All posts under Fotos

Neue Features bei Instagram

Instagram stellt laufend neue spannende Features vor, die die Seite noch interaktiver und benutzerfreundlicher gestalten sollen. Doch auch Absurditäten und witzige Features finden ihren Weg in die App. Wir haben für euch mal wieder die interessantesten und besten neuen Features herausgesucht.

Freunde per Code adden

Ähnlich wie zuvor bereits zum Beispiel bei Snapchat, kann man mithilfe eines neuen Instagram Features seine Freunde nun mittels Code adden.

Dazu muss man einfach unten in der App auf die Lupe klicken. Dann gelangt man bekanntlich auf die Such-Option und auf die Entdecken-Seite. Oben rechts gibt es nun einen neuen Button. Klickt man auf diesen, gelangt man auf die Fläche, auf der man mittels Kamera die Codes von seinen Freunden scannen kann.

Der eigene Namestag kann angezeigt werden, indem man unten auf das entsprechende Feld dafür klickt. Diesen kann man personalisieren und entweder eine Hintergrundfarbe, Emojis oder ein Selfie auswählen.

Das GIF hält Einzug in die Chats

Endlich kann man auch bei Instagram seine Freunde im Chat mit seinen liebsten GIFs nerven! Sobald man im Chat das neue „GIF“ Symbol in der rechten unteren Ecke drückt, kann es losgehen. Über der Tastatur werden einem automatisch die gerade beliebtesten GIFs angezeigt, oder man kann die Suchen-Funktion benutzen, um selbst ein passendes GIF zur derzeitigen Situation zu senden.

Screenshot by Leonie Werner

Shopping Updates

Laut Aussage von Instagram benutzen monatlich über 90 Millionen Nutzer die Shopping-Tags auf Werbeposts in den Instagram-Stories. Mit den neuen Shopping-Funktionen kann man jetzt direkt in der App die Produktbeschreibung und weitere Details des Produktes einsehen.

Des Weiteren wurde ein Feature angekündigt, mit dem es einen neuen Tag auf der Entdecken-Seite nur fürs Shoppen geben soll. Bis jetzt wurde diese Funktion hierzulande aber noch nicht eingeführt.

Es bleibt also spannend bei Instagram. Vorbei sind schon lange die Zeiten, in denen man einfach nur Bilder hochgeladen und sie vielleicht mit seinen 30 bis 50 Bekannten und Freunden geteilt hat. Instagram ist zu einem wahren Business gewachsen. Und wir halten euch natürlich auf dem Laufenden.


Images by Leonie Werner und freestock/ unsplash.com

Weiterlesen »

So entschlüsselt die Strafverfolgung eure Fotos

St. Jones, Canada (adapted) (Image by Zach Meaney) (CC0 Public Domain) via Unsplash

Solange wir Menschen Fotos machen, wurden sie von uns auch manipuliert. Um Bilder zu verändern, musste man früher in der Dunkelkammer komplizierte Operationen ausführen, wohingegen heute jeder mit einem Smartphone in der Lage ist, hunderte von frei verfügbaren Tools dafür zu nutzen. Während dieser Umstand für den eigenen Instagram-Feed praktisch sein kann, stellt es eine besondere Herausforderung für die Strafverfolgung dar. Bildern kann man nicht immer vertrauen, denn sie stellen nicht immer exakt dar, was tatsächlich geschehen ist.

So habe ich beispielsweise vor Kurzem mehrere Fotos für die RSPCA (Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals, dt.: königliche Gesellschaft zur Verhütung von Grausamkeiten an Tieren, eine Tierschutzorganisation in England und Wales) analysiert, auf denen eine Ente zu sehen war, der ein Messer im Kopf steckte. Wir sollten feststellen, ob das Bild mit Photoshop manipuliert wurde. Auch die Behörden verlangen immer öfter, Bilder von Kriminaltechnikern verifizieren zu lassen – wie aber wird das gemacht und wo führt es hin?

Die Bildverarbeitungskette

Analysten verlassen sich derzeit auf Kenntnisse der „Bildverarbeitungskette“, um Bilder zu untersuchen und zu validieren. Diese Kette ist oft in sechs Hauptbereiche unterteilt:

  1. Physik: Schatten, Beleuchtung und Reflexionen
  2. Geometrie: Fluchtpunkte, Entfernungen im Bild und 3D-Modelle
  3. Optisch: Linsenverzerrung oder Abweichungen
  4. Bildsensor: Grundrauschen und Farbfilterfehler
  5. Dateiformat: Metadaten, Dateikomprimierung, Miniaturansicht und Marker
  6. Pixel: Skalieren, Zuschneiden, Klonen oder Zurücksetzen
Bildkette (Image by Richard Matthews)
Das Flussdiagramm wie Eigenschaften von Bildern, numerisch aufgelistet von Strafverfolgern untersucht werden. Image by Richard Matthews.

Anstelle des Sichtbaren ist es oft das Unsichtbare, mit dem unsere Untersuchungen beginnen. Hier konzentrieren wir uns auf die in den Bildern aufgenommenen Metadaten (Ebene 5 im Schema oben).

Dateiformat-Spurensuche: Metadaten

Wenn ein Bild gespeichert wird, enthält die Datei typischerweise Daten über das Bild, die als Metadaten bekannt sind. Es gibt mehr als 460 Metadaten-Tags innerhalb des austauschbaren Bilddateiformats für digitale Standbildkameras (EXIF 2.3). Diese Angaben unterstützten Kameras dabei, Formate zu verwenden, die zwischen Geräten ausgetauscht werden können – zum Beispiel, dass ein iPhone-Foto korrekt auf einem Samsung-Gerät angezeigt wird. Tags können Bildgröße, Standortdaten, eine kleinere Vorschau des Bildes und sogar die Marke und das Kameramodell enthalten.

Herausfinden, welche Kamera welche Fotos aufgenommen hat

In einer kürzlich durchgeführten Untersuchung konnten wir eine Bildersammlung überprüfen, die als die „Byethorne-Ente“ bekannt ist. Die Bilder, die von der RSPCA an „The Advertiser” geliefert wurden, zeigen eine Ente, in deren Kopf ein Messer steckte. Es kam rasch die Vermutung auf, dass die Bilderreihe mittels Photoshop verfälscht worden sei.

Die Byethorne-Ente (Images provided by RSPCA)
Bilder der Ente aus dem Byethorne Park. Images by RSPCA.

Wir untersuchten die Bilder mit dem ExifTool von Phil Harvey und konnten feststellen, dass vier der Bilder (links oben) von einer Kamera aufgenommen wurden, wobei der Rest von einer anderen aufgenommen wurde.

Dieses wurde anhand von Sensormustergeräuschen und statistischen Methoden bestätigt. Wir haben mit Signalverarbeitungsfiltern einen einzigartigen Fingerabdruck aus jedem Bild extrahiert und verglichen, wie sehr sie sich ähneln. Ein hoher Wert zeigt an, dass sie sich sehr ähnlich sind und wahrscheinlich miteinander korrelieren, während ein niedriger Wert darauf hindeutet, dass sie verschieden sind und es unwahrscheinlich ist, dass sie in Verbindung miteinander stehen.

Als wir vier der fünf Dateninformationspakete der Bilder verglichen, erhielten wir weit über 2.000 Merkmale. Vorausgesetzt, sie korrelieren miteinander, können wir sagen, dass die Bilder vermutlich von der gleichen Kamera stammen. Als wir das fünfte Bild testeten, war der Ähnlichkeitswert, den wir erhielten, nahezu bei Null angekommen.

Metadaten Entenbilder (Image by Richard Matthews
Die Metadaten verschiedener Bilder der Byethorne Ente im Vergleich. Sie zeigen zwei verschiedene einzigartige Bildidentifikatoren, die mit einer Smarphone Firmware verknüpft werden konnten. Image by Richard Matthews.

Das spezifische Bild-ID-Feld enthielt auch die Kamera-Firmware-Nummer. Durch Querverweise zur Bild- und Sensorgröße, die ebenfalls in den Metadaten enthalten sind, nahmen wir an, dass entweder ein Samsung Galaxy S7 oder S7 Edge verwendet wurde, um die ersten vier Bilder aufzunehmen und ein Samsung Galaxy S5 für das fünfte Bild genutzt wurde.

In den Metadaten wird außerdem der Zeitpunkt angezeigt, an dem die Bilder aufgenommen wurden. So kann eine Zeitleiste erstellt werden, die besagt, wann die Bilder aufgenommen wurden und von wem sie stammen.

Frequency of PhotosTaken (Image by Richard Matthews)
Die Zeiten, an denen die Bilder gemacht wurden, der jeweiligen Smartphone-Kamera zugeordnet. Image by Richard Matthews

Da die Fotos von zwei verschiedenen Kameras über einen Zeitraum von etwa einer Stunde aufgenommen wurden, ist es höchst unwahrscheinlich, dass die Bilder hätten gefälscht sein können. Ein RSPCA-Sprecher bestätigte, dass er Bilder von der Ente von zwei unterschiedlichen Leuten erhalten hat. Das passt ins Bild. Bisher gab es jedoch nicht genügend Beweise, um die Identität eines Täters zu bestimmen.

Aus einem Bild den Standort einer Person feststellen

Das Kameramodell ist nicht das einzige, was aus den Metadaten bestimmt werden kann. Wir können sehen, wo sich mein Büro befindet, indem ich dieses Bild analysiere, das jemand von einem Stapel Bücher gemacht hat, die sich an meinem Arbeitsplatz befinden.

Bücherregal (Image by Richard Matthews)
Bücherregal (Image by Richard Matthews)
Metadaten Buecherregal (Image by Richard Matthews)
Die Metadaten des Fotos im ExifTool. Image by Richard Matthews.

Die GPS-Koordinaten sind direkt in die Bildmetadaten eingebettet. Durch das Platzieren dieser Koordinaten in Google Maps wird der genaue Standort meines Büros angezeigt. Diese offensichtliche Datenschutz-Angelegenheit erklärt, warum beispielsweise Facebook üblicherweise Metadaten aus hochgeladenen Bildern entfernt.

GPS Daten (Screenshot by Richard Matthews)
Die genaue Standort des Büros von Richard Matthews an der Universität von Adelaide kann durch die Analyse der Metadaten, die das Bild des Bücherregals enthält, herausgefunden werden. Screenshot by Richard Matthews.

Laut einem Facebook-Sprecher werden Informationen, einschließlich der GPS-Daten, automatisch aus den hochgeladenen Fotos entfernt, um Menschen davor zu schützen, „versehentlich private Informationen wie ihren Standort zu teilen“.

Die Zukunft der Bildforensik

Metadaten werden niemals isoliert verwendet. Um sicherzustellen, dass das Bild nicht modifiziert wurde und um die Beweismittelkette aufrechtzuerhalten, ist die Dokumentation oder die Herkunftsangabe, die mit einem Beweisstück zusammenhängt, für die Beglaubigung des Bildes essentiell. Dies wird immer wichtiger für die Polizei.

Zukünftig könnten Werkzeuge, die der Unterstützung der Polizei dienen, beispielsweise Audioaufnahmen (die direkt in die Kamera eingebaut sind), oder ein Wasserzeichen enthalten. Ich baue derzeit die Forschungserkenntnisse aus, die darauf hindeuten, dass jeder Bildsensor (die elektronische Einheit, die das eigentliche Bild aufnimmt) aufgrund der Art, wie er auf Licht reagiert, einen einzigartigen Fingerabdruck hat. Wer das nächste Mal ein Foto macht, sollte dies im Hinterkopf haben.

Und was war nun mit der Ente passiert? Ein Sprecher der RSPCA sagte: „Wir nehmen an, dass das Messer kurz nach Aufnahme der Fotos entfernt wurde. Ein anderes Tier, von dem man dachte, dass sie der Vogel von dem Foto sein könnte, wurde wenige Tage später quicklebendig aufgefunden. Dieser Umstand ließ uns in dem Glauben, dass das Messer nicht tief genug eingedrungen war, um erhebliche Verletzungen zu verursachen.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „St. Johns, Canada“ by Zach Meaney (CC0 Public Domain)

Images by Richard Matthews


The Conversation

Weiterlesen »

Stories: WhatsApp, Instagram und Snapchat im Vergleich

Titelbild-Stories-Applepiloten (adapted) (Image by Julia Froolyks)

Snapchat kann es von Anfang an, Instagram schon länger und WhatsApp-Nutzer können es nun ebenfalls tun: sogenannte Stories erstellen und mit Freunden oder einem anonymen Publikum teilen. Besonders die jüngeren Generationen nutzen Snapchat und Instagram bereits seit deren Erscheinen. Mit der neuen Status-Funktion in WhatsApp kommen nun vermutlich auch ältere Semester mit dem sozialen Tool in Berührung. Doch die Stories-Funktionen sind nicht identisch. Welche App ist in dieser Hinsicht die richtige für euch? Ich erkläre die Unterschiede.

Visuelle Geschichten mit Stories erzählen

Stories Snapchat
Screenshot by Julia Froolyks

Sogenannte Stories sind Bilder-Inhalte, die neben Videos, Fotos und bei WhatsApp auch animierte GIFs enthalten können. Stories bleiben nicht permanent sichtbar, sondern werden nach 24 Stunden wieder gelöscht. Die eigenen Kontakte oder Follower können bis dahin auf Inhalte der Geschichte reagieren und diese kommentieren. So lässt sich eine im besten Fall unterhaltsame Chronologie eines besonderen Ereignisses oder des ganz normalen Alltags-Wahnsinns erstellen.

In Snapchat kann jeder die Stories sehen

Der erste Unterschied zwischen den drei Diensten besteht zuerst einmal in der Auswahl eurer Zuschauer. Während Instagram und Snapchat als soziales Netzwerk durchgehen, ist WhatsApp seit eh und je ein purer Messenger.

In WhatsApp können immer nur die eigenen Kontakte auf gepostete Inhalte in der Status-Leiste zugreifen. Bei Instagram könnt ihr hingegen festlegen, ob die gesamte Community oder ausschließlich eure Follower die Inhalte sehen kann. Außerdem könnt ihr in dem Foto-Netzwerk unliebsame Leser auf Instagram blockieren. Im Vergleich dazu bietet Snapchat keine Möglichkeit, das Publikum zu filtern. Alle, die bei Snapchat angemeldet sind, können eure Inhalte 24 Stunden lang betrachten.

Keine Filter für Status-Update in WhatsApp

Stories
Screenshot by Julia Froolyks.

Weitere Unterschiede der drei Apps bestehen in der Erstellungsphase von Story-Inhalten. Während beim Status-Update von WhatsApp das Bild mit einer Bildunterschrift versehen und zugeschnitten werden kann, müssen etwaige Beschriftungen bei Snapchat und Instagram ausschließlich freihändig skizziert werden.

Die sogenannten Doodle-Zeichnungen können bei Snapchat und WhatsApp zwar farblich angepasst werden. Allerdings bietet Instagram beim Malen auf den Bildern wesentlich mehr Einstellungsmöglichkeiten. So lassen sich dort etwa die Linien in der Dicke anpassen oder mit Leuchteffekten versehen.

Zwar fehlt bei Instagram und Snapchat die Möglichkeit einer Bildunterschrift, dafür bieten beide Apps im Story-Modus eine Fülle an Filtern für Bilder an. WhatsApp verzichtet auf Filter. In allen drei Apps können Emoji und Bilder in den Stories-Beitrag eingefügt werden.

Bei Snapchat ist alles live

Als Manko bei Snapchat bewerte ich die Tatsache, dass keine bereits vorhandenen Bilder oder Videos in die Story gepostet werden können. Hier müssen die Aufnahmen „live“ in der Story erstellt werden. Verständlich wird das nur, wenn man das Posten von aktuellem Material als eigentlichen Kern der Stories-Funktion betrachtet: Schließlich soll sie ein aktuelles Ereignis zeitnah dokumentieren. WhatsApp und Instagram sehen das aber anders und setzen euch nicht unter Zeitdruck. Dort könnt ihr auch Videos, Fotos und GIFs nutzen, die bereits früher erstellt und gespeichert habt.

Mehr Sicherheit bietet WhatsApp

Stories WhatsApp
Screenshot by Julia Froolyks

Sicherheitstechnisch liegt WhatsApp vorn. Weder Snapchat noch Instagram verschlüsseln ihre Inhalte. Hingegen in WhatsApp werden neben dem Chat auch das Status-Update via Ende-zu-Ende-Verschlüsselung geschützt.

Fazit: Euer Geschmack entscheidet

Die Stories-Funktion jeder App hat Stärken und Schwächen. Vorteil von WhatsApp: Da vermutlich die meisten eurer Freunde und Verwandten die App nutzen, könnt ihr eure Stories mit sehr vielen Menschen teilen, die euch besonders nah stehen. Negativ fällt mir bei WhatsApp auf, dass sich Bilder nicht optimal bearbeiten lassen, bevor man sie in die Welt hinausschickt. Ich finde die Handhabung nicht intuitiv.

Bei Snapchat gefallen mir die witzigen und täglich wechselnden Filter sehr. Sobald ihr die Bilder veröffentlicht, kann sie allerdings jeder sehen. Ihr könnt den Kreis der Zuschauer nicht beeinflussen. Zum Glück können die Bilder, die dort entstehen, auf dem Smartphone gesichert werden, und müssen nicht zwingend hinaus in die Welt posaunt werden.

Am meisten Spaß macht die Stories-Funktion natürlich, wenn die Geschichten, die ihr betrachtet, auch wirklich etwas zu erzählen haben. Wer eine sehr große Auswahl an wirklich unterhaltsamen oder originellen Geschichten verfolgen will, ist meiner Meinung nach am besten bei Instagram aufgehoben. Denn dort sind – mehr noch als bei Snapchat – inzwischen viele Unternehmen, Organisationen und Promis unterwegs, die sehr viel Wert auf professionelles Storytelling legen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Applepiloten.


Screenshots by Julia Froolyks


 

Weiterlesen »

Über Verbrecher, Emotionen und Künstliche Intelligenz: Verstehen ist nicht programmierbar

tabletop assistant (adapted) (Image by Matthew Hurst [CC BY SA 2,0], via flickr)

Wie fänden Sie es, sich von einem Roboter therapieren zu lassen? Emotional intelligente Maschinen sind vielleicht nicht so weit weg, wie es scheint. In den letzten Jahrzehnten hat sich die künstliche Intelligenz zunehmend darin verbessert, emotionale Reaktionen beim Menschen zu lesen.

Jedoch ist lesen ist nicht damit vergleichbar, sie wirklich zu verstehen. Wenn die KI selbst keine Emotionen erleben kann, kann sie uns dann jemals wirklich verstehen? Und wenn nicht, gibt es ein Risiko, dass wir Robotern Eigenschaften zuschreiben, die sie nicht haben?

Die jüngste Generation von KIs ist dank größer erreichbaren Datenmengen, mit denen die KIs ihre Fähigkeiten schulen, und ihrer verbesserten Rechenleistung entstanden. Diese Maschinen werden zunehmend wettbewerbsfähiger in Bereichen, die immer als menschlich wahrgenommen wurden. Die KI kann nun unter anderem Gesichter erkennen, Gesichtskizzen in Fotos verwandeln, Sprache erkennen und Go spielen.

Identifizierung von Kriminellen

Vor kurzem haben Forscher eine KI entwickelt, die nur durch Analyse der Gesichtszüge in der Lage ist, zu sagen, ob eine Person kriminell sein könnte. Das System wurde mithilfe von Ausweisbildern aus einer chinesischen Datenbank getestet und die Ergebnisse sind erstaunlich. Nur in etwa 6 Prozent der Fälle kategorisierte die KI Unschuldige fälschlicherweise als Kriminelle, gleichzeitig war sie in der Lage, etwa 83 Prozent der Kriminellen erfolgreich zu identifizieren. Dies führte zu einer erstaunlichen Gesamtgenauigkeit von fast 90 Prozent.

Das System basiert auf einem Ansatz, der als ‚Deep Learning‘ bezeichnet wird und bei Wahrnehmungsaufgaben wie Gesichtserkennung erfolgreich war. In Kombination mit einem ‚Gesichtsdrehungsmodell‘ ermöglicht das Deep Learning der KI, zu verifizieren, ob zwei verschiedene Aufnahmen eines Gesichts dieselbe Person repräsentieren, selbst wenn die Beleuchtung oder der Winkel zwischen den Fotos sich ändert.

Deep Learning baut ein ’neuronales Netzwerk‘, das sich grob am menschlichen Gehirn orientiert. Dieses besteht aus Hunderttausenden von Neuronen, die in verschiedenen Schichten organisiert sind. Jede Schicht wandelt die Daten, beispielsweise ein Bild eines Gesichts, in eine höhere Abstraktionsstufe, etwa einen Satz von Kanten an bestimmten Ausrichtungen und Stellen. Dies unterstreicht automatisch die Merkmale, die für die Durchführung einer bestimmten Aufgabe am relevantesten sind.

Angesichts des Erfolges des Deep Learning ist es nicht verwunderlich, dass künstliche neuronale Netze Kriminelle von Nicht-Kriminellen unterscheiden können – wenn es wirklich Gesichtszüge gibt, mit denen zwischen ihnen unterschieden werden kann. Die Forschung deutet darauf hin, dass man dies an drei Merkmalen erkennen kann. Eines ist der Winkel zwischen der Nasenspitze und den Mundwinkeln, der bei Kriminellen im Durchschnitt 19,6 Prozent kleiner war als bei Nicht-Kriminellen. Die Krümmung der oberen Lippe war für Kriminelle ebenfalls durchschnittlich um 23,4 Prozent größer, während der Abstand zwischen den inneren Winkeln der Augen durchschnittlich 5,6 Prozent schmaler war.

Auf den ersten Blick scheint diese Analyse darauf hinzudeuten, dass veraltete Ansichten, dass Kriminelle durch physikalische Attribute identifiziert werden können, nicht völlig falsch sind. Allerdings ist das womöglich nicht die ganze Wahrheit. Es ist interessant, dass sich zwei der wichtigsten Merkmale auf die Lippen beziehen, die unsere ausdrucksstärksten Gesichtszüge sind. Für Ausweisbilder, wie sie in der Studie verwendet wurden, muss der Gesichtsausdruck neutral sein. Es könnte jedoch sein, dass es der KI gelungen ist, versteckte Emotionen in diesen Fotos zu finden. Diese könnten so gering sein, dass die Menschen sie möglicherweise nicht einmal selbst bemerken.

Es ist schwierig, der Versuchung zu widerstehen, auf die Beispielfotos zu schauen, die in dem Dokument enthalten sind, das noch begutachtet werden muss. Tatsächlich offenbart ein sorgfältiger Blick ein kleines Lächeln auf den Fotos derenigen ohne kriminelle Vergangenheit – sehen Sie selbst. Es sind jedoch nur wenige Musterfotos verfügbar, sodass wir unsere Schlussfolgerungen nicht auf die gesamte Datenbank verallgemeinern können.

Die Stärken der affektiven Datenverarbeitung

Das war nicht das erste Mal, dass ein Computer menschliche Emotionen erkennen konnte. Das sogenannte Feld der „affektiven Datenverarbeitung“ gibt es schon seit mehreren Jahren. Es wird argumentiert, dass, wenn wir in einer uns angenehmen Art und Weise mit Robotern leben und interagieren wollen, diese Maschinen in der Lage sein sollten, die menschlichen Emotionen zu verstehen und angemessen darauf zu reagieren. Es liegt auf diesem Gebiet noch viel Arbeit vor uns und die Möglichkeiten sind riesig.

Zum Beispiel haben Forscher die Gesichtsanalyse verwendet, um Studenten, die sich in computergesteuerten Nachhilfeseminaren schwer taten, herauszufiltern. Die KI wurde ausgebildet, um verschiedene Ebenen von Engagement und Frustration zu erkennen, sodass das System wissen konnte, wann die Schüler die Arbeit zu einfach oder zu schwierig fanden. Diese Technologie könnte nützlich sein, um die Lernerfahrung auf Online-Plattformen zu verbessern.

Das Unternehmen BeyondVerbal nutzte die KI auch, um Emotionen auf Grundlage des Klanges unserer Stimme zu erkennen. Sie haben Software produziert, die die Sprachmodulation analysiert und in der Art und Weise, wie Menschen sprechen, spezifische Muster sucht. Das Unternehmen gibt an, in der Lage zu sein, Emotionen mit einer 80prozentigen Genauigkeit zu identifizieren. In Zukunft könnte diese Art von Technologie zum Beispiel Autisten helfen, Emotionen zu identifizieren.

Sony versucht sogar, einen Roboter zu entwickeln, der in der Lage ist, emotionale Bindungen mit Menschen einzugehen. Es gibt nicht viele Informationen darüber, wie sie das erreichen wollen, oder was genau der Roboter tun wird. Sie erwähnen jedoch, dass sie versuchen, „Hardware und Dienstleistungen zu verbinden, um emotional anregende Erfahrungen zu liefern“.

Eine emotional intelligente KI hat mehrere potenzielle Vorteile, sei es, jemandem ein Freund zu sein oder uns zu helfen, bestimmte Aufgaben durchzuführen – vom Verhören Krimineller bis zur Gesprächstherapie. Doch es gibt auch ethische Probleme und Risiken. Ist es richtig, einen Patienten mit Demenz einem KI-Begleiter anzuvertrauen und zu glauben, dass dieser ein emotionales Eigenleben hat, obwohl das nicht der Fall ist? Und könnte man eine Person auf der Grundlage einer KI, die sie als schuldig klassifiziert, verurteilen? Natürlich nicht. Aber es könnte, wenn ein solches System weiter verbessert und vollständig ausgewertet wird, auf eine weniger schädliche, vielleicht sogar hilfreiche Weise verwendet werden, wenn Personen, die von der KI als „verdächtig“ angesehen werden, fortan genauer überprüft werden.

Was können wir also von der KI erwarten? Subjektive Dinge wie Emotionen und Gefühle sind für die KI immer noch schwer zu erlernen, zum Teil deshalb, weil die KI keinen Zugang zu ausreichend guten Daten hat, um sie objektiv zu analysieren. Wird eine KI beispielsweise jeso etwas wie Sarkasmus verstehen? Ein Satz kann sarkastisch sein, wenn er in einem bestimmten Kontext gesagt wird, aber in einem anderen Kontext ist er es nicht.

