frage nach der Wohlstandsverteilung

Eine weitere, mögliche Konsequenz der fortschreitenden Robotik und der Einsetzung Humanoider in das gesellschaftliche Leben kann der schwindende Bedarf an hochqualifizierten Arbeitskräften, gerade in den beratenden Bereichen der Wirtschaft und Medizin, sein. Dies birgt zum einen die Gefahr der Arbeitslosigkeit – gerade bei den gut bezahlten Jobs. Zum anderen stellt sich die Frage nach der Wohlstandsverteilung: Bereits Reiche und oft auch dadurch Arbeitgebende können sich den Kauf von technisch hochentwickelten Robotern leisten und sie in vielen Arbeitsbereichen einsetzen. Viele Menschen können durch Roboter ersetzt werden und verlieren ihre Arbeitsplätze. Eine mögliche Konsequenz dieser spekulativen Entwicklung könnte das Wegfallen der Mittelschicht und das Erstarken der Oberschicht sein. Die Schere zwischen Arm und Reich würde aufklaffen und das Machtmonopol sich bei den Reichen zentrieren. “Wir müssen Dinge anpassen, ohne Zweifel, sonst haben wir solche Konsequenzen”, meint Martin Vesper. Er hält das Problem für schwierig, jedoch für lösbar.

Die dritte Welle der Digitalisierung stellt uns zweifelsohne vor neue, bisher nicht gekannte, Herausforderungen. Sie zeigt uns, dass der technische Fortschritt nicht stagniert, sondern neue Dimensionen annimmt. Und wir müssen uns fragen: Wie gehen wir damit um? Verschließen wir uns vor der Weiterentwicklung oder leisten wir einen aktiven Beitrag zur Zukunftsgestaltung? Der Tenor ist: Es gilt, sich den Veränderungen zu stellen, mögliche Vor- und Nachteile zu diskutieren und ethisch vertretbare Lösungsansätze anzubieten. Ratsam sind hierbei die Auseinandersetzungen auf verschiedenen Ebenen und somit die Sensibilisierung möglichst vieler Menschen.

Wie werden humanoide Roboter unsere Wahrnehmung und unser Verhalten verändern? Wie werden sie unseren sozialen Zusammenhalt beeinflussen? Und wie weit wollen wir sie in unser Leben integrieren? Diesen und weiteren Fragen zur Digitalisierung geht die Ethik-AG der Initiative D21 seit einem Jahr bei regelmäßigen Treffen nach.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Politik-Digital.de. Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Andy Kelly / unsplash.com

Weiterlesen »

Influencer-Marketing – aber bitte mit Kennzeichnung!

Influencer-Marketing Photographing a donut (adapted) (Image by Callie Morgan [CC0 PublicDomain] via Unsplash)

Ich bin durch und durch Millennial, auch was Social Media angeht. Als ich neulich einen Laden für Heimausstattung besuchte und dort einkaufte, wurde ich derart massiv beschenkt, dass ich mich für soviel Freundlichkeit gerne mit einem kleinen Tweet bedankt hätte. Ich fragte mich allerdings auch, ob ich diesen Tweet schon als Werbung kennzeichnen sollte – die aktuelle Debatte um Werbung durch Influencer hatte ihre Spuren hinterlassen. Bisher verliefen die Grenzen zwischen Influencer-Marketing und Schleichwerbung fließend. Jüngste Gerichtsurteile, wie das von Rossmann, laut dem die Kennzeichnung mit dem Hashtag #ad nicht als Kennzeichnung ausreicht – es droht Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro – oder der Eklat um Lena Meyer-Landruts ungeschickte Werbekampagne für die Deutsche Telekom, müssen der Branche zu denken geben.

Trends im Influencer-Marketing

Influencer-Marketing macht inzwischen durchschnittlich sieben Prozent des klassischen Marketing Mix aus. Schon 2015 gaben rund 84 Prozent der Marketiers an, in den kommenden zwölf Monaten mit Influencern arbeiten zu wollen. Der langfristige Trend geht dabei in Richtung Micro-Influencer, denn die sind mit durchschnittlich 2,7 Prozent Engagement oft effektiver als Influencer mit großer und recht diffuser Followerschaft. Die Frage, wo persönliche Überzeugung aufhört und Werbung anfängt und damit das Thema rechtlich saubere Kennzeichnung von Werbebotschaften wird uns in den nächsten Jahren also alle immer wieder beschäftigen. Was gilt es nun zu bedenken?

Die Hauptverantwortung liegt beim Influencer

Das größte Risiko beim Influencer-Marketing trägt der Influencer selbst, denn erst seine Glaubwürdigkeit bei den Fans macht ihn zu dem, wofür ihn Marketiers schließlich engagieren. Geht die Reputation den Bach runter, weil Postings für Unternehmen wie Schleichwerbung – oder im Fall von Lena, wie ein sehr, sehr großer Fettnapf – wirken, dann darf man nicht nur die Kampagne getrost als gefloppt bezeichnen, sondern ebenfalls den Ruf des Influencers als ruiniert.

Aber auch auf juristischer Ebene sind die Influencer die erste Adresse, wenn es um Abmahnungen, Bußgelder und Unterlassungserklärungen geht. Da wäre zunächst §5a UWG, das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, der die klassische Definition unerlaubter Schleichwerbung liefert:

Unlauter handelt, wer den kommerziellen Zweck einer geschäftlichen Handlung nicht kenntlich macht, sofern sich dieser nicht unmittelbar ergibt, und das Nichtkenntlichmachen geeignet ist, den Verbraucher zu einer geschäftlichen Handlung zu veranlassen, die er andernfalls nicht getroffen hätte.

Allerdings ist von verbotener Schleichwerbung nur dann auszugehen, wenn der Influencer tatsächlich einen kommerziellen Zweck mit der Produktbesprechung oder -platzierung verfolgt, also der Zweck seines Posts auf Verkauf gerichtet ist. Aber auch der Rundfunkstaatsvertrag (§§7, 58), das Telemediengesetz (§ 6 Abs.1 Nr. 1) sowie der Pressekodex (Ziffer 7) verlangen eine klare Trennung von journalistischen und kommerziellen Inhalten. Und das war erst der nationale Teil: Auf EU-Ebene ist bereits eine neue Richtlinie für audiovisuelle Mediendienste auf dem Weg, die das Thema Kennzeichnungspflicht in sozialen Medien ebenfalls befeuert. Jeder vernünftige Influencer wird sich zukünftig rechtlich absichern wollen.

Wie seriös sind solche Unternehmen?

Es muss jedoch in beiderseitigem Interesse liegen, dass bezahlte Kooperationen eindeutig als solche zu erkennen sind, denn sonst ist es eben sehr weit her mit der authentischen Produktempfehlung und der reichweitenstarken Kampagne. Leider versuchen Unternehmen immer wieder, den werbenden Charakter eines kommerziellen Beitrages zu verschleiern. Der Blogger Henning Uhle hat dazu gerade einen deutlichen Standpunkt geteilt. 

„Bitte verfassen Sie einen Artikel zu Thema XYZ. Der Artikel darf nicht als Werbung gekennzeichnet sein.“ – Solche Anfragen bekommt man manchmal als Blogger. Mir konnte aber noch nie eine der anfragenden Leute irgendwie klar machen, wieso man einen beauftragten Artikel nicht als Werbung kennzeichnen soll. Will man in meinem Blog etwa Schleichwerbung machen? Angeblich so seriöse Firmen wollen mich dazu bringen, das Gesetz zu beugen oder gar zu brechen? Schämt euch mal ein paar Takte lang.

Und dann einfach nie wieder fragen. Sondern im besten Fall den Influencer von Anfang an darum bitten, seine Posts eindeutig zu kennzeichnen!

Do’s und Dont’s beim Influencer-Marketing

Wenn also geklärt wäre, dass eine Kooperation immer erkennbar sein sollte, stellt sich nun die Frage, wie das rechtlich konform auszusehen hat. Spätestens seit dem Rossmann-Urteilt steht fest, dass man weder mit “sponsored by“ noch mit einem #ad ausreichend rechtssicher handelt. Die ganz sicheren Varianten lauten #Werbung oder #Anzeige, wie hier Edition F ihren bezahlten Content auf Twitter kennzeichnet.

 

 

Formulierungen wie “im Auftrag von“, „mit freundlicher Unterstützung von“ oder “unterstützt durch Produktplatzierungen“ genügen ebenfalls. Sie klingen doch etwas weniger werblich, aber transparent genug, um etwaige Irreführung des Konsumenten auszuschließen. Authentisch und transparent wäre auch: “Danke an soundso! Ihr stellt mir dieses Produkt zur Verfügung und ich kriege sogar Geld dafür!“. Einen guten Überblick zur Kennzeichnung von Werbung in Social Media liefern zudem die aktuellen FAQ der Landesmedienanstalten.

Professionelle Influencer gehen ganz sicher und kennzeichnen trotz neuem Instagram-Tool ihre Markenposts als #Anzeige. So bleiben alle Seiten glaubwürdig – die Voraussetzung für erfolgreiches Influencer-Marketing.

Nicht zuletzt bemühen sich auch die Social-Media-Plattformen selbst um transparente Werbepraktiken. So bietet die Facebook-Tochter Instagram ihren Nutzern seit kurzem das Branded-Content-Tool zur Kennzeichnung von bezahlten Inhalten. Was genau mit “bezahlter Inhalt“ gemeint ist, ist damit aber nicht abschließend geklärt. Ob eine Fülle an Geschenken genügt oder Geld geflossen sein muss, bleibt offen.

Transparenz ist alles

Deshalb sollte die Devise sowohl für Influencer als auch für Marketiers klar sein. Sie sollten mit größtmöglicher Offenheit und Transparenz auf die User zuzugehen. Das Verständnis und die Akzeptanz der Nutzer für bezahlte Postings dürfte sofort vorhanden sein, wenn die nervigen Werbebanner und ewig vorbei zielenden Targeting-Kampagnen dafür endlich weniger würden.


Image (adapted) „Photographing a donut“ by Callie Morgan (CC0 Public Domain)


Weiterlesen »

Fake News: „Soziale Medien sind Emotionsmedien“

Browser Fake News (adapted) (Image by Pexels) (CC0 Public Domain) via Pixabay

Fake News. Der Begriff ist den meisten mittlerweile bekannt, aber definitiv kein ausschließlich aktuelles Phänomen. Die Bezeichnung Fake News gibt es schon seit dem 19. Jahrhundert, aber seit einigen Jahren ist der Begriff aus der Internet und Nachrichtensprache kaum noch wegzudenken. Gründe dafür sind besonders soziale Medien und die Berichterstattung um den US-Präsidenten Donald Trump, der in seinem Wahlkampf öfter mit „alternativen Fakten“ argumentierte.

Nun gibt es Internetseiten, mit welchen man selbst eine Nachrichtenmeldung fälschen kann. Facebook hat kürzlich angekündigt, dass die Seiten, die Falschmeldungen verbreiten, den Zugang zu Werbung verbieten. Das ist ein weiterer Schritt des sozialen Netzwerks im Kampf gegen Fake News.

Aber wie gefährlich sind Fake News für unser Mediensystem und was können Nutzer tun, um Fake News aus dem Weg zu gehen? Darüber haben wir mit der Journalistin und Fernsehproduzentin Michaela Hummel gesprochen.

Doclights_Michaela Hummel
Michaela Hummel / Doclights

Sie entwickelte und produzierte verschiedene Factual-Entertainment-Formate und Dokumentationen, wie die Dokumentation „Auf der Flucht“ für die sie mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde. Weitere Produktionen sind u.a. der ZDFdonnerstalk mit Dunja Hayali, die NDR-Reportagen mit Judith Rakers, die ZDFneo Dokumentation „Der Rassist in uns“. Ihr neustes Projekt dreht sich rund um das Thema Fake News.

Frau Hummel, sie haben gerade in Zusammenarbeit mit Sascha Lobo die Dokumentation, der offizielle Titel ist Social Factual, ein Einzelstück „Manipuliert“ mit dem Thema Fake News produziert. Haben sie sich davor bereits intensiv mit dem Thema beschäftigt?

Ich habe mich schon seit Jahren mit dem Thema Fake News beschäftigt, was auch einen privaten Grund hat. Ich habe einige Jahre in den USA gelebt und ein Teil meiner Verwandtschaft dort ist eher im konservativen Spektrum angesiedelt. Aufgefallen ist mir, dass sie als einzige Nachrichtenquelle Breitbart News genutzt haben. Natürlich hat jeder das Anrecht auf eine eigene Meinung, aber dadurch habe ich mich früh sehr intensiv mit dem Thema Manipulation von Informationen, Emotionalisierung und Polarisierung beschäftigt. Das hat (in der Familie) nicht zu wenig Streit geführt.

Man hat über die Zeit hinweg gemerkt, dass sich der Begriff „Fake News“ gewandelt hat vom rein beschreibenden Begriff, zum Anglizismus des Jahres und schlussendlich zum politischen Kampfschrei. Wie definieren Sie den Begriff „Fake News“?

Ich denke die meisten wissen, was es im wahrsten Sinne heißt, „Falschmeldung“. Über die eigentliche Bedeutung  müssen wir uns nicht unterhalten. Aber mir ist eine Veränderung aufgefallen. Beispielsweise Donald Trump, der in Pressekonferenzen die Medien mittlerweile schon mit „Fake News“ anspricht. Damit bekommt das Ganze einen stark politischen Charakter.

Zudem deckt es für mich das ganze Thema der Verschwörungstheorien, falsche Fakten und Propaganda ab. Fake News gibt es an und für sich schon lange. Aber durch das Internet haben sie eine neue Wirkmacht erreicht.

Interessant ist, was wir im Rahmen der Sendung „Manipuliert“ im Februar 2017 über eine repräsentative Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen herausgefunden haben: 82 Prozent der Befragten kennen das Phänomen „Fake News“, 47 Prozent der Deutschen halten es für ein großes oder sehr großes Problem und fast ein Drittel der Wahlberechtigten denkt, dass es einen starken oder sehr starken Einfluss auf den Ausgang der Bundestagswahl haben kann. Und hierbei machen sich Frauen mehr Sorgen als Männer. Ich nenne diese Zahlen, da sie eine statistische Sicht auf das Thema zeigen und unterstreichen, wie brandheiß es ist.

Herrscht ihrer Meinung nach zu wenig Transparenz und Aufklärung im Umgang mit Fake News?

Meiner Meinung nach gibt es jede Menge Transparenz und Aufklärung, man muss sie natürlich nur finden. Und bei Fake News geht es oft um Geschwindigkeit. Wenn man etwas wiederholt liest, hält man es eher für wahr und durch sharing (das Teilen in Sozialen Medien) erreicht eine solche Nachricht vielleicht eine Millionen Menschen oder mehr –  und von der späteren Richtigstellung erfährt dann keiner.

Es gibt im Netz zwei sehr gute Tools, um Falsche Fakten im Netz zu entlarven: die Rechercheeinheiten MimiKama oder Hoax Map. Aber letztlich bleibt es eine Frage der Geschwindigkeit. Man braucht eine Menge Ressourcen, um am Ball zu bleiben und dagegen anzugehen.

Nehmen Menschen alles, was sie im Internet lesen, zu ernst?

Ich denke nicht, dass die Leser alles zu ernst nehmen.  Ich glaube eher, dass sie oft zu wenig nachdenken. Der Like ist quasi die Währung des Internets und viele denken: „Was meine Freunde geliked haben kann ich in der Hinsicht auch direkt übernehmen“ – meist auch ungefiltert. Die Sozialen Medien sind eben ein sehr schnelles Medium. Daher denke ich, dass viele Nutzer sich nicht die Mühe machen,  den Wahrheitsgehalt der Posts und News zu prüfen.

Was haben Filterbubbles in Sozialen Medien mit Fake News zu tun?

Das Phänomen Filterbubbles gilt für alle Seiten – auch für Journalisten. Jeder kann sich im Internet seine eigene Welt bauen und dann sehen wir nur, was wir selber mögen. Alles was nicht unserem Weltbild entspricht, wird aus der Timeline herausgefiltert. Journalisten sollten allerdings diejenigen sein, die durch Recherche und kritische Prüfung für Meinungsvielfalt sorgen.

Diese Filterblasen bestätigen also letztlich  nur die eigenen Perspektiven und Meinungen. Wenn diese Blasen nur noch aus Fake News bestehen oder von einem Algorithmus entsprechend bestückt werden, kann das fatale Folgen haben.

Finden Sie, die Einrichtung von Löschzentren von beispielsweise Facebook ist der richtige Weg?

Das ist eine schwierige Frage. Allein das Wort Löschzentrum empfinde ich bereits als sehr stark und hart. Erstens ist es traurig, dass wir diese Wege gehen müssen und dass sich solche Abgründe auftun.  Wie ein Artikel in der SZ aufgezeigt hat, müssen auch die Mitarbeiter einiges mitmachen. Mir wäre es lieber, dass die Menschen, die das Netz nutzen, wissen was sie tun. Denn für eine funktionierende Netiquette und einen konstruktiven Austausch in Interessengruppen und Communities gibt es ja sehr viele positive Beispiele.

Aber zweitens, sind wir ja bereit, eine grundsätzliche Kontrolle zu akzeptieren. Und das nur, weil Menschen nicht in der Lage sind, mit dem Medium vernünftig umzugehen. Das ist schon ein großer Schritt. Eigentlich müsste es Social Media Schulen geben und wir müssten ganz früh mit der Aufklärung beginnen.  Dadurch wird es letzendlich zu einer Bildungsfrage.

Sie plädieren für die Einführung von Social Media Workshops schon im Kindesalter?

Absolut. Wir kennen alle kleine Kinder, die schon in der Lage sind, das Smartphone zu bedienen und damit unreflektiert umzugehen.

Sie haben zu Beginn bereits erwähnt, dass sie eine Zeit in den USA gelebt haben. Wie schätzen sie den Umgang der Medien mit Fake News in Amerika im Gegensatz zu Deutschland ein?

Ich hab damals beim Fernsehen gearbeitet und die Sozialen Medien spielten noch keine große Rolle. Aber zum Fernsehen kann ich sagen:  Es wird mehr polarisiert und provoziert, es gibt viel mehr schwarz-weiß Malerei. Wir Deutschen sind da eher in Grautönen unterwegs. Vergangenen November, zur Zeit der Wahlen, war ich zuletzt in den USA, wo sich dieses Bild bestätigte: DieSender greifen sich gegenseitig an. Ich denke Fake News sind auch deshalb ein größeres Thema, weil in den USA mit viel mehr reißerischen Schlagzeilen gearbeitet wird. Das ist mehr Show als Information. Die ausgewogene Information gibt es dort eher im Print. Und man darf nicht vergessen: Soziale Medien sind Emotionsmedien. Es geht um Klicks! Und letztlich sind sie auch ein Kommerz-Medium.

