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Test: Saugroboter Vorwerk Kobold VR200 als Putzfee im Coworking Space

Vorwerk Kobold VR200

Rund 200 Quadratmeter ist die Nutzfläche des Coworking Spaces „The9th“ in Bonn groß. Der Boden ist flach, aber dennoch aufwändig zu reinigen. Mit dem Staubsauger oder gar einem Besen dauert eine gründliche Reinigung mehr als eine Stunde. Was liegt da für einen Ort, wo sich Neues Bahn brechen soll, näher, als die Arbeit an einen Saugroboter auszulagern? Daher unterzogen wir dem Vorwerk Kobold VR200 einem Test im Coworking Space. Das Gerät gehört zu einem Preis von 750 Euro zu den teuersten auf dem Markt. Dementsprechend hoch waren unsere Erwartungen. Hält der Saugroboter ihnen stand?

Läuft erst nach einem Training rund

Der Test beginnt holprig. In den ersten Tagen startet der Vorwerk Kobold VR200 zwar immer wieder die Reinigung, wagt sich aber nur unbeholfen in Teilbereiche des Coworking Spaces. Allerdings lernt ein Saugroboter erst allmählich die Routen und Begebenheiten der Umgebung kennen. Das ist auch beim Vorwerk-Modell so. Daher vergrößerte er seinen Aktionsradius und verbesserte die Routenführung stetig. Bereits nach einer Woche reinigte der Saugroboter auch weiter entfernte Stellen des Coworking Spaces und fand den Weg zur Ladestation immerhin auch um eine Wand herum.

Tatsächlich wurde der Vorwerk Kobold VR200 mit der Zeit zu einer Arbeitserleichterung. Der Roboter reinigt im Idealfall jede Nacht den Großteil des offenen Büros und kümmert sich in der nächsten Nacht um weitere Bereiche.

Fährt der Vorwerk Kobold VR200 die ganze Nacht ununterbrochen durch das Büro, ist der Schmutzbehälter gut gefüllt. Neben viel Staub saugt der Roboter auch Federn, kleine Verpackungsreste oder Knöpfe auf. Das Behältnis hat eine Kapazität von etwa einem halben Liter und kann wahlweise mit einem richtigen Staubsauger ausgesaugt oder manuell im Müll ausgeleert werden. Das raubt kaum Zeit und ist einfacher, als die Fläche selber zu reinigen.

Bedienung: Einfacher geht es kaum

Verschiedene Menschen bedienen den Vorwerk Kobold VR200 im Coworking Space. Daher sollte die Menüführung so intuitiv sein, dass auch immer wieder wechselnde Anwender sie begreifen, ohne sich tief einarbeiten zu müssen. Zum Glück ist die Bedienung sehr schlicht gehalten. Denn der größte Teil der Einstellungen läuft über Bedienelemente am Gehäuse selbst. Dies umfasst den großen, grünen Start-Knopf und vier weitere berührungsempfindliche Tasten für die sonstige Menüführung.

Zusätzlich im Lieferumfang enthalten ist eine Fernbedienung. Diese beherbergt neben den gleichen Grundfunktionen für Start und Stopp auch zusätzliche Pfeiltasten zur manuellen Steuerung des Roboters. Ganz durchdacht ist die Steuerung per Fernbedienung aber nicht. Denn sobald Anwender in den Menüs navigieren müssen, ist eine Eingabe am Roboter selbst nötig. Per Funk ist dies nicht möglich, was wir im Test als verwirrend und störend empfinden.

App nicht auf der Höhe der Zeit

Um den Lautstärkepegel niedrig zu halten, kommt der Vorwerk Kobold VR200 beim Test im The 9th nur nachts zum Einsatz. Zwar ist der kleine Saugroboter leiser als ein herkömmlicher Staubsauger. Trotzdem fällt der monotone Ton auf und stört bei der Arbeit. Deswegen startet das Gerät seinen Job um 20 Uhr, wenn das Publikum den Coworking Space in der Regel verlassen hat.

Der entsprechende Zeitschaltplan für die Reinigung lässt sich am einfachsten mit der herstellereigenen App für Android und iOS erstellen. Die App ermöglicht, den Plan für jeden Wochentag anzupassen. Das ist praktisch, denn so platzt der Vorwerk Kobold VR200 nicht unverhofft in einen Abendtermin hinein.

Darüber hinaus dient die App als Einsatzzentrale. Sie informiert beispielsweise über den Akkuladestand und darüber, wo sich der Roboter gerade befindet. Außerdem schlägt sie per Push-Nachricht Alarm, wenn sich der Roboter an einem überwindbaren Hindernis festgefahren hat – was leider zu oft passiert.

Viel mehr hat die App nicht zu bieten. Wünschenswert wäre beispielsweise die Möglichkeit, den zu reinigenden Bereich einzugrenzen. Dies ist dann hilfreich, wenn ein Malheur nur eine kleine Fläche stark verschmutzt hat. Nicht auf der Höhe der Zeit ist zudem der Update-Turnus. Zuletzt aktualisiert wurde die App vor über einem Jahr. Daher ist sie auch noch nicht an den Steg (Notch) und das 18:9-Seitenverhältnis moderner Smartphone-Displays angepasst.

Nach Kollisionen zu unselbständig

Da der Vorwerk Kobold VR200 nur nach den Öffnungszeiten seine Runden dreht, steht ihm keine menschliche Hilfe zur Seite. Sobald er sich einmal an einem Gegenstand stört, bleibt der Roboter von selbst stehen und wartet auf Unterstützung. Das passiert im Test leider recht häufig, da ein Coworking Space trotz viel freier Fläche etliche Hindernisse bereithält. Eine kleine Vorbereitung auf den Reinigungsvorgang und ein grundsätzlich aufgeräumter Platz ist deswegen immer sinnvoll.

Vorwerk Kobold VR200
Nach Kollisionen mit Kabeln und Stühlen fährt sich der Vorwerk Kobold VR200 im Test oft fest. Image by Mika Baumeister

Hiermit kommt der Roboter im Test nicht zurecht:

  • Kabelgewirr auf dem Boden
  • Zu eng stehende Stühle
  • Objekte, die vom Laser nicht erfasst werden können (Spiegel)
  • Manuelle Positionsveränderung (Ladestation wird nicht mehr gefunden)
  • Teppich, der sich wölbt

Leider findet der Saugroboter in den rund sieben Stunden, die er zur vollständigen Reinigung inklusive Ladevorgang braucht, immer wieder solche Hindernisse. Daher ist an vielen Tagen nicht die völlige Fläche gereinigt und der Vorwerk Kobold VR200 muss manuell zur Ladestation getragen werden. Besonders ärgerlich ist das, wenn die Reinigung schon in den ersten zwei Stunden nach einer Kollision unterbrochen wurde.

Natürlich würden sich die Fehler leicht vermeiden lassen, wenn Stühle weiter auseinander stünden oder Kabel vor dem Feierabend sicher verstaut werden würden. Aber bei einer Fläche von 200 Quadratmetern jedes einzelne potenzielle Hindernis zu beseitigen, ist in der Praxis nicht möglich. Daher findet der Roboter immer wieder neue Möglichkeiten, sich festzufahren.

Neben Zwischenfällen in der Navigation stört im Test ein gelegentlicher Ausfall der Bürste. Geraten Blätter etwa von Yucca-Palmen oder Verschlussklemmen von Verpackungen hinein, blockiert sie. Immerhin sind steife Objekte wie Stifte keine Gefahr, weil sie einfach zu groß für die Saugöffnung sind.

Hohe Abnutzung durch rauen Untergrund

Anders als in vielen Wohnräumen besteht der Boden des The 9th aus nacktem Beton. Dementsprechend rau ist die zu reinigende Oberfläche. Das macht sich vor allem an der Seitenbürste des Roboters bemerkbar. Nach einem Monat im Test ist die Bürste bereits stark verschlissen. Dadurch nimmt die Reinigungsleistung deutlich ab. Statt Objekte in einem Radius von sechs Zentimetern zu erfassen, gelingt der Bürste dies nur noch in einem Radius von drei Zentimetern. Immerhin ist eine neue Seitenbürste mit einem Preis von fünf Euro recht erschwinglich. Dank einer Magnetbefestigung gelingt der Tausch im Test außerdem schnell und einfach.

Vorwerk Kobold VR200
Harter Test-Parcour: Auf dem Betonboden des Coworking Spaces verschleißen die Bürsten des Saugroboters schnell. Image by Mika Baumeister

Test-Fazit: Der Vorwerk Kobold VR200 reinigt gut, aber zu selten verlässlich

Der Staubsaugerroboter Vorwerk Kobold VR200 macht grundsätzlich einen guten Job. Meist reinigt er einen großen Bereich des Coworking Spaces nach nur einer Nacht. Spätestens nach zwei oder drei Tagen ist jede Ecke der Fläche gesaugt. Die Saugleistung ist hoch und gründlich. In einem Monat der täglichen Benutzung hat der Kobold VR200 den einen oder anderen normalen Staubsaugerbeutel gefüllt und viel Arbeit abgenommen. Doch wer mit 750 Euro in Vorleistung geht, wünscht sich nicht nur eine gute, sondern auch eine reibungslose Reinigung. Häufige Push-Nachrichten, die mitten in der Nacht über folgenschwere Kollisionen berichten, stehen diesem Wunsch entgegen.

Zugegebenermaßen war der Saugroboter mit einem harten Test-Parcours konfrontiert. Generell ist ein Coworking Space eine sehr anspruchsvolle Reinigungsumgebung, die beim technischen Stand von heute zum Teil schlichtweg zu kompliziert ist. Da das Vorwerk-Modell zu den leistungsstärksten Geräten auf dem Markt zählt, gehen wir davon aus, dass die Konkurrenz nicht nennenswert besser abschneiden würde.

Für eine fehlerfreie Reinigung von so großen Flächen müssen wir wohl warten, bis sich künstliche Intelligenz ihren Weg gebahnt hat. Erst wenn Messdaten nicht mehr streng nach programmierten Regeln, sondern auf intelligente Weise ausgewertet werden, können die Reinigungshilfen optimale Routen auszuwählen und Hindernisse souverän umgehen.

Saugroboter bei Amazon (Provisionslink)


Images by Mika Baumeister

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Neue Provinz: Notizen vom Berlin Coworking Festival

Tobias Kremkau

Warum Neue Provinz? Die erste Ausgabe der neuen Kolumne erklärt die Titelwahl.


Berlin, Rosenthaler Platz. Wo Döblins Roman „Berlin Alexanderplatz“ (Provisions Link) begann und das urbane Leben der Spreemetropole ein literarisches Denkmal bekam, drehte sich an einem Montagabend im September alles um Brandenburg. Genau genommen um Coworking Spaces in Brandenburg. Diesem eintönigen Stück von der Welt, welches sich wie eine Halsmanschette um Berlin legt und das Treiben der Großstadt festhält, vielleicht sogar auch Einhalt gebietet.

Brandenburg. Wald, Felder und die A9. Hier hat sich, im Windschatten von WeWork, Mindspace und dem betahaus, eine vitale Coworking-Szene entwickelt, die anlässlich des diesjährigen Berlin Coworking Festival nach Berlin-Mitte kam, um sich dem interessierten Publikum zu zeigen und zu erklären. Wieso in Brandenburg? Sind denn wirklich schon alle alten Fabrikgebäude unserer Hauptstadt umgenutzt, dass man wirklich aufs Land muss?

Coworking Spaces in Brandenburg

Die Gründe dafür sind verschieden. Während es für den Potsdamer Gründer Matthias Noack keine wirkliche Alternative gab, als in seiner Heimatstadt etwas wie das Coworking Space MietWerk aufzubauen, verschlug es Janosch Dietrich mit seiner Familie nach Klein Glien. Im dritten Anlauf hatten sie endlich einen Ort für ihre Idee von Urlaub und Arbeiten in der Natur gefunden. „Community and concentrated work in nature“ ist ihr Motto, kurz Coconat.

Als verrückte Pioniere könnte man beide abtun. Doch der Wahnsinn hat System, ist vielleicht sogar genial. Man kann heutzutage arbeiten wo man möchte, erklärt Janosch. Sein Coworking Space ist deshalb für die Menschen in Brandenburg und für die, die einmal dort hinwollen. Noacks zwei Coworking Spaces sind für Potsdamer*innen, die nicht isoliert von Zuhause arbeiten wollen. Stadtflucht und der Drang nach Gemeinschaft, zwei starke Motivationen.

Während vereinzelt Menschen wieder auf dem Land leben wollen, durch die Digitalisierung und der neuen Arbeitswelt ihre Berufe oft mitbringen, verlassen andere weiterhin den ländlichen Raum, wie Unternehmen und Banken. Zur letztgenannten Gruppe zählt die Sparda-Bank Berlin nicht, wie Antonia Polkehn erklärt. Ihr Arbeitgeber startet Anfang Oktober in Frankfurt (Oder) ein neues Filialkonzept – und das in einem Coworking Space.

In Berlin St. Oberholz diskutieren Janosch Dietrich, Matthias Noack, Antonia Polkehn und Torsten Kohn über Coworking in Brandenburg

Das BLOK O ist eine Kooperation der Sparda-Bank Berlin eG und des St. Oberholz. Der erste Coworking Space an der Oder und ein Zeichen, dass Unternehmen sich auch bewusst für strukturschwache Regionen entscheiden können, wenn sie etwas bewirken wollen. Torsten Kohn von der Wirtschaftsfördergesellschaft des Landkreises Märkisch-Oderland hofft auf Nachahmer, die dann in sein Coworking Space in die Alte Schule nach Letschin kommen.

Leben und arbeiten im ländlichen Raum

Wie wir arbeiten, sagt viel darüber aus, wie wir leben. Die Neue Provinz, sei es in Brandenburg, der Altmark oder in der Eifel, ist mehr als nur Coworking Spaces. Dies wurde bei der letzten Session des Berlin Coworking Festival, an einem Freitagnachmittag und wieder im St. Oberholz, von den geladenen Podiumsgästen sehr deutlich gemacht. Coworking ist ein Trend-Thema, der Kommunalpolitiker*innen wuschig macht, es braucht aber mehr (dafür).

Vor allem schnelles Internet, wie Ulrich Bähr aus der Praxis zu berichten weiß. Die letzten Monate tourte er mit dem aus zwei Containern auf Rädern bestehenden CoWorkLand durch Schleswig-Holstein (die Netzpiloten berichteten). Zugang zu schnellem Internet ist für die Menschen eine Grundlage, um zu arbeiten. Und um zu leben, verdeutlichte Silvia Hennig , die Gründerin von Neuland 21, ergänzend. Landleben braucht den (digitalen) Anschluss.

Anschluss auch an die Wissensquellen, die die Stadt mit ihren Institutionen und Communities immer noch darstellt. Fehlt dieser, sei es digital oder auch analog in Form einer Zuganbindung, wird es schwer, die Menschen vom Leben und Arbeiten auf dem Land zu überzeugen, schilderte Philipp Hentschel. Der Coworking-erfahrene Gründer und Blogger stellt Kreativorte in Brandenburg vor und kennt die Nöte von Initiativen auf dem Land selbst.

Netzpiloten-Kolumnist Tobias Kremkau moderiert die Diskussion zu Coworking im ländlichen Raum.

Schlechte Internetleitungen und Ärger mit dem Nahverkehr? Gemeint ist zwar Brandenburg, klingt aber auch verdächtig nach Berlin. Vielleicht gibt es in Wirklichkeit gar keine Lücke zwischen Stadt und Land, wie Mareike Meyn von der Andreas Hermes Akademie vermutet, sondern nur unterschiedliche Begriffe für die gleichen Probleme – egal wo in Deutschland. Und für die gleichen Lösungen, denn Coworking sagt man in der Stadt wie auf dem Land. ;-)


Images by Tobias Kremkau

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Robin Hood aus Neukölln: Podliving statt teurer Mieten

Wer im Jahr 2018 in einer Großstadt lebt und jünger als 35 Jahre ist, wird folgendes Nutzungsverhalten sehr bekannt vorkommen: er oder sie streamt Musik, bewegt sich mit Carsharing von A nach B, arbeitet in einem Coworking Space statt dem eigenen Büro und trägt Mode über deren Produktionsbedingungen man sich vorab informiert hat, vermutlich bei Blogger*innen des Vertrauens. Und vermutlich zahlt sie oder er hohe Mieten.

Wir haben in den letzten Jahren gleich mehrere Paradigmenwechsel, im Vergleich zur Generation unserer Eltern, erlebt. Teilen wird dem Haben vorgezogen, es geht im Grunde um Zugang statt Besitz, wir ziehen die Nachhaltigkeit der Skalierbarkeit vor, setzen auf Vertrauen statt Kontrolle, Kreativität statt Effizienz und wollen nicht nur unserer Arbeit nachgehen, sondern uns dabei entwickeln, also was man heute unter Neue Arbeit versteht.

„Das Wohnen hat sich überhaupt nicht verändert“, erwidert Dennis Prinz das unkritische Lob des bereits geschehenen Wandels. „Es sind irgendwann zwar Wohngemeinschaften dazugekommen, aber im Wesentlichen hängt der Immobilienmarkt total der Realität der Menschen hinterher. Deshalb muss man die Realität auch mit neuen innovativen Lösungen beantworten. Das bedeutet in diesem Fall, das Leben eher in Modulen denken.“

Dennis Prinz ist in der Berliner Coworking-Szene kein Unbekannter. 2016 startete der studierte Schauspieler das Neuköllner Coworking Spaces „Enklave“, das heutzutage eine Community mit über 200 Mitgliedern hat. Nach einer Trennung und dem Verlust der gemeinsamen Wohnung erlebte Prinz den Mietenwahnsinn am eigenen Leib. In nur fünf Jahren hatten sich die Mieten in Berlin verdoppelt – ein Zustand, der ihn umdenken ließ.

Der weltweit erste Podliving Space

Nicht alle brauchen ein Esszimmer und nicht alle wollen den ganzen Tag allein in ihren Zimmern abhängen, erklärt Prinz. Mithilfe von Mitgliedern aus seinem eigenen Coworking Space hat er diese innovative Lösung erarbeitet, die den Immobilienmarkt verändern soll. „robinhood.berlin“ ist sein neues Startup, welches auf der Mission gegen steigende Mieten und die Komplexität des Wohnens ist. Wie passend für das Berlin im Jahr 2018!

Die Idee hinter robinhood.berlin ist einfach und doch scheint es so, dass es den Coworking-erfahrenen Blick von Dennis Prinz gebraucht hat, um darauf zu kommen. Im ersten Schritt werden in leerstehenden Gewerbeflächen weitläufige Gemeinschaftsflächen mit Bädern, Wellnessbereichen, Küchen und Gärten errichtet. Anschließend beginnt der Aufbau von Pods, die das Startup für perfekten Schlaf und 100 Prozent Privatsphäre selbst entwickelt hat.

Die Pods sind abschließbare Boxen, die ausreichend Raum für Privatsphäre und vor allem Platz zum Schlafen bieten. Im Gegensatz zu dem schon bekannten Konzept des US-amerikanischen Coworking-Startups PodShare, das Wohnen in der Maximaltransparenz anbietet, sind die Pods von robinhood.berlin auch ein Rückzugsraum. Podliving basiert auf einer zusammenwohnenden Community, in der man als Individuum auch für sich sein kann.

Dank der innovativen Raumnutzung möchte robinhood.berlin Wohnraum günstiger als ein WG-Zimmer anbieten und die Mieten senken. Bereits mehr als 1.000 Menschen haben sich angemeldet. „Wir werden noch in diesem Jahr den weltweit ersten Podliving Space eröffnen“, kündigt Prinz an. Im September werden die Prototypen der Pods vorgestellt und die Community kann sich dann für eines von drei Modellen entscheiden.

Wohnen ist ein Menschenrecht

Was Dennis Prinz hier von Berlin aus zu starten gedenkt, hat das Potential die Welt zu bereichern. Ähnlich wie im Sommer 2005 aus der Idee in einem Café wie dem St. Oberholz zu arbeiten, eine weltweite Coworking-Bewegung entstand, könnte robinhood.berlin das bezahlbare Wohnen weltweit umdenken. Die langfristige Vision des Neuköllner Startup ist es, eine globale Gemeinschaft mit Podliving-Standorten in aller Welt zu schaffen.

Nur noch in Stockfotos gibt es die Phantasie von bezahlbarem Wohnraum. Image by baranq via stock.adobe.com

Das Recht auf Wohnen ist ein international verbrieftes Menschenrecht und als Teil des Rechts auf einen angemessen Lebensstandard fest verankert in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948. Doch die in Berlin bekannten Probleme sind weltweit anzutreffen, denn die Ursachen sind global. „Die Welt ist mobiler geworden, aber die lokalen Immobilienmärkte sind es nicht“, sagt Prinz. Und hier setzt robinhood.berlin an.

„Menschen ziehen, ihrer Arbeit ortsunabhängig nachgehend, temporär an einen anderen Ort. Dies erzeugt einen Druck, der sich auf den klassischen Immobilienmarkt verteilt und zu höheren Mieten führt.“ Prinz glaubt, dass seine modulare Lösung diesen Druck auffangen kann und so ermöglichen, dass Wohnen auch langfristig bezahlbar bleibt. Wie Coworking die Arbeitswelt verändert hat, möchte er mit Podliving das Wohnen revolutionieren.

Start im September

Mit den ersten Interessierten der Warteliste hat Prinz sich schon getroffen. Diese Menschen sind meist jünger als 30 Jahre, sind mit der Sharing Economy groß geworden und suchen eine Mischung aus Flexibilität und Gemeinschaft. Der Kontakt zu der Community ist wichtig, denn ihre Bedürfnisse prägen die weitere Entwicklung des Podliving-Startups. Schon jetzt wird auch über Safe Spaces für Frauen nachgedacht, andere Themen werden diskutiert.

„Robin Hood wird von allen gemeinsam gebaut und entwickelt“, verdeutlicht Prinz die Rolle der Community. Seine Erfahrung als Gründer eines Coworking Spaces kommt ihm hier zugute. Podliving unterscheidet sich deshalb zu Coliving-Konzepten vor allem im wesentlich stärkeren Community-Ansatz. „Multinationale Coliving-Konzepte werden zu sehr aus der Perspektive eines Immobilienkonzerns gedacht“, kritisiert Dennis Prinz vollkommen zurecht.

„Es geht bei robinhood.berlin darum, dass Kosten für das Wohnen nicht mehr das Zentrum deines Lebens sind, sondern dass du Zeit und Mittel für die wirklich wichtigen Dinge im Leben hast.“ Im September geht es los, dann werden die Pods vorgestellt und bald auch der erste Standort in Berlin bekannt gegeben. Das Startup hat eine politische Mission und es wird spannend zu sehen sein, inwiefern Dennis Prinz mit Podliving die Welt verändern kann.


Image by Dennis Prinz

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Neue Provinz: Das Mysterium Landleben

Tobias Kremkau

Warum Neue Provinz? Die erste Ausgabe der neuen Kolumne erklärt die Titelwahl.


Laut dem Berliner Geburtsort-Atlas des rbb sind 1.736.514 Berliner*innen auch in Berlin geboren. Das macht 46,8 Prozent an der Gesamtbevölkerung aus. Diese Menschen sind in Berlin aufgewachsen, der größten Stadt Deutschlands und wohl einziger Inbegriff einer urbanen Metropole in diesem Staate. Eine von ihnen ist Katja Dittrich, besser bekannt als die „Torten der Wahrheit“-Grafikerin der „Die Zeit“ namens Katja Berlin, die auch wöchentlich für die Hauptstadtzeitung „Berliner Zeitung“ über ihre eigene Heimatstadt, dieses Berlin, schreibt.

Letzten Monat schrieb sie einen Appell für das Bleiben statt den obligatorischen Umzug aufs Dorf und wie man doch auch Landleben in Berlin erleben kann. Ob dies die bessere Antwort auf Charlotte Roches Großstadtflucht-Text vom Frühjahr diesen Jahres ist oder eine amüsant zu lesende Auseinandersetzung mit den durchaus ernsthaften Problemen des Alltags in Berlin, sei erst einmal dahingestellt. Trotzdem zeigt ihre Kolumne ein paar anekdotenhafte Kategorien auf, in denen das Landleben aus Sicht der Städter*innen definiert wird.

Kein Internet, Ärztemangel und nur Bargeld

Auf dem Land gibt es kein Internet, oder so schlecht wie in der Berliner U-Bahn. Aus eigenen Erfahrungen kann ich dieses Vorurteil bestätigen, muss es aber auch der Stadt zuschreiben. Das Problem ist hier eine bundesweit mangelnde Infrastruktur als Ausdruck eines Politikversagens. Da unterscheidet sich Hohenwulsch leider nicht von Friedrichshain. Scheinbar setzte Helmut Kohl aus politischen Gründen auf Kabelfernsehen statt Glasfaser, was rückblickend so höhnisch wie Marie-Antoinettes Kuchen-statt-Brot-Empfehlung wirkt.