Doch die Menge an Daten und Rechenleistung wächst weiter. Mit wenigen Ausnahmen könnte die KI deshalb in den nächsten Jahrzehnten durchaus in der Lage sein, verschiedene Arten von Emotionen genauso gut zu erkennen, wie Menschen das können. Aber ob eine KI jemals Emotionen erleben kann, ist ein kontroverses Thema. Selbst wenn sie es könnten, würde es sicherlich Emotionen geben, die sie niemals durchleben können wird – und das macht es ihnen schwierig, sie tatsächlich zu verstehen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) tabletop assistant by Matthew Hurst (CC BY-SA 2.0)


Weiterlesen »

App-heben mit der iPhone-Drohne: Ghostdrone 2.0 von Ehang im Test

Wenn selbst Action-Cam-Anbieter GoPro mit einer Drohne im Handel landet, heißt das nur eins: Multicopter stehen vor dem Durchbruch im Massenmarkt. Immer mehr Anbieter lassen immer mehr Modelle steigen. Nicht nur für Profis, auch für Konsumenten. Vor allem eine einfache Steuerung soll helfen, die Einstiegshürde zu überwinden. Bei der Ghostdrone 2.0 reichen Touch- und Wischgesten auf dem iPhone und ein Kopfnicken mit einer Videobrille, um mit der vierrotorigen Drohne von Anbieter Ehang durchzustarten. Ist das wirklich so einfach? Als totaler Drohnen-Anfänger habe ich einen Probeflug mit dem Luftgefährt gewagt und mich zudem schlau gemacht, was Einsteiger rechtlich beachten sollten. Noch nie war der Magazin-Titel „Applepiloten“ daher so wörtlich zu nehmen wie bei diesem Test.

Wer braucht eigentlich die Ehang-Drohne?

Aufnahmen aus der Luft sind der wesentliche Einsatzzweck von Multicoptern. Bildjournalisten, Unterhaltungsfilmcrews, Landvermesser oder Bauinspekteure setzen darauf. Im Freizeitbereich sind die Fluggeräte vor allem unter Modellflug-Enthusiasten präsent. Aber auch immer mehr ambitionierte Foto- und Filmbegeisterte entdecken das Genre für sich. Für sie bringen Hersteller wie Ehang gebrauchsfertige Sets aus Copter und Kamera in den Handel. Ehang kommt aus China und tritt gegen die Platzhirsche DJI und Yuneec aus gleichem Lande an. Die Ghostdrone 2.0 ist mit 989 Euro Listenpreis eher im mittleren Preissegment angesiedelt. Der Herausforderer will in Deutschland durchstarten, indem er es der breiten Masse besonders einfach macht. Dazu gehört eine einjährige Vollkasko-Garantie. Geht das Gerät kaputt, weil sich der Pilot zu ungeschickt angestellt hat, repariert oder ersetzt Ehang trotzdem. Damit lässt der Anbieter keinen Zweifel an sein Vertrauen darin, dass eigentlich gar nichts schiefgehen könne. Ihr Werbespruch lautet: „Anyone can fly“.ghostdrone2weissapplepiloten3-1024x683

Vor dem Start

Tatsächlich ist der Multicopter schnell flugbereit gemacht. Akkus der Drohne und der Videobrille aufladen, Ehang Play aus Apples App Store installieren, Propeller handfest anschrauben, einschalten, App koppeln, Anweisungen auf dem Bildschirm folgen – und losfliegen. Vorher die Tutorials im Web oder bei YouTube zu verinnerlichen, kann nicht schaden. Und dann bitte noch einmal kurz innehalten und sich daran erinnern, dass man erwachsen ist: Keine leichtsinnigen Moves! Selbst wenn ihr im Innenraum die benötigte GPS-Verbindung herstellen könnt – ein Teststart im Wohnzimmer ist keine gute Idee. Die Ghostdrone steigt nämlich automatisch zehn Meter hoch. Auch „einfach mal so ausprobieren“ im dicht bebauten Innenhof ist nicht empfehlenswert. Zentimetergenau kontrollieren lässt sich kein Multicopter.

Wo darf ich eigentlich Multicopter fliegen?

Die Auswahl des Fluggeländes erfordert mehr Grips als die Drohne in Betrieb zu nehmen. Multicopter und das deutsche Flugrecht – es ist kompliziert! Um es einfach zu formulieren: Sucht euch eine große freie Fläche abseits von hohen Bäumen, Strommasten, Gebäuden und ähnlichen Hindernissen. Informiert euch im Web über generelle Flugverbotszonen. Über Menschengruppen, fremde Schrebergärten und Privatgrundstücke zu fliegen, ist ebenfalls tabu. Die Ghostdrone wiegt mit rund 1,2 Kilogramm weit unter der Schwellengrenze von fünf Kilogramm. Außerdem gehe ich davon aus, dass euer Einsatzzweck nicht gewerblich ist und ihr unter 100 Metern Flughöhe bleibt. Häkchen bei diesen drei Aspekten bedeutet: Ihr braucht keine behördliche Aufstiegsgenehmigung. Wer sich intensiver mit dem Multicopterfliegen, gar kommerziell, befassen möchte, kann sich zum Beispiel hier und hier bei Workshops fit machen lassen. Eine verständliche Orientierung für Einsteiger bietet die Stiftung Warentest.

Die Drohne mit dem gewissen Touch: App geht der Flug!

Wenn die Propeller hochfrequent rotieren und das Gras sich in deren Fahrtwind bewegt, kriege ich plötzlich einen Heidenrespekt. Mit einem Spielzeug hantiere ich da gerade definitiv nicht herum. Zum Glück könnte die Bedienung tatsächlich einfacher nicht sein. In die Tasten und Joysticks eines ehang_play_bkl_applepiloten2-169x300physischen Controllers muss ich mich nicht einfuchsen. Damit liefert Ehang die Ghostdrone 2.0 gar nicht erst aus. Flugkommandos gebe ich im „Touch-to-Go-Modus“ per Fingerbedienung im Interface der iOS-App. Die Ansicht ähnelt einer Navi-App wie Google Maps. Zum Starten drücke und wische ich einmal. Um die Drohne zu navigieren, tippe ich zweimal auf einen beliebigen Punkt der eingeblendeten Karte und sie fliegt dorthin. Dies alles quittiert die Ehang-App mit einer akustischen Sprachausgabe auf Deutsch. Nicht perfekt lokalisiert, aber verständlich genug. Nach drei Touren dieser Art schaltet die App den „Avatar“-Modus frei. Dann kann ich den Multicopter manuell fliegen. Dazu halte ich das iPhone flach vor mir. Neige ich es zu einer Seite, folgt die Drohne am Himmel dem Signal des Bewegungssensors. Drehe ich mich oder das iPhone um meine Körperachse, fliegt auch der Multicopter nach links oder rechts. Das klappt auf Anhieb, aber für einen flüssigen Flug brauche ich definitiv mehr Übung.

Was ist das für 1 Video-Steuerung?

Sobald sie abhebt, zeichnet die Kamera der Ghostdrone automatisch ein Video in 4K-UHD (3840 x 2160 Pixel) auf einer microSD-Karte auf. In der App kann ich die Aufnahme händisch unterbrechen oder fortsetzen und auch Einzelfotos in einer Auflösung von 16 Megapixel schießen. Das Kamerabild lässt sich live in der Videobrille kontrollieren. Es wird leider per analogem Funk in völlig unzeitgemäß niedriger VGA-Auflösung übertragen. Die Älteren unter uns erinnern sich noch an derartig aufgelöste Röhrenfernseher. Auf der IFA erklärte mir Ehang-Geschäftsführer Matthias Hagedorn, dass die Videobrille in einer der nächsten Generationen höher aufgelöst werden soll. Cool: Neige oder hebe ich den Kopf mit der Videobrille vor den Augen, senkt oder hebt sich auch die Ghostdrone-Kamera. Seitlich schwenken kann ich sie aber nicht. Das wiederum geht nur über einen Regler in der App. Und diese Trennung ist völlig unverständlich. Brille und App gleichzeitig bedienen darf ich nämlich gar nicht. Der Gesetzgeber verlangt, dass Piloten ihre Drohne nie aus den Augen verlieren. Daher muss also ein Video-Operator mit der Brille einem iPhone-Piloten Schwenkanweisungen geben. Wie soll das in der Praxis bitte vernünftig gehen?berti_ehang_ghostdrone2_applepiloten-3-1024x768 Hoffentlich bessert Ehang hier nach und verbaut eine komplette Kopfsteuerung in der idealerweise höher aufgelösten Videobrille. Eine interessante Alternative haben gerade Epson und DJI mit der Drohnen-Steuerung per Augmented-Reality-Brille vorgestellt. In der jetzigen Lösung kann Ehang aber nicht auf die Videobrille verzichten. Sie ist ein zentrales Bindeglied und leitet die WLAN-Signale vom iPhone per Funk an die Ghostdrone weiter.

Der 30-Minuten-Spaß

Stundenlang über malerischen Landschaften schweben – das geht derzeit mit noch keinem Multicopter. Wie bei vergleichbaren Geräten auch, ist der Akku der Ghostdrone nach weniger als einer halben Stunde leer. Die App fordert mich rechtzeitig zum Landen auf. Beruhigend: Ohne meine Reaktion würde sie letztlich selbsttätig zum Ausgangspunkt zurückkehren. Das täte sie übrigens auch, wenn die Funkverbindung abbräche.

Videos lieber von der Speicherkarte laden

Hat man keinen Ersatzakku dabei, währt das Flugerlebnis an sich also recht kurz. Für Filmer beginnt erst hinterher die richtige Arbeit, wenn es ans Sichten und Bearbeiten der Videoaufnahmen geht. Ich kann Foto, aber kein Video. Von daher ist mein ungeschnittenes Erstlingswerk so langweilig, dass es vielleicht doch schon wieder Kunst sein könnte.

Die Aufnahmen kommen auf zwei Weisen von der Kamera herunter. Über die Ehang-App kann ich per WLAN darauf zugreifen, aufs iPhone laden und gleich auf den Apple TV streamen. Aber Moment mal, wieso ist das Video denn so pixelig? Aha, weil bei diesem Verfahren nur ein niedrig aufgelöstes Vorschauvideo übertragen wird. Die „große“ UHD-Version kann ich nur per Speicherkarte auf den Mac ziehen.

Fazit

Eine Drohne mit dem iPhone steuern? Mein erster Einsatz als „Applepilot“ war aufregend und faszinierend zugleich. Die Steuerung ist so einfach, wie Hersteller Ehang es verspricht.berti_ehang_ghostdrone2_applepiloten-5-300x225 Trotzdem wurde mir bewusst, dass die Drohne kein Spielzeug ist und ich große Verantwortung übernehme, wenn ich sie im öffentlichen Raum verwende. Jederzeit aufmerksam zu sein, ist unerlässlich. Flüssige Flugmanöver und gleichzeitig noch schöne Videoaufnahmen machen – das ist anspruchsvoll. Die Videobrille ist ein nettes Gimmick. Wegen der geringen Auflösung und der eingeschränkten Bewegungssteuerung macht sie nur begrenzt Freude. Die Kamera über die Videobrille und die App zu bedienen, ist umständlich gelöst. Wer großen Wert aufs Filmen legt, wird sich mehr Präzision wünschen. Ich bin gespannt, inwiefern es der Ehang Ghostdrone 2.0 gelingen wird, ihre Nische zu finden. Für die Masse der Konsumenten dürften der immer noch sehr hohe Kaufpreis und die kurze Akkulaufzeit große Hürden sein. Und Videoprofis dürften sich sicher präzisere und flexiblere Lösungen wünschen. Um erste Erfahrungen zu sammeln, ist die Ehang Ghostdrone 2.0 für Multicopter-Einsteiger jedoch eine gute Wahl.


Dieser Artikel erschien zuerst auf „Applepiloten“ unter CC BY-ND 4.0.


Images & Video by Berti Kolbow-Lehradt


Weiterlesen »

FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
  • VW Handelsblatt: Neue Vorwürfe gegen Volkswagen: Erneut gerät VW im Abgasskandal unter Druck. Die EU-Kommission beschuldigt VW in einem Medienbericht zufolge, in 20 EU-Ländern gegen Verbraucherschutzgesetze verstoßen zu haben. VW will sich dazu nicht weiter äußern. Analysten schätzen, dass die Aufarbeitung des Skandals um manipulierte Abgaswerte den Konzern am Ende insgesamt zwischen 20 und 35 Milliarden Euro kosten wird.
  • Apple Die Welt: Das neue iPhone soll keinen Kopfhöreranschluss mehr haben: Am 7.September stellt Apple das neue iPhone vor und es könnte erstmals der Anschluss für Kopfhörer fehlen. Man hat auf den bisher veröffentlichten Fotos keinen Kopfhöreranschluss gesehen. Zukünftig sollen die Kopfhörer im Apple-Ökosystem nur noch per Funk oder über Apples eigenen Lightning-Stecker angeschlossen werden können. Dies könnte zukünftig ein Problem für viel Nutzer werden.
  • SAMSUNG HORIZONT: Samsung startet Umtauschaktion für Galaxy Note 7: Nachdem Samsung den Verkauf des neuen Vorzeigemodell Galaxy Note 7 gestoppt hat, kann man nun das Smartphone wieder kostenlos zurückgeben und gegen ein neues umtauschen. Die Geräte wurden vom dem südkoreanischen Technologieunternehmen aus dem Verkehr gezogen, nachdem es vermehrt Fälle von Akkubrand gab. Das Galaxy Note 7 wurde erst vor zwei Wochen in den USA und etlichen anderen Ländern auf den Markt gebracht. Was genau das Problem verursachte, ist bisher nicht bekannt.
  • E-BIKES SPIEGEL ONLINE: Kaufprämie für E-Bikes: Verkehrsklubs fordern Subventionen von bis zu 4000 Euro: Nachdem nun die E-Autos Prämien bekommen sollen, fordert der Verkehrsklub Kaufprämien für E-Bikes. Weil das E-Bike oder Pedelec das Fahrradfahren bequemer und schneller macht, lassen die Menschen ihr Auto stehen. Die Folge wären, dass es weniger Verkehr gäbe und bessere Luft für alle. Die Prämie soll aber nur für E-Bikes gelten, die auch einen gewissen Zweck erfüllen.
  • BEATS heise online: Monster-Klage gegen Beats-Gründer ist gescheitert: Einst waren Noel Lee und seine Firma Monster Geschäftspartner von Beats und dessen Gründern. Nachdem Lee hinausgedrängt wurde und Apple Milliarden für Beats zahlte, fühlte sich Lee über den Tisch gezogen. Er wollte gegen den Beats-Gründer klagen, doch nun ist die Klage gescheitert, da der Richter keine Anspruchsgrundlage fand.
Weiterlesen »

Law and Order and Robots: Wie Geschworene den Tatort virtuell besichtigen können

polizei-image-by-bykstcc0-via-pixabay

Geschworene dürfen nur selten Tatorte besichtigen. Es gibt Ausnahmen, meist in schwierigen, namhaften Fällen wie die O.J. Simpson-Verhandlung im Jahr 1995 in den USA und der Fall Jill Dando im Jahr 2001 in Großbritannien. Doch Geschworene zu bitten, zu Ermittlern zu werden, birgt eine Vielzahl an Problemen – von möglicher Voreingenommenheit bis hin zu logistischen und sicherheitstechnischen Herausforderungen des Transports an den Tatort. Eine Ortsbesichtigung der Geschworenen im Fall Dando erforderte einen Konvoi von fünf Fahrzeugen, um die Geschworenen, die Anwälte, den Richter und die dazugehörige Polizeieskorte vorbei an Polizeibarrikaden und Nachbarn, Journalisten sowie anderen Schaulustigen an den Tatort zu transportieren. Es wurde ein regelrechtes Medienspektakel daraus. Doch die sich rapide weiterentwickelnde Technologie in den Bereichen Bildgebung, Robotik und künstlicher Intelligenz kann diese Problematik möglicherweise vermeiden, indem sie die Richter und Geschworenen virtuell an den Tatort teleportiert, ohne dass sie den Gerichtssaal dafür verlassen müssen. Diese Besichtigungen können den Geschworenen dabei helfen, die Strafverfolgung und die Verteidigung zu beurteilen. Im Mordprozess des Musikproduzenten Phil Spector im Jahr 2007 argumentierte die Verteidigung beispielsweise, dass ein großer Springbrunnen am Ort des Geschehens die Ursache dafür sei, dass ein Zeuge, der gehört haben wollte, wie Spector sich des Verbrechens bekannte, sich ebensogut verhört haben könne. Indem sie den Ort besuchten, konnten die Geschworenen beurteilen, wie wahrscheinlich dies war, und außerdem ein besseres Verständnis dafür gewinnen, wie die Abfolge der Ereignisse gewesen sein muss. Doch wenn die Geschworenen einen Tatort besuchen, dann kann es sein, dass dieser nicht in demselben Zustand ist wie am Tag des Verbrechens. Im Simpson-Prozess gab es zum Beispiel schwerwiegende Beschwerden, dass die Szenerie inszeniert und Gegenstände neu arrangiert worden seien. Und je länger ein Verbrechen her ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Gegebenheiten am Tatort sich verändert haben. Die Gerichte haben sich traditionell auf kriminaltechnische Abteilungen verlassen, um visuelle Beweise im Gericht zu erbringen. Eine Alternative wäre, die Tatorte selbst zu besuchen. Ermittler der Spurensicherung sammeln und benutzen Beweise, um die präzise Abfolge der Ereignisse, die sich während eines Verbrechens abspielten, nachzubilden. Teile dieses Rekonstruktionsprozesses sind Fotografien und Skizzen, letztere hauptsächlich handgefertigt. Fotos vermitteln ein eingeschränktes Bild des Tatorts und bewegen sich innerhalb des Sichtfelds des Fotografen und unterliegen seiner Interpretation des Schauplatzes und der Wichtigkeit, die er verschiedenen Beweismitteln zuschreibt. Videos können mehr Details des Schauplatzes wiedergeben, sie liefern aber ebenso ein eingeschränktes Sichtfeld für den Betrachter. Zeichnungen und Lagepläne legen die Szenerie in einer Art und Weise dar, wie es weder Fotos noch Videos vermögen. Sie bieten einen generellen Überblick des Schauplatzes sowie der präzisen Lage der Beweisstücke. Doch auch sie vermitteln naturgemäß ein weniger realistisches Bild des Tatorts, da sie sogar noch stärker der Interpretation des Zeichners unterliegen. Gleichzeitig können Fotos und Videos in 3D-Computer-Animationen verwandelt werden, aber dennoch bleiben sie subjektiv und können – je nachdem, durch welche Seite sie präsentiert werden – sogar für den spezifischen Fall angepasst worden sein.

Immersive Beweise

Wie dem auch sei, es gibt aufkeimende neue Technologien, die es Tatortermittlern ermöglichen können, ein deutlich umfassenderes und repräsentativeres Bild des Tatorts einzufangen und zu übermitteln, indem sie 3D-Bildverarbeitung, Panorama-Videos, Robotik und virtuelle Realität einsetzen. Beispielsweise nutzen Forscher der Universität Staffordshire unter der Leitung von Caroline Sturdy Colls Greenscreens, Videospiel-Software und die neuesten Virtual-Reality (VR)-Headsets (unter anderem Oculus Rift und HTC Vive), um digital virtuelle Tatorte abzubilden. Die Geschworenen könnten durch die 3D-Welten spazieren und unverzichtbare Details der Szenerie untersuchen. Anders als ein bearbeitetes Video, das produziert wird, um die Geschworenen zu überzeugen, ist diese Form des Beweises eine einfache Dokumentation des Schauplatzes. Natürlich erfordert dies, dass diejenigen, die die Daten sammeln, objektiv das Geschehen dokumentieren und es weder inszenieren noch verfälschen. Eine Problematik der 3D-Abbildungen und computergenerierten Simulationen auf Basis virtueller Realität ist, dass sie teure Headsets und hochspezifische Computer benötigen. Die VR-Systeme der ersten Generation wie HTC Vive (759 britische Pfund), PlayStation VR (350 britische Pfund) und Oculus Rift (549 britische Pfund) haben einen sehr hohen Anschaffungspreis gemein – und keines von ihnen funktioniert ohne einen entsprechenden VR-fähigen Computer oder eine Konsole. Um dieses Problem zu lösen, entwickeln meine Kollegen und ich an der Universität Durham ein Robotersystem, das vom Mars Rover der NASA inspiriert ist, und das umfassendes Videomaterial von Tatorten sammeln kann. Dieser MABMAT nimmt 360 Grad-Videos und -Fotos auf, die auf jedem Computer oder Smartphone mit einer passenden App abgespielt werden können. Mit einem einfachen Adapter-Headset wie dem Google Cardboard für 10 britische britische Pfund kann eine ähnliche VR-Erfahrung kreiert werden wie es die oben genannten Technologien können – jedoch zu einem Bruchteil der Kosten. Es ist kein Rendern der 3D Grafiken nötig, auch keine leistungsstarken Computer, und dennoch fängt es die akkuratesten Bilder des Tatorts aus jeder Perspektive ein. Die Benutzer können ihren Kopf drehen, nach oben und unten schauen, sowie hinein- und herauszoomen. Nicht nur, dass diese Systeme den Geschworenen im Gerichtssaal behilflich sein können, sie können darüber hinaus den Ermittlern ermöglichen, den Tatort jederzeit wieder in dem Zustand zu besuchen, in dem er zum Zeitpunkt der ersten forensischen Untersuchung war. Die Informationen können auf drei verschiedene Arten gesammelt werden: Ein Tatortermittler könnte einen vordefinierten Pfad für den Roboter vorgeben, der von dort aus HD-Bilder und-Videos aus einer 360 Grad-Perspektive aufnimmt. Er könnte auch durch eine Fernbedienung, ein Smartphone oder ein Tablet via Bluetooth gesteuert werden. Der Roboter könnte ebenso mithilfe von Ultraschall, Bewegungs- und Infrarot-Sensoren ganz alleine innerhalb des Tatorts navigieren und Bilder sowie Videos aufnehmen. Das komplette Setup kommt auf einen Gesamtpreis von nur 299 britische Pfund – und die Kosten dürften künftig sogar noch sinken, wenn erschwingliche Open Source Roboter-Kits rund um günstige Computersysteme wie Raspberry Pi und Arduino gebaut werden. Eine andere Entwicklung könnte der Einsatz von Googles Tango-Projekt sein, das 3D-Bilder von Schauplätzen und Umgebungen in Echtzeit rendern kann, und somit Tatort-Skizzen ersetzen könnte. Auf diese Weise könnte eine umfassende Erfahrung mit Bewegungsverfolgung kreiert werden, die die präzise Distanz zwischen Objekten und Positionen der Beweismittel am Tatort hervorhebt. Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „polizei“ by bykst (CC0)


Weiterlesen »

Snapchat kann verändern, wie wir uns erinnern

Snapchat (adapted) (Image by Maurizio Pesce [CC BY 2.0] via Flickr)

Die sozialen Medien haben sich verändert. Nach zehn Jahren der Nutzung geht es in unseren Facebook-, Twitter- oder Instagram-Profilen nicht mehr nur um den aktuellen Moment oder um schnelle Verbindungen. Statt einfach unsere momentanen Gedanken und Erlebnisse zu verbreiten, sind diese Plattformen zu einem biografischen Archiv unserer Leben geworden, indem sie unsere Fotos speichern und aufzeichnen, wo wir waren und mit wem. Das Resultat dieses Archivierens ist, dass die sozialen Medien nunmehr eine neue Rolle in der Art und Weise, wie wir uns an Dinge erinnern, einnehmen.

Selbst die flüchtigste aller Social-Media-Plattformen, Snapchat, wird mit dem Start seines neuen Features nun Teil des Archivierungsprozesses. Bis jetzt war Snapchats Alleinstellungsmerkmal, dass die gesendeten Bildnachrichten innerhalb von Augenblicken nach dem Senden wieder verschwanden. Mit der neuen Funktion ist es jetzt möglich, „eine persönliche Sammlung Ihrer Lieblingsmomente“ (also Archivbilder, die mit dem Smartphone aufgenommen wurden) aufzubauen, die privat gehalten oder geteilt werden kann.

Der Soziologe Mike Featherstone argumentierte, dass der Mensch einen mächtigen Impuls zum Archivieren habe. Dies sehen wir sogar in der Geschichte des modernen Staates, der heute große Mengen an Informationen über das Leben der Menschen einfangen und sammeln möchte. Smartphones und das Internet bedeuten, dass wir diesem Drang nun innerhalb unseres alltäglichen Lebens gerecht werden können.

Wenn wir uns also mehr und mehr auf die sozialen Medien verlassen, um unsere Erinnerungen zu archivieren, wie wird dies verändern, wie wir uns erinnern? Mit der Zeit werden immer mehr Leben in diesen Profilen festgehalten werden. Wenn wir uns unserer Leben erinnern wollen, und der Leben derer, mit denen wir verbunden sind, werden wir uns unvermeidlich an die Daten wenden, die in diesen Archiven der sozialen Medien gespeichert sind. Unsere Erinnerungen könnten dann dadurch geformt werden, wie wir uns entschieden, in unseren sichtbaren Social-Media-Profilen zu teilen – oder in weniger zugänglichen Orten, die durch unsere Privatsphäre-Einstellungen geregelt werden (wie es in der Erinnerungen-Funktion möglich ist).

Featherstone argumentierte außerdem, dass ein Archiv – als ein Ort, an dem Dokumente gesammelt und klassifiziert werden – „ein Platz für das Kreieren und Überarbeiten von Erinnerungen sei. Was wir in unsere Social-Media-Profile stecken und wie wir es klassifizieren, wird dann formen, an was sich erinnert und wie auf diese Erinnerungen zurückgegriffen wird. Zum Beispiel beeinflussen die Tags und Labels, die wir unseren online gespeicherten Medien zufügen, wie wir uns an diese Gegebenheit und die Menschen, die dabei waren, später erinnern werden. Unsere Social-Media-Profile sind gefilterte Versionen unserer Leben, die eine verwaltete Rolle wiederspiegeln, sodass von der Erschaffung eines Archivs auszugehen ist, das bestimmte Typen favorisierter Erinnerungen enthalten wird, die dieser Rolle entsprechen.

Social Media über die Vergangenheit

Da wir uns zunehmend auf die sozialen Medien als Archiv verlassen, wird sich die Art und Weise, wie wir ihnen Inhalte hinzufügen, unvermeidlich ändern. Wir werden nicht mehr nur im Moment posten, sondern immer auch ein Auge auf die Zukunft haben. Wir werden darüber nachdenken, wie unsere Inhalte rezipiert werden, und uns vorstellen, wie es als Grundlage dienen wird, wenn wir von einem unbekannten Punkt in der Zukunft aus auf unsere Vergangenheit zurückschauen möchten. Wir würden beispielsweise über unseren Urlaub in einer Art und Weise posten, wie wir uns wünschen, eines Tages darauf zurückblicken zu wollen. Es wird verändern, wie wir die sozialen Medien nutzen, um einen Moment oder eine Zeitspanne in unserem Leben speichern.

Gelöbnis an die Zukunft“. Wir fällen Urteile darüber, was wir einschließen und mit welchen Tags wir Dinge versehen wollen, basierend darauf, wie wir uns vorstellen, dass es in Zukunft genutzt werden wird. Wenn die Leute also Snapchat oder ähnliche Services nutzen, dann werden sie die Inhalte basierend auf einer Vision davon gestalten, wie sie sie in der Zukunft zum Wecken von Erinnerungen werden nutzen wollen.