Wie gefährlich denken Sie können Fake News noch werden?

In Deutschland stellen sie in meinen Augen keine große Gefahr dar. Wir haben ein sehr gut funktionierendes Mediensystem, dass die Meinungsvielfaltn abdeckt. Wir haben auch die Möglichkeit, Sendeformate wie Manipuliert mit Unterstützung eines öffentlich-rechtlichen Senders zu entwickeln und damit Aufklärung zu leisten. Deswegen sehe ich Fake News nicht als Gefahr für das deutsche Mediensystem.

Dazu muss man sagen: Wir verteufeln bei unserer Sendung die Sozialen Netzwerke nicht und sind auch nicht mit erhobenem Zeigefinger unterwegs.  Schließlich nutzen wir alle Facebook und Co und wollen Spaß damit haben. Es ist also wichtig, dass Aufklärung nicht als belehrend angesehen wird.

Hat sich durch das Aufkommen von Fake News Verbreitung ihr eigenes Bild der Medien oder ihr Medienkonsum verändert?

Ich denke wirklich, dass wir in Deutschland und auch in vielen Ländern Europas den Luxus der Qualitätsmedien haben. Das gilt nicht für jedes Land.

Aber heute benötigen wir viel mehr Zeit als früher, um alles zu lesen und richtig zu erfassen. Die Medien sind so schnell geworden, dass es manchmal kaum möglich, ist die Menge an Informationen überhaupt zu verarbeiten. Und wenn dann in dieser Masse Falschmeldungen dabei sind, die man eigentlich recherchieren, vergleichen und nachverfolgen sollte, können sie als wahre Meldungen aufgefasst werden. Der Zeitaufwand im Umgang mit den Medien und die Informationsflut haben sich also definitiv erhöht.

Was ist ihr letzter Rat an Leser im Umgang mit Fake News?

Man kann es mit Humor nehmen, wie zum Beispiel die Satireseite „Der Postillion“ immer wieder zeigt. Abgesehen davon, sollte jeder sofort alles hinterfragen und nicht nur schnell klicken, sofort alles liken oder anhand der Überschrift kommentieren. Man sollte sich die Nachrichten genauer anschauen. Aber dabei immer eine Prise Humor behalten.


Image „Browser“ by Pexels (CC0 Public Domain)

Image by Doclights


Weiterlesen »

FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
  • KI wired: Googles Künstliche Intelligenzen sollen mehr Mensch sein: Damit uns die KI in Zukunft noch besser verstehen und unterstützen kann, startet derzeit Googles Projekt People + AI Research initiative (PAIR), wie Google am Montag auf seinem Unternehmerblog ankündigte. Das Projekt arbeitet eng mit drei verschiedenen Gebieten zusammen, wobei eines die alltäglichen Nutzer, das Zweite Experten in verschiedensten Bereichen und das Dritte Ingenieure und Forscher beinhaltet. Zusammen haben sie sich zum Ziel gesetzt, dass sprachliche Assistenten beispielsweise noch besser und schneller verstehen, was der Anwender von ihnen möchte. Ein spannendes und zukunftsweisendes Projekt, was Google da starten will.

  • FEHLER t3n: Warum dein Design menschliche Fehler verzeihen muss: Fehler sind etwas ganz Menschliches und unabwendbar, umso wichtiger ist das verzeihende Design, damit solches eventuelle „menschliche Versagen“ abgefedert werden kann. Ein Beispiel zur Veranschaulichung ist die Double-Opt-In-Funktion beim Löschen von Daten. An alle Design-, wer seine Kunden glücklich machen möchte, sollte bei seinem Bedienkonzept immer darauf achten, dass es leicht zu bedienen ist und der Nutzer immer die Möglichkeit hat Dinge im schlimmsten Falle rückgängig zu machen. Auch Hilfestellungen, wie das Erinnern an eine unausgefüllte Spalte in einem Formular, bringen den Kunden glücklicher und entspannter ans Ziel.

  • FACEBOOK golem: „Wir retten Leben!“: Es ist das erste Mal, dass Facebook sein Löschzentrum für Journalisten öffnet und ihnen die Möglichkeit gibt, mit den Mitarbeitern zu sprechen. Doch im Gespräch fühlte sich keiner, wie in den letzten Medienberichten dargestellt, mit den seelischen Problemen alleingelassen. Die Verbesserungen, wie Kontaktdaten von psychologischen Betreuern und einem Feelgood-Manager, der sich um die Mitarbeiter kümmert, scheinen auf positive Resonanz zustoßen. Zudem sei es nach Angaben einiger Interviewten ein wertvoller Job, der verhindern würde, dass Menschen, insbesondere Kinder, im Netz schlimmen Situationen und Bildern ausgeliefert sind.

  • BAIDU heise: Baidu kündigt kostenlose Plattform zur Entwicklung autonomer Autos an: Das chinesische Unternehmen Baidu möchte fortan eine Plattform für autonomes Fahren bieten. Kostenfrei bekommen so gerade junge Unternehmen die Möglichkeit sich am Markt zu etablieren, dies sagte Baidu selbst auf einer Entwicklerkonferenz. Es ist hierbei auch gut zu wissen, dass westliche Unternehmen von diesem Angebot selbstverständlich nicht ausgeschlossen werden. Dass das Projekt Apollo ein uter Schritt in Richtung Zukunft sei, dessen ist sich Qi Li, Vice Chairman von Baidu sicher und dass er damit nicht ganz falsch liegt, wurde auch sofort auf der Veranstaltung selbst vorgeführt. Das Start-up AutonomousStuff stellte eine Limousine vor, die zusammen mit der Apollo-Technologie innerhalb weniger Tage zu einem autonomen Auto wurde.

  • STROMNETZAUSBAU faz: Sind Stromleitungen ein Gesundheitsrisiko?: Da der Ausbau von Stromnetzen unabdingbar ist, um die Energiewende voranzutreiben, werden vorerst Versuche durchgeführt, die zeigen sollen, ob die elektrischen und magnetischen Felder womöglich doch Auswirkungen auf die Gesundheit der Bürger haben. Insbesondere werden die Vorkommnisse von Demenz, Parkinson oder ALS, sowie Leukämie bei Kindern im Gebiet der aufgebauten Stromnetze in den kommenden sechs Jahren analysiert. Falls kein Zusammenhang mit den Stromnetzen in Verbindung gebracht werden kann, sollen die neuen „Strom-Autobahnen“ von Nord- nach Süddeutschland dann endgültig verwirklicht werden.

Weiterlesen »

FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
  • MEDIENKONSUM horizont: Deutsche verbringen erstmals mehr Zeit mit digitalen Medien als mit TV: Laut einer zentralen Studie des Marktforschers E-Marketer verbringen die Deutschen neuerdings sogar mehr Zeit mit der digitalen Nutzung, als vor dem Fernseher. Die bis jetzt benötigten 214 Minuten stiegen auf 226 Minuten pro Tag an, die Zeit, die mit TV verbracht wurde, stieg nur um eine Minute. Die Zukunftsaussichten stehen gut für die sozialen Medien, ihre Beliebtheit wird zusätzlich angetrieben durch die mobilen Endgeräte, die diese Entwicklung weitgehend verstärken.

  • RÜSTUNGSEXPORT n24: An diese Länder liefert Deutschland die meisten Waffen: Deutschland und sein Waffenexport ist ein leidliches Thema und fügt noch mehr Leid zu. Laut dem aktuellsten Rüstungsbericht war der deutsche Waffenexport nun schon doppelt so hoch wie noch im Jahr zuvor. Gerade Gebiete wie Katar, zu dem Arabien und Ägypten noch letzte Woche den Kontakt abbrachen, aufgrund der angeblichen Unterstützung von Terroristen, gehören zu den größten Kunden. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) rief zur Transparenz auf und forderte ein Mitspracherecht des Bundestages im Rüstungsexport. Zurzeit tagt das Gremium, welches den Bundessicherheitsrat beinhaltet und neben Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vizekanzler Gabriel sieben weitere Kabinettsmitglieder, geheim. Es bleibt abzuwarten, was der Denkanstoß über eine mögliche Transparenz zum Thema Waffenlieferungen in Zukunft bringen wird.

  • CELONIS gruenderszene: Celonis: Erst in die USA – und schon bald an die Börse: Wie es ist unterschätzt und nicht wahrgenommen zu werden, darin kennen sich die Celonis Gründer aus. 2011 gründeten sie ihre Datenanalyse-Software in München und suchten nach Investoren, die ihnen ein kleines Startkapital biete. Doch das geringe Alter und die daraus angeblich resultierende fehlende Erfahrung schreckte viele ab. Sechs Jahre später hat es das Unternehmen geschafft und will sogar an die Börse gehen und auf dem amerikanischen Markt expandieren. Ob diese Pläne realisiert werden, wird sich nach dem Celonis-Gründer Alex Rinke 2020 zeigen.

  • GESICHTSERKENNUNG wired: Terrorfahndung: De Maizière fordert Gesichtserkennungs-Software: Nach dem Bundesaußenminister Thomas de Maizière soll jetzt eine Software zur Gesichtserkennung eingesetzt werden, um gegen mögliche Terroristen schnell und effektiv vorzugehen. Zusätzlich soll die Erlaubnis des Zugriffes auf Messenger-Dienste wie WhatsApp den Sicherheitsbehörden in Zukunft die Arbeit erleichtern. Die ersten Tests mit der neuen Software sollen im Sommer am Bahnhof Berlin Südkreuz durchgeführt werden. Grundrechte werden hierbei jedoch nur minimal eingeschränkt, so De Maizière, da die Gesichtserkennungssoftware nur bei eingespeicherten Terroristen Alarm schlägt. Wie beruhigend!

  • YAHOO gruenderszene: Während du schliefst- Marissa Mayer verabschiedet sich offiziell von Yahoo: Alles hat ein Ende. Yahoo-CEO Marissa Mayer teilte nun in einem Schreiben an ihre Mitarbeiter mit, dass sie sich nach fünf Jahren an der Spitze nun verabschiedet. Grund hierfür war die Übernahme von Yahoo durch Verizon. Wohin ihre nächste Reise gehen wird, ist noch unklar. Fest steht jedoch, dass knapp 2.000 Arbeitsplätze gestrichen werden sollen.

Weiterlesen »

FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
  • FIREFOX golem: Firefox 49 kann vorlesen: Mozilla hat eine neue Version von Firefox für Windows, Linux, Mac OS und Android veröffentlicht. Ein besonderes Feature des Updates ist die Vorlesefunktion. Diese lässt sich im Reader-Modus, den man über das Buch-Symbol in der Adressleiste öffnen kann, anschalten. Außerdem benutzt die Android-Version den Cache sinnvoll und zeigt zuvor aufgerufene Seiten auch an, wenn gerade keine Internet-Verbindung vorhanden ist.
  • YAHOO handelsblatt: Yahoo ließ sogar Verizon im Dunkeln tappen: Yahoo wurden mehr als 500 Millionen Datensätze geklaut. Nicht nur den Kunden hat die CEO Marissa Mayer dies verheimlicht, sondern auch dem Telekomkonzern Verizon, der das Unternehmen übernehmen möchte. Außerdem können unter den entwendeten Daten Namen, Geburtstage, E-Mail-Adressen und Telefonnummern sein. Teilweise konnten die Angreifer sogar Sicherheitsfragen und Antworten übernehmen, mit denen man Passwörter zurücksetzten kann.
  • FACEBOOK heise: CarPlay-Unterstützung: Facebook Messenger lernt Autofahren: Dank iOS 10 kann man ab sofort Anrufe von dem Facebook Messenger auch im Auto entgegennehmen. Jedoch gibt es noch keine Siri-Unterstützung, sodass man die Telefonate nicht selbst einleiten kann. Außerdem werden in CarPlay-Fahrzeugen nun auch Benachrichtigungen des Messengers empfangen. CarPlay ist eine intelligente, sichere Möglichkeit, um das iPhone im Auto nutzen zu können, die man in ausgewählten Modellen findet.
  • INDUSTRIE 4.0 t3n: Industrie 4.0: SAP und Bosch planen Kooperation für das Internet der Dinge: Bosch und SAP haben jetzt eine langfristige Kooperation angekündigt. Beide Unternehmen bieten jeweils eigene Produkte für das Internet der Dinge an und möchten nun im Cloud-Sektor zusammenarbeiten. In Zukunft wollen die beiden Konzerne auch im Rahmen des Industrial Internet Consortium und der deutschen Plattform Industrie 4.0 gemeinsame Industriestandards entwerfen. Zusammen wollen sie einheitliche Rahmenbedingungen schaffen, von denen die gesamte Industrie profitieren wird.
  • TWITTER spiegel: Die Türkei fordert Twitter besonders oft zum Löschen auf: Twitter bekommt immer mehr behördliche Anfragen zum Löschen von Inhalten. Einem aktuellen Transparenzbericht zufolge kamen fast 80 Prozent der Aufforderungen aus Russland und der Türkei. Im ersten Halbjahr 2016 bekam Twitter 4434 Anträge von Regierungs- und Polizeistellen, das sind 13 Prozent mehr als im Vorhalbjahr. Die Anfragen wurden meistens damit begründet, dass Inhalte gegen gesetztliche Bestimmungen in den betreffenden Ländern verstoßen haben.
Weiterlesen »

WikiLeaks: Transparenz um jeden Preis?

Occupy Wall Street WikiLeaks Truck (Image by pameladrew212 [CC BY 2.0] via Wikimedia Commons)

Wieder einmal steht WikiLeaks wegen der fahrlässigen Veröffentlichung persönlicher Daten in der Kritik. Es wird Zeit, dass sich die Mitarbeiter der Plattform dieser Kritik stellen. Sie ist nämlich keineswegs ein bösartiger Sabotage-Versuch politischer Gegner, sondern größtenteils berechtigt. WikiLeaks muss erkennen, dass Transparenz im Informations-Zeitalter ein wichtiger, aber kein absoluter Wert ist, und der Verantwortung gerecht werden, auch andere Werte und Rechte zu schützen. Die Plattform will investigativen Journalismus betreiben – doch dazu gehört mehr als wahlloses Veröffentlichen.

AP-Report dokumentiert weitere Datenschutz-Vorfälle

Vor kurzem stand WikiLeaks schon einmal wegen laxen Umgangs mit dem Datenschutz in der Kritik. Damals wurden die Aktivisten von der Journalistin Zeynep Tufekci beschuldigt, auf Twitter ein Datenpaket verlinkt zu haben, das die persönlichen Daten zahlreicher Privatpersonen – mehrheitlich türkischer Frauen, die als Wählerinnen registriert sind – enthält.

Nun steht WikiLeaks erneut wegen Missachtung von Datenschutz und Persönlichkeitsrechten in der Kritik. Und in diesem Fall geht es nicht nur um das bloße Verlinken problematischer Daten, sondern es sind die WikiLeaks-Dokumente selbst, die Anstoß erregen.

Ein umfassender Bericht der Nachrichtenagentur AP dokumentiert, dass eine Reihe der in den letzten Jahren veröffentlichten WikiLeaks-Dokumente sensible Daten Unbeteiligter enthalten. Unter den Betroffenen sind äußerst verwundbare Personen, darunter in repressiven Staaten lebende Menschen und eine ganze Reihe von Menschen, die in medizinischer oder psychiatrischer Behandlung sind und deren Krankenakten durch WikiLeaks veröffentlicht wurden. Viele Betroffene (und andere mittelbar Beteiligte, etwa die Ärzte der Betroffenen) äußern sich schockiert und empört über den Vorfall und betonen, dass ihre Fälle nichts mit Politik (oder den von WikiLeaks als Gegner definierten Tatbeständen „Krieg, Spionage und Korruption“) zu tun haben.

Transparenz muss der Allgemeinheit dienen

Diese Vorwürfe sind gravierend. WikiLeaks sieht sich in der Rolle eines Kämpfers gegen die Mächtigen, eines Verteidigers derjenigen, deren Rechte von der einflussreichen Elite verletzt werden. Leaks, die sensible Informationen unbeteiligter „kleiner Leute“ gegenüber der ganzen Welt – und damit auch gegenüber gefährlichen und destruktiven Parteien, von Online-Betrügern bis hin zu Regimes, die Menschen ohne große Skrupel einsperren, foltern und ermorden – offen legen, pervertieren diese Ideale. Die Belange der besagten „kleinen Leute“ werden mit Füßen getreten.

Nur, wer der Ansicht ist, dass das Ideal der Transparenz alle Mittel rechtfertigt, kann ein solches Verhalten gut heißen. Das aber wäre ein gefährlicher Trugschluss. Transparenz ist erstrebenswert, weil sie herrschende Machtverhältnisse untergräbt. Sie ermöglicht es der Allgemeinheit, das Handeln der Mächtigen zu kontrollieren und (im Idealfall) einen Machtmissbrauch zu verhindern oder zumindest zu sanktionieren. Werden dagegen private, sensible Daten von Privatpersonen gegenüber den Mächtigen aufgedeckt, zementiert das nur die herrschenden Machtverhältnisse und macht deren Missbrauch nicht schwerer, sondern im Gegenteil noch einfacher. Nicht umsonst ist auch Datenschutz unabdingbar für den Versuch einer besseren, weniger hierarchischen Gesellschaft – und schon heute ein bedeutendes Menschenrecht.

Geltungsdrang oder Sendungsbewusstsein?

Wie diese ernsten Versäumnisse bei WikiLeaks zustande kamen, darüber kann nur gemutmaßt werden. Es hat den Anschein, als sei den Aktivisten ihr eigener Ruhm zu Kopf gestiegen, als hätten sie, angetrieben von der öffentlichen Anerkennung, unbedingt den nächsten spektakulären Leak gesucht – obwohl klar gewesen sein muss, dass das Redigieren der Dokumente in der Eile nur flüchtig geschehen konnte.