Katja Berlins nächster Punkte ist die Schwierigkeit, einen Arzttermin zu bekommen. Dies ist in Berlin genauso schwer wie in München oder auf dem Land. Mein Eindruck mag mich täuschen, aber über die Vorteile von Telemedizin auf dem Land, dies erforschende Projekte und erste Ansätze, lese ich viel mehr als über Innovationen auf diesem Gebiet in der Stadt. Erfolge braucht es schnell, denn bundesweit findet ein gefährlicher Strukturabbau statt, bspw. in Hersbruck oder in Genthin, der die medizinische Grundversorgung gefährdet.

Der letzte Punkt stellt die sowohl auf dem Land als auch in der Stadt geltende Vorliebe der Deutschen für Bargeld statt bargeldlosen Bezahlens. Mein „Lieblingsthema“ hier in Berlin, aber auch anderswo. Als ich einmal in Magdeburg bargeldlos in ein Taxi stieg und fragte, ob ich auch mit Karte bezahlen kann, erntete ich einen ungläubigen Gesichtsausdruck und die Frage, warum man denn das machen wolle? Es ging selbstverständlich nicht, aber es gab bei diesem Taxi-Fahrer nicht einmal den Hauch des Verständnisses dafür. Ich war baff.

olly/stock.adobe.com
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Heimat 2.0 ist immer irgendwie woanders

Unter diesen Gesichtspunkten hat Katja Berlin natürlich Recht, wenn sie schreibt, dass man in Berlin lebend die gleichen Erfahrungen wie auf dem Land machen kann. Es gibt noch mehr Anekdoten, auch Sie werden eine haben, die die Nachteile des Lebens im ländlichen Raum oder eben in Berlin aufzeigen. Jedoch darf man eines dabei nicht vergessen. Das Problem sind hier nicht die Bedingungen auf dem Land oder in der Stadt oder der Graben dazwischen, sondern es ist Deutschland. Anderswo wäre Katja Berlins Text nichts als Retro-Fiktion.

Dank der Initiative hinter dem Coworking Space Ludgate Hub gibt es im westirischen Skibbereen Irlands erste ländliche 1-Gig-Gesellschaft. Das ist eine 200-mal schnellere Internetverbindung als sich die deutsche Bundesregierung für dieses Jahr als Ziel für alle deutschen Haushalte vorgenommen hat und wohl auch bis 2025 nicht erreichen wird. Wie Telemedizin im ländlichen Raum geht, zeigt das Duncan Regional Hospital im dünn besiedelten Oklahoma (Bevölkerungsdichte: 25 Menschen pro Quadratkilometer).

Zu den Vor- und auch Nachteilen des bargeldlosen Bezahlens in Schweden kann man momentan viel nachlesen, von mir deshalb nur die Anekdote eines Bekannten, der an dem Limonaden-Stand zweier Kinder in einem schwedischen Dorf nur mit Smartphone für das selbstgemachte Erfrischungsgetränk bezahlen konnte. Die Kinder lehnten Bargeld ab, sie konnten sich das aufgrund der vorhandenen Infrastruktur und des gängigen Bezahlens mit Smartphone erlauben. Vielleicht wussten sie es auch nicht besser. Anders als in Deutschland.


Image by Olly / Stock.adobe.com

 

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Neue Provinz: Forschungsprojekt CoWorkLand

Tobias Kremkau

Warum Neue Provinz? Die erste Ausgabe der neuen Kolumne erklärt die Titelwahl.


Ich glaube fest daran, dass Coworking Spaces auch auf dem Land funktionieren können. Genau genommen weiß ich es sogar, denn ich habe solche Coworking Spaces schon besucht und inzwischen von noch mehr gehört und gelesen. Vor fast drei Jahren besuchte ich auf einer Reise durch Frankreich die ersten Coworking Spaces im ländlichen Raum. Schon damals berichtete ich über diese Beobachtung auf Netzpiloten, genau wie in der ersten Ausgabe dieser Kolumne über die Entwicklung des ländlichen Raumes hin zu einer Neuen Provinz.

Inzwischen sind auch in Deutschland Coworking Spaces im ländlichen Raum entstanden. Das wohl berühmteste ist vermutlich das „Coconat“ bei Bad Belzig. Doch inzwischen gibt es allein in Brandenburg mit dem „Alte Schule“ in Letschin, dem „Havelprater“ in Briest und „Dein Arbeitszimmer“ in Finsterwalde weitere besuchenswerte Beispiele. Diese Entwicklung ist bundesweit zu beobachten: vom „Alter Heuboden“ in Felde im hohen Norden bis hin zum „Denkerhaus“ am Ammersee in Bayern gibt es schon Coworking Spaces auf dem Land.

Das Geschäftsmodell eines Coworking Spaces halte ich aber, mit der Erfahrung aus dem St. Oberholz, nur für sehr schwer auf dem Land umzusetzen. Die oben genannten Beispiele sind entweder mit einem städtischen Coworking Space und damit einer Community verbunden, an ein anderes Geschäftsmodell angeschlossen, wie zum Beispiel einer Agentur, oder solidarisch als Genossenschaft organisiert, oder durch staatliche Fördergelder unterstützt. Coworking klappt auf dem Land, aber kann das auch ein Coworking Space?

HBS-Forschungsprojekt in Schleswig-Holstein: CoWorkLand

Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein
Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein

Die Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein hat dazu mit „CoWorkLand“ ein sehr spannendes Forschungsprojekt initiiert, das letzte Woche in Gettorf, einer Gemeinde mit rund 6.700 Menschen zwischen Kiel und Eckernförde, startete. Vom 18. Mai bis zum 10. Juni wird die Böll-Stiftung den mobilen CoWorkLand-Space hier aufstellen. Dieser aus detailliert umgebauten Container bestehende Space bietet im Inneren Platz für 6-8 Arbeitsplätze und noch einmal 4 Arbeitsplätze auf der Terrasse. Danach zieht der CoWorkLand-Space weiter.

Bis zum 2. November wird der CoWorkLand-Space an 8 weiteren Standorten zum Einsatz gekommen sein und das Coworking-Konzept an wechselnden Umgebungen getestet haben. Dadurch werden Menschen, nach dem Pendlerhafen Gettorf, auch am Becken des Kreishafen Rendsburg, am Strand Grönwohld, am Strand Brasilien und dem Kieler Waterkant-Festival arbeiten, sowie auch landeinwärts an abgelegeneren Orten wie Schloss Bredeneek, dem Resthof Papenwohld, dem Gut Panker und dem Resthof Großharrie.

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Der Prototyp des CoWorkLand auf dem Waterkant 2017

Dadurch wird Coworking mit verschiedenen Thematiken wie Mobilität, Tourismus und Dritten Orten in einen Zusammenhang gebracht, der weit über die Klischees von im Berliner St. Oberholz am Rosenthaler Platz Kaffee trinkenden Startups hinausgeht. Es zeigt, dass ortsunabhängiges und selbstbestimmtes Arbeiten in Gemeinschaft ein stillbares Bedürfnis ist, das Menschen sowohl in der Stadt als auch auf dem Land teilen. Wie dies wirtschaftlich möglich ist und ob, wird uns das CoWorkLand-Projekt in den nächsten Monaten zeigen.

Wie kann Coworking auf dem Land klappen?

Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein
Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein

Das Forschungsprojekt „CoWorkLand“ der Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein kommt zu einer Zeit, in der das Thema Coworking, vor dem Kontext der Entwicklung des ländlichen Raumes, immer öfters diskutiert wird. Beinahe jeden Monat gibt es eine Konferenz oder Tagung dazu in Deutschland. Neben den bereits existierenden Coworking Spaces ist das Projekt hierzulande der erste von der Forschung begleitete Versuch, zu ergründen, wie Coworking Spaces auf dem Land funktionieren könnten. Und vor allem für wen.

Am 15. Juni wird es im Rahmen eines lokalen Startup-Festivals ein Rural Coworking Barcamp am Ammersee geben, zu dem u.a. praxiserfahrene Expert*innen wie Matthias Zeitler vom bulgarischen „Coworking Bansko“, Annika Sass vom „schreibtisch in prüm“ in der Eifel und Doris Schuppe vom „Rayaworx“ auf Mallorca zu Gast sein werden. Dies ist eine sehr gute Gelegenheit, sich dieses bisher kaum erforschte Thema im persönlichen Gespräch mit den Coworking-Pionieren in ländlichen Räumen einmal zu nähern.

Momentan ist viel in Bewegung. Die Politik fragt sich, wie können Orte im Rahmen der nationalen Entwicklungspolitik gefördert werden, Kommunen suchen neue Lösungen für leerstehende Gebäude und gegen die Landflucht der Jugend, während Unternehmen sich durch den Wandel der Arbeitswelt mit neuen Organisationsformen und Incentives für begehrte Talente auseinandersetzen. Zeitgleich passiert schon viel auf dem Land. Manchmal muss man sich nur aus der Stadt auf den Weg machen, beispielsweise in die Altmark.

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Neue Provinz: Coworking in der Peripherie

Tobias Kremkau

Vor über zwei Jahren trat ich die Stelle als Coworking Manager des St. Oberholz in Berlin an. An diesem urbanen Hotspot hat man viel mit der Zukunft der Arbeit zu tun. Dies liegt wahrscheinlich zum einen in der Natur eines Coworking Space, aber unsere Nachbarn rund um den Rosenthaler Platz sind unter anderem das Jobsharing-Startup Tandemploy, das Stahlindustrie-Startup kloeckner.i und die TA Zukunftsfabrik des Dokumentenmanagement-Experten TA Triumph-Adler. Ich befinde mich also in sehr guter Gesellschaft, wenn es um Fragen der Zukunft der Arbeit geht.

Doch ein Teilaspekt der Zukunft der Arbeit ist seitdem sehr präsent in meinem Arbeitsalltag und dieser mag auf den ersten Blick so gar nicht zur Torstraße passen: der ländliche Raum. Dass das Thema in den letzten Monaten auch verstärkt in den Feuilletons dieses Landes diskutiert wurde, überraschte mich kaum. Durch das Thema Coworking merke ich bereits seit 2015, dass dieses Thema bewegt. Dieser Entwicklung, die älter und weitreichender ist, möchte ich mit dieser neuen Netzpiloten-Kolumne Rechnung tragen und mich mehr mit dem ländlichen Raum beschäftigen.

Mit der Begrifflichkeit der Neuen Provinz versuche ich die Bedeutung dieser Veränderungen, die wir im ländlichen Raum heutzutage sehen können, zu würdigen und sie in eine Reihe mit den Ideen der Neuen Arbeit und der Neuen Räume zu stellen. Provinz galt bisher als ein doch sehr abwertender Begriff für eine Gegend, die im Vergleich zur Großstadt wenig zu bieten hat. Genau dies scheint mit in der Neuen Provinz, durch Digitalisierung und einen Sinneswandel bei den lokalen Akteuren, inzwischen überwunden zu sein bzw. überwunden werden zu können.


Das Thema Coworking lenkte meinen Blick auf den ländlichen Raum, es soll deshalb auch den Auftakt für diese Kolumne darstellen. Im Sommer 2015 reiste ich mit meiner Frau für zwei Monate durch Europa, wir besuchten Coworking Spaces zwischen Barcelona und Stockholm. Die Coworking-Szenen anderer Länder sind mit der in Deutschland kaum zu vergleichen. In schwachen oder stagnierenden Wirtschaften blüht Coworking auf. In Frankreich stießen wir dann auch auf Coworking Spaces im ländlichen Raum, meist Ableger von Spaces aus der Stadt.

Das Pariser Coworking Space La Mutinerie eröffnete 2015 im beschaulichen Saint-Victor-de-Buthon, rund zwei Stunden vor Paris, einen weiteren Standort. Hier wird Coworking mit Coliving verbunden. Eine Folge war, dass sechs Coworking-Mitglieder aus Paris aufs Land zogen, wie mir Mitgründer Eric Van den Broek erklärte. Für diese Menschen war der Zugang zu einer Gruppe gleichgesinnter Menschen entscheidend. Erst als dies durch das Coworking Space gegeben war, zogen sie aufs Land, wo man preiswerter mit seiner Familie leben kann.

Das Lyoner Coworking Space La Cordée ist stets mit den Wünschen seiner Community gewachsen. Als die Member ein Space in Paris wollten, da sie dort öfters geschäftlich zu tun hatten, kamen die beiden Gründer Julie Pouliquen und Michael Schwartz diesem Wunsch nach und eröffneten einen Ableger in Nähe des Gare du Lyon. Inzwischen gibt es La Cordée Coworking Spaces in ganz Frankreich und so auch in dem französischen Alpendorf Morez. Dieses hatte sich um La Cordée bemüht, das wiederum einen Ort in den Alpen für die eigene Community suchte.

Und wie steht es um Deutschland?

Das La Mutinerie Village und das La Cordée Morez sind nur zwei Beispiele aus Frankreich, die hervorragend aufzeigen, worauf es ankommt – Anschluss an eine urbane Community – und welche Effekte ein Coworking Space auf dem Land haben kann – Zuzug von ortsunabhängig arbeitenden Menschen. In Deutschland gibt es inzwischen auch Beispiele wie die aus Frankreich, wenn auch weniger und vergleichsweise noch nicht so weit entwickelt. Und mit einem Unterschied: hierzulande ist das Mittelzentrum der bessere Standort als das Dorf selbst.

Das Coworking 0711 aus Stuttgart hat im vergangenen Jahr, rund 30 km südwestlich der Landeshauptstadt im beschaulichen Herrenberg, einen Coworking Space für pendelnde Coworker aus der Region eröffnet. Auf Initiative der lokalen Politik gibt es ähnliche Projekte unter anderem in Prüm in der Eifel und im brandenburgischen Finsterwalde. Sie alle haben die Menschen vor Ort im Fokus, die für ihre Arbeit in die nächstgelegene Großstadt pendeln (was schlecht für die Umwelt und die eigene Gesundheit ist), obwohl ihre Arbeit teilweise auch ortsunabhängig möglich wäre.

Deshalb ist ein guter Verkehrsanschluss an eine Großstadt, sowohl mit dem Zug als auch mit dem Auto, ein entscheidender Faktor. Ein Coworking Space sollte nicht auf einem Dorf sein, dort wird es sehr wahrscheinlich auch nicht funktionieren, sondern in einem Mittelzentrum liegen und von da in den ländlichen Raum wirken. Doch noch ist Coworking Space ein schwieriges Geschäftsmodell in Deutschland, weshalb es neue Akteure braucht, die Coworking in die Peripherie tragen und dort betreiben. Ein Akteur könnten beispielsweise Banken sein.

Next: Coworking in Frankfurt (Oder)

In den vergangenen Monaten habe ich in beratender Tätigkeit für die Sparda-Bank Berlin eG an einem Projekt mitgearbeitet, das zum Ziel hat, noch diesen Sommer das erste Coworking Space in Frankfurt (Oder) zu eröffnen. Unter dem Namen Blok O entsteht im ehemaligen Kinderkaufhaus auf der Magistrale ein Ort, der Coworking Space und Bankfiliale zukünftig miteinander verbinden soll (Blok O geht auf die Bezeichnung des Objekts in den historischen Bauplänen der Magistrale zurück). Dies wird die Stadt und auch diesen Teil von Brandenburg beeinflussen.

Drei Punkte sind an Blok O besonders spannend: Erstens, eine Bank gründet ein Coworking Space, in dem es zugleich ein Member wie alle anderen sein wird und nicht der Vermieter. Zweitens, eine multikulturelle Stadt wie Frankfurt (Oder) bekommt mit dem Coworking Space einen mehrsprachigen Ort des Miteinanders, den viele Einwohner*innen eher dem polnischen Słubice zugetraut hätten als der linken Oderseite. Und Drittens, in einer Pendler*innenstadt wie Frankfurt (Oder) gibt es nun einen Ort für kollaboratives und ortsunabhängiges Arbeiten.

Coworking BLOKO Ansgar Oberholz und Martin Laubisch
Coworking-Pionier Ansgar Oberholz und Sparda-Bank Berlin-Vorstand Martin Laubisch präsentieren Blok O in Frankfurt (Oder). Bild: Sparda-Bank Berlin eG

Ich bin gespannt zu sehen, wie genossenschaftliches Coworking in der Neuen Provinz, zu der damit Frankfurt (Oder) samt Umland gezählt werden kann, funktionieren und vor allem wirken kann. Das St. Oberholz wird ein Mitbetreiber des Blok O werden, ich werde also auch viel vor Ort sein können. Das Projekt könnte der konzeptionelle Beweis werden, wie und vor allem von wem Coworking betrieben werden muss, damit diese Idee der Organisation von Arbeit bisher strukturschwachen Gegenden Anschluss an die Zukunft der Arbeit geben kann.

#Landrebellen auf der Grünen Woche

Diese Woche fand auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin das Zukunftsforum Ländliche Entwicklung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft statt. Auf dem Panel „Die neuen Landrebellen: Nach der digitalen Revolution ist vor dem Kulturwandel“ diskutierte ich mit anderen Akteuren die Möglichkeiten der Digitalisierung für den ländlichen Raum. Besonders interessant waren aber die Menschen, die mir nach der Veranstaltung von ihren Plänen und Überlegungen zu Coworking im ländlichen Raum erzählten. 2018 wird ein spannendes Jahr.

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Check-up Ireland: Ein Nachtrag & ein Vortrag

Coworking (adapted) (Image by rawpixel.com [CC0 Public Domain] via Unsplash)

Seit 1997 lebe ich nun schon in der irischen Hauptstadt Dublin. Mein erster Job bei AOL hatte auch ein wenig mit Tech zu tun – wenn man die berüchtigten Freistunden-CDs als “Tech” ansieht oder das Verbinden an die technische Hotline durchgehen lässt. Im November letzten Jahres hatte ich damit begonnen, die “Tech-Insel” ein Jahr lang aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Das Jahr ist nun rum. Und wie sagt man hier so schön? „It’s been a blast!“

Nachtrag in Sachen „Athenry & Apple“ und einen Kollegen

Zuerst zum Nachtrag. In meiner letzten Kolumne hatte ich von den Problemen berichtet, die Apple mit der Baugenehmigung für ein 850 Millionen Euro teures Datenzentrum in Athenry hat. Es gab drei Widersprüche gegen das Projekt – zwei von Einwohnern aus Athenry, die sich Sorgen um die Umwelt machen, sowie einen eines Projektentwicklers für Datenzentren aus Dublin, der sich offensichtlich Sorgen um seine Brieftasche macht. Zum Glück hat sich der Mann nicht getraut, seinen abgeschmetterten Widerspruch erneut beim High Court vorzubringen. Die beiden Einwohner aus Athenry nahmen allerdings ihr Recht in Anspruch, beim zweithöchsten Gericht Widerspruch gegen das Abschmettern ihrer Bedenken einzulegen.

Mehrere Dutzend Bürger aus Athenry versammelten sich am vergangenen Mittwoch im High Court – während Hunderte mehr daheim am Handy auf Nachrichten aus Dublin warteten – und lauschten wie ihre zwei Nachbarn gebannt den Ausführungen des Richters. Justice Paul McDermott lies zur Freude der Befürworter des Projekts den erneuten Widerspruch mit der Begründung nicht zu, dass die Antragssteller keinen Punkt in der Rechtssprechung genannt hätten, der neue Aspekte öffentlichen Interesses hervorbringen könnte.

Theoretisch können die beiden Einwohner nun zwar Einspruch beim höchsten Gericht des Landes, dem Supreme Court, einlegen – dort gilt aber noch mehr, dass ein Einspruch nur dann Aussicht auf Erfolg hat, wenn es im öffentlichen Interesse ist. Der Jubel war natürlich laut in Athenry, aber was immer noch Sorgen bereiten sollte, ist der Fakt, dass Apple sich immer noch nicht geäußert hat. Der irische Ministerpräsident Leo Varadkar, der jetzt auf seiner USA-Reise auch bei Apple vorbeischauen wird, um mit Tim Cook zu reden, wird da nachhaken müssen.

Als unser Editor at Large vor gut einem Jahr das Vorhaben einer regulären Kolumne an mich herantrug, geschah das im Hinblick auf die Coworking Europe Konferenz  – auf die ich quasi ein Jahr lang hinschreiben sollte. Nun ist es soweit. Tobias ist in Dublin. Hoffentlich nicht, um mir persönlich eine Kündigung zu überreichen, aber mit Sicherheit, um den Vortrag zu halten, den ich in der Überschrift erwähnt habe.

Ich bin zwar nicht sehr mit der Coworking-Materie vertraut, aber ein Coworking Space, an dem ich, nein, niemand in Dublin vorbeikommt, ist zweifelsohne Dogpatch Labs im Herzen nicht nur der Hauptstadt, sondern vor allem auch der Silicon Docks. Der Name stammt von der Nachbarschaft in San Francisco, in der ein Investment Fond beheimatet ist, der vor Jahren einen eigenen Coworking Space in Dublin betrieben hat, dann aber feststellte, dass so ein eigenständiger Geschäftszweig nicht mal eben auf halber Flamme neben dem Hauptgeschäft betrieben werden kann. Man wollte den Coworking Space schon aufgeben, doch zum Glück ist Dublin nicht nur Hauptstadt, sondern in vielen Belangen auch ein Dorf. Man kennt sich halt. Patrick Walsh, mit Mervyn Greene Gründer von Dogpatch Labs, hörte von den Plänen und man übernahm den Coworking Space.

Die Heimat von Dogpatch Labs, das historische chq wurde 1820 gebaut und war einst ein Lagerhaus für Tabak, Wein und Whiskey. Das letzgenannte leckere Zeug wurde im Keller, den sogenannten Vaults, bei entsprechender Temperatur gelagert. Heute werden die Vaults von Dogpatch Labs genutzt und beherbergen Büros, Meeting-Räume, sowie einen Event Space für 100 Leute. Die Vaults waren Phase 2 des imposanten Coworking Spaces. Phase 1 war das Erdgeschoss und zuletzt wurde Phase 3, das geräumige Mezzanine, eröffnet.

Hier finden sich Hot Desks, ein Communal Garden, aber auch die neuen Büros von Pivotal, einer typischen Dogpatch Labs-Erfolgsgeschichte: Als das Unternehmen nach einem geeigneten Standort in Dublin für das Starter-Team von vier Developern suchte, wurde man bei Dogpatch Labs im Erdgeschoss fündig. Schnelles Wachstum brachte Bedarf nach mehr Raum mit sich, womit man aber bei den Machern von Dogpatch Labs offene Türen einrannte. Pivotal wollte nicht weg, Dogpatch wollte Pivotal behalten und der Ausbau ward beschlossen.

Das Credo von Dogpatch Labs lautet, dass man ein Coworking Space sein will, der nur solche Tech-Unternehmen unterstützt, die von Developern vorwärtsgetrieben werden. 77 Startups und über 300 Mitglieder belegen, dass dieser „strenge“ Weg, mit dem man sich von anderen Coworking Spaces abgrenzt, der richtige ist. Die Arbeit von Dogpatch Labs ruht hierbei auf drei Pfeilern: Coworking Space, Events (wie zum Beispiel Tech-MeetUps oder Hackathons) und Community.

Menno Axt, der mich rumgeführt hat, ist Membership Manager und erklärt die Wichtigkeit dieser Community wie folgt: „Sobald Du Leute zusammenbringst, springen die Ideen nur so heraus.“ Alles an Dogpatch Labs (ich gebe zu – vor allem die Vaults für mich persönlich) ist so beeindruckend, dass die Frage an Menno gehen musste, ob es nicht Neid gibt bei der Konkurrenz. Die Antwort lautete Nein. Im Gegenteil – man habe ein gutes Verhältniss und empfehle auch hier und da einen anderen Coworking Space, nämlich in solchen Fällen, wenn ein anfragendes Unternehmen schlicht und einfach nicht zur eigenen, sehr eng gefassten Philosophie passt.

Was weitere Coworking Spaces anbetrifft, so liefert diese Website einen guten Überblick. In diesem Sinne – lieber Tobias, viel Spaß in Dublin bei der Coworking Europe. Und Euch, liebe Leser, vielen Dank! It’s been a blast!


Image (adapted) „Coworking“ by rawpixel.com [CC0 Public Domain]


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Willkommen im Coworking Space der Zukunft: Zu Besuch im Epicenter Stockholm

Epicenter (Image by Epicenter)

„Willkommen im Epicenter, dem Büro der Zukunft!“ Mit einem breiten Lachen begrüßt Patrick Mesterton neue Besucher in Schwedens angesagtestem Coworking Space mitten in Stockholm. Man merkt, dass er eigentlich noch hinzufügen möchte: „Willkommen im besten Coworking Space der Welt!“ Als einer der drei Gründer des Epicenters ist Patrick Mesterton sichtlich stolz auf das, was er und seine Mitstreiter in zwei Jahren auf die Beine gestellt haben.

