All posts under republica

Nach dem Cebit-Debakel eine deutschlandweit wirksame Plattform für die digitale Gesellschaft schaffen

Folgt man den Recherchen der Wirtschaftswoche, wirkt die Beerdigung der einst größten Computermesse Cebit „wie Selbstmord aus Angst vor dem Tod“. Und das Ende kam überraschend. In meinen Analysen aus den vergangenen Jahren kritisierte ich den Niedergang dieser einst so wegweisenden Veranstaltung als Vertriebsspektakel auf dem Niveau von IT-Heizdeckenverkäufern. Da wurden Prozesse optimiert, CRM-Kanäle strukturiert, Effizienzpotenziale aufpoliert und die IT-Sicherheit fokussiert. Immer stand der Kunde im Mittelpunkt als König, Kaiser oder Papst. Am Ende des Messetages wurden dann noch die Lead-Champions in Corporate-wir-sind-die-Größten-Songs abgefeiert, um danach dem Fachpublikum wieder dümmliche IT-Weisheiten aus den 1990er Jahren an den Kopf zu feuern. Alles natürlich in disruptiv-digital-transformatischer Verpackung, schließlich sah man sich als Avantgarde der kommenden Gigabit-Gesellschaft. Durch den schleppenden Breitbandausbau, wird diese allerdings erst in einigen hundert Jahren zum Vorschein kommen.

Die peinliche Absage der Cebit

So habe ich das in meiner Kolumne skizziert und gefordert, dass die Cebit bunter, offener, kontroverser und digitaler werden muss – ohne IT-Prozess-Schwafelei. In diesem Jahr beim Cebit Business-Festival sah man einen radikalen Wechsel in die richtige Richtung. Jetzt den Stecker zu ziehen, ist peinlich und falsch. Oder in den Worten von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier: „Wo wir überall reden über die größte Herausforderung unserer Generation wäre es eine Dummheit sondergleichen, wenn wir die Cebit nicht bewahren.“ Die Dummheit ist nun Realität geworden. Die niedersächsische Landesregierung, die Bundesregierung und auch Spitzenverbände wie Bitkom sollten sich fragen, ob das Ziehen des Steckers nicht einer falschen und alten Messelogik entspricht.

Kassensturz-Logik nach Kennzahlen des 20. Jahrhunderts

Das Geld würde die Messegesellschaft nur in der Fläche verdienen und da verzeichneten die Macher erhebliche Rückgänge, die das Gesamtprojekt deutlich ins Minus gezogen hätten. Selbst für 2020 gab es keine Perspektive mehr, um die Schieflache zu beseitigen. Das wäre nur durch erheblichen Flächenzuwachs gelungen. Beton und Fläche sind wichtiger als eine durchdachte Strategie für die Positionierung von Digitalthemen. Hausgemachte und künstlich geschaffene Probleme nach dem Diktat des Controllings. Kennzahlen, die ein Fossil aus dem 20. Jahrhundert sind. Nach dieser Kassensturz-Logik würde es Firmen wie Amazon gar nicht geben, kontert Winfried Felser von der Diskussionsplattform Next Act: „Hier sind an einem Tag immaterielle Werte zerstört worden. Ein schmerzlicher Imageverlust für die Digitalisierung.

Verheerender Imageschaden

Für Andreas Gebhard, Mitgründer und Geschäftsführer der Digitalkonferenz re:publica sind die Folgen höchst unangenehm. „Die Absage schadet der Veranstaltungsbranche. Wer soll denn Verlautbarungen von Events noch glauben schenken? Zur Erinnerung: Nach der Cebit 2018 haben sich deren Sprecher mit Erfolgsmeldungen übertroffen. Alle Ziele seien erreicht worden. Und jetzt folgt die Absage. Das ist nicht glaubwürdig“, kritisiert Gebhard im Gespräch mit dem CIO-Kurator Stefan Pfeiffer und dem Autor der Notizamt-Kolumne.

Für alle Beteiligten fühle sich das komisch an. So auch für die Aussteller und Partner, die wohl erst aus der Presse von der Hauruck-Aktion erfahren haben.

„In den vergangenen Jahren gab es auf der Cebit ständige Kurswechsel und Experimente, die aber nie selbstkritisch hinterfragt wurden. Zumindest nicht öffentlich. Man saß auf einem hohen Roß. Neuerungen, die in einem Jahr ganz großartig präsentiert wurden, verschwanden in den Folgejahren in der hintersten Ecke einer Halle. Man hat nie Rückgrat bewiesen, ein Scheitern einzugestehen.“ Da werde halt im stillen Kämmerlein entschieden. Keine Transparenz, keine Kultur der Beteiligung, keine Weisheit der Vielen. „Irgendwann geht die Glaubwürdigkeit verloren und Aussteller sowie Besucher bleiben aus“, moniert Gebhard.

Cebit als Wirtschaftsdrama

Wenn man ein Wirtschaftsdrama auf die Bühne bringen wolle, könnte man Versatzstücke aus dem Niedergang der Cebit verwenden. „Man hat die digitale Transformation der kompletten Messe schlichtweg verschlafen. Es dominierte bis zuletzt eine Prospektsammel-Mentalität“, sagt Pfeiffer. Und die Ausreden am Ende kommen halt aus der klassischen Form der weltweit führenden Unternehmenskommunikation. PR-Wortschwall, wie die bizarre Formulierung von neuen spitzen Fachmessen für die digitale Wirtschaft. „Das ist Satire“, bemerkt Gebhard.

re:publica statt Cebit?

Die re:publica kann die Cebit nicht ersetzen. Aber sie ist durchaus geeignet, die digitale Agenda für unterschiedliche Akteure aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft erlebbar zu machen.

„Wir bringen die Leute aus unterschiedlichen Sektoren zusammen, diskutieren über Politik-, Wirtschafts- und Wissenschaftsthemen. Wir zeigen, wie Innovationen entstehen, und fragen, wie sich das alles auf die Gesellschaft auswirkt. Wir probieren neue Formate wie das Netzfest aus, um nicht nur mit Fachleuten ins Gespräch zu kommen, sondern alle gesellschaftlichen Gruppen zu erreichen“, so Gebhard. Und das würde auch der Cebit-Klientel guttun.

Das Areal am Gleisdreieck ist erweiterbar. Man kann vieles an den Kernbestand der re:publica-Konferenz koppeln – vor, während und nach der dreitägigen Hauptveranstaltung, die jedes Jahr Anfang Mai über die Bühne geht. Der scheidende Cebit-Vorstand Oliver Frese wollte ein Business-Festival mit mehr Musik, mehr guter Laune schaffen – weniger Schlipsträger-Messe. „Ein Viertel unserer Besucher waren in diesem Jahr Frauen“, sagte Frese im FAZ-Gespräch vor ein paar Wochen. Das zum Beispiel sei in der männerdominierten Technikbranche ein großer Erfolg. „Denn in den Vorjahren sind es vielleicht 15 bis 18 Prozent Frauen gewesen.“, sagt Frese.

Außerdem sei das Durchschnittsalter der Besucher deutlich gesunken, auf rund 35 Jahre von zuvor deutlich über 40 Jahren. All das kann die re:publica schon lange vorweisen. Bei den erfolgreich eingereichten Sessions lag der Frauenanteil diesmal bei 50 Prozent. Davon können andere Events nur träumen. Bauen wir doch die re:publica zur deutschlandweiten Dialogplattform für die digitale Gesellschaft aus – in allen Facetten und mit zentralen und dezentralen Dialogformaten.

Weiterlesen »

FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
  • KÜNSTLICHE INTELLIGENZ sueddeutsche: Vom Computer geoutet: Es gibt ja immer wieder Situationen im Internet, in denen das Hirn nicht mehr ganz mit dem Auge mitkommt. Da liest man etwas nur so halb, und wenn der Artikel, um den es geht, schon fast wieder am oberen Bildschirmrand verschwunden ist, stellen sich Fragen nach der Tragweite. „Deep neural networks are more accurate than humans at detecting sexual orientation from facial images“ lautete so eine Überschrift vor Kurzem auf dem Open-Source-Wissenschaftsportal „osf.io“. Eine künstliche Intelligenz, so die Autoren der Studie, sei also präziser darin, die sexuellen Neigungen von Menschen zu erkennen als deren Artgenossen. Die Software könne anhand eines Porträts in 81 Prozent der Fälle richtig einschätzen, ob ein Mann homosexuell ist oder nicht. Bei Frauen liege die Trefferquote immerhin noch bei 74 Prozent. Wenn mehrere Bilder der gleichen Person analysiert werden, steigen diese Zahlen sogar noch um ein Zehntel. Damit wäre der Rechner gegenüber einer menschlichen Kontrollgruppe, der die gleichen Fotos vorgelegt wurden um beinahe 40 Prozent präziser. Geoutet vom Computer.

  • GOOGLE googleblog: Ein Feed, der zu euch passt:Wir alle haben Gemeinsamkeiten, doch keiner von uns hat haargenau die gleichen Leidenschaften, Interessen und Ziele. Wir halten uns auf unterschiedliche Weise über Dinge auf dem Laufenden – über Social Media, Apps oder Gespräche mit Freunden. Es ist jedoch schwierig, einen Ort zu finden, an dem man immer die neuesten Informationen zu dem findet, was einem wirklich am Herzen liegt. Das ändert sich nun. Ab heute starten wir einen neuen Feed in der Google App. Dieser macht es euch einfacher als je zuvor, euch über die Themen, die euch wichtig sind, zu informieren – ohne, dass ihr jedes Mal einen passenden Suchbegriff eingeben müsst. Ganz gleich, ob ihr ein Tiernarr seid, gerne Nietzsche lest, Sportfanatiker seid, auf Hiphop steht oder euer eigenes Bier brauen möchtet: Euer Feed sollte zu euren ganz persönlichen Vorlieben und Interessen passen.

  • STARTUP gruenderszene: Worauf Gründer bei Acqui-Hires achten müssen: Acquisition und Hiring in einem Vorgang, also ein sogenanntes Acqui-Hire, ist die gezielte Übernahme von Mitarbeitern eines Startups, um diese im eigenen Unternehmen anzustellen. Das ist an sich nicht neu. Doch da technisches Know-how für die Digitalisierung größerer Unternehmen immer wichtiger wird, rückt der einzelne Mitarbeiter als wesentlicher Faktor in den Vordergrund – und damit auch Acqui-Hires.

  • APPLE heise: Apple-Event: iOS-11-Leak soll Hinweis auf iPhone X geben: Am Dienstag stellt Apple neue iPhones vor, und die Gerüchteküche brodelt vorab wieder mächtig. Jetzt haben einige Nutzer bereits den angeblichen finalen OS 11 GM (Golden Master) in die Hand bekommen. Darin finden sich der Mac-News-Seite 9to5Mac zufolge allerlei Hinweise auf die neuen iPhones und auf eine neue Apple Watch. Demnach soll sich das neue iPhone wie vermutet per Gesichtserkennung entsperren lassen, der neuen Firmware zufolge heißt das Feature wie erwartet „Face ID“. Ein Tutorial-Video fordert den Nutzer dazu auf, seinen Kopf vor dem Smartphone in alle Richtungen zu drehen.

  • RE:PUBLICA wdr.de: #rpDUB: Die Highlights der re:publica in Dublin: Leere Sessel? So würde es auf der re:publica in Berlin nie aussehen. Doch auch die zweite Ausgabe der Konferenz in Dublin ist eine völlig andere Hausnummer als die Mutterkonferenz. Oder wie re:publica-Chef Andreas Gebhard es zur Closing Session in Dublin formuliert hat: „Menschen erzählen mir, dass sie an dieser Veranstaltung schätzen, dass es privater ist, dass es kleiner ist. Das stimmt. Es ist eben ein leicht anderes Format.“

Weiterlesen »

Digitale Akademie des geselligen Diskurses – Störenfriede statt Studiengebühren

Image (adapted) (Image by Redd Angelo) (CC0 Public Domain) via Unsplash

Das Notiz-Amt wollte an dieser Stelle eigentlich auf die vorzüglichen Gedanken des rebellischen Geistes Stefan Holtel und seinen Überlegungen zu den Untiefen der Gläubigkeit an die Heilsversprechen der Künstlichen Intelligenz eingehen. Kann KI irgendetwas besser machen, was Software bislang noch nicht konnte, fragt sich Holtel. Das ist natürlich Unsinn. „Nicht die Algorithmen werden in der KI zu vielen Problemen führen, sondern die Vorurteile, die in den Daten stecken.“ Also Vorurteile, die wir alle in die Daten stecken.

Wenn auf dieser Basis die KI-Systeme ihre unermüdliche Arbeit aufnehmen und Entscheidungen vorbereiten oder sogar selbst treffen, kommt ziemlicher Mist dabei heraus. Kunden, die keinen Kredit mehr bekommen, Versicherte, die Prämienerhöhungen hinnehmen müssen oder gar Netzaktivisten, die als potenzielle Störenfriede der Gesellschaft aussortiert werden. Fast alle Daten, die von Black Box-Maschinen verarbeitet werden, sind von Menschen annotiert worden. „Wir reichern vermeintlich objektive Daten mit unseren Weltmodellen an. Das wird von keinem Algorithmus hinterfragt“, so Holtel im Vorgespräch zu seiner Session auf der re:publica in Berlin beim HR-Festival in der Watson Work Lounge.

Streiten wir über Hausmeister-Maschinen

Konsequenz: Es fällt uns immer schwerer, die Richtigkeit von Datenberechnungen zu erkennen. Das Ganze ist sogar ein paradiesisches Feld für Trickser, Agitatoren, Autokraten und Machtgierige, sich hinter den Ergebnissen der KI-Maschine zu verstecken und die schmutzigen Entscheidungen auf die Algorithmen zu schieben. Etwa beim Scoring aller Bürgerinnen und Bürger in China. Die Führung der Kommunistischen Partei in Peking installiert „korrekte“ Maschinen als Hausmeister für politische Hygiene ein. Sozusagen eine Beseelung von toten Apparaten: KI-Maschinen sind wie wir, nur perfekter und unfehlbarer. Der manipulierende Maschinist bleibt dabei unerkannt. Die Drecksarbeit übernehmen Algorithmen – vergleichbar mit der unsauberen Arbeit von Consulting-Firmen, die als Alibi für den Rausschmiss von Mitarbeitern in Unternehmen engagiert werden.