Daneben könnte auch die unbedingte Überzeugung von WikiLeaks-Leitwolf Julian Assange von seiner „Mission“, von der alles umfassenden Bedeutung der von ihm ermöglichten Leaks, eine Rolle spielen. Assange hat mehrfach angedeutet, dass er den Schutz Unbeteiligter für weniger wichtig hält als das schnelle und umfassende Veröffentlichen geheimer Dokumente. Einige seiner Aussagen zu diesem Thema überschritten dabei die Grenze zwischen gedankenlos und zynisch oder kamen zumindest sehr dicht an diese heran. Assange hat große Visionen, die zweifellos erstrebenswerte Ziele und Werte umfassen. Leider verliert er über diese Visionen oftmals die Belange einzelner Menschen aus den Augen.

Änderungen einfordern

Es wird Zeit, dass WikiLeaks seine Probleme – wie auch immer sich diese im Einzelnen gestalten – in den Griff bekommt und endlich wie eine verantwortungsbewusste investigative Publikation handelt. Ein erster Schritt in diese Richtung wäre, sich der (berechtigten) Kritik zu stellen und die eigenen Fehler anzuerkennen. Doch davon zeigt sich bislang keine Spur. Im äußerst aktiven WikiLeaks-Twitter-Feed findet sich keinerlei Stellungnahme zum Bericht der AP – dafür informative Links, Propaganda gegen Assanges aktuelle Lieblings-Feindin Hillary Clinton und die üblichen Spendenaufrufe. Das ist ein mehr als schwacher Auftritt.

Wenn WikiLeaks seine Rolle als moralische Autorität behalten will, müssen die Verantwortlichen endlich handeln, ihre Fehler eingestehen, analysieren und Wiederholungen verhindern. Wenn Assange diese Schritte nicht selbst vollziehen kann, muss er sich entsprechende Unterstützung dabei suchen. Das einzufordern, ist nun Sache auch und gerade der WikiLeaks-Unterstützer. Derart berechtigte Kritik ist nicht illoyal, im Gegenteil. Sie ist ein notwendiger Hinweis darauf, dass sich WikiLeaks von seinen eigenen Idealen entfernt und seiner Vorbildfunktion nicht gerecht wird. Neben dem vermeidbaren Leid für unschuldige Menschen werden so auch dem politischen Gegner Argumente geliefert, die dieser verwenden kann, um WikiLeaks – und in der Folge womöglich die ganze Bewegung – in den Schmutz zu ziehen. Das gilt es zu vermeiden. Auch, wer Staatsgeheimnisse offen legen will, muss private Geheimnisse schützen. Nur dann stehen die Transparenz und auch ihre Verfechter im Dienst einer guten Sache.


Image „Occupy Wall Street Wikileaks Truck“ by pameladrew212 (CC BY SA 2.0)


Weiterlesen »

Blockchains: Der Fokus auf Bitcoins verhindert die wahre Revolution

Münzen (image by stevepb [CC0] via Pixabay)

Wollte man im Jahr 2008 nicht einen Koffer voll Bargeld verschicken, gab es im Wesentlichen nur eine Möglichkeit, Geld etwa zwischen den USA und Europa zu verschicken: Man musste das Geld durch einen der Hauptfinanzservices oder eine Bank überweisen. Das bedeutete, dass man hohe Kosten zahlen und bis zu mehrere Tage warten musste, bis das Geld ankam.

Eine grundlegend neue Option tat sich 2009 mit der Einführung der Bitcoins auf. Bitcoin ermöglicht es, Vermögen überall auf der Welt schnell und mit minimalen Kosten zu transferieren. Es wird auch „Kryptowährung“ genannt, da es ausschließlich digital arbeitet und Kryptographie nutzt, um sich gegen Fälschung zu schützen. Die Software, die diese Kryptographie ausführt, läuft gleichzeitig auf verschiedenen Computern weltweit. Wenn einer oder mehrere dieser Computer in dem Versuch missbraucht wird, das Bitcoin-Netzwerk zu beschädigen (um zum Beispiel Geld zu stehlen), sichert das gemeinsame Vorgehen der anderen die Integrität des gesamten Systems. Die verteilte Struktur ermöglicht es Bitcoin auch, Transaktionen ohne Gebühren, antiquierte Netzwerke und (wohl oder übel) Regeln, wie sie Zwischenhändlern wie Banken und Telegrafendiensten diktieren, durchzuführen.

Bitcoins spannende Geschichte und gesellschaftliche Wirkung hat schon desöfteren die Fantasie beflügelt. Die Summe der Marktwerte aller ausgegebenen Bitcoins beträgt heute etwa 10 Milliarden US-Dollar. Die Computer, die die Blockchains aufrecht erhalten, sind weltweit verteilt und Eigentum Tausender, so dass das Bitcoin-Netzwerk keinen einzelnen Besitzer oder Kontrollpunkt besitzt. Sogar die Identität des Gründers ist bislang ein Rätsel geblieben (trotz der Bemühungen, ihn, sie oder die Gruppe aufzudecken). Bitcoins Mangel an Regulierungen durch die Regierung machte es attraktiv für Schwarzmärkte und Malware-Autoren. Obwohl das Kernsystem gut gesichert ist, haben Menschen, die Bitcoin besitzen, eine Litanei von Raubüberfällen und Betrügen erlebt.

Mehr als die Währung selbst hat aber die vorher so nie dagewesene Zuverlässigkeit und Sicherheit des Transaktionssystems, das Bitcoin zugrunde liegt, genannt Blockchains, die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Forscher, Unternehmer und Entwickler glauben, dass Blockchains erstaunlich viele  Probleme lösen werden, wie zum Beispiel die Stabilisierung von Finanzsystemen, die Identifikation staatenloser Personen, dem Erheben von Rechtsansprüchen gegenüber Immobilien und Medien und dem effizienten Managen von Versorgungsketten.

Blockchain verstehen

Trotz seiner sehr vielfältigen Anwendungen zielt ein Blockchain wie das von Bitcom darauf ab, ein einfaches Ziel zu realisieren. Abstrakterweise kann es als eine Art öffentliches schwarzes Brett gesehen werden, oft „dezentralisiertes  Geschäftskonto“ genannt. Das Konto ist öffentlich. Jeder, ob Otto Normalverbraucher oder Neureicher, Bäcker oder Banker, kann es einsehen. Jeder kann gültige Daten hineinschreiben. Konkret kann bei Bitcoin jeder Geldbesitzer eine Transaktion zum Geschäftsbuch hinzufügen, die etwas von seinem Geld an jemand anderen überweist. Das Bitcoin-Netzwerk sorgt dafür, dass das Geschäftskonto nur autorisierte Transaktionen beinhaltet, also die, die digital durch die Besitzer des überwiesenen Geldes unterschrieben wurden.

Das Schlüsselmerkmal der Blockchains ist es, dass neue Daten jederzeit geschrieben werden können, aber niemals geändert oder gelöscht werden können. Auf den ersten Blick scheint diese in den Stein gemeißelte Regel eine unnötige Einschränkung der Konstruktion zu sein. Aber es erschafft eine permanent anwachsende Geschichte von Transaktionen, die starke Transparenz und Rechenschaftslegung erzeugt. Die Bitcoin-Blockchain beinhaltet zum Beispiel ein Protokoll aller Transaktionen des Systems seit seinen Anfängen. Dieses Merkmal ermöglicht es, Kontoinhaber daran zu hindern, Transaktionen abzusagen, sogar obwohl ihre Identitäten anonym bleiben. Sobald sie im Konto verzeichnet ist, ist die Transaktion unveränderlich. Das untilgbare Wesen ist sehr mächtig und übergreifend und erlaubt es Blockchains, Applikationen weit über Bitcoin hinaus zu unterstützen.

Denken Sie zum Beispiel an die Organisation des Rechtsanspruchs auf ein Stück Land oder Grundstück. Liegenschaftsregister sind in vielen Teilen der Welt heute aufgeteilt, unkomplett, schlecht gewartet und schwer zugänglich. Die rechtliche Unsicherheit, die das Besitztum von Grundstücken umgibt, ist ein großen Hindernis für den Wachstum in Entwicklungsländern. Wenn Rechtsansprüche auf Grundstücke autoritativ und öffentlich in einer Blockkette erfasst wären, könnte jeder sofort erfahren, wer den Rechtsanspruch auf einen Teil eines Grundstücks  hat. Sogar legitimes anonymes Besitztum – wie zum Beispiel einer Privatstiftung – könne in einer Blockchain erfasst werden.

Solch eine Transparenz würde dabei helfen, rechtliche Mehrdeutigkeiten aufzulösen und rechtswidriges Verhalten zu erhellen. Befürworter malen sich ähnliche Vorteile davon aus, Medienrechte in Blockchains zu erfassen – wie das Recht, Bilder oder Musik zu verwenden – und darüber hinaus Identitätsdokumente und Ladungsmanifeste. Außerdem stärkt diese dezentralisierte Natur der Datenbank die Widerstandsfähigkeit nicht nur gegenüber technischem Versagen, sondern auch politischem – gescheiterten Staaten, Korruption und Gaunerei.

Intelligente Verträge

Blockchains können gefördert werden, um nicht nur Transaktionen, sondern auch Stücke von Codes, die als intelligente Verträge bekannt sind, zu unterstützen. Ein intelligenter Vertrag ist ein Programm, das Kapital auf der Blockkette kontrolliert – alles von der Kryptowährung bis hin zu den Medienrechten – und zwar so, dass vorhersagbares Verhalten garantiert wird. Ein intelligenter Vertrag kann als vertrauenswürdiger Dritter angesehen werden: Für welche Arbeit auch immer er programmiert ist, er wird sie sorgfältig ausführen.

Stellen Sie sich zum Beispiel vor, dass eine Nutzerin ein Landstück versteigern will, für das die Rechte des Nutzers auf der Blockchain repräsentiert sind. Sie könnte einen Auktionär beauftragen oder eine Online-Auktionsseite nutzen. Das würde aber bedeuten, dass sie und der potenzielle Käufer dem Auktionär ohne Beweis vertrauen, die Auktion ehrlich durchzuführen.

Um größere Transparenz zu Erlangen, könnte die Nutzerin stattdessen einen intelligenten Vertrag erstellen, der die Auktion automatisch ausführt. Sie würde den Vertrag mit der Möglichkeit programmieren, den zu verkaufenden Posten auszuliefern und Regel über Mindestgebote und Angebotsende festlegen. Sie würde außerdem spezifizieren, was der intelligente Vertrag am Ende der Auktion machen soll: Die Summe des Höchstangebots vom Höchstbietenden auf das Konto der Verkäuferin zu schicken und den Rechtsanspruch auf das Land an den Gewinner zu übertragen.

Nachdem der Blockchainvorgang öffentlich sichtbar ist, kann jeder mit geeigneter Expertise überprüfen, dass der Code in dem intelligenten Vertrag eine faire und valide Auktion umsetzt. Teilnehmer an der Auktion müssten nur noch der Richtigkeit des Codes vertrauen. Sie müssten sich nicht mehr darauf  verlassen, dass ein Auktionär die Auktion ehrlich ausführt – und als zusätzlichen Vorteil müssten sie nicht mehr hohe Auktionärsgebühren bezahlen.

Der Umgang mit der Vertraulichkeit

Hinter dieser überzeugenden Vision lauern viele technische Herausforderungen. Die Transparenz und Rechenschaftslegung eines vollständig öffentlichen Geschäftsbuches hat viele Vorteile, widerspricht aber dem Konzept der Vertraulichkeit. Stellen Sie sich vor, die oben erwähnte Verkäuferin würde gerne eine Auktion mit verdeckter Bieterrunde ausführen oder das Höchstangebot verbergen. Wie sollte sie dies auf einer Blockkette, die jeder lesen kann, tun? Sowohl Transparenz als auch Vertraulichkeit auf Blockchains zu erreichen ist tatsächlich möglich, benötigt aber neue Techniken, die von Forschern entwickelt werden.

Eine andere Herausforderung ist es, sicherzustellen, dass intelligente Verträge die Absicht des Nutzers reflektieren. Ein Anwalt, Schiedsrichter oder Gericht kann Mängel beseitigen oder unvorhergesehene Umstände in geschriebenen Verträgen ansprechen. Intelligente Verträge sind aber ausdrücklich als unveränderliche Codes erstellt worden. Diese Inflexibilität verhindert Mehrdeutigkeit und Betrug und stellt eine vertrauenswürdige Ausführung sicher, kann aber auch Zerbrechlichkeit verursachen. Ein anschauliches Beispiel ist der kürzlich erfolgte  Diebstahl von etwa 55 Million Dollar in Kryptowährung von einem intelligenten Vertrag. Der Dieb nutzte einen Softwareprogrammfehler aus und die Urheber des intelligenten Vertrags konnten diesen nicht mehr beheben, sobald der Vertrag in Kraft gesetzt war.

Bitcoin ist ein Wirksamkeitsnachweis der Realisierbarkeit von Blockchains. Wenn Forscher und Entwickler die technischen Herausforderungen von intelligenten Verträgen und anderen Innovationen von Blockchains überwinden, wird das Staunen über Geld, das über den Atlantik hinwegschwebt, eines Tages fast schon altmodisch wirken.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Münzen“ by stevepb [CC0]


Weiterlesen »

Warum die Zukunft auf öffentliche Daten baut

open data (scrabble) (adapted) (Image by justgrimes [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Datenmaterial hat die Macht, die Art der Regierung von Gesellschaften zu revolutionieren und aus dem Gleichgewicht zu bringen. Keines davon wiegt mehr als öffentliche Daten, die freien Zugang bieten, frei zu verwenden sind und von jedem geteilt werden können. Sie sind nicht personenbezogen und können verwendet werden, um umfangreiche Trends und Verhaltensweisen zu identifizieren und vorauszusagen.

Im Gegensatz dazu sind geschlossene Daten auf internen Gebrauch innerhalb einer Organisation beschränkt. Viele Organisationen sehen nun die Vorteile öffentlichen Datenmaterials. Das Open Data Portal der Europäischen Union, die Anstrengungen der britischen Regierung unter dem Namen “Opening up Government und der Globale Open Data-Index sind drei Beispiele für Initiativen, die große Mengen an Daten über Industrie, Gesundheit, Ausbildung und Beschäftigung neben anderen Bereichen zusammenbringen und verfügbar machen.

Andere konzentrieren sich darauf, mehr Transparenz zu schaffen, zum Beispiel hinsichtlich der Verwendung der Steuern aus Großbritannien oder des Verbrauchs der Agrarsubventionen in Europa. Es gibt auch Organisationen wie die Offene Gesellschaft, die stärkere Transparenz fordern, um die Regierung zur Verantwortung zu ziehen.

Die Verfügbarkeit von offenen Daten erzeugt so für alle Formen von Organisationen, Regierungsbehörden und gemeinnützigen Einrichtungen die Möglichkeit, sich neue Wege auszudenken, um die Probleme der Gesellschaft anzusprechen. Diese beinhalten eine vorausschauende Gesundheitsversorgung und die Planung und Verbesserung des öffentlichen Verkehrssystems in London.

“Transport for London” war eine der ersten öffentlichen Einrichtungen, die von öffentlichem Datenmaterial Gebrauch machten, um neue Anwendungen zu schaffen. Mehr als 5000 Entwickler haben sich angemeldet, um ihre Daten zu verwenden, auf 30 Feeds verteilt. Sie betrafen die Reiseplanung, Störungen, Ankunfts- und Abfahrtsvorhersagen, Fahrpläne, Routen und Tarife. Kooperationen unter den Entwicklern haben die beliebte App Citymapper und leicht zugänglichen Apps wie der Colourblind Tube Map hervorgerufen.

Einsicht zu Daten werden lassen

Kooperationen zwischen verschiedenen Partnern können helfen, offenes Datenmaterial von der einfachen Einsicht in eine Tat zu verwandeln. Indes müssen Datenanbieter, Datennutzer und Datenentwickler für ein gemeinsames Ziel zusammenkommen. So beispielsweise bei dem Projekt “Future City Glasgow.

Im Jahr 2013 erlangte das Glasgow City Council 24 Millionen britische Pfund Fördergelder von Innovate UK, um herauszufinden, wie man Technologie und Daten nutzen kann, um das Leben in der Stadt sicherer, intelligenter und nachhaltiger zu machen. Das Projekt basierte darauf, große Mengen nicht-sensibler und nicht-personenbezogener Daten verschiedener Anbieter öffentlich online zugänglich zu machen. Unter Verwendung dieser Daten erschaffen Entwickler neue Anwendungen, die sowohl Organisationen als auch Individuen gleichermaßen nutzen können.

Aktuell sind mehr als 370 offene Datensätze verfügbar, die die Aktivitäten der Stadt abbilden, einschließlich Reise-, Ausbildungs-, Energie-, Gesundheits-, Sicherheits- und demographischen Daten. Diese enthalten Querverweise auf Echtzeit-Daten von CCTV, dem Verkehrsmanagement, der Polizei von Schottland, Durchsetzungsmaßnahmen in den Gemeinden und Notfalldiensten. Jeder Anwohner oder Besucher der Stadt hat Zugang zu einer personalisierten Instrumententafel mit Echtzeit-Aktualisierungen und Informationen, die helfen können, durch die Stadt zu navigieren. Weitere Städte überall in Großbritannien setzen nun Technologien ein, um Vorteile aus öffentlichen Daten zu ziehen.

 

Initiativen wie “Future City Glasgow nutzen öffentliche Daten, um vorausschauende Systeme zu erschaffen, die den Einwohnern Informationen für täglich zu treffende Entscheidungen bereitstellen. Durch das Heranziehen von gemeinsamen Daten können Gemeindeverwaltungen und andere öffentliche Einrichtungen Ressourcen effektiver zur Verfügung stellen um spezifische Probleme vorausschauend zu lösen.

Damit solche Initiativen um öffentliche Daten wirklich funktionieren, ist es essenziell, dass diejenigen, die dahinter stehen, Unterstützung aus der Öffentlichkeit bekommen – um deren Daten freizugeben und um ihr Vertrauen dahingehend zu gewinnen, dass die Daten sicher verwaltet und dort, wo es nötig ist, sachgerecht anonymisiert werden. Sicherheit ist aufgrund von Cyber-Attacken und Datenschutzverletzungen eine große Herausforderung.

Disruption öffentlicher Daten

Die Zukunft des öffentlichen Datenmaterials ist ein gemeinschaftlicher Prozess mit dem Ziel, der Öffentlichkeit Vorteile zu schaffen. Organisationen müssen ihre Daten freigeben und zusammenarbeiten, um neue Nutzungsmöglichkeiten zu erzeugen, die unsere Leben bereichern. Daten über die Muster zu nutzen, in denen wir leben, können uns helfen, Probleme auf eine Weise zu lösen, die wir bisher nicht einmal geahnt haben.