Transformation, Erneuerung, Zukunft

Schwedens erstes „Digital House of Innovation“ nennen sie ihren Coworking-Space. Tatsächlich verwandelten die Gründer, inspiriert vom Silicon Valley, in kürzester Zeit ein marodes Bankgebäude in einem ehemaligen Rotlichtviertel in einen modernen Hub für Startups, führende Tech-Firmen sowie Freelancer und digitale Nomaden aus aller Welt. Transformation, Erneuerung und Zukunft sind die Grundpfeiler der Epicenter-Philosophie und sollen so dazu beitragen, dass Schweden zur „Kreativhauptstadt der Welt“ wird.

Innenhof (Image by Marinela Potor)
Innenhof des Epicenters (Credit by Marinela Potor)

„Als wir das Epicenter im Januar 2015 eröffnet haben, waren wir innerhalb von zwei Wochen komplett ausgebucht“, erzählt Patrick Mesterton beim Netzpiloten-Besuch vor Ort. Und das will schon etwas heißen. Immerhin erstreckt sich das Epicenter auf rund 30.000 Quadratmeter und bietet Büroräume auf einer Fläche von 12.000 Quadratmeter. Aktuell hat das Epicenter mehr als 3.000 Mitglieder. Denn Miete zahlt hier keiner, die Räume werden über Mitgliedschaftsraten verrechnet. Es gibt von offenen Lounges bis zu 3.000 Quadratmeter großen Privatbüros viele verschiedene Arbeitsmöglichkeiten. Im Prinzip ist dabei jeder, der hier von seinem Laptop aus arbeiten möchte, willkommen.

Nun ja, fast jeder. Denn für Unternehmen ist es mittlerweile schwierig geworden, im heiß umschwärmten Epicenter noch Büroräume zu bekommen. Das liegt auch ein wenig daran, dass es für Unternehmen einfach als „cool“ gilt, hier ein Büro zu haben – und als Wettbewerbsvorteil beim heißen Kampf um die klügsten Köpfe gesehen wird. So müssen Mitglieder sich tatsächlich bewerben – und vom Epicenter angenommen werden.

„So wollen wir sicherstellen, dass wir wirklich nur den besten Mix aus Startups und etablierten Konzernen unter einem Dach haben. Denn es bringt ja nichts, wenn du nur Gründer in einem Coworking Space hast, die zwar tolle Ideen haben, aber sich finanziell nicht helfen können. Oder nur große Konzerne, denen die frischen Ideen ausgehen“, erklärt Patrick Mesterton den Bewerbungsprozess.

Das Rezept scheint aufzugehen, im Epicenter sitzen Unternehmen wie Spotify, Google und Microsoft, aber auch junge Startups wie das Smart-Lock-Unternehmen Glue oder Zoundio, eine Gitarrenapp, die auf künstlicher Intelligenz basiert, oder auch Splay, Schwedens größtes YouTube-Netzwerk.

Motto (Image by Marinela Potor)
Motto (Credit by Marinela Potor)

Innovation an jeder Ecke

Doch es sind nicht nur die Unternehmen, die für das kreative Ambiente sorgen. Es ist auch die Aufmachung des Coworking Spaces, die an jeder Ecke beinahe aufdringlich „Innovation“ schreit. Der 24-Stunden-Zugang zum Space oder die schicken Tablets, die als Türschilder dienen, sind dabei noch das Langweiligste, was man hier sieht.

So steht im großen Innenhof des Epicenters eine von Samsung entwickelte ADHS-Box, in der Coworker selbst erleben können, wie Menschen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung die Welt erleben. „Eine Störung, die übrigens sehr viele Gründer haben“, sagt Patrick Mesterton und meint das ganz ernst. Dann gibt es auch noch Telepräsenz-Roboter, mit denen Anrufe entgegengenommen werden können und ein robotischer Automat verkauft Smoothies auf Bestellung.

Seit Kurzem können Nutzer mit unter der Haut implantierten RFID-Chips Türen öffnen und Getränkeautomaten bedienen.

Biochip (Image by Marinela Potor)
Patrick Mesterton ordert ein Getränk per Chipimplantat: Credit by Marinela Potor

Menschen, die zu Cyborgs werden? Im Epicenter liegt das, was viele als Biohacker-Spinnerei abtun, voll im Trend. So kommen viele Epicenter-Mitglieder begeistert zu den regelmäßigen „Chip n‘ Beer After Work“ Sessisons.

Gesunde Körpern und rege Geister

Es ist aber nicht nur die Technologie, die für neue Ideen bei den Coworkern sorgen soll. Das Epicenter scheint eine ausgeprägte „mens sana in corpore sano“ Mentalität zu haben. Tatsächlich sehen alle Coworker hier erstaunlich fit und gesund aus. Das mag eben auch an den vielfältigen Gesundheits-, Fitness- und Sportangeboten liegen.

Es gibt Yoga-Klassen, Massageexperten, ein Fitnessstudio und das – selbstredend gesundheitsbewusste – Restaurant im Coworking-Space wird von Jens Dolk geleitet, einem der bekanntesten kulinarischen Experten des Landes, der sich aktuell stark gegen die Verschwendung von Essen einsetzt.

Die Epicenter-Gründer sind mit jeder Erneuerung stets bemüht, dem futuristischen Ansatz ihres Coworking Spaces treu zu bleiben. So wird gerade in der „Orangerie“ ein weiteres Restaurant gebaut, zu dem auch Nicht-Mitglieder Zutritt bekommen sollen.

Dahinter steckt aber mehr als lediglich eine neue Einnahmequelle, erklärt Mesterton. „Diese Gäste können unseren Coworkern und Unternehmen sozusagen als Quelle für Konsumerforschung nutzen.“ Marketingforschung an lebenden Laborratten sozusagen. Wer sich Chipimplantate unter die Haut stechen lässt und Biohacker-Frühstücke schmeißt, findet das natürlich gar nicht seltsam.

Der Erfolg spricht fürs Epicenter. Bereits im kommenden Jahr möchten die Gründer expandieren. Im September 2018 soll das nächste Epicenter in Helsinki eröffnet werden.


Image „Epicenter“ by Epicenter


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Von der Fabrikhalle zur Denkfabrik: der Factory Campus Düsseldorf

Nordrhein-Westfalen ist so etwas wie ein Stiefkind, wenn es um Start-ups geht. Weder das Ruhrgebiet noch das Rheinland galten bisher als Innovationshub für Gründer, trotz hoher Bevölkerungsdichte, guter Wirtschaftsleistung und attraktiver Städte. Das soll sich jetzt ändern. Ein Beispiel dafür ist der Factory Campus in Düsseldorf.

Wo einst eine Fabrik für Recycling-Maschinen stand, hat im Oktober 2016 das Unternehmen seine Pforten geöffnet. Auf 34.000 Quadratmeter erstreckt sich der Coworking Space im Stadtteil Lierenfeld, der ehemals zum Industriegürtel in Düsseldorf gehörte. Der Campus ist eins der jüngsten Beispiele, das zeigt, wie Nordrhein-Westfalen im Rennen um die Start-ups mit anderen Hubs wie München oder Berlin gleichziehen möchte.

Megaprojekt: Wie aus einer Fabrikhalle ein Coworking Space wird

Coworking Manifest (Image by Marinela Potor)
Das Coworking Manifest (Image by Marinela Potor)

Hinter dem Factory Campus steckte anfangs noch Yvonne Firdaus, die in Düsseldorf schon den Coworking Space „Garage Bilk” gegründet hatte. Mittlerweile leiten Manfred Voß, Stefan Schulz und Marc Breddermann den Coworking Space. Letzterer ist auch der Investor, der den Umbau des Factory Campus von einer verlassenen Fabrikhalle zu einem modernen Arbeitsumfeld möglich gemacht hat. Breddermann ist ebenfalls Geschäftsführer der Breddermann Gruppe, einem Immobilienunternehmen mit Sitz in Hagen, das damit auch an der Umsetzung des Campus-Konzepts beteiligt ist.

Wie alles einmal aussehen soll und was schon alles gemacht wurde, erklärt Ralf Neuhäuser. Der “Factory-Campus-Botschafter” hat die Netzpiloten auf eine Campustour und einen Tag zum Coworken eingeladen. Auf seiner Tour wird deutlich: Seit der Gründung hat sich hier viel getan. So ist das Pioniergebäude fast fertig, der Innenhof lädt an diesem Sommertag mit Holzbänken zum Ausruhen ein und auch das wichtigste in einem Coworking Space läuft: Das Internet. Der Factory Campus wirbt mit 2 Gigabit Uplinks, die am Testtag auch kein einziges Mal versagen oder langsam scheinen.

Ralf Neuhaeuser (Image by Marinela Potor)
Ralf Neuhäuser (Image by Marinela Potor)

Doch bei einem so großen Gelände liegt auch noch viel Arbeit vor dem Factory Campus Team. So zeigt Neuhäuser stolz auf das wohl beeindruckendste Gebäude auf dem Areal, die große Halle. Der Umbau der Halle ist eins der nächsten großen Projekte des Coworking Spaces.

Hier soll, wenn alles nach Plan läuft, in den nächsten drei bis vier Jahren eine Mischung aus Eventräumen, Tagungsräumen und Gastronomie entstehen – alles in nachhaltiger und smarter Bauweise, wie Neuhäuser betont. Überhaupt ist Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema im Coworking Space. Der Innenhof, jetzt noch gepflastert, soll zu einem großen grünen Park werden. Eine Ladestation für E-Bikes gibt es bereits und gerade werden Parkplätze mit Ladestationen für E-Autos fertig gestellt.

Geplant ist auch, in naher Zukunft ein Parkhaus mit 500 Stellplätzen und Ladeinfrastruktur zu bauen. Mit der Sanierung der kommenden Jahre sollen aber nicht nur Büros, sondern auch Ateliers und Maker Spaces geschaffen werden. Auch ein Biergarten soll dann im Innenhof stehen. Doch auch jetzt schon versucht der Factory Campus von Foodtruck bis Regionalmarkt seinen Nutzern viel zu bieten.

Kreatives Arbeiten statt Bierpong

Der Factory Campus ist sichtbar bemüht, seinen Mietern nicht einfach nur Büroräume zur Verfügung zu stellen, sondern aus dem Factory Campus eine rege Mischung aus Ideenschmiede, Startup-Hub und angenehmem Arbeitsumfeld zu schaffen. Vieles davon ist jetzt schon erkennbar. Startups wie Kopfquadrat, wertvoll. oder auch Urbam haben genauso ihre Büroräume hier wie

Klassenzimmer (Image by Marinela Potor)
Kreatives Arbeitsumfeld im „Klassenzimmer“ (Image by Marinela Potor)

etablierte Unternehmen wie AXA, deren Startup-Center hier sitzt. Unter den Coworkern finden sich junge Entrepreneure genauso wie erfahrene Geschäfsleute, aber auch Mompreneurs kommen hier zusammen. So eignet sich der Factory Campus sowohl zum ernsthaften als auch zum entspannten Arbeiten. Insgesamt strahlt der Factory Campus eher „kreatives Arbeitsumfeld” als „wilde Bierpong-Zone” aus.

So können neben den offenen Arbeitsplätzen auch private Büroräume gemietet werden. Die Büros können entweder flexibel, für einen oder drei Monate oder in bestimmten Fällen auch für längere Zeiträume gemietet werden, es gibt aber auch Tagesarbeitsplätze (Kostenfaktor: 15 Euro) für Freelancer. Konferenz- und Tagungsräume können ab zwei Stunden gemietet werden.

Um trotz all der privaten Büros dennoch den Austausch der unterschiedlichen Unternehmen und Coworker auf dem Campus anzuregen, gibt es regelmäßige Treffen der Mieter, Veranstaltungen sowie Meetups, und auch im Gebäude selbst gibt es zahlreiche offene Chillout-Zonen, Kaffeeräume oder auch Kreativräume, in denen sich die Coworker austoben, beziehungsweise ausruhen können.

Toilettenwand (Image by Marinela Potor)
Kreative Toilettenwand (Image by Marinela Potor)

Der Factory Campus setzt auf moderne Einrichtung, helle Räume und humorvolle Design-Ideen, die die Coworker inspirieren sollen. So gibt es auf den Toiletten beispielsweise Malstifte, mit denen Benutzer die Wandtapete verschönern können.

Die Open Spaces haben gemütliche Sofas und Stühle, doch hier geht es naturgemäß auch etwas lauter zu. Wer mehr Ruhe zum Arbeiten braucht, ist wahrscheinlich besser mit einem Büro bedient. Für punktuelle Ruhezonen können aber auch die schallisolierten „Telefonboxen” genutzt werden.

Doch auch eine Ruhezone ist schon in Arbeit. Aktuell entsteht ein Ruhe- und Wellnessbereich, in dem beispielsweise Yoga- und Pilatesworkshops angeboten werden können. Auch Duschen und Handtücher können hier für drei Euro gemietet werden. Wer möchte, kann hier auch eine Schlafkabine für ein kurzes Nickerchen mieten.

Chill-Zone (Image by Marinela Potor)
Die gemütliche Chill-Area. (Image by Marinela Potor)

Factory Campus setzt auf Abomodell

Insgesamt fällt auf, dass jede noch so kleine Zusatzleistung beim Factory Campus separat gebucht werden muss. „Uns war es wichtig, dass unsere Mieter die verschiedenen Angebote modular buchen können”, erklärt Ralf Neuhäuser das Prinzip hinter den vielfältigen Mietangeboten. „Manche Unternehmen brauchen vielleicht nur ab und zu einen Konferenzraum. Startups wollen möglicherweise erstmal nur eine Postadresse und ein Postfach. Andere Freelancer wollen nur hin und wieder kommen, dafür aber an einem Fixed Desk arbeiten. All das kann man entsprechend separat buchen.” Wer wiederum Mitglied wird, bekommt vieles inklusive – das genaue Angebot variiert je nach Abo. So will der Space natürlich auch einen Anreiz für die Memberships schaffen, denn diese sollen laut Ralf Neuhäuser das Kernstück des Coworking-Modells werden.

Eingang Factory Campus (Image by Marinela Potor)

Die Auslastung scheint gut zu sein, aussagekräftige Zahlen gibt es derzeit aber nicht. Dazu sei das Kommen und Gehen im Moment noch zu dynamisch, sagt Neuhäuser.

Nach einem Tag auf dem Factory Campus lässt sich zusammenfassen: Hier findet sich ein angenehmer, inspirierender Arbeitsplatz. Es ist erstaunlich, was hier in so kurzer Zeit aus einem alten Fabrikgebäude entstanden ist – und in Zukunft noch entstehen wird. Bleibt nur zu hoffen, dass Coworking Spaces wie dieser tatsächlich mehr Startups und kreative Köpfe in die Region locken können.


Images by Marinela Potor


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Samsung DeX, Mirabook & Co.: Wie ein Desktop-Dock mobiles Arbeiten verändern könnte

Samsung-DeX-Galaxy-S8 (adapted)

Wer heutzutage unterwegs arbeiten möchte, greift auf Notebooks von Apple, Lenovo, Asus und Co zurück. Dank immer potenteren Smartphones könnte sich das in Zukunft ändern. Mit DeX hat der koreanische Elektronikhersteller Samsung ein innovatives Desktop-Dock vorgestellt, über das deren aktuelles Flaggschiff Galaxy S8 mit einem Monitor verbunden werden kann. Und mit Mirabook und Superbook existieren um vielfaches finanzierte Crowdfunding-Projekte, die das Mobiltelefon in einen Laptop transformieren. Befindet sich unser Büro schon bald in der Hosentasche?

Smartphones besitzen bereits umfangreiche Office-Features

Schon jetzt nimmt das Smartphone einen großen Bestandteil in unserem mobilen Büroalltag ein. Sind wir unterwegs werden E-Mails gecheckt und beantwortet, Dokumente gelesen und kontrolliert oder auch Meetings geplant und im Kalender eingetragen. Geistesblitze landen in Form von Notizen auf dem digitalen Helferlein. Die schnelle Internetanbindung vereinfacht die unkomplizierte Recherche in Bus und Bahn.

Doch nicht nur das. Aufgrund der raschen Entwicklung in Sachen Qualität, Funktionsumfang und Performance ist für viele das Smartphone die Digitalkamera Nummer 1. Das gilt im Job sowohl für Naturwissenschaftler und Betriebswirtschaftler, vor allem aber für Kulturschaffende. All das paaren die Hersteller mit einer flotten, zeitoptimierten User-Experience dank starker Rechenleistung. Einer Rechenleistung, die wir im Alltag kaum ausgereizen. Warum also nicht das Smartphone in einen Laptop verwandeln und so zusätzliche Geräte sparen?

Desktop-Dock Samsung DeX verspricht produktiveres Arbeiten

Mit DeX präsentierte das Unternehmen Samsung unlängst ein erstes kommerzielles System für den freien Markt. Das Desktop-Dock besteht lediglich aus einer kompakten Basisstation, in die das Smartphone eingesetzt wird. Zusätzliche Anschlüsse garantieren eine gute Konnektivität. Für den Betrieb ist ausschließlich ein herkömmlicher Monitor vonnöten, über den die Bildinformationen ausgegeben werden. Die Bedienung ist dann deutlich entspannter und vor allem produktiver.

Unser Autor Anton konnte das Feature bereits auf dem Launch-Event in London ausprobieren, sieht allerdings auch noch Verbesserungsbedarf. Der größte Wermutstropfen: Das Dock versteht sich nur mit dem teuren High-End-Smartphone Galaxy S8 (Plus). Nutzer anderer Geräte schauen in die Röhre oder vielmehr auf einen schwarzen Monitor. Bleibt das so, könnte die DeX-Lösung das gleiche Schicksal ereilen wie Continuum von Microsoft. Weil kaum jemand Smartphones mit Windows 10 Mobile nutzt, ist auch das Desktop-Dock nicht verbreitet. Aus dem gleichen Grund hat sich auch das Padfone-Konzept von Asus nicht etablieren können.

Samsung-DeX-Androidpiloten
Anton Knoblach hat Samsung DeX beim Launch des Galaxy S8 in London ausprobiert.

Superbook mit 11,6 Zoll Display und 10 Stunden Akkulaufzeit

Wer ein Gerät eines anderen Herstellers sein Eigen nennt, der ist bei den nahezu gleichzeitig gestarteten Crowdfunding-Kampagnen Superbook und Mirabook an der richtigen Adresse. Dabei besteht die Schnittstelle zwischen Smartphone und Monitor nicht etwa aus einem Desktop-Dock, sondern einem Laptop-Dock. Das Mobiltelefon wird unkompliziert per USB-Kabel an die Hardware angeschlossen.

Da das preisintensive Innenleben fehlt, können die Hersteller einen geringen Preis aufrufen. Im Falle des Superbook sind das lediglich 189 US-Dollar. Mit insgesamt knapp drei Millionen US-Dollar wurde der Zielbeitrag um das 60-fache überschritten. Neben einem 11,6 Zoll großen FullHD-Display, einer beleuchteten Tastatur und USB-Schnittstellen spendiert Produzent Andromium einen leistungsstarken Akku, der Energie für einen kompletten Arbeitstag liefern soll. Für den Betrieb reichen Download und Ausführen der entsprechenden Android-App. Die ersten Modelle sind bereits in den USA verfügbar. Ob und wann das Superbook nach Deutschland kommt, ist unklar.

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Das Superbook verwandelt das Android-Smartphone in einen Laptop. Image by Andromium

Mirabook für Android-Telefone und Windows-Sticks

Das Team um den direkten Mitbewerber Mirabook hat sich die ultimative Kompatibilität auf die Fahne geschrieben. Das per Indiegogo bereits erfolgreich finanzierte Produkt arbeitet sowohl mit Android-Geräten als auch mit Smartphones mit Windows-Phone- und Ubuntu-System. Ferner unterstützt das Mirabook portable PC-Sticks wie den Asus VivoStick oder selbstgebastelte Raspberry-Lösungen.

Die Akkulaufzeit soll wie auch beim Superbook über zehn Stunden betragen, mit einem Kilogramm Masse ist es zudem angenehm leicht. Das FullHD-Display des Mirabook ist mit 13,3 Zoll minimal größer. Besonders intelligent haben die Entwickler die Smartphone-Schnittstelle ausgeführt: Das USB-Kabel lässt sich in einer Nut versenken, die Demontage entfällt. Dadurch kann das Kabel nicht verloren gehen. Mit 180 US-Dollar bewegt sich das Mirabook in einer ähnlichen Preisregion wie das Superbook. Die Serienproduktion soll Ende dieses Jahres anlaufen.

Mirabook
Das Mirabook eignet sich sowohl für Büromenschen, als auch für Gamer. Image by Miraxess

Praktische Ausrüstung für Coworking-Spaces

Die praktischen Gadgets sind die ideale Erweiterung für mobile Büroarbeiter, die außer einfachen Mail-, Office- und Browserfunktionen keine ressourcenfressenden Anwendungen benötigen. Selbst Bildbearbeitung lässt sich mittlerweile ohne Probleme mit der Power eines Smartphones erledigen. Die portable Hardware erweitert dabei kinderleicht die Produktivität ohne den Einsatz eines vollwertigen Notebooks.

Gerade deshalb dürfte sich das Konzept besonders für Orte neuartiger Arbeit, den sogenannten Coworking Spaces eignen. Wären die Großraumbüros mit der entsprechenden Hardware ausgestattet, bräuchten Digitalnomaden lediglich ihr Smartphone und das Büro wäre im Handumdrehen einsatzbereit. Nicht zuletzt erlaubt das Konzept maximale Flexibilität und so ein deutlich freieres Arbeiten. In diesem Sinne dürfen wir gespannt sein, ob und wann auch andere namhafte Hersteller mit eigenen Lösungen nachziehen und so gemeinsam die Arbeitswelt nachhaltig verändern.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Androidpiloten.


Images by Samsung, Superbook, Miraxess und Anton Knoblach


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Coworking Insights: Coworking in Cafés braucht eine neue Antwort!

St-Oberholz_by_Andreas-Louca

Coworking Spaces sind Orte der Arbeit, die sich nicht aus Bürostrukturen, sondern aus der Kaffeehauskultur entwickelt haben. Vor allem die traditionellen Kaffeehäuser in Wien haben das Prinzip bis heute geprägt und vorgelebt – auch ohne WiFi. Das von mir zusammen mit Koulla Louca 2005 in Berlin gegründete St. Oberholz ist so ein Café, dass das Konzept des Arbeitens im Café erst in Deutschland bekannt machte – mit WiFi.

Inzwischen besteht das St. Oberholz aus drei Cafés, zwei davon mit angeschlossenen Coworking Spaces. Was sie mit den Wiener Kaffeehäusern des 19. Jahrhunderts verbindet, sind die gleichen Werte: gelebte Offenheit, größtmögliche Freiwilligkeit sowie leichte Zugänglichkeit.

Der Deal war immer unausgesprochen, aber stets klar: die Gäste honorierten genau diese Werte, vor allem die Idee der Freiwilligkeit, mit fairem Verhalten durch angemessenen Konsum. Dieser Deal scheint nicht mehr aufzugehen.

Gäste zeigen verändertes Verhalten

Nach Befragungen uns bekannter ähnlicher Coworking-Cafés lässt sich feststellen, dass die Selbstverständlichkeit, dass man in einem Café auch dessen Produkte konsumiert, wenn man dort verweilt und über einen langen Zeitraum WiFi und Strom nutzt, nicht mehr ausreichend gegeben ist. Dieses Phänomen hat in den letzten Jahren ein problematisches Ausmaß angenommen und die ursprüngliche Idee der Offenheit wird damit torpediert. Es ist kein neues Phänomen, jeder Betreiber eines Cafés kennt es. Selbst in Cafés ohne WiFi tritt es auf.

Die Reaktionen auf diese Entwicklung fallen verschieden aus. Viele Cafés beschränken den Zugang zeitlich zum WiFi oder bieten es gar nicht mehr an. Die Nutzung von Laptops wird teilweise verboten. Manche Coworking Spaces haben ihre Cafés bereits für die Öffentlichkeit geschlossen. Dabei ist doch gerade das offene Café, das jeder nutzen kann – und nicht nur die Member-, eine wichtige Schnittstelle der Coworking Spaces mit der Außenwelt.

Woher rührt diese veränderte Verhaltensweise von Gästen, sobald mobiles Arbeiten und ein Laptop involviert sind? Warum würde ein Gast in einem Sushi-Restaurant niemals nach heißem Wasser für seine Fünf-Minuten-Terrine fragen (so geschehen im St. Oberholz), aber sich ins Coworking Cafés fremdes Essen und Getränke mitbringen?

Offenheit ist verdächtig

Remote-Work_im_St-Oberholz

Ein Gast isst ein Döner Kebab im Café.