„Wir müssen unser Konzept von Vertrauen in Maschinen überdenken und neu bewerten. Das ist keine technische Frage, sondern eine techniksoziologische und gesellschaftliche, die keine objektive Antwort haben wird, sondern in einem normativen Diskurs entwickelt werden muss.“ Sonst entsteht so eine Art Maschinen-Paternalismus. Vergleichbar mit der Einführung der Tabellen-Kalkulation. „Wie haben uns den Ergebnissen ausgeliefert, die von Excel und Co. ausgespuckt werden. Dabei gibt es eine Vielzahl von Studien, die die Fehlerhaftigkeit von Excel-Tabellen belegen. Wenn wir die einfache Konstruktion einer Tabelle schon nicht verstehen oder kritiklos darauf reagieren, werden wir erst recht nicht verstehen, was in der Interaktion mit Algorithmen abgeht“, mahnt Holtel.

Das berühmteste Beispiel ist das Excel-Chaos der Harvard-Ökonomen Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff, die ein Optimum für die Höhe von Staatsschulden als finanzpolitischen Leitfaden den Staatsregierungen ins Ohr gemauschelt haben. Es sei ein großer Fehler, den Maschinen Fähigkeiten wie Rationalität und Unfehlbarkeit zuzuschreiben, bemerkt Holtel: „Das speist sich aus unseren täglichen Erfahrungen. Niemand rechnet Excel-Tabellen nach. 2007 gab es im Intel-Prozessor einen Hardware-Fehler, der dazu führte, dass Excel falsch rechnete. Es gibt diese systemischen Fehler sehr häufig, aber Menschen sind kaum in der Lage, diese Risiken einzuschätzen.“

Kritischer Diskurs über Künstliche Intelligenz

Der Diskurs über Künstliche Intelligenz müsse differenzierter geführt werden. „Wir sollten durch Aufklärung oder Machteliten-Hacking Verantwortung übernehmen, um diesen Diskurs adäquat zu begleiten“, resümiert Holtel. Und da sind wir direkt beim zweiten Thema, dass nahtlos an die Notwendigkeit von offenen, kontroversen und anschlussfähigen Diskursen anknüpft: Der Rolle der Hochschulen. Kann eine Ökonomisierung den akademischen Betrieb über Studiengebühren beflügeln? Dazu gab es eine ausgiebige Disputation auf Twitter, die ich hier nicht wiederholen möchte.

Studiengebühren
Screenshot by Gunnar Sohn

Disputationsgeist oder Verarmung des Denkens mit Studiengebühren?

Wollen wir wirklich einen universitären Verwaltungsmoloch weiter füttern mit dem Geld von Studierenden, bei dem es um dümmliche Ranglisten und eine Verarmung des Denkens mit Kennzahlen geht? Wie kümmerlich. Als Sekretär des Notiz-Amtes gründe ich als Gegenentwurf heute die „Digitale Thomasius-Akademie für Wissenschaft und Geselligkeit“.

Warum gerade Thomasius? Weil Christian Thomasius Ende des 17. Jahrhunderts die Universität als politisches Experiment vorantrieb. Ja, als politisches Experiment und nicht als Effizienz-Anstalt für die Sammlung von Schleimpunkten – Gebührenfinanzierung hin oder her. Man sollte schlechten Institutionen nicht noch Geld hinterher schmeißen. Durchbrechen wir mit Studiengebühren den bildungspolitischen Teufelskreis, der da heißt: „Herkunft gleich Zukunft“? Untermauern wir nicht den pseudo-elitären Zirkel, wo Müller den Müllerchen nachzieht und akademische Klone in Führungspositionen gelangen – also eine ständische Gemeinschaft, die sich abschottet und gegenseitig Pöstchen zuschiebt?

Digitale Thomasius-Akademie für Wissenschaft und Geselligkeit

Wer über die nötige Finanzzufuhr über Papi und Mami verfügt, soll ruhig ordentlich zur Kasse gebeten werden und an den Lemuren-Anstalten den Kadettengehorsam der Lehrpläne an „Elite-Unis“ aufsaugen. Malen nach Zahlen im Hochschulkostüm. Wer sich der geselligen Disputation an der Digitalen Thomasius-Akademie hingibt, bekommt die universal ausgerichteten Sessions kostenlos. Schließlich unterrichtete Thomasius arme Studenten umsonst – das galt auch für die Nutzung seiner Bibliothek. Die 1694 eingeweihte Universität Halle testete die Innovationsbereitschaft der Gelehrtenrepublik mit der Berufung des Versuchsleiters Thomasius: ein Philosoph, Zeitschriftenmacher und Ratgeber des galanten Lebens.

Akademische Krawalle vonnöten

Seinen Weg dorthin bahnte sich Thomasius mit einer Serie von akademischen Krawallen. Sein politisches Universitätskonzept beruhte auf Weltläufigkeit, Klugheit und Erfahrungsnähe, es sollte die Urteils- und Kritikfähigkeit der Studierenden fördern und Barrieren für den Zugang zu brauchbarem Wissen aus dem Weg räumen. Nachzulesen in dem Opus von Steffen Martus „Auflkärung“, erschienen im Rowohlt-Verlag. Überlieferungen und Traditionen schob er beiseite und empfahl seinen Studenten ein entspanntes Verhältnis gegenüber Wandel und Neuerung. Er inszenierte sich als akademischer Störenfried.

„Thomasius schlug ungewöhnliche Wege ein, um seine Gegner zu düpieren. Einer davon führte ihn zum Bündnis von Universität und Medienbetrieb. Er begann mit einer Zeitschrift, einer damals sehr frischen, wenig etablierten Gattung, in der seine Lieblingsideen noch einmal auftauchten, nun aber so vermengt und so unterhaltsam aufbereitet, dass sie ein breiteres Publikum ansprachen“, schreibt Martus und erwähnt die damalige Publikation mit Kultstatus: die Monatsgespräche – Scherz- und Ernsthafte Vernünftige und Einfältige Gedanken über allerhand Lustige und nützliche Bücher und Fragen. Eine Mischung aus Information und Pöbelei, aus Satire und anspruchsvoller Kritik, die nicht nur unterhaltsam, „sondern noch dazu erfolgreich war“, so Martus.

Social Web im 17. Jahrhundert ohne AGB-Diktatur

Greift man zur Schrift „Das Archiv der Klugheit“ von Leander Scholz, erfährt man noch mehr über Thomasius als Wegbereiter des Social Webs mit analogen Mitteln ohne AGB-Diktatur von Google und Co. Der Einzelne sollte durch die Bemächtigung von praxiologischem Wissen unhintergehbar werden. Sein Augenmerk richtete Thomasius stets auf die Medienrevolutionen, die zu einer Zäsur im Archiv des Wissens führen. „Das Kommunikationsmodell, mit dem er auf die erhöhte Datenmenge im Schriftraum reagiert, ist das des Marktplatzes mit der philosophischen Idealfigur Sokrates“, führt Scholz aus. In seiner Klugheitslehre wollte Thomasius den Wissensempfänger direkt zum Wissensvermittler machen, denn die Wissensproduktion findet mit dem Verlassen des universitären Bereichs vor allem in der täglichen Konversation statt. „Die Demokratisierung des Wissens und der Informationssysteme waren für Thomasius unabdingbare Voraussetzungen für eine demokratische Gesellschaft“, erläutert Scholz. Im Vordergrund seiner Theorie des Denkens stand nicht die Bewältigung eines heterogenen Stoffs nach dem Bulimie-Prinzip (reinschaufeln – auskotzen), sondern die Navigation in der Unübersichtlichkeit von Welt. So lasset uns disputieren in der Digitalen Thomasius-Akademie über diskriminierende Hausmeister-Maschinen, ausgrenzende Studiengebühren, die Neuerfindung einer politischen Universität, über Zukunftsszenarien, Utopien und das Leben. Mäzene wären dabei nicht schlecht – und die hatte Thomasius auch.

Am Donnerstagabend gibt es das erste Thomasius-Seminar als rebellische Formation. Gespräch über Ethik und Bildung jenseits der Stoff-Bulimie.


Image (adapted) by Redd Angelo (CC0 Public Domain)


Weiterlesen »

Gallup: Wie Führungskräfte ihre Mitarbeiter zur inneren Kündigung treiben

Image (adapted) (Image by energepic)[CC0 1.0] via Pexels

Kommunikation in Unternehmen besteht oft nur noch aus positiven Phrasen. Wenn Mitarbeiter dann zynisch werden, ist es meistens schon zu spät. Das gilt auch für viele Social Media-Berater: Sie predigen Wasser und saufen Wein. Sie sind im Ego-Shooter-Modus unterwegs und pflegen die Clickbaiting-Kunst. Die selbsternannten Gurus propagieren eine Kultur des Teilens und sind selbst mehr als geizig beim Verschenken von Aufmerksamkeit und Link-Autorität. Sie fordern Dialogbereitschaft, turnen aber nur im Sender-Modus durchs Netz. Nur die Maschine der Selbstvermarktung läuft auf Hochtouren.

Lächerliche Kommunikation

In der externen und internen Unternehmenskommunikation glänzen diese Protagonisten mit einem Stakkato aus positiven Floskeln. Das wirkt nicht nur extern lächerlich, sondern auch intern:„Das kann so mit der Realität einer Organisation nicht übereinstimmen. Keine Organisation der Welt ist nur positiv. Deshalb entsteht ein riesiger grauer oder gar schwarzer Bereich an nicht formulierten Negativeindrücken. Und die braucht ein Ventil und das ist der Zynismus“, so der Soziologe Dirk Baecker. Zynismus sei eine Form der extrem intelligenten Beobachtung. Der zynische Kommentar ist in der Regel der letzte Kommentar zu einem Sachverhalt. Vorher schaltet man in den Modus „Dienst nach Vorschrift“ oder reagiert mit innerer Kündigung, was nach Analysen von Gallup bei 85 Prozent der Beschäftigten der Fall ist. „Der Zynismus ist die Form der Rede und die innere Kündigung ist die Form des Handelns“, konstatiert Baecker.

Und das hat viel mit den Vorgesetzten zu tun. „Die Arbeitszufriedenheit in Deutschland hängt sehr stark von Führungsqualitäten ab“, so Gallup-Studienleiter Marco Nink in einer Session auf der re:publica in der Watson Work Lounge von IBM.

Gallup: Wo bleiben die emotionalen Bedürfnisse der Mitarbeiter?

Wie werden die emotionalen Bedürfnisse der Beschäftigten am Arbeitsplatz berücksichtigt? Da sieht es düster aus. „Ist da jemand, der sich für mich als Mensch interessiert? Bin ich nicht nur ein Rädchen im Getriebe oder werde ich wirklich als Individuum behandelt? Die jährliche Engagement-Studie von Gallup fördert in den vergangenen 16 Jahren ein sehr drastisches Bild zutage. Den wenigsten Führungskräften gelingt es, diese Bedürfnisse zu adressieren“, erläutert Nink. Die große Masse der Beschäftigten macht deshalb Dienst nach Vorschrift. „Das ist keine Frage der Einstellung auf Seiten der Mitarbeiter, sondern eine Frage der Mitarbeiterführung“, betont Nink. Was läuft also falsch in unserem Land, wo wir doch seit Ewigkeiten über New Work, Motivation, flache Hierarchien, Mitbestimmung, 360-Grad-Beurteilungen, rote und blaue Felder in Organisationen, kybernetische Steuerungsmethoden und Motivationsmethoden sinnieren?

97 Prozent der Führungskräfte finden sich toll

„Es beginnt beim Fremdbild und Selbstbild der Führungskräfte. Wir haben in der letzten Untersuchung gefragt, wie sich Führungskräfte einschätzen. Nahezu alle, also 97 Prozent haben uns gesagt, sie halten sich für eine gute Führungskraft. Wenn man das Fremdbild dagegen setzt, passt das überhaupt nicht zur Realität. Sieben von zehn Beschäftigten geben zu Protokoll, in ihrer beruflichen Karriere auf schlechte Führungskräfte gestoßen zu sein. Ein Fünftel denkt zur Zeit darüber nach, wegen des direkten Vorgesetzten das Unternehmen zu verlassen“, sagt der Gallup-Forscher.

Humankapital als Kostenfaktor

Es reicht wohl nicht aus, in hübschen Schaubildern und abstrakten Abhandlungen über die Veränderungen der Organisation zu fabulieren. Man muss grundlegender denken. Was macht gute Führung aus? Fast alle Vorgesetzten sind nach Erfahrungen von Nink fachlich hervorragend ausgebildet. Im Tagesgeschäft reicht das nicht aus. In MBA-Programmen, in der BWL oder in Business-Schools geht es in erster Linie um Kennzahlen, das Verwalten und um „Humankapital“ als Kostenfaktor. Der menschliche Umgang mit Mitarbeitern steht nicht auf der Agenda. „Wir müssen die Ausbildung verändern und die Beförderungslogik in Unternehmen durchbrechen. In Deutschland macht jemand Karriere, wenn er lange dabei ist oder etwas besonders gut in seinen fachlichen Aufgaben kann. Das sind keine belastbaren Indikatoren. In vielen Fällen befördern Unternehmen ihre qualifizierten Mitarbeiter zu einer ganz schlechten Führungskraft“, kritisiert Nink in Berlin.

Fehlanzeige bei digitaler Medienkompetenz

Besonders mangelhaft seien die digitalen Medienkompetenzen. Es gehe nicht mehr nur um Face-To-Face-Gespräche, sondern auch um virtuelle Teams, um Interaktion und um Matrix-Organisationen. „Man schaut auf Kennzahlen und missachtet dabei die weichen Faktoren, was wiederum zu Lasten der Kennzahlen geht“, moniert Nink. Ein Teufelskreis, der den Druck im Unternehmen weiter erhöht. Dabei haben Teams mit emotionaler Bindung 50 Prozent weniger Fehlzeiten, weniger Fluktuation, weniger Arbeitsunfälle und weniger Schwund in der Produktion. Sie kommen auch bei Kundenbewertungen besser weg. Wer sich um die qualitativen Kriterien der Arbeit nicht kümmert, versagt auch bei den quantitativen Kriterien. So einfach ist das.

Seit einigen Wochen gibt es dazu einen sehr kritischen New Work-Diskurs: „Grundtenor der Diskussion ist, dass das, was ‚oberflächlich nach Emanzipation aussieht, in Wirklichkeit nichts anderes als ein Straffen der Fesseln’ sein könnte, wie es die englische Philosophin Nina Power in Bezug auf das Neue Arbeiten schrieb“, so die DigiTreff-Moderatorin Inga Ketels.

Das Notiz-Amt fürchtet, dass das recht idealistische New Work-Konzept in der Realität der Arbeitswelt letzten Endes nichts anderes sein könnte als digitale Käfighaltung mit einem scheinheiligen Anstrich von Wohlfühl-Maßnahmen.

