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Beste Ergebnisse für Facebook Ads

Im zweiten Teil der Facebook Ads Summit von Social Media Examiner lag der Fokus auf Kostreduzierung von Campaigns durch intelligentes Re-Targeting. Oder – so wie es Rick Mulready, einer der geladenen Experten, ausdrücken würde: „Wie wird meine ‚kalte‘ Zielgruppe ‚warm‘, damit die Kassen heiss laufen?“

Custom Audience – der Schlüssel zum Erfolg

Rick Mulready produziert nicht nur den Podcast ‚The Art of Paid Traffic‘, sondern arbeitete zudem auch für namhafte Kunden wie AOL, Yahoo!, Funny or Die und Vibrant Media. Er betont vor allem, wie wichtig es ist, sich beim Advertising auf wahre Beziehungen mit der Zielgruppe zu konzentrieren. „Wie im echten Leben gilt auch auf Facebook: Likes sind super. Aber die Menschen möchten echte Verbindungen aufbauen. Als Geschäftsführer ist es das, was sie zum Erfolg führen wird.“

On Facebook. Image by Social Media Examiner

Mit mehr als 1,4 Billionen Menschen, die täglich auf Facebook online sind, ist es schwer, sich jedem einzelnen auf persönliche Art zu nähern. Für Mulready sind Custom Audiences des Rätsels Lösung.

Sie können von Facebook aus den Menschen generiert werden, die in irgendeiner Art und Weise schon mal mit ihrem Facebook Content interagiert haben. Sei es, dass Besucher ein Post liken, ein Video schauen oder ein Link anklicken. Während die ‚Awareness‘-Phase den Content ‚Saved Audiences‘ aufzeigt, kann Facebook nach einiger Zeit diejenigen herausfiltern, die sich tatsächlich für das Produkt interessieren.

Aus kalt wird heiss

So werden aus ‚kalten‘ Zielgruppen, die nichts von der Marke bisher wussten, ‚warme‘ Audiences gebildet. Unter ihnen sind dann die Zielgruppen, die motiviert dem Content folgen. Sie sind der Pool, aus dem sich am Ende des sogenannten Sales Funnels echte Conversions bilden lassen.

Sie sind die Käufer der Produkte, die zuerst über die Marke informiert und dann mit gezielten Content zum Kauf geführt wurden. Ihnen wurde die Möglichkeit gegeben, über einen längeren Zeitpunkt eine Beziehung zu dem Angebot aufzubauen. Und Beziehungen führen in sozialen Netzwerken zum Erfolg.

Awareness, Consideration, Lead. Image by Social Media Examiner

4 Must-Have Custom- Audiences

Diese massgeschneiderten Zielgruppen lassen sich aus unterschiedlichen Daten zusammensetzen. Für Mulready lohnen sich vor allen Dingen die Folgenden:

  • Facebook Engagement: Eine Zielgruppe, die aus denjenigen gebildet wurde, die in irgendeiner Weise mit dem Content oder der Facebook Page interagiert haben
  • Video Views: Alle, die in einem bestimmten Zeitraum ihre Videos geschaut haben
  • Email-Liste: Gesetz dem Fall, sie haben ihre Email-Subscriber über die weitere Nutzung ihrer Daten informiert, lohnt sich eine Custom-Audience aus ihrem Email-Verteilern. Diese Nutzer haben nämlich bereits ihr Interesse an der Marke gezeigt
  • Website-Traffic: Auch bei der Installation von Pixeln auf ihrer Website gilt: Die Besucher müssen der weiteren Nutzung ihrer Daten zugestimmt haben. Ist dies erfolgt, können Audiences dank des „Page View Pixels“ aus den Webseiten-Besuchern generiert werden.

Um die Reichweite der Zielgruppen zu vergrößern, können aus den Custom-Audiences wiederum Lookalikes generiert werden. Diese ähneln im Verhalten und in den Interessen.

Auch beim Bilden der Custom Audiences ist der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Facebook Ads Manager macht es möglich, sehr ins Detail zu gehen. Es lohnt sich, verschiedene Zusammensetzungen zu testen, bis man eine gute, interessierte und ‚warme‘ Zielgruppe gefunden hat.

Sollte man die gleiche Ad in einer Campaign für mehrere Target Audiences gleichzeitig laufen lassen, ist es sinnvoll die ‚Exclude‘ Funktion zu nutzen. Das ist wichtig, um Überlappungen zu verhindern. Man schließt bei der ‚Video-View- Audience‘ diejenigen aus, die auch mit dem Post interagiert haben. Bei der ‚Facebook-Engagement- Audience‘ werden wiederum die nicht eingeschlossen, die das Video gesehen haben.

Mehr Tipps vom Experten gibt es hier zum freien Download.

In den Grundsätzen herrscht Einigkeit

Wer bereits den ersten Teil der Ads Summit verfolgt hat weiß, wie man ein Produkt über Facebook erfolgreich vermarktet. Auch wie man den richtigen Advertising-Text verfasst und wie man Video Views in Conversions verwandelt, wurde hier gezeigt.

Jede Session passt thematisch in die andere. Und obwohl die Experten unterschiedliche Herangehensweisen an das Advertising haben, sind sie sich doch in einigen Grundsätzen einig. Soziale Medien werden ihrem Namen gerecht. Das Marketing muss menschlich sein. Wir müssen daher unsere Zielgruppe genau kennen. Wir müssen ihre Probleme und Sorgen definieren können, um sie mit den Ads zu lösen. Langzeitbeziehungen bringen auf Facebook Erfolg. Sie machen Herzen warm und lassen Kassen heiss laufen.

Obwohl jeder Experte seine eigene Herangehensweise hat, haben alle Taktiken eines gemeinsam. Die Testphase, die mühselig, aber notwendig ist. Wer nicht genug Zeit (und Geld) in die Proberunden steckt, kann kaum auf Erfolg hoffen. Wie in der Küche bedarf es mehrere Versuche, bis das Rezept perfekt gelingt.

Azriel Ratz, der nächste Experte auf der Facebook Ads Summit Bühne, widmete seinen kompletten Vortrag dem systematischen Testen.

Wie erreiche ich meine perfekte Zielgruppe mit den richtigen Ads zum niedrigsten Preis?

Die Antwort ist ganz einfach – mit gezielten Tests.

Zielgruppen-Test: Mit Mulready haben wir bereits gelernt, wie man aus allgemeinen Zielgruppen diejenigen herausfiltert, die tatsächlich am Produkt interessiert sind. Doch ist es wichtig zu verstehen, dass jede Zielgruppe unterschiedlich auf Campaign-Objektives reagiert.

Ist die Custom-Audience aus Video-Views gebildet, ist es einfacher zu sagen, dass sie wohl gut mit dynamischen Content interagiert. Doch wie es zum Beispiel mit der Email-List Custom Audience aus?

Find your best potential audience. Image by Social Media Examiner

Deswegen rät auch Ratz, jede Campaign mit Audience-Testing zu beginnen. Sinnvoll ist es hierbei, den gleichen Post in separate Ad-Sets mit unterschiedlichen Audiences zu testen.

Viele begehen den Fehler, alle Audiences zusammenzufassen in dem Wunsch mit größerer Reichweite bessere Ergebnisse zu erzielen. Doch damit umgeht man die Möglichkeit, die beste Audience für jedes Objektive zu finden, da es keinen Vergleich gibt.

Text- und Bild- Test: In einem zweiten Schritt kann auch der Post an sich getestet werden. „Wenn Sie Ads kreieren, schaut Facebook auf die Worte, die Sie in dem Text nutzen und sucht sich einige Schlüsselwörter heraus. Dann vergleicht es diese Wörter mit den Menschen, die Sie mit den Ads erreichen wollen; mit deren Interessen und dem Content, den sie sich anschauen. Wenn Sie zum Beispiel Fahrräder verkaufen und Sie versuchen Menschen zu erreichen, die daran interessiert sind, dann ist es wichtig, dies im Ad-Text zu benennen. Facebook wird das erkennen und Sie werden weniger für die Impression per Person bezahlen. Einfach weil Sie das richtige Schlüsselwort genutzt haben.“

Ads. Image by Social Media Examiner
Create multiple versions of ads. Image by Social Media Examiner

Wo genau diese Schlüsselwörter zu setzen sind, lässt sich wieder in der Testphase herausfinden. Ratz rät besonders für Link-Ads, die über Ad-Text, Titel und Unterschrift verfügen, mehrere Test-Ads laufen zu lassen. Das ist sinnvoll, um die einzelnen Teile miteinander beliebig zu tauschen.

Wer Videos testet, dem sei geraten, unterschiedliche Thumbnails auszuprobieren. Und auch bei Fotos können kleine, aber feine Unterschiede riesige Auswirkungen auf den Ads-Spend haben.

Experten-Tipp für kleinere Unternehmen

Besonders für kleinere Unternehmen hat Ratz auch hier einen wichtigen Experten-Tipp. Auf die Frage hin, was er raten würde, wenn ein Business nicht viel Budget hat, um so viel in die unterschiedlichen Testphasen zu investieren, hat er eine Antwort parat.

„Ich rate Kunden, die weniger als 2.000 Dollar im Monat ausgeben wollen, sich komplett auf Re-Targeting von bestehenden Zielgruppen zu fokussieren. Lassen Sie die ganz neuen Kunden Sie von selbst finden. Aber die Menschen, die Sie bereits kennen – die Email-Subscriber, die Webseiten- und Facebook-Besucher – wenn diese Menschen nicht bei Ihnen einkaufen und aktiv sind, dann haben Sie ein viel größeres Problem.

Also stellen Sie sicher, dass Sie die fünf, zehn oder 20 Dollar pro Tag für die beste Audience mit den besten Ads ausgeben. Finden Sie heraus, wie Sie diese Menschen immer und immer wieder zum Kauf bewegen können. Und sobald Sie genug Profit mit ihnen machen, können Sie einen Schritt zurück gehen und neue Menschen für Ihre Marke gewinnen.“

So schließt sich der Kreis wieder. Lang lebe die Langzeitbeziehung im schnelllebigen Facebook-Business!

Mehr Experten-Tipps von Azriel Ratz gibt es hier.


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Instagram: So gewinnst du Reichweite und bekommst mehr Likes

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Wohl kein soziales Netzwerk hat in den letzten Monaten ein solches Wachstum verzeichnen können wie der Foto-Dienst Instagram (Download im Google Play Store). Der Grund liegt auf der Hand: Die mobilen Schnappschüsse können unkompliziert mit schicken Filtern versehen und anschließend direkt mit der Öffentlichkeit geteilt werden. Doch vor allem in der Anfangsphase bekommen die Bilder meist nur wenige Follower zu Gesicht und so lässt Popularität auf sich warten. Abhilfe können unsere Tipps und Tricks schaffen.

1. Nutze mehr und richtige #Hashtags

Hashtags wurden ursprünglich für den Kurznachrichtendienst Twitter entwickelt, um eine bessere Sortierung der Tweets zu erreichen. Nach und nach haben auch andere soziale Netzwerke diese Keyword-Funktion übernommen – so auch Instagram. Hashtags sind mittlerweile in aller Munde und werden hin und wieder missbraucht, um ganze Wortgruppen zu vertaggen. Das mag zwar cool aussehen, hat aber keine Auswirkungen auf die Reichweite deiner Posts. Schlauer ist es da schon, einzelne Wörter zu vertaggen, die den Inhalt näher klassifizieren.

Das können Orte (#Alpen, #Meer oder auch #Berlin) und deren Sehenswürdigkeiten (#Fernsehturm, #Reichstag oder #Olympiapark) sein. Aber auch Gegenstände (#Bike, #Sonne, #Kaffee) oder Situationen (#Relax, #MorningGlory, #Spring, #Abenteuer) sein. Beliebte Tags sind unter anderem auch #igersgermany für „Instagramers Germany“ oder auch #igersoftheday.

Welche Hashtags häufig genutzt werden, verrät dir Instagram selbst. Sobald du das Hashtag-Zeichen und ein paar Buchstaben eintippst, schlägt dir Instagram passende Stichwörter vor. Dabei solltest du Hashtags sowohl in deutscher als auch englischer Sprache nutzen.

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Hashtags helfen beim schnellen Finden von Inhalten. Screenshots by Jonas Haller

2. Poste auf Englisch

Da komme ich auch direkt zum zweiten Punkt: Poste in englischer Sprache. Die Weltsprache Nummer 1 erreicht deutlich mehr Menschen als die deutsche Sprache. Zudem verstehen mehr Menschen deine Botschaft. Doch Vorsicht: Zwar kannst du den Text noch nachträglich ändern, allerdings sollten Rechtschreibung und Grammatik auch auf Englisch stimmen. Falls du unsicher bist, poste lieber in deutscher Sprache und verwende die passenden englischen Hashtags.

3. Verlinke Orte, Personen und Unternehmen

Seitdem es Instagram gibt, können Orte hinterlegt sowie Dritte sowohl im Bild als auch im Text verlinkt werden. Nutze diese Funktion ausgiebig! Merke dir den Ortm an dem du das Foto aufgenommen hast und verlinke ihn bei „Ort hinzufügen“. Auch eine Erwähnung im Text in Form von Hashtags wie #Berlin, #igersberlin oder #berlinstagram bringen Reichweite und damit auch Likes.

Oft sind neben dir auch andere Menschen auf dem Foto zu sehen. Verlinke befreundete Instagram-Nutzer auf deinen Aufnahmen, um anderen die Möglichkeit zu geben auch andere Konten kennenzulernen. Wie bei den anderen sozialen Netzwerken zählt auch bei Instagram: Sharing is caring. Das gilt ebenso für Unternehmen und Produkte, die auf den Fotos abgebildet sind. Natürlich solltest du dabei das richtige Maß finden und nicht jedes Detail verlinken – das nagt an deiner Glaubwürdigkeit und du wirst schnell als Werbefigur verstanden.

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Die Bearbeitungsmöglichkeiten bei Instagram sind vielfältig. Screenshots by Jonas Haller

4. Qualität statt Quantität

Ihr kennt sie sicher alle: Instagram-Nutzer, die zu jeder erdenklichen Situation ein (teilweise schlechtes) Foto posten und sich damit profilieren wollen. Auch wenn immer mehr Nutzer das Netzwerk zur Ablage ihrer persönlichen Fotos nutzen, solltest du bewusst bestimmte Inhalte veröffentlichen. Wie so oft zählt: Qualität statt Quantität. Das beginnt schon beim Bildaufbau und der Perspektive. Nimm dir für ein Foto (oder eine Fotogalerie) lieber etwas mehr Zeit und passe es nach deinen künstlerischen Vorlieben an, als die Inhalte einfach in das Netzwerk „zu rotzen“. Die Möglichkeiten sind mittlerweile schier unbegrenzt und die Bildbearbeitungsfunktionen reichen schon fast an vollwertige mobile Bearbeitungssoftware wie Lightroom Mobile heran.

5. Nutze die Share-Funktion von Instagram

Falls du noch andere soziale Netzwerke nutzt, dann verwende die Share-Funktion. Mit ihrer Hilfe können die Aufnahmen unkompliziert und automatisiert bei Facebook, Twitter und Co. geteilt werden. Etwas schade beim Netzwerk mit dem Vögelchen: Bilder werden nicht direkt in der Timeline, sondern lediglich als Link angezeigt. Wer die Fotos direkt in seiner Twitter-Medienbibliothek finden will, kann auf den Dienst IFTTT zurückgreifen. Per passendem „Rezept“ – so werden die Mikroprogramme genannt – kannst du Inhalte direkt bei Twitter veröffentlichen oder auch in deiner Dropbox speichern. Eine Auswahl dazu gibt es in der passenden Android-App.

Dieser Artikel erschein zuerst auf Androidpiloten.


Images by Jonas Haller


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„Nerve“: Wetten wir bald auf das Leben unserer Social-Media-Idole?

Am Donnerstag startet ein Zuckerwatte-Thriller in den Kinos, der sich mit den sozialen Medien auseinandersetzt. Spannend daran ist weniger die Machart als das Thema selbst. Denn hier trifft Live-Streaming auf riskante Mutproben. „Nerve“ ist der Titel eines nicht ganz legalen Online-Spiels, in dem die Menschen entweder Player oder Watcher sind.

Die Player erwartet das große Geld und Watcher zahlen immense Summen, um a) in den Profilen der Player herumschnüffeln zu dürfen, diese b) zu riskanten Challenges herauszufordern und c) zuschauen zu können, wenn es an die Umsetzung geht. Richtig perfide kann es werden, weil sich die Watcher dank der gesammelten Informationen aus den Social-Media-Profilen natürlich die Vorlieben und Ängste der Player zunutze machen. Ein Geheimnis vor den Eltern kann somit schnell zum Druckmittel werden, um den Player auch zur nächsten Mutprobe zu überreden – bis es richtig gefährlich wird.

Der Film startet mit dem Computer-Bildschirm von Vee (Emma Roberts, „Palo Alto“). Erst öffnet sie Spotify, startet einen Powerpop-Track von Lowell feat. Icona Pop, liest eine Mail, browst ein wenig durch Fotos und schon klingelt Facetime. Durch die Computer-Kamera bekommen wir die Hauptdarstellerin nun das erste Mal zu Gesicht. Ein cleverer Schachzug, bedenkt man die Prämisse des Werks. Hier wird Online First gelebt!

Obwohl die Zielgruppe des Social-Media-Krimis eher Schüler und Studenten sein dürften und alles auf Highschool-Teenie-Konflikte hinausläuft, kann man sich doch über den Zeitgeist erfreuen, den „Nerve“ von der ersten bis zu letzten Minute hinterfragt. Müssen wir alle Dinge online teilen, damit sie auch eine Wirkung für uns haben? Ist es gesund, dass ein andauernder Wettkampf um Likes, Shares und Views stattfindet? Und wie schnell lassen wir uns online in Rollen drängen, die uns eigentlich gar nicht entsprechen?