Kellner: „Du darfst hier keine mitgebrachten Speisen essen.“
Gast: „Aber ihr verkauft ja kein Kebab.“
Kellner: „Bitte pack das sofort weg und bestelle etwas von unserer Karte.“
Gast: „Das Kebab wird später aber kalt sein und nicht mehr schmecken.“
Kellner: „Entweder du packst es jetzt weg und bestellst etwas oder du musst bitte gehen.“
Gast packt missmutig das Kebab ein: „Aber ich habe gestern auch schon einen Kaffee bei Euch gekauft.“

Die Verhaltensweise der Gäste deutet auf ein vermindertes Schuldempfinden und unterdrückte Schamfähigkeit hin. Denn sonst würde man sich eher für sein Verhalten entschuldigen und sich erwischt fühlen, als mit dem Gastronomen auch noch über selbstmitgebrachte Speisen diskutieren. Es scheint aber überhaupt kein Unrechtsempfinden in der Bewertung des eigenen Verhaltens vorhanden zu sein. Die Psychologie kennt verschiedene Faktoren, die Schuld und Schamempfinden mindern können. Einer der Faktoren lautet: unbewusstes Wiedergutmachungsrecht.

Die Nutzung des Internets und digitaler Dienste ist heute mit einer hohen Unsicherheit der Nutzer und Intransparenz der Nutzung ihrer Daten verbunden. Jeder, der sich auch nur ein klein wenig mit den Mechanismen des Plattformkapitalismus auskennt, weiß, dass nicht die kostenlose Plattform, sondern er selber das Produkt ist. Er weiß, dass seine Daten als Ware verkauft werden, kennt aber nicht das exakte Ausmaß. Er akzeptiert gezwungenermaßen diesen Deal, da er im Gegenzug die unverzichtbare Plattform und deren Dienste nutzen kann. An dieser Stelle wird ein grundlegendes Gefühl des Misstrauens und des Opfererfahrens erzeugt.

Hier kommt nun eine Verwechselung ins Spiel: Coworking Cafés, die von idealistischer Freiheit geprägt sind, erscheinen ebenso verdächtig wie digitale Plattformen. Wenn der Cafégast nicht konsumieren muss, sondern nur konsumieren darf, wenn er möchte, ist das Konzept verdächtig. Es wird unbewusst vermutet, dass diese Offenheit nur damit zu tun haben kann, dass der Ort auf eine andere, intransparente Art und Weise die Nutzer kommerziell ausbeutet. Vielleicht werden auch hier die Nutzerdaten an die Industrie verkauft, Ideen von Gründern gestohlen und kopiert. Meldungen über für Außenstehende schwer nachzuvollziehende milliardenschwere Bewertungen einer internationalen großen „Coworking“-Marke tun ein Übriges, den Verdacht zu erhärten.

Es scheint dem Gast also in Ordnung zu sein, sich ein Getränk am Morgen zu kaufen, davon drei Schlucke zu trinken, es auf dem Tisch stehen zu lassen, als Symbol des Hacks des freiwilligen Konsums und damit in Überzeugung moralischer Überlegenheit stundenlang den Ort zu nutzen, ohne weitere Bestellungen aufzugeben. Im unbewussten Misstrauen verhaftet, dass man heutzutage eben nichts mehr geschenkt bekommt, sondern man selber die Ware ist.

Ein zweites psychologisches Phänomen prägt das veränderte Konsumverhalten. Kurt Lewin definierte den Begriff des „Aufforderungscharakters“ von Situationen. Er beschreibt das Zusammenspiel zwischen Objekt und Person, die immer in Wechselwirkung zueinanderstehen. Ein heranrollender Ball löst in manchen Menschen das Bedürfnis aus, mit ihm zu spielen, in anderen tut er das nicht.

Einer der Meister im Ausnutzen des Phänomens ist Apple. Das Unternehmen beschäftigt nicht wenige Psychologen die dafür sorgen, dass die Apple Produkte ununterbrochen sagen: Nutz mich! Sitzt der Gast nun in einem Café vor einem Laptop, so kann man davon ausgehen, dass das Café deutlich weniger Psychologen beschäftigt als der Laptophersteller. Der natürlich gegebene Aufforderungscharakter des Cafés tritt daher deutlich in den Hintergrund gegenüber dem Aufforderungschampion auf dem Tisch und erklärt eine zweite wichtige Komponente der verminderten Konsumbereitschaft der Gäste. Der Kampf um Aufmerksamkeit geht klar an die digitalen Endgeräte, das analoge Café hat keine Chance. Die ununterbrochen vernetzten Geräte lassen uns leicht und schnell beschäftigt sein. Zu beschäftigt für Essen und Trinken.

Die Antwort ist verblüffend einfach

Doch wie können Betreiber von Cafés dieses Misstrauen auflösen und wieder als Produkte anbietende Geschäfte wahrgenommen werden, ohne dabei durch Einschränkungen und Verbote das eigentliche Coworking-Prinzip zu zerstören?

Die Antwort ist verblüffend einfach: Service. Service am Tisch, der perfekt unaufdringlich ist und die Coworker mit Ihren Bedürfnissen abholt.

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Service muss groß geschrieben werden (Image: La Citta Vita, CC BY-SA 2.0)

Kellner übernehmen so eine Funktion, die sie bereits seit Jahrhunderten erfüllen. Die Beziehung zwischen Stammgast und Service ist ähnlich wie die zwischen Coworker und Community Manager. Ähnlich wie durch das Community Management in einem Coworking Space entsteht somit eine Bindung zu dem Café als Ort an sich und zugleich auch wieder eine Form der Aufforderung, zu verzehren. Kellner sollten im perfekten Fall auch grundlegende Prinzipien des Community Managements beherrschen, die Nöte und Bedürfnisse erkennen und Menschen miteinander vernetzen. Sie sollten durch Ihren Service den Arbeitsalltag der Gäste erleichtern und nicht erschweren. Coworking-Cafés könnten Ladekabel, Kopfhörer, sogar Papier und Stift, anbieten, um das Nutzungserlebnis positiv zu beeinflussen. (Im St. Oberholz verkaufen wir täglich im Schnitt drei Lightning-auf-USB-Kabel.)

Coworking funktioniert in seiner vollen Blüte nur mit Elementen der Gastronomie. Im besten Fall erschreckt sich der Gast am Ende seines Arbeitstages über die Rechnung, erfreut sich aber zugleich über den produktiven Tag im Café. Wenn die Qualität des Service und der angebotenen Produkte stimmt, wird sich der Gast daran erinnern und nicht an die Höhe der Rechnung.


Image (adapted) „Service“ by La Citta Vita (CC BY-SA 2.0)

Image (adapted) „St. Oberholz“ by Andreas Louca


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Check-up Ireland: Das irische Startup-ABC (Teil 1: Von A wie “AventaMed” bis L wie “Lowflo”)

Dogpatch Labs Dublin (adapted) (Image by Heisenberg Media [CC BY 2.0] via flickr)

Das Medizintechnik-Unternehmen AventaMed beweist, dass interessante Startups nicht unbedingt in Dublin beheimatet sein müssen. Die Firma hat ihren Sitz in Cork. Das Team um CEO Olive O’Driscoll und CTO John Vaughan hat es sich zum Ziel gemacht, den Bereich der Ohr-Chirugie zu transformieren. Bisher verlangten chirugische Eingriffe, um Infektionen oder Hörverlust zu behandeln, das Einführen einer Röhre unter Vollnarkose. Weltweit müssen sich jährlich zwei Millionen Kinder dieser Prozedur unterziehen – ein fünf Milliarden Euro-Markt. “AventaMed” hat ein Handgerät entwickelt, dass das Einführen der entsprechenden Röhre innerhalb weniger Minuten möglich macht – und das ohne Vollnarkose.

Ebenfalls in Cork zuhause ist “Blink”, ein Startup im Bereich Versicherungs-Tech, das trotz der Tatsache, dass es erst ein paar Monate alt ist, bereits ein Partnerschafts-Abkommen mit der Rückversicherungsgesellschaft Munich Re. abgeschlossen hat. Gemeinsam entwickeln die beiden Unternehmen nun eine neue Technologie für die britische Versicherungs-Industrie. Im Zuge dieser Kooperation wird “Blink” auch ein Büro in London eröffnen. Im Bereich Flugversicherung wird “Blink” schon in naher Zukunft ein Produkt auf den Markt bringen, das Kunden in Real Time signalisiert, wenn ein Flug verspätet oder gar abgesagt ist. Das System bucht auch gleich um – ohne dass Kosten für den Kunden anfallen und ohne dass ein Versicherungs-Anspruch geltend gemacht wird. Das Produkt wird in Zusammenarbeit mit Reisebüros, Geschäftsreise-Agenturen, Flugbuchungs-Plattformen und Fluglinien auf den Markt gebracht.

In Dublin, aber auch an den Flughäfen der Welt, ist “Coindrum” zuhause. Das Startup hat eine Maschine entwickelt, mit der Münzen, die nach einer Reise übriggeblieben sind, in Duty Free Gutscheine umgewandelt werden. Neben Dublin und Belfast findet man “Coindrum” auch an den Flughäfen in Venedig, Mailand Malpensa, Faro, Larnaca und Schönefeld. Das Team um Gründer Lukas Decker ist noch sehr klein und hat vom ersten Tag in 2014 an seinen Sitz im Coworking Space “Dogpatch Labs”, ist aber gut aufgestellt für die weitere Expansion. Im letzten Jahr wurden zwei Millionen Euro von Privatinvestoren eingesammelt und das Team um Lukas Decker hofft, demnächst auch den ersten US-Flughafen als Kunden gewinnen zu können.

In Irland kommt Tech nicht an Kühen vorbei. Der Agrarsektor exportiert, egal ob lebend, geschlachtet oder zu Milchpulver verarbeitet, Milliardenwerte in alle Welt. In Mullingar in der Grafschaft Westmeath hat “Efficient Farm Solutions” ein Produkt entwickelt, das Bauern die Kontrolle des Prozesses des Kalbens erleichtert. Das System beobachtet die Temperatur und die Fruchtbarkeit der Kühe und schickt dem Bauern ein Signal, wenn die Geburt eines Kalbs näher kommt. Das Produkt richtet sich vor allem an Teilzeit-Farmer, von denen es aufgrund der auf dem Land weiterhin angespannten wirtschaftlichen Situation immer mehr gibt. Viele Farmer sind gezwungen, Zweit- oder gar Drittjobs anzunehmen und können nicht immer nah bei ihren Kühen sein.

Was für “Immersive VR Education” in Waterford vor zwei Jahren mit einem Crowdfunding von 36.500 Euro begann, setzte sich vor kurzem mit einer Investitionsrunde fort, die eine Million Euro einbrachte. Das Unternehmen entwickelt VR-Lern-Produkte für Schulen und Universitäten, aber auch für Unternehmen und im Bereich Gesundheitswesen. Hier entwickelt man gemeinsam mit den Partnern “Royal College of Surgeons” in Dublin und der “Oxford University” VR-basierende Trainingsmethoden für Ärzte.

Wassergebühren sind hier seit Jahren ein Dauerthema. Die viel zu alten Leitungen lecken überall und laut des neuesten Kompromisses, der gefunden wurde, um Neuwahlen rund um das Thema Wasser zu vermeiden, sollen nur diejenigen bezahlen, die ihre Lecks nicht fixen lassen. Kein Wunder also, dass “Lowflo” mehrere Standorte über das ganze Land verteilt hat. Die Technologie des Unternehmens findet Lecks im Auftrag von Privatleuten, Stadtverwaltungen und Unternehmen.

Zu den namhaften Klienten, die auf “Lowflo”-Technologie setzen, zählt interessanterweise auch “Irish Distillers”, die den weltbekannten, köstlichen Jameson-Whiskey brennen. Whiskey heisst auf irisch “Uisce Beatha”, also “Wasser des Lebens”. Lecks bei Jameson? Das käme hier einer Todsünde gleich!


Image (adapted) „Dogpatch Labs Dublin“ by Heisenberg Media (CC BY 2.0)


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Coworking Insights: Die richtige Person auf dem richtigen Arbeitsplatz

Arbeitsplatz (adapted) (Image by Unsplash [CC0 Public Domain] via pixabay)

Seit November 2016 werde ich als Coworking Manager von einer Assistentin unterstützt, die mich vor allem im Bereich Öffentlichkeitsarbeit entlasten sollte. Wie alle Mitarbeiter in einem Coworking Space ist sie eine Quereinsteigerin – ausgebildete Coworking-Experten gibt es nicht. Doch schon in den ersten Wochen stellte sich heraus, dass ihre wahre Stärke woanders liegt. Ihre beste Fähigkeit war und ist ihr Lachen, der persönliche Umgang mit unseren Mitgliedern.

Ich habe wenige Mitarbeiter eines Coworking Spaces gesehen, die mit einer derartigen Wärme und Herzlichkeit mit anderen Menschen umgehen können. Mir selber ist dies nicht in die Wiege gelegt worden. Auch wenn ich ein freundliches Verhältnis zu Mitgliedern pflege, ist eine professionelle Distanz bei Themen wie offenen Rechnungen auch nützlich. Dies kann ich mir aber nur erlauben, da ich mit meiner Assistentin einen mich ergänzenden Gegenpol habe.

Wir hatten die richtige Person für die falsche Stelle eingestellt. Unser sehr lehrreicher Fehler war die fixe Fokussierung auf das Stellenprofil. Die letzten Wochen haben mir gezeigt, dass die wohl größte Herausforderung für ein jeden Coworking Space, noch vor der Schaffung einer eigenen Mitglieder-Community, die Zusammensetzung des eigenen Teams ist.

Mitarbeiter sind Menschen mit eigenen Persönlichkeiten und Erfahrungen. Je vielseitiger diese sind, desto besser kann dies für das eigene Team und die eigene Community sein. Auch die eigenen Mitarbeiter sind ein Teil des Serendipitäts-Phänomens, das man in von Offenheit geprägten Räumen beobachten kann. Sie beeinflussen mit, dass Menschen etwas entdecken können, nach dem sie gar nicht gesucht haben.

Menschenzentrierte Arbeit mit dem Team vorleben

Doch auch wenn berufliche Expertise im Hospitality-Management und der Umgang mit anderen Kulturen (wie beispielsweise im Hotel, Restaurants, Tourismus, etc.) ein Vorteil sein kann, muss sich jeder Mitarbeiter als individueller Mensch ebenfalls in einem Coworking Space zurechtfinden. Dies kann in einem von Hierarchien, Strukturen und Traditionen wenig bis gar nicht geprägten Umfeld eine persönlich sehr schwere Aufgabe sein.

Deshalb ist es wichtig zu beachten, wie man sein Team und seine Prozesse zusammensetzt, und dabei immer zu bedenken, was Menschen an ihrem Arbeitsplatz brauchen. Tracy Brower, Leiterin der Abteilung „Human Dynamics + Work“ beim US-amerikanischen Möbelhersteller Herman Miller, hat mit ihrem Team die Forschung der letzten 80 Jahre in den Bereichen Psychologie, Soziologie und Anthropologie dahingehend untersucht.

Ergebnis ihrer Recherche sind sechs Kernbedürfnisse von Menschen an einem Arbeitsplatz, unabhängig vom Geschlecht, Ethnie und sozioökonomischem Status:

  • 1. Wir streben u.a. nach Sicherheit und Handlungskompetenz.
  • 2. Wir möchten, dass sich unser Status nach unserer Leistung richtet.
  • 3. Wir streben nach Erfolg und sind stolz auf unsere Leistung.
  • 4. Wir streben nach Unabhängigkeit in unserem Handeln.
  • 5. Wir wollen mit unserem Handeln etwas Sinnvolles bewirken.
  • 6. Wir wollen sinnstiftende Verbindungen mit anderen eingehen.

Diese unterschiedlichen Bedürfnisse als Manager eines Coworking Spaces zu verstehen, hat einen massiven Einfluss darauf, wie wir ein Team führen und verwalten, welche Technologien wir unseren Mitarbeitern zur Verfügung stellen und auf die Definition der Aufgaben an sich. Coworking Spaces werden als Beispiel für menschenzentrierte Arbeitsplätze gesehen, dies muss aber auch für das eigene Team gelten.

Auf den Werten der Neuen Arbeit aufbauen

Im St. Oberholz besprechen wir regelmäßig unsere Aufgabenprofile mit den beiden Gründern Koulla Louca und Ansgar Oberholz. Eine Stelle kann so innerhalb von drei Monaten neu definiert werden, abhängig von den Entwicklungen im Coworking Space, aber auch den persönlichen Bedürfnissen der einzelnen Mitarbeiter. Ziel ist es, den Wert von Mitarbeitern zu maximieren, indem die Kosten der übertragenen Aufgaben minimiert werden.

Nahezu alle Aufgaben in unserem Team sind horizontal verteilt und nicht, wie meist, in vertikalen Silo-Strukturen. Dadurch bekommen Mitarbeiter einen Gesamteindruck vom Unternehmen und können ihren Kollegen individuell zu Hilfe kommen. Tools wie Slack, Redbooth und Trello unterstützen das, indem sie Transparenz innerhalb der Belegschaft schaffen, woran Kollegen gerade arbeiten und was sie in ihrem Bereich beschäftigt.

Diese horizontale Vernetzung der einzelnen Mitarbeiter führt zu einem besseren Verständnis des Unternehmens als lebender Organismus, der Hervorhebung individueller Leistungen zum gemeinsamen Erfolg und der Motivation des Einzelnen, sich nach besten Kräften und seinen individuellen Fähigkeiten einzubringen. Seine Individualität, die auch geprägt ist von eigenen Erfahrungen, wird so als besondere Fähigkeit erlebbar.

Unser Handeln und unsere Organisation beruht auf der Ausrichtung unserer eigenen Arbeit nach den Idealen der Neuen Arbeit, wie sie der austro-amerikanische Sozialphilosoph Frithjof Bergmann entwickelte. Ziel ist es, dass die Arbeit der Mitarbeiter des St. Oberholz nach den Werten Selbstständigkeit, Freiheit und Teilhabe an der Gemeinschaft gestaltet ist.


Image (adapted) „Arbeitsplatz“ by Unsplash (CC0 Public Domain)


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Die Netzpiloten sind Förderer der COWORK 2017

Cowork Titelbild

tl;dr: Wir verlosen zwei Tickets für die vom 31.03. bis 02.04. in Leipzig stattfindende Coworking-Konferenz „COWORK 2017“!

Vom 31.03. bis 01.04.2017 findet die COWORK, die größte Konferenz zum Thema Coworking und New Work in Deutschland, Österreich und der Schweiz, in den beiden Leipziger Coworking Spaces Basislager und Social Impact Lab statt. Bereits zum dritten Mal in Folge unterstützen die Netzpiloten die alljährlich stattfindende Coworking-Konferenz.

Mehr als nur Coworking im Blick

Die dreitägige Veranstaltung zieht jedes Jahr ein internationales Publikum von Coworking-Enthusiasten und Neue-Arbeit-Pionieren aus dem gesamten deutschsprachigen Raum an. Der Freitagabend ist traditionell für Impulsreferate und Networking reserviert, Höhepunkt ist das am Samstag stattfindende Barcamp zu den Themen Coworking und Neue Arbeit.

Den Freitagabend eröffnen GOODplace-Gründerin Monika Kraus-Wildegger mit ihrem Vortrag über Feelgood Management und Dr. Alexandra Schmied von der Bertelsmann Stiftung, die praxisnah über digitale Umbrüche in Unternehmen berichten wird. Am Samstag bestimmen dann die anwesenden Teilnehmer in dem Barcamp das Programm selbst.

Am Sonntagvormittag widmet sich die COWORK-Konferenz in einer Fishbowl-Diskussion mit Prof. Reiner Schmidt von der Hochschule Anhalt, den immer wichtiger werdenden Fragen nach der Rolle und dem Potenzial von Coworking Spaces und ähnlichen Kreativzellen für die Gesellschaft in der Stadt und auf dem Land.

Auf Augenhöhe über die Zukunft der Arbeit reden

Dies ist die Gelegenheit, für einen Zehntel der Ticketpreise vergleichbarer Konferenzen, die Menschen zu treffen, die nicht nur über den Wandel der Arbeitswelt reden, sondern ihn vorleben und mitgestalten. Auf der COWORK treffen sich die engagiertesten Akteure der hiesigen Coworking-Szene. Hier wird auf Augenhöhe über die Zukunft der Arbeit geredet.

Unter allen Neuanmeldungen für den monatlichen Newsletter der German Coworking Federation (GCF), verlosen wir bis zum 16.03.2017 zwei Freitickets für die COWORK 2017 in Leipzig!

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#WorkDriveBalance: Eine halbe Stunde – und die ganze Sache mit der Mobilität der Zukunft


Dieser Beitrag ist Teil einer Artikelserie Work-Drive-Balance, in der sich unabhängige Autoren mit dem von Porsche initiierten Thema der #workdrivebalance im neuen Panamera auseinandersetzen.


270.000 Menschen pendeln zu ihrer Arbeit nach Berlin. Ich bin einer von ihnen. Und ich mag das, meistens zumindest. Denn da gibt es diese eine halbe Stunde.

Mein Arbeitsalltag gleicht dem vieler Vorstadtbewohner: Ich bringe morgens meine Tochter zur Schule, fahre dann über Landstraße, Autobahn und durch die Stadt zur U-Bahn, mit der ich den restlichen Weg zur Redaktion zurücklege. Abends wieder in die U-Bahn, ein paar Meter zu Fuß zum Auto, ich steige ein. Und dann beginnt die eingangs erwähnte halbe Stunde.

Vorweg: Ich freue mich auf meine Familie und den gemeinsamen Abend, ich habe auch das Glück, bei meiner Arbeit in einem tollen Team interessante Sachen zu machen. Aber dazwischen brauche und genieße ich die Zeit, in der ich den Tag sacken lassen und sich die Vorfreude auf den Abend entwickeln kann. In dieser halben Stunde lasse ich den Tag Revue passieren, höre nebenbei in den Nachrichten, wie sich der Tag seit dem Radiohören auf der Hinfahrt entwickelt hat, nehme mir Dinge für den Abend vor und denke über Sachen nach, die ich tagsüber beiseite geschoben hatte.

Fahren

Manchmal mache ich das Radio aus und konzentriere mich einfach aufs Fahren, denn ich fahre einfach gerne Auto – ohne einer dieser Puristen zu sein, die das Autoradio abklemmen, weil sie ohnehin nur den Motor hören wollen. Bei den mehrstündigen Fahrten in die Heimat fahre ich zwar immer einige Zeit ohne Musik oder andere Ablenkung, aber ich lade mir vor der Fahrt auch immer mehrere Podcasts runter, die ich dann mit großem Gewinn höre und reflektiere.

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Image by Paul Schmuck (CC0 Public Domain)

Zurück zur halben Stunde: In den sechs Jahren, in denen ich nun diesen Weg fahre – zunächst in einem Youngtimer, den ich von einem älteren Herrn übernommen und dessen in meiner Vorstellung bedächtigen Fahrstil ich mir auch zu eigen gemacht hatte, mittlerweile in einem dieser mal belächelten, mal verhassten dunklen Kombis – ist die erwähnte halbe Stunde ein Indikator für vieles geworden: für das Wetter und die Jahreszeit, wie es beispielsweise von Tag zu Tag dunkler auf dem Heimweg wird. Und dann wieder heller.

Für mein Zeitmanagement: Bin ich auf Hin- oder Rückweg spät dran? Woran liegt’s? Für die eigene Verfasstheit: Ob ich dem Geschehen im Berliner Straßenverkehr mit Heiterkeit oder – beschönigend formuliert – Unmut begegne. Und als Indikator für das, was mich wirklich beschäftigt, was mir als Erstes oder immer wieder in den Sinn kommt.

Nachdenken

Manchmal denke ich aber auch einfach nach. Frei, ohne Bezug zum zuvor Erlebten. Ich denke darüber nach, in die Stadt zu ziehen, was mich allerdings diese halbe Stunde kosten würde. Darüber, ob ich statt des Nachdenkens und Radiohörens vielleicht die Zeit effektiver nutzen sollte: um mein Englisch zu verbessern (poor). Oder mein Französisch (pire). Möglicherweise gibt es ja auch Online-Kurse, die man weitgehend im Auto absolvieren kann. Vielleicht Wirtschaft, bislang nicht so mein Ding. Oder ich lerne eine dieser Sprachen, die vom Aussterben bedroht sind, da hätten auch andere etwas davon. Und bei zwei halben Stunden pro Tag, vielleicht dazu noch die Zeit in der U-Bahn, wären das 10 Stunden pro Woche, da müssten sich einem auch die sperrigeren Sprachen erschließen.

Andere Idee: Ich könnte mich in Achtsamkeit üben, derzeit reden so viele darüber. Wenn ich das nach einer flüchtigen Betrachtung richtig verstanden habe, würde ich mich anschließend wieder einfach mehr auf den Spaß beim Autofahren konzentrieren. Win-win.

