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Stream Radar – Film & Doku Tipps im März

Die Mediatheken sind voll! Darum haben wir die besten kostenlosen Serien und Dokus herausgesucht, die du im März streamen kannst. Die Themenvielfalt reicht darin von ungewöhnlichen Arztserien über eine Recherche zu den größten Wirtschaftsprüferbanken und bis hin zu einer Reportage über Einsamkeit. Das zeigt dir wie jeden Monat neue Facetten der Welt und sorgt ganz nebenbei für Gesprächsstoff in der nächsten Mittagspause. Viel Spaß beim Streamen.

Dead End (Staffel 1)

Eigentlich wollte die Forensikerin Emma (Antje Traue) nur den 75. Geburtstag ihres Vaters (Michael Gwisdek) feiern. Doch in ihrer verschlafenen Heimatstadt gibt es plötzlich einen Toten nach dem anderen. Und einige sind keines natürlichen Todes gestorben – so wie von Emmas Vater Peter, dem örtlichen Leichenbeschauer, irrtümlich festgestellt. Weil der immer schusseliger wird und Emma zu allem Überfluss menschliche Knochen in seinem Kühlschrank findet, ist sie nicht nur als Tochter, sondern auch als kompetente Kollegin gefragt.

ZDFneo / Verfügbar bis 08.06. / Zur Serie

Neukölln Unlimited

Die Geschwister Lial, Hassan und Maradona wachsen in Berlin Neukölln auf. Ihre Jugend ist von der Leidenschaft für Breakdance und Musik, sowie vom Kampf ihrer Familie für ihr Bleiberecht geprägt. Seit 16 Jahren leben sie schon ohne sicheren Aufenthaltsstatus in Deutschland. Die Doku zeigt, wie sich die jungen Neuköllner behaupten und wovon sie träumen.

bpb / Dauerhaft verfügbar / Zur Doku

Charité (Staffel 2)

Neue Leute, neues Kapitel: In der zweiten Staffel wird die Medizingeschichte von 1943 bis 1945 beleuchtet, die eine höchst politische, aber ebenso perfide gut organisierte ist. Mit Jannik Schümann, Mala Emde, Ulrich Noethen und Hans Löw.

Das Erste / Verfügbar bis 18.04. / Zur Serie

Epidemie Einsamkeit

Immer mehr Menschen vereinsamen – trotz Internet und Großstädten. Denn gerade wegen der Vernetzung sind wir nicht mehr länger darauf angewiesen Familie und Freunde in der unmittelbaren Umgebung zu haben. Und so nehmen wir Jobs am anderen Ende des Landes an und finden uns plötzlich in einer völlig fremden Umgebung wieder. Einsamkeit kann nachweislich Schlafstörungen verursachen und in die Depression führen. Wie soll man aus diesem Teufelskreis ausbrechen?

3sat / Verfügbar bis 15.02.2024 / Zur Doku

Die Berater der Reichen und Mächtigen – Die Macht der „Big Four“

Die vier größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften erwirtschaften nicht nur selber 130 Milliarden Euro im Jahr, sie prüfen auch die Bilanzen nahezu aller multinationalen Konzerne. Ganz nebenbei helfen sie beim Finden von Steuerschlupflöchern. In einer umfangreichen Recherche wollen Reporter von WDR, NDR und Süddeutsche Zeitung herausfinden: Wie mächtig sind diese Beraterfirmen wirklich?

WDR / Dauerhaft verfügbar / Zur Doku

STREAM RADAR 02

Hard Sun (Staffel 1)

Nachdem die Londoner Polizisten Charlie (Jim Sturgess) und Elaine (Agyness Deyn) bei der Arbeit auf streng geheime Dokumente gestoßen sind, ändert sich mit einem Mal alles für die beiden. Denn nun werden sie vom Geheimdienst höchstpersönlich gejagt.

ZDF / Verfügbar bis 07.03. / Zur Serie

Blochin: Die Lebenden und die Toten

Blochin (Jürgen Vogel) heißt der Mann, der schon einmal für tot erklärt war und inzwischen gemeinsam mit Dominik Stötzner (Thomas Heinze) bei der Mordkommission 7 in Berlin arbeitet. Zwei Typen, die gegensätzlicher nicht sein könnten und dennoch zur Nähe gezwungen sind, da Blochin mit Dominiks Schwester angebandelt hat. Als ein neuer Fall ansteht, müssen die Ermittler mehr in Blochins krimineller Vergangenheit graben, als ihnen lieb ist.

ZDF / Verfügbar bis 07.04. / Zur Serie

Exit – Mein Weg aus dem Hass

Die norwegische Filmemacherin Karen Winther gehörte in ihrer Jugend erst einer linksextremen Gruppe an und war später sogar als Neonazi aktiv. Doch ihr gelang der Ausstieg aus dem extremistischen Milieu! Für ihre Dokumentation sprach sie mit Menschen überall auf der Welt, denen es ebenso gelungen ist ihre Radikalisierung hinter sich zu lassen – viele setzen sich heute zum Beispiel für Gewaltprävention ein.

Arte / Verfügbar bis 27.02. / Zur Doku

Das Märchen von der Inklusion

Inklusion ist, wenn jeder Mensch überall dabei sein kann – bei der Ausbildung, am Arbeitsplatz, beim Wohnen und in der Freizeit. Doch leider funktioniert der Alltag längst nicht so märchenhaft, wie man sich das wünschen würde. Das Radio-Bremen-Team begleitet z.B. die zehnjährige Nike mit Down-Syndrom, die in der Regelschule gehänselt wurde und nun wieder eine Förderschule besucht. Die Geschichten der Protagonisten zeigen, dass es längst kein Allheilmittel für Inklusion gibt und wir alle mehr dafür tun müssen.

Das Erste / Verfügbar bis 21.01.2020 / Zur Doku

Früher oder später

Wem gehört die Zukunft in Schönsee? Die Jungen verlassen das Dorf in der Oberpfalz und die Alten sterben. Wir lernen Ernst und Roswitha Schöfl kennen, die einen letzten Versuch unternehmen als Totengräber wenigstens davon zu profitieren. Der Höhepunkt der vier Kapitel (die sich an den Jahreszeiten orientieren), ist der Zuzug einer veganen Kommune, die das leere Hotel im Ort kauft.

BR / Verfügbar bis 28.02.2019 / Zur Doku-Reihe

STREAM RADAR 01

It’s a Free World

Drama von Ken Loach: Als die schlagfertige Angie (Kierston Wareing) ihren Job in einer Personalvermittlung verliert, gründet sie kurzerhand ihre eigene Agentur und steigt in das Geschäft mit Gastarbeitern aus Osteuropa ein. Zusammen mit ihrer Freundin Rose (Juliet Ellis) will sie den Einwanderern etwas zu tun geben – auch wenn sie dabei so manche Gesetze missachten.

Netzkino / Dauerhaft verfügbar / Zum Film

Labaule & Erben

Nach einer Idee von Harald Schmidt: Wolfram Labaule (Uwe Ochsenknecht) muss den Verlegerposten des elterlichen Zeitungsimperiums übernehmen, als sein Vater urplötzlich verstirbt. Völlig unvorbereitet muss er sich nun Vorwürfen über gefälschte Reportagen stellen, Intrigen im Haus abfedern und der allgemeinen Medienkrise trotzen. Mit dabei: Inka Friedrich, Irm Hermann, Lena Dörrie & Lukas Rüppel.

SWR / Verfügbar bis 27.06.2019 / Zur Miniserie

Eine Armlänge Welt

Dokumentarfilm von Susanne Bohlmann: Sven leidet am Usher-Syndrom, durch das er langsam seine Hör- und Sehsinne verliert. Seit 2010 ist er bereits vollkommen blind. Nur einen Traum möchte er sich unbedingt verwirklichen: einmal im Leben den 800km langen Jakobsweg zu laufen. Zusammen mit seiner Assistentin Taubblinden-Almuth macht er sich an die Planung, die allein zwei Jahre dauern soll. Auf dem Weg wechseln sich dann sieben Begleiterinnen dabei ab, sich um ihn zu kümmern.

ZDF/ Verfügbar bis 15.02.2019 / Zur Doku

Smart Cities – Nachhaltig leben in der Stadt

Schon heute lebt über die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten – bis 2050 werden noch einmal 2,5 Milliarden Menschen hinzu kommen. Dadurch nehmen nicht nur die Herausforderungen an Stadtplaner, Bürokratie und Verwaltung zu, sondern auch an die Lebensqualität selbst. Die Doku zeigt Positivbeispiele, wie diese Transformation gelingen kann.

ZDF / Verfügbar bis 17.11.2019 / Zu Doku

STREAM RADAR 12

Das Salz der Erde

Der Fotograf Sebastião Salgado hat auf allen Kontinenten die Spuren unserer sich wandelnden Welt und Menschheitsgeschichte dokumentiert. Der Film von Wim Wenders zeigt auf visuell höchst beeindruckende Weise das Leben und die Arbeit des Brasilianers.

SWR / Verfügbar bis 21.11.2019 / Zur Doku

Where to Invade Next

Was können die USA von anderen Ländern lernen? Michael Moore will es genau wissen und marschiert als Ein-Mann-Armee in Europa und Tunesien ein. Wo immer er seine US-Flagge in fremden Boden rammt, will er keine Territorien und Ölfelder erobern, sondern gute Ideen. Und zwar solche, mit denen Länder wie Deutschland, Frankreich und Italien gute Arbeits- und Lebensbedingungen für ihre Bürger geschaffen haben. Egal ob faire Löhne oder gesundes Schulessen, kostenlose Bildung oder menschenwürdige Gefängnisse: Michael Moore klaut alles, was er kriegen kann.

Arte / Verfügbar bis 09.02.2019 / Zur Doku

Die purpurnen Flüsse – Melodie des Todes (Staffel 1)

Vierteilige Krimi-Reihe in Spielfilmlänge: Kommissar Niémans (Olivier Marchal) und seine Kollegin Camille Delaunay (Erika Sainte) ermitteln in einem abgelegenen Kloster. Ein Mönch starb unter mysteriösen Umständen, und der Schlüssel zur Aufklärung liegt in seiner Handfläche.

ZDF / Verfügbar bis 03.02.2019 / Zur Serie

Precious – Das Leben ist kostbar

Ausgezeichnet mit zwei Oscars: Die 16-jährige Claireece „Precious“ Jones (Gabourey Sidibe) ist schwarz, fettleibig, ungebildet – und bereits zum zweiten Mal schwanger von ihrem eigenen Vater. Ihre einzige Zuflucht sind Tagträume von Reichtum und Glamour. Doch um wirklich etwas zu ändern, müsste sie erst einmal anfangen lesen und schreiben zu lernen. Nur von ihrer Mutter (Mo’Nique) darf sie auf keine Hilfe hoffen.

Watchbox / Dauerhaft verfügbar / Zum Film

Only Lovers Left Alive

Adam (Tom Hiddleston) ist ein depressiver Vampir in Detroit, der die Ewigkeiten auf Erden nur mit viel guter Musik und Kunst aushält. Als ihn aber nicht mal das richtig aufmuntert, muss seine Geliebte Eve (Tilda Swinton) von ihrem Wohnort Tanger zu ihm reisen. Mit ihr findet Adam wieder sein Gleichgewicht. Das ist jedoch nicht von Dauer – denn plötzlich taucht Eves Schwester (Mia Wasikowska) auf und bringt alles extrem durcheinander.

3sat / Verfügbar bis 17.10.2019 / Zum Film

STREAM RADAR 11

Das Hohe Haus – Bewährungsprobe für den Bundestag

Vor genau einem Jahr – am 24. Oktober 2017 – trat der neu gewählte Bundestag zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Erstmals mit vertreten: die AfD. Phoenix hat zu diesem Anlass einen Blick hinter die Kulissen der parlamentarischen Arbeit geworfen und zeigt, mit welchen Bewährungsproben die Demokratie dieser Tage zu kämpfen hat. Hat sich der Ton verändert? Wackeln etwa die Grundpfeiler unserer Republik? Unter dem gleichen Titel („Das Hohe Haus“) hat übrigens schon Roger Willemsen ein empfehlenswertes Buch über den Deutschen Bundestag geschrieben.

Phoenix/ Dauerhaft verfügbar / Zur Doku

Lammbock

Kai (Moritz Bleibtreu) und Stefan (Lucas Gregorowicz) bauen Marihuana an. Getarnt als Pizzalieferanten, verkaufen sie das Zeug, das sie auch selbst gern rauchen. Eigentlich läuft alles gut, aber Stefan beschleichen langsam Zweifel an seinem Lebensstil. Richtig schwierig wird alles aber erst, als Ungeziefer die Graspflanzen befällt. Jetzt brauchen sie Hilfe, die jedoch nicht leicht zu finden ist.

Tele5 / Verfügbar bis 05.11. / Zum Film

24 Hours – Two Sides of Crime (Staffel 1)

Die belgisch-deutsche Thriller-Serie beleuchtet eine Geiselnahme abwechselnd aus den Sichten innerhalb und außerhalb einer Bank. Drinnen sehen wir Geiselnehmer und Opfer, draußen Ermittler und Presse. Erst nach und nach setzt sich für den Zuschauer ein komplettes Bild der Ereignisse zusammen.

ZDF/ Verfügbar bis 17.05.2019/ Zur Serie

Ist es anstrengend, ein YouTube-Star zu sein?

Gesine Enwaldt ist 55 und kennt YouTube nur über ihre Kids. Doch sie weiß, dass Jugendliche heute davon träumen „YouTube-Star“ zu werden. Für das Recherche-Format STRG_F hat sie sich also gefragt, wie eigentlich die Arbeitsbedingungen für Leute wie Dagi Bee, LeFloid und Masha Sedgwick aussehen und wie anstrengend ihr Job wirklich ist.

STRG_F / Dauerhaft verfügbar / Zur Doku

Die Protokollantin (Staffel 1)

Freya (Iris Berben) hat vor elf Jahren ihre Tochter verloren, der Fall ist aber bis heute nicht richtig geklärt. Als der mutmaßliche Mörder aus dem Gefängnis entlassen werden soll und ihre Arbeit beim LKA Berlin ihr einen ganz ähnlichen Fall präsentiert, macht sich Freya selbst auf die Suche nach Antworten.

ZDF / Verfügbar bis 18.04.19 / Zur Serie


Foto-Credit: ZDF, Carolin Ubl, Indi Film

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Tech-Check: 2001: Odyssee im Weltraum

Wer sich mit der Geschichte der Science Fiction beschäftigt, kommt um den Film 2001: Odyssee im Weltraum nicht herum. Wenn auch von der Regie für heutige Standards übermäßig träge, beeindruckt der Blick fürs Detail in der Darstellung auch heute noch. Doch wie präzise war die Darstellung der damaligen Raumfahrt-Technologie? Welche Zukunftsvisionen hatten Regisseur Stanley Kubrick und Drehbuch Co-Autor Arthur C. Clarke und wie halten sie der heutigen Realität stand? Unser Tech-Check nimmt den Klassiker aus dem Jahr 1968 unter die Lupe.

Die Stille des Weltraums

Was die Geräuschkulisse angeht, ist der mittlerweile schon 50 Jahre alte Film vielen modernen Produktionen voraus. Einer der größten Kritikpunkte von Science Fiction-Produktionen ist das Ignorieren der Stille im Weltall. Der soundverwöhnte Kinogänger kennt es fast schon nicht anders, als dass bassiges Brummen die Bewegung gigantischer Raumschiffe untermalt. Doch im All gibt es keinen Schall oder zumindest nicht für uns wahrnehmbar. Odyssee im Weltraum ist einer der wenigen Filme, die dieser Stille gerecht werden und es sogar als Stilmittel verwenden.

Dazu muss man sagen, dass der Film langsam, wenn nicht gar regelrecht träge ist. Mechanische Funktionen werden in aller Genauigkeit gezeigt, lange und statische Einstellungen sorgen für ein Gefühl von Einsamkeit in den Weiten des Weltalls. Überhaupt sind im 143 Minuten langen Epos nur etwa 40 Minuten mit Dialog gefüllt. Am Anfang und dann nochmal in einer Intermission wird der Zuschauer sogar mit einem Schwarzen Bildschirm und Orchesteruntermalung „allein gelassen“.

Um die Schwerelosigkeit möglichst realistisch darzustellen, ließ Kubrick übrigens für 750.000 US-Dollar eine zwölf Meter hohe Zentrifuge bauen.

HAL 9000: Sinnbild für Künstliche Intelligenz

Einer der wichtigsten Figuren auf der Discovery One ist die künstliche Intelligenz HAL 9000. Aufgrund einer möglichen Fehlanalyse, beratschlagt die Besatzung, HAL 9000 abzuschalten. HAL 9000 liest diesen Plan von den Lippen der Astronauten David Bowman und Frank Poole ab. Um sich selbst zu retten und seinen Auftrag zu beenden, beschließt die KI, die Besatzung des Raumschiffes zu töten. HALs Fähigkeit zu fühlen wird spätestens deutlich, als er am Ende doch noch abgeschaltet werden kann. Während des Abschaltungsvorgangs gesteht HAL, dass er Angst hat. HAL entwickelt sich nach und nach zurück in den Zustand seiner „Kindheit“. Zum Schluss singt er noch das Lied „Daisy Bell“, dass ihm sein Schöpfer beigebracht hat. Dabei handelt es sich um eine Hommage an den IBM 704 Computer, der 1962 als erster Computer ein Lied sang – Daisy Bell.

Der Supercomputer HAL 9000 war eine der ersten Darstellungen künstlicher Intelligenz. Obwohl unsere heutige KI sich deutlich von der im Film unterscheidet, steht HAL 9000 noch immer sinnbildlich für all unsere Visionen und Ängste zu künstlicher Intelligenz. HAL 9000 ist klug, berechnend und kontrolliert sämtliche Systeme des Raumschiffs Discovery One. Und er entwickelt ein eigenes Selbstbewusstsein.

Die Erfindung des Tablets

Zu Zeiten des Filmes sahen Computer noch ganz anders aus, als wir sie kennen. Sie hatten die Ausmaße von Schränken und erste grafische Benutzeroberflächen gab es erst ein paar Jahre nach 2001: Odyssee im Weltraum. Mit diesem Kenntnisstand ist es umso beeindruckender, dass die Vision tragbarer Computer im Film extrem nah an unseren heutigen Tablets ist. Zwar zollen einige Konsolen-Ausgaben der damaligen Zeit Tribut, doch das grobe Design und die Art der Nutzung während des Essens ist so zutreffend, wie es nach 50 Jahren nur sein kann. Denn nach dem damaligen Stand der Technik waren tragbare Computer eine geradezu wahnwitzige Idee.

Fehlende Konsequenz zeigt die Idee in Form der Videotelefonie. Statt einer Integration in die Tablets oder mobile Kommunikatoren sitzt Dr. Heywood R. Floyd in einer Telefonzelle und tippt die Nummer sogar noch händisch ein. Dafür trifft die generelle Nutzung flacher Bildschirme den Nagel wieder überraschend auf den Kopf.

Raumfahrt noch nicht so weit

2001: Odyssee im Weltraum spielt 18 Jahre vor unserer Zeit. Und auch wenn unsere Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten durch die Technologie einen noch nie dagewesenen Wandel erlebt, ist unsere Raumfahrt nicht annähernd so weit, bemannte Missionen zum Jupiter zu schicken, der nochmal weiter entfernt ist, als der Mars.

Heutzutage ist die Faszination Weltraum nicht mehr ganz so groß und die Gesellschaft kritischer, wohin die Milliarden geschossen werden. Mit der zunehmenden Konkurrenz durch private Unternehmen wie SpaceX oder Blue Origin, erlebt die Raumfahrt derzeit jedoch eine kleine Renaissance.

Ein wahrer Klassiker

Zugegeben, 2001: Odyssee im Weltraum ist nicht für jeden geeignet. Als ich den Film vor wenigen Jahren erstmals sah, musste ich mich regelrecht durchquälen. Obwohl ich kein Freund der aktuellen Hollywood-Standards bin, war mir die Entschleunigung dann doch deutlich zu viel. Trotzdem hinterließ der Film nachbleibenden Eindruck. Dieser alte Film, noch vor der Mondlandung uraufgeführt, macht wissenschaftlich so vieles besser, als die millionenschweren Produktionen unserer Zeit.

Der Film zelebriert seine Genauigkeit, indem wir minutenlang zusehen, wie sich Personen langsam durch die Schwerelosigkeit bewegen oder Mechaniken der Raumschiffe funktionieren. Man spürt in jeder Szene, wie akribisch Kubrick auf jedes kleine Detail achtete. Auch HAL 9000 ist noch immer ein Sinnbild für Hoffnungen und Ängste bezüglich künstlicher Intelligenz – auch abseits der philosophischen Frage über Selbstbewusstsein und Leben.

Man muss den Film als solchen nicht zwingend mögen, um ihn für seine Genauigkeit und den visionären Blick in die damalige Zukunft zu würdigen. Auch die Qualität seiner Produktion ist so herausragend, dass 2001: Odyssee im Weltraum jüngst sogar als erster Film in 8K ausgestrahlt wurde.

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Image by PublicDomainPictures via pixabay

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5 Highlights aus den Mediatheken!

In den kostenlosen Mediatheken warten unzählige tolle Filme, Serien-Episoden und Dokumentarstücke auf ihre Entdeckung. Hier ist meine Auswahl für den September: eine Dokumentation über Seenotrettung, ein Drama von Andreas Dresen und ein Lehrstück zum Thema iPhone-Marketing. Viel Spaß beim Streamen!

Iuventa

Dokumentarfilmer Michele Cinque begleitete die Hilfsorganisation „Jugend Rettet“ ins Mittelmeer, wo sie unterwegs waren, um Flüchtlinge aus der Seenot zu retten. Leider fehlte ihnen dafür die Erlaubnis und ihr Schiff, die „Iuventa“, wurde 2017 festgesetzt. Die Doku zeigt das harte Training für die Einsätze und ein unvergleichliches Engagement der freiwilligen Hilfskräfte – entgegen aller Widerstände.

3sat / Verfügbar bis 11.10.: Zur Doku

Halt auf freier Strecke

Frank (Milan Peschel) und Simone (Steffi Kühnert) haben sich einen Traum erfüllt und leben mit ihren beiden Kindern in einem Reihenhäuschen am Stadtrand. Sie sind ein glückliches Paar, bis zu dem Tag, an dem bei Frank ein inoperabler Hirntumor diagnostiziert wird.

3sat / Verfügbar bis 07.11.: Zum Film

Tanken – Mehr als Super (Staffel 1)

Nachtschicht im Nirgendwo: Die Sitcom zeigt Georg (Stefan Haschke), Daniel (Ludwig Trepte) und Olaf (Daniel Zillmann) bei ihrer Arbeit in einer besonders trostlosen Super-Tankstelle.

ZDF / Verfügbar bis 16.04.19: Zur Serie

Kebab Connection

Ibo (Denis Moschitto) wünscht sich nichts sehnlicher, als den ersten deutschen Kung Fu-Film zu drehen. Den ersten Schritt in Richtung Ruhm macht er mit einem Werbespot für die Dönerbude seines Onkels. Als seine Karriere gerade Fahrt aufnimmt, erfährt er von der Schwangerschaft seiner Freundin Titzi (Nora Tschirner) und fliegt Zuhause raus. Jetzt wünscht er sich eigentlich nur noch sein altes Leben zurück…

Netzkino / Dauerhaft verfügbar: Zum Film

#Moneypulation

Ob Storytelling, Green Washing oder Gamification – nicht nur durch Anglizismen streuen uns die Strategen des Marketing gerne immer wieder mal Sand in die Augen. Intelligent drücken sie die richtigen Knöpfe in unserem Unterbewusstsein, um geschickt Wahrnehmung und Wünsche des Konsumenten zu manipulieren. Mit einem Zwinkern im Auge zeigt die Serie „#Moneypulation“, wie uns so nicht nur Apple, Red Bull oder Philip Morris gerne mal einen Bären aufbinden, sondern auch wie Spin-Doctoren das Image eines ganzen Staates neu aufbauen können – oder gar einen frauenfeindlichen Außenseiter zum Präsidenten des mächtigsten Landes der Welt.

Arte / Verfügbar bis 29.10.:  Zur Doku-Reihe


Image by David Streit

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Was ist neu auf Amazon und Netflix? – Streaming-Tipps für den Januar 2018

Browsing Netflix Streaming (adapted) (Image by Charles Deluvio [CC0 Public Domain] via Unsplash)

Neues Jahr, neuer Monat, neue Streaming-Titel! Zur besseren Übersicht fassen wir euch die sehenswertesten Titel zusammen, die im Januar 2018 über eure Bildschirme flimmern könnten.

Disney-Invasion auf Netflix

Beim Streaming-Dienst Netflix ist der Januar 2018 auffällig Disney-lastig. Mit dabei sind Klassiker der 90er und frühen 2000er wie Hercules und Lilo & Stitch, die jeweils schon ab dem 1. Januar starten. Die Monster Uni ist das Prequel zu Die Monster AG und ab dem 3. Januar zum Streamen verfügbar. Auch über die Neuauflage des Klassikers Das Dschungelbuch aus dem Jahr 2016 können sich Netflix-Nutzer ab dem 18. Januar freuen. Von der Kino-Leinwand direkt zum Streaminganbieter springt am 12. Januar zudem der Die Eiskönigin-Kurzfilm Olaf taut auf, der erst noch vor Disneys Coco im Kino lief. Damit kommen kleine und große Disney-Fans im Januar also voll auf ihre Kosten!