Dieser Einsatz der sozialen Medien für das Erinnern – mit unseren Profilen als individuelle und kollektive Archive unserer Leben – bedeutet, dass die kreierten Inhalte unsere zukünftigen Erinnerungen formen werden. Diese Erinnerungen werden durch die Wahl, die wir darüber treffen, was wir in unsere Profile einfügen, erschaffen und bearbeitet. Sie stellen außerdem ein Produkt dessen dar, wie wir uns diese Denkmalsetzung für die Zukunft vorstellen. Sozialen Medien mag es um das Teilen unserer Leben und um das Verbinden mit Netzwerken gehen, doch diese neuen Funktionen bedeuten, dass sie eben auch auf einem „Gelöbnis“ an zukünftige Erinnerungen basieren.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Snapchat“ by Maurizio Pesce (CC BY 2.0)


Weiterlesen »

Insta-Urlaub oder Analogferien: Was verpassen wir, wenn wir unsere Erinnerungen inszenieren?

Frau Samsung Alpha (Image by Firmbee [CC0 Publoic Domain], via Pixabay

Auf einer Konferenz vor wenigen Wochen prophezeite Nicola Mendelsohn, die Geschäftsführerin von Facebook, dass die sozialen Netzwerke in fünf Jahren „vollständig aus Videos“ bestehen würden. “Wir sehen von Jahr zu Jahr eine Abnahme des Textanteils“, sagte sie. „Wenn ich wetten müsste, würde ich sagen: Video, Video, Video.“ Unterdessen berichtete ein Artikel in der New York Times jüngst über das Leben einer Gruppe junger Partylöwen – dem „Snap Pack“ – die ihre Nächte um das Knipsen von Fotos herum planen, die mit ihren Followern geteilt werden können. Der Reporter erklärte:

Für sie ist das Schießen von Fotos und Drehen von Videos für Instagram und Snapchat nicht eine Möglichkeit, um die Partynacht in Erinnerung zu behalten – es ist das Hauptevent der Nacht.

Diese beiden Geschichten zielen beide auf das gleiche Ergebnis ab: Bilder kommen an die Macht. Bilder sind zunehmend entscheidend für die Kommunikation mit anderen geworden, sie erhalten Aufmerksamkeit und dokumentieren neue Erlebnisse. Und obwohl es so scheint, als würde eine Flut von Farben, Pixeln, Gesichtern und Landschaft unsere Vorstellungskraft nur bereichern und zu einer Steigerung unseres Engagements für die Welt führen würde, ist wohl das Gegenteil der Fall.

In ihrem Artikel „Instagram is Ruining Vacation“ beschreibt die Journalistin Mary Pilon, wie eine Gruppe Touristen bei einer Besichtigung eines Tempels in Kambodscha so beschäftigt damit war, das perfekte Bild einzufangen, das sie anschließend in den sozialen Netzwerken teilen konnten, dass ironischerweise infolgedessen „niemand wirklich präsent war“.

Tatsächlich ist dieser zwanghafte Drang, sich unmittelbar elektronisch auszustellen, ein Phänomen, das durch unser digitales Zeitalter auf einzigartige Weise möglich gemacht wird. Ja, es liegen Vorteile in der Fähigkeit, mehr Bilder mit einem größeren Publikum zu teilen. Aber der Impuls, unaufhörlich zu dokumentieren und zu posten, ist wichtiger geworden als sich zu konzentrieren und auf direkte menschliche Kontakte einzugehen. Während es schwierig sein kann, diesen Wandel genau zu messen, beginnen Forscher in vielen verschiedenen Disziplinen, die Konsequenzen dessen zu sehen und zu verstehen.

Das Leben in einer selbstreflektierenden Blase

Wie die Psychologin Sherry Turkle in „Alone Together“ schreibt, „ist das Leben in einer Medien-Blase ganz naürlich geworden“ im 21. Jahrhundert. Mit der Hilfe unserer Handys und Computer sind wir, egal wo wir oder bei wem wir sind, konstant mit anderen vernetzt und stehen mit ihnen in Interaktion. Aber das Aufnehmen von Fotos und Erstellen von Videos sind ein zentraler Teil dieses digitalen Wandels geworden.

Psychologie-Professor John R. Suler interpretiert das ständige Fotografieren und Teilen der Fotos als Streben nach Aufmerksamkeit. Er schreibt:

Wenn wir Fotos teilen, hoffen wir, dass andere die Facetten unserer Identitäten, die wir in diese Fotos hineinbetten, wertschätzen. Zu wissen, dass andere die Bilder sehen können, gibt ihnen mehr emotionale Macht. Durch Rückmeldung anderer kommt sie uns greifbarer vor.

Auf der Suche nach digitaler Bestätigung werden sogar normale Erlebnisse Futter für Fotos. Anstatt präsent zu bleiben – also einfach dort zu sein (und tatsächlich wahrzunehmen), wo wir sind – geht unser Impuls dahin, alle erlebten Erfahrungen als eine Möglichkeit, uns selbst zu repräsentieren und visuell herauszuheben, zu vermarkten. Eine Sache, die bezüglich dieser Art von beständiger Dokumentation beunruhigend ist, ist der schmale Grat zwischen Repräsentation oder Ausdruck und – wie beim „Snap Pack“ – dem Vermarkten oder der Kommerzialisierung des täglichen Lebens.

Persönliche Foto-Sammlungen, wie sie durch Anwendungen wie Instagram und Facebook publiziert werden, laufen Gefahr, ein Werkzeug der Selbstdarstellung zu werden. Öffentliche Rückmeldung für jedes gepostete Foto kann von den Nutzern permanent gemessen werden. Sie könnten sich möglicherweise sogar ermutigt fühlen, die visuelle Repräsentation ihres eigenen Lebens zu optimieren, um die positiven Reaktionen zu verstärken. “Jeder Narzisst braucht einen reflektierenden, spiegelnden Teich. Genauso wie Narziss in den Teich schaut, um seine Schönheit zu bewundern, sind soziale Netzwerke wie Facebook zu unserem modernen Teich geworden“, schrieb Tracy Alloway, eine Psychologie-Professorin an der University of North Florida.

Im Jahr 2014 untersuchten sie und ihr Team in einer Studie die Beziehung zwischen der Nutzung von Facebook und Empathie. Sie fanden heraus, dass, während es durchaus Elemente der sozialen Medien gibt, die soziale Verbindungen stärken, die bildbasierten Merkmale der Plattformen – also die Möglichkeit, Fotos und Videos zu teilen – vor allem unsere Selbstabsorption nähren.

Kreativität benötigt Konzentration

Sich aber immer wieder von unseren reellen Erlebnissen loszureißen, um das Smartphone rauszuholen – und dann den richtigen Ausschnitt zu finden, ihn zu fotografieren, zu filtern und zu posten – hat den gegenteiligen Effekt auf das Unterbrechen des Fokus. Mit den Begriff des Fokus ist nicht nur die Fähigkeit, genau zu beobachten, gemeint, sondern auch die Gabe, sich zu konzentrieren und ein besonderes Maß an Aufmerksamkeit aufzuwenden.

In seinem Buch „The Shallows: What the Internet Is Doing to Our Brains“ reflektiert Technikjournalist Nicholas Carr über Neuroplastizität, die Fähigkeit unserer neuralen Verschaltungskreise also, sich als Antwort auf Stimuli zu verändern. Besonders konzentriert er sich darauf, wie sich unsere Gehirne als Antwort auf die unablässige Beschäftigung mit der digitalen Technologie entwickelt haben. Über das Internetsurfen schreibt er: „Häufige Unterbrechungen zerstreuen unsere Gedanken, schwächen unser Gedächtnis und machen uns angespannt und nervös.“ Genauso drohen wiederholte Unterbrechungen, um Bilder zu posten und deren Rezeption zu verfolgen, unsere Aufmerksamkeit zu stückeln und unsere Nervosität zu steigern. Schließlich riskieren wir es, dass uns andere Aspekte unserer Umgebung und Erfahrungen entwischen. Während wir im Multitasking besser werden, wird unsere Fähigkeit, uns über längere Zeiträume zu konzentrieren, geschwächt.

Carr fährt fort: “Die mentalen Funktionen, die den Gehirnzellenkampf um das Überleben des Tüchtigsten verlieren, sind diejenigen, die ruhige, lineare Gedanken unterstützen – diejenigen, die wir benutzen, um einer langen Geschichte oder einer komplexen Diskussion zu folgen, von denen wir zehren, wenn wir unsere Erlebnisse reflektieren oder über ein äußerliches oder innerliches Phänomen nachdenken.”

In anderen Worten scheint die Aufmerksamkeit, die wir ständig durch notorisches Teilen von Fotos stärken, sich auf Kosten von der Art von Aufmerksamkeit zu entwickeln, die wir benötigen, um uns beispielsweise mit Büchern zu beschäftigen. Sven Birkerts, der Autor von „Changing the Subject: Art and Attention in the Internet Age” verbindet Literatur mit Konzentration und besteht darauf, dass “Kunstwerke Leistungen der Konzentration“ seien. “Vorstellungskraft”, fährt er fort, “ist das Instrument der Konzentration”.

Eine Empathie-Lücke?

In einer Studie aus dem Jahr 2013, die von Schriftstellern bejubelt wird, berichteten Forscher von der New School for Social Research von einer Korrelation zwischen dem Lesen von Romanen und erhöhter Empathiefähigkeit. Es ist wahrscheinlich, dass viele Literaturlehrende (inklusive mir selbst) mit einem Schulterzucken reagierten, da die Studie nur bestätigte, was wir schon immer gesagt haben. Literarische Werke geben uns die Möglichkeit, gedanklich in den Erfahrungen anderer Persönlichkeiten aus dieser Welt zu verweilen (statt nur eines flüchtigen Blickes oder eines schnellen Durchscrollens). Diese Möglichkeit können wir aber nur ergreifen, wenn wir fähig sind, Aufmerksamkeit zu schenken – wenn wir es uns selbst erlauben, lange genug zu zögern, um zu absorbieren, was wir beobachten.

Während diese spezielle Studie eher negative Resonanz erhielt, wurde mir und meinen Studenten durch die ruhige Beschäftigung mit Prosa, Poesie und sogar Fotografie ermöglicht, einige Erlebnissen zu untersuchen. Es zwang uns außerdem, uns bewusst darauf zu konzentrieren, welche Rolle diese Erfahrungen in Beziehung zu aktuellen Events spielen.

Ich denke zum Beispiel an das vielgelobte Buch „Citizen: An American Lyric“ von Claudia Rankine, das sowohl Bilder als auch Text verwendet, um bei der Realität von gegenwärtigem Amerikanischen Rassismus in seinen unzähligen Formen zu verweilen – und die Leser dazu drängt, Bilanz zu ziehen aus den Ungleichheiten, die unsere Gegenwart aufbauen.

“Mit zunehmender Erfahrung”, stellt Birkerts fest, “glaube ich, dass Kunst – mittels der Vorstellungskraft – der nötige Konter zur unserer informationsüberschwemmten Krise ist.” Wenn wir zu beschäftigt damit sind, Fotos aufzunehmen und zu bewerben, oder wenn wir zu zerstreut sind, weil wir die Photostreams anderer durchgehen, ist es sehr unwahrscheinlich, dass wir aus unserem Leben in der Medien-Blase auftauchen.

Wir werden verpassen, was um uns herum passiert. Und wir werden nicht dazu fähig sein, der Welt die Empathie und Aufmerksamkeit zu geben, die sie benötigt und verdient.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Frau Samsung Alpha“ by Firmbee (CC0 Public Domain)


Weiterlesen »

„Wenn Journalisten etwas nicht zeigen dürfen, macht mich das wütend!“

Dominic Nahr (Image by Berti Kolbow-Lehradt)

Beim Lumix Festival für jungen Fotojournalismus in Hannover zeigt derzeit der preisgekrönte Fotoreporter Dominic Nahr (33) Südsudanesen auf der Flucht vor der Gewalt. Er dokumentiert die Ereignisse, weil es fast niemand sonst tut, und die Welt sehen soll, was auf ihr passiert. Geschönte Bilder lehnt er ab. Journalisten Aufnahmen vorzuenthalten – wie derzeit bei der EM – geht für ihn gar nicht. Im Interview sprachen wir mit ihm darüber, was Bildjournalisten zeigen müssen und was sie nicht dürfen.

Berti Kolbow-Lehradt (BK): Du kommst gerade aus dem vom Bürgerkrieg geschüttelten Südsudan zurück. Im Fernsehen wird gerade die Fußball-EM zelebriert. Ist dieser Kontrast für dich seltsam?

Dominic Nahr (DN): Ich schaue praktisch nie fern und lese auch kaum Zeitung oder Internet. Das mache ich ganz bewusst. Sonst wäre es wohl sehr frustrierend, wenn ich mitkriegte, wie wenig Interesse die Menschen am Not anderer haben. Dass die EM läuft, habe ich bislang nur am Rande wahrgenommen.

BK: Hast du auch von dem Streit um die TV-Bildauswahl bei der EM erfahren, die deutsche Journalisten kritisieren?

DN: Von den nicht gezeigten Hooligan-Ausschreitungen im Stadion? Ja. Das ist krass! Meinungsfreiheit ist mir heilig. Ob das Zeigen der Bilder zu Aggression bei Trittbrettfahrern beigetragen hätte, ist eine Frage für sich. Die Entscheidung sie zu veröffentlichen oder nicht, sollte Journalisten überlassen werden. Wenn Journalisten etwas nicht zeigen dürfen, macht mich das wütend!

BK: Laut einem Zeitungsinterview hast du selbst schon mindestens einmal entschieden, sehr brutale Bilder nicht der Redaktion zu übergeben. Was lässt du weg? Nach welchen Kriterien entscheidest du das?

DN: Wenn ich im Einsatz bin, fotografiere ich immer das komplette Ereignis in all seinen Facetten – ob grausam oder nicht. In dieser Hinsicht schon während des Fotografierens die Schere anzusetzen, ist in der Hektik der Situation kaum möglich. Das mache ich hinterher. Bei der Darstellung von Gewalt ist die Wahrung der Menschenwürde für mich das oberste Auswahlkriterium. Werden Opfer bloßgestellt, zeige ich die Bilder nicht.

BK: Du nimmst als Foto-Produzent also gewisserweise auch inhaltlichen Einfluss. Wie sehen deine Auftraggeber das?

DN: Die meisten sind damit einverstanden. So funktionieren Fotoreportagen. Ich achte darauf, dass meine Bilder im Rahmen einer Serie eine authentische, unverfälschte, aber geschlossene Geschichte erzählen. Dafür muss ich die aus meiner Sicht passendsten Bilder auswählen und andere weglassen. Es gibt nur wenige Redaktionen, die das komplette Rohmaterial sehen wollen. National Geographic zum Beispiel möchte immer alles von mir haben. Und das bereits seit dem Beginn unserer Zusammenarbeit im Jahr 2010. Nicht erst, seit der Debatte um Steve McCurrys Arbeit für die Zeitschrift.

BK: Fotojournalisten-Legende McCurry steht in der Kritik, weil er einige seiner Bilder stärker bearbeitet hat als angenommen. Inwiefern bearbeitest du deine Bilder?

DN: Es gibt zu Recht strenge ethische Regeln rund um den Wahrheitsgehalt von Pressefotos. Daher mache ich nur das Nötigste. Zum Beispiel die jeweiligen Unzulänglichkeiten eines Bildsensors bei Licht- und Farbwidergabe hinterher am Computer zu korrigieren, ist unverzichtbar. Einen eigenen Bildstil zu kreieren, finde ich ebenfalls legitim. Ich mag kontrastreiche Bilder mit tiefen Schwarzwerten.

BK: Veränderst du damit nicht schon die Bildaussage?

DN: Nein, ich lenke nur den Blick des Betrachters auf die zentralen Bildbestandteile. Die Dramatik der Situation durch die Bildästhetik zu betonen, ist wichtig. So kann ich Leser von Publikumsmedien für Teile des Weltgeschehens interessieren, zu denen sie sonst keinen Bezug haben. Schwierig wird es erst, wenn man das Bild am Rechner zu stark beschneidet. Manchmal muss Cropping sein, etwa wenn ich mit einer weitwinkligen Festbrennweite fotografiert habe. Dann schneide ich für die Bildaussage unnötige Bereiche rund um das Motiv weg. Hingegen bewaffnete Kämpfer wegzuschneiden, damit das Bild friedlicher wirkt, geht zu weit, um mal ein Negativbeispiel zu nennen. Man muss die ganze Geschichte zeigen.

BK: Vielen Dank für das Gespräch.

 

Der 33-jährige Dominic Nahr zeigt noch bis zum Sonntag, den 19. Juni, beim Lumix Festival für jungen Fotojournalismus in Hannover Fotos vom Leben während des Bürgerkriegs im jüngsten Land der Welt, dem ostafrikanischen Südsudan. Sein Beitrag ist einer von 60 Fotoreportagen und Multimedia-Essays talentierter Nachwuchsfotografen. Sie werden bei der fünften Festivalauflage voraussichtlich wieder rund 35.000 Menschen auf das ehemalige Expo-Gelände in Hannover locken.
Dominic Nahr hat rund 30 Länder in Afrika bereist und wurde für seine Dokumentationen unter anderem bei den World Press Photo Awards und als Schweizer Fotograf des Jahres ausgezeichnet. Er arbeitet für Time Magazine, National Geographic, Stern und andere.


Image by Berti Kolbow-Lehradt


Weiterlesen »

Das perfekte Selfie – wo liegen die Grenzen?

Selfies. (adapted) (Image by Connie Ma [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Warum riskieren Menschen ihr eigenes oder das Leben anderer für das perfekte Selfie? Das Jahr 2016 war bisher kein gutes Jahr für den Selfie-Trend. Im Februar reichten argentinische Touristen ein La-Plata-Delphinjunges herum, damit jeder der Umstehenden ein Selfie mit ihm schießen konnte. Das bedrohte Tier starb langsam während der Prozedur an den Folgen des Stresses und der Hitze. Kurz darauf, Anfang März, musste ein Schwan dran glauben,  nachdem ein Tourist ihn aus einem See in Mazedonien gezogen hatte – und das nur für ein Selfie. Während die Tode beider Tiere bereits für eine große Empörung sorgten, riskieren Menschen eigentlich noch viel mehr, um ein perfektes Foto zu schießen – nämlich ihr eigenes Leben. Im Jahr 2015 hatte die russischen Behörden sogar eine Kampagne ins Leben gerufen, die mit dem Spruch warnte: “Ein cooles Selfie könnte Dich Dein Leben kosten.” Was ist der Grund dafür? Die Polizei schätzt, dass fast 100 Russen an dem Versuch, ein “Draufgänger”-Selfie sowie Fotos von sich selbst in gefährlichen Situationen zu schießen, gestorben sind oder zumindest verletzt worden. Zu den Beispielen hierfür zählen eine Frau, die durch den Schuss einer Pistole verletzt wurde (immerhin: sie überlebte), zwei Männer, die eine explodierende Handgranaten in der Hand hielten (sie sind allerdings dabei gestorben) sowie Menschen, die auf den Dächern von Zügen Fotos schießen. Auch große Höhen führten zu Todesfällen durch Selfies. Eine polnische Touristin fiel von einer Brücke in Sevilla (Spanien), als sie versuchte ein Selfie zu schießen – sie starb dabei. Und ein Pilot einer Cessna verlor im Mai 2014 die Kontrolle über sein Flugzeug, als er versuchte, ein Selfie im Flug zu machen und tötete dabei sich selbst und seine Passagiere. Nicht nur gefährliche Momente der Selfie-Bessenheit führten zum Tod. Ein Jugendlicher, der an Dysmorphophobie litt, versuchte sich das Leben zunehmen, nachdem er hunderte Stunden mit dem Versuch verbracht hatte, ein perfektes Selfie zu schießen. Menschen, die regelmäßig Selfies posten, werden oft als narzisstisch und geschmacklos bezeichnet. Mit Social Networking-Apps wie Snapchat, die zunehmend beliebter werden, greift auch der SelfieTrend weiter um sich. Also: Was ist hier los? Was hat es mit dem Selbstportrait auf sich, das zu einem Teil unserer Kommunikation geworden ist? Und warum fühlen sich einige dazu gezwungen, das perfekte Selfie zu schießen und dabei das eigene Leben oder das der anderen (einschließlich derer von Tieren) zu riskieren? Noch gibt es keine konkrete Antwort auf diese Frage, aber als Psychologe finde ich, dass dieses Phänomen, das auf einzigartige Weise das 21. Jahrhundert beschreibt, es Wert ist, näher untersucht zu werden.

Eine kurze Geschichte des Selfie

Einem amerikanischen Fotografen namens Robert Cornelius wird das erste Selfie zugeschrieben: Im Jahr 1839 benutzte Cornelius eine der ersten Kameras. Er stellte die Kamera auf und lichtete sich selbst ab, als er ins Bild lief. Die höhere Verfügbarkeit von Schnappschusskameras im 20. Jahrhundert führte zu einem Anstieg der Selbstportraits, bei denen sich viele die (heute noch populäre) Methode des Fotografierens vor dem Spiegel zu Nutze machten. Die Selfie-Technik machte einen großen Sprung nach vorne mit der Erfindung des Handys mit integrierter Kamera. Und schließlich kam natürlich der Selfie-Stick. Für einen kurzen Moment wurde dieser Stick hoch gelobt – die Times bezeichnete ihn als eine der besten Erfindungen des Jahres 2014. Die Kritiker jedoch nannten ihn passenderweise “Naricisstick” (dt. etwa: “Narzissmus-Stick”). Die Sticks sind nun in vielen Museen und Parks, einschließlich des Walt Disney-Resorts, verboten. Trotz der Kritik gegenüber Selfies wächst ihre Popularität stetig an. Eindeutige Zahlen scheint es nicht zu geben, wobei Schätzungen zu den täglich geposteten Selfies zwischen einer Million bis hin zu 93 Millionen, allein auf Android-Geräten, beträgt. Wie hoch die tatsächliche Zahl auch sein mag, eine neue Umfrage des Pew Research Centers aus dem Jahr 2014 hat gezeigt, dass der Selfie-Hype besonders die jüngere Generation betrifft. Während 55 Prozent der Generation Y regelmäßig Selfies in ihren sozialen Netzwerken teilen, so wussten bei der sogenannten stillen Generation (denjenigen, die zwischen 1920 und 1945 geboren worden sind) nur 33 Prozent, was ein Selfie überhaupt ist. Ein Bericht aus Großbritannien deutet zudem darauf hin, dass jüngere Frauen den aktiveren Teil bei der Selfie-Erstellung einnehmen und bis zu fünf Stunden jede Woche mit Selbstportraits beschäftigt sind. Der wichtigste Grund für sie: Gut auszusehen. Weitere Gründe sind: einander eifersüchtig machen oder fremdgehende Partner ihre Fehltritte bereuen zu lassen.

Selbstbewusstseinsschub oder Instrument des Narzissmus?

Einige sehen Selfies als eine positive Entwicklung. Die Psychologieprofessorin Pamela Rutledge glaubt, dass Selfies die “normalen Menschen” zelebrieren. Und die Psychologin der UCLA Andrea Letamendi ist der Auffassung, dass Selfies “jungen Erwachsenen erlauben, ihre Gefühle auszudrücken und wichtige Erfahrungen zu teilen.” Andere argumentierten damit, dass ein Selfie das Selbstbewusstsein stärken könnte, indem gezeigt wird, wie “umwerfend” sie sind. Des Weiteren können währenddessen noch wichtige Erinnerungen gesichert werden. Selfies werden trotzdem oft eher negativ assoziiert. Während sie manchmal als Mittel zur Stärkung des Selbstbewusstseins herausgestellt werden, zeigte eine europäische Studie den gegenteiligen Effekt. Die Zeit, die mit dem Anschauen von Selfies in sozialen Medien verbracht wird, kann zur Entwicklung eines negativen Körpergefühls bei jungen Frauen beitragen. Neben Verletzungen, Todesfällen und diversen Geschmacklosigkeiten scheint ein weiteres Problem des Selfies zu sein, dass sie etwa die Ursache oder Folge zum Narzissmus sind. Peter Gray, der für “Psychology Today” schreibt, beschreibt Narzissmus als “ein arrogantes Bild vom eignen Selbst in Verbindung mit einer relativen Gleichgültigkeit gegenüber anderen”. Narzissten neigen dazu, ihre Begabungen zu überschätzen und reagieren mit Wut auf Kritik. Mit hoher Wahrscheinlichkeit neigen sie dazu andere zu mobben, statt ihnen zu helfen. Gray zufolge zeigen Umfragen unter Hochschulstudenten, dass diese Charaktereigenschaft heute noch verbreiteter ist als vor 30 Jahren. Stehen Selfies und Narzissmus also wirklich in Beziehung zueinander? Die Psychologin Gwendolyn Seidman vermutet, dass es durchaus einen Zusammenhang gibt. Sie führt zwei Studien an, die das Vorkommen von Facebook-Selfies in einer Stichprobe von 1000 Personen untersucht. In der Stichprobe zeigten Männer, die eine höhere Anzahl an Selfies posteten, eine Tendenz zu narzisstischen Zügen. Unter den weiblichen Teilnehmern stand die Anzahl der geposteten Selfies im Zusammenhang mit einer als “dem Verlangen nach Bewunderung” bezeichneten Unterform des Narzissmus, die mit “dem Gefühl, über einen besonderen Status oder Privilegien zu verfügen und über anderen zu stehen‚” definiert wird. Im Endeffekt scheinen Selfie und Narzissmus also tatsächlich miteinander zusammenzuhängen.

Wie wir uns gegen andere aufrüsten

Selfies scheinen die bevorzugte Art der Selbstdarstellung in dieser Generation zu sein. Psychologen, die sich mit der Selbstwahrnehmung beschäftigen, nehmen an, dass unser Selbstbild und wie wir es projizieren, von zwei Faktoren abhängen: Vertrauenswürdigkeit (wie haltbar sind Behauptungen, die ich über mich anstelle?) und Vorteilhaftigkeit (wie attraktiv, talentiert und erstrebenswert sind die Behauptungen, die ich über mich anstelle?). In diesem Sinne ist das Selfie das perfekte Medium: Es ist ein einfaches Werkzeug, um Beweise für ein aufregendes Leben, außergewöhnliche Talente und Fähigkeiten, einzigartige Erfahrungen, persönliche Schönheit und Attraktivität zu liefern. Als Psychologe halte ich es nicht nur für wichtig, nachzufragen, warum Menschen Selfies posten, sondern auch warum sie betrachtet werden. Die Untersuchungen lassen vermuten, dass Menschen sich einfach gerne Gesichter anschauen. Selfies ziehen nun einmal mehr Aufmerksamkeit und mehr Kommentare an als alle anderen Fotos. Sie werden durch unsere Freunde und Bekannte weitergetragen, die sie mit jeder Menge Likes und anderen Formen der Bestätigung in den sozialen Medien belohnen. Eine Erklärung für die Ursache, warum Menschen von Selfies angezogen werden, könnte auf das psychologischen Gefüge der sozialen Vergleichstheorie beruhen. Der Begründer der Theorie, Leon Festinger, behauptete, dass Menschen einen inneren Drang besitzen, sich selbst mit anderen zu vergleichen. Wir verhalten uns auf diese Weise, um unser Selbstwertgefühl zu verbessern (Selbstverstärkung), uns zu bewerten (Selbstbewertung), uns selbst zu bestätigen, dass wir so sind, wie wir es uns denken (Selbstbestätigung) und um besser zu werden als wir bereits sind (Selbstverbesserung). Es handelt sich hierbei um eine Liste, die eine Reihe von Ursachen anführt, die zunächst sehr positiv scheinen. Leider sieht die Wirklichkeit nicht so positiv aus. Diejenigen, die dazu neigen, Selfies zu posten, scheinen weniger Selbstbewusstsein zu besitzen als diejenigen, die keine posten. Letztendlich ziehen Selfies Aufmerksamkeit auf sich, was eine gute Sache zu sein scheint. Aber das tun Autounfälle auch. Die Bestätigung, die durch Likes und positive Kommentare in sozialen Medien entsteht, ist belohnend – besonders für die Einsamen, Isolierten und Unsicheren. Die Tatsachen weisen alles in allem (einschließlich der Tode von Menschen und Tieren!) darauf hin, dass es bei diesem Hype nur wenig zu verherrlichen gibt. Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) “Selfies” by Connie Ma (CC BY-SA 2.0)


The Conversation

Weiterlesen »

Die Leiden der Instagram-Ehemänner

Perfect Photoshooting (Image by Zukiman Mohamad [CC0 Public Domain], via Pexels)

“Wir sind nur noch menschliche Selfie-Sticks” klagen sie – Ehemänner, die von ihren eigenen Frau für deren Instagram-Fotos ausgenutzt werden. Was ist dran am Vorwurf?

