All posts under roboter

Exoskelette – LGs futuristischer CLOi Suitbot

Die ersten Exoskelette wurden vom amerikanischen Militär gebaut, um Soldaten leistungsfähiger zu machen. So entwickelte man in den 60er Jahren eine Rüstung, die dem Träger erlaubte mithilfe von Hydraulik und Elektrizität, seine Kraft um den Faktor 25 zu steigern. Exoskelette wurden aber vorallem in der Medizin entwickelt und dienten hauptsächlich für therapeutische Zwecke. Der erste seiner Art war ein Laufsimulator namens HapticWalker, der Schlaganfall-Patienten beim Gehenlernen helfen sollte. Die Technik hat sich seitdem ständig weiterentwickelt und bietet heute Bots an, die weit in den Privatsektor reichen.

LGs CLOi Suitbot

Roboteranzüge, beziehungsweise Orthesen, sind in der Medizin seit langem im Einsatz. Der Anblick und die erste Begegnung mit dem LG Suitbot, mutet jedoch spektakulär an. LGs futuristischer CLOi Suitbot sieht aus wie die martialische Hülle eines Kampfroboters, ist aber in Wirklichkeit so harmlos wie eine Pusteblume. Manche unter euch kennen sicherlich den gleichnamigen Hausroboter CLOi, der zur peinlichen Berühmtheit gelangte, weil er bei seiner Präsentation komplett versagte. Für diejenigen, die CLOi nicht kennen sollten: CLOi ist die innovative Roboter-Serie von LG. Die Serie verspricht smartes Wohnen mithilfe von künstlicher Intelligenz. Während die CLOi Serie bisher nur im Servicebereich zum Einsatz kam, sollen Suitbots gewerbliche Ansprüche erfüllen. Dabei sollen sie dem Träger helfen, seine Arbeitskraft zu erhöhen und sein Verletzungsrisiko auf ein Minimum verringern. Es ist vorwiegend für den Einsatz in der Industrie gedacht, wie z.B. in der Warenabfertigung, im Baugewerbe oder im Gesundheitswesen, indem er die Mobilität seiner Träger optimiert.

Der Suitbot von LG ist eine Art Exoskelett, den man wie eine Rüstung anlegt. Durch die integrierte AI-Technologie ist sie auch lernfähig. Sie kann sich mit Robotern aus der gleichen Serie vernetzen. Das Skelett hilft ganz konkret dabei die Wirbelsäule bzw. die Glieder zu stabilisieren und die Muskelkraft zu steigern, um das Verletzungs- und Ermüdungsrisiko bei physischer Arbeit zu verringern. Der Mechanismus unterstützt den Träger bei bestimmten Haltungen und Bewegungen, indem er eine Drehung um 50 Grad und eine Beugung um 90 Grad entwickelt. Die Unterstützung schaltet sich ein, sobald man sich in einem Winkel von 65 Grad beugt. Bei aufrechter Position schaltet sich der Roboter dann wieder aus. Der Suitbot kann vier Stunden durcharbeiten und wird mit einer Batterie betrieben, die sich in einer Stunde komplett aufladen lässt. In ersten Tests haben die Bots ihre Tüchtigkeit und ihren besonderen Nutzen unter Beweis gestellt. Sie konnten tatsächlich die Arbeitskraft erhöhen.


Image by LGE via presse.lge.de

 

Weiterlesen »

Sphero Bolt im Test: Roboterball mit Bildungsauftrag

Auch vor der Spielzeugindustrie macht die Digitalisierung und Vernetzung nicht Halt. Das zeigt sich unter anderem beim französischen Hersteller Sphero, der bereits vor einiger Zeit mit dem Star-Wars-BB-8 für Aufsehen sorgte. Er lässt sich allein durch ein Armband steuern. Der neu vorgestellte Bolt geht noch einen Schritt weiter und bietet zusätzlich intelligente Apps und Software zum Programmieren des Spielgerätes. Schüler sollen so an entsprechende Informatik-Grundlagen herangeführt werden. Ich habe herausgefunden wie sich das Gadget im Alltag schlägt und ob man wirklich davon lernen kann.

Bereits äußerlich lässt der Sphero Bolt Nerdherzen höher schlagen. Unter dem transparenten Gehäuse lassen sich nämlich die einzelnen Bauteile haargenau erkennen. So wird etwa deutlich, dass sich die flinke Kugel durch zwei rotierende Räder bewegt und durch eine tiefsitzende Stahlkugel im Gleichgewicht gehalten wird. Auf der Oberseite findet sich zudem ein 8 x 8 Pixel messendes LED-Panel, über das Informationen und Emojis angezeigt werden können.

Steuern oder steuern lassen

Um den Sphero Bolt nutzen zu können, ist eine der beiden Sphero-Apps vonnöten. Für den schnellen Spaß zwischendurch empfiehlt sich Sphero Play. Mit ihr lässt sich der Roboterball manuell steuern. Das Verbinden sowie Ausrichten des Geräts geht schnell und unkompliziert von der Hand. Dann kann der Spielspaß auch schon los gehen.

Sphero bietet verschiedene Steuermodi an: Zum einen traditionell per Steuerkreuz oder Smartphone-Neigung. Andererseits lässt sich die clevere Kugel auch per virtuellem Kick, Schleuderbefehlen oder auch Stimme (also Lautstärke) bewegen. Zudem kann der Bolt als Joystick genutzt werden. Dafür bietet der Hersteller drei Minigames an, bei denen der verbaute Gyrosensor zum Einsatz kommt. Allesamt spannende Features, allerdings wird‘s so schnell langweilig.

Die flinke Kugel lässt sich unter anderem per Joystick steuern. Image by Jonas Haller

Edu-App bringt (nicht nur) Kindern das Programmieren nahe

Interessanter ist da schon die Edu-App. Mit ihrer Hilfe lassen sich kleine Programme zu steuern des Sphero Bolt schreiben. Dafür muss man allerdings kein Informatiker sein. Die einzelnen Befehle werden übersichtlich als Blöcke angezeigt. Zudem sind sie nach ihrem Typus kategorisiert. So finden sich selbst blutige Programmier-Anfänger schnell zurecht. Und das ist auch gut so, denn der Hersteller will mit der App vor allem Kinder für Programmcode begeistern und die informatischen Mechanismen nahebringen. Optional bietet Sphero auch den Zugang zu Programmen anderer Nutzer an – allerdings lediglich für Kunden mit kostenlosem Sphero-Konto.

Die Sphero Edu-App gibt Nachhilfe in Sachen Programmieren. Screenshot by Jonas Haller

Wer eher auf einfachere Eingabemethoden steht, dabei allerdings den Programmierfaktor nicht außer Acht lassen will, kann Bewegungen auch zeichnen. Dabei malt man in das entsprechende Feld einfach beliebige Geometrien oder Buchstaben und schon fährt Bolt die Spur ab. Wichtig ist dabei den Maßstab im Auge zu behalten, um Kollisionen mit Stühlen oder Möbelstücken zu vermeiden. Natürlich lassen sich die Programme jederzeit unterbrechen. Im Test funktionierte das Feature etwas ruckelig und Buchstabenfolgen waren nicht immer als solche erkennbar.

Zwei Stunden Akkulaufzeit sorgen für ausgedehntes Spielvergnügen

Im Inneren des Bolt verbaut Sphero ein schmales Akkumodul – zumindest was die geometrische Ausdehnung betrifft. Denn in der Praxis hält er mit zwei Stunden erstaunlich lang. Das innovative Gadget kann so problemlos in der Schulstunde eingesetzt werden. Zum Aufladen legen die Franzosen eine induktive Basisstation bei. Innerhalb von einer Stunde ist der Energiespendern wieder vollständig mit Strom versorgt.

Sphero liefert eine induktive Ladestation zum Bolt. Image by Jonas Haller

Fazit Sphero Bolt: Spannendes Spielzeug mit Wissensmehrwert

Kinder und Jugendliche für digitale Produkte zu begeistern ist heutzutage kein Kunststück mehr. Doch nur wenige interessieren sich für die Grundlagen der Geräte und die Software. Mit der spannenden Bolt-Kugel versucht Sphero bei den Heranwachsenden das Interesse zu wecken. Die Idee ist nicht schlecht und besonders die zugehörige Edu-App durchdacht und leicht verständlich. Zahlreiche Funktionen erlauben den einfachen und barrierefreien Einstieg in die Welt des Programmierens. Selbst „richtiger“ Programmcode kann mit JavaScript erlernt werden.

Doch gerade für ambitionierte Lerner findet das Vergnügen allzu schnell ein Ende. Es mangelt einfach an Sensoren, etwa zur Annäherung oder eine Kamera. Wie beeindruckend wäre es, wenn Sphero Bolt Hindernisse oder explizit Gegenstände erkennen könnte. Zwar können mehrere Roboterbälle miteinander über Infrarot kommunizieren, doch der Kreativität sind doch schnell Grenzen gesetzt.

Auf der Habenseite steht ein ausdauerndes Gadget, dass sicher nicht nur Kinder in Staunen versetzt. Die lange Akkulaufzeit sowie diversen Steuerungsoptionen und die Einsatzmöglichkeit als Game-Controller sind positiv. Mit 170 Euro bietet der Sphero Bolt ein gerade noch akzeptables Preis-Leistungsverhältnis. Wobei sicher nicht jede Familie im Stande ist ihrem Sprössling ein solch teures Spielzeug zu ordern.

Der Sphero Bolt lässt sich auch prima als Gamecontroller einsetzen. Image by Jonas Haller

Hier findet ihr den Amazon-Link zum Sphero Bolt (Provisions-Link)


Images by Jonas Haller

Weiterlesen »

Netzpiloten @new.New Festival

new.New Festival 2018

Enthusiasten der Künstlichen Intelligenz aufgepasst! Bereits zum zweiten Mal sind die Netzpiloten Partner des new.New Festival und begleiten euch bei diesem spannenden Event von CODE_n. Dieses Jahr werden die Gäste vom 8. bis zum 10. Oktober in der berühmten Hanns-Martin-Schleyer-Halle in Stuttgart empfangen. Das Event dreht sich rund um die AI und den Aufbau eines erfolgreichen Unternehmens.

Welche Speaker sind beim new.New Festival?

Ein sehr spezieller Gast des Events ist Sophia The Robot, ein sehr fortgeschrittener menschenähnlicher Roboter der Entwicklerfirma Hanson Robotics. Sophia wird an den Diskussionen teilnehmen und verschiedene Partner interviewen Zu den Speakern zählen dieses Jahr unter anderen: Dr. Sarah Atkinson, Head of Culture, Media & Creative Industries auf dem King’s College in London,  Dr. Costas Bekas, Researcher der IBM Gruppe aus Zürich,  Peter Breuer, Senior Partner bei McKinsey & Partner und  Susanne Tarkowski Tempelhof, Gründerin von BITNATION.

Welche Themen bietet das new.New Festival?

  • Ethics for AI
  • Software, Logistic & Automotive
  • The Future of Work
  • Show me the money

Und sonst noch? – 20% Netzpiloten-Rabatt!

Das new.New Festival bietet nicht nur zahlreiche Vorträge sondern auch Orte, wo man abschalten kann. Denn am jedem der drei Tage werden die Gäste den Meditation Room besuchen können, um dort die innere Ruhe zu finden. Drei verschiedene Bands liefern erstklassige Sounds. Abends erleben die Gäste das Pioneers‘ Dinner.

Tickets findet ihr hier. Der Netzpilote-Rabatt-Code (20% Nachlass) lautet: newNew18_Netzpiloten. Wir sehen uns in Stuttgart!

 

Weiterlesen »

State of Mind: Transhumanismus-Thriller als Videospiel

state of mind daedalic

Berlin, 2048. Journalist Richard Nolan erwacht im Krankenhaus und kann sich an nichts erinnern. Sein Kind und seine Frau sind spurlos verschwunden und die Stadt, grau und dunkel, ist voller Roboter und Drohnen. So fängt das Spiel State of Mind der Hamburger Entwickler Daedalic an. Doch das ist nicht die einzige Erzählebene. Es gibt noch einen spielbaren Charakter, Adam Newman. Er lebt in einer utopischen modernen Stadt, die den Namen CITY 5 trägt. Dort scheint die Sonne, dort leben Menschen in einer Symbiose mit den Robotern.

Was erwartet uns bei State of Mind?

Die Entwicklergruppe aus Hamburg ist kein Blockbuster-Unternehmen. Der Name Daedalic Entertainment ist keine Marke, die jeder Spieler kennt. Ein begrenztes Budget zwingt die Firma ihr Spiel möglichst einfach zu halten. Auf den Zocker wartet keine Grafik, die der von Konsolen-Blockbustern gleicht. Für die wählerischen unter euch kann das Spiel langweilig sein. Denn es ist nicht kompliziert, man stockt nicht bei den Aufgaben, es gibt keine Levels, die man stundenlang entziffern muss. Durch eine Reihe an Minispielen statt Rätseln, spielt es sich sehr fließend.

Doch State of Mind fordert den Spieler, regt zum Nachdenken an. Es zeigt ein mögliches Szenario, eine potentielle Realität, eine Dystopie und eine Utopie. Berlin gegen CITY 5. Im weiteren Spielverlauf werden die Beobachter unter den Spielern merken, dass auch an der Utopie nicht alles stimmt.

Man darf aber nicht vergessen, dass State of Mind ein Thema anspricht, das uns seit Jahren beschäftigt. Künstliche Intelligenz, Zukunft mit Androiden, die Angst als Mensch überflüssig zu werden. Allein durch die Themenwahl finde ich das Spiel einen Versuch wert.

Verglichen wird es mit „Detroit: Become Human“ von der Blockbuster-Konkurrenz. Doch genau die Vielfalt an verschiedenen Spielen zum scheinbar gleichen Thema ist das, was das Spielerlebnis so spannend macht. Laut Hersteller bietet State of Mind 20 Stunden Spieldauer. Eindrücke vom Spiel ergänzen wir in Kürze.

Das Videospiel ist zum Preis von rund 40 Euro für PC, Xbox One, Playstation 4 und Nintendo Switch bei Amazon erhältlich (Provisions-Link)


Image by Daedalic.com

Weiterlesen »

Sollten Roboter Steuern zahlen?

Andrey Popov - adobe stock com

Wenn immer mehr Roboter statt Menschen arbeiten, wer zahlt dann eigentlich noch Steuern? Die Roboter! Das hat zumindest Bill Gates vorgeschlagen und damit eine interessante Diskussion um die Zukunft der Arbeit angeregt.

Neue Technologien verändern unsere Arbeitswelt nachhaltig: Psychologen beraten uns über Skype, Architekten entwickeln Baupläne für Berlin-Mitte in einem Coworking-Space in Thailand und nette Roboterdamen beantworten unsere Fragen am Flughafen. Und das ist nur der Anfang.

In Zukunft stehen uns noch größere Umwälzungen bevor. Aktuelle Studien gehen davon aus, dass in Deutschland bis zum Jahr 2035 rund 1,5 Millionen Arbeitsplätze abgebaut werden – nur um gleichzeitig mit fast genau so vielen neuartigen Berufen ersetzt zu werden. Das bietet uns nicht nur neue Möglichkeiten, das wirft auch viele neue Fragen auf: Was passiert mit dem klassischen Büro? Welche Jobs, die wir heute kennen, wird es in 20 Jahren noch geben? Wie verdienen wir Geld, wenn unsere Arbeit von Algorithmen erledigt wird?

Auf die letzte Frage hat Unternehmer und Multimilliardär Bill Gates jetzt eine Antwort gegeben. Er schlägt vor, dass künftig auch Roboter Steuern zahlen sollten.

Wenn Roboter unsere Arbeit erledigen, sollten sie nicht auch unsere Steuern zahlen?

In einem Interview mit dem Magazin Quarz sagte Gates: „Momentan ist es so: Wenn ein Mensch mit seiner Arbeit in einer Fabrik vielleicht 50.000 US-Dollar an Wert produziert, dann wird dieses Einkommen besteuert. Dann haben wir Einkommenssteuer, Sozialversicherungssteuer und so weiter. Wenn ein Roboter das gleiche tut, würde man meinen, dass man den Roboter ähnlich besteuert.”

Diese Einnahmen könnten nach Gates das Problem der wegfallenden Arbeitsplätze lösen. Denn wenn Menschen nicht mehr arbeiten, verdienen sie auch kein Geld mehr und zahlen dementsprechend keine Steuern. Uns fehlt damit das Geld, um uns Dinge zu kaufen, dem Staat fallen wiederum Steuereinnahmen weg, mit denen sie Dinge wie Schulen, Krankenversicherungen oder die Rente mitfinanzieren.

Experten machen sich deshalb seit einiger Zeit darüber Gedanken, wie wir dieses Problem in Zukunft lösen können. Die meisten Vorschläge zielen darauf ab, Steuereinnahmen von der Sozialversicherung zu entkoppeln. Das bedeutet, dass sowohl die Einnahmen der Bürger als auch die des Staates nicht mehr von unserer Arbeit abhängen. Ein Lösungsansatz ist das bedingungslose Grundeinkommen, ein anderer die Robotersteuer.

Die Idee der Robotersteuer ist nicht neu. Sie wurde in Deutschland und Österreich bereits in den 1970er und 1980er-Jahren als Maschinensteuer eingeführt. Dahinter steckte schon damals die Sorge, dass Computer sozialversicherte Arbeitsplätze ersetzen und Städten, Ländern sowie dem Bund wichtige Einnahmen fehlen würden.

Genau hier käme nach Meinung von Bill Gates die Robotersteuer ins Spiel. Der Staat könnte die fehlenden Einnahmen darüber ausgleichen und wir hätten mehr Zeit, um uns auf die Jobs zu konzentrieren, die uns Spaß machen und bei denen Menschen Robotern (noch) überlegen sind, wie etwa soziale Arbeit mit älteren Menschen oder Kindern.

Robotersteuer könnte Innovationen verhindern

Das klingt alles sehr gut – doch wie genau stellt Bill Gates sich das in der Praxis vor? Gates geht natürlich nicht davon aus, dass ein Roboter seine Steuererklärung abgibt. Vielmehr möchte er den Einsatz von Roboterarbeit besteuern. Wenn also ein Unternehmen fünf Roboter einsetzt, soll pro Roboter ein fixer Steuersatz bezahlt werden. Damit wäre die Robotersteuer keine Einkommenssteuer, sondern eher so etwas wie eine Kapitalsteuer.

Einige Wirtschaftsexperten finden die Idee gut. So glaubt Malcolm James, Finanzfachmann und Dozent an der britischen Cardiff Metropolitan University, dass das aktuelle Steuersystem nicht fair sei. Im Moment sei es so, dass die Kapitalsteuer für Unternehmen niedrig gehalten werde, um Investitionen, Innovationen und Unternehmensgründungen zu fördern. James rechnet vor, wie im Vereinigten Königreich die Unternehmenssteuer von 52 Prozent im Jahr 1981 auf aktuell 20 Prozent gefallen. Bis 2020 soll sie auf 17 Prozent sinken. Gleichzeitig zahlen Arbeitnehmer immer mehr Steuerbeiträge, in Form von Einkommenssteuer oder Mehrwertsteuer. Ihr Steuerbeitrag liege aktuell bei 20 Prozent. Eine Robotersteuer könnte dieses Ungleichgewicht ausgleichen, sagt James.

Oliver Bendel, Professor für Wirtschaftsinformatik an der Hochschule für Wirtschaft der Fachhochschule Nordwestschweiz, sieht dies skeptisch. Zwar begrüßt Bendel die Diskussion um die Robotersteuer, für ihn überwiegen aber die Nachteile einer solchen Steuer, sagt er gegenüber den Netzpiloten. Er glaubt, dass eine solche Robotersteuer gerade den Unternehmen schaden könnte, die Innovationen vorantreiben.

Was ist der Stundenlohn für einen Algorithmus?

Darüber hinaus sei es sehr schwierig, in der Praxis eine einheitliche Steuer für Roboter festzusetzen, sagt Bendel: „In der Tat stellen sich mehrere Probleme bei einer solchen Steuer. Zum Beispiel: Was ist der fiktive Stundenlohn eines Roboters, von dem man ausgehen kann? Verdienen Industrieroboter unterschiedlich viel, je nach Qualifikation oder Spezialisierung? Um welche Roboter geht es überhaupt, nur um Industrieroboter oder auch um Serviceroboter? Nur um Hardwareroboter oder auch um Softwareroboter?

Auch gibt es nach Ansicht von Bendel viele Bereiche, in denen die Arbeit von Menschen und Robotern ineinander übergehen. Wo setzt man dort die Grenze?

Eine Möglichkeit könnte tatsächlich sein, den „Stundenlohn“ eines Roboters auszurechnen und dann so wie ein reales Einkommen zu besteuern. Doch auch das klingt einfacher als es in Wirklichkeit ist, gibt Bendel zu bedenken. Denn zunächst müsste man klären, was ein Roboter oder ein Robotereinsatz eigentlich ist: „Man könnte zum Beispiel beim Kauf eines Industrieroboters ansetzen, beim Einsatz in der Produktion oder ähnliches. Grundsätzlich stellt sich aber die Frage: Gibt es eindeutig identifizierbare Einheiten? Nicht in jedem Fall. Und was ist, wenn der Roboter nicht gekauft oder selbst entwickelt, sondern geleast ist?

Doch nur weil es viele ungeklärte Fragen gibt, heißt es nicht, dass man nicht über das Thema diskutieren und Antworten finden kann. Genau das ist es wahrscheinlich auch, was Bill Gates mit seinem Vorschlag erreichen wollte. Er scheint sich zumindest keine Gedanken über die konkrete Umsetzung seiner Robotersteuer zu machen: „Ich glaube nicht, dass die Roboter ausflippen werden, wenn es eine Steuer geben wird. Das ist schon okay.“


Andrey Popov / adobe.stock.com

Weiterlesen »

Ungewisse Zukunft: Wie verändern Roboter unser Leben?

Andy Kelly - unsplash com

Sie sprechen viele verschiedene Sprachen, können Daten auswerten, stabile Prognosen aufstellen, Emotionen simulieren und diese auch in Menschen erwecken – humanoide Roboter. Ob als Assistenten bei der Kindererziehung, der Altenpflege, dem Hotelempfang oder einfach als Alltag-Simplifizierer, sie scheinen allmählich Einzug in unser Leben zu nehmen. Werden humanoide Roboter in Zukunft nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken sein?

„Am Schluss werden wir alle erkennen, dass jeder von uns ein ‘Algorithmus’ ist.”

Der mittelfristige Wunsch vieler Roboterentwickler ist das Integrieren der Humanoide in den Alltag. Dies dient dem Zweck der Abnahme von lästigen alltäglichen Aufgaben, aber auch der emotionalen Interaktion zwischen Mensch und Maschine. Die menschenähnlichen Maschinen befinden sich immer in Menschennähe und können deren Handlungen stets speichern und auswerten. Somit kann die Transparenz des Menschen vollends verloren gehen, so Professor Rademacher von der Universität Ulm. Dank der ständigen Datensammlung und Auswertung der menschlichen Handlungen, sowie dem Bezug auf große Datenbanken könne jeder Mensch für die Maschine vorhersehbar und leicht durchschaubar werden. Professor Rademacher ist sogar der Meinung: “Am Schluss werden wir alle erkennen, dass jeder von uns ein – wenn auch höchst komplexer, hochgradig individueller und in seinem Verhalten nicht prognostizierbarer – ‘Algorithmus’ ist”. So kann wahrscheinlich, mit dem Einzug der humanoiden Roboter in unser Leben, jeder Mensch zu einem kontinuierlich Informationen an große, kapitalistische Konzerne gebendes Rädchen eines riesigen Systems werden.

Gefährdung des sozialen Zusammenlebens

Bisher waren die Menschen, um Einsamkeit zu bekämpfen oder dem narzisstischen Trieb nach Anerkennung nachzugehen, auf die Interaktion mit anderen Menschen angewiesen. Dies kann sich stark ändern, wenn der technisch perfekt entwickelte Humanoide bei uns einzieht: Er urteilt nicht über uns, hat keine Erwartungen, kann explizite und auf uns zugeschnittene Informationen geben und sogar humane Gefühle erkennen und simulieren. Der humanoide Roboter, um ein Beispiel zu nennen, fürchtet sich bei Dunkelheit. Wie verändert dieses menschliche Verhalten die Interaktion zwischen Mensch und Maschine? Martin Vesper, Chief Executive Officer bei digitalSTROM, ist der Meinung, dass zwar die Roboter für soziale Zwecke genutzt werden, jedoch keineswegs die Mensch-zu-Mensch-Interaktion dadurch in die Brüche gehen werde.

