Ein Experiment: The New York Times auf Spanisch

Auf der Suche nach internationalem Wachstum setzt die Zeitung „The New York Times“ verstärkt auf Übersetzungen, vor allem ins Spanische. Egal, in welcher Sprache man es liest, A.O. Scott hatte eindeutig ein paar Probleme mit Fifty Shades of Grey („Mr. Dornan wirkt so ausdruckslos wie ein Modell, das bedeutet, wie eine Figur aus Balsaholz oder Lego.„). Die Rezension des Filmkritikers der New York Times gibt es jetzt auch auch Spanisch – einer von einer handvoll Artikeln, die die Zeitung an den meisten Tagen übersetzt („Dornan tiene la insípida afectación de un modelo, con lo que quiero decir una figura hecha de madera balsa o de legos.„).

Innerhalb der letzten Wochen hat die New York Times diese Berichte in einer neuen Sparte namens „América“ veröffentlicht, wo sie bisher jedoch eher unbeachtet geblieben sind. Die Beiträge sind eine vielseitige Mischung aus technikorientierten Artikeln über Unternehmen, die sich in virtuelle Realitäten begeben, oder Reiseberichte und Kolumnen, wie die von Paul Krugman. Die dazugehörigen Feeds auf Twitter und Facebook teilen auch Inhalte der New York Times auf Spanisch.

Das Ganze ist Teil eines Übersetzungsexperiments, sagt Lydia Polgreen, stellvertretende Redakteurin der New York Times für Internationales:

Polgreen wollte keine weiteren Aussagen über das Projekt machen, man wäre noch in der Frühphase. Sie gab einen Ausblick auf das Projekt des Nieman Lab’s Prediction for Journalism 2015 Package, an dem sie mitgewirkt hat und das im Dezember 2015 erscheinen soll:

Ich werde das kommende Jahr wie folgt verbringen: Als Leiterin eines unternehmerischen Teams, das herauszufinden versucht, wie man das Publikumsinteresse an der New York Times auch außerhalb der USA steigern kann. Dazu müssen wir herausfinden, was die Leute wollen und wann sie es wollen. Ich kann nicht jedes einzelne Wort der New York Times in jede einzelne Sprache übersetzen. Das hat aber auch sein Gutes, denn die Zukunft der Nachrichten wird zwangsläufig auch beinhalten, den Leuten nicht nur das zu geben, von dem wir denken, dass sie es wissen sollten, sondern was sie eventuell gern wüssten – auch wenn sie davon bisher noch nichts geahnt haben.

Die New York Times hat in den vergangenen Jahren einen erheblichen Aufwand betrieben, um ein weltweites, multisprachliches Unternehmen zu werden. Gelegentlich wurden bereits Geschichten und Leitartikel ins Spanische übersetzt, wenn der Gegenstand des Artikels von besonderem Interesse für die Menschen in Lateinamerika sein könnte (ebenso bei anderen Spachen, zuletzt ins Malaysische).

Das Spanischprojekt unterscheidet sich jedoch von den vorherigen Übersetzungen, denn die hier übersetzen Artikel fokussieren sich nicht ausschließlich auf die Belange der spanischsprachigen oder lateinamerikanischen Welt. Die neuesten Themen behandelten die Ukraine, China und die Serie „Better Call Saul„.

Im Jahr 2012 hat der Herausgeber Arthur Sulzenberger das globale Wachstum als eines der vier Schlüsselpositionen für weitere Investitionen benannt. Im Folgejahr wurde der International Herald Tribune als Handelsmarke der New York Times veröffentlicht. Im vergangenen Monat hat Dan Baquet, der Executive Director der Zeitung, ein Memo an die Mitarbeiter herausgegeben, in dem die ungefähren Ziele für 2015 enthalten waren. Die ausländischen Leser haben nun Vorrang für die Zeitung:

Die Times konnte zunächst einen neuen Markt als die eine nationale Druckschrift erschließen. Nun sehen wir, dass es zwingende Möglichkeiten gibt, unser internationales Publikum zu vergrößern. Wir versuchen noch zu entscheiden, auf welchen Bereich wir zuerst eingehen sollen und wie man das am Besten angeht.

Die Notiz hat jedoch eher gemischte Reaktionen hervorgerufen, als es darum ging, die Reichweite zu vergrößern. Im Jahr 2012 wurde eine chinesische Version der New York Times herausgebracht, zudem gab es auch Personal, das in China ansässig war. Es dauerte nicht lange, bis die Seite von der chinesischen Regierung blockiert wurde. Im Abschluss wurden Artikel über den Reichtum und die Macht der vorherigen Premierminister veröffentlicht (Das letzte Ventil der New York Times innerhalb Chinas waren die Accounts auf Sina Weibo, die aber im Februar abgeschaltet wurden). Es gab Pläne, eine ähnliche Seite für portugiesische Leser in Brasilien aufzubauen, doch diese haben sich mitterweile zerschlagen.

Die New York Times war auch eine der ersten Medienunternehmen, die ihre Aufmerksameit in Richtung Indien gerichtet hat. So kam es zur Initiierung von India Ink im Jahr 2011. Das Blog ist im vergangenen Jahr deaktiviert worden, denn die Bearbeitung der Thematik Indiens floss von nun an in die umfassendere weltweite Berichterstattung der New York Times.

Zuerst erschienen auf niemanlab.org. Übersetzung von Anne Jerratsch.


Teaser & Image by Jairo Zelaya (CC0 Public Domain)


Justin Ellis

ist Redaktionsassistent im "Nieman Journalism Lab". Davor arbeitete er als Autor beim Portland Press Herald/Maine Sunday Telegram, wo er über die Themen Wirtschaft, Politik, Kultur und Technologie berichtete. Ellis war Fellow des "Knight Digital Media Center" und für "Investigative Reporters and Editors" tätig.


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