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‚Ich fühle mich frei!‘ – Interview mit einer der ersten Fahrlehrerinnen in Saudi Arabien

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Ich treffe die 49-jährige Mutter von drei Söhnen in einem Coffeeshop in Dubai Marina, der trotz Ramadan Kaffee ausschenkt. Die gebürtige Saudi-Arabierin bestellt sich auch einen Cappuccino, da sie aus gesundheitlichen Gründen nicht fasten darf.

Würde ich Nour (Name auf Wunsch geändert) in ihrer Heimstadt Jeddah treffen, wären ihre dunklen Haare verdeckt und ihr Mann, Sohn oder Fahrer hätte sie zu unserem Treffen gebracht. Heute zeigt sie sich mit strengem Zopf, heller Bluse und ihren Geländewagen hat sie nicht unweit vom Café geparkt. Gerade besucht sie ihren Sohn in der Metropole, in der sie neben London auch schon gelebt hat. Eine kurze Verschnaufpause für die Fahrlehrerin aus Saudi, die mit mir ihre ersten Erfahrungen teilt.

Am 26. September 2017 um 11:52 Uhr ist Nour gerade zu Hause in Jeddah, als die offizielle Saudi-Presseagentur via Twitter bekannt gibt, dass Frauen das Fahren im Königreich erlaubt wird. Mit 19.000 Retweets und viel Medienecho verbreitete sich die bahnbrechende Neuigkeit in Windeseile.

Maren Meheust: Das war bestimmt ein historischer Moment! Was war Ihre erste Reaktion, Nour?

Nour: Oh, ich war natürlich glücklich!

Haben Sie gleich Ihren Freundinnen geschrieben?

Nein, das mache ich nie. Ich habe Bedenken, etwas Falsches zu sagen, was der Regierung nicht gefällt. Nur wenn wir uns treffen, sprechen wir über solche Themen. Ich war sehr erfreut, aber auch skeptisch. Die Frauen in Saudi müssen nicht nur ausgebildet, sondern auch für den Verkehr dort fit gemacht werden. Auch brauchen wir dann Polizistinnen, da fremde Männer keine Frauen untersuchen können. Es ist einfach ein riesiges Projekt und ich glaube, dass die Regierung den Arbeitsaufwand unterschätzt hat.

Wie sah die Situation vorher in Saudi aus? Können viele Frauen, die Sie prüfen, bereits Auto fahren?

Keiner Frau war es in Saudi erlaubt, zu fahren. Und bis zum 24. Juni – dem offiziellen Datum, ab dem Frauen ans Steuer durften – wurden wir noch bestraft, wenn wir beim Fahren erwischt wurden. Viele Frauen versuchten es trotzdem – draußen in der Wüste. Natürlich ohne Führerschein oder Erlaubnis, aber so hatten sie immerhin die Erfahrung sammeln können. Sie fuhren mit ihren Ehemännern dorthin. Ich bin mit diesen Regelungen aufgewachsen und für mich war das bis jetzt normal.

Also haben Sie es nie hinterfragt?

Nein, ich habe es einfach so angenommen, wie es ist. Ich glaube, dass die Regierung dafür ihre Gründe hat. Das hat viel mit Tradition und Kultur zu tun. Auch wenn ich es komisch fand, dass überall woanders auf der Welt Frauen fahren durften.

Wie haben Sie dann selbst fahren gelernt?

Als ich 16 war, brachte meine Tante mir in Amerika das Autofahren bei. Als wir dann nach Dubai gezogen sind, habe ich meinen UAE-Führerschein gemacht. Das ist aber auch schon über 18 Jahre her! Mittlerweile habe ich auch einen abischen Führerschein. Möchten Sie ihn sehen?

Sie nimmt strahlend ihre beiden Führerscheine aus dem Portemonnaie – auf dem einen lächelt mir stolz eine junge Nour mit offenem Haar entgegen, auf dem anderen sehe ich Nour mit Kopftuch.

Wie haben damals Ihre Freundinnen in Saudiarabien reagiert, als sie hörten, dass Sie Autofahren können?

Für viele war es komisch, aber sie haben mich auch bewundert. Manche von ihnen waren auch eifersüchtig. Aber meistens haben sie nur nach dem ‚Warum‘ und nach dem ‚Wie‘ gefragt. Sie wollten wissen, ob es einfach oder schwer zu lernen ist.

Was haben Sie geantwortet?

Ich habe gesagt, dass es einfach für mich ist, weil ich daran gewöhnt bin. Es fiel mir von Anfang an leicht und es ist wichtig für mich, dass ich fahren kann. Ich fühle mich frei. Es macht mich unabhängig.

Wie kam es zu dieser bahnbrechenden Veränderung in Saudiarabien?

Ich denke, dass die Fahrerlaubnis vor allen Dingen Familien helfen soll. Viele können sich keinen eigenen Fahrer leisten. Zuvor brauchte man immer jemanden, der die Kinder und die Frau zur Schule oder Arbeit gebracht hat. Es ist so kompliziert und teuer, einen guten Fahrer zu finden. Die meisten kommen aus anderen Ländern und dann muss man nicht nur das Gehalt, sondern auch das Visum finanzieren. Die Frauen müssen ihre Freizeit untereinander koordinieren, wenn es nur einen Fahrer gibt. Es ist viel anstrengende Organisation und sehr kostspielig. Ich freue mich, dass ich mit meinem Job die Veränderung unterstützen kann.

Wie sind Sie zu der Arbeit als Fahrlehrerin und Prüferin gekommen?

Meine Cousine hat mich gefragt, ob ich interessiert wäre. Sie wusste, dass die Universität in unserer Stadt nach Fahrlehrerinnen sucht. Die Fahrschule, in der ich seit Mai arbeite, wird von der Regierung in Kooperation mit der Universität gefördert. Sie hat eine Jordanierin engagiert, die Frauen in Saudi zu Fahrlehrerinnen ausbildet. Es war schwer ein Team zusammenzustellen. Meistens weiß man nur über Kontakte, wenn eine Frau Autofahren kann.

Wie wurden Sie als Fahrlehrerin ausgebildet?

Erst wurde ich selbst geprüft, wie gut ich fahren kann. Dafür wurde ein Teil eines Parkhauses gemietet, da ich ja zu dem Zeitpunkt auf den Straßen draußen nicht fahren durfte. Ich bin dann mit dem Auto dort Runden gefahren. Die Trainerin saß mit dabei und ein Doktor der Universität hat uns von draußen beobachtet. Als Mann hat er nicht das Recht mit mir im gleichen Auto zu sitzen. Durch meine langjährige Erfahrung wurde ich dann nicht nur als Fahrlehrerin, sondern auch als Prüferin von unserer Trainerin ausgebildet.

Lernen Ihre Fahrschülerinnen auch im Parkhaus Autofahren?

Ja, ähnlich machen wir das mit den Fahrschülerinnen, die ich selbst im Mai dann unterrichtet habe. Bis Anfang Juni haben über 300 Frauen jeweils 30 theoretische und praktische Stunden absolviert. Das war sehr kräftezehrend, da wir draußen in der prallen Sonne stundenlang erst selbst ausgebildet wurden und dann andere prüfen mussten. Die Regierung wollte, dass ab dem 24. Juni die ersten Absolventinnen fahren können. Ich habe teilweise auch Nachtschichten geschoben, um das zu realisieren, weil wir bei der großen Nachfrage völlig unterbesetzt sind und auch die Zeitspanne sehr knapp war.

Wie alt sind Ihre Fahrschülerinnen?

Zu uns kommen Frauen aus allen Altersgruppen, meist zwischen 24 bis 60 Jahre. Aber auch die anderen Fahrlehrerinnen kommen aus unterschiedlichen Generationen. Ich gehöre sogar zu einer der älteren.

Wie ist die Reaktion der Frauen, wenn sie das erste Mal fahren?

Die meisten Frauen in Saudi sind sehr stolz. Sie würden nie vor uns euphorisch reagieren. Ich erinnere mich nur an eine Frau, die mir sagte, dass sie sich wahnsinnig freut endlich fahren zu dürfen. Man sieht die Begeisterung eher in der Zahl der Anmeldungen. Aber das wird nicht offiziell kommuniziert. Für die nächste Runde haben sich mehr als 600 Frauen eingeschrieben. Auf der Warteliste stehen mehr als 5.000. Und die Webseite, auf der man sich anmelden konnte, gibt mittlerweile eine Fehlermeldung, da sie überlastet ist.

Freuen Sie sich denn darauf in Saudi endlich zu fahren?

Ehrlich gesagt bin ich etwas ängstlich, da der Verkehr so gefährlich ist. Ich weiß, dass ich sehr gut fahren kann, aber ich kann die anderen Fahrer um mich herum nicht kontrollieren. Wer weiss, vielleicht wird es ein wenig friedlicher bald auf den Straßen, jetzt, wo wir Frauen auch ans Steuer können (lacht).

Als ich mein Interview zu Papier bringe, schickt mir Nour gerade per Whatsapp ein Video, wie sie das erste Mal in Saudi am Steuer sitzt. Ihr Mann kommentiert: „Meine Damen, meine Herren, was für ein Moment! Nour kann endlich in Saudi fahren!“


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Die Zukunft der Arbeit könnte weiblich sein

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„Frauen können die Gewinnerinnen des digitalen Wandels werden, wenn wir es klug anstellen“, sagte Andrea Nahles 2015 auf der Konferenz zur Geschlechtergerechtigkeit der Internationalen Association for Feminist Economics (IAFFE) in Berlin – damals noch als Arbeitsministerin. Hat sie damit Recht? Ist die Zukunft der Arbeit weiblich?

Neue Jobmodelle, neue Möglichkeiten für Frauen

Nach Ansicht von Nahles liegen die Chancen für Frauen in der Arbeit 4.0 vor allem in der Digitalisierung. Diese verändert zum Einen die Art und Weise wie wir arbeiten. Das Internet und Cloud-Technologien führen zum Beispiel dazu, dass wir nicht mehr immer und jederzeit physisch am Arbeitsplatz sein müssen. Vieles wird heutzutage, statt im Büro, im Homeoffice erledigt. Resultate seien wichtiger als Anwesenheit, sagte Nahles.

Das gilt natürlich nicht nur für Frauen, jedoch könnte gerade dieser Wandel vor allem Frauen den Zugang zur Arbeitswelt erleichtern. Während sie bisher vielleicht zwischen Kind und Karriere wählen mussten, können sie nun beides ohne große Kompromisse haben.

Darüber hinaus verändern sich durch die Digitalisierung ebenfalls die Berufsbilder für Frauen. Während zum Beispiel Krankenschwester ein typischer Frauenberuf war, wird diese Arbeit wahrscheinlich bald komplett von Robotern erledigt. Das gäbe Frauen aber auch „ganz neue berufliche Perspektiven auf gut bezahlte, gut abgesicherte Industriearbeitsplätze“, sagt Nahles.

Ganz ähnlich sieht dies auch die prämierte US-Unternehmensberaterin und Digitalisierungsxpertin Cheryl Cran. Sie sieht ebenfalls in neuen Jobmodellen eine große Chance für Frauen. Denn Frauen können ihrer Meinung nach durch Freelancing, Homeoffice oder Telearbeit nun problemlos Familie und Job miteinander vereinen. Tatsächlich ist ein steigender Anteil der Freiberufler in den USA weiblich. Nach Zahlen der National Association of Women Business Owners wagen ebenfalls viele Frauen den Schritt in die Selbstständigkeit und gründen eigene Unternehmen. So wurden 9,1 Millionen US-Firmen von Frauen gegründet, die zusammen beinahe 8 Millionen Menschen beschäftigen.

Auch Männer seien nicht mehr bereit, 14-Stunden-Tage zu schieben und suchen einen bessere Work-Life-Balance. Jobsharing-Modelle, in denen sich Männer und Frauen eine Managerposition teilen, seien gar nicht mehr so selten. Auch renommierte Tech-Unternehmen wie Facebook oder Tesla suchen laut Cran händeringend qualifizierte Frauen für Spitzenpositionen.

Roboter geben Frauen mehr Muskelkraft

In einem Kommentar für die irische Onlinepublikation Siliconrepublic.com geht Cheryl Cran sogar noch einen Schritt weiter. Sie behauptet: Gerade die sogenannten Soft Skills – Kommunikationsfähigkeit, Empathie, Emotionale Intelligenz – die Frauen ihrer Meinung nach von Natur aus mitbringen – werden in Zukunft viel mehr gefragt als „männliche“ Arbeitsweltattribute wie Wille, Entschlossenheit, Egoismus und Aggressivität. Cran glaubt zwar, dass in Zukunft eine Kombination aus männlichen und weiblichen Attributen gefragt sein wird, doch dabei haben Frauen ihrer Meinung nach einen Vorteil: „Frauen werden erfolgreich sein in einer Zukunft, in der Jobs, die früher physische Stärke erforderten – Bau, Produktion, Landwirtschaft -, durch Roboter verbessert werden.

Sprich: Frauen haben nicht nur Vorteile aufgrund ihrer natürlichen Eigenschaften, sie können nun auch Jobs ausüben, die ihnen bisher aus rein physischen Gründen verwehrt waren. Cran nennt das Beispiel einer Roboter-Rüstung, die in Japan in der Pflege genutzt wird. Diese kann man sich als Mensch überziehen und damit die eigene Muskelkraft verstärken.

Auch die Soziologin Christiane Funken sagt in ihrem Buch „Sheconomy“: Die Arbeitswelt der Zukunft ist weiblich. Allerdings zögert die Wissenschaftlerin, dies wie Cran auf angeborene Eigenschaften zurückzuführen. Vielmehr stellt sie klar: „Frauen werden traditionellerweise auf Fähigkeiten hin erzogen, die der Arbeitsmarkt dringend braucht.“ Da Frauen also in vielen Kulturen eher dazu erzogen werden, diplomatisch, zurückhaltend, zuvorkommend, freundlich und schon gar nicht aggressiv zu sein, könnte ihnen dies in einer Arbeitswelt, die genau diese Eigenschaften verstärkt, sucht und fördert, zugute kommen.

Neue Chancen gibt es nur dann, wenn Frauen sie nutzen

Doch ganz so rosig, wie die Expertinnen die Zukunft sehen, ist sie nicht. Nur weil Frauen neue Chancen haben, bedeutet dies nicht, dass sie diese auch nutzen werden. Frauen haben zum Beispiel mehr Angst vor der Digitalisierung als Männer. Nach einer Umfrage des Markt- und Sozialforschungsinstitut Ipsos misstrauen Frauen dem digitalen Wandel mehr als Männer.

Markus Grabka vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) glaubt sogar, dass Frauen die großen Verlierer der Digitalisierung sein werden. Seiner Ansicht nach werden Tätigkeiten wie Verkauf, Terminpflege und Organisation oder Dienstleistungen in der Gastronomie in Zukunft zu 80 Prozent von Robotern ausgeführt. Das sind aber genau die Jobs, die aktuell mehrheitlich von Frauen ausgeübt werden.

Während Expertinnen wie Cran oder Funke hier eine neue Möglichkeit sehen, warnt Grabka vor dem besonders hohen Risiko auf Jobverlust für Frauen. Tatsächlich ist der Arbeitsalltag derzeit für Frauen nicht gerade rosig – trotz Digitalisierung. Die DGB-Studie „frau geht vor“ hat beispielsweise ermittelt, dass Frauen schwierigere Arbeitsbedingungen als Männer beklagen. 52 Prozent der Frauen, aber nur 43 Prozent der Männer klagen über höhere Arbeitsbelastung, mehr Kontrolle, Überwachung und Stress. Das zeigt auch, dass die Macho-Kultur in Unternehmen immer noch verbreitet ist, auch in Start-ups.

Auch wird der Kampf um begehrte Arbeitsplätze härter, und es ist nicht anzunehmen, dass Männer sich in Zukunft weniger um gute Jobs bemühen werden.

Nicht alle Männer sind machtgierige Egoisten

Bei der ganzen Debatte ist es aber auch nicht unbedingt förderlich, grundsätzlich alle Männer als machtbesessene Egoisten darzustellen und alle Frauen als hilflose Opfer. Denn es ist nicht notwendigerweise die Schuld der männlichen Kollegen, wenn der Arbeitsplatz keine Flexibilität bietet, um das Kind morgens in die Kita zu bringen oder am Nachmittag abzuholen – was übrigens auch Väter tun. Klar ist: Wenn sich mit dem digitalen Wandel Unternehmensstrukturen nicht verändern und sich besser an aktuelle Lebensweisen von Männern UND Frauen anpassen, verlieren am Ende alle.

Deswegen betont Sheconomy-Autorin Christiane Funken auch, dass es ihr nicht darum geht, Frauen gegen Männer aufzuspielen. Vielmehr sei es so, dass Geschlechterrollen sich ohnehin immer mehr verschieben und verändern. Männer wollen genau so mehr Freizeit haben oder Zeit mit der Familie verbringen wie Frauen.

Das bestätigen auch Zahlen des Zukunftsinstituts in einer Untersuchung zum „Female Shift“ in der Arbeitswelt. Demnach glauben 65 Prozent der Männer, dass beide Elternteile gleichberechtigt für die Kindererziehung verantwortlich sind. Oft gehen Wunsch und Realität noch auseinander, doch immerhin nimmt bereits jeder vierte Mann in Deutschland Elternzeit in Anspruch. Frauen wiederum nehmen Machtpositionen selbstbewusster an als noch vor 20 Jahren. So birgt die Arbeitswelt der Zukunft idealerweise nicht mehr Chancen für Männer oder für Frauen, sondern für alle.


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Selbstverwirklichung – ein Versprechen an die Frauen?

Frau(adapted)(Image by Free-Photos [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Erst letzte Woche hatte meine Mitbewohnerin mit ihrem Freund Schluss gemacht. Eine Trennung ist nie leicht, das wissen wir alle. Somit hatte ich sie auch nicht ihre Freiheit zelebrierend und tanzend auf dem Tisch erwartet. Doch anstatt dass sie auch nur einen Funken Erleichterung empfand, wurde sie die nächsten Wochen von Ängsten geplagt. Der Grund: Sie war 27 – und Single.