Die Frauen sind eindeutig die Stars von Instagram. Ihre Profile erhalten oft mehr Klicks als die von Männern. Mit diesem Trend scheint sich ebenfalls ein neues Phänomen zu entwickeln: Die Instagram-Ehemänner. Sie beklagen sich darüber, dass sie von ihren Eherauen lediglich als menschliche Selfie-Sticks gesehen werden und nur dazu da sind, um ihre Frauen auf Instagram in Szene zu setzen. Diese Männer haben sich nun auf der Seite instagramhusband.com zusammen getan, um auf ihr leidendes Dasein aufmerksam zu machen. Müssen wir diese Klagen tatsächlich ernst nehmen? Sind wir Frauen tatsächlich dominierende Instagram-Furien? Marinela Potor, Onlinejournalistin mit einem “Instagram-Freund” hat sich diesen Fragen gestellt.

Nach so vielen Jahren im Internet dürfte einen ja eigentlich nur noch sehr wenig überraschen. Von Videos mit Katzen, die Klavier spielen über Twitteraccounts von Jennifer Lopez‘ Hinterteil bis hin zu Unsterblichkeits-Utensilien – ich dachte, ich hätte schon so ziemlich alles gesehen. Bis ich vor Kurzem auf die Seite der frustrierten Instagram-Ehemänner gestoßen bin. Diese armen Männer der Schöpfung zeigen, was für ein trauriges Dasein sie hinter ihren Smartphones fristen – weil sie Fotos von ihren viel berühmteren und erfolgreicheren Instagram-Ehefrauen schießen müssen.

Ich kann mich ehrlich gesagt noch immer nicht ganz entscheiden, ob ich an dieser Stelle Mitleid mit diesen armen Ehemännern haben sollte, die zu Sklaven der Berühmtheit ihrer Frauen werden, ob ich einfach nur über diese humorvolle Kampagne lachen sollte oder ob dies eine neue erfolgreiche Entwicklung im Feminismus aufzeigt, in der die Frauen den Männern endlich mal sagen, wo es lang geht oder. (Wobei ich in diesem Punkt noch Zweifel habe, denn offensichtlich schlagen die Ehemänner aus ihrem Leiden auch ganz schön Kapital und die neue Netflix-Serie “Desperate Instagram Husbands” ist wahrscheinlich schon in Arbeit.) Grund genug, sich dieses Phänomen einmal genauer anzusehen.

Sind wir nicht alle ein bisschen Instagram-Husbands?

Während ich mich also durch die Fotos der Instagram-Ehemänner klicke, wird mir auf einmal schlagartig bewusst: Moment Mal, ich erkenne mich hier irgendwie doch sehr stark wieder! Ich habe zwar weder einen Instagram-Account noch einen Ehemann, veröffentliche aber sehr viel fürs Internet und habe einen Freund. Und wenn ich ganz ehrlich bin, legen wir doch ein Rollenverhalten an den Tag, das den Situationen in dem Video sehr ähnelt: Ich jage den Geschichten hinterher, mein Freund jagt mir mit der Kamera hinterher, stets meinen Anweisungen folgend. Die Parallelen sind ein wenig erschreckend. Habe ich mir etwa ebenfalls einen Instagram-Freund herangezüchtet?

Beispiel Eiskaffee

Instagram-Schnappschuss: Eiskaffee (Image: Marinela Potor)
Instagram-Schnappschuss: Eiskaffee (Image: Marinela Potor)

Als ich an einem Artikel für die Netzpiloten über meine Twitter-Sucht arbeitete, wollte ich ein Foto von meiner Eisschokolade auf Twitter posten. Doch irgendwie war besagte Eisschokolade allein nicht so fotogen. Daraufhin schnappte ich mir also auch noch den Eiskaffee meines Freundes, schubste ihn selbst zur Seite (er sollte ja nicht das Fotodesign stören) und verbrachte bestimmt knappe 10 Minuten damit, die beiden Getränke zu knipsen. Als er endlich wieder an seinen Platz durfte, hatte sich sein Eis komplett aufgelöst.

Beispiel Sandalen

Der Winkel muss stimmen: Griechische Sandale (Image: Marinela Potors Freund)
Der Winkel muss stimmen: Griechische Sandale (Image: Marinela Potors Freund)

Ich schreibe ebenfalls für ein Modeblog und hatte mir in den Kopf gesetzt, einen Artikel zu meinen neuen griechischen Sandalen zu posten. Selbstverständlich musste dazu ein Foto her. Ich drückte kurzerhand meinem Freund die Kamera in die Hand: “Mach mal!” Ich erinnere mich dunkel, dass mein Freund protestierte, weil er gerade mitten in einem wichtigen Arbeitsprozess war, aber was konnte an dieser Stelle wichtiger sein, als ein Foto von meinen Sandalen? Wir probierten es also mit Posen auf den Treppen, Fotos von oben, Fotos, in denen mein Freund auf dem Boden herumrobbte und schließlich Fotos im Garten. Als wir endlich einen guten Winkel entdeckt hatten, passte das Licht nicht. Geschlagene 30 Minuten später hatten wir endlich das Foto im Kasten. Mein Freund musste im Endeffekt seinen gesamten Arbeitsprozess von vorne beginnen – aber wir hatten ein gutes Foto geschossen!

Beispiel Feuerwerk

Nicht leicht zu fotografieren: Feuerwerk (Image: Marinela Potors Freund)
Nicht leicht zu fotografieren: Feuerwerk (Image: Marinela Potors Freund)

Ich hatte es mir in den Kopf gesetzt, Fotos zu einem Feuerwerk-Wettbewerb auf meinen Blog zu posten. Da wir dies das vorige Mal ziemlich versemmelt hatten, war ich diesmal bestens vorbereitet. Kamerabatterie war geladen, ich hatte Gartenstühle und Decken im Gepäck und wir waren eine Stunde vorher angekommen, um einen guten Platz zu erwischen. Sobald es dann losging musste mein Freund wieder als Fotograf herhalten. Jedes Foto wurde von mir sofort begutachtet: “Schatz, da stimmt das Licht nicht… Das da ist total verschwommen… Drück doch früher auf den Auslöser… Warum schaltest du nicht in den Nachtmodus?”. Nach 40 Minuten Fotografieren war ich endlich zufrieden – mein Freund konnte noch ganze fünf Minuten Feuerwerk ohne Knipserei genießen.

Die Gesellschaftskritik der Instagram-Ehemänner

Nach diesen Beispielen werde ich doch etwas nachdenklich. Sind die Instagram-Ehemänner tatsächlich ein emblematisches Problem in unserer Gesellschaft? Richten wir Frauen tatsächlich unsere Partner dazu ab, unseren Ruhm fotografisch in Szene zu setzen, ohne dabei Rücksicht auf ihre Gefühle und Wünsche zu setzen? Angesichts der Tatsache, dass Frauen tatsächlich mehr Erfolg mit ihren Fotos auf Instagram, Twitter oder auf Blogs wie Tumblr haben, werden Männer tatsächlich nur noch als menschlicher Selfie-Stick betrachtet? Diese Sichtweise ist sicher ein wenig überspitzt. Aber die Klagen der Instagram-Ehemänner weisen uns auf einige wichtige gesellschaftliche Punkte hin:

  • Virtuelle Realität ist inszenierte Realität.

  • Es gibt ein Machtverhältnis zwischen Fotografen und Fotomodellen.

  • Wer nur in einer Inszenierung lebt, verliert oft den Kontakt zu den Mitmenschen in seiner unmittelbaren Umgebung.

Das Phänomen der virtuellen Inszenierung unseres Lebens ist nichts Neues. Schon vor dem Internet wurden Fotos als Inszenierung erkannt und als solches vor allem in der Werbe- und Modeindustrie bewusst genutzt. Während uns aber bei einem Blick auf Hochglanzmagazine mittlerweile klar ist, dass hier vor allem Photoshop am Werk ist, wirken die Instagram-Fotos oft wie eine spontane Situation, ein Schnappschuss im Vorbeigehen. Doch das ist ein Trugschluss. Denn an guten Instagram-Fotos ist genau so wenig spontan wie realistisch.

Auch die Tatsache, dass sich dies geschlechterspezifisch in “Männer als Fotografen” und “Frauen als Fotomodell” teilt, ist so alt wie die Modeindustrie selbst und in dieser Branche sind es sicherlich nicht die Models, die den Ton angeben. Auch wenn die strikte Geschlechteraufteilung in Mann und Frau immer mehr aufgebrochen wird, in der Modebranche stehen aktuell immer noch mehr Frauen vor der Kamera und deutlich mehr Männer hinter der Kamera. Das hat weniger mit Instagram-Ehemännern zu tun, als mit der Werbeindustrie. Frauen können Produkte einfach besser verkaufen als Männer.

FeministInnen argumentieren daher auch, dass derjenige, der die Frau auf dem Foto betrachtet (durch die Linse oder auf dem Instagram-Account), die eigentliche Macht hat. Wenn sich dieses Machtverhältnis tatsächlich durch die energetischen Instagram-Ehefrauen verschieben sollte, beklagen die Heul-Ehemänner also eigentlich nur den Verlust ihrer Macht wie ein Fünfjähriger, dem man gerade seinen Lolli weggenommen hat.

Dennoch ist ihre Klage über ein ständiges Inszenieren unseres Alltags für die sozialen Netzwerke ernst zu nehmen. Ich bin nicht sicher, ob Frauen mehr darum bemüht sind gut in den Sozialen Medien auszusehen als Männer, aber in diesem Punkt sollten wir alle vielleicht doch auf die Instagram-Ehemänner hören: Wer sich zu sehr in seinen Foto-Inszenierungen verliert, schafft eine künstliche Welt, die wenig mit den Menschen in der unmittelbaren Umgebung zu tun hat und sogar enge Beziehungen zerstören kann.

Was können wir also von den quengelnden Instagram-Ehemännern lernen?

So überzogen die Instagram-Pantoffelhelden auch sein mögen, es gibt zwei Dinge, die wir von ihnen lernen können.

Erstens: Frauen (und Männer,) wenn ihr merkt, dass eure Beziehung sich vorwiegend um Fotos dreht, lasst mal ab und zu die Kamera Kamera sein und genießt einfach das Zusammensein mit eurem Partner. Zweitens: Instagram-Ehemänner, habt euch nicht so!


 “Photo” by Zukiman Mohamad (CC0 Public Domain)


Weiterlesen »

Wie man aussagekräftige Erzählungen auf Instagram schreibt

Screenshot Instagram (Image by Neil Shea)

Ende Juni reiste ich mit der Photographin Lynsey Addario durch Sizilien. Wir arbeiteten an einer Geschichte über Migranten, die in Europa aus Afrika ankamen. Während einer Autofahrt über die Insel fingen wir an, uns über das Schreiben zu unterhalten – genauer gesagt darüber, wie ich die Reportage angehen sollte, die wir gemeinsam planten. Lynsey, die bereits eine preisgekrönte Photographin ist, hatte eben erst einen intimen Band veröffentlicht und kannte gut die Höhen und Tiefen, auf die man bei der Umwandlung von Ideen und Bildern in Worte trifft. Ich scherzte, dass ich lieber ganz und gar auf längeres Schreiben verzichten würde. Ich erzählte ihr dann, dass der witzigste und überzeugendste Sachtext, den ich in letzter Zeit geschrieben hatte, radikal kurz gehalten war und auf Instagram veröffentlicht wurde.

Lynsey war verblüfft: „Du schreibst auf Instagram?“

Sie lachte, nahm eines ihrer Handys in die Hand, tippte auf das Symbol mit der Retro-Kamera.

„Ich dachte, das wäre für Likes, Essen und Katzen.“

Das stimmt, Instagram scheint nicht ein offensichtliches Ziel für Schriftsteller zu sein. Es bewegt sich schnell. Da gibt es viele Katzen. Und Selfies und Schuhe und Caffè Latte. Der Platz, der für Worte zur Verfügung steht, ist zudem recht klein – besonders für diejenigen von uns, die Jahre in diesem Business damit verbracht haben, für das Recht, lange Lesestücke zu verfassen, gekämpft haben. Aber kurz nachdem ich anfing, mit dem von der App vorgegebenen Rahmen zu experimentieren, passierte etwas Seltsames – ich merkte, dass ich es liebte, kurze Texte zu schreiben.

Werkzeug zum Geschichtenerzählen

Ich fing an, das Instagram Erlebnis mit seinem konstanten Fluss an Bildern und Textkästen zu verstehen. Eine alternativer Geschichtsaufbau stand mir gegenüber, der von mir Neues abverlangte: Kürzere Geschichten, sicherlich, aber die App bedarf auch einer sorgfältigeren Auswahl an Fotos und die vielfältige, fein abgestimmte Art, wie die Worte und Bilder zusammen arbeiten, ist zu beachten. Mit der Zeit realisierte ich, dass unter der Oberfläche der Selfies ein kraftvolles, unerwartetes und größtenteils ungenutztes Werkzeug zum Geschichtenerzählen von Instagram angeboten wurde.

Sehen wir es mal so: Instagram ist im Großen und Ganzen eines der weltweit erfolgreichsten Magazine geworden, das die Allgemeinheit anspricht. Mehr als 500 Millionen Menschen nutzen es jeden Monat. Durchschnittlich werden 95 Millionen Bilder pro Tag hochgeladen. Und jedes einzelne repräsentiert eine Seite, eine Geschichte, einen Lichtschimmer oder eine Auffassung irgendwo auf der Welt. Du hast die User von Instagram gesehen: Oft jung, äußerst beschäftigt, mit dem Kopf nach Unten in der U-Bahn, im Bus und auf Bürgersteigen, während sie mit dem Daumen durch den Strom von Bildern schieben, der sich über ihre Handys ergießt. Diese Gedankenverlorenheit erfüllt nicht einen Selbstzweck und das globale Publikum ist durch ein simples Versprechen versammelt: Jeder Post enthält eine Geschichte.

Bisher wurde dieses Gebiet den Photographen überlassen. Seit der Veröffentlichung der App im Jahr 2010 haben Bildjournalisten sie im großen Umfang genutzt, um unveröffentlichte Bilder zu präsentieren, um in ihren Archiven zu wühlen und laufende Projekte zu teilen. Schriftsteller sind jedoch überwiegend ferngeblieben von der geschichtserzählenden Plattform Instagram. Dafür gibt es eine Menge Gründe – letzten Endes ist es nicht einfach, kurz zu schreiben.

Aber diejenigen, die sich reinhängen, werden sehen, dass Geschichtenerzählen auf Instagram eine fantastische Angelegenheit ist: Ein Verwendungszweck, für den die Sache nicht gemacht war, aber für den sie sich hervorragend eignet. Die App ist dynamisch, flexibel und ungewöhnlich transzendent. Aus mobiler Sicht ist sie weitaus demokratischer als das filterbelastete Facebook, nicht so knapp wie Twitter, weniger kurzlebig als Snapchat. Und das Wichtigste für mich ist die Reichweite der Plattform: Instagram bietet einen kreativen Raum an, in dem Stimmen und Ansichten, die sonst während des Zusammentreffens mit dem Journalismus ignoriert, verloren oder entstellt würden, mit erfreulicherweise fast jedem geteilt werden können.

Wie alles begann

Ich kam im April 2014 zu Instagram, als ich zum Turkana-See in Kenia für eine National Geographic Story reiste. Mein Redakteur Peter Gwin hatte mich dazu gedrängt, die App zu benutzen, um Berichte von meinen Arbeiten vor Ort zu posten und ich war erst einmal skeptisch. Ich bin kein Photograph. Ich hatte zu der Zeit keinen Instagram Account. Und das, was ich auf den Handys meiner Freunde sah, wirkte wie eine abgespeckte Version von Facebook. Ich wusste, dass Instagram pro Post nur etwa 2.200 Zeichen erlaubte (kaum 360 Wörter nach meiner Erfahrung) und ich zweifelte, dass viel Bedeutung in so einen kleinen Raum gestopft werden konnte.

Aber Peter ließ keine Ruhe und er zeigte ein paar Bilder, die er auf Reisen nach Ruanda und in die Zentralafrikanische Republik auf Instagram gepostet hatte. Ich war beeindruckt. Da waren weder Selfies noch Selbstbezogenes. Es waren kleine Momente, reich an Details und einfach zu lesen. Sie deuteten an, was möglich sein könnte. Ungefähr zur gleichen Zeit hatte ich die iPhone-Photographie in mein Grundrepertoire zum Berichteschreiben aufgenommen. Ich machte Porträts von allen, mit denen ich sprach, fast als würde ich nur deren Telefonnummern und die richtige Schreibweise ihres Namens notieren. Dieses Zusammentreffen der Ereignisse – Petes Arbeit, meine Photographie – überzeugte mich, immerhin kurze Beiträge zu machen. Ich entschied mich, es wie ein Experiment zu behandeln. Ich dachte, es handle sich um nichts Dauerhaftes.

Die erste Geschichte

Meinen ersten schriftlichen Instagram Beitrag vom Turkana-See konnte man kaum eine Geschichte nennen. Ich postete schöne Bilder, schrieb platte kleine Bildunterschriften. Als ich allerdings noch nicht lange auf meiner Feldforschung unterwegs war, ich befand mich in einem abgeschiedenen Dorf hunderte Kilometer von der nächsten gepflasterten Straße entfernt, traf ich einen Fischer, der eine Krokodilattacke überlebt hatte und dessen Geschichte mich erschütterte. Er wurde angegriffen, während er hüfthoch im dunkelbraunen Wasser stehend seine Netze überprüfte. Als die Bestie ihn wegzerrte, wurde ihm schwarz vor Augen. Dann weiß. Er sah sich selbst in eine andere Welt hinübergleiten, wohl Richtung Tod. Er konnte Zähne in seinem Fleisch spüren, aber in seinen Ohren hörte er herrliche Klänge. Irgendwie, bevor das Krokodil ihn herunterziehen konnte, kam er wieder zur Besinnung und erinnerte sich an eine Volksweisheit. Mit zwei Fingern stach er in die Augen des Tieres. Benommen lies es ihn los und blutend konnte er sich zurück zum Ufer tasten

Später im örtlichen Krankenhaus musste er schreckliche Alpträume durchleiden, eine von dem Reptil verursachte posttraumatische Belastungsstörung.

„Ich habe es in meinen Träumen gesehen“, sagte er, „wie es den Gang entlangkommt, um mich zu kriegen.“

Er berichtete mir, dass er noch immer nicht zum Wasser zurückgekehrt war.

Ich verbrachte mehrere Stunden damit, ihn zu interviewen, Bilder davon zu malen, wo das Krokodil seinen Kiefer in die Schenkel festgebissen hatte. Aus der Perspektive eines Geschichtenerzählers war es fantastisch, eben die Art von Erfahrung, die man weiterverbreiten will. Aber ich wusste, dass es nicht geeignet war, um es in meinen abschließenden Artikel für das Magazin zu schaffen. Es war zu knapp und es wäre wahrscheinlich zwischen dem größeren und formelleren Teil verloren gegangen, den ich für Umweltfragen, Konflikte und den kulturellen Wandel einplanen musste. Ein Jahr früher noch wäre seine Geschichte als Ablagerung in meinem Notizheft verendet. Aber ich wollte sie erzählen und auf Instagram gab es plötzlich ein Forum. Am Ende des Interviews fragte ich ihn, ob er sich für ein iPhone Porträt außerhalb der Lehmhütte hinsetzen könne, wo wir eine heiße Cola getrunken hatten.

Ich machte ein paar Fotos in dem rauen Nachmittagslicht und entschied mich, dass schwarzweiß am besten in dem schlechten Kontrast wirken würde. An dem Abend schrieb ich die Geschichte, bedacht darauf, nah an seinen persönlichen Erzählungen zu bleiben. Ich versuchte weder zu erklären, warum ich sie erzählte noch in die Statistiken von Krokodilattacken in Ostafrika abzudriften. Ich hatte schon in früheren Posts geschrieben, dass ich in Kenia war, wo ich für National Geographic arbeitete. Wer sich dafür interessierte, konnte zurückscrollen und diesen Wink zu dem müden alten „Nut graf“ (eine Gepflogenheit aus dem amerikanisch-englischen Journalismus) finden.

Ich wollte seine Geschichte nicht mit interessanten Fakten ersticken. Also schrieb ich auf Stimmung und Ton achtend und fasste das lebensverändernde Erlebnis des Mannes in 268 Wörtern zusammen. Ich benutzte die einfache Technik des „lede and arc and kicker“, die ich vor langer Zeit in der Nachrichtenredaktion gelernt hatte. Ich untersuchte jedes Wort, ob es einen Platz verdient hatte. Überwiegend drückte ich dabei auf löschen.

Die Kommentare trafen ein wie Groschen

Bis heute haben ca. 500 Menschen die kleine Erzählung geliked, die ich auf Instagram gepostet habe (und mehr als 1.300 gefiel eine spätere Neuauflage). Mehr als 70 Leute haben diese Stücke kommentiert. Likes und Kommentierungen sind Indikatoren für den Erfolg innerhalb der App, sowohl süchtig machend als auch undurchsichtig und das Ergebnis ist im Vergleich klein. Das heißt zudem nicht, dass all diese Leute das Geschriebene gelesen haben, auch wenn ich wetten würde, dass es die meisten getan haben. Am Ende ist das Wichtige, wofür ich viele Jahre trainiert wurde, dass ich die Geschichte des Mannes geteilt habe. Nachdem ich sie gepostet hatte und die Kommentare eintrafen wie Groschen von Menschen, die ich nie treffen würde, bemerkte ich, dass ich in einer gewissen Art und Weise eines der Dinge erreichte, wegen deren ich zum Journalismus gekommen war – den Menschen ohne Stimme eine Stimme zu geben. Das ließ mich hungriger auf mehr werden.

When we were young the shore was thick with grass and that is where we hunted them. There were so many hippos then, grazing in the deep green grass. Sometimes twenty of us would go, each man carrying a harpoon. We would tie long ropes to the harpoon points and wrap the ropes around our waists, like belts. Then we would stalk them. Quietly. Softly. Hippos are clever, and very fierce. And the hair around their mouths! It can cut like a blade. The first man would creep forward and stab and sink the point home. Then he would unwrap the rope from his waist and start pulling. This is very important. If you were slow, if you didn’t unwrap it fast enough, the hippo might drag you away when it tried to escape. That was the most dangerous part. Once the first man landed his harpoon, others would step up and stab the hippo. Then we all pulled our ropes and slowly reeled the animal in. Later, everyone got some of the meat but the glory always fell upon that first man. He returned home carrying the ears and tail, and women would sing their way down from the village to meet him. Back then our culture depended on hippos. It was like killing a lion, or an elephant. You were a hero. Yes, I miss it. I liked it so much. Now you can’t even see hippos here. The last one I remember came in the 1990s, and someone shot it with an AK-47. But that’s not how we did it. We two are among the last who remember hunting the old way. // #elmolo #laketurkana #hippo #hunting #natgeo #onassignment with @randyolson + @natgeo // See the series: #jadeseaseries2014

Ein von Neil Shea (@neilshea13) gepostetes Foto am

Im Verlaufe meiner Feldforschung und in den paar folgenden Wochen probierte ich verschiedene Erzählstrukturen, Stimmen und Designs. Ich fing an, die Instagram-Reihe als eigenständig gegenüber aber auch komplementär zur Dokumentationsarbeit zu sehen, die ich für das große Magazin machte. Um einen aktuellen Begriff zu benutzen, war es „slow journalism“ oder auch das Produkt des Herumsitzens, Zuhörens und Aufschreibens.

Das Experiment geht weiter

In einer der Geschichten schrieb ich über die stille Spannung innerhalb des Daasanach-Stammes, die die Praxis der weiblichen Beschneidung umgab. Ich stellte die Geschichten dreier Frauen gegenüber, die das Beschneiden vornahmen. Eine war alt, zwei sehr jung. Die alte Frau erzählte plastisch was sie abschnitt und warum. Für sie war diese Praxis von Bedeutung für das Überleben ihres Stammes. Die jüngeren Frauen erzählten mir, wie sie auf subtile Weise versuchten, die Praxis zu verändern, sie sicherer zu machen, vielleicht sogar sich für ihr Ende einzusetzen.

„Die alten Wege sind manchmal gut“, erzählte mir eine von ihnen, Kalle genannt, „und manchmal sind sie es nicht. Ich sah, was mit manchen Frauen gemacht wurde und entschied mich, dass ich es selbst besser konnte.“

Ich hatte weder jemals beabsichtigt, über dieses Thema zu schreiben, noch hatte ich gedacht, dass Frauen mit mir so offen darüber sprechen würden. Aber sie machten es und es hätte hier noch mehr Stimmen gegeben, die sich gelohnt hätten, zu teilen. Ich wählte eine direkte Vorgehensweise beim Schreiben, bei der ich versuchte, den Ton der Debatte zu erhalten, den ich beobachtet hatte – kein schreiender Gegner, kein Fingerheben oder Moralisieren.

Vielmehr war es ein paralleler Diskurs, der sich, wie viele andere Debatten entlang des Seeufers, durch den allmählichen Tod der Stammesältesten und den Zerfall der spirituellen Welt beruhigen würde. Erklärte das alles? Macht eine Geschichte das jemals? Was diese Stücke erreichten, leise und perfekt, war alles, was ich von ihnen erwartete – sie ließen ein kleines Licht scheinen. Genug Menschen lasen sie, dass ich nicht denken musste, dass ich mit mir selbst redete.