Die Mechanismen hinter „Nerve“ sind gar nicht mal so unrealistisch. Schon heute ist Aufmerksamkeit die absolute Währung in den sozialen Medien. Wenn Facebook beispielsweise ein neues Feature ausrollt, schenkt es den Anwendern auch Reichweite. Wer zuerst Videos postet, wird im Feed bevorzugt angezeigt. Wer zuerst Live-Streams anbietet, bekommt Mitteilungen an seine Follower geschenkt. Erst nach und nach wird die organische Reichweite wieder eingeschränkt, damit die Seiteninhaber Geld in die Hand nehmen, um ihre potentielle Reichweite auch auszuschöpfen.

„Nerve“ fügt diesem Prozess den Nervenkitzel hinzu. Außerdem stellt der Film die These auf, dass wir tatsächlich auch Geld in die Hand nehmen würden, um Teil der Lebenswelt unserer Social-Media-Ikonen zu werden. Schließlich ist es ein großer Spaß, an ihrem Alltag teilhaben zu können – informativ, unterhaltsam und orientierend zugleich.

Man stelle sich nur vor, dass Casey Neistat nicht mehr nur sein tägliches Video-Tagebuch veröffentlicht, sondern andauernd die Kamera mitlaufen lässt. Näher geht’s nicht! Und dann ist es schon nicht mehr so weit, bis uns der Live-Chat allein nicht länger genügt und wir Gefallen daran finden, die Ereignisse aktiv beeinflussen zu können. Warum auch nicht? Wir bezahlen ja schließlich dafür.

Erinnert sich noch jemand an „Second Life“? In der virtuellen Welt konnte jeder sein, wer er wollte. Von Außenstehenden wurde man allerdings immer schräg beäugt, weil das alles ja nicht echt sei. Guess what: Dank Live-Streaming, Virtual-Reality-Brillen und ein bisschen Geld-Motivation könnten wir schon bald wirklich ein „First Life“ erleben. Und quasi direkt in die Haut von jemanden schlüpfen, den wir in der Realität steuern.

Das Online-Spiel in „Nerve“ wirkt gegen diese Vorstellung noch harmlos. Kein Wunder, stammt die Jugendbuch-Vorlage „Das Spiel ist aus, wenn wir es sagen“ doch aus dem Jahr 2012. Instagram und Snapchat kannte zu dem Zeitpunkt noch niemand und auch die Mobilfunknetze waren noch nicht dazu in der Lage, Live-Streams stabil wiederzugeben. Das sieht heute schon ganz anders aus.

Es dürfte daher nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die Plattformen den passiven Videokonsum durch Formate der aktiven Teilhabe aufbrechen. Und wenn das soweit ist, werden wir uns gar nicht mehr vorstellen können, wie wir jemals unbeteiligt vor einem Video verharren konnten.

„Nerve“ startet am 08.09.2016 in den Kinos. Der Thriller mit Emma Roberts und Dave Franco („21 Jump Street“) regt zu futuristischen Gedankenspielen ein.


Image by StudioCanal


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Social Media in Zeiten von Katastrophen

Facebook Connections (adapted) (Image by Michael Coghlan [CC BY-SA 2.0] via flickr)

In Zeiten von Katastrophen spielt Social Media oft eine lebensrettende Rolle, wie es in den 1920er Jahren das Radio vormachte.

Jetzt, da so viele Menschen die sozialen Medien nutzen – Facebook verfügt über mehr als 1,5 Milliarden Nutzer – werden sie zu einer herausragenden, schnellen, alternativen Art der Kommunikation. Dies erweist sich als nützlich in Zeiten von Terrorangriffen wie denen in Paris, während Ereignissen wie dem Arabischen Frühling, bei Wahlen in Ländern mit staatlich zensierten Nachrichten oder bei Naturkatastrophen.

Facebook führte beispielsweise, angeregt von Erdbeben und dem Tsunami in Japan im Jahr 2011, die “Safety Check”-Funktion ein. Japanische Ingenieure entwickelten einen Prototyp, der es Nutzern ermöglichte schnell ihre Freunde darüber zu informieren, dass sie in Sicherheit waren. Der Service beobachtet Posts, um den Aufenthaltsort des Nutzers zu bestimmen und falls dieser sich in der Nähe einer stattfindenden Naturkatastrophe aufhält, wird er dazu aufgefordert, anzugeben, ob er oder sie sich in Sicherheit befindet. Zunächst ausschließlich bei Naturkatastrophen angewandt, aktivierte Facebook den Safety Check während der Angriffe auf Paris.

Google stellte nach dem Erdbeben von Haiti im Jahr 2010 mit dem “Person Finder” einen ähnlichen Service zur Verfügung und das US-amerikanische Rote Kreuz führte im Jahr 2013 “Safe and Well” ein. Facebooks Safety Check ist jedoch einfacher zu nutzen und erreicht aufgrund der enormen Beliebtheit Facebooks weit mehr Menschen.

Frühe Internetpioniere, wie Howard Rheingold in seinem Buch “Virtual Community” von 1993, vertraten den Ansatz, dass dieses neue Medium als Mittel zur gegenseitigen emotionalen Unterstützung, als Hilfe bei politischer Organisation oder politischem Aktivismus dienen könnte. Ähnliche Thesen kamen in den 1920er Jahren mit der Einführung des Radios auf. Zu diesem Zeitpunkt sahen sich Radioamateure den staatlichen Aufsichtsbehörden gegenübergestellt, deren Absicht es war die Möglichkeiten der zivilen Bevölkerung zur Zwei-Wege-Kommunikation über das Radio einzuschränken. Ein Argument das die Radioamateure mit Nachdruck einbrachten war die Fähigkeit des neuen Mediums die Katastrophenhilfe zu unterstützen, was insbesondere in den USA mit ihrer dezentralen Infrastruktur geschätzt wurde.

Kritiker haben behauptet, dass die Nutzung neuer Medien in der Katastrophennothilfe lediglich ein Ablenkungsmanöver zur Tarnung ihrer eigentlich oberflächlichen Natur darstellt und dass Firmen wie Facebook sich in der Absicht mehr Gelder einzunehmen reinwaschen wollen. Letzten Endes beanspruchen diese Anbieter die Rechte an allem, was jemand hochlädt. Andere haben sich darüber beschwert, dass eine Funktion, die Flaggen über das Profilbild legt, um Solidarität nach Ereignissen, wie derer in Paris zu zeigen, nicht für andere nennenswerte und wohl schlimmere Ereignisse an anderen Orten der Welt zu Verfügung steht.

Es gibt weitere Bedenken hinsichtlich der Tatsache, dass der Safety Check Facebooks beispielsweise von Nutzern missbraucht wurde, die sich zum Zeitpunkt des Erdbebens in Nepal gar nicht dort befanden.

Zahlreiche Anbieter sozialer Medien verfügen über ortungsbasierte Funktionen, die, wenn die sozialen und geografischen Daten zusammengenommen werden, Bedenken über Sicherheit und Privatsphäre aufkommen lassen. Solche Informationen wurden in der Vergangenheit dazu verwendet, Stars wie beispielsweise Rebecca Adlington auszurauben. Facebook verspricht als scheinbare Vorbeugung gegen die böswillige Nutzung dieser Informationen, dass lediglich die Freunde eines Nutzers die Aktualisierung des Safety Checks einsehen können.

Es besteht allerdings ein beachtlicher Mehrwert in dem, was als “freiwillig erhobene geografische Information” (Engl.: volunteered geographic information, kurz: VGI) bezeichnet wird. Wohltätigkeits- und Hilfsorganisationen sowie NGOs haben VGI eingesetzt, um Unterstützernetzwerke, wie das “Mapping Kibera”-Projekt in einem benachteiligten Stadtteil Nairobis in Kenia, für ihre Arbeit aufzubauen. Im Grunde ist Kibera ein weißer Fleck auf kommerziell verfügbaren Stadtkarten, einschließlich Google Maps. Das bedeutet, dass es sich als äußerst schwierig für Hilfsorganisationen gestaltet hat, wirksame Hilfe anzubieten, da nur wenige Informationen zur Verfügung standen.

Lokale Aktivisten starteten im Jahr 2009 das Mapping Kibera-Projekt mit Freiwilligen, die das Viertel kartierten und eine Volkszählung durchführten. In Kooperation mit OpenStreetMaps schafften sie es eine detaillierte Karte zu zeichnen, die nun die NGOs dabei unterstützt gezieltere Hilfe zu leisten.

Die selben Techniken und Technologien sind bereits an anderer Stelle in den Bereichen Bürgerjournalismus und Katastrophenhilfe eingesetzt worden. In Afrika haben Aktivisten die Ushahidi-Plattform gegründet, die den einfachen Einsatz unabhängiger VGI-basierter Nachrichtendienste ermöglicht. Ursprünglich im Jahr 2008 entwickelt, um den Bürgern zu ermöglichen Gewalttaten nach den Nationalwahlen in Kenia zu melden, wurde sie fortan in vielen Orten ohne unabhängige Nachrichtenmedien als Alternative zur Berichterstattung gegenwärtiger Vorkommnisse genutzt. Einer der Vorteile hieraus ist, dass freiwillige Informationen auch über SMS übertragen werden können. Dies ist ein wichtiger Kanal in Entwicklungsländern in denen ein Internetzugang, im Gegensatz zu günstigen, einfachen Handys, nicht immer gewährleistet ist.

Die Skepsis dem gegenüber, was soziale Medienplattformen im Stande sind zu erreichen, ist berechtigt. Im Vergleich zu anderen verfügen sie jedoch über den Vorteil, dass sie skalierbar sind. Ob es sich um ein Multimilliarden-Dollar-Unternehmen wie Facebook oder ein kleines Projekt wie Mapping Kibera handelt. Beide können zur Katastrophennothilfe und zum Bürgerjournalismus beitragen. Aktuelle, lokale Informationen zu erstellen bringt zusätzliche Vorteile. Die US-Behörden nutzten nach Hurrikan Sandy Berichte, Fotos oder Ortsangaben aus den sozialen Medien, um eine nachträgliche Analyse zu erstellen, die Planer darüber informieren sollte, wie die Gegend vor zukünftigen Katastrophen geschützt werden kann.

In dieser Hinsicht unterscheiden sich die sozialen Medien nicht allzu sehr von den Althergebrachten: Viel aufgewirbelter Staub und mit einzelnen Glanzmomenten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) “Facebook Connections” by Michael Coghlan (CC BY-SA 2.0)


 

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Die Vermessung der österreichischen Blogger-Szene

Blogging (adapted) (Image by Till Westermayer [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Sie schreiben über Spritzwein, Palatschinken, Kirchen, Toiletten, Bier, Trachten, Hochzeiten und natürlich über Essen, Fashion, Reisen und Technik: In Österreich gibt es definitiv eine vielfältige Blogger-Szene (u.a. auf Blogheim.at gelistet), doch wie sie leben und arbeiten, darüber gibt es recht wenig Informationen. Die in der Szene sehr umtriebigen Teilzeit-Blogger Petra Köstinger und Tom Schaffer haben es sich deswegen zur Aufgabe gemacht, in regelmäßigen Abständen eine Umfrage zu machen, die genau das abfragt.

Heute haben sie die Ergebnisse veröffentlicht – und sie geben spannende Einblicke in die Welt der österreichischen Blogger. Zwar kann man die Umfrage nicht repräsentativ nennen, weil die Grundgesamtheit nicht bekannt ist, aber mit knapp 460 Teilnehmern gibt die Befragung sicher gute Insights in die Szene. Zu der Demografie: Österreichische Online-Schreiberlinge sind sehr oft Frauen (62 Prozent), die meisten sind zwischen 18 und 30 Jahren alt (47 Prozent). Und sie sind sehr ausdauernd: Die größte Gruppe (29 Prozent) betreibt einen oder mehrere Blogs bereits länger als fünf Jahre.

Auch die Hauptmotivationen überraschen nicht – Interesse am Thema, Spaß am Schreiben und das Teilen von Wissen stehen im Vordergrund. Nur sechs Prozent sehen Bloggen als Arbeit an, für 45 Prozent hat sich die Tätigkeit zu einer Mischung aus Beruf und Hobby entwickelt. Die überwiegende Mehrheit (80 Prozent) sieht ihren Blog als möglichen Partner für Unternehmen an.

Wenn es um das Veröffentlichen von bezahlten Beiträgen (“Sponsored Posts”) geht, ist die Mehrheit (64 Prozent) noch ablehnend. Für jene, die mit ihrem Blog Geld verdienen, ist Sponsored Content dann aber doch die wichtigste Einnahmequelle (27 Prozent), vor indirekten Einnahmen über Vorträge, Workshops etc. (25 Prozent), klassischer Online-Werbung (24 Prozent) und Partnerprogrammen (21 Prozent). Reich wird damit in Österreich niemand: Nur acht Prozent verdienen mit ihrem Blog mehr als 2.000 Euro pro Monat, weitere sieben Prozent zwischen 1.000 und 2.000 Euro. Satte 38 Prozent machen mit ihrem Online-Auftritt zwischen 0 und 50 Euro im Monat.

Das könnte auch an den Reichweiten liegen. 35 Prozent der Befragten geben an, pro Monat weniger als 1.000 Leser zu haben, weitere 41 Prozent haben eigenen Angaben zufolge zwischen 1.000 und 10.000 Leser pro Monat. Insgesamt 17 Prozent kommen auf mehr als 10.000 Besucher im Monat. Übrigens 36 Prozent sagen selbst, dass sie gerne mehr Leser hätten.


Image (adapted) „Blogging“ by Till Westermayer (CC BY-SA 2.0)


 

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Die New York Times setzt verstärkt auf Newsletter

The New York Times (adapted) (Image by Alec Perkins [CC BY 2.0] via Flickr)

In einem Bericht von Lucia Moses auf digiday.com wird deutlich, wie viele Gedanken sich die New Yorker Tageszeitung machen muss, damit die Newsletter-Abonnenten weiterhin interessiert bleiben und eventuell sogar zu einem zahlenden Abonnenten werden. Da die vergangenen Newsletter eher wie Erweiterungen der einzelnen News-Bereiche waren, decken die neuen Newsletter noch eine größere Bandbreite an Themen ab und sind vor allem persönlicher gestaltet.

Neben diesen Themen bezogenen Newslettern fokussiert sich die New York Times mit einem Newsletter sogar nur auf eine einzelne Person, den Kolumnisten Nicholas Kristof. Für Dork Alahydoian, den Executive Director der New York Times, war es Zeit, dass Newsletter mehr als nur die Nachrichten abdecken. Also haben sie sich Gedanken gemacht, wie man auch diejenigen ansprechen könnte, die sich für andere Themen interessieren.

Am Ende standen zwei verschiedene Denkansätze zur Diskussion. Der erste Gedanke war, über die schon bestehenden Themen hinauszugehen, sprich auch in Bereiche wie beispielsweise LifeStyle. Der andere Ansatz war, eher einen schmaleren Pfad einzuschlagen. „Es ist nicht mehr so, dass ein Format allen gefällt“, so Alahydoian.

Die Mühe zahlt sich aus

Die New York Times veröffentlicht nicht die Anzahl der Newsletter-Abonnenten, teilte aber eine andere Zahlen mit, die einem einen Eindruck vom Erfolg macht: die Anzahl an Abonnenten ist in den letzen sechs Monaten um 14 Prozent gestiegen. Laut Lucia Moses bedeutet das im Bezug auf den Newsletter, dass aus zehntausenden von Abonnenten einige Millionen geworden sind. Es wird geschätzt, dass wöchentlich 50 Prozent der Newsletter auch wirklich geöffnet werden. Von einigen der neueren Newsletter werden wohl sogar bis zu 70 Prozent geöffnet. Zum Vergleich: die durchschnittliche Newsletter-Öffnungsrate von Medienunternehmen liegt bei 38,5 Prozent.

Zwar verdient die New York Times auch durch Werbung in den Newslettern, aber noch wichtiger sei es, dass sich die Menge an Lesern vergrößert, da sie sehr abhängig von zahlenden Abonnenten ist. Die Newsletter sind der Schlüssel dazu: es ist doppelt so wahrscheinlich, dass ein Leser der New York Times ein zahlender Abonnent wird, wenn er oder sie sich vorher für einen Newsletter eingetragen hat.

Hochwertige Qualität ist das A und O

Da es jedoch immer mehr Newsletter von den unterschiedlichsten Unternehmen gibt, ist es besonders wichtig, seinen Lesern etwas hochwertiges bereitzustellen. Dafür hat die New York Times extra ein zwölfköpfiges Team, das sich genau darum kümmert. Um die Nutzer auf die Newsletter aufmerksam zu machen, wurde mit Social-Media-Posts das Interesse der Leser geweckt. Für den Kristof-Newsletter zum Beispiel haben sich inzwischen 50.000 Nutzer eingetragen, nachdem er sechs Monate lang auf den Social-Media-Kanälen und der Website promotet wurde.

Ein anderer Aspekt, den die New York Times in den Newsletter mit hineinbringt ist, dass sie weg von dem RSS Feed ähnlichen Design, hin zu einem selbst geschriebenen Newsletter gegangen ist, wodurch diese persönlicher wirken. Außerdem ist die New York Times drauf und dran, neue Designs und Layouts auszutesten, die alles noch ansprechender machen sollen.


Image (adapted) “The New York Times” by Alec Perkins (CC BY 2.0)


 

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Zahlen zum Million-Abonnenten-Meilenstein der New York Times

The New York Times (adapted) (Image by Alec Perkins [CC BY 2.0] via Flickr)

Digitale Abonnenten sind die Grundlage für das Businessmodell der Times. Das Ganze geht gut voran. Wie weit kann es sich noch entwickeln und zu welchem Preis? Digitale Abonnenten sind die Grundlage für das Businessmodell der Times. Das Ganze geht gut voran. Wie weit kann es sich noch entwickeln und zu welchem Preis? Wenn Sie vor einem halben Jahrzehnt die Wahl gehabt hätten, Ihr Geld entweder in Las Vegas auf den Kopf zu hauen oder in eine Wette einzusteigen, ob die New York Times im Jahr 2015 eine Million Online-Abonnenten erreichen würde, was hätten Sie gewählt? Als die Times 2010 bekanntgab, dass sie vorhatte, eine Paywall einzurichten, glaubte fast niemand daran, dass jemand für diese “Ware”, also herkömmliche Nachrichten, bezahlen würde. Mit TimesSelect versuchte man seit Mitte der 2000er erste Streifzüge in die Gefilde des digitalen Bezahlens, jedoch ging es recht bald pleite. Der Name des Programms diente als Pointe für die gängige Meinung der damaligen Zeit.

