Sollten Roboter Steuern zahlen?

Wenn immer mehr Roboter statt Menschen arbeiten, wer zahlt dann eigentlich noch Steuern? Die Roboter! Das hat zumindest Bill Gates vorgeschlagen und damit eine interessante Diskussion um die Zukunft der Arbeit angeregt.

Neue Technologien verändern unsere Arbeitswelt nachhaltig: Psychologen beraten uns über Skype, Architekten entwickeln Baupläne für Berlin-Mitte in einem Coworking-Space in Thailand und nette Roboterdamen beantworten unsere Fragen am Flughafen. Und das ist nur der Anfang.

In Zukunft stehen uns noch größere Umwälzungen bevor. Aktuelle Studien gehen davon aus, dass in Deutschland bis zum Jahr 2035 rund 1,5 Millionen Arbeitsplätze abgebaut werden – nur um gleichzeitig mit fast genau so vielen neuartigen Berufen ersetzt zu werden. Das bietet uns nicht nur neue Möglichkeiten, das wirft auch viele neue Fragen auf: Was passiert mit dem klassischen Büro? Welche Jobs, die wir heute kennen, wird es in 20 Jahren noch geben? Wie verdienen wir Geld, wenn unsere Arbeit von Algorithmen erledigt wird?

Auf die letzte Frage hat Unternehmer und Multimilliardär Bill Gates jetzt eine Antwort gegeben. Er schlägt vor, dass künftig auch Roboter Steuern zahlen sollten.

Wenn Roboter unsere Arbeit erledigen, sollten sie nicht auch unsere Steuern zahlen?

In einem Interview mit dem Magazin Quarz sagte Gates: „Momentan ist es so: Wenn ein Mensch mit seiner Arbeit in einer Fabrik vielleicht 50.000 US-Dollar an Wert produziert, dann wird dieses Einkommen besteuert. Dann haben wir Einkommenssteuer, Sozialversicherungssteuer und so weiter. Wenn ein Roboter das gleiche tut, würde man meinen, dass man den Roboter ähnlich besteuert.”

Diese Einnahmen könnten nach Gates das Problem der wegfallenden Arbeitsplätze lösen. Denn wenn Menschen nicht mehr arbeiten, verdienen sie auch kein Geld mehr und zahlen dementsprechend keine Steuern. Uns fehlt damit das Geld, um uns Dinge zu kaufen, dem Staat fallen wiederum Steuereinnahmen weg, mit denen sie Dinge wie Schulen, Krankenversicherungen oder die Rente mitfinanzieren.

Experten machen sich deshalb seit einiger Zeit darüber Gedanken, wie wir dieses Problem in Zukunft lösen können. Die meisten Vorschläge zielen darauf ab, Steuereinnahmen von der Sozialversicherung zu entkoppeln. Das bedeutet, dass sowohl die Einnahmen der Bürger als auch die des Staates nicht mehr von unserer Arbeit abhängen. Ein Lösungsansatz ist das bedingungslose Grundeinkommen, ein anderer die Robotersteuer.

Die Idee der Robotersteuer ist nicht neu. Sie wurde in Deutschland und Österreich bereits in den 1970er und 1980er-Jahren als Maschinensteuer eingeführt. Dahinter steckte schon damals die Sorge, dass Computer sozialversicherte Arbeitsplätze ersetzen und Städten, Ländern sowie dem Bund wichtige Einnahmen fehlen würden.

Genau hier käme nach Meinung von Bill Gates die Robotersteuer ins Spiel. Der Staat könnte die fehlenden Einnahmen darüber ausgleichen und wir hätten mehr Zeit, um uns auf die Jobs zu konzentrieren, die uns Spaß machen und bei denen Menschen Robotern (noch) überlegen sind, wie etwa soziale Arbeit mit älteren Menschen oder Kindern.

Robotersteuer könnte Innovationen verhindern

Das klingt alles sehr gut – doch wie genau stellt Bill Gates sich das in der Praxis vor? Gates geht natürlich nicht davon aus, dass ein Roboter seine Steuererklärung abgibt. Vielmehr möchte er den Einsatz von Roboterarbeit besteuern. Wenn also ein Unternehmen fünf Roboter einsetzt, soll pro Roboter ein fixer Steuersatz bezahlt werden. Damit wäre die Robotersteuer keine Einkommenssteuer, sondern eher so etwas wie eine Kapitalsteuer.