In folgenden Stücken schrieb ich in zweiter Person oder in dritter. Einmal postete ich ein Foto einer zischenden Kobra, adressierte die Geschichte wie einen Brief an die Schlange und nutzte sie, um einen gewöhnlichen Moment im Leben der jungen Schafshirten zu beschreiben, mit denen ich reiste – in der Erzählung waren sie schreiend von der Schlange weggelaufen, um dann umzudrehen, zurück zu ihr zu laufen und sie wie Ritter in „Die Ritter der Kokosnuss“ anzugreifen. In einem anderen Werk wählte ich einen paraphrasierten Ich-Erzähler und schrieb in der Stimme eines alten Mannes, der den Rhythmus einer Nilpferdjagd in einer lang vergangenen Zeit erinnerte. Im Anschluss an diese Geschichte postete ich ein Stück, dass meine Methoden der Berichterstattung zu dem Zeitpunkt preisgab – diese bestanden daraus, mein Notizheft und Stift auszuhändigen und die alten Jäger, die letzten ihrer Zunft, ihre eigenen Erinnerungen zeichnen zu lassen.

Zwei der erfolgreichsten Bild-Foto-Geschichten der Reihe beinhalteten eine schwer kranke Frau, Setiel genannt, die uns erlaubte, die intimen spirituellen Behandlungen zu beobachten, die von einem traditionellen Heiler vorgenommen wurden. Mehrere Male reisten Randy Olson, ein National Geographic Photograph, und ich mit ihr zum Ufer des Sees und schauten zu, wie sie und der Heiler, Galte, in dem seichten Gewässer wateten und händeweise Matsch auf Setiels dünnen Körper schaufelten. Aufgetragen und abgespült wurde dem reichhaltigen, dunklen Schlamm zugesagt, Krankheiten zu beseitigen und die Gesundheit des Patienten wieder herzustellen.

Als Setiel ein paar Wochen später starb, war ich sehr bestürzt. Wir hatten versucht, ihr mit Essen und Medikamenten zu helfen und wir hatten im lokalen Krankenhaus und mit einem ansässigen Missionar nach Hilfe gesucht. Es war alles zu spät für Setiel. Wir kannten sie nicht gut, aber die ganze Zeit und überall war das nicht wichtig. Ich wollte wieder über sie schreiben und zu jener Zeit, ungefähr vier Wochen nach Beginn des Instagram Experiments, hatte ich eine wachsende Gruppe von Followern, die ihre Behandlungsgeschichte gelesen hatten und die, wie ich dachte, vielleicht von ihrem Tod wissen wollten. Ich schrieb einen kleinen Nachruf für Setiel und postete ihn mit einem der letzten Fotos, das ich von ihr gemacht hatte

Als es keine Hoffnung mehr zu geben schien, ging sie zurück nach Hause, schrieb ich unter anderem, um nach Heilung in alten Bräuchen und Gebeten zu suchen, im Balsam der Dunkelheit, reichhaltiger Schlamm von dem ihre Leute dachten, er könne Krankheit verschlucken. Sie trotzte den bösen Geistern, die sie hinter sich her glaubte. Sie sagte, sie habe keine Angst.

Mindestens 700 Menschen sahen es. Nicht viele. Aber es waren wahrscheinlich mehr als es sonst gewesen wären, die gewusst haben, dass sie existierte. Wahrscheinlich mehr als die, die den Nachruf meines Großvaters gelesen haben, der starb, kurz bevor ich nach Kenia ging. Als ich diesen Zusammenhang knüpfte, verstand ich, dass die Zahlen nicht mehr so wichtig waren.

I am a healer of last resort. When all else has failed, people come to me. They come with fear and hope, and I treat them with coffee and blood, and smoke. I know how to handle the spirits that cause sickness. I am also a midwife—half the children around here saw my face first in this world. In every village there is one like me. We learn from our mothers, our aunts. From the spirits. We learn to feel with our hands where a problem resides. We see and hear what others cannot. It’s women’s business. Mostly we have no trouble with the missionaries, though once in a while someone shows up and tells us we should stop spirit-talking and send everyone to the clinic. Eh! The clinic is far and there are only a few nurses. They cannot cure everything. Take Setiel, the woman you’ve seen with me. Very ill. Those nurses gave her pills and injections, and after a long time she did not recover. Her family began to distance themselves. They feared her illness would spread. So they brought her to me. You see, she was gaatch—under the shadow of evil spirits. Four times I took her down to the lake where I washed her and applied mud to her body. Four times I rinsed the mud away and ordered the spirits to depart. Four because that is a sacred number to us, the number of teats on a cow. But the evil was very strong. The treatment failed. We tried again, and you know what happened. I won’t say the old ways always succeed. No medicine anywhere is that powerful. — Galte’s story, and that of her patient, Setiel, appears in the August issue of @natgeo magazine, and is part of our ongoing project, #NGwatershedstories. You can find a short video of this Daasanach cleansing ritual by following the link in my profile. #2014 #africa #kenya #laketurkana #jadesea #daasanach #tribe #health #healing #tradition #medicine #culture #portrait #bw #makeportraits #documentary #truestory #everydayafrica @thephotosociety @randyolson

Ein von Neil Shea (@neilshea13) gepostetes Foto am

Langsam fing ich an, zu genießen, wie Instagram mich kreativ beschränkte, wie es von mir forderte, Dinge zu kürzen, auf Grundlagen achtzugeben. Ich begann, mit Hilfe von Hashtags einen gewissen statisch sachlichen Kontext zu vermitteln – den Namen eines Dorfes oder eines Stammes, Meinungen, Themen – Dinge, die oft in Datumszeilen und Überschriften erwähnt werden. Ich fing außerdem an, einzigartige Hashtags zu benutzen, um Werke zu organisieren, jeweils in der riesigen Galaxie von Instagram und, auf einem kleineren Level, dort, wo Leser spezifische Extras finden konnten, die aus Kollektionen stammten, die mit meinen Posts verbunden waren.

Zum Beispiel kann ein Leser unterhalb von jedem Post über den Turkana-See den Tag #jadeseaseries2014 finden – eine Referenz auf den Spitznamen des Sees, der „Jade See“. Instagram archiviert automatisch Bilder an dem Tag ihres Posts und wenn man auf den Tag klickt (ich nenne sie „series tags“), gelangt man in ein Fenster beziehungsweise eine Seite, die mehr als drei Dutzend meiner Turkana Geschichten beinhaltet.

Ich habe tausende Wörter von dem Flussufer geschrieben. Zu meiner Überraschung wuchs mein Publikum schnell. Am Ende des Experiments hatte ich unbeabsichtigt einen Rekord unseres Geschichten fördernden Prozesses für National Geographic aufgestellt. Wichtiger noch ist, dass ich Lebensgeschichten und Kämpfe aufgezeichnet habe in einem Raum, von dem nur wenige Menschen jemals gehört haben und den noch weniger jemals sehen werden. Ich habe keine wissenschaftlichen Möglichkeiten, um die Auswirkung des Experiments abzuschätzen, keine Metrik für das Verständnis der Leser, den Altersschnitt oder das Einkommen. Im schlimmsten Fall loggten sich hunderte Nutzer, die ich nicht kenne und die ich nie getroffen habe, regelmäßig ein, um die Geschichten zu sehen. Im besten Fall, waren es mehrere tausend. Der lange Artikel im Magazin, den ich schließlich über diese Untersuchung vor Ort schrieb, erschien in der August 2015 Ausgabe von National Geographic, einem Magazin mit Millionen von Lesern auf der ganzen Welt. Aber ich halte die anfängliche Reihe auf Instagram für das bessere Werk.

Jeder Post ist eine Scherbe

Der Job als Sachtextautor ist es, so viele Scherben der „Wahrheit“ wie möglich zu sammeln und sie in einer Geschichte zusammenzufügen. Auf Instagram ist jeder Post eine Scherbe und ich sammle dort viel mehr, als ich es je in einem Magazin könnte. Zusammengezählt umfassen die Geschichte im Magazin und die Arbeit auf Instagram eine Menge an Dokumentationsmaterial. Es ist mehr, als mein Arbeitgeber verwenden kann. Es ist nicht perfekt organisiert, aber es war ein wertvoller Test der Plattform. Daneben hat es wieder den Wunsch erfüllt, mehr Stimmen und Gesichter und Geschichten sichtbar zu machen.

Seit dem anfänglichen Experiment habe ich noch viel mehr gemacht. Ich habe Inspirationen und vergleichbare Literatur im Bereich der fiktiven und sachlichen Kurzgeschichten, Gedichte und Kunst gefunden. Manchmal habe ich über Instagram im Sinne der alten Rick Bragg Geschichten nachgedacht, reduzierend auf emotionale Momente und kraftvolle Details. Ich wurde beeinflusst von klassischen japanischen Formen, der „Haiga“ eingeschlossen, bei dem „Haiku“ Verse, die oft die Stimmung und Natur beschreiben, mit einfachen Tintenillustrationen gepaart werden. Ich kenne andere Instagram Schriftsteller, die in Comicbüchern, graphischen Romanen oder in Liedtexten Inspiration finden.

Außerdem wurde ich von vielen Fotojournalisten inspiriert, die gezeigt haben, dass es enorm viele Möglichkeiten gibt, Instagram zu verwenden, um guter Gesellschaftsdokumentation zum Durchbruch zu verhelfen. Ein paar beinhalten Matt Black mit seiner Reihe über die „Geography of Poverty“ („Geographie der Armut“), die auf MSNBCs Seite und auf seinem eigenen Account gepostet wurde; Radcliffe Roye, der Bilder mit sehr persönlichen Essays über Identität zusammenfügt; und David Guttenfelder, der einen Instagramaccount kreiert hat, um Bilder aus dem Inneren Nord Koreas zu teilen. Ein anderer meiner Favoriten ist ein gemeinschaftliches Projekt verbunden mit der CUNY Graduate School of Journalism, das „Tägliche Einkerkerung“ heißt. Es untersucht das Leben von Insassen, deren Familien und Gemeinschaften.

In den meisten Fällen vermeide ich es, journalistische Gepflogenheiten in meinen Texten zu nutzen. Ich habe oben den „nut graf“ erwähnt. Auch meide ich Fakten, womit ich Bestandteile bestehend aus kalten Daten meine oder was einer meiner Studenten einmal als „fact spam“ bezeichnete. Zuschreibungen, Experten, institutionelle Stimmen – ich war glücklich all diese wegzulassen. Instagram ist nicht ein Ort für Nachrichten oder schwere erläuternde Sachtexte. Es gibt bessere Plätze dafür. Ich glaube nicht, dass Standardformen, die von den Printmedien oder dem Fernsehen entwickelt wurden, in Instagram hinein passen.

Lasst mich jedoch klar stellen, dass diese Meinung nicht bedeutet, dass ich mehr als ein Jahrzehnt praktische Arbeit in der Sittenlehre des amerikanischen Journalismus über den Haufen werfe. Alles, was ich tue, basiert auf recherchierten Tatsachen und direkten Beobachtungen. Alte Gepflogenheiten abzustreifen, war ein bemerkenswert gutes Gefühl, aber ich denke nicht, dass es mich der journalistischen Verantwortung erleichtert. Was ich stattdessen damit meine, ist, dass ich entscheide, Dinge zu streichen oder zu ignorieren, die eine Geschichte unnötigerweise verlangsamen oder sie abhalten, in den lockeren Fluss einzutreten. Jeder Schriftsteller, jeder Redakteur oder jede Veröffentlichung müssen ihre eigene Entscheidung fällen, welche Regeln ihre Nutzung von Instagram leiten. Mein Rat ist, es stilistisch lockerer anzugehen, als es sich zu Beginn komfortabel anfühlt.

Das war für mich vielleicht einfacher, weil ich ein Freiberufler bin, der außerhalb des Rahmens einer größeren Veröffentlichung arbeitet und es mir so möglich war, das journalistische System der Nachrichten komplett zu ignorieren oder zu nutzen. Im September 2014 beispielsweise, reiste ich in das Kakuma Flüchtlingscamp der Vereinten Nationen, also in den Norden Kenias und fing an, eine Instagram Reihe darüber zu schreiben, kurz nachdem eine gewaltige Flut das Camp überschwemmt hatte und ein Ausbruch an Gewalt innerhalb des Lagers viele Flüchtlinge zur Flucht zwang.

Ich widerstand der Versuchung, über die Nachrichten oder die Auswirkungen zu berichten, weil ich wusste, dass das Instagram Publikum – meines zumindest – die App nicht deswegen benutzte. Später jedoch, im Dezember, als Präsident Obama bekannt gab, die Beziehungen mit Kuba zu normalisieren, nahm ich diese Nachrichten zum Anlass, meine Arbeiten über Kuba wieder aufzugreifen, die ich 2008 auf der Insel getätigt hatte.

Das Alter der Geschichten ist nicht relevant

Ich durchsuchte meine Archive nach Fotos, um dann meinen Laptop zu durchstöbern und Geschichten zu finden, die ich mit ihnen verbinden konnte. Da das Material mehrere Jahre alt war, kennzeichnete ich jeden Post oberhalb in der Datumszeile und schrieb im Stil eines Reiseberichts. In einem dieser Posts beschrieb ich eine Fahrt in einem Mietwagen durch Kuba, auf der ich jeden Tramper mitnahm, den ich fand, zu denen eine der schönsten Frauen gehörte, die ich je getroffen habe, eine ehemalige kubanische Soldatin mit einer langen, dunklen Narbe im Gesicht.

Ich schrieb auch über einen armen Bauern, der mich nach den Preisen von Autos, Fahrrädern und Pferden in den USA fragte. Ich nutzte eine paraphrasierte Ich-Perspektive, um die Geschichte eines Veteranen von Fidel Castro in Angola in den 80ern zu erzählen, als er tausende Truppen entsandte, um für ein kommunistisches Regime zu kämpfen. Es war eine Geschichte, die fast unbekannt in den Vereinigten Staaten war. Es war zwar ein Klassiker – wie eine harte kubanische Analogie zum US-amerikanischen Krieg im Vietnam – und fesselte mich. Es wäre aber schwierig gewesen, es in einem Hochglanzmagazin unterzubringen.

In jüngerer Zeit sind Nachrichten etwas, das ich verwendete, wenn auch nicht zwanghaft, als ich von National Geographic beauftragt wurde, eine Reihe aus dem irakischen Kurdistan zu schreiben (die ein Werk über einen IS Kämpfer, den ich traf, enthielt) und als ich einen Artikel über einen jungen Einwanderer aus Gambia, der vom bürokratischen Wohlwollen auf Sizilien gestoppt wurde, verfasste.

Über die letzten beiden Monate habe ich darüber hinaus eine neue Art von Instagram Zusammenarbeit mit Randy Olson abgeschlossen, meinem Partner während der Kenia-Arbeiten. Im Juli, kurz vor der Veröffentlichung unserer Geschichte über den Turkana-See im Magazin, posteten wir eine Flashback Serie mit Werken, die wir 2009 direkt nördlich des Sees erstellt hatten. Dann, im August, als die Turkana-Story publiziert wurde, posteten wir eine andere Reihe, die hauptsächlich aus Geschichten und Bildern bestand, die es nicht in das Magazin geschafft hatten.

Im Zusammenspiel umfassten diese beiden Projekte eine erzählerische Reise über Grenzen und durch ein gefährdetes Wassereinzugsgebiet. Wir posteten fast jeden Tag eine Geschichte und verbreiteten sie auf verschiedenen Instagram Accounts, den von National Geograpic eingeschlossen. Dabei konnten wir einen breiten ökologischen und kulturellen Kontext abdecken – aber auch das Bedürfnis von Leuten, die nur mal schnell einen Artikel in der Mittagspause lesen – und erreichten so ein Millionenpublikum.

Diese Zusammenarbeit, die für Handys und Tablets kreiert wurde (auch wenn mein Vater noch immer einen Laptop benutzt, um sie anzugucken), war bisher unglaublich – zumindest auf persönlicher Ebene. Die Antworten (Likes und Kommentare, die einen verrückt und süchtig machen) waren überwältigend und unsere Geschichten wurden mehr als 1.000 Mal geteilt und reposted. Das zeigt mir, dass unser Publikum nicht von der Zeit getrieben ist. Das Alter der Geschichten ist nicht relevant. Wichtig sind die Stimmen der Werke und die Verbindung, die zwischen Wort und Bild hergestellt wird.

One morning you are wandering through the refugee camp when a stranger calls from a doorway, saying “Woman, do you want work?” It’s what you’ve been desperate for, though briefly you resist, fist on hip in the dusty street, a breath of pride. He can see you aren’t a refugee. The beads make it obvious—the heavy plastic hive wound round your neck and the straight spine that helps you carry it. That’s why he asks. You’re small but appear strong, and why else would a Turkana woman wander here? There is no interview, no negotiation (With what, Catherine Lometo, could you negotiate?). And so you become a housemaid working for a refugee who even in his stateless poverty is a degree or two less poor than you. It’s one of the little riddles of this place, that the tribe to whom god gave the land should become servants of those who by great misfortune landed here. There are hundreds like you. Your employer is a Muslim exiled from Ethiopia. He has a wife, children, a touch of pious arrogance. When you arrive in the mornings to wash and sweep the children without greeting withdraw like mist to other rooms. You don’t even know their names. Details less relevant than money. But your employer is not a bad man, and when his monthly ration comes he shares with you some food, which feeds your brothers and sisters. So forgive him, the refugee, and return in the red evening to your village. There, younger sisters wait and beg like fledglings. It’s only beads they want, to coil blues and yellows around their slender necks, to become beautiful, too, strand by strand, and keep a secret for themselves. — See the series: #kakumaseries2014 @unhcrkenya @randyolson #kakuma #kenya #turkana #ethiopia #refugees #everydayafrica #makeportraits #bw #monochrome #periphery #collaboration #theamericanscholar #instagramjournalism #killingthenutgraf

Ein von Neil Shea (@neilshea13) gepostetes Foto am

Ist das der richtige Ort für seriösen Journalismus?

All das macht eine Menge Spaß, aber es ist noch immer Arbeit. Bis jetzt bezahlt uns niemand dafür, es zu machen. National Geographic ist glücklich, uns unser Experiment vollziehen zu lassen, aber es ist eine Herzensangelegenheit. Ich wurde in letzter Zeit auch gefragt, ob Instagram nicht wertlos sei, trivial und nicht der richtige Ort für seriösen Journalismus. Ich bin deswegen dann immer ein wenig verwundert – ich meine, hey, mach doch, was auch immer du machen willst – aber wie jede App im sozialen Netzwerk, reflektiert Instagram die Gemeinschaft, die es benutzt. Die ist in diesem Fall so groß wie die Bevölkerung der Vereinigten Staaten.

Der Schriftsteller Jeff Sharlet hat ein fantastisches Profil erstellt, das nur für Instagram gemacht ist. Es stellt eine Frau dar, die in ihrem Kampf mit psychischen Problemen quasi allein gelassen wurde. Jonathan D. Fitzgerald, ein Doktorand an der Northeastern University, forscht darüber, wie Instagram Erzählungen funktionieren und baut ein Archiv von ihnen auf. Randy R. Potts benutzt die App, um über homosexuelles Leben in Texas zu schreiben. Der Journalist Blair Braverman teilt Geschichten über Hundeschlitten und kalte, einsame Landschaften. Die „Transportation Security Administration“ (Sicherheitsbehörde für Beförderung) postet Bilder des Sicherheitsdienstes des Flughafens von beschlagnahmten Dingen und zeigt so, wie viele Menschen versuchen, Granaten in Flugzeuge zu schmuggeln. Und ich hatte Kontakt mit einem irakischen Studenten, der Instagram nutzt, um Gedichte auf Englisch über die tägliche Gewalt, die auf sein Leben und das Leben seiner Familie einprasselt, zu posten.

Wenn man Instagram so nutzt – oder auch ähnliche mobile Plattformen wie Facebook, Snapchat, Vine oder Twitter – klingt es dann trivial oder nicht trivial? Die Antwort ist natürlich letzteres.

Die Möglichkeiten auf Instagram

Je mehr ich die App nutze, desto mehr Möglichkeiten sehe ich, sie nicht nur trivial zu nutzen. Mitte Juni las ich eine Geschichte in der L.A. Times mit der Überschrift „San Bernardino: Zerstörte Stadt“ geschrieben von Joe Mozingo und mit Fotos von Francine Orr. Für einen Zeitungsartikel stellte es eine raffinierte, fesselnde Erzählung dar und die Zeitung erstellte eine Internetseite, um das Projekt aufzunehmen. Es gab Platz für Diskussionen und Kommentare, aber als ich die Seite der Time auf Instagram suchte, fand ich nur ein paar kurze Posts zu dem Thema.

Wenn Mozingo und Orr mir ähnlich sind, sind sie von ihren Recherchen mit vollgestopften Notizheften und Festplatten zurückgekehrt. Ich liebte ihre Arbeit und wollte mehr. Stell dir vor, wie zusätzliche Interviews, Charaktere und Schauplätze – Dinge also, die es nicht in die finale Version geschafft hatten – in den sozialen Medien genutzt werden könnten, um Verbindungen mit dem Printwerk auszuweiten oder eine eigene Reihe aus San Bernardino zu kreieren. Wie viel mehr Leser hätte die Times erreichen können? Welche andere Geschichten hätte sie erzählen können?

Ein anderes Beispiel für die Möglichkeiten erscheint in der New York Times, welche zu einem früheren Zeitpunkt in diesem Jahr eine Serie herausbrachte, die „Assignment America“ (so viel wie „Der Auftrag Amerikas“) hieß. Die Überschrift der ersten beiden Geschichten beschrieb sie als „Die Aufdeckung des Wandels der amerikanischen Politik, Kultur und Technologie, die sich auf die Berichte und persönlichen Erfahrungen der Journalisten der New York Times im ganzen Land stützt.“

Klingt ausgezeichnet, nach der Art Projekt, an dem viele Schriftsteller gerne teilnehmen würden. Und der einfache Gebrauch der Worte „persönliche Erfahrungen“ scheint die Tür aufzubrechen, die die Times zögernd aufmacht. Die Times hat mehr mit Instagram gemacht als viele andere Zeitungen und Magazine. Ihr Account ist mit einer zugehörigen Website verbunden, auf der Leser Geschichten finden können, die zu den Fotos gehören. Haben die Redakteure der Zeitung in Erwägung gezogen, Instagram für andere Arten von Wort-Bild-Kombinationen zu nutzen? Die “Assignment America” Serie ist jung und vielleicht wird sie nicht bleiben, aber sie scheint ein großes Potenzial für Geschichtenerzählen in sozialen Netzwerken zu sein. Ein schneller Blick verrät, dass der Hashtag #assignmentamerica nur acht Mal benutzt wurde und dabei nie von der Times selbst.

Es gibt natürlich legitimierte redaktionelle Bedenken bezüglich Instagram, das zu Facebook gehört. Auch wenn Nutzer Eigentumsrechte an dem Inhalt behalten, ist die Kontrolle darüber verloren, da Fotos wiederverwendet und von anderen reposted werden können. Aber was würde in einer Zeit, in der mobile Präsenz äußerst wichtig ist und ein strenges Vorgehen hinsichtlich des Inhalts abnimmt, die L.A. Times verlieren, wenn sie mehr von Mozingos und Orrs Arbeit teilen würde, besonders wenn der Hauptartikel online frei verfügbar ist? Was könnte die New York Times gewinnen, wenn sie ihre Serie in Amerika – mit all dem Chaos und der Demokratie, die es erregen würde – dem kurzen, mobilen Geschichtsschreiben öffnen würde?

Vielleicht hält eine institutionelle Angst diese Art von Arbeit fern von Instagram. Oder die einfache Geschäftigkeit die Nachrichtenredaktionen überfordert. Meine eigenen Redakteure bei National Geographic – welches mehr als 30 Millionen Follower hat – unterstützen mein Instagram-Projekt, wissen aber immer noch nicht, wie sie es mit der Marke verknüpfen können. In letzter Zeit gab es Gespräche, dies zu ändern, jedoch ist nicht klar wie und wann das passiert.

The wooden canoes always seemed to hobble through the water, half-sunk and fickle as a Sunday drunk. Barely more than flotsam. Once I asked who made them and the fishermen pointed north to Ethiopia, to a fading kingdom of trees. Many things came from there, looping down through the delta—guns, fish, fertilizer, rumors of death or rebellion. Rafts of thick grass came, too, and every few days a new flotilla drifted into the lake. Most were green specks, but now and then a large one appeared, an islet rustling with birds and frogs and other creatures. Occasionally the local priest, a German, would swim out to meet them and haul aboard as though he were a giant shouldering into Lilliput. Imagine—this white guy rising from the opaque water, long-haired and pale as dawn. He rode the islets south for a time and did not worry about crocodiles. In the middle of our stay something strange occurred. For several nights the islets arrived on fire. One after another, glowing fierce as comets. Before I slept I would scan the darkness and note their positions in the void beneath Orion’s belt. When I woke hours later, delirious with heat, I’d find them farther along, still aflame and somehow more familiar. Always by morning they had vanished. For a while I thought them a dream. I asked, but no one could say why they burned or what the Ethiopians might be doing upriver. Soon I thought better of it and stopped looking for answers. Mystery keeps better than fact, and I wanted those nights blazing. // #laketurkana #omoriver #daasanach #kenya #islet #canoe #natgeo #onassignment with @randyolson +@natgeo // See the series: #jadeseaseries2014

Ein von Neil Shea (@neilshea13) gepostetes Foto am

„Für Instagram zu schreiben ist anders“

Es wäre ein Fehler, zu denken, dass diese Art des Schreibens in kurzer Form sorgfältig recherchierte, gut geplante, kreative Sachtexte ersetzen könnte. Wie ich vorher erwähnt habe, sollten Werke auf Instagram nicht wie Zeitungsartikel sein, geschweige denn wie ein Artikel in einem Magazin. Und ich möchte nicht sagen, dass Schriftsteller ihre Träume, Texte in Langform zu schreiben, wegwerfen sollen. Wir reden noch immer von Geschichten, die am besten auf dem Handy gelesen werden.

Für Instagram zu schreiben ist anders und man sollte sich mit einem bestimmten, vielleicht reineren Ziel annähern – der Freude am Herausfinden und Weitererzählen. Schriftsteller, die trainiert sind, zu beobachten und zu sammeln, zu testen und zu analysieren, haben in dieser App eine neue Möglichkeit für Innovationen, sie können ihre Fähigkeiten nutzen, um sie für mobiles Geschichtenerzählen anzuwenden.

Zu einem späteren Zeitpunkt in diesem Jahr plane ich, ein anderes Experiment in dem Virginia Quarterly Review zu starten, um zu sehen, wie weit es gehen könnte.

Mit meinem Kollegen Jeff Sharlet und unserem Redakteur Paul Reyes werde ich ein Projekt betreuen, das regelmäßig Schriftsteller auf der Instagramseite des Magazins vorstellen wird. Jeder wird zwischen drei und fünf kurze, wahre Stücke über Themen aus verschiedenen Ecken der Vereinigten Staaten und, wie wir hoffen, aus der ganzen Welt, posten. Sie werden mit einer bescheidenen Summe entlohnt und ihre Werke werden in einem Essay zusammengetragen, der auf der Website von VQR erscheint. Die besten Arbeiten werden außerdem in der Printausgabe des Magazins erscheinen.