Heute, viereinhalb Jahre nach Einführung der gebührenpflichtigen Paywall, können wir einen Meilenstein verkünden. Die Times zählt mittlerweile eine Millionen Online-Abonnenten. Dieser Moment sollte gefeiert werden. Und das, obwohl die Werbeeinnahmen der Times viele Ähnlichkeiten zu ihren Mitstreitern aufwiesen. Im Quartal fielen die Werbeeinnahmen insgesamt um 5,5 Prozent und pendelten sich dann bei einem Verlust der Einnahmen der Druckerzeugnisse um 12,8 Prozent ein. Die digitale Sparte wuchs dabei um 14,2 Prozent. Insgesamt fielen die Einnahmen also um 1,5 Prozent. Der Ausblick auf das dritte Quartal lautet wie folgt: es soll einen erneuten “Abfall im mittleren einstelligen Prozentbereich” der Werbeeinahmen geben. All das überrascht wenig, der Printbereich wird hier mit einberechnet.

Betrachten wir doch einmal den Millionen-Meilenstein, den diejenigen, die den Journalismus schätzen, feiern.

Interessanterweise sind mittlerweile alle Führungskräfte, die diese Entwicklung angeschoben haben, ausgenommen der Besitzer, verschwunden. Die nächste Generation der Times-Mitarbeiter muss sich diesen Fragen stellen: Was wird nach der Paywall kommen? Die Paywall “hat die Times nicht gerettet”, aber dafür war man ziemlich nahe dran. In diesem Jahr wird die Einnahme der Digitalsparte beinahe 200 Millionen Dollar erreichen. Und trotz des Rückgangs der Printprodukte gibt es wenig Zweifel daran, dass es weniger rasch gefallen wäre, wenn die Printabonnenten weiterhin damit konfrontiert sein würden, was man nur als Paradoxon beschreiben kann: mehrere Hundert Dollar für eine Printversion zu bezahlen, oder die Inhalte kostenlos nicht nur im Internet, sondern auch auf dem Smartphone und Tablet, die unsere dritten und vierten Arme des Lebens geworden sind, erhalten.

Die Million stellt einen Schwellenwert dar. Wir untersuchen die Bedeutung anhang von 10 Zahlen, die dies genauer illustrieren.

1. Die Leser belohnen weltweiten Journalismus.

Die Times ist die erste Zeitung, die eine Millionen digitale Leser hat. Kurz hinter ihr liegt das Wall Street Journal, während die Abos für die Financial Times bei 520,000 liegen. Diese Zahlen stellen ein gutes Fundament für die Zukunft dar. Für Nachrichtenunternehmen bedeutet dies, dass sie nicht länger national, sondern endlich auch global agieren können, was einen uneingeschränkten Zugriff bedeutet. Dieses Publikum von über einer halben Million deutet darauf hin, dass es noch mehr zahlende Leser geben wird.

2. Die digitalen Leser finanzieren die Nachrichtenabteilung

Würden wir eine durchschnittliche Kostenaufstellung pro Journalist über 150.000 Dollar anfertigen, und noch ein paar Reisen und andere Kosten hinzufügen, könnten wir mit einem geschätzten Budget von 200 Millionen Dollar im Jahr rechnen. Stellt man nun die Journalisten nach der Entlassungswelle 2014 wieder ein, kommt man auf momentan etwa 1300 Journalisten. Die Onlineleser tragen hierzu gut 118 Millionen Euro bei. Natürlich kostet der Anmeldeprozess selbst auch etwas, um ihn zu entwickeln und zu warten. Doch der bloße Rohentwurf bietet auch quälende Fragen: Können die Leser direkt für den breit aufgestellten, hochqualifizierten Journalismus zahlen?

Die kurze Antwor: Nein. Der Erfolg der Times beruht vor Allem auf dem regelmäßigen Einbauen von Dutzenden, wenn nicht gar hunderten Technikern. Die Nachrichtentechnik ist mittlerweile unwiderruflich mit der Berichterstattung verknüpft, von der Times bis hin zu Vox, Vice und BuzzFeed. Dann gibt es noch die stetig wachsenden Kosten der Marketing- und Publikumsentwicklung, mit denen man arbeitet. Das Äquivalent mag uns angetrieben haben, doch es war nur ein erster Schritt in eine digitale Unterhaltungsmöglichkeit der Zukunft.

3. Entwicklungen im Mobilbereich beherrschen das Abogeschäft.

Glaubt man den Datenerhebungen der Times, sind gut ein Viertel der Nutzer der iPhone-App zugleich auch Abonnenten. Während gut 30mal mehr Einzelbesucher auf die Times-Seite durch eine Mobilversion über den Browser anstatt der App gehen, wird die App von den Abonnenten überdurchschnittlich geliebt. Hier heißt es: Liebe = Verpflichtung, zudem kommen noch die dreimal so häufig genutzten Zugriffe über die App als über herkömmliche Browser. Das iPad-App zeigt ein ähnliches Verhalten.

Die Times hat ihren Service so langsam auch auf Mobil umgestellt und tut alles, um Viellesern die Möglichkeit zu geben, sich ohne viel Chaos vom Desktop zum Smartphone bis hin zum Tablet und zurück zu bewegen. Es geht um mobile Nutzung und Bequemlichkeit, besonders durch die App. So werden Kundenwünsche erfüllt.

4. Die Times hat momentan dieselbe Anzahl zahlender Kunden wie im Jahr 1995.

In den nicht-digitalen Tagen hatte die Times noch eine Auflage von 1,5 Millionen. Heute beträgt diese 625,000 Druckausgaben am Tag (inkl. Liefer-Abos) und eben den besagten eine Million Digital-Abos. Das sind knapp mehr als 1,6 Millionen, eine bemerkenswerte Äquivalenz. Trotz all den Veränderungen vor allem im Nachrichtengeschäft kaufen heute in etwa gleich viele Menschen eine Zeitung. Sogar zum finanziellen Höhepunkt, die Neunziger liefen ziemlich gut für die Industrie, konnte sich die Time nur auf einen eher geringen Anteil der Amerikaner berufen. Damals bedeutete 1,5 Millionen zahlender Leser eine positive Entwicklung. Nun scheint es eher unklar, wie es weitergeht. Es gibt Wahrheit und es gibt Wahrnehmung, und man muss über vieles nachdenken.

5. Nur ein kleiner Teil der Leser generiert einen großen Teil des Einkommens.

Die Times generiert etwa 60 Millionen einmalige US-Leser pro Monat. Von ihnen zahlt vielleicht eine Million, die anderen 59 Millionen dagegen nicht. Dies ist eine Spanne von weniger als zwei Prozent. Der Rest des digitalen Publikums liefert die Aufmerksamkeit, die die Times in Werbeeinnahmen umsetzt. Dennoch sind es die eine Million zahlender Leser, die mehr Pageviews vorweisen und daher doppelt so viel wert sind. Es sind eher die 1,15 Millionen zahlenden Kunden für das Printprodukt, die für die Einnahmen und Werbung im Printbereich sorgen. Wir können also behaupten, dass das heutige und zukünftige Geschäft auf einem kleinen Teil der Konsumenten aufbaut, die sich den Inhalt der Times monatlich zu Gemüte führen. Das ist erstmal kein Problem, man muss es nur den Firmen im digitalen Bereich bewusst machen. Der harte Kern der Leserschaft begründet das neue Geschäftsmodell.

Am Sonntag wird es heißen, dass die Times mit seinen 1,15 Millionen Printlesern insgesamt mehr als 2 Millionen zahlende Kunden aufweist (dies gilt nur, wenn man die Onlinekunden hinzuzählt). Wird man irgendwann die drei Millionen knacken? Dies ist das Ziel, die der Dow-Jones CEO Will Lewis gegenüber dem Wall Street Journal festgelegt hat.

6. Die Übergangsprodukte der Times werden tiefer gehen

Die Lesereinnahmen im Print- und Digitalbereich betragen momentan gut 55 Prozent. Die Werbeeinhamen machen hiervon gute 39 Prozent aus. Diese Übergangsprodukte bringt der Times Vorteile. Eine Werbeanzeige will Verluste ausgleichen, ihr Rückgang wirkt weniger enorm, wenn man weiß, dass die Times nicht mehr so abhängig von Werbeanzeigen ist, wie sie einst war. Das Verhältnis von Lesern und Werbung stellt bei den meisten Tageszeitungen die Kehrseite dar, die noch immer auf Werbeeinahmen angewiesen sind.

7. Die Null bleibt ein großes Ziel

Was war ein besonderer Einfluss im Internet, was die Werbeeinahmen betrifft? Die wichtige große Null. Mit beinahe 200 Millionen Dollar Werbeeinahmen wäre jedes Quartal in den roten Zahlen, die Werbeeinahmen wären im einstelligen Millionenbereich. Mit diesen Einnahmen konnte man in den Jahren von Mark Thompson Erfolgszahlen aus dem Jahr 2014 mit einer Steigerung um 0,7 Prozent vermelden. Im Jahr 2013 betrugen diese bereits 0,5 Prozent. Das ist nahe dran an der großen Null. Jetzt, sogar mit einer Millionen digitaler Abonnenten, bleibt man noch im Umkreis der Null stecken. (“The newsonomics of zero and The New York Times“).

8. Die weltweite Gelegenheit wird wichtiger.

Zwölf bis 13 Prozent der Digital-Abos kommen von außerhalb der USA. Dies bedeutet, dass das Publikum der nichtamerikanischen Abonnenten um die 100.000 beträgt. Im Jahr 2016 wird diese Zahl wohl steigen.

9. Investitionen in die Redaktion sind ein Geschäftsantreiber

Um die 20 Prozent des Haushaltsbudgets der Times geht in die Redaktionen. Dies ist etwas über ein Drittel mehr als in den anderen Tageszeitungen der USA, die nur etwa 12,5 Prozent dafür verwenden, oder auch: einen von acht Dollar, um Inhalte zu erstellen. Es ist kein Zufall, dass die beiden regionalen Marktführer im digitalen Bereich, der Boston Globe (mit 63.000 Digitalabonnenten) und der Star Tribune in Minneapolis (mit 58.000 Abonnenten) ebenfalls etwa 20 Prozent aufwenden. Die Leser nehmen die Qualität, Tiefe und den Umfang durchaus wahr und sind gerne auch bereit, dafür zu zahlen. Daraus kann die Industrie noch etwas lernen.

10. Paywall 2.0 wartet auf ihren Einsatz.

NYT Now launchte im April letzten Jahres  und wurde im Mai diesen Jahres bereits frei zugänglich gemacht. Dennoch wurde das Ziel verfehlt: man wollte ein jüngeres Publikum heranziehen, das bereit wäre, zu zahlen und sich bei unter zehn Dollar im Monat bewegen würde. Es gibt keinen Zweifel daran, dass NYT Now die momentanen Smartphone-Präsentationen und die Artikelauswahl geprägt hat. Dennoch schwebt sowohl für die Times als auch für die restliche Industrie diese Frage im Raum: Was würde jemand bezahlen, wenn er nicht die kompletten Zugänge rund um die Uhr zum Times-Inhalt bekommt?

NYT Now hatte 20.000 Abonnenten, bevor es frei zugänglich gemacht wurde. Kann die Times ihre beliebte Koch-App in eine Einnahmequelle verwandeln? Was sonst könnte noch für Einnahmen sorgen – Sport, Gesundheitsthemen, Reisen? Erwarten Sie neue Experimente im Jahr 2016. Paywalls 1.0, selbst mit einer Mitgliederzahl von einer Million, können die Times nur bis zu einem bestimmten Punkt bringen. Man muss neue Wege finden, um den Wachstum wieder anzukurbeln.

Alternativ erleben wir vielleicht neue Entwicklungen für günstigere “Zeitungs”-Abos. Die Washington Post von Jeff Bezos vereint das Denken von Amazon und die Kosten der Abos zusammen (“Is the Washington Post closing in on Times?”) und bietet einen Service für nur 19 Dollar jährlich an. Die Washington Post würde einen großen Investor benötigen, um daraus ein Geschäftsmodell zu stricken. An diesem Punkt jedoch heißt es, je mehr man mit dem Produkt und dem Preis ausprobiert, desto besser.

Dieser Artikel erschien zuerst auf NiemanLab. Übersetzung von Anne Jerratsch.


Image (adapted) “The New York Times” by Alec Perkins (CC BY 2.0)


 

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5 Lesetipps für den 10. August

In unseren Lesetipps geht es heute um die Auswirkungen von Edward Snowdens Enthüllungen, den Erfolg der ElbeBlogger, den Film “Pixels”, Websites für Familien-Gesundheit und Facebooks neues Livestreaming-Feature. Ergänzungen erwünscht.

  • SNOWDEN Heinrich-Böll-Stiftung: Wie Snowdens Enthüllungen den Journalismus verändert haben: Am 6. Juni 2013 veröffentlichte der Guardian den Artikel mit der eher unauffälligen Überschrift “NSA collecting phone records of millions of Verizon customers daily” – dieser Artikel war damals der Anfang für die wohl wichtigste Geschichte des Jahres. Nachdem Whistleblower Edward Snowden einigen Journalisten dieser Art von Informationen gegeben hatte, tummelte es sich nur so an weiteren, ähnlichen Beiträgen, die Auslöser für die wichtigste Geschichte des Jahres über Medien, die Rolle des Journalismus in der Gesellschaft und die Rolle der Journalisten in den Medien waren.

  • ELBEBLOGGER cocodibu: Die ElbeBlogger: “Großer Erfolg” oder “kümmerliche Karriere”?: Für Karsten Lohmeyer, Journalist und Corporate Publizist bei der Telekom-Tochter TheDigitale, findet, dass die ElbeBlogger-Aktion ein richtiger Erfolg war. Von Anfang an wurden keine genauen Reichweiten-Ziele festgelegt, da es ein Kommunikations-Experiment war und es vor allem darum ging, neue Tools auszuprobieren. Für TheDigitale war das sehr außergewöhnlich, aber laut Lohmeyer auch genau das Richtige. Selbstverständlich wurde trotzdem sehr genau auf die Zahlen geschaut, die täglich sehr zufriedenstellend waren.

  • PIXELS CNET: Videos taken down from Vimeo for using the word “Pixels”: Columbia Pictures, die Produktionsfirma hinter dem neusten Film mit Adam Sandler “Pixels”, ist auf Kriegspfad gegangen. Sie nimmt unabhängige Filme auf Vimeo ins Visier, die das Wort “Pixels” im Titel haben. Bisher wurden 10 Videos aus diesem Grund von der Videoplattform runtergenommen, unter anderem auch ironischerweise der Kurzfilm “Pixels” von Patrick Jean, der die Inspiration für den Sandler-Film war. Das Video wurde von Jean’s eigenem Account gelöscht, befindet sich aber weiterhin auf dem Account von One More Productions, von denen dieser produziert wurde.

  • ANCESTRY heise online: Verbraucher-Genetik: Ancestry startet neue Websites zu Familien-Gesundheit: Mehrere Unternehmen in den USA liefern sich ein Wettrennen mit genetischen Gesundheitsinformationen direkt für Verbraucher. Ancestry, ursprünglich ein Verlag für Ahnenforschung, hat jetzt so eine Website gestartet. Sie trägt den Namen “AncestryHealth” und soll Daten aus der Ahnenforschung mit genetischen Informationen über Krankheiten kombinieren und somit den Kunden ein genaueres Bild zu liefern.

  • LIVESTREAMING B2C: Facebook Mentions Live Video Streaming Feature Only Available to Celebrities?: Über 900 Millionen Facebook-User haben mindestens eine Seite von “öffentlichen Personen” geliked. Der Konzern gab vor kurzem bekannt, demnächst ein neues Livestreaming-Feature zu launchen, das “Live” heißt. Stars und Sternchen, sowie Politiker und Athleten konnten das Feature bereits benutzen – “Live” ist bisher aber nur für verifizierte Profile möglich. Mit dem neuen Feature möchte Facebook, dass diese öffentlichen Personen live Videos mit ihren Fans teilen können. “Live” funktioniert ungefähr genauso, wie auch die unzähligen anderen Livestreaming-Dienste da draußen.

CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

Nutze Netzpiloten 1-Klick: Mit nur einem Klick werden dir bequem alle 40 Sekunden die hier besprochenen Seiten „vorgeblättert“ START.

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Kleine Podcaster haben Probleme, neue Hörer zu gewinnen

Skullcandy Headphones (adapted) (Image by Brett Levin [CC BY 2.0] via Flickr)

Wie sieht das Podcast-Geschäft für die Betreiber aus? Eine Umfrage deutet an, dass trotz des steigenden Interesses für Podcasts, der größte Teil des Wachstums auf die bereits bestehenden Hörer zurückzuführen ist. /

Es gibt kaum neue Hörer. Die Podcaster sorgen sich nun, wie sie sich neues Publikum und Bezahlmodelle erschließen können. Clammr, ein Unternehmen hinter einer iOS-App, die den Nutzern dabei hilft, Audiocontent zu streamen und zu teilen, führte eine Onlinestudie mit 59 Podcastern durch. Der größte Teil der Befragten setzte sich zusammen aus “wichtigen Podcastern, die den größten Teil der produzierten Podcasts repräsentieren”, sagte Clammr-Mitbegründer Parviz Parvizi, “und keine Shows mit großen Markennamen, die von den großen Sendern kommen.

Das sind vielleicht nicht die beliebtesten Sendungen aller Zeiten, aber diese Leute betreiben ihre Podcasts ohne Hilfe von größeren Unternehmen.