Einige Wirtschaftsexperten finden die Idee gut. So glaubt Malcolm James, Finanzfachmann und Dozent an der britischen Cardiff Metropolitan University, dass das aktuelle Steuersystem nicht fair sei. Im Moment sei es so, dass die Kapitalsteuer für Unternehmen niedrig gehalten werde, um Investitionen, Innovationen und Unternehmensgründungen zu fördern. James rechnet vor, wie im Vereinigten Königreich die Unternehmenssteuer von 52 Prozent im Jahr 1981 auf aktuell 20 Prozent gefallen. Bis 2020 soll sie auf 17 Prozent sinken. Gleichzeitig zahlen Arbeitnehmer immer mehr Steuerbeiträge, in Form von Einkommenssteuer oder Mehrwertsteuer. Ihr Steuerbeitrag liege aktuell bei 20 Prozent. Eine Robotersteuer könnte dieses Ungleichgewicht ausgleichen, sagt James.

Oliver Bendel, Professor für Wirtschaftsinformatik an der Hochschule für Wirtschaft der Fachhochschule Nordwestschweiz, sieht dies skeptisch. Zwar begrüßt Bendel die Diskussion um die Robotersteuer, für ihn überwiegen aber die Nachteile einer solchen Steuer, sagt er gegenüber den Netzpiloten. Er glaubt, dass eine solche Robotersteuer gerade den Unternehmen schaden könnte, die Innovationen vorantreiben.

Was ist der Stundenlohn für einen Algorithmus?

Darüber hinaus sei es sehr schwierig, in der Praxis eine einheitliche Steuer für Roboter festzusetzen, sagt Bendel: „In der Tat stellen sich mehrere Probleme bei einer solchen Steuer. Zum Beispiel: Was ist der fiktive Stundenlohn eines Roboters, von dem man ausgehen kann? Verdienen Industrieroboter unterschiedlich viel, je nach Qualifikation oder Spezialisierung? Um welche Roboter geht es überhaupt, nur um Industrieroboter oder auch um Serviceroboter? Nur um Hardwareroboter oder auch um Softwareroboter?

Auch gibt es nach Ansicht von Bendel viele Bereiche, in denen die Arbeit von Menschen und Robotern ineinander übergehen. Wo setzt man dort die Grenze?

Eine Möglichkeit könnte tatsächlich sein, den „Stundenlohn“ eines Roboters auszurechnen und dann so wie ein reales Einkommen zu besteuern. Doch auch das klingt einfacher als es in Wirklichkeit ist, gibt Bendel zu bedenken. Denn zunächst müsste man klären, was ein Roboter oder ein Robotereinsatz eigentlich ist: „Man könnte zum Beispiel beim Kauf eines Industrieroboters ansetzen, beim Einsatz in der Produktion oder ähnliches. Grundsätzlich stellt sich aber die Frage: Gibt es eindeutig identifizierbare Einheiten? Nicht in jedem Fall. Und was ist, wenn der Roboter nicht gekauft oder selbst entwickelt, sondern geleast ist?

Doch nur weil es viele ungeklärte Fragen gibt, heißt es nicht, dass man nicht über das Thema diskutieren und Antworten finden kann. Genau das ist es wahrscheinlich auch, was Bill Gates mit seinem Vorschlag erreichen wollte. Er scheint sich zumindest keine Gedanken über die konkrete Umsetzung seiner Robotersteuer zu machen: „Ich glaube nicht, dass die Roboter ausflippen werden, wenn es eine Steuer geben wird. Das ist schon okay.“


Andrey Popov / adobe.stock.com


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Marinela Potor

Marinela Potor

begann ihren journalistischen Werdegang bei kleinen Lokalzeitungen und arbeitete dann während ihres Studiums als Reporterin für den Universitätsradiosender. Ihr Volontariat machte sie bei Radio Jade in Wilhelmshaven. Seit 2010 hat sie ihren Rucksack gepackt und bereist seitdem rastlos die Welt – und berichtet als freie Journalistin darüber. Über alle „inoffiziellen“ Geschichten schreibt sie in ihrem eigenen Blog fest. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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