Man könnte nun natürlich argumentieren, dass Frauen heutzutage im Zuge der Emanzipation selbstständig Kinder großziehen können und somit nicht mehr abhängig vom Mann sind. Dass dieser Wandel jedoch nicht nur in den Köpfen, sondern auch im gesellschaftlichen System noch nicht angekommen ist, lässt sich nicht nur an meiner Mitbewohnerin erkennen.

Die Aussichten für alleinerziehende Mütter sind nicht rosig

Denn auch andere Ergebnisse sprechen Bände: Nach dem Statistischen Bundesamt ist in 9 von 10 Fällen der alleinerziehende Elternteil die Mutter. Dabei gilt mehr als ein Drittel aller Alleinerziehenden als arm. Alleinerziehende Mütter verdienen zudem deutlich weniger als alleinerziehende Väter – das liegt vor allem daran, dass das männliche Pendant zweimal so häufig in Vollzeit arbeitet.

Die Fürsorgearbeit ist immer noch Aufgabe der Frauen

Dieser Unterschied lässt sich auch darauf zurückführen, dass trotz des Aufrüttelns der Rollenbilder seit den 90er Jahren, die Fürsorgearbeit Aufgabe der Frauen bleibt. Familiäre Angelegenheiten sowie unbezahlte häusliche Arbeit stehen Größenteils in ihrer Verantwortung, während die vergütete Erwerbsarbeit weiterhin von den Männern übernommen wird. Für Frauen, die einer Erwerbsarbeit nachgehen wollen, scheint eine Doppelbelastung unausweichlich. Viele Frauen verzichten daher auf eine Vollzeitstelle oder gehen erst gar nicht arbeiten, wodurch ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt erheblich verschlechtert werden.

Zusammenfassen kann man also sagen, dass Frauen aufgrund der Fürsorgearbeit öfter in Teilzeit oder befristeten Verhältnissen arbeiten – und somit im Schnitt deutlich weniger verdienen als Männer. Um genau zu sein, verdienten Frauen nach dem unbereinigten Gender Pay Gap im Jahr 2016 22 Prozent weniger als ihre männlichen Pendants. Alleinerziehende Mütter, die sowieso unter der Vereinbarkeit von Beruf und Familie leiden, treffen diese Umstände besonders hart.

Erfolg für die Männer – Selbstverwirklichung für die Frauen?

Unser Arbeitsleben hier in Europa dauert im Durchschnitt 34,5 Jahre. Es scheint somit nicht verwunderlich, dass der Beruf für viele als identifikationsstiftend gilt und die Arbeit für die Selbstverwirklichung genutzt wird: Neben den täglichen Besorgungen und Verpflichtungen beibt kaum noch Zeit, Interessen nachzugehen, die diese Aspekte erfüllen könnten. Doch sind Frauen und Männer im gleichen Maße von dieser Entwicklung betroffen?

Wirft man einen Blick auf die Situation der Männer, so hat sich zumindest was die Fürsorgearbeit betrifft, seit den 90er Jahren nicht viel geändert: Männer sind immer noch überwiegend die Brotverdiener und üben bestenfalls ihr Leben lang einen Beruf aus, der auch ihre privaten Interessen widerspiegelt. Dabei ist ihnen vor allem der Erfolg bei der Arbeit wichtig, denn ihre persönliche Zufriedenheit hängt stärker von der beruflichen Stellung ab als bei Frauen.

Wenn für Männer somit der Erfolg bei der Arbeit an erster Stelle steht – bleibt dann die Selbstverwirklichung für die Frauen? Sie könnte jedenfalls eine attraktive Chance darstellen, die eigenen Wünsche und Interessen in den Vordergrund zu stellen, die bei der Kindererziehung lange Zeit zu kurz kamen.

Wandel muss her

Die Fürsorgearbeit der Frauen hat somit Auswirkungen auf viele Komponenten: Sie beeinflusst nicht nur den Gender Pay Gap und stellt für viele alleinerziehend Mütter eine erhebliche Herausforderungen dar, sondern könnte beispielsweise auch ein Grund sein, warum Frauen selten in Führungspositionen zu sehen sind – Selbstverwirklichung kann schließlich auch der einfache Wunsch sein, einen Beruf zu finden, der mit der Familie gut zu vereinbaren ist.

Trotzdem sollten wir uns daran erinnern, dass wir im Jahr 2017 leben – und Männer genauso wichtig für die Kindererziehung sind wie Frauen. Somit sehe ich es auch als die Aufgabe unserer männlichen Gegenüber, die Möglichkeit, länger und öfter als bisher als Elternteil zuhause zu bleiben, wahrzunehmen, um einen Wandel voranzutreiben.


Image (adapted) „Frau“ by Free-Photos (CC0 Public Domain)


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Sag mir, wo du herkommst, und ich sage dir, wie schlau du bist? – Neue Studie wirft Fragen auf

Students having a test in a classroom (adapted) (Image by luckybusiness via AdobeStock)

Lust auf einen kleinen Test? Lesen Sie den obigen Titel einmal, decken Sie ihn dann ab und schreiben Sie Wort für Wort auf, woran Sie sich erinnern. Haben Sie Schwierigkeiten dabei? Wie gut Sie sich schlagen, könnte abhängig davon sein, in welchem Land Sie leben.

Dies geht aus einer neuen Studie hervor, die in der Psychological Science veröffentlicht wurde, bei der 200.000 Frauen und Männer aus 27 verschiedenen Ländern auf fünf Kontinenten getestett wurden. Es zeigte sich, dass Frauen aus eher konservativen Ländern in Gedächtnis-Tests schlechter abschnitten als Frauen aus Ländern, in denen Geschlechtergerechtigkeit herrscht.

Demographie-Experte Eric Bonsang und seine Kollegen analysierten Daten von über 50-jährigen Testpersonen aus verschiedenen Ländern. Sie nutzten vorhandene Daten zu kognitiver Leistung, um die episodische Gedächtnisleistung zu ermitteln, also deren Erinnerung an autobiographische Ereignisse. Diese beinhalteten die Aufgabe, sich innerhalb von einer Minute an so viele wie möglich der vorgelesenen Wörter zu erinnern – entweder direkt danach oder nach einer kurzen Verzögerung. Das Team ermittelte für jedes Land das Level der Geschlechtergleichheit auf Basis der Menge an Personen, die der folgenden Aussage zustimmten: „Wenn Jobs knapp sind, sollten Männer das größere Recht haben, einen Job auszuüben als Frauen“.

Die Frauen übertrafen die Männer in Bezug auf die Gedächtnisleistung in wie Schweden, Dänemark, den Niederlanden, den USA und anderen europäischen Staaten. In Ghana, China, Südafrika und in einigen weiteren Staaten mit traditionelleren Geschlechterrollen (wie auch Russland, Portugal, Griechenland und Spanien) war das Ergebnis genau andersherum. Frauen aus diesen Ländern schnitten schlechter ab als die Männer – und genau das hatten die Forscher vorausgesagt. Interessanterweise schnitten Männer aus Ländern, in denen Geschlechtergerechtigkeit herrscht, ebenfalls besser ab als Männer aus konservativen Staaten (wenn auch geringfügig).

Die Ergebnisse waren nicht von der Region oder der ökonomischen Entwicklung eines Landes (BIP pro Kopf aus dem Jahr 2010) abhängig. Ein potentiell ausschlaggebender Faktor ist hingegen, dass moderne Staaten (wie viele der oben genannten Länder) über bessere Gesundheitsversorgung verfügen. Ältere Erwachsene mögen schlicht gesünder sein. Doch dies erklärt nicht zwingend die Unterschiede zwischen den sozialen Geschlechtern – die Studie kam immerhin zu dem Schluss, dass dieser Effekt für Frauen stärker war als für Männer.

Die Autoren argumentieren stattdessen, dass die Einstellungen einer Gesellschaft zu Geschlechterrollen bestimmt, welche Verhaltensweisen und Charakteristiken für Frauen und Männer als angemessen angesehen werden. Diese sozialen Erwartungen wiederum beeinflussen die Lebensziele, Berufswahl und Erfahrungen von Frauen (und Männern). Daraus resultierend kann es vorkommen, dass Frauen in Staaten mit eher klassischem Rollenverständnis weniger Zugang zu kognitiv stimulierenden Aktivitäten aus Bildung und Arbeitswelt haben. Teilhabe an Bildung und Arbeit erklärte tatsächlich die Ergebnisse in 30 Prozent der Fälle.

Schädliche Stereotype

Während die Studie einen Beweis dafür liefert, dass auf Stereotypen basierende Einstellungen unsere Fähigkeiten beeinflussen, bedürfte es für einen umfassenden Test dieser Theorie einer Untersuchung der Fertigkeiten, die stereotypisch als feminin angesehen werden – so wie soziale Sensibilität oder Sprachkompetenz.

Würden zum Beispiel Männer aus Staaten mit traditionellem Rollenverständnis in Tests zur sozialen Sensibilität im Vergleich mit den Frauen schlechter abschneiden? Eine Studie, die mit amerikanischen Studenten durchgeführt wurde, hat genau das gezeigt. Und es ist durchaus möglich, dass dieser Effekt in konservativeren Staaten noch viel stärker ausgeprägt ist.

Die Ergebnisse dieser Studie wurden in Form von „Stereotyp-Bedrohung“ erklärt – die Angst, etwas zu tun, womit negative Eigenschaften, die typischerweise mit Mitgliedern einer stigmatisierten Gruppe assoziiert werden, bestätigt oder verstärkt würden. Sagen wir, Sie sind eine Frau und sitzen in einem Mathe-Test. Die allgemeine Auffassung, dass Frauen in Mathe nicht gut sind, spukt in Ihrem Hinterkopf herum, und ihr Ergebnis fällt womöglich schlechter aus, weil Sie Schwierigkeiten haben, sich zu konzentrieren. Die Angst nimmt uns unsere kognitiven Ressourcen und führt zu Leistungsschwäche bei Aufgaben, die für die stereotypisierte Gruppe als Herausforderung angenommen werden.

Dieser Effekt ist sehr stark und wurde in einer Reihe von Studien belegt. Erinnerte man sie an negative Stereotype, schnitten beispielsweise Frauen in Mathe-Tests oder Afroamerikaner in Tests zu intellektuellen Fähigkeiten schlechter ab. Tatsächlich könnte die neue Studie also mit der „Stereotyp-Bedrohung“ erklärt werden.

Wir haben uns die neurologische Untermauerung dieses Effekts angesehen. In unserer neuen Studie, die in der Frontiers Aging Neuroscience veröffentlicht wurde, wurde eine Gruppe älterer Teilnehmer gebeten, einen Artikel über im Alter nachlassende Erinnerungsleistung zu lesen (Altersstereotyp). Wir zeigten, dass daraus resultierend ihre Reaktionszeiten in kognitiven Tests verlangsamt waren. Mehr noch, die Gehirnwellen-Aktivitäten der Testpersonen zeigte, dass ihre Gedanken über sich selbst negativer waren. Dies zeigten EEG-Daten, die mit Hilfe von Elektroden Gehirnwellen maßen und aufzeichneten.

Unsere Studie zeigt, dass kurzfristige Konfrontation mit negativen Stereotypen einen beeinträchtigenden Effekt auf kognitive Funktionen hat. Ähnliche Prozesse mögen bei Frauen, die in Staaten mit konservativem Rollenverständnis ständig negativen Geschlechter- und Altersstereotypen ausgesetzt sind, gewirkt haben – was wiederum ihr schlechtes Abschneiden im Gedächtnistest erklären kann.

Was macht einen Staat sexistisch?

Ein weiterer Faktor, den zukünftige Studien in Betracht ziehen sollten, ist das erweiterte politische System eines Staates – nicht nur die Geschlechter-Einstellungen als solche. Eine Studie nimmt an, dass Modernisierung fortschreitend zu Demokratisierung und Liberalisierung führt – auch in Bezug auf Geschlechterrollen. Das gesellschaftliche Erbe, ob politisch oder religiös, beeinflusst die Werte einer Gesellschaft.

Tatsächlich zeigen unsere Studien zu kulturübergreifenden Einstellungen zu Frauen und Männern, dass diese in langjährigen Demokratien wie Großbritannien liberaler sind als in Staaten, die noch auf dem Wege zu einer Demokratie sind (wie Polen oder Südafrika). Wir haben außerdem herausgefunden, dass Einstellungen zu Geschlechtern auch von dem vorherrschenden politischen System beeinflusst werden: Diese waren in Südafrika nach der Apartheid konservativer ausgeprägt, während sie im post-kommunistischen Polen weniger konservativ waren. So hat also die Geschichte institutionalisierter Ungleichheit (Apartheid) gegen die aufgezwungene Emanzipierung (Kommunismus) einen langanhaltenden Einfluss auf den nationalen Level an Sexismus.

Vielleicht ist es also kein Zufall, dass die Staaten mit einer besonders lange bestehenden Demokratie auch diejenigen mit der größten Geschlechtergleichheit sind. Wie meine Forschung nahelegt, sind sowohl Demokratisierung als auch die Verminderung der „Stereotyp-Bedrohung“ – insbesondere durch die Massenmedien wie zum Beispiel durch Werbung mit nicht-traditionellen Geschlechterrollen – wichtige Faktoren. Dies sollte unser Fokus sein, um bei einer Menge von Fähigkeiten eine größere Gleichheit von Männern und Frauen rund um den Globus zu erreichen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Students having a test in a classroom“ by luckybusiness/AdobeStock.com


The Conversation

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Nach Androidpiloten-Kritik: Warum bei Lazeeva frauenfeindliche Sex-Apps künftig keine Chance haben

Smartphone (adapted) (Image by geralt [CC0 Public Domain] via pixabay)

Sexuell aufgeladene Inhalte finden in vielen Medienkanälen immer mehr Platz. Allerdings nicht in den von Google und Apple kontrollierten App-Stores. Mit einem alternativen Marktplatz für Sex-Apps will das Portal Lazeeva Android-Nutzern dennoch Zugang zu erotischen Inhalten auf ihrem Smartphone bieten. Der Anbieter möchte eine lifestylige Zielgruppe ansprechen und insbesondere auch Frauen adressieren. In meinem App-Test für Androidpiloten vom 23. Februar 2017 fand ich dennoch viele der üblichen pornografischen Dominanz-Fantasien für Männer. Einige Videotitel waren zum Teil sehr frauenverachtend.

Das Portal Lazeeva, das von der Nu Emotions GmbH aus München betrieben wird, hat die Kritik von Androidpiloten sehr ernst genommen. Daraufhin hat sie bedenkliche Inhalte entfernt. Zudem hat Lazeeva eine Rubrik namens „For Women“ eingeführt. Nun erklärte mir Gründer Nico Hribernik, wie er das Portfolio künftig so gestalten will, dass es tatsächlich Männer und Frauen gleichermaßen anspricht.

Lazeeva-Webseite-Androidpiloten
Screenshot by Julia Froolyks

Herr Hribernik, Sie haben unseren Artikel gelesen. Wir haben besonders auf die fragwürdigen Video-Titel aufmerksam gemacht. Wie haben Sie und Lazeeva darauf reagiert?

Nachdem Sie in Ihrem Artikel auf die negativen Video-Titel aus einer auf unserer Plattform gelisteten App aufmerksam gemacht haben, haben wir den betroffenen Publisher dazu veranlasst, diese Titel aus seinem Angebot zu nehmen. Das ist unseres Wissens auch geschehen. Der Lazeeva-App-Store ist ja genau wie Google Play oder der Apple App Store eine Plattform, auf welcher Drittanbieter ihre Apps anbieten. Deshalb ist es gerade bei Video-Apps mit Tausenden von Titeln sehr willkommen, wenn User auf Missstände, die unseren Werten widersprechen, hinweisen.

Wie stehen Sie zu unserem Eindruck, dass der Lazeeva-App-Store nicht das hält, was er verspricht, sondern durch die derben Titel eben doch härtere oder gewalttätige Inhalte suggeriert?

Es wird in unserem App Store zu 100 Prozent keine Gewalt an- oder dargeboten. Sie haben in Ihrem Artikel negativ formulierte Video-Titel aufgezeigt. Wir heißen diese Kritik definitiv gut und haben sofort gehandelt. Allerdings waren die betroffenen Video-Inhalte weder gewalttätig oder gewaltverherrlichend. Weiter beziehen Sie sich hier auf eine aus aktuell 30 Apps, was sicher eine zu viel ist, allerdings nicht auf das gesamte Angebot bezogen werden darf.

Die meisten eingereichten Apps fallen durch

Welche Voraussetzungen müssen Anbieter von Erotik-Apps denn erfüllen, um Inhalte im Lazeeva-App-Store zu platzieren?

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Nico Hribernik. Image by Nu Emotions GmbH

Wir haben für den Lazeeva-Store Richtlinien für die Inhalte aufgestellt. Wir wollen keine Gewalt, Diskriminierung oder extremen Fetisch. Seit wir mit unserer Idee an den Start gegangen sind, wurden uns aus der Erotikbranche etwa 400 bis 500 Apps vorgeschlagen. Wir haben aktuell 30 Apps bei uns im Lazeeva-Store. Das liegt daran, dass der Großteil der vorgeschlagenen Apps an unseren Richtlinien gescheitert ist.

Sie haben mit Ihrem Team die Inhalte noch einmal auf Seriosität überprüft und die im Artikel kritisierten Inhalte aus dem Store genommen. Wie wollen Sie in Zukunft gewährleisten, dass Videos mit fragwürdigen Titeln nicht mehr den Weg in den Lazeeva-Store finden?

Wir haben einen feststehenden Prozess für den Upload und die Kontrolle von erotischen Inhalten. Wenn eine App hochgeladen wird, bekommt unsere Store-Managerin eine Benachrichtigung. Sie macht daraufhin eine inhaltliche Kontrolle der App und markiert die fragwürdigen Inhalte, die unseren Richtlinien nicht entsprechen. Das sind nicht nur die Videos sondern auch zugehörige Screenshots, App-Icons und Video-Titel. Der Anbieter muss die markierten Inhalte dann überarbeiten und an unsere Richtlinien anpassen. Wenn der Anbieter die Inhalte geändert hat, können diese in den Store geladen werden.