Das werden Erzählungen in ihrer einfachsten Form sein – der Autor als Beobachter, Berichterstatter, der von einem Ort erzählt, den unsere Leser wahrscheinlich nicht kennen. Soweit wir wissen, wird es das erste Projekt dieser Art sein. Wir sind nicht sicher, wie es werden wird. Sicherlich geht es viel weniger um Instagram als Marke als um unseren Wunsch, Geschichten zu erzählen, zu teilen und dabei besonders Orte und Menschen zu erreichen, die im Mainstream verloren gehen. Es gibt verschiedene Apps, die wir dafür auch hätten auswählen können. Das Tempo von mobilen Innovationen lässt erahnen, dass noch mehr kommen wird. Für diesen Moment jedoch ist Instagram ein Werkzeug, das Geschichten in einem größeren Rahmen als die meisten anderen Arten von sozialen Netzwerken sammeln und ausstellen kann. Und wir mögen es einfach.

Im Februar wurde ich an die besondere Kraft der App erinnert, als ich Instagrams Hauptsitz im Silicon Valley besuchte, wo ich einen Workshop im Verfassen von sachlichen Kurzgeschichten gab. An einem kühlen Nachmittag hörte ich David Guttenfelder seine Liebe zu Instagram beschreiben, den Milliarden Bildern, von denen jedes ein kleines Quadrat Licht reflektiert. Guttenfelder, ein ehemaliger AP Chefphotograph für Asien, der mehr als 800.000 Follower in der App vereint, zeigte seine Fotos aus Japan, Montana, Iowa, Nord Korea und von anderen Orten. Er sagte, Instagram habe seine Idee davon geändert, wie er Bilder in die Welt schickte.

„Das ist die größte, wichtigste Plattform da draußen“, sagte er, „ihre Reichweite ist unglaublich. Es sehen mehr Menschen meine Arbeit auf Instagram als es jemals in einem Magazin wie National Geographic der Fall wäre.“

Mein erster Gedanke war zuzustimmen. Mein zweiter war, wie ich mehr Schriftsteller einbeziehen konnte. Bald werden wir bei VQR nach Antworten suchen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Nieman Reports„. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image Screenshot by Instagram/Neil Shea


Weiterlesen »

Wie eine Webseite zur digitalen Zeitkapsel wird

Kamera-Fotos (image by condesign [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Geschichte entsteht aus Geschichten. Die Webseite The History Project versucht genau diese Geschichten mit moderner Technologie einzufangen und als interaktive Geschichte für zukünftige Generationen aufzubewahren und abzubilden. So sollen aus chaotischen Anekdoten und Objekten bedeutungsvolle Erinnerungen werden.

Alles begann, als Niles Lichtenstein eine Kiste voller alter Schallplatten auf dem Dachboden fand. Die Schallplatten hatten seinem Vater gehört, der vor vielen Jahren an Krebs gestorben war. Für Lichtenstein war dieser Moment so, als ob er eine wertvolle Schatztruhe gefunden hätte. “Die Musik hatte meinen Vater und mich immer verbunden. Als ich anfing die erste Platte zu hören, kamen all diese Erinnerungen hoch und ich hatte ein unglaubliches Hochgefühl.”

Desperado von den Eagles:

Doch kaum war die Musik verklungen, war diese Verbindung, die er gefühlt hatte verpufft. Er fühlte sich traurig und alleine. Er begann fast wie besessen eine Platte nach der anderen zu hören, auf der Suche nach mehr Erinnerungen an seinen Vater. Als das nicht mehr reichte, tauchte er in alte Fotoalben ein. Er besuchte Freunde seines Vaters und interviewte sie. Seine Reise in die Vergangenheit führte ihn immer weiter. Er reiste sogar nach Vietnam, an den Ort, an dem sein Vater während des Kriegs stationiert war. “Als ich von dieser Reise wiederkam, war ich körperlich total ausgelaugt, fühlte mich aber im Geiste sehr erhoben.” 

Als er aber seiner Familie diese intensive Erfahrung beschreiben und zeigen wollte, hatte er nur eine Daten-CD mit ein paar Liedern und Fotos in der Hand. “Das gab überhaupt nicht wieder, was ich erfahren hatte. Es war genau das Gegenteil von dem, was ich auf meiner Reise in die Vergangenheit erlebt hatte.”

Die Vergangenheit mit Technologien von heute für die Generation von morgen aufbewahren

Seine Erfahrung mit der Vergangenheit seines Vaters hatte Niles Lichtenstein zwei Dinge gezeigt: Erstens, Menschen leben durch die Geschichten, die wir mit ihnen verbinden, in nachfolgenden Generationen weiter und zweitens, es müsste einen Weg geben, um diese Geschichten in einer Art lebendiger, interaktiver Zeitkapsel aufbewahren zu können. So entstand wenige Zeit später The History Project. Die Webseite sieht sich als

Eine Welt, in der Momente wichtig sind, für immer aufbewahrt werden können und einfach zugänglich sind.

Die Vergangenheit soll so mit Technologien von heute eingefangen und für künftige Generationen aufbewahrt werden. Dabei kann The History Project viel mehr als etwa ein geteiltes Fotoalbum auf Facebook. Jede Geschichte wird anhand eines Zeitstrahls erzählt. Hier können einzelne Geschehnisse festgehalten werden, wie die Geburt eines Kindes, das erste Date oder der erste Tag im neuen Job. Jedes Ereignis kann dabei mit Fotos, Tonaufnahmen, Videos, Musik, Dokumenten, Landkarten, alten Zeitungsschnipseln und vielem mehr bereichert werden. “Denn es ist nicht dasselbe, wenn wir uns einfach alte Fotos anschauen oder wenn unsere Eltern daneben sitzen und uns die Geschichte und die Hintergründe zu diesen Fotos erklären.” Mit The History Project sollen genau diese Geschichten wieder erzählt werden.

Screenshot Erstes Date 650x326

So werden durch die Timeline alte Erinnerungen wieder lebendig und in einen Zusammenhang gebracht. The History Project orientiert sich dabei an die Art und Weise, wie wir selbst Erinnerungen abspeichern. Ein bestimmtes Lied kann zum Beispiel eine Welle von Bildern, Orten und Ereignissen in unserer Erinnerung hervorrufen. Genau diese Erinnerungsflut will The History Project simulieren. Ein Klick auf das Ereignis “Erstes Date” ruft zum Beispiel gleichzeitig alte Fotos, die erste Email, die Musik, die damals spielte und eine Speisekarte des Restaurants auf.

Diese Geschichts-Timelines können auch mit anderen Nutzern geteilt werden, sodass man mit mehreren gleichzeitig an einer Geschichte arbeiten kann. Niles Lichtenstein ist es dabei wichtig, dass wir stets Zugriff auf die Geschichten haben. Geschichte soll dadurch ein viel größerer Teil unseres Alltags werden: “Wer an Geschichte denkt, sieht gleich langweilige alte Wälzer oder vergrabene Zeitkapseln vor sich, die man erst in 30 Jahren wieder ausgraben kann. Aber unsere Idee ist, dass Geschichte uns in unserem Alltag begleiten soll, wenn wir morgens unsere Emails checken oder beim Essen mit der Familie, wenn wir uns diese Geschichten erzählen.”

Lichtenstein glaubt, dass wir nur in und durch unsere Geschichten wirklich lebendig sind: Wenn unsere Großeltern davon erzählen, wie sie als Kinder gespielt haben; wenn unsere Onkel und Tanten uns verraten, wie viel Unsinn unsere Eltern früher getrieben haben; wenn wir uns an unsere Schulzeit erinnern. Mit anderen Worten: Wenn wir uns an all die Geschichten, die uns ausmachen erinnern und diese weitergeben, dann bleiben wir selbst dadurch lebendig und können anderen ein Stück von uns selbst mitgeben.

Das Erinnerungschaos ordnen

All das will The History Project auf digitale Art und Weise einfangen. Dabei ist das Ausfiltern von Erinnerungsstücken ein wichtiger Teil des Prozesses. Denn einerseits haben wir viele alte Objekte wie Fotos oder Kassetten, die vom Verfall bedroht sind. Andererseits verfügen wir über riesige digitale Datenbanken mit Tausenden Fotos, die völlig überwältigend – aber in ihrer angesammelten Masse auch völlig bedeutungslos sind.

The History Project hat sich zum Ziel gesetzt, Ordnung in dieses Erinnerungschaos zu bringen. Gespeichert wird alles im Netz, mit Cloud-Technologien. So bleiben bedeutungsvolle Erinnerungen nicht nur für uns, sondern auch für unsere Kinder und Enkel erhalten – das erhofft sich zumindest das Team von The History Project. Dabei ist das Projekt nicht nur für persönliche Erinnerungen oder als digitales Erinnerungsalbum für die Familie gedacht. The History Project kann beispielsweise auch von Firmen oder Organisationen genutzt werden, um ihre Gründungsgeschichte oder ihre Firmenideologie für ihre Angestellten, aber auch für die Zukunft festzuhalten.

Geschichte mit allen Sinnen erleben

Niles Lichtenstein gibt zu, dass die digitale Erinnerungszeitkapsel erst der Anfang ist. “Wir arbeiten derzeit auch an Techniken mit 3D Druckern oder digitalen Gerüchen, denn Erinnerung hat auch so viel mit Anfassen und Riechen zu tun.” Geschichte soll also mit allen Sinnen erlebt werden. Eine Idealvorstellung wäre für Lichtenstein etwa ein Video von der Oma beim Kochen, darunter liest man direkt das Rezept, hört die Radiomusik, die sie damals dazu gehört hat und riecht gleichzeitig das leckere Essen.

Ganz soweit ist The History Project aber noch nicht. Bisher kann man über die Webseite entweder selbst an digitalen Erinnerungesprojekten basteln (Spoiler Alert: hoher Spaßfaktor) oder das Team von The History Project, die selbsternannten Geschichts-Hausmeister, damit beauftragen, seine Erinnerungen professionell zu ordnen, entweder modern und digital als Web-Projekt, oder doch ganz klassisch – als Fotoalbum.

Screenshot Fotoalbum 650x165

Und die Moral von der Geschicht

Unsere Erinnerungen und unsere Geschichten machen uns als Menschen aus. The History Project bietet eine spannende sowie unterhaltsame Möglichkeit, diese in digitalen Zeitkapseln für uns sowie für nachfolgende Generationen aufzubewahren.

Niles Lichtenstein über die Hintergründe von The History Project


Teaser & Image “Kamera-Fotos” by condesign (CC0 Public Domain).


CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

Weiterlesen »

Wird Twitter durch „Moments“ menschlicher?

Twitter Bird Logo Sketch, New (adapted) (Image by Shawn Campbell [CC BY 2.0] via Flickr)

Twitters Nutzerwachstum hat sich in den letzten drei Jahren verlangsamt – kann das neue Feature namens Moments das vielleicht ändern? Anfang diesen Monats startete Twitter ein neues Feature namens Moments, das eine kuratierte und ständig aktualisierte Sammlung von Tweets anbietet, die das Unternehmen als “das Beste, was gerade bei Twitter passiert” beschreibt. Unter den Überschriften “Heute”, “Nachrichten”, “Sport”, “Unterhaltung” und “Fun” präsentiert Moments eine Reihe von Tweets mit Texten, Videos und Fotos, deren Inhalte von den letzten Entwicklungen im US-amerikanischen Wahlkampf bis hin zu niedlichen Tierbildern reichen.

Die Aufmerksamkeit, die Moments gewonnen hat, ist groß, sowohl weil es Twitters Bestreben das schleppende Nutzerwachstum anzukurbeln zeigt, als auch weil es auf menschliche Kuratoren angewiesen ist. Dieses Vertrauen in Menschen lässt wichtige Fragen nach dem Wert der Leute in technologie-getriebenen Informationsservices und den Grenzen der modernen Spitzensoftware aufkommen.

Warum ist Moments gerade jetzt für Twitter wichtig?

Der wichtigste Antrieb hinter der Entwicklung von Moments ist Twitters stagnierendes Nutzerwachstum.

Twitter, das seit 2006 auf dem Markt ist, kämpft darum, sich auf dem amerikanischen Markt vollständig durchzusetzen. Laut Daten des Pew Research Center nutzen lediglich 20 Prozent der Erwachsenen in den USA Twitter, im Vergleich dazu sind es 62 Prozent der Erwachsenen bei Facebook, 26 Prozent die Pinterest nutzen, 24 Prozent sind Nutzer von Instagram und 22 Prozent nutzen LinkedIn.

 

Hinzu kommt, dass sich Twitters Nutzerwachstum in den letzten drei Jahren verlangsamt hat; waren es im ersten Quartal 2012 noch 18 Prozent, sind es im zweiten Quartal diesen Jahres nur noch 3 Prozent.

Der vor kurzem wieder eingesetzte CEO von Twitter, Jack Dorsey, nennt als Ursache des verlangsamten Wachstums die verwirrende Plattform, deren Navigation schwierig ist. Moments soll nun beide Probleme lösen.

 

Zuallererst soll Moments die Schlüsselfunktion von Twitter hervorheben. Daten des GlobalWebIndex Social Report weisen darauf hin, dass Twitter vor allem als Nachrichtenservice genutzt wird. Wie die Grafik zeigt, berichten 41 Prozent der Nutzer, dass sie in den letzten 30 Tagen einen Nachrichtenbeitrag auf Twitter gelesen haben und 35 Prozent geben an, sich eingeloggt zu haben, um zu sehen, was aktuell passiert (ohne etwas zu tweeten) oder um Trends zu verfolgen.

Moments vereinfacht diese passive Leseart in dem es einen schnellen Überblick über die Nachrichten des Tages bietet. Es betont den größten Reiz von Twitter: Zugang zu interessanten, aktuellen Informationen. Für neue Nutzer kann Moments als Einstieg dienen, um zu zeigen, wie die Plattform funktioniert. Zweitens macht es Moments einfacher, auf der Seite zu navigieren. Anstelle der unorganisierten, zeitlich umgekehrten Zeitachse, mit der erfahrene Nutzer der Plattform vertraut sind, bietet Moments eine stabile und strukturierte Sammlung von Inhalten. Für neue Nutzer, die Twitter noch verwirrend finden, bietet Moments Übersichtlichkeit und erleichterte Bedienung. Falls Dorseys Diagnose korrekt ist, könnte Moments Twitter zu größerem Nutzerwachstum verhelfen. Allerdings sind sich nicht alle Beobachter einig, dass die Verwirrung der Nutzer der Hauptschuldige am stagnierenden Wachstum ist. Der Mitarbeiter der Harvard Business Review Umair Haque schlägt eine alternative Theorie vor, nach der Twitters Wachstum sich auf Grund des ausfallenden und verunglimpfenden Tons, der häufig auf der Plattform angeschlagen wird, verlangsamt hat. Daher bleibt es abzuwarten, ob sich Moments als die richtige Behandlung für das Gebrechen einer nur wenig wachsenden Nutzerbasis erweist.

Wie funktioniert Moments?

Der vielleicht interessanteste Aspekt von Moments ist die Technologie dahinter, besonders da nicht wirklich Technologie in Gebrauch genommen wird. Die Moments Inhalte werden nicht von einem Algorithmus ausgewählt, sondern ausschließlich von Menschen bei Twitter. Dabei erhalten sie Hilfe von Nachrichtenorganisationen wie The New York Times und der Washington Post. Mit anderen Worten: Twitter sucht nicht nach software-basierten Lösungen für das Problem des Nutzerwachstums, sondern hat sich für menschliche Arbeit entschieden. Für Twitter bedeutet dies Inhalte mit höherer Qualität und ein geringeres Risiko von peinlichen Fehlern (welche das Unternehmen in früheren, auf Algorithmen basierenden, Versuchen der Zusammenstellung von Inhalten erlebt hat). Für Nachrichtenorganisation stellt eine Beteiligung an Features wie Moments eine Möglichkeit dar, wie sie Besucher auf ihre Website bringen, während sie noch damit ringen sich an den Einfluss, den soziale Medien auf das Nachrichtengeschäft haben, zu gewöhnen. Twitters Entscheidung menschliche Kuratoren anzustellen, kommt zu einer Zeit, in der die Bedrohung der menschlichen Mitarbeiter durch hochentwickelte Roboter und Software in allen Industrien von der Gastronomie bis hin zum Journalismus ein häufiges Thema ist. Doch während die Bedenken darüber wachsen, ersetzen immer mehr Technologieunternehmen Algorithmen und Software durch Menschen. Beispiele sind auch außerhalb Twitters, von Menschen kuratiertem, Moments zu finden. Die Firma YouTube, eine Tochterfirma von Alphabet (ehemals Google), kündigte vor kurzem an, sie werde mit den Menschen der Nachrichtenagentur Storyful zusammenarbeiten, um einen Video News Feed zu kuratieren. Auch Apple investiert, sowohl für die Nachrichten App als auch für den Musikservice, in menschliche Experten als Kuratoren. Diese Beispiele bilden einen starken Kontrast zu den Algorithmen, die häufig Feeds befüllen. Facebooks Nachrichten Feed nutzt beispielsweise einen Algorithmus, der in Betracht zieht, wem man folgt, was einem gefällt und mit welchen Freunden man am häufigsten interagiert, um zu bestimmen, welche Inhalte angezeigt werden. Eine Art, diese Ankündigungen zu lesen ist, dass sie die Rückkehr des menschlichen Wesens einläuten, dass sie die Erkenntnis repräsentieren, dass das menschliche Urteilsvermögen einen Wert hat, der nicht von einer reinen Software reproduziert werden kann. Eine realistischere Interpretation könnte jedoch sein, dass die Entscheidungen der Technologieunternehmen eher der Erkenntnis geschuldet sind, dass die gegenwärtige Software Generation ihre Grenzen hat. In einem Interview mit Note to Self betont Yoshua Bengio, Professor für Informatik an der University of Montreal, wie unterentwickelt das heutige maschinelle Lernen und die künstlichen Intelligenzen sind. Diese Systeme mit menschlichen Kleinkindern vergleichend erklärte Bengio: “Sie sind noch jünger als Babys, sie sind Proto-Babys, nicht annähernd so klug wie Babys.”

Dieses Proto-Säuglingsalter des maschinellen Lernens wurde bei einem Vorfall Anfang des Jahres deutlich, als Googles Bilderkennungssoftware fälschlicherweise ein afro-amerikanisches Paar als Gorillas markierte. Google entschuldigte sich für den Fehler und unternahm sofort Schritte, um weitere Probleme dieser Art zu vermeiden, aber das innewohnende Problem bleibt: Die gegenwärtige Software ist einfach zu dumm, um Entscheidungen zu treffen, die menschliche Erwachsene intuitiv entscheiden würden. Und für Unternehmen, wie Apple, Alphabet und Twitter steht zu viel auf dem Spiel, als dass sie ihr gesamtes Geschäft auf Software setzen würden, die sich noch im Proto-Säuglingsalter befindet.

Daher ist es wahrscheinlich ein Fehler zu verkünden, dass wir in ein neues Zeitalter der Menschen bei Apple, Twitter und ähnlichen Unternehmen vorstoßen. Stattdessen bedeuten diese Entwicklungen lediglich eine Pause im Vormarsch der Mechanisierung. Sobald die Algorithmen erwachsen sind, ist es denkbar, dass die menschlichen Kuratoren den Weg der menschlichen Autobauer gehen werden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) “Twitter Bird Logo Sketch, New” by Shawn Campbell (CC BY 2.0)


 

Weiterlesen »

Syrische Flüchtlinge dokumentieren ihre Flucht via Social Media

Syrian Refugees Crisis - HUNGARY IGNORANCE (adapted) (Image by Freedom House [CC0 Public Domain] via Flickr)

Syrische Flüchtlinge dokumentieren ihre Flucht auf Instagram und Facebook mit Smartphone-Schnappschüssen. Fotos sind für syrische Flüchtlinge oft der einzige Weg, um ihre Flucht in Erinnerung zu behalten und zu dokumentieren. Doch viele von ihnen haben die Bilder ihrer Flucht nicht nur geknipst, sondern sie danach auch auf sozialen Netzwerken wie Instagram oder Facebook veröffentlicht: als Erinnerung, als Mahnung, als Nachricht und als Botschaft. In einem Hotel in Athen hat Netzpiloten-Autorin Marinela Potor zwei syrische Flüchtlinge getroffen, die ihr ihre Geschichte erzählt haben, zusammen mit Fotos von der Flucht.

Wer in den Urlaub fährt, macht Fotos. Wer als Syrer auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung ist auch. Was zunächst merkwürdig anmutet, ist eigentlich ganz logisch. Viele Flüchtlinge posten ihre Fotos auf sozialen Netzwerken, nicht nur um die Flucht zu illustrieren und festzuhalten, sondern auch um sie zu verarbeiten. Um ihren zurückgebliebenen Verwandten und Freunden zu zeigen, dass es ihnen gut geht. Um anderen Flüchtlingen Hoffnung zu machen. Um auf der schwierigen Flucht wenigstens einige wenige schöne Momente zu schaffen – selbst wenn es nur das Lächeln für den Schnappschuss ist.

Eindrucksvolle Fluchttagebücher in Bildern

So haben auch Maziad Aloush und Kamal Kawsara ihre Flucht aus Syrien, Land um Land, Grenzzaun um Grenzzaun, in Bildern festgehalten. Maziad ist mit seinen Brüdern per Boot und über Land nach Deutschland geflüchtet. Kamal ist über Boote, Busse und ein Flugzeug nach Belgien geflohen. Ihre Flucht-Fotos haben sie mit ihren Smartphones gemacht, um sie später auf Facebook oder Instagram zu veröffentlichen.

Auch Monate nach ihrer Flucht, schauen sie noch die alten Bilder an und erinnern sich and beschwerliche, aber auch an schöne Momente ihrer Flucht. Viele der Fotos erinnern in ihrer Selfie-Pose an ganz normale Urlaubsfotos, doch wer genau hinguckt erkennt schnell: diese Fotos haben wenig mit einem entspannten Ferienausflug zu tun. Sie zeigen wie die Flüchtlinge tagelang zu Fuß über die Balkanroute wandern, wie sie ohne Essen und ohne ein Dach über dem Kopf Schritt für Schritt ihrem Zielland näher kommen.

Flüchtlingsbilder wie die von Maziad und Kamal zeigen die schwierigsten, aber auch die hoffnungsvollsten Momente ihrer Flucht. So ist ein eindrucksvolles Bild-Tagebuch ihrer Flucht entstanden.

Ankunft in Europa

 

A photo posted by Maziad Aloush (@maziad.aloush) on

Endlich Europa! Maziad hat zum ersten Mal in seinem Leben (und das auch noch Nachts im Dunkeln) ein Boot gesteuert, um aus der Türkei zur griechischen Insel Lesbos zu gelangen. Nachdem ihm ein Schlepper um all sein Erspartes betrogen hatte, konnte er es sich nur so leisten, sich und seine zwei Brüder nach Europa zu bringen. Während Kamal tagelang vergeblich darauf wartet, mit gefälschten Pass per Flugzeug nach Frankreich zu fliegen, schaut er sich die Akropolis an. “Ich musste dabei an Syrien denken und wie viele historische Bauten dort durch den Krieg zerstört wurden.”

 

A photo posted by Maziad Aloush (@maziad.aloush) on

 

A photo posted by Maziad Aloush (@maziad.aloush) on

Um nach Mazedonien zu kommen, mussten Maziad und seine Gruppe 84 Kilometer zu Fuß durch den Wald stapfen. “Wir hatten nur Datteln zu essen und sehr wenig Wasser. An einem Punkt hatten wir kein Wasser mehr, und es war sehr heiß. Genau dann sind wir an eine Bergquelle gekommen – das war das beste Wasser, was ich je getrunken habe.” Einen einfacheren Weg gibt es nicht, denn dies ist die einzige Route, mit der Maziad und die anderen die strikten Grenzkontrollen in Mazedonien umgehen.

Kamal hat es mit sieben falschen Pässen nicht geschafft, einen Flug nach Frankreich zu bekommen. Er beschließt deswegen, mit dem Boot zurück nach Rhodos zu fahren und hofft, dass er dort mit seinem allerletzen Pass durch die Passkontrolle gelassen wird.

Die neue Heimat

Kamal hatte Glück. Er konnte mit seinem letzten Pass von Rhodos nach Paris fliegen. Hier holt ihn sein Bruder ab und sie fahren gemeinsam in Kamals neue Heimatstadt: Brüssel. Seit drei Monaten ist er mittlerweile hier und lernt schon fleißig Französisch: “Ich fühle mich sehr wohl hier und hoffe, dass ich die Sprache schnell lerne und mich möglichst schnell in die Gesellschaft aktiv einbringen kann.”

Nach vielen Monaten auf der Flucht sind sie endlich am Ziel. Maziad und seine Brüder werden von ihrem Cousin in Düsseldorf am Bahnhof abgeholt. Mittlerweile sind sie in einer Flüchtlingsunterkunft in Dorsten bei Dortmund – und warten immer noch darauf, dass ihr Aufenthaltsantrag geprüft wird.

Auch er sieht seine Zukunft in Deutschland: “Ich hoffe, es dauert nicht mehr lange, bis wir die Papiere haben. Dann kann ich endlich anfangen zu arbeiten und ein Flugticket für meine Eltern kaufen. Sie sind noch in Syrien – und sie sollen nicht wie ich über Land nach Deutschland kommen müssen.”

Unvergessliche Bilder

Wie auch viele andere Flüchtlinge haben auch Maziad und Kamal ihre Flucht nicht nur für sich, sondern auch für andere in Bildern auf sozialen Netzwerken wie Instagram oder Twitter festgehalten. Sie werden ihre Flucht sicherlich niemals vergessen, doch sie wollen auch, dass die Welt sie nicht vergisst. Ihre Bitte an die Netzpiloten: “Bitte veröffentlicht unsere Fotos! Wir möchten, dass so viele Menschen wie möglich unsere Bilder und unsere Geschichte sehen!”


Image (adapted) “Syrian Refugees Crisis – HUNGARY IGNORANCE” by Freedom House (CC0 Public Domain)


 

Weiterlesen »

Nützliche Tipps zum Aufwerten von Bier-Fotografien

Wenn es eine Sache gibt, die Bierliebhaber noch mehr lieben als das Bier an sich, dann ist es das Posten der Fotos von ihrem Bier im Internet. // von Matthew Curtis

Berlin Beer Post 650x400

Ob es nun aktuelle Bilder der Getränke sind oder Fotos von der letzten Ausbeute, sie können nicht abwarten zu fotografieren und es sogleich auf einem beliebigen Social-Media-Kanal zu teilen. Aber wer kann es ihnen in der heutigen Zeit verdenken? Moderne Plattformen wie Instagram, Twitter und Pinterest bieten einem die Möglichkeit, seine Freunde innerhalb von Sekunden wissen zu lassen, was man gerade trinkt, egal wie weit man gerade voneinander entfernt ist.