  • Das Interesse an Podcasts hat zugenommen. Zwischen 2014 und 2015 gab es 32 Prozent mehr Suchanfragen bei Google mit dem Stichwort “Podcast”, und 37 Prozent mehr Downloads. Clammr merkt hier aber an, dass dieses “angenommene Wachstum eher von den bereits bestehenden Hörern stammt als von einer gewachsenen Nutzerzahl” und fand heraus, dass “im Mai 2015 die Suchanfragen für Podcasts niedriger waren als beim bisherigen Höchstwert der ersten Podcastwelle im Januar 2006.

  • Das hier sind die Aspekte der Umfrage zur Entwicklung von Podcasts. Die Befragten haben angegeben, mit welchen Entwicklungen sie besonders zufrieden oder unzufrieden sind:

Clammr Podcasts Challenges (Image by Clammr via SlideShare)
Quelle: Clammr

Anders gesagt: es scheint, als wären die Podcaster generell mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln zufrieden. Sie sorgen sich allerdings darum, ob es in ihrem Geschäft demnächst schwieriger werden könnte.

  • Abgesehen von einiger Unzufriedenheit bezüglich der sozialen Medien stellen diese noch immer die wichtigste Quelle für die Verbreitung und Wachstumsraten von Podcasts dar:

Clammr Podcaster Social Media (Image by Clammr via SlideShare)
Quelle: Clammr
  • Apple hat maßgeblich zum Wachstum des Podcastbusiness beigetragen. 82 Prozent derjenigen, die Podcasts auf dem Smartphone hören, tun das auf einem iOS-Gerät, nur 16 Prozent hören sie sich auf Androidgeräten an. Und wiederum hören 78 Prozent der Podcasthörer mit einem iPhone auch über die Apple-interne Podcast-App.

Weitere Ergebnisse der Untersuchung finden Sie hier.

Dieser Artikel erschien zuerst auf NiemanLab. Übersetzung von Anne Jerratsch.


Image (adapted) “Skullcandy Headphones” by Brett Levin (CC BY 2.0)


 

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Preview Cards auf Twitter könnten Publishern weiterhelfen

Twitter (adapted) (Image by Andreas Eldh [CC BY 2.0] via Flickr)

Dank eines neuen Designs bei Twitter, könnten die Tweets von Publishern bald um einiges wertiger werden. Das Unternehmen gab kürzlich bekannt, dass es eine neue Einstellung namens Twitter Cards geben soll, die eine erweiterte Zusammenfassung eines Links darstellt, die dann auf den iOS- oder Android-Geräten zu sehen sein wird. Was genau das für die Medienunternehmen, oder eigentlich für jeden, der seine Links bei Twitter verteilt, bedeutet: den Artikeln soll mehr Platz eingeräumt werden. Sie werden komplett mit Leitartikel und den ersten paar Worten angezeigt.

Wenn Sie schon eine Weile auf Twitter unterwegs sind, haben Sie vielleicht bemerkt, dass dies ein Teil der Pläne des Unternehmens ist, um mehr Medieninhalt in Ihren Feed zu bringen. Features wie Autoplay von Videos, GIFs, oder Werbeanzeigen haben dafür gesorgt, dass das Twitter-Erlebnis kein ununterbrochener Wasserfall an Texten mehr ist. Casey Newton von The Verge erklärt diese Veränderung:

Die ausführlicheren Previews sind noch ein neues Feature bei Twitter (lesen Sie hierzu: “Summary card with large image”) und Sie sehen nur die automatisch erweiterten Links der Publisher, die diese Einstellungen auf ihrer Seite vorgenommen haben. Man muss aber erwarten, dass die meisten Publisher diesem Trend folgen werden, denn indem man die ersten paar Worte des Artikels in den Tweet mit dem entsprechenden Link einfügt, heben sich die großen, bunten Felder von den Nachrichten mit dem twittertypischen Limit von 140 Zeichen deutlich ab. Und natürlich führen auch die  Werbetreiber, die mindestens genauso gierig nach   Favorisierungen und Retweets sind, dies in großen Mengen ein.

Es gibt einen deutlichen Vorteil der Medienunternehmen, die um die Aufmerksamkeit der Leser kämpfen, vor allem, seit wir wissen, dass mehr und mehr Leser ihre Nachrichten über soziale Netzwerke wie Twitter beziehen. Die Twitter Cards sind ein bisher wenig benutztes Werkzeug für die meisten Publisher. Wir bei NiemanLab konnten beispielsweise die Twitter Lead Generation Card nutzen, um die Abonnementzahlen für unseren täglichen Email-Newsletter zu vervielfachen. Natürlich macht Twitter das alles nicht ganz uneigennützig; wenn die Leute mehr Zeit damit verbringen, durch ihre Twitter-Timeline zu scrollen, hat Twitter natürlich auch etwas davon (man vergleiche diese Entwicklung mit den Instant Articles von Facebook). Diese Entwicklung sorgte für Diskussionen im Nachrichten-Business, ob dies eine weitere Bedeutung in dem Kampf um ‘distributed content’ haben könnte , oder ob man dabei als Publisher tatsächlich noch gewinnen kann.

Dieser Artikel erschien zuerst auf NiemanLab. Übersetzung von Anne Jerratsch.


Image (adapted) “Twitter” by Andreas Eldh (CC BY 2.0)


 

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Wie BBC News mehrsprachige Social News zusamenfassen will

BBC News setzt auf mehrsprachige Nachrichten in Instagram und Line (Image: BBC)

Mit mehrsprachigen Nachrichten in den unterschiedlichsten Formaten erreicht die BBC vollkommen neue Zielgruppen. // von Joseph Lichterman

BBC News setzt auf mehrsprachige Nachrichten in Instagram und Line (Image: BBC)

Wir wollen einem Publikum, das normalerweise eine festgesetzte Meinung über die BBC hat, zeigen, dass sie auch mit der neuen Zeit mithalten kann„, begründet Hernando Alvarez die Versuche der BBC, Nachrichten in den unterschiedlichsten Sprachen in den verschiedensten Formaten auf den mannigfaltigsten Medien zu verbreiten. Und das mit Erfolg.

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Über die Macht von WhatsApp & Co. und das Teilen von Nachrichten

iOS iPhone (adapted) (Image by Álvaro Ibáñez [CC BY 2.0] via Flickr)

WhatsApp kann Websites viel Traffic bringen, manchmal sogar noch mehr als Facebook. Brauchen Medien einen WhatsApp-Button? Vor fünf oder sechs Jahren war es nicht unüblich, am Ende eines Blogposts reihenweise winzige Symbole zu sehen, die auf verschiedene soziale Netzwerke hinweisen sollten und dabei fast wie frei erfunden wirkten. In der letzten Zeit sind Facebook und Twitter enorm gewachsen, also reduzierten viele Seiten diese Stelle auf diese beiden Dienste.

Vor einigen Jahren wäre der Spitzenkandidat, der sich in diese Reihe einfügt, noch Google+ gewesen. Manchmal taucht der Dienst auch noch auf. Die neuen Anwärter hiefür kommen jedoch aus der Generation der Chat-Apps, allen voran WhatsApp, das mittlerweile von Facebook für 19 Milliarden US-Dollar aufgekauft wurde.

WhatsApps Primärfunktion ist der bilaterale Austausch, im Gegensatz zum Massencharakter von Twitter und Facebook. Mittlerweile haben Chat-Apps aber eine große und kontinuierlich wachsende Alltagspräsenz im Leben und auf den Mobilgeräten der Menschen, so dass sie immer wieder deren Aufmerksamkeit fordern.

Eine Sache haben Nachrichtenagenturen in ihren Berichten über Apps wie WhatsApp vergessen: eine ausführliche Analyse. Es gibt keine einfache Möglichkeit herauszufinden, ob der Besucher einer Internetseite durch eine Chat-App herfand, da diese keine Verweise hinterlassen. So definiert sich ein Phänomen namens „dark social„. Ohne Statistiken ist kaum zu ermitteln, wie man den WhatsApp-Datenverkehr weiter optimieren kann.

Recode berichtete im Februar 2014, dass bei BuzzFeed viel Traffic beim Teilen von Inhalten zu herrschen schien. Die Daten waren allerdings immer noch nur geschätzt:

Jedes Mal, wenn wir auf unsere WhatsApp-Zahlen geschaut haben, fielen wir beinahe hintenüber‘, sagte der damalige BuzzFeed-Präsident Jon Steinberg. ‚Wir wussten seit April, dass es sich hierbei um ein großes Netzwerk handelte, und wurden immer mehr davon eingenommen.‚ Im Oktober integrierte BuzzFeed einen Teilen-Button für WhatsApp in die iOS-Software, und seitdem wurde damit doppelt so oft geteilt, ließ BuzzFeed-Vizepräsident Ashley McCollum verlauten. Doch die Funktionen von WhatsApp sind noch immer eher einfach gehalten. ‚Wir haben nur die Datenangaben von Klicks, aber keine Verweisdaten‘, sagt McCollum. ‚Wir wissen durch die Mobilversion, wer den Teilen-Button angeklickt hat. Wir wissen aber (noch) nicht, ob man dies innerhalb einer Gruppennachricht an 15 Leute getan hat und ob diese 15 alle den Button angeklickt haben oder ob es nur an eine einzelne Person weitergeleitet wurde.‘

Anders ausgedrückt, haben vielleicht viele Leute den Teilen-Button benutzt, es gab nur bisher keine geeignete Möglichkeit herauszufinden, ob sich diese Tatsache zugleich wesentlich auf den Datenverkehr ausgewirkt hat.

Der soziale Eckball

Darum gibt es jetzt tolle Neuigkeiten für den Leser: Man ist nun in der Lage, ein paar konkrete Fakten benennen zu können, die sich sowohl auf den Aspekt des Teilens, als auch auf den Datenverkehr beziehen. Sie stammen aus einer ungewöhnlichen Quelle: der spanische Fußballclub FC Valencia.

Wie die meisten Fussballmannschaften besitzt auch der FC Valencia eine eigene Homepage, auf der Nachrichten über das Team veröffentlicht werden. Die Mobilversionen der Nachrichten enthalten vier Teilen-Buttons: Twitter, Facebook, Google+ und WhatsApp. Hier werden sowohl Klickzahlen erfasst (beispielsweise wie oft die jeweiligen Buttons angeklickt werden), als auch, was noch viel entscheidender ist, der Datenverkehr, indem man ein URL-Parameter einbaut, der bei der Datenerfassung hilft und anzeigt, von welcher Quelle der Leser auf die entsprechende Seite gelangt ist. So gerüstet, kann der FC Valencia herausfinden, auf welchen Plattformen am ehesten ein entsprechender Link geteilt wird. (Die Daten stammen von Daniel Ayers, Mitarbeiter von Seven League, einer sportaffinen digitalen Beratungsstelle, die auch für die aktuelle Leitung des Bereichs für digitale Marktleitung des FC Valencia tätig ist).

Und folgendes wurde herausgefiltert:

Welcher Anteil der Userklicks ging an welchen Button?

  • Facebook: 35 Prozent

  • WhatsApp: 33 Prozent

  • Twitter: 19 Prozent

  • Google+: 13 Prozent

WhatsApp schneidet hier bemerkenswert gut ab – und umso mehr, wenn man bedenkt, dass der WhatsApp-Button nicht auf der Desktopversion für Laptops oder am PC erscheint, sondern nur auf den mobilen Geräten (aus technischen Gründen erscheint er eigentlich in allen Browsern in einer Breite von maximal 740 Pixeln und entspricht dabei ziemlich genau der durchschnittlichen Smartphone-Größe.).

Was passiert also, wenn man sich die Zahlen für die Mobilversionen anschaut? Dann erreicht man folgende Zahlen:

  • Facebook: 25 Prozent

  • WhatsApp: 48 Prozent

  • Twitter: 15 Prozent

  • Google+: 11 Prozent

Hier geht beinahe die Hälfte der Anteile in der mobilen Version an WhatsApp.

Aber was ist mit dem Traffic? Haben diese Klicks viele Seitenaufrufe generiert? Werfen wir noch einmal einen Blick zurück auf den größeren Datensatz, der Mobilversion und PC-Version zusammenzählt.

Welcher Anteil der Seitenaufrufe wurde durch welchen Teil der Buttons produziert?

  • Facebook: 27 Prozent

  • WhatsApp: 48 Prozent

  • Twitter: 22 Prozent

  • Google+: 3 Prozent

Anders gesagt, über WhatsApp wurde öfter geteilt (48 Prozent), als dass es selbst Klickzahlen hervorrief (33 Prozent).

Und wenn wir nun noch einmal die Mobilversion anschauen? Dann kommt folgendes heraus:

  • Facebook: 15 Prozent

  • WhatsApp: 69 Prozent

  • Twitter: 16 Prozent

  • Google+: 0 Prozent

Verrückt, oder? Von all den Teilen-Buttons in der Mobilversion macht WhatsApp mehr als zwei Drittel der Besuche beim FC Valencia aus.

Tabelle 1: WhatsApp im Journalismus Tabelle 2: WhatsApp im Journalismus

Zwei gelbe Karten

Bevor jetzt jeder los zieht, um auf seiner Website einen riesigen grünen WhatsApp-Button zu integrieren, sollte er noch zwei Warnhinweise in Bezug auf die Daten beachten.

Der erste dreht sich um den nationalen Kontext. Das Nutzerverhalten in Spanien entspricht unter Umständen nicht dem Nutzerverhalten im eigenen Land. Zu einem früheren Zeitpunkt hat sich herausgestellt, dass 65 Prozent der Nutzer von mobilem Internet in Spanien WhatsApp benutzen, im Vergleich dazu aber nur etwa 8 Prozent in den USA. (Eine Auswahl aus anderen Ländern: Frankreich 6 Prozent, Australien 15 Prozent, Kanada 16 Prozent, Großbritannien 36 Prozent, Deutschland 57 Prozent, Brasilien 59 Prozent und Mexiko 64 Prozent. In anderen Ländern, vor allem in Asien, bestimmen andere Chat Apps den Markt: Kakao Talk, Line und WeChat).

In den USA haben sich Chat-Apps noch immer nicht durchgesetzt, zumindest nicht in dem Maße, wie in vielen anderen Teilen der Welt, in denen Betreiber von SMS- oder speziell auf Smartphone zugeschnittene Plattformen (iMessage, BBM) beliebter sind. Aber ob man nun WhatsApp oder andere Dienst nutzt, es ist ziemlich wahrscheinlich, dass diese Art der Plattformen weiter wachsen werden.

Der zweite Warnhinweis bezieht sich darauf, wenn Meldungen aufgeplustert werden und viral werden. Sicherlich hat der Leser bei den obigen Tabellen bemerkt, dass die Titel eine Veröffentlichung einer „Spitzenstory“ ausschließen. Das liegt daran, dass während der Zeit, in der die Daten vom FC Valenncia ausgewertet wurden, nur eine Story wirklich hervorgehoben wurde: Es handelt sich dabei um eine Anzeige, die besagt, dass der Club seinen Untestützern Eintrittskarten bezuschussen würde, wenn sie einem Spiel mit dem Gegner Levante beiwohnen wollen. Wie man sich sicher leicht vorstellen kann, explodierte die Meldung und bekam mehr als 1.800 Tweets und würde über 12.000 mal geliked, geteilt und ernete Kommentare bei Facebook.

In den oberen Tabellen wurde diese Gechichte ausgelassen, da dieses Ereignis so einmalig war. Berechnet man es mit ein, erscheint plötzlich ein völlig anderes Bild:

Tabelle 3: WhatsApp im Journalismus Tabelle 4: WhatsApp im Journalismus

Auf einmal gewinnen hier Facebook und Twitter deutlich an Einfluss, auch in der Mobilversion. Warum ist das so? Dies erklärt sich durch die Lücke zwischen den bilateralen/gruppeninternen und den massenbeschallenden Plattformen. Die meisten Tweets gehen ins Nichts – aber wenn einer doch mal hochgepusht wird, dann passiert dies teils bis ins Extreme. Da die öffentlichen Plattformen auf Grundlage von Followern und Freunden aufgebaut sind, ist es für Facebook und Twitter sehr viel einfacher, Meldungen zu generieren, die an eine größere Öffentlichkeit gelangen, als dies beim eher privaten und individualfokussierten WhatsApp passiert.

Dies hat auch Ayers vom FC Valencia in diversen Emails bestätigt:

Kurz gesagt, WhatsApp übertrifft Facebook, Twitter und Google+ bei weitem, wenn man ’normale‘ Bedingungen anbringt, z.B. nicht virale Meldungen, die auch keine ‚Spitzenstories‘ sind. Hier kommt man beinahe jedes Mal auf zwei Empfehlungen pro Teilung, im Vergleich zu wenigstens einer Empfehlung bei den anderen Plattformen.

Wenn man einen großen Artikel hat, funktioniert WhatsApp sehr zuverlässig und es wird entsprechend oft geteilt. Das größere Reichweitenpotential von Facebook und Twitter ist hier jedoch durchaus gegeben – diese Kanäle beginnen gerade, bis zu zehn Empfehlungen pro Teilung zu generieren…

Man kann also annehmen, dass sich für eine Seite mit einem Besucherprofil, das häufig durch Spitzenstories verfälscht wird (z.B. BuzzFeed, oder große Nachrichtenportale), der Einfluss von WhatsApp verringern wird, da dort das Reichweitenpotental von Twitter und Facebook tatsächlich mit einberechnet wird. Aber Viele Club- oder Markenseiten werden ein ähnliches Profil aufweisen, wie es valenciacf.com tut.

Gesamtbewertung

Was soll man nun also aus dieser Untersuchung ziehen, wenn man eine Nachrichtenseite betreibt?

Erstens: Befindet man sich in einem Land, in dem WhatsApp intensiv genutzt wird, scheint es ratsam, neben dem Blau der Facebook- und Twitter-Buttons einen kleinen grünen Button auf seine Website zu integrieren. Man sollte ein paar der größeren landesspezifischen Nachrichtenseiten ausfindig machen, denn dies findet bemerkenswert selten statt. Besonders interessant für die iPhone-Nutzer ist hier, dass WhatsApp sich nicht nahtlos in das Betriebssystem einfügt, wie es bei Facebook oder Twitter der Fall ist. Daher könnte der Button eine weitgehende Verhaltensänderung nach sich ziehen.