Zudem haben wir einen Tester-Pool von etwa 25 Frauen, die unseren Lazeeva-Store durchgehen und bewerten sollen. Dazu gehören auch unsere anderen Plattformen wie Social-Media-Kanäle oder unsere Website. Mithilfe dieses Feedbacks können wir unsere Inhalte besser bewerten und anpassen.

25 Frauen testen Lazeeva-Apps vor der Freigabe

Wie kam es dann dazu, dass die von uns kritisierten Inhalte, etwa die App Sky Angel, den Weg in den Store gefunden haben?

Die Video-App Sky Angel entsprach zu Beginn unseren Richtlinien. Hier war es so, dass anscheinend neue Videos vom Anbieter in die App geladen wurden. Da die Apps in unserem Store immer noch ihren Platz im Content-Management-System des Anbieters haben, und neue Inhalte via Streaming eingespielt werden, kann der Anbieter hier im Sekundentakt neue Inhalte aufspielen. Wir haben nun allerdings ein Filter-System für die Video-Streaming-Apps in unserem Lazeeva-Store eingeführt, mit dem wir jegliches Keyword sehr schnell finden können. So haben wir in den letzten Tagen alle Videos gefunden, die Begriffe wie „Whore“, „Schoolgirls“ und so weiter beinhalten. Der Anbieter muss diese dann entfernen.

In unserem Artikel haben wir besonders kritisiert, dass die versprochenen Inhalte für Frauen nicht auf den ersten Blick einsehbar sind. Planen Sie da Veränderungen?

Unsere Zielgruppe sind Männer, Paare und Frauen. Unsere Vision ist, dass unser Portfolio mindestens zu einem Drittel aus Inhalten speziell für Frauen besteht. Wir befinden uns momentan noch in der Beta-Phase – unsere Vision von Lazeeva wurde natürlich noch nicht zu 100 Prozent umgesetzt. Eine eigene Kategorie für Frauen soll allerdings zeitnahe folgen. Wir möchten hier auf jeden Fall noch mehr Inhalte nur für Frauen in unserem Lazeeva-Store haben, damit die Kategorie viele Inhalte bietet.

Noch mehr Inhalte für Frauen geplant

Wir haben auch eine App aus Ihrem Store kritisiert, die Virtual Reality (VR) nutzt. Dort sollten eigentlich auch Frauen ihren Spaß haben – leider bot sich nur die Perspektive eines Mannes. Sind auch in diesem Bereich Änderungen in Planung?

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Screenshot by Berti Kolbow-Lehradt

Sie zeigen mit diesem Beispiel ganz klar eine der aktuellen Grenzen von „immersiver“ VR-Erotik auf. Nämlich dass die „Ich“-Perspektive oft eben auch die Bereitschaft zu einem geschlechtlichen Rollentausch mit sich zieht. Der Publisher der von Ihnen genannten App arbeitet gerade daran, dass in Zukunft User sich einen animierten Charakter mit unterschiedlichen Geschlechter- und Gender-Roles aussuchen und sogar selber editieren kann. Ich möchte hier außerdem auf einen der Vorreiter des feministischen Erotik-Genres Angie Rowntree in unserem Store aufmerksam machen. Mit „Empowering Ava“ hat sie in unserem Store nicht nur einen zu 100 Prozent auf ein weibliches Publikum zugeschnittenen Film, sondern den ersten feministischen VR-Porno der Welt veröffentlicht.

Wie sieht die Zukunft von Lazeeva aus?

Wir haben uns Ziele gesetzt, die wir erfüllen möchten, bevor die Beta-Version des Lazeeva-Stores live gehen soll. Hier steht vor allem das Portfolio an erster Stelle. Unser Ziel ist es, 50 bis 60 Apps anbieten zu können. Den Fokus setzen wir dabei vor allem auf Virtual Reality. Außerdem sollen vor allem „Sex-positive“-Inhalte vermehrt bei uns zu finden sein. Hier setzen wir vor allem auf die enge Zusammenarbeit mit Produzentinnen sogenannter Sex-positiver Inhalte, die für uns diese Inhalte in Form von Apps entwickeln. Wir möchten in Zukunft auch den Zugriff auf erotische Geschichten und Bücher bieten. Ein weiteres Ziel ist das Einleiten von Automatisierungsprozessen, damit Inhalte direkt gefiltert werden können, und keine Inhalte mehr zu finden sind, die unseren persönlichen Richtlinien nicht entsprechen.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Hribernik.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Androidpiloten.


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Warum Tinder uns zu boshaften Menschen macht

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60 Prozent des digitalen Medienkonsums in Amerika geschieht nur noch über Handys oder Tablets und nicht mehr über Desktop-PCs. So wie Menschen und Technik zunehmend mobiler werden, sind es auch die Bemühungen der Menschen, Liebe und Sex zu finden. Laut der Analyse-Seite AppAnnie ist die Dating-App Tinder eine der beliebtesten Methoden, um eine Romanze im modernen Gewand einzugehen. Die App war zwei Jahre in Folge die am meisten heruntergeladene App in den USA.

Als Sozialpsychologe habe ich mich darauf spezialisiert, herauszufinden, warum Tinder – so wie es einer meiner Interviewpartner so schön sagte – uns „so boshaft, aber zufrieden“ macht. Während ich meine Dissertation zum Thema ‚Sexuelle Konflikte auf Tinder‘ beendete, analysierte ich hunderte von Umfragen, Interviews und Posts von Tinder-Nutzern, die deren Erfahrungen mit der App thematisierten. Mein vorläufiges Ergebnis lautete, dass Tinder-Nutzer in der Tat andere Charaktere treffen als die Nutzer anderer Online-Dating-Webseiten oder diejenigen, die gar keine Hilfe per Dating-App in Anspruch nehmen.

Genauer gesagt verursacht Tinder eine so genannte „Rückkopplungsschleife“, in der Männer weniger strenge Kriterien zum Finden eines Partners benutzen, weil sie die Teilnehmer oft nur schnell wegwischen. Frauen dagegen nutzen als Antwort auf die vielen Matches und Anfragen anspruchsvollere Kriterien. Aber wir sollten nicht schon jetzt Alarm schlagen, da das Wischen eventuell mehr über unsere geistigen Verknüpfungen aussagt als unsere unterschiedlichen romantischen Bedürfnisse.

Wie ein Spiel

Während die meisten Online-Dating-Webseiten wie Match oder eHarmony versuchen, die Nutzer auf Grundlage eines sorgfältig entworfenen Algorithmus miteinander zu verknüpfen, bedient sich Tinder keiner dieser Vorgaben. Stattdessen nutzt die App die Standortinformationen, um möglichst viele Fotos von möglichen Partnern aus der Umgebung aufzurufen. Die Nutzer wischen nach rechts, um die Profile der Personen, die sie interessieren, sehen zu können. Sie wischen nach links, um diejenigen, die sie nicht ansprechend finden, loszuwerden. Wenn zwei Personen nach rechts gewischt haben, nachdem sie das Profil des anderen gesehen haben, werden sie informiert, dass sie ein „Match“ haben und sich nun gegenseitig Nachrichten schicken können. Laut Tinder wird täglich 1,4 Milliarden Mal gewischt. Die App ist in fast 200 Ländern verfügbar, von Frankreich bis Burundi.

Die Art und Weise, wie Tinder mit Romantik umgeht, mag eher schlicht sein, ist aber sehr effektiv. Matches werden aufgrund von dürftigen Kriterien gemacht: Aussehen, Verfügbarkeit und Standort. Weil Menschen die Attraktivität mit nur einem kurzen Blick bemessen können, hetzen Tinder-Nutzer meist mit einer erstaunlichen Geschwindigkeit durch die Profile.

In Bezug auf psychologische Konditionierung ist die Oberfläche von Tinder perfekt geeignet, um die Geschwindigkeit der Suche zu unterstützen. Da die Nutzer nicht wissen, welcher Wisch ein Match ergibt, nutzt Tinder eine variable Anzahl an zufälligen Erfolgserlebnissen. Das bedeutete, dass potentielle Matches zufällig gestreut werden. Es ist dasselbe Belohnungssystem, das in Spielautomaten, Videospielen und sogar bei Experimenten mit Tieren, wie beispielsweise eines, bei dem Tauben trainiert wurden, kontinuierlich auf ein Licht an einer Wand zu picken, genutzt wird.

Bei einer Studie über die Gehirnaktivitäten von Drogensüchtigen fanden Forscher heraus, dass die Erwartung auf die Droge mehr von dem Wohlfühl-Botenstoff Dopamin freisetzt als die eigentliche Droge. Ganz ähnlich funktioniert die Erwartung auf Tinder, dass das nächste Wischen zu einem Match führen kann. Permanentes Wischen kann also schnell wie eine Sucht aussehen und sich auch so anfühlen. Es dürfte niemanden überraschen, dass Tinder seit 2015 für die Nutzer, die nicht die Premiumversion TinderPlus nutzen, die Wischbewegungen nach rechts auf 100 Mal pro Tag begrenzt hat. Manche sprechen bereits von Tinder-Entzugserscheinungen, wenn jemand seinen Tinder-Account deaktiviert hat.

Wenn es nun darum geht, einen Partner zu finden, wendet Tinder sich an unsere am einfachsten gestrickte intellektuelle Funktion: Ist jemand in der Nähe? Ist er frei? Ist er attraktiv? Wenn ja, dann wische nach rechts. Für kurze Affären ist das vielleicht genug.

Eine Geschlechterunterscheidung

Aber ist das wirklich alles, für das Tinder gut ist? Forscher haben gezeigt, dass Männer und Frauen eventuell verschiedene Motivation haben, die App zu benutzen. Während Frauen sich eher auf eine rasche Auswahlstrategie einlassen, zeigen Männern zunehmend mehr Interesse an Kurzzeitbeziehungen. Außerdem haben Studien ergeben, dass Männer eher hoffen, Partner für eine Beziehung zu finden, indem sie direkte und schnelle Anmachen benutzen. Sie wenden außerdem mehr Zeit und Energie als Frauen dafür auf, diverse Kurzzeitbeziehungen zu führen. Weil Tinder-Nutzer die App meistens benutzen, wenn sie allein sind, können sie bei potentiellen Partnern ablehnen oder Interesse zeigen, ohne sich ihrer Auswahl rechtfertigen zu müssen. Vielleicht lockt auch das schnelle Wegwischen gerade Männer besonders an.

Daraus resultiert, dass Frauen und schwule Männer mehr Matches erhalten als heterosexuelle Männer. In einer der ersten repräsentativen Untersuchungen erstellten die Forscher ein gleichermaßen attraktives männliches sowie weibliches Fake-Profil. Mit diesem wischten sie bei jedem erscheinenden Profil nach rechts. Daraufhin notierten sie die Anzahl von Matches und Nachrichten, die jedes Profil erhalten hat. Während das weibliche Profil eine Match-Quote von 10,5 Prozent hatte, hatte das männliche Profil nur 0,6 Prozent. Die meisten Matches waren hier von schwulen oder bisexuellen Männern.

Aber obwohl Frauen mehr Matches erhalten, genießen sie nicht unbedingt eine riesige Auswahl an vielversprechenden möglichen Partnern. Forscher fanden heraus, dass Frauen dreimal eher eine Nachricht nach einem Match verschicken als Männer und dass ihre Nachrichten fast zehnmal so lang waren (122 Zeichen bei Frauen verglichen mit dürftigen 12 Zeichen bei den Männern – was gerade genug ist, um „Hi, wie gehts?“ zu schreiben).

Männer schicken zwar mehr Nachrichten an potentielle Partnerinnen, geben sich aber weniger Mühe oder fühlen sich einfach weniger verbunden mit ihren Matches. Frauen fühlen sich zunächst geschmeichelt bei der Flut an Matches, sind später dann aber oft enttäuscht, wenn sie versuchen, die Kontaktanfragen weiterzuverfolgen und tiefergehende Gespräche zu führen.

Liebe an einem hoffnungslosen Ort?

Das bedeutete nicht, dass man auf Tinder nicht auch Liebe finden kann. Eine 2017 veröffentlichte repräsentative Studie untersuchte die Motivation der Tinder-Nutzer und fand heraus, dass Liebe ein größerer Motivator ist als Gelegenheitssex. Meine eigenen vorläufigen Daten (dies bedarf noch immer einer Überprüfung) spiegeln diese Ergebnisse wieder. Ich habe diese Umfrage an hunderte Tinder-Nutzer, Online-Dating-Nutzern und an andere Teilnehmer, die keines dieser Portale nutzen, geschickt und habe deren Erwartungen hinsichtlich Täuschung, Sex und romantischer Befriedigung verglichen.

Während ich keine statistischen Unterschiede zwischen Tinder-Nutzern und den anderen beiden Gruppen hinsichtlich der erwünschten Beziehungslänge und der Wahrscheinlichkeit für Sex beim ersten Date gefunden habe, haben Tinder-Nutzer jedoch berichtet, dass sie nach einem Treffen mit ihren Matches oft enttäuscht waren. Mehr noch, sie berichteten auch öfter, dass sie von ihren potentiellen Partnern, die sie mit Hilfe der App getroffen haben, getäuscht wurden, und dass sie mit ihren letzten Dates weniger zufrieden waren als die anderen beiden Gruppen. Anders gesagt unterscheidet sich die Motivation zur Nutzung von Tinder nach unseren Befragungen nicht nicht so sehr von dem, was wir vermutet haben. Der Spaß, den die Nutzer beim Wischen haben, kann nur vielleicht nicht immer auf ein Treffen in der echten Welt übertragen werden.

Obwohl Liebe und Sex meist mit dem Schlafzimmer in Verbindung gebracht wurden, bringen Untersuchungen von Matching-Systemen wie Tinder erfolgreiche Einblicke in das menschliche Paarungsverhalten. Während einige behaupten, dass Tinder den „Untergang des Datings“ hervorgerufen hat, scheint es, als würde es keine neuen menschlichen sexuellen Verhaltensmuster erzeugen, die wir nicht bereits vollziehen würden. Tatsächlich führt es nur dazu, dass sich Männer und Frauen eher geschlechtsstereotypisch verhalten – was durchaus auch als Rückschritt angesehen werden kann.

Doch wenn die Menschen immer weniger an konventionellen Beziehungen interessiert sind und sich mit bestimmten Arten von Technik in ihrem Alltag wohler fühlen, ist der Reiz des Wischens vielleicht zu befriedigend, als dass man es einfach lassen könnte.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „online dating“ by Thomas8047 (CC BY 2.0)


The Conversation

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App-Store Lazeeva: Hardcore-Porno statt Erotik für Frauen

Lazeeva-VR-Quickie (adapted) (Screenshot by Julia Froolyks)

Lazeeva heißt ein App-Marktplatz, der mit „positivem Sex“ um Nutzer von Android-Smartphones buhlt. Der alternative Store ermöglicht das Herunterladen von pornografischen Inhalten wie Games und Erlebnisse in Virtual Reality, die der Google Play Store nicht zulässt. Der Aufmachung und den Aussagen der Macher zufolge soll das Angebot frauenfreundlich sein. Ich habe mir den Marktplatz für Sex-Apps genauer angesehen und alles andere als frauenfreundliche Inhalte gefunden.

Website_Lazeeva (adapted) (Screenshot by Julia Froolyks)
Screenshot by Julia Froolyks

„Lebe ein Sexy.Sassy.Classy Lifestyle, wann immer du willst“ – mit diesen und weiteren „coolen“ Slogans wirbt die Firma Nu Emotions GmbH für den neuen alternativen App-Store Lazeeva. Eine Welt voll hochwertiger erotischer Unterhaltung soll sich mir nach der Installation offenbaren.

Tatsächlich sieht das Layout der Website auf den ersten Blick seriös und ästhetisch aus. Eine natürliche Schönheit liegt nackt mit ihrem Smartphone auf dem Sofa, der Hintergrund ist in schönen Pastellfarben gehalten. Auf der nächsten Seite zeigt sich ein Smartphone in den Händen einer Frau mit langen, gepflegten Fingernägeln. Die Zielgruppe für diese App scheint klar definiert: Frauen. Dieser Eindruck ändert sich mit der Installation von Lazeeva jedoch schlagartig.

Die APK von Lazeeva ist schnell installiert

Lazeeva lässt sich nicht über den Google Play Store herunterladen. Weil Android aber ein offenes Betriebssystem ist, funktioniert die Installation über einen Umweg dennoch. Das geht schnell und einfach. Die Installations-Datei ist auf der Webseite von Lazeeva zu finden. Vor dem Herunterladen muss ich das Installieren von Drittanbieter-Software in den Einstellungen meines Smartphones aktivieren. Danach kann ich die Store-App als APK-Datei speichern und ausführen.

Website_Lazeeva_2 (adapted) (Screenshot by Julia Froolyks)
Screenshot by Julia Froolyks

Zum Start muss ich ein Passwort und ein unauffälliges Icon (ich habe mich für „Reisen“ entschieden) auswählen. Die Diskretion gefällt mir auf jeden Fall schon mal sehr gut. Die eigentlichen Sex-Apps bekomme ich dann über den Store. Alles, was ich herunterlade, bleibt innerhalb des Lazeeva-Stores und ist dort über die Rubrik „Meine Apps“ abrufbar.

Was es in Lazeeva (angeblich) zu sehen gibt

„Gewaltverherrlichung, Sexismus und Prostitution gibt es bei uns nicht“, betont Gründer Nico Hribernik Ende Januar in einem Interview mit Gruenderszene.de. Darüber hinaus erklärt er, man frage sich bei jeder App, die in den Store aufgenommen wird, ob man sie seinen Schwestern oder Freundinnen zeigen würde. Nachdem ich den Artikel gelesen habe, habe ich genug Vertrauen geschöpft, mich wirklich in die Welt von Lazeeva zu begeben. Ich bin neugierig, welche frauenfreundlichen Inhalte Hribernik und sein Team „für mich“ ausgewählt haben.

Lazeeva-App-Startseite (adapted) (Screenshot by Julia Froolyks)
Screenshot by Julia Froolyks

Lazeeva bietet unterschiedliche Inhaltsformate an. Neben Video-Clips können hier auch animierte oder reale VR-Filme sowie erotische Spiele heruntergeladen werden. Dating-Apps sind ebenfalls mit von der Partie. Einige Inhalte sind gratis, andere kostenpflichtig. Das Zahlsystem in Lazeeva basiert auf den Kauf von App-Währung namens Pearls mit echtem Geld. Für Pearls lassen sich dann kostenpflichtige Apps herunterladen oder Inhalte innerhalb dieser Apps freischalten.