Serienhighlights bei Amazon Prime Video

Auf Amazon Prime Video wirds diesen Monat vor allem für Serien-Fans interessant. Allen voran steht das Amazon Original Mr. Robot, dessen 3. Staffel am 15.01 Premiere feiert. Die Serie handelt vom IT-Sicherheitsspezialisten Elliot, der unter einer Persönlichkeitsstörung leidet und für eine anarchistische Hackergruppe rekrutiert wird.

Science-Fiction-Fans, vor allen denjenigen, denen schon Black Mirror gefallen hat, sollten ab dem 12. Januar einen Blick auf Philip K. Dick’s Electric Dreams werfen. Die britische Anthologie-Serie basiert auf Kurzgeschichten von Science-Ficiton-Autor Philip K. Dick, dessen Geschichten auch schon Werke wie Blade Runner, Total Recall, Minority Report oder – ein weiteres Amazon Original – The Man in the High Castle inspirierten.

Mit der Horror-Serie The Exorcist holt sich Amazon Prime einen Fox-Serienerfolg ins Boot. Wie der Titel schon verrät, basiert die Serie auf dem Buch von William Peter Blatty mit dem gleichen Namen und stellt eine Fortsetzung zum Film aus dem Jahr 1973 dar. Ab dem 23. Januar zeigt Amazon die viel gelobte Horror-Serie in Deutschland.


Image (adapted) „Browsing Netflix“ by Charles Deluvio (CC0 Public Domain)

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Barrierefreies Kino: Die Technologie von Greta & Starks macht’s möglich

StarksGlassGirl (adapted) (Image by Greta & Starks)

Ins Kino zu gehen ist für die meisten von uns eine ganz normale Freizeitbeschäftigung. Worüber wir uns dabei wahrscheinlich kaum Gedanken machen: In Deutschland allein gibt es über eine Million sehbehinderte und etwa 80.000 gehörlose Menschen, die das nicht können. Das Berliner Unternehmen Greta & Starks hat dafür eine clevere Tech-Lösung entwickelt.

Zwei Apps und das eigene Smartphone machen Inklusion möglich

Mit zwei kostenlosen Apps, Greta und Starks, wird für blinde und gehörlose Filmfans damit das Kinoerlebnis endlich barrierefrei. Greta bietet blinden Gästen die passenden Audiodeskriptionen zu einem Film, Starks spielt spezielle Untertitel für gehörlose Besucher ab. All das passiert auf dem eigenen Smartphone oder Tablet, sodass Nutzer auf keine spezielle Technologie oder große Geräte angewiesen sind. Über eine Audioerkennungssoftware werden die Audio- und Tonspuren des Filmes im Kino mit den Fassungen auf der App synchronisiert.

Nutzer wählen dafür über die App einen aktuellen Kinofilm. Nur die Filme, die in der App aufgelistet werden, gibt es mit Audiodeskriptionen oder Untertiteln. Im Kino müssen die User lediglich den passenden Film über die App aufrufen und es werden dann automatisch die Audiodeskriptionen oder die Untertitel abgespielt. Für blinde Filmfreunde reichen also ein Paar Kopfhörer und das Smartphone, um den Film verfolgen zu können. Gehörlose Gäste sehen die passenden Untertitel gleichzeitig zur Handlung auf der großen Laufwand auf ihrem eigenen Smartphone. Eine große Bereicherung, wie die betroffene Community findet.

Sinnesbeinträchtigte Kinofans können so in jeden verfügbaren Film zu jeder Zeit gehen, ohne dass es für sie einen großen Aufwand bedeutet. Ein weiterer Vorteil ist, dass das Kinoerlebnis damit wirklich inklusiv wird. Es muss keine getrennten Vorführungen mehr geben. Alle – Menschen mit Sinnesbeinträchtigungen und Menschen ohne – können gemeinsam den gleichen Film anschauen.

Fast 300 Filme im Angebot

Seneit Debese Profilfoto (Image by Seneit Debese)
Die Geschäftsführerin von Greta & Starks, Seneit Debese. Image by Seneit Debese

Das war von Anfang an ein großes Anliegen für Gründerin Seneit Debese. Sie arbeitete vor Greta & Starks selbst in der Filmbranche und lernte beim Drehen einer Reportage eine blinde Läuferin kennen. Als diese sagte, dass eine der größten Einschränkungen in ihrem Alltag sei, dass sie nicht mit ihren nicht-blinden Freunden ins Kino könne, war die Idee für Greta & Starks geboren. Seit 2013 gibt es das Unternehmen offiziell, „die kleine Firma mit einer großen Vision”, wie Debese es im Interview mit den Netzpiloten ausdrückt.

Damit hat sie gar nicht so Unrecht. Denn bevor es Greta & Starks gab, war es für Menschen mit Sinnesbeinträchtigungen in Deutschland sehr schwierig, überhaupt Kinofilme zu sehen. Die meisten Verleihe boten keine geeigneten Fassungen an und wenn, dann sehr spärlich über das Jahr verteilt. Zwar gibt es regelmäßige Filmveranstaltungen wie etwa im Kleisthaus in Berlin. Doch auch diese beschränken sich auf wenige Ereignisse im Jahr und Besucher können sich die Filme nicht selbst aussuchen.

Greta & Starks hat aktuell knapp 300 Filme im Programm, vom Kinderfilm über die Komödie bis hin zu Blockbustern wie den aktuellen Teil von Star Wars. Im Angebot sind aber nicht nur aktuelle Kinofilme, sondern auch spezielle DVD-Fassungen für den Filmabend daheim. Das ist wahrscheinlich aktuell das Angebot mit der größten Bandbreite. Das Unternehmen wird von den Filmverleihern dafür bezahlt, die speziellen Fassungen für sinnesbeinträchtigte Menschen auf ihre App zu stellen. Das ist das Geschäftsmodell und Haupteinnahmequelle des Unternehmens.

Neues Headset soll Kinoerlebnis weiter verbessern

In diesem Jahr hat das Unternehmen damit sogar den Publikumspreis beim KfW Award Gründen gewonnen. “Ich wollte schon immer etwas machen, dass wirklich sinnvoll ist und ein echtes Problem löst – und nicht einfach die hundertste Shampoosorte verkaufen. Ich freue mich wirklich, dass wir mit unserer Arbeit so vielen Menschen helfen können”, sagt Debese.

2017-03-03 Starks App Smartphone EN (adapted) (Image by Greta & Starks)
Image by Greta & Starks

Voraussichtlich im kommenden Sommer will Greta & Starks das inklusive Kinoerlebnis auf die nächste Stufe heben. Dazu hat das Unternehmen ein spezielles Headset entwickelt das vor allem gehörlosen Kinogängern zugute kommt. Durch ein spezielles Sichtfenster werden die Untertitel damit direkt vor der Leinwand erscheinen. So müssen gehörlose Zuschauer nicht mehr zwischen ihrem Smartphone und dem Bildschirm hin und her wechseln, sondern können sich entspannt zurücklehnen.

Das Headset kann zwar auch direkt von den Nutzern gekauft werden, wenn gewünscht. Doch grundsätzlich soll es als kostenloser Service im Kino zur Verfügung stehen: „Unsere Idee ist es, dass die Kinobetreiber das Headset kaufen, damit Besucher es, wie auch unsere anderen Angebote, weiterhin kostenlos nutzen können”, sagt Debese.

Greta & Starks soll inklusiv wie der Pizzaschneider werden

Ende des Jahres soll der Prototyp in die Testphase gehen. Im Januar 2018 möchte das Unternehmen eine Crowdfunding-Kampagne dazu starten. Greta & Starks erhält zwar auch Fördergelder für die inklusive Technologie, die Lage könnte aber deutlich besser sein, findet Seneit Debese. „Es gibt in Deutschland zu wenig Förderung für inklusive Technologie. Gerade für Unternehmen ist es nicht so leicht, Unterstützung zu bekommen. Ich würde mir wünschen, dass es an der Schnittstelle zwischen inklusiver Arbeit und Technologie mehr Fördertöpfe geben würde.”

Dies gilt vor allem, weil Debese nicht ausschließt, dass ihre Technologie auch für andere Zwecke genutzt werden kann. So soll das Headset in Zukunft nicht nur Untertitel für Menschen mit Hörbeeinträchtigungen einspielen, sondern auch für anderssprachige Gäste. Das könnte zum Beispiel ausländischen Studenten zugute kommen, die in Deutschland einen Film im Kino anschauen wollen. Oder auch Deutschen, die im Ausland einen Film in der Originalsprache schauen und dann Untertitel einspielen können.

„Ich möchte, dass Greta & Stark irgendwann so wird wie der Pizzaschneider”, sagt Debese. Dieser wurde ursprünglich als Inklusionshilfsmittel erfunden, um Menschen mit Handicaps das Schneiden der Pizza zu erleichtern. „Heute nutzt fast jeder diesen Pizzaschneider, ohne darüber nachzudenken. Es hilft allen, Menschen mit Behinderungen und Menschen ohne. Das ist wirklich Inklusion und das würde ich gerne auch mit unserer Technologie erreichen.”


Image by Seneit Debese

Headphones and Phone: Greta & Starks


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ratiopharm präsentiert: 99FIRE-FILMS-AWARD

[Gewinner_Goldregen_Gruppenfoto 2] (adapted)

„Dafür gibt’s doch ratiopharm! – Gute Preise, gute Besserung!“ lautet der Werbeslogan des bekannten Arzneimittelherstellers ratiopharm. Und ein Teil dieses Slogan ist gleichzeitig das Motto des diesjährigen 99FIRE-FILMS-AWARD – „Da gibt’s doch was …“.

Der 99FIRE-FILMS-AWARD ist ein Preis, der einmal im Jahr von einer fachkundigen Jury aus allen Bereichen des Films verliehen wird. Ausgezeichnet werden Kurzfilme. Diese müssen eine länge von exakt 99 Sekunden haben und die Teinehmer haben 99 Stunden Zeit, um eine Idee zu entwickeln, den Film zu drehen, zu schneiden und einzureichen.

And the Winner is

10.000 Menschen haben dieses Jahr mitgemacht, 2.500 Ideen wurden eingereicht. Die Jury, die dieses Jahr aus 14 Mitgliedern besteht, hat vier davon ausgesucht und mit dem Preis ausgezeichnet, der mit 9.999 Euro dotiert ist. Die Gewinner sind:

Die Gewinner wurden am 16. Februar im Berliner Admiralpalast gekürt.

Wertvolle Unterstützung

Seit über 40 Jahren steht in Deutschland die Firma ratiopharm für Arzneimittel in höchster Qualität zu einem bezahlbaren Preis. Der Generikamarkt ist hierzulande fest in der Hand des Ulmer Unternehmens. Generika sind Kopien patentgeschützter Medikamente – das macht sie kostengünstig und effektiv zugleich. Als bekanntester und beliebtester Hersteller von Heilmitteln trägt ratiopharm auch zu eurer Gesundheit bei.

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Irgendwann in Cyborgland: Ghost in the Shell weicht den philosophischen Zukunftsfragen aus

Ghost in the Shell (adapted) (Image by Christian Frank [CC BY 2.0] via flickr).jpg

Wie eng werden wir mit unserer Technologie in Zukunft zusammenleben? Inwiefern wird sie uns verändern? Und wie nah ist “nah”? Ghost in the Shell stellt sich eine futuristische, hochtechnologische, jedoch auch schmutzige und ghettoartige Metropole vor, die von Menschen, Robotern und technologisch erweiterten menschenartigen Cyborgs bewohnt wird.

Hinter Fähigkeiten wie übermenschlicher Stärke, Ausdauer und einem Röntgenblick, die alle durch körperliche Erweiterungen ermöglicht werden, liegt einer der transformativsten Aspekte dieser Welt, nämlich die Tatsache, dass wir als Cyborgs zwei Hirne statt nur einem besitzen können. Unser biologisches Gehirn – der “Geist” in der “Schale” – würde sich via neuralen Implantaten mit leistungsfähigen Computern verbinden, die uns blitzschnelle Reaktionen sowie erhöhte Kräfte im Bereich Schlussfolgerung, Lernen und Gedächtnis ermöglichen.

Im Jahr 1989, als das Internet noch in den Kinderschuhen steckte, sah der japanische Künstler Masamune Shirow, der Verfasser der Mangaversion von Ghost in the Shell, voraus, dass diese Schnittstelle zwischen Hirn und Computer die fundamentale Einschränkung des Menschlichen überwindet: Dass unsere Gedanken in unseren Köpfen gefangen sind. In Shirows transhumaner Zukunft wären unsere Geister befähigt, herumzuwandern und Gedanken und Eindrücke an andere verbundene Hirne weiterzugeben, via Cloud in entfernte Geräte und Sensoren einzudringen und sogar in das Hirn eines anderen “hineinzutauchen”, um dessen Erfahrungen zu verstehen.

Shirows Geschichten mahnten ebenso einige der Gefahren dieses gigantischen technologischen Sprungs nach vorn an. In einer Welt, in der Wissen mit Macht gleichzusetzen ist, würden diese Schnittstellen der Hirnrechner neue Wege für Überwachung und Kontrolle der Regierung und neue Arten von Verbrechen wie beispielsweise den “Geistraub” – ferngesteuerte Kontrolle von Gedanken und Handlungen anderer, erschaffen. Trotzdem gibt es zu Shirows Erzählung auch eine spirituelle Seite: Dort könnte der Cyborgzustand der nächste Schritt in unserer Evolution darstellen und die Erweiterung der Perspektive und die Verbindung von Individualität mit einer Verbindung von Geistern ein möglicher Weg zur Erleuchtung sein.

Lost in translation

Stark anlehnend an die Neuerzählung der Version von Regisseur Mamoru Oshii aus dem Jahr 1995 präsentiert die aktuelle Hollywood-Interpretation mit Scarlett Johansson als Major einen Cyborg für Sektion 9, einer von der Regierung betriebenen geheimen Sicherheitsorganisation, die beauftragt ist, Korruption und Terrorismus zu bekämpfen. Der neue Film unter der Regie von Rupert Sanders ist visuell atemberaubend und die Geschichte stellt einige der besten Szenen des Animes liebevoll nach.

Schade ist jedoch, dass Sanders’ Film sich betreffend der Kernfrage, wie diese Technologie den menschlichen Zustand verändern könnte, deutlich zurückhält. Wenn die Besetzung mit westlichen Schauspielern für die meisten Rollen schon nicht genug ist, übt er eine Form von kultureller Aneignung durch die Überlagerung des Mythos eines actiongeladenen amerikanischen Helden aus. Wer man ist, wird von den einen Handlungen in einer Art definiert, dass beinahe das genaue Gegenteil dieser Idee verkörpert wird.

Major kämpft die Schlachten ihrer Herren mit einer zunehmenden Zurückhaltung und hinterfragt die von ihr verlangten Taten, immer steht eine mögliche Flucht und ein Reflektieren im Raum. Sie ist keine Actionheldin, sondern jemand, der versucht, Fragmente von Bedeutung innerhalb der Existenz als Cyborg zusammenzufügen,  mit man sich ein lebenswertes Leben zusammensetzen kann.

Eine Szene in der Mitte des Films zeigt noch schonungsloser die zentrale Rolle, die die Gedanken rund um die eigene Erschaffung spielen. Wir sehen den kompletten Zusammenbruch eines Mannes, der, seines ‚Geistes‘ beraubt, mit der Feststellung zu kämpfen hat, dass seine Identität mit falschen Gedanken eines Lebens, das nie gelebt wurde, und einer Familie, die niemals existierte, zusammengesetzt ist. Der Anime aus dem Jahr 1995 besteht darauf, dass wir lediglich aufgrund unserer Erinnerungen zu Individuen geworden sind. Während der neue Film den größten Teil des Geschichtsverlaufes beibehält, verweigert er sich den Schlussfolgerungen der Vorlage. Statt uns über unsere Erinnerungen zu definieren, sagt uns Majors Stimme, dass „wir an Erinnerungen hängen, als ob diese uns definieren, wir jedoch von unseren Handlungen definiert werden“. Vielleicht soll es beruhigend gemeint sein, für mich ist es jedoch verwirrend und entspricht nicht der Idee des ursprünglichen Films.

Der neue Film weicht ebenso von einer anderen Schlüsselidee aus Shirows Werk ab, dass der menschliche Geist, eigentlich sogar die gesamte menschliche Rasse, im Grunde aus Informationen besteht. Wenn der Anime aus dem Jahr 1995 die Möglichkeit behandelt, den Körper verlassen zu können, die das Bewusstsein in  höheren Ebenen befördert und man so „an allen Dingen teilhaben kann“, gibt die Neuverfilmung lediglich verschleierte Hinweise darauf, dass der Zusammenschluss von Geistern oder die Formung eines menschlichen Geistes mit dem Internet entweder positiv oder auch nur transformativ sein kann.

Offene Leben

In der  echten Welt sehen wir uns bereits jetzt mit dem Gedanken von verbundenen Geistern konfrontiert. Touch-Bildschirme, Tastaturen, Kameras, Handys oder gar die Cloud: Wir sind immer mehr direkt und unmittelbar mit einem erweiternden Kreis von Menschen verbunden, während wir unser privates Leben der  Überwachung und einer potenziellen Manipulation von Regierungen, Werbetreibende oder schlimmerem offenhalten.

Die Schnittstellen zwischen Hirn und Computern sind ebenso im Kommen. Es existieren bereits Hirnimplantate, die einige der Symptome von Hirnerkrankungen wie Parkinson und Depression lindern können. Andere werden entwickelt, um Beeinträchtigungen wie beispielsweise Blindheit oder gelähmte Gliedmaßen zu kontrollieren. Auf der anderen Seite wurde die ferngesteuerte Verhaltenskontrolle mit implantierten Gehirnstimulatoren mit verschiedenen Tierarten demonstriert – eine erschreckende Technologie, die – zumindest theporetisch – auch an Menschen angewendet werden könnte.

Die Möglichkeit, unseren Geist freiwillig zu verbinden, ist ebenso vorhanden. Geräte wie Emotiv sind einfache, tragbare, auf Elektroenzophalografie (EEG) basierte Geräte, die einige der von unserem Hirn ausgestoßenen charakteristischen Signale erkennen und intelligent genug sind, um diese Signale zu interpretieren und in nützlichen Output zu verwandeln. Beispielsweise kann ein mit einem Computer verbundenes Emotiv ein Videospiel mit den bloßen Gedanken des Trägers kontrolliert werden.

Zu den Aspekten der künstlichen Intelligenz untersuche ich in meinem Labor bei Sheffield Robotics die Möglichkeit, Nachbildungen mit Robotern für Veranstaltungen zu bauen. Diese Verschmelzung solcher Systeme mit dem menschlichen Gehirn ist mit der heutigen Technologie bisher nicht möglich – es ist jedoch in den nächsten Jahrzehnten vorstellbar. Wer wäre nicht interessiert, wenn ein Implantat entwickelt werden würde, das unser Gedächtnis und unsere Intelligenz verbessern könnte? Solche Technologien zeichnen sich bereits am Horizont ab – und solche SciFi-Ideen wie bei Ghost in the Shell machen deutlich, dass wir gut daran täten, die Macht der fundamentalen Veränderung der condition humana nicht zu unterschätzen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Ghost in the Shell“ by Christian Frank (CC BY 2.0)


The Conversation

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Wie Netflix den TV-Markt revolutioniert hat

Netflix VHS (adapted) (Image by karat [CC BY 2.0] via flickr)

Die erste Revolution: Die Sehgewohnheiten

Viele Fans hätten sich diese Option wohl gerne für das Ende der US-Sitcom „How I Met Your Mother“ gewünscht: Gerüchten zufolge experimentiert der Streaminganbieter Netflix mit der Interaktivität von Handlungsverläufen. Die Zuschauer sollen die volle Kontrolle erhalten und entscheiden können, wie die Serie auf dem eigenen Bildschirm weitergehen soll – ein Happy End auf Knopfdruck. Wie viel an den Gerüchten dran ist, lässt sich nur schwer beurteilen, doch sie unterstreichen die Rolle von Netflix als disruptive Kraft im Mediensektor. Seitdem der Video-on-demand-Anbieter (VoD), der 1997 noch als Online-DVD-Verleih startete, vor ziemlich genau zehn Jahren sein Streaming-Angebot auf den Markt warf, hat sich die TV-Branche extrem gewandelt.

Netflix war der erste Anbieter, der alle Episoden eigenproduzierter Serien auf einen Schlag zur Verfügung gestellt hat – ganz im Gegensatz zur gewohnten wöchentlichen TV-Ausstrahlung. Auch das „Binge Watching“, also das Schauen zahlreicher Folgen am Stück, geht letztlich auf den Streaminganbieter aus Los Gatos in Kalifornien zurück. Die Amerikaner bieten vor allem auch sicheres und ruckelfreies Streaming und schaffen es, mit den eigenen Algorithmen recht treffsicher den Geschmack der einzelnen Zuschauer vorherzusagen.

Netflix‘ Erfolg basiert demnach auch auf seiner Rolle als Technikunternehmen: „Ihre Stärke ist, dass sie ein wirklich gutes Produkt haben“, so formulierte es Media-Analyst Michael Nathanson im vergangenen Jahr gegenüber der New York Times. Hinten über fällt gerne die Tatsache, dass Netflix natürlich eine Menge Daten von seinen Nutzern sammelt: Wann bricht man eine Serie ab? Wann pausiert man die aktuelle Folge? Ab welchem Zeitpunkt wird man „süchtig“ nach einer Produktion? Alles wertvolle Kundendaten für das Unternehmen.

Die zweite Revolution: Der globale Anspruch

Insgesamt kann Netflix auf 93,8 Millionen Abonnenten verweisen und peilt für dieses Quartal die 100-Millionen-Marke an. Das Wachstum des Streaminganbieters ist immer noch immens: innerhalb des letzten Jahres legte die Zahl der Kunden um ein Viertel zu, die Umsätze stiegen um 40 Prozent. Dabei denkt die Unternehmensführung konsequent global: in jedem Land der Welt solle es möglichst dasselbe Angebot geben – und das setzt die klassischen Akteure der Branche mächtig unter Druck. Dieses Vorgehen entspricht nicht mehr dem alten Geschäftsmodell der Studios und Sender, die ihre Lizenzen teuer in andere Länder verkaufen. Und noch einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil hat Netflix gegenüber klassischen Sendern: im Vergleich zu US-Kabelanbietern, die zunehmend an Zuspruch verlieren, zahlen Kunden nur knapp die Hälfte pro geschauter Stunde.

Netflix hat sich durch seine globale Reichweite – fast die Hälfte der Netflix-Kunden stammt mittlerweile aus dem Ausland – im Rechtepoker in eine deutlich bessere Verhandlungsposition katapultiert. Doch gegen die Windmühlen der Studios hilft selbst das manchmal nicht, sodass Eigenproduktionen konzeptueller Mittelpunkt des Anbieters sind.

Die dritte Revolution: Die Inhalte

Unter anderem mithilfe gezielter Reboots alter Serien trifft Netflix den Nerv der Millenials: im vergangenen Jahr legte man sehr erfolgreich „Full House“ und „Gilmore Girls“ neu auf. Mit den eigenen Ideen erregt Netflix vor allem seit 2013 globale Aufmerksamkeit. Die Veröffentlichung von „House of Cards“ war einer der Game Changer in der Branche und der erste Schritt in Netflix‘ Positionierung als ernstzunehmender Konkurrent im Produktionsbereich. In diesem Jahr will der Anbieter sechs Milliarden Dollar für Inhalte ausgeben und langfristig sicherstellen, dass die Hälfte der auf der eigenen Seite gestreamten Inhalte Eigenproduktionen sind.

Die Masse an neu auf den Markt geworfenen Netflix-Serien ist für den einzelnen Zuschauer natürlich nicht zu bewältigen, doch das ist auch nicht das Ziel des Unternehmens. Der große Vorteil des eigenen Geschäftsmodells, so Programmchef Ted Sarandos, sei die Möglichkeit, Serien und Shows zu produzieren, die es im klassischen TV nicht gegeben hätte. Massentaugliche Serien entstehen bei Netflix selten, vor allem die Nische wird bedient. Auch klassische Branchen-Messgrößen wie die Einschaltquote verlieren im Video-on-Demand-Bereich zunehmend ihre Bedeutung – eine Serie muss nicht sofort bei der Veröffentlichung ein Zuschauermagnet sein.

Das bietet natürlich auch für die Kreativen hinter der Kamera neue Chancen. Nicht nur Einkäufe bekommen durch Netflix neuen Schub („Breaking Bad“-Schöpfer Vince Gilligan berichtet, dass die Bereitstellung auf Netflix die Zuschauerzahlen erst richtig in die Höhe getrieben hat, nachdem die AMC-Serie trotz toller Kritiken noch kein Quotenhit war), auch ungewöhnliche Ideen haben bei Netflix die Chance auf Verwirklichung. Und das ganz ohne Quotendruck, schließlich werden die Streaming-Zahlen selbst vor den Machern einer Serie geheim gehalten.

Die vierte Revolution?