Am Donnerstag werden wir das ab zirka 18 Uhr beim Bonner DigiTreff im Digital Hub besprechen. Mit Anwesenden nach dem Fishbowl-Prinzip und mit den Abwesenden über Facebook Live. Man hört, sieht und streamt sich.


Image (adapted) „pexels-photo-288477“ by energepic (CC0 Public Domain)


Weiterlesen »

FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
  • MICROSOFT techradar: Build 2017: Microsoft Build 2017: the biggest highlights and news: Auf ihrer größten Entwicklerkonferenz des Jahres stellt Microsoft Mitarbeitern und Anhängern neuste Technologien und Ideen vor – und die Entwickler haben große Ziele. Microsoft wird mehr in Cloud Systeme investieren, ebenso wie in KI-Entwicklung. Eine der ersten Ankündigungen aus der Eröffnungskeynote von CEO Satya Nadella: Windows 10 hat jetzt 500 Millionen Nutzer, das Cloud-basierte Office 365 Paket hat nun 100 Millionen. Ebenso angekündigt: Microsoft Cortana soll eine Konkurrenz für Amazons Alexa und Google Home werden. Weitere Zusammenfassungen und was wir noch erwarten können lesen Sie im Artikel.

  • FACEBOOK golem: Machine Learning: Facebook übersetzt schneller und besser als Google: Facebook stellt nun kurz nach Google eine neue Möglichkeit der maschinellen Übersetzung vor und übertrifft seinen Konkurrenten sowohl in Schnelligekeit und Variabilität. Und im Gegensatz zu Google ist Facebook offener mit dem Teilen seiner Entwicklercodes und Modelle – der Code sowie schon trainierte Modelle sind unter einer Open Source Lizenz frei verfügbar. Ob das Facebook Modell weiterhin mit Googles Übersetzungsprogramm mithalten kann werden zukünftige Analysen zeigen.

  • SNAPCHAT meedia: Snap-Bilanz: Die Snapchat-Mutter steigert ihre Umsätze im ersten Quartal um 286 Prozent, verliert aber 2,2 Milliarden Dollar:Im März feierte die Mutterfirma von Snapchat ihr Debüt an der Wall Street. Nun wurden die ersten Quartalszahlen bekannt – mit Milliarden Verlusten. Ist der Hype um die App doch vergänglicher als vorerst gedacht? Leichte Vorwürfe gab es gegenüber Facebook, die mit Konkurrenzprogrammen den Markt erschließen. Gerade erst hatte Snapchat sich diesen neuen Bedingungen angepasst und neue Funktionen eingeführt, die man auch bei der Konkurrzenz nutzen kann.

  • REPUBLICA t3n: So weiblich wie 2017 war die Republica noch nie: Die Republica 2017 ist vorbei und viele ziehen ihre ersten Fazite. Ein erneuter Besucherrekord und eine hohe Frauenquote tragen zu der sehr positiven Bilanz bei. Auch das Motto habe den Zeitgeist getroffen und habe Menschen aus der ganzen Welt erreicht. Neben dem netzpolitischen Dialog mit Bundesinnenminister Thomas de Maizière und Arbeitsministerin Andrea Nahles fehlte ausgerechnet der Internetminister Alexander Doberindt. Themen dieses Jahr waren neben der Hate Speech und Fake News Debatte auch KI, Algorithmen, Datenschutz und Virtuelle Realität.

  • SUPERCOMPUTER spiegel online: EU strebt bei Supercomputern in die erste Liga: Die derzeit schnellsten Rechner stehen in China und den USA. Europa kann momentan noch nicht mithalten und sind auf internationale Partner angewiesen. Die EU-Kommission möchte das jetzt ändern. Bis Ende des Jahres soll ein Vorschlag zum Aufbau dieser Hochleistungsrechenstruktur vorgelegt werden. Helfen können solche Supercomputer in der Effizienz von Strom und Wasserversorgung, Medizin oder der Vorhersagung von Erdbeben. Gleichzeitig mit den Plänen für einen neuen Supercomputer kündigte die EU-Kommission neue Initiativen zur Cybersicherheit an.

Weiterlesen »

FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
  • REPUBLICA heise: Social-Media-Kanäle der Öffentlich-Rechtlichen heftig umstritten: Heute ist der letzte Tag der re:publica in Berlin. Hans Demmel, Vorstand des Verbands Privater Rundfunk und Telemedien, äußerte auf der Media Convention große Vorwürfe den Öffentlich Rechtlichen Medien ARD und ZDF gegenüber. Mit ihren Angeboten auf Sozialen Medien wie Facebook und Twitter würden sie den amerikanischen Großkonzernen Gelder zuspielen. Auch aufgrund dieser Debatte befinden sich die öffentlich Rechtlichen jetzt erneut unter Legitimitätsdruck.

  • AMAZON golem: Amazon zeigt Alexa-Gerät mit Bildschirm und Kamera: Amazon hat jetzt den “Echo Show” vorgestellt. Die neue Version des Flagschiff-Geräts Echo mit der integrierten KI Alexa verfügt jetzt auch über Kamera und Display. Das Echo Show wird über einen 7-Zoll-Bildschirm und eine 5-Megapixel-Kamera verfügen. Wie auch der Vorgänger wird es per Sprachsteuerung über Alexa gesteuert und zeigt deren Antworten nun auch gleichzeitig auf dem Display. In den USA wird Echo Show gegen Ende Juni verfügbar sein, hierzulande muss man noch etwas länger warten.

  • GOOGLE spiegel online: Leistungsschutzrecht kommt vor EuGH: Der Streit zwischen Google und deutschen Verlegern geht jetzt vor den europäischen Gerichtshof. Das Gesetz dient dem Schutz verlegerischer Leistungen vor Zugriffen durch Suchmaschinen wie Google. Geklärt werden soll, ob die Bundesregierung die EU-Kommission über die Verabschiedung des Gesetzes hätte informieren müssen. Google betonte, dass sie mit den Verlegern zusammenarbeiten wollen und keinesfalls weitere juristische Auseinandersetzungen anstreben. Fraktionsabgeordnete im EU Parlament fordern jetzt unter anderem auch ein europaweites Leistungsschutzgesetz.

  • WINDOWS t3n: Update fixt „schlimme Code-Ausführungslücke“ in Windows: “This is crazy bad” verkündigte Tavis Ormandy, Mitglied von Googles Security-Spezialeinheit Project Zero, am Montag. Er und seine Kollegin Natalie Silanovich hatten eine dramatische Windows-Lücke, einen selbst verbreitenden Wurm, entdeckt. Schon in der Nacht zum Dienstag konnte diese, laut der Experten, schlimmste Code-Ausführungs-Lücke in Windows der letzten Zeit geschlossen werden. Abhilfe schafft ein simples Update.

  • FOODORA gründerszene: Foodora testet kleine Lieferroboter: Der Gastro-Lieferdienst Foodora testet jetzt die Lieferung mit Robotern in Hamburg. Bestellungen sollen mit den Robotern schneller zum Kunden kommen und mithilfe spezieller Isolierungen das Essen warm halten. Nur mithilfe eines Smartphones kann der Kunde den Frachtraum öffnen. Zurechtfinden sollen sich die Roboter mithilfe verschiedener Sensoren und durch ständige Überwachung durch die Zentrale. Diese Neuerung würde allerdings auch einen Rückgang der Fahrradkuriere bedeuten.

Weiterlesen »

FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
  • FACEBOOK businessinsider: Facebook wants to launch its big attack on TV next month – here’s what we know Facebook hat schon vor einer Weile angekündigt den Streaming-Platzhirschen Amazon Prime und Netflix Konkurrenz machen zu wollen. Im Juni soll nun das Projekt rund um eigens produzierte Serieninhalte starten. Derzeit sind rund zwei Dutzend Serien geplant. Facebook will damit einen weiteren Schritt in die Richtung gehen, um mehr Kontrolle über den Kontent auf der eigenen Plattform zu haben. Für den Angriff auf TV und Streaming-Konkurrenz hat sich Facebook im Dezember den Collegehumor-Mitgründer Ricky Van Veen an Bord geholt, der seitdem als strategischer Kreativdirektor fungiert.

  • APP spiegel: Wie Tellonym mit Mobbing kämpft Die Anonymität im Netz ist einer der größten Katalysatoren für Cyber-Mobbing und ein stets ernstzunehmendes Problem. Mit jedem Aufkommen von neuen Plattformen zur sozialen Interaktion, gibt es auch neue Möglichkeiten Hassbotschaften zu verbreiten. Die App „Tellonym“ gibt den Nutzern die Möglichkeit anonyme Nachrichten zu verschicken. Schon die Frage-und-Antwort-Plattform Ask.fm stand vor Jahren in der Kritik eine ideale Cybermobbing-Plattform zu sein. Auch Tellonym hat solches Potential, behauptet aber aktiv dagegen vorzugehen.

  • RE:PUBLICA zeit: Mit den Trollen tanzen: Die re:publica, die Konferenz rund um soziale Medien und die digitale Gesellschaft, steht in den Startlöchern! Rund 8.000 Menschen diskutieren ab heute bis Mittwoch über Digitalisierung und was sie mit uns macht. Die erste re:publica fand 2007 in der Kalkscheune neben dem Friedrichstadtpalast statt. Der Mann, an dem sich die Netzgemeinde in diesem Jahr inhaltlich abarbeiten wird, ist Donald Trump.

  • MESSAGING heise: Datenschutzbeauftragter warnt vor WhatsApp & Co. An Schulen: Messaging-Dienste wie WhatsApp, der Facebook Messenger, Telegram und Co. gehören zum Alltag dazu, so natürlich auch zu dem von deutschen Schülern. Der Datenschutzbeauftragte von Rheinland-Pfalz, Dieter Kugelmann, weist darauf hin, dass WhatsApp zu schulischen Zwecken tabu ist. Manch ein Lehrer sage, in einer WhatsApp-Gruppe könne er am einfachsten Hausaufgaben verteilen. Kugelmann sieht darin aber ein Risiko. Nach einem Beschluss des Verwaltungsgerichts Hamburg darf Facebook weiter keine Daten deutscher Nutzer von WhatsApp nutzen.

  • STROMNETZAUSBAU heise: Stromnetzausbau: weiter Rückstand bei Autobahnen: Jahrelang ging es beim Stromnetzausbau kaum voran. Jetzt nimmt der Ausbau langsam Fahrt auf. Die Bundesnetzagentur hofft, mit Erdkabeln langwierige juristische Streitigkeiten zu vermeiden. Der für die Energiewende dringend nötige Stromnetzausbau kommt nach jahrelangen Verzögerungen langsam in Gang. Es bleibt aber dabei, dass die drei großen neuen Nord-Süd-Stromautobahnen zur Versorgung Bayerns und Baden-Württembergs bis zur Abschaltung der letzten deutschen Atomkraftwerke 2022 noch nicht fertig sein werden.

Weiterlesen »

Netzpiloten sind Partner der re:publica in Dublin

In Dublin beginnt am 20. Oktober die diesjährige re:publica – Europas größte Konferenz zu den Themen digitale Gesellschaft und Internet. Auch in diesem Jahr gibt es wieder interessante Diskussionen und Vorträge, die sich dieses Mal vor allem mit Datenschutz, FinTech und Überwachung beschäftigen. Aber auch anschauliche Beispiele wie die Kult-App Pokemon Go wird bei dieser Konferenz nicht außer Acht gelassen, denn hier geht es nicht nur um den Spieletrend an sich, sondern auch um die rechtlichen Aspekte in Bezug auf die eigenen Daten. Hierzu wird Shermin Voshmgir, Gründerin des Berliner BlockchainHub, genauer darauf eingehen.

Neben einem vielfältigen Programm findet man viele weitere Speaker wie unter anderem Rachel O‘Dwyer und Prof. Peter Neumann, die zudem spannende Vorträge zu Themen wie Social Media und Terrorismus halten werden.

Wer also eine spannende Konferenz mit den interessantesten Themen rund um die digitale Gesellschaft nicht verpassen möchte, der sollte sich schnell noch Tickets für die re:publica am 20. Oktober in Irland besorgen.

Weiterlesen »

Journalismus im Netz: mit neuen Erklär-Formaten in alten Filterblasen

Explaining (adapted) (Image by Boris Baldinger [CC BY 2.0] via flickr)

Online-Medien haben im vergangenen Jahr verstärkt „Erklär-Formate“ auf ihre Seiten gebracht – seien es Hintergrundtexte mit lexikalischem Charakter oder bessere Infoboxen als interaktive Elemente, neben längst schon bestehenden Faktenchecks, Frage-Antwort-Texten und datenjournalistischen Elementen. Die neuen Erklär-Formate sollen Überblick schaffen und Diskurse strukturieren – und hängen zugleich zwischen Lesergruppen, die häufig entlang ihrer interessegesteuerten Filterblasen zersplittern. Was können Erklär-Formate leisten? Und wie können Filterblasen platzen, damit Diskurse breit wahrgenommen werden? Eine Suche nach Ideen und Antworten auf der re:publica.  

Old stuff in progress: Formate

„Leuchtturmprojekte funktionierten beim Journalismus im Netz bereits gut, mit großen Ressourcen und Teams,“ sagt Markus Horeld, stellvertretender Chefredakteur bei Zeit Online auf dem Panel „Wissensvermittlung im Netz – Was tun, wenn’s komplex wird?“ Im Alltag hapere es jedoch zuweilen an der Wissensvermittlung hinter dem täglichen Nachrichtenstrom. Dafür seien neue Erklär-Formate gut geeignet. Bei Zeit Online sind das textreduzierte Grafiken, das Format der so genannten „Karten“, sowie das ständig erweiterbare Format des Livedossier. Sie wurden im Herbst 2015 gestartet. Das „Livedossier“ werde fortlaufend aktualisiert, sagt Horeld, es solle Überblick geben und Ursachen einer Entwicklung darlegen, sei es zur Griechenland-Krise oder zum VW-Abgasskandal. Die minimalistisch gestalteten „Karten“ dagegen wirken wie Karteikärtchen, die mit wenig Text Zusammenhänge verdichten und zugleich in ihre Einzelteile zerlegen. Zeit Online ist mit solchen Ideen nicht allein. Auch Spiegel Online hat unter dem Titel „Endlich verständlich“ im vergangenen Jahr ein explizites Erklär-Format gestartet. Bei den Krautreportern findet sich das ebenso vielfach. Solche Texte heißen zum Beispiel „Die neuen Rechten, verständlich erklärt. Das Livedossier eigne sich allerdings nicht für alles, sagt Horeld. „Man stößt an seine Grenzen.“ Das habe die Berichterstattung über Flüchtlinge gezeigt, als sich die Situation im Herbst beinahe täglich anders darstellte. Horeld selbstkritisch: „Wir haben zu einer unübersichtlichen Lage ein unübersichtliches Livedossier gemacht.“ Horeld betont, solche Texte und Grafiken seien nicht für Nachrichtenjunkies gedacht, sondern für Leser, die vielleicht nur einmal die Woche oder noch seltener reinlesen. Erklär-Formate erscheinen damit als eine Möglichkeit, mit der Medien zu einem konkreten Thema (teils unter Vorbehalt) gesicherte Wissensstände zusammenfassen und dem Diskurs darüber eine Struktur geben, bevor sie ihn selbst wieder neu anreichern.