Ein Penis, wo er nicht hin gehört

Auf den ersten Blick sind die Apps hübsch aufgemacht. Leider finde ich bei längerem Stöbern jedoch nichts, was mich als Frau ansprechen würde. Stattdessen sehe ich unzählige „Lesbian“-Inhalte, und „asiatische“ Teenies in Hardcore-Sex-Positionen. Die VR-App „VR-Quickie“ (siehe Titelbild) zeigt mir eine kurze kostenlose Demo, die sich auf einem billig-animierten Campingplatz abspielt, und mir Sex mit einer monoton-stöhnenden VR-Comic-Figur suggerieren will. Als ich an mir herunterblicke, entdecke ich einen Penis – da ist wohl etwas falsch gelaufen.

Männer-Fantasien, keine hochwertige Erotik

Ich will weitersuchen, und die ansprechenden Fraueninhalte finden, die mir auf der Website versprochen wurden. Doch auch in der App „Asian Babes“ werde ich nicht fündig. Ganz im Gegenteil: Teens und noch mal Teens. Mit kleinen Brüsten, „saftigem“ Unterleib und unschuldigem Blick. Die Videotitel deuten fragwürdige Fantasien an: „Süßes, unschuldiges japanisches Schulmädchen verwöhnt ihren Lehrer bis er kommt“ oder „Süße asiatische Nutte gibt einen Blowjob“.

Lazeeva-Bubble-Spiel (adapted) (Screenshot by Julia Froolyks)
Screenshot by Julia Froolyks

Beim Stichwort „Nutte“ wechsle ich in den Internetbrowser zurück, und lese das Interview mit Nico Hribernik erneut. Ja, da steht deutlich: „Prostitution gibt es bei uns nicht.“ Gewaltverherrlichung auch nicht. Dafür sei extra eine Content-Editorin und Store-Managerin angestellt, führt Hribernik aus. In einer anderen App finde ich allerdings ein Video mit dem Titel „Mitarbeiter drängen großbrüstiges Büro-Mädchen zum F***“ – Auf dem Thumbnail des Videos wird besagte Frau von mehreren Männern festgehalten, und sieht dabei alles andere als „positiv“ aus.

Schnell wird mir bewusst, dass ich in dieser App keine „hochwertige erotische Unterhaltung“ finden werde, wie mir versprochen wurde. Lazeeva bietet neben den gewohnten Hardcore-Pornos schlecht animierte Spiele aus dem Bubble-Genre mit halbnackten Frauen im Hintergrund. Die VR-Erlebnisse sind offenbar ebenfalls nur an Männer gerichtet.

Falsch etikettierte Fleischbeschau

Was mich an Lazeeva nervt, ist nicht direkt der Inhalt der Apps. Diese Art von Pornografie gibt es ohne Ende im Internet – und das kostenfrei. Dort wird allerdings auch nicht mit gewaltfreien, frauenfreundlichen Sex-Inhalten geworben. Da wissen Nutzer recht genau, was sie erwartet. Die Macher von Lazeeva werben mit etwas, das sie innerhalb des Stores keinesfalls einhalten.

Das Traurige ist, dass es durchaus frauenfreundliche Pornos gibt. Das Genre „Heartcore-Pornos“ ist nicht neu, und bietet tatsächlich würdevolle, explizite Sexszenen für Frauen. Natürlich hat auch jede Frau einen anderen Geschmack – aber wer mit einem Store für „positiven Sex“ besonders Frauen ansprechen will, sollte zumindest eine App im Repertoire haben, die genau das erfüllen kann. Ich würde diesen App-Store meinen Freundinnen nicht empfehlen – und schon gar nicht meiner Schwester.

Dieser Text erschien zuerst auf unserer Schwesterseite Androidpiloten.


Screenshots by Julia Froolyks


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Natürliche Verhütung per App: Besser als die Pille?

Schwangere Frau Familie (adapted) (Image by KManzela ([CC0 Public Domain], via Pixabay)

Eine Firma behauptet, dass ihre App besser funktioniert als die Pille. Die Zyklusbestimmung per Themometer ist eine althergebrachte Verhütungsmethode, die von vielen Frauen angewandt wird. Diese Methode gilt jedoch als unzuverlässig, denn man kann nicht immer auf diese Beobachtungen bauen und die Sicherheit gewähren. Könnte also Apps wie Natural Cycles den Frauen einen Weg eröffnen, wie man zuverlässig und hormonfrei eine ungewollte Schwangerschaft verhindern kann?

Die Behauptung von Natural Cycles stützt sich auf eine Studie mit 4054 Frauen im Alter von 18 bis 46 Jahren, die im European Journal of Contraception & Reproductive Health Care veröffentlicht wurde. Die Studie weist darauf hin, dass es bei den Frauen, die die App als Verhütung genutzt haben, jährlich in sieben von 100 Fällen zu einer Empfängnis kam. Dies schloss auch Schwangerschaften ein, die die Wissenschaftler auf Anwendungsfehler zurückführten – eine „typische Fehlerquote“ dieser Methode. Diese kann man mit der „typischen Fehlerquote“ der Pille vergleichen, die acht bis neun Schwangerschaften im Jahr verzeichnet und auch die Fälle mit einschließt, bei denen die Frauen hin und wieder vergessen, die Pille einzunehmen.

Bei den Frauen, die die App korrekt genutzt haben, kam es zu fünf möglichen Schwangerschaften in 1000 Fällen. Wissenschaftler fanden heraus, dass es bei zehn Fällen aus den 143 Schwangerschaften dazu kam, weil die App einen Fehler hatte, der den Paaren falsche Informationen über ihre Fruchtbarkeit gab. Dies ist als „Methodenfehler“ bekannt und zeigt, dass ungeplante Schwangerschaften selbst dann auftreten können, wenn man eine perfekte Verhütung einsetzt.

Aber auch hier sahen die Statistiken fast wie die „perfekten Umgangszahlen“ der Pille aus, bei der durchschnittliche drei aus 1000 Frauen schwanger werden. Das bedeutet, dass die Studie beweist, dass bei typischem und perfekten Benutzen der App diese als genauso effektiv wie die Pille zu betrachten ist.

Und wie funktioniert sie nun? Fast alle vergleichbaren Smartphone-Apps basieren nicht nur auf der traditionellen Methode, die Tage seit der letzten Periode zu zählen, sondern auch darauf, die Temperaturmessung mit einzuberechnen. Die App benutzt diese Informationen, um vorauszusagen, wann die Frau ihren Eisprung hat, wann sie fruchtbar ist und wann nicht.

Diese Methode funktioniert, weil die Temperaturkurve der Frau um ca. 0,3 Grad Celsius um den Tag der Ovulation herum steigt und in der Folge auch bis zum Rest des Zyklus leicht erhöht bleibt. Die Eizelle ist für ca. 24 Stunden aktiv, also kann ein Paar nach dieser Zeit problemlos Sex haben, ohne dass die Frau schwanger wird. Sex vor der Ovulation kann zu einer Schwangerschaft führen, da die Spermien bis zu sechs Tage im Uterus überleben können.

Diese Tatsache ist schon länger bekannt, auf diesen Vorgängen basiert die Temperatur- oder NFP-Methode (natürliche Familienplanung), bei der eine Frau jeden Morgen vor dem Aufstehen ihre Temperatur misst und eine Tabelle erstellt, um zu bestimmen, an welchen Tagen sie fruchtbar ist. Allerdings ist es sehr schwierig, exakt vorauszusagen, wann die Ovulation stattfindet, da die Zykluslänge einer Frau besonders bei Stress ins Schwanken geraten kann. Es ist außerdem nicht eindeutig vorhersehbar, ob die Temperatur der Frau genug gestiegen ist, um ihren Eisprung anzuzeigen.

In diesem Fall kann Technologie helfen. Gerätschaften wie Armbänder, die Körpertemperatur messen, können den Zyklus der Frau dauerhaft überwachen, sodass sie nicht jeden Morgen erneut daran denken muss, ihre Temperatur zu messen. Zudem erledigen die Algorithmen der App die Arbeit und erstellen Tabellen, um damit die fruchtbaren Tage auszurechnen.

Da bleibt nur die Frage, warum die typische Fehlschlagsrate der App bis zu 7 Prozent erreicht. Ein anderes großes Problem der Temperaturmethode ist, dass man mehre Tage im Monat keinen Sex haben darf oder dafür andere Verhütungsmethoden, wie zum Beispiel Kondome, nutzen muss. Die Studie fand heraus, dass etwa die Hälfte der Frauen, die während der Studie schwanger wurden, ungeschützten Sex während ihrer fruchtbaren Zeit hatten. Smartphone-Apps können also durchaus eine Unterstützung sein – aber sie können uns nicht davon abhalten, ungeschützten Sex haben zu wollen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) Schwangere Frau Familie by KManzela (CC0 Public Domain)


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Eröffnung des ersten YouTube-Space in der MENA-Region

Los Angeles, London, Tokyo, New York City, Berlin, Sao Paolo, Mumbai, Toronto, Paris und nun auch Dubai: Mit der Eröffnung des zehnten YouTube-Space gibt das Google-Unternehmen den YouTubern in der MENA (Middle East & North Africa) – Region ein Zuhause. In den neuen Räumlichkeiten wird genau das möglich gemacht, wofür YouTube schon als Online-Plattform bekannt ist: Lernen, vernetzen und erschaffen. Nur diesmal in organisierten Workshops und Events mit bekannten Bloggern, die Einblick in ihre Arbeit geben und ihre Tipps und Tricks mit anderen ‚Creators‘ teilen. Der erste Space wurde 2012 gelauncht – seitdem nahmen 150.000 Menschen weltweit an über 19.000 Stunden Workshops teil und produzierten mehr als 15.000 Videos.

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Diana Baddar by Memac Ogilvy Public Relations – Dubai

Die offizielle Eröffnung des #YouTubeSpaceDXB, dessen Standort in der Alserkal Avenue in Zusammenarbeit mit Dubai Studio City geplant ist, wird für das zweite Quartal dieses Jahres anvisiert.

Erste Einblicke gewährte die Presseveranstaltung im Dezember, bei der ich Diana Baddar traf. Sie ist Head of Video Partnerships in der MENA-Region und sprach mit mir über die Entwicklung und Ziele der YouTube-Community. Das Jobangebot von YouTube vor vier Jahren kam für die Palästinenserin, die zuvor eher für klassische Sender arbeitete, sehr überraschend: „Ich startete das Abenteuer mit YouTube und es war bis jetzt eine unglaubliche Reise. Eine Achterbahnfahrt.“  Nicht nur, weil man so viele kreative Menschen kennenlernt, sondern auch, weil man unwahrscheinlich viel mit den sozialen Netzwerken bewegen kann.

YouTube ist das Sprachrohr der jungen Generation

YouTube sollte man nicht unterschätzen, denn es ist das neue Sprachrohr einer jungen Generation – besonders in der MENA-Region, wo laut des Arab Media Outlook Reports 50 Prozent der Bevölkerung unter 24 Jahre alt ist und die Jugend täglich mindestens zwei Stunden mit den sozialen Netzwerken und Online-Videos verbringt. Außerdem ist die hiesige YouTube-Community die zweitstärkste nach den USA: „Die Menschen lieben YouTube hier! Deswegen ist es super, dass wir hier ein Space eröffnen, da wir das Gefühl haben, dass alle an die Region glauben“, erklärt Baddar stolz.

Die junge Generation ist nicht nur Konsument, sondern auch immer mehr der Produzent der Inhalte: „Als ich anfing, für YouTube zu arbeiten, nutzten es vor allem Medien. Es gab nur wenige ‚Creators‘“, erzählt Baddar, die in Kuwait geboren und in Kanada aufgewachsen ist. Mittlerweile ist das soziale Netzwerk immer mehr die Plattform für private Blogger, die per Video ihr Wissen, Talent und Leben teilen: „Sie wählen YouTube aus, weil sie über alles sprechen können, was sie wollen. Niemand kann sie aufhalten oder ihnen verbieten, etwas zu tun“, erklärt Baddar. Ein Gefühl, das Baddar auch mit den Emiraten verbindet. Für sie ist gerade Dubai „ein Ort der Möglichkeiten – so kitschig wie das klingen mag. Ich kam für einen Urlaub hierher und entschied mich, meine Karriere hier weiterzuführen, da es mir so gut gefiel.“

„Put a face on it!“

Die Creator-Community soll durch die YouTube-Spaces weltweit gestärkt werden, die durch den Treffpunkt und die zur Verfügung gestellte Technik Raum und Möglichkeiten zur Kreativität bekommen. Baddar setzt dabei besonders auf weibliche Creator in Dubai: „Mir fiel auf, dass es wenig weiblichen Content in der MENA-Region gab. Wo waren die Mädchen, die in der Sprache sprechen, die die Community versteht? Klar gab es schon Bethany Mota oder Michelle Phan – phantastische Künstlerinnen – aber keine von ihnen war arabischer Herkunft. Also habe ich versucht, die Mädchen mit einzubeziehen, damit sie die Stimme ihrer Generation werden.“

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YouTube Space Dubai by Memac Ogilvy Public Relations – Dubai

Bei ihrer Suche nach Vorreiterinnen stieß sie auf den Kanal von Jay Sajer, damals unter Jays Cherry bekannt, einer erfolgreichen Bloggerin aus Saudi Arabien: „Sie hatte bereits hunderttausende Follower, doch keiner wusste, wer sie genau war, da sie nie ihr Gesicht in ihren Videos zeigte. Ich traf sie und sagte ihr, dass sie irgendwann eine Pionierin sein wird mit dem, was sie tut. Es wird vielen Mädchen helfen, wenn sie sich zeigt. YouTube braucht mehr Mädchen wie sie – aus Saudi, Marokko, Dubai oder Ägypten.“ Das gute Zureden ermutigte die junge Frau. Wenige Monate später veröffentlichte sie das Video Put a face on it!, für das sie viel positives Feedback erntete: „Die Menschen liebten sie noch viel mehr! Jay war eine der Ersten, die Produkt-Review machte und ihre eigene Meinung sagte – das klingt so einfach, aber das gab es in der Form bis zu dem Zeitpunkt kaum.“ Für Baddar ist es ein persönliches Anliegen, junge Frauen zu stärken, da sie es selbst geschafft hat, ihren Weg im Nahen Osten erfolgreich zu gehen: „Mein Traum ist es, dass in den nächsten fünf Jahren die Hälfte der Content-Creator in der Region weiblich ist. Das würde mich unfassbar stolz machen.“

Für die Umsetzung sind bereits im YouTube-Space Dubai einige Events und Workshops speziell für Frauen geplant: „Wir feiern hier zum Beispiel den internationalen Frauentag. Für Außenstehende mag das vielleicht banal klingen, aber hier ist es wichtig, zu zeigen, dass wir Frauen unterstützen und feiern. Sie müssen gesehen und gehört werden!“


Image „YouTube Space Dubai“ by Memac Ogilvy Public Relations – Dubai


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Frauen der digitalen Welt, vereinigt euch!

Frauen sind Mangelware in technischen Berufen. Nach Erkenntnissen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung liegt der Anteil von Frauen häufig unter zehn Prozent, in Führungspositionen sogar noch darunter. Das bedeutet aber nicht, dass es keine Frauen in digitalen Berufen gibt. Ganz im Gegenteil. In bestimmten Bereichen wie PR, Social Media, Medien, Design und IT-Projektmanagement arbeiten sogar überwiegend Frauen.

So ergibt sich eine Diskrepanz: Frauen zieht es zwar in die digitale Berufswelt, sie sind aber nicht sichtbar. Das fiel auch Carolin Neumann im Jahr 2010 auf der NEXT Conference auf: „Es können höchstens zwanzig Prozent der über 1000 Gäste Frauen gewesen sein, der Rest war männlich – und mit überwiegend Anzugträgern auch etwas zu förmlich für einen Haufen professioneller Geeks, aber das nur am Rande“, schrieb Neumann als Fazit auf ihrem Blog. Schlimmer fand sie dabei nur, dass auch bei den Speakern die große Mehrheit männlich war. Ihrem Unmut darüber machte sie auch auf Twitter Luft – und erntete damit viel Zustimmung.

Junge Frauen lassen sich den Sexismus in der Tech-Branche nicht mehr bieten

Maren Martschenko, Erste Vorsitzende der Digital Media Women (Image by Dorothee Elfring)
Maren Martschenko, Erste Vorsitzende der Digital Media Women (Image by Dorothee Elfring)

Ab hier war Neumann klar: Frauen dürfen sich nicht nur darüber aufregen, dass sie in der digitalen Branche untergehen, sie müssen aktiv etwas dagegen tun. Gemeinsam mit sieben anderen Gleichgesinnten gründete sie Digital Media Women – ein Netzwerk, das sich für die Sichtbarkeit von Frauen in digitalen Medien stark macht.

„In der Anfangszeit war DMW noch eher ein Stammtisch in Hamburg. Es wurde aber schnell klar: Wenn wir wirklich etwas verändern wollen, müssen wir mehr werden“, erinnert sich Maren Martschenko, 1. Vorsitzende der DMW im Interview mit den Netzpiloten. So ging das Netzwerk 2012 auf Expansionskurs und ist mittlerweile in sechs deutschen Regionen von Hamburg bis München und vom Rhein-Main-Gebiet bis Leipzig sowie natürlich im Internet aktiv. Über 8000 Mitglieder hat die Facebook-Community derzeit, Tendenz stark steigend.