Doch trotz der vielen Erfolge, die Netflix in den vergangenen Jahren feierte, prophezeien nicht alle dem Anbieter eine goldene Zukunft. Börsenanalysten gehen davon aus, dass der Höhenflug des Anbieters an der Wall Street nicht ewig andauern wird – in den vergangenen zwölf Monaten stieg der Aktienwert immerhin um über 40 Prozent.

Diese Einschätzung rührt vor allem daher, dass die klassischen TV-Anbieter mittlerweile verstanden haben, welche Gefahr für sie von Netflix ausgeht und steuern mit eigenen Angeboten dagegen. Anfangs nahm man die neue Konkurrenz noch nicht ernst, doch inzwischen setzt beispielsweise auch Sky Deutschland zunehmend auf selbstproduzierte Inhalte (das prestigeträchtigste Projekt ist derzeit die für 2018 angekündigte Serien-Fortsetzung von „Das Boot“).  Schon lange haben sich Disney, 21st Century Fox und Comcast für den gemeinsamen US-Dienst “Hulu” zusammengeschlossen – seit vergangenem Jahr schaltet der Streaminganbieter der drei größten Medienunternehmen in den USA mit zwei großen selbstproduzierten Dramen (u.a. von J.J. Abrams) einen Gang höher.

Auch die BBC und HBO scheinen sich der Veröffentlichungsstrategie von Netflix anschließen zu wollen. Und nicht zu vergessen Amazon Prime Video, der derzeit größte direkte Konkurrent – mit dem Vorteil eines riesigen Unternehmens im Rücken. Netflix‘ entscheidender Vorteil aus den Anfangsjahren ist inzwischen verschwunden: das Unternehmen hat nicht mehr den ganzen Markt für sich allein, sondern muss sich immer mehr mit ernstzunehmenden Konkurrenten herumschlagen.

Netflix bleibt im Moment der Platzhirsch auf dem Streaming-Markt und beeindruckt mit Innovationen und starkem Wachstum. Doch wie lange können die Kalifornier noch auf der Welle des Erfolgs reiten? Aber egal, in welche Richtung sich der VoD-Anbieter entwickelt: der Wandel der TV-Branche ist bereits in vollem Gange – und die Interaktivität von Handlungsverläufen ist vielleicht nicht die letzte von Netflix angestoßene Revolution.


Image (adapted) „Netflix VHS“ by karat (CC BY 2.0)


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Von Zelluloid zu Gigabyte – Digitalisierung im Kino

projektor-image-by-lisa-kneidl

Dieser Beitrag ist Teil einer Artikelserie in Kooperation mit Microsoft, die sich mit der Digitalisierung in kleinen und mittleren Unternehmen auseinandersetzt:


In meiner kleinen Heimatstadt gab es jahrelang ein charmantes kleines Kino, das Ring Theater, das noch bis zuletzt den großen Kinoketten trotzte. Reserviert hat man noch mit dem Telefon, beworben wurden vor dem Film nur regionale Gewerbe und Produkte (die Naabecker Werbung ist in der Region nahezu legendär) und die Kinokarte hat noch die etwa 90-jährige Großmutter des Familienbetriebs abgerissen. Doch die Digitalsierung hält in allen Branchen Einzug, so natürlich auch im Film und Kinobetrieb. So musste auch das Ring Theater einer großen Kinokette weichen, die sich als Betonklotz direkt ins Herzen der Stadt niedergelassen hat.

Schneller, besser, weiter ist die Digitalisierungs-Devise. Prozesse sollen vereinfacht werden, Kommunikation erleichtert und alles möglichst gewinnfördernd und nah am Kunden vermarktet werden. Aber wie viel Digitalsierung ist gut? Was sind Chancen und was eher Probleme? Will man Digitalisierung auch in allen Bereichen oder geht dadurch etwas verloren? Solche und ähnliche Fragen stellen wir uns bei den Netzpiloten in unserer Artikelreihe zum Thema „Digitalisierung in kleinen, mittelständischen Unternehmen“ (KMUs). Zuhause sind wir in der Schanze, dem charismatischen Szene-Herzen Hamburgs, weswegen es auch unser Anliegen ist, die kleinen sympathischen Unternehmen zu portraitieren.

Die Nähe zum Kino soll nicht verloren gehen

Ein Schanzen-Urgestein ist das 3001 Kino. Im Herzen der Schanze liegt das kleine Ein-Saal-Kino beinahe verborgen in einem Hinterhof nicht weit von der U-Bahn-Station Sternschanze entfernt. Seit 1991 hält es im Schanzenhof die Stellung und hat auch nicht so schnell vor, den großen Kinoketten klein bei zu geben.

Das 3001 Kino im Schanzenhof

„Was unser Kino von vielen andern Kinos unterscheidet ist zum Beispiel, dass wir noch selbst auf „Start“ drücken, dass wir den Vorhang noch selber fahren, da haben wir halt nicht komplett digitalisiert, sondern die Projektion starten wir tatsächlich noch selbst. Bei uns muss man noch vorführen können und es wird nicht alles vom Computer gesteuert.“

Das 3001 Kino fährt bewusst einen Gang zurück. Digitalisierung kann in vielen Anwendungsbereichen nützlich sein, aber sie ist auch nicht in allen Bereichen notwendig. Ramona Rodriguez, die gute Seele des Kinos und ihre Kollegen schätzen den Film, lieben Kino und ihren Beruf des Filmvorführers – und dieser soll nicht aussterben.

Ramona beschreibt sich selbst als „Mädchen für Alles“ im 3001

Ja zur Digitalisierung… mit Vorbehalt!

Wie digital kann ein kleines, charmantes Programmkino also sein, ohne diesen Charme zu verlieren? Das 3001 Kino scheint sich noch gegen Digitalisierungsprozesse zu wehren, sie sind eben „Querköpfe“, wie Ramona sagt. Die Kassen, Reservierungen und das Ticketsystem sind alle noch ganz analog auf Papier.

Seit vier Jahren laufen Filme statt auf Zelluloid jetzt über spezielle Server, mit bis zu drei Gigabyte pro Filmminute. Das erleichtert vor allem das Vorführen von Filmen mit Untertiteln, denn das 3001 zeichnet sich vor allem durch sein weitläufig internationales und nicht-englischsprachiges Programm von Filmen im Originalton aus. „Das ist alles mehr oder weniger bundeseinheitlich passiert, weil die Verleiher irgendwann angefangen haben die Filme nicht mehr auf 35mm herauszugeben, sondern nur noch digital und dann mussten wir mitspielen sozusagen. Wir sind da aber trotzdem ein bisschen ein besonderes Kino, weil wir nicht die klassische Server-Lösung haben.“

Gemeint sind die beinahe bundeseinheitlichen Sony-Server, das 3001 hat sogenannte Ropa Server, an denen sie noch „selbst herumschrauben können“. Sony schickt ihnen deswegen auch keine Filme, was aber auch kein Defizit für das ausgewählte Programmkino darstellt.

Das klassische Ticket-System
Reperatur einer altern 35mm Zelluloid-Filmrolle

Chancen sehen sie vor allem auch im Bereich der Social-Media-Präsenz und dem Kundenmanagement. Seit einem Monat hat das Lichtspielhaus deswegen auch eine hauseigene „Social-Media-Beauftragte“, die das Engagement mit den Kunden steigern soll und so mehr Traffic und Aufmerksamkeit für das Kino generieren soll. Auch durch die Umstellung von der Monats- zur Wochen- und Tagesplanung des Filmprogramms haben sich die Seiten-Zugriffe innerhalb eines Monats verdoppelt. In Zeiten von täglichem Informationsfluss brauchen die Nutzer die Infos eben tagesaktuell, je schneller und vereinfachter, desto besser. Auf dem Digitalisierungs-Schirm haben die Cineasten jetzt deswegen vor allem die Optimierung und Smartphone-Tauglichkeit der Website und zielgruppenorientierter auf ihren Social-Media-Plattformen zu arbeiten.


Images by Lisa Kneidl


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Fünf Arten, wie Pflanzen neue Technologien geschaffen haben

blaetter-image-by-glady-via-pixabay

Spinat als Sprengstoffdetektor

Wissenschaftler haben sich eine neue Methode einfallen lassen, um Sprengstoff zu erkennen: sie verwenden Spinat. Die Pflanzen sind mit fluoreszierenden bionischen Nanoröhrchen imprägniert, die Infrarot-Licht ausstrahlen. In der Gegenwart von besonderen Chemikalien hört das Leuchten auf – was bedeutet, dass Sprengstoffe vorhanden sind. Die Veränderung in der Fluoreszenz kann sogar durch den Einsatz von modifizierten Handys erkannt werden.

Aber warum sollte man veränderten Spinat anstelle der Nanoröhrchen verwenden? Der Grund ist vor allem, dass Pflanzen eine große Menge Wasser durch ihre Wurzeln auf- und hoch zu den Blättern saugen, ohne viel Energie zu verbrauchen. Daher wird in diesem Fall der Spinat als ein automatisches Wasserkontrollsystem für die Nanoröhrchen, die Sprengstoffe erkennen, verwendet.

Diese beeindruckende Fähigkeit ist einer von vielen Gründen, warum Pflanzen oft nicht nur als Nahrungsmittel und Kleidung sondern auch als Teil komplexer Technologien verwendet werden. Hier sind ein paar weitere Möglichkeiten, wie wir die Pflanzenwelt nutzen können.

Dekontamination

Die Fähigkeit von Pflanzen Wasser zu verarbeiten kann auch für die sogenannte „Phytoremediation“ eingesetzt werden. Schadstoffe, die aus der Erde im Wasser gelöst und von den Pflanzen aufgenommen werden, zu den Blättern transportiert und sammeln sich dort an, weil das Wasser verdunstet. Die Pflanzen können anschließend geerntet und entfernt werden und nehmen so die Schadstoffe mit. Dies wird angewandt, um Böden von Arsen und Blei zu entgiften. Wertvolle Verunreinigungen, wie beispielsweise Kadmium und Nickel, können in einem Verfahren namens „Phytomining“ wiederaufbereitet werden.

In einer neuerlichen, überraschenden Wendung wurden bestimmte Pflanzen genetisch verändert, um ihre Fähigkeiten zu kombinieren, große Wassermengen mit Merkmalen von Bakterienarten zu verarbeiten, die die Sprengstoffarten TNT und RDX zersetzen. Dies bedeutet, wir können veränderte Pflanzen herstellen, die sowohl Sprengstoff erkennen als auch entschärfen können.

Sprengstoff

Aber Pflanzen werden nicht nur für friedliche Absichten verwendet. Im Jahr 1846 führte Christian Schönbein ein Experiment in seiner Küche durch – entgegen der ausdrücklichen Wünsche seiner Frau. Er verschüttete eine Mischung aus konzentrierten Säuren und schnappte sich die nächst gelegene Sache, die zur Hand war, um sie aufzuwischen und bemerkte erst später, dass er die Schürze seiner Frau verwendet hatte. Nachdem er sie in Eile gewaschen und über den Ofen zum Trocknen gehangen hatte, sah sie bemerkenswert gut aus. Die Krise wurde abgewendet – zumindest bis die Schürze explodierte.

Schönbein hatte unbeabsichtigt die Baumwolle der Schürze in Nitrocellulose, oder Schießwolle, umgewandelt, einen stärkeren Sprengstoff als TNT. Diese Cellulose, die die Grundlage der Schießwolle bildet, ist der strukturelle Hauptbestandteil von Pflanzen – und das biologisch am meisten vorkommende Molekül auf der Erde. Cellulose ist leicht zu gewinnen, Nitrocellulose ist stärker als Schießpulver und daher wurde Schießpulver von Schießwolle für viele Aufgaben im 19.Jahrhundert ersetzt.

In dem Roman „Von der Erde zum Mond“ befördert Jules Verne seine Entdecker in den Weltraum, indem er eine riesige Kanone benutzt, die mit Nitrocellulose abgefeuert wurde. In der Realität hätten sich die Raumfahrer von Verne durch die Beschleunigung in Püree verwandelt. Aber er lag nicht vollständig daneben, da heutzutage Nitrocellulose immer noch in den Treibmitteln von Feststoffraketen – besonders für militärische Anwendungsmöglichkeiten – verwendet wird, da es keinen Rauch erzeugt, der die Position der Abschussvorrichtung verraten würde, weil sie einfach verbrennt.

Kunststoffverband

Nitrocellulose und andere nitrierte Pflanzenpolysaccharide befanden sich auch unter den ersten „Kunstoffen“. Ihre Anwendungen schlossen den Film, der in frühen Kameras verwendet wurde, ein, der auf Nitrocellulose basierte und sich entzünden oder sogar explodieren konnte, wenn der Projektor zu heiß wurde. Diese instabilen Substanzen wurden weitgehend durch sicherere Kunststoffe ersetzt, aber eine Flüssigkeit, die gelöste Nitrocellulose enthält, wird immer noch in der Medizin verwendet. Es wird über die Schnitte gestrichen und versiegelt sie mit einem feinen Film aus Nitrocellulose.

Pflanzen produzieren zahlreiche Biopolymere und da wir nach umweltfreundlicheren und nachhaltigen Ersatz für Öl-basierende Kunststoffe suchen, ist es Zeit für diese natürlichen Alternativen, einen Ertrag zu bringen.

Vegetarisches Fleisch

Natürlich bilden Pflanzen die Grundlage der meisten Nahrungsmittel, aber Wissenschaftler haben jüngst einen Burger entworfen, der riecht, schmeckt und sogar wie Fleisch zubereitet wird – auch wenn er vollständig aus pflanzlichen Stoffen hergestellt wurde. Hierfür mussten verschiedene Herausforderungen gelöst werden. Zum Beispiel muss der neue Burger, um bei der Zubereitung möglichst rindfleischähnlich zu sein, pflanzliche Fette enthalten, die bei Raumtemperatur fest sind, aber schmelzen, sobald sie erhitzt werden. Das Fett, das in diesem Fall verwendet wurde, kam von Kokosnüssen.

Pflanzen bestehen nicht aus den Proteinen Hämoglobin und Myoglobin, die dem roten Fleisch seine Farbe und seinen Eisengehalt verleihen. Aber einige beinhalten eine sehr ähnliche Substanz mit dem Namen Leghomoglobin, die wie Hämoglobin und Myoglobin Sauerstoff absorbiert. Dies kommt von Pflanzenarten wie Erbsen und Bohnen, die Wurzelknötchen haben, die Bakterien beinhalten, die Nitrogen aus der Luft in Pflanzendünger umwandeln.

Sauerstoff greift dieses Nitrogen-Umwandlungssystem so aggressiv an, dass einige seiner Bestandteile 99 Prozent seiner Leistung in weniger als sechs Minuten verlieren können. Und daher wird Leghämoglobin verwendet, um es zu schützen, indem es Sauerstoff in die Knötchen aufsaugt. Die Knötchen, welche das Nitrogen festhalten, sind innen wortwörtlich blutrot, da Leghämolglobin die gleiche Farbe wie Hämoglobin besitzt.

Davon abgesehen wird Leghämoglobin verwendet, um den Pflanzenburger sein Aussehen zu verleihen. Der Eisengehalt wird nicht aus den Pflanzen gewonnen, da dies zu ineffizient wäre. Daher wird es mit Hilfe von veränderter Hefe in Wannen mit blutrot gefärbter Flüssigkeit hergestellt – ganz wie in einer Szene aus der Serie True Blood.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC0 Public Domain. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Blätter“ by GLady (CC0 Public Domain)


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Nach einem Jahr Filmfestival Futurale: Was haben wir über die Zukunft der Arbeit gelernt?

futurale-image-by-tom-maelsa-via-bmas

Zwölf Monate, 25 Städte und 175 Diskussionrunden: Ein Jahr lang zog das Filmfestival Futurale des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales durch Deutschland. Knapp 9000 Besucher schauten sich in dieser Zeit sieben Filme zur Zukunft der Arbeit an – und diskutierten im Anschluss darüber. In der vergangenen Woche ging das Festival zu Ende. Welche Erkenntnisse bleiben?

Filme hinterfragen Ideen der Arbeitswelt

Das Festival war ein weiterer Baustein des Grünbuchs Arbeiten 4.0 des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS). Ziel war es, die Bürger aktiv in den Dialog um die Zukunft der Arbeit mit einzubinden. Was bedeutet eigentlich Arbeiten 4.0? Ist Technologie unser Freund oder unser Feind? Werden wir alle unsere Häuser in Zukunft mit einem 3D-Drucker bauen? Wie sieht der Arbeitsplatz der Zukunft aus? Diese und viele weitere Fragen wurden bei der Futurale thematisiert und vor allem diskutiert. Das BMAS hatte dafür bewusst aktuelle Filme herausgesucht oder solche, die noch nicht in deutschen Kinos gezeigt wurden und natürlich Produktionen gewählt, die auch genügend Gesprächsstoff lieferten. Die sieben ausgewählten Filme thematisieren so auf unterschiedliche Weise aktuelle und zukünftige Herausforderung unserer Arbeitswelt.

So geht es bei „Silicon Wadi“ um die Startup-Szene von Technologieunternehmen in Tel Aviv. Die Dokumentation begleitet vier junge Unternehmer und geht dabei der Faszination aber auch den Herausforderungen der Gründerszene nach. Auch der Dokumentarfilm „Digitale Nomaden – Deutschland zieht aus“ begleitet junge Menschen in Deutschland auf ihrem Weg in eine neue ortsunabhängige Arbeits- und Lebenswelt.

Please Subscribe“ zeigt dabei an vielen Praxisbeispielen wie eine solche Arbeit im Internet heutzutage aussehen kann und wie junge Menschen durch YouTube-Videos reich werden. An solch neue Formen der Arbeit knüpft auch die Produktion „Mein wunderbarer Arbeitsplatz“ an, der die aktuelle Führungskultur in Unternehmen hinterfragt. In eine ähnliche Kerbe schlägt auch „Deine Arbeit, dein Leben“. Die WDR-Produktion zeigt, was Arbeit heute in einer ehemals so industriell geprägten Region wie Nordrhein-Westfalen bedeutet.

Unsere Ideen von Arbeitsform und Arbeitsraum werden damit herausgefordert. Ähnliches wird im Film „Ik ben Alice“ thematisiert, wenn es darum geht, wie unsere Arbeitswelt durch Roboter revolutioniert werden könnte. Wie weit Technologie gehen und sein darf ist auch eine Frage, die in „Print the Legend“ aufgegriffen wird, einer Dokumentation über die Entwicklung der 3D-Drucker in den USA.

Futurale offenbarte großes Diskussionspotential

Nach den Vorführungen gab es eine Gesprächsrunde zwischen Zuschauern und regionalen Experten rund um die Themen der Filme. Das Feedback war dabei, je nach Veranstaltung, sehr unterschiedlich, erklärt das BMAS gegenüber den Netzpiloten: „Wir hatten Veranstaltungen mit 300 Gästen, aber auch welche mit 15. Das hat aber Qualität und Intensität der Diskussionen nicht beeinflusst. Bei einer eher gering besuchten Spätvorstellung des Films „Digitale Nomaden – Deutschland zieht aus“ lief die Diskussion im Anschluss zwei Stunden und wurde letztendlich nur durch die Schließung des Kinos durch den Betreiber beendet.“

Das BMAS hat dabei beobachtet, dass gerade die digitalen Nomaden und die Thematik von Robotern, die menschliche Arbeiten übernehmen, die Zuschauer besonders bewegt hat: „Bei den digitalen Nomaden war das Publikum häufig gespalten in eine Hälfte, die sofort in den Flieger steigen würde, um es den Nomaden gleichzutun und die andere Hälfte, die die Nomaden eher als egoistische Selbstoptimierer empfand. Der Film „Ik bin Alice“ wiederum, eine holländische Produktion über ein Modellversuch, bei dem ein Pflegeroboter auch zur sozialen Interaktion bei drei alten Damen eingesetzt wird, wurde überall heiß diskutiert. Viele Gäste fanden das Konzept eines Social Robots verstörend und erschreckend.“

Dabei wurden die Filme nicht nur bei den eigentlichen Vorführungen diskutiert, der Diskurs wurde auch auf der Webseite der Futurale oder bei Twitter unter dem #Futurale weitergeführt.

Screenshot by Marinela Potor

Dabei gab es vor allem zwei große Themenfelder, die die Zuschauer beschäftigten. Das war einmal die Entgrenzung von Arbeit und Freizeit durch ständige Erreichbarkeit – möglich gemacht durch moderne Technologie.

Das andere Thema ist die Angst vor der Automatisierung von Arbeitsprozessen und somit dem Verlust von Arbeitsplätzen.

Screenshot by Marinela Potor
Screenshot by Marinela Potor

Interessant war dabei zu beobachten, wie anfangs futuristisch anklingende Themen für die Zuschauer durch das Festival viel nahbarer wurden. Vielen war beispielsweise gar nicht klar, dass es auch in Deutschland das Geschäftsmodell YouTube gibt oder wo überall schon Roboter eingesetzt werden. Hier konnten die regionalen Experten Aufklärungsarbeit leisten und so die Diskussion anregen, erklärt das BMAS im Rückblick: „Durch die regionalen Experten auf den Podien wurden die Themen geerdet und konkretisiert. Wenn beispielsweise ein Geschäftsführer eines 3D-Druckunternehmens aus der Region über seine Arbeit berichtet, wird das Thema des amerikanischen Films Print the Legend schnell vor Ort fassbar.”

Die Zukunft der Arbeit bietet Chancen

Insgesamt hat die Futurale gezeigt, dass Arbeiten 4.0 ein Thema ist, das Menschen im ganzen Land beschäftigt. Dahinter steckt nicht nur Angst und Sorge, sondern auch Zuversicht und Hoffnung auf neue, gerechtere Arbeitswelten, die wir mit unserer Kreativität und mithilfe von Technologien selbst mitgestalten können.

Dahinter stecken Herausforderung, aber auch Chancen glaubt das BMAS: „Erwerbsbiographien werden in Zukunft wahrscheinlich dynamischer sein, als das heute meistens der Fall ist. Klassische Nine-to-five-Jobs, die man sein Leben lang beim selben Arbeitgeber verrichtet, werden seltener. Deshalb werden wir immer wieder auch Lernphasen brauchen, um unser Know-how auf dem neuesten Stand zu halten, oder auch um ganz neue Kompetenzen aufzubauen. Auch hier ist jeder Einzelne gefragt und muss offen bleiben für Neues.“

Die Ergebnisse der Futurale sollen bis zum Ende des Jahres in einem Weißbuch veröffentlicht werden.


Image by Tom Maelsa


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Nicht nur Spielkram – 9 Bereiche, bei denen VR helfen kann

VR (adapted) (Image by szfphy [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Die Technik der Virtual Reality (VR) ist im Prinzip nichts Neues. Schon Mitte des 20. Jahrhunderts kamen Flugsimulatoren auf, mit deren Hilfe Piloten das Fliegen lernen. Doch in jüngster Zeit hält VR auch Einzug im Kinderzimmer. Die PlayStation VR kann seit Obtober 2016 gekauft werden. Kostenpunkt: 399 Euro, plus die PlayStation-Kamera, ohne die geht es nicht.

Es gibt jedoch auch einen Einsatz abseits der Spieletechnik. Neun Lebensbereiche könnten davon profitieren, wenn Experten weiter an der Technik feilen und sie marktreif machen. Wir stellen sie euch vor:

BILDUNG: Besonders im Bereich der Bildung sehen Experten den Einsatz von VR vor. Studenten könnten so in eine völlig neue Welt eintauchen. In der „World of Comenius“, benannt nach dem tschechischen Lehrer Johann Amos Comenius, können Studenten die Anatomie des Körpers kennenlernen und verschiedenen Körperteilen und -systemen auf den Grund gehen.

KUNST: Dreidimensionales Malen und Zeichnen mithilfe eines VR-Headsets und entsprechendem Zubehör – diesen Traum haben viele Künstler. Nun könnte er Wirklichkeit werden. Die Technik dafür liefert zum Beispiel Tilt Brush von Google.

MEDIZIN: VR könnte auch dazu beitragen, Krankheiten zu behandeln. Vielversprechend ist der Einsatz bei Depressionen. Hier soll beispielsweise virtuelles Schwimmen mit Delfinen die Genesung vorantreiben. Auch bei einer posttraumatischen Belastungsstörung und Alkoholismus könnte die Technik hilfreich sein. Der Patient setzt einfach die Kamera auf und landet dann in einer völlig anderen Umgebung.

LUFTFAHRT: Piloten kennen VR schon aus dem Simulator, mit dem sie das Fliegen üben. Doch auch die Reisenden werden in Zukunft die virtuelle Realität kennenlernen. Die Zeit der wenig unterhaltsamen Langstreckenflüge könnte somit schon bald Geschichte sein. Während man eigentlich noch auf dem Weg dorthin ist, könnte man virtuell schon einmal den Zielort genauer erkunden – ganz in 3D.

SPORT: Für Sportler könnte sich das Training bald zumindest teilweise von draußen nach drinnen verlagern. Für American Football-Spieler beispielsweise könnte der Quaterback zuhause auf der Couch sitzen und virtuell seine Reaktion testen. Was er auf diese Weise lernt, kann er später beim Training auf dem Feld verfestigen.