Nehmen Sie zum Beispiel die Stadt Louisville, Kentucky, in den USA. Louisville ist eine der schlimmsten Städte für Asthmatiker. Das Projekt “AIR Louisville versucht dies durch das Zusammenbringen der Gesundheitsmanagement-Unternehmen Propeller Health, dem Institut für gesunde Luft, gesundes Wasser und gesunde Erde und dem öffentlichen Gesundheitsamt der Stadt Louisville zu ändern. Die Lösung ist ein intelligenter Inhalator, der verfolgt wann, wo und wie oft Einwohner der Stadt Louisville Asthma-Symptome verspüren. Zusammen mit Echtzeit-Verkehrs- und Wetter-Daten können diese Informationen den Ärzten und öffentlichen Beamten helfen, Problemgebiete und Auslöser aufzuspüren, um anschließend Schritte zur Verbesserung identifizierter Bereiche einleiten zu können.

In all diesen Fällen lautet das Mittel zum Voranbringen von Innovationen und Hervorbringen neuer Problemlösungen das Bilden öffentlicher Datenpartnerschaften. Sie erfordern Teilnehmer, die bereit dazu sind zu teilen und zusammen an neuen umwälzenden Initiativen zu arbeiten. Viele dieser Initiativen haben schon bewiesen, dass sie für Menschen, Regierungen und Unternehmen von Nutzen sein können. Es herrscht eine neue Ära der größeren Transparenz und Demokratie, in der Daten nicht mehr länger nur in der Hand von Werbefirmen liegen. Das Nutzen öffentlicher Daten präsentiert Möglichkeiten für den Handel, während es außerdem das Gemeinwesen und das tägliche Leben der Bürger verbessert.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) “open data (scrabble)” by justgrimes (CC BY-SA 2.0)


The Conversation

Weiterlesen »

Blockchain: Eine politische Revolution?

Voting (adapted) (Image by justgrimes [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Blockchain: Eine Technologie fasziniert die Finanzwelt und die Politik. Kann sie wirklich unsere gesellschaftlichen Systeme effektiver und sicherer machen? Eines ist klar: Sie hat das Potenzial, Politik und Verwaltung gewaltig auf den Kopf zu stellen. “Blockchain” wird zunehmend zu einem der Buzzwords aktueller digitaler Trends. Zahlreiche Wirtschaftsvertreter stürzen sich mit großer Euphorie auf die Technologie und preisen sie als nächste große Revolution nach der Erfindung des Internet. Mittlerweile hat auch die ein oder andere Institution Interesse daran gefunden und träumt von einer grundlegenden Reform der Verwaltung. Das Potenzial hierzu ist durchaus vorhanden. Doch wie viel steckt hinter der Technologie? Und was wird darunter überhaupt verstanden?

Das Prinzip der Blockchain

Eine Blockchain ist im Endeffekt nichts anderes als eine Datenbank. Der zentrale Unterschied zu bisherigen digitalen Verzeichnissen: die Blockchain wird dezentral gespeichert. Kein einzelner Server ist mehr alleine für die Verwahrung der Datenbank verantwortlich, sondern alle im Netzwerk befindlichen Computer besitzen ihre eigene Kopie.

Ihren Ursprung findet die Technologie bei einem Dienst, der seit 2009 für mächtig Aufsehen sorgt: Bitcoin. Was ist die Kernessenz dieser Kryptowährung, die selbst Microsoft schon als Zahlungsoption akzeptiert? Möchte man heute im Internet eine Zahlung tätigen, ist man auf vertrauenswürdige Dritte angewiesen. Banken, PayPal und Co. lassen grüßen. Die Grundidee hinter Bitcoin: diesen Mittlern sollte man nicht mehr vertrauen müssen. Ein gewisser Satoshi Nakamoto, über den bis heute nur wenig bekannt ist, erfand eine vertrauenswürdige Peer-to-peer-Verbindung: Rechner übertragen Geldeinheiten auf direktem Wege ohne zwischengeschaltete Institutionen.

Warum ist nun ausgerechnet eine direkte Bitcoin-Überweisung von Person A zu Person B sicher? Die Zauberwörter lauten Kryptographie und Mathematik. Die Details der Transaktion werden sehr stark verschlüsselt. Die anderen Rechner im Netzwerk haben nun die Aufgabe, diese Nachricht zu entschlüsseln, um sie zu verifizieren. Wenn die Mehrheit des Netzwerkes die Transaktion bestätigt, wird sie getätigt. Die Konten von A und B werden entsprechend der Summe der Überweisung aktualisiert – und auch jede Datenbank auf den einzelnen Rechnern. So bleibt die gemeinsame Datenbank bei allen Mitgliedern des Netzwerkes auf demselben Stand – auch bei denen, die nicht an der Transaktion oder der Verifikation beteiligt waren.

Prinzipiell fälschungssicher

So kann natürlich jeder alle getätigten Transaktionen im Netzwerk einsehen. Die Anonymität bleibt bei Bitcoin teilweise gewahrt, weil der Dienst die Konten nicht mit Klarnamen ausstattet, sondern mit Zeichenketten. Trotzdem wäre es theoretisch möglich, Einsicht in die Überweisungen eines jeden zu erhalten, wenn man nur seinen Kontonamen kennt (“Pseudonymity”).

Woher kommt nun aber der Name der Technologie? Mehrere solcher Transaktionen werden zu einem Block zusammengefasst, der kryptographisch mit dem vorherigen Block verknüpft wird. Es entsteht eine Kette aus Blöcken, die Blockchain. Ähnlich wie eine Kette aus Legosteinen – mit einem kleinen Unterschied: die Blöcke werden mit Sekundenkleber fixiert. Mit dieser Technologie kann problemlos der Weg des Geldes nachvollzogen werden und das System wird prinzipiell fälschungssicher, da jede Veränderung der Blockchain durch eine Mehrheit der im Netzwerk befindlichen Computer bestätigt werden muss.

Wahlen per Blockchain

Bitcoin ist also nicht aufgrund seiner Funktion als digitales Geld bemerkenswert – auch wenn eine offizielle digitale Währung durchaus im Rahmen des Möglichen wäre. Vielmehr ist es die zugrundeliegende Blockchain-Technologie, die zahlreiche Akteure euphorisiert, denn sie hat disruptives Potenzial in sehr vielen Bereichen des heutigen Lebens. Viele preisen sie sogar als die nächste wirtschaftliche Revolution an. Viele Finanzinstitute beschäftigen sich bereits mit möglichen Anwendungen der Blockchain.

Doch auch in Politik und Verwaltung ist die Technologie bereits auf Interesse gestoßen. Das britische Wissenschaftsministerium publizierte im Januar einen 88-seitigen Bericht über die Blockchain und deren Potenzial für Regierung und Verwaltung. Und ganz so unwahrscheinlich klingen manche Vorschläge der Community sowie der britischen Regierung nicht.

Für demokratische Wahlen ließe sich das Blockchain-Prinzip durchaus leicht modifizieren. Dabei würde für jeden Kandidaten, jeder Partei oder jedem Thema (Referendum) ein eigenes Konto im Netzwerk angelegt. Jede Bürgerin und jeder Bürger erhält nun jeweils einen “Wahl-Coin”, den er oder sie an die gewünschte Person, Partei oder Position “überweist” und hierdurch eine Stimme abgibt. Eigentlich wäre das Bitcoin-Problem der Pseudonymity nicht mit dem Wahlgeheimnis kompatibel. Dieser Herausforderung haben sich schon einige Initiativen angenommen und schlagen in erster Linie eine Anonymisierung mittels noch zu erarbeitender Software vor – ähnlich dem bereits existierenden Anonymisierungsnetzwerk “TOR”.

Einige Pilotprojekte beschäftigen sich bereits mit einer solchen Wahlsoftware, unter anderem “Follow My Vote”. Dieses System basiert auf der Kryptowährung BitShares, einer Weiterentwicklung der Bitcoin-Technologie. Traum der Visionäre wäre dementsprechend eine “Liquid Democracy” und “Real-Time Democracy”. Vorteil dieses Systems: einerseits entfällt der Gang zur Urne in der örtlichen Schule, andererseits kann jeder problemlos nachvollziehen, ob seine Stimme wirklich gezählt wurde. Die Wahrscheinlichkeit für Wahlfälschung würde dramatisch sinken. Für Manipulation bräuchte es im Netzwerk eine Mehrheit – ein prinzipiell unmögliches Szenario.

Geld nur noch für bestimmte Zwecke

Eine solche Blockchain ist für alle Menschen zugänglich – eine unabdingbare Voraussetzung für die Demokratie. Andere mögliche Anwendungen der Blockchain brauchen diese Offenheit nicht zwangsläufig. Sogenannte “genehmigte” Datenbanken können auch mit einzelnen autorisierten Personen arbeiten. Ein neuer Datensatz muss nicht von einer Mehrheit der Rechner im Netzwerk bestätigt werden, sondern nur von jenen Teilnehmern, die hierzu im Vorhinein autorisiert wurden (permissioned). Das ist für Anwendungen in der politischen Verwaltung besonders interessant. Mit dem Blockchain-System lassen sich nämlich nicht nur Werteinheiten austauschen, sondern auch Daten. Für die Verwaltung eine interessante Anwendungsmöglichkeit.

Aber nicht nur Behörden untereinander könnten auf diese Technologie aufbauen. Das britische Wissenschaftsministerium verspricht sich eine neue Transparenz gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern. Mithilfe von Blockchain-Datenbanken können öffentliche Register, beispielsweise Grundbücher, transparenter werden. Der “gläserne Staat” wäre die mögliche Folge. Im Allgemeinen könnten alle Rechts- und Anspruchsgeschäfte dokumentiert und übertragen werden. Der Bürger könnte Einblick in all seine Daten haben, die Ausstellung von behördlichen Dokumenten vereinfacht werden. Im Sozialversicherungssystem könnte die Effektivität verbessert werden, unter anderem mittels geringerer finanzieller Verluste durch Fehler oder Betrug.

Daneben könnten digitale Coins problemlos an einen konkreten Zweck gebunden werden, zum Beispiel Gesundheit oder Rente. Wenn der Staat Geld für bestimmte Ausgaben bewilligt, könnte er Zeit und Aufwand für die Vor- und Nachkontrolle sparen; die Kosten für die Bürokratie würden sinken. Diese Idee der Zweckgebundenheit ließe sich auch auf andere Bereiche staatlicher Tätigkeit übertragen. Man denke nur an die Entwicklungshilfe. Das britische Wissenschaftsministerium hofft auch auf eine transparentere Steuererhebung und spricht sogar von einem europäischen Umsatzsteuersystem. Im Prinzip kann alles, so die Behörde, was heute auf Papier steht, in eine solche Blockchain-Datenbank verlagert werden. Darüber hinaus hätte die dezentrale Lagerung den Vorteil, dass Cyber-Angriffe extrem schwierig werden – vorteilhaft für kritische Infrastrukturen.

Risiken und Chancen

Absolute Sicherheit gibt es nicht, das müssen auch die Blockchain-Befürworter eingestehen. So werden zwar Manipulationen von außen extrem unwahrscheinlich, weil immer die Mehrheit des Netzwerkes zustimmen muss. Jedoch kann jeder, der legitim auf eine Kopie der Datenbank zugreifen kann, durchaus auch andere manipulieren. Und extrem gedacht entstehen sogar totalitäre Dystopien: jeder einzelne Coin, den man besitzt, wird zweckgebunden. Hiermit dürfte man nur Lebensmittel kaufen, hiermit nur Produkte für die Gesundheit, hiermit nur Rentenvorsorge betreiben. Wo bleibt da die Selbstbestimmung?

Wie sieht nun die Prognose aus? Die Finanzbranche ist bereits auf den Blockchain-Zug aufgesprungen und wird dem Staat meilenweit voraus sein, sofern sich die Technologie als bereichernd herausstellt. Eine Umstellung auf Blockchain wäre im Allgemeinen jedoch mit großem Aufwand verbunden. Laut des britischen Wissenschaftsministeriums wäre es sogar einfacher, eine komplett neue sichere Infrastruktur aufzubauen, als die bestehende anzupassen. Der Bericht warnt auch davor, schnell und unbedacht zu handeln, da ein solches System langfristig angelegt ist und deshalb gut durchdacht werden muss. Ein anderer Bericht geht davon aus, dass die systemweite Implementierung in der Wirtschaft mindestens – wenn überhaupt – noch 10 Jahre brauchen wird. Vom Staat ist da noch nicht die Rede. Die Technologie befindet sich in einem sehr frühen Stadium der Entwicklung. Doch für das britische Wissenschaftsministerium ist die Blockchain die nächste große Disruption des Internet, ja gar der Gesellschaft: die Auswirkungen der Technologie könnten so bedeutend sein wie die Vereinbarungen der “Magna Carta”.

Zuerst erschienen auf politik-digital.de und steht unter CC BY-SA 3.0


Image (adapted) “Voting” by justgrimes (CC BY-SA 2.0)


Weiterlesen »

Hashtag-Debatte: Wie viel eigene Meinung lässt der Journalismus zu?

Yellow sign - Sanctuary rally #LetThemStay Melbourne (adapted) (Image by Takver [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Die eigene Meinung mit einbringen oder eine neutrale Berichterstattung erbringen? Das ist die Frage, die sich viele Journalisten stellen. Die jüngste Entscheidung des Obersten Gerichtshofes, welche Auswahlverfahren für Asylsuchende außerhalb der Landesgrenzen legalisiert, hat nicht nur eine Debatte entfacht, sondern auch die journalistische Objektivität ins Rampenlicht gerückt.

Die Debatte ist zweifellos emotional geladen, denn die Art, wie Australien mit Asylsuchenden umgeht, wird schon seit längerem überprüft. Für Journalisten, die an der Story arbeiten, ergibt sich ein kniffliges Problem – insbesondere wenn sie eine starke eigene Meinung zu dem Thema haben.

Halten sie an traditionellen journalistischen Grundsätzen wie Objektivität fest und berichten bloß über die Fakten? Wie können sie das in einer Welt der sozialen Netzwerke tun, in der von Journalisten erwartet wird, dass sie persönliche Markenzeichen und eine eigene Position entwickeln? Sollten sie überhaupt nach Objektivität streben? Oder müssen sie schlicht akzeptieren, dass sie ein unrealistisches Ideal und der gesamte Journalismus ohnehin Verfechtung ist?

Verfechtung gegen Objektivität

Das Auftauchen des Twitter-Hashtags #letthemstay und sein Gebrauch durch Journalisten, die über das Thema der Asylsuchenden berichten, wirft beispielsweise die Frage auf, ob die Themen Berichterstattung und Verfechtung zunehmend verschwimmen.

Zu einer Überprüfung verfechtenden Journalismus kam es auch im Rahmen der Enthüllung, dass der ABC-Artikel über einen fünfjährigen Jungen, der auf Nauru vergewaltigt wurde, nicht korrekt war.

Die Berichterstattung führte dazu, dass Michael Pezzullo, Sekretär des Ministeriums für Immigration und Grenzschutz, die zunehmende Voreingenommenheit im Journalismus beklagte. Er argumentierte: „Es kommt zu dem Punkt, an dem Verfechtung als Journalismus herumstolziert, der einer vernünftigen Diskussion über diese Angelegenheiten schadet.“

Das ganze knüpft zudem an eine größere Debatte der vergangenen Jahre an. Dabei meinen die einen, es sei ein Trend zum Verfechtungsjournalismus erkennbar. Andere sind davon überzeugt, dass es schlichtweg eine simplere Herangehensweise á la „Er hat gesagt, sie hat gesagt“ uns eigentlich einen schlechten Dienst erweist, so wie das Phänomen des falschen Gleichgewichts in wissenschaftlicher Berichterstattung.

Objektivität ist heute eines der teuersten Prinzipien des Journalismus, da diese viele nutzen, um ihre Existenz zu rechtfertigen. Dem war nicht immer so. Objektivität war hauptsächlich eine Erfindung des 19. und 20. Jahrhunderts, mit Hilfe derer Journalismus an eine größere Vielfalt von Menschen statt an ein Nischenpublikum appellieren sollte. Davor war jedoch parteipolitischer Journalismus die gängige Norm.

In einer Zeit, in der sich der Journalismus spaltet, scheint es, als wäre ein Nischenpublikum wieder wichtiger, weshalb sich einige Publikationen auf bestimmte Zielgruppen spezialisieren. Der Wind könnte sich somit wieder drehen.

Es ist beispielsweise bekannt, dass die Zeitung The Australian politisch nach rechts tendiert, während The Guardian eher links orientiert ist. Daraus wird kein großes Geheimnis gemacht, was Journalisten, mit denen ich gesprochen habe, auch ohne weiteres bestätigten.

Es scheint außerdem unter vielen Journalisten zunehmend die Annahme zu geben, dass Objektivität in jedem Fall ein unerreichbares Ideal ist, weil niemand jemals seine persönlichen Ansichten und subjektiven Annahmen komplett ignorieren kann.

Objektivität und der Aufstieg der sozialen Netzwerke

Dennoch scheint es, als wäre die Idee der Objektivität in den Gedanken australischer Journalisten weitgehend verwurzelt. Eine Umfrage, die ich 2013 durchgeführt habe, brachte hervor, dass drei von vier Journalisten dachten, es sei durchaus oder gar extrem wichtig, unparteiischer Beobachter zu sein. Dagegen fand es nur etwas mehr als ein Drittel sehr oder extrem wichtig, für soziale Veränderungen einzutreten.

Leider haben wir noch keine zuverlässigen langfristigen Daten zur Verfügung, um zu testen, ob diese Zahlen zunehmen. Aber sehen wir uns das Verhalten von Journalisten in sozialen Netzwerken an, welche zunehmend wichtige berufliche Instrumente sind, können wir einen anhaltenden Kampf beobachten: Den Kampf, zwischen beruflichen und persönlichen Blickwinkeln zu differenzieren.

Um auf Plattformen wie Twitter erfolgreich zu sein, reicht es nicht mehr einfach aus, Links zu den eigenen Stories zu posten. Man muss ebenso sehr eine persönliche wie auch eine berufliche Rolle präsentieren. Dies ist eine Angelegenheit, mit der sowohl viele Journalisten wie auch ihre Arbeitgeber zu kämpfen haben.