Zwei Mitglieder dieser Community sind Sandra Hofmann und Katharina Gleß. Die beiden Leipzigerinnen haben ein Atelier für Gestaltung und Kommunikation im Bereich Corporate Publishing, Print, Typografie und Webdesign – Effektrausch – gegründet. Daneben haben sie im Januar 2015 auch das Onlinemagazin Viertelrausch herausgebracht, in dem sie Leipziger Bürger interviewen. Sie glauben, dass gerade junge Frauen wie sie von speziellen Netzwerken für Frauen in der digitalen Branche profitieren können: „Wir brauchen mehr weibliche Führungskräfte und mehr Sichtbarkeit der großartigen Frauen in der Tech- oder in unserem Fall Kreativbranche, um den typischen Vorurteilen gegen Frauen in der Branche etwas entgegenhalten zu können. Wir sind überzeugt, dass immer mehr junge Frauen diese Vorurteile zu spüren bekommen, unsere Generation das aber gleichzeitig nicht mehr hinnimmt und Lust hat, daran etwas zu ändern.“

Sandra Hofmann und Katharina Gleß, Gründerinnen von Effektrausch und Herausgeberinnen des Onlinemagazins Viertelrausch (Image by Michaela Schnabel - crosslights fotografie)
Sandra Hofmann und Katharina Gleß, Gründerinnen von Effektrausch und Herausgeberinnen des Onlinemagazins Viertelrausch (Image by Michaela Schnabel, crosslights fotografie)

Deswegen ist Sandra Hofmann schon seit mehreren Jahren bei den DMW aktiv und hat sich dafür eingesetzt, auch ein Quartier für digital engagierte Frauen in Leipzig zu gründen. Denn gerade Hofmann hat den Sexismus in der Tech-Branche schon am eigenen Leib zu spüren bekommen. So erinnert sie sich zum Beispiel an eine Aktion, bei der ihr damaliges Unternehmen ein Zeichen gegen Prostatakrebs setzen wollte.

Während die Männer in der Firma sich für die Aktion einen Schnurrbart wachsen ließen, fiel einem Mitarbeiter in der Chefetage ein, dass auch die Frauen sich auf ihre Art beteiligen könnten: „Ein Mitarbeiter der Chefetage verschickte dann über die komplette Mailinglist des Unternehmens ein Video mit pornografischem Inhalt mit (sinngemäß) den Worten: Wenn unsere Mitarbeiterinnen ihren Kollegen etwas Gutes tun und sie unterstützen möchten“, erzählt Hofmann im Netzpiloten-Gespräch.

Genau in solchen Fällen zeigt sich die Stärke von Frauennetzwerken wie den Digital Media Women. Hofmann fand innerhalb der Community Rat und auch den Mut, sich von solchen Arbeitgebern zu trennen und schließlich ihr eigenes Unternehmen zu starten.

Die digitale Transformation ist die beste Chance, die wir haben

Dabei geht es den Frauen im Netzwerk aber keinesfalls darum, Männer auszuschließen. Der Verein hat auch männliche Mitglieder. Die Vorsitzende Martschenko betont auch, dass Männer bei den DMW willkommen sind: „Wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir auch die Männer mit an Bord haben. Denn die sitzen nun mal immer noch an den entscheidenden Stellen. Wenn wir also etwas bewegen möchten, schaffen wir Frauen das nicht alleine. Es muss insgesamt – also bei Männern und Frauen – ein Umdenken stattfinden.“

Damit sind die Digital Media Women längst nicht mehr alleine. Auch andere kämpfen dafür, dass Frauen in der Tech- und Digitalbranche nicht nur sichtbarer, sondern auch als Kompetenz anerkannt werden. So thematisiert etwa die Plattform Womenize das Thema Gender Diversity in diesen Bereichen und organisiert Events, um Führungskräften und Unternehmen zu zeigen, dass es auch viele qualifizierte Frauen in der Branche gibt.

Machen statt Kritisieren scheint das Motto dieser Communitys zu sein. Denn es hilft natürlich nichts, wenn Frauen nur meckern, dass niemand sie einstellt, wenn sie sich nicht öffentlich präsentieren und den Personalabteilungen zeigen, dass auch sie etwas zum digitalen Wandel beizutragen haben.

Es ist sicherlich kein Zufall, dass diese Frauennetzwerke so stark auf den digitalen Bereich fokussiert sind. Als relativ neue und vor allem auch junge Branche sind hier die Chancen am besten, von Anfang an neue Standards in Sachen Gender Diversity zu setzen: „Die digitale Transformation ist die beste Chance, die wir haben“, sagt Maren Martchenko, „weil hier kein Stein auf dem anderen bleibt. Die Branche braucht neues Denken und neue Kompetenzen wie Vernetzung, kreatives Denken oder Kommunikationsfähgikeit. All das können Frauen mitbringen“.

In diese Kerbe schlägt auch das Wirtschaftsmagazin Plan W der Süddeutschen Zeitung. Plan W wurde gerade beim Ernst-Schneider-Preis 2016 als Innovation des Jahres ausgezeichnet. Susanne Klingner ist Mitgründerin und Redaktionsleiterin des Magazins. Für sie war von Anfang an wichtig, dass Plan W kein Karrieremagazin für Frauen sein sollte – also ein Magazin, in dem Frauen erzählen, wie sie innerhalb der aktuellen Arbeitswelt Karriere machen können. Auf ihrem Blog schreibt sie dazu: „Ein Wirtschaftsmagazin kann da so viele Fragen mehr stellen: Funktioniert diese Arbeitswelt überhaupt noch? Wie kann eine Wirtschaft aussehen, die möglichst vielen Menschen gerecht wird? Wie verändern Frauen diese Wirtschaft?“

Die Erfolgsgeschichten schreiben die Frauen selbst

Erste Antworten darauf liefern vor allem die Frauen selbst. Digitale Netwerke wie die DMW oder Womenize helfen ihnen dabei, selbstbewusster zu werden, Kontakte aufzubauen und selbst als Macherinnen aktiv zu werden. Eine solche Macherin ist auch Sandra Roggow, Gründerin von Kitchennerds.

Sandra Roggow, Gründerin von Kitchennerds (Image by Mirja Hoechst)
Sandra Roggow, Gründerin von Kitchennerds (Image by Mirja Hoechst)

Nach langen Jahren in einer Festanstellung fand sie unter anderem durch das Netzwerk der DMW den Mut, sich selbständig zu machen. Auf ihrer Webseite vermittelt sie Köche für romantische Dinner, Firmenevents, Kindergeburtstage und Kochkurse. Gerade für ihre lokale Arbeit mit Köchen in Hamburg und Berlin findet sie Netzwerke für Frauen in der Digitalbranche sehr hilfreich: „Wenn man zum Beispiel plant, mit seinem Projekt in eine weitere oder andere Stadt zu gehen, ist eine solche Community ein absoluter Mehrwert, weil man so schon ein kleines tolles Netzwerk vor Ort hat, auf dem man geschäftlich aufbauen kann.“

Die Vernetzung von Frauen in der digitalen Branche zeigt also bereits erste Erfolge. Das gilt nicht nur im Kleinen bei Frauen wie Sandra Roggow, Sandra Hofmann und Katharina Gleß, sondern auch im Großen. So waren bei der größten Bloggerkonferenz Europas, re:publica, bei ihrem Event in Deutschland in diesem Jahr erstmals 50 Prozent der Speaker Frauen.


Image „laptop“ by moleshko (CC0 Public Domain)


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Von der Sekretärin zum persönlichen Manager: Der Aufstieg der virtuellen Assistenten

laptop (Image by parthshah000 [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Telefonate entgegennehmen, Blogeinträge schreiben, Social Media-Accounts managen, Rechnungen aufsetzen, die Finanzplanung übernehmen – und das alles auf einmal. Gibt es nicht? Gibt es doch! Während die Wissenschaft es immer noch nicht geschafft hat, die eierlegende Wollmilchsau zu erschaffen, gibt es sie in der Arbeitswelt schon längst. Sie nennen sich virtuelle Assistenten (VA) und sind so etwas wie die Schweizer Taschenmesser der digitalen Ära: Es gibt wenig, das sie nicht können und kaum etwas, das sie nicht bereit sind zu lernen. Mit ihren vielfältigen Talenten von WordPress Organisation bis Buchhaltung sind sie dabei weniger Sekretäre, sondern vielmehr persönliche Manager.

Diana Ennen und Kelly Poelker, selbst virtuelle Assistentinnen und Autorinnen der VA-Bibel Virtual Assistant. The Series definieren die virtuellen Assistenten als „hochqualifizierte und hochspezialisierte Fachleute, die Unternehmer, Manager, Verkaufsprofis und all diejenigen unterstützen, die mehr Arbeit als Zeit haben.

Von der Sekretärin zur virtuellen Assistentin

Ein virtueller Assistent ist also ein externer Fachmann, der Firmen oder Unternehmen bei gewissen Aufgaben unter die Arme greift. Je nach Qualifikation des Assistenten und Kundenwunsch umfasst der Aufgabenbereich der VA dabei so unterschiedliche Felder wie Kundenrecherche, Organisation von Reisen, Marketingberatung, das Abtippen von Protokollen, Übersetzungen oder Webseitenbetreuung. Einige virtuelle Assistenten arbeiten als Freelancer, andere nutzen spezielle Agenturen für die Kundenvermittlung, während wiederum andere eigenständige Unternehmer sind.

Während es persönliche Assistenten und Sekretäre natürlich schon seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts gibt, wurde der Begriff „virtueller Assistent“ laut Ennen und Poelker im Jahr 1997 zum ersten Mal verwendet. Demnach war es Lifecoach Thomas Leonard, der in einem Interview davon berichtete, wie eine Assistentin so ziemlich alles für ihn managte, wozu er selbst keine Zeit fand. Da er diese Assistentin allerdings noch nie persönlich getroffen hatte, nannte er sie seine virtuelle Assistentin. Ein neuer Beruf war geboren.

Trendjob Virtueller Assistent

Dennoch war der Beruf in dieser Zeit noch eine Seltenheit. Vor zehn Jahren gab es gerade mal eine Handvoll VAs, heutzutage boomt der Job – ermöglicht durch das Internet und die weltweit voranschreitende Digitalisierung. Zwar gibt es nur grobe Schätzungen über die genaue Anzahl von virtuellen Assistenten weltweit, doch der Trend zeigt klar nach oben. Mit Statistiken, die voraussagen, dass der Online-Arbeitsmarkt bis 2018 einen Wert von rund 4,4 Milliarden Euro haben wird, steigt die Nachfrage nach virtuellen Assistenten weiter.

VA Google Trend

Outsourcing ist also keine Modeerscheinung mehr, sondern längst Realität. Je komplexer die Aufgaben sind, je globaler Firmen arbeiten und je spezialisierter unsere Berufe werden, Firmen auf das Verlagern von Aufgaben. Callcenter in Osteuropa, Webdesigner aus Indien oder Produktionsstätten in China sind die Ausmaße von Outsourcing bei großen Konzernen. Doch auch Kleinbetriebe, Solopreneure und mittelständische Onlineunternehmer sind auf externe Hilfe angewiesen. Seitdem Tim Ferris 2007 in seinem bahnbrechendem Bestseller zur vierstündigen Arbeitswoche die Weichen für Online-Unternehmen legte und die Idee der virtuellen Assistenten ins Spiel brachte, boomt der Begriff.

Mutter + Vollzeitstelle = Virtuelle Assistentin

Es war auch zu ungefähr dieser Zeit, als Zeina Barker zum ersten Mal den BZeina Barkeregriff hörte. Sie war gerade Mutter geworden und wollte einerseits mehr Zeit mir ihrer Familie verbringen, andererseits aber auch wieder in ihren Job zurückkehren. Doch auch wenn ihre Arbeit mit internationalen Unternehmen der Londonerin viel Freude bereitete, stundenlanges Pendeln wollte sie dabei nicht mehr in Kauf nehmen. Gleichzeitig arbeiten und mehr Zeit zu Hause verbringen, schien daher zunächst nicht machbar – bis sie über die Onlinestellenbörse People per Hour stieß: „Hier beschloss ich dann, meine Erfahrung und meine Ausbildung zu nutzen, um ganz neu als virtuelle Assistentin anzufangen. Das ist nun sieben Jahre her, aber ich habe es nie bereut. Es war zwar nicht immer einfach und ist auch jetzt noch oft eine Herausforderung, aber gleichzeitig auch unglaublich erfüllend“ erklärt sie gegenüber den Netzpiloten. Barker arbeitet immer noch hin und wieder als Freelancerin, betreibt aber gleichzeitg auch ihre eigene VA-Firma vefficient.

Barkers Weg zur virtuellen Assistentin verkörpert einen weiteren Trend dieses Berufs: Nach Umfrage der Virtual Assistant Networking Association sind 96,8 Prozent der Befragten Frauen und über drei Viertel haben Kinder. Das zeigt, dass Mütter weder bei der Familie noch in ihrem Job zurückstecken wollen. Gerade in den USA entscheiden sich viele Frauen für das Arbeitsmodell der „work-at-home-Mom“, also der berufstätigen Mutter im Homeoffice.

„Ich werde für´s Lernen bezahlt“

Die Vielfalt der Aufgaben und der leichte Einstieg in den Job als virtuelle Assistentin könnten Gründe dafür sein, warum viele Frauen als Neulinge in der digitalen Arbeitswelt gerade diesen Onlineberuf wählen. „Virtueller Assistent ist ein idealer Einstiegsberuf für alle, die noch nie online gearbeitet haben“ sagt etwa Vera Ruttkowski, eine der bekanntesten deutschen virtuellen Assistentinnen, im Netzpiloten-Gespräch. Ruttkowski arbeitet seit gut zwei Jahren als virtuelle Assistentin und betreut mittlerweile als SelVera Rutkowskibstständige sechs feste Kunden. Ihre Dienstleistungen reichen unter anderem von Blogbetreuung über Finanzmanagement bis hin zur Social Media-Betreuung. Gerade diese Abwechslung, gepaart mit dem steten Lernprozess durch immer neue Aufgaben, machen den Beruf so attraktiv für sie: „Es ist unglaublich spannend, mit meinen Kunden mitzuwachsen. Ich habe die Chance, sehr viel Neues zu lernen – und werde dafür auch noch bezahlt. Was will man mehr?!“

Auch Zeina Barker, die sich auf e-Marketing, Projektmanagement und Übersetzungen (sie spricht Englisch, Französisch und Arabisch) spezialisiert hat, liebt die Vielfalt ihres Arbeitsalltags. „Alle Kunden sind sehr verschieden und bei mir gleicht wirklich kein Tag dem anderen. So wird es nie langweilig!“

Selbstverständlich erfordert eine solch freie Form der Arbeit aber auch straffe Selbstorganisation, Disziplin, Zuverlässigkeit, eine sehr gute Kommunikationsfähigkeit, Offenheit für Neues und Flexibilität. „Das schwierigste an dem Job ist für mich das Organisieren meiner Zeit“ sagt Ruttkowski. Barker wiederum glaubt, dass die virtuelle Kommunikation mit Kunden per E-Mail oder Skype manchmal mehr Zeit raubt als spart.

Dennoch lieben sowohl Barker als auch Ruttkowski ihren Beruf. Neben der eigentlichen Arbeit ist es vor allem eins, das sie an ihrer Tätigkeit schätzen – ihre Unabhängigkeit. Für Barker ist dies ein unglaublicher Ansporn: „Ich kann alles machen, was ich will, es gibt wirklich keine Grenzen für meine Fähigkeiten. Ich finde das sehr erfüllend und motivierend!“


Image „Laptop“ by partshah000 (CC0 Public Domain)


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Die Washington Post nutzt Slack für die Erschaffung von Lesergemeinschaften

Washington Post (adapted) (Image by Esther Vargas [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Der Messagedienst Slack ist ein unverzichtbares Tool innerhalb der Nachrichtenredaktion. Nun ist Slack überraschenderweise auch zu einem effektiven Kommunikations-Tool für Herausgeber geworden. Im April hat die Washington Post den Dienst Pay Up gestartet, eine auf Slack basierende Gemeinschaft, die sich an Frauen im technischen Sektor richtet. Ein Teil davon bildet eine karriereunterstützende Gruppe, ein anderer Teil ist das Networking-Tool, mit dem innerhalb der Gruppe schnell Diskussionen über die Themen, wie Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen, Gehaltsverhandlungstaktiken und neue Jobangebote aufkommen.  „Frauen haben diese Diskussionen schon lange untereinander geführt, deshalb dachten wir, wir können diese Diskussionen unterstützen und daraus etwas Größeres machen“, sagte die Social Media-Leiterin Alex Laughlin von der Washington Post.

Die Washington Post richtet diese Diskussionen ums Gehalt eher selten selbst aus – stattdessen gibt es den Mitgliedern die Möglichkeit, eine Unterhaltung zu beginnen, indem sie Slack-Kanäle erstellen, um darin zu diskutieren.

Mitglieder haben bereits Kanäle erstellt, die bestimmte Themen behandeln, wie beispielsweise Städte, Musik und auch das Smartphone-Spiel „Neko Atsume“. Die Idee besteht daraus, „dass Frauen herkommen und über sich selbst sprechen“ – und nicht nur über ihre Identifikation mit dem Arbeitsplatz, sagte Laughlin. Zusätzlich zu diesen offenen Gruppendiskussionen organisiert Pay Up regelmäßig Podiumsdiskussionen mit Experten über verschiedene wichtige Themen wie Gehaltsverhandlungen und Vielfalt am Arbeitsplatz.

Diese Gruppe ist nicht offen. Frauen, die daran interessiert sind, teilzunehmen, müssen ein Formular ausfüllen. Darin wird abgefragt, wer sie sind, wo sie arbeiten, wer sie angeworben hat und warum sie teilnehmen wollen. (Im Formular werden auch potentiellen Mitgliedern Fragen über ihr Gehalt gestellt, die Angaben sind jedoch unabhängig von einer Aufnahme). Bisher haben Laughlin und ihre Washington Post-Kollegin, die Social Media-Leiterin Julia Carpenter, eine beschränkte Mitgliedschaft nur für Frauen im technischen Sektor eingerichtet, obwohl sie planen, die Teilnahmeberechtigung auch auf Frauen aus anderen Industriezweigen zu erweitern.

In den letzten paar Monaten haben sich bereits rund 1.000 Bewerber für die Gruppe interessiert und die Gruppenmitgliederanzahl ist derzeit bei „knapp unter 500“, sagte Laughlin. Ihr Fokus und der von Carpenter liegt hauptsächlich darauf, wie viele der neuen Mitglieder von bereits bestehenden Mitgliedern geworben wurden. Neben dieser Gemeinschaft ist Pay Up auch rasch zu einer Quelle herangewachsen, aus der heraus Mitglieder Inspirationen oder sogar direkte Beiträge veröffentlichen. Während alles in der Gruppe gesagte als inoffiziell und vertraulich gilt, verwendet die Washington Post Kommentare von Pay Up-Mitgliedern in Artikeln wie beispielsweise zum Thema Work-Life-Balance. Laughlin und Carpenter veröffentlichen auch regelmäßig Zusammenfassungen von Pay Up-Diskussionen auf dem Medium.