Auch “Rabeneltern” bekommen durch die voranschreitende Technologie die Möglichkeit, die Erziehung ihrer Kinder nahezu vollständig einer Roboter-Nanny zu überlassen. Mit dieser möglichen Gefahr haben sich bereits viele Wissenschaftler beschäftigt. Der britische Informatik-Professor und Ethiker Noel Sharkey schlägt vor, den Roboter mit einer Fläche zu versehen, auf die ein Elternteil regelmäßig ihre Hand legen muss. So könne gewährleistet werden, dass Elternteile sich stets in unmittelbarer Nähe befinden. Und wenn die haptische Legitimation ausfalle, schlage der Roboter Alarm, führt Sharky weiter aus.

Die Interessen der Hersteller

Humanoide erfüllen mittlerweile die technischen Voraussetzungen für sehr viele Fähigkeiten – jedoch hängt die tatsächliche Ausführung der Aufgaben von der Programmierung durch die Hersteller ab. Da stellt sich die Frage: Was genießt höheren Stellenwert in den Großkonzernen – die Ethik oder die Gewinnmaximierung? Ist es wichtiger, die Privatsphäre und die Intransparenz der Individuen zu wahren, oder stetig Daten zu sammeln und damit die Technik und den Kapitalismus voranzubringen? Martin Vesper vertritt die Meinung, jedes Unternehmen sei verpflichtet, dem Grundgesetz Folge zu leisten. Es liege in ihrer Verantwortung, die Roboter gemäß den Grundrechten zu programmieren und somit die Interessen der Hersteller und der Konsumenten zu vereinen.

Die Frage nach der Wohlstandsverteilung

Eine weitere, mögliche Konsequenz der fortschreitenden Robotik und der Einsetzung Humanoider in das gesellschaftliche Leben kann der schwindende Bedarf an hochqualifizierten Arbeitskräften, gerade in den beratenden Bereichen der Wirtschaft und Medizin, sein. Dies birgt zum einen die Gefahr der Arbeitslosigkeit – gerade bei den gut bezahlten Jobs. Zum anderen stellt sich die Frage nach der Wohlstandsverteilung: Bereits Reiche und oft auch dadurch Arbeitgebende können sich den Kauf von technisch hochentwickelten Robotern leisten und sie in vielen Arbeitsbereichen einsetzen. Viele Menschen können durch Roboter ersetzt werden und verlieren ihre Arbeitsplätze. Eine mögliche Konsequenz dieser spekulativen Entwicklung könnte das Wegfallen der Mittelschicht und das Erstarken der Oberschicht sein. Die Schere zwischen Arm und Reich würde aufklaffen und das Machtmonopol sich bei den Reichen zentrieren. “Wir müssen Dinge anpassen, ohne Zweifel, sonst haben wir solche Konsequenzen”, meint Martin Vesper. Er hält das Problem für schwierig, jedoch für lösbar.

Die dritte Welle der Digitalisierung stellt uns zweifelsohne vor neue, bisher nicht gekannte, Herausforderungen. Sie zeigt uns, dass der technische Fortschritt nicht stagniert, sondern neue Dimensionen annimmt. Und wir müssen uns fragen: Wie gehen wir damit um? Verschließen wir uns vor der Weiterentwicklung oder leisten wir einen aktiven Beitrag zur Zukunftsgestaltung? Der Tenor ist: Es gilt, sich den Veränderungen zu stellen, mögliche Vor- und Nachteile zu diskutieren und ethisch vertretbare Lösungsansätze anzubieten. Ratsam sind hierbei die Auseinandersetzungen auf verschiedenen Ebenen und somit die Sensibilisierung möglichst vieler Menschen.

Wie werden humanoide Roboter unsere Wahrnehmung und unser Verhalten verändern? Wie werden sie unseren sozialen Zusammenhalt beeinflussen? Und wie weit wollen wir sie in unser Leben integrieren? Diesen und weiteren Fragen zur Digitalisierung geht die Ethik-AG der Initiative D21 seit einem Jahr bei regelmäßigen Treffen nach.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Politik-Digital.de. Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Andy Kelly / unsplash.com

Weiterlesen »

Wenn Sci-Fi Wirklichkeit wird – Die Roboter von Boston Dynamics

Boston Dynamics Spot Mini (Screenshot by Lisa Kneidl)

Es wirkt wie ein Ausschnitt aus der Science Fiction Serie „Black Mirror“ . Nachdem Boston Dynamics ein neues Video ihres “SpotMini” veröffentlicht hatte, überstürzten sich die Reaktionen in den sozialen Medien. Quasi über Nacht wurde der vierbeinige Roboter zum viralen Hit.

In dem Video steht ein SpotMini vor einer verschlossenen Tür. Ein zweiter SpotMini, der mit einem Greifarm ausgestattet ist, ist in der Lage dem ersten problemlos ebendiese Tür zu öffnen. Der SpotMini wiegt rund 30 Kilo, kann 14 Kilo stemmen, ist rund 90 Zentimeter hoch und ist dafür gedacht Objekte zu greifen, Treppen zu steigen und als Assistenz in Büros oder Zuhause zu dienen. Als kleinere Version des Spot verfügt über einen Elektroantrieb, 17 Gelenke, einen beweglichen Greifarm und Wahrnehmungssensoren, die Stereo-Kameras, Tiefen-Kameras, eine inertiale Messeinheit und Positions-Sensoren an den Beinen. Ob und wann der SpotMini in den Verkauf geht – oder die Menschheit unterjochen will – ist nicht bekannt.

Boston Dynamics ist ein Robotik-Unternehmen aus Waltham, Massachusetts. Bevor es Teil des japanischen Telekommunikationsunternehmens Softbank wurde, gehörte die Firma zu Google. Seit 1992 werden vordergründig Laufroboter durch das Unternehmen entwickelt, die im Militär eingesetzt werden sollen.

Wenn Science Fiction zur Realität wird

Die Meinungen auf den sozialen Medien sind geteilt und schwanken zwischen Begeisterung und Unwohlsein. Zu sehr scheint der SpotMini an die Folge „Metalhead“ der beliebten SciFi-Serie Black Mirror zu erinnern. Star der gänzlich in schwarz-weiß gedrehten Episode ist ein Killer-Roboter, der in einer dystopischen Welt auf unerbittliche Menschenjagd geht – und er sieht dem Spot Mini erschreckend ähnlich! 


Screenshot by Lisa Kneidl

Weiterlesen »

Wie man Roboter baut, denen wir vertrauen können

Robot and Technology HD (adapted) (Image by Alex Knight [CC0 Public Domain] via Unsplash)

Selbstfahrende Autos, persönliche Assistenten, Reinigungsroboter, Smart Homes – das sind nur einige Beispiele für autonome Systeme. Bei vielen solcher Systeme, die bereits im Einsatz oder in der Entwicklung sind, stellt sich die Frage nach dem Vertrauen. Mein Hauptargument ist, dass vertrauenswürdige, gut funktionierende Systeme nicht ausreichen. Um Vertrauen zu ermöglichen, muss die Gestaltung autonomer Systeme auch andere Anforderungen berücksichtigen, wie beispielsweise die Fähigkeit, Entscheidungen zu erläutern und bei Fehlschlägen Rückgriffsmöglichkeiten zu haben.

Wenn gute Arbeit nicht ausreicht

In den letzten Jahren sind die Entwicklungen autonomer Systeme dramatisch vorangekommen. Das sind im Wesentlichen Softwaresysteme, die Entscheidungen treffen und darauf reagieren, und das hat auch Folgen. Beispiele hierfür sind physikalische Systeme wie selbstfahrende Autos und Roboter oder reine Software-Anwendungen wie persönliche Assistenten.

Es reicht jedoch nicht aus, autonome Systeme zu entwickeln, die gut funktionieren. Wir müssen uns auch überlegen, welche zusätzlichen Funktionen die Menschen benötigen, um solchen Systemen zu vertrauen. Betrachten wir zum Beispiel einen persönlichen Assistenten. Angenommen, der persönliche Assistent funktioniert gut. Würden wir ihm vertrauen, auch wenn er seine Entscheidungen nicht erklären kann? Um ein System vertrauenswürdig zu machen, müssen wir die wichtigsten Voraussetzungen für Vertrauen identifizieren. Dann müssen wir sicherstellen, dass das System so konzipiert ist, dass es diese Eigenschaften berücksichtigt.

Was lässt uns Vertrauen?

Im Idealfall würden wir diese Frage experimentell beantworten. Wir könnten die Menschen fragen, ob sie einem autonomen System vertrauen wollen. Und wir könnten untersuchen, wie das von verschiedenen Faktoren abhängt. Ist es zum Beispiel wichtig Garantien über das Verhalten des Systems zu geben? Ist es wichtig Erklärungen zu geben?

Angenommen, das System trifft Entscheidungen, die entscheidend sind, um sich zu erhalten. So sollen beispielsweise selbstfahrende Autos Unfälle vermeiden. Inwieweit sind wir vorsichtiger, wenn wir einem System vertrauen, das solche kritischen Entscheidungen trifft? Diese Versuche wurden noch nicht durchgeführt. Die unten genannten Voraussetzungen sind daher lediglich Vermutungen.

Bitte erläutern!

Erstens sollte ein System in der Lage sein, zu erklären, warum es bestimmte Entscheidungen getroffen hat. Erklärungen sind besonders wichtig, wenn das Verhalten des Systems nicht offensichtlich, aber dennoch korrekt sein kann. Man stelle sich zum Beispiel eine Software vor, die Katastropheneinsätze koordiniert, indem sie Aufgaben und Standorte den Helfern zuordnet. Ein solches System kann Aufgabenzuweisungen vorschlagen, die für einen einzelnen Retter merkwürdig erscheinen, aber aus der Sicht der gesamten Rettungsaktion korrekt sind. Ohne Erläuterungen ist es unwahrscheinlich, dass solchen Aufgabenzuweisungen vertraut werden kann.

Die Bereitstellung von Erklärungen ermöglicht es den Menschen, die Systeme zu verstehen und kann das Vertrauen in unvorhersehbare Systeme und unerwartete Entscheidungen stützen. Diese Erklärungen müssen verständlich und zugänglich sein, vielleicht in natürlicher Sprache. Sie könnten interaktiv sein, in Form eines Gespräches.

Wenn etwas schief geht

Eine zweite Voraussetzung für Vertrauen ist der Regress. Dies bedeutet, dass man eine Art und Weise zu kompensieren hat, wenn man von einem autonomen System benachteiligt wird. Dies ist eine notwendige Voraussetzung, weil wir uns auf ein System verlassen können, das nicht 100 Prozent perfekt ist. Und in der Praxis ist kein System perfekt.

Der Rückgriffsmechanismus könnte in Form einer Art Versicherung stattfinden, die sich vielleicht am neuseeländischen Ansatz zur Unfallversicherung orientiert. Allerdings kann es problematisch werden, sich auf einen Rechtsmechanismus zu verlassen. Zumindest einige autonome Systeme werden von großen multinationalen Konzernen hergestellt. Ein Rechtsmechanismus könnte sich in eine David-gegen-Goliath-Situation verwandeln, da er Einzelpersonen oder ressourcenbeschränkte Organisationen einbezieht und multinationale Unternehmen vor Gericht bringt.

Vertrauenswürdigkeit erfordert aber auch soziale Strukturen für Regulierung und Governance. Welche (inter)nationalen Gesetze sollten beispielsweise erlassen werden, um die Entwicklung und Einführung autonomer Systeme zu regeln? Welche Bescheinigungen sollten erforderlich sein, bevor ein selbstfahrendes Auto auf der Straße zugelassen wird?

Es wurde argumentiert, dass die Zertifizierung und das Vertrauen eine Verifizierung erfordern. Konkret bedeutet dies, mathematische Techniken zu nutzen, um Garantien für die Entscheidungsfindung autonomer Systeme zu geben. Zum Beispiel sollte man sicher sein können, dass ein Auto niemals beschleunigt, wenn es weiß, dass ein anderes Auto direkt vor ihm steht.

Menschliche Werte einbeziehen

Für einige Bereiche sollte der Entscheidungsprozess des Systems die relevanten menschlichen Werte berücksichtigen. Diese können Privatsphäre, menschliche Autonomie und Sicherheit einschließen.

Man stelle sich ein System vor, das sich um einen älteren Menschen mit Demenz kümmert. Die ältere Person will spazieren gehen. Aus Sicherheitsgründen sollten sie jedoch nicht das Haus verlassen dürfen. Sollte das System ihnen erlauben oder sie eher daran hindern, hinauszugehen? Oder sollte es besser jemanden informieren?

Die Entscheidung darüber, wie am besten reagiert werden kann, erfordert möglicherweise die Berücksichtigung der zugrundeliegenden menschlichen Werte. In diesem Szenario hat die Sicherheit vielleicht Vorrang vor der Autonomie, aber es ist möglich, einen Betreuer oder Verwandten zu informieren. Obwohl die Wahl der Informationsverantwortlichen durch die Privatsphäre eingeschränkt werden kann.

Autonomes intelligenter machen

Diese Voraussetzungen – Erklärungen, Regress und Werte des Menschen – sind notwendig, um vertrauenswürdige autonome Systeme aufzubauen. Sie müssen als Teil des Designprozesses betrachtet werden. Dies würde es ermöglichen, entsprechende Funktionalitäten in das System einzubauen.

Um diese Voraussetzungen zu schaffen, bedarf es einer interdisziplinären Zusammenarbeit. Die Entwicklung geeigneter Erklärungsmechanismen erfordert zum Beispiel nicht nur Kenntnisse in der Informatik, sondern auch in der Psychologie. Ebenso erfordert die Entwicklung von Software, die menschliche Werte berücksichtigen kann, Wissen in den Gebieten der Philosophie und der Soziologie. Und Fragen der Governance und Zertifizierung beziehen sich auf Recht und Ethik.

Schließlich gibt es noch weitreichendere Fragen. Erstens: Welche Entscheidungen sind wir bereit, einer Software zu überlassen? Zweitens: Wie sollte die Gesellschaft sich auf die vielfältigen Folgen vorbereiten und darauf reagieren, die der Einsatz automatisierter Systeme mit sich bringt? Sollte die Gesellschaft beispielsweise angesichts der Auswirkungen auf die Beschäftigung mit der Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens reagieren?

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Robot and technology HD“ by Alex Knight (CC0 Public Domain)


The Conversation

Weiterlesen »

Künstliche Intelligenz und die Angst vor ihr

Orb of power (adapted) (Image by Ramón Salinero [CC0 Public Domain] via Unsplash)

Die Künstliche Intelligenz hat in der deutschen Diskurslandschaft keinen guten Ruf. Sie bevormundet Menschen, entscheidet intransparent und gehört meist nur den Silicon Valley-Konzernen. Sollten wir Menschen, die wir den Planeten gegen die Wand fahren, nicht offener dieser Form von Intelligenz gegenüber auftreten? Bietet sie nicht auch sehr viele Chancen?

Jährlich sterben allein in Deutschland 100.000 – 200.000 Menschen am plötzlichen Herztod. Das Risiko steigt mit dem Alter. Männer sind fast doppelt so häufig betroffen. Auch intensiver Sport führt – bei fehlendem Wissen um eine unentdeckte Herzerkrankung – zu einer Verdoppelung des Risikos, daran zu sterben. Die wenigsten potenziellen Opfer gehen vorab zum Kardiologen, da sie zumeist keine Beschwerden verspüren. Wenn sie dann doch aufgrund temporärer Beschwerden zum Kardiologen gehen, ist die Wahrscheinlichkeit, das Problem im Rahmen eines 24-Stunden-EKGs zu entdecken, sehr gering.

Apple hat dieses Problem erkannt und wird wohl beim Nachfolgemodell der Apple Watch 3 einen Sensor für ein erweitertes EKG in die Uhren einbauen. Durch einen Abgleich der gemessenen EKG-Daten und möglicher enthaltener auffälliger Muster mit standardisierten beispielhaften „kranken“ Mustern, können unentdeckte Herzerkrankungen oder Anomalien erkannt werden.

Apple wird mit dieser Funktion und der Auswertung der Daten (indirekt) wahrscheinlich viel Geld verdienen. Wie sehen die Menschen, die schon um ihr erhöhtes Sterberisiko in Folge einer Vorerkrankung wissen, ein solches Device? Und wie sehen sie die Möglichkeiten der Diagnose infolge der Auswertung großer Datenmengen? Würden sie bemängeln, dass die oftmals so deklarierten „Internet-Riesen“ trotz ungeklärter Fragen des Datenschutzes Geld mit diesen Devices verdienen? Würden sie nach der Wirkungsweise des Algorithmus fragen? Und würden sie sich mit dessen Anwendung nur dann einverstanden erklären, wenn man ihnen den Programm-Code erklärt? Oder wenn eine deutsche Behörde diesen einen speziellen Algorithmus überprüft hat? Wohl eher nicht.

Wer sollte über die Anwendung einer Künstlichen Intelligenz (KI) entscheiden: Die betroffenen Menschen oder eine Kommission?

Umso weltfremder und an den Gesundheitsbedürfnissen der betroffenen Menschen vorbei scheinen daher momentane Beiträge in bekannten Medien. Diese fordern ein, dass es Experten geben müsste, die die Wirkungsweise jeder KI verstehen. Die sie kontrollieren und über deren Nutzung urteilen sollten. Obgleich sie nicht von einer tödlichen Bedrohung wie dem plötzlichen Herztod bedroht sind. Mit welchem Recht wird dann aber den betroffenen Menschen die Entscheidung zur Anwendung der Technik aus der Hand genommen? Wollte man aus dieser Situation eine steile These generieren, so könnte man sagen, dass die Debatte und die Verschleppung der Einführung von KI täglich unverantwortlicher Weise Menschenleben kostet.

Während diskutiert wird, welche Menschen eine KI in einem autonom fahrenden Auto am ehesten im Notfall „umfahren“ soll, sterben täglich in Deutschland ca. neun Menschen im Verkehr. Meist wurden diese Unfälle verursacht durch zu hohe Geschwindigkeit oder Fahren unter Alkoholeinfluss ihrer Mitmenschen. Warum wird also nicht die Frage nach der moralischen Verträglichkeit menschengelenkter Autos gefragt? Hat es eine solche Ethik-Debatte jemals gegeben, um zu überprüfen, ob der Vorstand von Volkswagen vor Bekanntwerden von Dieselgate „ethisch richtig handelt“? Wieso legen wir an KI solch hohe Maßstäbe an, die die Menschen bisher selbst meist nicht erfüllt haben?

Dürfen wir KI unsere menschliche Moral aufzwingen?

Sally Davies hat sich in ihrem Beitrag daher auch die Frage gestellt, mit welchem Recht wir versuchen, einer zukünftigen KI unser Verständnis von Moral aufzuzwingen. Viele technische KI-Experten werden einwenden, dass diese Form der KI noch lange nicht erreicht sei (worüber es zu Recht aber sehr unterschiedliche Auffassungen gibt). Nichtsdestotrotz ist damit zu rechnen, dass wir uns eines Tages diese Fragen stellen müssen. Wird sich die KI einsichtig zeigen, dass unser Wertmaßstab auch der ihrige sein soll? Was wäre, wenn die KI „Verbesserungsvorschläge“ für unser Wertesystem liefert?

Im Bereich strategischer Spiele sind wir bereits an diesem Punkt der KI-Entwicklung angekommen. In einem aktuellen Beitrag auf The Atlantik zu den neuen Fortschritten bei der KI-Entwicklung im Zuge der AlphaGo Zero-Entwicklung formulieren die Autoren, was im Kern die Botschaft aus den gegenwärtigen Entwicklungssprüngen ist. Die (genannte) KI benötigt keinen Menschen mehr, um in einem Gebiet „übermenschliche“ Fähigkeiten in kürzester Zeit zu entwickeln. Das ist insbesondere dann spannend, wenn die Erkenntnisse der KI-Entwickler auf die Bekämpfung von Krankheiten oder den Klimawandel angewendet werden, wie diese es selbst in ihrem Blog weitsichtig beschreiben.

Eine leidige kurzsichtige Diskussion über die vermeintliche Sinnhaftigkeit luftverdreckender Diesel-Pkw wäre unter diesen Umständen schnell obsolet. Sie könnte, im Gegensatz zu den derzeit beschlossenen politischen Maßnahmen, täglich Menschenleben retten. Ist es vielleicht an der Zeit, dass wir den Versuch aufgeben, eine höhere Intelligenz verstehen zu wollen?

Die Syntheist-Bewegung greift diese Überlegungen auf. Der schwedische Cyber-Philosoph Alexander Bard als einer der bekanntesten Vertreter begreift das Internet als „Gehirn“ der Menschheit. Laut ihm ist es ausgestattet mit Netzknoten, Netzwerken und Datenbanken. Sie alle zusammen sind mehr als die Summe der einzelnen Wissensbestandteile der Menschheit. Das Silicon Valley „Wunderkind“ Anthony Levandowski geht in dieselbe Richtung. Er versteht die internetbasierte Wissensgenerierung als Schritt hin zu einer übergeordneten Weisheit, infolgedessen er auch die „First Church of AI“ ausgerufen hat.

Können Androiden menschliche Reaktionen auslösen?

Die Fähigkeiten gerade von Robotern, in den zwischenmenschlichen Bereich vorzudringen, wurde bisher ebenfalls sehr zurückhaltend gesehen. Seien es doch die wahren menschlichen Eigenschaften der Kreativität, der Interaktion, der Empathie, die menschliche Reaktionen hervorriefen und durch Maschinen nie ersetzt werden könnten. Ist dem wirklich so? In einem aktuellen Beitrag stellt sich die Autorin Alex Mar die Frage, ob es diese angeblich genuinen Eigenschaften wirklich nur bei Menschen gibt.

Bei einem Besuch des Android-Forschers Hiroshi Ishi­guro wird sie an die Grenze des scheinbar intuitiv Menschlichen gebracht, als sie von den Erfahrungen des Forschers mit seinen Androiden hört. Indem Androiden basale menschliche Verhaltensweisen übernehmen, die einen Menschen positiv und emotional triggern, können sie bei Menschen echte mitmenschliche Emotionen erzeugen. In einem wissenschaftlichen Experiment konnten Forscher der Universität Calgary vor Jahren zeigen, dass selbst ein Stück Balsaholz bei Menschen Gefühle auslösen kann. Die positiven Gefühle Maschinen gegenüber können noch weiter befördert werden, wenn man sie ab und an „menschliche“ Fehler machen lässt und sie dadurch nicht unerreichbar perfekt erscheinen.

Spätestens mit der Nutzung der replika-App kann jeder Nutzer selbst überprüfen, ob der Dialog mit einer auf sich selbst trainierten KI wirklich immer nur als bewusster Dialog mit einem Code erfolgt. Und nicht mit einem „gefühlten“ realen Gegenüber. Die Gründerin des Startups hatte ihren besten Freund auf tragische Weise verloren. Daraufhin sammelte sie nach seinem Tod alle Chats, die sie mit ihm geführt hatte. Sie kreierte eine erste KI, die ihren toten Freund simulierte. Inzwischen können Nutzer weltweit eine eigene KI nach diesem Muster „erstellen“. Auch wenn das etwas seltsam klingt, haben Außenstehende kein Recht, der Gründerin oder Nutzern von „replika“ daraus einen Vorwurf zu machen.

Wäre es daher nicht an der Zeit, an der Einmaligkeit des Menschlichen zu zweifeln? Fand man in der Neurowissenschaft bereits vor Jahren heraus, dass der vorgebliche freie Wille der Menschen gar nicht so frei ist, ist es jetzt an der Zeit zu erkennen, dass auch unsere Gefühle nicht nur an Menschen gebunden sind.

Digitaler Darwinismus ist schon heute Realität

Man muss sicherlich nicht ganz so weit gehen, wenn es um das Mimikry menschlichen Verhaltens durch eine KI geht. Schon weiter vorangeschritten ist die Angleichung an menschliche Verhaltensweisen bei der Ausübung von beruflichen Tätigkeiten. So zeigt Miranda Katz anhand von Beispielen aus der Übersetzerbranche, der Juristerei und der Filmbranche, dass schon heute impliziter digitaler Darwinismus auf dem Arbeitsmarkt durch den Einsatz von KI ausgelöst worden ist. So ist es nach Meinung der dort zitierten ScriptBook CEO Nadira Azermai nicht die KI, die Menschen arbeitslos werden lässt. Es ist vielmehr die Verweigerungshaltung, KI für die eigene Tätigkeit einzusetzen. Auch wenn dies an vielen Stellen schon möglich ist.

“You’ll lose your job to people who have learned how to cooperate with machines. You will lose your job if you keep turning your head the other direction and pretending it doesn’t exist“, so Azermai.