New stuff in progress: Gesetze des Mediums (aus)nutzen

Algorithmen bestimmen den Raum, in dem sich Information im Digitalen bewegt – und damit wie Diskurse im Netz wahrgenommen werden. Wie damit umzugehen ist, war Thema auf dem Panel Wider die Herrschaft der Algorithmen, auf dem Jonas Schlatterbeck, Social Media Manager beim Fernsehsender Arte, Prof. Gerd Gigerenzer, Direktor des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin, sowie die Medienwissenschaftler Dr. Juliane Jarke und Dr. Cornelius Puschmann diskutierten. Filterblasen über Priorisierungen bestimmter Inhalte im Newsfeed von sozialen Netzwerken oder personalisiert hochgespülte Suchergebnisse bei Google – was die Menschen erreicht, wird vielfach zum sich selbst verstärkenden um sich kreisenden Informationskosmos. Jarke mahnt: „So engt sich das Weltbild ein.“ Algorithmen arbeiten daran im Verborgenen mit. Die Konsequenz: Nicht mehr Journalisten, sondern Algorithmen seien der neue Gatekeeper in der Distribution von Inhalten im Netz, sagt Schlatterbeck. So wächst die Sehnsucht, ihnen ein Schnippchen zu schlagen.

Drei Beispiele:

  • Aufklärung über die Wirkmacht von Algorithmen: Schlatterbeck sieht dafür die Medien selbst in der Pflicht, indem auch sie sich der Algorithmen bedienten. Als Beispiel führt er eine Serie zum Thema „Tracken“ an, die sie im Social-Media-Team unter einer (thematisch völlig anderen) Überschrift nach dem aggressiven Clickbait-Muster von heftig.co verbreitet haben.
  • Austricksen von Algorithmen: Puschmann schlägt vor, „mehr Dadaismus in der Algorithmen-Welt“ zu wagen. Dafür könne man „sehr effektiv bestimmte Selektionskriterien nutzen“, sprich: durch bewusst erzeugtes Chaos die Filterblase aufbrechen und so den Zufall implementieren.
  • Springen zwischen Algorithmen: Jarke zeigt sich überzeugt, dass Änderungen am Algorithmus ganz bewusst im Sinne des Nutzers bis zu einem gewissen Grad auch von Plattform-Anbietern selbst zu erwarten seien, und zwar als Service-Design, sobald Wünsche der Nutzer einbezogen würden. Der Anfang sei mit bereits laufenden Debatten zu einem „Surprise-me-button“ gemacht – ob für Facebook oder andere Plattformen. Sprich: Gewissermaßen könnten so Sprünge zwischen verschiedenen Algorithmen ermöglicht werden.

Bildungsforscher Gigerenzer plädiert für bessere Förderung von Medienkompetenz, über den Umgang mit Algorithmen im Journalismus hinaus. Er gehört zu den neun Unterzeichnern eines Digitalmanifests, in dem die Experten vor „einer Aushöhlung der Demokratie durch Algorithmen“ warnen. Schlatterbeck – als Social-Media-Manager – plädiert für den Ausbruch aus der Filterblase auch übers Abschalten „als Teil einer Strategie“, etwa mit einem zusammengestellten „Medienmix“, der auch auf Print setzt. Weil das eher die Dichotomie von Print und Online neu betone, die man doch eigentlich als überwunden sehe, warb Puschmann dafür, das unbekannte und damit bedrohliche Wesen „Algorithmus“ besser zu verstehen – um es damit zu entzaubern.


Image (adapted) „Explaining“ by Boris Baldinger (CC BY 2.0)


Weiterlesen »

Wie brave Staatsbürger mit volkspädagogischen Algorithmen erzeugt werden

Algorithmus (Bild by geralt [CC0] via pixabay).jpg

Unser Denken ist gehackt. Das meinen zumindest die Programm-Gestalter der Media Convention, die auf der re:publica in Berlin eine Fachrunde zur vermeintlichen Herrschaft der Algorithmen auf die Beine stellten.

Suchmaschinen, Social Media und Big Data-Nudging: Algorithmen haben die Kontrolle über unseren Alltag übernommen. Durch selbstverstärkende Mechanismen versinken wir in der Einseitigkeit unserer Interessen und setzen uns freiwillig der Diktatur der Daten aus. Wir müssen reden. Wie sind wir zu Like-Maschinen geworden, die mediale Monotonie produzieren? Und viel wichtiger: Wie können wir die Kontrolle über den Diskurs wieder zurückholen – und Freiheit und Demokratie sichern?

Soweit der Anreißer, der auf der Bühne in Stage 5 mit Statistiken untermauert wurde. So ist angeblich zwei Dritteln der Facebook-Nutzer nicht bewusst, dass der Newsfeed auf der Zuckerberg-Plattform von Algorithmen gesteuert wird.

Mehr Kant, weniger Algorithmen

Professor Gerd Gigerenzer, Direktor des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin, rief in seinem Impulsvortrag die Netznutzer deshalb dazu auf, dem Credo des Philosophen Kant zu folgen: Aufklärung ist der Ausweg des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Und die Unmündigkeit besteht bei vielen Menschen darin, sich nicht seines eigenen Verstandes und Wollens zu bedienen. Gefordert sei eine aufklärerische Algorithmen-Kompetenz. Was die algorithmischen Variablen für Wirklichkeitsmanipulationen produzieren, bleibt in der Regel ein Geheimnis der mathematischen Konstrukteure. Dabei versagen die Systeme in schöner Regelmäßigkeit, wenn es um Vorhersagen geht. So ist der beliebteste Showcase, der von jedem Big Data-Heizdeckenverkäufer präsentiert wird, in sich zusammen gebrochen.

Google Flu Trends verschwinden von den Vortragsbühnen

Gigerenzer erwähnt die Google Flu Trends, die in den vergangenen Jahren dramatisch falsch lagen, weil die Suchabfragen keine eindeutigen Korrelationen mehr zuließen. Generell ist es eine Schwäche der Big Data-Algorithmen, reine Korrelationen zu rechnen und keine Kausalitäten. „Diese Systeme können nicht denken,“ so Gigerenzer. In Momenten, wo etwas Unerwartetes passiert, kommt es zu irreführenden Prognosen.

Besonders fragwürdig und gefährlich wertet Gigerenzer die das so genannte Big Nudging. Also eine Kombination von Big Data mit Nudging-Steuerung. Der Staat versucht, die Bürgerinnen und Bürger in die richtige Richtung zu lenken, ohne gesetzgeberische Hebel anzusetzen.

Die Regierungen in den USA und Großbritannien verfügen über Nudging-Teams, die täglich das volkspädagogische Steuerrad bewegen. Menschen seien einfach nicht in der Lage, Risiken richtig einzuschätzen, so dass sie ein wenig angestupst werden müssen.

Google und die KP-China

Der chinesische Staatsrat hat Nudging mit Big Data verbunden und einen harmlos klingenden „Social Citizens Score“ eingeführt, der über die kommunalen Regierungsvertreter flächendeckend zur Anwendung kommen soll. Basis für die Korrektheitsberechnung ist der Sesame Credit Score der Ant Financial Services Group, einer Tochtergesellschaft von Alibaba. Neben der finanziellen Kreditwürdigkeit kommen Variablen zur Berechnung der sozialen und politischen „Kreditwürdigkeit“ in den Algorithmus des Plattform-Betreibers rein. Die Kommunistische Partei China macht das sehr transparent, so dass jedem Schäfchen des Landes klar ist, was die Parteiführung von „ihrem“ Volk erwartet. Man kann in dem „moralischen“ Dokument der KP nachlesen, was zu einem schlechten Score-Wert führt. Ähnliches hat der ehemalige Google-Chef Eric Schmidt formuliert: „Wenn wir etwas tun, was andere nicht wissen sollten, dann sollten wir es besser nicht tun.“ Gigerenzer verortet erstaunliche Parallelen zwischen Google und der KP China.

Donald Trump-Katalysator

Man könnte auch von einem Maschinen-Paternalismus sprechen, der indirekt Konformität und vorauseilenden Gehorsam produziert. Die Paneldiskussion auf der re:publica flachte dann etwas ab und reduzierte die Problematik auf den Nachrichtenkonsum. Die Personalisierung von Feeds führe zu einem verengten Weltbild, objektive Wirklichkeitszugänge werden erschwert, die Wahrnehmung von Realität verändere sich, blablabla.

Nachrichtenselektion ist ein altes Thema und funktionierte in Zeiten der massenmedialen Gatekeeper perfekt. Gigerenzer selbst brachte dafür ein eindrückliches Beispiel. So investierte der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump lächerliche zehn Millionen Dollar für klassische Fernsehwerbung. Die freiwillige Sendezeit der TV-Anbieter brachte dem reaktionären Parolenschwinger einen Gegenwert von 1,9 Milliarden Dollar. Die TV-Filterblase ist wohl der wichtigste Katalysator für den Konkurrenten von Hillary Clinton. Die Pluralität der Quellen ist wichtig und dadaistische Algorithmen, die den paternalistischen Erziehungs-Algorithmen das Wasser abgraben.


Image (adapted) by geralt (CC0)


Weiterlesen »

Die neue Initiative „Algorithm Watch“

#rpTEN (adapted) (Image by republica [CC BY 2.0] via flickr)

Der Begriff „algorithmic decision making“ – kurz ADM – ist in vielen Unternehmen schon lange nicht mehr unbekannt. Unter ihm versteht man den Prozess der algorithmischen Entscheidungsfindung. Dieser wird beispielsweise bei selbstfahrenden Autos angewendet – oder, etwas alltagstauglicher, auch bei unseren Haushaltsgeräten. Methoden wie diese dienen in erster Linie für die Lösung von Problemen – allerdings können Algorithmen oftmals auch zu Problemen werden. Für die Sensibilisierung mit Algorithmen hat sich nun die technische Universität Kaiserslautern an einer neuen Initiative beteiligt: Algorithm Watch.

Um die Frage zu klären, wer sich eigentlich mit ADM auseinandersetzt, sie entwickelt, auf Fehler kontrolliert und welche Einflüsse diese auf unsere Gesellschaft haben, wurde die Initiative Algorithm Watch unter anderem von Prof. Dr. Katharina Zweig von der Technischen Universität Kaiserslautern ins Leben gerufen. Hier beschäftigen sich Informatiker, Journalisten und Sozialwissenschaftler mit den vielen Fragen, die ADM mit sich bringt.

Algorithm Watch ist eine Plattform, die zur Sensibilisierung für Nutzer im Bezug auf den Grundlagen der algorithmischen Entscheidungsfindungen dienen soll. Fallbeispiele, Dossiers und Blogbeiträge machen zudem deutlich, welche gesellschaftlichen Auswirkungen ADM haben können.

Die Plattform hat sich daher wichtige Ziele gesteckt. Objektive, technische Prozesse, die trotz allem aus Menschenhand stammen, sollen nachvollziehbar sein, um den genauen Blick darauf zu haben, ob diese Prozesse auch mit den Rechten von Bürgern und Bürgerinnen zu vereinen sind.

Außerdem sollen Technologien, die für die Gesellschaft äußerst wichtig und mit automatisierten Entscheidungen verbunden sind, genauer betrachtet werden.

Auf der diesjährigen Re:publica stellte Katharina Zweig die Plattform genauer vor.

Der Countdown läuft!


Image (adapted) „#rpTEN“ by republica (CC BY 2.0)


Weiterlesen »

Barrierefreiheit als Innovationsbeschleuniger für Technologien

republica 2013 Tag 1 (adapted) (Image by republica [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Innovation hat viele Antriebskräfte, auf der diesjährigen re:publica hat Tomas Caspers einen dieser Motoren näher vorgestellt, der wohl den wenigsten einfallen dürfte: Barrierefreiheit.

Angefangen mit der Schreibmaschine, über das Telefon und den Phonographen, sind viele Technologien, die wir heute als selbstverständlich erachten, für Menschen mit körperlichen Einschränkungen entwickelt worden. Diese Technologien sind stets schnell weiterentwickelt worden und schnell von allen Menschen genutzt. Dies sind aber nur einige Beispiele, wie die Suche nach barrierefreien Zugängen für alle Menschen immer wieder als Innovationsquelle für Erfinder fungierte.

In seiner Session auf der re:publica hat Tomas Caspers neben der geschichtlichen Entwicklung von Technologien für barrierefreie Nutzung auch gezeigt, wie viele Kernfunktionen aktueller technischer Geräte, wie zum Beispiel Smartphones, in der Barrierefreiheit ihren Ursprung haben – von On Screen-Tastaturen, über Zoom-Funktion, Sprachausgabe und -erkennung oder das Erscheinungsbild bis hin zur Größe der Icons, die auf dem Display zu sehen sind. Es geht also darum, einen einfach Zugang für alle Nutzer, egal ob mit oder ohne Behinderung, gleichermaßen zu gewähren.

Unter diesem Gesichtspunkt ist es auch für App- oder Webentwickler durchaus sinnvoll, aus diesem Bereich Inspiration für Aufbau und Design zu ziehen. Es geht nicht darum eine Webseite oder eine App speziell für ein Gerät mit einer bestimmten Displaygröße zu entwickeln, sondern vielmehr ist es erstrebenswert, ein Design zu schaffen, dass auf allen Geräten und Display-Größen gleichermaßen angezeigt werden kann. Dies wird heutzutage Responsive Design genannt. Der Content sollte am Anfang stehen und das Design daraufhin erarbeitet werden. So einleuchtend dieser Ansatz zunächst auch klingt, wenn man verschiedenste Webseiten, die man täglich besucht, oder Apps, die man regelmäßig benutzt, näher betrachtet, fallen einem sehr viele Beispiele auf, bei denen dieser Ansatz nicht beachtet wurde.

 


Image (adapted) „re:publica 2013 Tag 1“ by re:publica (CC BY-SA 2.0)


Weiterlesen »

5 Lesetipps den 13. Mai

In unseren Lesetipps geht es heute um Wikileaks, Facebook und die Instant Articles, Lobbyismus und Youtube gegen die Gema. Ergänzungen erwünscht.