Zweitens: Beginnen Sie mit der Datenerfassung. Integrieren Sie ein Parameter in die WhatsApp-URLs und messen Sie das Nutzerverhalten, das sich hieraus ergibt.

Drittens: Befinden Sie sich in einem Land, in dem eine andere Chat-App den Markt bestimmt, wie es zum Beispiel in Asien der Fall ist, kann sich die Extraarbeit der Pixelgenerierung für einen spezifischen Button lohnen.

Und Viertens: Wenn Sie sich in den USA aufhalten, kann es ebenso passieren, dass keine dieser Apps überhaupt Aufmerksamkeit generieren – aber es geht langsam in diese Richtung. Die Nutzer sind noch unverhältnismäßig jung und nutzen hauptsächlich Mobilgeräte – hier muss man also die Neuigkeiten auf dem Markt im Auge behalten. Versuchen Sie, ein paar A/B-Test zu etablieren und Ihre eigene Datenbank zu verwalten, denn hier könnte sich ein Trend etablieren, dem es sich lohnen kann voraus zu sein.

Zuerst erschienen auf niemanlab.org. Übersetzung von Anne Jerratsch.


Image (adapted) „iOS / iPhone“ by Álvaro Ibáñez (CC BY 2.0)


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Das Archiv beflügelt die neue Paywall des New Yorker

The New Yorker (adapted) (Image by Esther Vargas [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Seit dem letztjährigen Relaunch von NewYorker.com und der neuen Paywall sind sowohl die Besucherzahlen als auch die Abonnentenzahlen gestiegen. Der Trick, um Leser in eine Horde hamsternder Gierschlunde zu verwandeln, lautet wie folgt: Man teile ihnen mit, sie können tief in das Archiv des New Yorker eintauchen und mit so vielen Geschichten wieder herauskommen, wie sie mit ihren eigenen Händen tragen können.

Statt dass Eltern panisch die Gänge des nächsten Walmart für die aktuelle Version der Elmo-Puppe abgrasen, konnte man zusehen, wie sich die Leute um die Werke von Junot Diaz, Alice Munro oder Davin Grann prügelten, auf die sie schon eine Weile geschielt haben.

Genau das ist vergangenen Sommer passiert, als der New Yorker sein Archiv geöffnet und alle Berichte bis 2007 kostenlos verfügbar gemacht hat. Diese Freifahrtsaktion war Teil des Relaunchs der Webseite des Magazins NewYorker.com. Die Grundidee war, dass man die redesignte Seite den alten und neuen Lesern vorstellen wollte, indem man sich für fünf Monate durch die Berichte wühlen konnte. Es gab nicht nur Einkaufslisten, die zum Bestellen aus dem Backkatalog animierten, es gab auch Listen der Listen, die empfahlen, was noch alles gelesen werden sollte.

Der Goldrausch nach den Artikeln des New Yorker wurde sowohl durch das Talent der Autoren als auch durch das Novum ausgelöst, dass eines der am luftdichtesten abgeschlossenen Abonnementsysteme aufgehoben wurde, denn vor Juli waren nur etwa 25 Prozent der Beiträge während bestimmter Wochen freigeschaltet. Der Redakteur David Remnick teilte der New York Times im Juli mit, dass sich das alte Geschäftsmodell des Magazins „seit seiner Konzeption längst überlebt hat„.

Durch das Redesign und die Freischaltungsaktion im Sommer wurde auf zwei Arten die Frage aufgegriffen, wie man mit einem Zuwachs an Publikum in Zukunft umgehen wolle. Die erste Aufgabe war einfach: eine Website zu erstellen, die unterhaltsam und lesbar ist, und die Nichtabonnenten neugierig genug macht, um Geld dafür zu bezahlen.

Und der Plan ging auf. Wenn auch nicht so, wie erwartet.

Es gab keinen deutlichen Anstieg in den Leserzahlen zwischen Juli und November. Dann gab es einen, aber der war nicht sonderlich hoch, sagt Nicholas Thompson, Redakteur bei NewYorker.com. Seltsamerweise war es so, dass wir die Paywall eingeschaltet haben, und erst dann gab es einen enormen Anstieg.

Im Januar gab es bis zu 30 Prozent mehr neue Besucher, genau wie im vergangenen Jahr. Und, was noch wichtiger war, die Anzahl der zahlenden Leser ist ebenso nach oben gegangen. Nachdem der gebührenpflichtige Zugang eingeführt wurde – das hieß, es gab sechs kostenlose Artikel im Monat – stiegen die Abonnenten um 85 Prozent im Vergleich zum vergangenen Januar. (Die neuesten Zahlen der Alliance Audited Media show besagen, es wurde für den New Yorker insgesamt 1.044.524 mal gezahlt.)

In diesem Jahr feiert der New Yorker seinen 90. Geburtstag und diese Langlebigkeit reiht sich gut ein in die Verfügbarkeit von älterem Material. Der Andrang auf das Archiv im vergangenen Sommer zeigte den Hunger danach, aber es wurde auch deutlich, wie einschränkend die Abo-Planung in ihrem Modell des ‚Alles oder Nichts‘ war. Nun unternimmt der New Yorker erste Schritte, um sein Publikum zu erweitern, in dem er analysiert, welche Menschen die Webseite anzieht, was sie dazu bringt, ein Abo abzuschließen und wie man eine Verbundenheit zu den Lesern aufbaut, die erst jetzt den in Manhattan ansässigen, Monokel tragenden Eustace Tilley kennen lernen. „Wir haben ein Magazin, es ist etwas Besonderes, und ich bewundere es. Ich glaube, es ist das beste Magazin der Welt. Und ich will, dass die Webseite genau danach aussieht“, sagte mir Thompson bei einem Besuch.

Wir saßen im 38. Stock des World Trade Center 1, dem neuen Sitz von Condé Nasts Zeitungsimperium. Der Ort „ist gerade erst dabei, sich an den neuen Vibe zu gewöhnen„, und noch immer sind die Regale im Büro vollgestellt. Die Fenster erlauben einen Blick durch die ganze Innenstadt, den Thompson aber meist ignoriert, während er am Stehpult gegenüber des Fensters arbeitet.

Seit Beginn seiner Anstellung war Thompson dafür verantwortlich, den digitalen Austausch der Seite zu erhöhen, indem er zu schnellerem und pünktlicherem Schreiben ermutigt hat, was sich auch auf die Printabteilung ausgewirkt hat. Dieser Austausch ist natürlich relativ, denn der tägliche Output von NewYorker.com beträgt etwa 15 Artikel und Thompson kann sich nicht vorstellen, dass es je mehr als 20 werden. Andy Borowitz und die täglich eingesandten Texte von Autoren wie John Cassidy, der über Hillary Clintons Emailvorlieben schreibt, rufen einen anhaltenden Traffic hervor, so Thompson. Während der Freischaltungsaktion im Sommer und im Winter, in dem die Paywall eingeführt wurde, waren vor allem ausführliche Features besonders erfolgreich unter den Lesern, wie beispielsweise der Bericht über Angela Merkel von George Packer.

Genauso war es aber auch bei den Werken, die zuerst im Web verfügbar waren, wie Nachrichten, Kulturreporte und die lustigen Artikel, sagt Thompson. Werke wie die Meldungen über Ferguson von Jelani Cobb, Ryan Lizzas Szenenbeschreibungen über das Erwachen einer neuen Republik und die Abteilung „Shouts & Murmurs“ ziehen Leser an und bringen die Leute dazu, ein Abo abzuschließen. Das war für viele Mitarbeiter überraschend, denn sie glaubten, dass die hintergründigen Reportagen hierbei das Wichtigste wären.

Stattdessen suchten viele Leser nach einer bleibenden Verbindung zum Magazin und ihren Lieblingsautoren. Was gab es für Anzeichen, die dafür sprachen? Thompson sagt, die Leser des Newsletters sind am ehesten die, die später auch ein Abo abschließen.

Momentan ist man weniger an Einzelbesuchern oder Seitenaufrufen interessiert, sondern daran, wie viel Zeit lesend verbracht wurde. Man weiß, dass die Leute etwa 17 Minuten damit verbringen, Ian Parkers Steckbrief von Jony Ive zu lesen. Die Anzahl der Magazinkollektionen und stapelweise Geschichten rund um Regisseure, Verbrechen oder Liebe sind sogar noch höher, hier beträgt die durchschnittliche Lesezeit laut Thompson 53 Minuten.

Die Paywalls zu optimieren ist nicht länger eine neue Wissenschaft für die Medien. Laut der Einführung des digitalen New York Times-Abos im Jahr 2011, haben sich im Anschluss hunderte Herausgeber an dem Modell orientiert. Für viele zeigten sich die ersten Erfolge in einer Kombination aus höheren Abonnementzahlen und, zumindest auf den ersten Blick, einem niedrigeren Traffic.

Aber der New Yorker wechselte nicht einfach von kostenlos zu gebührenpflichtig, wie die meisten Zeitungen. Durch das alte Zugangsmodell, bei dem man mit kleinen blauen Schlössern angezeigt bekam, welche Beiträge nur für Abonnenten freigeschaltet waren, bekam man den Eindruck, dass der beste Teil des Magazins versteckt blieb.„Wir wollten mehr Leser für unseren tollen Inhalt gewinnen. Wenn ein Artikel hinter einem kleinen blauen Schloss versteckt bleibt, kannst du ihn nicht bewerben“, sagt Monica Ray, Vizepräsidentin für Verbrauchermarketing für Condé Nast.

Ray rechnet den Anstieg der Leserschaft des New Yorkers der Publikumsrecherche und einer Analyse an, die in den Monaten stattfand, in denen die Seite relaunched wurde und das Archiv offen stand. Anstatt man die Paywall komplizierter machte, in dem Features und Blogposts unterschiedlich bewertet wurden, entschied man sich, dass alle Artikel gleich behandelt werden sollten. Die Gebührenpflicht bei sechs Artikeln im Monat anzusetzen bedeutete, dass die Rubrik „Tagesbuch eines linken Hais“ und Berichte von Adam Green mit dem Namen „Meistertaschendieb Apollo Robbins“ gleich behandelt wurden.„Wir wollten einen Ort finden, wo man genug zu lesen hat, aber wir geben nicht gleich alles heraus“, sagte sie.

Das allgemeine Ziel, durch das neue Design und die Gebührenpflicht, ist die Erreichbarkeit, wohl auf dem technischen Feld als auch in Belangen des Tonfalls.

Wie der Ansturm auf das Archiv gezeigt hat, gibt es bereits ein fest etabliertes und lautstarkes Publikum für den New Yorker. Ray sagt, sie müssten expandieren, was bedeutet, dass sie Leute erreichen müssen, die entweder den New Yorker nicht kennen oder einen falschen Eindruck von dem Magazin haben. „Ich glaube, es hat uns sehr geholfen, dass wir unsere Artikel mehr bewerben konnten, also kommen die Leute deshalb auf unsere Webseite“, sagt sie.

Das Ganze ist Teil einer weitergehenden Adaption, wie die Leser mit dem New Yorker interagieren, sagte mir die stellvertretende Redakteurin Pamela McCarthy. Die neue Seite zu veröffentlichen und einen digital verbesserten New Yorker zu designen, ist ein Vorgang, der verlangt, dass manbewusst bleibt, während wir uns schnell bewegen„. Das Ganze ist nicht so sehr ein technischer Prozess, sondern viel mehr ein redaktioneller, denn das Magazin hat für die anspruchsvollen Teile seinen berühmten faktencheckenden und redigierenden Apparat, der mit der Geschwindigkeit des Internets arbeitet. Wie es aussieht, sagt McCarthy, ist das viel näher an dem dran, wie Zeitungen ihre täglichen Berichte behandeln. „Wir wissen von unseren Kollegen von der Times, der Washington Post – sie haben meistens alles richtig verstanden und haben keine Armee von Leuten, die alles nachprüfen“, sagt sie.

Der Lohn kam in Form von mehr Lesern, die eher täglich als wöchentlich sehen wollen, was die Autoren zu sagen haben. „Mitarbeiter zu haben, die hier schon lange arbeiten und in der Lage sind, auf Geschehen rasch zu reagieren, und das auch noch in der kürzesten Form, ist wirklich wichtig und zahlt sich aus“, fügt sie hinzu.

Während der New Yorker wächst, werden die Unterschiede zwischen den verschiedenen Menschen, die sich mit der Marke identifizieren, immer unwichtiger. Es gibt eine neue Serie auf Amazon und immer mehr Podcasts. Lange Zeit war es wichtig, über Veranstaltungen wie das New Yorker Festival im vergangenen Monat zu berichten, es gab sogar eine Veranstaltung in der Moth Radio Hour, bei der Geschichten erzählt wurden.

Auch wenn sich all das außerhalb von Print bewegt, wird das Ziel immer das Gleiche bleiben, nämlich dem New Yorker eine Identität zu verleihen und diese umzuwandeln, auf die die Menschen reagieren können, sagt McCarthy.

Ich weiß nicht, wohin das alles führen wird. Ich weiß es nicht. Aber unser Ziel ist es, beweglich zu sein. Und in der Lage zu sein, auf das nächste große Ding zu reagieren, das uns entgegenkommt.

Zuerst erschienen auf niemanlab.org. Übersetzung von Anne Jerratsch.


Image (adapted) „The New Yorker“ by Esther Vargas (CC BY-SA 2.0)


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London calling: Ein Blick auf BuzzFeed in Großbritannien

Die viralen Meister von BuzzFeed sind nicht nur daran interessiert, ihr US-Modell auch in Übersee durchzusetzen:

Die Idee ist, dass wir internationale Büros nicht nur als Satellitenbüros wollen, sondern als eigene Zentralen ihrerseits.

BuzzFeed ist natürlich für einen Mix aus Nachrichten mit Listen und Quizze bekannt. Deshalb war es unausweichlich, dass der britische Premierminister David Cameron, als er sich am Montag mit BuzzFeed UK für ein Interview zusammensetzte, nicht nur Fragen zu seiner Position in der Wohnungspolitik und ob er mit seinen Konkurrenten vor den im Mai stattfindenden Wahlen debattieren würde, sondern auch, wer sein Lieblingscharacter in Game of Thrones ist und ob er auf Snapchat ist.

Cameron sagte (ahnungsvoll?), dass er Ned Stark möge und dass er kein Snapchat-Nutzer sei. Aber der Fakt, dass der Premierminister mit einem Interview mit dem britischen BuzzFeed einverstanden war, ist Beweis für das Wachstum der Seite in Großbritannien – auch wenn Cameron Berichten zufolge von „Das BuzzFeed“ und einer „digitalen Zeitung“ gesprochen hat.

Im März vor zwei Jahren gestartet, war BuzzFeed UK die erste internationale Seite von BuzzFeed und dessen Wachstum ist bezeichnend für das Model, welches für den Ausbau weiterer internationaler Seiten genutzt wird. „Die Idee ist, dass wir internationale Büros nicht nur als Satellitenbüros wollen, sondern als eigene Zentralen ihrerseits“, erzählte BuzzFeed UK-Redakteur Luke Lewis, als wir uns Anfang des Monats in einem Coffeeshop getroffen haben, während BuzzFeed im Umzug mit dem Büro war.

BuzzFeed UK hatte nur drei Mitarbeiter, als es im Jahr 2003 startete. Im Verlauf des Jahres expandierte BuzzFeed nach Australien und hat seitdem Ausgaben in Brasilien, Frankreich, Deutschland, Indien, Mexiko und Japan angekündigt oder bereits gestartet.

Die Belegschaft für die britische Ausgabe beträgt momentan rund 50 Mitarbeiter in allen Abteilungen. Es gibt 35 redaktionelle Mitarbeiter, jedoch sagte Lewis, dass er plant, die redaktionellen Mitarbeiter allein in diesem Jahr auf 50 aufzustocken. Während des ganzen Jahres 2013 fokussierte BuzzFeed UK sich auf etwas, was sie Buzz nennen, die Listen und Quizze, die am meisten mit der Seite identifiziert werden. Aber letztes Jahr wurde begonnen, das Berichterstattungsteam zu vergrößern, inklusive einer fünf Personen umfassenden politischen Belegschaft, die von Jim Waterson geleitet wird, welcher Cameron am Montag interviewte. BuzzFeed UK stellte außerdem letztes Jahr die für investigative Berichterstattung bekannte Heidi Blake ein, um ein dreiköpfiges Enthüllungsteam zu leiten.

Nachdem Lewis im Dezember 2011, vor den US-amerikanischen Präsidentschaftswahlen 2012, von BuzzFeed eingestellt worden war, erzählte BuzzFeeds Chefredakteur Ben Smith dem Blog the Lab, dass er„Reporter einstellen [möchte], welche Exklusivmeldungen auf dieselbe Art kriegen, wie sie die immer bekommen haben, mit Telefonanrufen, Trips nach Iowa und Drinks mit politischen Funktionären.“ Durch sein Vorgehen war BuzzFeed einer der größten Gewinner der Wahlperiode 2012 und das Wachstum der Nachrichten-Tätigkeiten wird fortgesetzt, sowie auch die Reichweite weltweit ausgedehnt wurde. Letzten Monat war BuzzFeed einer von einigen wenigen Vertretern der sogenannten neuen Medien, die sich ein Eins-zu-Eins-Interview mit US-Präsident Barack Obama sicherten. (Das Neuste ist bei Vice).

Diesem Schema folgt BuzzFeed UK, da Großbritannien sich der Wahl am 7. Mai nähert.

Die Idee mit der Wahl ist, dass wir auf die Straße gehen und mit Menschen reden – wirklich altmodische Berichterstattung draußen, sagt Lewis.

Wir sind nicht übermäßig darauf fokussiert, ausgefallene Protz-Infographiken oder – Interactives zu bauen. Wir meinen, dass das kein Bereich ist, in dem wir bestehen möchten. Wo wir bestehen möchten, ist auf die Straße zu gehen und kleine Exklusivgeschichten zu bekommen.