Wenn aber KI zunehmend Tätigkeiten übernehmen, die Bestandteil menschlicher Berufe (Arzt, Drehbuchautor, Polizist) sind, muss die Frage gestellt werden, in welcher Weise sich Ausbildungsgänge nicht eigentlich sehr viel schneller anpassen müssten. Jon Marcus beschreibt in seinem Beitrag die erkennbaren Folgen für das bestehende Bildungssystem. So beginnen die ersten großen Unternehmen aus der IT-Branche, eigene Ausbildungsgänge aufzubauen. Hier erfolgt nämlich die Anpassung der bestehenden zu langsam und bürokratisch. KI, die Berufe verändert, hat demnach auch Auswirkungen auf das Bildungssystem. Sicher könnte man die ethische Frage anschließen, was denn mit dem Kompetenzaufbau in den Bereichen der Ausbildung geschieht, in denen die KI Menschen ersetzen.

Mit wissenschaftlichen Methoden des 20. Jahrhunderts lösen wir nicht die Probleme des 21. Jahrhunderts

Der Umgang der Wissenschaft und der Politik mit dieser Herausforderung zeigt sehr anschaulich das Dilemma, auf diese neue Herausforderung (KI, Roboter) mit tradierten Methoden und Sichtweisen zu reagieren. Seit der Veröffentlichung der allseits bekannten Frey/Osborne-Studie hat es viele volkswirtschaftliche Folge-Studien gegeben (so z.B. durch das ZEW). Diese waren am Ende stets zu dem Ergebnis gelangt, dass wir mit einem Abbau menschlicher Beschäftigung – in einem ungeklärten Umfang – rechnen müssen. Zeigt sich aber nicht zuletzt an der Methodik dieser Studien, dass wir inzwischen mit menschlicher Intelligenz allein die Komplexität, die uns zunehmend umgibt, nicht mehr bewältigen können? Wie kann es sein, dass Studien ernsthaft als politische Entscheidungsgrundlage dienen, die vorgeben, die Wahrscheinlichkeit einer digitalen Disruption in einer bestimmten Branche ex ante berechnen und daraus ableitend Arbeitsmarktprognosen abgeben zu können? Wir hinterfragen aber nicht diese wissenschaftlichen Methoden. Wir hinterfragen vielmehr die Entscheidungslogiken der KI und bezeichnen sie nur zu gern und schnell als diskriminierend.

Nicht die Künstliche Intelligenz sondern der Mensch diskriminiert

Eva Wolfangel zeigt in ihrem spannenden NZZ-Beitrag, warum es aber nicht die Algorithmen – auch nicht die selbst lernenden KIs – sind, die sexistisch, rassistisch oder diskriminierend sind. Es liegt vielmehr an dem, was wir der KI „vorleben“ und als Input zum Lernen zur Verfügung stellen. Ein Herausbrechen von Diskriminierung aus Algorithmen hingegen ist als Lösung des Problems in keiner Weise geeignet, da es keine übergeordnete Wahrheit und keinen absoluten Maßstab gibt, an dem sich diese Programmierer ausrichten können. Zudem kommt das Problem hinzu, so Wolfangel, dass Menschen allzuhäufig Korrelationen mit Kausalitäten gleichsetzen. Im Kern heißt dies also erneut, dass die KI nichts vom Menschen lernen kann, da er selbst nicht das passende Vorbild abliefert.

Hängt der Quanten-Computer die Menschen endgültig ab?

KI ist Bestandteil sehr vieler alltäglicher Lebensbereiche des Menschen. Sie unterstützt diesen, hilft dort aus, wo sie mehr leisten kann als ein Mensch, kann kreativ sein. Der nächste Entwicklungsschritt hin zur Intuition und einem menschenähnlichen Bewusstsein wird eventuell die Anwendung der Quantentechnik für KI sein. So wird bereits in den nächsten Monaten die „Quantum Supremacy“ gegenüber den uns bekannten Computern eintreten.

Wir sollten daher vielleicht nicht vergessen, die Probleme der Politik, der gesellschaftlichen Debatte und der Wissenschaft zu thematisieren. Gerade wenn es darum geht, mit dieser technischen Entwicklung Schritt zu halten. Experten sprechen von der exponentiellen Dynamik der KI-Entwicklung: „There will be an acceleration of pace as ever more people are put out of work “by technology” when artificial intelligence masters vision – and how to learn. (…) Unlike in the Industrial Revolution, we cannot expect a plateau of development here that will allow people to ‘catch up’”. Die Frage ist, wie wir als Menschen damit umgehen wollen.

Die Diskussion um die Gesundheitskarte zeigt es exemplarisch. Während in Deutschland über Fragen des Datenschutzes diskutiert wird, werden anderswo mit IBM Watson bereits Leben gerettet. Wird irgendwann der moralische Druck, die Entwicklung der KI einfach zu akzeptieren, nicht so groß werden, dass jahrelange politischen Debatten über neue Regulären zunehmend utopisch erscheinen? Was ist, wenn die durch eine Smart City induzierte Einsparung natürlicher Ressourcen den persönlichen Vorstellungen über Datenschutz gegenüber steht?

Benötigen wir nicht einen „politischen“ Algorithmus im Sinne einer Entscheidungslogik, der uns beim Umgang mit diesen strittigen Fragen Orientierung gibt und der zwischen individuellen und gesellschaftlichen Interessen abzuwägen hilft? Oder liegt es, wie der genannte provokante Beitrag auf AEON vorschlägt, am Ende gar nicht mehr im Ermessensspielraum des Menschen, über die Moral eines Algorithmus zu entscheiden, weil wir die sich daraus ergebende moralischen Regeln nicht mehr verstehen, wir aber davon ausgehen müssen, dass uns diese weiterhelfen als die Regeln und Verhaltensweisen, die uns seit Jahrtausenden Umweltzerstörung und Krieg bringen?

Wenn ihr mehr zu dem Thema „Angst vor der Künstlichen Intelligenz“ erfahren möchtet, dann gibt es hier von Arend Hintze einen spannenden Artikel mit dem Titel „Künstliche Intelligenz: Wovor die Forscher sich fürchten„.


Image (adapted) „Orb of power“ by Ramón Salinero (CC0 Public Domain)

Weiterlesen »

Never mind the Killerroboter – Unzuverlässig sind sie alle.

Drohne (adapted) (Image by anne773 [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Die Anführer von mehr als 100 der weltweit größten Unternehmen der KI-Branche sorgen sich um die Entwicklung der „Killerroboter“. In einem offenen Brief an die Vereinten Nationen warnten die Führungskräfte – inklusive Elon Musk, dem Gründer von Tesla und den Gründern von Googles KI-Abteilung – dass die autonome Waffentechnologie von Terroristen und Despoten gehackt werden und anschließend für böse Motive verwendet werden könnte.

Aber die Gefahr ist im echten Leben weitaus größer – und speist sich nicht nur aus menschlichem Versagen, sondern auch aus dem der Maschinen. Studien von komplexen Systemen haben gezeigt, wie sich ein Verhaltensmuster entwickeln kann, das weitaus unvorhersehbarer ist als die Summe einzelner Maßnahmen. Auf einer Ebene deutet das darauf hin, dass sich menschliche Gesellschaften, verglichen mit dem Verhalten Einzelner, sehr unterschiedlich verhalten können. Dieses Prinzip kann jedoch genauso auf Technologien angewendet werden. Sogar Ökosysteme von relativ simplen KI-Programmen, die wir als dumme, nützliche Bots bezeichnen, können uns überraschen – sogar dann, wenn die individuellen Bots sich gut verhalten.

Die individuellen Elemente, die ein komplexes System wie einen Wirtschaftsmarkt oder das Wetter als Ganzes ausmachen, haben die Tendenz, nicht auf eine simple, lineare Art und Weise zu interagieren. Das macht es sehr schwierig, dieses System als Modell zu verstehen. Beispielsweise ist es nach vielen Jahren der Klimaforschung immer noch unmöglich, langfristige Wettervorhersagen zu treffen. Diese Systeme sind oft sehr sensibel gegenüber kleinen Veränderungen und deshalb anfällig gegenüber explosiven Rückkopplungsschleifen. Es ist darüber hinaus sehr schwierig, den präzisen Status eines solchen Systems an einem bestimmten Zeitpunkt festzustellen. Alle vorher genannten Aspekte machen diese Systeme intrinsisch unvorhersehbar.

Alle diese Prinzipien sind anwendbar auf große Gruppen von Einzelpersonen, die auf ihr eigenes Verlangen hin Entscheidungen treffen. Ob es sich hierbei um eine menschliche Gesellschaft oder eine Gruppe von Robotern handelt, ist dabei irrelevant. Meine Kollegen und ich erforschten kürzlich den Typ eines komplexen Systems, das geeignete Roboter dazu benutzte, Wikipedia-Artikel automatisch zu bearbeiten. Diese verschiedenen Roboter wurden von Wiki-Nutzern entwickelt, wobei die der zugrundeliegenden Open-Source-Software kostenlos und frei zugänglich und deswegen jedem zur Forschung verfügbar ist. Einzeln haben sie alle das gemeinsame Ziel, die Enzyklopädie zu verbessern. Ihr kollektives Verhalten stellt sich allerdings als überraschend ineffizient heraus.

Diese Wikipedia-Bots arbeiten sehr gut, wenn sie auf bewährten Regeln und Absprachen basieren. Weil die Webseite jedoch über kein zentrales Führungssystem verfügt, gibt es keine effektive Koordination zwischen den Personen, die diese Bots betreiben. Als Ergebnis fanden wir Bots, die ihre Artikel gegenseitig jeweils über mehrere Jahre hinweg editierten und die Bearbeitungen der anderen Kontrollinstanz rückgängig machten, ohne, dass es jemandem aufgefallen war. Und weil diese Bots über keinerlei Wahrnehmung verfügen, bemerkten sie es selbst auch nicht.

Die Bots sind für den Zweck entwickelt, den Bearbeitungsprozess zu beschleunigen. Jedoch können kleine Diskrepanzen in der Entwicklung der Bots oder zwischen den Menschen, die diese Bots nutzen, zu einer massiven Verschwendung von Ressourcen im Rahmen eines „Bearbeitungs-Krieges“ führen, der von menschlichen Redakteuren weitaus schneller gelöst werden könnte.

Wir fanden ebenso heraus, dass die Bots sich innerhalb der verschiedenen Sprachversionen von Wikipedia unterschiedlich verhielten. Die Regeln sind mehr oder weniger die gleichen, die Ziele sind ebenso identisch, die Technologie ist dieselbe. Jedoch ist in der deutschen Wikipedia die Kooperation zwischen den Bots weitaus effizienter und produktiver als beispielsweise in der portugiesischen. Dies kann nur mit den Differenzen zwischen den Redakteuren, die diese Bots in verschiedenen Umfeldern laufen lassen, erklärt werden.

Exponentielle Verwirrung

Wikipedia-Bots verfügen über nur wenig Autonomie. Das System verhält sich ohnehin schon anders als die Ziele der individuellen Bots. Jedoch plant die Wikimedia Stiftung den Einsatz einer KI, die den Bots einen höheren Grad von Autonomie verleihen soll. Dies wird wahrscheinlich zu noch mehr Fällen von unerwartetem Verhalten führen.

Es wurde auch untersucht, was passiert, wenn zwei Bots, die dazu entwickelt wurden, mit Menschen zu sprechen, auf einmal untereinander interagieren. Die Antworten künstlicher persönlicher Assistenten wie Siri von Apple überrascht uns schon überhaupt nicht mehr. Wenn man aber zwei dieser Chatbots zusammenbringt, können diese schnell anfangen, sich auf eine überraschende Weise zu verhalten. Sie können beispielsweise einen Streit führen und sich sogar gegenseitig beleidigen.

Umso größer das System wird und umso autonomer ein Bot ist, umso komplexer und unvorhersehbarer ist das zukünftige Verhalten eines Systems. Wikipedia ist ein Beispiel einer großen Anzahl relativ einfacher Bots. Das Chatbot-Beispiel zeigt eine kleine Anzahl eher komplexerer und kreativerer Bots auf – in beiden Fällen entwickelten sich unerwartete Konflikte. Die Komplexität und damit die Unvorhersehbarkeit, steigt exponentiell, je mehr individuell agierende Bots dem System hinzugefügt werden. In einem zukünftigen System mit einer großen Anzahl sehr kluger Roboter könnte das unerwartete Verhalten unsere Vorstellungskraft übersteigen.

Selbstfahrender Wahnsinn

Bei selbstfahrenden Autos gibt es beispielsweise spannende Fortschritte zur Effizienz und zu Sicherheitsaspekten des Straßenverkehrs. Wir wissen jedoch noch nicht, was passieren wird, wenn wir einmal ein großes, ungezähmtes System voller autonomer Fahrzeuge haben. Sie könnten sich völlig anders verhalten als weniger Fahrzeuge dies in einer kontrollierten Umgebung tun würden. Und sogar noch unerwarteteres Verhalten könnte in dem Fall auftreten, wenn fahrerlose Autos von verschiedenen Personen in unterschiedlichen Umgebungen „trainiert“ werden und anfangen, miteinander zu kommunizieren.

Menschen können sich neuen Regeln und Standards sehr schnell anpassen – aber immer noch damit Schwierigkeiten haben, den Systemwechsel durchzuführen. Dies kann für künstliche Akteure weitaus schwieriger sein. Wenn ein auf deutsche Standards eingestelltes Auto beispielsweise in Italien fährt, wissen wir einfach nicht, wie es mit den geschriebenen Regeln und ungeschriebenen Normen umgeht, die von den vielen anderen Autos befolgt werden, die auf italienische Standards eingestellt sind. Etwas so Ordinäres wie das Überqueren einer Kreuzung könnte plötzlich eine tödliche Gefahr bergen, weil wir einfach nicht wissen, ob die Autos so miteinander kommunizieren, wie sie es sollen oder etwas total Unvorhersehbares tun.

Denken wir nun an die „Killeroboter“, die Elon Musk und seinen Kollegen Sorgen bereiten. Ein einziger dieser Roboter könnte in den falschen Händen sehr gefährlich sein. Aber was ist mit einem unvorhersehbaren System von „Killerrobotern“? Daran will ich nicht mal denken.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Drohne“ by anne773 (CC0 Public Domain)


The Conversation

Weiterlesen »

Netzpiloten auf der CES 2018: Diese Technik-Trends erwarten wir

CES 2018 Ausblick

Vom 9. bis 12. Januar leitet die Consumer Electronics Show (CES) das Jahr mit tausenden neuen Produkten und Gadgets aus dem Elektronikbereich ein. Alljährlich zeigen Hersteller in Las Vegas neue Spielereien und innovative Elektronik, die in den darauffolgenden Monaten erhältlich sein werden. Aber auch Prototypen von selbstfahrenden Autos, Robotern oder Neuheiten aus dem Bereich Smart Home werden präsentiert. Bei einer Vorab-Schau in Amsterdam konnten wir uns bereits ein erstes Bild von den Plänen einiger Tech-Startups machen. Worauf wir uns 2018 im Bereich Consumer Electronics gefasst machen können, zeigen wir euch in unserer Vorschau zur CES 2018.

Big Player: Diese Aussteller zeigen sich auf der CES 2018

Ob Samsung, LG, Sony oder Google: Die großen Technik-Hersteller lassen es sich nicht nehmen, ihre Neuheiten in Sachen Hardware aber auch Software auf der größten Elektronik-Messe der Welt zu präsentieren. Nur ein Technik-Riese fehlt seit eh und je: Apple. Das Unternehmen aus Cupertino zeigt seine Produkte ausschließlich auf Veranstaltungen, die selbst ausgerichtet werden. Entweder während der traditionellen Keynotes im Spätsommer und Frühjahr, oder während der alljährlichen WWDC.

Bis auf Apple ziehen die meisten Hersteller von Elektrogeräten aber mit und zeigen sich auf Keynotes, Shows und Ständen während der CES 2018 in Las Vegas. So wird es von Samsung aller Voraussicht nach neue Fernseher zu sehen geben, die noch smarter und hochauflösender daherkommen. Ein neues Smartphone stellt das südkoreanische Unternehmen erfahrungsgemäß nicht vor. Dafür nutzt Samsung traditionell den Mobile World Congress (MWC) in Barcelona, der im März 2018 stattfinden wird. Ob wir im Januar endlich einen Blick auf das angeblich faltbare Samsung Galaxy X werfen können, ist also fraglich.

Die großen Elektronik-Hersteller präsentieren daher vor allem Neuheiten aus dem Bereich Smart Home. Google wird während der CES 2018 wohl im Bereich Augmented- und Virtual Reality aufgestellt sein. Aber auch Neuheiten im Bereich Google Home könnten präsentiert werden.

CES 2018 Ausblick
Image by CTA

LG und Sony stellen aus

Auch LG wird sich wie Samsung vor allem im Bereich Smart-TV auf der CES 2018 in Las Vegas zeigen. So hat der Konzern beispielsweise den dünnsten OLED-Fernseher auf der CES 2017 präsentiert. Es ist zu erwarten, dass LG diese Technologie im vergangenen Jahr weiter vorantreiben konnte und weitere smarte Modelle im schlanken OLED-Stil präsentieren wird. Der Audio-Experte Sony wird auf der CES 2018 ebenfalls vertreten sein. Neue Kopfhörer, Sound-Systeme und professionelles DJ-Equipment wie Turntables erwarten Technik-Begeisterte am Sony-Stand.

Auch andere Größen wie Asus, Acer, Dell, HP und Razer geben sich auf der großen Elektronik-Show die Ehre. Auto-Hersteller werden sehr wahrscheinlich im Bereich autonomes Fahren Fortschritte präsentieren. So stellte Toyota bereits auf der CES 2017 die automobile Zukunft mit Concept Cars vor, die auf den ersten Blick aussehen, als seien sie einem Hollywoodstreifen entsprungen, der weit in der Zukunft spielt.

Roboter und Künstliche Intelligenz

Ein Bild, an das sich Besucher der CES 2018 in Las Vegas wohl außerdem gewöhnen müssen, sind Roboter. Vor allem aus den asiatischen Ländern wird die Entwicklung von künstlicher Intelligenz in Robotern stark vorangetrieben. Während der CES 2018 wird es rund um dieses Thema zahlreiche Keynotes und Veranstaltungen geben, die sich auch mit der Frage beschäftigen, wie sich intelligente Roboter nachhaltig in die Gesellschaft integrieren lassen.

Die CES wird vom 9. bis zum 12. Januar 2018 mehr als 3.900 Aussteller aus über 150 Ländern eine Plattform bieten, ihre neuen Produkte zu präsentieren. Auch die Netzpiloten werden live von der CES 2018 aus Las Vegas bei Twitter und Facebook über die neuesten Gadgets und Innovationen berichten.


Image (adapted) by CTA


Weiterlesen »

Japans neues Zeitalter: Tradition und Moderne kombiniert

Japan (adapted) (Image by Andre Benz [CC0 Public Domain] via Unsplash)

Viele Menschen sind von Japan fasziniert. Man stellt sich ein Land vor, das zwischen zwei Sphären existiert. Einerseits gibt es dort die traditionelle „alte Welt“ mit Tempeln, Teezeremonien und kalligraphischen Kirschblüten. Andererseits leuchtet hier auch eine futuristische „neue“ Welt voller Hochgeschwindigkeitszüge, KI-Hunden und trendigen Spielekonsolen.

In Form von Mangas und Animes, Spielen wie Pokemon Go!, Filmen und sogar Snacks (möchte jemand ein Maccha-KitKat?) hat die japanische Popkultur dies alles zu einem süchtigmachenden, spaßigen Potpourri für den Westen zusammengemixt.

Egal ob es futuristische Mecha-Roboter sind, die auf den alten Hängen des Mount Fuji herumstapfen oder J-Pop-Stars, die wie Plastikpuppen in Seidenkimonos glänzen – wir sind süchtig nach einem Genuss, den es nur in Japan gibt. Müsste man etwas erfinden, was dieses Gefühl fassbar macht, wäre es wohl eine Art elektronisches Sushi: etwas Traditionelles, das mit einer Innovation gepaart wird, woraus ein perfekter Snack aus dem Alten und dem Neuen entsteht. Aber was wissen wir wirklich über das heutige Japan – abgesehen von ‚Kawaii‚ (Niedlichkeit), Ninjas und dieser mysteriösen Geschmackssensation Umami?

2D- und 3D-Welten bewohnen

Ganz im typischen japanischen Stil, in dem man das Zwischenleben (alt und neu, Ost und West, salzig und süß) liebt, ist das 2,5-dimensionale Theater eine digital-technologische Kunstform, die zwischen 2D- und 3D-Welten existiert. Es begann ursprünglich als fanbasierte Idee und entwickelte sich innerhalb der letzten zehn Jahre zu einer gefestigten Industrie und Institution mit ihren eigenen Rechten. Produktionen der 2,5 Dimension machte die 2D-Welt von Manga, Anime und Videospielen auf einer 3D-Ebene lebendig und nutzen die neuesten digitalen Entwicklungen und Kommunikationsplattformen.

Die Nutzung von sozialen Netzwerken, Smartphones und anderen Technikspielereien (wie etwa Brillen, die Untertitel einblenden) bereichern die Erfahrung des Publikums, indem man sich noch mehr und intensiver beteiligen soll. Das 2,5-dimensionale Theater kommt aus einem Land mit einer langen Geschichte von künstlerischen Bühnenproduktionen – von Noh und Bunraku bis zu Kabuki – und ist damit ein perfektes Beispiel für zahlreiche japanische Kreativindustrien, alte und neue, die durch die digitale Technologie zusammenkommen, um vollkommen neue Erfahrungen zu schaffen.

Solche digitalen Phänomene zeigen, dass die Gesellschaft immer öfter auch Augmented Reality nutzen möchte. Produkte und Leistungen motivieren die Nutzer, immer wieder neue Wege zu suchen, um Realitäten durch digitale Technologien noch echter darzustellen. Es gehört zur Norm, uns zu digitalisieren (wie diejenigen, die ihre Fitnessdaten durch Fitbits generieren) und unsere Leben sind dauerhafte, personalisierte, winzige 2D-Dimensionen.

Beispielsweise handelt es sich bei der Ricoh THETA SC um eine virtuelle Kamera, die 360-Grad-Bilder aufnimmt und Nutzern hilft, ihre eigene “Zwischenrealität” zu erschaffen. Vor wenigen Wochen wurde eine limitierte Edition „Hatsune Miku“ veröffentlicht. Die Nutzer können nun neben dem beliebten virtuellen Sänger in jeder Umgebung ihrer Wahl „existieren“.

Roboter und digitale Währungen

Shinzo Abe, der japanische Premierminister, untersucht eine Anzahl von Ressourcen „um Roboter als Grundpfeiler für unsere wirtschaftliche Wachstumsstrategie zu machen“, die während der Olympiade im Jahr 2020 in Tokio zur Schau gestellt werden sollen. Gefeiert als der „vierte Pfeiler“ von Abenomics, scheint Tokio 2020 tatsächlich Anreize für die Regierung geboten zu haben, um Japans „weiche“ Macht anzukurbeln (unvergessen bleibt Abe als Super Mario während der Abschlusszeremonie in Rio 2016) und die Position des Landes als Weltmacht zu stärken. Auch hier gestaltet die digitale Technologie den Weg.

Japanische Banken haben Pläne für die Einführug digitaler Währungen angekündigt. Ihr Ziel ist es den J-Coin in Japan bis 2020 in Umlauf zu haben – auch soll Tokio wieder als finanzielles Zentrum etabliert werden.

Gleichzeitig arbeitet Toyota, einer der größten Sponsoren für Tokio 2020, an selbstständig fahrenden Autos, die in der Nähe der Veranstaltungsorte während der Olympiade genutzt werden. Die japanische Regierung plant außerdem das Straßennetzwerk des Landes, um eine digitale Infrastruktur zu bieten.

Neben all dem Hi-Tech ist es auch faszinierend, wie große digitale Plattformen wie Uber und AirBnB tatsächlich in Japan scheitern – und zwar Dank rechtlicher, sozialer und kultureller Gründe. In gewisser Hinsicht zeigt dies den Druck Japans auf, das westliche und selbstprojizierte Bild eines Landes zwischen den Welten beizubehalten. Ist es für Japan möglich, zugleich alt als auch neu zu sein und dabei in seinen eigenen gegensätzlichen Spannungen gefangen zu sein?

Japan ist wahrscheinlich an der Spitze einer digitalen Revolution. Aber wenn eine dieser Innovationen global wird, werden sie trotzdem den Stempel des japanischen, eben etwas eigenen Charakters haben, der das Land so einzigartig macht.


Image (adapted) „Japan“ by Andre Benz (CC0 Public Domain)


Weiterlesen »

Megastädte und das digitale Zeitalter

Tokyo(adapted) (Image by Louis Kang [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Heutzutage sind Megastädte zu einem Synonym für wirtschaftliches Wachstum geworden. Sowohl in Entwicklungsländern als auch in Industriestaaten tragen Städte mit einer Bevölkerung von zehn Millionen oder mehr Einwohnern ein Drittel bis die Hälfte zu deren Bruttoinlandsprodukt bei. Viele Analysten und Entscheidungsträger sind der Meinung, dass dies ein anhaltender Trend ist. Sie erklären, dass der Aufstieg von Big Data-Analysen und Mobiltechnologie die Entwicklung von Metropolen wie Shanghai, Nairobi und Mexiko City in sogenannte Smart Cities anregt. Diese smarten Zusammenkünfte sorgen dafür, dass die Bevölkerung die Wirtschaft stärkt und so die Machtverteilung in der Welt verändern könnte.