In welchem Maße können auf Twitter ausgedrückte persönliche Ansichten die eigene Berichterstattung beeinträchtigen? Die erfolgreichsten Journalisten haben durchaus ausgeklügelte Markenzeichen entwickelt und viele Arbeitgeber haben gerade dadurch entsprechende Erwartungen an ihre Reporter.

Meinung ist wichtig in diesem Mix, wie Journalisten sehr gut wissen, da Meinungsseiten in Zeitungen schon immer zu den beliebtesten Rubriken gehörten.

Zugleich sind Arbeitgeber misstrauisch, dass das persönliche Verhalten der Journalisten auf Twitter nicht mit dem Markenzeichen des Unternehmens in einen Konflikt gerät. Es hat einige öffentliche Fälle gegeben, in denen Journalisten aus diesem Grund ihren Job verloren haben. Die Richtlinien von sozialen Netzwerken sind immer noch undeutlich und wechselhaft.

Einige Journalisten führen jetzt einen Haftungsausschluss auf ihren Twitter-Profilen, dass ihre Ansichten bloß ihre eigenen sind. Eine neue Studie, die ich mit meinem Kollegen Axel Bruns durchgeführt habe, zeigt, dass 30% der australischen Journalisten Gebrauch von dieser Option machen. Das verhindert jedoch nicht unbedingt Konflikte und bedeutet nicht, dass sie so einer Bestrafung entfliehen.

Was nun?

Was heißt das also für die Journalisten, die über die Asylsuchenden berichten, aber beim Twittern auch den Hashtag #letthemstay benutzen? Es ist eine unglaublich verzwickte Angelegenheit. Journalisten müssen ihre eigene wohlüberlegte Entscheidung treffen, wie sie mit dem Hashtag umgehen wollen, da eine bloße Benutzung in einem Tweet nicht unbedingt auch Befürwortung signalisiert.

In solch einer emotionalen Angelegenheit ist es unrealistisch zu erwarten, dass sie keine Meinung haben und es könnte sogar gut für sie sein, offen damit umzugehen.

Journalisten, die ihre Meinung äußern und ihre Voreingenommenheit aussprechen, könnten als ehrlicher angesehen werden und zu einer zunehmenden Transparenz journalistischer Arbeit beitragen – sogar zu einer Entwirrung des Handwerks. Dies würde es dem Publikum wiederum erlauben, die konsumierten Nachrichten mehr zu schätzen und besser zu verstehen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.The Conversation


Image (adapted) „Yellow sign – Sanctuary rally #LetThemStay Melbourne“ by Takver (CC BY-SA 2.0)


Weiterlesen »

Digitale Innovationen brauchen Freiheit in Unternehmen

Innovation (adapted) (Image by Boegh [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Das wirtschaftliche Machtsystem ist schädlich für die Netzökonomie. Der frühere Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger will es noch mal wissen. Politisch in der FDP, publizistisch im Social Web und mit Büchern, Interviews sowie Reden. Der Niedergang des VW-Konzerns ist für ihn ein Menetekel für die Verkommenheit der Manager-Zunft. Seiner Wut macht Sattelberger vor allem auf Twitter Luft. Das Notiz-Amt präsentiert ein paar Tweet-Perlen @th_sattelberger.

Betrieblicher Gehorsamskäfig

Sattelberger belässt es nicht bei harschen Kommentaren über das Inzest-System des Top-Managements der DAX 30-Konzerne, von autoritär sowie selbstherrlich geführten mittelständischen Unternehmen und korrumpierbaren Elite-Hochschulen. Er will mit politischen Mitteln den Gehorsamskäfig in Betrieben aufbrechen. Wenn wir in der digitalen Sphäre von Partizipation, Transparenz und einer Kultur der Beteiligung reden und auch danach handeln, dürfe das in der Wirtschaft nicht ohne Konsequenzen bleiben.

Alter Taylorismus in digitalem Gewand

Wir dürfen jetzt nicht den alten Taylorismus, der das Arbeitsleben nach Befehl und Gehorsam taktet, in digitalem Gewand reproduzieren. “Die Gefahr eines digitalen Taylorismus ist das eigentliche Problem. Es geht in der digitalen Ökonomie um Humanisierung. Richtig ist, dass die Rechtsnormen für diese digitale Ökonomie stark hinterherhinken. Das sieht man an der Diskussion um Uber ganz trefflich. Trotzdem kann ich der Diskussion um Uber auch viel Positives abgewinnen. Innovation – auch eine soziale Innovation wie Crowdworking – beginnt nicht mit keuschen Idealen. Innovation beginnt häufig grau, schmutzig und ohne Ethik. Ich glaube, man muss eine soziale Innovation ein Stück weit laufen lassen, um dann zu sehen, wo normiert werden muss. Und wir dürfen auch nicht vergessen, dass es verschiedene Formen der Normierung gibt: Es gibt Gesetze, tarifvertragliche oder betriebliche Regelungen und kulturelle Normen. Wir müssen nicht immer gleich die Keule des Gesetzes rausholen”, so Sattelberger in dem von ihm mitherausgegebenen Opus “Das demokratische Unternehmen” – frisch gekürt als Wirtschaftsbuch des Jahres.

Netzökonomie braucht individuelle Mitbestimmung

Die Netzökonomie sollte schon mit intelligenteren Methoden gesteuert werden. “Meine Vision ist, dass die Welt der Arbeit um einen zukunftsfähigen Akteur reicher wird. Dieser Akteur ist das Individuum. Bisher gibt es nur die Unternehmer oder das Management mit Kontrollrechten und die Gewerkschaften oder Betriebsräte mit Schutzrechten. Das Individuum als Subjekt spielt in der Arbeitswelt noch kaum eine Rolle. Der einzelne Mitarbeiter wird entweder geschützt oder kontrolliert – als Objekt. Das ist Entmündigung. Gleichzeitig gibt es neue Impulse für die Mitbestimmung des Individuums. Die ersten Wissenschaftler diskutieren die Verankerung von individuellen Freiheitsrechten des Arbeitnehmers im Grundgesetz, zum Beispiel auf Meinungsfreiheit im Unternehmen. Damit diese Entwicklung eine Dynamik entfaltet, muss der gesetzliche Rahmen angepasst werden, der immer noch sehr betriebszentriert ist. In der Realität wird es den klassischen Betrieb immer seltener geben”, erläutert der Personalexperte. Unternehmen werden über die zunehmende Vernetzung räumlich und zeitlich entgrenzt – das gilt für Produktion und Dienstleistungen.

Die Wertschöpfung endet nicht mehr an den Grenzen des Betriebes, sondern verbindet eine Vielzahl von Unternehmen. “In Prozess-, Projekt-oder Community-Organisationen hecheln die Betriebsräte hinterher, weil sie ihren Platz in diesen Strukturen nicht mehr finden. Wandelt sich der Betriebsrat möglicherweise in der digitalen Ära zum Shop Stewart nach dem angelsächsischen Modell, also zu einem Berater und Coach von souveränen Individuen? Manager wie Betriebsräte verlieren an Macht. Wie will man das Home Office kontrollieren? Hier wird die Eigenverantwortung des Einzelnen gestärkt”, betont Sattelberger. Es verwundert mich nicht, warum sich Gewerkschaften, Betriebsräte und Arbeitgeberverbände in ihrem Widerstand gegen dezentrale Arbeit so einig sind.

Betriebsgenossenschaften und die Ergonomie meines Klos

Das kann man an der Debatte über Arbeitsschutz in den eigenen vier Wänden ablesen. Soll es etwa Betriebsbegehungen durch Arbeitsschützer der monopolistischen Betriebsgenossenschaften in meiner Wohnung geben, die sich anschauen, ob unser Feuerlöscher ordentlich an der Wand verdübelt ist und die Ergonomie unseres Klos den Standards für gesunde Stuhlgänge entsprechen?

Der Mitarbeiter ist kein unmündiges, zu schützendes und zu kontrollierendes Wesen mehr, sondern ein souveräner, eigenverantwortlicher Akteur. “Das Ich betritt wieder den Platz. Unternehmen und Gewerkschaften verlieren an Macht, der Co-Unternehmer gewinnt neue Freiheiten. Dafür braucht man Anpassungen in der Gesetzgebung: im Sozialversicherungsrecht, im Arbeitsrecht, im Arbeitsschutz und im Betriebsverfassungsrecht”, fordert Sattelberger.

Gewerkschaften und Arbeitgeber führen nach seiner Ansicht klassische Duopol-Diskussionen und verteidigen ihre Pfründe. Das Ziel sei es jedoch, Individuen zu stärken. Die Sozialpartnerschaft werde nicht abgeschafft, sondern es wird eine neue Konfiguration geben. Trio statt Duo – Arbeitgeber, Gewerkschaften und das Individuum.

Deutschland fördert die falschen Innovationen

Die Freiheit des Einzelnen ist ein entscheidender Katalysator der Netzökonomie. Amerikanische Technologie-Konzerne werden an der Spitze zwar feudal geführt. Darunter aber relativ demokratisch, weil die Innovatoren an der Basis Freiheit zum Denken und zum Experimentieren brauchen. “Der Zusammenhang zwischen Innovation und Freiheit ist ein Schlüsselthema. Deutschland ist nicht innovationsarm, aber Deutschland ist in der Art der Innovation arm. Wir schaffen hauptsächlich Effizienz-und Rationalisierungsinnovationen in den klassischen Branchen Maschinen- und Anlagenbau sowie Autobau. Die Basisinnovationen finden im Silicon Valley in Kalifornien, im Silicon Wadi rund um Tel Aviv, in Singapur oder in Boston mit Harvard und dem MIT als Denkfabriken statt. Dort werden ganz andere Geschäftsmodelle generiert. Von dieser Entwicklung ist Deutschland abgekoppelt. Wir sind das Maschinenhaus der Welt und verteidigen uns gegen die Attacken von China, während die USA als das Digital House davon eilen”, resümiert Sattelberger.

Wenn die deutschen Unternehmen den Weg der Demokratisierung und des Kulturwandels gehen, könnten sie wieder innovationsfähiger werden, jenseits von Effizienz-und Rationalisierungsinnovationen. Ein demokratisches Unternehmen gewinnt an technologischer und sozialer Innovationskraft. Also sollten wir uns von den Basta-Managern verabschieden. Wie und ob das gelingt, diskutieren wir vor und auf der Next Economy Open mit Thomas Sattelberger, Matthias Wendorf, Dr. Andreas Zeuch (Autor des Buches ­“Alle Macht für Niemand. Aufbruch der Unternehmensdemokraten”) und Bastian Wilkat. Den Anfang macht ein Streitgespräch via Live-Hangout.

Es folgt die Sattelberger-Keynote auf der #NEO15 am 9. November in Bonn über Unternehmensbürger, digitale APO und Offline-Rebellen http://nexteconomy.me/programm/.


Image (adapted) “Innovation” by Boegh (CC BY-SA 2.0)


 

Weiterlesen »

“Future of Data”: Daten-Debatten jenseits von Vorurteilen

Statt Debatten über die “Datensammelwut” von Unternehmen zu führen, sollte das Sammeln und die Verwendung von Daten ganzheitlicher gesehen werden. Das Szenario Building ist zu einem beliebten Werkzeug geworden und ersetzt das bekannte Bonmot “Wenn du mal nicht weiter weißt, dann gründe einen Arbeitskreis”. So ist auf Ebene der politischen und wirtschaftlichen Entscheider als entsprechend geschulter Berater leichtes Geld damit zu verdienen, wenn der Unsicherheit dieser Entscheider in einem globalisierten Weltgeschehen, die Scheinsicherheit eines Szenarios entgegen gehalten werden kann. Dass diese Szenarien allzu häufig in der Banalität zwischen “Kalter Marktwirtschaft” und “Sozialer Marktwirtschaft” oder auch gern “Vernetzte Welt” versus “Mensch steht trotz Technologie im Zentrum” enden, scheint nicht zu stören, fehlt doch allzu oft die Erfahrung, mehrfach einem solchen Prozess beigewohnt zu haben.

Daten sammeln: Wo stehen wir im Jahre 2025?

Der globale not-for-profit Future Agenda Foresight Prozess hat bewusst einen anderen Weg gewählt, konzentriert sich auf einzelne Schwerpunktthemen und verzichtet auch darauf, alle Meinungen in irgendwelche Matrizen einspeisen zu wollen, um am Ende ein Ergebnis zu bekommen, dass der PC scheinbar “genau” errechnet hat. In inzwischen über 100 Workshops, in über 50 Ländern, werden in einem strukturierten Diskurs bis zu 30 Themen (je Workshop aber nur ein Schwerpunktthema) besprochen und qualitativ zusammengefasst. Im Zuge der Workshop-Reihe hatte vor einiger Zeit in Köln ein “Future of Data”- Treffen stattgefunden.

Aufgrund eines ersten Brainstormings, wurden vor Ort die folgenden Entwicklungstendenzen bis zum Jahre 2025 identifiziert:

  • Datenapathie angesichts der nicht zu bewältigenden und zu interpretierenden Datenmenge

  • Gefahr simplifizierender Analysen aufgrund mangelnder Fähigkeit zur Operationalisierung der Möglichkeit zum Datensammeln

  • Daten werden verhaltensbestimmende Variablen

  • Big Data führt zu mehr Transparenz; Auswirkung auf bestehende Geschäftsmodelle unklar

  • #dataforgood wird immer relevanter

  • menschliches Miteinander, das immer mehr datenbestimmt ablaufen wird, muss neu definiert werden

  • steigende menschliche Abhängigkeit von datenbasierter Interpretation der (Um) Welt

  • Aufkommen von datengetriebenen Lebensstilen

  • Bindung der Lebenszyklen von Produkten an deren Datensammelfähigkeit

  • Dateninterpretation als neue Form der “Weisheit”

  • Sicherheit von Mobilität wird essenziell

  • Daten als Grundlage der Vermittlung von Bildung

  • Ethik der Daten

  • datengetriebene Anpassungen von Unternehmen statt durch Vorstandsentscheidungen

  • Suche nach der Grenze der Anwendung von Daten

  • potenzieller Backlash gegen die Nutzung von Daten

In einem nächsten Schritt wurden nun diese Aspekte aggregiert und mit Blick auf die mögliche Relevanz im Jahre 2025 priorisiert. Auffällig daran war, dass auch im Kreis der dem Thema gegenüber eigentlich eher aufgeschlossenen Teilnehmern, die spannungsgeladenen Fragen der Datensicherheit, der Privatsphäre und der durch Daten eventuell intendierten Ungleichheit dominierten.

Tabelle: Abstimmungsverhalten der Teilnehmer bezüglich der Frage nach der Relevanz der vorab genannten Unterthemen bis zum Jahre 2025

 

Zwang zur Konformität und Daten-Darwinismus?

Dieses Ergebnis war insofern spannend, als dass Daten(schutz) nicht, wie so häufig üblich, als Selbstzweck betrachtet wurde, sondern das Ziel eine politische, wie auch gesellschaftspolitische Einordnung der Datenthemen darstellte, was sich in der abschließenden qualitativen Debatte über die Priorisierung auch zeigte:

1. Intelligentes Sammeln von Daten statt blinder Datensammelwut: Das Internet der Dinge wird zu einem weiteren Anstieg der gesammelten Daten führen. Mehr denn je muss sich aber rechtzeitig Gedanken darüber gemacht werden, welche Daten denn überhaupt sinnvoll ausgewertet werden können. Während man im Einführungskurs zur “Empirischen Sozialforschung” an der Uni bereits zu hören bekommt, dass die Forschungsfrage vor dem Sammeln von Daten bekannt sein muss, gehen manche Datenanalysten anscheinend allzu oft den Weg, im Datenkonvolut nach interpretierbaren Mustern zu suchen, um das Datensammeln gegenüber den Investoren und den Usern im Nachhinein zu rechtfertigen.

2. Juristische Rules of the Game: Es bedarf – unabhängig von der Art der Daten und der sammelnden Institution – dringend weltweit gültiger Spielregeln zum Umgang mit diesen Daten. Nur datenbezogene Grundrechte, wie der jederzeitige Zugang zu den eigenen Daten bei Unternehmen oder staatlichen Verwaltungen, werden auf Dauer die Akzeptanz der Datensammlungen erhalten. Das Spannungsfeld zwischen nationalen politischen Regelungssystemen und kulturellen Unterschieden im Umgang mit personenbezogenen Daten, lässt diese Aufgabe aber auch utopisch erscheinen. Wie wäre es daher, eine Art Global Governance in diesem Bereich aufzubauen und zu legitimieren?

3. Digital Literacy: Der Umgang mit und der Zugang zu den eigenen Daten, muss Bestandteil der schulischen Bildung werden. Nur damit kann Datensouveränität im Sinne des Verständnisses der Relevanz der eigenen Daten in einem ökonomischen und politischen Kontext erreicht werden.

4. Moralische Dimension datenbasierter Entscheidungen: Wie sind datenbasierte Entscheidungen, wie das schon häufig vorgebrachte Unfall-Vermeidungsszenario selbstfahrender Autos und das mit einhergehende Entscheidungsdilemma moralisch zu bewerten? Wer entscheidet vor welchem kulturellen Hintergrund, welche Entscheidung die moralisch “richtige” ist? Wie kann Transparenz über die moralischen Eckpunkte von Algorithmen, die solchen Entscheidungen zugrunde liegen, hergestellt werden, ohne das jeweilige Geschäftsmodell zu gefährden?

5. Daten-Darwinismus: Der Umgang mit Daten, sei es auf unternehmerischer, politischer oder individueller Ebene, wird schon bald über die Überlebensfähigkeit, insbesondere von Unternehmen und die Lebensqualität, des Einzelnen entscheiden. Datenungleichheit kann damit zu Ungleichheit in den unterschiedlichsten Lebensbereichen führen. Wie gehen wir mit diesem Daten-Darwinismus um, die aus der gekonnten Anwendung von Human-Data-Teaming Einzelner entsteht? Die aktuelle Debatte um die finanzielle Beteiligung von Krankenkassen am Kauf von Wearables und Health Apps, deuten den sich abzeichnenden Kontext von digitaler Affinität und daraus resultierender persönlicher Livelihood an.