Der Gruppenersteller sagt, dass das Pay Up-Modell auch auf andere Gemeinschaften, wie alleinerziehende Mütter oder Einwanderer der ersten Generation, erweitert werden kann. Hätte die Washington Post diese Gruppen erstellt, hätten sie dasselbe Ziel gehabt wie Pay Up: Eine starke, selbsterhaltende Gemeinschaft zu erschaffen, während sie mit den Inhalten von der Washington Post gefüttert wird. “Das Beste ist, dass wir sehen können, wie Menschen eine Unterhaltung beginnen, ohne dass wir eingreifen müssen”, sagte Carpenter. „Das ist die Art von Raum, die wir schaffen wollten.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Washington Post“ by Esther Vargas (CC BY-SA 2.0)


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5 Lesetipps für den 20. Januar

In unseren Lesetipps geht es heute um ein Interview mit Julian Assange, Freelancer in den USA, online Geld verdienen, David Bowie und Masturbation. Ergänzungen erwünscht.

  • ÜBERWACHUNG Pando: Wikileaks meets Surveillance Valley: An interview with Julian Assange: Mit Angst lassen sich stets gute Geschäfte machen. Die Bestsellerlisten beweisen dies regelmäßig. Auch Julian Assange ist auf diesen Zug aufgesprungen und warnt in seinen Büchern vor den Unternehmen des Silicon Valleys. Auch wenn dies meiner Meinung nach oft in unsachliche Kritik ausartet, das Thema an sich ist wichtig. Man sollte über den Einfluss und die Macht der Unternehmen nachdenken, mit denen wir tagtäglich vernetzt sind. Joseph Flatley hat mit Assage telefoniert und seine Theorie des Surveillance Valley besprochen.

  • FREELANCER Bloomberg Business: Why an Ex-Google Coder Makes Twice as Much Freelancing: Nicht jeder kann Programmieren und wenn, dann auch nicht gleich so gut, dass er/sie 1.000 US-Dollar pro Stunde verdient. Geschichten wie die von James Knight und Martin Langhoff, die als Freelancer mehr verdienen als bei Firmen wie Google festangestellt zu sein, sind doch selten. Aber der Trend zum Freelancing, oft auch zeit- und ortsunabhängig, nimmt zu. In den USA sind es bereits mehr als 53 Millionen Menschen, die so ihr Geld verdienen und das mit den unterschiedlichsten Jobs. Die meisten von ihnen sind digital und ermöglichen eine neue Arbeitswelt.

  • SOCIAL MEDIA The Hustle: Meet the People Making a Full-Time Living From Instagram, Kickstarter, and Teespring: Von Menschen, die auf YouTube und Instagram aktiv sind und dadurch (nicht gerade wenig) Geld verdienen, haben wir schon öfters gelesen. Es fasziniert, dass man durch die nicht als Arbeit wahrgenommenen Aktivitäten mit nicht als wertvoll betrachteten Interaktionen in den sozialen Netzwerken des Internets wirklich Geld verdienen kann. Eine sehr altbackene Sichtweise auf Wertschöpfung, geprägt von industriellen Vorstellungen von Produktion. Tam Pham stellt auf The Hustle verschiedene Plattformen vor – u.a. Teespring, Udemy, Airbnb und Kickstarter – und auf ihn aktiven Akteure vor, die so Geld verdienen.

  • DAVID BOWIE Political Economy Research Centre: The Political Economy of David Bowie: Das Schöne an Geschichte ist, dass sie sich rückblickend gut erklären lässt. Alles wirkt, als ob es nie hätte anderst kommen können. Will Davies hat sich das Leben von David Bowie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts angeschaut und mit der Wirtschaftsgeschichte verglichen. Und siehe da, es gibt interessante Übereinstimmungen, so als ob die politische und wirtschaftliche Situation direkten Einfluss auf die Entwicklung und das Leben des Künstlers Bowie hatte. Zumindest interessant zu lesen und der Frage nachzugehen, ob Kunst wirklich einmal der direkte Ausdruck unserer Gesellschaft war oder ob wir das nur im Nachgang so deuten.

  • MASTURBATION Everyday Feminism: 7 Myths About Women and Masturbation It’s Time to Unlearn Right Now: Eigentlich sind Frauen keine besonderen Menschen. Zumindest nicht mehr als Männer. Sie atmen die gleiche Luft, schauen sich ebenso Pornos an, müssen Nahrung zu sich nehmen, rauchen, masturbieren, hören Musik. Unsere männlich geprägte Gesellschaft, und so auch die Medien, machen vor allem aus dem Thema Masturbation ein größeres Themas als es ist, wie Suzannah Weiss in ihrem Artikel für Everday Feminism erklärt und über sieben Mythen um Masturbation und Frauen aufklärt. Schönes Fazit: Frauen sollten einfach das machen, was sie wollen. Und wer nicht, frage ich mich.

CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

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Warum Ihre Tochter Minecraft spielen sollte

Hersman Girls - Already on Computers... (adapted) (Image by Erik (HASH) Hersman [CC BY 2.0] via flickr)

Kinder dürfen ruhig mal länger vor dem Bildschirm sitzen – zumindest solange sie dabei gegen Geschlechterstereotypen kämpfen. Ein Beitrag über Gender und Programmieren und warum Mädchen Minecraft spielen sollten. Es ist schon lange eine bekannte Tatsache, dass Frauen in den Bereichen Naturwissenschaften, Technologie, Mathematik und Ingenieurwesen unterrepräsentiert sind. Die Statistiken sind geradezu deprimierend. Nur 28 Prozent der Arbeitskräfte in naturwissenschaftlichen und Ingenieursberufen sind weiblich, obwohl die Hälfte der Absolventen an Colleges in den USA junge Frauen sind.

Die Gender-Ungleichheit beginnt schon früh, in der Grundschule. Schon im ersten Schuljahr, mit fünf bis sechs Jahren, schneiden Jungen in Mathematik und Naturwissenschaften besser ab als Mädchen. Ebenso in der vierten und achten Klasse, also im Alter zwischen neun und zehn beziehungsweise zwischen 13 und 14 Jahren. Auf der Highschool nehmen Jungen viermal so häufig wie Mädchen an dem Advanced-Placement-Examen in Informatik teil. Der Anteil der Frauen, die ein College mit einem Bachelor-Abschluss in Ingenieurwissenschaften verlassen, beträgt nur 19 Prozent, bei Informatik sind es 18 – und das, obwohl unter den Absolventen aller Fächer 57 Prozent weiblichen Geschlechts sind.

Wie kommt das?

Es ist nicht so, dass Mädchen in Mathe und Naturwissenschaften schlechter wären als Jungen. Auch wenn ihnen das schon von klein an suggeriert wird. Mal ganz direkt, indem Mädchen für ihre soziale Interaktion gelobt werden und Jungen für ihre Leistungen in Mathe. Mal subtiler, indem ein Mädchen, das in der Mathestunde den Finger hebt, einfach nicht drangenommen wird.

Dass unser Bildungssystem Mädchen mit Vorurteilen begegnet, ist kein Wunder. Unsere ganze Gesellschaft ist durchgegendert. Haben Sie schon mal versucht, für ein kleines Mädchen Anziehsachen zu bekommen, die nicht pink oder pastellfarben waren? Und so ist das nicht nur bei Kleidung. Auch Spielzeug wird spezifisch für Mädchen oder für Jungen verkauft. Mädchen bekommen meist Puppen mit dazugehörigem Outfit sowie Haushaltsspielzeug in Pink und Pastell, während Jungen Laster, Bauklötze und Konstruktionsspielzeug bekommen, in blauen und dunklen, erdfarbenen Tönen.

Kinder lernen, wenn sie spielen. Welche Fähigkeiten sie aber erlernen, hängt davon ab, was für eine Art Spiel sie spielen. Konstruktionsspielzeug befördert in erster Linie das räumliche Vorstellungsvermögen. Man könnte meinen, dass man eine solches Vermögen nur zum Konstruieren und Bauen von Objekten benötigt. Tatsächlich ist es aber nicht isoliert zu betrachten.

Das räumliche Vorstellungsvermögen macht einen großen Teil der nichtsprachlichen Intelligenz aus und stellt eine Grundlage für die Entwicklung weiterer, komplexerer Fähigkeiten dar. Neben den verbalen und mathematischen Kompetenzen ist das der dritte wichtige Faktor für Erfolg in Schule, Ausbildung und Beruf. Kinder mit einem gut entwickelten räumlichen Vorstellungsvermögen haben gute Chancen auf erfolgreiche Abschlüsse und berufliche Werdegänge im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik).

Was können Eltern tun?

In einer Welt, in der Spielzeug und Games stark genderspezifisch geprägt sind, hat Minecraft in bemerkenswerter Weise Augenhöhe hergestellt. Es ist eigentlich ein Videospiel, aber man kann es treffender als virtuelles Konstruktionsspiel kategorisieren. Die Spieler bauen für ihre Figuren ein Umfeld, in dem diese dann agieren. Wer Kinder hat, wird bestätigen können, dass Minecraft derzeit in den USA zu den populärsten Spielen überhaupt gehört. Mehr als 100 Millionen User haben sich registriert. Ich habe bei Mojang, der hinter dem Spiel stehenden Firma, nachgefragt, wie viele davon Mädchen sind. Das Unternehmen gibt solche Informationen leider nicht raus, aber klar ist zumindest, dass es bei Minecraft eine etwas ausgeglichenere Geschlechter-Verteilung unter den Spielern gibt als in der sonstigen Gaming-Welt. Nicht zufällig ist ein junges Mädchen eines der populärsten Minecraft-Youtube-Idole. Unter ihrem Nickname iHasCupquake lässt sie ihre 159 Millionen Abonnenten an den großartigen Welten teilhaben, die sie im Rahmen des Spiels gebaut hat.

Das Spiel kennt keine Geschlechterstereotypen. Es müssen keinen Prinzessinnen gerettet und keine Rennwagen gebaut werden. Es gibt auch keine bösen Bosse, die man besiegen müsste. Stattdessen geht es um nicht-stereotypisierte Prozesse wie etwa das Anlegen von Farmen, um die eigene Spielfigur mit Nahrungsmitteln zu versorgen.

Eltern werden ständig davor gewarnt, wie schädlich es sein kann, wenn Kinder zu viel Zeit vor dem Computerbildschirm verbringen. Und natürlich ist die Gesamtdauer ein nicht zu unterschätzender Faktor, aber es kommt auch auf die Qualität der Spiele an. Manche Dinge, die Kinder am Computer machen, sind eben pädagogisch wertvoller als andere. Bei meiner Forschung im Bereich der Pädagogik und der Mensch-Computer-Interaktion komme ich immer wieder zu dem Schluss, dass die Nutzung von Technologie an und für sich in keinerlei Verhältnis zu irgendwelchen Lernerfolgen steht. Es kommt viel mehr auf das Wie an.

Manche Technologien bieten von ihrer Struktur her mehr Möglichkeiten als andere. Der Spielvorgang in Minecraft dreht sich um das Konstruieren von Objekten aus würfelförmigen Blöcken und ist daher für die Beförderung des räumlichen Vorstellungsvermögens weit besser geeignet als zum Beispiel ein Ego-Shooter. (Tut mir leid, liebe Fans von Titanfall.)

Schickt die Mädels ins Netz!

Grundsätzlich kann man jeden beliebigen Aspekt eines Spiels modifizieren. Das wird modding genannt. Dafür muss man coden können, also programmieren, sprich Quellcode in einer Programmiersprache wie zum Beispiel Java schreiben können. Programmieren zu lernen, bedeutet nicht nur, eine Schlüsselqualifikation für das Arbeitsleben des 21. Jahrhunderts zu erlernen. Es werden dabei auch andere Fähigkeiten und Talente geschult, die im MINT-Bereich von Bedeutung sind, etwa kritisches Denken, Logik oder Problemlösungskompetenz.

Coding kann man durchaus als Basiskompetenz betrachten, ähnlich wie andere Grundkenntnisse, auf die Lernende weiter aufbauen. Schüler, die gut lesen können, haben zum Beispiel viel mehr Möglichkeiten, da sie sich zahlreiche Informationen erschließen können, die ihren Altersgenossen unzugänglich bleiben.

Wahrscheinlich ist Ihnen inzwischen schon aufgefallen, dass Programmieren im Lehrplan meist nicht vorgesehen ist. Die Kinder müssen es auf eigene Faust lernen. Und wenn es doch mal in einer Schule angeboten wird, melden sich fast nur Jungen dafür an, genau wie bei anderen naturwissenschaftlichen Fächern oder bei der Ingenieurslehre. Untersuchungen des Center for Reading Research zeigen, dass Mädchen immer noch suggeriert wird, Programmieren sei etwas für Jungs, genau wie Mathematik und Naturwissenschaften.

Minecraft-Modding aber gibt Mädchen die Gelegenheit, sich Programmier-Grundkenntnisse anzueignen, und zwar in einer Umgebung, die sie selbst als angenehm empfinden und die ihnen Spaß macht. Ein Mädchen, das aus eigener Motivation heraus lernt, wie man Minecraft-Mods erstellt, wird vielleicht auch Schulfächer wählen, bei denen ihre räumliche Vorstellungskraft, ihr Sinn für Logik und ihr kritisches Denkvermögen gefördert werden. Und natürlich spielt es eine große Rolle, dass Mädchen, wenn sie programmieren lernen und Feedback auf ihre Mods bekommen, eine Menge Selbstvertrauen entwickeln. Umso eher werden sie sich auch zutrauen, sich in Richtung Natur- und Ingenieurwissenschaften zu orientieren.

Es gibt einen einfachen Grund dafür, dass Mädchen in den Bereichen Naturwissenschaft und Technologie unterrepräsentiert sind: weil sie von der Schule nicht dabei unterstützt werden, ihre MINT-Fähigkeiten zu entwickeln und auszubauen. Vielleicht kann Minecraft dazu einen Beitrag leisten.

Das Netz – Jahresrückblick Netzpolitik

Dieser Beitrag ist Teil der Publikation “Das Netz – Jahresrückblick Netzpolitik” und erscheint auf Netzpiloten.de mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. Sämtliche Artikel der diesjährigen Ausgabe sind hier auch online zu finden. Dieser Artikel erschien erstmals bei mom.me. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. Aus dem Englischen von Ilja Braun.


Image (adapted) “Hersman Girls – Already on Computers…” by Erik (HASH) Hersman (CC BY 2.0)


 

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Warum Frauen weltweit vor Femizid schützende Gesetze brauchen

84a.SVAW.ColumbiaHeightsPlaza.WDC.9March2013 (adapted) (Image by Elvert Barnes [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Immer mehr Länder verabschieden Femizid-Gesetzgebungen, das Bewusstsein für Gewalt gegen Frauen steigt, doch das allein reicht nicht aus. Der 25. November markierte den internationalen Tag der Vereinten Nationen zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. In einer Welt, in der eine von drei Frauen mindestens einmal in ihrem Leben physische, psychische oder sexuelle Gewalt erlebt, ist dieser Tag dafür gedacht, die Gewalt gegen Frauen weltweit ins Bewusstsein zu rücken.

Die Gewalt gegen Frauen – wie zum Beispiel Gewalt durch einen Lebenspartner, Vergewaltigung und emotionaler Missbrauch – stellt laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein signifikantes Problem für das Gesundheitswesen jedes Landes dar.

Die extremste Form der Gewalt gegenüber Frauen ist der Femizid – wenn eine Frau nur aus dem Grund getötet wird, da sie eine Frau ist. Laut einer Studie zu Handfeuerwaffen machen Femizide fast 20 Prozent der weltweiten Tötungsdelikte aus oder etwa die Ermordung von 66.000 Frauen pro Jahr.

Unglücklicherweise ist die wahre Häufigkeit von Femizid nicht bekannt, da Fälle von Femizid eine hohe Dunkelziffer besitzen oder falsch als gewöhnlicher Totschlag gemeldet werden. Zum Beispiel meldete in den Vereinigten Staaten das FBI (Federal Bureau of Investigation – die Bundesermittlungsbehörde der USA) nur 25 Fälle von geschlechtsspezifischer Gewalt im Jahre 2013, obwohl über 50 Prozent der weiblichen Mordopfer in den USA durch Lebenspartner oder Familienmitglieder getötet wurden.

Bis heute haben 119 Länder Bundesgesetze, die die Problematik von Gewalt gegen Frauen betreffen, eingeführt. Die Gesetze versuchen, Frauen einen besseren gesetzlichen Schutz vor Gewalt zu bieten. Jedoch muss Frauen das Gefühl gegeben werden, entsprechende Aussagen machen zu können ohne weiterer Gewalt ausgesetzt zu werden und es muss ihnen das Vertrauen gegeben werden, dass ihre Klagen ernst genommen werden, damit diese Gesetze funktionieren. Der Zweck dieser Gesetze muss von der Öffentlichkeit verstanden werden.

Daten aus Nicaragua, das ein solches Gesetz im Jahr 2012 verabschiedete, deuten an, dass Frauen nicht glauben, dass das Gesetz sie beschützt.

Was beinhaltet und macht ein Femizid-Gesetz?

In den letzten Jahren wurden Gesetze zum Schutz von Frauen vor Gewalt zunehmend verabschiedet. Zu Beginn des Jahres erneuerte Afghanistan die Zusage die bestehenden Gesetze zum Schutz von Frauen vor Gewalt durchzusetzen.

Brasilien ging einen Schritt weiter und verabschiedete ein Gesetz gegen Femizid, um bestehende Gesetze nochmals zu unterstreichen. Tatsächlich animierten internationale Behörden weltweit Länder, Gesetze zum Schutz von Frauen vor Gewalt und insbesondere gegen Femizid zu verabschieden.