Letzten Monat zum Beispiel veranstaltete die konservative Partei eine Auktions-Benefizveranstaltung. BuzzFeed-Reporter Siraj Datoo beobachtete das Event und sprach mit Besuchern bei ihrer Ankunft. Er erhielt das Programm, welche alle Objekte auflistete, die zur Auktion standen, und berichtete, dass Spender 220.000 Pfund für ein Woche Urlaub in einer spanischen Zitadelle aus dem 17. Jahrhundert und 210.000 Pfund für eine Statue von Margaret Thatcher ausgaben.

Sicherlich eine kleine Story – aber Datoos Berichterstattung wurde dann in Pubilkationen wie The Guardian, The Telegraph und The Independent zitiert.

Das britische BuzzFeed zog diesen Februar mehr als 18,8 Millionen einzelne Besucher an; im Februar 2014 waren es noch 13,4 Millionen, zumindest laut Daten von Quantcast. BuzzFeed ist hoffnungsvoll, dass seine ziemlich große Zielgruppe in Großbritannien und auf seinen weiteren europäischen Seiten in der Lage sein wird, Werbekunden anzuziehen. Laut Berichten der Financial Times ersetze BuzzFeed erst letzte Woche seinen europäischen Vizepräsidenten für Werbung, Will Hayward, mit Kate Burns, einer ehemaligen Führungskraft der Huffington Post, welche geholfen hat, die internationale Präsenz der Seite auszubauen. Die Financial Times schreibt außerdem:

Greg Coleman, BuzzFeeds Präsident, sagte, dass das Unternehmen ein ‚Vertriebs-Vollblut‘ braucht, um seine Beziehung mit Werbeagenturen und Marken in Europa zu entwickeln.  Ende 2016 könnte der Kontinent [Europa] bis zu einem Viertel der US-amerikanischen Einnahmen generieren, fügte er hinzu.

BuzzFeed begann sein britisches Vertriebsteam im September 2013 aufzubauen, um mit britischen und europäischem Klienten zu arbeiten. Viele Marken in Großbritannien sind allerdings konservativer als deren US-amerikanische Pedanten, aber Inserenten sehen BuzzFeed UKs Wachstum auf der Nachrichtenseite als eine ansprechende Perspektive, wie Digiday Anfang des Monats berichtete.

Anfangs bemühte BuzzFeed sich um Marken, welche sich richtig für die Plattform anfühlen, erzählte Liam Brennan, Digital Atrategy Director der Werbeagentur Starcom Mediavest, gegenüber Digiday. „Um das zu steigern, müssen sie mehr seriöse Inhalte schaffen, um mehr Menschen an Bord zu bekommen.“ Dennoch, BuzzFeed UK muss auch daran arbeiten, seine eigene Identität zu entwickeln, sagt Lewis, da vieles, was in US-amerikanischen BuzzFeed-Beiträgen gut funktioniert – Nostalgie, Sentimentalität, Aufstiege – nicht immer mit der britischen Zielgruppe funktioniert.

Das Zeug floppt einfach komplett in Großbritannien, sagt Lewis. Niemand möchte etwas übertreiben, aber wenn du diese Artikel lustig und ein bisschen stachelnd und ein bisschen satirisch machst, dann funktionieren sie gut.

Es gibt einige Beiträge, wie #TheDress, welche trotzdem funktionieren und Lewis sagt, das BuzzFeed UK täglich um die 20 Artikel benutzt, welche ursprünglich aus den USA kommen.

Über den Content hinaus arbeitete BuzzFeed UK daran, die Bürokultur, welche den US-amerikanischen BuzzFeed Büros entspringt, zu übernehmen. Mitarbeiter in London kommunizieren kontinuierlich mit ihrem US-amerikanischen Gegenüber via Slack und es gibt einen regelmäßigen Strom von BuzzFeed-Mitarbeitern aus den USA, die das britische Büro besuchen und umgekehrt. BuzzFeed UK hat auch Mitarbeiter zu dem deutschen Unternehmensbüro geschickt, um den Prozess dort fortzusetzen.

Wir tauschen sozusagen Mitarbeiter für eine kurze Periode, sagt Lewis. Die wirklich wertvolle Sache an BuzzFeed ist die Bürokultur und ich denke, es ist wichtig zu versuchen diese so gut es geht zu übernehmen.

Ebenso ist BuzzFeed UK auf der technologischen Seite glücklich, die Produktentwicklung den Mitarbeitern in der USA zu überlassen – aber die britische Seite ist im Prozess der Gründung eines in London sitzenden Team, welches mit neuen Formaten zur Präsentation von BuzzFeed-Inhalten experimentieren soll. Unter dem Spitznamen BuzzFeed Hogwarts wird der Aufwand von BuzzFeed UKs Editorial Director Tim Phillips getragen, welcher ein vierköpfiges Team leiten wird. Der erste Entwickler des Teams startete Ende Februar. Es wird an Ideen wie einem Tool gearbeitet, das Lesern die Möglichkeit gibt, ihre Postleitzahlen einzugeben, um ortsbasierte Informationen zu bekommen. Ebenso sind sie an einer Neudefinition von BuzzFeeds Quiz interessiert, so dass sie sich den Antworten des Nutzer anpassen können und erlauben, dass

du deine eigene Abenteuer-Vorgehensweise wählen kannst, sagt Lewis. Wir wollen die Quizze intelligenter machen, also sie vielleicht abändern, sagt er. Also wenn du eines beantwortest, bringt es dich zu einem anderen Teil des Quiz. Während du das Quiz machst, wird es wandlungsfähig.

Egal was letztendlich gebaut wird, dem neuen Format-Team wird aufgetragen, Produkte zu kreieren, welche dazu bestimmt sind, im ganzen BuzzFeed genutzt zu werden. Häufig werden neue Tools auf BuzzFeed schnell verstanden – wie „Slider“ – weil die Mitarbeiter solche Geschichten an die Spitze von BuzzFeeds Charts steigen sehen und den Erfolg wiederholen. BuzzFeed nennt das „Schwärmen“ und deswegen werden so viele Beiträge um große virale Geschichten veröffentlicht.

Wir sind an der Schaffung neue Formate interessiert, welche die Menschen wirklich, wirklich nutzen und tatsächlich ein Template werden, welche eine Welle von Kreativität zwischen den umfangreichen BuzzFeed-Teams freisetzt, erklärt Lewis. Also kannst du neue Wege schaffen, ein Quiz zu machen und plötzlich hast du um die 200 Redakteure in New York und L.A., welche sagen ‚Das ist großartig‘, es nutzen werden und Tonnen neuer Ideen haben.


Zuerst erschienen auf niemanlab.org . Übersetzung von Alexandra von Heyl.


 

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Ein Experiment: The New York Times auf Spanisch

Se Habla Espanol (Bild by Jairo Zelaya [CC0 Public Domain], via Pixabay)

Auf der Suche nach internationalem Wachstum setzt die Zeitung „The New York Times“ verstärkt auf Übersetzungen, vor allem ins Spanische. Egal, in welcher Sprache man es liest, A.O. Scott hatte eindeutig ein paar Probleme mit Fifty Shades of Grey („Mr. Dornan wirkt so ausdruckslos wie ein Modell, das bedeutet, wie eine Figur aus Balsaholz oder Lego.„). Die Rezension des Filmkritikers der New York Times gibt es jetzt auch auch Spanisch – einer von einer handvoll Artikeln, die die Zeitung an den meisten Tagen übersetzt („Dornan tiene la insípida afectación de un modelo, con lo que quiero decir una figura hecha de madera balsa o de legos.„).

Innerhalb der letzten Wochen hat die New York Times diese Berichte in einer neuen Sparte namens „América“ veröffentlicht, wo sie bisher jedoch eher unbeachtet geblieben sind. Die Beiträge sind eine vielseitige Mischung aus technikorientierten Artikeln über Unternehmen, die sich in virtuelle Realitäten begeben, oder Reiseberichte und Kolumnen, wie die von Paul Krugman. Die dazugehörigen Feeds auf Twitter und Facebook teilen auch Inhalte der New York Times auf Spanisch.

Das Ganze ist Teil eines Übersetzungsexperiments, sagt Lydia Polgreen, stellvertretende Redakteurin der New York Times für Internationales:

Polgreen wollte keine weiteren Aussagen über das Projekt machen, man wäre noch in der Frühphase. Sie gab einen Ausblick auf das Projekt des Nieman Lab’s Prediction for Journalism 2015 Package, an dem sie mitgewirkt hat und das im Dezember 2015 erscheinen soll:

Ich werde das kommende Jahr wie folgt verbringen: Als Leiterin eines unternehmerischen Teams, das herauszufinden versucht, wie man das Publikumsinteresse an der New York Times auch außerhalb der USA steigern kann. Dazu müssen wir herausfinden, was die Leute wollen und wann sie es wollen. Ich kann nicht jedes einzelne Wort der New York Times in jede einzelne Sprache übersetzen. Das hat aber auch sein Gutes, denn die Zukunft der Nachrichten wird zwangsläufig auch beinhalten, den Leuten nicht nur das zu geben, von dem wir denken, dass sie es wissen sollten, sondern was sie eventuell gern wüssten – auch wenn sie davon bisher noch nichts geahnt haben.

Die New York Times hat in den vergangenen Jahren einen erheblichen Aufwand betrieben, um ein weltweites, multisprachliches Unternehmen zu werden. Gelegentlich wurden bereits Geschichten und Leitartikel ins Spanische übersetzt, wenn der Gegenstand des Artikels von besonderem Interesse für die Menschen in Lateinamerika sein könnte (ebenso bei anderen Spachen, zuletzt ins Malaysische).

Das Spanischprojekt unterscheidet sich jedoch von den vorherigen Übersetzungen, denn die hier übersetzen Artikel fokussieren sich nicht ausschließlich auf die Belange der spanischsprachigen oder lateinamerikanischen Welt. Die neuesten Themen behandelten die Ukraine, China und die Serie „Better Call Saul„.

Im Jahr 2012 hat der Herausgeber Arthur Sulzenberger das globale Wachstum als eines der vier Schlüsselpositionen für weitere Investitionen benannt. Im Folgejahr wurde der International Herald Tribune als Handelsmarke der New York Times veröffentlicht. Im vergangenen Monat hat Dan Baquet, der Executive Director der Zeitung, ein Memo an die Mitarbeiter herausgegeben, in dem die ungefähren Ziele für 2015 enthalten waren. Die ausländischen Leser haben nun Vorrang für die Zeitung:

Die Times konnte zunächst einen neuen Markt als die eine nationale Druckschrift erschließen. Nun sehen wir, dass es zwingende Möglichkeiten gibt, unser internationales Publikum zu vergrößern. Wir versuchen noch zu entscheiden, auf welchen Bereich wir zuerst eingehen sollen und wie man das am Besten angeht.

Die Notiz hat jedoch eher gemischte Reaktionen hervorgerufen, als es darum ging, die Reichweite zu vergrößern. Im Jahr 2012 wurde eine chinesische Version der New York Times herausgebracht, zudem gab es auch Personal, das in China ansässig war. Es dauerte nicht lange, bis die Seite von der chinesischen Regierung blockiert wurde. Im Abschluss wurden Artikel über den Reichtum und die Macht der vorherigen Premierminister veröffentlicht (Das letzte Ventil der New York Times innerhalb Chinas waren die Accounts auf Sina Weibo, die aber im Februar abgeschaltet wurden). Es gab Pläne, eine ähnliche Seite für portugiesische Leser in Brasilien aufzubauen, doch diese haben sich mitterweile zerschlagen.

Die New York Times war auch eine der ersten Medienunternehmen, die ihre Aufmerksameit in Richtung Indien gerichtet hat. So kam es zur Initiierung von India Ink im Jahr 2011. Das Blog ist im vergangenen Jahr deaktiviert worden, denn die Bearbeitung der Thematik Indiens floss von nun an in die umfassendere weltweite Berichterstattung der New York Times.

Zuerst erschienen auf niemanlab.org. Übersetzung von Anne Jerratsch.


Teaser & Image by Jairo Zelaya (CC0 Public Domain)


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Immer schön grinsen: Wie sich junge Social-Media-Stars verkaufen

(Fotos via Instagram.com, Profile: nashgrier, shonduras, tatjanamariposa, evantubehd, jeromejarre)

Populäre Social-Media-Apps wie Vine, Snapchat und Instagram haben eine ganze Reihe an bekannten Nutzern hervorgebracht, die ihre Reichweite teuer an Firmen und Marken vermarkten können. // von Jakob Steinschaden

(Fotos via Instagram.com, Profile: nashgrier, shonduras, tatjanamariposa, evantubehd, jeromejarre)

Wo Aufmerksamkeit ist, da sind auch die Werbe-Dollar nicht weit: In den relativ jungen Bilder- und Video-Welten von Vine, Snapchat und Instagram haben es sich nicht nur Normalnutzer, sondern auch deren Jungstars bequem gemacht. Sie erreichen über die Smartphone-Apps ein Millionenpublikum, das für die Werbeindustrie sehr interessant ist. Und schon beginnen Millionen Dollar zu fließen.

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PayOrShare: Wer nicht zahlen will, muss teilen

Fiona Brandes und Max Fielker (Bild: PayOrShare)

Mit Inhalten im Netz Geld zu verdienen ist nicht leicht. Das Startup PayOrShare bietet einem neuen Ansatz: Inhalte entweder in sozialen Netzwerken teilen oder dafür bezahlen. // von Daniel Kuhn

Fiona Brandes und Max Fielker (Bild: PayOrShare)

Es gibt viele Ideen und Versuche, wie mit Inhalten im Netz Geld zu verdienen ist, von denen die meisten bisher allerdings eher erfolglos waren. Derzeit wird hauptsächlich auf Werbung gesetzt und/oder auf Paywalls – doch die wenigsten Nutzer wollen Geld für Inhalte ausgeben und zu viel Werbung kann einem mitunter gehörig auf die Nerven gehen. Das Hamburger Startup PayOrShare versucht es nun mit einer anderen Strategie: zahlen oder teilen. Also entweder man zahlt einen kleinen Betrag oder teilt Inhalte in den sozialen Netzwerken.

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Mehr Qualität statt mehr Abhängigkeit, liebe Medien!

Die Unabhängigkeit gegenüber sozialen Netzwerken wie Facebook wird für Medien immer relevanter, doch das Problem wird noch zu oft verkannt. // von Tobias Schwarz

Medien machen sich zu Abhängig von Facebook & Co.

Das für seine viralen Gerüchte bekannte Blog Gawker hat im Juli eine Erfahrung gemacht, die viele Medien seit Dezember 2013 immer mal wieder durchmachen mussten: Facebook gibt und Facebook nimmt. Letzteres wird schmerzlich gespürt, wenn sich Medien zu abhängig von sozialen Netzwerken machen. Auch wir haben diese Erfahrungen gemacht, allerdings ohne Schaden. In unserer Selbstbetrachtung sehen wir unseren Ruf als Marke für den Hauptgrund der Unabhängigkeit. Eine Lektion für andere Medien?

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Werbung im Internet

Die Online-Werber führen einen Krieg gegen die Internet-Nutzer, die sie als reines Klickvieh sehen. Woher kommt der Hass auf die Onlinewerbung, fragt sich Unternehmensberater Nicolas Clasen im brandeins-Streitgespräch mit Stephan Noller, Gründer und Vorstandsvorsitzender des Targeting-Spezialisten Nugg.ad. Die meisten Banner seien hässlich und nervig. Das habe nichts mit der Anmutung einer Print-Anzeige zu tun und auch nicht mit dem Humor eines Werbespots. „Diese Banner sind einfach nur belästigend, weil nicht verstanden wurde, wie Werbung wirkt. Das liegt auch daran, dass die besten Werbeleute immer noch für Print und TV arbeiten.“

Nun gibt es sicherlich auch bei klassischen Werbekampagnen unglaublich viel Schrott. Aber die kleine Spitze gegen die SEO-Targeting-Lead-Mailingattacken-Stalking-Fraktion reichte schon aus, um dem Online-Werber Noller so einiges zu entlocken, was er in Kundengesprächen wohl nicht vom Stapel lässt.

Werbung müsse eigentlich gar keinen Spaß machen: „Die viel größere Aufgabe von Werbung ist, Bedürfnisse zu wecken. Die Leute zu überzeugen und, ja, auch zu nerven„, so das freimütige Bekenntnis des Agenturchefs. Kein Werbetreibender mache sich Illusionen darüber, ob sich ein Nutzer darüber freut, wenn das, was er eigentlich sehen will, unterbrochen wird – und sei die Werbung noch so toll gemacht. Und jetzt kommt der Hammer-Satz, der wohl noch lange die Gemüter erhitzen wird: „In einer Marktwirtschaft ist Werbung nun einmal kein Freund des Konsumenten. Die nüchterne Funktion von Werbung ist es, zu verkaufen. Es gibt in unserer Branche eine Reihe kluger Köpfe, die sagen: ,Wir brauchen Formate, die noch stärker unterbrechen. Nur dann wird es zum Beispiel gelingen, hochwertige redaktionelle Inhalte im Netz über Werbung zu refinanzieren.‘“

Nudelweisheiten mit Nudelzahlen

In einer Marktwirtschaft ist also die Berieselungswerbung der Feind des Kunden, um irgendetwas anderes damit finanzieren zu können? Der Internetnutzer als ziemlich dümmliches Klickvieh muss einfach verstehen, dass es überhaupt nicht um seine Interessen oder Belange geht. Die klugen Köpfe der Online-Werbung halten uns anscheinend für geistig umnachtete Netzsurfer, die froh sein müssen, überhaupt Angebote im Internet nutzen zu können. Lustig wird es, wenn solche Nervensägen dann auch noch Siegeshymnen über ihre gelungenen Feindattacken anstimmen. Da hat die Agentur von Noller doch die Markteinführung einer Nudelmarke in Dänemark begleitet. Zum Einsatz kamen „gut gemachte“ Banner auf „qualitativ hochwertigen“ Websites. Und das Ergebnis waren Schlangen vor den Supermärkten!!!!!!?