Vergangenheit und Zukunft

Oder, das bringt die Situation mit sich, über das Autofahren. Wie wird das Autofahren in fünf oder zehn Jahren aussehen? Wie werden sich meine Töchter eines Tages fortbewegen? Wie bereits erwähnt, fuhr ich früher einen Youngtimer und ertappe mich in der halben Stunde immer wieder bei dem Gedanken, wieder einen zu kaufen. Datenschutzrechtlich ja eine gute Idee. Nach heutigen Maßstäben konnte der Wagen nicht sehr viel: Er parkt nicht selbst ein und blendet bei Gegenverkehr auch nicht ab, er warnt weder vor Querverkehr noch vor dem Verlassen der Fahrbahn. Vom teil- oder vollautonomen Fahren gar nicht zu reden. Man kann mit ihm einfach nur fahren. Aber genau das mache ich ja gerne, wie gesagt: Einfach fahren.

Ich kann mir schwer vorstellen, in einem Auto zu sitzen, das die Verantwortung über mich und die anderen Insassen übernimmt. Aber: Ähnliches werden die Konservativen bei der Erfindung der Eisenbahn auch gesagt haben.

Ich kann mir ebenfalls schwer vorstellen, dass ich diese halbe Stunde dann so erlebe, wie ich es derzeit tue. Dazu gehört das Schalten, Lenken, Gas geben, Bremsen, die Interaktion mit Anderen und dergleichen mehr. Als Beifahrer oder in der Bahn komme ich nicht in diesen kontemplativen Modus, in dem ich am Steuer bin. Einige Freunde berichten, dass sie beim Joggen so drauf kommen; von der Philosophin Hannah Arendt erzählt man sich, dass sie mit geschlossenen Augen denkend auf der Couch lag. Beides nicht mein Ding. Ich möchte dabei fahren.

Die Akzeptanz des Fortschritts

Aber wenn wir über die Zukunft der Mobilität nachdenken, kann es nicht darum gehen, was mein Ding ist. Wenn ich an die Zeit denke, die wir im Stau verbringen, an übernächtigte Fahrer von Kleintransportern unter Zeitdruck, an die die oft polemisch aufgegriffenen, aber nachvollziehbaren Probleme von Gelegenheitsfahrern und letztlich an die vielen Unfälle, wird schnell klar, dass der Status quo nicht erhaltenswert ist.

Die hinreichend bekannten Fälle, in denen der Autopilot eine Kollision herbeiführte, sollten nicht den Blick darauf verstellen, wie viele Unfälle durch Alkohol, Unerfahrenheit, Ablenkung, Hektik, Poser-Gehabe und andere dem Fahrer zuzuschreibenden Umstände verursacht werden. So sehr ich das selbstständige Fahren mag und mich schon Gurtwarner oder Kaffeepausen-Vorschläge nerven: Langfristig hat der technologische Fortschritt im Straßenverkehr Menschenleben gerettet und wird es in noch stärkerem Maße tun. Dem sollte man auch nichts in den Weg stellen.

Man kann mit guten Gründen aus rechtlicher Perspektive dagegen sein, utilitaristisch betrachtet dafür und mit Kant wieder dagegen. Ich verkürze es mal: Sobald die Einführung eines technologischen Fortschritts wie die Fußgängererkennung oder der Autopilot mehr Menschenleben retten als kosten, bin ich derzeit dafür. Ich möchte nicht verantworten, dass jemand deshalb verletzt wurde, weil auch ich gegen die Einführung einer lebensbewahrenden Technologie gestimmt habe. Nur weil mir meine halbe Stunde traditionellen Fahrens wichtiger war.

Was nun? Vielleicht lege ich mir einen Hund zu und habe meine halbe Stunde während des Spaziergangs. Vielleicht ist die halbe Stunde im Auto sogar viel besser, wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, dass das Auto selbst fährt? Okay, seien wir ehrlich: Das ist jetzt reiner Zweckoptimismus von mir. Ähnlich plausibel wie die Überlegung, dass der Brexit vielleicht auch etwas Gutes hat, über die ich in der halben Stunde auch schon sinniert habe. Oder Trump. Vielleicht hat ja auch die Wahl Trumps – ach, lassen wir das.

Genug nachgedacht: Blinker setzen, ich bin zuhause.


Image „Oberbraumbrücke“ by Paul Schmuck (CC0 Public Domain)


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#WorkDriveBalance: Über das Unterwegs-Büro und Geschwindigkeit


Dieser Beitrag ist Teil einer Artikelserie Work-Drive-Balance, in der sich unabhängige Autoren mit dem von Porsche initiierten Thema der #workdrivebalance im neuen Panamera auseinandersetzen.


Bisher bedeutete die Autofahrt zum Termin eine halbe Stunde Ich und die Straße – und unzählige Autofahrer, die meine Fahrtzeit unnötig verlängern. Oder: Wer hat da an der Ampel gepennt und die Kreuzung verstopft? Das kostet mich vier Minuten länger.

Alles wird in Zeit gemessen. Wie lange oder kurz etwas dauert, ist ein Maßstab der Qualität. Die Geschwindigkeit unseres Lebens nimmt rasant zu. Moderne Entwicklungen machen es möglich. Bekam man früher nur einmal am Tag Post, kann man heute rund um die Uhr E-Mails erhalten und verschicken. Damit steigen die Erwartungen – von uns, aber auch an uns. Unproduktive Zeit regt uns auf. Die Tugend der Geduld haben wir verlernt. Wie können wir aber auch geduldig sein, wenn wir an mehreren Orten gleichzeitig sein sollen?

Wir sind einem regelrechten Geschwindigkeitsrausch verfallen. Dabei geht es nicht mehr allein um schnelle Autos – das Internet muss es auch sein, damit wir noch kurz die Kalkulation unseres Kollegen nachschauen können oder den liegengebliebenen Bericht fertig machen, bevor wir zum nächsten Termin hechten. Denn wir sind stets auf dem Sprung. Was wir an einem Ort nicht schaffen, nehmen wir mit. In Ermangelung einer Alternative setzen wir uns ins Café, wo wir eigentlich eine Auszeit von der Hektik nehmen könnten. Das würde uns besser tun. Wir vermischen das Angenehme mit dem Anstrengenden.

Dabei gibt es Orte, an denen wir fokussierter arbeiten könnten – auch fern des Büros. Mit rückenfreundlichen Arbeitsplätzen, blitzschnellem WLAN, konzentrationsfördernder Ruhe und inspirierender Atmosphäre. Coworking Spaces finden sich in allen mittel- bis großen Städten und das Nächstgelegene finde ich auf meiner eigenen Plattform Meshville.

Hier habe ich mein Unterwegs-Büro gefunden. Den Ort, an dem ich mich ausbreiten kann und ohne Umstände meine Aufgaben erledigen. Da die meisten anderen im Coworking Space ebenso vertieft sind, schaffe ich das hier schneller als im Café. Aber einen Kaffee trinke ich trotzdem.

Nun muss ich auch alsbald weiter. Wieder steige ich ins Auto, wieder kommt die Arbeit mit. Auch hier bin ich im Optimierungsmodus. An der Ampel noch schnell eine Nachricht tippen – vom Gesetzgeber nicht gern gesehen, aber Realität. Besser die Freisprechanlage nutzen. Damit lassen sich Meetings während der Fahrt abhalten, um dem Gefühl Einhalt zu gebieten, unproduktiv zu sein. Diese Art von Fahrzeit fühlt sich nämlich gar nicht gut an.

Zukunftsversprechen machen selbstfahrende Autos. Tesla und Google sind die prominentesten Vorreiter in Tests um ebendiese. Nicht ohne Rückschläge. Sie mussten bereits diverse Unfälle melden, die jedoch immer noch geringer sind als die Unfallquote menschlicher Fahrer.

Im August versprach Personenbeförderungsdienstleister Uber dem selbstfahrenden LKW Startup „Otto“, von Anthony Levandowski, dem Gründer des Google-Autoprojekts, Anteile im Wert von 680 Millionen US-Dollar. Jetzt berichtet auch Apple, was bislang nur spekuliert wurde: sie arbeiten ebenfalls an selbstfahrenden Technologien.

Schauen die traditionellen Automobilhersteller nur zu? Ganz und gar nicht. Die sind ja nicht von gestern. Die Fortschritte der letzten Jahre bei der Sensorik lassen erahnen, was möglich ist. Bei ihnen ginge das Zusammenbauen jedenfalls schnell, das dürfte ihr Vorteil gegenüber den Techies aus dem Silicon Valley sein. Eine komplexe Maschine wie solch ein Auto zu erstellen, ist nicht einfach. Komplementär bringt Nissan ein voll ausgestattetes Büro auf die Räder.

Es ist ein Rennen um die Zeit. Wer wird der Weltöffentlichkeit als Erster sein zugelassenes, marktfähiges Modell präsentieren? Die zu erwartenden Gewinne sind unsagbar. Mich würde es freuen. Ich würde mehrere Stunden des Tages besser auskosten und entspannter von Termin zu Termin kommen. Das nächste Mal gehe ich dann wirklich nur zum Verweilen ins Café.

Auch aktiv Auto fahren will ich weiterhin. Am Wochenende mit einem sportlichen Wagen auf freien Straßen abseits der Verkehrsadern. Die Lust am Fahren bewahren. Diese Zeit habe ich mir unter der Woche durch effizientes Arbeiten während und zwischen Terminen verdient. Zeit vergeht wie im Flug, hört man des Öfteren. Bald wird man eher den Vergleich zur Fahrt suchen.


Image: Porsche Newsroom


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Bunt, flauschig oder seefest: So sieht der Arbeitsplatz der Zukunft aus

Wie sieht unser Arbeitsplatz in fünf Jahren aus? Bei einem Wettbewerb des Designmagazins Metropolis Mag und dem Unternehmen Staples wurden in der vergangenen Woche die innovativsten Ideen von Designern, Architekten und kreativen Geistern ausgezeichnet. Demnach sieht das Büro der Zukunft so aus: bunt, generationsübergreifend und aufblasbar.

Dass das nicht alles Zukunftsmusik ist, zeigt ein Blick auf einige kreative Arbeitsplätze in Deutschland. Vom Coworking Space auf einem Katamaran bis hin zum Gartenhäuschen haben die ersten Unternehmen hierzulande jetzt schon das Konzept des Arbeitsraumes völlig neu erdacht.

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Quelle: Instagram – https://www.instagram.com/zalandotech

Einfach mal durchatmen: Zalandos Gartenhäuschen in Berlin

So hat das Modeunternehmen Zalando in seiner Niederlassung in Berlin beschlossen, den Mitarbeitern einen Garten zu bauen. Wenn es also mal dicke Luft im Büro gibt oder die Mitarbeiter einfach zwischendurch mal im Grünen entspannen wollen, gibt es im Innenhof von Zalandos Büros mehrere Gartenhäuschen.

Urlaub im Büro: Trivago schafft Ferienstimmung für Mitarbeiter

Trivago steht für Fernweh, Urlaub und der Flucht aus dem täglichen Grau in Grau. Die Metasuchmaschine für Hotels hilft Reisefreudigen bei der Urlaubsplanung. Damit das für die Mitarbeiter nicht nur graue Theorie bleibt, hat sich das Unternehmen für das Düsseldorfer Büro etwas Besonderes ausgedacht – thematische Landschaftsräume. Die Büroräume wurden dabei so designt, dass sie verschiedene Länder und Landschaften repräsentieren. Von der Alpenlandschaft bis hin zum Unterwasserfeeling ist so ziemlich alles dabei.

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Quelle: Trivago Pressekit

So können Mitarbeiter selbst im Winter zumindest im Geiste in der warmen Toskana arbeiten oder sich mit ihrem Laptop in einen Nordsee-Strandkorb fläzen.

Der erste Coworking Space mit Segeln: Arbeiten an Bord des Coboat

Noch einen Schritt weiter geht dabei das Coboat. Anstatt die Urlaubsstimmung an den Arbeitsplatz zu holen, bringt das Coboat die Arbeiter in den Urlaub. Als weltweit erster Coworking Space auf einem Katamaran verwandelt das Coboat ein Segelboot in ein Büro … oder ist es doch andersherum? Egal!

In diesem Jahr jedenfalls stach das Coboat zum ersten Mal in See und segelte dabei von Thailand bis zu den Kanarischen Inseln. Mit solidem WLAN an Bord, einer entspannten Atmosphäre und der wohl besten Büroaussicht aufs azurblaue Meer zieht das Coboat Onlineunternehmer, digitale Nomaden und Kreative gleichermaßen an.

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Quelle: Coboat

Einer der Passagiere an Bord des Katamarans war Jennifer Lachs, digitale Nomadin und Gründerin der Facebook-Gruppe „Digital Nomad Girls“. Lachs war so begeistert vom segelnden Coworking Space, dass sie am liebsten gar nicht mehr von Bord wollte. Denn trotz der Urlaubskulisse ließe es sich wunderbar arbeiten, erzählt Lachs im Netzpiloten-Interview: „Man würde ja denken, dass das tolle Umfeld einen vom Arbeiten ablenkt, aber für mich wirkt es eher motivierend. Je schneller ich meine Aufgaben erledigt habe, umso schneller kann ich ins Wasser springen.“

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Quelle: Coboat

InnoGames setzt auf verspielte Büros

Da wir schon beim Schwimmen während der Arbeit sind – auch bei InnoGames in Hamburg wird das Eintauchen in verschiedene Welten groß geschrieben. Offensichtlich waren den Innenarchitekten die typischen Chill-Out-Zonen mit Flipper und Tischtennistischen zu langweilig. Für die Mitarbeiter des Videospielentwicklers gibt es sogar thematische Büroräume. Senior PR-Managerin Sarah Sellner erklärt gegenüber den Netzpiloten die Hintergründe der Designs: „Unsere Meetingräume orientieren sich an bekannten Spieleklassikern. Die Mitarbeiter konnten sich vor der Neugestaltung des Gebäudes im Rahmen einer Umfrage aktiv einbringen und ihre Ideen und Wünsche äußern. Ziel war es, die kreative und verspielte Atmosphäre von InnoGames als Arbeitgeber zu unterstützen und den Mitarbeitern Raum für frische Ideen zu geben.“ Warum also nicht beim geschäftlichen Meeting in „Tausendundeine Nacht“ eintauchen?

Bürogebäude
Quelle: InnoGames, Image by Daniel Sumesgutner

Innovativ aber noch sehr statisch

Auch wenn die meisten Arbeitsplätze immer noch nach wie vor statisch sind – es bewegt sich langsam was in der deutschen Bürolandschaft. Was dürfen wir also vom Arbeitsplatz der Zukunft hierzulande erwarten?

Arbeitszeit und Freizeit scheinen immer mehr miteinander zu verschmelzen. Arbeiten und Ausspannen sind keine getrennten Konzepte mehr, sie gehen in diesen Büros Hand in Hand. Es scheint auch einen Trend weg von der Funktionalität und Effizienz zu geben. Unternehmen gestalten ihre Büros tatsächlich so, dass die Mitarbeiter sich darin wohl fühlen – und nehmen auch ihren Input an. Dabei sind der Fantasie offensichtlich keine Grenzen gesetzt. Wir sind also gespannt auf mehr Innovationen am Arbeitsplatz.


Image „office“ by JanBaby (CC0 Public Domain)


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Stehaufmaennchen: Gegen die Statik am Arbeitsplatz

Flexibilität ist ein in der Wirtschaft zurzeit sehr nachgefragter Status, den vor allem größere Unternehmen nur noch sehr schwer erreichen und deshalb neidisch auf wesentlich agiler agierenden Startups schauen, bevor sie dann manchmal einfach aufkaufen. Doch wie wir arbeiten, und das trifft oft auch auf Startups zu, ist oft von dem Wesen her überhaupt nicht flexibel.

Das zeigt sich schon bei der Inneneinrichtung. Höhenverstellbare Tisch und andere Lösungen, um beispielsweise im Stehen zu arbeiten, werden oft aus Unwissenheit über die Vorteile erst gar nicht nachgefragt oder überhaupt angeboten. Oft liegt es natürlich an den Kosten für neue Möbel, aber noch öfters fehlt ein Bewusstsein für das Thema und der Wunsch nach Veränderung.

An diesem Punkt setzt ein Startup namens Stehaufmaennchen aus Niedersachsen an. Der Name erklärt das Konzept ziemlich gut (wenn auch nicht gerade geschlechtsneutral.) Es handelt sich bei dem gleichnamigen Produkt um eine flexible Tischerhöhung aus Wellpappe, die den Arbeitsalltag mit wenigen Handgriffen erleichtern soll.

Einer der beiden Gründer, Jannik Schäfer, hat mir vor ein paar Wochen ein Testgerät ins St. Oberholz vorbei gebracht, damit wir unserer Community die Möglichkeit bieten können, flexibel auch einmal im Stehen zu arbeiten. Inzwischen haben wir sechs Stehaufmaennchen an unseren beiden Standorten im Einsatz und auch schon einen Café-Gast gehabt, der damit arbeiten wollte.

Wie bist du auf diese Produktidee gekommen?

Es gibt, denke ich, einige Produkte auf dem Markt, die sich mit dem Stehen am Arbeitsplatz befassen. Im Zuge dessen haben wir uns gefragt, wie können wir so etwas, was sich schon auf dem Markt befindet, aus einer anderen Materialität schaffen und mehr Flexibilität gewinnen. So entstand die Idee Pappe zu nutzen.

Und den Wunsch, auch im Stehen zu arbeiten, konntest du gleich nachvollziehen?

Ja, denn der Wunsch nach dem Arbeiten im Stehen ist eine Sache von Bewegung verbunden mit der Frage: Wie frei kann ich mich am Arbeitsplatz bewegen?. Um das zu verstehen, muss man nicht schon seit Jahren in einem Büro arbeiten. Es ging aber auch darum, ein Problem für ein Startup zu finden, dass lösbar ist.

Was war das Problem, dass ihr gesehen habt?

Rückenschmerz ist für die meisten Menschen fast schon ein Synonym für den Arbeitsalltag. Mein Mitgründer Johannes Meisenheimer und ich haben uns gefragt, wie flexibel und dynamisch man eigentlich heutzutage arbeiten kann und daraufhin ein Produkt in diese Richtung weitergedacht.

Jannik kommt aus der Nähe von Frankfurt/Main, Johannes ist in der Nähe von Osnabrück aufgewachsen, wo die beiden ihr Produkt aus einer Garage heraus verkaufen. Sehr romantisch für zwei Männer mit einem Abschluss in International Business Management Studies. Die beiden Gründer haben sich beim Studium im holländischen Groningen kennengelernt.

Nach ersten Erfahrungen in der Arbeitswelt in Irland und Hamburg, haben sich die beiden für die Gründung ihres Startups zusammengeschlossen. In dieser Zeit ist die Idee für „Stehaufmaennchen“ geboren und weitergedacht worden. Anfang dieses Jahres haben die Beiden begonnen erste Prototypen zu bauen. Wie man laut der Theorie ein Unternehmen führt, wissen sie, der Rest ist learning by doing wie Jannik es formuliert. Ähnlich ist es beim übergeordneten Thema – Gesundheit am Arbeitsplatz, der Kontext in dem man ein Produkt wie das Stefaufmaennchen betrachten muss.

Welche Rolle spielt außeruniversitäres Wissen für eure Produktentwicklung?

Wissen anzuhäufen ist ein enorm wichtiges Thema. Wir haben im Zuge der Wissensbeschaffung einige Unternehmen befragt: Wie steht es bei euch um das Thema Ergonomie? Wie arbeiten eure Mitarbeiter? Bietet ihr schon Möglichkeiten für mehr Bewegung im Arbeitsalltag? – Beispielsweise im Bereich des Mittelstands, der für uns von großem Interesse ist, oft eine Frage der Ressourcen. der, eher so, dass wir die Ressourcen gar nicht haben? So rückte das Thema Ergonomie für uns in den Vordergrund.

Wir haben viel im Internet recherchiert und einige interessante Lösungen gesehen, wie Leute sich einen eigenen Standing Desk zusammengebaut haben, beispielsweise mit einem Stapel Bücher oder einem alten Karton. Das haben wir dann versucht zu verstehen, weiterentwickelt und uns über Möglichkeiten einer Umsetzung informiert.

Welche Vorteile bietet einem das Stehaufmaennchen?

Der größte Vorteil ist die Flexibilität. Es lässt sich sekundenschnell aufbauen und zusammengefaltet wieder zur Seite stellen. Dieser Ansatz entspricht voll dem heutigen Gedanken vom flexiblen Arbeiten. Gerade in Coworking Spaces, die Menschen helfen ortsunabhängiger zu arbeiten, ist Flexibilität, ein essentieller Wert den wir durch das Angebot unseres Produkts vor Ort erweitern wollen.

Und das Potenzial geht drüber noch hinaus. Vielleicht haben wir den richtigen Einsatzbereich noch gar nicht gefunden. Es könnten Coworking Spaces sein, weshalb wir das Stehaufmaennchen auch im St. Oberholz gern getestet sehen, aber auch Bibliotheken oder Universitäten. Eigentlich jeder Ort, an dem ein Mensch sich bewegen kann, um nicht nur statisch sitzend seiner Arbeit nachzugehen.

Noch ist „Stehaufmaennchen“ ein sehr junges Startup, dass ein erstes Produkt auf den Markt gebracht hat, welches sogar einen leicht zu verstehenden Sinn erfüllt. Damit haben die beiden Gründer vielen anderen Startups schon einmal etwas voraus. „Wir sind momentan noch bei Version 1.0“, erklärt Jannik, zeigt sich aber zugleich auch sehr zufrieden mit dem bereits erreichten. Wie eines Tages Version 2.0 aussehen wird, ob es aus einem anderen Material als Pappe und vielleicht sogar noch flexibler sein wird, ist ungewiss.

Image by Tobias Schwarz (CC BY 4.0)

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20 Jahre Forschung im Fraunhofer-Institut: Über die Zukunft der Arbeitswelt

Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) feiert Geburtstag. Seit 1996 hat das Institut zusammen mit Partnern aus der Wirtschaft das Verbundforschungsprojekt Office 21 vorangetrieben. Die zentrale Frage war und ist dabei stets: Wie sieht die Zukunft unserer Arbeitswelt aus? Um diese Entwicklungen nicht nur in wissenschaftlichen Publikationen sichtbar, sondern auch tatsächlich erlebbar zu machen, wurde 1998 das Informations- und Demonstrationszentrum Office Innovation Center in Stuttgart gegründet.

Damit haben wir erstmals nicht nur ein Demonstrationszentrum für die Präsentation neuer Konzepte und Produkte zum Thema Bürogestaltung geschaffen, sondern auch eine Spielwiese, um die Tauglichkeit innovativer Bürolösungen im Detail zu evaluieren und weiter zu entwickeln“, sagt Professor Wilhelm Bauer, Initiator des Projekts und Leiter des IAO. Seit seinen Anfängen versucht das IAO damit am Puls der Zeit zu sein und Arbeitsszenarien der Zukunft zu erdenken. Hier ein Überblick über Meilensteine aus 20 Jahren IAO-Forschung.

2000: Von der Industriegesellschaft ins Wissenszeitalter

Die Zeit der Industriegesellschaft ist vorbei – wir befinden uns auf dem Weg ins Wissenszeitalter.  Mit dieser Prognose legt die erste Forschungsarbeit von Office 21 den Grundstein für den Weg in die digitale Ära. Die Autoren Hans-Jörg Bullinger, Wilhelm Bauer, Peter Kern und Stephan Zinser diagnostizieren in ihrer Publikation ‚Büroarbeit in der dotcom-Gesellschaft gestalten‘ einen Umschwung in der Arbeitswelt. Kohle und Stahl sind von gestern, die Rohstoffe der Zukunft heißen nun Wissen und Information. Kreativität löst das Fließband als Produktivitätsfaktor ab.

Damit werden auch Angestellte von isolierten Einheiten zu „Knowledge-Workern“,  die sich wie Nomaden in Netzwerken bewegen. Ihre neue Heimat ist ein Büro mit stetem und schnellen Zugang zu Wissen und Information. In ‚Büroarbeit in der dotcom-Gesellschaft gestalten‘ geben die Autoren Tipps für Unternehmen, wie sie diesen Wandel kreativ mitgestalten können – und wie ein Büro für den Wissensnomaden im neuen Jahrtausend aussehen könnte.

2003: Der Mitarbeiter als wichtigste Ressource

Der Faktor Mensch rückt in den Mittelpunkt der Arbeitswelt. Dies ist die zweite große Prognose, die das IAO macht. ‚Mehr Leistung in innovativen Arbeitswelten‘ lautet der Titel des Handbuchs, mit dem das Institut sich vor allem an Unternehmen richtet. Diese finden hier praktische Hilfen und erprobte Praktiken, um Mitarbeiter in Unternehmen zu motivieren. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass der Mensch zur wichtigsten Ressource in Unternehmen geworden ist. Allein die Motivation, das Wissen und die Kreativität der Mitarbeiter entscheidet über Erfolg und Produktivität des Unternehmens. Das bedeutet auch, dass die Bedürfnisse der Mitarbeiter ernst genommen werden müssen. Ein netter Firmenwagen reicht dabei als Belohnung nicht mehr aus. Mitarbeiter fordern mehr Flexibilität, mehr Gestaltungsraum und mehr Entscheidungsfreiheit im Job.