SEX: Hier geht es nicht nur um offensichtliche Ideen wie einen virtuellen Stripclub. Für Menschen, die unter sexuellen Schwierigkeiten wie Impotenz oder anderen körperlichen oder medizinischen Störungen leiden, könnte VR eine neue Möglichkeit der Sexualtherapie darstellen.

BESICHTIGUNGEN: Eine Idee, die besonders Architekten und Designern gelegen kommen wird. Ein virtueller Gang durch ein Gebäude könnte durch VR möglich gemacht werden. Auf diese Weise könnte man Probleme bei der Konstruktion erkennen, bevor das Gebäude überhaupt existiert. Auch Änderungen im Design wären so ganz einfach durchzuführen.

FILM: Einen Film auf dem Fernseher oder dem Laptop anzusehen, ist eine tolle Sache. Was aber wäre, wenn man direkt in die Filmwelt eintauchen könnte, quasi eine Art interaktive Geschichte? Die Experten gehen davon aus, dass man sich viel intensiver in die Figuren hineinversetzen kann, wenn man sie dreidimensional vor sich sieht und mit ihnen interagieren kann. Folgendes Video zeigt am Beispiel des Igels „Henry“, wie Forscher sich das vorstellen:

NEWS: Um Nachrichten spannender und greifbarer zu machen, könnte man zu Erklärungszwecken dreidimensionale Animationen hinzuziehen. Auch Beiträge könnten davon profitieren, dass Menschen besser begreifen können, was man versucht ihnen zu vermitteln.


Image (adapted) „VR“ by szfphy (CC0 Public Domain)

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Filmen und Fotografieren mit Drohnen: Was Einsteiger beachten sollten

drone-image-by-unsplash-via-pixabay-[CC0 Public Domain]

Dank Smartphone-Apps und Videobrillen erstellen selbst Einsteiger in wenigen Minuten Luftaufnahmen mit Drohnen. Unser Selbsttest hat das eindrucksvoll gezeigt. Doch das Fliegen von Drohnen ist komplexer als nur eine App mit Fingergesten zu bedienen. Wir haben mit Joseph Metz vom Drohnenbranchen-Portal U-ROB darüber gesprochen, was Einsteiger vor dem Kauf und während des Flugs beachten sollten.

Hallo Herr Metz, Sie leiten Schulungen für Drohnenpiloten. Warum ist es keine gute Idee einfach so loszulegen?

Es reicht nicht, nur den Automatik-Modus zu beherrschen. Dank GPS fliegen Drohnen automatisch stabil und verhindern Fehlbedienungen. Ein Problem haben unerfahrene Piloten dann, wenn doch ein Hilfssystem ausfällt und eine manuelle Steuerung nötig ist. Das führt oft zur Bruchlandung. Weil die Automatik in 99,9 Prozent aller Fälle funktioniert, wiegen sich die Anwender in trügerischer Sicherheit. Es ist heutzutage üblich, dass man neue Technik intuitiv ausprobiert. In anderen Bereichen funktioniert das ja auch so. Aber Drohen sind kein Spielzeug, sondern Flugobjekte, die erheblichen Schaden anrichten können.

Was sind typische Anfängerfehler?

Waren die ersten Flugversuche erfolgreich, verlassen sich viele Neupiloten auf die Flugautomatik und konzentrieren sich stattdessen auf den Monitor mit dem Kamerabild. Dabei bemerken sie dann vor lauter Begeisterung zu spät, wenn die Drohne in einen Baum rauscht.

In anderen Fällen wissen Einsteiger nicht, dass der Kompass-Sensor durch die Karosserie von parkenden Autos, Gullideckel, Mobilfunkmasten oder Bewehrungsstahl in Mauern leicht gestört werden kann. Das bringt dann die Schwebeflug-Automatik durcheinander. Möchte dann jemand einen Image-Film von einem Firmengebäude filmen oder als Handwerker das Dach inspizieren, besteht Absturzgefahr. Können Piloten Störfaktoren vorab einschätzen und wissen sie, wie man manuell fliegt, gibt es kein Problem.

Ist es möglich, sich auch ohne Schulung autodidaktisch schlau zu machen?

Wenn Sie wollen, können sie sich tagelang im Web tiefgehendes Wissen über Luftrecht, technische Grundlagen und Störfaktoren anlesen. Wer nur gerade so das Geld für einen Drohnenkauf zusammenbekommen hat und sich keinen Workshop leisten möchte, soll sich lieber dort informieren, als völlig unbedarft loszufliegen. Viele Foren bieten auch durchaus wertvolle Tipps. Aber wie so oft sind sie gleichzeitig auch voll von technischen und rechtlichen Fehlinformationen, die lange Zeit oder nie richtiggestellt werden. Gefährliches Halbwissen eben. Fast täglich stoße ich darauf.

Welche Quellen empfehlen Sie fürs Selbststudium?

Mit einer kurzen Suche findet man bei YouTube diverse Kanäle, die Hardware vorstellen. Beim Abwägen von Kaufentscheidungen sind sie hilfreich. Viele der mir bekannten Betreiber leisten sich aber Schnitzer im Luftrecht. Rechtlich sauber und verbindlich ist eine Broschüre des Bundesverkehrsministeriums.

Welche luftrechtlichen Grundsätze sollten Anfänger beherzigen?

Generell dürfen Drohnen nur tagsüber, also von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang aufsteigen. Langzeitbelichtungen in der Nacht sehen zwar toll aus, sind aber illegal. Fliegt die Drohne außerhalb eines Modellflugplatzes? Dann bitte nur unter 5 Kilo Abfluggewicht. Aber das trifft auf die meisten handelsüblichen Produkte zu.

Bei gewerblichen Einsätzen ist eine Flughöhe von bis zu 100 Metern erlaubt, per Sondergenehmigung geht es auch höher hinaus. Für Freizeitpiloten ist der Luftraum sogar in bis zu 760 Metern Höhe unkontrolliert. Das ist aber nur ein theoretischer Wert. Denn Drohnenpiloten sind verpflichtet, nur in Sichtweite zu manövrieren. Sie müssen Lage und Flugrichtung eindeutig erkennen können. In der Praxis gelingt das mit kleinen, handelsüblichen Drohnen niemanden jenseits von 100 Metern Entfernung.

Wer Drohnen kommerziell einsetzt, also etwa für gewerbliche Filmaufnahmen, braucht eine Aufstiegserlaubnis. Wo es die gibt, hängt vom Bundesland ab. Hier helfen die Broschüre des Bundesverkehrsministeriums und meine Themenseite auf U-ROB weiter.

Brauche ich auch als gelegentlicher Freizeitpilot eine Haftpflichtversicherung?

Einen Versicherungsschutz brauchen Drohnenpiloten immer! Ob privater oder gewerblicher Einsatz – das spielt keine Rolle. Kommt es hart auf hart, sind Schäden oft viel kostspieliger als bei einem Autounfall mit Blechschaden. Das möchte niemand aus eigener Tasche zahlen! Viele der vorhandenen Versicherungspolicen regulieren Schäden durch Modellflüge nur eingeschränkt oder gar nicht. Dies sollte man erfragen und im Zweifelsfall eine Zusatzversicherung abschließen. Für private Zwecke kostet eine Police zwischen 30 und 50 Euro im Jahr, gewerbliche Piloten zahlen nochmals 100 Euro drauf.

Wo sollte ich lieber nicht fliegen?

Es gibt generelle Flugverbotszonen, zum Beispiel rund um Flughäfen und -plätze, Militärstützpunkten und Kernkraftwerken. Als Faustregel gilt ein Abstand von 1,5 Kilometern. Selbst in einem größeren Abstand etwa zu einem Verkehrsflugplatz kann die Flughöhe auf 30 oder 50 Meter begrenzt sein. Rechtlich verbindlich sind Karten auf der Webseite der Deutschen Flugsicherung. Zusätzlich gibt es kurzzeitige Flugverbotszonen, die in diesen Karten nicht verzeichnet sind. Zum Beispiel wurde beim Obama-Besuch 2016 der Luftraum in einem Radius von 55 Kilometern um Hannover gesperrt. Einige Drohnenpiloten wussten das nicht und wurden festgenommen. Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Stolperfallen. Fast keiner weiß, dass er etwa nicht über den Rhein fliegen darf, weil es sich um eine Bundeswasserstraße handelt.

Wie vorsichtig muss ich rund um fremde Privatgrundstücke sein?

Schwieriges Thema, das ist eine rechtliche Grauzone. Es ist nicht definiert, in welcher Höhe ein Grundstückseigentümer Überflüge oder Flüge in der Nähe dulden muss. Liegt ein kommerzieller Film- oder Fotoauftrag in der Nachbarschaft vor, sind Drohnenflüge legitim. Ein grundsätzliches Verbot oder eine Genehmigungspflicht gibt es nicht. Aber: Fühlt sich ein Anwohner durch Lärm oder in seiner Privatsphäre gestört fühlt, gewichten Gerichte dessen Persönlichkeitsrecht mitunter höher. Allein um des lieben Friedens willen sollten Piloten daher vor dem Drohnenstart das Gespräch suchen. Spätestens anhand solcher Beispiele erkennt man, wie komplex das Luftrecht ist – auch für Freizeitpiloten.

Ist Fliegen doch nicht so einfach, wie es die Werbeaussagen von Drohnenherstellern á la „Anyone can fly“ suggerieren?

Solche Werbeaussagen zeichnen nicht das ganze Bild. Natürlich kann jeder dank Hilfssystemen innerhalb weniger Minuten abheben. Schon aus Eigeninteresse speichern die Hersteller auch Flugverbotszonen in das Kartenmaterial der Drohnen. Das geschieht aber manchmal halbherzig. Mir ist ein Modell bekannt, mit dem man praktisch bis auf die Landebahn eines großen deutschen Flughafens vordringen konnte, bevor die Sperre griff. Nur wer sich als Pilot selbst mit dem Luftrecht auskennt, geht auf Nummer sicher und macht sich im Zweifel nicht strafbar.

Worauf sollten Einsteiger beim Drohnenkauf achten?

Zuallererst sollten sie nicht am falschen Ende sparen. Empfehlenswerte Freizeitmodelle gibt es ab 300 Euro, Profi-Drohnen ab rund 1000 Euro. Die Hardware-Daten sind häufig ebenbürtig, daher fällt die Wahl oft auf das scheinbar preiswertere Angebot. Hundert Euro Ersparnis sind aber ein schwacher Trost, wenn fehlerhafte Software zu Abstürzen führen kann. Ich habe selbst schon bei einer Drohne eines führenden Herstellers erlebt, dass sie beim Wechsel von Automatik zu manueller Steuerung eine falsche GPS-Position annahm und mit Vollgas in die falsche Richtung flog. Viele Produkte stecken voller Kinderkrankheiten. Einsteiger legen sie dann schnell unglücklich beiseite.

Wie kann ich als Käufer schlecht programmierte Drohnen erkennen?

Das kann man auf dem Papier nicht ablesen. Gerade für Einsteiger ist es tatsächlich noch schwer, diesen jungen Markt zu Überblicken. Verlässliche Referenzlösungen gibt es nicht. Die Online-Shops quellen über vor billigen Nachbauten. Auch die Infrastruktur für Beratung, Handel und Service ist erst im Aufbau. Modellbauhändler und Elektronikmärkte haben in der Regel noch zu wenig Know-how. Eine eigene Webrecherche auf einschlägigen Testseiten ist unverzichtbar. Im Idealfall finden Interessierte bereits einen spezialisierten Händler oder erfahrenen Drohnenpiloten in der Region, die Testflüge ermöglichen.

Kann die Drohnenfliegerei vor diesem Hintergrund überhaupt ein massentaugliches Thema werden?

Zivile Drohnen sind ja schon ein Milliardenmarkt. Den notwendigen Sprung in der technologischen Entwicklung haben wir hinter uns. Wir sind jetzt in einer Phase von inkrementellen Innovationen. Alles wird noch ausgereifter. Ich gehe auch davon aus, dass die Zahl der Hobbyflieger nicht mehr stark wachsen wird. Es ist ein Thema für gewerbliche Anwender, die heutzutage für Luftaufnahmen oder Spezialmessungen für die Anschaffung der Drohne nur noch ein Zehntel dessen ausgeben müssen, was vor ein paar Jahren anfiel.

Für wen lohnen sich Kameradrohnen?

Dachdecker und andere Handwerker sind eine sehr große Zielgruppe. Mit Drohnen können sie Dächer prüfen, ohne auf einer Leiter hochzuklettern. Landvermesser, Inspekteure von Brücken und Hochspannnungsleitungen sowie Landwirte sind eine kleine, aber wachsende Kundschaft. Bildjournalisten sehen Kameradrohnen natürlich auch immer öfter als Arbeitswerkzeug, weil sie keine Cessna-Piloten mehr beauftragen müssen.

Was muss ich als Journalist oder Blogger investieren, um fit in der Drohnenfliegerei zu werden?

Rund 2.500 Euro sind eine übliche Größenordnung für die Erstausrüstung inklusive Zubehör. Etwa 20 bis 25 Flugstunden Trainingspensum sollte man mindestens einplanen. Dann hat man genügend Grundroutine, um einfache Aufträge zu absolvieren. Richtig gute Filmaufnahmen setzen aber viel mehr Übung und Know-how voraus. Das ist ein Thema für sich.

Danke für das Gespräch.

Über den Experten

Speaker Sebastian Kluth
Joseph Metz

 


Joseph Metz schult Drohnenpiloten, vertreibt und repariert Drohnen und informiert rund um das Thema auf seiner Webseite U-ROB. Das Thema fasziniert ihn seit 13 Jahren. Sein Quereinsteiger-Werdegang ist typisch. Der Hobby-Modellflieger und gelernte Industrieelektroniker montierte 2003 erstmals Digitalkameras an Modellflugzeuge. Diese Form der Luftfotografie professionalisierte er weiter und gründete 2005 sein erstes Unternehmen. 2011 stieg er mit der Height-Tech GmbH in die Produktion von Industriedrohnen ein, beide Unternehmen wurden 2014 an die SPECTAIR GROUP verkauft. Anschließend gründete er die U-ROB GmbH in Bielefeld als Schulungs- und Beratungsunternehmen für professionelle Anwender.


Image: „Drone“ by Unsplash (CC0 Public Domain)
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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
  • INTERNET Zeit Online: Der nächste große Angriff aus dem Internet der Dinge: Zwei Stunden lang waren am Freitag zahlreiche populäre Internetdienste wie Twitter, Spotify, Airbnb, Reddit, eBay oder die Seite der New York Times auf normalem Wege nicht zu erreichen. Die betroffenen Seiten sind Kunden beim DNS-Provider (Domain Name System) Dyn im US-Bundesstaat New Hampshire, der nach eigenen Angaben zum Opfer eines massiven Angriffs wurde. Nach zwei Stunden waren die Störungen demnach behoben, es mussten aber zwei weitere Angriffswellen abgewehrt werden. In den USA gibt es nun Befürchtungen, eine Attacke am 8. November könnte die Präsidentschaftswahl beeinflussen.

  • AT&T Neue Zürcher Zeitung: Telekomriese greift nach Time Warner: Der amerikanische Telekomkonzern AT&T will das Medienunternehmen Time Warner für 85 Milliarden Dollar übernehmen. AT&T ist der zweitgrösste Mobilfunkanbieter und bezüglich Kabel-TV mit 20 Millionen Abonnenten der Marktführer in den USA. Time Warner gehört zu den führenden Film- und Fernsehproduzenten im Land: Mit CNN, dem TV-Netzwerk HBO steht das Unternehmen für einige der erfolgreichsten Filme der letzten Jahre.

  • YOUTUBE Chip: YouTube bald wie Fernsehen? PayTV-Abo soll kommen – und teuer wird’s: YouTube soll künftig klassisches Fernsehprogramm bieten. Dazu verhandelt Google aktuell mit großen TV-Sendern – und hat bereits den ersten Deal eingetütet. YouTube hat das Fernsehen beinahe überflüssig gemacht – und doch soll YouTube bald TV-Programme zeigen. Die Pläne für diese Projekt – genannt: „YouTube Unplugged“ – sind schon seit Mai bekannt. Nun melden US-Medien, dass Google den ersten TV-Sender für Unplugged gewinnen konnte. Das große Kabel-Netzwerk CBS hat demnach einen Vertrag mit Google unterzeichnet, und wird sein Programm künftig auch dem YouTube-Publikum zeigen – zumindest dem zahlenden. Denn YouTube Unplugged wird als Abo-Dienst Geld kosten.

  • NESTLE Die Welt: Nestlé will gesundes Essen künftig ausdrucken: Erstmals in der Geschichte gebe es zu viel Nahrung. Vor allem in den westlichen Überflussgesellschaften bringe weiteres Mengenwachstum an kalorienreicher Nahrung aber mehr Schaden als Nutzen. Für die Hersteller von Nahrungsmitteln bedeute dies eine grundlegende Umorientierung. Statt auf Masse müssten sie sich darauf konzentrieren, Produkte mit gesundheitsfördernden Eigenschaften auf den Markt zu bringen, „die weit über Reduktion oder Ersatz von Zucker, Fett und Salz in der Nahrung hinausreichen“.

  • ZEBRASTREIFEN Handelsblatt: Dem Straßen-Zebra geht es an den Kragen: Pferdestärken, Starenkästen, Zebrastreifen – auf deutschen Straßen geht es mitunter recht artenreich zu. Doch ein Bewohner des Straßenzoos könnte bald auf die Rote Liste kommen – denn er wird zu teuer. Ein Eimer weißer Farbe und ein Pinsel waren früher alles, was man für einen Zebrastreifen brauchte. Heute ist das anders. Eine im Beamtendeutsch R-FGÜ genannte Verordnung macht Zebrastreifen zu ausgeklügelten Systemen – mit Markierungen auf der Straße, einer Mindest-Streifenbreite, Schildern über der Fahrbahn, abgesenktem Bürgersteig für Rollstuhlfahrer, Auffindstreifen für Blinde und ausreichend Beleuchtung. Die Nachrüstung ist einfach zu teuer für viele Städte.

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„Inferno“-Review: Sorgen jetzt die Milliardäre für soziales Gleichgewicht?

Inferno (Image via Columbia Pictures)

Mit „Inferno“ kommt nach „The Da Vinci Code – Sakrileg“ (2006) und „Illuminati“ (2009) nun die dritte Verfilmung von Dan Browns Bestsellerromanen ins Kino. Wieder mit dabei: Tom Hanks. Mit ihm gehen wir in dem historisch angehauchten Thriller auf Schnitzeljagd. Ich habe mich einen ganzen Tag lang auf die Spuren von Tom Hanks begeben und dabei auch gleich noch die Frage geklärt, wie relevant der neue Film für unsere heutige Zeit ist.

Kann ein Einzelner wirklich wissen, was unserer gesamten Gesellschaft fehlt und was ihr gut tut? Eigentlich will man doch diese Frage sofort wild kopfschüttelnd verneinen. Wie anmaßend! Und irgendwie auch völlig weltfremd. Ja, und der Böse in „Inferno“ wirkt tatsächlich erst einmal ziemlich unecht. Bertrand Zobrist (Ben Foster) ist so ein Typ, der wohl kaum seinen Kontostand auswendig weiß. Dafür hat er viel zu viel Geld auf der hohen Kante. Ein Milliardär halt. Trotz seiner privilegierten Stellung fällt ihm nichts Besseres ein, als eine sektenartige Anhängerschar um sich zu sammeln und zu planen, einen tödlichen Virus auf die Welt loszulassen. Ganz schön rückständig, oder?

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Zumindest sieht das so aus, wenn man sich im Gegensatz dazu die Elon Musks und Mark Zuckerbergs dieser Welt anschaut, die ihr fettes Einkommen für das heißeste High-Tech-Gedöns sinnvoll einsetzen und damit auf eine bessere Zukunft hinarbeiten.

Schon klar, dass dann im Film Tom Hanks, alias Robert Langdon, mit so einem veralteten Beruf wie Symbologe zu Rate gezogen werden muss. Der soll nämlich die Zeichen deuten, die der ebenso althergebrachte Tyrann hinterlassen hat. Erster Ansatzpunkt: Ein Gemälde aus dem 14. Jahrhundert, das die Vorstellungen des italienischen Philosophen Dante abbildet. Erste Erklärung: Böse Seelen müssen bestraft werden.

Und da sind wir schon bei einem kritischen Punkt in unserer Zeit. So ein paar Typen, die sich mit was auch immer eine goldene Nase verdient haben, meinen plötzlich, Dinge besser zu wissen. Durchdachte Investments und kluge Entscheidungen haben sie zu den Mega-Verdienern gemacht und nun muss gleich die ganze Menschheit nach ihrem Vorbild umgestülpt werden. Das ist echt anmaßend. Vielleicht hätte es doch einfach noch eine weitere Villa mit XXL-Pool auf Mali getan?

Regisseur Ron Howard will in der Tat mit „Inferno“ ein Zeichen setzen. Auf der Berliner Pressekonferenz erzählt er, wie wichtig es für ihn ist, mit seiner Kunst auch das Problem der Überbevölkerung anzusprechen, die die Lebensmittel- und Lebensraumverknappung mit sich bringt. Sein Cast, der mit auf Promotour ist – Tom Hanks, Omar Sy und Felicity Jones sowie auch Buchautor Dan Brown – nickt ernsthaft. Ein schöner Ansatz, aber am Ende ist doch viel zu wenig echte Kritik im Film gelandet. Das knapp zweistündige Werk ist Popcornkino mit düsterer Note. Ein Abklatsch der Vorgänger, bei dem die weibliche Hauptrolle wieder einmal viel unnahbar bleibt. Ganz richtig betont Howard aber, dass wir in einer Vakuum-Zeit leben, in der viele Fragen aufgeworfen werden, aber keine Antworten geliefert werden.

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Der Film möchte auch wirklich nichts beantworten. Er möchte nicht mal anecken. An den heiklen Stellen macht er Rückzieher. Die blutrünstigen Visionen Langdons sollen die Rolle von wahrhaftigen Meinungen übernehmen. Der Milliardär, der eigentlich auch nur ein besorgter Bürger mit etwas extremeren Maßnahmen ist, wird zwar im Laufe des Films auseinandergenommen, doch es fehlt schlussendlich die Moral. Was machen wir nun mit all dem Gesehenen? Verstehen wir nun Dante besser? Irgendwie auch nicht. Und den Starrummel um Tom Hanks schon gar nicht.

Vielmehr kommt bei mir die Frage auf, warum es noch keinen satirischen Kinofilm über den ganzen Presserummel, der um Filmneuerscheinungen gemacht wird, gibt. Der Tag der Deutschlandpremiere von „Inferno“ war wieder so ein Tag, an dem mir dieser Gedanke in den Sinn kam – insbesondere, als ich nach der Pressekonferenz auch noch bei 8 Grad in der Mitte des Berliner Sony Centers stehe: Ein abgetrennter Bereich mit muskelbepackten Sicherheitspersonal, um mich herum wahnsinnig viele Menschen mit Spiegelreflexkameras, Eddings und Bildern von Tom Hanks. Sie schreien, als sie den Hollywoodschauspieler sehen. Journalisten, die sich brav am Roten Teppich aufgereiht haben, wollen seine Meinung zum Weltgeschehen wissen.

Und der Hanks? Der berichtet munter, dass er immer Google offen habe, wenn er die Romane von Dan Brown lesen müsste. Nur so könne er sichergehen, dass er auch alles verstehe. Aber seitdem er die Rolle spiele, sei er ein besserer Dinner-Gast, da er so viel unnützes Wissen angesammelt habe. Was für ein herrliches Blabla, das selbst ich nun eifrig wiedergebe. Aber vielleicht sollten wir noch einmal überdenken, wen wir zukünftig anhimmeln wollen?


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Oliver Stones ‚Snowden‘ – ein Abbild des Internet-Sicherheitsstaates?

camera(image by staffordgreen0[CC0 Public Domain] via Pixabay)

Der neue Film über Edward Snowden, den Mann, der geheime Dokumente über eine umfassende Spyware der US-Regierung veröffentlichte, ist seit wenigen Tagen in den Kinos zu sehen. Damit setzte sich erneut eine Debatte um seine Person in Gange – inklusive einer erneuten Anfrage bei Präsident Obama, ihn zu begnadigen. Aber, wie auch Snowden selbst vielleicht sagen würde, was uns zum Innehalten bewegen sollte, ist die Macht der Geheimdienste der Regierung.

Das Ausmaß ihrer Fähigkeiten, Kommunikation abzufangen und Informationen zu sammeln, ist dabei verblüffend: Snowden stellt die Überwachungssysteme der NSA bloß, die kaum auf den Erhalt der Privatsphäre der Bürger ausgelegt ist, und die doppelzüngigen Aussagen der NSA über ihre Aktivität. Der Film erzählt Snowdens Geschichte in einer etwas dramatisierten und fiktionalisierten Art und Weise – von seinem Militärtraining über seine krankheitsbedingte Entlassung bis hin zu seiner Arbeit im Geheimdienst. Dem Laien liefert er einen Einblick darin, wie die Regierung die moderne Kommunikationstechnologie nutzt.

Der Film bietet keinen differenzierten Einblick in die Gründe, warum Geheimdienste tun, was sie tun. Er liefert auch keine Information darüber, was die Geheimdienste anderer Staaten machen. Die Darstellung der verwendeten Technologie und des Aufwands, den die US-Regierung betreibt, um Whistleblower festzunehmen, ist jedoch ziemlich präzise.