  • WIKILEAKS NSA-Ausschuss im Bundestag: Wikileaks veröffentlicht Mitschriften – taz.de: Das Enthüllungsportal Wikileaks hat ein 1380 Seiten umfassendes Protokoll des NSA-Untersuchungsausschusses des Bundestages veröffentlicht. Dieses beinhaltet Zeugenaussagen von Mai 2014 bis zum Februar 2015. Betroffen sind nur Mitschriften aus öffentlichen Sitzungen des Ausschusses, welche bisher nicht öffentlich zugänglich waren. Laut Wikileaks-Gründer Julian Assange „hat die Öffentlichkeit das Recht, die Arbeit dieses Untersuchungsausschusses zu verstehen.“

  • YOUTUBE Youtube verliert gegen Gema vor Gericht: Sperrtafeln sind unzulässig – Digital | STERN.DE: Dass sich Youtube und die Gema in Deutschland nicht ausstehen können, ist gemeinhin bekannt. Wahrscheinlich hat jeder schon einmal die verhasste Sperrtafel bei Youtube gesehen, die besagt, dass die Rechte der Musik nicht von der Gema eingereicht wurden. Diese Sperrtafel wurde nun vom Landesgericht München als unzulässig erklärt, da er die Gema in eine schlechtes Licht rücken würde.

  • JOURNALISMUS heise online: Spiegel und Bild veröffentlichen Artikel direkt auf Facebook: Facebook hat nun offiziell das Feature „Instant Articles“ implementiert. Das bedeutet, dass nun komplette Artikel über Facebook hochgeladen und angesehen werden können. Diese Funktion solle vor allem mobilen Nutzern helfen, schneller Artikel zu laden. In Deutschland werden Bild.de und Spiegel Online das neue Feature nutzen. Sowohl die Geschäftsführerin von Spiegel Online, Katharina Borchert als auch Julian Reichelt, Chefredakteur bei Bild.de, sprechen sich sehr positiv über die neue Funktion aus.

  • LOBBYISMUS Politik Digital: Ein Radar für mehr Durchblick im Lobbydschungel: Heutzutage gibt es überall in der Politik Lobbyisten, welche versuchen, ihren eigenen Standpunkten in der Politik durch Studien oder persönliche Gespräche Gewicht zu verleihen. In der Gesellschaft gilt Lobbyismus als verpönt, da oftmals kleinere Interessensgruppen ignoriert werden. Die drei Journalisten Dominik Wurnig, Jan Schneider und Michael Hartlep entwicklten ein Browser-Add-On, um den Einfluss der Lobbyisten auf die Politik zu verdeutlichen: das Lobbyradar.

  • FACEBOOK Politik Digital: Facebooks Politik des (Nicht-)Löschens: Facebook ist aus dem heutigen Leben kaum noch wegzudenken. Doch oftmals kommt es in dem sozialen Netzwerk zu Äußerungen oder ähnlichem, welche über alle Grenzen schlagen, zum Beispiel schwere Beleidigungen oder extremistische Kommentare. Dem Netzwerk wird nun vorgeworfen, nicht stark genug gegen solche Beiträge vorzugehen. Außerdem wird sich darüber beschwert, dass oft die Nutzer selbst sich um die Beseitigung solcher Inhalte kümmern müssen.

Die morgendlichen Lesetipps und weitere Linktipps am Tag können auch bequem via WhatsApp abonniert werden. Jeden Tag informiert dann Netzpiloten-Projektleiter Tobias Schwarz persönlich über die lesenswertesten Artikel des Tages. Um diesen Service zu abonnieren, schicke eine WhatsApp-Nachricht mit dem Inhalt arrival an die Nummer +4917622931261 (die Nummer bitte nicht verändern). Um die Nachrichten abzubestellen, einfach departure an die gleiche Nummer senden. Wir werden, neben dem Link zu unseren morgendlichen Lesetipps, nicht mehr als fünf weitere Lesetipps am Tag versenden.

Nutze Netzpiloten 1-Klick: Mit nur einem Klick werden dir bequem alle 40 Sekunden die hier besprochenen Seiten „vorgeblättert“ START.

Weiterlesen »

Jüdische Blogs: Irgendwie jüdisch

Screenshot Irgendwie Jüdisch

Mehr als Klezmer: Diese sechs deutsch-jüdischen Blogs zeigen euch das Judentum von einer ungekannten Seite. Juna Grossmann stellte auf der re:publica deutsch-jüdische Blogs vor, die man kennen muss. // von Angela Gruber

Screenshot Irgendwie Jüdisch

„Irgendwie jüdisch, Museumsfrau und spreeverliebt“: So stellt sich Juna Grossmann auf ihrem Blog Irgendwie jüdisch vor. Grossmann schreibt aus ihrem Leben in Berlin und was sie als Jüdin gerade beschäftigt – das kann der jüngsten Aufruf Benjamin Netanjahus sein, alle Juden mögen nach Israel auswandern, oder es geht um die Frage: Darf man eigentlich ‚Jude‘ sagen? (Ja, klar, darf man).

Weiterlesen »

Weiterlesen »

„2015 entscheidet, wie es mit YouTube weitergeht“

Der Druck auf YouTube wird immer größer. Nicht nur, dass andere Portale wie Facebook und Twitter ihre „Produktpalette“ mit Videofunktionen erweitert haben, auch im Bereich Livestreaming hängt YouTube weiterhin hinterher. Die Themenauswahl bei der re:publica ist jedes Jahr zum Verzweifeln groß. Alles klingt spannend, vieles ist es auch tatsächlich, und sehr viel von dem, was man wirklich gerne sehen würde, läuft parallel. Unsere Autorin hat den zweiten Tag der re:publica genutzt, um eine Bildungslücke im Social Media-Bereich zu schließen und sich viele Sessions mit YouTubern angesehen. Ein Tagesbericht.

In diesen Tagen feiert das Netz zehn Jahre YouTube. Seit Chad Hurley, Steve Chen und Jawed Karim die Seite am 15. Februar 2005 gestartet und sie nur eineinhalb Jahre später an Google verkauft haben, ist das Portal von einer reinen Videoplattform zum sozialen Netzwerk und zur zweitgrößten Suchmaschine nach Google selbst geworden. Längst finden sich dort neben jeder Menge „cat content“, Musikvideos und stolpernden Kleinkindern auch hoch professionell produzierte Nachrichten, „HowTo“-Formate, Lifestyle-Videos und „Let’s Plays“, die ihren Urhebern zu großer Bekanntheit verhelfen und einigen sogar ein Einkommen sichern.

Auf der re:publica und dem Partnerkongress Media Convention widmeten sich am zweiten Tag viele Sessions dem Phänomen YouTube und dem auch in Deutschland immer größer werdenden Einfluss der so genannten YouTuber. Für viele Menschen über 20 sind YouTube-Stars weit entfernt vom eigenen Konsum- und Nutzungsverhalten der Plattform. Man könnte fast von einer Parallelwelt sprechen, die sich in den vergangenen Jahren dort aufgebaut hat und die es einigen Künstlern ermöglicht hat, ihre Marke aufzubauen und von den Videos zu leben. Inzwischen ist aber der Punkt erreicht, an dem sich die YouTuber ausdifferenzieren, nicht nur in Format und Machart, sondern auch in der Attraktivität für Kooperations- und Werbepartner oder für Produktplatzierungen.

LeFloid, einer der am längsten aktiven deutschen YouTuber (sein Channel ist 2007 gestartet) mit über 2,5 Mio. Abonnenten (Stand 6.05.2015) und Gewinner des Publikumspreises beim Grimme Online Award 2014, sieht in der re:publica-Session „Making Money on YouTube“ zwei Ansätze für die Arbeit von YouTubern: diejenigen, die Inhalte schaffen und Ideen umsetzen wollen, und auf der anderen Seite jene, die mithilfe ihrer Videos eine Marke aufbauen und berühmt werden wollen. „Es ist ein Unterschied, ob man Inhalte hat, die so gut sind, dass man damit Geld verdient, oder nur produziert, um Geld zu verdienen.“, sagte Florian Mundt auf dem Podium, der sich hinter dem Künstlernamen verbirgt. LeFloid war bis Ende 2014 Partner des Multi-Channel-Networks Mediakraft, verließ das Netzwerk aber nach eigener Aussage wegen mangelnder Unterstützung. Inzwischen hat er gemeinsam mit anderen bekannten YouTubern den Verein 301+ gegründet. Das nicht-kommerzielle Netzwerk dient vor allem der gegenseitigen Unterstützung und der Entwicklung von Projekten und Konzepten. In der Rubrik „LeNews“ kommentiert er zweimal wöchentlich die aktuellen Nachrichten. Die Videos sind bunt, schrill, laut, aber immer ehrlich und direkt und erreichen durchschnittlich über eine Million Klicks.

Damit ist das Hauptproblem von YouTube-Künstlern umrissen. Videos und ihre Urheber verbreiten sich am schnellsten, wenn sie authentisch wirken und einen (annähernd nützlichen) Inhalt bieten. Glaubwürdig wirkende YouTuber, die viele Klicks generieren und ihre Zuschauer häufig zum Klicken auf Produktlinks – zum Beispiel von Amazon – animieren können, sind für die Werbebranche sehr attraktiv. Passen Produkt und Künstler gut zusammen, greifen die alt bekannten Mechanismen der Werbeindustrie – nur oft sehr viel subtiler und für die User auf den ersten Blick kaum erkennbar in die Videos eingebettet. Bisweilen geht der Trend aber sogar in die Richtung, ein Konzept, also einen Künstler, um das Produkt herum aufzubauen, womit die Grenzen zwischen Produkt und Format endgültig verschwunden sind.

YouTube steht vor großen Umbrüchen

Einige Künstler, die mit „klassischen“ YouTube-Formaten bekannt wurden, schwenken inzwischen auf das ganz große Kino um. Noch in diesem Jahr werden drei Spielfilme von YouTubern in Deutschland in die Kinos kommen, und auch auf der Plattform setzen immer mehr Künstler ihre Ideen in fiktionalen Beiträgen um.

Währenddessen nimmt der Druck auf YouTube zu. Nachdem Facebook, Twitter und Instagram ihr Angebot um Videofunktionen erweitert haben, muss YouTube nachziehen und vor allem seine mobilen Angebote attraktiver für die Macher machen. Bislang liegen die anderen Netzwerke dank ihrer einfachen und schnellen Bedienung hier vorn. Auch direkte Konkurrenten wie Vevo, Vimeo und MyVideo legen bei Nutzerzahlen und Reichweite spürbar zu und sichern sich die Erstexklusivität der Videos von immer neuen Künstlern mit attraktiven Verträgen. Nicht zu vergessen sind die jüngsten Livestreaming-Dienste Meerkat und Periscope , die ihr Nutzungspotential und ihre Zielgruppe erst noch finden müssen, aber deren Angebot eines unmittelbaren Live-Videoerlebnisses nicht nur vielen Künstlern neue Möglichkeiten bietet.

Beim Livestreaming-Dienst twitch.tv, der von Amazon gekauft wurde und insbesondere für Gameplay genutzt wird, hat YouTube im vergangenen Jahr bereits seine Chance verpasst, in diesem Bereich aufzuholen. Eine weitere Herausforderung ist die zunehmende Diversifizierung in der Nutzung sozialer Netzwerke durch die Künstler. Ein kurzes Foto-Update funktioniert besser auf Snapchat, eine schnelle Nachricht auf Twitter, eine Ankündigung auf Facebook, ein Blick hinter die Kulissen bei Instagram. In all diesen Netzwerken haben bekannte YouTuber hunderttausende Follower, Freunde, Likes. Damit sind sie immer weniger abhängig vom eigenwilligen YouTube-Algorithmus, der inzwischen sogar Videos vor den eigenen Abonnenten versteckt, und haben mehr Kontrolle über ihre Beiträge als bei YouTube. Hinzu kommt eine zunehmende Erschließung analoger Vertriebskanäle durch erfolgreiche YouTuber, die mit Büchern, Musik, Filmen und Merchandising ihre Abonnenten auch außerhalb von YouTube zunehmend an sich binden.

Wer immer noch nicht überzeugt ist von dem Einfluss der YouTube-Stars, dem sei gesagt, dass die britischen YouTuber Alfie Deyes und Zoe Sugg demnächst in Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett in London vertreten sein werden – womit sie wohl erwiesenermaßen im Mainstream angekommen sind.

Der Medienwissenschaftlter, Blogger und Webvideo-Experte Bertram Gugel sagte in der Session „Flüchtige Macht? YouTube im Kreuzfeuer. Facebook & Co. greifen an“, dass sich in diesem Jahr entscheiden wird, wohin der Weg von YouTube führt und ob die Plattform uns irgendwann einmal mehr gebracht haben wird als Katzenvideos und Justin Bieber.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Politik-Digital.de und steht unter CC BY-SA 3.0.


Image (adapted) „YouTube logo“ by Rego Korosi (CC BY-SA 2.0)


 

Weiterlesen »

Können Sie E-Mails schreiben?

You have a mail (adapted) (Image by Pierre (Rennes) [CC BY 2.0] via Flickr)

Digitale Tools gehören in der Berufswelt längst zum Alltag. Branchen-Experten auf der re:publica in Berlin erklären unserem Kolumnisten, was die meisten von uns falsch machen. Totgesagte leben länger. Seit der E-Mail-Geburtsstunde hat sich die Art und Weise, wie wir mit Nachrichten umgehen, nicht wesentlich geändert. Nur die Flut der E-Mails steigt rasant an. Im Berufsleben erhält man durchschnittlich 122 elektronische Mitteilungen. Parallel dazu werden immer neue Kommunikationsplattformen eröffnet – soziale Netzwerke, Kurznachrichten, Instand Messaging und mehr. Die Zahl der Botschaften, die ständigen Unterbrechungen und die unterschiedlichen Präferenzen für Kommunikation sind generationsübergreifend eine große Herausforderung. Die E-Mail wird immer noch für Zwecke genutzt, für die sie nicht konzipiert wurde. Stefan Pfeiffer von IBM im Interview mit The European auf der re:publica in Berlin moniert:

„Nehmen wir das simple Beispiel Datei-Anhänge. Da werden Anhänge mit 20 oder 30 Mbit an 50 Kollegen geschickt, obwohl es schon lange Alternativen wie die Dropbox gibt. Das ist lächerlich.“

Kollaborationswerkzeuge statt elektronische Post

„Es sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, solche Dokumente mit Kollaborationswerkzeugen im Netz zu teilen. Das liegt an Gewohnheiten, die man seit Jahrzehnten praktiziert. Es werden sogar Projekte über E-Mails abgewickelt. Auch hier haben sich sinnvollere Tools etabliert“, weiß der Social Media-Experte Pfeiffer. Man dürfe dabei nicht unterschätzen, dass sich sehr viele Mitarbeiter in den Unternehmen nicht sehr stark in sozialen Netzwerken bewegen und ihre Arbeit digital organisieren – etwa durch den Einsatz von Online-Meeting-Anwendungen.