Obwohl die bestehende Gesetzgebung bei Tötungsdelikten einen gewissen Schutz für Frauen vorsieht, ist die Begründung für die Schaffung von Femizid-Gesetzen die, dass Frauen einen größeren Schutz bedürfen. So müssen geschlechtsspezifische Gefährdungen, wie zum Beispiel ein Angriff aufgrund des Aspekts eine Frau zu sein, berücksichtigt werden. Zum Beispiel ist eine Frau, die im Falle eines Einbruchs getötet wird, ein Opfer von Totschlag. Eine Frau, die während eines Falls von häuslicher Gewalt getötet wird, ist eher ein Opfer von geschlechtsspezifischem Totschlag.

Idealerweise skizzieren diese Gesetze spezifische Strafen für Gewalttaten, die durch oder wegen des Geschlechts des Opfers motiviert sind. Diese Strafen sind üblicherweise härter als jene des bestehenden Zivilrechts bei ähnlichen Verbrechen.

Femizid-Gesetze können auch polizeiliche Ermittlungen, bei denen insbesondere die Rolle des Geschlechts betrachtet wird, beinhalten. Dies könnte es einfacher machen, Femizide zu zählen und auch die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass solche Fälle durch Gesetze zum Schutz von Frauen vor Gewalt strafrechtlich verfolgt und verurteilt werden.

Nicaraguas Gesetz 779

Nicaraguas Ley 779 (oder Gesetz 779) definiert und kriminalisiert verschieden Formen von Gewalt gegen Frauen. Dieses Gesetz benötigte fast zwei Jahrzehnte zur Entstehung und rief zu einer Reform des Strafgesetzbuches, die bis zum Jahr 1996 zurückreichte, auf. Das Gesetz 779 ermöglicht es den Opfern Schadensersatz bei Verbrechen geltend zu machen, definiert zudem verschiedene Formen von Gewalt wie beispielsweise Gewalt durch Lebenspartner, Vergewaltigung oder Femizid und spezifiziert Strafmaßnahmen für jedwede Form. Nahezu 90 Prozent der nicaraguanischen Frauen haben physische, sexuelle oder psychische Gewalt in ihrer Lebenszeit erfahren.

Das Gesetz wurde im Jahre 2013 überarbeitet, um Schlichtungen zwischen Opfern und Tätern von häuslicher Gewalt zu erlauben – ein Schritt der Proteste von Frauenrechtsgruppen in Nicaragua auslöste.

Nachdem diese Femizid-Gesetzgebung im Jahre 2012 verabschiedet wurde, erlebte Nicaragua eine Steigerung der Femizide. Das Netzwerk von Frauen gegen Gewalt meldete 76 Fälle von Femizid in Nicaragua im Jahre 2011, während 85 Fälle für das Jahr 2012 gemeldet wurden – das Jahr in dem Gesetz 779 verabschiedet wurde und für das die neuesten Daten verfügbar sind.

Es ist unklar, ob die Steigerung einer besseren Datenerhebung über Femizid oder einer Steigerung von Femizid geschuldet ist. Die Unterscheidung von Femiziden und nicht geschlechtsspezifischen Ermordungen ist schwierig und erschwert die Beurteilung der Effektivität von Anti-Femizid-Gesetzen.

Jedoch wird klar, dass viele Frauen in Nicaragua das Gesetz 779 als schädlich empfinden.

Warum empfinden Frauen, dass das Gesetz 779 nicht hilft?

Ich führte im Jahr 2014 eine Studie, zusammen mit Roger Rochat und Samantha Luffy – beide von der Emory-Universität – und mit lokalen Partnern in Nicaragua durch, um den Blick von Frauen auf das Gesetz 779 zu erforschen. Wir fanden heraus, dass die Frauen in Nicaragua glauben, dass das Gesetz für die Zunahme von Femizid verantwortlich ist.

Die Frauen erkannten, dass die Gesetze, die sie eigentlich schützen sollten, tatsächlich jedoch die Frauen in ihrer Gemeinschaft schädigen. Sie fanden auch, dass Männer mit dem Gedanken spielten, dass es “vorteilhaft” sei, Femizid zu verüben, da sie egal ob sie ihre Partner schlagen oder töten, bestraft würden, obwohl die Strafen für Femizid viel härter als jene für häusliche Gewalt sind.

Eine Teilnehmerin der Studie erklärte:

Die Meinung der Männer ist nun, dass sie lieber die Frau töten anstatt sie zu schlagen, da, obwohl sie ins Gefängnis gehen müssen, wenn sie die Frau schlagen, sie gleichermaßen ins Gefängnis müssen, wenn sie die Frau töten. Darum sagen sie: Es ist besser, wenn ich sie töte. Das ist die jetzige Meinung von Männern, sowohl von Alten als auch Jungen. Ich sage, es ist schrecklich wie verloren die Männer sind, da dies jetzt ihre Gedanken sind – das es besser sei, die Frau zu töten… Dies begann durch Ley 779. Mit dem Gesetz hat es angefangen.

Ob Fälle von Femizid in Nicaragua zunehmen oder nicht, das Gesetz 779 ist nicht wirksam, wenn Frauen, die Gewalt ausgesetzt sind, sich fürchten müssen, dass sie weitere Gewalt erleiden, wenn sie eine Aussage machen. Falls dies das Endergebnis ist, dann macht ein Gesetz, dass den Schutz von Frauen vor Gewalt vorsieht, nicht seine Arbeit.

Weitere Forschung

Momentan untersuche ich in Brasilien die Wirkung von neuen Gesetzen und schaue, wie das Verständnis dafür nach unten auf die Gemeindeebene sickert.

Die dortigen Daten weisen zudem auf eine Steigerung von 4.022 Femiziden pro 100.000 Einwohner im Jahre 2006 hin, als das erste Bundesgesetz zum Schutz der Frauen vor Gewalt verabschiedet wurde, zu 4.762 im Jahre 2013.

Unglücklicherweise sind weltweite Daten zu Femiziden und der Wirkung derartiger Gesetze schwer zu erhalten, da Daten nicht regelmäßig auf einem standardisierten Weg erhoben werden.

Was muss sich ändern, damit diese Gesetze funktionieren?

Zuallererst müssen Frauen ihre Rechte nach dem Gesetz verstehen und sich sicher sein, dass ihre Klagen ernst genommen worden und die Verbrechen untersucht werden.

Die Länder müssen auch einen Schritt weiter gehen, um sicher zu gehen, dass die Gesetze nicht nur einfach existieren, sondern auch hinreichend durchgesetzt werden. Sie müssen den Sinn der Gesetze den Behörden, die diese ausführen – wie zum Beispiel der Bundespolizei oder dem Rechtssystem – vermitteln, so dass die systematische Identifizierung der Fälle und die Durchführung tatsächlich gewährleistet wird.

Zur Sicherstellung des Nutzens solcher Gesetze hat UN Women ein Musterprotokoll entwickelt, dass die Ausführung von Gesetzen zu Femizid begleitet. Dieser Leitfaden beinhaltet Best-Practice-Methoden für die Ermittlung von Femizidfällen in Ländern wie Nicaragua und Brasilien.

Die Öffentlichkeit muss auch verstehen, für was diese Gesetze entwickelt wurden, so dass deren Ziele und Zwecke nicht auf der Gemeinschaftsebene von Männern sowie Frauen missverstanden werden.

Die Erkenntnis, dass mehr und mehr Länder Femizid-Gesetzgebungen verabschieden, ist ein unweigerliches Zeichen, dass das Bewusstsein für Gewalt gegen Frauen steigt. Die Sicherstellung der Vermittlung von Absichten und Zwecken und der Durchführung dieser Gesetze wird jedoch noch einen weiten Weg gehen, so dass der internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen seiner Idee gerecht wird.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) “84a.SVAW.ColumbiaHeightsPlaza.WDC.9March2013” by Elvert Barnes (CC BY-SA 2.0)


 

The Conversation

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Sorry Hillary! Du wirst höchstens Zweite werden.

altered Edith Wilson portrait - Woodrow Wilson House - Washington DC - 2013-09-15 (adapted) (Image by Tim Evanson [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Seit ein paar Monaten schon rollt die mediale Werbewelle zur US-Präsidentschaftswahl 2016. Anfang November 2016 ist es endlich soweit: Die USA könnte mit Hillary Clinton ihre zweite weibliche Präsidentin bekommen. Moment mal, wie war das gleich? Ja, richtig gelesen. Die Vereinigten Staaten hatten bereits eine Präsidentin. Ihr Name: Edith Bolling Galt Wilson. Nun gut, die Spitzfindigeren unter den Lesern werden jetzt wahrscheinlich die Brauen hochziehen und mit missbilligender Miene verkünden: “[Name der Suchmaschine eurer Wahl] sagt aber, das war nur die Ehefrau von Woodrow Wilson!” So weit, so gut. Aber was heißt hier “nur”?

Präsident Woodrow Wilson, seit 1913 im Amt, war seit Längerem schon durch Stress und diverse Krankheiten geschwächt, hinzu kam ein Infarkt im Jahr 1919, der ihn ans Bett fesselte. Damals war er gerade dabei, die Grundsätze für den Völkerbund, den ‘League of Nations’, nach dem ersten Weltkrieg festzulegen, der für eine internationale Abrüstung und Zusammenarbeit sorgen sollte.

Monatelang befand sich das Ehepaar Wilson auf einer Reise durch die US-Bundesstaaten, um die Bevölkerung dazu zu bringen, den entsprechenden Senator zu wählen, der sich für den Vertrag einsetzte. Doch dann kam der Schlaganfall und Wilson war weitestgehend manövrierunfähig. Die Bevölkerung sollte davon möglichst nichts erfahren, denn einen schwachen Präsidenten konnte und wollte man sich in diesen unruhigen Zeiten nicht leisten.

Was macht man mit einem kranken Präsidenten?

Bisher hatte man es augenscheinlich versäumt, eindeutige Festlegungen zu formulieren, wie man vorgehen konnte, wenn der Präsident zwar am Leben war, seinen Aufgaben aber dennoch nicht nachgehen konnte. Natürlich gab es auch zu Wilsons Zeiten einen Vizepräsidenten, einen Mann namens Thomas R. Marshall. Als es ernst wurde und seine Dienste in Anspruch genommen werden mussten, lehnte dieser die ihm angetragene Vertreterrolle allerdings rundweg ab.

Manche Quellen vermuten, er schreckte vor der plötzlichen Verantwortung zurück, mit der er so nie gerechnet hatte. Andere besagen, er fürchtete sich vor dem Ruf, Wilson aus eigener Kraft von seiner Machtposition vertrieben haben zu können. Wieder andere, vermutlich auch er selbst, hielten ihn schlichtweg intellektuell für nicht sonderlich geeignet. Dies war der Moment, als Wilsons Frau auf den Plan trat.

Edith war mit Anfang Vierzig noch recht jung, für beide war es die zweite Ehe. Sie hatten sich erst wenige Monate vorher Hals über Kopf ineinander verliebt, so dass sie ihrem Mann eher aus Leidenschaft und Hilfsbereitschaft denn aus eigenem politischen Interesse zur Seite stand. Sie übernahm sämtliche Korrespondenz für ihn, unterschrieb offizielle Papiere, setzte Briefe auf – alle täglichen Aufgaben wurden von nun an von ihr erledigt.

Zwar wurde sie weder für ihre Arbeit bezahlt, noch war sie offiziell als Verantwortliche eingetragen, aber sie führte ihre Aufgaben gewissenhaft aus. Bei den Kongressmitgliedern blieb der Einfluss Ediths natürlich nicht unbekannt. Vielmehr rief er lautstarken, wenn auch inoffiziellen Protest hervor, man sprach sogar von einer “Petticoat-Präsidentschaft”, als Wilson seine zweite Amtszeit antrat.

Noch gab es kein aktives Wahlrecht

Man darf hierbei nicht vergessen: All dies geschah noch vor der Einführung des aktiven Wahlrechts für Frauen in den USA. Dieses trat erst im Folgejahr 1920 in Kraft. Es ist anzunehmen, dass es einen enormen Aufruhr unter den Konservativen und auch unter den Frauenrechtlerinnen gegeben hätte, wäre Edith Wilsons inoffizielle ‘Regierungsübernahme’ in der Öffentlichkeit weithin bekannt geworden.

Eventuell hätte dies auch zum Sturz Woodrow Wilsons selbst geführt. Stattdessen führte seine Frau nun also eine Art Schattenpräsidentschaft. Hier war sie an den Verhandlungen des Versailler Vertrages beteiligt, sie managte sogar den Streik der Stahlarbeiter, der die USA kurzzeitig lahmzulegen drohte.

Einige Zeitungen rochen den Braten, und viele berichteten sogar recht positiv über sie und ihre politischen Ambitionen. Die Gerüchte, denn nach ihnen klang die Nachricht in den Ohren der Öffentlichkeit, wurden jedoch nie offiziell gegenüber den Medien bestätigt. Dennoch vermerkte Andrew Phillips, Kurator der Woodrow Wilson Presidential Library, an, dass sich die Dinge auch in eine völlig andere Richtung hätten entwickeln können. “Edith vermittelte uns Sicherheit und stärkte uns in einer besonders schwierigen Zeit.” Bereits im Jahr 1921 schied Wilson aus dem Amt, und mit ihm seine Frau.

Die Zeiten haben sich mittlerweile deutlich gewandelt, und eine weibliche Präsidentschaft ist weder undenkbar noch unwahrscheinlich. Vielleicht hat sich auch Hillary Clinton etwas von Edith Wilsons Regierungsstil abgeschaut? Auch Clinton genießt die Unterstützung des regierenden Präsidenten, und auch die Presse ist sich mehrheitlich einig, dass sie eine geeignete Kandidatin für diesen Posten sei. Nicht heute oder im Jahr 2016 ist die Zeit reif für eine weibliche Präsidentin, sie war es schon vor fast hundert Jahren.


Image (adapted) “altered Edith Wilson portrait – Woodrow Wilson House – Washington DC – 2013-09-15” by Tim Evanson (CC BY-SA 2.0)


 

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Lovoo ist voller Machos und Stylerbubis

Love (of technology) (adapted) (Image by Matthew G [CC BY 2.0] via Flickr)

Wer zwischen 16 und 30 und auf Partnersuche ist, dem wird früher oder später Lovoo empfohlen. Wer es nicht kennt: Lovoo (sprich: La wuu) ist eine einfache Dating-App wie Tinder, Badoo (wer da wohl von wem geklaut hat?) und Co. Man lädt ein Foto hoch, macht ein paar Angaben über sich und zack – fertig ist das Profil.

Ich hatte mich da auch mal angemeldet. Warum, weiß ich nicht mehr genau. Vielleicht, weil ich neugierig war, ob die App wirklich so nutzlos ist, wie viele sagen. Weil ich wissen wollte, ob sich da wirklich so viele Gestörte rumtreiben.

Und: Tatsächlich habe ich es da nur eine Woche ausgehalten. Den schlechten Ruf hat die App zurecht. Den Männern geht es da nämlich wie erwartet nur um eins: Sex. Besonders denen, die auf ihrem Profilfoto lässig mit Sonnenbrille vor ihrem Auto zu sehen sind. Wenn man als Frau dann ablehnt und sich auch nicht von den Statussymbolen („Ich hab nen BMW, sieht man auch auf dem Foto“) beeindrucken lässt, kommt oft sowas wie : „Du bist aber prüde!“ oder auch „Bist du lesbisch oder was?“.

Die angenehmsten Konversationen waren noch solche wie diese hier:

Er: Hi

Ich: Hi

Er: Wie geht’s?

Ich: Gut und dir?

Er: Auch gut

Er: Was suchst du hier?

Ich: Nichts bestimmtes, wollt nur mal gucken, was hier so los ist

Er: Ach so.

Er: Ich suche hier Spaß ;)

Ich: Sex?

Er: Ja.

Ich: Da bist du bei mir falsch.

Er: Echt?

Ich: Ja.

Er: Ok.

Ich: Viel Erfolg noch

Er: Danke.

Auch wenig interessant für mich: Die vielen 16- bis 18-jährigen Jungs. Alles so kleine Metrosexuelle, die sich in lässiger Pose vorm Badezimmerspiegel fotografiert haben. Einer schrieb mir in Endlosschleife immer etwas wie „Hi Süße“ oder „Okii Süße :*“. Ein anderer erklärte „Ich steh auf ältere Mädels“. Ob das schlimm wäre?

Ich kam manchmal aus dem Lachen nicht mehr heraus. Was mach ich da eigentlich?

Von den Typen in meinem Alter wollte sich einer direkt am nächsten Tag mit mir in der Mensa treffen. Eine Art Blind Date also. Nein, danke. Mit dem nächsten war wenigstens ein halbwegs normales Gespräch möglich. Bis er dann behauptete, ich würde ja lügen: In der Stadt gäbe es keine Studentenwohnheime. Doch klar, schrieb ich. Ich wohne schließlich in einem. Antwort: Er würde bereits seit 5 Jahren in Mittweida studieren und wüsste es ja wohl besser als ich. Es gäbe keine.

Ich ließ ihn in dem Glauben. Die App ist jetzt gelöscht. Und ich bin um eine Erfahrung reicher. Lustig war’s. Aber muss ich jetzt nicht nochmal haben.


Image (adapted) „Love (of technology)“ by Matthew G (CC BY 2.0)


 

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5 Lesetipps für den 31. August

In unseren Lesetipps geht es heute um den Deal von Netflix und Epix, Neuerungen bei YouTube, die Frauenquote bei Twitter, eine neue iPad-App und negative Kommentare in den sozialen Netzwerken. Ergänzungen erwünscht.

  • NETFLIX B2C: Netflix Ends Epix Deal, Says Goodbye To Hunger Games And Transformers: Netflix wird den Deal mit Epix, der nächsten Monat ausläuft, nicht verlängern. Also, wer darauf gewartet hat, Filme mit Transformers: Age of Extinction, The Hunger Games: Catching Fire, oder World War Z zu sehen, bleibt leider leer aus. Der Kanal Epix, ein Joint Venture aus MGM, Lionsgate und Paramount Pictures wird den eigenen Service bei dem Konkurrenten Hulu anbieten, während Netflix eigenen Content erschaffen will.