Sammeln: ja – begutachten: nein

Der Film greift drei verschiedene Aspekte der NSA-Aktivitäten auf: Datensammlung, Datenanalyse und die rechtliche Grundlage für Überwachung. Er zeigt auch ziemlich deutlich die Systeme der NSA auf, die große Mengen an Daten aus dem ganzen Land sammeln über direkte Verbindungen zur den großen Telefon- und Internetfirmen wie AT&T, Verizon, Google, Microsoft und Facebook. Was der Film suggeriert ist aber, dass die Daten aller Bürger nicht nur gesammelt werden, sondern er zeigt – fälschlicherweise – auch, dass die Bürger auch ständig unter Beobachtung stehen.

Wenn man die Menge an Kommunikation und die sich ständig verändernden Bedrohungen von außen bedenkt, ist auch verständlich, dass die Geheimdienste nicht auf jede Spur in Echtzeit anspringen können. Mit ihrem Programm PRISM sammelt die NSA Daten über jede Bürgerin und jeden Bürger – ihre E-Mails, ihren Suchverlauf, Aktivitäten auf sozialen Netzwerken, Aufzeichnungen von Sprach- und Video-Chats, Telefonanrufe, Textdokumente, Bilder und Videos.

Statt den immensen Datenstrom zu überwachen, werden die Daten archiviert, um später nach relevanter Information suchen zu können, wenn neue Hinweise hereinkommen und Ermittlungen beginnen. Der Film zeigt diesen klaren Unterschied zwischen der Möglichkeit und der tatsächlichen Umsetzung der Beobachtung jedes Bürgers nicht auf.

Data Mining vereinfachen

Der Film zeigt auch das XKeyScore-System, das auf alle gesammelten Daten zugreifen kann. Die Informationen, die Snowden enthüllt hat, beinhalten auch Details in die Funktionsweise von XKeyScore, das die massiven Datenmengen im Hinblick auf Verbindungen zwischen Menschen, Sprachmuster und noch viele weitere Parameter analysieren kann. Im Film finden die Analysten, die XKeyScore nutzen, immer sehr schnell und einfach, wonach sie suchen – die Eingabe eines Namens oder einer E-Mail-Adresse reicht aus.

In Wirklichkeit ist Data Mining viel anspruchsvoller, besonders, wenn man es mit so einer großen Datenmenge zu tun hat wie die NSA. Eine große Menge harmloser Daten schirmt die kleine Menge an verwendbaren Daten ab. Data Mining kann helfen, die große Fülle an Informationen auf kleinere Mengen herunterzubrechen. Aber nur menschliche Analysten – und keine computerbasierte Suche – sind der Schlüssel zur Auffindung relevanter Datensätze. Regeln und Beschränkungen beschränken den Zugang zu dieser Information. Was die Analysten machen, wird genau überwacht.

Außerdem sind wirklich gefährliche Personen vorsichtig damit, ihre Spuren zu verwischen – sie verwenden temporäre E-Mail-Adressen und starke Verschlüsselungen. Auch das beschränkt die Möglichkeit des Data Minings.

Was sagt das Gesetz?

Der Film transportiert, dass die von der NSA verwendeten Programme illegal sind. Die Programme sind mit Sicherheit kontrovers, die Gesetzmäßigkeitist unklar. Der Foreign Intelligence Surveillance Act (Geheimdienst-Überwachungsverordnung für das Ausland) von 1978 gibt rechtliche Prozeduren für physische und elektronische Überwachung und die Sammlung von Kommunikationsdaten zwischen ausländischen Einrichtungen und ihren Agenten in den USA vor. Es ermöglicht auch die Überwachung von amerikanischen Staatsbürgern und Personen, die ihren permanenten Wohnsitz in den USA haben, sofern diese der Spionage oder des Terrorismus verdächtig sind. Während die Verordnung gedacht war, um Daten von Einzelpersonen zu sammeln, rechtfertigt die NSA damit ihre Macht, massenweise Daten zu sammeln und zu analysieren.

Ein paar Bundesgesetze wurden nach Snowdens Enthüllungen geändert – in manchen Fällen wurden sogar rückwirkend Praktiken, die illegal gewesen wären, legalisiert. Die NSA selbst veränderte ihre Programme aufgrund des Aufschreis gegen sie, der nicht nur durch die Öffentlichkeit, sondern auch durch den Kongress ging. Als Resultat von Snowdens Enthüllungen hat die NSA aufgehört, massenweise Daten aus Telefongesprächen zu sammeln. Weiterhin haben sie die Überwachung ihrer ausländischen Verbündeten eingeschränkt. Die NSA bot dem Kongress auch eine erhöhte Transparenz bezüglich einiger ihrer Aktivitäten an und reduzierte die Speicherdauer der Informationen.

Der internationale Kontext

‚Snowden‘ gibt Details der Kooperation der NSA mit anderen Geheimdiensten preis und erzählt von der Überwachung ausländischer Staatsoberhäupter, wie der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel oder der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff. In Wirklichkeit ist es so, dass jedes Land geheime Informationen über andere Länder herauszufinden versucht, um am internationalen diplomatischen Parkett einen Vorteil zu haben – sowohl mit Freunden als auch mit Feinden.

Snowdens Enthüllungen werden es dem US-Geheimdienst, nicht aber den Geheimdiensten anderer Länder erschweren, diese Art von diplomatischer Überwachung weiter durchzuführen. Die Aufmerksamkeit der Welt auf die US-amerikanischen Spionagetätigkeiten hat auch der Überwachung in weniger demokratischen Ländern wie China und Russland Tür und Tor geöffnet.

Gibt es überhaupt noch echte Privatsphäre?

Die Auswirkungen der publik gemachten Information war enorm – sowohl für die US-Regierung als auch für Snowdens Privatleben. Seit der Enthüllungen kam er in Russland unter – aber nur mit einer temporären Aufenthaltsbewilligung. Sein amerikanischer Pass wurde ihm entzogen. Er kann sich weder frei bewegen noch einfach kommunizieren, aus Angst, dass die Geheimagenten der US-Regierung ihn inhaftieren könnten – oder sogar Schlimmeres.

Der Film zeigt nicht viel über sein Leben in Russland. Eine Entscheidung dagegen, um nochmals die Message des Films zu bestärken, dass es keine Privatsphäre mehr gibt. Denn würde es mehr darüber preisgeben, wie Snowden heutzutage kommuniziert, könnte dies wertvolle Information liefern, die es Amerikanern – und anderen weltweit – ermöglichen könnte, verschlüsselte Software zu nutzen, um der Überwachung durch die Regierung zu umgehen.

Was der Film jedoch über sichere Kommunikation aussagt, ist ein guter Anfang. Wenig überraschend spricht sich Snowden dafür aus, Software zu verwenden, die das Verfolgen von Nutzeraktivitäten wie Internetsuche, Einkäufe und Kommunikation verhindern. Er empfiehlt auch das Tor-Netzwerk, das Daten anonymisiert, indem es sie durch eine ganze Reihe von verschlüsselten Computern schickt. Er schlägt anderen Whistleblowern vor, Tools wie SecureDrop zu verwenden, um anonym mit Journalisten kommunizieren zu können.

Der Snowden-Film zeigt den langen Arm des Gesetzes, der Daten über seine Bürger sammeln und den Kampf eines desillusionierten Bürgers gegen genau diese Praxis der unbeschränkten und unbemerkten Macht, die die Regierung besitzt. Er zeigt die Komplexität der Welt der Geheimdienste und die Herausforderung an die Datensammlung in einer vom Internet dominierten Welt auf. Außerdem stellt es die Herausforderungen im persönlichen Leben eines ambitionierten Individuums, das seinen Überzeugungen, die soziale Gerechtigkeit herauszufordern, folgte.

Ob er ein Patriot oder ein Geächteter ist, liegt wohl im Auge des Betrachters – aber er hat auf jeden Fall wichtige Diskussionen über Privatsphäre und Internetsicherheit für den Normalbürger, sowie über die freie Meinungsäußerung und die Macht, die Regierungen hinsichtlich der Überwachung ihrer Bürger hat, in Gang gebracht.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


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„Nerve“: Wetten wir bald auf das Leben unserer Social-Media-Idole?

Am Donnerstag startet ein Zuckerwatte-Thriller in den Kinos, der sich mit den sozialen Medien auseinandersetzt. Spannend daran ist weniger die Machart als das Thema selbst. Denn hier trifft Live-Streaming auf riskante Mutproben. „Nerve“ ist der Titel eines nicht ganz legalen Online-Spiels, in dem die Menschen entweder Player oder Watcher sind.

Die Player erwartet das große Geld und Watcher zahlen immense Summen, um a) in den Profilen der Player herumschnüffeln zu dürfen, diese b) zu riskanten Challenges herauszufordern und c) zuschauen zu können, wenn es an die Umsetzung geht. Richtig perfide kann es werden, weil sich die Watcher dank der gesammelten Informationen aus den Social-Media-Profilen natürlich die Vorlieben und Ängste der Player zunutze machen. Ein Geheimnis vor den Eltern kann somit schnell zum Druckmittel werden, um den Player auch zur nächsten Mutprobe zu überreden – bis es richtig gefährlich wird.

Der Film startet mit dem Computer-Bildschirm von Vee (Emma Roberts, „Palo Alto“). Erst öffnet sie Spotify, startet einen Powerpop-Track von Lowell feat. Icona Pop, liest eine Mail, browst ein wenig durch Fotos und schon klingelt Facetime. Durch die Computer-Kamera bekommen wir die Hauptdarstellerin nun das erste Mal zu Gesicht. Ein cleverer Schachzug, bedenkt man die Prämisse des Werks. Hier wird Online First gelebt!

Obwohl die Zielgruppe des Social-Media-Krimis eher Schüler und Studenten sein dürften und alles auf Highschool-Teenie-Konflikte hinausläuft, kann man sich doch über den Zeitgeist erfreuen, den „Nerve“ von der ersten bis zu letzten Minute hinterfragt. Müssen wir alle Dinge online teilen, damit sie auch eine Wirkung für uns haben? Ist es gesund, dass ein andauernder Wettkampf um Likes, Shares und Views stattfindet? Und wie schnell lassen wir uns online in Rollen drängen, die uns eigentlich gar nicht entsprechen?

Die Mechanismen hinter „Nerve“ sind gar nicht mal so unrealistisch. Schon heute ist Aufmerksamkeit die absolute Währung in den sozialen Medien. Wenn Facebook beispielsweise ein neues Feature ausrollt, schenkt es den Anwendern auch Reichweite. Wer zuerst Videos postet, wird im Feed bevorzugt angezeigt. Wer zuerst Live-Streams anbietet, bekommt Mitteilungen an seine Follower geschenkt. Erst nach und nach wird die organische Reichweite wieder eingeschränkt, damit die Seiteninhaber Geld in die Hand nehmen, um ihre potentielle Reichweite auch auszuschöpfen.

„Nerve“ fügt diesem Prozess den Nervenkitzel hinzu. Außerdem stellt der Film die These auf, dass wir tatsächlich auch Geld in die Hand nehmen würden, um Teil der Lebenswelt unserer Social-Media-Ikonen zu werden. Schließlich ist es ein großer Spaß, an ihrem Alltag teilhaben zu können – informativ, unterhaltsam und orientierend zugleich.

Man stelle sich nur vor, dass Casey Neistat nicht mehr nur sein tägliches Video-Tagebuch veröffentlicht, sondern andauernd die Kamera mitlaufen lässt. Näher geht’s nicht! Und dann ist es schon nicht mehr so weit, bis uns der Live-Chat allein nicht länger genügt und wir Gefallen daran finden, die Ereignisse aktiv beeinflussen zu können. Warum auch nicht? Wir bezahlen ja schließlich dafür.

Erinnert sich noch jemand an „Second Life“? In der virtuellen Welt konnte jeder sein, wer er wollte. Von Außenstehenden wurde man allerdings immer schräg beäugt, weil das alles ja nicht echt sei. Guess what: Dank Live-Streaming, Virtual-Reality-Brillen und ein bisschen Geld-Motivation könnten wir schon bald wirklich ein „First Life“ erleben. Und quasi direkt in die Haut von jemanden schlüpfen, den wir in der Realität steuern.

Das Online-Spiel in „Nerve“ wirkt gegen diese Vorstellung noch harmlos. Kein Wunder, stammt die Jugendbuch-Vorlage „Das Spiel ist aus, wenn wir es sagen“ doch aus dem Jahr 2012. Instagram und Snapchat kannte zu dem Zeitpunkt noch niemand und auch die Mobilfunknetze waren noch nicht dazu in der Lage, Live-Streams stabil wiederzugeben. Das sieht heute schon ganz anders aus.

Es dürfte daher nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die Plattformen den passiven Videokonsum durch Formate der aktiven Teilhabe aufbrechen. Und wenn das soweit ist, werden wir uns gar nicht mehr vorstellen können, wie wir jemals unbeteiligt vor einem Video verharren konnten.

„Nerve“ startet am 08.09.2016 in den Kinos. Der Thriller mit Emma Roberts und Dave Franco („21 Jump Street“) regt zu futuristischen Gedankenspielen ein.


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Star Treks Version der Zeitreise ist realistischer als viele andere Filme

galaxie-sterne-spiralgalaxie (image by wikilmages[CC0] via Pixabay

Star Trek Beyond mag keine galaktische Reaktion von Seiten der Kritiker erfahren haben, aber man kann sagen, dass es – genau wie die beiden vorhergehenden Filme des Franchise – die Philosophie der Zeitreise deutlich besser versteht als viele andere Werke aus dem Bereich der Science Fiction.

Das liegt hauptsächlich daran, dass die neu gestartete Star Trek-Serie nicht im selben Universum spielt wie das Original, sondern in einem Paralleluniversum, das dieselbe Vergangenheit teilt – zumindest bis zu einem gewissen Grad. Im ersten Film der neuen Serie, Star Trek (2009) fallen einige Charaktere des originalen Star Trek-Universums – Spock, zusammen mit dem romulanischen Bösewicht Nero und seinen Gefolgsmännern – in ein schwarzes Loch im Jahr 2387. Die Romulaner tauchen im Paralleluniversum im Jahr 2233 auf, Spock dann erst 25 Jahre später.

Die Anwesenheit der Romulaner im Paralleluniversum macht sich fast sofort bemerkbar: sie zerstören das Raumschiff USS Kelvin der Förderation, wobei Kirks Vater getötet wird. Wie Spock bemerkt: „Allein Neros Anwesenheit hat den Lauf der Geschichte verändert – und eine komplett neue Kette von Ereignissen geschaffen.“ Das Paralleluniversum und das Originaluniversum driften ab diesem Punkt auseinander. Im Paralleluniversum wächst der vaterlose Kirk verbittert und orientierungslos auf, Kirk und Spock treffen auf den Spock aus dem Originaluniversum, und der Planet Vulkan wird zerstört – alles Ereignisse, die im Universum der Originalserie nicht stattfanden.

Die Abweichungen zwischen den beiden Universen werden in Star Trek Into Darkness (2013), dem zweiten Film der neuen Serie, weiter untersucht. In diesem Film erhebt sich die Besatzung der Enterprise gegen den gentechnisch veränderten Schurken Khan, wie es auch die Original-Crew in Star Trek II: Der Zorn des Khan (1982) tut. Aber wie dies umgesetzt wird, ist praktisch in jeder Hinsicht verschieden, genau wie die Möglichkeiten, die die beiden Besatzungen finden, um ihn zu besiegen.

Die Art und Weise, wie die Idee der Zeitreise benutzt wurde, um die Star Trek-Serie neu zu starten, ist raffiniert. Sie unterscheidet sich stark von anderen Zeitreise-Filmen, die typischerweise nur eine einzige Zeitlinie beinhalten, auf der die Charaktere zurück reisen und die Vergangenheit ändern. Dieses Modell wird in den Terminator-Filmen benutzt und sogar in einem der frühen Star Trek-Filme („Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart“ aus dem Jahr 1986), in dem die ursprüngliche Besatzung ins 20. Jahrhundert in der Zeit zurück reist, um zwei Wale mitzunehmen, die benötigt werden, um eine Krise in ihrer eigenen Zeit zu bewältigen.

Das Großvaterparadoxon

Das Problem mit diesem Zeitreisemodell ist, dass es zu logischen Absurditäten führt. Dies wird üblicherweise mit dem Großvaterparadoxon verdeutlicht, welches wie folgt lautet: angenommen, du reist in der Zeit zurück und tötest deinen biologischen Großvater, bevor er deine Großmutter trifft. Dann wärst du niemals empfangen worden und hättest gar nicht erst existiert, um in der Zeit zurück reisen zu können. In diesem Szenario gibt es einige offensichtliche Widersprüche (du hast gleichzeitig existiert und nicht existiert, die Zeitreise hat und hat nicht stattgefunden), die uns zeigen, dass es unmöglich ist.

Aber ein Paradoxon tritt nicht nur auf, wenn Zeitreisende das Ziel haben, ihre Großeltern zu töten, sondern auch, wenn sie versuchen, die Vergangenheit in irgendeiner Weise zu ändern. Angenommen, jemand reist heute in der Zeit zurück, um die Vergangenheit nur relativ geringfügig zu verändern, beispielsweise, indem sie ihren Namen zur Mittagszeit des 1. Januar des Jahres 1900 in einen Baum ritzt. Die Logik besagt, dass sie keinen Erfolg haben kann, denn wenn sie ihn gehabt hätte, würde das bedeuten, dass es sowohl richtig als auch falsch wäre, dass ihr Name am Mittag des 1. Januar 1900 in den Baum geritzt wurde. Der Widerspruch bedeutet, dass es nicht funktionieren kann.

Es wird oft angenommen, dass das Großvaterparadoxon zeigt, dass Zeitreisen unmöglich ist, aber tatsächlich zeigt es die Unmöglichkeit, die Vergangenheit zu verändern, was jedoch nicht dasselbe ist. Das Paradoxon schließt Zeitreisen als solche nicht aus, sondern lediglich die Möglichkeit, dass Zeitreisende die Vergangenheit verändern. In einer einzelnen Zeitlinie gibt es keine Möglichkeit, die Vergangenheit zu ändern, sogar wenn Zeitreisen möglich ist. Und wenn es mehrere Zeitlinien gibt, welche in Paralleluniversen umgesetzt werden, gibt es immer noch keine Möglichkeit, die Vergangenheit in einer von ihnen zu verändern, sogar wenn Zeitreisen möglich wäre.

Natürlich ist die Idee der Paralleluniversen in Werken der Science Fiction verbreitet. Aber sie wird heute auch von vielen Wissenschaftlern und Philosophen ernst genommen. Gemäß mancher Theorien sind Paralleluniversen absolut voneinander getrennt und können nicht interagieren, während andere Theorien enthalten, dass Paralleluniversen interagieren, was es möglich macht, dass wir eines Tages in der Lage sein werden, nach ihnen zu suchen. Manche Physiker behaupten sogar, dass es möglich sein könnte, in ein Paralleluniversum zu reisen.

Und wenn es Paralleluniversen gibt, und wenn es möglich ist, von einem bestimmten Datum aus in einem Universum zu einem anderen Datum in einem anderen Universum zu reisen, dann ist es für die Reisenden möglich, die Ereignisse in der Zeitlinie, in die sie gereist sind, zu verändern im Vergleich dazu, wie sie sonst geschehen wären. In diesem Fall wird nicht die Vergangenheit verändert, sondern nur die Zukunft. Die Autoren hinter der neuen Star Trek-Serie haben das verstanden – und haben im Ergebnis die heikle Angelegenheit der Zeitreise geschickt bearbeitet, ohne auf die Paradoxien herein zu fallen, von denen einige andere Science Fiction-Werke geplagt werden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Galaxie-Sterne-Spiralgalaxie“ by Wikilmages (CC BY 1.0)


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Screen Radar: Ein Leben in Echtzeit

Watching a blank screen (adapted) (Image by Kenneth Lu [CC BY 2.0] via flickr)

Für die Netzpiloten stellt Arthur Avenue Kino-Neustarts vor und bespricht die wichtigsten Film-Themen. Dieses Mal mit einem Blick in die Livestreaming-Branche, der Hochhaus-Dystopie „High-Rise“ mit Tom Hiddleston in der Hauptrolle und einem freudigen Wiedersehen mit einem der beliebtesten Film-Bösewichte aller Zeiten.

Neu im Kino„High-Rise“
„Ice Age 5: Kollision voraus!“
Thema der WocheLive ist das neue Zugpferd
Streaming-Perlen„Umweg nach Hause“ auf Netflix
„We Are Your Friends“ auf Amazon Prime
Neues aus der FilmweltWiedersehen mit Darth Vader
Netflix soll Offline-Modus bekommen
Frisch besetzt„Power Rangers“ mit Brian Cranston

Neu im Kino

Muss man sehen: Die Menschen wollen hoch hinaus – am liebsten komplett über allem schweben. „High-Rise“ spielt in einem extraordinär riesigen Hochhaus und darf als Allegorie auf den Drang nach Macht, Ansehen und jeder Art von Überlegenheit betrachtet werden. Das Besondere: Kein einziger Charakter in der Romanverfilmung handelt moralisch richtig oder gar empathisch. Stattdessen wird intrigiert was das Zeug hält, um so seinen sozialen Status aufzupeppen. Zusammen mit Neuankömmling Tom Hiddleston erkunden wir Stockwerk um Stockwerk, bis zur totalen Eskalation. Und die ist einfach nur krass.

Kann man sich sparen: Interessiert sich eigentlich noch irgendjemand für Scrat, Sid, Manny und Diego aus „Ice Age“? Eher nicht, oder? Spätestens mit diesem Teil ist auf jeden Fall die Puste raus. Die Gruppe der Tierchen wird schließlich immer größer, undurchsichtiger und somit auch komplett oberflächlich. In Teil 5 „Kollision voraus!“ droht nun ein Meteoritenschauer das Leben auf der Erde auszulöschen und es braucht abermals die Hilfe von einer Hand voll neuer schräger Figuren, um das Unheil abzuwenden. Das geht einfach nicht mehr klar, das ist zu viel.

Thema der Woche

Live ist das neue Zugpferd: Nach dem SXSW-Hit Meerkat und dem Twitter-Ableger Periscope zogen die großen Anbieter wie Facebook und Google schleunigst nach, um den Nutzern zu geben, wonach sie sehnlichst verlangen. Echtzeit heißt das Zauberwort! Wir leben in einer Zeit, in der Aufmerksamkeit die Währung ist. Und in dieser gibt es nur noch einen Grund, die Menschen zum Einschalten beziehungsweise zum Dranbleiben zu bewegen, nämlich Live-Ereignisse. Unvorstellbar, dass man DEN einen Moment verpasst, über den später alle reden. Nachdem Facebook bereits die Umstellung auf Video-Content erfolgreich geschafft hat, scheint das „Streamen aus der Hosentasche“ die logische Konsequenz in der Attention-Economy zu sein. Die ersten Ausbesserungen kündigen sich auch schon an. Ein Problem ist nämlich, dass sich ein Livestream erst einmal herumsprechen muss, bevor die spannenden Dinge erzählt werden können. Also wird man bald schon Sendetermine voreinstellen können. Weiterhin soll es möglich sein, verschiedene Bildquellen (also mehrere Smartphones) zu einem Sender zusammenzuschließen. Man stelle sich nur vor, dass es endlich Sinn ergibt, wenn alle während des Konzerts ihre Handys in die Höhe strecken! Bahnbrechend. Alle Daheimgebliebenen können bequem zwischen den Perspektiven wechseln. Derzeitig werden Publisher sogar aktiv mit Reichweite belohnt, wenn sie fleißig den Live-Button betätigen. Mehr noch: Facebook nimmt richtig Geld in die Hand, um das Feature den Branchengrößen wie BuzzFeed und auch Bild schmackhaft zu machen. Das Wall Street Journal berichtet, dass sie mit bis zu 3 Millionen US-Dollar in der Umsetzung von Live-Formaten unterstützt werden. Dabei kommen etwa die morgendliche News-Show „Bild Daily“ oder eine explodierende Wassermelone im BuzzFeed-Studio heraus. Fun Fact: Es brauchte etwa 680 Gummis, um die Frucht zu zerbersten. Aber auch ohne die Facebook-Millionen wissen kreative Medienmarken wie Mit Vergnügen die Funktion für sich zu nutzen. Die gelbe Parkbank vor dem Berliner Büro wird regelmäßig als Schauplatz für Akustik-Sessions von Musikern ins Netz gestreamt. Als Fans der Live-Funktion wünschen wir uns noch viel mehr solcher Formate. Schließlich schauen wir ja alle kein Fernsehen mehr…

Streaming-Perlen

„Umweg nach Hause“ auf Netflix: In der Netflix-Produktion brillieren Paul Rudd als ehemaliger Schriftsteller, der über den Tod seines Kindes hinweg kommen muss, und Craig Roberts als querschnittsgelähmter Teenager. Das ungleiche Betreuer-Patienten-Gespann bricht bald zu einer ziemlich außergewöhnlichen Reise auf: nämlich einem Roadtrip zu den langweiligsten Sehenswürdigkeiten der USA. Tatsächlich finden sie dort nicht nur ihre Lebensfreude wieder, sondern gabeln auch noch tolle Frauen auf.