Beharrungskräfte in Organisationen

Die Anbieter von entsprechenden Systemen unterschätzen das Beharrungsvermögen und die nicht vorhandenen digitalen Erfahrungen in Organisationen. Ein weiteres Hemmnis kommt von den IT-Abteilungen, die sich gegen den Einsatz von Diensten sperren, die über das Internet abgerufen werden.

Da werden Besitzstände verteidigt. Dazu zählen die eigenen Rechenzentren und Server. Die Verantwortung liegt aber auch bei den Software-Firmen, die bei der Benutzerfreundlichkeit ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben, so der IBM-Manager. Es mussten erst smarte Eco-Syteme wie das iPhone oder Lösungen wie die Dropbox auf den Markt kommen, bis sich auch die liebwertesten Gichtlinge der Software-Industrie in Richtung Anwenderfreundlichkeit bewegte. Dennoch gibt es eine Menge zu überdenken, um nicht mehr ein Dasein als digitaler Aktenknecht zu fristen.

Namen für 10.000 Schafe

Ein Schreibtisch ist passiv, der Computer ist aktiv – er kann Dokumente selber beschriften, suchen und ordnen. Die Idee, dass wir jedem Dokument einen Namen geben sollen, ist schlicht lachhaft. Wenn Sie drei Hunde haben, ist das sinnvoll. Besitzen Sie aber 10.000 Schafe, ist es Irrsinn, bemängelt der IT-Kenner David Gelernter. Informationen sollten zeitlich strukturiert werden und nicht mehr räumlich in Ordnern. So korrespondiert die Anordnung der Information mit den Ereignissen des Lebens. Unser erstes Dokument ist die elektronische Geburtsurkunde, und jedes Dokument, das hinzukommt, wird chronologisch bis zur Gegenwart eingeordnet. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um E-Mails, Fotos, MP3s oder den Entwurf eines Buchkapitels handelt, erläutert Gelernter. Dateien müsse man dann nicht mehr mit Namen bezeichnen, da sie sich selbstständig nach Inhalten, Stichworten, Ort und Zeit vernetzen. Ordner werden überflüssig.

Digitale Werkzeuge und alter Geist

Nur der Einsatz von digitalen Werkzeugen bringt keine Änderung: „Viele der heutigen digitalen Systeme und Köpfe sind aus dem alten Geist sowie den alten Strukturen geboren. Die kann man morgen in die digitale Tonne treten“, kritisiert Netzökonomie-Campus-Kollege Winfried Felser.

Um vom E-Mail-Sortier-Management wegzukommen, muss also mehr passieren. Einen Ansatzpunkt sieht Stefan Pfeiffer beim Watson-System seines Unternehmens. Cognitive Computing kann man lernende elektronische Assistenten etablieren, die das Verhalten des Nutzers antizipieren und Dinge automatisch organisieren. Wichtig ist es vor allem, mir Informationen dann zur Verfügung zu stellen, wenn ich sie benötige. Nicht vorher, nicht nachher. „Wenn wir hier ein Interview führen, warum soll Watson nicht in der Lage sein, die letzten fünf E-Mails oder Nachrichten, die wir ausgetauscht haben und Deine wichtigsten Artikel zu unserem Thema einzublenden. Das ist kein Hexenwerk“, resümiert Pfeiffer.


Dieser Artikel erschien zuerst auf TheEuropean.de


Image (adapted) „You have a mail“  by Pierre (Rennes) (CC BY 2.0)


Weiterlesen »

5 Lesetipps für den 29. April

In unseren Lesetipps geht es heute um Apple und Samsung, Drivy in Deutschland, die re:publica 2015, das Erdbeben in Nepal und Twitters Quartalszahlen. Ergänzungen erwünscht.

  • SMARTPHONES DIE WELT: Handy-Konkurrenten: Samsung stößt Apple vom Smartphone-Thron: Nachdem Ende 2014 noch Apple am meisten Smartphones verkaufte, hat nun Samsung den amerikanischen Konzern vom Thron gestoßen. Laut den Angaben der Marktforscher Strategy Analytics hat der südkoreanische Konzern mit ca. 83,2 Millionen verkauften Smartphones einen Marktanteil von 24 Prozent erreicht. Apple schafft es dagegen derzeit nur auf 18 Prozent. Begründet wird der Erfolg von Samsung mit dem Galaxy S6, welches vor Kurzem erschienen ist.

  • STARTUP Gründerszene: Drivy weitet sein Angebot auf ganz Deutschland aus: Nachdem das Pariser Startup Drivey im November 2014 in mehreren deutschen Großstädten wie etwa Hamburg oder Berlin getestet wurde, wird der Service nun bald in ganz Deutschland angeboten. Bei dem Dienst kann jeder Autobesitzer seinen Privatwagen an andere Nutzer vermieten. Die positive Resonanz in Deutschland überrascht die Firma nicht, schon nach der Gründung in Frankreich sei eine ähnliche Entwicklung zu beobachten gewesen.

  • RE:PUBLICA Netzkolumnistin: Top 5 Sessions: Meine Tipps für die re:publica 2015: Die re:publica steht mal wieder in den Startlöchern. Vom fünften bis zum siebten Mai kann man auf insgesamt 16 Bühnen Vorträge von ca. 500 Rednern begutachten. Doch bei so einer Menge kann man schnell den Überblick verlieren. Damit man nicht völlig unvorbereitet über die Messe stolpert, hat Angela Gruber in ihrem Blog fünf der Sessions vorgestellt, welche man auf keinen Fall verpassen sollte.

  • SOCIAL MEDIA Politik Digital: Erster Einsatz für Facebooks Safety Check: Das verheerende Erdbeben, welches Samstag über Nepal hereinbrach, hat die Gebirgsregion in ein Chaos gestürzt, von dem es sich noch nicht erholt hat. Die Lage sei immer noch sehr unübersichtlich. Facebook und Google wollen in der Krise Unterstützung leisten. Facebook nutzt hierbei den Safety Check, in dem man Freunde als sicher markieren kann, wenn man weiß, wo sie sich aufhalten. Google bietet mit dem Person Finder Informationen zu einzelnen Personen.

  • TWITER DIE WELT: Quartalszahlen-Panne: Twitter verliert mehr als ein Fünftel seines Wertes: Nachdem die US-Finanzanalysefirma Selerity Twitters Quartalszahlen früher als zum von Twitter geplanten Zeitpunkt veröffentlichte, fiel die Aktie des Konzerns rapide ab. Mehr als 21 Prozent soll die Aktie ins Minus gegangen sein. Grund hierfür sind die für Twitter durchaus bitteren Zahlen, welche veröffentlicht wurden. Der Social-Media-Konzern hat die erwarteten Einnahmen um ca. 23 Millionen Dollar Umsatz unterschritten.

Die morgendlichen Lesetipps und weitere Linktipps am Tag können auch bequem via WhatsApp abonniert werden. Jeden Tag informiert dann Netzpiloten-Projektleiter Tobias Schwarz persönlich über die lesenswertesten Artikel des Tages. Um diesen Service zu abonnieren, schicke eine WhatsApp-Nachricht mit dem Inhalt arrival an die Nummer +4917622931261 (die Nummer bitte nicht verändern). Um die Nachrichten abzubestellen, einfach departure an die gleiche Nummer senden. Wir werden, neben dem Link zu unseren morgendlichen Lesetipps, nicht mehr als fünf weitere Lesetipps am Tag versenden.

Nutze Netzpiloten 1-Klick: Mit nur einem Klick werden dir bequem alle 40 Sekunden die hier besprochenen Seiten „vorgeblättert“ START.

Weiterlesen »

#rp14: Isabella David über Lokales und Geld im Journalismus

rp14-Talk über Lokaljournalismus (Bild: Tobias Schwarz, CC BY 4.0)

Im Interview spricht Mittendrin-Mitgründerin Isabella David über Finanzierungsmöglichkeiten von Blogs und ihre Ablehnung von Paid Content. // von Gina Schad

rp14-Talk über Lokaljournalismus (Bild: Tobias Schwarz, CC BY 4.0)

Im Gedächtnis blieb ihre radikale Ablehnung von Paid Content: Isabella David, Mitbegründerin des Hamburger Blogs Mittendrin, hat im Mai auf der re:publica mit anderen Bloggerinnen und Journalistinnen über mögliche Finanzierungsmöglichkeiten für Online-Medien diskutiert. Für ihren eigenes Medium lehnt sie Paid Content weiter konsequent ab. Sie sieht jedoch keinen Widerspruch darin, Kooperationen mit anderen Online-Nachrichtenmagazinen einzugehen.

Weiterlesen »

Weiterlesen »

Podcast #4: Wie geht digitale Bildung? Auf der Suche nach Visionären

Education Reform: Insert your favorite “Wrath of Khan” joke blog title here (adapted) (Image by opensource.com [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Wie geht digitale Bildung? Der vierte Netzpiloten-Podcast hat auf der re:publica 2014 Antworten und Visionäre gesucht. Im vierten Netzpiloten-Podcast haben sich Jenny Genzmer und Tobias Schwarz auf der re:publica 2014 mit dem Thema „Digitale Bildung“ beschäftigt und sich auf die Suche nach Visionären gemacht. Gefunden haben sie Guido Brombach, Bildungsreferent im Themenbereich „Computer und Medien“ beim DGB Bildungswerk, und den Erziehungswissenschaftler Christoph Bartholomäus.

Podcast

 

Shownotes

Kapitel 1: OER (Open Educational Resources) – 4:05

Kapitel 2: Digital Citizenship – 11:50

Kapitel 3: Gamification – 34.14


„Podcast #4: Wie geht digitale Bildung? Auf der Suche nach Visionären“ steht unter der Creative Commons Namensnennung-Keine Bearbeitung 3.0 (CC BY-ND 3.0).


Image (adapted) „Education Reform: Insert your favorite “Wrath of Khan” joke blog title here“ by opensource.com (CC BY-SA 2.0)


Weiterlesen »

Structured Journalism: Journalisten als Bibliothekare

dewy indeed he do (adapted) (Image by emdot [CC BY 2.0] via Flickr)

Informationen atomisieren, verschlagworten, neu kombinieren: Das ist das Prinzip hinter „Structured Journalism“. Warum Journalisten wie digitale Bibliothekare arbeiten sollten. „Der Artikel als »standard consumption unit« des Journalismus erweist sich online als erstaunlich unkaputtbar“ – treffender kann man die herrschenden Publikations- und Rezeptionsverhältnisse in der Medienlandschaft kaum beschreiben. Zeitungen und Zeitschriften haben ihn geboren, als fertiges, in sich abgeschlossenes Produkt. Dieses Produkt wurde mit dem Beginn des Onlinejournalismus auch ins Netz übertragen und herrscht dort noch immer vor.

Information im Internet muss sich aber nicht auf ein Produkt beschränken, sondern kann eine Entwicklung darstellen: Prozessjournalismus. Den praktizieren auch Florian Steglich, Thom Nagy (beide von nzzlabs) und Sebastian Horn vom Journalismus-Software-Dienstleister Sourcefabric, sie nennen ihn nur anders: Structured Journalism. Structured Journalism?

Sebastian Horn definiert den Begriff auf dem re:publica-Workshop „Assets, Objects, Points: Was Structured Journalism bringen kann“ als Organisationsprinzip, bei dem es um folgendes geht:

  • isolieren und organisieren der kleinsten Infoeinheiten
  • zusammensetzen dieser Einheiten zu anderen journalistischen Angeboten,…
  • …die durch kontinuierliche Pflege im Laufe der Zeit wertvoller werden…
  • …und als Ganzes neue Kombinationen und damit qualitativ neue Erkenntnisse ermöglichen.

Am Anfang steht dabei immer das Ereignis, dieses besteht aus mehreren Updates. Jedes Ereignis gehört zu mindestens einem Erzählstrang. Der Erzählstrang wiederum ist die sinnvolle Verknüpfung mehrerer Ereignisse, die zusammen eine längerfristige Entwicklung abbilden. Nachdem Grafiken ja mehr als 1000 Worte erzählen, demonstriere ich das mit einer Folie aus dem Structured Journalism-Workshop:

 

Klingt abstrakt und nach Zukunftsmusik? Das, was das Trio meint, gibt es schon, Thom Nagy zeigte eine Reihe von Beispielen:

  • Artikel auf Webseiten lassen sich mit Schlagworten versehen, aus diesen Schlagworten generieren sich automatische Themensites (z.B. die Snowden-Themenseite bei SPIEGEL ONLINE)
  • Liveticker oder Live-Blogs, bei denen im Abstand von Minuten (Text-)Updates veröffentlicht werden, die dann ganz oben stehen (z.B. wie beim re:publica Blog der SZ)
  • Ebenfalls mit einer regelmäßigen Update-Funktion, nur über einen viel größeren Zeitraum (bis hin zu mehreren Monaten) arbeitet The Verge mit seinen Story Streams

 

  • Schon deutlich weniger bekannt sein dürfte der Begriff „Card stacks“: Hier wird ein Phänomen in einzelnen Karten erklärt, die sich nacheinander durchklicken lassen, z.B. „What is network neutrality?“ auf vox.com, die unter der Rubrik “understand the news” klassischen Erklärjournalismus betreibt.
  • Ähnlich, nur in noch kleineren Infoeinheiten funktioniert der News-Dienst cir.ca: Hier ist eine Nachricht in verschiedene Aspekte unterteilt, durch die man sich scrollen kann, es lassen sich sogar die einzelnen Absätze separat twittern
  • Bei den Google Living Stories – einer Kooperation von Google, New York Times und Washington Post, wurden alle Artikel zu einem Thema unter einer URL gesammelt, die Einträge waren in Zitate, Schlüsselfiguren und Themenstränge eingeteilt. Das Projekt wurde 2010 eingestellt, der Code ist aber weiter verfügbar.
  • politifact ist eine Fact-Checking-Plattform, gegründet von der Tampa Bay Times in Florida: Hier werden Politiker-Aussagen auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Ein Beispiel für ein Angebot, das durch kontinuierliche Pflege im Laufe der Zeit immer wertvoller wird.