„Change Management“ lautet das Zauberwort, das Office 21 in seiner zweiten großen Publikation vorantreiben möchte. Ausgelöst von neuen Büroformen, von bahnbrechenden Fortschritten in der Informations- und Kommunikationstechnologie und dem Wissen um den „Erfolgsfaktor“ Mensch, müssen Unternehmen umdenken. Wer in der Arbeitswelt der Zukunft erfolgreich sein möchte, muss demnach den „Wohlfühlfaktor Mensch“ ins Zentrum setzen.

2010: Büros werden grün

Unternehmen wollen nachhaltige Arbeitsplätze schaffen. In einem weiteren Meilenstein ihrer Büroforschung stellen die Wissenschaftler des IAO fest: „Es bestehen noch enorme Ausschöpfungspotenziale, um die ökologische Nachhaltigkeit im Unternehmen und in der Büroarbeit zu steigern.“ In ihrer Studie ‚Green Office‘ haben die Forscher deutsche Unternehmen nach ihren Vorstellungen zu nachhaltigen Arbeitsräumen befragt. Dabei antworten 42 Prozent der befragten Unternehmen, dass ihnen umweltfreundliche und ressourcenschonende Technologien sehr wichtig seien.

Das zeigt einen Wandel von rein profitorientierten zu ökologisch engagierten Unternehmen. Der Arbeitsort wird damit auch zu einem sozialen Ort. Mitarbeiter und auch Kunden ist es nicht mehr egal, wo sie arbeiten und welche Produkte sie kaufen. Der bewusste Konsument und Mitarbeiter will genau wissen, welchen gesellschaftlichen Beitrag ein Unternehmen leistet. Das entscheidet oft über den Kauf eines Produkts oder die Mitarbeit in einer Firma.

Wir identifizieren uns mehr mit unserer Arbeit und verlangen deshalb auch mehr Engagement von Unternehmen. Die Prognose für den Arbeitsplatz der Zukunft im Jahr 2010 war also sozial engagiert und ökologisch.

2012: Visionäre Arbeitswelten

Wie sieht unsere Zukunft in zehn Jahren aus? Dieser Frage gehen die Forscher im Office 21 in ihrer Studie ‚Arbeitswelten 4.0 – Wie wir morgen arbeiten und leben‘ nach. Die klare Vision: Unsere Welt wird digitaler. Das wirkt sich nicht nur auf unsere Arbeit aus, sondern auch auf unser digitales Selbst. Unser Erscheinungsbild im Netz ist unsere zukünftige Visitenkarte. Die Forscher sprechen von einer „digitalen Aura“.

Eine weitere Prognose ist die Dominanz von Cloud-Technologien. Unsere mobilen Technologien versorgen sich selbst mit Informationen. Je nachdem, wo wir uns befinden und wer wir sind, werden wir permanent mit für uns relevanten Infos versorgt. Auch wenn das für manche ein wenig zu stark an „Minority Report“ erinnert, sprechen die Forscher optimistisch davon, wie alles „nahtlos und drahtlos“ laufen wird.

Darüberhinaus gehen die Wissenschaftler voraus, dass ältere Arbeitnehmer weiterhin aktiv sein werden – gerade im Berufsleben. Ihr Know-how gilt demnach als wichtige Ressource für Unternehmen. Auch der Arbeitsplatz verändert sich: In zehn Jahren haben wir keine steifen Großraumbüros mehr, unser Schreibtisch ist dynamisch, arbeitsfreundlich und auf jeden Mitarbeiter individuell abgestimmt. Willkommen in der Arbeitswelt der Zukunft!

2014: Das Büro wird zum Coworking Space

Nachdem die Forschung des Office 21 sich sehr intensiv mit der Entwicklung des Büroraums beschäftigt hat, stellen die Forscher einen völlig neuen Trend fest: Weg vom klassischen Schreibtisch, hin zum gemeinsamen Arbeiten im Coworking Space. In ihrer Publikation ‚Faszination Coworking‘ gehen die Forscher auf das Erfolgsmodell Coworking ein.

Gerade die Offenheit solcher Arbeitsräume und die lose Organisation zieht immer mehr Unternehmen und Freelancer in Gemeinschaftsbüros. Hier scheint sich der Trend nach mehr Entfaltungsspielraum wiederzufinden. Arbeitnehmer können ihre Arbeitszeiten individueller gestalten und sich viel dynamischer mit Kollegen austauschen. Doch nicht nur das – gerade der Austausch mit branchenfremden Coworkern scheint die Kreativität in ganz neue Bahnen zu lenken. Es entstehen neue Businesskonzepte und ungeahnte Kooperationen. Der Coworking Space wird so zur kreativen Bastelstube der Arbeitswelt.

2016: Der Abschied vom Papier

In ihrer aktuellen Untersuchung ‚Digitales Arbeiten. Motive und Wirkungen papierarmer Arbeitsweisen‘ widmen sich die IAO-Forscher einem neuen Zukunftsthema, dem papierlosen Büro. Besonders im Augenmerk sind dabei die Zusammenhänge zwischen digitalem oder papiergestütztem Arbeiten und persönlicher Leistung. Also: Sind wir erfolgreicher, wenn wir alles mit Stift auf Papier notieren und Dokumente ausdrucken oder arbeiten wir produktiver, wenn unsere Notizen und Informationen digital bleiben?

Mit diesem Thema ist das Office 21 erneut einem Trend auf der Spur. Denn immer mehr Unternehmen haben die Vorteile des papierlosen Büros erkannt. Sie sparen damit nicht nur Druckkosten und schonen die Umwelt. Digitales Abspeichern von Informationen spart auch Zeit. Mitarbeiter können so ganz einfach und jederzeit per Cloud-Technologie auf Informationen zugreifen – von überall. So bleibt das Wissen in Unternehmen auch viel länger erhalten und ist für alle zugänglich. Die Forscher sind sich sicher: Das papierlose Büro kommt. Die Frage ist nur noch, wann es soweit ist.

Office 21-Forschung: Rückblick und Zukunftsperspektive zugleich

In 20 Jahren hat das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation die Entwicklung unserer Arbeitswelt sehr genau erforscht und dabei wichtige Zukunftstrends ausgemacht. Doch gerade auch im Rückblick lässt sich daran erkennen, wie wir langsam aber sicher den Wandel von der Industriegesellschaft zur digitalen Gesellschaft vollziehen.

Der Trend zur Wissensgesellschaft, die Digitalisierung unserer Welt und die Entwicklung von neuen Arbeitsformen sind dabei nur einige neue Trends in unserer Arbeitswelt. Die Forschung des IAO ist und bleibt damit auch weiterhin ein spannendes Barometer unserer aktuellen und zukünftigen Arbeitswelt.


Image “office” by Unsplash (CC0 Public Domain)


 

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Die Bibliothek erfindet sich als Ort der Arbeit neu

(image by Tobias Schwarz[CC BY 4.0]

Das Analoge und das Digitale sind keine sich gegenseitig ausschließenden Sachverhalte, viel mehr beeinflussen sie sich gegenseitig, da sie sich entweder miteinander verbinden oder zumindest deckungsgleich zueinander verhalten. Am Beispiel der Bibliothek kann man erkennen und nachweisen, wie sich digitale Innovationen auf die analogen Entwicklungen auswirken. Bibliotheken haben auch fast 20 Jahre nach der Gründung von Google (1998) und der Wikipedia (2001) nichts von ihrer Bedeutung bei der Informationsbeschaffung verloren.

Das Aufgabenspektrum der Bibliotheken hat sich in den letzten 20 Jahren massiv gewandelt. Die Bibliothek ist schon lange nicht mehr nur das Haus des gedruckten Buches, neben die analogen Angebote treten zunehmend auch digitale Angebote. Hier liegen künftig große Aufgaben bei der Erfassung und Vermittlung der Angebote und Leistungen der Bibliotheken.

– Dr. Frank Simon-Ritz, Vorsitzender des Deutschen Bibliotheksverbands

Die Bibliothek wandelt sich – sowohl digital als auch analog

Die digitale Nutzung von Bibliotheken ist der digitale Aspekt des Wandels dieses einzigartigen, nichtkommerziellen, kommunalen Raums. Die Gestaltung des Raumes selbst ist das analoge Pendant des gleichen Wandels. „Die Aneignung von Wissen, auch das Wissen selbst, haben sich generell sehr stark verändert“, erklärte Corinna Haas, Bibliotheksleiterin am Institute for Cultural Inquiry, im Interview auf Netzpiloten.de, und mit ihr auch die „Lern- und Arbeitsformen, Raumangebote, digital verfügbare Materialien und Lernplattformen.

Dass das Digitale oft nur als ein Katalysator für das Analoge fungiert, zeigt hierzulande die Stadtbibliothek Köln, die im Jahr 2015 als ‚Bibliothek des Jahres‘ ausgezeichnet wurde. Wissensvermittlung beschränkt sich hier nicht auf (digitalisierbare) Medien, sondern wird auch in Form von Kursen und neuen Räumen praktiziert. Die Kölner Stadtbibliothek hat sich um einige von Coworking Spaces inspirierte Arbeitsflächen und einen den Wandel fassbar machenden Makerspace zum Erlernen von digitalen Fähigkeiten strategisch erweitert.

Diese Entwicklung beeindruckt, denn das Digitale wird hier weder zur Überhöhung seiner Bedeutung vom Analogen getrennt, noch zur Abwertung vom Analogen isoliert. Das Digitale kann nur ein Abbild des Analogen sein, dies muss sich dafür durch das Digitale auch verändern lassen, denn es ist nicht mehr oder weniger real als es das Digitale an sich ist. Die Veränderung der Bibliothek, seiner Räume, Funktionen und Angebote, ist deshalb nur logisch und konsequent. Dieser Wandel ist übrigens stetig und niemals zu Ende.

Die Bibliothek der Zukunft muss es deshalb verstehen, diese mächtigen Verbindungen des Digitalen mit dem Analogen zu erkennen und gestalten zu können. Auf einer Pressereise des Deutschen Bibliotheksverbands durch Bibliotheken in den Niederlanden und Belgien Mitte September konnte ich interessante Beispiele für die Nutzung dieser wirkungsvollen Verschränkungen kennenlernen: die Bibliothek der Technischen Universität Delft und die öffentliche Bibliothek DOK Delft, sowie das interne Lernzentrum der Universität Leuven.

Die Bibliothek als Coworking Space neu gedacht: TU Delft

Liesbeth Mantel, Head of Open Space an der Universitätsbibliothek der TU Delft, betrachtet ihren Arbeitsplatz als riesiges Coworking Space „mit verschiedenen Abteilungen wie Ruheräumen, Arbeitsplätzen zum Zusammenarbeiten und Basteltischen.“ Für wahrscheinlich jede Person und jede Aktivität gibt es einen Raum in der Bibliothek. Den Wandel hat sie eingeleitet, nachdem sie seit 2009 vor allem in den sozialen Netzwerken Facebook und Twitter immer mehr über neue Methoden des Arbeitens in Unternehmen las.

Die Bibliothek besteht aus einem großen Raum, in dem vor allem gearbeitet wird. Hier sitzen auch die Mitarbeiter der Bibliothek, die keine eigenen Büros mehr haben. „Wir wollten neue Wege des Arbeitens einschlagen, um fröhlichere Mitarbeiter zu haben (…) und für mich war ein eigenes Büro nie praktisch“, erklärt sie. Darum sind Computer- und Projekträume verteilt, die sowohl für die Bibliotheksnutzer als auch für die Mitarbeiter gedacht sind. Die riesige Bücherwand am Ende des Raums hat fast nur noch dekorative Zwecke.

(image by Tobias Schwarz[CC BY 4.0]
„Ort der Arbeit statt Lesesaal: die Universitätsbibliothek der TU Delft“ (Bild: Tobias Schwarz, CC BY 4.0)
Bereits 2010 verzichtete die Bibliotheksdirektorin auf ein eigenes Büro und mit ihr das gesamte Management der Bibliothek. Seitdem wurde jährlich eine weitere Büroebene der Verwaltung in Projekträume umgewandelt: „Wir gestalten unsere geschlossenen Büroräume mit einer neuen Einrichtung neu und wandeln sie in hybride Büroflächen um, die tagsüber von unseren Mitarbeitern und abends sowie am Wochenende von den Studierenden genutzt werden können.“ Mantels Kollegen nahmen die neuen Arbeitsplätze im Offenen sehr gut an.

Die Bibliothek wird vor allem von Studierenden genutzt, für die der Zugang zur Bibliothek kostenlos ist. Grundsätzlich steht sie aber jedem offen. Das Angebot wird angenommen, da die Bibliothek sieben Tage die Woche geöffnet ist, auch an Feiertagen. Dazu kommt das ebenfalls an Coworking Spaces erinnernde Community- und Event-Management. „Wir wollen Treffen wieder einen Sinn geben“, erklärt Liesbeth Mantel ihr Bestreben, sowohl Kurse als auch Lesungen und Ausstellungen zu organisieren und den Menschen Freiraum zu geben.

Wo Menschen sich begegnen und kennenlernen: DOK Delft

Ähnlich würde es wohl Marijke Timmerhuis von der öffentlichen Stadtbibliothek Delft beschreiben. Deshalb gilt hier eine für eine Bibliothek sehr ungewöhnliche Regel: den Bibliotheksnutzern ist es erlaubt, zu reden und zu essen. „Dies gestatteten wir, da wir davon ausgehen, dass es bei einer Bibliothek vor allem darum geht, andere Menschen kennenzulernen und nicht um Ruhe und ums Studieren. Dafür haben wir in Delft die Bibliothek der Technischen Universität sowie andere Orte zum Studieren.“, sagt Timmerhuis.

(image by Tobias Schwarz[CC BY 4.0]
„Die Stadtbibliothek Delft möchte ein Ort für Menschen und nicht der Bücher allein sein“ (Bild: Tobias Schwarz, CC BY 4.0)
Mit diesem Konzept, das das Miteinander auf einer von Arbeit unabhängigen Ebene in den Vordergrund stellt, möchte sich die Bibliothek von ähnlichen Institutionen unterscheiden: „Wenn man Menschen sich wohlfühlen lassen möchte, dann müssen sie sich frei und in dem, was sie machen, uneingeschränkt fühlen. Ich glaube, dass Essen und Reden, wann man möchte, dazugehört.“ Und die Menschen nehmen das Angebot an. Wie auch die Bibliothek der TU Delft, verzeichnet das DOK Delft ein Mitgliederwachstum.

Die freiere Nutzung der Räume macht, wieder ähnlich wie bei der Universitätsbibliothek der TU Delft, auch nicht vor den eigenen Mitarbeitern halt: „Die Büroebene ist mehr ein Versammlungsraum für die Mitarbeiter, als ein Ort, um still zu arbeiten. Es ist sehr wichtig, seine Kollegen zu treffen, sich miteinander zu beschäftigen und zusammenzuarbeiten.“, schildert Timmerhuis den Arbeitsalltag unter den Angestellten. „Jetzt ist alles ungezwungener und dadurch schneller, als wenn man stets formelle Treffen ansetzt.

Die Bibliothek hat sich von der Fläche her verkleinert und mit einer Musikschule einen Untermieter gefunden, der in das Konzept passt, Kinder heute auf die Zukunft vorzubereiten. Das Leitmotiv der DOK Delft ist es, „die Lebens- und Lernumgebung der Kinder zu beeinflussen und sie spielerisch dazu anzuregen, ihre Phantasie und Kreativität zu entdecken.“ Denn sie werden einmal in einer Gesellschaft arbeiten, die sich von der heutigen darin unterscheidet, „dass es weniger um Wissen und mehr um Kreativität gehen wird.

Bibliotheken übernehmen neue Funktionen in der Gemeinde

Die belgischen Bibliotheken, die wir auf der Pressereise kennenlernten, wirkten viel mehr wie Gemeindezentren ihrer Kommunen, deren wichtigste Aufgabe die vom Staat seit Jahrzehnten versäumte Integration von hier Zuflucht suchenden Menschen so gut es ging nachzuholen. Dies fiel vor allem in der Antwerpener Bibliothek Permeke auf, in einem Viertel mit der weltweit höchsten Verdichtung an unterschiedlichen Nationalitäten und Sprachen, sowie an der Bibliothek des Brüsseler Stadtteils Molenbeek.

(image by Tobias Schwarz[CC BY 4.0]
„Die Bibliothek Permeke bedient eine unvergleichbar multikulturelle Gemeinde“ (Bild: Tobias Schwarz, CC BY 4.0)
Die Universitätsbibliothek Leuven wirkte im Vergleich sehr klassisch, zeichnete sich in erster Linie weder durch neue gesellschaftliche Funktionen oder innovative Raumkonzepte aus – mit Ausnahme des neu geschaffenen Lernzentrums Agora, das laut dessen Leiter Peter Verbist vor allem Studierende dabei unterstützen soll, besser zu lernen. Hier wurden verschiedene Räume mit unterschiedlichen Nutzungskonzepten entwickelt, um Studierenden einen individuell für sie passenden Ort zum Studieren anbieten zu können.

Und die Serviceangebote des Lernzentrums für Studierende wurden um Hackathons, Wirtschaftsplanspiele und ähnliche Veranstaltungen erweitert. „Diese Veranstaltungen finden alle als nicht formale Kurs statt. Studierende können sich hier selbst organisieren und gemeinsam Wissen schaffen. Wir betrachten sie als junge Professionelle, die sich im Agora zu besseren Studierenden und jungen Erwachsenen weiterentwickeln können“, schildert Verbist die Mission des Lernzentrums. Das Studium, als Freiraum zur Selbstermächtigung gedacht.

Ob aber nun Ort für die Integration oder als Coworking Space der Arbeit –  diese Bibliotheken in den Niederlanden und Belgien reagieren auf den Einfluss des digitalen Wandels auf das Konzept Wissensvermittlung mit neuen Strategien für den analogen Raum. Neben digitalisierten Wissensbeständen und dem Zugang zu digitalen Medien wird vor allem versucht, den Menschen und seine Aktivitäten in einer Bibliothek neu zu definieren. Die jede Veränderung antreibende Frage ist, wie Bibliotheken (noch) genutzt werden können.


Images: Tobias Schwarz/Netzpiloten, CC BY 4.0


Die Pressereise erfolgte auf Einladung des Deutschen Bibliotheksverbands und wurde von diesem vollständig mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung finanziert.

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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • JOURNALISMUS bildblog: Das Attentat von München und die Medien: In der heutigen Zeit weiß man schon nicht mehr, was schlimmer ist: Das Attentat selbst oder die Berichterstattung drumherum. Mit einer Selbstverständlichkeit und Sensationsgeilheit (Par­don) werden „Journalisten“ und Redakteure auf die Menschen los gelassen. Es werden Gerüchte verbreitet, Behauptungen aufgestellt und der Pressekodex mit Füßen getreten. Gerade bei solchen Ereignissen wie dem Attentat von München, braucht es nun mal ein wenig Fingerspitzengefühl um gerade auch Hinterbliebene zu schützen. In vielen Fällen wäre auch ein klein wenig Geduld von Vorteil, bevor etwas gestreut wird.

  • WLAN golem: Kommt nun der Boom für offene WLANs?: Betreiber offener WLANs sollen in Zukunft für mögliche Gesetzesverstöße von Nutzern nicht mehr juristisch und finanziell belangt werden können. Nach der Unterzeichnung durch Bundespräsident Joachim Gauck und der Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt tritt eine entsprechende Änderung des Telemediengesetzes am Mittwoch in Kraft. Die große Koalition hatte sich nach monatelangen Diskussion im Frühjahr auf einen Gesetzestext geeinigt. Der Bundesrat hatte die Abschaffung der Störerhaftung im Juni gebilligt.

  • SOCIAL MEDIA Xing: Souverän & schlagfertig: DIE WELT hat verstanden, wie Social Media funktioniert: Das Social Media Management der WELT ist für seinen souveränen Schlagabtausch und witzige Kommentare auf Facebook bekannt. Doch wer zieht eigentlich die Strippen hinter den Kulissen und wie kam es zu der Entscheidung, mit Usern auf diese Weise zu interagieren? Niddal Salah-Eldin, Head of Social Media, gibt im Interview tiefe Einblicke in ein Community Management, das seinesgleichen sucht.

  • RECHT medienpolitik: Es muss schneller entschieden werden: In Leipzig soll das erste deutsche Schiedsgericht für Streitfälle in Medienfragen entstehen. Der Chef der Sächsischen Staatskanzlei Fritz Jaeckel hat dafür bereits namhafte Hochschullehrer und Praktiker gewinnen können. Bislang werden Streitigkeiten, die die Medien betreffen, vor Verwaltungsgerichten und Zivilgerichten ausgetragen. Das Schiedsgericht soll die Streitfälle deutlich schneller lösen.

  • WORK berufebilder: Karriere oder Liebe?: Ist Flexibilität in der heutigen Zeit eigentlich noch modern? Gerade in Zeiten von HomeOffice, Coworking Space und flexiblen Arbeitszeiten werden vielen Arbeitnehmern eine Fülle an Optionen geboten. Doch wie sieht das eigentlich gerade die junge Generation? Denn grundsätzlich ist die Bereitschaft zur Mobilität überwältigend, wie eine Studie des Personaldienstleisters univativ unter über 1.200 deutschen Studenten herausgefunden hat. Für 89 Prozent kommt trotz fester Beziehung ein Wohnortwechsel in Frage.

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Was Startups und Unternehmen voneinander lernen können

Startup (Image: StartupStockPhotos [CC0 Public Domain], via Pixabay)

Während Kooperationen zwischen kreativen Startups und etablierten Unternehmen in vielen Ländern gang und gäbe sind, hat sich Deutschland bis jetzt damit noch sehr schwer getan. Doch in den vergangenen Jahren haben auch deutsche Unternehmen und Startups erkannt, dass sie von einer solchen Zusammenarbeit profitieren können. Solche Kooperationen helfen dabei nicht nur den Firmen selbst, sondern langfristig auch der deutschen Wirtschaft.

Es tut sich was in der deutschen Wirtschaft. Langsam, vorsichtig und bedächtig, wie so vieles in Deutschland – aber es bewegt sich was. “Es” heißt dabei mal Accelerator-Programm, manchmal auch Mindbox oder auch Ventures – gemeint ist damit jedenfalls die Zusammenarbeit zwischen einem etablierten Unternehmen und einem Startup.

Das klingt erstmal nach nichts Neuem, aber was in Ländern wie den USA oder Israel schon seit Jahren geläufige Praxis ist, wird in Deutschland derzeit noch vorsichtig getestet. Dabei liegen die Vorteile einer Kooperation zwischen einem etablierten Unternehmen und Startups eigentlich auf der Hand: Klassische Unternehmen bekommen neuen Schwung und neue Ideen in alte Abläufe, junge Startups wiederum können von der Erfahrung und dem Know-how der traditionellen Unternehmen viel lernen. Dabei gibt es natürlich unterschiedliche Formen der Zusammenarbeit. Startups und Unternehmen können projektbezogen zusammenarbeiten oder es geht darum, in einem Joint-Venture durch eine Zusammenarbeit ein Problem zu lösen. Es gibt darüber hinaus auch Inkubator-Modelle sowie Förder-Kooperationen zwischen Startups und Unternehmen. Doch auch wenn die Formen der Zusammenarbeit variieren, sind die Vorteile ähnlich: Beide Seiten können von den Synergie-Effekten der Zusammenarbeit profitieren.