„We Are Your Friends“ auf Amazon Prime: Als Musiker in spe hat man es wirklich nicht leicht. Vor allem, wenn man wie Newcomer-DJ Cole (Zac Efron) noch auf der Suche nach seinem eigenen Sound ist. Das Abhängen mit seinen Kumpels in Clubs reicht ihm partout nicht mehr – er will endlich groß rauskommen. Mit etwas Mentoren-Hilfe vom Vorbild DJ James (Wes Bentley) und dessen bildhübscher Freundin Sophie (Emily Ratajkowski) soll Cole seinem Traum endlich näher denn je kommen.

Neues aus der Filmwelt

Wiedersehen mit Darth Vader: Nach dem Neustart der Star-Wars-Saga im vergangenen Dezember folgt schon in diesem Jahr das nächste Kapitel. „Rogue One“ ist jedoch noch zeitlich zwischen Episode III „Die Rache der Sith“ und Episode IV „Krieg der Sterne“ angesiedelt. Daher passt es auch, dass wir uns auf ein Wiedersehen mit Oberschurke Darth Vader freuen können. Im Zentrum des neuen Films steht also der Zusammenbruch der Republik, den die Jedi nach ihrer Auslöschung nicht mehr verhindern können. Stattdessen macht sich nun die Rebellen-Allianz (in Form von Felicity Jones) daran, den Todesstern zu zerstören. Doch da hat ein gewisser Sith mit Röchelmaske natürlich etwas dagegen.

Netflix soll Offline-Modus bekommen: Das temporäre Speichern von Streaming-Inhalten ist ein beliebtes Feature, um den Dienst für Urlaube und WLAN-freie-Bahnfahrten anzupreisen. Maxdome hat es vorgemacht und Amazon Prime ist vergangenen Herbst nachgezogen. Nun berichten Branchen-Insider auch von Verhandlungen zwischen Netflix und Content-Providern für einen entsprechenden Download-Deal. Wir können es kaum abwarten, die lauten Mitreisenden auf einer langen Zugfahrt gegen eine neue Staffel von „Orange Is The New Black“ einzutauschen!

Frisch besetzt

„Power Rangers“ mit Brian Cranston: Welche Serie aus der Jugend wurde eigentlich noch nicht wieder neu aufgelegt? Natürlich die „Power Rangers“! Nach 20 Staffeln seit 1993 und zwei Filmen (1995 und 1997) wird es Zeit für einen Neustart. Unter der Regie von Dean Israelite („Project Almanac“) wurde sogar schon mit den Dreharbeiten begonnen. Das Cast erstreckt sich von Bryan Cranston als weiser Zordon über Elizabeth Banks als Hexe Rita Repulsa bis hin zu Newcomer RJ Cyler („Ich und Earl und das Mädchen“) als blauer Ranger. Auffallend modern kommen auch die Anzüge der Helden daher, die stark an Iron Mans Rüstung erinnern. Ab dem 23.03.2017 können wir uns selbst ein Bild von der Umsetzung machen, denn dann läuft der Film auch schon bei uns in den Kinos an.


Teaser (adapted) „Watching a blank Screen“ by Kenneth Lu (CC BY 2.0)


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Screen Radar: So groß ist der Einfluss des Publikums auf „Fack Ju Göhte 3“

Watching a blank screen (adapted) (Image by Kenneth Lu [CC BY 2.0] via flickr)

Für die Netzpiloten stellt Arthur Avenue Kino-Neustarts vor und bespricht die wichtigsten Film-Themen. Dieses Mal mit einer Gruppendiskussion zur Fortsetzung der Erfolgskomödie „Fack Ju Göhte“, dem Drama „Demolition – Lieben und Leben“ im Kino und den ersten Infos zur Besetzung des weiblichen „Ocean’s Eleven“-Reboot.

Neu im Kino„Demolition – Lieben und Leben“
„Central Intelligence“
Thema der WocheDas Publikum bestimmt über „Fack Ju Göhte 3“
Streaming-Perlen„Victoria“ auf Netflix
„Willkommen bei Alice“ auf Amazon Prime
Neues aus der FilmweltTheorie verbindet Pixar-Filme mit „Stirb Langsam“
Frisch besetztFrauen-Spin-Off von „Ocean’s Eleven“
Wann geht es endlich weiter?„The 100“ – Staffel 3
„Narcos“ – Staffel 2
„The Walking Dead“ – Staffel 7

Neu im Kino

Muss man sehen: „Demolition – Lieben und Leben“ setzt sich mit gesellschaftlichen Konventionen auseinander: Wie haben wir auf eine Situationen wie den Verlust einer geliebten Person zu reagieren? Jake Gyllenhaal spielt einen erfolgreichen Banker, der nach dem Unfalltot seiner Frau in einen Schockzustand verfällt. Seinen Frust lässt er nun in Briefen an eine Snackautomatenfirma raus, welche die mitfühlende Naomi Watts im Kundenservice zum Nachdenken bringen. Das Drama nimmt sich dem Thema Verlust auf ironische Weise an und findet dadurch immer wieder humorvolle Elemente in einer traurigen Welt.

Kann man sich sparen: Kevin Hart ist ja nicht gerade bekannt für Quality Content. Aber nach dem weniger guten Film „Die Trauzeugen AG“ und dem noch weniger guten Streifen „Der Knastcoach“ folgt nun der noch viel weniger gute Film „Central Intelligence“. In diesem tut er sich mit Muskelprotz Dwayne „The Rock“ Johnson zusammen, die beide alte Klassenkameraden spielen und sich nun in ein Spionage-Abenteuer stürzen. Die Buddy-Komödie hofft auf schnelle Lacher, indem sie ihre eindimensionalen Figuren möglichst peinlich aussehen lässt. Das reicht 2016 aber wirklich nicht mehr für eine unbekümmerte Zeit im Kinosessel.

Thema der Woche

Image by Constantin Film
Image by Constantin Film

Das Publikum bestimmt über „Fack Ju Göhte 3“: Mit 7,4 Millionen Kinobesuchern war die Schulkomödie „Fack Ju Göhte“ 2013 der erfolgreichste Film in den deutschen Kinos. Zwei Jahre später konnten Regisseur Bora Dagtekin, Hauptdarsteller Elyas M’Barek sowie auch der Verleih Constantin Film das noch einmal toppen und zu „Fack Ju Göhte 2“ sage und schreibe 7,7 Millionen Leute in die Lichtspielhäuser locken. Von Kino-Müdigkeit der Deutschen kann angesichts dieser Zahlen keine Rede sein. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Nähe zur Zielgruppe. Denn beide Filme wurden in enger Abstimmung mit dem Publikum realisiert. Frei nach dem Motto: Gedreht wird, was die Zuschauer sehen wollen. Bei einer Online-Umfrage nach dem ersten Teil entschieden sich die Voter etwa gegen eine Umbenennung in „Leck mich, Schiller“ und für die Klassenfahrt als Thema der Fortsetzung. In der laufenden Woche, genauer gesagt am 17. Juni, wird nun das dritte Kapitel in der Öffentlichkeitsarbeit der Filmreihe aufgeschlagen: es finden gleich mehrere Gruppendiskussionen statt, in denen das Produktionsteam herausfinden möchte, in welche Richtung die Geschichte weitererzählt werden soll. Die Altersstufen von 11-15 Jahren, 16-20 Jahren und 21-45 Jahren werden separat voneinander befragt und erhalten als Dankeschön für ihre Teilnahme an dem zweistündigen Gruppengespräch DVDs und Kino-Freikarten. Drücken wir die Daumen, dass dabei nicht „mehr vom Selben“ herauskommt, sondern die Teilnehmer ein ehrliches Interesse an einer Weiterentwicklung der Figuren um Vorzeige-Lehrerin Lisi Schnabelstedt (Karoline Herfurth) und Problemkind Chantal (Jella Haase) zeigen.

Streaming-Perlen

„Victoria“ auf Netflix: Beim Deutschen Filmpreis 2015 räumte Regisseur Sebastian Schipper mit seinem One-Take-Thriller „Victoria“ alle Preise ab. Das zweieinhalbstündige Werk spielt in einer lauen Berliner Sommernacht und begleitet die Gruppe um Victoria (Laia Costa), Sonne (Frederick Lau) und seine Kumpels vom Tanzen im Club, über Gespräche auf die Dächer der Stadt bis zum gefährlichen Banküberfall.

„Willkommen bei Alice“ auf Amazon Prime: Kristen Wiig spielt eine Frau mit Persönlichkeitsstörung, die plötzlich im Lotto gewinnt. Mit dem unerwarteten Reichtum kauft sie sich ihre eigene Talkshow und hat kein geringeres Ziel, als zur einflussreichsten TV-Ikone aufzusteigen und Oprah Winfrey abzulösen. Dass sie für die Rolle als Moderatorin nicht geboren scheint, hindert sie nicht daran, sich ihren großen Traum zu erfüllen.

Neues aus der Filmwelt

Theorie verbindet Pixar-Filme mit „Stirb Langsam“: Es kursieren die wildesten Gerüchte über Zusammenhänge zwischen Filmen, wo eigentlich keine sind. Als hinlänglich bewiesen gilt, dass alle Pixar-Filme im selben Universum spielen. Geschickt eingestreute Hinweise dafür finden sich immer wieder – wie der Pizza-Planet-Truck, der seit dem ersten „Toy Story“-Teil in jedem einzelnen Film zu sehen ist. Nun hat die US-Homepage Mashable aber neue Brotkrumen gefunden, die einen Zusammenhang zwischen den Animationsfilmen von Pixar und der Action-Serie „Stirb Langsam“ mit Bruce Willis nahelegen. Die nicht ganz ernstgemeinten „Beweise“ gibt es hier im Video:

Den Machern von „Findet Dorie“ scheint diese Theorie nun wohl so gut gefallen zu haben, dass sie gleich zwei richtige Anspielungen im neuesten Pixar-Werk versteckt haben. Ab 29. September darf hierzulande mitgerätselt werden.

Frisch besetzt

Frauen-Spin-Off von „Ocean’s Eleven“: Das noch unbetitelte Reboot von „Ocean’s Eleven“ mit weiblichen Einbrechern nimmt so langsam Gestalt an. In den Hauptrollen wurden die Oscar-Gewinnerinnen Sandra Bullock (als Film-Schwester von George Clooney) und Cate Blanchett gecastet. In weiteren Rollen scheinen auch Helena Bonham Carter, Elizabeth Banks und Mindy Kaling mitzuwirken. Das Damen-Ensemble wird von Gary Ross („Die Tribute von Panem – The Hunger Games“) in Szene gesetzt, der in die Fußstapfen von Steven Soderbergh tritt. Wir freuen uns auf eine trickreiche Geschichte mit allerhand Frauenpower!

Wann geht es endlich weiter?

The 100“ | Staffel 3: Ab 20.06.2016 auf ProSieben „Narcos“ | Staffel 2: Ab 02.09.2016 auf Netflix „The Walking Dead“ | Staffel 7: Ab Oktober 2016


Teaser (adapted) „Watching a blank Screen“ by Kenneth Lu (CC BY 2.0) Image by Constantin Film


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Screen Radar: Wie sich „Homeland“ neu erfunden hat

Watching a blank screen (adapted) (Image by Kenneth Lu [CC BY 2.0] via flickr)

Für die Netzpiloten stellt Arthur Avenue Kino-Neustarts vor und bespricht die wichtigsten Film-Themen. Dieses Mal mit den Plänen zur Fortsetzung von „Homeland“, einem ersten Trailer zur Musik-Parodie „Popstar: Never Stop Never Stopping“ und einem Überblick zum Marktwert von Disney-Schlössern.

Neu im Kino„Erlösung“
„Rockabilly Requiem“
Thema der Woche„Homeland“ ist zurück unter den Lebenden
Neues aus der FilmweltTil Schweiger macht sich für Neuverfilmung seines Stoffes stark
Steven Soderbergh will nun doch wieder Filme machen
Darauf freuen wir uns„Popstar: Never Stop Never Stopping“
Frisch besetzt„Tom Clancy’s The Division“ mit Jake Gyllenhaal
RekordverdächtigSo teuer wären die Disney-Schlösser in Wirklichkeit
Wann geht es endlich weiter?„Transparent“ – Staffel 3
„BoJack Horseman“ – Staffel 3
„Younger“ – Staffel 2

Neu im Kino

Muss man sehen: Die Verfilmungen der norwegischen Krimi-Romane von Jussi Adler-Olsen garantieren Spannung pur. Nach „Erbarmen“ und „Schändung“ folgt nun „Erlösung“, in dem erneut das kauzige Duo Carl Mørck (Nikolaj Lie Kaas) und Assad (Fares Fares) ermittelt. Dieses Mal bekommen sie eine alarmierende Flaschenpost, die einen Hilfeschrei, tatsächlich geschrieben mit Blut, enthält. Die Spur führt sie zu einem Ehepaar, deren zwei Jungs schon seit einiger Zeit verschwunden sind. Nur haben die Eltern ihre Söhne nie als vermisst gemeldet. Was wirklich dahinter steckt, wird Stück für Stück in 112 Minuten Laufzeit geklärt.

Kann man sich sparen: „Rockabilly Requiem“ widmet sich dem Thema Selbstverwirklichung – hat dabei aber keine aufmunternden Worte für seine Zuschauer parat. Dabei hätte alles so gut laufen können: Hubertus (Ben Münchow) träumt davon, als Support einer coolen Rockabilly-Band auf Tour zu gehen und Sebastian (Sebastian Tiede) gibt alles, um für die Combo ein anständiges Promo-Tape aufzunehmen. Doch die Umstände sind im Jahr 1982 alles andere als rosig und in ihren Familien finden sie keinen Rückhalt für ihr Vorhaben. Der Wechsel von schwungvollen Streifzügen durch die Clubs zum handfesten Familiendrama geht vor allem aufgrund des platt formulierten Drehbuchs nicht auf.

Thema der Woche

Homeland (Image by Twentieth Century Fox Home Entertainment)
Homeland by Twentieth Century Fox Home Entertainment

„Homeland“ ist zurück unter den Lebenden: Wer hätte gedacht, dass „Homeland“ nach einer schwachen zweiten und einer noch viel schwächeren dritten Staffel noch einmal die Kehrtwende hinbekommt? Die israelische Vorlage „Hatufim – In der Hand des Feindes“, die nur zwei Staffeln andauerte, war endgültig auserzählt und sonst fiel den Machern um Alex Gansa nicht viel Neues ein. Doch als man sich endlich von der Ausgangssituation trennen konnte (Serien-Startschuss lautete: amerikanischer Soldat kehrt vieeelleicht als Attentäter in die Heimat zurück), entwickelten sich die Dinge plötzlich wieder in die richtige Richtung. In Staffel vier verlegte man das Setting nach Kabul und in Staffel fünf sogar nach Berlin. Beide Fortsetzungen sind voller Wendungen, Intrigen sowie auch sonst höchst brisant und nah am Zeitgeschehen. Nun scheint es so, als würde uns die Serie vom US-Kabelsender Showtime noch einige Jahre erhalten bleiben. Denn Staffel sechs, die zum Ende des Sommers gedreht wird, soll nicht der letzte Ausflug von CIA-Agentin Carrie Mathison (Claire Danes) und ihrem Vorgesetzten Saul Berenson (Mandy Patinkin) bleiben. Die Verhandlungen erstrecken sich aktuell bis zur achten Staffel. Mit dieser Sicherheit im Rücken ließen sich mal wieder größere Story-Bögen spannen und Geschichten über mehrere Staffeln erzählen. Zunächst verschlägt es die Serie zurück in die Politik und es wird sich dem Präsidentschaftswahlkampf gewidmet. Die eigentliche Handlung soll zwischen Wahltag und Amtseinführung in New York angesiedelt sein. Das schreit geradezu nach einem guten Aufhänger für die folgenden Staffeln. Am 20. Januar 2017 geht es los mit der sechsten Staffel!

Neues aus der Filmwelt

Til Schweiger macht sich für Neuverfilmung seines Stoffes stark: US-Remakes von erfolgreichen Filmen aus dem Rest der Welt sind keine Seltenheit. Nun scheint es auch den bei uns mit 7,2 Millionen Zuschauern besucherstärksten Film 2014 zu erwischen: „Honig im Kopf“ soll neu aufgelegt werden. In der Tragikomödie von Til Schweiger spielte Dieter Hallervorden einen Alzheimer-Patienten, der gerne noch einmal Venedig sehen würde. In der gleichen Rolle will sich nun auch Michael Douglas versuchen. Schweigers Wunschkandidat für seine eigene Rolle ist Matt Damon. Wenn diese Personalie aufgeht, tritt das schwule Paar aus „Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll“ dieses Mal als Vater-Sohn-Gespann auf. Für den Regieposten kann sich Schweiger niemand besseren als (hier Trommelwirbel einfügen) sich selbst vorstellen. Steven Soderbergh will nun doch wieder Filme machen: Nach dem 2013er Pharma-Thriller „Side Effects“ mit Rooney Mara und Channing Tatum ist es kinomäßig still geworden um den visionären Filmemacher. Es hieß, Soderbergh wolle sich nun gänzlich auf das Fernsehen konzentrieren. Mit „The Knick“ produziert er aktuell etwa eine angesehene Ärzteserie, die Anfang des 20. Jahrhunderts spielt. Nun ist aber offiziell Schluss mit der Kino-Abstinenz. Denn die erste Klappe zu seiner nächsten Gauner-Komödie „Logan Lucky“ soll demnächst schon fallen. Darin werden Channing Tatum und Michael Shannon versuchen, während eines NASCAR-Autorennens einen riskanten Raub zu begehen. Wir haben doch gewusst, dass Soderbergh die Füße nicht ewig still halten kann!

Darauf freuen wir uns

„Popstar: Never Stop Never Stopping“: Das Comedy-Trio The Lonely Island ist bekannt für so musikalische Höchstleistungen wie „I’m on a Boat“ mit 95 Millionen Aufrufen auf YouTube oder „I Just Had Sex“ mit unglaublichen 252 Millionen Klicks. Nach den Musik-Parodien folgten Auftritte bei Saturday Night Live und nun schließlich der erste eigene Kinofilm. Darin geht es um einen Rapper, der sich nach einem katastrophalen Flop wieder mit seiner alten Boyband zusammentut. Wir können uns schon jetzt kaum vor Lachen über den Trailer aufrecht halten.

Frisch besetzt

„Tom Clancy’s The Division“ mit Jake Gyllenhaal: Mit Einnahmen von 330 Millionen Dollar hat sich das gleichnamige Computerspiel von Ubisoft innerhalb von nur fünf Tagen nach dem Release bereits zum Mega-Seller gemausert. Kein Wunder, dass die Kino-Adaption schnell folgen soll. Jake Gyllenhaal konnte bereits mit „Prince Of Persia – Der Sand der Zeit“ Erfahrung in der Verfilmung von Videospielen sammeln. Und das waren nicht unbedingt gute. Der Historienschinken erwies sich nämlich als echter Flop an den Kinokassen. Umso wichtiger ist es ihm auch, zu beteuern, dass er alten Fehler nicht wiederholen wolle, weshalb er sich ein umfassendes Mitspracherecht als Produzent zusichern ließ.

Rekordverdächtig

So teuer wären die Disney-Schlösser in Wirklichkeit: Die britische Immobilienagentur „The House Network“ hat den Taschenrechner gezückt und genau berechnet, was die beliebten Schlösser aus den Kinderfilmen eigentlich wert sind. Das Anwesen aus „Die Schöne und das Biest“ (60 Zimmer, Service-Personal, idyllische Lage) reißt mit fast 20 Millionen Euro noch ein verhältnismäßig kleines Loch in den Geldbeutel. Wer es noch etwas üppiger mag, dem sei das Schloss von „Dornröschen“ (spätgotischer Baustil, 27 Turmzimmer) ans Herz gelegt, das für schlappe 110 Millionen Euro zu haben wäre. Mit einem Wert von 2 Milliarden Euro schlägt der Palast vom Sultan aus „Aladdin“ (prunkvoller Thronsaal, 12 goldene Türme, 100.000qm Grundstück) aber alle anderen Unterkünfte um Längen. Ein Verlies gibt es noch dazu.

Wann geht es endlich weiter?

Transparent“ | Staffel 3: Ab Herbst 2016 bei Amazon Prime „BoJack Horseman“ | Staffel 3: Ab 22.07.2016 auf Netflix „Younger“ | Staffel 2:Ab 22.06.2016 auf TNT Comedy


Image (adapted) „Watching a blank Screen“ by Kenneth Lu (CC BY 2.0)


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Outside The Box: Absolutes Firmen-Commitment trotz miesem Briefing

Die Amazon-Bestenlisten sind voll mit Kommunikationsratgebern, Anleitungen zur Selbstoptimierung, Tipps zum Erfolgreichsein oder Management-Bibeln. Darin liest man so nichtssagende Motivations-Floskeln wie „Eine eiskalte Dusche am Morgen belebt den Geist“ oder auch „Es gibt keine Fehler, nur einen unvergesslichen Weg“. Die Crème de la Crème solcher Glückskeks-Weisheiten bekommt man in der Regel bei den einschlägigen Coachings für Führungspersonen oder sonstigen Teambuilding-Events um die Ohren geknallt. Hier heißt es ein bis zwei Mal im Jahr, die beste Version seiner selbst zu sein und den anderen den Rang abzulaufen. Regisseur Philip Koch nimmt sich diesem Business-Bullshit nun auf äußerst humorvolle Weise an: „Outside The Box“ startet mit vier High-Performern, die auf dem Weg zu einem Trainingsgelände mitten in der Pampa sind, wo ihre Leadership-Qualitäten auf die Probe gestellt werden sollen.

„Wenn das so weiter geht, sind wir erst mittags auf Führungslevel“

Zum Inhalt: Der junge, aufstrebende Angestellte (Volker Bruch) arbeitet seit mittlerweile drei Jahren als Junior Consultant und hat noch immer keine nennenswerten Karrierechancen in Aussicht, stattdessen heimsen seine sogenannten Teamkollegen (Stefan Konarske, Vicky Krieps und Sascha Alexander Geršak) stetig die Lorbeeren für seine Ideen ein. Bei einem gemeinsamen Outdoor-Firmenevent will er ihnen und den Chefs nun endgültig beweisen, was er auf dem Kasten hat. Doch da hat er die Rechnung ohne seine PR-Managerin (Lavinia Wilson) gemacht. Diese hat sich nämlich keine schnöde Exkursion in den Hochseilgarten ausgedacht, sondern eine fingierte Geiselnahme. Passenderweise wurde gleich die gesamte Presse versammelt, um das Spektakel aus der Ferne zu beobachten und die neuen Methoden zur Teamoptimierung abzufeiern.

Doch nun geht es erst richtig los: Im Wald angelangt, muss sich das Quartett zunächst im stockdusteren Tunnel-Labyrinth beweisen. Kurze Zeit später tauchen auch schon die Geiselnehmer auf und jagen den Teilnehmern einen Heidenschreck ein. Denn urplötzlich fliegt ihr Guide durch die Luft, nachdem er von einer Schrotflinte getroffen wird. Was bis dahin noch niemand weiß: Die engagierten Kidnapper/Schauspieler verfolgen eigene Pläne und haben die Farbpatronen kurzerhand durch echte Munition ausgetauscht. Die Lösegeldforderung ist also echt und wird von ihnen auch bis zum bitteren Ende durchgezogen. Während die PR-Abteilung nun damit beschäftigt ist, die Presse von der Rechtmäßigkeit der Aufführung zu überzeugen, denken die unwissenden Consultants noch immer, dass sie bei diesem Rollenspiel möglichst gut aussehen müssen – wie im echten Leben eben. Zumindest fast.

„In der Business-Welt wird nicht mit Rosen geworfen“

Tiefergehende Inspiration für diese irrwitzige Geschichte fand Filmemacher Koch – wie sollte es anders sein – in den bunten Weiten des Internets. Die Recherche zu absurden Team-Events ließ ihn nämlich direkt auf eine Liste mit fünf Vorfällen stoßen, die extrem eskalierten. Das Vorbild zu „Outside The Box“ wurde im Jahr 2001 von der schwedischen Firma Ericsson veranstaltet (kurz bevor der Zusammenschluss mit Sony bevor stand), bei dem man tatsächlich einen Vermummten mitsamt Schrotflinte einen Bus stürmen ließ, um die Reaktionen der Teilnehmer zu überprüfen. Zum Ärgernis der Veranstalter riefen andere Autofahrer auf der Autobahn aber die Polizei – und somit endete das fingierte Horror-Erlebnis schließlich auf dem Revier.

20160526 Outside The Box 01

„Survival of the Fittest“

Eins ist klar: An den Vorurteilen, dass man es in Führungspositionen oftmals mit Blendern, Egomanen oder Halbwahnsinnigen zu tun hat, ist schon etwas dran. „Outside The Box“ hält der selbsternannten Business-Elite den Spiegel vor. Hier bekommt jeder sein Fett weg – vom Chef mit völlig überzogener Erwartungshaltung über die Presse mit ihrem unstillbarem Kaffeedurst bis hin zum kleinen angestellten Techniker (gespielt von Frederick Lau), dessen Bedenken am korrupten Vorgehen seiner Vorgesetzten schnell mit einem besseren Job-Titel besänftigt werden können.