Bei den meisten dieser Beispiele steht Text im Vordergrund, nur kleiner und flexibler portioniert. Horn, Nagy und Steglich sehen die journalistische Story im Idealfall aber als eine Summe von Datenpunkten und diese Datenpunkte können neben Text genauso gut Bilder, Grafiken, Zitate, Karten oder natürlich Zahlen sein. Florian Steglich stellt sich den Journalisten des 21. Jahrhunderts als Bibliothekar vor, der seine Rohdaten strukturiert und einsortiert und bei Bedarf herausholt und wieder neu zu Erzählsträngen zusammensetzt. Das Anspruchsvolle dabei ist es, für jede Geschichte eine geeignete bzw. funktionierende Kombination dieser Elemente zu finden.

Die Crux in der Praxis: wie „atomisiert“ man seine Information, seine Recherche-Ergebnisse, wie und wann kann man sie verschlagworten? Inwieweit erlaubt das eigene CMS das und welche Grenzen setzt es bei der Neu-Kombination? Anders ausgedrückt: Formt das Tool die Geschichte oder die Geschichte das Tool? Setzt man Storytelling-Tools wie Pageflow vom WDR ein und richtet sich danach oder schreibt man „Code von Scratch“? Wünschenswert wäre es natürlich, wenn die Geschichte die Aufbereitung bestimmt, aber auch aufwändiger und nur mit entsprechender Programmierpower umzusetzen. Womit wir wieder bei der Diskussion wären, wie viel Programmierkenntnisse Journalisten heute haben müssen.

In bestimmten Fällen ist es sogar möglich, dass die Datenbank die Geschichte erzählt. Im Sportjournalismus, wo es viel um Statistiken geht, gibt es das bereits. Weitere Anwendungsfälle sind Wetter, Finanzdaten, Wahlergebnisse und Kriminalität. Lorenz Matzat hielt auf der re:publica einen eigenen Vortrag zum Roboterjournalismus. (Wobei die Teilnehmer viel öfter von dem twitterten, was Roboter laut Matzat nicht ersetzen können: Reportagen, Investigationen, Interviews, Feuilleton, Kommentare, Glossen).

Nicht zu verwechseln ist Structured Journalism mit Datenjournalismus. Während der Datenjournalismus Daten analysiert und daraus Geschichten filtert, geht es bei Structured Journalism darum, Informationen schon bei ihrer Entstehung zu verschlagworten und (in Datenbanken) zu strukturieren, um sie als Basis für neue Geschichten zu verwenden. Auch das lässt sich grafisch veranschaulichen:

 

Aber egal, ob Structured Journalism oder Datenjournalismus: Der Artikel wird zunehmend als “standard consumption unit” abgelöst werden. Journalistische Recherche und Produktion werden prozesshafter, und wer seine Rechercheergebnisse digital strukturiert, wird diesen Prozess besser meistern.

Linkliste:

Dieser Beitrag erschien zuerst im Torial Blog


Image (adapted) „dewy? indeed he do.“ by emdot (CC BY 2.0)


Weiterlesen »

#rp14: Big Data könnte uns den freien Willen wegnehmen

Viktor Mayer-Schönberger - re:publica 2014, Tag 2 (adapted) (Image by re:publica [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Viktor Mayer-Schönberger von Oxford Internet Institute sieht Big-Data-Vorhersagen als Einschränkung des freien Handelns der Menschen. Im Nachfeld der Internet-Konferenz re:publica wurde viel darüber diskutiert, ob Sascha Lobos „Rede zur Lage der Nation“ gut, ob David Hasselhoffs Werbeauftritt für F-Secure notwendig oder der Google-Hoax der Künstlertruppe Peng! Collective gelungen war. Von den Medien leider ein wenig übersehen wurde dabei der wichtige Vortrag des österreichischen Oxford-Professors Viktor Mayer-Schönberger zu den „ethischen Grenzen von Big Data„. Denn Mayer-Schönberger warnte sehr eindringlich vor den Gefahren einer allumfassenden Datenerfassung, die uns künftig einmal die Freiheit nehmen könnte, uns frei zu entscheiden und zu handeln.

Vergangenheit bestimmt die Zukunft

Big Data ändert unser Verständnis für Zeit, und das könnte unsere Gesellschaft, unsere Freiheit und unsere Art zu leben zerstören„, findet Mayer-Schönberger und meint, dass die lineare Zeit (das Morgen entwickelt sich anders als das Heute) abgeschafft wurde. Er erklärt das an einem Beispiel: In 30 Bundesstaaten der USA werden bereits Big-Data-Analysen dazu verwendet, um das Verhalten von Straftätern vorherzusagen. Bei Entscheidungen, ob jemand auf Bewährung freikommt, wird in mehr als 50 Prozent der Fälle auf Computer-Vorhersagen zurückgegriffen, die die Wahrscheinlichkeit berechnen, ob jemand wieder in die Tötung eines Menschen verwickelt werden sein wird. Es entscheidet also nicht mehr ein Sozialarbeiter oder ein Kriminologe, ob jemand mit Chance auf Besserung freikommt, sondern statistische Wahrscheinlichkeiten, die von der Vergangenheit auf die Zukunft schließen. „Die Vorhersage nimmt uns die Chance, nach unseren eigenen Wünschen zu handeln, die Zukunft wird bestimmt durch die Vergangenheit„, so der Oxford-Professor.

Big-Data-Vorhersagen könnte man schon bald in vielen verschiedenen Gesellschaftsbereichen finden: Statistische Berechnungen entscheiden etwa darüber, ob man einen Kredit oder ein Bankkonto, den Führerschein oder eine Autoversicherung, eine Operation oder eine Behandlung, eine Ausbildung oder einen Job bekommt. Heute hat sich in den Köpfen vieler junger Menschen bereits folgendes festgesetzt: „Das Internet vergisst nicht, wir sind die erste Generation, deren Leben digital erfasst wird.“ Es ist noch sehr abstrakt für den Einzelnen, was diese Permanenz der Daten bedeuten wird, aber man bekommt zumindest ein Gefühl dafür, wenn man hört: „Die Partyfotos von damals haben ihm eine Chance auf diesen Job genommen.“ Die weitreichenden Konsequenzen auf unsere Zukunft sind etwa im Film „Minority Report“ zu erahnen, wo Menschen eingesperrt werden, obwohl sie das Verbrechen noch gar nicht begangen haben.

Mittel gegen den „Polizisten im Kopf

Vorhersagen sind nicht perfekt, sondern nur Wahrscheinlichkeiten, das ist Strafe ohne Schuld„, sagt Viktor Mayer-Schönberger. „Wie soll ein Mensch in dieser Welt seine Unschuld beweisen? Vorhersage wird gleichbedeutend mit dem Urteil.“ Frei handeln könne man unter solchen Umständen nicht mehr, denn ständig hätte man den „Polizisten im Kopf„, der dafür sorgt, dass man sich selbst aus Angst vor späteren Konsequenzen einschränkt und zensuriert. Die Abschaffung des freien Willens durch Big Data wiederum ist sehr abstrakt, lässt sich an einem kleinen Beispiel aber einfach veranschaulichen: Nehmen wir an, dass alle unsere Autos vernetzt sind, im Netz hängen und ihre Position ständig erfasst wird. Am Amaturenbrett gibt es ein Display, über das man viele praktische Funktionen abrufen kann – etwa, um einen Parkschein zu kaufen. Heute kann man bereits Parkscheine online via Smartphone kaufen, aber man muss nicht. Jeder kann das Risiko eingehen, den Parkschein nicht zu lösen und eine Strafe zu riskieren. In einer komplett vernetzten Welt, in der die Position eines Auto aber jederzeit den Behörden bekannt ist, ist das nicht mehr möglich. Am Display im Auto dürfte es dann nur mehr die sinnlose Auswahl zwischen „geringe Parkgebühr jetzt zahlen“ oder “hohe Strafe später zahlen” geben, und niemand würde sich für Zweiteres entscheiden – die Option, den Parkschein einfach nicht zu zahlen (etwa, weil man glaubt, die Parkregel ist falsch), fällt weg.

 

Mayer-Schönberger fordert, wie viele andere auch, eine Beschränkung von Big-Data-Anwendungen und Big-Data-Experten, die diese Anwendungen auf ihre Verträglichkeit testen und zertifizieren. Das sind große Aufgaben für die Politik, die sich ihnen im Post-Snowden-Zeitalter so schnell wie möglich widmen müssen. Dem Einzelnen empfiehlt Mayer-Schönberger den regelmäßigen Ausbruch aus dem Regelwerk, das uns bereits heute umgibt, um sich ein Gefühl von Freiheit zu erhalten – einmal in der Woche bei Rot über die Straße gehen oder einen Parkschein nicht zu bezahlen kann so ein gewollter, freiwillige Regelbruch sein. Die Konsequenzen dafür muss man dann aber auch tragen.


Image (adapted) „Viktor Mayer-Schönberger – re:publica 2014, Tag 2“ by re:publica (CC BY-SA 2.0)


Weiterlesen »

#rp14: Wie persönliche Daten zurückerobert werden könnten

Wie können wir die Souveränität über unsere Daten zurückerlangen? Drei Sessions auf der re:publica versuchten eine Antwort zu finden. // von Katharina Brunner

 republica_screenshot650

Wir müssen unsere Daten schützen! Der Satz ist leichter gesagt als getan. Wie könnte man es tatsächlich schaffen, die Souveränität über die eigenen Daten zurückzugewinnen? Am ersten Tag der re:publica haben sich in drei Sessions die Referenten versucht, über eine Definition von My Data, konkreten Tools und einem Gedankenexperiment zu einem idealen Netzwerk versucht, sich dem Thema zu nähern. Das große Zauberwort: Dezentralität.

Weiterlesen »

Weiterlesen »

5 Lesetipps für den 8. Mai und 5 Lesetipps zur rp14

In unseren Lesetipps geht es heute um die Netzneutralität, den Urknall, Googles Loon-Projekt die Diskussion um die Providerhaftung und die re:publica. Ergänzungen erwünscht.

  • NETZNEUTRALITÄT I Digitale Notizen: Die Sache mit der Netzneutralität: Was ist eigentlich Netzneutralität? Der Video-Blogger Hank von Vlogbrothers bringt das in einem kurzen Dialog mit sich selbst gut und unterhaltsam auf den Punkt. Wer sich bisher vor dieser wichtigen Debatte scheute, findet hier vielleicht einen sehr guten Einstieg in die Materie.
  • NETZNEUTRALITÄT II Ars Technica: Weak net neutrality won’t scare investors away from Internet startups: Auf Ars Technica schreibt Jon Brodkin über einen Aspekt der Auswirkungen des Wegfalls von Netzneutralität auf die Digitalwirtschaft: Geld wird trotzdem fließen. Während davon ausgegangen werden kann, dass es aufgrund der verzerrten Wettbewerbsbedingungen zu einem Einbruch von Innovation kommen wird, werden Investoren seiner Meinung nach weiterhin in Startups investieren.
  • URKNALL CNET: See epic computer sim re-create the universe: Auf CNET schreibt Eric Mack über den Versuch von Physikern, mit Hilfe eines Netzwerks an Supercomputers den Urknall, also die Entstehung unseres Universums, zu simulieren. Damit wollen sie herausfinden, was genau nachdem Urknall passierte.
  • PROJECT LOON Ars Technica: Google will lease its balloon-based wireless network to telcos: Auf der TechCrunch Disrupt berichtet Astro Teller, der Leiter von Googles Ballon-Projekts „Loon“ darüber, wie es mit dem Projekt weitergehen soll. Sein Plan ist, die WLAN teilenden Ballons an nationale Telekommunikationsunternehmen zu vermieten und so das Projekt zu finanzieren. Die Unternehmen wiederum hätten die Möglichkeit auch in ländlichen Regionen eine Grundversorgung mit Internet anzubieten.
  • PROVIDERHAFTUNG Musikmarkt: DACH-Forum 2014 – Providerhaftung neu bestimmen?: Auf Musikmarkt.de berichtet Lothar Scholz vom zweiten Tag des von GVU, VAP und SAFE veranstalteten DACH-Forums 2014 zum Urheberrechtsschutz, dass parallel zur Berlin Web Week stattfand. Thema war die Verantwortlichkeit der Internet Service Provider für Rechtsverletzungen im Zentrum der Debatte, allerdings wurde dies ohne einen Host-Provider diskutiert. Die Einseitigkeit der Podien wurde allgemein beklagt. Neu ist bzw. ein alter Hut, die Position von Ansgar Heveling (CDU), der das Thema „Warnhinweise“ im Internet scheinbar noch nicht aufgegeben hat.

  • RP14 I Breitband: Hacking in Afrika: Die Berlinerin Victoria Wenzelmann ist Teil eines Teams von Designern und Entwicklern aus Europa, die letzten Herbst einen Roadtrip durch Afrika machten. Im Interview auf der re:publica berichtet sie von Gemeinsamkeiten und Unterschieden europäischer und afrikanischer Hacker.
  • RP14 II Frisch gebloggt: Re:publica 2014 Tag 2 – ein Resumee: Ja ja, die re:publica ist keine Blogger-Konferenz mehr und war es vielleicht auch nie. Schon kapiert. Hier gibt es trotzdem einen lesenswerten Bericht über den zweiten Konferenztag von der Bloggerin Katharina Kokoska.
  • RP14 III Zeit Online: Interessanter Autismus-App vorgestellt: Auf Zeit Online berichtet Angela Gruber über eine App, die Autisten die Kommunikation erleichtern sollen. Die sind aber teuer, weshalb Doreen Kröber zusammen mit ihrem autistischen Sohn eine Alternative entwickelt hat, die sie auf der re:publica vorstellten.
  • RP14 IV stern@re:publica: Google Nest oder: der liebloseste Hoax aller Zeiten: Timo Brücken vom Stern-Team auf der re:publica berichtet von dem gestrigen Hoax auf der Konferenz, der vermeintlichen Ankündigung neuer sozialer Features von Google. War dann aber alles doch nicht so witzig, wie geplant, was bei den meisten Besuchern gar nicht gut ankam.
  • RP14 V Zeit Online: Hier können alle für eine freie Gesellschaft kämpfen: Auf Zeit Online stimmt Kai BIermann ein Loblied auf die re:publica an, zwar eine von vielen Konferenzen zum Internet in Europa, aber eine, die von normalen Menschen für normale Menschen gemacht wird. Das es bei der re:publica um eine Veranstaltung handelt, in der gerade die Zivilgesellschaft selber das Internet und seine Auswirkungen diskutieren kann, macht die Konferenz so wertvoll.

Nutze Netzpiloten 1-Klick: Mit nur einem Klick werden dir bequem alle 40 Sekunden die hier besprochenen Seiten „vorgeblättert“ START.