Die Marktforschung habe dann gezeigt, dass Markenbekanntheit, Erinnerungseffekte und Sympathiewerte stark nach oben gegangen seien. Was früher Medizinmänner, Hohepriester und Hofnarren erledigten, scheint heute das Metier von digitalen Nudelverkäufern zu sein. Nudel-Supermarktschlangen sind mir bei meinen samstäglichen Einkäufen bislang nicht untergekommen. Vielleicht besuche ich die falschen Läden. Zudem gibt es in Bonn-Duisdorf keine dänischen Supermärkte. Faszinierend sind immer wieder die zirkusreifen Aufführungen mit „empirischen“ Erhebungen, die sich nur schwer überprüfen lassen.

Auch die Konkurrenz hat gute Nudelwerte

Man könnte die einschlägig bekannten Marktforschungsinstrumente auch als Malen nach Zahlen bezeichnen: In der Werbewirtschaft produzieren Auftraggeber und Auftragnehmer hübsche Datenberge, um die eigene Existenzberechtigung abzusichern. Befragungen von Testteilnehmern, Reichweiten, Werbeträger-Analysen, Monitoring, Targeting und sonstige Zahlenspielchen bringen rein zufällig genau das, was beide Seiten glücklich macht und fette Budgets absichert. Häufig haben die Konkurrenzunternehmen sogar die gleichen Nudelwerte über die Durchschlagskraft von Werbung. Was sich Online und Offline abspielt, ist arrogantes und anmaßendes Vertriebsdenken – ohne Rücksicht auf Verluste. Und die Verluste treten ja schon ein, wenn man sieht, mit welchen Gegenmaßnahmen Internetnutzer reagieren, um den Nervpegel der Online-Werber zu reduzieren.

Wirkung ohne Ruhmsucht

Wir sollten uns generell im Netz-Diskurs von der Sucht nach Aufmerksamkeit verabschieden, um aus dem Erbsenzählermodus rauszukommen. Wie wäre es mit der Kategorie „Wirksamkeit“, die der Philosoph François Jullien in einem Merve-Band so schön ausgebreitet hat? Da könnten Noller und die liebwertesten Gichtlinge seiner Branche dann ein wenig bei Laozi in die Schule gehen und über folgende Sätze sinnieren: „Wer sich erhöht, ist nicht zu sehen. Wer sich selber rühmt, hat kein Verdienst. Wer sich selber verherrlicht, hat keine Dauer.“ Oder anders ausgedrückt: Da die Größe selbstgeschaffen ist, bleibt sie klein. Der Weise ist in der Lage, seine Größe entstehen zu lassen.

Man sollte sich auf die reine Wirkung beschränken – ohne anmaßend zu sein, ohne Ruhmsucht und ohne zu prahlen. „Die Wirkung soll ausschließlich als Resultat der Situation erscheinen und sich in ihrem Zusammenhang abspielen …„, schreibt Jullien. Die Wirkung sollte sich als Resultat ergeben, sie gehört zur Ordnung der Konsequenz und nicht der Planung. Es wäre ja schon ein Schritt nach vorne, den Empfehlungen von Clasen zu folgen: „Ich hätte gerne Werbung, die mich möglichst interessiert, in einer Dosis, die nicht nervt, in einem Format, das ich notfalls ignorieren kann, wenn ich das möchte. Also ein Video, das ich wegklicken kann, und eine Anzeige, die mich nicht beim Lesen eines Artikels stört.

Eigentlich nichts Besonderes. Für die Schreihälse der Online-Werbung wohl eine Zumutung.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf The European.

 

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Mit Social Media aus dem (Anzeigen-)Blätterdickicht

paper boy (adapted) (Image by olle svensson [CC BY 2.0] via Flickr)

Totgesagte leben bekanntlich länger. Wie Social Media-Kanäle den kränkelnden Print-Markt wiederbeleben können. Die Printmedien haben die letzten Jahre stark an Einfluss und Vitalität verloren. Die riesige Konkurrenz aus dem Netz und eine veränderte Einstellung der Leserschaft zur Informationsbeschaffung ließen viele bekannte Titel aus den Zeitungsregalen verschwinden. Während die großen Verlage durch ihre Produktvielfalt, Zusammenlegung von Redaktionen und finanziellen Rücklagen leichter auf veränderte Marktbedingungen reagieren können, bedeutet die neue Situation für kleine Gratiszeitungen und Anzeigenblätter oft ein Kampf ums Überleben. Die Flink&Partner Social Media Observation Group (SMOG) und Socialbreakers haben in einer Studie den Einfluss dominanter Social Media-Kanäle auf die Reichweite ausgewählter Anzeigenblätter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz untersucht.

Print und Social Media – Eine Vernunftehe

Als Basis für die Untersuchung dienten von Socialbreaker erhobene Daten aus der Betrachtungszeit Januar bis Juni 2014. Facebook und Twitter stellen wie erwartet die relevantesten Social Media-Plattformen dar. Bis Ende Juni konnten 624.794 Nutzer gezählt werden, was 14,13 Prozent der Druckauflage der betrachten Blätter ausmacht. Davon entfallen 9,76 Prozent auf Facebook und 4,37 Prozent auf den Twitter-Dienst.

Wenn man jetzt noch bedenkt, dass die Social Media-Nutzerzahlen bereits im Januar 2014 um über 100 Prozent gewachsen sind, wird schnell klar, dass insbesondere die kleineren Gratiszeitungen und Anzeigenblätter von einem geschickten Einsatz der Social Media-Kanäle profitieren können.

Ganz spannend wir es, wenn man auch noch die aktiven Interaktionen (z.B. Facebook Likes, Kommentare, Shares und Tweets) zusammen zählt: eine stolze Summe von 1,5 Millionen steht dann 10.000 redaktionellen Posts gegenüber. Dieses Potenzial sollte man nicht ungenutzt lassen.

Tausche Content gegen Reichweite

Besonderes Augenmerk sollten die zukünftigen Social Media-Redaktionen auf die Lesegewohnheiten ihrer Community legen – und ebenso wichtig – einen stetigen Austausch mit ihnen betreiben. Sicherlich ist der Social Media-Bereich hochdynamisch, was man vor allem an der unausgewogenen Verteilung von Facebook- und Twitter-Nutzer bei einigen Blättern beobachten kann. Wachstumsspitzen und erhöhte Posts geben jedoch Aufschluss über bevorzugte Inhalte oder zeitliche, bzw. blattspezifische Ereignisse, was wiederum Möglichkeiten zur kurzfristigen redaktionellen Ausrichtung von Print-, wie auch Online-Inhalten gibt. Im Rückkehrschluss eröffnen die Social Media-Kanäle den Lesern auch eine unmittelbare Teilnahme am Redaktionsgeschehen. Dadurch wird eine aktive Leserbindung gefördert. Mit Facebook, Twitter & Co. haben die Verlage und Redaktionen ein ungeahnt mächtiges Tool zur Trendanalyse an der Hand, welches auch für das kleinste Anzeigenblatt kostengünstig zur Verfügung steht. Es ist verwunderlich, dass dieser offensichtliche Vorteil von der breiten Masse von Verlagen noch nicht erkannt wurde.

Viele Redaktionen behandeln Ihre Social Media-Accounts noch sehr stiefmütterlich. Eine sehr kurzsichtige Einstellung. In der Tat bedeutet eine professionelle Betreuung des Social Media-Accounts einen enormen Mehraufwand, sowohl zeitlich als auch finanziell. Und nicht nur das: Es müssen auch neue Kommunikationsstrategien innerhalb des Verlages gefunden werden, schließlich müssen Print-, Online- und die neue Social Media-Redaktion ihre Inhalte abstimmen und zudem noch in der Lage sein, auf die eben erwähnten Trends der Leserschaft zu reagieren. Ein Aufwand, der sich aber mittelfristig lohnen kann. Die Studie zeigt auf, sobald die Fan-Base etabliert ist, folgen erhöhte Reichweite, Wachstum und aller Wahrscheinlichkeit nach auch Blatt-Treue.

Kann aus Vernunft am Ende sogar Liebe werden?

Wer dachte, Happy Ends gibt es nur in Filmen, könnte durch Verbindung von Print und Social-Media noch überrascht werden. Sollte es den den Verlagen wie auch den Anzeigenblättern gelingen, ihre Social Media-Nutzer professionell, intensiv und zeitnah mit aktuellen Content zu versorgen und die Print- mit den Online-Inhalten effektiv abzustimmen, könnte sich dies als gute Investition in den klassischen Printsektor erweisen. Es ist anzunehmen, dass sich aus einem treuen Online-Nutzer auch ein regelmäßiger Offline-Leser generieren lässt, der sich mit seiner Community identifiziert und am Ende für die Verbreitung des Printprodukts sorgt. Zudem könnten sich die Anzeigenblätter den typischen Lokalpatriotismus mit ihrem Social Media-Auftritt verstärkt zu Nutze machen. Daraus folgen Anzeigenkunden, Kapital für redaktionelle Qualität und sichere Arbeitsplätze. Der Print-Journalismus kann also durchaus optimistisch in die Zukunft sehen. Wir wünschen es ihm sehr.

Wer noch tiefer in Studie einsteigen möchte, kann sich das Whitepaper „Social-Media-Nutzung bei Gratiszeitungen und Anzeigenblätternhier kostenlos downloaden.


Image (adapted) „paper boy“ by olle svensson (CC BY 2.0)


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YouTube: 14 Tipps, die zum optimalen Video verhelfen

Wer auf Viralität seiner Videoinhalte setzt, sollte einige grundlegende Regeln beherzigen, um möglichst große Reichweite auf YouTube zu ermöglichen. In Deutschland gibt es mit Y-Titty, LeFloid oder Doktor Allwissend schon richtige YouTube-Stars mit hunderttausenden oder sogar Millionen Abonnenten, in Österreich blühen mit Michael Buchinger oder Kim Lianne bereits die ersten Sternchen am YouTube-Himmel auf. In den USA ist die ganze Sache natürlich schon ein Stück weiter: Am DigiFest NYC vergangenes Wochenende performten populäre YouTube-, Instagram- und Vine-Nutzer vor mehr als 12.000 Fans. Die Sache geht bereits so weit, dass Nutzer wie Robby Alaya (2,6 Mio. Follower bei Vine) oder Nash Grier (4,3 Mio. Follower bei Instagram) Werbeverträge mit Firmen wie Niche schließen, die sie vermarkten. Wie aber bringt man es zum Social-Media-Video-Star? Bei einem YouTube-Partnerevent, der vor einiger Zeit in Wien stattfand, konnte man sich Tipps und Tricks von den Profis holen.

1. Richtig Titeln

Einmal abgesehen vom Video selbst, das man bei YouTube veröffentlicht, sollte man die Metadaten rund um den Clip optimieren. Beim Titel des Videos, in dem alle wichtigen Begriffe zum Video stecken sollten sind die ersten drei Wörter laut YouTube-Mitarbeitern am wichtigsten – erst danach sollte man die Nummer der Episode, etwaiges Branding oder andere Kleinigkeiten dazuschreiben. Nicht vergessen sollte man auch die zweizeilige Beschreibung des Videos, die wichtige Infos und auch Links beinhalten kann.

2. Knackiges Vorschaubild

Das so genannte Thumbnail (640 Pixel x 360 Pixel, Seitenverhältnis 16:9) ist jenes Vorschaubild, das Nutzer als erstes sehen, wenn sie auf das Video bei YouTube oder die Google-Suche stoßen – dementsprechend attraktiv sollte es sein, damit der User es auch anklickt und so das Video startet. Das Vorschaubild sollte das Thema (Person, Ort, Ding, etc.) des Clips klarmachen und kann auch mit Beschriftung gewählt werden, die dann aber auch gut lesbar sein sollte.

3. Channel Design optimieren

Ähnlich wie ein Facebook-Profil können YouTube-Videomacher ihren Channel designen. Das fängt beim großen Headerbild oben an, das dem Erstbesucher schnell klarmachen sollte, was es hier zu sehen gibt. Zumeist werden hier das Logo, die handelnden Personen und die Tageszeiten abgebildet, an denen es neue Videos zu sehen gibt. Außerdem gibt es rechts die Möglichkeit, auf die eigene Webseite, Facebook-Page, Twitter-Account, Instagram-Profil etc. zu verlinken, was man tun sollte. Den populäre YouTube-Kanäle sind oft an erster Position in der Google-Suche und werden damit wichtiger als die eigene Homepage.

4. Channel Trailer anlegen

YouTube-Channels bieten die Möglichkeit, einen Trailer prominent anzuzeigen. Dabei handelt es sich um eine Art Willkommens-Video, in dem viele YouTube-Stars und -Sternchen noch einmal erklären, was der Abonnent so zu sehen bekommt. In dem Trailer wird oft auch ein so genannter “Call to Action” ausgesprochen – also ein freundlicher Hinweis, dass der Seher den Kanal doch bitte abonnieren.

5. Annotationen im Clip einblenden

YouTube bietet die Möglichkeit, im Videofenster Links an bestimmten Stellen des Clips einzublenden. Das ist auch eine Möglichkeit, neue Abonnenten zu bekommen, da man ja auch den Link zum Abonnieren zeigen kann. Das ist insofern wichtig, da viele User direkt über die YouTube-Suche auf ein Video kommen und nicht über den Channel. Außerdem kann man so genannte “End Cards” am Ende eines Videos zeigen, die zu weiteren Clips, der eigene Webseite usw. verlinken.

6. Tent-Poling

Hierbei handelt es sich um eine Programmstrategie (Name kommt vom englischen Begriff für Zeltstange), die natürlich nicht bei YouTube erfunden wurde, aber auch dort funktioniert: Videos, die zu bestimmten Anlässen, von den Oscars über den Valentinstag bis hin zu Halloween, passen. YouTuber hängen sich mit ihren Inhalten gerne an große mediale Ereignisse dran und geben ihren eigenen Senf dazu – das können Persiflagen, Kritiken oder eine Filmchen sein. Der Vorteil: Beim Titeln des Videos kann man Event (z.B. “Life Ball”) hineinschreiben und hat dann die Chance, in der Suche gefunden zu werden.

7. Regelmäßiger Zeitplan

„Freitag ist Y-Titty-Tag“ – das wissen die fast drei Milionen Fans der Kölner Comedians ganz genau und werden dementsprechend regelmäßig im Channel vorbeischauen. Neue YouTuber sollten ebenfalls regelmäßig neue Videos veröffentlichen – so können sich die ersten Fans an einen Zeitplan gewöhnen, und der Macher selbst seinen Worklfow optimieren.

8. Playlists clever nutzen

Im neuen Channel-Design werden Playlists, also Sammlungen von Clips, prominenter gezeigt. Hier muss man nicht notwendigerweise Fremd-Content zeigen, sondern kann eigene Videos thematisch sortieren und in eigene Playlists packen. Voraussetzung dafür ist, dass man bereits ein etwas größeres Archiv an bestehenden Inhalten hat. Das Spannende hier: Die Abonnenten einer Playlist bekommen eine Benachrichtigung, wenn ein neues Video hinzugefügt wurde.

9. Das Um auf Auf: Die Watch Time

Der Algorithmus, der die Reihenfolge der Suchergebnisse bei YouTube (nach Google die zweit größte Suchmaschine im Internet) bestimmt, gewichtet die so genannte Watch Time („Aufrufe x Engagement = Watch Time“) des Videos am stärksten – schließlich gibt sie darüber Auskunft, wie viel Minuten des Gesamtvideos die User sich ansehen, was wiederum ein Hinweis darauf ist, wie gut der Content ist. Optimieren kann man das natürlich nur über spannende Inhalte für die eigene Zielgruppe. Dem öfters genannten Trick, nur 3- bis 5-Minuten-Clips zu machen, sollte man nicht folgen – YouTube-Channels wie Vice News beweisen, dass auch Videoreportagen mit 20 oder mehr Minuten Länge funktionieren können.

10. Kollaborationen mit größeren Channels

„Standing on the shoulders of giants“ – dieses Prinzip funktioniert natürlich auch auf YouTube. Größere Channels stellen in Coop-Clips öfters neue kleine vor, damit diese mehr Abonnenten bekommen. Diese Cross-Promotion funktioniert in dem immer professionelleren Business aber oft nur mehr, wenn beide YouTuber dem gleichen Netzwerk (z.B. Mediakraft) angehören, von dem sie vermarktet werden.

11. Abonnenten wichtiger als Nicht-Abonnenten

Worauf YouTuber immer achten sollten: Die eigenen Abonnenten sind die wichtigsten User, weil diese erfahrungsgemäß die meiste Watch Time verursachen. Deswegen sollte man den Kontakt zu ihnen (v.a. in den Kommentaren, aber auch auf der Facebook-Seite, Twitter etc.) pflegen. Manche YouTuber nehmen dafür sogar einiges Geld in die Hand und laden die treuesten Fans zu Partys ein oder organisieren eigene Events für sie.

12. Kommentare einbinden

Die YouTube-Stars von Y-Titty machen es gekonnt vor: Sie lassen ihre Fans so oft wie möglich zu Wort kommen und behandeln Fragen, Wünsche und Beschwerden in der eigens dafür vorgesehenen „Kommentare-Kommentier-Show„. Diese und ähnliche Formate können YouTuber zur Interaktion mit den Abonnenten und Seher adaptieren.

13. Analytics einsetzen

Wie auch eine Facebook-Seite bietet ein YouTube-Channel einen eigenen Analytics-Bereich (YTA), in dem man etwa Zahlen zu Abonnenten, demografische und geografische Daten über die Zugriffe auf die eigenen Videos findet. Auch die Wege und Suchbegriffe, über die die User auf die Clips stoßen, können in den YTA eingesehen werden, genauso wie die Webseiten, die YouTube-Videos einbetten. Auf Basis all dieser Daten kann man sein eigenes Angebot optimieren – etwa hinsichtlich Themen sowie Alter oder Geschlecht der Nutzer. Außerdem sollte man analysieren, wann die Seher abspringen, wie Videos in Vergleich zu anderen YouTube-Videos mit gleicher Länge performen und an welche Stellen die Nutzer spulen, um etwas Bestimmtes zu sehen.