DGFP Praxis-Papiere Best Practices 06/2015 Innovationen und Lernen – Wie KMU und Startups voneinander profitieren können
DGFP Praxis-Papiere Best Practices 06/2015 Innovationen und Lernen – Wie KMU und Startups voneinander profitieren können

Deutschland fehlt die Experimentier-Kultur

Katharina Heuer, Geschäftsführerin der Deutschen Gesellschaft für Personalführung e.V. hat das Kooperations-Potential zwischen Startups und KMUs mit einigen Kollegen in einem Praxis-Papier genauer untersucht. Ihre Bilanz: Das große Potential solcher Kooperationen wird in Deutschland einfach noch nicht genug ausgeschöpft. Das liegt zum Teil daran, dass traditionelle Unternehmen sehr steife Strukturen haben, während die Hierarchien in Startups sehr flach sind. Ideen werden hier schnell umgesetzt, in Unternehmen mit komplexeren Personalstrukturen ist so etwas nicht ohne Weiteres möglich. So ist eine Zusammenarbeit für beide Seiten nicht immer ganz problemlos und geht nicht auch ab und zu mit einer gewissen Frustration einher. Doch das größte Hindernis bei der Kooperation zwischen Startups und Unternehmen sieht Heuer in der deutschen Unternehmenskultur:

Wir haben in Deutschland einfach keine Experimentier-Kultur. Unternehmen denken oft, dass immer alles sofort für alle gelten und direkt perfekt funktionieren muss, und so haben sich bisher viele Unternehmen in Deutschland einfach noch nicht an solche Kooperationen herangetraut

Viele etablierte Unternehmen trauen sich also nicht, auch mal zu scheitern. Genau da sind Länder wie die USA den Deutschen voraus, sagt Heuer: “Die Unternehmen dort probieren einfach etwas aus, und wenn es dann nicht funktioniert, dann ist das Teil des Lernprozesses.” Dennoch habe sich in Deutschland in den letzten zwei Jahren viel getan, findet Heuer. Klassische Großunternehmen, aber auch mittelständische Unternehmen gehen immer öfter auf Startups zu. “Da merkt man einfach, dass das Interesse aneinander wirklich groß ist”, sagt Heuer.

Unternehmen und Startups müssen sich erstmal beschnuppern

Ein Grund dafür könnte sein, dass in Deutschland gerade mehr Raum für solche Kooperationen geschaffen wird. So habe viele Coworking Spaces, wie beispielsweise das betahaus in Berlin, regelmäßige Accelerator-Programme, die genau diese Art von Zusammenarbeit zwischen etablierten Firmen und neuen Unternehmen fördern soll. Hier können sich beide Seiten erstmal ganz risikofrei beschnuppern und sich ganz langsam einer Kooperation annähern. Schließlich kann nicht jedes Unternehmen mit jedem Startup gut zusammen arbeiten und so kann es eine Weile dauern, bis man einen guten Kooperationspartner findet. Genau für diesen Annäherungsprozess bieten Accelerator-Programme wie die des betahauses in Berlin den nötigen Raum.

Einige große Unternehmen wie etwa ProSiebenSat.1 Media oder auch die Deutsche Bahn sind bereits auf den fahrenden Zug aufgesprungen. Nachdem die Deutsche Bahn zum ersten Mal in 2015 eine Startup-Kooperation per Wettbewerb ausgerufen hat, war das Programm offensichtlich so erfolgreich, dass das Unternehmen auch in diesem Jahr erneut Startups dazu aufruft, sich für ihr Accelerator-Programm zu bewerben. Warum? Weil die Deutsche Bahn ein komplexes Unternehmen ist, das in vielen Bereichen innovative Hilfe sucht – so erklärt es das Unternehmen zumindest selbst. Im Gegenzug verspricht die DB, dass sie für die Startups neue Märkte eröffnen kann.

Während die DB nach Startups sucht, die ihnen dabei helfen Probleme zu lösen, wollen ProSiebenSat.1 wiederum den Startups helfen. Ihr dreimonatiges Accelerator-Programm, zu dem zwei Mal im Jahr ausgerufen wird, ist darauf ausgerichtet, Startups und neue Unternehmern zu coachen. Und nicht nur das, die ausgewählten Startups erhalten dazu noch eine saftige finanzielle Unterstützung. Selbstverständlich erhoffen sich auch die Fernsehsender davon neue Impulse für das eigene Geschäft.

Von diesen Kooperationen profitieren letztendlich aber nicht nur die beteiligten Unternehmen und Startups. Da Startups generell einfach mehr ausprobieren können, entstehen so auch oft komplett neue Lösungsansätze. Mit der Unterstützung eines etablierten Unternehmens im Rücken haben sie dabei dann die Ruhe und auch die finanzielle Sicherheit, um ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. So kann letztendlich die gesamte deutsche Wirtschaft von solchen Kooperationen profitieren.


Image “Startup” by StartupStockPhotos (CC0 Public Domain).

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There’s no working like Coworking

The Hub Islington (adapted) (Image by Impact Hub [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Den Coffee-Shop-Ketten entsprungen, erobern Coworking-Spaces die Großstädte der Welt. Wer nicht rechtzeitig mitzieht, bleibt schnell auf der Strecke. In den vergangenen Wochen bin ich im Rahmen meiner mobilen Arbeit viel unterwegs gewesen. Ein geliehener Schreibtisch in Zürich, ein Café in Charmonix, ein Hotel in Stockholm, wo ich eine Messe zum Thema Möbel und Licht besucht habe, und dieser Blogpost kommt aus einem alten knarrenden, hölzernen Hotel nahe St. Moritz zu euch. ‚Ben, du hast dich verändert‘, höre ich euch sagen. Vielleicht. Ich habe nun eine kostspielige Croissant- und Koffein-Sucht entwickelt, aber so bin ich nun mal. Ähem.

Ich finde es leicht, unterwegs von praktisch überall aus zu arbeiten, allerdings erkenne ich ebenso den Wert von speziell dafür vorgesehenen Coworking-Arbeitsplätzen für diejenigen ohne festes Büro. Coworking ist ohne Zweifel das Modewort 2015/16 und ist gleichzeitig zum Grundnahrungsmittel für Telearbeiter und Startups geworden.

Aber es ist kein neues Phänomen, es hat sich nur jüngst einen Namen gemacht. Seit Jahren sind Starbucks und Costa-Filialen von Leuten übersät, die in ihre MacBooks vertieft sind. Andere Leute haben sich Büroräume geteilt, Geschäftsräume in Startup-Gründerzentren gepachtet oder Schreibtische von lokalen Unternehmen angemietet. Neu beim Coworking ist, dass der coole, lockere Startup-Style nun auf den Hauptstraßen angekommen ist. Versucht mal, das fünfmal in Folge zu sagen.

Hinzu kommen ausgefallene, nützliche Möbel, schnelles und zuverlässiges Wi-Fi, flexible Mitgliedschaften und unterschiedliche Locations. Verglichen mit den Cafés auf der Hauptstraße lässt sich festhalten, dass die Möhrentorte essenden Großmütter, sowie die schreienden Kleinkinder, heimlich einfach ausgeschlossen wurden. Nicht böse gemeint, aber diese Plätze sind zum Arbeiten da. Zum Coworking.

Urban_Station_Coworking (Image by Jennifer Morrow [CC BY 2.0] via Flickr
Image: (adapted) „Urban Station Coworking Space“ by Jennifer Morrow (CC BY 2.0)

Die Coworking-Welt dreht sich weiter

So verbreitet sich der Trend in unseren Städten. Wir sind nun Zeugen des Wettbewerbs um Marktanteile, während die Großen ihre Asse aus dem Ärmel ziehen, ähnlich wie beim Kampf um Premium-Cafés in den Nullerjahren. Vermieter reißen Zimmerdecken heraus, enthüllen Mauerwerk, bauen Café-Ladentische aus Sperrholz und heuern tätowierte Baristas schneller an, als du fragen kannst: “Ey, wo sind denn hier die Fahrradständer?”. Coworking hat jetzt sogar eine eigene Wikipedia-Definition – es ist ein Name, so bekannt wie Simon Cowell oder Gok Wan. Und schon bald könnte das Wort selbst so irreführend sein wie die beiden letztgenannten.

Voisins Coworking (Image by Manuel Schmalstieg [CC BY 2.0] via Flickr
Image: (adapted) „Voisins Coworking | Cafe — 2014-12-03“ by Manuel Schmalstieg (CC BY 2.0)

Die Leute wollen das produktive, Google-ähnliche Arbeitsumfeld mit trendy Kollegen. Der hochwertige Kaffee, Internetzugang und Adresse sind allesamt potentielle Dealbreaker. Coworker mögen die Routine, “ins Büro zu gehen”. Einzelarbeiter, die es gewohnt sind, von Zuhause aus zu arbeiten, profitieren von einer Umgebung, die einen fokussierten und positiven Ort schafft, an dem inmitten des städtischen Trubels Dinge erledigt werden, mit der zusätzlichen Option, ähnlich-denkende “CEO- und Gründer”-Persönlichkeiten zu treffen.

Betahaus (Image by Harald [ha75] [CC BY 2.0] via Flickr
Image: (adapted) „Betahaus“ by Harald [ha75] (CC BY 2.0)

Viele Coworking-Arbeitsplätze bieten zusätzliche Räumlichkeiten, Mitglieder-Datenbanken, Helpdesks, IT-Fehlerbehebung und Hausmeister-Services an. Manche sogar spezielle Veranstaltungen und Seminare. Gemeinschaften und Netzwerke werden gebildet. Neue Firmen ebenso. Diese Arbeitsplätze geben einer neuen Generation von Koffein-befeuerten Jungunternehmen einen Kontext. Größere Unternehmen schenken dem Trend ebenfalls Beachtung mit Banken, die Geschäftszweige in Coworking-Räumen eröffnen, um neue Startups zu unterstützen (und an sich zu reißen). Der neue Filialleiter wird jetzt “Dee” genannt, trägt kurze Hosen und hat immer einen Knopf seiner Kopfhörer im Ohr. Er ist jetzt cool.

Aber es hört hier nicht auf. Einige Großbanken bieten nun kostenlose Coworking-Plätze an, um mögliche zukünftige Inhaber in Next-Generation-Einrichtungen abzuchecken.

“Werden wir bald eine eigene Coworking-Marke von Starbucks sehen?”

 

Der alternde Coffeeshop muss jetzt liefern, richtig? Sie müssen kämpfen, um Colin, den hungrigen Bereichsleiter mit dem grauen Anzug und dem Dell-Laptop, in den eigenen Reihen zu halten. Ich habe gelesen, dass einige Coworking-Arbeitsplätze lokal mit Kaffee-Ketten zusammenarbeiten, aber werden wir bald Plätze von einer Starbucks-eigenen Coworking-Marke sehen? Oder so etwas wie “Costa Co-work”? Mit Sicherheit werden sie, wenn der Trend ins Rollen kommt, mit einem wesentlich größeren Schluck aus ihren Kaffeebehältern antworten.

Hub Zürich woring_space (Image by visualpun.ch [CC BY 2.0] via Flickr)
Image: (adapted) „Hub Zu?rich work space“ by visualpun.ch (CC BY-SA 2.0)

Andererseits setzen immer noch viele Eigentümer auf das altbekannte Modell “gewartete Büroräume”, ergänzt durch buchbare Meeting-Räume, graue Teppiche und Sessel aus schwarzem Leder. Ernsthaft jetzt?

Serviced Office (Image by Ted Eytan [CC BY 2.0] via Flickr
Image: (adapted) „18f.gsa.gov 42466“ by Ted Eytan (CC BY-SA 2.0)

“…aber das ist der Preis, wenn man erstmal abwartet: Man verpasst den Moment.”

Vor zwei oder drei Jahren habe ich einem großen gewerblichen Eigentümer ein Coworking-Modell vorgestellt. Ich schlug vor, dass die Trennwände entfernt werden sollten, dass das Erdgeschoss entfernt werden sollte, um die Deckenhöhe zu vergrößern, und dass die Räumlichkeiten gleichzeitig von der Straße besser zu sehen sein müssten. Entfernt die buchbaren (also: leeren) Meetingräume mit den 16 Stühlen zu Gunsten offener Räume, die flexibel für mehrere Zwecke ausgelegt und IT-unterstützt sind. Baut eine Kaffee-Bar mit Hockern, weichen Sitzgelegenheiten und Kaffeetischen. Macht das Licht weicher. Fügt Orte für das Selbststudium und einen offenen Meetingbereich hinzu. Der Projektmanager mochte diese Ideen, aber der Direktor würgte ab. Sie vertagten die Entscheidung und letztendlich gab es keinerlei Fortschritt zu verzeichnen. Jetzt versuchen sie mit der Coworking-Invasion Schritt zu halten. Aber das ist der Preis, wenn man erstmal abwartet: Man verpasst den Moment.

Ich warte mit gespannter Erwartung und frage mich, wer den ersten Schritt (weltweiten Ausmaßes) wagt. Wird ein großes Kaffeehaus eine Coworking-Firma aufkaufen oder einen Mitbeteiligungs-Deal erzielen? Ist das vielleicht sogar schon passiert und ich habe nichts davon mitbekommen? Was ist mit anderen Lebensmittel- und Getränkeketten wie Pret a Manger in Großbritannien oder (aktuell unter Druck) McDonalds – werden sie reagieren? Wird sich ein großer Büroraumvermieter seines verstaubten Images entledigen und ein innovatives Coworking-Modell enthüllen? Wie dem auch sei, ein paar Unternehmen sollten aufwachen und am Co-Kaffee schnuppern.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Furniture Strategist”. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung des Autors.


Image (adapted) “The Hub Islington” by Impact Hub (CC BY-SA 2.0)


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Das Coworking-Ranking von twago ist Unsinn. Grober Unsinn!

Coworking (Image by geralt [CC0 Public Domain], via Pixabay)

Welches ist das beste Coworking Space Deutschlands? Ein Ranking des Freelancer-Marktplatzes twago will darüber Auskunft geben, doch die Erhebung ist genauso nicht repräsentativ wie irreführend.

Ein vergleichendes Ranking von Coworking Spaces ist nicht per se falsch, denn das gesellschaftspolitische Gestaltungsprinzip der Gegenwart ist nun einmal der Wettbewerb; Coworking Spaces könnten aus solchen Vergleichen lernen. Das Ranking von twago ist aber keine verlässliche Entscheidungshilfe, denn wesentliche Faktoren, die die Qualität eines Coworking Spaces ausdrücken, wurden nicht abgefragt. Von erheblichen methodischen Schwäche zu reden, auch aufgrund der ungeklärten Selektivität der Befragten, wäre schon eine Übertreibung.


tl;dr: Das Coworking-Ranking von twago ist irreführender Unsinn. twago missbraucht den Begriff Coworking für billige PR, um seinen Freelancer-Report zu bewerben.


twago missbraucht den Begriff Coworking

Auf dem Online-Marktplatz twago können Freelancer ihre Dienste anbieten, der diese wiederum an Auftraggeber vermittelt. Nach eigenen Angaben haben Kunden von twago somit Zugriff auf fast 255.000 Experten aus über 190 Ländern, unter anderem Deutschland. Viele Freelancer arbeiten in Coworking Spaces, ist dieser sogenannte vierte Raum der Arbeit doch meistens die beste Verbindung der Vorteile des ersten Raums der Arbeit, dem Zuhause, mit denen des dritten Raums der Arbeit, dem Café (mit WLAN und Steckdose). Zur Vervollständigung sei gesagt, dass in diesem Bild von Arbeitsplätzen der Industriearbeitsplatz in einer Fabrik oder einem Büro den zweiten Raum der Arbeit darstellt.

Es ist anzunehmen, dass viele Freelancer, die ihre Dienste bei twago anbieten, auch in einem Coworking Space arbeiten, also eine Meinung zu diesem Raum der Arbeit haben. Sie nach den besten Coworking Spaces Deutschlands zu fragen, scheint naheliegend. Dass das Thema Coworking für twago relevant ist, arbeiten doch wahrscheinlich hier die meisten der Nutzer, ist auch nachvollziehbar. Thomas Jajeh, Gründer und Geschäftsführer von twago, lässt sich in der Pressemitteilung zum Start der Umfrage auch mit einer Aussage zitieren, die ein Verständnis für Coworking andeutet:

Coworking Spaces werden in Zukunft in unseren Großstädten noch wesentlich stärker zu Innovationskraft und Wirtschaftswachstum beitragen. Sie bieten kreativen Raum, Austausch, Zugang zu Netzwerken und eine angenehme Arbeitsatmosphäre. Nicht umsonst suchen sowohl stark wachsende Startups als auch Großkonzerne die Nähe zu Coworking Spaces.

Trotzdem ist meiner Meinung nach alles an dieser Umfrage, dem Ranking und der Berichterstattung darüber Unsinn. Und das ist in einer entscheidenden Phase für der Coworking-Bewegung eher schädigend als nützlich. Schon jetzt wird der Begriff als Buzzword vom Marketing missbräuchlich genutzt. Nicht alles, was sich in Anzeigen oder an Klingelschildern Coworking nennt, ist auch wirklich Coworking. Oft handelt es sich nur um Arbeitsplätze vermietende Anbieter von Bürofläche. Mit Coworking, der Zusammenarbeit und Vernetzung innerhalb einer Community, hat das nichts zu tun.

Genauso wenig wie twagos Umfrage und Ranking, denn eigentlich geht es dem Unternehmen nur um die Erwähnung des eigenen Freelancer-Reports, der, vollkommen losgelöst vom Thema, ebenfalls in der Pressemitteilung erwähnt wurde, und der mit twagos eigentlichem Geschäftsmodell Outsourcing wesentlich mehr zu tun hat als Coworking:

twago veröffentlicht neben den besten Coworking Spaces Deutschlands quartalsweise den twago Freelancer-Report. Bei der Untersuchung werden regelmäßig die in den Ausschreibungen geforderten IT- und Web-Fähigkeiten analysiert, ebenso wie die mit bestimmten Content-Management- und Shop-Systemen verbundenen Programmier-Skills. Ein weiterer Fokus liegt auf der Untersuchung der deutschen und europäischen Städte, in denen Freelancer ansässig sind.

Erhebliche methodische Schwächen

Von einer Suche kann man auch nicht wirklich sprechen, denn die Umfrage ist methodisch unhaltbar. In den Artikeln von Jürgen Stüber auf Morgenpost.de oder Lea Weitekamp auf t3n.de liest man leider keine kritische Bewertung dazu. Weitekamp erwähnt die Art der Erhebung nur in einem Nebensatz, Stüber übernimmt die Formulierung beinahe unverändert aus der Pressemitteilung:

Die Abstimmung lief von Mitte November bis Mitte Dezember auf twago.de. Tausende Befragte gaben gültige Stimmen ab. Jeder Coworking Space konnte mit 0 bis 5 Punkten bewertet werden, wobei die Befragten alle Coworking Spaces bewerten konnten, die sie kennen.

Laut Angaben der twago betreuenden PR-Agentur bedeutet “tausende Befragte” ein mittlerer vierstelliger Bereich an gültigen Stimmen, aber genaue Angaben konnte man auf telefonische Nachfrage unserer Redaktion auch nicht machen. Von der Quantität der Stimmen scheint das in Ordnung zu sein, aber die Qualität der Aussagen ist an sich überhaupt nicht vorhanden. Wenn die Person, die sich diese Umfrage ausgedacht hat, oder die darüber schreibenden Journalisten auch nur mal einen Tag in einem Coworking Space verbracht hätten, wäre das allen klar gewesen. Es wurden einige Spaces angeschrieben, aber längst nicht alle, und twago verbreitete die Befragung auch nur über eigene Kanäle, die in der Quantität zumindest überschaubar sind.

Man kann ein Coworking Space nicht mit 0 bis 5 Punkten bewerten. Dass alle in der Pressemitteilung gelisteten Coworking Spaces zwischen 3,65 und 4,3 Punkten liegen, zeigt, wie schwer es ist, einen Unterschied mit dieser Art der Bewertung zu schaffen. Ich bin diesen Sommer mit meiner Freundin zwei Monate durch Coworking Spaces in ganz Europa gereist. In unseren Auswertungen fanden wir kein Coworking Space schlecht, auch wenn keines wie das andere war. Eine verlässliche Bewertung ist deshalb nicht möglich, besonders nicht zwischen 0 und 5 Punkten.

Man kann fragen, ob der Kaffee in einem Coworking Space gut oder sogar umsonst ist, wie die Lautstärke im Space ist, welche Tätigkeiten die anderen Coworker ausüben, ob es gemeinsame Abende gibt oder nach welchen Regeln die Community zusammengesetzt wird, vielleicht auch ob es Kindergärten, Supermärkte und Banken im Umfeld gibt. All das und noch mehr macht ein Coworking Space aus. Am Ende ist es eine persönliche Entscheidung, in welchem Space man sich wohl fühlt. Mit einer Zahl kann man diese komplexe Entscheidung nicht ausdrücken. Viele Coworking Spaces bieten deshalb Probetage an, damit man sich einen persönlichen Eindruck machen kann.

Irreführendes Ranking

Deshalb sagt das Ranking auch überhaupt nichts über die Qualität eines Coworking Space aus. Die meisten der aufgelisteten Coworking Spaces kenne ich persönlich und sie sind wirklich toll. Trotzdem wäre nicht jedes ein für mich geeigneter Arbeitsplatz. Das Ranking ist aufgrund unbekannter Rücklaufquoten, der nicht bekannten Fallzahlen und der fehlenden Repräsentativität eher Ausdruck unkontrollierter Willkürlichkeit zum Zwecke der PR, als eine verlässliche Entscheidungshilfe.

Wenn man wirklich Interesse an einem Coworking Space hat, sollte man sich auf die Suche machen und dabei Sorgfalt walten lassen. Für die meisten Menschen sollte der Weg zur Arbeit nicht länger als 20 Minuten sein. Das macht die Suche nach einem Coworking Space in Deutschland schon kompliziert, denn mit Ausnahme von Berlin ist die Dichte an Coworking Spaces noch nicht sehr hoch. Auch gibt es noch keine verlässliche Datenbank an Coworking Spaces. Die von twago aufgelisteten Coworking Spaces für meinen Wohnbezirk Friedrichshain kenne ich beispielsweise alle nicht. Dafür ist kein einziges Coworking Space aufgelistet, das ich kenne. Während man in München, Leipzig, Köln oder Hamburg noch einen Überblick über die Coworking-Szene haben kann, ist dies in Berlin nahezu unmöglich.

Winston Churchill wird fälschlicherweise die Aussage zugeschrieben, “Ich traue keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe.”, auch wenn dies aller Wahrscheinlichkeit nach eine Erfindung von Joseph Goebbels oder aus seinem Propagandaministerium war, um Churchill als Lügner hinzustellen. Trotzdem ist darin ein Funken Wahrheit enthalten, den man sich bei der Suche nach einem Coworking Space zu Herzen nehmen sollte. Trauen Sie keinen Rankings, Statistiken, Datenbanken etc., sondern machen Sie sich selber vor Ort einen Eindruck. Ein Coworking Space kann ein Arbeitsplatz sein, an dem man sich genauso wohlfühlt wie in seinem eigenen Zuhause oder einem schicken Café. Und da niemand von uns willkürlich Lokale oder seine Wohnung aussucht, bedarf es bei der Suche nach einem Coworking Space der gleichen Gründlichkeit.

Tobias Schwarz ist nicht nur Leiter von Netzpiloten.de, sondern arbeitet seit Jahren von verschiedenen Berliner Coworking Spaces aus. Er ist Mitgründer der German Coworking Federation, deren Gründungsvorstand er angehört, und besucht seit anderthalb Jahren Coworking Spaces in ganz Europa.


Image “Coworking” by geralt (CC0 Public Domain)


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Coworking könnte zur Renaissance der Regionen führen

Rapsfeld (adapted) (Image by Daniel Schiersner [CC BY 2.0] via Flickr

In Großstädten ist Coworking bereits ein fest verankerter Trend in der Arbeitswelt (auch wenn es noch nicht jeder kennt), die nächste Herausforderung wird deshalb das Land sein. Städte wie Berlin, Barcelona, San Francisco und New York haben bereits jetzt mehr Coworking Spaces als jemand Interessiertes wohl in einem Jahr in Ruhe erkunden könnte. Ständig eröffnen neue Coworking Spaces und auch wenn die meisten Menschen noch nichts davon mitbekommen haben, ist das Thema in der urbanen Arbeitswelt angekommen. Seit letztem Jahr lässt sich weltweit das Vordringen von Coworking Spaces in den ländlichen Raum beobachten, was das Leben und Arbeiten der Menschen auf dem Land mehr verändern könnte als das in den Städten.

Diesen Sommer reiste ich mit meiner Freundin für zwei Monate durch Europa und besuchte Coworking Spaces in zehn verschiedenen Ländern. Wir hielten uns auf der Reise vornehmlich in Städten auf, erledigten unsere alltägliche Arbeit aus den Coworking Spaces, die wir zugleich porträtierten, und genossen unseren Feierabend an den mit unter schönsten Orten dieses Kontinents. Unsere durch das Internet von Orten losgelöste Arbeit und die hervorragende Infrastruktur ermöglichten es uns, alle paar Tage eine neue Stadt, ihre Sehenswürdigkeiten und Coworking Spaces, zu erkunden.

Coworking als Chance zur Umkehrung der Landflucht

In Lyon lernten wir Julie Pouliquen kennen, die zusammen mit ihrem Partner Michael Schwartz das französische Coworking-Netzwerk La Cordée gegründet hat. Es fing mit einem Coworking Space in Lyon an, bald waren es vier Spaces und dann fingen die Mitglieder an, sich neue Ableger von La Cordée in anderen Städten zu wünschen. So kam es, dass Julie und Michael in der französischen Kleinstadt Morez ein Coworking Space auf dem Land eröffneten. Die Wahl fiel auf den nahe der Schweizer Grenze in einem engen Quertal im Hochjura gelegenen Ort, da dieser sich auch um La Cordée bemühte und ein Coworking Space für seine fast 5.000 Einwohner schaffen wollte.