6. Dateninduzierter Druck zur Konformität: Wenn wir Big Data nutzen, um Generalisierungen, Muster in großen Datenmengen oder aber Gruppen von Menschen zu kategorisieren, steigt die Gefahr, dass das Individuum mit abweichenden Verhalten, Meinungen, Leistungsindikatoren oder Gesundheitsdaten negativ auffällt. Die Kosten der Abweichung können beim “Abweichler” oder auch in der Gesellschaft anfallen. Wie geht eine Gesellschaft damit um? Wie können wir trotz allem Individualität in ein Zeitalter von Big Data hinüber retten? “Habe ich ein individuelles Recht auf eine ungesunde Lebensführung?”. Könnte dieser Blickwinkel überspitzt beschrieben werden? Wie weit wird unsere Toleranz dem Individualisten gegenüber im Zeitalter des Datensammelns gehen?

Die Ergebnisse aller globalen Workshops zum Thema Future of Data können hier nachgelesen werden.

“Datenkrake” als politischer Kampfbegriff?

Sowohl beim Blick auf die Ergebnisse des Treffens in Deutschland als auch der weiteren globalen Workshops wird deutlich, dass wir die in den deutschen Traditionsmedien stets nur unter dem Hinweis die “Datenkraken” Facebook und Google vollkommen verengt geführte Debatte, dringend ausweiten müssen. Netzpolitik.org hat erst gerade wieder auf das Lobbying der US-Regierung hingewiesen, mit dem versucht wird, der Welt einseitig die amerikanischen Vorstellungen zum Umgang mit personenbezogenen Daten aufzudrücken.

Im Rahmen der vor kurzem stattgefundenen Telemedicus Sommer Konferenz, wurde eine Übersicht über die verschiedenen Daten(schutz)-Aspekte in den sozialen Medien herumgereicht, die ebenfalls sehr schön die Komplexität des Themas darstellt, die natürlich sehr weit über die dumpfe Datenkranken-Sematik hinausreicht. Wir sollten versuchen, die Daten-Debatte im Interesse einer sehr viel weiter reichenden Verwendung als der Analyse persönlichen Like-Verhaltens auf Facebook zu führen. Die oben genannten Aspekte, die keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit erheben, deuten dabei an, dass “Daten” immer in einem inhaltlichen Kontext gesehen werden sollten. Überlassen wir dieses wichtige Thema nicht den Traditionsmedien.

Der Beitrag basiert auf den seit August 2015 vollständig vorliegenden Ergebnissen eines Treffens von Experten im Zuge des Foresight-Prozesses “Future Agenda” zu dem übergeordneten Thema “Zukunft der Arbeit/Datennutzung” im April diesen Jahres.


 


 

Weiterlesen »

Whistleblower verdienen mehr Respekt!

Berliner PRISM-Demo 2013 (Teaser by Mike Herbst [CC BY-SA 2.0], via Flickr)

Whistleblower sind derzeit wieder verstärkt im Gespräch – bekommen in unserer Gesellschaft aber noch immer nicht den Respekt, den sie verdienen. Sei es Chelsea Manning, Edward Snowden oder die anonymen Quellen hinter den neuesten WikiLeaks-Veröffentlichungen – Whistleblower und ihre Enthüllungen sind aus den Nachrichten und den politischen Diskussion seit Jahren nicht mehr wegzudenken. Sie haben uns in vieler Hinsicht die Augen über unsere Welt geöffnet. Dennoch wird ihnen nach wie vor wenig Respekt gezollt, werden sie nach den Enthüllungen schnell vergessen oder schlimmstenfalls gar als Verräter und Verbrecher gebrandmarkt. Das muss sich ändern – wir müssen Whistleblower als Helden anerkennen und ihren Mut angemessen würdigen.


Warum ist das wichtig? Whistleblower sind moderne Helden – leider ist das vielen Menschen in unserer Gesellschaft nicht klar.

  • Der Kontrast von Informationsgesellschaft und staatlicher Geheimnistuerei macht Whistleblower wichtiger denn je.

  • Als kritische Menschen sollten wir Solidarität mit Whistleblowern zeigen und bei unseren Mitmenschen anregen.

  • Eine ebenso wichtige Würdigung ist es aber auch, Konsequenzen aus dem geleakten Material zu ziehen. Auch das geschieht derzeit nur in den seltensten Fällen.


Glenn Greenwald gibt Interview zu Manning und Snowden

Kürzlich gab der investigative Journalist Glenn Greenwald ein interessantes Interview zu den Whistleblowern Chelsea Manning und Edward Snowden (mit beiden hatte er in den letzten Jahren beruflich zu tun). Greenwald befasst sich dabei vor allem mit der Frage, warum gerade bei der US-amerikanischen Öffentlichkeit Snowden weitaus eher akzeptiert, sogar anerkannt wird als Manning. Immerhin haben beide bedeutende Staatsgeheimnisse enthüllt – und dabei umfassende Verbrechen der US-Regierung, -Geheimdienste und -Streitkräfte aufgedeckt.

Greenwald argumentiert, einerseits sei diese Diskrepanz in persönlichen Faktoren begründet. Manning ist transsexuell, was auch im Jahr 2015 noch vielen Menschen unheimlich ist, während Snowden eher wie der nette Junge von nebenan wirkt und noch dazu eine hübsche Freundin hat, mit der er mittlerweile in Russland zusammenlebt. Das macht es Snowden nach Greenwalds Ansicht leichter, Sympathien zu erringen. Erfreulich oder fair ist das nicht, aber leider wohl realistisch.

Der wahrscheinlich wichtigere – und zumindest politisch interessantere – Faktor ist aber wohl, dass bei Manning die Kriminalisierung und Dämonisierung durch die Mächtigen anscheinend zumindest ein Stück weit Erfolg hatte. Manning wurde direkt nach ihren Leaks inhaftiert, später vor Gericht gestellt und verurteilt. Das prägt die öffentliche Wahrnehmung – allzu viele Menschen sind wohl bereit, Mannings Handlungen angesichts der Tatsache, dass sie deswegen derzeit eine Haftstrafe verbüßt, ebenfalls als suspekt zu sehen. Zudem kann Manning aufgrund ihrer Inhaftierung die öffentliche Diskussion kaum mitgestalten. Zwar gelang es ihr, im Laufe der Jahre einige Kommentare zu schreiben und Interviews zu geben. Im Großen und Ganzen aber wird sie von der öffentlichen Diskussion effektiv fern gehalten.

Anders Snowden. Er schaffte es, sich der Strafverfolgung durch die USA zu entziehen, ging mutig mit seinen Leaks an die Öffentlichkeit und erklärte seine Motive für seinen kontroversen Schritt. Seitdem ist er immer wieder in den Medien, erklärt, nimmt Stellung, hält Vorträge. Ein Dokumentarfilm über ihn wurde sogar mit einem Oscar ausgezeichnet, indirekt auch eine Würdigung Snowdens und der gesellschaftlichen Bedeutung seiner Enthüllungen.

Snowdens Anerkennung ist ein wichtiger erster Schritt hin zu mehr Würdigung von Whistleblowern. Aber auch er wird vielfach noch nicht so gewürdigt und unterstützt, wie es angemessen wäre, erhält zum Beispiel von keinem westlichen Land Asyl (teilweise wohl auch auf Druck der USA) und wird nach wie vor von politischen Gegnern offen verleumdet und bedroht. Und Mannings Fall zeigt, dass Whistleblower, auch wenn sie offensichtlich aus idealistischen Motiven handeln und ihre Enthüllungen unser Verständnis von Politik und Gesellschaft maßgeblich fördern, nicht in jedem Fall mit unserer Solidarität rechnen können, dass diese vielmehr von individuellen Faktoren abhängig ist und wir es den Mächtigen zu leicht machen, unsere Meinung durch Propaganda und Einschüchterung zu beeinflussen.

Whistleblower – wichtiger denn je

Whistleblower, das zeigen die aktuellen Fälle, sind wichtiger denn je. Einerseits leben wir in einer Informationsgesellschaft, in der Wissen, mehr als jemals zuvor, Macht ist. Andererseits überbieten sich die Regierungen in Geheimnistuerei und nutzen immer wieder die nationale Sicherheit als Deckmantel für Größenwahn, ungezähmtes Machtstreben, Vertuschung von Verbrechen und schlichte Wirtschaftsspionage. Wir sollten dankbar sein, dass es Menschen gibt, die diese Machenschaften aufdecken, auch wenn sie dabei erhebliche persönliche Risiken eingehen.

Solidarität jetzt!

Es ist an der Zeit, dass wir Solidarität mit Whistleblowern zeigen, die uns die Machenschaften von Staat und Wirtschaft offen legen, dass wir sie – unabhängig von Repression und Kriminalisierung – als das anerkennen, was sie sind: Moderne Helden, die mit großer Zivilcourage versuchen, unsere politische Situation zu verbessern, und dafür häufig große persönliche Nachteile in Kauf nehmen. Nur darum sollte es gehen, nicht darum, ob ein Whistleblower, der so sehr zum Allgemeinwohl beiträgt, dabei womöglich den Buchstaben des Gesetzes verletzt (das ist sowieso Auslegungssache und die Auslegung allzu häufig durch Macht und Geld beeinflussbar) oder ob uns seine Nase passt.

Aber damit ist es nicht getan. Unsere Dankbarkeit und Anerkennung sollten wir nicht allein ausdrücken, indem wir beispielsweise Asyl für Snowden fordern oder Chelsea Manning bei ihren Gerichtskosten unterstützen (nicht, dass beides nicht absolut wichtig und notwendig wäre). Ebenso wichtig ist es, dass wir Konsequenzen aus den geleakten Informationen ziehen. Kein Whistleblower riskiert sein persönliches Glück und seine Freiheit, damit wir, wie es in den letzten Jahren nur allzu häufig geschehen ist, in den Nachrichten über die neuesten Enthüllungen lesen, uns kurz ärgern, einen wütenden Kommentar in irgendein Online-Forum schreiben und bei der nächsten Wahl doch wieder unser Kreuz bei denjenigen machen, die uns erwiesener Maßen in großem Stil hintergehen, anlügen und überwachen. Es ist vielmehr an der Zeit, auf die Straße zu gehen, politischen Druck auszuüben und unsere Mitmenschen so gut wie möglich über alles, das mutige Menschen wie Snowden und Manning uns offenbart haben, zu informieren. Nur dann werden deren Akte die politische Relevanz haben, die sie verdienen.


Teaser „PRISM Demo“ by Mike Herbst (CC BY-SA 2.0)


Weiterlesen »

5 Lesetipps für den 11. Juni

In unseren Lesetipps geht es heute um Trolle gegen Reddit, Apple Music, Pornhub will ins Weltall, Transparenz in den Medien und Datenhehlerei. Ergänzungen erwünscht.

  • REDDIT The Verge: If this is the beginning of the end of Reddit, then Reddit deserves to die: Reddit setzt zum ersten Mal seine neuen Richtlinien gegen Belästigungen durch und schließt ein paar Subreddits. Der Mob läuft Sturm und spricht von Zensur. Durch Abwanderung wollen sie Reddit jetzt zerstören, wenn es nicht wieder der vermeintlich unkontrollierte Ort wird, der es für viele einmal war. Doch Reddit war nie ein Ort der freien Meinungsäußerung, wie T.C. Scottek in seinem Artikel auf The Verge erklärt. Elitäre Trolle löschten nach eigenen Vorstellungen wie sie wollten. Sollte Reddit nachgeben bzw. den Abgang dieser Trolle nicht verkraften, dann hat es auch nicht verdient, länger zu existieren.

  • APPLE MUSIC t3n: Warum Apple Music erfolgreich werden wird, obwohl es ein minderwertiges Produkt ist: Die hochgelobte Revolution bleibt mit Apple Music aus, findet Moritz Stücker in seinem Kommentar auf t3n zurecht. Das Produkt ist dem wohl bekanntesten Streaming-Dienst Spotify unterlegen und trotzdem erfolgreich sein, denn Apple ist mit seinem iPhones, iPads und diversen Notebooks viel zu groß, um nicht schnell eine relevante Nutzerzahl aufzubauen. Doch das, diese Anmerkung sei mir hier gestattet, kann am Ende dem Thema Streaming allgemein auch nur nutzen, weshalb auch andere Unternehmen grundsätzlich von Apple Vorstoß profitieren werden.

  • PORNHUB Digital Trends: Pornhub wants to film a sex tape in space: Zurzeit gibt es sehr viele Projekte, die ins Weltall wollen. Dazu gesellt sich jetzt auch die Erotikvideo-Webseite Pornhub, die an sich öfters durch ungewöhnliche und teilweise individuelle Ideen auffällt. Pornhub möchte einen Crowdfunding-Kampagne auf Indiegogo starten, um 3,4 Millionen US-Dollar einzunehmen. Ziel ist es, ins Weltall zu fliegen und dort einen Porno zu drehen. Kann man machen.

  • TRANSPARENZ Carta: Vom Nutzen der Transparenz: Transparenz ist kein Selbstzweck, bringt es der österreichische Journalist Konrad Mitschka bei Carta auf den Punkt. Medien, gerade öffentlich-rechtliche, sind im Diskurs um das rechte Maß an Transparenz in zweierlei Hinsicht berührt. Einerseits sollen sie Sachverhalte transparent machen, andererseits selbst transparent sein. Aber es gilt, Asymmetrien zwischen Marktteilnehmern zu verhindern.

  • DATENHEHLEREI Technology Review: Startup will im Dark Web nach gestohlenen Daten suchen: Es ist an sich das „Follow The Money“-Prinzip: ein US-amerikanisches Startup durchsucht das sogenannte Dark Web, also alles was Google im Netz nicht kennt, nach Angeboten für den Kauf von fremden Daten. Ein gutes Zeichen für Datendiebstahl, was dadurch wiederum aufgedeckt werden soll, denn oft wissen Unternehmen gar nicht, dass sie gehackt sind. Das macht diese Daten u.a. so wertvoll. Mit der Erkenntnis eines Angebots können Unternehmen aber schneller Gegenmaßnahmen treffen.

CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

Nutze Netzpiloten 1-Klick: Mit nur einem Klick werden dir bequem alle 40 Sekunden die hier besprochenen Seiten „vorgeblättert“ START.

Weiterlesen »

Warum afrikanische Anführer ihre Kommunikation verbessern müssen

50th anniversary African Union Summit in Addis Ababa, Ethiopia (Image by State Department [Public Domain], via Wikimedia Commons)

Das oft klischeehafte Bild afrikanischer Politik beruht auch auf der Unfähigkeit der politischen Spitzen, richtig mit den Medien und der Öffentlichkeit zu kommunizieren. Hin und wieder passiert einem der afrikanischen Anführer ein Ausrutscher und sie sagen oder tun etwas Unangebrachtes. Ob das nun absichtlich passiert oder nicht, diese Pannen tragen unbeabsichtigt zu der negativen und stereotypischen Wahrnehmung bei, die Afrika von inneren und äußeren Kritikern einzusammeln scheint.

Negative Presse, die durch diese Art der Fehlgriffe hervorgerufen wird, richtet sich nicht gezielt gegen afrikanische Anführer und Manager, aber wenn die negative Auffassung von Afrika als Kontinent der Mittelmäßigkeit, der Schwermut und des Verderbens sich verbreitet, und dieser Eindruck verändert werden soll, müssen afrikanische Anführer lernen, effektiver zu kommunizieren. Das schließt auch mit ein, dass sie darüber nachdenken, wie sie sich in der Öffentlichkeit verhalten sollten.

Der scheidende nigerianische Präsident Goodluck Jonathan musste dies auf die harte Tour lernen, als er auf einer Hochzeit fotografiert wurde, nachdem zwei Tage zuvor Boko Haram 2000 Menschen in Bakra niedergemetzelt hatten. Sein burundischer Gegenspieler Pierre Nkurunziza wurde in der vergangenen Woche scharf kritisiert, weil er lieber Fussball mit seinen Freunden spielte, während das Land in Brand stand.

Mit negativer Wahrnehmung umgehen

Der Prozess, mit negativen Wahrnehmungen umzugehen, sollte damit anfangen, dass die Anführer lernen, wie sie sicher gehen können, dass ihre Aussagen nicht verloren oder ignoriert wurde, nur weil sie die Kommunikation nicht sonderlich gut beherrschen. Anstatt Journalisten einzusperren oder die Medien in ihrer Arbeit zu behindern, sollten die afrikanischen Anführer die Medienfirmen als wichtige Verbündete anerkennen.

Viele westliche Anführer haben diese Lektion bereits gelernt. Sie bedienen sich einer Bandbreite an Methoden, wie beispielsweise Öffentlichkeitsarbeit, Informationskampagnen, sanfter Machtstrukturen und „öffentlicher Diplomatie“. Das beeinflusst, wie sie zu Hause gesehen werden und gewährleistet zugleich, dass die Berichte in der weltweiten Medienlandschaft dominant bleiben.

Am Schwierigsten wird es für Anführer in Krisensituationen mit den Medien zurecht zu kommen. Auch wenn es in nicht krisenreichen Zeiten ebenso herausfordernd ist, wird die Fähigkeit eines Anführers, mit Reportern umzugehen und zu kommunizieren, normalerweise dann auf die größte Probe gestellt, wenn ein unvorhergesehenes Ereignis eintritt.

Effektive Kommunikation beinhaltet üblicherweise, dass man auf die Quelle, die Nachricht, den Kanal und den Empfänger achtet. Der Fokus liegt hier auf der Rolle des Anführers als Kommunikationsquelle in einer Krisensituation.

Der Schlüssel, um sicherzustellen, dass ein Führer mit seinem oder ihrem unversehrten Ansehen hervorgeht, nachdem er während einer Krise mit den Medien interagiert hat, ist die Qualität der verbalen und nonverbalen Kommunikation. Der erfolgreiche Krisenkommunikator ist transparent, erreichbar, vertrauenswürdig und zuverlässig und besitzt die Fähigkeit, Informationen effektiv zu vermitteln.

Regeln für eine effektive Kommunikation

Das braucht jeder effektive Krisenkommunikator in seinem Arsenal:

Transparenz: Offenheit und Verantwortung lautet die Parole. Eine vollständige Offenlegung der Informationen sollte die Norm sein. Die Anführer sollten offen sein und die Geschehnisse in ihrer Vollständigkeit mitteilen, um die Reporter davon abzuhalten, sich weitere Quellen zu beschaffen. Sie sollten die Fakten und alle Fragen beantwortet bekommen, aber man sollte nicht den Eindruck bekommen, dass sie etwas verschweigen. Wenn sie nicht alle Fakten kennen, sollten sie schlichtweg mitteilen, dass sie noch nicht alle Details kennen, aber sich der Materie annehmen und auf sie zu einem späteren Zeitpunkt zurückkommen würden.