Und die Kritik am Leistungsdenken von Firmen sitzt. Daran ändert auch der in der Gesellschaft weit verbreitete Wunsch nach einer gesunden Work-Life-Balance nichts für Koch. Er sieht den Ansatz zur Gehirnwäsche vielmehr in jedem kommerziell-agierenden Unternehmen. Der Drang nach permanentem Wachstum ist das eigentlich Ungesunde im System:

Wenn alle das wollen, wird oben die Luft eng, bleibt die große Masse auf der Strecke. Das merkte man auch bei den letzten Wahlen: Die Existenzängste werden größer, und die Geschu?tze, die man auffährt, auch…

Sobald Mitarbeiter auf Effizienz getrimmt werden, übertragen sich letztlich die Denkmuster des Konkurrenzdrucks und der Existenzangst auf das eigene Handeln. Man verinnerlicht diese also ganz automatisch – frei nach dem Motto: Wenn ich heute die Quote von gestern nicht steigern kann, gelte ich als faul.

Das Fazit dieser filmischen Marktbeobachtung lautet also: Jetzt kann auch mal Schluss mit dem grenzenlosen Firmen-Commitment sein!


Images by Wild Bunch Germany


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Plädoyer gegen Schubladendenken – Tom Hanks und Tom Tykwer im Interview

Tom Hanks und Tom Tykwer (image by X Verleih)

Am 28. April 2016 startet mit „Ein Hologramm für den König“ ein Film im Kino, der nach unserem Platz in der Welt fragt, wenn uns der Fortschritt zu überrennen droht. Nach „Cloud Atlas“ ist dies bereits die zweite Zusammenarbeit von Regisseur Tom Tykwer und Hauptdarsteller Tom Hanks, die im Gespräch immer wieder unter Beweis stellen wie gut sie miteinander harmonieren. Und das, ohne zur selben Zeit im gleichen Raum zu sein.

Zum Interviewtag in Berlin trafen wir die beiden, um mit ihnen über die gelungene Adaption von Dave Eggers‘ Roman zu sprechen. Hier wird ein antiquierter Geschäftsmann nach Saudi-Arabien geschickt, um den größten IT-Deal seiner Karriere abzuschließen – doch statt dem versprochenen Pitch lässt der König Tage, Wochen und schließlich sogar Monate auf sich warten. In der Zeit lernt Tom Hanks nicht nur Land und Leute besser kennen, sondern findet auch zu sich selbst. Während das Buch noch mehr Drama als Komödie ist, kehrte man den Spieß für die Leinwand kurzerhand um und hebt die positiven Aspekte der Warterei hervor. Jetzt sollen aber die Akteure selbst zu Wort kommen.

David Streit (DS): Warum wolltet ihr diese Geschichte unbedingt zusammen umsetzen?

Tom Tykwer (TT): Ich wollte vor einiger Zeit schon mal ein anderes Buch von Dave Eggers verfilmen. Seitdem kennen und schätzen wir uns sehr. Als dann „Ein Hologramm für den König“ herauskam, hatte ich beim Lesen sofort Bilder und Kamerafahrten vor Augen. Da ich zu dem Zeitpunkt auch gerade mit Tom gedreht habe, stand die Besetzung für mich sofort fest. Alan Clay musste einfach von ihm verkörpert werden! Beim anschließenden Drehbuchschreiben konnte ich die Szenen auch schon direkt für ihn konzipieren.

Tom Hanks (TH): Tom war schon seit „Lola rennt“ wie ein Gott für mich. Bei „Cloud Atlas“ konnten wir endlich das erste Mal zusammenarbeiten. Dort stellte sich auch heraus, dass wir uns super ähnlich sind. Wir ziehen uns gleich an und uns gefallen dieselben Filme, von Stanley Kubrick bis zuletzt „Son of Saul“. Nicht zu vergessen die zweite Staffel von „Fargo“. Es macht großen Spaß sich mit Tom über Filme und die Familie zu unterhalten – und darüber wie müde wir immer sind. (lacht)

DS: Wieso macht jetzt eigentlich ein Deutscher einen Film über einen Amerikaner, der in ein arabisches Land reist?

TT: Ich bin unparteiisch. Außerdem habe ich zu beiden Kulturen einen guten Draht und das Gefühl, das ich jenseits von touristischen Erkenntnissen etwas zu sagen habe.

DS: Und wie wichtig war das Setting in Saudi-Arabien für die Geschichte?

TH: Im Westen herrschen klare Klischees über das Königreich Saudi-Arabien. Einige davon basieren noch auf „Lawrence von Arabien“ aus dem Jahr 1962, wie etwa, dass alle Menschen Kamele reiten uns sich mit Schwertern bekriegen. Die modernen Varianten davon sind, dass dort entweder nur Mercedes-fahrende Öl-Millionäre leben oder alle fundamentalistische Islamisten sind. Natürlich bilden diese Extreme nicht einmal ansatzweise die Realität ab. Wir wollten die Einwohner als normale Menschen mit normalen Bedürfnissen zeigen. Sei es der Drang, Menschen in Not zu helfen oder Typen mit einem kitschigen Musikgeschmack zu präsentieren.

TT: Saudi-Arabien ist in eine konservative alte und eine progressive junge Schicht gespalten. Mit dem anstehenden Generationswechsel im Königshaus wird auch eine extreme Liberalisierung des Landes einhergehen. Das werden wir alle noch miterleben.

Szenenbild mit Tom Hanks (image by X Verleih)
Wüstenszene Tom Hanks (Image by X Verleih)

DS: Im Film lasst ihr die Welten von Orient und Okzident aufeinanderprallen und hinterfragt dadurch den Kapitalismus. Wohin führt uns dieser Gedanke?

TH: Alan Clay hat in seiner früheren Position selbst amerikanische Jobs in Länder mit niedrigeren Produktionskosten verschoben. Genau dieses Vorgehen hinterlässt auch in unserem Alltag Spuren. Die Hauptbeschäftigung der amerikanischen Gesellschaft verschiebt sich allmählich vom Dinge-Herstellen zum Dinge-Servieren. „Ein Hologramm für den König“ stellt nun die Frage: Sollten wir krampfhaft an alten Mustern festhalten, selbst wenn wir vor lauter Fortschritt nicht einmal mehr verstehen, was genau wir da eigentlich tun? Und was kommt als nächstes, wenn wir einsehen müssen, dass es so nicht weitergehen kann?

TT: Als wir anfingen den Film zu machen, standen die Spätfolgen unseres bröselnden kapitalistischen Systems im Vordergrund. Einem Babyboomer und urtypischen Geschäftsmann wie Alan Clay wird mit seinen eingefahrenen Mechanismen der Boden unter den Füßen weggerissen. In der Zwischenzeit hat sich jedoch auch die öffentliche Auseinandersetzung mit dem arabischen Raum potenziert. Ich hätte während des Drehs niemals gedacht, dass unser Film tatsächlich einen wichtigen Aspekt zur aktuellen Diskussion in Deutschland beizutragen hat. Stattdessen hat sich die Aktualität nur noch verstärkt.

DS: Welche Erkenntnisse konntet ihr gewinnen?

TT: Im unserem Team haben Muslime und Christen Hand in Hand zusammen gearbeitet. Dennoch war es überall zu spüren, wie jede Kultur in seinen eigenen Systemen funktioniert.

TH: Als der Muezzin in Marokko, wo wir den Film gedreht haben, zum Gebet aufrief, legte die halbe Crew für ein paar Minuten die Arbeit nieder. Ich fand das weder befremdlich noch unnormal, weil es dort eben zum Leben dazu gehört. Wir alle haben solche Gewohnheiten.

TT: Das Herz unseres Films sind die Menschen. Sie lassen sich mit keiner Schablone einfangen und in kein System zwängen. Unsere Figuren erscheinen mitunter erst als klassische Repräsentanten ihrer Staaten, doch stellen sie sich im Laufe der Zeit als vielschichtige und interessante Charaktere dar.

TH: Wir haben uns zu Beginn schon die Frage gestellt, ob das alles so Sinn ergeben würde, wie wir uns das vorstellen. Die Geschichte ist nicht sonderlich glamourös: Ein Kerl zieht los, sein Plan geht nicht so recht auf und er trifft auf neue Menschen. Wir mussten also sicherstellen, dass sich der Film sowohl erzählerisch als auch visuell trägt. Das gelingt uns vor allem durch das Kreieren von realen Situationen, in die sich jeder hineinfühlen kann. Ich habe schon ganz ähnliche Dilemmata wie Alan Clay durchlebt – sei es, nachts um drei aufzuwachen und nicht zu wissen, wo man ist, oder sich zu fragen, ob einen diese Beule am Rücken umbringen wird. Selbstzweifel dieser Art gehören zum Leben dazu und sind für jeden nachvollziehbar.

Ein Hologramm für den König - Szenenbild (image by X Verleih)
Szene „Ein Hologramm für den König“ (Image by X Verleih)

DS: In Saudi-Arabien gibt es keine öffentlichen Kinos. Kann man trotzdem von einer ausgeprägten Filmkultur sprechen?

TH: Das haben wir uns auch gefragt. Jemand fragte dann zurück: „Denkt ihr wir leben auf dem Mars? Natürlich schauen wir alle neuen Filme!“

TT: Ich bin davon überzeugt, dass unser Film in Saudi-Arabien prozentual zur Bevölkerung am meisten gesehen wird. Die Menschen dort sind irre neugierig auf das Ergebnis. Es ist ein hochmodernes Land, alle haben Netflix und nutzen die Möglichkeiten staatliche Restriktionen zu umgehen.

DS: Apropos Fortschritt, mit „Hanx Writer“ gibt es sogar eine App von Tom Hanks im App Store. Wie kam es dazu?

TH: Ich wollte eine Tastatur auf meinem Tablet, die sich wie eine alte Schreibmaschine anfühlt und auch so klingt. Also habe ich eine gebaut. (lacht) Und damit schon fast 2.000 US-Dollar eingenommen. Ein sehr lukratives Geschäft!

TT: Ich wüsste gar nicht, was für eine App ich entwickeln würde… Vielleicht eine Gute-Laune-App?

DS: Lautet der nächste Schritt dann Virtualität?

TH: Ich bin schon ziemlich zufrieden mit der Realität und brauche keine virtuelle Version davon. Ich wüsste auch gar nicht wofür. Es ist doch wie mit den Fernsehern: Jedes Jahr muss ein neues Feature her. Aktuell sind die Geräte gebogen und ich frage mich, wie viel besser kann das Seherlebnis schon werden? Mein Fernseher ist zweieinhalb Jahre alt und reicht mir völlig. Dasselbe mit 3D-Versionen von Kinofilmen. Ganz selten nur fügen sie dem Film eine neue Facette hinzu, wie bei „Avatar“. Aber ich höre niemanden sagen: „Diesen Film musst du in 3D sehen!“ Dabei geht es einzig und allein ums Geldverdienen, weil die Tickets eben dadurch teurer werden.

DS: Was für eine Aussage soll beim Zuschauer nach dem Kinobesuch von „Ein Hologramm für den König“ hängen bleiben?

TT: Dass wir nur sehr wenige Chancen im Leben haben und diese dementsprechend nutzen sollten. Der Film gibt Grund zur Hoffnung, obwohl zunächst alles ziemlich kompliziert und deprimierend aussieht. (lacht)


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Review: Anhedonia – Narzissmus als Narkose

Anhedonia (Image by Interzone Pictures)

Die Maschinen werden intelligent, die Menschen bleiben dumm – “Fortschritt durch Technik” – den Spruch kennt man ja. Wir sind die Generation, welche die Weiterentwicklung der Menschheit und ihrer Umgebung dank der Digitalisierung auf einem ganz neuen Level miterleben. Irgendwie befindet man sich permanent im Vorspul-Modus, fast so als würde die Taste für immer klemmen- Informationsfluss, über Informationsfluss. Wir pumpen uns bis obenhin voll mit Daten, bis nichts mehr hinein geht. Regisseur Patrick Siegfried Zimmer mag diese Medienrevolution nicht. Ihn schreckt der Tech-Wahnsinn so sehr ab, dass er gleich seinen ersten Spielfilm zu dem Thema gemacht hat.

Jeder guckt nur noch auf sein Handy, nutzt es als Hauptkommunikationsmittel und stumpft dabei der Natur gegenüber ab. Schon klar, zu dieser Problematik, wenn man sie denn als diese sehen möchte, wurde schon viel gesagt. Muss da wirklich noch ein Film her? Ja, nein, also jein. In “Anhedonia” wird man nicht das lang vermisste Statement zur Misere unserer Zeit entdecken, aber man wird dort seinen Spaß haben. Denn über das Elend der anderen lacht es sich bekanntlich am besten. Und, hach, Robert Stadlober leidet in den 78 Minuten wirklich ganz fabelhaft. Er spielt den schnöseligen Franz Freudenthal, der zusammen mit seinem Bruder Fritz (Wieland Schönfelder) auf einem protzigen Schloss gegen eine Krankheit behandelt wird, die sie ganz emotionslos und leidenschaftslos hat werden lassen. Es handelt sich dabei um eine Volkskrankheit, genannt “Anhedonie”, und nur der gefeierte Professor Doktor Immanuel Young (Tocotronic-Sänger Dirk von Lowtzow) soll sie tatsächlich und ein für alle Male kurieren können. Dafür sind Waffen, Tanzen, Eifersüchteleien und Wasserplanschereien nötig. Alles ein bisschen schräg, aber am Ende wohl besonders gut fürs “Chillaxen”.

Zimmer hat seine Satire wie ein Theaterstück inszeniert. Es gibt keine Musik, keine Statisten, keinen natürlichen Lauf der Dinge. Blixa Bargeld erzählt uns (auffällig schlecht ablesend) die wichtigsten Eckdaten: man wäre im Jahr 2020, die beiden übellaunigen Protagonisten seien Aristokraten. Ah ja, nun versteht man auch die Mixtur zwischen barocker Kleidungsweise und Hipster-Rucksack, das Siezen und gleichzeitige Umsichwerfen mit Schimpfworten wie “Fotze”, das Lesen von Büchern und das Benutzen von Kindle-Readern. Der Trend ist deutlich: wir lieben die Verschmelzung von technischem Know-How und Vintage-Elementen. So etwas konnte man bereits in dem gefühlvollen Spike Jonze Film “Her” (2013) sehen.

Anhedonia 02 (Image via Interzone Pictures)

Doch in “Anhedonia” geht es doppelbödiger zu. Hin und wieder, mitten in der Lust-Stimuli-Therapie des gesichtslosen Young (lediglich über Lautsprecher lässt er seine Anweisungen ertönen), mischt sich auch der Filmemacher ein. Und dieser ist nicht etwa Patrick Siegfried Zimmer – nein, es ist ein Fake-Regisseur mit Alkoholproblemen. Er erklärt Stadlober und Schönfelder, dass sie die Story, die sie da spielen, besser in sich aufnehmen müssten. Schließlich gehe es um die grenzenlose Dummheit der Menschheit in seinem Werk, und das sollte man auch entsprechend enthusiastisch dämlich herüberbringen. Wer bis dahin beim Zuschauen mit vielen Fragezeichen kämpfen musste, der fühlte sich nach dieser Einführung der Meta-Ebene auch nicht unbedingt entwirrter. Weiterhin ist die Rede von Sklaven – eigentlich seien ja alle Sklaven und das schon von Geburt an. Zusätzlich klatscht einem ein Lacher nach dem anderen aus dem Off entgegen, ganz so als würde man sich gerade eine amerikanische Sitcom aus den Neunzigern reinziehen.

Anhedonia 03 (Image via Interzone Pictures)

Ein Großteil seines Gaga-Debüts skizzierte Patrick Siegfried Zimmer direkt auf dem Bett seiner eigenen vier Wände. Er dachte sich skurrile Dialoge, komische Eigenarten für seine Charaktere und eine herrlich himmlische Kulisse aus. Bei dem Gedanken, dass sich ein Publikum später versuchen würde seine Geschichte zu erschließen, musste er grinsen. Primär geht es ihm nämlich gar nicht um ein Verständnis. Ist doch egal, ob man alles nachvollziehen kann oder nicht. Und genau dieser Umstand erweist sich auch als das Besondere an “Anhedonie”: in so einigen Situationen kann man sich sogar – trotz der Abgefahrenheit – hineinversetzen. Dank des Internets, dank der ständigen Beballerung vom Schönen, sind wir überreizt. Man schluckt oftmals ohne zu kauen. Dennoch wollen wir mehr, mehr und mehr. Auf eine überzogene Weise hält uns Zimmer genau vor diesen wunden Punkt den Spiegel. Können wir uns noch entschleunigen? Können wir noch raus aus unserer Blase? Und wenn ja: was sind wir dann noch? Wer sich nun verletzt ins Schneckenhaus zurückziehen möchte, ist selbst Schuld – der hat nicht genug Fantasie. Denn die ist es vor allem, die in diesem erdachten Spiel-und-Spaß-Paradies gefragt ist. Also Kopf ausschalten und auch mal wieder den Bauch fühlen lassen.

Der Kinostart ist der 31.03.2016


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Was macht einen Film zu einem Flop?

Cinema (adapted) (Image by Steve Snodgrass [CC BY 2.0] via Flickr)

Manche Filme sind ein Erfolg, andere sind es nicht. Erfolg kommt in vielen Formen vor. Einige Filme sind bereits vor der Premiere ein absoluter Hit, andere brauchen mehr Zeit, um beim Publikum anzukommen, während manche wiederum erst Interesse erzeugen, nachdem sie von Kritikern oder anspruchsvollen Bloggern empfohlen wurden oder sich durch Mundpropaganda verbreitet haben.

Die Produzenten, der Regisseur, die Besetzung und die ganze Team des 2015 erschienenen Films “Momentum” über einen Hi-Tech-Bankraub hätten kaum ein schlechteres Ergebnis für ihren 20 Millionen US-Dollar teuren Film erzielen können. An dem Eröffnungswochenende in Großbritannien hatte der Film in den zehn Kinos, in denen er anlief, eine miserable Einnahmequote von nur 46 britischen Pfund.

Mit einem Ranking bei Rotten Tomatoes mit 27 Prozent und den vernichtenden Bewertungen der Medien ist es unwahrscheinlich, dass sich die Einnahmen durch den Starauftritt von Morgan Freeman verbessern.

Vielleicht ist Douglas Fairbanks das erste Beispiel für einen großen amerikanischen Star, der durch eine Reihe von Flops zu Grunde gerichtet wurde. Der verwegene, auf einem fliegenden Teppich reitende Charmeur in “The Thief of Bagdad” (1924) und Action-Held einiger der einprägsamsten Momente der Stumm- und frühen Tonfilme wurde offenbar von seinem Glauben an die Unfehlbarkeit seiner Berühmtheit ruiniert. In den 1930er Jahren hat sich sein einst bewunderndes Publikum von seinen repetitiven und übertriebenen Erscheinungen als Playboy, der sich weigert, sein Alter anzuerkennen, abgewandt. Selbst die Verfilmung von “Mr Robinson Crusoe” (1932), die auf dem “exotischen” Tahiti gedreht wurde, geriet in Vergessenheit.

Eine moderne Parallele dazu,ist die “Die Hard”-Serie mit dem vielversprechenden und beliebten Bruce Willis. Wie seine Zeitgenossen Arnold Schwarzenegger und Tom Cruise in den “Terminator”- und “Mission Impossible”-Filmen hat Willis seine Rolle als John McClane seit dem originalen “Die Hard”- Film 1988, wiederholt eingenommen. Wie auch immer, das einst populäre McClane-Vermögen schwand mit “A Good Day to Die Hard” (2013), dem fünftem Film der Reihe. Der Film wurde zwar nicht schlecht besucht, aber die Kritiken waren weitgehend miserabel.

Kenne deine Grenzen

Vielleicht überrascht es, aber Bruce Willis hatte schon den einen oder anderen enttäuschenden Flop in seiner Karriere. Berauscht durch den Erfolg des ersten “Die Hard”-Films schrieb Willis als Co-Autor das Skript von “Hudson Hawk” (1991) mit (In den 1920ern hatte auch Fairbanks unter dem Namen Elton Thomas zu schreiben begonnen). Das Drehbuch von “Hudson Hawk” musste im Laufe der Dreharbeiten immer wieder umgeschrieben werden, bevor ein vernichtendes Kinokassen-Urteil das Projekt endgültig beendete. Der Versuch von Willis, in einem rosa Hasenkostüm in “North” (1994) seine lustige Seite zu zeigen, blieb ebenso erfolglos.

John Travolta, der sich einen Namen mit dem Klassiker “Saturday Night Fever” gemacht hatte, blieb mit dem 2000er Science-Fiction-Epos “Battlefield Earth” erfolglos, in welchem er den Alien Terl spielte. Der Film basiert auf einem Roman des Scientology-Gründers L. Ron Hubbard und wird von einige als der schlechteste Film aller Zeiten betitelt. Noch dazu floppte er an den Kinokassen.

Wenn die Verweigerung der Stars, ihre Grenzen anzuerkennen, eine Art von Flop bedeutet, dann zeichnet sich die zweite Form gewiss durch Filmerzählungen von nationalen, regionalen oder familiären Identitäten ab. Die chauvinistische Repräsentation nationaler Identität auf der Leinwand war bislang eine Garantie für Beschwerden, doch zieht sie nach wie vor Regisseure und Produzenten an wie die Motten das Licht.

Nationale Schätze?

Zwei jüngste Beispiele sind “Australia” (2008) von Baz Luhrmann und “Lincoln” (2012) von Steven Spielberg. Beide Filme waren prahlerisch thematisiert und erhielten gemischte Bewertungen vom Publikum und Kritikern gleichermaßen. Während beide Filme es immerhin schafften, ihre Investitionen bequem wieder reinzuholen, waren andere weniger erfolgreich.

The Alamo” (2004), eine gut recherchierte und sorgfältig erstellte Erzählung über die Revolution in Texas, war ein spektakulärer Flop in der Geschichte des amerikanischen Films. Es gibt Hinweise darauf, dass die Nachwelt möglicherweise etwas freundlicher auf diesen Film zurückblicken wird, der zu prosaisch und uninteressant für sein Publikum war und dessen Erzählungen durch seine eigene Sorgfältigkeit auf historische Details untergeht.

 

Einige Filmpleiten der Vergangenheit konnten im Nachhinein wieder ausgeglichen werden, so auch der hoffnungslose Film “Heaven’s Gate” (1980). Es ist ein aufwendig montierter, aber nuancierter Western-Film, der in den 1890ern in Wyoming spielt. Die aufkeimende Karriere des Regisseurs Micheal Cimino und das Vermögen der Produzenten von United Artists wurden durch den Film vernichtet. Gleichzeitig kennzeichnet er das Ende der Western-Filme in Hollywood. Dass ein Film gleich alle drei genannten Auszeichnungen erhält, ist sehr selten in der Geschichte des Kinos. Ironischerweise zählt “Heaven’s Gate” heute zu den besten 100 amerikanischen Filmen aller Zeiten und ist fest verwurzelt in der Kategorie der Meisterwerke, die aber zu ihrer eigenen Zeit falsch verstanden wurden.

Größenwahn

Die Pracht der epischen Großproduktionen verführte viele Regisseure, es ihnen gleichzutun. Doch nur wenige schafften es die Möglichkeiten zu nutzen, die eine Großproduktion darbieten kann, und daraus einen Erfolg zu erzielen, wie es die Filme “Ben Hur” (1959), “Spartacus” (1960) oder “Gladiator” (2000) taten.

Im Gegensatz dazu haben “Cleopatra” (1963) und “The Fall of the Roman Empire” (1964), beides Sandalen-Epen, an der Abendkasse versagt, wie auch kürzlich der Film “Alexander” (2004) vom Regisseur Oliver Stone. Alle drei Filme machten den Fehler, zu lang, zu ausführlich und zu vernarrt in ihre Hauptpersonen zu sein. Weder das Publikum noch Historiker konnten dadurch befriedigt werden.

 

Vor Kurzem wurden “Cleopatra” und “Der Untergang des römischen Reiches” durch die kollektive Sehnsucht von zeitgenössischen Cineasten rehabilitiert, während andere Filme weniger Glück hatten.

Interessanterweise unterscheiden sich erfolgreiche und epische Filme in ihren erzählerischen Ambitionen, durchaus von den weniger erfolgreichen Filmen. “Ben Hur”, “Spartacus” und der “Gladiator” sind alles Geschichten des in Ungnade gefallenen Protagonisten. Sie sind Opfer von unfairen Umständen und versuchen, sich selbst zu erlösen. Es sind “zeitlose” Geschichten über die Ausdauer des menschlichen Geistes und die Fähigkeit des Außenseiters das System zu überwältigen, die auf einer historischen Leinwand abgehalten werden. Eben genau diese Inhalte kommen beim Publikum sehr gut an.