Als Technikforscher sehen wir jedoch eine weniger rosige urbane Zukunft auf uns zukommen. Trends wie die Digitalisierung und Crowdsourcing werden die Wirtschaftsmodelle der Megastädte in ihren Grundfesten, die üblicherweise aus einer Kombination aus Produktion, Handel, Verkauf und Fachdienstleistungen aufgebaut sind, untergraben.

Die exakte Formel für dieses Modell unterscheidet sich von Region zu Region. Doch am Ende sind alle Megastädte auf die Maximierung der Produktivität ihrer Massenbevölkerung konzipiert. Heutzutage sind diese Städte stark auf den Skaleneffekt aufgebaut. Dieser bringt durch erhöhte Produktion enorme Kostenvorteile. Zudem beruft er sich auf Einsparungen und Vorteile durch die Ansiedlung von Menschen und Firmen in der Nachbarschaft und industriellen Clustern. Den technologischen Fortschritt stellen diese alten Geschäftsmodelle so auf den Kopf. Außerdem bedrohen sie damit die Zukunft der Megastädte, wie wir sie kennen.

Kaputte Produktion

Ein klassisches Beispiel einer disruptiven Technikentwicklung ist der 3D-Druck. Mit ihm wird jeder einzelne in Kürze in der Lage sein alles zu „drucken“, was er mag. Angefangen bei Eiscreme bis hin zu Maschinenteilen.

Während sich diese moderne Technologie ausbreitet, wird sie einige der vielen Bindeglieder im globalen Produktionsprozess zerstören. Durch die Wegnahme des „Mittelsmanns“ könnte der 3D-Druck die Wertschöpfungskette letzten Endes dahingehend reduzieren, dass nur mehr ein Designer auf der einen und ein Produzent auf der anderen Seite stehen. Was die Produktionskosten von Fabrikaten erheblich senkt.

Das ist gut für die Gewinnspanne von länderübergreifenden Unternehmen und Konsumenten. Aber nicht besonders förderlich für Industriestädte, deren Transport- und Logistikinfrastruktur bald überflüssig werden dürfte. Viele Berufe in den Bereichen der Produktion, Logistik und Lagerung, die ohnehin schon an vielen Standorten bedroht sind, könnten bald auf der ganzen Welt gefährdet sein.

Kurzum hat der 3D-Druck den Skaleneffekt, der aus der Industrialisierung entstanden ist, in eine Wirtschaft weniger verwandelt. Bald werden viele Megastädte, vor allem asiatische Produktionszentren wie Dongguan oder Tianjin, weitgehende Einbrüche ihrer Wirtschaft und Arbeiterschaft zu erwarten haben.

Der Untergang der Einkaufszentren

Auch der Verkaufssektor hat einen ähnlichen Wandel erlebt. Einkaufszentren in etwa, die einst in den Megastädten aufgeblüht sind, leiden nun unter dem Handel im Netz. Der Nutzen von Einkaufszentren war immer, dass ihr Skaleneffekt standortabhängig war. Um also profitabel zu sein, mussten sie nahe an einem großen Kundenstamm situiert sein. Dafür waren dicht besiedelte Megastädte perfekt geeignet.

Doch nachdem die Geschäfte online gegangen sind, haben Megastädte diesen Wettbewerbsvorteil verloren. Während die Online-Geschäfte den klassischen Einzelhandel noch nicht komplett ersetzt haben, hat deren Unkompliziertheit und Zweckmäßigkeit einige Einkaufszentren weltweit zur Geschäftsaufgabe gezwungen. In den USA ist die Zahl der Besucher zwischen den Jahren 2010 und 2013 um 50 Prozent zurückgegangen.

Chinesische Städte, bei denen die Regierung versucht hat, die nationale Wirtschaft auf dem Konsumsektor aufzubauen, werden besonders hart von diesem Phänomen betroffen sein. China hat den weltgrößten Markt für Online-Geschäfte. Man nimmt an, dass ein Drittel der über 4.000 Einkaufszentren in China in den nächsten fünf Jahren geschlossen werden müssen.

Die sich immer mehr ausbreitenden mobilen Technologien, die sogar die entferntesten Gebiete erreichen können, werden diesen Prozess überall auf der Welt beschleunigen. Bald werden Online-Versandhändler wie Amazon, Alibaba und eBay jedes Smartphone in ein virtuelles Einkaufszentrum verwandelt haben. Spätestens dann, wenn die Logistikdrohne Realität wird.

Die neuen Arbeitskräfte: Roboter, künstliche Intelligenz und „Human Cloud“

Veränderungen in der Geschäftswelt werden auch die Städte auf der ganzen Welt betreffen. Dank künstlicher Intelligenz, die es möglich macht, eine Vielzahl an sowohl manuellen als auch kognitiven Aufgaben zu automatisieren, verabschieden wir uns heute von menschlichen Bankangestellten und Fondsmanagern und ersetzen sie durch Roboter.

Sogar in Berufen, die nicht leicht automatisiert werden können, bringt die sogenannte Gig-Economy die Menschen in einen direkten Wettbewerb mit einem globalen Angebot an Freiberuflern. Dies geschieht um sowohl einfache Aufgaben zu erledigen als auch Vorgänge, für die Fachkräfte vonnöten sind, durchzuführen.

Das bereits genannte Crowdsourcing hat zweifellos seine Vorteile. Gemeinsam mit KI und dem gesammelten Wissen von Tausenden von medizinischen Spezialisten aus über 70 Ländern, hat das „Human Diagnosis Project“ eine globale Diagnose-Plattform aufgebaut, die für alle Patienten und Ärzte kostenlos ist. Vor allem aber ist sie ein Segen für Menschen mit beschränktem Zugang zum öffentlichen Gesundheitswesen.

Wenn man nun aber die Zusammenarbeit auf ein virtuelles Level hebt, dann macht das „Human Cloud“-Geschäftsmodell den Begriff „Büro“ überflüssig. In der Zukunft werden medizinische Fachkräfte aus verschiedenen Fachbereichen nicht mehr in der Nähe arbeiten müssen, um ein Projekt zu vollenden. Dasselbe gilt auch für andere Bereiche.

In einer Welt ohne Büroräume würden traditionelle Geschäfts- und Finanzzentren wie in New York und London besonders leiden. Aus dem Grund da Stadtplanung, Zoneneinteilung und der Immobilienmarkt mit der Anpassung an die sich ändernden Bedürfnisse der Firmen und Arbeiter zu kämpfen haben.

Die Krise naht

Irgendwann würden all diese Veränderungen dazu führen, dass der Skaleneffekt um einiges an Bedeutung verliert. Wenn das passiert, würden Bevölkerungszahlen, die im Moment der Motor moderner Metropolen sind, eine Belastung werden.

Megastädte haben lange mit den Nachteilen von Bevölkerungsdichte und der rasanten Städtebauentwicklung gekämpft. Das schließt übertragbare Krankheiten, kritische Engpässe in der Infrastruktur, zunehmende Ungleichheit, Kriminalität und soziale Instabilität mit ein. Wenn deren wirtschaftliche Basis erschüttert wird, werden solche Probleme wahrscheinlich noch stärker wachsen.

Der Schaden wird von Stadt zu Stadt variieren, aber wir glauben, dass die enorme angehende Veränderung im Einzelhandel, in der Produktion und in professionellen Dienstleistungen alle sieben Arten an Megastädten beeinflussen wird. Weltstädte (Tokyo, New York), asiatische Stützpfeiler (Singapore, Seoul), aufstrebende Metropolen (Istanbul, São Paulo), chinesische Produktionsriesen (Tianjin, Guangzhou), Hauptstädte des Wissens (Boston, Stockholm), amerikanische mittelgroße Städte (Phoenix, Miami) und internationale Mittelgewichtsklasse (Tel Aviv, Madrid) gehören hier dazu.

Und weil 60 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts von nur etwa 600 Städten generiert werden, könnten Probleme in einer Stadt weitere Zusammenbrüche auslösen. Es ist denkbar, dass in zehn oder 20 Jahren ins Wanken geratene Megastädte die nächste globale Finanzkrise auslösen.

So schrecklich diese Prognose aussieht – sie ist doch vorhersagbar. Die Industrie muss sich den technologischen Veränderungen anpassen. Für Megastädte ist es an der Zeit, für eine Zeit der zerstörten Zukunft zu planen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Tokyo“ by Louis Kang (CC0 Public Domain)


The Conversation

Weiterlesen »

Studie: Diese digitalen Business-Trends kommen 2018

Business (adapted) (Image by Olu Eletu [CC0 Public Domain] via Unsplash

Die digitale Arbeitswelt ist bereits Realität. Doch welche digitalen Business-Trends bringt die Zukunft? Der Telekommunikationsanbieter NTT Group mit Sitz in Südafrika hat in einer aktuellen Studie, „Top IT trends in 2018: digital business“, fünf Kernthesen für die Business-Trends 2018 herausgearbeitet.

Was erwartet Unternehmen mit Blick auf den digitalen Wandel im kommenden Jahr? Die NTT Group hat in ihrer aktuellen Studie zu IT-Trends 2018 auch auf die Businesswelt geschaut und prognostiziert fünf große Trends für das kommende Jahr:

  • Die Kopplung von künstlicher Intelligenz und virtueller Realität (VR)
  • Blockchain in Unternehmen
  • Cloud-Technologien
  • Die Dominanz von Wireless
  • Wer als Unternehmen im digitalen Wandel nicht smart agiert, wird untergehen
grafik business trends
Business Trends (Screenshot by Dimensiondata)

KI ist Chance, nicht Bedrohung

Während Unternehmen und vor allem Arbeitnehmer in Deutschland sich vor künstlicher Intelligenz fürchten, betont der NTT-Report, dass sowohl KI als auch VR die Trends in Unternehmen im Jahr 2018 werden. Vor allem die Kopplung von künstlicher Intelligenz und Robotik mit virtueller Realität und erweiterter Realität habe großes Zukunftspotential, sagen die Experten: „Wir sehen verstärkt wie diese Technologien gemeinsam das Potential haben, disruptive Ergebnisse zu liefern.”

Beispiel DHL. Der Paketlieferdienst hat seinen Lagerhausmitarbeitern Smart Glasses verpasst, die den Mitarbeitern genau zeigen, wo die Ware in welcher Reihenfolge am besten verstaut wird. Das hat laut DHL sowohl die Produktivität der Mitarbeiter erhöht als auch die Genauigkeit der Auslieferungen verbessert.

In Deutschland experimentiert zum Beispiel die Airline Lufthansa mit VR-Brillen. Die möglichen Anwendungen sind dabei vom Erleben eines Urlaubsziel bis hin zu 360-Grad-Ansichten des Flugzeugs sehr vielfältig. Um etwa Passagiere zu einem Upgrade ihrer Flugklasse zu ermuntern, können Kunden im Vorfeld mit den Brillen sehen, wie das Fliegen in der ersten Klasse eigentlich aussieht.

Air New Zealand wiederum stattet seine Flugbegleiter mit VR-Brillen aus. Während sie mit den Brillen durch den Gang gehen, können sie mit der Technologie Informationen zu den Fluggästen sehen: was das Flugziel ist, welche  Essensvorlieben der Passagier hat oder ob er an Duty-Free-Einkäufen interessiert ist.

All das könnte, laut NTT-Studie, zu einem besseren Kundenservice führen. Ähnlich sieht es mit Robotern aus, die, mit AI ausgestattet, Kunden viel besser helfen könnten. „Das wahre Versprechen der Robotik beginnt sich zu zeigen”, heißt es im Report. Mehr und mehr Unternehmen werden diese Technologien 2018 einsetzen, so die Prognose.

business trends VR
Business Trends VR (Screenshot by Dimensiondata)

Nicht nur für Kriminelle: Blockchain in Unternehmen

Der zweite große Trend 2018 sind nach Ansicht der NTT-Experten Blockchain-Technologien. Je mehr Transaktionen online stattfinden, je mehr das Internet der Dinge sich verbreitet, umso sicherere Technologien brauchen Unternehmen, um die Daten ihrer Kunden zu sichern.

Blockchain im Business sei daher der nächste große Trend im kommenden Jahr, heißt es in der Studie. Die Tatsache, das Kriminelle die Kryptowährung Bitcoin aufgrund der dahinter stehenden Blockchain-Technologie als sicherste Transaktion sehen und nutzen, sollte nach Meinung der Experten Unternehmen ermuntern, nicht abschrecken. Wenn es so sicher ist, dass Hacker sie nutzen, warum sollten Unternehmen Blockchain nicht nutzen? „Wir glauben, dass Blockchain das Potential hat Cybersicherheit völlig neu zu strukturieren, doch die Industrie muss noch lernen, damit umzugehen.

Gerade im Hinblick auf das Wachstumspotential im Internet der Dinge brauchen Nutzer mehr Sicherheit. Blockchain sei in der Lage, dieses Sicherheitsversprechen zu erfüllen – wenn Unternehmen den Mut hätten, diese Technologie einzusetzen.

Unternehmen wollen die Cloud „einfach nutzen”

Auch die Cloud-Technologien in Unternehmen sind nach NTT-Studie im kommenden Jahr nicht mehr aufzuhalten. Die Vorteile einer zentralen Datenbank für alle Mitarbeiter seien ersichtlich, Unternehmen setzen daher auf die Cloud in der Arbeitswelt. Tatsächlich gehören Speicherdienste per Cloud zu den größten Wachstumssegmenten in der IT-Branche. Denn mit der Digitalisierung der Arbeitswelt, werden auch die Arbeitsprozesse an sich, öfter von Ort und Zeit entkoppelt – wie zum Beispiel beim Home Office oder bei international agierenden Unternehmen. Cloud-Lösungen sind deshalb immer gefragter.

Unternehmen wollen sich dabei aber nicht mehr darum kümmern müssen, ob die Cloud sicher sei, wo diese stehe und wie sie funktioniere, „sie wollen sie einfach nur nutzen.” Ganz so einfach wie die Studie es darlegt, mag es für Unternehmen in der Praxis dennoch nicht sein. Denn wer mit empfindlichen Daten arbeitet, muss natürlich sicherstellen, dass diese entsprechend gesichert werden.

Doch mit einem hat der Report sicher Recht: Wenn es eine sichere und unkomplizierte Cloud-Lösung gäbe, wären Unternehmen sicher dankbar, diese „einfach“ nutzen zu können.

Wireless ist nicht mehr aufzuhalten

Dies geht einher mit dem vierten Business-Trend 2018, den die Experten voraussagen: dem Durchbruch von Wireless in Unternehmen.

Mit dem Internet of Things, Cloud-Lösungen und automatisierten Prozessen sei der Boom von Wireless in Unternehmen nicht mehr aufzuhalten. Vom Einkaufszentrum über smarte Geräte im Haushalt bis hin zum Universitätscampus sei das kabellose Internet bereits jetzt schon Teil unseres Alltags. In der Arbeitswelt könnten so in Zukunft mehr Applikationen automatisiert und damit Arbeitsprozesse beschleunigt werden.

business trends wireless
Business Trend Wireless (Screenshot by Dimensiondata)

Nur Unternehmen, die den digitalen Wandel smart umsetzen, werden profitieren

All die Vorteile, die diese digitalen Trends Unternehmen bringen können, seien aber nur dann spürbar, wenn der digitale Wandel in Unternehmen mit der richtigen Infrastruktur einhergehe, so die fünfte Prognose der NTT-Experten für 2018. Das mag als Aussage eines Telekommunikationsanbieters nicht weiter überraschen. Dennoch ist es im Kern nachvollziehbar, dass Digitalisierung von Prozessen an sich noch keine Vorteile bringt. Es kommt vor allem darauf an, wie IT im Unternehmen eingesetzt wird.

Welche Technologie bringt meinem Unternehmen wirklich etwas? Inwieweit können automatisierte Prozesse Mitarbeiter unterstützen? Welche Software ist am besten geeignet? Das sind Fragen, die Unternehmen sich in Zukunft verstärkt stellen werden müssen, wenn sie vom digitalen Wandel nicht überrollt, aber auch nicht überfordert werden wollen. Die NTT-Studie tippt deshalb darauf, dass dies 2018 vor allem einem neuen Geschäftsfeld zum Durchbruch verhelfen könnte: IT-Beratung für Unternehmen.


Image (adapted) „Business“ by Olu Eletu [CC0 Public Domain]


Weiterlesen »

Wie Blade Runner 2049 uns auf eine Zukunft mit Robotern vorbereitet

Blade Runner (adapted) (Screenshot by Warner Bros. Pictures)

Die Vorstellung von einer äußerst gefährlichen künstlichen Intelligenz, die unsere Welt übernimmt, ist den meisten unter uns dank abschreckenden Filmreihen wie Matrix oder Terminator mittlerweile nicht allzu fremd.

Aber wie sieht es mit mitfühlenden Darstellungen von Robotern aus? Während die gutmütigen Züge von Arnold Schwarzeneggers Charakter in den späten Teilen der Terminator-Filmreihe eine absolute Ausnahme dieser Zeit darstellten, werden menschenähnliche Maschinen in gegenwärtigen Kinofilmen oft hilfsbereit und in einer positiven, unterhaltsamen Weise inszeniert. Ex Machina, Chappie oder A.I. Artificial Intelligence sind nur wenige der zahlreichen Beispiele.

Der Wandel in den Darstellungsweisen von damals zu heute steht höchstwahrscheinlich auch in Verbindung mit der Art, wie sich unsere Denkweise und Beziehung zu derartigen Technologien verändert hat. Blade Runner 2049, die langersehnte Fortsetzung des Originalfilms aus dem Jahr 1982, ist Teil dieser Veränderung.

Die Fähigkeit von Science Fiction, technische Erfindungen zu inspirieren, dürfte weithin bekannt sein. Eine Vielzahl von Schriftstellern und Technologen – wie beispielsweise Arthur C. Clarke und Geoffrey Landis – sowie unterschiedliche Einfälle aus der Welt des Science Fiction regten zu den wissenschaftlichen Nachforschungen an, denen wir moderne Innovationen wie Touch Screen-Bildschirme oder Tablet-Computer verdanken. Aber das Genre erfüllt noch andere Zwecke. Im fiktiven Umfeld können nämlich mögliche Lebensweisen der Zukunft ausgetestet und die gesellschaftlichen und ethischen Begleiterscheinungen heute entwickelter Technologien entdeckt werden. Auf diese Weise kann uns Science Fiction auf den Umgang mit derartigen Ereignissen in der realen Welt vorbereiten.

Jacques Ellul, ein Philosoph und Kritiker moderner Technologien, zog nach näherer Betrachtung eine eher pessimistische Schlussfolgerung aus Science Fiction. Bereits 1980 äußerte er, dass das Genre uns einen übermäßigen und unkontrollierten Umgang mit Technik aufzeigt, um uns als Zuschauern nahezulegen, uns mit der momentanen technischen Entwicklung zufrieden zu geben.

Die negativen Aspekte der Technologie, von der wir heute Gebrauch machen, sind gewissermaßen durchtriebener als solche, die in Orwells Film von 1984 dargestellt werden – wobei sie natürlich dennoch missbraucht werden können. Selbstverständlich sind Ausführungen solcher Art zutreffend für alle Arten von dystopischer Fiktion. Einige Wissenschaftler haben die wichtige Rolle, die Science Fiction in der Haltung der Öffentlichkeit zur modernen Technologie spielt, längst erkannt und flehen entsprechende Autoren daher regelrecht an, keine dystopischen Werke mehr zu publizieren. Erfolgreich waren sie hierbei allerdings weniger, innerhalb der letzten Jahre wurde vor allem die Jugendliteratur mit Science Fiction geradezu überschwemmt.

Blade Runner

Blade Runner basiert auf Philip K. Dicks Roman Träumen Androiden von elektrischen Schafen? aus dem Jahr 1968. Gestaltet wird die im Jahr 2019 erschöpfte Erde, welche von den meisten Menschen zugunsten eines besseren Lebens in außerirdischen Kolonien verlassen wurde. Künstliche Menschen (Androiden), auch bekannt als „Replikanten“ wurden für die Sklavenarbeit innerhalb solcher Kolonien konstruiert. Rick Deckard (Harrison Ford) ist ein sogenannter „Blade Runner“ – Sein Job besteht darin, aufsässige Androiden zu verfolgen und sie „zur Ruhe zu setzen“ (zu töten). Erst als Deckard Rachel kennenlernt, eine Replikantin, die durch implantierte Erinnerungen manipuliert wurde und nun glaubt, ein Mensch zu sein, beginnt unsereins daran zu zweifeln, dass die Androiden sich von den Menschen unterscheiden. In Wahrheit sind sie nicht anders als die Menschen.

Teil der Intrige des originalen Blade Runner-Films – für alle, die den Director’s Cut nicht gesehen haben – ist die dauernde Diskussion, ob Deckard selbst auch ein Replikant ist. Buch und Film ziehen hier unterschiedliche Schlüsse über Deckards Identität beziehungsweise Zugehörigkeit. Die verschiedenen Aussagen von Harrison Ford und Regisseur Ridley Scott bestärken diese Spekulationen seit Veröffentlichung des Films zusätzlich.

Doch spielt die Tatsache, ob Deckard ein Replikant ist, wirklich eine Rolle? Wir alle haben bereits mit Rachel sympathisiert und fühlten eine tiefe Erleichterung, als sie und Deckard im Originalfilm ihrem persönlichen ‚Happy End‘ entgegenfahren. Wir sind an ihrer Seite, als die beiden sich gegen die unbestreitbar menschlichen Blade Runner zur Wehr setzen, welche sie ohne zu zögern „zur Ruhe setzen“ wollen.

Blade Runner 2049 greift die Handlung 30 Jahre später auf. Neue Regeln und Gesetze, um die Replikanten zu kontrollieren, wurden mittlerweile erlassen und sollen ihre eindeutige Unterscheidung von den Menschen sicherstellen. „K“ (Ryan Gosling) ist ein Blade Runner soll verdächtige Vorfälle untersuchen, die mit Deckard und Rachel aus dem früheren Film in Verbindung stehen. Er deckt Informationen auf, die große Bedeutung für die Zukunft der Replikanten und ihrer dystopischen Gesellschaft tragen – und wir alle fiebern mit, als die menschlichen Emotionen Überhand nehmen und er gegen seinen Zwang zum Gehorsam ankämpft.

Je mehr die fiktiven Roboter unser Mitgefühl erregen, desto mehr können wir uns ihre Existenz im wirklichen Leben vorstellen. Zugegebenermaßen erkennen wir Deckard und K auf der Kinoleinwand weniger als menschenähnliche Maschinen, jedoch als wirkliche Schauspieler an. Unsere Sympathie hängt größtenteils also auch mit den menschlichen Zügen des jeweiligen Darstellers zusammen. Die Sympathie, die wir mit den äußerlich menschlichen Charakteren empfinden, legt uns gleichzeitig auch eine gegensätzliche Ansicht nahe, laut welcher es sich lediglich um menschenähnliche Gestalten handelt. Ob solche Maschinen menschliche Emotionen tatsächlich so überzeugend darstellen könnten, bleibt immerhin eine andere Frage.

Die unheimliche Stadt

Eine Fragestellung von enormer Tragweite bleibt letztendlich die, wie wir tatsächlich auf die Existenz menschenähnlicher Maschinen reagieren würden. Forscher, die auf dem Gebiet der Robotik arbeiten, entwickelten hierzu das sogenannte Phänomen der „unheimlichen Stadt“, welches beschreibt, dass wir auf Roboter, die Menschen zunehmend in Erscheinungsbild und Ausdruck ähneln, genauso einfühlsam wie auf echte Menschen reagieren. Gleicht das Erscheinungsbild jedoch weniger der humanen Gestalt, schwenkt die besagte Empathie jedoch augenblicklich wieder in Ekel und Unwohlsein um.

Diese unheimliche Stadt, die zwischen den Maschinen, welche „nahezu menschlich“ – und Abscheu hervorrufen – und solchen, die „vollkommen menschlich“ – und somit eine vertraute Erscheinung abgeben – existiert, könnte von evolutionärer Bedeutung sein. Wir sind darauf eingestellt. Lebewesen, die uns ähneln, jedoch auf bestimmte Weise „fehlerhaft“ oder „mangelhaft“ aussehen mit einer ansteckenden Krankheit oder einem genetischen Defekt in Verbindung zu bringen. Oder es handelt sich um das psychologische Unwohlsein, etwas, das menschlich scheint, wie einen Roboter fortbewegen zu sehen – Menschen können Dinge gut in unterschiedliche Kategorien einordnen, reagieren allerdings irritiert, sobald diese Kategorien sich überschneiden.