Vertrauen und Glaubwürdigkeit: Es existiert eine Vielzahl an Berichten über Korruption auf dem Kontinent, daher taucht die Fragen nach Vertrauen und Glaubwürdigkeit hier öfter auf. Glaubwürdigkeit entwickelt sich erst durch einen konsistenten, langzeitigen und ehrlichen Umgang mit den Medien.

Bündnispartner: Afrikanische Anführer sehen die Medien oft als Gegner. Das muss aber nicht so sein. Um genau zu sein, sind gute Beziehungen zwischen Medien und anderen Akteuren wichtig, um die Zusammenarbeit aufrechtzuerhalten und Lösungen zu finden.

Manche Menschen glauben, wenn man die Medien lang genug vermeidet, werden sie von selbst verschwinden. Nichts könnte falscher sein. Tatsächlich ist der Schlüssel zu einer erfolgreichen Partnerschaft mit Journalisten, zunehmend erreichbar zu sein. Die Medien bereiten ein Ereignis für viele verschiedene Zuschauer auf, daher brauchen sie immer wieder eine direkte Resonanz.

Eine Geschichte gut erzählen: Eine Führungskraft sollte das Publikum fesseln, indem sie leidenschaftlich und wahrheitsgemäß ist. Sie sollte keinen Reporter beschimpfen, der unangenehme Fragen stellt, und Journalisten nicht anweisen, nur über bestimmte Dinge zu sprechen. Wenn eine unerwartete Frage auftaucht, muss sie nicht sofort beantwortet werden. Es sollte sich die Zeit genommen werden, Gedanken zu ordnen, bevor geantwortet wird. Stille ist okay, denn sie zeigt, dass die Person nachdenkt und sorgfältig und mit Vorsicht antworten möchte. Trotzdem sollten „Ääähs“ vermieden werden.

Oberhäupter, die diese Tipps beherzigen, werden ihre Begegnungen mit Journalisten im Privaten und in der Öffentlichkeit nicht mehr als Bedrohung wahrnehmen. Die Interaktion wird beiderseitig von Nutzen sein, sowohl für die Anführer, die ihre Agendas bewerben müssen, als auch für die Medien, die die Bürger informieren wollen.

Der Artikel ist zuerst auf theconversation.com erschienen und unter CC BY-ND 4.0 lizensiert. Übersetzung von Anne Jerratsch.


Teaser & Images „50th anniversary African Union Summit in Addis Ababa, Ethiopia“ (adapted) by State Department (Public Domain)


Weiterlesen »

Entscheidungsmacht von Algorithmen: Mensch versus Algorithmus

Algorithmus (Bild by geralt [CC0] via pixabay).jpg

Algorithmen bestimmen mittlerweile unser tägliches Leben. Aber ist eine von Menschen getroffene Entscheidung richtig, auch wenn der Algorithmus das anders sieht? Algorithmen versuchen ein Problem zu lösen, in dem sie den Vorgang der Problemlösung genau beschreiben. Sie werden von Menschen entwickelt, um dann eigenständig nach vorgegebenen Parametern Ergebnisse zu liefern. Google präsentiert uns nach einem von Experten erarbeiteten Algorithmus die Suchergebnisse auf unsere gestellte Frage. Amazon versucht uns Empfehlungen nach einem Algorithmus vorzuschlagen und Facebook passt unsere Timelines nach einem Algorithmus an. Doch wie fehlerfrei kann etwas von Menschen entwickeltes sein?


Warum ist das wichtig? Durch die umfassende Digitalisierung unserer Gesellschaft sind Algorithmen ein fester Bestandteil unseres Lebens.

  • Algorithmen bestimmen unsere Gesellschaft, aber ohne Transparenz können sie nicht ethisch bewertet werden.

  • Entwicklungen wie Deep Learning treiben die „Menschwerdung“ von Algorithmen voran, ohne die Schwachstellen des menschlichen Denkens.

  • Erst das Ergebnis zeigt uns, ob Mensch oder Algorithmus Recht haben. Vorhersagen lässt sich das oftmals nicht.


Auch das Navigationsgerät eines Autos funktioniert nach einem Algorithmus: es erfasst den besten, schnellsten oder energieeffizientesten Weg. Was aber, wenn ich, als Mensch, einen schnelleren Weg kenne? Wenn ich eine andere Entscheidung treffe als mir der Algorithmus des Navigationsgerät vorgibt? Bin ich dann immer noch im Recht?

Das Beispiel mit dem Navigationsgerät wirkt einfach zu lösen: Solange das Ziel erreicht wird, war die Entscheidung richtig, unabhängig von der gewählten Strecke. Ob die Strecke, die das Navigationsgerät berechnet hat, oder die man letztlich gefahren ist, schneller war, kann kein Auto fahrender Mensch beurteilen. Außerdem spielen weiteren Faktoren wie der Verkehr, Baustellen und auch Ampeln eine Rolle.

Wie sieht es aber mit Algorithmen in einem Krankenhaus aus? In der ersten Folge von „Looking into Black Boxes“ wird erklärt, wie im Krankenhaus Berlin-Marzahn das „Manchester Triage System“ verwendet wird. Dieses beinhaltet einen Algorithmus, der die Patienten nach Symptomen einteilt und sie dementsprechend in einem bestimmten Zeitraum behandelt werden. Andere Algorithmen überwachen beispielsweise die Dosierung von Medikamenten.

Hier stellt sich wieder die gleiche Frage: Wie weit kann der Mensch auf die Maschine vertrauen? Und: Wenn der Mensch dem Algorithmus widerspricht, wer hat dann Recht?

Ethische Aspekte von Algorithmen

Algorithmen kann eine Ethik beiwohnen, solange sie Konsequenzen für unser tägliches Leben haben, so Zeynep Tufekci gegenüber der taz. „Sie sind zwar nicht lebendig, aber sie sind handlungsmächtig.“ Die Frage, die sich nun stellt, ist die ethische Verantwortung der Menschen hinter dem Algorithmus.

Es gibt immer einen Entwickler, welcher aus einer Formel einen funktionierenden Algorithmus entworfen hat. Letztlich setzt dieser die Parameter fest, nach denen der Algorithmus dann arbeitet und handlungsmächtig agiert. Im Endeffekt entscheiden diese dann auch, was richtig und falsch ist.

Um eine Entwicklerethik festzulegen und auch kontrollieren zu können, müssten Algorithmen transparent gemacht werden. Bisher sind die meisten Algorithmen nur für die Unternehmen dahinter zugänglich. Alles, was wir kaufen, recherchieren oder lesen, wird in Datenbanken gesammelt, ist für Unternehmen jederzeit verfügbar und kann einfach per Fernzugriff geändert werden.

Fehlende Transparenz

Für die Nutzer gibt es allerdings keinerlei Transparenz oder Kontrolle. Mit jedem Nutzer-Account, das wir uns zulegen, tragen wir wieder ein neues Konto in die Datenbank einer Firma ein, die Informationen über uns sammelt und aus diesen versucht, uns ein Erlebnis zu schaffen, was sich in irgend einer Form monetarisieren lässt.

Ohne Transparenz können wir als Gesellschaft nicht entscheiden, ob der Algorithmus nach ethischen Parametern entscheidet oder nicht. Arbeitet ein Algorithmus nach unethischen Vorgaben, sollte sein Ergebnis anzuzweifeln sein. Entspricht die vom Menschen getroffene Entscheidung den ethischen Vorgaben, ist sie klar als richtig zu bewerten, auch wenn der Algorithmus etwas anderes sagt.

Jedoch wird es ein schwieriges bis unmögliches Unterfangen, die Unternehmen zur Offenlegung ihrer Algorithmus-Parameter zu bringen. Daher wird eine ethische Bewertung so schnell nicht möglich sein.

Deep Learning – die neue Zukunft?

In der Forschung rund um Algorithmen werden immer mehr Fortschritte erzielt. Deep-Learning-Algorithmen sind auf dem Weg, ähnlich des menschlichen Gehirn zu funktionieren, in dem menschliches Lernen imitiert wird. Damit gehen die Entwickler einen großen Schritt Richtung Künstliche Intelligenz.

Lernfähige Algorithmen geben die Hoffnung, dass man Ihnen ethisches Verhalten „beibringen“ kann und sie somit irgendwann evaluieren können, was ethisch nicht vertretbar ist. Sind die Ergebnisse solcher Algorithmen dann bald besser als die Entscheidungen, die Menschen treffen? Und wer hat dann die Handlungsmacht?


Teaser & Image (adapted) by geralt (CC0)

 

Weiterlesen »

MyPermissions: Ein digitaler Türsteher

Olivier Amar von MyPermissions (Image: Florian Falzeder)

Olivier Amar will mit MyPermissions den Nutzern von Apps die Hoheit über ihre Daten zurückgeben und ein bisschen mehr Transparenz herstellen. // von Angela Gruber

Olivier Amar von MyPermissions (Image: Florian Falzeder)

Wer eine App installiert, muss erst einmal eines: Rechte abgeben. Viele Anwendungen wollen Zugriff aufs Telefonbuch, das Mikrofon, die Kamera, den Standort und etliche weitere Daten des Smartphones und seines Besitzers. Die Informationen gehen nicht nur an die Macher der App, sondern oft auch an Dritte, zum Beispiel Werbefirmen. Olivier Amar versucht, dem Nutzer mit seiner Firma MyPermissions die Hoheit über seine Daten wieder zurückzugeben – zumindest so weit das überhaupt möglich ist.

Weiterlesen »

Weiterlesen »

5 Lesetipps für den 23. März

In unseren Lesetipps geht es heute um deutsche Aufsichtsräte, ein „ebolasicheres“ Tablet, Pressefreiheit in der Türkei, Google und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Ergänzungen erwünscht.

  • WIRTSCHAFT Capital: Wo sind die alten Männer für den Aufsichtsrat?: Auch wenn mir noch nicht ganz klar ist, unter welchen Umständen Bernd Ziesemer vom Handelsblatt zu Capital gekommen ist, das Online-Magazin hat mit mir einen neuen Leser gewonnen, denn Ziesemers Kolumnen sind stes lesenswert. So auch sein heutiger Beitrag über Deutschlands Aufsichtsräte, denen nicht nur Frauen fehlen, um die Quote zu erfüllen, sondern auch geeignete Männer für den Vorsitz.

  • EBOLA Heise Online: Freiwillige haben zusammen mit Google ein „ebolasicheres“ Tablet entwickelt: Freiwillige haben zusammen mit Google ein Tablet (wahrscheinlich ein Android-Tablet) entwickelt, das auch dass Übergießen mit Chlor aushält. Damit ist es „ebolasicher“ und das war auch das Ziel des Projekts. Ärzte, die Ebola-Patienten unterstützen, sollten ein Arbeitsgerät haben, das sich auch mit Schutzhandschuhen bedienen lässt und Wetterbedingungen wie Stürmen sowie großer Feuchtigkeit widerstehen kann.

  • PRESSEFREIHEIT Today’s Zaman: Journalist Kaba? reads ‘manifesto’ on TV ahead of court appearance: Die Journalistin Sedef Kaba? soll in der Türkei für fünf Jahre inhaftiert werden, da sie über Korruption in der Regierung twitterte und wie diese vertuscht werden soll. In einer Fernsehsendung verlas sie jetzt ein Statement zu dem gegen sie angestrengten Gerichtsverfahren, das Today’s Zaman veröffentlicht. Kaba? steht weiterhin hinter ihrem Tweet und wird vor dem Gericht erscheinen.

  • GOOGLE Spiegel Online: Google soll Konkurrenz mit Ausschluss gedroht haben: Angeblich plante die US-Handelsaufsicht FTC (Federal Trade Commission) im Jahr 2012 ein Kartellrechtsverfahren gegen Google, da das Unternehmen seine vermeintliche marktbeherrschende Stellung ausgenutzt haben soll. Woher weiß das von Spiegel Online zitierte Wall Street Journal das? Der niemals veröffentlichte Bericht über das dann doch nicht umgesetzte Vorhaben wurde ausversehen an Journalisten weitergeleitet.

  • RUNDFUNK Carta: Transparenz und Partizipation beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk: Auf Carta.info wird gerade viel über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk diskutiert, vor allem seine Zukunft. Hanno Beck und Christian Herzog haben sich in ihrem Debattenbeitrag mit dem Thema Pratizipation beschäftigt und argumentieren, dass eine Beteiligung der Zuschauer an der Entscheidung über Formate und Themen dazu beitragen könnte, die Akzeptanzprobleme des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu verringern.

Die morgendlichen Lesetipps und weitere Linktipps am Tag können auch bequem via WhatsApp abonniert werden. Jeden Tag informiert dann Netzpiloten-Projektleiter Tobias Schwarz persönlich über die lesenswertesten Artikel des Tages. Um diesen Service zu abonnieren, schicke eine WhatsApp-Nachricht mit dem Inhalt arrival an die Nummer +4917622931261 (die Nummer bitte nicht verändern). Um die Nachrichten abzubestellen, einfach departure an die gleiche Nummer senden. Wir werden, neben dem Link zu unseren morgendlichen Lesetipps, nicht mehr als fünf weitere Lesetipps am Tag versenden.

Nutze Netzpiloten 1-Klick: Mit nur einem Klick werden dir bequem alle 40 Sekunden die hier besprochenen Seiten „vorgeblättert“ START.

Weiterlesen »

5 Lesetipps für den 2. Oktober

In unseren Lesetipps geht es heute um Videospiele im Schulunterricht, Transparenz in den Medien, das Tor-Projekt, Googles Pflicht-Apps und Bendgate. Ergänzungen erwünscht.

  • VIDEOSPIELE Golem: Videospiele gehören in den Schulunterricht: Wissenschaftler sind sich einig, dass Videospiele mehr sind als ein Training für die Hand-Augen-Koordination. In Spielen werden nämlich Geschichten erzählt und Welten entworfen, die Szenarien dabei sind inzwischen realistischer und gesellschaftskritischer geworden. Sie sprechen Emotionen an und die Spieler sind gefordert, diese Welten zu hinterfragen. Deshalb sollten Videospiele in der Schule diskutiert statt ausgeschlossen zu werden, denn das Verständnis für digitale Spiele und der Umgang mit diesen sei im Lehrplan genauso wichtig wie Filme und Bücher. Schließlich haben auch Filme haben einmal einer Zeit angehört, in denen sie nicht auf sehr viel Verständnis gestoßen sind.

  • JOURNALISMUS der Freitag: Der gläserne Journalist: Anlässlich der Diskussion um eine Klage von zwei Zeit-Journalisten, deren Namen in einer Folge der ZDF-Sendung „Die Anstalt“ mit verschiedenen Lobbygruppen in Zusammenhang gebracht worden sind, wurde das Add-on Cahoots entwickelt, mit dem User Verbindungen von Journalisten zu Lobbygruppen einsehen können. Beim Surfen auf Nachrichtenseiten sieht der User manche Autorennamen rot hinterlegt, fährt er dann mit der Maus darüber, werden die Lobbygruppen angezeigt und jeweils eine Quelle dazu. Mit Cahoots werden also eigentlich nur schon öffentlich zugängliche Informationen gesammelt, aber diese sind nun einfacher abzurufen. Deshalb stellen sich für Journalisten die zwei Fragen: Wie viel Transparenz brauchen wir und wie viel Transparenz wollen wir?

  • TOR Zeit Online: Tor könnte bald in jedem Firefox-Browser stecken: Etwa zweieinhalb Millionen Menschen weltweit nutzen die Open-Source-Software Tor, um sich anonym im Internet zu bewegen. Ginge es aber nach Andrew Lewman, dem Executive Director des Tor-Projekts, könnten es in Zukunft schon 500 Millionen sein. Grund dafür ist eine Meldung in der Mailingliste für Tor-Entwickler, in der die Rede davon ist, ein bestimmtes Unternehmen wolle Tor als „privaten Browsing-Modus“ in seinen Browser integrieren. Der Browser, um den es geht, habe „einen weltweiten Marktanteil von zehn bis 20 Prozent, bei grob geschätzt 2,8 Milliarden Internetnutzern“. Und diese Beschreibung trifft am besten auf den Firefox-Browser von Mozilla. Allerdings wollen weder Lewman noch Mozilla bestätigen, dass sie miteinander verhandeln.

  • GOOGLE heise online: Android-Geräte müssen mit 20 Google-Apps ausgeliefert werden: Google hat die Bedingungen, unter denen Hardware-Hersteller ihre Android-Geräte mit dem Google-System ausliefern dürfen, verschärft. Statt wie der gewohnt neun Pflicht-Apps müssen in Zukunft stolze 20 Google-Apps vorinstalliert und vom Homescreen aus oder in einem Unterordner zugängig sein. Die Begründung dafür liegt nicht nur darin, dass Google seine eigenen Dienste so stärker verbreiten und die Werbeeinnahmen steigern kann, sondern auch, dass Google selbst etwaige Sicherheitslücken in beispielsweise Chrome schnell beheben könnte.

  • BENDGATE ZDNet: Bendgate: Apple entzieht Computer Bild Testgeräte: Weil „Computer Bild“ in einem Redaktionsvideo gezeigt hat, wie sich das iPhone 6 plus verbiegen lässt, hat Apple dem Magazin sämtliche Testgeräte entzogen und zudem Event-Einladungen für dessen Redakteure zurückgezogen. Apple selbst wies den Vorwurf, seine neuen Geräte ließen sich aufgrund von Fehlern verbiegen, jedoch zurück und erklärt, dass sowohl das iPhone 6 als auch das iPhone 6 plus so angefertigt seien, dass sie stabil wären. Es hatten bislang auch nur neun Kunden verbogene iPhones gemeldet. Das tut aber dem Trend keinen Abbruch, Videos und Bilder über verbogene iPhones unter dem Hashtag „Bendgate“ im Internet zu verbreiten.

Nutze Netzpiloten 1-Klick: Mit nur einem Klick werden dir bequem alle 40 Sekunden die hier besprochenen Seiten „vorgeblättert“ START.

Weiterlesen »

Ello: Dank Datenschutz zum neuen Netzwerk?