Für das Schreiben über Bier bietet der Fotozusatz eine gute Methode, um den Inhalt zu vertiefen und zu verstärken. Das kann beispielsweise ein Foto als Ergänzung einer Bierbewertung sein. Desweiteren können Reisetipps mit Ortsfotos ergänzt werden oder die Bilder dienen im Allgemeinen einfach als Mittel, um lange Passagen eines Textes zu unterbrechen. Wenn das gut gelingt, wird es nicht nur die Verbindung zu den bisherigen Lesern verbessern, zusätzlich werden auch neue Leser dazugewonnen.

Es ist wichtig, sich Zeit für Fotos zu nehmen

Für mich ist Fotografie zu einem fundamentalen Teil des Schreibens über Bier geworden. Genauso viel Zeit wie ich für das Zusammenfügen des Textes aufwende, widme ich den Aufnahmen und dem Bearbeiten der Fotos. Das bedeutet zwar sehr viel Zeitaufwand, der sich aber wirklich lohnt. Jedoch war ich nicht immer auf diesem Stand, denn einige Posts von früher zeigen traurig fotografierte Bilder, die wenig oder gar keine Aussage beinhalteten. Sie waren schlecht gerahmt, oft war ich viel zu nah am Gegenstand und ich habe immer nur Flaschen von gebrautem Bier mit einem Glas, das einen anderen Markennamen enthielt, fotografiert – ein großer Fauxpas.

Der vielleicht größte Fehler meiner Fotografie wurde durch die unzureichende Lichtquelle verursacht, folglich wurden meine Aufnahmen grobkörnig und unfokussiert. Die Mehrheit meiner Fotos sagte absolut nichts über Bier aus – sie passten nicht annähernd zu dem Geschriebenen.

PeachTherapy 650x400

Bilder sagen mehr als der Text

Im Januar 2014 las ich einen Artikel, der alles änderte. Der detaillierte Beitrag von Michael Kiser auf Hill Farmstead faszinierte mich vom ersten bis zum letzten Paragrafen. Es waren aber nicht nur die Worte, die meine Aufmerksamkeit ergriffen. Die erstaunliche Fotografie verschaffte mir das Gefühl, als wäre ich wirklich an diesem Ort gewesen. Das erste Foto in dem Artikel von einem traurigen, nass durchtränkten Shaun Hill sagte mehr über die Brauerei aus, als der Text beschreiben konnte. Es war das erste Mal das ich einen Bericht, Good Beer Hunting, auf Kisers Seite las, aber von dem Moment an habe ich nicht einen verpasst.

Durch diesen Bericht realisierte ich, dass ich als Bierautor keinen besonders guten Job machte. Ich bot meiner Leserschaft nicht den Service, den sie verdienten. Von diesem Zeitpunkt an war ich engagiert, jeden Aspekt meines Inhalts aufzubessern. Ein wichtiger Schritt war hierbei die Investition in eine geeignete Kamera. Während ich mir selber die Kenntnisse der Fotografie beibrachte, wurde mir klar, dass wenn ich meine Kamera überall mit hin nehme, mir mehr und mehr neue Themen begegneten, über die es sich lohnt zu schreiben. Im Nachhinein gesehen, war das eine meiner besten Investitionen.

Der wesentlichste Punkt von guter Bierfotografie ist wohl die Sicherheit, dass man über eine gute Lichtquelle verfügt. Eine geeignete Kamera und eine gute Linse mit einer hohen Blendeneinstellung sind natürlich ebenfalls sehr hilfreich. Das Bier und Orte mit niedrigen Lichtverhältnissen sind nach wie vor untrennbar, Tageslicht ist aber dennoch dein bester Freund. Du solltest über das Ablichten eines Gegenstandes genauso gut nachdenken, wie du über das Verfassen eines Satzes oder Absatzes nachdenkst. Machst du alles Nötige, um sicherzustellen, dass der Gegenstand im Fokus der Darstellung steht? Unterstützt die Abbildung die zu erzählende Geschichte?

A Moment in New Belgium 650x400

Durch Fotos Gefühle vermitteln

Der beste Ratschlag, der mir in Bezug auf die Bierfotografie gegeben wurde, war mich von dem fokussierten Gegenstand zu entfernen und dessen Umgebung und die Menschen drum herum im Gesamtbild zu erfassen. Jeder kann ein vernünftiges Foto von einer Bierflasche machen. Viel schwieriger ist es, dass Foto so zu schießen, sodass es ein bestimmtes Gefühl vermittelt. Im Wesentlichen sollte die Bierfotografie genauso behandelt werden wie das Schreiben – das beinhaltet natürlich auch zu wissen, wann man sich von dem Zeug trennen muss, das offensichtlich nicht funktioniert.

Um tolle Ergebnisse zu erzielen, musst du nicht unbedingt viel Geld in eine teure Kamera investieren, denn jeder von uns trägt eine gute Kamera immer mit sich, in unseren Smartphones. Smartphone-Fotos scheinen oft ein wenig leblos zu sein, aber mit ein wenig sorgfältiger Bearbeitung können diese zum Leben erweckt werden. Es gibt tolle Apps, wie z.B. Afterlight (Android | iOS) und VSCO Cam (Android | iOS), die einfach zu bedienen sind und die Qualität der Fotos enorm verbessern. Auch Instagram selbst – meine erste Wahl für schnelles und einfaches Teilen meiner Fotografien – ist heutzutage sehr empfehlenswert.

Berlin Beer Green 650x400

Komm nicht in Versuchung eingebaute Filter zu benutzen, besser ist es, selber zu probieren, den Gegenstand in Bezug auf seine Umgebung in den Fokus zu setzen. Merke dir, dass das ganze Verbessern nichts bringt, wenn das Foto langweilig und nicht fokussiert ist. Mein letzter Ratschlag ist, wenn man Fotos für seine eigene Online-Inhalte nutzt, man sie so groß wie möglich fotografieren sollte. Verkleinert die Fotos nicht! Es gibt nichts Schlimmeres als einen angemessenen Beitrag zu lesen, der mit winzigen und schwer entzifferbaren Bildern versehen ist. Man würde doch auch keine klitzekleine Schrift für einen geschriebenen Text wählen, oder?

Das Wichtigste ist aber, dass eine Kamera sein ständiger Begleiter ist, wo immer man hingeht und vor allem, dass man den Spaß an der Sache nicht verliert. Viel Spaß beim Fotografieren!

Übersetzung von Janine Billker.


Teaser & Images by Matthew Curtis.


CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

Weiterlesen »

Kreative Facebook-Titelbilder – 5 Tipps für Unternehmen

Facebook Beachfront (adapted) (Image by mkhmarketing [CC BY 2.0] via Flickr)

Das Erste, was man auf einem Facebook-Profil sieht, ist das Titelbild. Im Folgenden erfahren Sie, wie sich aus diesem das Maximum rausholen lässt. Das Facebook-Titelbild kann der entscheidende Faktor sein, der darüber entscheidet, ob sich ein Nutzer weiter auf Ihrer Seite umschaut oder diese aber verlässt. Um zu verhindern, dass Nutzer bei dem Anblick Ihrer Seite die Flucht ergreifen, gibt es einige grundlegende Regeln bezüglich Titelbildern, die es zu beachten gilt.

Größe und Format

Zunächst ist es wichtig, die richtigen Abmessungen für das Titelbild zu kennen. Am besten sieht es aus, wenn das Bild etwa doppelt so breit wie lang ist. Falls Sie selbst ein Design erstellen, empfiehlt es sich, mit einer Fläche der Maße 851×315 zu arbeiten. Das ist nämlich die ideale Größe für ein Facebook-Titelbild.

Falls Sie ein vorhandenes Foto zuschneiden wollen, um es anzupassen, empfiehlt es sich, ein hochauflösendes Foto im Hochformat zu wählen. Das hilft Ihnen dabei, schlecht beschnittene oder gestretchte Bilder zu vermeiden.

Text im Bild

Als nächstes sollten Sie festlegen, ob Ihr Facebook-Titelbild Text beinhalten soll. Falls Sie sich dafür entscheiden , gibt es einiges zu beachten. Denken Sie zum Beispiel daran, dass Ihr Titelbild so etwas wie ein visueller Pluspunkt sein soll.

Falls das Titelbild mit einem Text versehen wird, besteht die Gefahr, dass dieser Ihr Foto überhäuft. Stellen Sie dazu sicher, dass Ihr Text deutlich auf dem Foto zu sehen ist, indem Sie eine Komplementärfarbe sowie eine geschmackvolle Schriftart wählen.

Bezüglich der Proportionen innerhalb des Bildes sollten Sie sich an der 20-Prozent-Regel orientieren. Diese besagt, dass die Größe des Textes, inklusive Markenlogos, nicht mehr als 20 Prozent des Bildes einnehmen darf.

Optimierung für das Smartphone

Da der mobile Datenverkehr in allen wichtigen sozialen Netzwerken zunimmt, ist es entscheidend, dass das Profil auch für Smartphones optimiert ist. Damit das Titelbild auf einem Smartphone angezeigt wird, muss es rechtsseitig oder mittig ausgerichtet sein.

Das bedeutet, dass wenn Sie einen Text oder ein Bild mit einem Schwerpunkt verwenden (zum Beispiel ein Gesicht oder die Darstellung eines Produkts), muss dieser Schwerpunkt entweder auf der rechten Seite oder in der Mitte des Bildes platziert werden. Es empfiehlt sich außerdem, dass Sie bezüglich der visuellen Darstellung dem Look Ihres Unternehmens treu bleiben.

5 Tipps zu Facebook-Titelbildern anhand von Beispielen

Da sich mit Hilfe von Anschauungsmaterial das Gesagte leichter nachvollziehen lässt, folgen ein paar Beispiele von Unternehmen, die alle wichtigen Elemente bezüglich der Auswahl des Titelbildes berücksichtigt haben.

1. Wählen bzw. designen Sie ihr Facebook-Titelbild der Saison entsprechend

Halloween 650x296 Screenshot: Facebook

Unternehmen wie zum Beispiel der amerikanische Blumenhändler 1-800-Flowers.com wissen, wie wichtig es ist, die saisonale Relevanz ihrer Produkte hervorzuheben.

2. Nutzen Sie Facebook-Titelbilder, um Kampagnen und neue Produkte Ihres Unternehmens zu promoten

ShortStack 650x296 Screenshot: Facebook

So wie in diesem Beispiel das Software-Unternehmen Shortstack anschaulich demonstriert.

3. Heben Sie durch Titelbilder Kunden oder Partner hervor

Oreo 650x296 Screenshot: Facebook

Der Keksfabrikant Oreo lädt regelmäßig ein neues Titelbild von einem Fan hoch, der an diesem Tag Geburtstag feiert.

4. Lassen Sie positive Resonanz zu

Walmart 650x296 Screenshot: Facebook

Die Darstellungen zufriedener Kunden oder positiver Feedbacks können sich Unternehmen zunutze machen. Walmart postet zum Beispiel regelmäßig Fotos von fröhlichen Kunden.

5. Seien Sie aktuell

Marvel 650x296 Screenshot: Facebook

Achten Sie darauf, dass Sie auf Ihrem Titelbild das aktuellste Projekt Ihres Unternehmens hervorheben, so wie Marvel in diesem Fall ihren neusten Film.


Image (adapted) „Facebook Beachfront“ by mkhmarketing (CC BY 2.0)
Screenshots by Patrick Kiurina


Weiterlesen »

9 Zusatzdienste, die Instagram noch besser machen

Um Instagram herum hat sich ein kleines Universum an Apps entwickelt, die zusätzliche Funktionen bieten.

Instagram führt Carousel Ads ein

Das Teilen von Fotos wird immer beliebter und Apps wie Instagram sind mittlerweile fester Bestandteil vieler Smartphones. Rund um die App hat sich in den letzten Jahren ein großes Angebot an Zusatzdiensten etabliert, die im Folgenden genauer vorgestellt werden.

Hyperlapse

Mit der kostenlosen iOS-App Hyperlapse haben die Instagram-Entwickler eine Möglichkeit für ruckelfreie Zeitraffer-Videos erstellt. Die App ist sehr minimalistisch gestaltet (Ein Aufnahmeknopf, mehr nicht!) und überzeugt neben der sehr einfachen Bedienung durch eine gute Bildstabilisierung. Nachdem man mit der Erstellung eines Videos fertig ist, muss nur noch die Abspielgeschwindigkeit festgelegt werden. Anschließend lässt sich das Video auf Wunsch direkt bei Instagram veröffentlichen. Einziges Manko: Die App ist leider nur für iOS erhältlich. Alternativen für Android-Nutzer sind z.B. Framelaps oder Hyper Timelaps.

Layout from Instagram

Ebenfalls kostenlos und direkt aus dem Hause Instagram ist die iOS-App Layout. Diese ermöglicht das einfache erstellen von Collagen. Dabei kann sich der Nutzer entweder selbst über die App fotografieren oder aus den Bildern wählen, die bereits auf dem Gerät gespeichert sind. In eine Collage passen bis zu neun Bilder. Eine grobe Einteilung lässt sich aus vorgefertigten Layouts wählen. Die Positionierung erfolgt automatisch, allerdings lassen sich die Fotos bezüglich ihres Ausschnitts noch verändern. Momentan ist die App nur für iOS verfügbar, eine Android-Version wurde aber bereits angekündigt.

#Hashboard

Mit der Web-App #Hashboard lässt sich auf einfache Art und Weise eine automatisch generierte Collage erstellen. Das ist besonders empfehlenswert für Leute, die regelmäßig ähnliche Motive oder Bildreihen fotografieren. Um eine Collage zu erstellen, muss man nur Hashboard mit seinem Instagram-Account verbinden und lediglich bei den Bildern den selben Hashtag verwenden. Das Interface ist simpel und die Präsentation der Bilder ist sehr ansehnlich gestaltet. Die Boards lassen sich anschließend mit Freunden teilen.

Pastbook

Mit Pastbook lässt sich automatisch ein Jahrbuch erstellen. Dazu muss man der App nur den Zugriff auf den eigenen Instagram-Account gewähren. Im Anschluss daran erhält man eine Online-Vorschau seiner Fotos und kann diese noch auf Wunsch bearbeiten. Ist man mit dem Gesamtprodukt zufrieden, lässt sich die gedruckte Version im Format 21×15 bestellen. Zusätzlich erhält der Nutzer eine kostenlose PDF-Version. Die Lieferzeit liegt bei 7-10 Werktagen, der Versand erfolgt weltweit versandkostenfrei.

My year printed

Wer allerdings sein Jahrbuch von Instagram nicht durchblättern möchte, der wird bei My year printed fündig. Hier hat man alle Fotos auf einem Blick und kann sich ein individuelles Poster mit allen Bildern des Jahres zusammenstellen. Wie bei Pastbook ist der weltweite Versand kostenfrei, allerdings sind die Lieferzeiten mit 10-20 Werktagen etwas länger.

Picattoo

Mit der App Picattoo lassen sich Fotos zu temporären Tattoos umwandeln. Der Dienst ist dabei nicht auf Instagram beschränkt, es geht ebenso über den Facebook-Account oder man lädt die Fotos einfach von der Festplatte hoch. Ein 12er-Set Tattoos liegt preislich bei 10,99 Euro. Der Versand ist weltweit kostenfrei und die Lieferzeit wird mit 5-10 Werktagen angegeben.

Boomf

Wer es lieber eine Nummer süßer mag, dem ist die App Boomf zu empfehlen. Hiermit lassen sich die eigenen Fotos auf Marshmallows drucken. Eine Schachtel gefüllt mit neun Marshmallows liegt preislich bei 20 Euro und wird innerhalb von 7 Tagen nach Deutschland geliefert. Ideal zum verschenken!

Pixeli.st

Für alle kunstinteressierten Nutzer empfiehlt sich Pixeli.st. Dort lassen sich die eigenen Instagram-Bilder in regelrechte Kunstwerke verwandeln. Die Bilder werden nämlich von professionellen Künstlern in Öl auf Leinwand nachgemalt. Das ganze hat allerdings seinen Preis. Das kleinste Format kostet 149 Euro, während man für das größte mit 599 Euro dabei ist. Die Herstellungszeit liegt bei 4-6 Wochen.

Likecreeper

Wer im Umgang mit Instagram schon etwas vertraut ist wird das kennen: Man erhält plötzlich Likes auf lange in Vergessenheit geratene Bilder. Dabei handelt es sich oftmals um Spam- Accounts oder neue Follower, die sich durch die Timeline arbeiten. Um die eigenen Freunde ein bisschen zu verärgern, lässt sich durch Likecreeper nun bequem per Zufallsgenerator liken. Likecreeper nimmt sich dabei ein zufällig gewähltes Bild aus der Liste des jeweiligen Instagram-Accounts heraus und liked es. Nicht mehr und nicht weniger.


Teaser & Image by Instagram


Weiterlesen »

Mit Filter, #OhneFilter und das Hier und Jetzt

Selfie (adapted) (Image by Patrik Nygren [CC BY-SA 2.0] via Flickr

TapTalk definiert Real-Time-Kommunikation neu. Wird es damit zum neuen Instagram, Whatsapp oder Facebook? Nein, denn für TapTalk gibt es einen ganz eigenen Anwendungsfall.

Auf dem Laufsteg würde man echt wohl “Nude Look” nennen, auf Instagram den Hashtag NoFilter benutzen: Echt sein – oder wenigstens so aussehen – ist die Königsdisziplin der Selbstdarstellung. Während wir alle, sind wir mal ehrlich, gerne zwei oder drei Bilder mehr machen, bevor wir entscheiden, welches wir online teilen, um möglichst vorteilhaft vor Freunden, Verwandten und Kollegen zu glänzen, möchten andere Apps mehr Echtheit in unsere Kommunikation bringen. Damit stellen sie sich nicht in Konkurrenz zu Facebook, Whatsapp und Instagram, sondern liefern einen neuen Nutzungsfall.

Erste Anfänge waren bei Vine zu sehen: Das Nicht-Editieren der Videos brachte ein „Nimm das Video so wie es ist oder wirf das ganze Stück weg” mit sich. Weiter geht es mit TapTalk, mit dem man hauptsächlich Bilder hin- und herschickt, die sich von alleine löschen. Anstatt Fotos erst aufzunehmen, eventuell zu bearbeiten und sie dann zu verschicken, versendet diese Apps nur was aktuell vor der Linse steht.

Damit entfällt, dass man endlos viele Bilder macht und das Beste auswählt. Dafür kommt mehr Echtzeit, mehr Teil der Wirklichkeit. Die Bilder werden außerdem nicht automatisch gespeichert, sondern sind dann eben weg. „Wir möchten das Leben wieder etwas echter machen. Den ‘Jetzt Gerade Moment’ miteinander teilen, anstatt 20 Fotos zu stellen und dann einen Moment zu zeigen, der längst vergangen ist„, erklärte mir Onno Faber, Mit-Gründer von TapTalk.

Das ist doch nur Bilder verschicken. Falsch. Es ist ein komplett anderes Kommunikationsverhalten.

Während bei Instagram gezielt auf die Ästethik und bei Facebook auf Masse gesetzt wird, geht es bei TapTalk darum den Moment (bzw. das Bild) kurz festhalten und mit einer Person zu teilen. Im Freundeskreis schicken wir uns Bilder vom blauen Himmel, der Aussicht, die wir gerade haben, oder wenn wir einen gemeinsamen Freund treffen, a la „Sieh an, wen ich gerade getroffen habe!“.

Anders als bei Instagram und Facebook, ist es in diesem Fall eine Eins-zu-eins-Unterhaltung, die weniger auf Reaktionen (Likes, Kommentare), sondern auf reinem Mitteilen beruht. So sehr ich TapTalk für die Schnelligkeit mag, so sehr wünschte ich manchmal, dass ich Bilder behalten könnte und ärgere mich, dass sie z.B. nicht über Whatsapp geschickt wurden. Dabei liegt die Antwort auf der Hand: Der Absender will sich nicht darüber unterhalten, will nicht, dass es kommentiert wird. Er will nur einen Moment mit mir teilen. Und das hat er getan.

Kann TapTalk Whatsapp, Instagram oder Facebook ablösen? Nein, denn es ist ein anderer Kommunikationsweg. Wenn der häufiger genutzt wird als andere Messangerdienste, dann nicht, weil er „besser“ ist, sondern weil er für diese besondere Art der Unterhaltung besser geeignet sind.

Update: Beim Testen der Snapchat-App habe ich das Feature aufgenommene Fotos zu verschicken und sie zu bearbeiten nicht gefunden und wurde erst später auf diese Funktionen aufmerksam gemacht. Der Artikel wurde daraufhin angepasst.


Image (adapted) „Selfie“ by Patrik Nygren (CC BY-SA 2.0)


Weiterlesen »

2015 gibt es 1 Milliarde Creative Commons-Werke

Creative Commons BBB (adapted) (Image by Steren Giannini [CC BY 2.0] via Flickr)

2001 wurde die gemeinnützige Organisation Creative Commons begründet. 13 Jahre später werden täglich rund 27 Millionen neue CC-Plaketten im Internet vergeben – nächstes Jahr wird die Milliardenmarke geknackt. Nächstes Jahr wird eine magische Grenze geknackt. Dann gibt es im Internet eine Milliarde Werke, die mithilfe einer Creative Commons-Lizenz (CC) veröffentlicht wurden. Momentan sind im Web geschätzte 882 Millionen CC-lizenzierte Werke verfügbar. Google gibt an, dass es weltweit momentan 9 Millionen Webseiten gibt, die eine aktuelle oder ältere Lizenz implementiert haben. Die Idee, Wissen mit möglichst geringen Hürden allgemein zugänglich zu machen, hat sich offensichtlich bewährt. Oder etwa nicht? Wir schauen uns das einmal genauer an.

Anpassung des Rechts an die digitale Ära

Vor Einzug der Heimcomputer gab es nur ein paar wenige Musiker, die ihre Stücke mithilfe von Instrumenten erzeugen konnten. Und dann hatte plötzlich jeder sein eigenes Heimstudio zu Hause. Auf einmal war jeder ein Musikproduzent, dass nötige Feingefühl für Musik vorausgesetzt. Das gleiche gilt auch für Videos, Grafiken, Fotos, 3D-Oberflächen, Texte und vieles mehr. Jeder kann Hersteller und nicht nur Konsument sein. Die ehemals starren Grenzen zwischen Produzent und Konsument gibt es heute nicht mehr. Doch wie soll man seine Werke veröffentlichen? Das Urheberrecht ist bekanntlich träge und schwierig zu verstehen. Eine einfache Lösung musste her.

Zudem gab und gibt es überall auf der Welt zahlreiche Unterstützer von Projekten, die sich für die freie Verbreitung von Wissen einsetzen. Creative Commons kam für Wikipedia allerdings fast zwei Jahre zu spät. Wer heutzutage etwas Digitales publizieren will, braucht nur ein paar Fragen zur Nutzung des eigenen Werkes zu beantworten. Die CC-Webseite gibt dann auf Knopfdruck die passende Lizenz aus, die sofort auf der eigenen Webseite eingebunden werden kann. Die Lizenzen wurden sogar auf die rechtlichen Besonderheiten der Nationen abgestimmt, sie sind dennoch untereinander kompatibel. Die relativ einfache Anwendung sorgte letztlich für den Siegeszug von Creative Commons. In den vergangenen 10 Jahren setzte sich auch an den Lehrstühlen die Erkenntnis durch, dass sich die freie Verfügbarkeit von Wissen und Forschungsergebnissen positiv auf die eigene Lehre und Forschung auswirkt. Um den freien Austausch von Inhalten zu ermöglichen, entscheiden sich immer mehr Wissenschaftler aber auch andere Urheber für freie Lizenzen, die deutlich mehr Rechte einräumen, als das herkömmliche Urheberrecht.

Was die Bedienung erschwert, sind die teils englischsprachigen Erklärungen und die Tatsache, dass es unterschiedliche Versionsnummern (2.0, 3.0, 4.0 etc.) gibt. Im Kern können folgende Optionen ausgewählt werden: Möchte ich als Urheber auf jeden Fall namentlich genannt werden? Dann muss ich mich für den Bestandteil BY entscheiden. Zudem kann ich auswählen, ob mein Werk in der vorliegenden Fassung verwendet oder sogar verändert werden darf. Remixes von Musikstücken sind nur möglich, wenn der Komponist mit einer Verfremdung seines Materials einverstanden ist. Darf das Endprodukt unter einer anderen Lizenz vertrieben werden? Oder bestehe ich darauf, dass meine Lizenz Anwendung findet? Dann darf der Bestandteil SA nicht fehlen. Last, but not least gilt es zu entscheiden, ob das Werke problemlos kommerziell verwendet werden darf. Kann mit den Song ein Produkt beworben werden? Darf mein Bild als Motiv für T-Shirts herhalten? Darf mein Text in einem Buch verkauft werden? Wer sich dagegen entscheidet, hat die kommerzielle Nutzung aber nicht komplett ausgeschlossen (NC). Die Interessenten müssen sich dann allerdings an die Urheber wenden und nach den Konditionen und der Erlaubnis fragen.

No commercial licence

Den Mitgliedern der Verwertungsgesellschaft C3S weht vonseiten der Musiker häufiger eine steife Brise ins Gesicht, weil es noch immer keine Lizenzen zur kommerziellen Nutzung gibt. Warum automatisch bei Veröffentlichung auf zahlreiche Rechte verzichten, wenn man im Idealfall von seinem Hobby leben will? Denkbar wäre beispielsweise die Zahlung von einem Dollar oder Euro pro Werk. Du möchtest mein Foto auf Deiner Webseite nutzen? Kein Problem! Zahle im Fall von CC-E1 einen Euro auf mein Konto ein. Bei CC-E2 halt zwei. Wenn das ausreichend viele Menschen tun, kommt für mich als Fotograf genügend zusammen. Leider ist diese Vorgehensweise bislang nicht vorgesehen. Die C3S wird die CC-Lizenzen auf Dauer um eine automatisierte bezahlte Nutzung erweitern müssen. Mit Ausnahme von Hobbykünstlern möchten die meisten Musiker nicht auf ihre Rechte und somit auf jegliches Einkommen verzichten.

CC-Werke als Abmahnfalle

Leider nutzen manche Spezialisten ihre Werke als Honeypot. Vor allem in der Wikipedia treiben sich diverse Fotografen herum, die über die beliebte Online-Enzyklopädie ihre Fotos bekannt machen. Wer sie benutzt und dabei Fehler bei der Angabe des Autors oder der Lizenz macht, muss mit einer Abmahnung rechnen. Derartige Fotografen arbeiten gerne eng mit Rechtsanwaltskanzleien zusammen, die auf das Abmahngeschäft spezialisiert sind. Ein besonders dreister Trick für Abmahnungen besteht darin, dass die CC-Lizenzen zwar abgekürzt aufgeführt aber nicht verlinkt wurden. Die Vorgabe besagt, dass die Lizenz entweder vollständig ausgeschrieben oder als Abkürzung inklusive Link vorhanden sein muss. Fehlt der Link oder der vollständige Hinweis auf den Urheber, hat man dem beauftragten Anwalt wieder den Versand einer saftigen Kostennote samt Schadenersatzforderung ermöglicht. Ein Anwalt versuchte kürzlich vor Gericht, dem Deutschlandradio eine kommerzielle Nutzung eines CC-lizenzierten Fotos nachzuweisen. Der Versuch sich zu Lasten der Rundfunkanstalt gesund zu stoßen, musste er sich aber „abschminken“, wie Anwalt Markus Kompa berichtete.