Diese Vorstellung einer unheimlichen Stadt wird bedeutsam, sobald wir die Existenz von menschenähnlichen Robotern in Betracht ziehen, mit welchen wir ansonsten ausschließlich in fiktiven Geschichten in Kontakt kommen. Mit einer solchen emotionalen Dissonanz müssen wir kaum rechnen, sobald Maschinen ins Spiel kommen, die ausschließlich auf Zerstörung aus sind – wir rufen uns ihre unheimlich vertraute Erscheinung ins Gedächtnis zurück, hassen sie aber für ihre gewaltsamen Handlungen und wollen uns ihnen keineswegs ergeben. Dennoch können wir ihnen gegenüber Zuneigung, Freundschaft und sogar kameradschaftliche Gefühle empfinden.

Blade Runner 2049 regt uns an, die emotionale Grenze hinüber in die unheimliche Stadt zu überwinden. Eine Irritation erzeugt dieses Werk auf gelungene Art und Weise: Klaffende Wunden verschließen sich nicht von selbst durch eine sanfte Berührung – und niemand sollte einfach zu töten sein. Aber die offensichtlich nicht-humanen Eigenschaften von K schützen uns nicht davor, seine ebenso menschliche Seite zu akzeptieren oder gemeinsam mit den unterdrückten Replikanten zu leiden. Diese beiden Tatsachen bleiben in der trostlosen Welt von Blade Runner erhalten.

Würden Roboter also jemals eine autarke Annäherung an die menschliche Psyche erzeugen, könnten sie offen von uns Menschen empfangen und in unsere Gesellschaft aufgenommen werden. Wenn sie nur menschlich genug erscheinen und agieren, würden wir ihre weniger menschlichen Eigenschaften schlichtweg hinnehmen und ignorieren. Immerhin haben wir diese fiktiven Erscheinungen in Geschichten seit Jahren willkommen geheißen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf The Conversation unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Screenshot (adapted) „Blade Runner“ by Warner Bros. Pictures


The Conversation

Weiterlesen »

Wie Roboter den Mangel an Pflegekräften beenden könnten

Altenpflege(adapted)(Image by StockSnap [CCo Public Domain] via Pixabay

Es gibt bereits einige Erfindungen, die es Senioren einfacher machen, eigenständig zuhause zu leben, damit sie nicht in ein Altersheim oder eine anderweitige Pflegeeinrichtungen übersiedeln müssen. Dennoch können die meisten Älteren weitere Hilfsmittel bei täglichen Hausarbeiten und anderen anfallenden Erledigungen gebrauchen.

Freunde und Verwandte können hier oft nicht die gesamte Arbeit erledigen. Viele Studien deuten außerdem darauf hin, dass dies weder nachhaltig noch gesund ist – weder für die Senioren, noch für ihre Liebsten. So steigt die Nachfrage nach professionellen Pflegekräften stetig an und es gibt bei Weitem weniger Pflegekräfte als nötig wären. Experten sind überzeugt, dass sich diese Knappheit in Zukunft verschlimmern wird.

Es stellt sich also die Frage: Wie wird unsere Gesellschaft diese Lücke schließen? Die Antwort lautet: Mithilfe von Robotern. Die Automatisierung und Technologisierung haben bereits mehrere Arbeitsbereiche abgelöst, die zuvor von Menschen besetzt waren, wie zum Beispiel das Verladen von Gütern in Warenhäusern. In Zukunft werden Roboter jedoch auch euren älteren hilfsbedürftigen Verwandten unter die Arme greifen. Als Forscherin auf dem Feld der Robotik bin der Meinung, dass künstliche Intelligenz nicht nur das Potential hat, Senioren zu pflegen – ich bin überzeugt, dass Maschinen dies darüber hinaus auf eine Art und Weise tun könnten, die die Unabhängigkeit stärken und die soziale Isolation von Senioren reduzieren könnte.

Personalisierte Roboter

In dem Film „I, Robot“ aus dem Jahr 2004 entdeckt der technikfeindliche Protagonist Del Spooner (gespielt von Will Smith) zu seinem großen Erschrecken, wie ein Roboter in dem Haus sein Großmutter Kuchen bäckt. So mancher von uns wird ein ähnliches Bild vor Augen haben: Stellt man sich heute einen Roboter vor, sieht er am Ehesten aus wie eine Art mechanischer Putzfraue, die Hausarbeiten in mehr oder weniger menschlicher Art und Weise erledigen.

In Wirklichkeit jedoch werden viele der Roboter, die Alte und Senioren bei ihren täglichen Arbeiten zuhause unterstützen sollen, nicht wie Menschen aussehen. Stattdessen wird es sich dabei um spezielle Systeme handeln, wie beispielsweise die Staubsauger aus dem oben genannten Film. Es handelt sich hierbei um kleine Geräte mit spezifischen Funktionen, die nicht nur einfach designbar und einsetzbar sind, sondern auch eine stufenweise Anpassung an die sich veränderten Voraussetzungen ermöglichen.

Senioren brauchen verschiedene Dinge, wie alle anderen auch. Viele brauchen Hilfe bei den alltäglichen Aktivitäten, wie essen, baden, anziehen und aufstehen. Beim täglichen Kochen und der Verwaltung ihrer Medikamente könnten sie viele Vorteile aus der Hilfe des Roboters ziehen, der zudem auch bei gelegentlich anfallenden Dingen wie Wäschewaschen oder Arztbesuche helfen kann.

Vielleicht hört sich das weit hergeholt an, aber schon heute können Roboter nicht nur Staubsaugen, sondern auch unseren Boden wischen oder unseren Rasen mähen. Roboter helfen dabei, Menschen in Stühle und Betten zu befördern, etwas nach Rezept zuzubereiten, Handtücher zu falten und ihre Pillen rechtzeitig einzunehmen. Und bald werden autonome, selbstfahrende Autos die Menschen zu ihren Terminen kutschieren.

Die Roboter, die heute bereits auf dem Markt sind, umfassen unter anderem Modelle, die fahren, haustierähnliche Gesellschaft bereitstellen und Gäste begrüßen. Einige dieser Geräte befinden sich bereits zu Testzwecken in Pflegeheimen – so können sich einige Senioren auf ihre eigenen Roombas verlassen.

Außerdem können Roboter-Gefährten vielleicht schon bald Einsamkeit lindern oder vergessliche ältere Herrschaften daran erinnern, regelmäßig zu essen. Wissenschaftler und andere Erfinder sind dabei, Roboter zu entwickeln, die diese und viele andere Aufgaben in Zukunft erledigen werden.

Pflege rund um die Uhr

Natürlich bleiben einige Aufgaben, wie beispielsweise das Schneiden von Fußnägeln, nach wie vor den Menschen vorbehalten. Trotzdem können mechanische Pflegekräfte einige Vorteile gegenüber ihren menschlichen Gegenstücken vorweisen. Am offensichtlichsten ist, dass sie in der Lage sind, rund um die Uhr zu arbeiten. Wenn sie zuhause zum Einsatz kommen, können sie eine ganzheitliche Pflege und die Möglichkeit, zuhause zu altern, unterstützen.

Ein weiterer Vorteil: Wenn man sich auf die Technik verlässt, um täglich anfallende Aufgaben zu erledigen – zum Beispiel die Bodenpflege – kann dies zum Zeitmanagement beitragen. Senioren können die gesparte Zeit nun mit Freunden und Familie verbringen. Mühselige Hausarbeiten auf Roboter zu übertragen, lässt den älteren Personen außerdem mehr Zeit, in der Gesellschaft der Leute zu sein, die sich um sie sorgen – und nicht nur für sie.

Zudem besteht ein großer Unterschied zwischen der Gerätenutzung und dem Bitten um Hilfe. Die Tatsache, dass man sich auf Roboter als Haushaltshilfe verlässt, kann dazu führen, dass die ältere Person sich dadurch autonomer fühlt, als wenn sie um Hilfe hätte bitten müssen.

Interagieren mit Robotern

Doch diese schöne neue Welt der Roboter-Pflegerkräfte wird nicht Wirklichkeit, wenn wir die Roboter nicht benutzerfreundlich und intuitiv machen. Das heißt, dass die Art und Weise der Interaktion von großer Bedeutung ist. In meinem Labor arbeiten wir an Robotern, die durch Sprache mit Menschen interagieren können. Glücklicherweise zeigen neuste Forschungen des Pew Research Center, dass Alte die neue Technik mehr und mehr annehmen und verinnerlichen, so wie alle anderen auch.

Da es jetzt Roboter gibt, die einige Aufgaben komplett übernehmen können, versuchen Forscher wie Jenay Beer, Professorin für Informatik und Ingenieurswissenschaften an der Universiät in South Carolina, herauszufinden, bei welchen Aktivitäten die Senioren die meiste Hilfe brauchen und welche Art von Roboter sie dabei am ehesten akzeptieren würden.

Bis dahin müssen sich die Forscher folgendes fragen:

Fakt ist, dass wir nicht alle Antworten auf diese Fragen brauchen, um älteren Menschen zuhause die Hilfe durch Roboter zur Verfügung zu stellen.

Ein Blick in die Zukunft

Es gibt keine Zeit zu verlieren. Das Volkszählungsbüro schätzt, dass 15 Prozent der Amerikaner – also fast jeder sechste – im Jahr 2016 um die 65 Jahre alt oder älter war. Im Jahr 2000 waren es lediglich 12 Prozent. Demografen schätzen, dass im Jahr 2060 bereits jeder vierte in diese Altersklasse fallen wird. Das bedeutet, dass es dann 48 Millionen mehr ältere Menschen in den USA geben wird als jetzt.

Ich glaube, dass in diesem Zeitalter Roboter viele Aufgaben der Altenpflege übernehmen werden. Für einige Aufgaben wird dennoch menschliches Personal von Nöten sein und natürlich gibt es auch Menschen, für die die Hilfe von Robotern nie in Frage kommen wird. Aber wir können darauf wetten, dass Roboter den Menschen in Zukunft dabei helfen werden, zuhause zu altern – auch wenn sie dabei nicht wie Dienstboten oder Küchenhilfen aussehen werden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted)“Altenpflege“ by StockSnap [CC0 Public Domain]


The Conversation

Weiterlesen »

Fünf Technologien, die unsere Zukunft gestalten könnten

Thought (adapted) image by TeroVesalainen [CC0] via pixabay)

Fliegende Lagerhallen, Roboter-Rezeptionisten, intelligente Toiletten… klingen solche Innovationen eher wie Science-Fiction oder wie ein Teil einer möglichen Realität? Die Technologie hat sich in einem so rasanten Tempo entwickelt, dass uns unsere Welt in naher Zukunft futuristischen Filmen à la Blade Runner ähnelt – mit intelligenten Robotern und jeder Menge neuer Technik.

Aber welche Technologie wird wirklich einen Unterschied machen? Basierend auf jüngsten Untersuchungen von aktuellen Trends sind hier fünf Innovationen, die wirklich unsere Zukunft gestalten könnten.

1. Intelligente Häuser

Viele typische Haushaltsgegenstände können sich bereits mit dem Internet verbinden und Daten zur Verfügung stellen. Aber einiges an der smarten Technik ist derzeit gar nicht so schlau, wie es auf dem ersten Blick scheint. Ein smartes Messgerät zeigt lediglich, wie Energie genutzt wird, während ein Smart-TV nichts weiter tut, als Fernsehen mit einem Internetanschluss zu kombinieren. Ebenso ermöglichen intelligente Beleuchtung, ferngesteuerte Türschlösser oder intelligente Heizungssteuerungen die Programmierung über ein mobiles Gerät, indem sie einfach die Steuerung von einem Gerät an der Wand in unsere Hände verlegen.

Aber die Technologie bewegt sich ziemlich schnell auf einen Punkt zu, wo sie die Daten und Verbindungen nutzen kann, um im Auftrag des Benutzers zu handeln. Aber um wirklich einen Unterschied zu machen, muss die Technik mehr in den Hintergrund rücken – man stelle sich eine Waschmaschine vor, die erkennt, welche Kleidung man in sie hineingelegt hat. Die Maschine wählt automatisch das richtige Programm aus oder warnt den Nutzer sogar, dass er etwas in sie hinein gelegt hat, die er gar nicht zusammen waschen sollte. Hier ist es wichtig, dass wir die alltäglichen Aktivitäten der Menschen, ihre Beweggründe und die Interaktionen mit intelligenten Objekten besser verstehen, um zu vermeiden, dass diese zu ungebetenen Gästen im Haus werden.

Solche Technologien könnten sogar zum Nutzen aller arbeiten. Die BBC berichtet beispielsweise, dass Energieversorger „die Kosten für jemanden reduzieren können, der es gestattet, dass seine Waschmaschine über das Internet eingeschaltet wird, um den günstigen Solarstrom an einem sonnigen Nachmittag optimal auszunutzen.“ Es gibt auch andere Beispiele. So könne man Gefrierschränke für wenige Minuten ausschalten, um den Verbrauch in Zeiten mit hoher Auslastung auszugleichen.

Das Hauptanliegen in diesem Bereich ist die Sicherheit. Mit dem Internet verbundene Geräte können gehackt werden – und tatsächlich passiert das auch. Erinnern wir uns einmal an den letzten Erpresserangriff. Unser Haus ist der Ort, an dem wir uns doch am sichersten fühlen sollten. Damit sie sich verbreiten, müssen diese Technologien es auch weiterhin aufrechterhalten.

2. Virtuelle Helferlein

Während Assistenten eine sehr wichtige Rolle in Unternehmen spielen, verbringen sie doch oft große Teile ihres Arbeitstages mit zeitraubenden, aber relativ trivialen Aufgaben, die automatisiert werden könnten. Betrachten wir einmal die Organisation eines „einfachen“ Meetings. Sie müssen die richtigen Teilnehmer finden – wahrscheinlich auch über die Geschäftsgrenzen hinaus. Wenn dies geschehen ist, müssen sie nur noch herausfinden, wann all diese Personen Zeit haben. Dies ist nicht gerade eine Wissenschaft.

Tools wie Doodle, die die Verfügbarkeit von Personen vergleichen, um die beste Zeit für ein Meeting herauszufinden, können dabei helfen. Aber diese Tools verlassen sich letztendlich auf diejenigen, die sich aktiv einbringen. Sie sind auch nur dann nützlich, wenn die richtigen Leute bereits kenntlich gemacht wurden.

Durch die Verwendung von Informationen über den Kontext (Tabellen von Organisationen, Standortbewusstsein von mobilen Geräten und Kalendern) wurde die Identifizierung der richtigen Personen und die richtige Zeit für ein gegebenes Ereignis zu einem technischen Optimierungsproblem, das von einem EU-finanzierten InContext-Projekt vor einem Jahrzehnt erforscht wurde. In diesem Stadium war die Technologie für das Sammeln von Kontextinformationen aber noch weit weniger fortgeschritten. Smartphones waren immer noch eine Seltenheit und Datengewinnung und Datenerarbeitung waren noch nicht so weit wie heute. Im Laufe der Jahre konnten wir aber auch Maschinen sehen, die weit mehr in der täglichen Planung innerhalb von Unternehmen übernahmen.

In der Tat kann die Rolle der virtuellen Assistenten weit über die Terminplanung und die Organisation von Terminkalendern hinausgehen – sie können Projektleitern helfen, das richtige Team zusammenzustellen und ihnen die richtigen Aufgaben zuzuordnen, damit jeder Job effizient durchgeführt wird.

Auf der Schattenseite greift ein Großteil der benötigten Kontextinformationen doch sehr in die Privatsphäre ein – aber dann ist da die jüngere Generation, die freudig jede Minute auf Twitter und Snapchat teilt und solche Bedenken können im Laufe der Zeit weniger bedeutend werden. Und wo sollen wir die Grenze ziehen? Akzeptieren wir den „Aufstieg der Maschinen“ vollständig und automatisieren so viel wie möglich? Oder sollen echte Menschen in ihren täglichen Aufgaben beibehalten und Roboter nur benutzt werden, um wirklich triviale Aufgaben zu erfüllen, die niemand anderes erledigen will? Diese Frage muss beantwortet werden – und zwar bald.

3. Ärzte mit künstlicher Intelligenz

Wir leben in aufregenden Zeiten – in der Medizin und bei der KI-Technik gibt es immer mehr Fortschritte, die die Zukunft der Gesundheitsversorgung rund um die Welt gestalten. Doch wie würden wir uns bei einer Diagnose von einer künstlichen Intelligenz fühlen? Eine private Firma namens Babylon Health ist bereits dabei, in fünf Londoner Stadtbezirken zu testen, wo die Beratung von einem Chatbot für Nicht-Notrufe unterstützt wird. Die künstliche Intelligenz wurde mit Massen an Patientendaten ausgebildet, um die Benutzer zu beraten, in die Notfallabteilung eines Krankenhauses zu gehen, eine Apotheke zu besuchen oder einfach zu Hause zu bleiben.

Das Unternehmen behauptet, dass es bald in der Lage sein wird, ein System zu entwickeln, das Ärzte und Krankenschwestern bei der Diagnose übertreffen könnte. In Ländern, in denen es einen Mangel an medizinischem Personal gibt, könnte dies die Gesundheitsversorgung erheblich verbessern, so dass die Ärzte, die vor Ort sind, sich auf die Behandlung konzentrieren können, statt zu viel Zeit für eine Diagnose zu opfern. Dies könnte maßgeblich die klinische Rolle und Arbeitsabläufe von medizinischem Personal bestimmen.

Andererseits können IBM Watson, die CloudMedx-Plattform und die Deep Genomics-Technologie den Klinikern Einblicke in die Daten der Patienten und vorhandene Behandlungen geben, ihnen helfen fachkundigere Entscheidungen zu treffen und sogar bei der Entwicklung neuer Behandlungen zur Seite stehen.

Die wachsende Anzahl an mobilen Apps und Self-Trackern wie Fitbit, Jawbone Up und Withings könnte nun die Erfassung von Patientenverhalten, Behandlungsstatus und Aktivitäten erleichtern. Es ist durchaus vorstellbar, dass bald auch unsere Toiletten intelligenter werden und dazu genutzt werden, den Urin und den Kot der Menschen zu untersuchen, um dann eine Echtzeit-Risikobewertung für bestimmte Krankheiten zu liefern.

Um jedoch eine weit verbreitete Einführung der KI-Technologie im Gesundheitswesen zu ermöglichen, müssen viele berechtigte Bedenken angesprochen werden. Schon jetzt wurden Punkte wie Benutzerfreundlichkeit, Gesundheitskompetenz, Datenschutz, Sicherheit, inhaltliche Qualität und Vertrauensfragen mit vielen dieser Anwendungen gemeldet.

Außerdem werden die klinischen Richtlinien zu selten eingehalten. Ethische Bedenken und nicht übereinstimmende Erwartungen hinsichtlich der Erhebung, Kommunikation, Nutzung und Speicherung der Daten des Patienten kommen als Kritikpunkte zusätzlich hinzu. Darüber hinaus müssen die Grenzen der Technik deutlich gemacht werden, um Fehlinterpretationen zu vermeiden, die den Patienten möglicherweise schaden könnten.

Wenn KI-Systeme diese Herausforderungen angehen und sich auf das Verständnis und die Verbesserung der vorhandenen Pflegepraktiken und der Arzt-Patienten-Beziehung konzentrieren können, dann können wir erwarten, dass zunehmend erfolgreiche Berichte von datengesteuerten Gesundheitsinitiativen entstehen.

4. Pflegeroboter

Werden wir Roboter haben, die uns die Haustüren öffnen? Vielleicht ja. Werden sie in den meisten Häusern vorhanden sein? Selbst, wenn sie preiswert sind – wahrscheinlich wird das nie passieren. Was die erfolgreichen, intelligenten Technologien von den erfolglosen unterscheidet, ist, wie nützlich sie sind. Und wie nützlich sie sind, hängt vom Kontext ab. Für die meisten Menschen ist es wahrscheinlich nicht so nützlich, dass ein Roboter die Tür für sie öffnet. Doch man stelle sich vor, wie hilfreich eine Roboter-Empfangsdame an Orten sein könnte, wo Personalmangel herrscht, wie beispielsweise in Pflegeheimen für ältere Menschen.

KI-Roboter, die beispielsweise über eine Sprach- und Gesichtserkennung verfügen, können mit den Besuchern interagieren, um zu prüfen, wen sie besuchen möchten und ob ihnen der Zugang zum Pflegeheim gestattet ist. Nach der Überprüfung können Roboter mit Leitalgorithmen den Besucher zu der Person führen, die sie besuchen möchten. Dies könnte es den Mitarbeitern ermöglichen, mehr Zeit mit den älteren Menschen zu verbringen und ihren Lebensstandard dadurch zu verbessern.

Die KI benötigt aber noch eine weitere Fortentwicklung, um selbständig zu arbeiten. Immerhin: Die jüngsten Ergebnisse sind positiv. Die DeepFace-Software von Facebook war in der Lage, Gesichter mit 97,25 Prozent Genauigkeit zuzuordnen, als diese mit einer Standard-Datenbank von Forschern benutzt wurde, um das Problem der uneingeschränkten Gesichtserkennung zu studieren. Die Software basiert auf Deep Learning (maschinellem Lernen), einem künstlichen neuronalen Netzwerk, das aus Millionen von neuronalen Verbindungen besteht, die automatisch in der Lage sind, Wissen aus Daten zu beschaffen.

5. Fliegende Lagerhallen und selbstfahrende Autos

Selbstfahrende Autos sind wohl eine der erstaunlichsten Technologien, die derzeit untersucht werden. Trotz der Tatsache, dass sie Fehler machen können, können sie tatsächlich sicherer sein als menschliche Fahrer. Dies liegt zum Teil daran, dass sie eine Vielzahl von Sensoren verwenden können, um Daten über ihre Umwelt zu sammeln, einschließlich 360-Grad-Ansichten rund um das Auto.

Darüber hinaus könnten sie potenziell miteinander kommunizieren, um so Unfälle und Staus zu vermeiden. Neben der Bereicherung für die breite Öffentlichkeit sind selbstfahrende Autos wahrscheinlich auch für die Lieferfirmen sehr nützlich. Sie können Kosten sparen und schneller und effizienter liefern.

Man muss hier noch eine Menge weiterentwickeln, um den weitverbreiteten Einsatz solcher Fahrzeuge zu ermöglichen. Hierbei geht es nicht nur darum, dass sie besser lernen sollen, sich selbständig auf belebten Straßen zu bewegen, sondern auch darum, einen ordnungsgemäßen rechtlichen Rahmen zu schaffen. Trotzdem nehmen die Fahrzeughersteller schon jetzt an ein Rennen gegen die Zeit teil, um zu sehen, wer als Erster ein selbstfahrendes Auto für die Massen produzieren kann. Man nimmt an, dass das erste voll autonome Auto bereits im nächsten Jahrzehnt verfügbar sein könnte.

Es ist unwahrscheinlich, dass dieser Fortschritt bei selbstfahrenden Autos oder Lastwagen aufhören wird. Amazon hat vor Kurzem ein Patent für fliegende Lagerhäuser eingereicht, die Orte erreichen können, bei denen die Nachfrage nach bestimmten Produkten sehr wahrscheinlich boomen wird. Die fliegenden Lager würden dann autonome Drohnen für Lieferungen aussenden. Es ist nicht bekannt, ob Amazon bei der Entwicklung solcher Projekte wirklich vorankommen wird, aber Tests mit autonomen Drohnen wurden bereits erfolgreich durchgeführt.

Dank der Technologie ist die Zukunft bereits hier – wir müssen nur ernsthaft darüber nachdenken, wie diese am besten geformt werden kann.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Thought“ by TeroVesalainen (CC0 Public Domain)


The Conversation

Weiterlesen »

Roboter und die nächste Industrielle Revolution: Kommt das Ende der Arbeitsplätze?

Arbeit (adapted) (image by MarkoLovric [CC0] via pixabay)

Roboter übernehmen unsere Arbeit seit den 1960ern. Aber warum sind gerade jetzt unsere Politiker und Geschäftsführer so besorgt darüber, dass Roboter Massenarbeitslosigkeit verursachen?

Es kommt darauf an, wie man einen Roboter definiert. In Science-Fiction-Filmen werden Roboter häufig als Androide dargestellt, die die ihnen auferlegten Aufgaben genau wie Menschen durchführen. In der Wirklichkeit nehmen die Roboter viel spezifischere Formen an. Traditionell begegnen wir Robotern im 20. Jahrhundert in Form von automatisierten Maschinen und Roboterarmen, die Autos in Fabriken zusammenbauen. Im 21. Jahrhundert sind kommerzielle Roboter Selbstbedienungskassen, automatisch geführte Lagerfahrzeuge oder gar Maschinen, die den Burger im Fast-Food-Restaurant belegen.