Das neue soziale Netzwerk Ello verspricht guten Datenschutz und Verzicht auf Werbung. Wie groß sind seine Chancen? // von Björn Rohles

Das neue soziale NEtzwerk Ello setzt auf Datenschutz

Wer Ello aufruft und nach unten scrollt, wird mit wenigen Zeilen konfrontiert, die aufzeigen, was Ello einzigartig machen soll: „Dein soziales Netzwerk gehört den Werbetreibenden. … Wir glauben, es gibt einen besseren Weg. … Wir glauben, dass die Betreiber und die Nutzer Partner sein sollten. … Du bist kein Produkt.“ Ein werbefreies Netzwerk, das auf Datenschutz setzt – das ist ungewöhnlich, aber die Ello-Macher haben gute Ideen.

Weiterlesen »

Weiterlesen »

Die Regierungsapp: Eine Probefahrt

App der Bundesregierung

Im Juni wurde die neue Regierungsapp der Bundesregierung lanciert, die zwar überzeugt, aber noch Raum lässt für einige Wünsche. // von Katharina Große

App der Bundesregierung

Die App des Deutschen Bundestages gibt es schon länger, doch für mich hatte sie kaum Mehrwert: Unter „Aktuelles“ findet sich eine Artikel-Sammlung, die nicht sortieren werden kann und es gibt keine Alerts. Als im Juni die App der Bundesregierung (Android | iOS) vorgestellt wurde, habe ich mich gefreut und auf Verbesserung gehofft. Und tatsächlich ist diese zum Teil eingetreten. Natürlich habe ich aber auch ein paar Anregungen für die nächsten Versionen.

Weiterlesen »

Weiterlesen »

Felix Stalder: „Transparenz ist Voraussetzung für soziales Vertrauen“

Felix Stalder (Bild: Tobias Schwarz/Netzpiloten, CC BY 4.0)

Im Interview mit den Netzpiloten spricht der Medientheoretiker Felix Stalder über Vor- und Nachteile von Transparenz und die Monopolstellung von sozialen Netzwerken. // von Gina Schad

Felix Stalder (Bild: Tobias Schwarz/Netzpiloten, CC BY 4.0)

Auf der Konferenz „Einbruch der Dunkelheit“ sprachen wir mit dem Medientheoretiker und Aktivisten Felix Stalder über Transparenz, Facebook und was die Telekom mit sozialen Netzwerken gemeinsam hat. Für Stadler ist Transparenz vor allem Sichtbarkeit, die einen sehen lässt, wer jemand anderes ist. Das ist die Grundlage von Vertrauen. Trotzdem kann Transparenz uns schaden, zum beispiel wenn wir transparent gemacht werden gegenüber Institutionen und Akteuren, die uns gegenüber eben nicht transparent sind.
Es sollte deshalb politisch erzwungen werden, dass wir mit Freunden bei Facebook auch kommunizieren können, ohne selbst dort angemeldet zu sein.

Weiterlesen »

Weiterlesen »

5 Lesetipps für den 18. Dezember

In unseren Lesetipps geht es heute um mehr Transparenz, mehr WIRED Deutschland, besseren Journalismus, mehr Datenverkehr durchs Internet der Dinge und mehr Datensammelwut bei Facebook. Ergänzungen erwünscht.

  • TRANSPARENZ André Vatters Blog: Auf dich, liebe Transparenz!: Der Hamburger Blogger André Vatter wirft einen interessanten Blick in die Glaskugel: neben den offensichtlichen Trends Mobile, Social Ads und Social Search sieht er vor allem in Transparenz eine der wichtigsten Entwicklungen des kommenden Jahr.
  • WIRED Condé Nast News: WIRED Deutschland erscheint ab 2014 als Monatstitel: Ab Oktober 2014 wird WIRED Deutschland unter der Leitung von Nikolaus Röttger mit zehn Printausgaben pro Jahr und einem digitalen Gesamtkonzept erscheinen. Die medienübergreifend integriert arbeitende Redaktion wird ihren Sitz an einem neuen Verlagsstandort in Berlin haben. „Nach der Testphase am deutschen Markt werden wir die Marke nun mit einem medienübergreifenden Konzept voll entwickeln“, kommentiert Moritz von Laffert, Herausgeber von Condé Nast Deutschland.
  • JOURNALISMUS PandoDaily: Journalists should seek “facts,” not “Truth”: Das Jahr 2013 hat Journalisten eine wichtige Lektion erteilt: sie müssen noch besser zwischen Fake und Fakt unterscheiden. Content-Produzenten konstruieren ihre Werke, um eine höhere Viralität zu erreichen. Jetzt ist ein Fake genauso real wie ein Fakt, die zu erzählende Geschichte ist nur eine andere und dies zu entscheiden, müssen Journalisten bei der Contentvielfalt noch besser können.
  • INTERNET DER DINGE Süddeutsche.de: Internet der Dinge – Maschine chattet mit Maschine: „Bisher war das Internet eine Sache zwischen Menschen und Maschinen, jetzt bringt es Maschinen mit anderen Maschinen zusammen“, sagt Guido Jouret, General Manager des Projekts „Internet of Everything“. Im Silicon Valley entwickeln Programmierer wie Jouret das Internet der Dinge, dass den Datenstrom dramatisch vervielfachen wird.
  • FACEBOOK Zeit Online: Facebook merkt sich auch, was nicht verschickt wird: Zwei Forscher der Carnegie Mellon University in Pittsburgh haben sich in einer Studie mit Facebooks Datensammelei beschäftigt. Dabei haben sie entdeckt, dass das soziale Netzwerk scheinbar aus sämtlichen Eingabefenstern seiner Internetseiten Tastatureingaben speichert und analysiert. Schon während Nutzer eine Nachricht oder einen Chronik-Beitrag in ein Fenster eintippen, werden die Eingaben übertragen und gespeichert. Der Grund: Facebook will herausfinden, warum mancher Beitrag am Ende doch gelöscht wird.

Nutze Netzpiloten 1-Klick: Mit nur einem Klick werden dir bequem alle 40 Sekunden die hier besprochenen Seiten „vorgeblättert“ START.

Weiterlesen »

5 Lesetipps für den 19. Juli

In unseren Lesetipps geht es heute u.a. um die Open Access-Bewegung an deutschen Universitäten, Yahoo kauft Ztelic, Xings Google Glass-App und eine Transparenz-Analyse von Internet-Unternehmen. Ergänzungen erwünscht.

  • OPEN ACCESS Zeit Online: Streiten bis zum Access: Was darf Wissen im Jahr 2013 kosten? Eine wichtige Frage, denn das System vom Zugang zum Wissen und Urheberrecht ist nicht mehr zeitgemäß. Davon profitieren vor allem die Wissenschaftsverlage, die bis zu 10.000 Euro für das Jahresabo einer Fachzeitschrift fordern. Das finden viele Forscher zu teuer. Sie fordern freien Zugang zum Wissen.
  • YAHOO TechCrunch: Yahoo kauft das chinesische Startup Ztelic: Kein Tage ohne eine neue Meldung über eine Firma, die Yahoo-Chefin Marissa Mayer aufgekauft hat. Ganz so ist es dann doch nicht, aber mit dem Kauf des chinesischen Startup Ztelic, dass sich auf die Analyse von Daten aus sozialen Netzwerken spezialisiert hat, hat Mayer ihren 19. Einkauf vollzogen.
  • SOCIAL NETWORK ReadWrite: Why Google And Pinterest Are Gaining As Social Rivals: Facebooks Wachstum scheint an seine Grenzen zu kommen. Nicht ungewöhnlich für einen Marktführer. Laut einer Studie des Social Login-Anbieters Gigya profitieren vor allem Google und Pinterest davon, die ihren Nutzern mehr Social Sharing-Möglichkeiten anbieten.
  • GOOGLE GLASS Xing Devblog: Icebreaker for Xing – Google Glassware app concept: Noch ist Google Glass weit davon entfernt, ein Massengerät zu werden, schon arbeiten die verschiedensten Dienste an einer App. So auch Xing, die eine App für Google Glass entwickeln, mit der die Kontaktaufnahme erleichtert werden soll.
  • TRANSPARENZ AllThingsD: Tech Firms Call for More NSA Transparency: Unter den Enthüllungen des PRISM-Abhörskandal hat vor allem der Ruf von Apple, Google, Facebook, Microsoft und Twitter gelitten. Nun haben sich diese Firmen und andere Unternehmen zu einer Allianz formiert, die sich zu mehr Transparenz bei Überwachungsaktivitäten verpflichten

Nutze Netzpiloten 1-Klick: Mit nur einem Klick werden dir bequem alle 40 Sekunden die hier besprochenen Seiten „vorgeblättert“ START.

Weiterlesen »

Medien werden zunehmend als korrupt wahrgenommen

Apollo 11 Video Restoration Press Conference_Newseum (adapted) (Image by NASA Goddard Space Flight Center [CC BY 2.0] via Flickr)

Laut einer aktuellen Umfrage von Transparency International wird die Presse in Deutschland zunehmend als bestechlich wahrgenommen. Noch korrupter werden hierzulande lediglich Unternehmen und die Politik empfunden.

In einer Demokratie wie der Bundesrepublik Deutschland gilt die Presse als vierte Staatsgewalt. Ihre Aufgabe bestand stets darin, die drei Gewalten der Gesetzgebung, Vollziehung und Rechtsprechung im öffentlichen Interesse effektiv zu kontrollieren. Heutzutage funktioniert diese Kontrollfunktion aus verschiedenen Gründen immer schlechter. So manches Nachrichtenmagazin hat in den letzten 30 Jahren viel von seinem Biss verloren. Kein Wunder, wenn auch der Leser etwas davon bemerkt und die Presse bei den korruptesten Organisationen Deutschlands recht weit vorne anstellt.

 

Für das Korruptionsbarometer von Transparency International wurden weltweit 114.000 Personen in 107 verschiedenen Staaten befragt. Hierzulande landete die Presse auf dem dritten Platz der korruptesten Organisationen. Lediglich privatwirtschaftliche Unternehmen und die Politiker erschienen den Befragten noch korrupter als private wie öffentlich-rechtliche Medienhäuser. Vor allem in den letzten drei Jahren ist in Deutschland das Ansehen der Journalisten stark gesunken.

Wer nach den Ursachen sucht, muss sich in dieser Branche nur kurz umsehen. Viele Unternehmen sind bei ihrem Übergang von einem Printmedium zum Internet noch immer auf der Suche nach einem passenden und somit lukrativem Geschäftsmodell. Zahlreiche Verlage mussten hohe Verluste bei der Zahl der Abonnenten ihrer Publikationen hinnehmen. In diesem Zusammenhang muss auch die Abhängigkeit von den Auftraggebern von Werbeanzeigen ganz neu beleuchtet werden. Kein Wunder, wenn bei derart klammen Verhältnissen der eine oder andere Artikel wegfällt, weil man sich mit einer kritischen Berichterstattung keinen Großkunden vergraulen will.

Doch auch die Journalisten selbst werden immer schlechter bezahlt. Der Trend geht vom Festangestellten zum Freiberufler oder im Extremfall hin zum permanenten Praktikanten. Einerseits sorgte dies in den letzten Jahren zu einer wahren Abwanderungswelle in Richtung der wesentlich besser bezahlten Werbebranche. Andererseits sind finanziell schlecht abgesicherte Mitarbeiter stets am ehesten gefährdet, sich kaufen zu lassen. Natürlich leidet unter der finanziellen Notlage auch die Qualität der Recherche. Niemand kann auf Dauer ernsthaft von einem Journalisten wochenlange Nachforschungen erwarten, wenn dies von seinem Auftraggeber nicht entsprechend entlohnt wird. Eine kritische Berichterstattung hilft natürlich auch bei der Korruptionsbekämpfung und Aufdeckung von privatwirtschaftlichen oder politischen Skandalen. Leider fehlt immer häufiger das Geld für aufwendige Erkundigungen, die derartige Skandale ans Tageslicht bringen würden.

Daneben kritisieren viele Befragte, dass die öffentlich rechtlichen Sendeanstalten zu intransparent seien. Transparency Deutschland stellt deswegen die Forderung auf, die Rundfunkanstalten sollen künftig jedes Jahr einen detaillierten Bericht über die Verwendung ihrer Einnahmen aus der Haushaltspauschale erstellen und der Öffentlichkeit frei zur Verfügung stellen. Ohne jeden Zwang wird das aber kein Sender tun.

Der Bundesvorsitzende des DJV, Michael Konken, forderte die Medienunternehmen auf, sie sollen die wirtschaftliche Basis ihrer journalistisch tätigen Mitarbeiter stärken. Insbesondere Freiberufler müssten in die Lage versetzt werden, auch in Zukunft von ihren Aufträgen leben zu können. Da die Glaubwürdigkeit von Online-Portalen, Zeitungen, Zeitschriften und dem Rundfunk so sehr gelitten hätte, sei es nun höchste Zeit gegenzusteuern. Doch Konkens Warnungen gehen darüber hinaus. Sollten die Konsumenten den Eindruck gewinnen, man hebe die Trennung zwischen sachlichen Inhalten und Werbebotschaften komplett auf, würde es fatal.

Im Web ist diese Vorgehensweise bei manchen Anbietern leider schon Gang und Gäbe. Sogenannte Advertorials, teils als Artikel getarnte Berichte, die man gerne ungekürzt von PR-Agenturen übernimmt, werden immer häufiger von Online-Portalen benutzt, um zusätzliche Inhalte und Einnahmen zu generieren. Wie die Öffentlichkeit die zunehmend verschwommenen Grenzen beurteilen wird, dürfte schon jetzt klar sein. Dafür muss man eigentlich nicht das nächste Korruptionsbarometer von Transparency International abwarten. Die Unabhängigkeit und Qualität der Medien müsse langfristig gewährt werden, wird allerorts gefordert. Wie dies anzustellen sei, darüber schweigt man sich leider aus.

Wer sich mit dem Thema tiefergehend auseinandersetzen möchte, den englischsprachigen Bericht kann man sich von hier herunterladen.


Image (adapted) „Apollo 11 Video Restoration Press Conference/Newseum“ by NASA Goddard Space Flight Center (CC BY 2.0)


Weiterlesen »

SMW Hamburg 2013 – setz deine eigenen Impulse

Noch bis zum 11. Januar 2013 kannst du deine Vorschläge für die Social Media Week einreichen. Get Involved!

SMW Hamburg 2013 – eigenen Impulse setzen

Welche Veränderungen und Herausforderungen ergeben sich in Kultur und Politik, Handel und Bildung, kurzum: in der gesamten Gesellschaft durch die Offenheit und Verbundenheit die soziale Netzwerke und Onlinemedien ermöglichen? Die Social Media Week 2013 wird das globale Thema in elf teilnehmenden Städten weltweit diskutieren.

Weiterlesen »

Weiterlesen »

Liquide Demokratie statt Mauer-Taktik: Flüssiges Wissen

Liquide Demokratie ist unglaublich anstrengend – aber sie lohnt sich, denn im Schwarm gibt es wertvolles Expertenwissen. Wie groß der Widerstand gegen diese Art der Entscheidungsfindung ist, sieht man beim Blick auf die Transparenz-Debatte.

„Zeit“-Autorin Susanne Gaschke sieht die Piraten als ideologische Partei. Wer auf elektronisch verbundene Schwarmintelligenz setzt, zerstöre die repräsentative Demokratie. Liquide Demokratie ist für sie ein Albtraum. Man brauche doch auch Antworten und die beruhen auf Interessen, Werten, Konflikten und Lebensstilen. Deshalb sei es Aufgabe professioneller Politik, zwischen all diesen erträglichen Kompromissen zu vermitteln. „Die richtige Welt ist ein unordentlicher Ort und mit technikfixiertem Objektivismus nicht in den Griff zu kriegen.“

Weiterlesen »

Weiterlesen »

Lookout-App: Mehr Transparenz und Schutz für Smartphone-Nutzer

Eine neue App von Lookout informiert über per Smartphone gesammelte Informationen für Werbedienstleister und schützt vor aufdringlichen Anzeigen

lookout logoDie Debatte um die Neugier von Apps hat in der letzten Zeit hohe Wellen geschlagen. Während zum Beispiel der Zugriff der Check-in-App Foursquare auf die GPS-Funktion einleuchtet, ist das Auslesen und Kopieren des Adressbuches durch Foursquare wie auch zahlreiche andere Apps umstritten. Auf persönliche Informationen greifen jedoch nicht nur viele bekannte Apps zu, sondern auch Werbenetzwerke. Mit der kostenlosen Ad Network Detector-App gibt Lookout Android-Nutzern nun wieder ein Stück Privatsphäre zurück. Die App informiert die Nutzer darüber, welche Anzeigennetzwerke auf ihrem Gerät sind und welche Informationen sie sammeln.

Werbung ermöglicht kostenlose Apps, hat aber ein Transparenzproblem

Anzeigennetzwerke spielen für das mobile Ökosystem eine wichtige Rolle. Sie generieren die Werbeeinnahmen, durch die Anwendungsentwickler erst so viele Apps kostenlos anbieten können. Der Zugriff auf Informationen, die Aufschluss über die Interessen des Nutzers geben, ist für den Einsatz in Werbekampagnen ein übliches Vorgehen. Ähnlich wie bei der Werbung des E-Mail-Anbieters oder in sozialen Netzwerken werden so relevantere Anzeigen möglich, die auf die persönlichen Vorlieben ausgerichtet sind.

Weiterlesen »

Weiterlesen »

Eine Kritik an Googles Transparency Report

Eine Kritik an Googles Transparency ReportGoogle will sich vertrauensvoll geben. Das Unternehmen möchte für offene Informationen und für Transparenz aller Daten stehen. Deshalb hat es vor kurzem zum vierten Mal den hauseigenen Transparency Report herausgegeben, der die Offenlegung von staatlichen Löschanfragen bestimmter Webinhalte aus Googles Services und die Wünsche nach den Daten der Google-User von Regierungen preisgibt. Der Report soll Vertrauen schaffen, denn das Geschäft mit den Daten, ist das Kerngeschäft des Unternehmens. Kritik an Verschwiegenheit kann schnell zum Imageschaden mutieren und wenn Google eines nicht will, dann einen weiteren Minuspunkt auf der Bewertungsskala der Internet-Community. Googles Bekenntnis zur Transparenz ist lobenswert und der Transparency Report kann ein starkes Mittel der Demokratie werden, um sich über die Zensur der Politik zu informieren und im Anschluss auch zu schützen. Das alles wäre großartig, wenn das Wörtchen „kann“ nicht wäre. Denn momentan ist der Report nicht wirklich aussagekräftig, da er vielerlei Daten noch nicht offenlegt.

Weiterlesen »

Weiterlesen »