Einige Filme sind erfolgreich, während andere es nicht sind. Die Filmgeschichte bezeugt, dass Neugestaltungen und schablonenhafte Filme unbeliebter werden, da sie sich wiederholen. Das Phänomen wird gerne als “Genre-Müdigkeit” beschrieben. “Momentum” gehört wohl dazu, als einer der Jüngsten in einer langen und eher mittelmäßigen Reihe von Filmen. Andere wiederum scheitern trotz originellem und ehrgeizigem Ausmaß, indem sie zu sehr eingenommen sind vom Personenkult, sowohl realer als auch fiktiver Personen. Dadurch schaffen sie es nicht, ihr Publikum zu erreichen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) “Cinema” by Steve Snodgrass (CC BY2.0)


The Conversation

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Sponsored Post: EDDIE THE EAGLE – Alles ist möglich

Eddie The Eagle (image by unruly)

Michael “Eddie” Edwards ist ein Außenseiter. Mit seiner ungewöhnlichen Art stößt er bei seinen Mitmenschen auf Skepsis und Ablehnung. Dass er im Leben mal etwas Bedeutendes erreichen könnte, traut ihm niemand zu. Trotzdem setzt er sich eines Tages ein hohes Ziel. Er möchte ein erfolgreicher Skispringer werden. Sein großer Wunsch: Die Teilnahme an den Olympischen Winterspielen in Calgary.

Das starke Duo

Unterstützt wird er bei seiner Idee einzig von seinem Trainer, einem gescheiterten, aber charismatischen Ex-Skispringer. Eddie glaubt fest an sich selbst, obwohl die ganze Nation einen Versager in ihm sieht und kämpft mit seiner ausdauernden Art für seinen ganz persönlichen Traum. Zusammen mit seinem rebellischen Coach gelingt es ihm, alle Hürden zu überwinden und seinem Ziel immer näher zu kommen. Bei der Teilnahme an den Winterspielen wächst er schließlich über sich hinaus. Der tapfere Skispringer wird zum Helden einer ganzen Skispringer-Nation.

Gewinnerteam (image by unruly group)

Die Skispring-Legende

Der Film “Eddie The Eagle” basiert auf einer wahren Begebenheit und erzählt die Geschichte eines besonderen Mannes, der getrieben von seinem starken Willen niemals aufgab. Michael Edwards sprang sich 1988 in Calgary in die Herzen der Zuschauer und wurde unter dem Namen “Eddie The Eagle” zur Legende.

Eddie 2x (image by unruly group)

Der Film von 20th Century Fox wurde letztes Jahr in Deutschland und England gedreht und unter anderem von Matthew Vaughn produziert. In einem seiner letzten Filme, “Kingsman: The Secret Service”, gab Taron Egerton sein Spielfilmdebut. Nun verkörpert er in “Eddie The Eagle” die Hauptrolle des einzigartigen Skispringers. Neben ihm und Hugh Jackman ist übrigens auch Iris Berben als sympathische Skibar-Wirtin im Film zu sehen.

Wer also Lust auf eine Wohlfühl-Geschichte mit viel britischem Humor hat, sollte sich diesen Film auf keinen Fall entgehen lassen! “Eddie The Eagle” läuft ab dem 31. März in den deutschen Kinos. Ein inspirierender Film voller Lebensmut.

Weitere Informationen findet ihr bei Facebook oder Youtube.

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Berlinale Shorts: Die Ambitionierten, die Irren und die mit Humor

Berlinale Official 2016 (Image by Berlinale Festival, Screenhsot via Berlinale.de_)

Wenn vom 11. bis 22. Februar der Berlinale-Teppich ausgerollt wird, gibt es in den Hauptstadt-Kinos wieder jede Menge Film-Premieren und Schauspieler aus aller Welt zu sichten. Das eine oder andere Werk macht sich dabei Hoffnung auf den Goldenen oder wenigstens den Silbernen Bären. Doch die im Wettbewerb stehenden Beiträge kommen nicht nur im Langspielformat daher, sondern auch gern mal als knackiger Kurzfilm.

Die internationale Jury, bestehend aus den Film- und Kunstschaffenden Sheikha Hoor Al-Qasimi, Katerina Gregos und Avi Mograbi, hat nun die Aufgabe aus 25 kleinen Kunstfilmchen die Gewinner herauszupicken. In der Kategorie Berlinale Shorts werden außerdem noch die Sonderpreise Audi Short Film Award (mit 20.000 Euro dotiert) und Berlin Short Nominee for the European Film Awards vergeben. Wichtigste Bedingung, um bei dieser Sektion mitzumischen: Dreißig Minuten darf keines der Werke der jungen Filmemacher überschreiten.

Schon bevor sich Berlinale-Direktor Dieter Kosslick seinen roten Schal umwirft und das Filmfestival als eröffnet erklärt, gab es für die Presse die Möglichkeit alle 25 in den Ring tretenden Kurzfilme anzuschauen. Ich war eine dieser Leute, die sich an einem Montagmorgen in Berlin dafür von 10 bis 18 Uhr ins Kino begab und sich viereckige Augen guckte. Also Schluss mit den Fakten, hinein ins Subjektive. Denn wenn ich eines gleich vorweg nehmen kann: Trotz der Kürze und ihrer Würze ist so ein Marathon echt kein Zuckerschlecken.

Berlinale Shorts: Vintage Print, von Siegfried A. Fruhauf
Berlinale Shorts: Vintage Print, von Siegfried A. Fruhauf

Noch bevor ich den ersten Kaffee fertig intus, geschweige denn gefrühstückt habe, läuft Vintage Print von Siegfried A. Fruhauf an. Nach den dreizehn Minuten habe ich das Gefühl noch eine ganze Weile mit dem Essen warten zu müssen. Bei mir dreht sich alles. Der Österreicher zeigt eine auf einer Glasplatte befindliche Fotografie aus dem 19. Jahrhundert. Der Kniff am Ganzen: Der Fund durchläuft eine Entwicklung vom Analogen zum Digitalen. Im Klartext: Hier flirrt und flimmert es fieser als das Strobo-Licht in der Dorfdisse. Dazu gesellt sich ein brüllend lauter Großstadt-Sound, der eigentlich nur vor hat mich zu foltern. Anders kann ich mir das nicht erklären – dieses Horrorfilmchen, was zwischen Schwarz-Weiß und Farbe changiert, will mir Schmerzen zufügen. Für Epileptiker nicht geeignet. Für Freunde des Schönen auch nicht.

Das Dröhnen, Rauschen und der allgemeine Geräuschpegel sollen sich durch die meisten der folgenden Filme wie ein roter Faden ziehen. Dabei heißt es im Presseschreiben noch, dass es bei den Shorts 2016 vor allem ums Ankommen gehen soll. Aber was genau hat ein Typ, der sich in eine Art Astronauten-Anzug zwängt, um dann in der übelsten Müllhalde von Mexico City auf Tauchstation zu gehen (Titel: El Buzo), mit Ankommen zu tun? So richtig möchte mir das nicht einleuchten, beeindruckend sieht das aber alle Male aus. Auch das Paar, welches sich in Tsomet Haruhot von Rotem Murat auf einem Roadtrip befindet und dabei von einem mysteriösen Auto verfolgt wird, erweckt auf „Blair Witch Project“-Wackelkamera-Weise Spannung – aber wo ist da so was wie ein Heimat-Feeling?

Berlinale Shorts: Freud und Friends
Berlinale Shorts: Freud und Friends

Schnell versuche ich mich von dieser Berlinale-Pressemitteilung zu lösen und einfach weiter draufloszuschauen. Und hui, es gibt noch einiges zu ertragen. Singende Glibberfische, überirdisch schöne Frauen, die grüne Rauchwolken pupsen, aus denen sich Geister herausentwickeln (beides: Freud und Friends), schwangere Knetfigur-Frauen, die sich erst von der eigenen Katze abschleckern lassen und dann von der besten Freundin (Moms On Fire) oder auch etwas, das zu gerne gesellschaftskritisch wäre, aber eigentlich nur Porno ist (Notre Héritage). Als Running Waters von dem Brasilianer Diego Zon in Gange ist, der zuvor als ‚Meditation auf dem Meer’ angekündigt wurde, schlafe ich selig ein. Als ich wieder wach werde, schunkelt die Kamera nur noch einen kurzen Moment auf dem Boot und ich beschließe mir eine große Kanne Kaffee für den nächsten Film-Block zu besorgen.

Die Koffein-Überdosis war aber dann doch zu pessimistisch gedacht. Denn – zum Glück – bieten die Shorts auch in diesem Jahr ein paar wirklich gute, tiefgreifende Filme, teils auch mit einem angenehmen Gespür für Slapstick und tiefschwarzen Humor. Zum einen gibt es Love von Réka Bucsi zu feiern. In ihrem Animationsfilm lässt sie schnurrende Schmusekatzen-Wesen, Waltierchen mit Flatterohren und einer ganzen Berglandschaft auf dem Rücken sowie auch spitzschnäuzige Ponys von der Kinoleinwand grinsen. Während die Ausgangssituation noch harmlos erscheint, muss man sich auf (gemaltes) Blut- und viel Tränenvergießen einstellen. Das dennoch Beruhigende daran: Bucsis Kunstwerk stellt das rege Leben auf den Planeten als natürlichen Kreislauf dar, bei dem schließlich auch alles wieder zusammenfließt und Sinn macht. Puh.

Als ein weiteres Highlight, wenn auch weitaus ernsthafter, erweist sich das siebenminütige Kaputt von Volker Schlecht und Alexander Lahl. Mit simpelster Bildsprache und sehr zurückgenommener Farbwahl werden die Missstände des Frauengefängnisses in Hoheneck zu DDR-Zeiten angeprangert. Aus dem Off erzählen zwei betroffene Frauen von der harten, körperlichen Arbeit dort. Wenn sie nicht spurten und ihre Näharbeiten in der vorgegebenen Schnelligkeit ablieferten, wurden sie in dunkle Einzelzellen ohne Bett oder Stuhl gesteckt. Tatsächlich gab es sogar einen Arrestraum, in dem einem das Wasser buchstäblich bis zum Hals stand. Regelmäßig fielen den Inhaftierten die Haare aus, ihre Periode blieb ebenfalls nach einer Weile aus.

Berlinale Shorts: A Man Returned, von Mahdi Fleifel
Berlinale Shorts: A Man Returned, von Mahdi Fleifel

Auch A Man Returned, eine halbstündige Doku von Mahdi Fleifel, lässt mich schwerer Atmen. Sie nimmt den 26-jährigen Reda in den Fokus, der die vergangenen drei Jahre in Athen als Obdachloser und Prostituierter gelebt hat. Aber egal wie sehr er sich auch bemühte in Europa als Flüchtling anerkannt so werden – er scheiterte. Dann steckt er wieder im Flüchtlingslager in Libanon fest. Er ist drogenabhängig und seine einzige Hoffnung scheint nun eine arrangierte Hochzeit zu sein. Neben der offensichtlichen Abwärtsspirale erschreckt mich am stärksten der Moment, in dem klar wird, dass er eine schwarze Streunerkatze als seinen Freund bezeichnet und genau diesen bereits mehrfach Drogen schnupfen lassen hat.

Im Endeffekt rasen die Berlinale Shorts in den fast acht Stunden mit mir durch alle erdenklichen Gefühlswelten. Manchmal erwischt es mich eiskalt, ich bin erschüttert und fasse es nicht wie viel ich nicht weiß von unserer Gesellschaft und der Erde. Dann wiederum bin ich über lange Strecken zutiefst verstört von dem arty farty Ansatz mancher Werke. So vieles ist kurz und wild zusammengeschnitten und stört sich kein bisschen an Genre-Überschreitungen, wirren Sound-Schnipseln und einer absolut undurchsichtigen oder gar nicht vorhandenen Story. Klingt in der Theorie super, ist beim Gucken aber echt unschön, fade oder gar physisch anstrengend. Und dann muss ich wieder lächeln, ja, fast schon laut auflachen. Ein letztes Filmchen sei genau zu diesem Zweck noch ans Herz gelegt: Hopptornet von Axel Danielson und Maximilien Van Aertryck. In 17 Minuten versuchen unzählige Personen sich im Bade-Dress vom 10-Meter-Turm in der Schwimmhalle zu trauen. Dabei spielen große Egos, ein falsches Selbstbild oder einfach nur die schlichte Angst vor dem Aufprall elementare Rollen. Dem Zuzuschauen ist einfach nur urwitzig – und für Ästhetik-Liebhaber gibt es obendrauf noch Zeitlupen von den obskursten verzerrten Gesichtern beim Sprung.

Berlinale Shorts: Hopptornet, von von Axel Danielson und Maximilien Van Aertryck
Berlinale Shorts: Hopptornet, von von Axel Danielson und Maximilien Van Aertryck

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Der Boston Globe nutzt die Aufmerksamkeit durch Spotlight

Spotlight (Image by Thomas Cole, CC BY)

Der Boston Globe will den Filmstart und den maßgeblichen Erfolg von Spotlight als Chance nutzen, um sich bei neuen Lesern zu vermarkten. In diesem Herbst hat der CEO des Boston Globe, Mike Sheehan, ein neues Puzzlestück zu der Präsentation, die er potenziellen Werbekunden vorführt, hinzugefügt: Den Trailer für den Film Spotlight. Der Film erzählt die Geschichte der mit dem Pulitzerpreis ausgezeichneten Globe-Recherche über Kindesmisshandlung in der katholischen Kirche. Sheehan hat den Trailer vorgeführt, um Werbekunden die Wirkung zu demonstrieren, die die journalistische Arbeit des Globe und insbesondere die Arbeit des ermittelnden Teams von Spotlight ausgeübt hatte.

“Ich sage den Werbekunden nicht, dass sie bei uns inserieren sollen, um den Journalismus zu unterstützen”, sagte Sheehan. “Aber wenn Sie inserieren oder uns sponsern oder sich mit uns zusammentun, gibt es einen positiven Nebeneffekt: Sie helfen ihrer Gemeinschaft damit sehr.”

Über Sheehans Verkaufspräsentation hinaus hat der Globe die Aufregung um Spotlight (der Film erhielt bereits drei Golden-Globe-Nominierungen und gilt als Oscar-Anwärter) dazu genutzt, sich selbst zu vermarkten und seinen Journalismus zu fördern.

Es ist selten, dass ein von den Kritikern gelobter Film über die eigene Zeitung gemacht wird, daher wollten sich die Geschäftsführer des Globe die gute Publicity zu Nutze machen. Aber es sollte auch nicht so aussehen, als würden sie eine Tragödie für ihren Profit ausschlachten. “Aus tiefem Respekt für die Überlebenden und den derzeitigen Klerus, der hervorragende Umbauarbeit geleistet hat, wollen wir sichergehen, dass wir dies nicht als Möglichkeit zur Schädigung nutzen”, sagte Sheehan. Deshalb hat der Globe eine Mischung aus redaktionellen und geschäftlichen Strategien gestaltet, die darauf abzielt, archivierte Artikel wieder aufzulegen und gleichzeitig auch neuen Lesern die Artikel des Globe näher zu bringen.

Die ursprünglichen Spotlight-Artikel, auf denen der Film basiert, sind wieder auf der Liste der meistgelesenen Globe-Artikel erschienen und die Zeitung hat ein kostenloses E-Book und eine 12-minütige Dokumentation zusammengestellt, um nicht nur die Artikel über die katholische Kirche, sondern auch andere Arbeiten, die das investigative Spotlight-Team über die Jahre durchgeführt hat, herauszustellen. Die Zeitung nutzte eine Kombination aus zielgruppengerichteter E-Mail-Kontakte, Social-Media-gerichteter und suchwortrelevanter Werbung und Anzeigen auf ihrer eigenen Seite, um die Produkte zu bewerben und neue Abonnenten zu gewinnen.

“Wir wollten uns auf das Spotlight-Team konzentrieren, auf den Journalismus, und warum der ‘Big J’-Journalismus im Allgemeinen wichtig ist”, sagte Meghan Lockwood, stellvertretende Leiterin für Verbrauchermarketing beim Globe. “[Wir wollten uns] darauf konzentrieren, dass das Team seit schon 1970 existiert, und den Leuten eine Chance geben, sich noch mehr auf das Thema einzulassen.

Das 12-minütige Video, das der Globe erstellt hat, geht kurz auf die Ermittlungen zur katholischen Kirche ein, verwendet aber die meiste Zeit darauf, die mehr als 40-jährige Geschichte des Ermittlerteams von Spotlight zu behandeln, wobei es mehrere Untersuchungen des Teams hervorhebt.

Der Globe hat das Video an verschiedenen Stellen hochgeladen, auch direkt auf Facebook, wo es seit seiner Veröffentlichung Anfang November fast 330.000 Mal angesehen wurde. Matt Karolian, Leiter für Social Media beim Globe, sagte, dass die Zeitung eine “bedeutende Investition” durch die starke Präsentation des Videos, des E-Books und der ursprünglichen Berichterstattung auf Twitter und Facebook, zusammen mit bezahlter suchwortgebundener Werbung, vorgenommen hatte.

“Eines der Dinge, die ich als sehr wirkungsvoll an der Facebook-Plattform empfinde, ist, dass man in der Lage ist, eine Gruppe von 50 Leuten anzusprechen, es können aber auch 5.000, 50.000 oder 50 Millionen sein”, meint Karolian. Der Globe nahm diejenigen Nutzer ins Visier, die angaben, dass sie den Film gern sehen würden, oder in Posts ausdrückten, dass sie dafür durchaus ins Kino gehen würden. Man konzentrierte sich aber auch auf Nutzer, die ein Interesse an breiteren Themenbereichen wie investigativem Journalismus zeigten.

“[Unser Ziel war nicht,] das ganze Universum zu sprengen oder es alleinig mit Boston als Schlagwort zu verknüpfen. Wir wollten Leuten, die nach dem Film oder den Artikeln suchen, einen tiefergehenden Gewinn bieten, mit dem sie sich befassen und weiter beschäftigen konnten”, stellt Lockwood heraus.

Der Globe hat Werbung für das E-Book von Spotlight auf seiner Homepage und bestimmten Zielseiten geschaltet, die er angelegt hat, um seine Berichterstattung zum Film und den investigativen Artikeln unterzubringen.

Screenshot: Globe Spotlight Homepage (Image by Globe)
Screenshot der Homepage des Globe Spotlight (Image by Globe)

Bezüglich des E-Books wird zudem eine Kampagne für E-Mail-Retargeting betrieben. Um das Buch herunterladen zu können, müssen die Nutzer ihre E-Mail-Adresse angeben. Dann werden den Interessenten drei Mails geschickt, von denen jede mehr Informationen über Spotlight und den Globe als die vorige enthält, und in der dritten E-Mail gibt es schließlich Informationen dazu, wie man die Zeitung abonnieren kann.

Das E-Book kam etwa zwei Monate zuvor auf den Markt und wurde ein paar tausend Mal heruntergeladen, sagte Lockwood. 17,5 Prozent der Nutzer, die auf eine Werbeanzeige für das E-Book klicken, gelangen über die Zielseite hier her und geben ihre Mailadresse heraus. Ähnliche Kampagnen haben oft einen einstelligen Umrechnungssatz, gab Lockwood an.

Screenshot: Globe Email (Image by Globe)
Screenshot: Email-Formular (Image by Globe)

“Es war wichtig, etwas kostenlos anzubieten”, erklärte Lockwood. “Vom Gesichtspunkt der Umwandlung geben wir den Leuten etwas wirklich wertvolles für ihre E-Mail-Adresse, und leiten sie von dort aus an.

Der Globe hat etwa 65.000 Digitalabonnenten, das sind mehr als alle anderen Regionalzeitungen der Vereinigten Staaten. Und ein digitales Abonnement ist nicht billig: Der digitale Zugang kostet über 360 US-Dollar pro Jahr, denn die Leser zahlen mehr als 99 Cent pro Tag.

Ken Doctor hat die digitale Preispolitik der Zeitung bereits in einer früheren Kolumne aufgeschlüsselt:

Der Globe verdiente durchschnittlich nur 57 Cent pro Nutzer und Tag, das waren etwas mehr als 200 US-Dollar im Jahr, bevor die sogenannte ‘Ein-Dollar-pro-Tag’-Preisbildung eintrat. Durch diese kommen etwa 160 US-Dollar im Jahr pro Abonnent hinzu. Diese Art der Rechnung bildet einen Grundstein zu einer hauptsächlich digitalen und durch die Leser unterstützten Zukunft.

Das sind die Regeln des ARPU, (Average Revenue Per User, zu deutsch: durchschnittlicher Erlös pro Kunde, in diesem Fall: Abonnent). Den ARPU zu erhöhen, ist meiner Meinung nach der Schlüssel zum Aufbau der nächsten Generation des Unternehmens. “Unser durchschnittlicher Erlös ist um 40 Prozent gestiegen”, sagt [der stellvertretende Leiter für Vertrieb und Marketing] Peter Doucette.

Die Analysen des Globe besagen, dass die Online-Leser wahrscheinlich nicht kündigen werden, sobald sie den 13. Monat des Abonnements erreichen. Genau an diesen kritischen Punkt werden die Lesergebühren für die Artikel auf 99 Cent pro Tag hochgesetzt. Frische Abonnenten zahlen demnach 99 Cent im ersten Monat. Später während des ersten Jahres als Abonnent hat man eine Grenze von 3,99 US-Dollar pro Woche erreicht, also 15,96 US-Dollar monatlich. Hat man die 13 Monate erreicht, ergeben sich somit genau 99 Cent Gebühren pro Tag.

Mit der Strategie, den Film Spotlight zu nutzen, um neue Leser anzuziehen, die an Journalismus interessiert sind und die dann – hoffentlich – gewillt sind, einen entsprechend höheren Preis dafür zu bezahlen, zielt der Globe darauf ab, sich Abonnenten heranzuziehen, die etwas länger bleiben werden.

“Es sind geringere Bruttozahlen, aber ich denke, es handelt sich dabei um ein sehr interessiertes Publikum”, sagte Lockwood. “Das sind die Leute, die dann die langfristige Abonnenten ausmachen.”

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Teaser & Image “Spotlight Movie” (adapted) by Thomas Cole (CC BY)


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Trends des Monats Dezember

Altwork Screeshot by Youtube

Gemeinsam mit der Standortinitiative der Hamburger Medien- und Digitalwirtschaft, nextMedia.Hamburg, stellen wir euch ausgewählte Trends des Monats vor. Die Medien- und Digitalbranche ist ständig in Bewegung. Fast im Tagesrhythmus gibt es neue, innovative Medienprojekte, praktische Gadgets oder neue digitale Geschäftsmodelle. Wir stellen euch dieses Mal AD Replacer gegen nervige Werbung, beliebte Games zu Filmen, VR Brillen für Schulen, Starship und Altwork – Arbeiten im Liegen vor.

AD Replacer – gegen nervige Werbung

Jeder, der viel im Internet unterwegs ist, kennt die lästigen Banner und nervige Werbung, die man manchmal einfach gar nicht sehen möchte. Viel besser wäre es doch, wenn anstatt der Banner die neuesten News zu finden sind. Der AD Replacer ist eine Erweiterung von Google und sorgt dafür, dass der Nutzer anstatt eingeblendeter Werbung, journalistische und handverlesene kuratierte Schlagzeilen vorfindet. So können Nutzer sich während des Surfens im Netz – anstatt über Werbung aufzuregen – über das Weltgeschehen informieren.

Games auf der Kinoleinwand

Beliebte Games wie Call of Duty oder StarCraft auf der großen Kinoleinwand? Für viele ein Traum! Und dieser geht jetzt in Erfüllung. Activision Blizzard hat das Blizzard Studio eröffnet und produziert Filme und Serien auf Grundlage von Activision-Games. Den Anfang macht die Serie Skylanders Academy und es sollen noch weitere folgen. Und so viel können wir schon verraten: Call of Duty soll ebenfalls im Kinolook verfilmt werden.

Virtual Reality an Schulen

Smartphones können ganz einfach mit einer Pappschachtel zu VR Geräten werden. Wie das funktioniert, das wissen die Kids aus verschiedenen Schulen in den USA, Australien, Brasilien, Neuseeland und Großbritannien. Sie alle haben an dem Expeditions Pioneer Programm von Google teilgenommen und wurden mit VR Brillen ausgestattet. In den Schulkits befinden sich Smartphones, Tablets und Google Cardboards. Der Sinn dahinter sind Expeditionsausflüge wie beispielsweise in die Antarktis oder der Regenwald, die so Zwischendurch ja leider nicht so oft möglich sind.

Starship – Roboter liefern Ware aus

Dass Drohnen Ware ausliefern können, hat Amazon mittlerweile bewiesen. Die Mitgründer von Skype haben jedoch etwas ganz anderes vor: Lieferungen durch Roboter. Mit Starship Technologies entwerfen sie den selbstfahrenden Roboter, der imstande ist, Ware selbst auszuliefern. Ware von bis zu zwei Tragetaschen voll, fünf Kilometer und eine halbe Stunde. Mehr brauchen die selbstfahrenden Roboter nicht. Sie sind außerdem Umweltfreundlich und dazu noch kostengünstiger als herkömmliche Lieferservices.

Altwork – Arbeiten im Liegen

Was wäre das für eine Welt, in der nicht ständig neue verrückte Ideen autauchen? Eine davon ist zum Beispiel: Das Arbeiten im Liegen. Altwork hat einen Stuhl entwickelt, bei dem anhand von Magneten Bildschirm und Tastatur in der richtigen Position fixiert werden. Das System bietet insgesamt vier verschiedene Positionen an, die man per Knopfdruck verstellen kann. Für knapp 5.600 US-Dollar sollen die neuen entlastenden Arbeitsplätze im Jahr 2016 auf den Markt kommen.


Image Screenshot by “Altwork


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