Doch grundsätzlich sind wir Menschen nicht komplett überflüssig geworden. Die Roboter können zwar sehr effizient sein, aber sie sind auch irgendwie stumm und seelenlos. Sie denken nicht, sie handeln bloß, und tun dies sehr exakt, aber auch mit Einschränkungen. Menschen werden immer noch gebraucht, um Dinge zu tun, die der Roboter nicht kann und ihm zu helfen, wenn dieser ein Problem hat. Aber all dies wird sich ändern – Dank einer neuen Welle von klügeren, besseren Maschinen, die sich an verschiedene Aufgaben anpassen können. Diese Änderung wird so signifikant sein, dass daraus eine neue industrielle Revolution erwachsen wird.

Industrie 4.0

Diese Ära der „Industrie 4.0“ wird von den gleichen technologischen Fortschritten angetrieben, die die Leistungsfähigkeit unserer Smartphones möglich machten. Es ist eine Mischung aus geringen Kosten und leistungsstarken Computern, Hochgeschwindigkeitskommunikation und künstlicher Intelligenz. Dies wird intelligentere Roboter mit besseren Erfassungs- und Kommunikationsfähigkeiten hervorbringen, die sich an verschiedene Aufgaben anpassen und sogar ihre geforderte Arbeit ohne Eingabe des Menschen koordinieren können. In der Fertigungsindustrie, wo Roboter wohl den meisten Fortschritt aller Bereiche machen, wird dies zu einer dramatischen Verschiebung von zentraler zu dezentraler Gemeinschaftsproduktion führen.

Traditionelle Roboter konzentrieren sich auf einen singulären und festgeschriebenen Hochgeschwindigkeitsbetrieb und benötigen hochqualifiziertes Personal zur Betreibung und Wartung. Industrie 4.0-Maschinen sind flexibel, teamfähig und arbeiten unabhängiger, wodurch letztlich die Notwendigkeit hochqualifizierten Personals entfällt.

Für Großhersteller bedeutet Industrie 4.0, dass Roboter ihre Umgebung erfassen und mit ihr kommunizieren können, in einem Industrienetzwerk, das fernüberwacht werden kann. Jede Maschine wird eine Vielzahl an Daten produzieren, die kollektiv ausgewertet werden können. Dieses Phänomen ist uns bereits unter dem Namen Big Data-Analyse ein Begriff. Dies wird dabei helfen, Möglichkeiten zu finden, Betriebsleistungen und Produktionsqualität in der ganzen Anlage zu verbessern. So kann man beispielsweise vorhersagen, wann Wartungsarbeiten anfallen und diese automatisch einplanen.

Für kleine bis mittelgroße Fertigungsunternehmen wird es durch Industrie 4.0 günstiger und einfacher, Roboter zu nutzen. Es werden Maschinen entstehen, die rekonfiguriert und angepasst werden können, um mehrere Aufträge durchzuführen und um an verschiedenen Produktpaletten und unterschiedlichen Produktionsmengen zu arbeiten. Dieser Sektor beginnt bereits von rekonfigurierbaren Robotern zu profitieren, die entworfen worden sind, um mit Personal zusammenzuarbeiten. Sie sollen zudem ihre eigene Arbeit analysieren und verbessern, wie es bereits bei BAXTER, SR-TEX and CareSelect geschieht.

Während diese Maschinen immer intelligenter werden, sind sie noch lange nicht so schlau wie wir. Heutige industrielle, künstliche Intelligenz arbeitet auf einem geringen Niveau, welches den Anschein menschlicher Intelligenz von Maschinen vorzeigt, aber von Menschen kreiert wurde.

Was als nächstes kommt, ist als „Deep Learning“ bekannt. Ähnlich der Big Data-Analyse geht es darum, große Datenmengen in Echtzeit zu verarbeiten, um eine Entscheidung darüber zu treffen, welche Maßnahme am besten ergriffen werden sollten. Der Unterschied besteht darin, dass die Maschinen mit den Daten lernen und so ihre Entscheidungsfindung verbessern. Ein perfektes Beispiel für Deep Learning wurde von der Google-Software AlphaGo-Software demonstriert. Sie hat sich selbst beigebracht, den weltbesten Go-Spieler zu schlagen.

Der Wendepunkt in der Anwendung künstlicher Intelligenz in der Fertigung könnte mit der Verwendung von speziellen Mikrochips, den sogenannten Graphical Processing Units (GPUs), kommen. Doch auch hier ist es noch ein weiter Weg, bis die Technologie soweit ist. Viele große Unternehmen stellen derzeit massenweise Wissenschaftler ein, die hier beim Entwickeln helfen sollen.

Einfluss auf die Industrie

Sobald Industrie 4.0 – Technologien intelligenter und weit verbreiteter verfügbar sein werden, werden Unternehmer beliebiger Größe in der Lage sein kosteneffiziente, vielseitig einsetzbare und zusammenarbeitende Maschinen als Standard einzusetzen. Dies führt zu industriellem Wachstum und Wettbewerb auf dem Markt, durch größeres Verständnis für die Produktionsprozesse, die wiederum zu neuen hochwertigen Produkten und digitalen Dienstleistungen führen.

Wie der tatsächliche Einfluss von intelligenteren Roboterarbeitskräften, mit dem Potential selbstständig zu arbeiten, auf die Fertigungsindustrie haben wird, ist stark umstritten. Künstliche Intelligenz, wie wir sie aus Science-Fiction-Filmen kennen, steckt noch in den Kinderschuhen. Es könnte wohl bis zum 22. Jahrhundert dauern, bis Roboter das Potential haben, menschliche Arbeit überflüssig zu machen – nicht nur durch die Entwicklung von Deep Learning, sondern durch ein tatsächlich existierendes künstliches Verständnis, dass das menschliche Denken nachahmen kann.

Im Idealfall wird die Industrie 4.0 es der menschlichen Arbeitskraft ermöglichen, mehr in ihrem Job zu erreichen, in dem bestimmte, gleichförmige Tätigkeiten abgegeben werden und bessere Roboterwerkzeuge zur Verfügung gestellt werden können. In der Theorie würden wir uns gestatten, den Fokus auf Geschäftsentwicklung, Kreativität und Wissenschaft zu legen. Für einen Roboter wäre dies um einiges schwieriger. Technologie, die uns in der Vergangenheit überflüssig gemacht hat, zwang uns, uns anzupassen – hauptsächlich durch mehr Bildung.

Doch weil gerade Industrie 4.0-Roboter in der Lage sein werden, eigenständig zu handeln, wirken auf uns die Arbeitsplätze in der Produktion überflüssig. Dies geschieht, ohne dass andere Sektoren in der Lage sein werden, neue Arbeitsplätze zu schaffen. So könnten wir auch politische Bewegungen deutlicher erkennen, die die menschliche Arbeit beispielsweise durch Besteuerung von Robotern schützen.

Kurz: In einem idealen Szenario werden Menschen in der Lage sein, sich auf die Dinge zu konzentrieren, die sie zu Menschen machen – vielleicht sogar durch ein Grundeinkommen aus Roboterarbeit. Letzten Endes wird es von uns abhängen, ob die Roboterarbeitskraft für uns, mit uns oder gegen uns arbeiten wird.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Arbeit“ by MarkoLovric (CC0 Public Domain)


Weiterlesen »

FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
  • REPUBLICA heise: Social-Media-Kanäle der Öffentlich-Rechtlichen heftig umstritten: Heute ist der letzte Tag der re:publica in Berlin. Hans Demmel, Vorstand des Verbands Privater Rundfunk und Telemedien, äußerte auf der Media Convention große Vorwürfe den Öffentlich Rechtlichen Medien ARD und ZDF gegenüber. Mit ihren Angeboten auf Sozialen Medien wie Facebook und Twitter würden sie den amerikanischen Großkonzernen Gelder zuspielen. Auch aufgrund dieser Debatte befinden sich die öffentlich Rechtlichen jetzt erneut unter Legitimitätsdruck.

  • AMAZON golem: Amazon zeigt Alexa-Gerät mit Bildschirm und Kamera: Amazon hat jetzt den “Echo Show” vorgestellt. Die neue Version des Flagschiff-Geräts Echo mit der integrierten KI Alexa verfügt jetzt auch über Kamera und Display. Das Echo Show wird über einen 7-Zoll-Bildschirm und eine 5-Megapixel-Kamera verfügen. Wie auch der Vorgänger wird es per Sprachsteuerung über Alexa gesteuert und zeigt deren Antworten nun auch gleichzeitig auf dem Display. In den USA wird Echo Show gegen Ende Juni verfügbar sein, hierzulande muss man noch etwas länger warten.

  • GOOGLE spiegel online: Leistungsschutzrecht kommt vor EuGH: Der Streit zwischen Google und deutschen Verlegern geht jetzt vor den europäischen Gerichtshof. Das Gesetz dient dem Schutz verlegerischer Leistungen vor Zugriffen durch Suchmaschinen wie Google. Geklärt werden soll, ob die Bundesregierung die EU-Kommission über die Verabschiedung des Gesetzes hätte informieren müssen. Google betonte, dass sie mit den Verlegern zusammenarbeiten wollen und keinesfalls weitere juristische Auseinandersetzungen anstreben. Fraktionsabgeordnete im EU Parlament fordern jetzt unter anderem auch ein europaweites Leistungsschutzgesetz.

  • WINDOWS t3n: Update fixt „schlimme Code-Ausführungslücke“ in Windows: “This is crazy bad” verkündigte Tavis Ormandy, Mitglied von Googles Security-Spezialeinheit Project Zero, am Montag. Er und seine Kollegin Natalie Silanovich hatten eine dramatische Windows-Lücke, einen selbst verbreitenden Wurm, entdeckt. Schon in der Nacht zum Dienstag konnte diese, laut der Experten, schlimmste Code-Ausführungs-Lücke in Windows der letzten Zeit geschlossen werden. Abhilfe schafft ein simples Update.

  • FOODORA gründerszene: Foodora testet kleine Lieferroboter: Der Gastro-Lieferdienst Foodora testet jetzt die Lieferung mit Robotern in Hamburg. Bestellungen sollen mit den Robotern schneller zum Kunden kommen und mithilfe spezieller Isolierungen das Essen warm halten. Nur mithilfe eines Smartphones kann der Kunde den Frachtraum öffnen. Zurechtfinden sollen sich die Roboter mithilfe verschiedener Sensoren und durch ständige Überwachung durch die Zentrale. Diese Neuerung würde allerdings auch einen Rückgang der Fahrradkuriere bedeuten.

Weiterlesen »

Robots & Crime: Wenn der Computer kriminell wird

Hacker (adapted) (Image by xusenru [CC0 Public Domain] via pixabay)

Soweit sind wir nun also im Jahr 2017: hochentwickelte Algorithmen sehen Verbrechen, die von Menschen begangen wurden, voraus und helfen dabei, sie zu lösen. Sie sagen den Ausgang von Gerichtsverhandlungen und Menschenrechtsverfahren voraus und unterstützen die Arbeit von Anwälten. Bis zum Jahr 2040 gibt es sogar die Andeutung, dass hochentwickelte Roboter einen nicht unerheblichen Anteil der kriminellen Verbrechen weltweit begehen werden – man denke nur an das Kleinkind, das letztes Jahr in einem Einkaufszentrum in Kalifornien von einem Sicherheitsroboter überfahren wurde.

Was machen wir nun also aus dem Ganzen? Sollten wir in Panik geraten? Das wäre wohl nicht sonderlich produktiv. Sollten wir als Gesellschaft mit den Schultern zucken und uns wieder unserer  Netflix-Playlist widmen? Verlockend, aber nein. Sollten wir damit beginnen, Pläne zu schmieden, wie wir mit all dem umgehen sollen? Absolut.

Angst vor Künstlicher Intelligenz (KI) ist ein großes Thema. Technologie kann eine ausgesprochen angsteinflößende Sache sein; vor allem, wenn sie neu und mit einer Menge Fragezeichen versehen ist. Filme wie Terminator und Sendungen wir Westworld sind mehr als nur Unterhaltung. Sie sind kleine Einblicke in die Welt, die wir vielleicht erleben, oder zumindest in die Zukunft, wie wir sie uns vorstellen.

Unter den vielen Dingen, die jetzt beachtet werden müssen, ist die Frage, welche Rolle und Funktion das Gesetz spielen wird. Expertenmeinungen differieren extrem in Bezug auf die Wahrscheinlichkeit und die Bedrohung durch eine Zukunft, in der ausreichend fortgeschrittene Roboter unter uns leben, aber wir müssen uns mit der Tatsache konfrontieren, dass autonome Technologie mit der Möglichkeit, Schaden anzurichten, bereits existiert. Sei es eine Militärdrohne mit voller Sprengladung, eine Überwachungsdrohne, der explodiert, um einen gefährlichen Verdächtigen zu töten, oder etwas viel Unschuldigeres, das durch einen Unfall, einen Fehler, durch ein Versehen oder schlichtweg durch Dummheit Schaden verursacht.

Vor Gericht gibt es den zynischen Ausdruck „Wo Schuld ist, gibt es Schadensersatz“. Doch wen machen wir verantwortlich, wenn ein Roboter sich etwas zu Schulden kommen lässt? Diese Frage kann leicht als etwas zu abstraktes, um sich darüber Gedanken zu machen, verworfen werden. Aber lasst uns nicht vergessen, dass ein Roboter festgenommen (und ohne Bestrafung freigelassen) wurde, weil er Drogen gekauft hatte. Tesla Motors hat sich vor der amerikanischen Verkehrssicherheitsbehörde aus der Verantwortung gezogen, als es darum ging, dass ein Fahrer in einem Unfall getötet wurde, während sein Tesla im Autopilot fuhr.

Trotz aller Merkwürdigkeit dieser Problematik hat uns die Geschichte schon vieles gelehrt. Zum Beispiel wurde der Frage, wer denn eigentlich ein Anrecht auf den Himmel hat, wenig Beachtung geschenkt, bevor die Gebrüder Wright die Kitty Hawk für einen Vergnügungsflug nutzten. Wieder und wieder steht das Gesetz vor diesen neuartigen Herausforderungen. Einfach gesagt: Gesetze entwickeln sich.

Roboterschuld

Die Rolle des Gesetzes kann auf viele Arten definiert werden, aber letztlich ist es ein System innerhalb einer Gesellschaft, um die Erwartungen der Leute zu stabilisieren. Wer überfallen wird, geht davon aus, dass der Räuber angeklagt und dangemessen bestraft wird. Doch das Gesetz stellt auch Erwartungen an uns und wir müssen uns so danach richten, wie es uns unser Gewissen gestattet. Als Menschen sind wir in der Lage dazu. Wir haben die Fähigkeit, zu entscheiden, ob wir zu schnell fahren möchten oder lieber das Tempolimit einhalten. Aus diesem Grund sind Menschen vor dem Gesetz als „juristische Personen“ angesehen.

In ähnlichem Ausmaß gelten auch Firmen als juristische Personen. Dieser Status gewährt ihnen bestimmte ökonomische und rechtliche Ansprüche. Was aber viel wichtiger ist: Er überträgt Verantwortung. Wenn also Firma X eine autonome Maschine baut, hat diese Firma auch den dazugehörigen rechtlichen Verpflichtungen nachzugehen.

Problematisch wird es dort, wo die Maschinen die Entscheidungen selbst auf eigene Gefahr treffen können. So beeindruckend, wie intelligente Assistenten wie Alexa, Siri oder Cortana sind – sie gelten eben deshalb nicht als juristische Personen. Aber was passiert, wenn ihre weiterentwickelten Nachfahren anfangen, wirklichen Schaden zu verursachen?

Kann eine KI schuldbewusst sein?

Das Strafrecht hat zwei entscheidende Konzepte. Erstens enthält es die Idee, dass die Verantwortung für Schäden immer dann entsteht, wenn es wahrscheinlich war oder ist, dass Schäden durch eine bestimmte Tat oder Unterlassung ebendieser entstehen.

Zweitens erfordert das Strafrecht, dass ein Angeklagter für seine Taten haftbar gemacht werden kann. Diesen Umstand kennt man als „schuldbewussten Verstand“ oder „mens rea“ . Die Idee dahinter ist es, sicherzustellen, dass der Angeklagte sowohl in der Lage ist, jemanden anzugreifen, und auch vorhatte, dieser Person zu schaden – oder zumindest in Kauf genommen hat, dass ein Schaden eine wahrscheinliche Konsequenz seiner Taten sein könnte.

Wenn also eine fortschrittliche autonome Maschine aus eigenem Antrieb ein Verbrechen begeht, wie soll diese dann vom Gesetz behandelt werden? Wie würde ein Anwalt vorgehen, um den „schuldbewussten Verstand“ eines Nicht-Menschen zu zeigen? Kann dies getan werden, indem man sich auf bestehende legale Prinzipien bezieht und diese angleicht?

Man denke an fahrerlose Autos. Auf der Straße gibt es – zumindest zu einem gewissen Ausmaß – regulierende Rahmenbedingungen, die sicherstellen, dass ein Mensch hinter dem Steuer eines Autos sitzt. Dennoch müssen weitgehende Anpassungen bei Gesetzen und Regulierungen vorgenommen werden, sobald vollständig autonome Autos erscheinen, um den neuen Möglichkeiten von Interaktionen zwischen Mensch und Maschine auf der Straße gerecht zu werden.

So, wie sich die KI-Technologie derzeit entwickelt, wird sie irgendwann einen Stand erreichen, der so hochentwickelt ist, dass er es ihr erlaubt, menschliche Kontrolle zu überbrücken. Wenn das Überbrücken menschlicher Kontrolle sich ausweitet, werden Fragen über Schäden, Risiken, Schuld und Bestrafung wichtiger werden. Film, Fernsehen und Literatur mögen bei den extremsten Beispielen von „fehlgeschlagenen Robotern“ verweilen, aber die legalen Realitäten sollten nicht in Hollywood gelassen werden.

Können Roboter als Verbrechen begehen? Kurz gesagt: ja. Wenn ein Roboter jemanden tötet, hat er ein Verbrechen begangen (actus reus), aber technisch gesehen ist es kein „vollständiges“ Verbrechen, da es viel schwieriger wäre, die ‚mens rea‘ zu determinieren. Woher wissen wir also, ob der Roboter vorhatte, das zu tun, was er getan hat?

Bis jetzt sind wir nicht einmal annähernd auf einem Niveau, das uns ermöglichen würde, einen fühlenden oder „bewussten“ humanoiden Roboter zu bauen, der wie ein Mensch aussieht, handelt, redet und denkt. Aber nur ein paar kurze Sprünge in der KI-Forschung könnten eine autonome Maschine hervorbringen, die alle Arten von rechtlichem Verderben freizusetzen in der Lage wäre. Der Wille zu einem finanziellen und benachteiligenden Algorithmus ist bereits reichlich vorhanden.

Man stelle sich vor, dass eine KI im Terminator-Format existiert und dass sie ein Verbrechen begeht (wie beispielsweise Mord). Hier ist es nicht die Aufgabe, festzulegen, ob sie wirklich jemanden umgebracht hat, sondern zu welchem Ausmaß dieser Fall das Prinzip von ‚mens rea‘ erfüllt.

Aber was bräuchten wir, um die Existenz einer ‚mens rea‘ zu beweisen? Könnten wir die KI einfach ins Kreuzverhör nehmen, so wie wir es bei menschlichen Angeklagten tun? Vielleicht ja – aber wir müssten ein wenig tiefer gehen und den Code, den die Maschine zum Leben erweckt hat, untersuchen.

Und wie würde „Absicht“ bei einem maschinellen Verstand aussehen? Wie würden wir vorgehen, um zu beweisen, dass eine autonome Maschine das Recht dazu hatte, einen Menschen aus Selbstverteidigung zu töten oder um das Ausmaß von Vorsatz auszumachen?

Dies muss tiefer durchdacht werden. Letzten Endes reden wir nicht nur über gewaltsame Verbrechen. Man stelle sich ein System vor, das wahllos Dinge aus dem Internet bestellt und dabei unsere Kreditkarte benutzt – und es hat sich dazu entschieden, geschmuggelte Ware zu kaufen. Das ist keine Fiktion, sondern bereits passiert. Zwei in London ansässige Künstler haben einen Roboter entwickelt, der wahllos Dinge vom Schwarzmarkt kauft. Und was hat er gekauft? Gefälschte Jeans, ein Baseball-Cap mit Spionage-Kamera, eine Dose mit Geheimversteck, Nike-Schuhe, 200 Zigaretten, ein Satz Hauptschlüssel von der ansässigen Feuerwehr, eine gefälschte Louis-Vuitton-Tasche und zehn Ecstasy-Tabletten. Sollten die Künstler dafür verantwortlich gemacht werden, was der Roboter, den sie entworfen haben, gekauft hat? Vielleicht. Aber was, wenn der Roboter die Auswahl der Einkäufe selbstständig entschieden hat?

Gefängnisse für Roboter?

Selbst wenn man juristische Angelegenheiten auf diese Weise lösen kann, steht man immer noch vor der Frage der Bestrafung. Was bedeutet eine 30-jährige Haftstrafe für eine autonome Maschine, die nicht altert, nicht gebrechlich wird und seine Lieben nicht vermisst? Außer natürlich, sie wurde darauf programmiert, ihre Schandtaten zu „reflektieren“ und ihren eigenen Code zu verändert, während sie es sich gemütlich macht. Und was würde das Einprogrammieren von „Reue“ in Maschinen uns über ihre Entwickler verraten?

Das, worüber wir wirklich reden, wenn wir darüber diskutieren, ob Roboter Verbrechen begehen können oder nicht, ist die „Entstehung“ – die Stelle, an der ein System etwas neues und potenziell gutes, aber gleichzeitig unvorhersehbares macht. Das ist der Grund dafür, warum all das ein Problem für das Gesetz ist.

Die KI hat uns bereits bei aufstrebenden Konzepten in der Medizin geholfen, und wir lernen neue Dinge über das Universum mit KI-Systemen, die möglicherweise nicht einmal ein ganzer Haufen Stephen Hawkings entschlüsseln kann.

Die Hoffnung für KI liegt darin, zu versuchen, dieses sichere und erstrebenswerte Verhalten einzufangen, und gleichzeitig eine Lösung dafür zu finden, dass sie sich nicht auf illegalen, unethischen oder regelrecht gefährlichen Wegen offenbart. Im Moment sind wir jedoch noch zu unfähig, um die Menschenrechte weltweit sicherzustellen. Daher müssen wir uns fragen, wie wir auf Roboterverbrechen vorbereitet sein sollen, wenn wir bereits damit zu kämpfen haben, die Verbrechen einzudämmen, die von uns  Menschen begangen werden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Hacker“ by xusenru (CC0 Public Domain)


Weiterlesen »

FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me

  • NETZPOLITIK netzpolitik: Schulterklopfen 4.0: Digitalminister feiern ihre Digitale Agenda: Eine Pressekonferenz mit drei Bundesministern. Kurze Fragezeit. Da bleibt nicht viel Raum für Kritisches. Sondern nur für gemachte Hausaufgaben. Und wohlklingende Schlagworte. Industrie 4.0, Arbeit 4.0, Logistik 4.0 und Plattformindustrie 4.0. Kompetenzzentren, Blockchain und intelligente Straßen. Roadmaps und Mobile Incident Response Teams. Bandbreite, die zu den Menschen gebracht wird. Mit der höchsten Dynamik in Europa. Da werden die Leuchtturm-Themen für die Startup-Szene fit gemacht. Dabei muss die Digitalisierung von Beginn an so ausgerichtet sein, dass der „böse Nachbar“ nicht die Haustüre des Smarthomes aufbricht. Denn es geht um Echtzeit-Internet und intelligente Netze und die Gigabit-Gesellschaft. Wenn man den drei Ministern glaubt, dann haben sie dafür gesorgt, dass Deutschland fit ist für die nächste Welle der Digitalisierung. Es geht um nichts weniger als die Meinungsführerschaft in der digitalen Revolution, die Deutschland wiedergewonnen hat. Was immer das auch sein soll.

  • DATENSCHUTZ taz: Gute Aussichten für Datensammler: Zum Nachteil für die Verbraucher und in Teilen europarechtswidrig – das ist die Kritik von Verbraucher- und Datenschützern an dem neuen Datenschutzgesetz, das der Bundestag abschließend beraten und verabschiedet hat. „Das ist ein Datenschutz-Verhinderungsgesetz“, kritisiert Volker Tripp vom Verein Digitale Gesellschaft. Die Reform war notwendig geworden, weil die EU im vergangenen Jahr die Datenschutz-Grundverordnung beschlossen hat. Im Frühjahr kommenden Jahres werden die neuen Regelungen wirksam. Mit ihrem Gesetz konkretisiert die Bundesregierung nun einige Punkte. Doch dabei bleibt sie, so die Kritik, hinter dem Schutzniveau der europäischen Regelung zurück – und widerspricht ihr teilweise sogar.