Das Coworking Space nach Morez zu holen beruhte auf dem Engagement verschiedener öffentlicher und privater Akteure in der Region, wie Olivier Menard erklärt, der schon das La Cordée am Gare du Lyon in Paris mit aufbaute, dem ersten Ableger von La Cordée außerhalb Lyons. Laurent Petit, der Bürgermeister von Morez, spielte dabei eine entscheidende Rolle. Eine Wirtschaftsstudie über die Region zeigte, dass in Morez sowohl die Voraussetzungen für die sogenannte Telearbeit vorhanden waren und dass ein Coworking Space der Region nützen könnte, denn „die ortsunabhängig arbeitenden Telearbeiter könnten aus ihrer Isolation heraus geholt werden und ein Netzwerk schaffen“, wie Petit betont.

Doch es ging Morez nicht nur um die Leute vor Ort. Diese haben nun die Möglichkeit, einen vielleicht von Morez losgelösten Beruf nachzugehen und trotzdem dort zu bleiben. Zugleich entsteht ein Ort zur Vernetzung für die bereits vorhandene Kreativszene der Region. Und ein Coworking Space kann gerade auch außerhalb der für den Tourismus wichtigen Saison ein Besuchermagnet sein, bietet er doch ortsunabhängig arbeitenden Menschen die Möglichkeit, sich auch in einer ländlichen Region länger aufzuhalten, ohne berufliche Nachteile zu haben.

Renaissance der Region durch Coworking

Doch abseits der romantischen Vorstellung von Arbeit, mit gutem WLAN und Blick auf die Alpen, sind ländliche Region gerade in Europa wichtige Orte, denn der Großteil der Bevölkerung lebt außerhalb von Metropolen und Ballungsräumen. Selbst in einer Industrienation wie Deutschland leben rund 70 Prozent der Menschen auf dem Land. „Die Renaissance der Region“, wie es Gerald Swarat in einem Artikel auf Politik-Digital.de formuliert, „würde für den Wirtschaftsstandort Deutschland und die Lebensqualität der Menschen langfristige Vorteile bringen.“

Einen Eindruck davon kann man sich im oberbayerischen Bad Tölz machen. Hier hat Marco Tunger vor sechs Jahren das Coworking Space Heimat 2.0 eröffnet. Eine 220 Quadratmeter große Immobilie im ersten Stock eines alten Brauhauses erwies sich als viel zu groß für seine Werbeagentur, weshalb er sich aus ganz pragmatischen Gründen für den damals nur in größeren Städten bekannten Trend Coworking entschied. „Was in München funktioniert, kann auch hier klappen“, erklärte mir Tunger im Gespräch. Und er sollte Recht behalten, denn in und um Bad Tölz gibt es ungefähr 1.300 Freiberufler, die nun einen Ort hatten, durch den sie dem Schreibtisch im eigenen Zuhause entfliehen und sich treffen konnten.

Auch hier, genau wie in Morez, unterstützte die Gemeinde und die lokale Wirtschaft das Coworking Space. Denn ein Ort zur Vernetzung ist auch eine wirtschaftliche Chance, wie der in Heimat 2.0 beheimatete 3D-Grafiker und Filmemacher Clemens Maucksch betont. Er kam in der Hoffnung auf neue Aufträge durch die Zusammenarbeit mit anderen Coworkern, wozu es sogar mit Tungers Werbeagentur kam, und bleibt vor allem wegen der kreativen und produktiven Arbeitsatmosphäre. Gemeinden profitieren davon genauso, denn die Menschen müssen für besser bezahlte Tätigkeiten die Region nicht mehr verlassen, bzw. können vor Ort solche Berufe entwickeln, und bleiben damit als engagierte, motivierende und vor allem Steuer zahlende Wirtschaftsteilnehmer erhalten.

Dazu kommt das Leben auf dem Land, welches ein oft höheres Lebensniveau als das in den Städten aufweist. Gerade in Bad Tölz, zwischen den Bergen an der Isar gelegen, kann man sich davon einen Eindruck machen. Inzwischen gibt es auch in der Schweiz und außerhalb von Paris und Berlin neue Coworking Spaces, die bewusst aufs Land gezogen sind.


Image (adapted) “Rapsfeld” by Daniel Schiersner (CC BY 2.0)


 

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Trends des Monats – September

starbucks spill (adapted) (Image by Eric [CC BY 2.0] via Flickr)

Die Medien- und Digitalbranche ist ständig in Bewegung. Fast im Tagesrhythmus gibt es neue, innovative Medienprojekte, praktische Gadgets oder neue digitale Geschäftsmodelle. Wir stellen euch dieses Mal einen Innovationshub für digitale Inhalte, die Kooperation zwischen der New York Times und Starbucks, einen 24-stündigen Hackathon und den weltweit ersten Android PC vor. Außerdem zeigen wir euch die neue App WhipClip .

Blogfabrik – Was das Coworking Space so besonders macht

Die Blogfabrik in Berlin zeichnet sich dadurch aus, dass die Atmosphäre mehr als gemütlich ist. Neben einem Konferenzraum, 30 Arbeitsplätzen, einem Fotostudio und vielem anderen, findet man hier auch eine Lounge und eine Küche. Zusammenarbeit und Kommunikation werden hier großgeschrieben. Das besondere Konzept von diesem innovativen Coworking Space ist, dass ansässige Blogger, Instagramer und weitere, hier ihre Miete für ihren Arbeitsplatz mit Content zahlen der im Daily Brad Mag, einem Onlinemagazin der Blogfabrik, veröffentlicht wird.

Zeitung lesen und Kaffee trinken – Die New York Times kooperiert mit Starbucks

Die New York Times und Starbucks haben eine Zusammenarbeit angekündigt. Dass Kaffee trinken und Zeitung lesen wunderbar zusammen passen, haben auch diese beiden Unternehmen mitbekommen. So können einige Zeitungsartikel der NYT kostenlos auf der Smartphone-App von Starbucks gelesen werden. Das Ziel dahinter ist folgendes und ganz simpel: Es sollen neue Leser erreicht werden.

Hackday – Die Zukunft des Fernsehens

Der Blogger Bertram Gugel und die Medienanstalt Berlin Brandenburg starten Ende September erneut den Hackday in Berlin. Hierbei handelt es sich um einen 24-stündigen Hackathon zur Zukuft des Fernsehens. Verschiedene Leute wie beispielsweise Designer, Entwickler oder aber auch TV-Sender werden gemeinsam daran arbeiten neue Apps, Formate, Remixe vorhandener Werke und Hardware zu erstellen. Für die Fertigstellung ihrer Projekte haben die Teams 24 Stunden Zeit.

Remix Mini – Der weltweit erste Android PC

Der weltweit erste Android PC – Remix Mini – soll auf den Markt kommen. Drei ehemalige Ingeneure von Google wollen diesen herstellen. Der PC soll für lediglich 40 US-Dollar angeboten werden. Mit einem Arbeitsspeicher von gerade mal einem 1GB und einem internen Speicher von 8GB, sowie Ethernet, W-Lan, Bluetooth und USB-Anschluss, bringt der kleine PC eine ganze Menge mit sich. Für Begeisterung sorgt dieser kleine Computer jetzt schon auf Kickstarter. Bereits über eine Million US-Dollar wurden dort schon zur Finanzierung eingesammelt.

WhipClip – Die Serien-App

Viele kennen wahrscheinlich das Gefühl, dass man eine lieblings Sendung sieht und einen Clip daraus am liebsten mit freunden teilen möchte. In den USA ist das bereits möglich. Mit der App „Whip Clip“ kann man ganz legal Ausschnitte mit anderen teilen. Dadurch, dass zahlreiche Partnerschaften zwischen WhipClip und Unternehmen wie FOX, ABC oder CBS bestehen, ist für entsprechend viel Material aus den aktuellen Programmen gesorgt. Das alles funktioniert ganz einfach. Man sucht sich einfach seine Sendung aus dem Archiv raus und erstellt einen zweiminütigen Clip. Da fügt man dann noch ein Kommentar hinzu und teilt es mit seinen Freunden. In dem Portfolio befinden sich außerdem Musikvideos.


Image (adapted) „starbucks spill“ by Eric (CC BY 2.0)


 

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Campus London: Das „Starbucks für Startups“

By Jakob Steinschaden

Reportage: In dem Londoner Startup-Zentrum können Jungunternehmer Google-Flair schnuppern und sich hocharbeiten. Wirklich gratis ist die Einrichtung aber nicht.

By Jakob Steinschaden

Es ist eine reichlich unspektakuläre Seitengasse im hippen Londoner Stadtteil Shoreditch, die sich zu einem der wichtigsten Treffpunkte der europäischen Startup-Metropole entwickelt hat. „Das ist das Starbucks für Startups“, scherzt Google-Mitarbeiter Bruno, während er durch den Campus London führt – in Anspielung auf das Café im Keller, in dem junge Londoner bei Gratis-WLAN an ihren Projekten werkeln. In dem Gebäude haben sich seit dem Start vor drei Jahren 50.000 Startups angemeldet, täglich sind Vertreter von rund 200 Jungfirmen vor Ort, und pro Jahr finden hier rund 1000 Events statt.

Auf sieben Stockwerken hat Google gemeinsam mit seinen Partnern eine Mischung aus Coworking Space, Café, Veranstaltungszentrum, Inkubator und Hacker-Treff eingerichtet. Das Publikum – man ahnt es schon – erfüllt viele Klischees des Tech-Hipsters: MacBooks, Vollbärte und Nerd-Brillen dominieren das Bild, und die obligatorischen Tischfußballtische, Sitzsäcke und auf Wände gepinselten Sprüche („Wake up, Start-up“, „Work hard, play hard“) gibt es natürlich auch. Als Sahnehäubchen gibt es sogar eine Bitcoin-Maschine, an der man Cash in die virtuelle Währung tauschen kann, um damit anschließend seinen Caffé Latte am Tresen zu bezahlen. Erfrischend ist, dass viele Frauen ihren Weg in den Campus gefunden haben – mit dem Programm „Women@Campus“ wird das gezielt gefördert.

Ganz nach Google-Manier ist hier fast alles gratis: Was zur Folge hat, dass es ab 9 Uhr morgens ein Rennen um die besten Plätze im Café gibt, wo schnelles kostenloses Internet und Steckdosen geboten werden. Außerdem gibt es ein Device Lab mit einer ganzen Reihe an Testgeräten (von iPhone über Android-Tablets bis hin zum Windows-Smartphone), auf denen man kostenlos seine Apps und Web-Dienste testen kann – sofern sie frei sind. Lediglich in der Cafeteria oder für einen fixen Platz im Coworking-Bereich muss man in die Tasche greifen. Für Startups in ganz frühen Phasen und Gründer, die noch ihre Konzeptpapiere schreiben, ist der London Campus die günstigste Möglichkeit, um ein Projekt anzugehen. Vom Café im Untergeschoss kann man sich dann sprichwörtlich nach oben arbeiten, denn Google hat eine ganze Reihe an Partnern ins Haus geholt, die die oberen Stockwerke bezogen haben.

By Jakob Steinschaden

Sich nach oben arbeiten – sprichwörtlich

Wer schon ein Stückchen weiter auf dem Weg zur Weltherrschaft ist, der zieht in den Coworking Space von TechHub ein paar Stöcke höher, dessen Schwesternbüros in Berlin, Bangalore, Boston oder Bukarest liegen. Hier lassen sich fixe Arbeitsplätze für EPU oder kleine Teams mieten, pro Monat kostet das 275£. Außerdem im Haus vertreten ist der Startup-Investor Seedcamp, der unter anderem in Startups wie TransferWise (GB), Holvi (FIN) oder Frontback (USA) investierte und eine besondere Liebe zu österreichischen Jungfirmen entwickelt hat (u.a. Platogo, Codeship, Blossom.io, Lookk, Soup.io). „Es sind immer echt gute Investoren im Haus“, sagt Bruno, offenbar werden im Campus vielversprechende Gründer gescoutet. Schließlich ist auch der Partner Up, der auf Events für Gründer und Startups spezialisiert ist und weltweit mehr als 1000 Veranstaltungen in fast 570 Städten organisiert. Ziel ist die Vernetzung der Jungfirmen untereinander sowie mit potenziellen Investoren.

Google, das mit dem Campus London der Community einen wichtigen Dreh- und Angelpunkt geschenkt hat, ist ebenfalls bemüht, die Szene mit Input zu versorgen. Zu den Events holte man etwa HuffPo-Gründerin Arrianna Huffington, Buzzfeed-Gründer Jonah Perretti oder die CEOs von Jawbone und King.com („Candy Crush“) ins Haus. Außerdem fungieren Google-Mitarbeiter auf freiwilliger Basis als Mentoren für Startups oder geben Workshops zu Themen wie Social Media, Growth Hacking, Mobile oder Online-Werbung.

Datensammeln über Startups

Selbstlos ist Google aber nicht, wenn es der Londoner Startup-Community einen Gratis-Campus schenkt. Die Einrichtung ist Teil des Programms Google for Entrepreneurs, das seit 2011 viele Millionen US-Dollar in etwa 125 Ländern investiert hat. Google will mit dem Support der lokalen Startup-Szenen weltweit immer neues, frisches Blut ins digitale Ökosystem bringen, von dem es selbst zehrt. 2015 sollen dem London Campus ähnliche Einrichtungen in Madrid, Warschau, Sau Paolo und Seoul eröffnet werden. Und Google wäre nicht Google, wenn es nicht auch hier Daten sammeln würde. Wer gratis im Café arbeiten möchte, muss sich online registrieren und Google Name, Geschlecht, Herkunft, E-Mail-Adresse, Firmenname, Alter des Startups, Branche und Website verraten. Für Google kann diese Datenerfassung eine Art Seismograph sein, der feststellt, welche Trends in der Tech-Welt entstehen und welche Startups in welchen Verticals entstehen.

Mit der Zugangskarte wird außerdem getrackt, wer wann im Haus ein und ausgeht, und das Google Security Operations Center (GSOC) ist für die Gebäudeüberwachung zuständig. Schließlich wird in einer Partnerschaft mit BuzzRadar aufgezeichnet, was in Social Media über das Haus veröffentlicht wird. Und so lernt man im London Campus zumindest wieder eines: Gratis ist auf dieser Welt nur wenig, auch in der hippen und freundlichen Google-Startup-Welt nicht.


Teaser & Image by Jakob Steinschaden


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Cowork 2015: Barcamp und Konferenz zum Thema Coworking

Cowork 2015 – eine Mischung aus Barcamp und Konferenz zum Thema Coworking

Bereits zum zweiten Mal findet vom 27. bis 29. März 2015 die Cowork statt, eine Mischung aus Barcamp und Konferenz zum Thema Coworking. // von Lukas Menzel

Cowork 2015 – eine Mischung aus Barcamp und Konferenz zum Thema Coworking

Die Coworking Szene hat sich professionalisiert, weiterentwickelt und ist gewachsen. Grund genug sich also unter Coworking Space-Betreibern und Interessenten. sowie mit der Wirtschaft und Forschung. auszutauschen und gemeinsam zu diskutieren. Dafür findet dieses Jahr bereits die zweite Ausgabe der Cowork statt, eine Mischung aus Konferenz und Barcamp. So kann man zum einen dem Konferenzprogramm mit einigen Speaker und Podiumsdiskussionen lauschen und sich zum anderen in gepflegter Barcamp-Atmosphäre untereinander austauschen, sein Wissen und seine Erfahrungen weitergeben sowie selber noch etwas lernen.

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Faszination Coworking

coworking (adapted) (Image by janelleorsi [CC BY 2.0] via Flickr)

Coworking ist eine Faszination für sich. Es bedeutet nicht einfach nur in einem Großraumbüro mit anderen Menschen zu arbeiten, sondern es ist eine neue, dynamische, unstrukturierte und spaßige Form des Arbeitens. Coworking ermöglicht Freiheit, Unabhängigkeit und Gemeinschaft miteinander zu verbinden und so eine kreative, inspirierende und gemütliche Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Dies zeigen die mehr als 200 Coworking Spaces in Deutschland und eine neue Studie des Fraunhofer-Instituts.

Shhared, die gemeinschaftsorientierte Coworking Community

Ende September eröffnete der Brite und ehemals bei Apple angestellte Alex Ahom mit Shhared bereits den zehnten Coworking Space in Hamburg. Auf mehr als 400 Quadratmetern bietet dieser genug Raum, um kreative und innovative Ideen umzusetzen. Dafür ist Shhared als internationale Coworking Community konzipiert, wo man mit inspirierenden Menschen arbeiten und sich vernetzen kann. Besonders wichtig sind hierbei die Gemeinschaft und das Umfeld, da diese der Schlüssel zu Produktivität und Wohlbefinden seien. Aus diesem Grund hat Ahom die Gemeinschaft von Grund auf aufgebaut und Shhared mit Hilfe von dem Feedback der Mitglieder gestaltet.

“Ich bin glücklich mich mit Shhared der Gruppe an Spaces anzuschließen, die es Leuten ermöglicht das zu tun, was sie lieben und sie dabei zu ermutigen. Ebenfalls möchte ich, dass sich Männer und Frauen gleichermaßen wohlfühlen wie auch die, die sich selber jünger oder älter als die durchschnittlichen Coworker (34 Jahre alt) fühlen. Entrepreneure, Freiberufliche und Büroangestellte, die nach einem Durchbruch, Meeting- oder Brainstorming Space suchen und alle Startups sind herzlich willkommen.”, meint Alex Ahom. Shared bietet seinen Mitgliedern neben einer großen Anzahl an Arbeitsplätzen, WLAN, Drucker und einen Konferenzraum, auch ein eigenes Café, in dem unter anderem auch Snacks angeboten werden. Dieser Punkt war Ahom wichtig, da “Essen und Trinken ein großer Teil von unserem sozialen Leben ist”.

Neben diesem Aspekt ist Shhared seiner Meinung aufgrund “der Leute, Gesinnung, Location und Atmosphäre, dem Fokus auf die Benutzerfreundlichkeit sowie unserer Mission” anders als viele andere Coworking Spaces. Zudem betont Ahom, dass Shhared einzigartig ist, “da die Geschichte wie und warum Shharred entstanden ist, sich in meiner persönlichen und professionellen Laufbahn wiederfindet (die genauso einzigartig ist, wie ich selbst)”. Somit ist Shhared zum Wohle von Coworking, der Creator, Innovatoren und Leuten mit Ideen da.

Zahlreiche Coworking Spaces in Deutschland

Shhared ist nur ein Beispiel für die zahlreichen Coworking Spaces, die sich von Lohe-Rickelshof an der Nordsee bis hin zum Bodensee erstrecken. Nicht nur in den Startup–Hochburgen Berlin, Hamburg oder Köln gibt es Coworking Spaces. Auch in vielen kleineren Städten und sogar auf dem Land bilden sich immer mehr dieser kreativen Orte zum Arbeiten. Insgesamt existieren in Deutschland ungefähr 230 Spaces. Weltweit sind es zurzeit 2.500 – Tendenz steigend.

Seit der Erfindung der Coworking Spaces im Jahr 2005 hat sich die dadurch entstandene neue Art des Arbeitens zu einem Trend entwickelt, der bis heute ungebrochen anhält. Kein Wunder, denn sie bieten für Freiberufler und kleine Startups das ideale Arbeitsumfeld, in dem die Coworking Spaces ihnen Probleme wie Nebenkosten oder Sauberkeit abnehmen und dazu die Möglichkeit bieten, Arbeit und Privatleben zu trennen. Außerdem gibt es zahlreiche Angebote, die sie nutzen können. Zusätzlich, und das sieht die neueste Studie des Fraunhofer Institut über Coworking als sehr wichtig an, schafft Coworking eine Community von Gleichgesinnten, mit denen man sich austauschen und gegenseitig unterstützen kann, wovon am Ende alle profitieren. Schließlich treffen in den Coworking Spaces eine Vielzahl an Spezialisten aufeinander, wodurch laut dem Fraunhofer Institut eine “Anzahl von Einzelkämpfern ein leistungsfähiges und flexibles Netzwerk” bilden. Damit ergibt Coworking auch aus der ökonomischen Perspektive Sinn.

Coworking und Unternehmen

Doch nicht nur für Freiberufler und Startups sind Coworking Spaces interessant. Auch für Unternehmen können diese ein Potential sein, wie die Fraunhofer-Studie zeigt. Dabei hat die Studie ganze acht Berührungspunkte zwischen Unternehmen und Coworking Spaces ausfindig gemacht. So bieten das Mieten von Räumen in den Spaces für Veranstaltungen, Coworking statt Homeoffice und Accelerator- und Inkubatorprogramme jede Menge zu nutzendes Potential, sowohl für die Unternehmen als auch für die Coworking Spaces. Beispielsweise können Unternehmen diese als Orte der Weiterbildung nutzen oder Mitarbeiter der Unternehmen treffen auf hochqualifizierte Fachkollegen, mit denen es möglich ist, sich auszutauschen.

Somit können nicht nur Freiberufler und Startups vom Coworking profitieren, sondern auch Unternehmen, denn die Coworking Spaces bieten ein kreatives, inspirierendes und gemeinschaftliches Umfeld, wie es keine andere Arbeitsform schafft. Damit ist jedem empfohlen, einmal in einem Coworking Space vorbeizuschauen.


Image (adapted) „Coworking“ by janelleorsi (CC BY 2.0)


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5 Lesetipps für den 22. September

In unseren Lesetipps geht es heute um Netzpolitik in der SPD, Kritik an der Digitalisierung, YouTube, den Medienwandel im Journalismus und einen ländlichen Coworking Space. Ergänzungen erwünscht.

  • NETZPOLITIK Netzpolitik.org: Sigmar Gabriel und das Feindbild Silicon Valley: Auf einem netzpolitischen Parteikonvent hat Sigmar Gabriel seiner Partei verkündet: „das Digitale ist politisch“. Wie man zu Gabriels Rede steht, in der der Wirtschaftsminister gewohnt populistisch u.a. von „Silicon-Valley-Kapitalismus“ spricht, muss sich jeder selber klar machen (die Rede ist als Video eingebunden). Kritische Töne kommen von dem Journalisten Lorenz Matzat auf Netzpolitik.org, in der viele Kritikpunkte aufgelistet sind. Andere Netzpolitiker sind offensichtlich weiter als der Parteivorsitzende, dessen Bild der Digitalisierung düster ist.

  • DIGITALISIERUNG NZZ.ch: Klientelpolitik und romantische Verklärung: Politiker und Feuilletonisten schüren Ängste vor Internetgiganten wie Google und Amazon. Während die einen Klientelpolitik betreiben, treiben die anderen romantische Verklärung. In diesen dunklen Tagen des populistischen Bashings von Google, Amazon & Co, an denen es auch soviel Substanzielles kritisch zu betrachten gebe, sind die Worte von Justus Haucap wahrscheinlich das Vernünftigste, was man in deutscher Sprache zu lesen bekommt.

  • YOUTUBE Digiday: Why YouTube is investing in its creators (again): Auf Digiday berichtet Eric Blattberg über einen interessanten Strategiewechsel von YouTube: ab jetzt investiert Googles Videoplattform in talentierte YouTuber, damit diese noch bessere Videos produzieren können. Es scheint sogar möglich zu sein, dass erfolgreiche Produzenten aus Hollywood den YouTubern beratend zur Seite gestellt werden könnten. Mit dieser neuen Ebene von Professionalisierung könnte YouTube noch ein bisschen mehr zum Fernsehersatz werden.

  • JOURNALISMUS 5 Fragen: Gina Schad über den Medienwandel im Journalismus: Inspiriert von der Sammlung 5questionsfor100designers.com will Dirk von Gehlen mit „5 Fragen an 100 Journalisten“ die Veränderung im Journalismus festhalten und herausfinden, wohin sich Journalismus entwickelt. Am Samstag wurde unsere Autorin Gina Schad gefragt, die sonst selber gerne interviewt, weshalb mir dieser Lesetipp natürlich besonders am Herzen liegt.

  • COWORKING SPACE startwerk.ch: Coworking-Spaces entstehen nun auch auf dem Lande: Ein kurzer Blick in die Schweiz zeigt einen interessanten Trend in der Alpenrepublik auf, den ich hierzulande noch nicht wahrgenommen habe (wenn doch, schickt mir bitte Infos dazu): Coworking Spaces verlassen die großen Städte und ziehen aufs Land. Am 1. Januar eröffnet in Solothurn der Coworking Space Loreto in der ehemaligen gleichnamigen Schraubenfabrik. Bald kann wohl auch außerhalb der Metropolregion Schweiz hervorragend zusammen gearbeitet werden. Als in Berlin ansässiger Coworking-Fan wünsche ich mir das für manch schönes Dorf im uns umgebenden Brandenburgischen.

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