14. Weitere Quellen anzapfen

Wer auf der Suche nach weiteren Tipps und Tricks für optimierte YouTube-Videos ist, der kann sich zum einem im YouTube Creator Playbook und zum anderen im YouTube Creator Hub informieren. Und was immer geht: Schau dir erfolgreiche YouTube-Kanäle an (Bestenlisten gibt es etwa hier) und kuck´ dir ab, wie es die anderen machen.

 

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„Social Show“: Publisher mit Optimierungsbedarf fürs Social Web

Social Media 01 (adapted) (Image by Rosaura Ochoa [CC BY 2.0] via Flickr)

Upworthy und Buzzfeed machen es mal wieder vor. Inhalten auf Suchergebnisse optimieren reicht nicht mehr – das Social Web rückt auch hier in Fokus. Dass die wenigsten Leser direkt auf eine Seite surfen um einen Artikel zu lesen, ist allgemein bekannt. Aus diesem Grund müssen die Inhalte in Bereichen wie Überschrift und Seiten-Layout angepasst werden, um diese möglichst schmackhaft für die Leser aufzubereiten. Buzzfeed, Upworthy und die Washington Post haben zudem bereits erkannt, dass viele kleine Optimierungen nötig sind, um im Publishing-Geschäft erfolgreich zu sein – SEO reicht hier schon lange nicht mehr.

Buzzworthy Post

Über Upworthy und Buzzfeed kann man vortrefflich streiten – im Bereich Optimierung der Inhalte für Nutzer, die über Social Media auf einen Artikel gelangen, sind die Seiten aber ganz weit vorne dabei. Buzzfeed zum Beispiel entfernt nicht nur den Twitter-Button, wenn ein Nutzer über einen Link auf Pinterest auf die Seite kommt, gleichzeitig wird auch der „Pin it“-Button vergrößert. Das liegt ganz einfach an dem Umstand, dass nur acht Prozent der Besucher, die über Pinterest angelockt werden, den Artikel auch über Twitter teilen. Zudem wird gleichzeitig ein „Hot on Pinterest“-Modul eingeblendet, wenn Pinterest-Nutzer auf die Seite kommen. Das alles führt dazu, dass auf Buzzfeed mehr Besucher über Pinterest als über Twitter gelangen.

Upworthy stellt ebenfalls viele Überlegungen an, wie sich das Nutzererlebnis optimieren lässt. Dabei steht das Endergebnis im Mittelpunkt – wichtig ist aber nicht nur, ob dieser direkt oder über eine andere Seite auf einen Artikel gekommen ist, sondern auch, ob er das erste Mal auf Upworthy landet, oder ein Wiederholungstäter ist. All dies geschieht im Hinblick auf die Frage, was der Leser machen wird, wenn er mit dem Artikel fertig ist.

Auch die Washington Post experimentiert mit dieser Idee herum. Wenn ein Leser über einen Link in einem Social Network auf einen Artikel gelangt, wird er mit dem sogenannten „Social Show“ begrüßt, einem Social-Layer, auf dem er sehen kann, wie Inhalte der Washington Post auf Facebook und Twitter diskutiert werden. Wer die Seite direkt ansteuert, bekommt dies nicht zu sehen.

Werbeoptimierung

Dieses konstante testen und optimieren ist symptomatisch für die modernen Mediasysteme, bei denen oftmals mehr die Traffic-Leitmechanismen im Vordergrund stehen, als eine übergeordnete Vision. Dementsprechend ist Social Media Optimization (SMO) nun nach Search Engine Optimization (SEO) der nächste Trend. Aber wie immer können derartige Taktiken Gut und Böse verwendet werden.

Im Marketing-Bereich gibt es viele Vertreter wie Taboola, Outbrain oder Zergnet, die aus der neuen Content-Strategie schnell Kapital schlagen. Sie zahlen 5 Cent pro Click und leiten den Nutzer dann auf entsprechende Landing-Pages um, wo er vor lauter Werbung den Inhalt kaum noch sehen kann. Die Kollegen von Digiday sind auf answers.com auf ein besonders beeindruckendes Negativbeispiel gestoßen, bei dem die Fotostrecke „9 celebrity faces destroyed by drugs“ auf stolze 49 Seiten voller Werbebanner und einem automatisch ablaufenden Videoclip ausgedehnt wird.

The Good The Bad and the Unknown

Wie man die neuen Taktiken jedoch Gut einsetzen kann, versuchen die Publisher derzeit noch herauszufinden. Die Idee von SearchEngineLand ist laut Mitbegründer Danny Sullivan, diese Taktik ebenfalls in ein kommendes Redesign zu integrieren. Sobald die Betreiber eine Idee haben, wer der Leser ist, sollen bestimmte Elemente unterschiedlich präsentiert werden. Dabei könnte diese Strategie zudem auch bei dem Problem des Social Traffics helfen. Facebook-Referrals machen zum Beispiel einen großen Anteil der Zugriffe auf einen Artikel aus, allerdings sind diese Leser deutlich weniger an Diskussionen beteiligt, als Leser, die die Seite direkt ansteuern. Außerdem verbringen Facebook-Nutzer nur halb so viel Zeit auf einer Seite, wie jemand, der diese direkt aufruft.

Diese Probleme könnten also beseitigt, oder zumindest gemildert werden. Publisher können also die Chancen erhöhen, einen Leser auf der Seite auf einer Seite halten, wenn sie die unterschiedlichen Gruppen der Leserschaft besser verstehen, denn die Leser, die mehr Zeit auf einer Seite verbringen kommen nicht nur über unterschiedliche Wege, sie sind auch unterschiedliche Menschen.


Image (adapted) „Social Media 01“  by Rosaura Ochoa (CC BY 2.0)


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Oldies but Goldies: Warum Newsletter noch lange nicht tot sind

Letters to Aussie MPs - No Clean Feed Please (adapted) (Image by Donna Benjamin [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Newsletter führen im Online-Marketing ein Leben im Schatten sozialer Netzwerke. Und doch stapeln sie sich in den Posteingängen. Aus guten Gründen. Ja, auch ich habe es schon oft getan: Ohne die E-Mail zu öffnen habe ich wahrscheinlich schon hunderte, vielleicht tausende Newsletter mit einem Mausklick und ohne mit der Wimper zu zucken ins digitale Nirwana geschickt. Newsletter umweht der Hauch des Verruchten, nicht selten landen sie im Spam-Ordner neben dubiosen Angeboten nigerianischer Prinzen. Und doch ist er überall: Kaum ein Magazin, kaum ein Unternehmen bietet nicht die Möglichkeit, die eigene E-Mai-Adresse zu hinterlegen, um dann regelmäßige Updates zu bekommen.

In Zeiten von Facebook, Twitter oder Whats App wirken Newsletter arg altmodisch: Einfache E-Mails mit klarer Sender-Empfänger-Struktur ohne Kommentarfunktion, keine Share-Buttons, die Abonnenten wissen nichts voneinander. Und doch erhalten sich Newsletter auch im Jahr 25 nach Tim Berner-Lees Erfindung des WorldWideWebs ihren Platz im Online-Marketing und der Nutzerbindung.

Tatsächliches Interesse, weil Abonnent zweimal aktiv werden muss

Wer freiwillig seine Adresse angibt und dann in einem zweiten Schritt auch noch das Abonnement bestätigt, hat tatsächliches Interesse an den Inhalten: Schließlich muss eine Person zweimal aktiv werden – weitaus mehr Aufwand als ein “Gefällt mir” bei Facebook oder ein “Folgen” bei Twitter. Und das macht die Abonnenten wertvoll: “Eine solide Basis von E-Mail-Abonnenten aufzubauen, ist wertvoller als eine Followerschaft auf Twitter”, schreibt Sean Blanda in seinem Text “Pretty Much Everything I Know About The News Business” auf Medium.

Eine Umfrage unter 1292 Personen aus dem Jahr 2012 zeigt, dass Newsletter über alle Altersgruppen hinweg eine weite Verbreitung haben: Statistiken finden Sie bei Statista.

Der Klassiker der Newsletter ist Werbung. Gerade E-Commerce-Unternehmen wissen um den Vorteil von Newsletter-Abonnenten, denen man die neue Produkte immer wieder unter die Nase halten kann. Online-Shops für Kleidung lassen sich mehr Einträge im Adressbuch etwas kosten: Bei Zalando gibt es einen Fünf-Euro-Gutschein, beim Frontline-Shop sogar zehn Euro, genauso wie bei Tchibo. Das Ziel ist klar: Käufer akquirieren, Stammkunden bekommen.

Publikum unabhängig von Facebook, Twitter und Co.

Auch für Medien aller Couleur bietet es sich an, sich mit Newslettern ein Publikum unabhängig von sozialen Netzwerken aufzubauen. Die meisten Medien bieten Teaser im Newsletter an, die Monetarisierung läuft dann indirekt über vermehrte Zugriffszahlen auf die Webseite oder direkt durch Anzeigen in den E-Mails. Das Wirtschaftsmagazin Quartz optimiert zum Beispiel den Newsletter für seine Leser auf der ganzen Welt, so dass er je nach Zeitzone immer morgens im Postfach liegt.

Ungewöhnlich ist der Blog Brain Pickings. Die Betreiberin Maria Popova bietet jede Woche die besten Posts im Volltext an. Die Abonnenten sollen gar nicht unbedingt dazu überredet werden, auf die Seite zu klicken. Es reicht, wenn sie sich mit den Inhalten beschäftigen. BrainPickings Geschäftsmodell basiert nicht auf Werbung, sondern baut auf freiwillige Geldspenden, die prominent angepriesen werden – auch im wöchentlichen Rundschreiben.

The Next Draft: Der Superstar unter den Newslettern

Mein Name ist Dave Pell und ich habe ein Problem. Von Kindesbeinen an bin ich von Nachrichten besessen„, schreibt Pell, der als der Superstar unter den Ein-Mann-Newslettern gilt. Fast 30.000 Abonnenten soll „Next Draft“ haben. Aus über 50 Seiten kuratiert Pell Tag für Tag die zehn besten Geschichten. WordPress-Gründer Matt Mullenweg persönlich hat Pell angeboten, ihm einen Blog zu sponsorn. Pell’s Weg hatte eine ungewöhnliche Richtung: Erst existierte der Newsletter, dann eine iOS-App und erst im neuesten Schritt, bekam Next Draft einen Blog: „Durch die Blog-Version konnte ich das Teilen der Beiträge erheblich verbessern„, sagte Pell dem WordPress-Blog Post Status.

Ein Vertreter der Einzelkämpfer-Newsletter aus dem deutschsprachigen Raum ist der Schweizer Journalist David Bauer, der sein „Weekly Filet“ an etwa tausend Abonnenten verschickt. „Das Weekly Filet ist eigentlich eine Disziplinierungsmassnahme für mich. Es sorgt dafür, dass ich mir jede Woche einen halben Tag Zeit nehme für all die spannenden Inhalte, die ich im Netz finde, für die ich im Alltag aber zu wenig Zeit finde„, sagt Bauer. Monetarisieren will er seinen Blog nicht, allerdings hatte er 2012 eine Partnerschaft mit dem Schweizer Magazin: „Empfehlungen zur Syndizierung“ nennt er das. Gelegentlich spenden ihm Leser Geld: „Was mich besonders freut: Wenn jemand spendet, dann meistens gleich einen nennenswerten Betrag„.

Newsletter, die sich an ein Fachpublikum richten, sind die einzigen, die sich direkt monetarisieren lassen. Spitze Zielgruppen sind bereit, tatsächlich Geld für Informationen zu bezahlen. Ein Beispiel ist das Magazin Business Insider, dessen Research-Abteilung namens Business Intelligence einen Newsletter für 995 US-Dollar im Jahr anbietet. Dafür soll es jeden morgen „In-Depth Research On What Matters In Digital“ geben. Zwei Wochen kann man die Mail kostenlos zur Probe beziehen.

Und wann ist ein Newsletter erfolgreich?

Doch wie immer stellt sich die Frage: Wann ist ein E-Mail-Newsletter erfolgreich? Die Zahl der Abonnenten allein kann es nicht sein. Man denke nur an die Vielzahl von Newsletter, die jeder von uns schon gelöscht hat. Es gibt zwei Standard-Methoden, um den Erfolg über die quantitative Leserschaft hinaus zu messen: Wann wandert der Newsletter nicht ungeöffnet in den digitalen Papierkorb, sondern wird tatsächlich geöffnet? Und: Wie oft klicken Empfänger die Links in der E-Mail? Diese Indikatoren ähneln vom Prinzip her dem der Zugriffszahlen bei Webseiten und haben daher mit den gleichen Nachteilen zu kämpfen. Das Wichtigste und gleichzeitig das Schwierigste: Ein Newsletter darf nicht nerven. Und wenn doch, dann ist die Mail schnell gelöscht.


Die Netzpiloten haben gleich zwei verschiedene redaktionelle Newsletter – einen mit News und einen mit Klicktipps.


Image (adapted) „Letters to Aussie MPs – No Clean Feed Please“ by Donna Benjamin (CC BY-SA 2.0)


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Chartbeat: Shares sagen nichts über Leser aus

Like (adapted) (Image by angermann [CC BY SA 2.0], via flickr)

In den letzten Wochen und Monaten gab es rege Debatten über Seiten wie Upworthy oder Buzzfeed, die die sozialen Netzwerke stürmen. Dies hat Facebook sogar dazu veranlasst, die Newsfeed-Algorithmen entsprechend anzupassen und qualitativ hochwertige Artikel zu bevorzugen. Alles völlig unnötig, wie das Unternehmen Chartbeat nun nahelegt. Es wurde keine direkte Korrelation zwischen der Anzahl der Social-Media-Shares und den tatsächlichen Lesern gefunden.

Bedeuten viele Shares gleich viele Leser?

Diese Nachricht, die Tony Haile, CEO von Chartbeat in einer Twitter-Diskussion verkündet hat, dürfte für viele eine handfeste Überraschung darstellen, die in der Medienbranche tätig sind. Hier galt die Formel „viele Shares = viele Leser“ als verlässliches Messinstrument für den Erfolg eines Artikels. Diese Formel basiert natürlich auf der Annahme, dass jeder, der den Artikel in die Netzwerke teilt, ihn auch gelesen hat. Doch genau da liegt der Fehler, wie man eigentlich auch schnell bemerken kann, wenn man sich eine Vielzahl der Kommentare unter Artikeln ansieht, die etwas kritisieren, was später im Artikel noch behandelt wird – die Kommentatoren haben den Artikel also ganz offensichtlich nicht gelesen. Aber sie sind nicht etwa eine kleine Gruppe – derjenige, der nicht schon einmal einen Artikel ungelesen geteilt hat, werfe den ersten Stein.

 

Die Idee, dass Likes und Retweets Erfolgsindikatoren, also quasi die Fleißbienchen für einen Artikel sind, beziehungsweise dass der virale Effekt die ultimative Bestätigung für dessen Relevanz ist, wird nun von Chartbeat nicht nur gehörig ins Wanken gebracht, sondern förmlich In Schutt und Asche gelegt. Josh Schwartz von Chartbeat erklärt gegenüber The Verge zwar, dass es bei der Untersuchung nur um Twitter ging, dass man für Facebook allerdings ein sehr ähnliches Ergebnis erwarte. Es gibt zwar einen Zusammenhang zwischen den Social-Media-Shares und dem Traffic eines Artikels – allerdings bedeutet dies eben nicht, dass auch mehr Menschen diesen tatsächlich lesen.

Bereits im Juni 2013 hat Farhad Manjoo auf Slate eine ganz ähnliche Chartbeat-Studie präsentiert und sogar im November 2012 hat eine Infografik bereits das gleiche Phänomen beleuchtet – wahrscheinlich ist aber, dass diese Artikel genau das Problem erlitten, das sie behandeln und ungelesen durch die sozialen Netzwerke weitergereicht wurden.

Nun stellt sich aber nicht nur die Frage nach den Ursachen, sondern auch danach, wie man nun den Erfolg eines Artikels eigentlich messen kann. Auf beide Fragen gibt es bisher keine klaren Antworten.

Wichtig ist Aufmerksamkeit

Als Ursachen wäre zum einen die stärkere Verbreitung von mobilen Geräten denkbar, auf denen der Nutzer weniger Zeit auf einzelnen Seiten verbringt. Dies liegt bereits in der Natur der Sache, dass auf mobilen Geräten häufig unterwegs und in Eile konsumiert werden. Ein weiterer Faktor ist vermutlich, dass bei vielen Themen wie Breaking News mit den Überschriften bereits der Kern der Meldung vermittelt wird, oder viele Leser dies zumindest annehmen. Außerdem ist die schiere Flut von Artikeln, die einem täglich in den sozialen Netzwerken entgegenschwappt auch nicht zu unterschätzen – sollte man diese alle lesen, bräuchte der Tag deutlich mehr, als 24 Stunden.

Für die Messung des Erfolges eines Artikels sollte künftig weniger Aufmerksamkeit auf die Besucherzahlen oder Likes und Retweets gerichtet werden, dafür mehr Augenmerk darauf, wie viel Zeit ein Nutzer tatsächlich auf einer Seite verbringt. Die reine Zeit alleine gibt zwar noch kein Aufschluss über die tatsächlich aufgebrachte Aufmerksamkeit, wie ein Blick auf die offenen Tabs in meinem Browser mich ahnen lässt, nimmt man aber noch das Scroll-Verhalten dazu, kann man die aufmerksam auf einer Seite verbrachte Zeit durchaus messen. Kurioserweise geht genau Upworthy inzwischen einen derartigen Weg. Dies wird allerdings vermutlich niemand mitbekommen, oder hat tatsächlich irgendwer diesen Artikel bis hierhin gelesen?


Image (adapted) “Like“ by angermann (CC BY-SA 2.0)


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