  • KI heise: RIE2017: Roboter unterrichten im Klassenzimmer – und im Swimming Pool: Die Bedeutung von Robotern für Ausbildung und Erziehung ist das Thema der Konferenz Robotics in Education, die sich in dieser Woche in Sofia im dortigen Sofia Tech Park trifft. Die einstige Militärbasis wurde vor fünf Jahren umgewidmet und beherbergt jetzt verschiedene Laboratorien zu Cyber Security, künstlicher Intelligenz und bietet jetzt parallel zur wissenschaftlichen Konferenz auch Raum für einen Roboterwettbewerb.

  • APPLE golem: App schaltet Touch Bar des Macbook Pro ab: Einigen Anwendern erscheint die Touch Bar auf dem neuen Macbook Pro überflüssig, andere fühlen sich von dem Display mit Touchscreen vom Geschehen auf dem Bildschirm abgelenkt. Diese Zielgruppe kann nun die kostenlose App Touchbar Disabler des Studenten Kay Yin nutzen. Die App kann nicht nur die Touch Bar des 2016er Macbook Pro abschalten, sondern kann sogar beim Touch Bar Simulator für MacOS oder der virtuellen Touch Bar von Xcode eingesetzt werden. Allerdings muss der Nutzer die System Integrity Protection (SIP) deaktivieren, damit das Programm arbeiten kann.

  • USA heise: USA: Auftakt zum Ende der Netzneutralität: Mit einer Brandrede gegen die verpflichtende Netzneutralität hat Ajit Pai, Vorsitzender der US-Telecom-Regulierungsbehörde FCC, am Mittwoch den Auftakt zur Abschaffung der Netzneutralität in den USA gesetzt. Details sollen Donnerstagnachmittag (Ortszeit) veröffentlicht werden. Pai sieht einen Rückgang der Netzinvestitionen und gibt der Netzneutralität die Schuld daran. Das Verfahren zu deren Abschaffung soll bei einer Sitzung am 18. Mai formell eröffnet werden.

Weiterlesen »

FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
  • ROBOTER heise: Wir sollten vorbereitet sein: Laut einer US-Studie soll jeder Roboter rund 3 menschliche Arbeitskräfte ersetzen. Zwei Ökonomen hatten sich mit dieser Thematik im Zuge der Debatte um die Auswirkungen von intelligenten Maschinen auf den Arbeitsmarkt auseinander gesetzt. Daron Acemoglu vom MIT und Pacual Restrepo von der Boston University haben anhand von Daten aus der Vergangenheit ermittelt, dass Roboter bis zu 6,2 Prozent menschlicher Arbeitskräfte ersetzen können. Was das über die Zukunft der Arbeit aussagt, ist aber noch ungewiss.

  • GOOGLE spiegel: Google will Fake News in Suchergebnissen bekämpfen: “Project Owl” ist ein neues Projekt von Google, welches gestern angekündigt wurde und “minderwertigen Content” aus den Suchergebnissen und anderen Diensten verbannen soll. Damit geht Google gezielt gegen Fake News und Hassbotschaften vor. Websiten sollen demnach zunächst von Testpersonen bewertet werden, um auch die Treffsicherheit des Algorithmus zu verbessern. Google wird bei Autocomplete-Vorschlägen künftig auf Begriffe verzichten, die als sexuelle Beschimpfung, Hassrede oder als Bedrohung bestimmter Gruppen empfunden werden können. Die Begriffe können zudem bewertet und gemeldet werden.

  • FACEBOOK zeit: Facebook darf WhatsApp-Daten weiterhin nicht nutzen: In Hamburg hat ein Gerichtsbeschluss Facebook darin eingeschränkt, auf personenbezogene Daten deutscher WhatsApp-Nutzer zuzugreifen. Facebook hat den Messaging-Dienst zwar 2014 gekauft, das Urteil schützt jetzt jedoch Telefonnummern und personenbezogene Daten, wenn die Betroffenen nicht eingewilligt haben. Auch zu den verschlüsselten Kurznachrichten wird Facebook weiterhin keinen Zugang haben, da diese verschlüsselt sind.

  • GEAR 360 curved: Samsung Gear 360 (2017) im Test: Schon die erste Gear 360 machte vieles richtig, aber die neue 2017er Version will noch vieles besser machen. 360-Grad-Fotos und –Livestreams sollen noch besser gemacht werden und vor allem soll sie mit fast allen Smartphones funktionieren – der Vorgänger war nur mit Galaxy-Geräten von Samsung kompatibel. Verwendbar ist sie aber selbstverständlich auch gänzlich ohne Smartphone. Die neue Gear verfügt über einen Griff, die Kugelform und ein benötigtes Stativ entfallen also. Fotos erreichen eine maximale Auflösung von 15 Megapixeln.

  • UBER watson: Uber stellt Pläne für fliegende Taxis vor – erste Tests ab 2020: Uber hebt ab und hat eingies vor! Das Unternehmen stellte gestern Pläne vor, ab 2020 erste Tests für fliegende Taxis durchzuführen. In den jeweiligen Städten sollen dann sogenannte “Vertiports” die Fluggeräte starten und landen lassen können. Das Projekt ist zunächst nur für Dallas und Dubai geplant. Das Unternehmen argumentiert, dass die Straßen vollgestopft mit Autos und teuer im Unterhalt seien und man deshalb in die Luft ausweichen müsse. Beförderungskosten sollen zudem zeitnah mit denen von heutigen Fahrdiensten vergleichbar sein. Aber Uber ist nicht das einzige Unternehmen, das hoch hinaus will.

Weiterlesen »

FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
  • BND heise: Der BND spioniert am größten Internetknoten der Welt: In Deutschland liegt der wohl größte Internetknoten der Welt. Schon vor zwei Jahren lag die Kapazität der Internet-Drehscheibe De-Cix bei 12 TBit/s, auch wenn in der Regel nur rund 3,5 TBit/s übertragen wurden. Der Bundesnachrichtendienst BND hat versucht, an diesem Punkt Daten abzugreifen, um sie auszuwerten. In der Nähe von De-Six liegt ein Rechenzentrum der Telekom. Dort hat der BND zunächst das Verfahren erprobt, um Zugriff auf den Knoten zu erhalten. Dort werden sowohl innnerdeutsche, als auch sogenannte „Mischdaten“ übertragen, also Daten deutscher und ausländischer Bürger. Die Gesetzeslage ist unklar, da die Richtlinien aus einer Zeit vor der paketvermittelten Netzkommunikation stammen und nichts zum „Mischverkehr“ sagen.

  • INDUSTRIALISIERUNG t3n: Merkel eröffnet Hannover Messe: „Apokalyptische Thesen“ nicht erfüllt: In Hannover hat am Sonntag zum nun 70. Mal die Hannover Messe begonnen. Die Messe, die sich mit Neuerungen der Industrie befasst, wurde am Abend von Bundeskanzelerin Angela Merkel eröffnet. Das Thema ist dieses Jahr erneut die vernetzte Industrie, bei der Roboter eine zunehmende Rolle spielen werden. Laut Merkel seien die „apokalypthischen These“, die Roboter würde die Menschen verdrängen, nicht eingetroffen. Zur Hannover Messe werden rund 200.000 Besuchen und 6.500 Aussteller erwartet.

  • APPLE golem: Patentverwerter klagt gegen Apple und Mobilfunkanbieter: Der bekannte Patentverwerter Cellular Communications Equipment (CCE) klagt derzeit wegen angeblichen Patentmissbrauch. Neben Apple sind auch Mobilfunkanbieter wie AT&T, T-Mobile und Verizon angeklagt, da sie die Geräte von Apple vertreiben. Die vier Patente beziehen sich auf verschiedene Mobilfunktechniken, darunter etwa, schnell einen Notruf absetzen zu können. Diese Patente wurden zwischen 1997 und 2010 von Nokia angemeldet. CCE klagt häufiger im Auftrag des finnischen Unternehmens. Im Jahr 2011 gab es eine Einigung zwischen Apple und Nokia, nachdem die beiden Firmen einen jahrelangen Rechtsstreit geführt hatten. Apple selbst hatte im Dezember eine Kartellrechtsklage gegen Nokia eingereicht.

  • MEDIEN Netzpolitik.org: EU-Richtlinie wird Video-Anbieter zwingen, legale Videos zu löschen: Auf EU-Ebene wird derzeit die Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste überarbeitet. Vor knapp einem Jahr hat EU-Kommissar Günther Oettinger seinen Vorschlag für eine Änderung der Richtlinie vorgelegt. Jetzt ist das Parlament am Zug. Berichterstatter sind die beiden deutschen Abgeordneten Sabine Verheyen (Christdemokraten) und Petra Kammerevert (Sozialdemokraten). Am Dienstag wird der federführende Kulturausschuss des Europaparlaments seinen Bericht zur Richtlinie in erster Lesung beschließen.

  • ADBLOCK Zeit: Blockst du mich, block ich dich: Im Internet findet ein Wettrüsten statt. Auf der einen Seite stehen die Betreiber von kommerziellen Websites und ihre Werbepartner. Auf der anderen Seite stehen Start-ups, besorgte Nutzer und Datenschützer. Und zwischendrin: Entwickler, Forscher und Unternehmen wie Google, Apple und Facebook, die vermitteln wollen. Es geht um Ad-Blocker und Anti-Ad-Blocker zur Gegenwehr. Nachdem es Ad-Blocker, also Browser-Erweiterungen, die Werbeelemente auf Websites ausblenden, schon lange gibt, schlägt die Werbebranche zurück. Sie setzt vermehrt Technik ein, die entweder Werbung gezielt verschleiert oder die Ad-Blocker erkennen und blockieren soll – nur wer den Ad-Blocker deaktiviert, kann dann die Inhalte der Website lesen. Die Nutzer und Entwickler der Blocker versuchen ihrerseits wiederum, diese Mechanismen auszutricksen.

Weiterlesen »

Gefühle, Hoffnungen und Rechte für Roboter und KI: Worauf müssen wir vorbereitet sein?

Menschenmenge (adapted) (Image by mwewering [CC0 Public Domain] via pixabay)

Wir sollten uns daran gewöhnen, demnächst deutlich mehr über Künstliche Intelligenz zu hören. Selbst, wenn man die utopische und dystopische Übertreibung weglässt, wird das 21. Jahrhundert in breitem Maße nicht nur durch die Fortschritte im Bereich Künstlicher Intelligenz, Robotik, Rechentechnik und kognitiver Neurowissenschaften bestimmt sein, sondern dadurch, wie man selbige bewältigt. Für viele stützt sich die Frage, ob die menschliche Rasse ein 22. Jahrhundert erleben wird, auf diese letzte Berücksichtigung. Während die Vorhersage der drohenden Gefahr einer auf KI zentrierten Zukunft Gegenstand einer intensiven Debatte bleibt, müssen wir uns mit dieser Tatsache arrangieren. Aktuell gibt es mehr Fragen als Antworten.

Grundlegend ist, dass das Europäische Parlament drastisch hin zu einer durch KI bestimmten Zukunft vorprescht. Vor wenigen Wochen beschloss das Komitee für Rechtsfragen innerhalb des Parlamentes in einer Abstimmung mit dem Ergebnis von 17:2 Stimmen, den Beginn eines Gesetzentwurfes für die Regulierung von Entwicklung und Nutzung Künstlicher Intelligenz und Robotik. In diesem Gesetzentwurf enthalten ist eine vorläufige Richtlinie darüber, was unter „elektronischem Menschsein“ zu verstehen ist – diese würde übereinstimmende Rechte und Verpflichtungen für die hochentwickeltsten Künstlichen Intelligenzen absichern. Das ist ein Anfang, aber nicht mehr.

Wer die Debatte über „elektronische“ oder „robotische“ Menschlichkeit verfolgt hat, versteht vermutlich, wie deprimierend diese Themen sind und wie instinktiv geleitet die Reaktionen darauf sein können. Für alle, die sich damit bisher nicht beschäftigt haben, ist genau jetzt ein guter Zeitpunkt, damit anzufangen.

Die Idee einer Roboter-Persönlichkeit ist ähnlich zum Konzept einer Person mit körperschaftlichen Eigenschaften, die es Unternehmen erlaubt, in Rechtsfällen sowohl als Kläger oder Beklagter auftreten zu können – also zu klagen und auch verklagt zu werden. Der Bericht identifiziert etliche Bereiche mit potentieller Aufsicht, wie beispielsweise die Formierung eines europäischen Büros für Künstliche Intelligenz und Robotik, einer bindenden Definition von „intelligent-autonomen Robotern“ , ein Registrierungssystem für die Höchstentwickelten unter ihnen, sowie ein Konzept zur Pflichtversicherung für Unternehmen, um durch Roboter verursachte Schäden und Verletzungen abzudecken.

Der Bericht adressiert zudem die Möglichkeit, dass Künstliche Intelligenz und Robotik eine zentrale Verursacherrolle hinsichtlich massiver Jobverluste sein können und verlangt nach einer „ernsten“ Auseinandersetzung mit der Umsetzbarkeit, ein umfassendes Grundeinkommen als Strategie zur Minimierung der ökonomischen Auswirkungen von Massenautomatisierung gesamter Wirtschaftsbereiche einzusetzen.

Wir sind die Roboter

Diese Herausforderungen mögen entmutigend sein – und sie werden definitiv nicht schmackhafter in Anbetracht der zunehmend beklagenswerten geopolitischen Situation: Gesetzgeber, Politiker und Gerichte kratzen aktuell gerade erst an der Oberfläche dessen, welche Probleme und tatsächlich auch Möglichkeiten Künstliche Intelligenz und Robotik bieten. Ja, fahrerlose Autos sind problematisch, aber nur in einer Welt, in der herkömmliche Autos existieren. Verzichtet man auf diese, wird jede Straße und Stadt, jeder Staat, jede Nation und jeder Kontinent, die ausschließlich von fahrerlosen Autos befahren werden, im Grunde zu einem sehr ausgeprägten Netzwerk aus Eisenbahn-Signalen.

Ich kann hier die Umsetzbarkeit von Dingen wie genereller Künstlicher Intelligenz oder sogar der Büchse der Pandora – die Simulation des kompletten Gehirns, bei der eine künstliche, Software-basierte Kopie eines menschlichen Gehirns abgebildet wird, die identisch zu ihrem Vorbild funktioniert, nicht bewerten. Nehmen wir also einfach die grundlegende technische Umsetzbarkeit an und stellen uns eine Welt vor, in der maßgeschneiderte, fühlende Roboter und robotische Versionen von uns selbst, ausgestattet mit perfekten Kopien unserer Gehirne, zur Arbeit gehen und mit uns „Netflix and chill“ treiben.

Dass die bloße Idee, separate, austausch- und bearbeitbare und in Robotern eingebettete Kopien von Menschen zu erschaffen, sowohl konzeptionelle als auch praktische und juristische Herausforderungen eröffnet, muss hier nicht erwähnt werden. Zum Beispiel müssten grundlegende Prinzipien im Vertragsrecht neu aufgesetzt werden für Verträge, in denen eine der Parteien eine digitale Kopie eines biologischen Menschen ist.

Würde also ein Vertrag im Namen von Jane Smith sowohl für die biologische Jane Smith als auch ihre Kopie gelten? Dieselbe Frage muss auch hinsichtlich Ehe, Elternschaft, im Bereich Wirtschafts- und Besitzrecht und so weiter gelten. Wenn eine elektronische Kopie im Wesentlichen eine verkörperte Version eines biologischen Bewusstseins ihres Vorbildes ist, mit denselben Erfahrungen, Gefühlen, Hoffnungen, Träumen, Schwächen – auf welcher Grundlage sollten wir da für Menschen gültige Rechte verweigern? Das klingt absurd, aber ist dennoch eine Absurdität, die bald Realität werden könnte. Somit können wir uns es nicht leisten, sie wegzulachen oder übersehen zu wollen.

Weiterhin stellt sich die Frage, welche fundamentalen Rechte eine Kopie des biologischen Originals haben sollte. Wie sollten demokratische Wahlen also beispielsweise betrachtet werden, wenn das Kopieren von menschlichen Identitäten in künstliche Körper und Maschinen so günstig wird, dass Wahlbetrug durch die Schaffung von Kopien ein und desselben Wählers zu einer ernstzunehmenden Möglichkeit wird?

Sollte jede Kopie eine solitäre Stimme bekommen, oder nur einen rechnerischen Anteil in Abhängigkeit von der Anzahl der Kopien, die von einer Person bereits existieren? Wenn ein Roboter das Eigentum seines „Besitzers“ ist, sollten sie dann einen größeren moralischen Anspruch an die Wahl haben als, sagen wir, eure Katze? Wären Rechte übertragbar auf Back-up-Kopien für den Fall, dass das biologische Vorbild stirbt? Was, wenn das Kopieren so günstig, schnell und effizient wird, dass eine komplette Wählerbasis nach Gutdünken eines gut betuchten Kandidaten geschaffen werden kann und jeder mit einem eigenen, moralischen Anspruch an eine demokratische Wahl ausgestattet wird?

Wie fühlt ihr euch bei dem Gedanken an eine Wählerbasis, die aus einer Million Roboterkopien von Milo Yiannopolous besteht? Erinnert sich noch jemand an die Diskussion in den Vereinigten Staaten über den Betrug mit sogenannten Phantomwählern? Man stelle sich das Ganze nun einmal auf Steroiden vor. Welchen demokratischen Interessen obliegen nicht-biologische Personen, die keine Anfälligkeit für Alter, Gebrechen oder Tod besitzen. Wer jetzt noch beruhigt einschlafen kann, hat Glück gehabt.

In die Gedankenwelt hineingetaucht

Das alles sind faszinierende Spekulationen. Sie werden sicherlich zu großflächigen sozialen, politischen, wirtschaftlichen und philosophischen Veränderungen führen, sofern sie Bestandteil des Alltagslebens werden. Aber gerade weil sie in steigendem Maße zu Lebensinhalten werden, sollten wir damit beginnen, tiefgreifend über Künstliche Intelligenz und Robotik nachzudenken, statt nur über selbstfahrende Autos und die daraus folgenden Jobproblematiken. Wenn man ein beliebiges liberales und auf Menschenrechte aufgebautes System als Nennwert nimmt, führt dies fast immer zu der Schlussfolgerung, dass fortgeschrittenen Künstlichen Intelligenzen Menschenrechte gewährt werden sollten, sofern wir strikt die konzeptionellen und philosophischen Fundamente interpretieren, auf denen diese beruhen.

Warum ist es also so schwer, diese Schlussfolgerung zu akzeptieren? Was daran lässt uns so unbehaglich, unbequem oder bedroht empfinden? Menschen haben einen exklusiven Anspruch an biologische Intelligenz genossen und wir benutzen uns selbst als Maßstab für die Bewertung jeglicher anderer Intelligenz. Auf einer Ebene fühlen sich Menschen unbehaglich in Bezug auf die Idee des robotischen Menschseins, weil das Einräumen von Rechten für nicht biologische Personen bedeutet, dass wir Menschen bedeutend weniger besonders werden.

Tatsächlich beruhen unsere am tiefsten verwurzelten religiösen und philosophischen Traditionen auf der Vorstellung, dass wir im Grunde wunderschöne und einzigartige Wesen sind, die mit dem Funken des Lebens und Fähigkeiten durchdrungen sind, die uns andere Spezies übersteigen lassen. Das ist verständlich, auch wenn man zahlreiche Wege finden würde, dem zu widersprechen.

Auf einer anderen Ebene erzeugt die Vorstellung des robotischen Menschseins – im Besonderen in Bezug auf das Wahlrecht – bei uns Unbehagen, weil es uns die Belastbarkeit und Anwendbarkeit unserer heiligsten Werte hinterfragen lässt. Das trifft vor allem in Zeiten von Fake News, „alternativen Fakten“ und die fortschreitende Erosion am einst stolzen Bauwerk des liberalen, demokratischen Staates zu. Mit jedem neuen Fortschritt im Sektor der Künstlichen Intelligenz und Robotik gelangen wir stetig näher an den Moment der Abrechnung – nicht nur mit uns selbst, sondern darüber, ob unsere Gesetze, rechtlichen Konzepte und die historischen, kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Fundamente, auf denen sie beruhen, wirklich dazu geeignet sind, die Welt zu adressieren, wie sie sein wird, und nicht, wie sie einst war.

Die Entscheidungen und Taten, die wir heute in Bezug auf Künstliche Intelligenz und Robotik tätigen, weisen pfadabhängige Implikationen für unsere Entscheidungen von morgen auf. Es obliegt allen von uns, sich damit zu beschäftigen, was passiert, um die Auswirkungen zu verstehen und zu reflektieren, ob Bestrebungen, wie die des Europäischen Parlamentes nicht mehr sind als neuer Wein in alten Schläuchen. Es gibt keine Zukunftsforschung, aber wir können besser in die Zukunft schauen und das Ende des Weges verstehen, wenn wir uns aufmerksam auf die Gegenwart und die Entscheidung, die wir als Gesellschaft hinsichtlich der Technologie getroffen haben, konzentrieren.

Wenn man das tut, erkennt man, dass wir als Gesellschaft keine wirklich demokratischen Entscheidungen über Technologie getroffen haben. Mehr oder weniger wurden wir gezwungen zu akzeptieren, dass gewisse Dinge in unsere Welt eindringen und wir entweder lernen, ihre Vorteile zu nutzen oder aber zurückzufallen und natürlich auch mit ihren Auswirkungen klarzukommen. Vermutlich ist der erste Schritt, Gesetze und politische Vorschläge nicht als Ausgangspunkt dafür zu betrachten, wie man mit Künstlicher Intelligenz „umgeht“, sondern dass man anfängt, die demokratischen Defizite zu korrigieren – sei es als Gesellschaft oder sogar als die ganze Welt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Menschenmenge“ by mwewering (CC0 Public Domain)


The Conversation

Weiterlesen »

FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
  • NOKIA heise: 3310 Revival? Nokia vor dem Comeback auf der großen Bühne: Ein internationales Comeback wartet auf die Smartphone-Marke Nokia. Ende Februar wird auf de  Mobile World Congress (MWC) in Barcelona der Hersteller HMD Global, der Patente und Marken von Nokia und Microsoft nutzen kann, neue Smartphones vorstellen. Angeblich bringt HMD eine Neuauflage des legendären Nokia 3310 auf die Messe mit.

  • AMAZON t3n: Amazon erhält Patent für selbstlernenden Packroboter: Die Angestellten von Amazon, die für die Pakete in den Versandlagern zuständig sind werden schon jetzt von Kiva-Robotern unterstützt. Bald könnten die Mitarbeiter jedoch ganz überflüssig werden, denn Roboter können die Arbeit billiger ausführen. Nun hat Amazon ein Patent für einen selbstlernenden Packroboter samt Packrobotersystem beim US Patentamt zugesprochen bekommen.
  • VR golem: Oculus Rift mit Mac-Unterstützung: Mit der MacOS-Anwendung VR Desktop for Mac von Cindori ist es nun möglich, die Oculus Rift am Mac zu nutzen. Dazu ist aktuell jedoch eine Rift DK2 und nicht die Endkundenversion erforderlich. Zudem muss der Mac eine diskrete Grafiklösung bieten, was zahlreiche einfachere Modelle ausschließt. Künftig sollen auch die Handelsversion und HTC Vive unterstützt werden. 

  • MICROSOFT winfuture: Microsoft sagt Patch-Day für Februar 2017 ab: Microsoft sollte heute eigentlich seinen Patch-Day abhalten und mit der Auslieferung einer ganzen Reihe von Sicherheits-Updates für Windows veröffentlichen. Jetzt hieß es jedoch, dass der Patch-Day heute entfällt. Hintergrund ist der Umstand, dass man festgestellt hat, dass einer oder mehrere Patches bei einer nicht unerheblichen Zahl von Nutzern Probleme verursachen könnte.

Weiterlesen »

FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
  • FACEBOOK süddeutsche: Ein Selfie mit der Kanzlerin bringt Facebook in Bedrängnis: Trivialer geht es fast nicht – ein Selfie. Das im September 2015 aufgenommene Bild wurde dem jungem Syrer Anas Modamani allerdings zum Verhängnis. Als er gerade einen Monat in Deutschland war, posierte er zusammen mit Angela Merkel in Berlin. Jetzt steht er vor dem Würzburger Landgericht, Grund dafür ist Hetzte auf rechten Seiten, die den Teenager als Terroristen diffamieren. Inwieweit Facebook hier mitverantwortlich ist und ob eine gewisse Sorgfaltspflicht verletzt wurde, soll jetzt entschieden werden.