  • YOUTUBE iafrica.com: YouTube to get paywall soon?: Bei YouTube wird es demnächst eine große Veränderung geben: Es wird eine Bezahlfunktion geben, mit der User werbefreie Videos sehen können. Außerdem wird es eine Offline-Funktion und Premium Content geben. Die Videoplattform wird auch den Dienst Music Key weiter ausbauen, der jetzt schon seit einiger Zeit in der Beta-Phase ist und der eher mit gemischten Reaktionen angenommen wurde.

  • FRAUENQUOTE The Verge: Twitter sets public goals for increasing diversity in its workforce: Twitter möchte mehr Diversität am Arbeitsplatz schaffen. Dazu möchte der Konzern mehr Frauen, auch in höheren Positionen, einstellen will. “Wir möchten, dass der Aufbau unseres Unternehmens die riesige Bandbreite der Personen, die Twitter nutzen, wiederspiegelt”, so Janet Van Huysse, die Vize-Präsidentin im Bereich Diversität und Einbindung. Letztes Jahr gab Twitter bekannt, dass 70 Prozent der Beschäftigten und 79 Prozent der Führungspersonen Männer sind.

  • APP Mashable: iPad app reveals the hidden waves of Wi-Fi and cell signals flowing around us: Wer kennt es nicht: Man sucht mal wieder nach einem WLAN-Signal, wäre es nicht aber interessant zu sehen, wie diese Signale von Hotspots in der Nähe um einen “herumschwirren”? Genau das soll eine App zeigen: Richard Vijgen hat die App Architecture of Radio erschaffen, die zusätzlich zu den Wi-Fi-Signalen auch noch Signale von Mobilfunkmasten und Beobachtungssatelliten darstellen soll. Bisher ist die App noch nicht auf dem Markt, soll aber für iOS im Dezember und für Android Anfang 2016 erscheinen.

  • KOMMENTARE ZEIT ONLINE: Facebook: Melden, anzeigen, anprangern: Momentan sind die sozialen Netze voll mit rassistischen oder pöbelnden Kommentaren. Hiergegen können aber nicht nur die Betreiber und Behörden vorgehen, auch die Nutzer sollten das tun. Bundesjustizminister Heiko Maas hat deshalb die Europazentrale von Facebook um ein Gespräch gebeten, ginge es nach ihm solle das soziale Netzwerk in Zukunft aktiver und auch viel schneller gegen diese Inhalte und Kommentare vorgehen – doch auch die User sollten zum Beispiel solche Kommentare melden.

CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

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Eine europäische Startup-Liebhaberin: Roxanne Varza

Roxanne Varza

Im Interview spricht Startup-Liebhaberin Roxanne Varza über die Digitalwirtschaft in Europa und Frankreich, sowie Frauen in der Technologie-Branche.  // von Tobias Schwarz

Roxanne Varza

Anfang Juni traf ich auf der MIDEM in Cannes die französische Startup-Expertin Roxanne Varza. Sie war Jury-Mitglied des Pitchwettbewerbs MIDEM Lab, über den die Netzpiloten als deutschsprachiger Medienpartner der Konferenz berichteten. Auf meinen bisherigen Reisen anch Frankreich, wurde mir schon oft über Roxanne Varza berichtet und das ich sie unbedingt einmal treffen sollte. Also nutzte ich unsere gemeinsamen Station in Cannes für ein Interview über die Startup-Szene in Frankreich, wie es um Europa steht und womit sie sich noch so beschäftigt. Weiterlesen »

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Sponsored Post: #LikeAGirl präsentiert „Nicht zu stoppen“

Frau (adapted) (Image by PublicDomainPictures [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Mit der Kampagne #WieEinMädchen #LikeAGirl setzt sich Always als Ziel, der Stigmatisierung und den Ängsten von Mädchen und Frauen ein Ende zu setzen und die Redewendung “Wie ein Mädchen” durchweg positiv zu sehen. In dem neusten Video der #LikeAGirl-Kampagne wird sich die Frage gestellt, ob die Gesellschaft Mädchen, in dem was sie tun wollen, einschränkt. Mädchen und junge Frauen werden befragt, ob sie etwas nicht tun oder nicht getan haben, weil ihnen gesagt wurde, dass Mädchen so etwas nicht machen sollten. Alle beantworten diese Frage mit einem klaren “Ja!”. Die Mädchen und Frauen machen deutlich, dass dies immer wieder passiert und die Leute immer nur denken, dass Mädchen nett und lieb sind und nichts tun sollten, was eventuell zu schwierig für sie sein könnte.

Gerade in der Pubertät fängt das Selbstbewusstsein von Mädchen an zu schrumpfen, wodurch sie anfangen, Grenzen ganz einfach zu akzeptieren. Sie probieren nicht mehr so viel aus, hören mit ihrer Lieblingssportart auf, weil diese anscheinend zu “männlich” ist, oder benehmen sich so, wie es andere von jungen Frauen erwarten, wodurch sie nicht das machen können, was ihnen gefällt.

Das eigene Ding durchziehen

Always möchte, dass sich das ändert: Den befragten Mädchen werden große weiße Boxen gegeben, die ihre Grenzen darstellen sollen. Auf diese sollen sie nun schreiben, was sie kurz vorher über die Einschränkungen von Mädchen erzählt haben. Auf die Frage, was sie mit diesen Boxen am liebsten tun würden, antworteten alle, dass sie diese am liebsten kaputt machen oder wegtreten wollen, um sie endlich los zu sein.

Always möchte mit der Kampagne #LikeAGirl, #WieEinMädchen, Mädchen und Frauen weltweit dazu aufrufen, dass sie nicht zu stoppen sind. Das Video soll das Selbstbewusstsein von Mädchen und jungen Frauen bestärken und ihnen zeigen, dass sie das machen sollten, was ihnen Spaß macht, und nicht was ihnen von der Gesellschaft als mädchenhaft eingetrichtert wird.


Image (adapted) „Frau“ by PublicDomainPictures (CC0 Public Domain)

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5 Lesetipps für den 4. April

In unseren Lesetipps geht es um Amazon, Schleichwerbung auf YouTube, die Zukunft von Facebook, Anonymität und programmierende Frauen. Ergänzungen erwünscht.

  • AMAZON CNET: World domination through video games: Last, but not least hat jetzt auch Amazon eine Box für den heimischen Fernseher im Angebot, die aber gleich sämtliche andere Konkurrenten herausfordert. Apple und Google sind mit ihren TV-Sticks genauso im Visier von Jeff Bezos wie Microsoft und Sony mit ihren Spielekonsolen. Auf CNET gehen Nick Statt und Joan Solsman der Frage nach, ob Amazon endlich sein perfektes Werkzeug für die Beherrschung der Welt gefunden hat.
  • YOUTUBE W&V: Youtube-Blogger_innen starten Kampagne gegen Schleichwerbung: YouTube-Blogger wie Sami Slimani oder die Comedy-Truppe Y-Titty fallen immer mehr durch Schleichwerbung auf und beschädigen damit den Ruf anderer Blogger und Bloggerinnen auf YouTube. Mit den beiden Hashtags #angeber und #Youtuberfürtransparenz ergreifen jetzt vornehmlich Youtuberinnen die Initiative, sprechen sich gegen Schleichwerbung aus und versprechen mehr Transparenz.
  • ANONYMITÄT Techdirt: Yes, Federal Agents Can Identify Anonymous Tor Users, Because Most People Don’t Know How To Be Anonymous: Klare Antwort von Mike Masnick auf TechDirt: „Ja, Bundesagenten können die anonymen Nutzer von Tor identifizieren, weil die meisten Leute gar nicht wissen, wie sie anonym verhalten sollen.“ Kein Wunder, denn auch wenn Verschlüsselung in den letzten Jahren einfacher geworden ist, sich im Internet zu anonymisieren ist immer noch eine etwas kompliziertere Geschichte, weshalb es sich nur um eine vermeintliche Sicherheit handelt.
  • FACEBOOK ReadWrite: Why No One Trusts Facebook To Power The Future: Wer könnte besser über die Zukunft von Facebook Bescheid wissen als die Mitglieder des sozialen Netzwerks, die es tagtäglich nutzen, neben anderen Diensten? Oder doch nicht? Denn trotz der Einkaufstour von Mark Zuckerberg um sein Facebook für die (mobile) Zukunft zu rüsten, haben die Nutzer und Nutzerinnen selbst ihre Zweifel daran. Selena Larson erklärt auf ReadWrite warum.
  • RAILS GIRLS Kleinerdrei: Von der Redakteurin zur Programmiererin in einem Sommer: Anika Lindtner leitet die Travis Foundation und ist Mitgründerin der Berliner Initiative „Rails Girls Summer of Code“, die dreimonatige Stipendien an lernende Frauen (und Männer) vergibt, die an Open Source*-Projekten arbeiten. In einem Gastbeitrag auf kleinerdrei.org schreibt sie über die bisherigen Projekterfahrungen und wie schnell den Wandel von einer Redakteurin zur Programmiererin gehen kann.

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Digitalista: “Frauen in der IT müssen sichtbarer werden”

Die junge Wiener Initiative „Digitalista“ will die weibliche Seite der Online-Branche stärken.

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“Connecting digital women”: Unter diesem Motto versucht die Wiener Initative Digitalista, Frauen in der Online-Branche besser zu vernetzen. Die Mitgründerin Susanne Liechtenecker erklärt im Interview, warum man zuerst das Selbstbewusstsein der Frauen stärken muss, warum Yahoo-Chefin Marissa Mayer ein Vorbild für sie ist und warum man die Mitglieder nicht in der Opferrolle sehen sollte.

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Ein Krieg gegen Frauen

Wenn ich in der letzten Zeit einen Blick über den großen Teich wage, möchte ich mir kräftig die Augen reiben und hoffen, dass dies alles nur ein schlechter Traum sei: Eine schier unglaubliche Zahl an Ge­setzes­ent­würfen wurde in den letzten Monaten in den USA von überwiegend re­publikanischen Ab­geordneten auf den Weg gebracht, die nur auf eines ab­zielen: das Recht auf kör­perliche Un­versehrt­heit und aus­reichende gesund­heitliche Ver­sorgung von Frauen ein­zu­schrän­ken. Die US-Amerikaner_innen sprechen in diesem Kon­text schon von einem War on Women (“Krieg gegen Frauen”)… Weiterlesen »

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Reden wir über die Männerquote

Seit etwa zehn Jahren gilt die so genannte “freiwillige Selbstverpflichtung” für Unternehmen, die dem Zwecke dient, den Frauenanteil in Führungspositionen zu steigern. Diese Selbstverpflichtung sei, laut Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), “krachend gescheitert”. Sie fordert, dass eine gesetzliche Quote her müsse – jetzt! – die in den nächsten fünf Jahren umgesetzt werden soll (wir berichteten).

Ein kurzer Blick in die Statistiken bringt Klarheit in den undurchsichtigen Wirtschaftssumpf: In den Vorständen der deutschen Unternehmen ist der Frauenanteil sage und schreibe zwei Prozent. Das ist ein Witz. Aber weil wir uns so an die Unterrepräsentanz weiblicher Führungskräfte gewöhnt haben, hilft hier vielleicht mal ein Perspektivwechsel, um dem Thema etwas mehr Brisanz zu verleihen.

Wenn wir die Frauenquoten-Debatten mal für eine Minute ruhen lassen und darüber nachdenken, warum die von der Leyens und Schröders dieser Welt noch nie die eigentlich viel dramatischere  Quote – die Männerquote – thematisiert haben, merken wir schnell: Eine Männerquote von 98% in den deutschen Vorständen könnte keine der Ministerinnen plausibel erklären, ohne über die Strukturen des Arbeitsmarktes, Diskriminierung, Sexismus und nicht zuletzt das verlässliche Old Boys Network zu sprechen. Aber das wäre ja unbequem. Dann würde es ja nicht mehr nur um Quoten gehen. Dann müssten wir uns gesamtgesellschaftlich die Frage stellen, ob wir so leben und arbeiten wollen. 50 – 60 Stunden die Woche unter Erfolgsdruck schuften? Familienfeindliche Strukturen? Eine nach einer männlichen Erwerbsbiographie ausgelegten Arbeitswelt? Nicht sehr attraktiv, mit oder ohne Quote… Weiterlesen »

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Im Namen der Freiheit: 9 Jahre Afghanistan-Krieg

Der Spiegel berichtet in einem aktuellen Artikel über ein Frauenhaus in Masar-i Sharif (Nord-Afghanistan) und gibt einen düsteren Einblick in die Situation afghanischer Frauen knapp neun Jahre nach Einmarsch der US-amerikanischen Truppen im Oktober 2001. Der so genannte “Krieg gegen den Terror” und die im Rahmen dieses Krieges durchgeführte Operation Enduring Freedom (“Operation andauernde Freiheit”) hat so einige ihrer hoch angepriesenen Ziele nicht erreicht. Die unter dem Deckmantel von Menschen- und ja, insbesondere Frauenrechten! – eingesetzte Strategie hat den Afghanerinnen, wenn überhaupt, nur theoretisch genutzt. Der systematischen Entrechtung der Frauen durch das Taliban-Regime (1996 – 2001) wurde zwar mit der neuen Verfassung von 2004 entgegengesteuert (sogar eine Frauenquote gibt es im Parlament), aber “es sind vor allem die Frauen in den Städten, die von den Entwicklungen profitieren”, so Reinhard Erös, Gründer der Entwicklungshilfe-Organisation “Kinderhilfe Afghanistan”, in einem Artikel der Sueddeutsche. Mehr als 85 Prozent der afghanischen Bevölkerung lebt allerdings in ländlichen Gebieten…

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Netzneutralität und die Frauen

3 gestapelte N deren Enden weiterlaufen und in Kreisen mit 0 und 1 enden vor grünem Hintergrund. Darunter die Schrift: Netzneutralität
Seit die Details über eine Kooperation von Google und Verizon langsam ins Internet tröpfeln, macht der Ruf nach Netzneutralität wieder die Runde – den Unterzeichner_innen der Initiative Netzneutralität nach zu urteilen, sind es aber vor allem Männer, die sich dafür interessieren. Dabei zeigt ein Blick auf den Hintergrund von Netzneutralität, sowie die bisher bekannt gewordenen Ideen des Google-Dokuments, dass es gerade für die feministisch-queere Webszene von großer Bedeutung sein wird.

Denn bisher werden alle Daten im Internet gleich behandelt, von technischen Problemen wie etwa Serverausfällen einmal abgesehen. 1 MB Text wird genauso schnell verarbeitet wie 1 MB Video oder 1 MB Skypekonferenz. Dafür zahlen einerseits die Websurfer_innen bei ihrem Provider, auf der anderen Seite die Webseitenanbieter ihre Serverkosten. Mit dem Argument des ständig steigenden Datenaufkommens, gibt es wiederholt Vorstöße der Telekommunikations-unternehmen, für bevorzugte Datenübertragungen extra Geld zu verlangen. So könnte etwa Google dafür zahlen, dass seine Suchmaschine stets erreichbar ist, während Bing lange Wartezeiten in Kauf nehmen muss. Andererseits könnten Surfer_innen die Wahl haben zwischen einem Grundangebot an Webseiten auf der einen und dem „kompletten” Internet auf der anderen Seite… Weiterlesen »

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Der kleine Unterschied ganz groß: Frauen im Netz

ComScore hat im Juni dieses Jahres eine Studie mit dem Titel Women on the Web: How Women are Shaping the Internet veröffentlicht, in der Zahlen und Statistiken zu Phänomenen aufgelistet sind, die ein Großteil der internetaffinen Menschen wahrscheinlich kaum überrascht: Der so genannte Gender Gap – die Ungleichheit des Zugangs zur Online-Welt in Hinblick auf Geschlecht – schließt sich zunehmend. Von den Internetuser_innen weltweit sind heute 54% männlich und 46% weiblich. In Singapur, den USA, Kanada, Neuseeland und Russland sind mindestens 50% oder mehr der Nutzer_innen weiblich, in Indien und Indonesien sind deren Anteile mit jeweils 28% und 35% am geringsten.

Obwohl Frauen und Männer im Internet in vielen Teilen der Welt quantitativ fast gleich stark vertreten sind, unterscheidet sich deren Nutzungsverhalten – wenn auch in vielen Bereichen nicht dramatisch: Weltweit verbringen Frauen mehr Zeit mit E-Mails, Instant Messenger (IM), Fotoseiten und insbesondere auf sozialen Netzwerken wie Facebook oder StudiVZ.

Share of time spent online: Female vs. Males (zum Vergrößern bitte klicken)

Mehr und mehr Frauen in der Altersgruppe 45+ nutzen verstärkt soziale Netzwerke und E-Mails, wohingegen ältere Männer in diesem Alter weniger Interesse zeigen. IM spielt in Ländern Lateinamerikas eine erstaunlich wichtige Rolle, was wahrscheinlich der Tatsache geschuldet ist, dass die Bevölkerung im Vergleich zu anderen Ländern recht jung ist. Insgesamt verbringen Frauen und Männer in den meisten Online-Kategorien wie ,Multimedia’, ‚Onlineshopping’, ‚Suchmaschinen’ oder ‚Spiele’ ähnlich viel Zeit, wobei sich die Art der Nutzung unterscheiden kann, z.B. welche Suchmaschinen genutzt werden, was und wie viel gekauft wird oder welche Spiele gespielt werden. Auch auf Twitter tümmeln sich in etwa so viele Männer wie Frauen und unterscheiden sich in ihrem Nutzungsverhalten dahingehend, dass Frauen weniger eigene Tweets schreiben und häufiger nach Angeboten oder Kommunikation Ausschau halten…
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Wenn Frauen bloggen…

Immer mehr Frauen fangen mit dem Bloggen an, eine Studie hat nun den weiblichen Teil der Blogosphäre untersucht. // von Rike Albrecht

Blogging Woman (Image: StartupStockPhotos [CC0 Public Domain], via Pixabay)

Frauen und Technik – man, äh frau hört es doch bei jeder Gelegenheit. Aber im Internet sind auch Frauen mehr und mehr aktiv. Emanzipation via Web 2.0? Oder doch nur Erfüllung klassischer Rollenklischees? BlogHer und Compass Partners wollten das und Ähnliches herausfinden und erhoben die 2008 Social Media Study in den USA, die sich mit dem Verhalten von Frauen im Bereich Social Media auseinandersetzt. Die zentrale Frage: Auf welche Weise sind Frauen in der Blogosphäre aktiv?

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