Was die Rechtsdurchsetzung betrifft, sind die Urheber komplett auf sich selbst gestellt. Es wird niemand ohne Bezahlung für sie überprüfen, ob ihre Werke korrekt lizenziert wurden. Das ist aber beim herkömmlichen Urheberrecht ohne das Plug-in CC auch nicht anders.


Image (adapted) „Creative Commons BBB“ by Stephen Glannini (CC BY 2.0)


Weiterlesen »

Pinterest – das soziale Netzwerk der Zukunft?

Pretty Pinterest (adapted) (Image by mkhmarketing [CC BY 2.0] via Flickr)

Pinterest ist kein soziales Netzwerk wie jedes andere. Und genau darin liegt die Stärke des amerikanischen Startups mit derzeit ungefähr 70 Millionen Nutzern weltweit. Obwohl Pinterest bereits seit fast fünf Jahren aktiv ist, wurde dem Netzwerk erst vor kurzem eine Funktion hinzugefügt, die es Nutzern ermöglicht, sich untereinander Nachrichten zu senden. Das verdeutlicht bereits, dass Pinterest sich von der Konkurrenz um Facebook, Twitter und Instagram abhebt. Es dreht sich nicht in erster Linie um die Kommunikation untereinander, sondern dieses Netzwerk erfüllt einen anderen Zweck. Der Name verrät es schon: Pinterest setzt sich aus den englischen Begriffen (to) pin = anheften und interest = Interesse zusammen. Das Ganze ist wie eine Art digitale Pinnwand zu verstehen, die die Interessen seiner Nutzer widerspiegelt.


Was ist eigentlich Pinterest? Im verlinkten Artikel erklären wir es und im Video erzählt es uns Pinterest-Mitgründer und Geschäftsführer Ben Silbermann


Das Entscheidende aus wirtschaftlicher Sicht: Jedes Bild wird immer mit einem Link zur Originalquelle angezeigt. Pinterest dient also nicht bloß als soziales Netzwerk, sondern fungiert zeitgleich als ein Einkaufsbegleiter. Besonders für die Werbewirtschaft ist dies interessant, weil Nutzer gezielt zu einzelnen Produkten geführt werden können. Auch deshalb ist es wenig verwunderlich, dass das Unternehmen derzeit auf Platz 9 der wertvollsten Startups der Welt liegt: mit einem Wert von 5 Milliarden US-Dollar. Das ist zwar noch weit entfernt von den Dimensionen von Facebook, das laut den Branchenexperten von Bloomberg über 200 Milliarden US-Dollar wert ist, wenn man aber die kurze Zeit bedenkt, die Pinterest erst aktiv ist, dann ist der Wert sehr beachtlich.

Pinterest expandiert auch nach Deutschland

Da von den 70 Millionen Nutzern aktuell etwa 80 Prozent aus den USA stammen, ist es ein Anliegen des Unternehmens, seine internationalen Kunden in der Zukunft besser zu erreichen. Zu diesem Zweck wurde vor kurzem unter anderem ein Büro in Deutschland in Berlin eröffnet. Der ehemalige Gruner + Jahr Mitarbeiter Jan Honsel wurde zum Chef des aus drei Personen bestehenden Teams, das aus der Hauptstadt die deutschen Nutzer besser betreuen soll und außerdem die Aufgabe erhält, geschäftliche Partnerschaften abzuschließen. Und das Unterfangen scheint aufzugehen, wie das Marktforschungsunternehmen Comscore ausgerechnet hat. Von Sommer 2013 an bis August 2014 hat sich die Zahl der Website-Besucher in Deutschland von 600.000 auf über 2,1 Millionen erhöht. Das Unternehmen hat ehrgeizige Ziele. Auf Dauer will man die Nummer zwei unter den sozialen Netzwerken in Deutschland werden, direkt hinter Facebook.

Seit kurzem gibt es für das soziale Netzwerk Pinterest auch ein Workbook, welches Anfängern einen Leitfaden für das soziale Netzwerk bietet, um die einzelnen Funktionen richtig zu verwenden.


Image (adapted) „Pretty Pinterest“ by mkhmarketing (CC BY 2.0)


Weiterlesen »

PicsaStock – Marktplatz für kreative, inspirierende Stock Fotos

PicsaStock

Seit ein paar Monaten arbeiten wir mit dem Berliner Startup PicsaStock zusammen und nutzen immer mehr die mobilen Schnappschüsse der kreativen Mitglieder, die ähnlich wie wir die Möglichkeiten mobiler Technologien nutzen. Das bezeugen wir auch in einem Testimonial im neuen Image-Video der Foto-Plattform:

In einem Artikel auf Venture Village stellt unsere Autorin Felicitas Hackmann das Startup PicsaStock genauer vor.

PicsaStock gibt es im App Store und in Google Play als App.

Weiterlesen »

Startup-Interview: Florian Meissner von EyeEm

thank's so much @kickin #eyeEM (adapted) (Image by Jochen Spalding [CC BY 2.0] via Flickr)

EyeEm ist zu einer der beliebtesten Apps seit 2011 geworden. Die Foto-Sharing-App wurde von Florian Meissner und drei weiteren Entwicklern programmiert. Die Idee dazu kam ihm, als seine SLR-Kamera in der New Yorker U-Bahn gestohlen wurde und er daraufhin nur noch Bilder mit seinem Smartphone schoss.

Jennifer Collins (JC): Heute treffe ich Florian in der EyeEM-Firmenzentrale. Er ist einer der Gründer der App. Danke, dass du uns Netzpiloten heute empfängst.

Florian Meissner (FM): Hi Jennifer. Gerne doch.

JC: Florian, erzähl mir doch einmal, wie es zur Zusammenarbeit von dir und deinen drei Kollegen kam und was der ausschlaggebende Punkt war, dieses Projekt zu entwickeln. Und was ist eigentlich genau dein Background?

FM: Das ist eine komische Geschichte. Aber ich fang mal an, das zu erzählen. Also mein Background liegt eigentlich in der kommerziellen Fotografie und als ich meinen Studienabschluss erhielt, ging ich nach New York,  um für ein Magazin zu arbeiten. Dort wurde mir dann in der ersten Woche mein komplettes Kamera-Equipment in der U-Bahn gestohlen. Das war wie ein Schlag ins Gesicht, der mir von der Stadt zur Begrüßung gegeben wurde, da ich so gut wie kein Geld hatte, um mir eine neue Ausrüstung zu kaufen. Ein Freund hat mir dann ein iPhone 3G gegeben, womit ich erst einmal meine Fotos geschossen habe. Ich war total aufgeregt, in New York zu sein. Das war immer mein größter Traum. Ich hatte so viele Projektideen, die ich umsetzen wollte und nun endete ich mit einer heruntergekommenen iPhone-Kamera. Und wenn ich heruntergekommen sage, dann übertreibe ich nicht.

Außerdem war ich nie einer dieser sogenannten “Digital Natives”. Ich hatte immer richtig schlechte Nokia-Telefone und mein technisches Know-How beschränkte sich ausschließlich auf die Fotografie. Was dann aber passierte, änderte im Grunde alles. Ich wurde von einer Nerd-Community in den Bann gezogen, die sich Fotos via Flickr und Twitter ihre kreativen Fotos teilten, sie kommentierten und sie tauschten sich untereinander aus. Das war wirklich aufregend für mich, weil diese Community nicht ausschließlich aus den USA kamen, sondern auch aus Asien, Südamerika und in einigen Teilen auch aus Europa. Das war halt eine globale Community…

Das alles geschah 2009 und als Folge meiner neuen Leidenschaft veröffentlichte ich dann auch ein kleines Buch über meine iPhone-Fotos. Es heißt “Inside New York”. Mein früherer Boss und jetziger Partner und Designer, Gen, war dann tatsächlich so verrückt eines dieser Bücher zu kaufen (lacht). So kamen wir allerdings thematisch zusammen und dachten uns: “Wie cool ist das denn?”.

Menschen begannen, sich über Ihre Smartphones auszudrücken. Und zur dieser Zeit waren wir ziemlich froh, dass wir uns so früh getroffen haben – Gen, Lorenz, unser Projektmanager, und Ramzi, meiner Meinung nach einer der besten Coding-Fotografen auf dem Planeten. So etwas ist selten. Wir kamen nun also zusammen und überlegten, was zu tun ist und wie es zu tun ist… Was fangen wir an mit dieser wachsenden Bewegung? Wir starteten 2010 erstmal einen Blog. Dieser hieß auch schon EyeEm und wir gaben Menschen eine Plattform, um ihre eigenen Arbeiten zu präsentieren. Das lief schon sehr gut. Im Anschluss kamen wir dann an einen Punkt, an dem wir den “EyeEm Mobile Photography Award” starteten. Und es schien zuerst wie ein Joke… jedoch war es keiner. Aber es war tatsächlich auch erst eine Art Spaßprojekt. Außerdem wollten wir eine Ausstellung im Zentrum Berlins organisieren und dort dann die Gewinner präsentieren.

Was dann passierte, konnte ich erst gar nicht glauben: Wir bekamen tatsächlich tausende von Fotos aus der ganzen Welt eingeschickt. Wir waren scheinbar die ersten, die solch ein Event organisiert haben, und die Menschen waren extrem aufgeregt, dass es so etwas gab. Sie begannen alle zu voten. Du musst dir vorstellen, wir bauten diese einfache Web-Plattform, auf der Menschen einfach nur ihre Bilder hochluden. Die Kontraste auf dem Medium waren geradezu lächerlich und doch haben all diese Menschen tausende Fotos hochgeladen und offensichtlich wurde auch die Ausstellung zum großen Erfolg!

Wir wurden dann in verschiedenen coolen Magazinen erwähnt. Wir waren beispielsweise auch in der Vogue und bekamen anschließend ein Angebot, die Ausstellung auch in New York zu veranstalten. Was wir auch taten. Wir gingen also zurück und organisierten eine noch größere Ausstellung. An diesem Punkt realisierten wir: “Hey Jungs.. das ist alles so cool. Lasst uns ein Produkt rundum das Thema entwickeln.” Und wir bauten unsere App, mit der es Leuten gelingen sollte ihre Smartphone-Fotos aufzunehmen und sie gleichzeitig teilen zu können. Und ja. So fing das alles einmal an.

Es entwickelten sich dann aber auch viele andere Foto-Apps, wie Hipstamatic und Instagram, die ähnlich gut waren. Wir verstanden also, dass unser Problem zukünftig nicht in der Erstellung von Inhalten liegen könnte, sondern eher darin, wie diese Inhalte erstellt werden und wie sie zum Beispiel mit den Freunden auf Facebook geteilt werden und wie man den Konsum intelligent gestalten könnte. Wie kann man Inhalte und Bilder konsumieren, die mich interessieren oder die einen großen Eindruck auf mich machen?

Und wie du dir sicher vorstellen kannst, wird das Jahr 2012 jetzt ein Jahr werden, indem wir mehr Bilder erstellen als in der gesamten Geschichte der Fotografie. Das ist auch ein Teil des Problems. Es werden so viele Bilder zukünftig entstehen und die meisten werden im Web einfach wieder untergehen. Unsere Vision ist nun, eine Technologie zu entwickeln, um die Bilder sowohl teilbar wie auch auffindbar zu machen.

JC: Das ist auch eine meiner Fragen. Es gibt eine Fülle an Photo-Sharing-Apps. Du hast selber gerade ein paar Beispiele genannt. Was macht eure App im Vergleich zu den anderen zur besseren Alternative?

FM: Genau. Bei uns geht es hauptsächlich um die Entdeckung von Bildern. Unsere Vision ist eine Photo-Entdeckungs-Plattform. Das ist es, was wir sein wollen. Es verschwinden beispielsweise bei anderen Photo-Apps bis zu 80 Prozent der Inhalte, weil sie Müll sind und nicht genug Daten mit sich bringen. Zum Beispiel Angaben wie Ort und Zeit der Aufnahme. Wir versuchen, verschiedene Wege zu finden, wie wir den Fundus an Bildern einerseits vergrößern, sie außerdem nachhaltig auffindbar machen können und somit den Menschen eine größere Möglichkeit zu bieten, sie in deren Feeds zu entdecken. Das ist unser Anliegen. Wir möchten DIE Photo-Discovery-Plattform weltweit sein.

JC: Wie soll das genau funktionieren?

FM: Am einfachsten ist es, sich EyeEm wie eine automatische visuelle Foto-Entdeckungsmaschine in Echtzeit vorzustellen. Während du einfach nur ein Foto hochlädst, versuchen wir die Empfehlungen zu geben, in welches Album, zu welchem Thema oder aber auch zu welchen deiner Interessen es passen könnte. Das ergibt dann eine differenziertere Art der Suche.

JC: War es schwierig für euch Jungs, in dem Markt Fuß zu fassen und User für euch zu gewinnen? Ich weiß, dass Ihr eine zweite Versionen gestartet habt und euer Fokus jetzt mehr auf die Benutzeroberfläche sowie auf die Usability legt.

FM: Anfangs, als wir die App starteten, empfanden die Leute sie als ein wenig komisch, weil wir versuchten – wie du es schon sagst – im Bezug auf die Benutzeroberfläche alles komplett anders zu machen. Aber ich glaube, wir hatten nie wirklich Probleme, Nutzer zu gewinnen. Wir sind dieses komische Fotografie-Ding, welches zwar etwas seltsam ist, aber auch als erstes da war. Im Grunde sind wir eine Foto-Community mit starken Werten, die nun versucht, auch ein mobiles Produkt für sich zu entwickeln. Wir haben unsere Gemeinschaft, die uns immer vertraute, da wir nicht mit deren Daten rumspielten. Das war immer das Grundgerüst unserer Community und darauf bauen wir auch weiter auf.

JC: Ok, das bringt mich direkt zu meiner nächsten Frage. Welche Politik im Umgang mit den Nutzer-Daten, den Bildrechten und der Privatsphäre verfolgt ihr? Einige ähnliche App-Anbieter sind derzeit diesbezüglich stark ins Kreuzfeuer geraten.

FM: Ja, beispielsweise Path. Es ist für uns, genauso wie für diese Jungs, wichtig zu lernen, wie wir damit umzugehen haben. Wir haben diese Grundüberzeugung von Anfang an, sicherlich auch weil wir diesen künstlerischen Hintergrund haben und wissen, wie diese Menschen über ihre Urheberrechte und andere Sachen denken, somit versuchen wir, das auch auf die Nutzung unserer Daten zu übertragen. Wenn du eine Community aufbauen willst, dann darfst du mit diesen Dingen nicht spielerisch umgehen. Da darf es keine Zweifel geben und man sollte diesen Grundgedanken nicht vergessen.

JC: Und was ist nun der große Unterschied der ersten Version zur zweiten Version der App? Was genau habt Ihr verändert?

FM: Ja, das ist eine sehr gute Frage (lacht). Da gibt es einen riesigen Unterschied. Als erstes muss ich sagen, als wir diese Wettbewerbe machten – die Ausstellungen – hatten wir nur einige einfache iPhone-Bootstraps und einfach iPhone- und Android-Apps. Wenn ich zurück schaue, dann war das ziemlich lächerlich. Es war eigentlich nur eine erste Spielerei. Wir hatten nicht wirklich Erfahrung in solchen Dingen. Als wir im August 2011 die erste Version für Android und iPhone veröffentlichten, versuchten wir tatsächlich, alles extrem einfach zu machen. Es gab im Grunde nur zwei Tasten. Du konntest ein Foto machen, einen Filter wählen und das Bild dann teilen. Und dann gab es noch einen Entdeckungs-Button. Das war echt cool. Es half uns, das zu kommunizieren, was wir aktuell tun wollten: teilen und entdecken. Aber wir bekamen damals auch zum ersten Mal Feedback von den Kunden. Sie hatten weitere Bedürfnisse. Das war dann ein Schlüsselerlebnis in den ersten Wochen, welches uns viel beibrachte. Die Leute wollten schon beim Öffnen der App einen größeren Mehrwert. Also nicht dieses… “öffne die App und mache einen weiteren Klick”. Wir machten uns also daran, ihnen diesen Mehrwert zu geben. Was wir grundlegend veränderten, war, dass sie jetzt beim Öffnen der App auf der rechten Seite Alben und anderen Content zu sehen bekamen. Wir zeigen jetzt Bilder von dem Ort, an dem du dich befindest oder, insofern das möglich ist, Bilder von einem Event, dass in deiner Nähe ist sowie Bilder von Trend-Themen etc.

JC: Also war da ein riesiger Lernprozess zwischen der ersten und der zweiten Version..

FM: Auf jeden Fall riesig!

JC: Das muss ein umfangreicher kreativer Prozess für Euch gewesen sein.

FM: Also um ehrlich zu sein, hat es lange gedauert, um… ja… um zu lernen. Man denkt immer, wenn man so etwas zum ersten Mal macht, dann startet so ein Projekt und es geht sofort durch die Decke und alles wird explodieren – aber nein! Dein erstes Produkt ist immer Mist, weißt Du. Und das muss auch jeder lernen. Und wir lernten es gerade eben auch – auf die harte Tour. Nicht, dass wir keine User eingeladen hätten, aber unsere Leute sagten uns, was schief ging und daran muss man sich dann auch halten. Es ist immer besser, mit deinen Nutzern zu sprechen. Man muss rausgehen in die Welt. Ein kleines Beispiel, das bei uns neulich startete: Wir nutzen Google+ Hangouts als Feedback-Kanal. Also laden wir die gesamte Community zum Hangout ein. So haben wir jeden Monat Gespräche per Videokonferenz und fragen dort, was wir wissen wollen und hören dem zu, was die Nutzer uns zurückgeben. Es macht Spaß und es ist super interessant.

JC: Also gibt es schon eine breite Form von Zusammenarbeit?

FM: Wir sitzen hier einfach im Konferenzraum rum und auf der anderen Seite sind zufällig irgendwelche Leute, die dazu stoßen – sie sind alle sehr motiviert und begierig, uns Fragen zu stellen und uns kennen zu lernen.

JC: Wie fühlst Du Dich als professioneller Fotograf…

FM: Oh, das würde ich niemals sagen, dass ich professioneller Fotograf bin.

JC: Na gut, also wie geht es Dir mit all dem steigenden Überfluss an Smartphones und Filter?

FM: Ich habe damit absolut kein Problem. Ich glaube, dass es eben genau jetzt passiert als Liberalisierung der Fotografie und das ist eigentlich das Schöne daran. Jeder kann sowas machen und das ist unser Ziel. Ich meine, denk doch mal daran, dass ich ja auch gesagt habe, dass die Nutzerzahlen durch die Decke gehen – das ist das Tolle daran. Da wird es auch einige geben, die das wirklich richtig gut finden und dann mit ihrem kreativen Potenzial Fotograf werden könnten. Das ist doch super! Das ist auch eine Art Ziel: die Fotografie zu befreien und gleichzeitig Teil dieser Entwicklung zu sein in den nächsten Jahren. Wir wissen alle noch nicht, wie es in Zukunft werden oder aussehen wird…

JC: Es ist wirklich aufregend. Du erwähntest, dass Du einen Photo-Hack-Day organisieren wirst…

FM: Ja, genau und das ist auch solch ein Punkt. Wir haben immer versucht, bei all den Community-Events, die wir so veranstalten haben, die Grenzen wieder ein Stückchen weiter zu verschieben. Und genau darum geht es auch beim Photo-Hack-Day. Die Idee ist eigentlich, 50 Entwickler und 50 Designer zusammenzubringen an einem Ort, um die Zukunft der Fotografie zu hacken. Ohne Einschränkungen und ohne Grenzen. Schnelles Prototyping von Produkten über Nacht und das Ganze dann am nächsten Tag der Jury präsentieren und damit dann natürlich auch Preise und Ruhm einheimsen. Es geht da aber eigentlich nicht um uns. Wir öffnen da einfach nur die API…

JC: Was erhofft Ihr Euch davon? Habt ihr da was im Hinterkopf oder geht es einfach nur ums Durchblasen der Köpfe für neue Ideen und sehen, was kommt?

FM: Klar habe ich auch eigene Ideen. Hier ein Beispiel, was da so möglich ist: Weißt Du, was Shazam beim Super Bowl gemacht hat? Madonna spielte ja in der Halbzeit und wer den Auftritt per Shazam aufgezeichnet hatte, der konnte sich den performten Song danach kostenlos offiziell runterladen. Man könnte diese Idee aufgreifen. Einen Songtitel abkoppeln, der vielleicht mit Street Art in Verbindung steht und mit Street Art-Bildern aus Berlin zusammen beispielsweise in eine Slideshow packen, die dann abläuft, wenn du dir den Song anhörst. Oder eine Karte mit all deinen liebsten Cafés weltweit und man sieht all die Fotos von Leuten, die sie dort gemacht haben – sowas in der Art eben.

JC: Cool! Und was wird es für die Entwickler geben, damit sie Zugriff auf die APIs haben?

FM: Im Moment ist es eine Read-Only-API, das ist eben unser Kern. Bei unserer API ist der Hauptunterschied, dass es nicht nur um den Social-Teil geht. Es geht dabei eben auch um unsere einzigartige Datenarchitektur rund um Themen, Orte und Events in den Städten und Ländern. Wir haben auch Pläne, dass noch viel weiter zu öffnen. Und ja, es ist das erste Mal, dass wir Feedback von den Entwicklern bekommen, darum geht es erst einmal primär.

JC: Das führt direkt zur nächsten Frage: Was für konkrete Pläne habt ihr für den Photo-Hack-Day?

FM: Mit EyeEm im Allgemeinen?

JC: Ja.

FM: Also im Grunde denke ich, wenn wir uns als Entdeckungsplattform sehen, insbesondere als Fotografie-Plattform, müssen wir uns auch für Neues öffnen und dürfen uns nicht beschränken. EyeEm ist daher zunächst eine Cross-Plattform-Geschichte. Wir wollen, dass alle mitmachen können und nicht nur diejenigen, die schicke iPhones haben. So fokussieren wir das Cross-Plattform-Erlebnis und einen dazu passenden Designansatz.

JC: Und digitale Kameras?

FM: Es geht echt um alles dabei, besonders eben um mobile Geräte. Da könnte ich noch weiter einsteigen (lacht). Aber für die nächsten Monate sind sehr konkrete Pläne auf dem Weg, das Licht der Welt zu erblicken. Wir sind auch sehr gespannt, wie das wird.

JC: OK, cool. Ihr seid im Sommer gestartet und hattet eine Launch-Party mit SoundCloud. Wo ist die Verbindung zwischen Euch?

FM: Was meinst Du damit?

JC: Wie kam es dazu? Seid ihr Jungs direkt verbandelt?

FM: SoundCloud spielt eine überragende Rolle in der Berliner Community und ist daher auch sowas wie ein Vorbild für viele Leute, das macht es so toll. Und natürlich kennen wir uns auch alle untereinander. Ich weiß, dass Du mit Henrik gesprochen hast, der ein enger Freund ist. Ich kenne ihn gut. Wir teilten uns früher unsere Büros. So hat er praktisch neben mir gearbeitet und da ist dann natürlich eine Verbindung entstanden. So ist das eben hier in Berlin, das macht es so schön. Wir helfen uns gegenseitig auf so vielen Ebenen.

JC: Das wollte ich auch gerade fragen, warum ihr in Berlin seid. Es geht also um diese Laboratmosphäre. Jeder kennt jeden…

FM: Absolut. Genau das ist es. Offensichtlich kam ich aus New York zurück, um genau deswegen hier in Berlin zu sein. Ich hatte schon dort das Gefühl, das hier was im Busch ist und es ging dabei genau um dieses spezielle Ökosystem, das im Begriff war, zu entstehen. Und klar muss ich dir nicht erst erzählen, wie billig hier die Büroräume sind und auch der Wohnraum. Aber die eigentliche Schönheit von Berlin ist die Mischung von Leuten. In Berlin gibt es kein Klischee. Es ist nicht wie San Francisco – nur Tech-Community und sonst nichts. Berlin steckt voller Kreativer aus allen Gattungen, Leute, die schreiben, über Fotos reden, gestalten, rumcoden oder auf der Bühne stehen. Das ist das Eigentümliche, das wir hier sehr mögen. Unsere Freunde kommen aus allen Richtungen, das zeigt sich auf den Veranstaltungen, auf denen wir rumhängen und das alles ist für uns Motivation und Ansporn.

JC: Danke für das Gespräch!

FM: Danke für’s Vorbeischauen.


 Image (adapted) „thank’s so much @kickin #eyeEM…“ by Jochen Spalding (CC BY 2.0)


Weiterlesen »

Creative Commons auf Flickr tendenziell restriktiv

Nach einer aktuellen Studie von Creative Commons tendieren Flickr-Nutzer dazu, ihren Werken verhältnismäßig restriktive Rechte zuzuteilen. Drei Viertel der Nutzer (76%) schließen kommerzielle Verwendung ihrer Werke aus, bzw. verlangen für diesen Fall persönliche Vereinbarungen. Anders sieht das Bild aus, wenn es um kreative Abwandlungen geht: etwa zwei Drittel (63%) erlauben Bearbeitungen ihrer Bilder. Weiterlesen »

Weiterlesen »

Gazopa – Suchen bis zum Umfallen

Wer Bilder im Internet sucht, der hat als Möglichkeit eigentlich nur Google. Aber bei der Google-Bildersuchmaschine gibt es des Öfteren nicht die gewünschten Ergebnisse. Abhilfe schafft da ein neuer Service namens Gazopa. Gazopa ist eine Bildersuchmaschine, die eine Vielzahl von Seiten nach dem eigegebenen Suchbegriff durchforstet, u.a. das Social Network MySpace. So soll eine möglichst hohe Trefferanzahl erreicht werden. Der Clou: Gazopa sucht nach ähnlichen Bildern. Weiterlesen »

Weiterlesen »

Neues iPhone: Details live verfolgen

Heute Abend noch enthüllt Apple-Chef Steve Jobs die Details zum neuen iPhone. Während das für den Normalnutzer eher unbedeutend ist, hält die Apple-Fangemeinde (und ein guter Teil der Web 2.0-Community) den Atem an. Wer die Keynote-Rede von Steve Jobs auf der WWDC verfolgen möchte, kann das live tun: MacRumorsLive wird live berichten, auch VentureBeat hat einen einschlägigen Keynote Friendfeed eingerichtet. Um 19 Uhr unserer Zeit geht’s los.

Die Gerüchteküche brodelt derzeit fröhlich weiter – auch hier hilft ein Blick auf MacRumors. Engadget und Gizmodo berichten natürlich ebenfalls live.

Ein paar Fotos des neuen iPhone gibt es natürlich auch jetzt schon auf Flickr. Doch ist hier Vorsicht geboten: Ob die Fotos jeweils echt sind, ist nicht gesagt!

Weiterlesen »