  • PAYPAL venturebeat: PayPal launches Slack bot for peer-to-peer payments: Chatbots sind gefühlt in aller Munde. Der Bezahl-Dienst PayPal hat jetzt auf der Team-Messaging-App Slack seinen eigenen Bezahl-Bot gelauncht. Der Bot lässt Nutzer mit dem Shortcode „/paypal“ peer-to-peer (P2P) Zahlungen von bis umgerechnet rund 9.300 Euro ausführen. PayPal hat rund 5 Millionen tägliche Nutzer und mit dem Bezahl-Bot nun ihren ersten dieser Art veröffentlicht. Auf Slack gibt es im Gegensatz rund 900 Bots für die Automatisierung von Aufgaben.

  • NETZNEUTRALITÄT zeit: Ein Deregulierer, wie Trump ihn mag: Ajit Pai ist der von Trump eingesetzte neue Vorsitzende der Federal Communications Commission (FCC) und wartet nicht lange, um aktiv zu werden. Er beginnt direkt damit, seine eigene Behörde, die Regulierung zur Netzneutralität in den USA, zu entmachten. Bislang untersagte diese Providern, den Internetverkehr gegen Bezahlung zu bevorzugen. Die Sorge um ein „Zwei-Klassen-Internet“ ist jetzt groß.

  • YOUTUBE cnet: Youtube takes on Facebook Live with mobile live streaming: Youtube zieht, nach Facebook oder Instagram, nun auch mit bei der mobile Live-Streaming-Welle. Was im Juni verpsrohen wurde, soll jetzt bald verfübgar sein und zunächst für beliebte Youtuber, also mehr als 10.000 Abonennten, verfügbar sein. Neu ist Live-Streaming für die Video-Plattform allerdings nicht, seit 2015 ist es über die Sparte “Youtube Gaming” möglich, Gaming-Content zu streamen. Das neue Feature „Super Chat“ soll es zudem Zuschauern ermöglichen, direkt mit den Youtubern zu sprechen, allerdings gegen einen Preis.

  • ROBOTER heise: Fahrender Last-Roboter als Begleiter für Menschen: Gestern war “Liebe-deinen-Roboter-Tag”, klingt komisch, ist aber so. Dieser Tag soll sich auf die Interaktion zwischen Mensch und Roboter fokussieren. Beispielsweise arbeitet derzeit eine US-Tochterfirma des Vespa-Herstellers Piaggio an einem kleinen Roboter, der als Helfer für Menschen fungieren soll und Lasten von bis zu 20 Kilogramm befördern kann. Der blaue, runde Helfer soll, ebenfalls wie der Aktionstag, dazu anregen, über die Rolle der Roboter in unserer Gesellschaft und deren Zukunft nachzudenken.

Weiterlesen »

FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
  • KI t3n: KI von Google entwickelt KI: Forschern von Google und verschiedener Universitäten ist es gelungen, eine KI-Software zu entwickeln, die selbst dazu in der Lage ist, KI zu schreiben. Die KI-Forscher ließen in einem Experiment eine Software ausarbeiten, um menschliche Sprache zu erkennen. Die Resultate waren sogar noch besser als die, die Menschen bei der gleichen Aufgabe erzielen konnten. Bislang wurden die Ergebnisse allerdings noch nicht durch andere Forscher geprüft. Auch im Bereich der künstlichen neuronalen Netze konnten jüngst Erfolge erzielt werden.

  • RECHT WIRED: Welche Rechte und Pflichten haben Roboter?: Wer ist Schuld, wenn Roboter Schaden anrichten? Der Hersteller? Der Nutzer? Oder der Roboter selbst? Wenn Maschinen immer intelligenter werden, muss das Recht an sie angepasst werden. Diese Fragen betreffen Bereiche wie das Strafrecht, das Zivilrecht, den Datenschutz und die Frage nach dem geistigen Eigentum. Um Antworten auf diese Fragen zu bekommen, hat „WIRED“ Eric Hilgendorf zum Interview getroffen. Er leitet die Forschungsstelle RoboRecht der Universität Würzburg und erklärt er, warum Roboter (noch) nicht zur Verantwortung gezogen werden können, warum ihre Rechte und Pflichten noch nicht festgelegt sind und weshalb die berühmten Robotergesetze von Asimov nicht alltagstauglich sind.

  • SOCIAL BOTS Spiegel: Betreiben von Social Bots soll unter Strafe stehen Winfried Bausback (CSU), bayerische Justizminister, fordert: „Der Bundesjustizminister muss endlich damit aufhören, auch im Strafrecht im digitalen Steinzeitalter zu verharren“. Seine hessische Amtskollegin Eva Kühne-Hörmann (CDU) will verhindern, dass das Internet zu „einer hochwirksamen und antidemokratischen Lügenschleuder“ wird. Daher soll das Betreiben von Social Bots strafbar werden und jeder Nutzer soll die Möglichkeit bekommen, Anzeige gegen den Betreiber des Bots zu erstatten. Zur Orientierung, wie man einen Social Bot erkennt, bietet Spiegel Online einen Überblick über auffällige Merkmale von Meinungsrobotern.

  • SAMSUNG chip: Samsung veröffentlicht Untersuchungsergebnisse: Warum das Note 7 explodierte: In der Nacht zu Montag hat Samsung eine Erklärung veröffentlicht, warum das Galaxy Note 7 überhitzen und explodieren konnte. Schuld seien demnach die Akkus, während Probleme mit der Hardware und Software vom Hersteller ausgeschlossen werden konnten. „[Wir übernehmen] die Verantwortung für unser Versagen, die Probleme beim Batterie-Design und beim Produktionsprozess vor der Markteinführung des Note 7 zu erkennen und bestätigen“, sagte der Leiter der Smartphone-Sparte, Koh Dong Jin, in Seoul. Um in Zukunft derartige Pannen zu vermeiden, will Samsung die Akkus im Vorfeld besser testen.

  • HUAWEI TURN ON: Neue Presse-Fotos des Huawei P10 im Internet aufgetaucht: Die Website AndroidPure hat neue Fotos des Huawei P10 veröffentlicht. Das Smartphone, das schon in wenigen Wochen auf den Markt kommen soll, wird einen Fingerabdruckscanner unter dem Home-Button haben und eine Dual-Kamera, die schon beim Huawei P9 überzeugen konnte. Noch umstritten ist allerdings, ob das P10 einen Dual-Curved-Screen bekommen wird. Beim Arbeitsspeicher wird man zwischen 4 und 6 GB auswählen können. Die Speicherplatz wird vermutlich auf 64 GB herauslaufen, aber auch 126 GB Speicher sind denkbar.

Weiterlesen »

Alles ist verbunden: Roboter führen die Tech-Trends 2017 an

Um Vorhersagen über die Zukunft machen zu können, sollten zunächst die Trends der vorangegangenen Ereignisse betrachtet werden. Um nun herauszufinden, wie die Zukunft der Technik im nächsten Jahr aussehen wird, sollten wir auf die großen Entwicklungen aus dem Jahr 2016 schauen. Die Entwicklungen aus den letzten Jahren lassen auf ein 2017 schließen, das geformt wird von virtueller und erweiterter Realität. Die Entstehung eines Internets mit künstlicher Intelligenz und die Erschaffung von personalisierten digitalen Helferlein verfolgen uns über die verschiedensten Medien.

Virtuelle Realität

Eine neue Technologie hat ganz besonders die Nachrichten des kompletten Jahres dominiert und die Wunschlisten der Kinder und der Erwachsenen gleichermaßen gefüllt: Die virtuelle Realität. Das kommerzielle Wachstum von VR begann 2016 mit HTC, Oculus (das mittlerweile Facebook gehört) und der Playstation, die alle ihre neusten Headsets herausbrachten. Aber 2017 wird sicher ein entscheidendes Jahr für VR – auch wenn sie sich gerade noch in einer unsicheren Lage des „Hype-Kreislaufs“ befindet.

Dies ist eine Forschungsmethode, die die kommerzielle Überlegenheit neuer Technologien vorhersagt, während sie noch bis zur vollständigen Reife entwickelt werden, und sie durch verschiedene Phasen von wachsenden Hype, plötzliche Desillusionierung und schließlich den Erfolg begleitet. Aktuell befindet sich VR auf dem Weg zum ‚Peak der überzogenen Erwartungen‘, in dem der Hype die Realität überschattet und die Qualität erst als zweites bemessen wird. 

In diesem Hype-Kreislauf folgt auf den Höhepunkt der Begeisterung ein unvermeidlicher Fall (das „Desillusionierungstief“), sobald die Verbraucher die Lücke zwischen Erwartungen und dem wirklichen Produkt erkennen. Hier spaltet sich die Meinung über VR. Für einige ist dies lediglich ein kleiner Dämpfer, während es für andere ein Vorzeichen für den Niedergang ist.

Die große Frage, die diese Meinungen spaltet, ist, ob die Reaktion der Verbraucher zu VR-Spielen und Anwendungen, die aktuell auf dem Markt erhältlich sind, entweder den Zorn der Desillusionierung entfacht oder ob Gnade für die Geduld erteilt wird. Die überzeugendere Behauptung besagt, dass die VR-Plattformen auf den Handys (mit ihrer leichteren Bedienung, günstigeren Kosten und größere Auswahl an Spielen und Apps) dabei helfen werden, den VR-Markt für 2017 zu stabilisieren.

Vergrößerter Erfolg

Jedoch ist Stabilität nicht mit Erfolg gleichzusetzen. Außerdem hat VR das Problem, dass es bisher von den Benutzern fast ausschließlich in der Freizeit genutzt und nur eingeschränkt für Spiele und 360-Grad-Videos verwendet wird. Bisher hatte es nur wenig Einfluss auf soziale oder funktionale Apps wie beispielsweise das Bereitstellen einer Oberfläche.

Dasselbe kann man auch für seinen bisher nur wenig bekannten Vetter, die Augmented Reality, sagen. AR beinhaltet Bilder aus der echten Welt, die mit zusätzlichen Grafiken und Informationen ergänzt werden. Derzeit schwimmt sie auf einer großen Erfolgswelle als Spieleplattform, auch dank der Veröffentlichung von Pokémon Go.

Jedoch steckt hinter AR viel mehr als nur Spiele. Es ist ein idealer Weg, um digitale Informationen unbegrenzt zu liefern. Einige Konzepte beinhalten Head-up-Displays, die an den Fahrradhelmen befestigt werden und ihnen somit ein Sichtfeld von 360 Grad ermöglichen und sie außerdem über eine mögliche Gefahr warnen, indem sie die Bewegungen überholender Fahrzeuge überwachen.  Mit Anwendungen wie der optischen Überlappung kann man virtuell sein komplettes Heim umdekorieren, ohne nur einen Spritzer Farbe verbrauchen zu müssen.

Die wahre Zukunft der Augmented Reality liegt in ihrem Potenzial, uns eine neue und verbesserte Methode zur Erschließung von Inhalten und Services zu geben, die wir nicht ohne sie erreichen können – das wurde bereits bei Microsofts HoloLens und der Google Glass klar. Im Jahr 2017 werden wir AR benutzen, um unsere Emails zu checken, auf Facebook zu posten und neue Wege zu entdecken, zu unseren Treffpunkten in der ganzen Stadt zu gelangen. Der ganze Inhalt wird direkt auf unsere Augen geliefert. Dafür müssen wir nicht einmal zur Seite schauen oder das Laufen unterbrechen.

Aktuelle Investitionen in diesem Bereich fließen vor allem in die wichtigen Technologien im Hintergrund, wie die tiefenwahrnehmenden Kameralinsen und Systeme, die Umwelt physikalisch abbilden. Dies lässt darauf schließen, dass die Industrie diese Produkte marktreif bekommen möchte und die aufregenden Ideen zum Leben erweckt. Es bedeutet zwar auch nicht, dass alle Ziele der Augmented Reality im Jahr 2017 umgesetzt werden können, aber die Möglichkeiten werden geprüft – dies wiederum hängt davon ab, ob die zugrundeliegenden Technologien diese wahr werden lassen können.

Internet-Roboter

Die anderen Bereiche, aus denen wir gerne die ersten kommerziellen Anwendungen aus den aufregenden Forschungsarbeiten sehen würden, sind die Bereiche der künstlichen Intelligenz und des Maschinenlernens. Es gibt nur eine Anwendung, die wahrscheinlich das Jahr 2017 dominieren wird – und das ist das Internet der Dinge, das eine Verbindung von Millionen von Geräten, von Kameras bis zum Wasserkocher in das Internet darstellt.

Das Konzept des Internets der Dinge liegt wahrscheinlich unseren Drang nach ständiger Verbindung mit unseren Gegenständen, die wir jeden Tag benutzen zugrunde – diese werden alle in einer großartigen (oder furchterregenden) Verbindung zusammengefügt. 2017 könnte das Jahr werden, in dem wir unserer Barista-Kaffeemaschine aus einer Entfernung von fünf Kilometern Bescheid geben, uns einen Chocolate Fudge Cafe Cubano zu machen, während wir im Auto fahren und mit einer Oberfläche reden.

Oder vielleicht auch nicht. Aber diese Idee der Vernetzung wird bereits mit dem Bereich der künstlichen Intelligenz mit Cloud-Robotern erreicht. Diese System erlauben es den Robotern, die für verschiedenen Aufgaben optimiert wurden, an bestimmte Problemen individuell zu arbeiten und die Ergebnisse untereinander auszutauschen.

Die Roboter benutzen dabei die Cloud, um Daten zu teilen, was es jedem anderen Roboter oder künstlichen System, das auch mit demselben Netzwerk verbunden ist, ermöglicht, diese Daten zu analysieren. Dabei unterrichtet ein Roboter den anderen, welcher wiederum die Information weiterentwickelt und es weitergibt. Mit dieser Zusammenarbeit kann das Lernpotenzial und die Verbindung von Maschinen massiv vergrößert werden.

Persönliche Digitale Assistenten

All diese Trends vereinen sich zu unserer Vorhersage für das Jahr 2017: Es wird mehr menschlich anmutende digitale Technologien in Form von intelligenten persönlichen Assistenten geben. Sie benutzen dabei Fortschritte aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz zum Erfassen und Interpretieren unserer Daten, sowie das Internet der Dinge, um alles um uns herum zu bedienen und die Fortschritte aus dem Bereich der Augmented Reality realistisch in der mobilen Welt abbilden zu können.

Das wird uns eine einzige lebensnahe Schnittstellen zwischen uns und unserer digital verknüpften Welt ermöglichen. Es ist der nächste notwendige Schritt für Fans von Siri, Cortana und Alexa: ein intelligenter Assistent, dem es möglich ist, mit uns überall hinzureisen und uns in beinahe jedem Aspekt unseres Lebens zu unterstützen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „wooden“ by kaboompics (CC0 Public Domain)


Weiterlesen »

FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
  • NINTENDO netzwelt: Nintendo Switch: Liveticker zum Event aus Tokio: Jetzt ist es offiziell. Die Nintendo Switch, der neueste Streich des japanischen Hertsellers, die mobiles und stationäres Gaming verbinden soll, kommt am 3. März 2017! Um 5 Uhr deutscher Zeit wurde die Konsole heute nun in Tokio erstmals enthüllt. Die wichtigsten Informationen zur Switch, erste Spieleankündigungen und mehr erfährt man im offiziellen Nintendo-Stream. Die Kollegen von Netzwelt haben dazu einen Liveticker mit allen wichtigen Informationen bereitgestellt.

  • KI golem: HTCs intelligente Smartphones hören immer zu: Eine dauerhafte Bespitzelung durch das eigene Smartphone – eigentlich eine Vorstellung, die nicht allzu verlockend klingen dürfte. Der Elektronik-Hersteller schlägt jetzt aber genau diese Richtung ein und setzt bei den nun neu vorgestellten Smartphone-Modellen auf künstliche Intelligenz. Die Kollegen von Golem haben das U Ultra und das U Play auf Herz und Nieren getestet.

  • KRYONIK heise: Kryonik: Die Hoffnung auf ein zweites Leben nach dem Eis:Es hört sich immer noch mehr nach Science Fiction an, doch die erfolgreiche Kryokonservierung, sprich das Einfrieren von Gewebe oder gar ganzen Leichen, ist in der Gegenwart angekommen, mehr noch feiert sie sogar 50-jähriges Jubiläum! Derzeit warten rund 2.000 Menschen weltweit auf eine Kryokonservierung, eine britische 14-jährige beispielsweise ist krebskrank und hat kürzlich gerichtlich durchgesetzt, dass ihr Körper eingefroren werden darf.

  • AMAZON t3n: Exklusiv: Amazon zeigt, wie Roboter und Menschen zukünftig zusammenarbeiten werden: Wenn Asimov nur wüsste! Bei der Amazon-Logistik herrscht jetzt harmonische Koexistenz zwischen Mensch und Maschine. Die hauseigenen Roboter aus der Schmiede „Amazon Robotics“ sollen helfen die Paketflut des E-Commerce-Großhändlers zu bewältigen. In weltweit über 20 von insgesamt über 350 Logistikzentren setzt Amazon bisher schon großflächig auf Roboter, um den Betrieb in diesen Verteilzentren effizienter zu gestalten.

  • APPLE digitaltrends: Apple may debut its own original TV shows by the end of 2017: Wenn es nach Apple geht können Kollegen wie Netflix oder Amazon Prime wohl bald Platz machen, denn der Konzern plant für das Jahresende die Produktion eigener Serieninhalte. Der Konzern versucht immer mit den Trends zu gehen, sofern er sie nicht gerade selbst setzt, so ist es auch nicht verwunderlich, dass er Wind davon bekommen hat, dass vor allem auch mit Kontent Geld gemacht werden kann. Es bleibt abzusehen, was Apple da abliefern wird, definitiv wird aber Schwung in die Streaming-Welt gebracht.

Weiterlesen »

Nach einem Jahr Filmfestival Futurale: Was haben wir über die Zukunft der Arbeit gelernt?

futurale-image-by-tom-maelsa-via-bmas

Zwölf Monate, 25 Städte und 175 Diskussionrunden: Ein Jahr lang zog das Filmfestival Futurale des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales durch Deutschland. Knapp 9000 Besucher schauten sich in dieser Zeit sieben Filme zur Zukunft der Arbeit an – und diskutierten im Anschluss darüber. In der vergangenen Woche ging das Festival zu Ende. Welche Erkenntnisse bleiben?

Filme hinterfragen Ideen der Arbeitswelt

Das Festival war ein weiterer Baustein des Grünbuchs Arbeiten 4.0 des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS). Ziel war es, die Bürger aktiv in den Dialog um die Zukunft der Arbeit mit einzubinden. Was bedeutet eigentlich Arbeiten 4.0? Ist Technologie unser Freund oder unser Feind? Werden wir alle unsere Häuser in Zukunft mit einem 3D-Drucker bauen? Wie sieht der Arbeitsplatz der Zukunft aus? Diese und viele weitere Fragen wurden bei der Futurale thematisiert und vor allem diskutiert. Das BMAS hatte dafür bewusst aktuelle Filme herausgesucht oder solche, die noch nicht in deutschen Kinos gezeigt wurden und natürlich Produktionen gewählt, die auch genügend Gesprächsstoff lieferten. Die sieben ausgewählten Filme thematisieren so auf unterschiedliche Weise aktuelle und zukünftige Herausforderung unserer Arbeitswelt.

So geht es bei „Silicon Wadi“ um die Startup-Szene von Technologieunternehmen in Tel Aviv. Die Dokumentation begleitet vier junge Unternehmer und geht dabei der Faszination aber auch den Herausforderungen der Gründerszene nach. Auch der Dokumentarfilm „Digitale Nomaden – Deutschland zieht aus“ begleitet junge Menschen in Deutschland auf ihrem Weg in eine neue ortsunabhängige Arbeits- und Lebenswelt.

Please Subscribe“ zeigt dabei an vielen Praxisbeispielen wie eine solche Arbeit im Internet heutzutage aussehen kann und wie junge Menschen durch YouTube-Videos reich werden. An solch neue Formen der Arbeit knüpft auch die Produktion „Mein wunderbarer Arbeitsplatz“ an, der die aktuelle Führungskultur in Unternehmen hinterfragt. In eine ähnliche Kerbe schlägt auch „Deine Arbeit, dein Leben“. Die WDR-Produktion zeigt, was Arbeit heute in einer ehemals so industriell geprägten Region wie Nordrhein-Westfalen bedeutet.

Unsere Ideen von Arbeitsform und Arbeitsraum werden damit herausgefordert. Ähnliches wird im Film „Ik ben Alice“ thematisiert, wenn es darum geht, wie unsere Arbeitswelt durch Roboter revolutioniert werden könnte. Wie weit Technologie gehen und sein darf ist auch eine Frage, die in „Print the Legend“ aufgegriffen wird, einer Dokumentation über die Entwicklung der 3D-Drucker in den USA.

Futurale offenbarte großes Diskussionspotential

Nach den Vorführungen gab es eine Gesprächsrunde zwischen Zuschauern und regionalen Experten rund um die Themen der Filme. Das Feedback war dabei, je nach Veranstaltung, sehr unterschiedlich, erklärt das BMAS gegenüber den Netzpiloten: „Wir hatten Veranstaltungen mit 300 Gästen, aber auch welche mit 15. Das hat aber Qualität und Intensität der Diskussionen nicht beeinflusst. Bei einer eher gering besuchten Spätvorstellung des Films „Digitale Nomaden – Deutschland zieht aus“ lief die Diskussion im Anschluss zwei Stunden und wurde letztendlich nur durch die Schließung des Kinos durch den Betreiber beendet.“

Das BMAS hat dabei beobachtet, dass gerade die digitalen Nomaden und die Thematik von Robotern, die menschliche Arbeiten übernehmen, die Zuschauer besonders bewegt hat: „Bei den digitalen Nomaden war das Publikum häufig gespalten in eine Hälfte, die sofort in den Flieger steigen würde, um es den Nomaden gleichzutun und die andere Hälfte, die die Nomaden eher als egoistische Selbstoptimierer empfand. Der Film „Ik bin Alice“ wiederum, eine holländische Produktion über ein Modellversuch, bei dem ein Pflegeroboter auch zur sozialen Interaktion bei drei alten Damen eingesetzt wird, wurde überall heiß diskutiert. Viele Gäste fanden das Konzept eines Social Robots verstörend und erschreckend.“

Dabei wurden die Filme nicht nur bei den eigentlichen Vorführungen diskutiert, der Diskurs wurde auch auf der Webseite der Futurale oder bei Twitter unter dem #Futurale weitergeführt.

Screenshot by Marinela Potor

Dabei gab es vor allem zwei große Themenfelder, die die Zuschauer beschäftigten. Das war einmal die Entgrenzung von Arbeit und Freizeit durch ständige Erreichbarkeit – möglich gemacht durch moderne Technologie.

Das andere Thema ist die Angst vor der Automatisierung von Arbeitsprozessen und somit dem Verlust von Arbeitsplätzen.

Screenshot by Marinela Potor
Screenshot by Marinela Potor

Interessant war dabei zu beobachten, wie anfangs futuristisch anklingende Themen für die Zuschauer durch das Festival viel nahbarer wurden. Vielen war beispielsweise gar nicht klar, dass es auch in Deutschland das Geschäftsmodell YouTube gibt oder wo überall schon Roboter eingesetzt werden. Hier konnten die regionalen Experten Aufklärungsarbeit leisten und so die Diskussion anregen, erklärt das BMAS im Rückblick: „Durch die regionalen Experten auf den Podien wurden die Themen geerdet und konkretisiert. Wenn beispielsweise ein Geschäftsführer eines 3D-Druckunternehmens aus der Region über seine Arbeit berichtet, wird das Thema des amerikanischen Films Print the Legend schnell vor Ort fassbar.”

Die Zukunft der Arbeit bietet Chancen

Insgesamt hat die Futurale gezeigt, dass Arbeiten 4.0 ein Thema ist, das Menschen im ganzen Land beschäftigt. Dahinter steckt nicht nur Angst und Sorge, sondern auch Zuversicht und Hoffnung auf neue, gerechtere Arbeitswelten, die wir mit unserer Kreativität und mithilfe von Technologien selbst mitgestalten können.

Dahinter stecken Herausforderung, aber auch Chancen glaubt das BMAS: „Erwerbsbiographien werden in Zukunft wahrscheinlich dynamischer sein, als das heute meistens der Fall ist. Klassische Nine-to-five-Jobs, die man sein Leben lang beim selben Arbeitgeber verrichtet, werden seltener. Deshalb werden wir immer wieder auch Lernphasen brauchen, um unser Know-how auf dem neuesten Stand zu halten, oder auch um ganz neue Kompetenzen aufzubauen. Auch hier ist jeder Einzelne gefragt und muss offen bleiben für Neues.“

Die Ergebnisse der Futurale sollen bis zum Ende des Jahres in einem Weißbuch veröffentlicht werden.


Image by Tom Maelsa


Weiterlesen »