Weiterlesen »

5 Lesetipps für den 7. Mai und 5 Lesetipps für den zweiten rp14-Tag

In unseren Lesetipps geht es um Google in der Schule, den Erfolg von Musik auf Vinyl, DuckDuckGo vs. Google, die neue Silk Road, die Zukunft des sozialen E-Commerce und die re:publica 2014. Ergänzungen erwünscht.

  • GOOGLE CNET: Google unveils Classroom, a tool designed to help teachers: Google hat einen interessanten Use Case vorgestellt, wie die Produkte des Suchmaschinenriesens intelligent in der Schule eingesetzt werden können. Mal abgesehen von der Eigenwerbung des Unternehmens für seine Produkte zeigt dieser Fall Möglichkeiten des vernetzten Lernens und der Organisation des Bildungswesen durch digitale Mittel. Und wie viel in diesem Bereich noch nicht getan wurde.
  • MUSIK Ars Technica: Largest vinyl record pressing plant in the US is expanding: Seit Jahren schon steigen die Verkaufszahlen für Vinyl-Schallplatten, wenn auch nur im niedrigen einstelligen Bereich. Doch trotz iTunes, Spotify und AmazonMP3 scheint sich das Geschäft mit den durch digitale Bearbeitung wirklich sehr guten Tonträgern wieder zu lohnen. Die in den USA größte Schallplattenpresse baut aus, denn sie erwarten, dass der Trend noch weiter geht. Interessanterweise hat der Erfolg der Schallplatte etwas mit dem Erfolg digitaler Musik zu tun.
  • SUCHMASCHINE TIME: DuckDuckGo Is About to Become a Far More Powerful Google Alternative: Die vor allem durch ihre sehr nutzerfreundlichen Privatsphäre-Einstellungen bekannte Suchmaschine DuckDuckGo plant die nächste Version der Suchmaschine, mit mehr Funktionen und einem neuen Design. Die meisten dieser Neuerungen verringern den Abstand zum von Google gesetzten Standard erheblich, so dass hier vielleicht die meist nur Datenschutz-Aktivisten bekannte Alternative langsam in den Mainstream vorrücken könnte.
  • SILK ROAD Techdirt: Silk Road 2.0 Now Larger Than Silk Road Ever Was: Wie beim Kampf gegen Napster, als nach der Zerschlagung der Musiktauschbörse lauter neue Dienste entstanden, die den vermeintlichen Pionier ersetzten, ist auch der von den US-Bundesbehörden zerschlagene Online-Marktplatz Silk Road, berühmt für die einen Teil davon ausmachenden Schwarzmarkt-Geschäfte und das hier mit Bitcoins bezahlt werden konnte, inzwischen durch neue Anbieter ersetzt wurden, die noch größer und erfolgreicher sind, als ihr Vorgänger.
  • E-COMMERCE CNET: Why Amazon wants you to use Twitter hashtags to shop: Gestern haben wir in den Lesetipps über die Kooperation von Amazon und Twitter berichtet, die ermöglicht, dass in Tweets gesendete Links zu Produkten auf Amazon direkt in den eigenen Warenkorb wandern können, ohne Twitter zu verlassen. Donna Tam hat sich für CNET dieses neue Feature genauer angesehen und erklärt dir Vorteile für beide Unternehmen und wie wir in Zukunft online einkaufen könnten.

  • RP14 I Zeit Online: Unterwandern gegen Überwachen: Ein paar Online-Petitionen unterzeichnen ist zu wenig: Auf der re:publica rufen Aktivisten zu Unterwanderung der Politik und zur technischen Aufrüstung der Massen auf, wie Eike Kühl auf Zeit Online schreibt. Zusammen mit Sascha Lobos Aufforderung, das System von innen heraus zu verändern, scheint nach den Jahren des Hypes um die Piratenpartei wieder mehr Realitätssinn in die sich politisierende Netzgemeinde zu kommen.
  • RP14 II Heise Online: Asyl for Snowden!: Bei allem Wachstum und der damit einhergehenden Kommerzialisierung der re:publica ist das Wesen der Blogger-Konferenz immer noch erkennbar. Zwei der wichtigsten Themen war die Forderung nach Asyl für Edward Snowden und Solidarität mit in Asien inhaftierten Bloggern, wie Stefan Krempl auf Heise.de schreibt.
  • RP14 III Tagesschau.de: Politik ohne Politiker: Auf Tagesschau.de wundert sich WDR-Reporter Christian Feld, dass es in Zeiten des Europawahlkampfs und politischer Skandale wie der Überwachung so wenig Politiker auf der re:publica gibt. Dabei übersieht er aber, dass die sich hier treffende Zivilgesellschaft politischer wird, ein klarer Fortschritt zu den letzten Jahren.
  • RP14 IV BR.de: #Auftanken, bitte!: Eine Zapfsäule mit USB-Schnittstelle lädt auf der re:publica zum Auftanken ein. Wikimedia kämpft damit für die Verbreitung von öffentlichen Daten. Im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk erklärt Mathias Schindler die auf Twitter trendende #Datentankstelle.
  • RP14 V Zeit Online: Hauptsache Hasselhoff: Don’t believe the hype: David Hasselhoff soll auf der re:publica über digitale Freiheit sprechen. Er redet vor allem über sich selbst und die Mauer. Und am Ende singt er doch. Steffi Dobmeier zeigt in ihrem Artikel, dass wirklich niemand etwas verpasst hat, der nicht auf der re:publica war oder da war, aber nicht zum Vortrag von David Hasselhoff ging. Inhaltlich kam da nämlich überhaupt nichts bei raus.

Nutze Netzpiloten 1-Klick: Mit nur einem Klick werden dir bequem alle 40 Sekunden die hier besprochenen Seiten „vorgeblättert“ START.

Weiterlesen »

Destination Check: Welches Event darf man 2014 nicht verpassen?

republica 2013 121 #rp13 (adapted) (Image by Blogging Dagger [CC BY SA 2.0], via flickr)

Das Jahr 2014 ist noch nicht einmal zwei Wochen alt, da stehen schon wieder die ersten Veranstaltungen im Kalender und das Jahr ist ja noch lang. Wir haben Svenja Goebel, Ela Kagel, Krystian Woznicki und Andreas Weck gefragt, auf welche Veranstaltung sie sich 2014 am meisten freuen und die Vier haben uns auch geantwortet: OKfest, Einbruch der Dunkelheit, re:publica, Workaround2, der European-Pirate-Summit und die Social Media Week Berlin sind ihre Highlights in diesem Jahr.

Svenja Goebel, Community Managerin bei Motor-Talk.de


Am allermeisten freue ich mich dieses Jahr wieder auf die Social Media Week Berlin, weil sie spannend wie kaum eine andere Veranstaltung ist, unterschiedlichste Menschen zusammen kommen und man sich über alles rund um Mobile, Technik und Social Media austauschen kann. Das Ganze in einem herrlich entspannten Rahmen in teilweise ungewöhnlichen Locations. Auch wenn der Termin noch nicht feststeht, wird das Community Camp wieder eine feste Größe in meinem Kalender sein. Community und Social Media Manager aus ganz Deutschland treffen sich zu einem Wochenende, das ganz dem Erfahrungsaustausch gewidmet ist. Von skurrilen Erfahrungen bis hin zu Expertenwissen wird wieder alles dabei sein.


Krystian Woznicki, Gründer und Herausgeber der Berliner Gazette


Ich freue mich auf „Einbruch der Dunkelheit„, eine internationale Konferenz am 25. und 26.1. in Berlin, die den NSA-Skandal und die Debatte darüber nochmal auf ein neues Level bringt. Die Konferenz sieht Überwachung in einem breiteren Kontext als die bisherigen Diskussionen. Bislang wird das Thema weitgehend auf eine staatsrechtliche und verfassungsrechtliche Perspektive reduziert. Darüber hinaus rückt bei „Einbruch der Dunkelheit“ die gesellschaftliche und kulturelle Dimension von Überwachung ins Blickfeld. Was nützen die besten Gesetze, wenn die große Mehrheit in Deutschland keinen ausgeprägten Sinn für Privatheit hat? Was nützen transparentere Geheimdienste, wenn rundumdigitalisierte Selbstausleuchtung u.a. in sozialen Netzwerken zu einer neuen gesellschaftlichen Norm wird? Ich freue mich auf die Konferenz, die ich gemeinsam mit dem Berliner Gazette-Team kuratiert habe, weil wir dort versuchen wollen, erforderliche Gesetzes- und Lifestyle-Korrekturen zusammenzudenken.


Ela Kagel, Kunstkuratorin und Managing Partner des Supermarkt


Ich freue mich dieses Jahr auf das OKFest, das in Berlin stattfinden wird, weil es ein spannendes Aufeinandertreffen von Open Knowledge Initiativen aus aller Welt sein wird und ich gespannt bin, wie die Vielzahl von Themen organisiert und präsentiert werden wird. Dann noch auf WORKAROUND 2 (Selbstbeschäftigung, Selbstmanagement & Neue Arbeitsformen) bei uns im SUPERMARKT, weil wir uns noch intensiver mit neuen Organisationsformen von Arbeit auseinandersetzen und von internationalen Best Practice Projekte lernen wollen und noch auf die re:publica 14, weil das immer die beste Gelegenheit ist, all die Menschen die ich sowieso treffen wollte, zu sehen und mich mit ihnen auszutauschen.


Andreas Weck, Redakteur für Social Media und Netzpolitik bei t3n


Das Jahr 2014 wird wieder mit einigen Veranstaltungen glänzen – da bin ich mir sicher. Allerdings werden es nicht unbedingt die großen, medienwirksam inszenierten Events sein, die mein Interesse wecken, sondern eher die kleinen Kongresse. Hier ein Beispiel: Im vergangenen Jahr war ich Gast auf dem European-Pirate-Summit (EPS) in Köln. Das Startup-Event hat mir besonders gut gefallen und die pompöse TechCrunch-Disrupt in Berlin inhaltlich locker in den Schatten gestellt. Neben den üblichen Pitches, haben sich die Macher nämlich auch mit wichtigen Fragen des Netzes beschäftigt, die nicht zuletzt für junge Gründer relevant sein dürften – beispielsweise zur Späh-Affäre und was sie für die junge Cloud-Branche tatsächlich bedeutet. Zudem bin ich dort Zeuge einer regen und sehr interessanten Diskussion zum HighTech-Gründerfond geworden. Dabei stand die Frage im Raum, ob er seiner Aufgabe technisch-innovative Unternehmen zu unterstützen genügend nachkommt oder ob er mit großen Investitionen in beliebige e-Commerce-Buden wie windeln.de, die ihm anvertrauten Steuergelder falsch verteilt. So viel Lust auf Diskurs macht Spaß – ich hoffe sehr, dass ich in diesem Jahr wieder die Zeit finde in die Domstadt zum EPS zu fahren.


Image (adapted) “republica 2013 121 #rp13“ by Blogging Dagger (CC BY-SA 2.0)


Weiterlesen »

Mit Wut und Pathos

Sascha Lobo sagt, die Netzbewegung muss Angela Merkel überzeugen. Denn: Auch in den nächsten vier Jahren sei mit der Kanzlerin zu rechnen.  „Spiegel Online“-Autor Sascha Lobo hat sich schweren Herzens mit dem Begriff der Netzgemeinde angefreundet. Es sei wie mit einem dreibeinigen blinden Hund: Irgendwann hat man sich daran gewöhnt. Er beschäftigte sich in seinem knapp einstündigen Überraschungsvortrag auf der Berliner Blogger-Konferenz republica mit dem selbst gegebenen Auftrag. Weiterlesen »

Weiterlesen »

#rp13: Unsere Sessiontipps für den dritten Tag

Heute endet die Digitalkonferenz re:publica und auch in diesem Jahr erwartet die Besucher ein riesiges Programm. Wir sagen euch, was ihr am dritten Tag nicht verpassen dürft.

re:publica-Stand (Bild: Tobias Schwarz, CC BY-SA)

Aus den über 450 Sprecherinnen und Sprechern, 263 Vorträgen, Diskussionen und Workshops, verteilt auf 11 Bühnen, haben wir für euch die heutigen Höhepunkt der Sessions aus dem Bereich ?Business & Innovation? heraus gesucht. Am dritten Tag stehen die Themen Offenheit und Crowd im Mittelpunkt des Geschehens.

Weiterlesen »

Weiterlesen »

#rp13: Unsere Sessiontipps für den zweiten Tag

Gestern begann die Digitalkonferenz re:publica und auch in diesem Jahr erwartet die Besucher ein riesiges Programm. Wir sagen euch, was ihr am zweiten Tag nicht verpassen dürft.

rp13-Schlange (Bild: Tobias Schwarz, CC BY-SA)

Aus den über 450 Sprecherinnen und Sprechern, 263 Vorträgen, Diskussionen und Workshops, verteilt auf 11 Bühnen, haben wir für euch die heutigen Höhepunkt der Sessions aus dem Bereich ?Business & Innovation? heraus gesucht. Am zweiten Tag stehen das Thema Mobilität und Digitalisierung im Mittelpunkt des Geschehens.

Weiterlesen »

Weiterlesen »

#rp13: Unsere Sessiontipps für den ersten Tag

Heute beginnt die Digitalkonferenz re:publica und auch in diesem Jahr erwartet die Besucher ein riesiges Programm. Wir sagen euch, was ihr am ersten Tag nicht verpassen dürft.

Leere rp13-Halle (Bild: Tobias Schwarz, CC BY-SA 3.0)

Aus den über 450 Sprecherinnen und Sprechern, 263 Vorträgen, Diskussionen und Workshops, verteilt auf 11 Bühnen, haben wir für euch die heutigen Höhepunkt der Sessions aus dem Bereich ?Business & Innovation? heraus gesucht. Am ersten Tag stehen das Thema Innovation und Kapitalismus im Mittelpunkt des Geschehens.

Weiterlesen »

Weiterlesen »

#rp13: APP-laus für die fleißigen Entwickler

Heute beginnt die re:publica und in der siebten Ausgabe der beliebten Digitalkonferenz gibt es zum ersten mal eine breite Palette an Apps, die einem helfen, die Übersicht zu behalten.

rp13-Apps (Bild: Tobias Schwarz, CC BY-SA 3.0)

Dieses Jahr werden über 450 Sprecherinnen und Sprechern insgesamt 263 Vorträge, Diskussionen und Workshops leiten, verteilt auf 11 Bühnen. Aber wir wollen uns nicht beschweren, denn wir haben es ja so gewollt. Und mit diversen Apps wird es in diesem Jahr sogar sehr einfach, den Überblick zu behalten – stilecht mit dem Smartphone natürlich.

Weiterlesen »

Weiterlesen »